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Kommunisierung im Präsens

Montag 8. April 2013, von Webmaster

Dieser „kurze“ Text, der geschrieben wurde, um „Théorie Communiste“ in einem englischsprachigen Buch zu präsentieren, fasst auf eine sehr klare Art und Weise die Positionen dieser manchmal schwer zugänglichen Zeitschrift zusammen. Es fehlen die jüngsten Entwicklungen bezüglich der Gender-Unterscheidung, die für die noch nicht erschienene Nr. 24 der Zeitschrift von TC angekündigt sind.

Im Laufe des revolutionären Kampfes sind die Aufhebung des Staates, des Tausches, der Arbeitsteilung, jeglicher Form des Eigentums, die Ausdehnung der Unentgeltlichkeit zur Vereinigung der menschlichen Tätigkeit, d.h. die Aufhebung der Klassen, „Massnahmen“, welche das Kapital aufheben und uns von den Notwendigkeiten selbst des Kampfes gegen die kapitalistische Klasse aufgezwungen werden. Die Revolution ist Kommunisierung, der Kommunismus ist nicht ihr Projekt und Resultat, sondern ihr Inhalt.

Die Kommunisierung und der Kommunismus sind etwas kommendes, doch wir müssen im Präsens davon sprechen. Es ist der Inhalt der kommenden Revolution, der die Kämpfe ankündigen, jedes Mal, wenn, im gegenwärtigen Kampfzyklus, die Tatsache, als Klasse im Kampf gegen das Kapital zu handeln als äusserer Zwang erscheint, als eine zu überwindende Grenze. Es ist der Kampf als Klasse, der, in sich selbst, zum Problem geworden ist, zu seiner eigenen Grenze. Dadurch verkündet er und bringt als seine Überwindung die Revolution als Kommunisierung hervor.

a) Krise, Restrukturierung, Kampfzyklus: vom Kampf als Klasse als Grenze seiner selbst

Das Hauptresultat des kapitalistischen Produktionsprozesses war schon immer die Erneuerung des kapitalistischen Verhältnisses zwischen der Arbeit und ihren Bedingungen: Man könnte auch von einem Prozess der Selbstvoraussetzung sprechen.

Bis zur Krise Ende der 1960er Jahre, der Niederlage der Arbeiter und der Restrukturierung, die darauf folgte, existierte die Selbstvoraussetzung des Kapitals gemäss dem Konzept des Kapitals, doch der Widerspruch zwischen Proletariat und Kapital hatte seinen Platz auf der Ebene der Produktion und der Bestätigung, innerhalb dieser Selbstvoraussetzung, einer Arbeiteridentität, durch welche sich der Kampfzyklus als Konkurrenz zwischen zwei Hegemonien, zwei Verwaltungen, zwei Arten der Kontrolle der Reproduktion strukturierte. Diese Identität war die Substanz selbst der Arbeiterbewegung.

Diese Arbeiteridentität, wie auch immer die gesellschaftlichen und politischen Formen ihrer Existenz gewesen sein mögen (von den kommunistischen Parteien bis zur Autonomie; vom sozialistischen Staat bis zur den Arbeiterräten), gründete in ihrer Totalität auf dem Widerspruch, der sich in dieser Phase der reellen Subsumtion der Arbeit unter das Kapital entwickelte, zwischen, einerseits, der Schaffung und Entwicklung einer Arbeitskraft, die vom Kapital auf eine immer kollektivere und sozialere Art und Weise bewerkstelligt wurde, und, andererseits, den Formen der Aneignung dieser Arbeitskraft durch das Kapital im unmittelbaren Produktions- und im Reproduktionsprozess. Das ist die konflikgeladene Situation, die sich in diesem Kampfzyklus als Arbeiteridentität entwickelte, die ihre Prägungen und ihre unmittelbaren Auffassungsmodalitäten in der „grossen Fabrik“ fand; in der Dichotomie zwischen Anstellung und Arbeitslosigkeit, Arbeit und Ausbildung; in der Unterwerfung des Arbeitsprozesses unter das Sammeln der Arbeiter; im Verhältnis zwischen Löhnen, Wachstum und Produktivität innerhalb eines nationalen Territoriums; in den institutionellen Repräsentationen, welche all dies implizierte, sowohl in der Fabrik als auch auf Staatsebene; in der Abriegelung der Akkumulation innerhalb eines nationalen Territoriums.

Die Restrukturierung als Niederlage, Ende der 1960er Jahre und während den 1970er Jahren, dieses auf die Arbeiteridentität gegründeten Kampfzyklus hatte als Inhalt die Zerstörung all dessen, was zu einem Hindernis der Fluidität der Selbstvoraussetzung des Kapitals geworden war. Man fand einerseits alle Trennungen, Absicherungen, Vorschriften, welche der Wertminderung der Arbeitskraft entgegen standen, da sie verhinderten, dass die gesamte Arbeiterklasse, weltweit, in der Kontinuität ihrer Existenz, ihrer Reproduktion und ihrer Vergrösserung, sich als solche dem gesamten Kapital stellen musste. Man fand andererseits alle Zwänge des Kreislaufs, des Umschlags, der Akkumulation, welche die Umwandlung der Überproduktion in Mehrwert und zusätzliches Kapital verhinderten. Jegliche Überproduktion muss überall ihren Markt, jeglicher Mehrwert überall seine Möglichkeit, als zusätzliches Kapital zu operieren, d.h. die Möglichkeit, sich in Produktionsmittel und Arbeitskraft umzuwandeln, finden können, ohne dass eine Formalisierung des internationalen Zyklus (Ostblock, Peripherie) diese Umwandlung vorherbestimmt. Das Finanzkapital war der leitende Architekt dieser Restrukturierung. Mit der in den 1980er Jahren vollendeten Restrukturierung fallen die Mehrwertproduktion und die Reproduktion der Produktionsbedingungen desselben zusammen.

Der aktuelle Kampfzyklus definiert sich also durch die Tatsache, dass der Widerspruch der Klassen sich auf der Ebene ihrer jeweiligen Reproduktion verknotet, was bedeutet, dass das Proletariat in seinem Widerspruch zum Kapital seine eigene Bildung und Existenz als Klasse findet und damit konfrontiert ist. Die Konsequenz davon ist das Verschwinden einer bestätigten Arbeiteridentität in der Reproduktion des Kapitals, das Ende der Arbeiterbewegung und der damit einher gehende Bankrott der Selbstorganisation und der Autonomie als revolutionäre Perspektiven. Weil die Perspektive der Revolution sich nicht mehr im Rahmen der Bestätigung der Klasse befindet, kann sie sich auch nicht mehr im Rahmen der Selbstorganisation befinden. Das Kapital aufzuheben bedeutet, sich selber als Arbeiter zu negieren und nicht sich als solcher selbst zu organisieren, es ist eine Bewegung zur Aufhebung der Unternehmen, der Fabriken, des Produktes, des Tausches (wie auch immer seine Form sein mag).

Als Klasse zu handeln bedeutet gegenwärtig einerseits, nur das Kapital und seine Reproduktionskategorien als Horizont zu haben, andererseits, und aus diesem Grund, im Widerspruch mit der Reproduktion seiner eigenen Klasse zu stehen, sie in Frage zu stellen. Dieser Konflikt, diese Diskrepanz im Handeln des Proletariats ist der Inhalt und das zentrale Thema im Klassenkampf. Dass für das Proletariat das Handeln als Klasse die Grenze seines Handelns als Klasse darstellt, ist heute eine objektive Situation des Klassenkampfes, dass diese Grenze in den Kämpfen als solche konstruiert wird und dass sie zur Klassenzugehörigkeit als äusserer Zwang wird, ist ein zentrales Thema im Klassenkampf: Ebene des Konflikts mit dem Kapital; Konflikte innerhalb der Kämpfe. Diese Transformation ist eine Bestimmung des aktuellen Widerspruchs zwischen den Klassen, doch sie ist jedes mal eine spezifische Praxis eines Kampfes zu einem gegebenen Zeitpunkt, in den gegebenen Bedingungen.

Dieser Kampfzyklus ist der Akt einer gewandelten Arbeiterklasse. Es handelt sich in den zentralen Territorien der Akkumulation um das Verschwinden der grossen Arbeiterhochburgen und um die Proletarisierung der Angestellten, um die Tertiärisierung der Arbeitsstellen (Unterhaltsspezialisten, Baumaschinenführer, Lastwagenfahrer, Auslieferer, Lagerarbeiter etc. – diese Art von Stelle haben heute die Mehrheit der Arbeiter), um Arbeit in kleineren Unternehmen oder Produktionsstätten, um eine neue Teilung der Arbeit und der Arbeiterklasse mit der Ausgliederung der Tätigkeiten mit geringem Mehrwert (junge Arbeiter, häufig interimistisch, ohne Berufsperspektive), um die Verallgemeinerung des Just-in-Time-Managements, um die Präsenz junger Arbeiter, für welche die Schulzeit das Band der Generationen durchschnitten hat und welche die Arbeit in der Fabrik und die Arbeiterbedingung allgemein massiv ablehnen, um Delokalisierungen.

Die grossen Arbeiterkonzentrationen in Indien oder China stehen in Verbindung mit dieser weltweiten Segmentierung der Arbeitskraft, sowohl hinsichtlich ihrer globalen Definition als auch durch ihren eigenen nationalen Kontext können sie nicht als Wiedergeburt dessen, was im „Westen“ verschwunden ist, betrachtet werden. Es ist ein gesellschaftliches Existenz- und Reproduktionssystem, das die Arbeiteridentität definierte und das sich in der Arbeiterbewegung ausdrückte, nicht eine simple Existenz von quantitativen materiellen Charakteristika (1).

Von den alltäglichen Kämpfen zur Revolution muss es zwingend einen Bruch geben. Dieser Bruch zeichnet sich im alltäglichen Verlauf des Klassenkampfes ab, jedes Mal wenn innerhalb desselben die Klassenzugehörigkeit für das Proletariat im Verlauf selbst seiner Tätigkeit als Klasse als äusserer, im Kapital verdinglichter Zwang erscheint. Im Moment hängt die Revolution von der Überwindung eines grundlegenden Widerspruchs des Klassenkampfes ab: eine Klasse zu sein ist für das Proletariat das Hindernis, das sein Kampf als Klasse überwinden muss. Mit der Hervorbringung der Klassenzugehörigkeit als äusserer Zwang, kann man, von den heutigen Klassenkämpfen ausgehend, den Kipp-Punkt des Klassenkampfes verstehen, seine Überwindung als hervorgebrachte Überwindung: Die Klasse wendet sich im Kampf gegen das Kapital gegen sich selbst, d.h., dass sie ihre eigene Existenz, alles, was sie in ihrem Verhältnis zum Kapital definiert (und sie ist nur dieses Verhältnis) als Grenze ihres Handelns behandelt. Die Proletarier befreien nicht ihre „wahre Individualität“, die vom Kapital negiert wird, revolutionäre Praxis ist eben genau das Zusammentreffen sich ändernder Umstände und der menschlichen Tätigkeit oder Selbstveränderung.

Somit können wir heute von Kommunismus sprechen und im Präsens davon sprechen. Dass die Revolution die Aufhebung aller Klassen ist, existiert als aktuelle Tatsache in dem Sinne, dass das Handeln als Klasse des Proletariats, für sich selbst, eine Grenze darstellt. Diese Aufhebung ist nicht ein Ziel, das man sich vornimmt, eine Definition der Revolution als zu erreichende Norm, sondern ein aktueller Inhalt in dem, was der Klassenkampf selbst ist. Die Klassenzugehörigkeit als äusseren Zwang hervorzubringen bedeutet für das Proletariat, mit seiner früheren Situation in Konflikt zu treten, es ist keine „Befreiung“, es ist keine „Autonomie“. Es ist der „schreckliche zu gehende Schritt“ im theoretischen Verständnis und in der Praxis aktueller Kämpfe.

Daraus folgt allerdings nicht, dass das Proletariat zu einem „rein negativen“ Wesen wird. Zu sagen, dass das Proletariat als Klasse nur im und gegen das Kapital existiert, dass es all sein Wesen, all seine Organisation, all seine Realität und Verfassung als Klasse im Kapital und gegen es produziert, bedeutet zu sagen, dass es die Klasse der Mehrwert produzierenden Arbeit ist. Was verschwunden ist im aktuellen Zyklus der Kämpfe, nach der Restrukturierung der 1970er/1980er Jahre, ist nicht diese objektive Existenz als Klasse, es ist die Bestätigung einer Arbeiteridentität in der Reproduktion des Kapitals.

Das Proletariat kann nur revolutionär sein, indem es sich als Klasse wiedererkennt, es erkennt sich so in jedem Konflikt wieder und umso mehr in einer Situation, in welcher seine Existenz als Klasse, in der Reproduktion des Kapitals, die Situation sein wird, der es sich stellen werden muss. Über den Inhalt dieser „Wiedererkennung“ sollte man sich nicht täuschen. Sich als Klasse wiederzuerkennen wird kein „Zurück zu sich selbst“ sein, sondern eine totale Extraversion als Selbstwiedererkennung als Kategorie der kapitalistischen Produktionsweise. Was wir als Klasse sind, ist unmittelbar nur unser Verhältnis zum Kapital. Diese „Wiedererkennung“ wird de facto eine praktische Kenntnis sein im Konflikt, nicht von sich für sich, sondern vom Kapital, seiner Entwesentlichung. Die Einheit der Klasse kann nicht mehr auf der Lohnarbeit und dem Kampf um Forderungen gründen, eine Vorbedingung für revolutionäre Tätigkeit. Die Einheit des Proletariats kann nur noch eine Tätigkeit sein, in welcher es sich aufhebt, indem es alles aufhebt, was es teilt.

Zwischen Kämpfen um Forderungen und der Revolution ist notwendigerweise ein Bruch, ein qualitativer Sprung, doch dieser Bruch ist kein Wunder, er ist keine Alternative, er ist auch nicht die simple Feststellung des Proletariats, dass es nichts anderes mehr zu tun gäbe als die Revolution in Anbetracht des Scheiterns von allem anderen. „One solution, revolution“ ist die symmetrische Albernheit zu derjenigen der revolutionären Dynamik eines Kampfes um Forderungen. Dieser Bruch wird positiv produziert durch den Verlauf des Kampfzyklus, der ihm vorausgeht, er zeichnet sich in der Vervielfältigung der Diskrepanzen innerhalb der Klassenkämpfe ab.

Wir sind theoretisch die Späher und die Urheber dieser Diskrepanzen, die innerhalb des Kampfes des Proletariats seine eigene Infragestellung bedeuten und, praktisch, die Akteure, wenn wir dabei direkt teilnehmen. Wir existieren in diesem Bruch, in dieser Zerrissenheit der Tätigkeit als proletarische Klasse. Es gibt keine von ihm selbst ausgehende Perspektive mehr für das Proletariat als Klasse der kapitalistischen Produktionsweise ausser die Fähigkeit, seine Existenz als Klasse in der Aufhebung des Kapitals zu überwinden. Es existiert eine absolute Übereinstimmung zwischen dem Widerspruch zum Kapital und dem Widerspruch zu seiner eigenen Situation und Definition als Klasse.

Durch diese Diskrepanz innerhalb des Handelns als Klasse wird die Kommunisierung zu einer aktuellen Frage. Diese Diskrepanz innerhalb des Klassenkampfes, in welcher das Proletariat gleichzeitig nur das Kapital als Horizont hat und damit in Widerspruch mit seinem eigenen Handeln als Klasse gerät, ist die Dynamik dieses Kampfzyklus. Zurzeit enthält der Klassenkampf des Proletariats erkennbare Elemente, Tätigkeiten, die auf seine Überwindung im Verlauf desselben hindeuten.

b) einige Beispiele (2)

Es handelt sich in den meisten Fällen nicht um verblüffende Aussagen oder „radikale“ Aktionen, es können nur alle Praktiken der „Flucht“ oder der Verneinung der Proletarier gegenüber ihrer eigenen Bedingung sein. In den aktuellen Streiks nach Entlassungen fordern die Arbeiter oft und immer öfter nicht mehr den Erhalt des Arbeitsplatzes, sondern bedeutende Entschädigungen. Gegen das Kapital ist die Arbeit ohne Zukunft. Schon in den als „selbstmörderisch“ bezeichneten Kämpfen der Firma Cellatex in Frankreich, in welchen die Arbeiter drohten, Säure in einen Fluss zu leiten und die Fabrik zu sprengen, Drohungen, die nicht umgesetzt, aber häufig imitiert wurden während anderen Konflikten bei Schliessungen von Unternehmen, zeigt sich, dass das Proletariat nichts vom Kapital getrenntes ist und dass es naturgemäss keine Zukunft in sich trägt, ausser die Abschaffung dessen, wodurch es selbst existiert. Die Entwesentlichung der Arbeit wird zur Tätigkeit selbst des Proletariats, sowohl auf tragische Art und Weise in diesen (selbstmörderischen) Kämpfen ohne unmittelbare Perspektiven, als auch als Forderungen dieser Entwesentlichung wie im Kampf der Arbeitslosen und Prekären im Winter 1998 in Frankreich.

Die Arbeitslosigkeit ist nicht mehr dieses klar getrennte Daneben der Anstellung. Die Segmentierung der Arbeitskraft, die Flexibilität, die Auftragsproduktion, die Mobilität, die Teilzeitarbeit, die Ausbildung, die Praktika, die Schwarzarbeit haben all diese Trennungen unscharf gemacht.

In der französischen Bewegung von 1998, und auch auf einer allgemeineren Ebene in den Kämpfen der Arbeitslosen in diesem Kampfzyklus ist es die Definition der Arbeitslosen, die sich als Ausgangspunkt der Reformulierung der Lohnarbeit zeigt. Die Notwendigkeit für das Kapital, alles in Arbeitszeit zu messen und die Ausbeutung der Arbeit als Frage über Leben und Tod für es zu setzen, ist gleichzeitig die Entwesentlichung der unmittelbar lebendigen Arbeit im Verhältnis zu den gesellschaftlichen Kräften, die das Kapital in sich konzentriert. Dieser der kapitalistischen Akkumulation inhärente Widerspruch, und welcher aus dem Kapital einen prozessierenden Widerspruch macht, nimmt also die spezielle Form einer Klassendefinition gegenüber dem Kapital an, wovon sich die Arbeitslosigkeit als Ausgangspunkt will. In den Kämpfen der Arbeitslosen und Prekären macht sich der Kampf des Proletariats gegen das Kapital diesen Widerspruch zu eigen, beansprucht ihn. Das gleiche gilt, wenn Entlassene nicht Arbeit, sondern Entschädigungen fordern.

Die entlassenen Angestellten von Moulinex, die in einem Gebäude der Fabrik Feuer legten, sind ebenfalls Teil der Dynamik dieses Kampfzyklus, die für das Proletariat seine eigene Existenz als Klasse zur Grenze seines Handelns als Klasse macht. Das gleiche gilt für Savar in Bangladesch, 50 km von Dacca entfernt, wo 2006 nach drei Monaten Lohnrückstand zwei Fabriken verbrennt und Hunderte andere geplündert wurden. In Algerien endet die geringste Forderung in Ausschreitungen, die Repräsentationsformen werden abgelehnt, ohne dass sich neue ergeben würden und es sind alle Lebens- und Reproduktionsbedingungen, die auf dem Spiel stehen, jenseits der unmittelbaren Protagonisten des Streiks und der Forderung. In China, in Indien wird die Vervielfältigung fordernder Handlungen in unterschiedlichen Formen, die alle Aspekte des Lebens und der Reproduktion der Arbeiterklasse betreffen, nicht zu einer breiten Arbeiterbewegung führen. Diese fordernden Handlungen enden oft „paradoxerweise“ in der Zerstörung der Arbeitsbedingungen, d.h. ihrer eigenen raison d’être.

In Argentinien hat man sich als Arbeitsloser von Mosconi, Arbeiterinnen von Bruckman, Slumbewohner... selbst organisiert, aber indem man dies tat, wenn man sich selbst organisierte, stiess man schnell mit dem, was man war, zusammen, was im Kampf zu dem wurde, was überwunden werden musste und was in den praktischen Modalitäten dieser Selbstorganisationen als das zu überwindende erkannt wurde. Das Proletariat kann in sich selbst nicht die Kapazität finden, andere zwischenmenschliche Verhältnisse zu kreieren, ohne das, was es in dieser Gesellschaft ist, zu stürzen und zu negieren, d.h., ohne mit der Autonomie und ihrer Dynamik in Widerspruch zu gelangen. Die Selbstorganisation mag vielleicht der erste Akt der Revolution sein, aber alles, was auf sie folgt, ist gegen sie gerichtet. In Argentinien sind es, durch die Art, wie die produktiven Tätigkeiten bewerkstelligt wurden, in den effektiven Modalitäten ihrer Realisierung, die Bestimmungen des Proletariats als Klasse dieser Gesellschaft, die effektiv erschüttert wurden (Eigentum, Tausch, Arbeitsteilung, Verhältnis zwischen Mann und Frau...). So wird die Revolution als Kommunisierung glaubhaft.

In Frankreich im November 2005 in den Banlieues forderten die Krawallmacher nichts, sie griffen ihre eigene Bedingung an, sie nahmen sich alles, was sie produziert und definiert zum Ziel. Die Krawallmacher brachten die jetzige Situation des Proletariers ans Licht und griffen sie an: diese weltweit prekarisierte Arbeitskraft. Womit die Tatsache, ein „gewöhnlicher Proletarier“ sein zu wollen, im Moment selbst, wo eine solche Forderung hätte geäussert werden können, sofort hinfällig wurde.

Drei Monate später (im Frühling 2006), immer noch in Frankreich, konnte sich die Studentenbewegung gegen den CPE als fordernde Bewegung nur selbst verstehen, indem sie zur allgemeinen Bewegung der Prekären wurde, doch dadurch würde sie entweder sich selbst in ihrer Eigentümlichkeit auflösen, oder sie konnte nur an den Punkt gelangen, wo sie mehr oder weniger brutal mit all jenen zusammen stiess, die in den Ausschreitungen von November 2005 gezeigt hatten, dass es hinfällig war, zu fordern, man wolle ein „gewöhnlicher Proletarier“ sein. Die Forderung durch ihre Erweiterung durchzusetzen sabotierte die Forderung. Wer konnte an ein Zusammenfinden mit den Krawallmachern von November auf der Grundlage einer stabilen Anstellung für alle glauben? Dieses Zusammenfinden war einerseits objektiv im genetischen Code der Bewegung eingeschrieben, andererseits führte die Notwendigkeit dieses Zusammenfindens zu einer, genauso objektiven, Hassliebe innerhalb der Bewegung. Der Kampf gegen den CPE war eine fordernde Bewegung, für welche die Befriedigung der Forderung inakzeptabel für sie selbst als fordernde Bewegung war.

In den Ausschreitungen in Griechenland im Dezember 2008 fordert das Proletariat nichts und betrachtet sich gegen das Kapital als Grundlage überhaupt keiner Alternative. Obwohl diese Ausschreitungen allerdings eine Klassenbewegung waren, waren sie kein Kampf in der Gebärmutter selbst der Klassen: der Produktion. Dadurch konnten diese Ausschreitungen diese wesentliche Sache verrichten, die Klassenzugehörigkeit als Zwang hervorzubringen und zu betrachten, doch sie konnten dies nur tun und diesen Punkt erreichen, indem sie mit ihrer Grenze zusammen stiessen, dieses Glasbodens der Produktion. Und die Art und Weise (Ziele, Verlauf der Ausschreitungen, Zusammensetzung der Krawallmacher...), wie diese Bewegung diesen äusseren Zwang produzierte, war eigentlich durch diese Grenze definiert: das Ausbeutungsverhältnis als purer und simpler Zwang. Es ist der Angriff auf die für sich selbst genommenen Institutionen und Formen der gesellschaftlichen Reproduktion, der sie und ihre Kraft einerseits ausmachte, der gleichzeitig auch ihre Grenzen ausdrückte.

Studenten ohne Zukunft, junge Einwanderer, prekäre Arbeiter, sie sind Proletarier, die die Reproduktion der gesellschaftlichen kapitalistischen Verhältnisse jeden Tag als Zwang erleben, ein in dieser Reproduktion inbegriffener Zwang weil sie Proletarier sind, den sie jedoch alltäglich als getrennt und zufallsbedingt (zufällig und nicht notwendig) im Verhältnis zur Produktion selbst erleben. Sie kämpfen gleichzeitig in diesem Moment des Zwanges als Getrenntes und begreifen und erleben diese Trennung als Mangel ihres eigenen Kampfes gegen diese Produktionsweise.

Damit hat diese Bewegung die Klassenzugehörigkeit als äusseren Zwang hervorgebracht, aber nicht nur damit. Es ist womit sie sich auf der Ebene dieses Kampfzyklus befindet und davon ein bestimmendes historisches Moment ausmacht.

Die Proletarier haben sich, durch ihre eigene Praxis, als Proletarier in ihrem Kampf in Frage gestellt, aber sie haben es nur getan, indem sie, in ihren Angriffen und Zielen, diese Momente und Instanzen der gesellschaftlichen Reproduktion autonomisierten. Reproduktion und Produktion des Kapitals sind einander fremd geblieben.

Auf Guadeloupe 2009 führt die Wichtigkeit der Arbeitslosigkeit und des Anteils der Bevölkerung, welcher von „Hilfseinkommen“ oder einer Untergrundwirtschaft lebt, dazu, dass die Lohnforderung ein begrifflicher Widerspruch ist. Dieser Widerspruch hat den Verlauf der Ereignisse strukturiert zwischen einer LKP, für welche die stabilen Arbeiter (vor allem die öffentlichen Angestellten) im Mittelpunkt stehen, die jedoch versucht durch die Vervielfältigung und die unendliche Diversität der Forderungen, alle Begriffe dieses Widerspruchs und der Absurdität der zentralen Lohnforderung für die meisten Leute, die an den Strassensperren, den Plünderungen öffentlicher Gebäude und den Angriffen darauf teilnehmen, zusammen zu halten. Die Forderung ist im Verlauf des Kampfes selbst destabilisiert worden, sie wurde angezweifelt, genau wie ihre Organisationsform, doch die spezifischen Formen der Ausbeutung der ganzen Bevölkerung, die das Erbe einer kolonialen Geschichte sind, haben verhindern können, dass dieser Widerspruch brutaler innerhalb der Bewegung selbst ausbricht (es ist allerdings zu vermerken, dass der einzige Tote ein an einer Strassensperre getöteter Gewerkschafter war). Von diesem Standpunkt aus war die Hervorbringung der Klassenzugehörigkeit als äusserer Zwang mehr ein soziologischer Zustand und eine Art Schizophrenie als ein Streitgegenstand des Kampfes.

Mit dem Ausbrechen der aktuellen Krise ist in der Lohnforderung allgemein eine Dynamik, die sie vorher nicht haben konnte. Eine innere Dynamik, die sie durch die Gesamtheit der Beziehungen zwischen dem Proletariat und dem Kapital in der kapitalistischen Produktionsweise erlangt hat, so wie sie aus der Restrukturierung hervor gekommen ist und momentan in die Krise eintritt. Die Lohnforderung hat eine neue Bedeutung bekommen.

In der Aufeinanderfolge der Finanzkrisen, die, seit ungefähr zwanzig Jahren, den aktuellen Wertschöpfungsmodus des Kapitals regulieren, ist die Krise der subprimes die erste, welche nicht finanzielle, sich auf Kapitalinvestitionen beziehende Aktive zum Ausgangspunkt hatte, sondern den Konsum der Haushalte, und zwar der ärmsten Haushalte. Diesbezüglich ist sie eine spezifische Krise des Lohnverhältnisses des restrukturierten Kapitalismus, der durch die kontinuierliche Schmälerung des Lohnanteils im produzierten Reichtum sowohl in den zentralen wie auch den Schwellenländern definiert wird (und weiterhin definiert werden wird).

Das „Teilen der Reichtümer“ als wesentlich konflikgeladene Frage in der kapitalistischen Produktionsweise ist, unter anderem, zu einem Tabu geworden, was die kürzliche Streik- und Blockadebewegung (Oktober-November 2010) nach der Reform der Rentensysteme in Frankreich bestätigt hat. Im restrukturierten Kapitalismus (wovon wir momentan den Beginn der Krise erleben) ist die Reproduktion der Arbeitskraft Gegenstand einer doppelten Entkopplung. Einerseits zwischen der Verwertung des Kapitals und der Reproduktion der Arbeitskraft, andererseits, durch den Kredit, zwischen dem Konsum und dem Lohn als Einkommen.

Natürlich hat die Teilung des Arbeitstages zwischen notwendiger Arbeit und Mehrarbeit schon immer den Klassenkampf definiert. Doch heute, im Kampf um diese Teilung, ist es paradoxerweise dort, wo das Proletariat, im tiefsten seiner selbst, als Klasse in dieser Produktionsweise und als nichts anderes als das definiert ist, wo praktisch und konflikgeladen zutage tritt, dass seine Klassenexistenz für das Proletariat zur Grenze seines eigenen Kampfes als Klasse wird. Dort liegt der zentrale aktuelle Charakter der Lohnforderung im Klassenkampf. Im trivialsten Verlauf der Lohnforderung erlebt das Proletariat, wie seine Existenz sich verdinglicht als etwas, das ihm fremd ist insofern als das kapitalistische Verhältnis selbst es als einen Fremden in seinen Schoss setzt.

Die aktuelle Krise ist ausgebrochen, weil Proletarier ihre Kredite nicht mehr bezahlen konnten. Sie ist ausgebrochen durch das Lohnverhältnis selbst, welches die Finanzialisierung der kapitalistischen Wirtschaft begründete: Lohnkürzungen, die für die „Wertschöpfung“ notwendig sind; weltweite Konkurrenz der Arbeitskraft. Es ist diese funktionale Notwendigkeit, welche, mit der Krise der subprimes, auf negative Weise innerhalb des historischen Modus der Kapitalakkumulation zurückkehrt. Es ist das Lohnverhältnis, welches sich nun im Herzen der aktuellen Krise befindet (3). Die aktuelle Krise ist der Beginn der Phase des Umkippens der Bestimmungen und der Dynamik des Kapitalismus so wie er aus der Restrukturierung der 1970er und 1980er Jahre entstanden war.

c) Zwei oder drei Sachen, die man von ihr wissen kann

Als Nicht-Kapital, Auflösung aller existierenden Bedingungen (Arbeit, Tausch, Arbeitsteilung, Eigentum) findet das Proletariat dort den Inhalt seiner revolutionären Aktion in Form kommunistischer Massnahmen: Aufhebung des Eigentums, der Arbeitsteilung, des Tausches, des Wertes. Die Klassenzugehörigkeit als äusserer Zwang ist in sich selbst ein Inhalt, d.h. eine Praxis, wenn sich die Grenzen des Kampfes als Klasse manifestieren, sie sich überwindet durch Massnahmen der Kommunisierung. Die Kommunisierung ist nichts anderes als praktizierte kommunistische Massnahmen als simple Kampfmassnahmen des Proletariats gegen das Kapital.

Es ist die Unzulänglichkeit des Mehrwerts im Verhältnis zum akkumulierten Kapital, welche sich im Herzen der Krise der Ausbeutung befindet, gäbe es nicht im Herzen des Widerspruchs zwischen dem Proletariat und dem Kapital die Frage der Mehrwert produzierenden Arbeit, wäre es nur ein Problem der Verteilung, d.h. wäre der Widerspruch zwischen Proletariat und Kapital genau aus diesem Grund, als Dynamik der kapitalistischen Produktionsweise, keiner, d.h. wäre es nicht ein „Spiel, das die Aufhebung seiner Regel produziert“, dann würde die Revolution ein frommer Wunsch bleiben. Der Hass des Kapitals, die Lust auf ein anderes Leben sind nur der notwendige ideologische Ausdruck dieses Widerspruchs für sich selbst, der die Ausbeutung ist.

Durch einen Angriff auf Seiten der Natur der Arbeit als Mehrwert produzierend wird der Kampf um Forderungen nicht überwunden (man käme damit stets zu einem Verteilungsproblem zurück), sondern durch einen Angriff gegen die Natur des Kapitals der Produktionsmittel, ihre Aufhebung als Wert, der Arbeit absorbiert, um Mehrwert zu erzeugen, die Ausdehnung der Unentgeltlichkeit, die, durchaus auch physische, Zerstörung gewisser Produktionsmittel, ihre Aufhebung als Fabrik, in welcher definiert wird, was ein Produkt ist, d.h. der Rahmen des Handels und des Gewerbes, ihre Definition, ihre Aufnahme in individuelle intersubjektive Beziehungen, die Aufhebung der Arbeitsteilung wie sie in die urbane Zonenunterteilung, in die materielle Konfiguration der Gebäude, in die Trennung zwischen der Stadt und dem Land, in die Existenz selbst von etwas, was man eine Fabrik oder ein Produktionsort nennt, eingeschrieben ist. „Die Beziehungen zwischen Individuen stellen sich als spezifische Eigenschaften eines Dings dar, weil der Tauschwert materieller Natur ist.“ (4) Die Aufhebung des Werts ist eine konkrete Transformation der Landschaft, in welcher wir leben, es ist eine neue Geographie. Gesellschaftliche Verhältnisse aufheben ist eine sehr materielle Sache.

Im Kommunismus gilt die Aneignung nicht mehr, denn der Begriff selbst des „Produkts“ wird aufgehoben. Natürlich gibt es Dinge, die der Produktion dienen, andere, die direkt konsumiert werden, andere die beidem dienen. Doch von Produkten zu sprechen und sich die Frage ihres Verkehrs zu stellen, ihrer Verteilung oder ihrer „Veräusserung“, d.h. ein Moment der Aneignung zu konzipieren, setzt Orte des Bruchs, der „Koagulation“ der menschlichen Tätigkeit voraus: der Markt in Handelsgesellschaften, das Legen auf einen Haufen und Nehmen von einem Haufen in gewissen Visionen des Kommunismus. Das Produkt ist nicht ein einfaches Ding. Von einem Produkt zu sprechen bedingt, dass ein Resultat der menschlichen Tätigkeit als abgeschlossen erscheint gegenüber einem anderen Resultat oder inmitten anderer Resultate. Es ist nicht vom Produkt, wovon man ausgehen muss, sondern von der Tätigkeit.

Im Kommunismus ist die menschliche Tätigkeit unendlich weil unteilbar. Sie hat konkrete oder abstrakte Resultate, doch diese Resultate sind nie „Produkte“, für welche sich die Frage ihrer Aneignung oder Veräusserung unter irgendeiner Modalität stellen würde. Wenn wir in Bezug auf den Kommunismus von unendlicher menschlicher Tätigkeit sprechen können, so ist es schon weil die kapitalistische Produktionsweise uns die menschliche Tätigkeit als globalen gesellschaftlichen Fluss, wenn auch auf widersprüchliche Art und Weise, und nicht als „gute Seite“, und den „general intellect“ oder den „kollektiven Arbeiter“ als dominante Kraft der Produktion zeigt. Dieser gesellschaftliche Charakter der Produktion deutet nichts an, er macht nur aus der Grundlage des Werts einen Widerspruch.

Die Zerstörung des Tausches, das sind Arbeiter, die Banken angreifen, wo sich ihre Konten und die anderer Arbeiter befinden, womit sie sich zwingen, sich ohne durchzuschlagen, das sind Arbeiter, die miteinander in Verbindung stehen und der Gemeinschaft ihre „Produkte“ direkt und ohne Markt übermitteln, womit sie sich als Arbeiter aufheben, es ist der Zwang für die ganze Klasse, sich zu organisieren, um die Nahrung in den zu kommunisierenden Sektoren zu holen usw. Es gibt keine Massnahme die, an sich, isoliert genommen, „Kommunismus“ ist. Was kommunistisch ist, ist weder die „Gewalt“ an sich, noch die „Verteilung“ der Scheisse, die die Klassengesellschaft uns vererbt oder die „Kollektivisierung“ der Mehrwert saugenden Maschinen, es ist die Natur der Bewegung, die diese Handlungen verbindet, die ihr zugrunde liegen, aus ihr Momente eines Prozesses macht, der nur immer mehr kommunisieren oder niedergeschlagen werden kann.

Man kann keine Revolution durchführen, ohne kommunistische Massnahmen zu ergreifen, ohne die Lohnarbeit aufzulösen, die Nahrung zu kommunisieren, die Kleidung, den Wohnraum, ohne sich alle Waffen zu beschaffen (zerstörerische, aber auch die Telekommunikation, die Nahrung usw.), ohne die Habenichtse zu integrieren (auch diejenigen, welche wir selbst auf diesen Zustand reduziert haben), die Arbeitslosen, die ruinierten Bauern, die armen Studenten.

Vom Moment an, wo man beginnt, gratis zu konsumieren, muss man reproduzieren, was konsumiert wird, man muss sich der Transportmittel, der Telekommunikation bemächtigen und mit anderen Sektoren in Kontakt treten; indem man dies tut, stösst man mit den gegnerischen bewaffneten Banden zusammen. Die Konfrontation mit dem Staat wirft sofort die Frage der Bewaffnung auf, die nur gelöst werden kann, indem man ein Verteilungsnetzwerk auf die Beine stellt, um die Kämpfe an einer fast unendlichen Vielzahl von Orten zu unterstützen. Die militärischen und gesellschaftlichen Tätigkeiten sind unauflösbar, simultan und sie durchdringen sich gegenseitig, die Bildung einer Front oder abgegrenzter Kampfzonen bedeutet den Tod der Revolution. Vom Moment an, wo die Proletarier die Handelsgesetze auflösen, können sie nicht mehr damit aufhören. Jede gesellschaftliche Vertiefung, jede Ausdehnung gibt den neuen Verhältnissen Fleisch und Blut, erlaubt es, immer mehr Nichtproletarier in die kommunisierende Klasse zu integrieren, die im Begriff ist, sich gleichzeitig zu bilden und aufzulösen, immer mehr jegliche Konkurrenz und Teilung zwischen den Proletariern aufzuheben und daraus den Inhalt und den Verlauf ihrer bewaffneten Konfrontation gegen diejenigen zu machen, welche die kapitalistische Klasse noch mobilisieren, in ihre gesellschaftlichen Verhältnisse integrieren und in ihnen reproduzieren kann.

Alle Massnahmen der Kommunisierung sollten energische Handlungen zur Zerschlagung der Verbindungen, die unsere Feinde vereint, und ihrer materiellen Stützen sein, schnelle Zerstörung, ohne eine Möglichkeit des Zurücks. Die Kommunisierung ist nicht die friedliche Organisation der Unentgeltlichkeit und eines angenehmen Lebensstils zwischen Proletariern. Die Diktatur der gesellschaftlichen Bewegung der Kommunisierung ist der Prozess der Integration der Menschheit in das Proletariat, das im Begriff ist, zu verschwinden. Die strikte Abgrenzung der Proletarier gegenüber anderen Klassen, sein Kampf gegen jede Produktion der Waren sind gleichzeitig ein Prozess, der die Schicht des lohnabhängigen Kleinbürgertums, die „Klasse der gesellschaftlichen Einbettung“ zwingt, sich der kommunisierenden Klasse anzuschliessen. Die Proletarier „sind“ nicht revolutionär so wie der Himmel blau „ist“, weil sie Lohnarbeiter „sind“, Ausgebeutete, nicht einmal die Auflösung der existierenden Bedingungen. Indem sie sich selbst verwandeln, von dem ausgehend, was sie sind, entstehen sie als revolutionäre Klasse. Die Bewegung, in welcher das Proletariat sich in der Praxis definiert als Bewegung, welche die menschliche Gemeinschaft aufbaut, ist die Realität der Aufhebung der Klassen. Die soziale Bewegung in Argentinien hat, da sie damit konfrontiert worden ist, die Frage der Verhältnisse zwischen tätigen Proletariern, Arbeitslosen, Ausgeschlossenen und der Mittelklasse gestellt. Sie hat dazu nur mit extrem bruchstückhaften Antworten beigetragen, wovon die interessanteste wohl ihre territoriale Organisation ist. Die Revolution, welche in diesem Kampfzyklus nur noch Kommunisierung sein kann, überwindet das Dilemma zwischen leninistischen oder demokratischen Klassenbündnissen und „dem Proletariat allein“ von Gorter: zwei Arten der Niederlage.

Die einzige Art und Weise, die Konflikte zwischen Arbeitslosen und denjenigen „mit Anstellung“, zwischen den Qualifizierten und den Unqualifizierten zu überwinden, ist, sofort, im Verlauf des bewaffneten Kampfes, Massnahmen der Kommunisierung durchzuführen, die die Grundlage dieser Teilung beseitigen (was die eingenommenen Unternehmen in Argentinien, als sie mit der Frage konfrontiert wurden, nur sehr marginal versucht haben, sie begnügten sich in den meisten Fällen – siehe Zanon – mit einigen barmherzigen Umverteilungen an die Gruppen der piqueteros). Mangels dessen wird das Kapital stets mit dieser Zersplitterung spielen und bei den Selbstorganisierten ihre Noske und Scheidemann finden.

Was eigentlich die deutsche Revolution schon gezeigt hatte, ist, dass es darum geht, die Mittelklassen aufzulösen, indem man konkrete kommunistische Massnahmen ergreift, die sie dazu zwingen, zu beginnen, ins Proletariat einzutreten, d.h. ihre „Proletarisierung“ zu vollenden. In den entwickelten Ländern der heutigen Zeit ist die Frage zugleich einfacher und gefährlicher, einerseits ist die grosse Mehrheit der Mittelklassen lohnabhängig und hat somit keine materielle Grundlage mehr für ihre gesellschaftliche Stellung, ihre Rolle der Einbettung und der Führung der kapitalistischen Zusammenarbeit ist wesentlich, doch permanent prekarisiert, ihre gesellschaftliche Stellung hängt vom Mechanismus der Entnahme sehr unsicherer Anteile des Mehrwerts ab, andererseits jedoch, aus denselben Gründen, drängt sie ihre Nähe zum Proletariat dazu, in den Kämpfen desselben alternative nationale oder demokratische „Lösungen“ der Verwaltung vorzulegen, die ihre eigenen Positionen schützen würden.

Die wesentliche Frage, die wir zu lösen haben werden, ist, zu wissen wie man den Kommunismus ausweitet, bevor er in den Zangen der Ware erstickt; wie wir die Landwirtschaft integrieren, um nicht vom Austausch mit den Bauern abhängig zu sein; wie wir die Handelsbeziehungen des Gegners zertrennen, um die Logik der Kommunisierung der Verhältnisse und der Eroberung der Güter durchzusetzen, wie wir durch die Revolution den Block der Angst auflösen.

Abschliessend kann gesagt werden, dass man das Kapital nicht für den Kommunismus, sondern durch den Kommunismus aufhebt, oder genauer durch seine Produktion. Die kommunistischen Massnahmen müssen nämlich vom Kommunismus unterschieden werden: Es sind nicht Embryonen des Kommunismus, es ist seine Hervorbringung. Es ist keine Übergangsphase, es ist die Revolution, die Kommunisierung ist nichts anderes als die kommunistische Hervorbringung des Kommunismus. Der Kampf gegen das Kapital ist, was die kommunistischen Massnahmen vom Kommunismus unterscheidet. Die revolutionäre Tätigkeit des Proletariats hat immer zum Inhalt, die Aufhebung des Kapitals durch sein Verhältnis zum Kapital zu vermitteln, es ist weder ein Bereich einer Alternative in Konkurrenz zu einer anderen, noch ein Immediatismus des Kommunismus.

(1) Dass China und Indien es schaffen, sich selbst als inneren Markt aufzubauen, hängt von einer wahrhaften Revolution auf dem Lande ab (Privatisierung des Landes in China; Verschwinden des kleinen Landbesitzes und der Formen der Halbpacht in Indien), und auch und vor allem von einer Umgestaltung des globalen Zyklus des Kapitals, welche die aktuelle Globalisierung verdrängt (eine Renationalisierung der Wirtschaften, die die Globalisierung überwindet / bewahrt, eine Entfinanzialisierung des produktiven Kapitals). D.h. diese Hypothese ist ausserhalb unserer konzeptuellen Reichweite, denn ausserhalb dieses Kampfzyklus setzt sie die Revolution, so wie sie dieser Zyklus besiegt hat, und, in dieser Niederlage, eine Restrukturierung der kapitalistischen Produktionsweise voraus.

(2) Die Beispiele sind mehrheitlich französisch, die Veröffentlichung dieses Texts in den USA ist eine Möglichkeit, die verteidigten Thesen zu überprüfen.

(3) Es handelt sich um eine Krise, in welcher sich die Überakkumulation und der Unterkonsum klar abzeichnen.

(4) Im französischen Text lautet das Marx-Zitat folgendermassen: „Les rapports entre individus se sont figés dans les choses, parce que la valeur d’échange est de nature matérielle“. Folgende Quellenangabe steht dabei: Marx, Fondements de la critique de l’économie politique, Ed. Anthropos, t.1, p.97. Dieser Text ist die Übersetzung der „Grundrisse der politischen Ökonomie“, auch bekannt unter dem Titel „Zur Kritik der politischen Ökonomie“. In der konsultierten deutschen Version ist dieser Satz so nicht enthalten, womöglich liegt es an einer ungenauen Übersetzung ins Französische. Vermutlich handelt es sich um folgende Passage: „Daß ein gesellschaftliches Produktionsverhältnis sich als ein außer den Individuen vorhandener Gegenstand und die bestimmten Beziehungen, die sie im Produktionsprozeß ihres gesellschaftlichen Lebens eingeben, sich als spezifische Eigenschaften eines Dings darstellen, diese Verkehrung und nicht eingebildete, sondern prosaisch reelle Mystifikation charakterisiert alle gesellschaftlichen Formen der Tauschwert setzenden Arbeit.“ (Karl Marx/Friedrich Engels - Werke, (Karl) Dietz Verlag, Berlin. Band 13, 7. Auflage 1971, unveränderter Nachdruck der 1. Auflage 1961, Berlin/DDR. S. 34-35.)

Théorie Communiste

Übersetzt aus dem Französischen

Quelle