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Bernard Lyon – Zur Strömung der Kommunisierung
Mittwoch 1. April 2026
Die Bewegung der Kommunisierung ist die Durchführung der Revolution selbst, wovon wir sprechen, ist eine die Kommunisierung befürwortende Strömung, wenn das Wort kein Zungenbrecher wäre, wäre es die „kommunisierungistische“ Strömung. Diese Strömung ist die direkte Erbin der Ultralinken, aber eine Erbin, die ein ernsthaftes Inventar gemacht hat! Sie hat das gesamte Korpus der Ultralinken radikal kritisiert, die von ihr begonnene, aber auf die Kritik der Vermittlungen der Affirmation des Proletariats begrenzte Kritik des Arbeiterprogramms vollendet, nämlich begrenzt auf die Gewerkschaft und die Partei, wobei das Machtorgan, der Rat, beibehalten worden ist, daher die Bezeichnung Rätekommunisten für die konsequentesten Ultralinken, die nicht die Partei auf die eine oder andere Weise wieder aufgriffen. Das Konzept der Kommunisierung hat sich in der Kritik der Ultralinken herausgebildet und jenes der Strömung der Kommunisierung ist in der Vertiefung dieser Kritik und Ausarbeitung einer über die Vision der Revolution als Resultat der Erlangung der Autonomie durch das Proletariat hinausgehende Theorie entstanden, eine Autonomie, die dazu bestimmt war, ein postuliertes revolutionäres Wesen des Proletariats zum Vorschein zu bringen, die eine Art letzte Vorbedingung der Revolution und erst recht des Kommunismus sei.
Man muss von der unmittelbaren Situation ausgehen, in welcher die Strömung der Kommunisierung entsteht, d.h. allen voran der Kritik des radikalen Demokratismus und danach jener des Programms der Affirmation des Proletariats, obwohl dieses Programm mittlerweile und schon lange überholt ist, auf diese Art und Weise hat sich die Strömung der Kommunisierung öffentlich herausgebildet (wenn auch die Kritik des Programmatismus und die Protokollierung der Restrukturierung der Kritik des radikalen Demokratismus um mehr als zehn Jahre vorausging).
Die Strömung der Kommunisierung ist also eine politische oder theoretische Strömung, die eine Konzeption der Revolution vermittelt, indem sie den radikalen Demokratismus und seine politische Ableitung, den Bürgeraktivismus, als mögliche Form einer kommenden Konterrevolution kritisiert, aber sie formuliert diese Kritik mit der Präzisierung, dass dieser neue Reformismus keineswegs mit dem Arbeiterreformismus gegenüber den revolutionären Strömungen der Epoche der programmatischen Affirmation des Proletariats verglichen werden kann. Das bedeutet, dass die Strömung der Kommunisierung nicht die richtige revolutionäre der falschen reformistischen radikaldemokratischen Linie entgegenhält (oder das zumindest nicht tun sollte), als ob der radikale Demokratismus nicht existieren könnte. Es kann keine begründete Verteidigung der richtigen Linie geben, weil der radikale Demokratismus als Grenze des Kampfes der Klasse selbst in der gegenwärtigen Periode hervorgebracht wird, eine Periode, in welcher der Widerspruch zwischen Proletariat und Kapital nicht mehr Träger seiner eigenen Vertiefung als Zukunft des Kapitals ist. Das Proletariat trug diese Zukunft integriert in seine Praxis: eine Praxis, in welcher es nach seiner Affirmation strebte, um Produktivkräfte zu befreien, für welche das Kapital nunmehr ein Hindernis sein könnte. Der radikale Demokratismus kann nicht von der Perspektive der Abschaffung der Klassen getrennt werden und wir sitzen mit ihm und gegen ihn im gleichen Boot!
In der gegenwärtigen Periode, in welcher im Widerspruch zum Kapital zu sein bedeutet, im Widerspruch zu seiner Klassenbedingung zu sein, ist die Dynamik des Kampfes der Klasse die Infragestellung dieser Klassenzugehörigkeit, diese Infragestellung gegen das Kapital drückt sich häufig auf autonomisierte Art und Weise als Affirmation des Menschen als schon jenseits der Klassen stehendes Individuum aus, in einer sowohl antizipierenden als auch retroaktiv vorprogrammatischen Form, d.h. in Manier der utopistischen Theoretiker und des jungen Marx vor der Verfestigung des sozialistischen Arbeiterprogramms. Dieses scheinbare Wiederaufleben des theoretischen Humanismus wird durch die restrukturierte Form der Ausbeutung verursacht, sie scheint nun nicht mehr nur zur Ausführung der Arbeit zu gehören, sondern Teil ihres Wesens selbst zu sein, da sie also nicht mehr befreit werden kann, setzt sie den Menschen und nicht mehr den Arbeiter als Objekt der Befreiung. In den Kämpfen tritt das Proletariat ideologisch nicht mehr als (politisch-gewerkschaftliche) Klasse für sich auf, ganz im Gegenteil, der Massencharakter seines Kampfes erscheint als nicht durch die Klassenhandlung als Ganzes subsumierte Intersubjektivität; es ist insofern, als die Ideologie des Menschen und des Individuums angetrieben wird, es ist, für uns, im Rahmen der Autonomisierung der Dynamik der Periode, die unvermeidliche und vorübergehende Ideologisierung einer Bewegung, die, vermittelt durch die Krise, die Trägerin der Abschaffung der Klassen ist. Die Affirmation in den Kämpfen, gegen die grossen Shows der Globalisierung und Gegenshows der Antiglobalisierung, einer individuellen revolutionären Subjektivität, die, schon in einem Jenseits des Kapitals situiert, trotz ihrer humanistischen Illusion mit der in die Tat umgesetzten Intersubjektivität, die wir in den Generalversammlungen und Kollektiven der Bewegung im Frühling 2003 beobachten konnten, zusammenwachsen kann, ist vielleicht die Voraussetzung einer Selbsttransformation der Proletarier in unmittelbar gesellschaftliche Individuen. In der Bewegung von 2003 wurden die Gewerkschaften in ihren institutionellen Rollen als Repräsentantinnen der Streikenden gegenüber dem Staat belassen, nicht mehr, weil sie den Streik organisiert hätten, sondern eben genau im Gegenteil, weil sie ihn im Alltag nicht organisierten und ihnen eine Funktion zugewiesen wurde, in welcher sie nichts beherrschten und, während den „Höhepunkten“, eine „Begleitung“ einer intersubjektiven, und eben nicht autonomen Streikbewegung inszenierten.
Das Intersubjektive unterscheidet sich komplett von der Autonomie, insofern als die Autonomie auf die Klasse, so wie sie im Kapital, gegenüber dem Kapital ist, verweist, während das Intersubjektive ein Proletariat als (tendenziell) nicht mehr durch und für das Kapital, nicht mehr für sich selbst seiend setzt; die Intersubjektivität verweist es jenseits seiner selbst, sie ist keine Subsumtion, sie deutet auf die Selbsttransformation in unmittelbar gesellschaftliche Verhältnisse.
„Klasse gegen Klasse, damit ist Schluss, wir gehen in Richtung: die Klasse gegen die Klassen“
Die Autonomisierung der Dynamik ist sowohl gleichbedeutend mit dem Auftauchen einer Strömung, die sich für die Kommunisierung ausspricht, als auch jenem der radikalen immediatistischen humanistischen Ideologie; der Immediatismus existiert in der Strömung der Kommunisierung und durch die umfassende Selbstkritik dieses Aspekts ihrer selbst ruft die Strömung Elemente zu sich, die dabei sind, sich von den letzten programmatischen Formen zu entfernen. (Wird das Proletariat sich nicht als letzte Vorbedingung zur Kommunisierung konstituieren müssen? Aufheben.)
Die Zerstreuung des Streiks von 2003, der Charakter eines Kampfes für den Kampf, die Unregelmässigkeit des Streiks, die „Arbeitsteilung“ mit den auf die Repräsentation verwiesenen Gewerkschaften, ohne dass jemand empört oder froh darüber wäre, und der gesellige Charakter des Rahmens und der Handlungsorte erlauben viele Schlüsse bezüglich des Prozesses der Abschaffung der Klassen: tatsächliche entgegenständlichende Bemächtigung des Kapitals, ohne Proklamation, Geschrei oder Fahnen. Sogar die Delegierung/Zurückweisung der Gewerkschaften auf gewisse Funktionen sagt uns etwas Wesentliches, nämlich dass es Delegierungen von Aufgaben geben wird, auch hier tatsächlich, Delegierungen jedoch ohne Ruhm und jederzeit widerrufbar, wie es den Rätekommunisten in der guten alten Zeit am Herzen lag, jetzt allerdings ist die Widerruflichkeit gleichbedeutend mit der Möglichkeit zur Vergessenheit!
Die Strömung der Kommunisierung kritisiert jetzt also gegenüber dem radikalen Demokratismus (der sich fundamental unterscheidet von den versteinerten Überbleibseln der Ultralinken, die den sozialen Bewegungen die Leviten lesen, damit sie wieder werden, was sie nicht mehr sein können, nämlich schön programmatische Kämpfe der Klasse) das Verschwinden jeglichen revolutionären Horizonts, nicht um zu versuchen, wieder einen herzustellen, sondern um das Problem der Hervorbringung der Überwindung aufzuwerfen, aber wie kann diese Kritik, da es sich um eine hervorzubringende Überwindung handelt, dies tun? Hier bringen die theoretischen Analysen natürlicherweise eine Verteidigung des Kommunismus oder gar der Kommunisierung mit sich. Hier kann eine Tendenz existieren, die sich diese Partei der Kommunisierung erhofft. In unserer Aktivität, seien es Herausgabe von Texten, Diskussionen, Treffen, Suche nach Mittel zur Bekanntmachung unserer Positionen, ist dieser Aspekt der Verteidigung unumgänglich, er kann zudem mit alternativistischen Aspekten verbunden sein, denn diese Verteidigung ist auch eine Autonomisierung dessen, was das Wesentliche dieser Periode ist.
Man muss auch damit rechnen, dass Konzepte wie die Hervorbringung der gesellschaftlichen Unmittelbarkeit der Individuen in Problematiken der Klassenautonomie verwendet werden, diese werden sich weiterhin in einem letztendlich immer noch programmatischen Rahmen platzieren. Wir werden also Echos von zwei Seiten haben, einerseits von den Anhängern der Autonomie, sowohl aus der anarchistischen als auch der ultralinken Tradition stammend, und andererseits von „radikalen“ aktivistischen Randgruppen, die ihre alternativistischen Vorgehensweisen als Kommunisierung theoretisieren werden. Der Wille, den Kommunismus jetzt zu leben, wird jetzt im Kampf der Klasse hervorgebracht, es geht darum, diesen Willen weder als anachronistisches Revival des Phalansteriums noch als Reformismus oder Vorwegnahme der Kommunisierung zu betrachten, sondern als reelles Element des Kampfes der Klasse, mit welchem die Polemik notwendig ist, ohne diesen Willen mit dem radikalen Demokratismus gleichzusetzen oder in ihm einen „privilegierten Verbündeten“ zu sehen, umso mehr, weil gegenüber dieser Strömung die Theorie des Proletariats als Klasse des Kapitals und Klasse der Kommunisierung thematisch im Zentrum der Polemik steht.
Wir müssen von der Perspektive eines gewissen Erfolgs ausgehen und somit wissen, dass man uns falsch verstehen wird und das ist umso schlimmer/besser! Die Autonomisierung dessen, was die Dynamik dieses Kampfzyklus ist, ist ein absolut normales Phänomen und total natürlich für die Periode und gewissermassen gibt es kein falsches Verständnis der von uns ausgearbeiteten Themen, die Polemik ist eher ein konstitutives Element der Themen selbst! Unser Versuch einer gegenseitigen Annäherung ist auch eine Abwendung von der Klandestinität. Die Mittel, wovon im Aufruf (zu einer Partei der Kommunisierung) gesprochen wird, sind alles in allem Mittel, die aus einer alternativistischen Perspektive verstanden werden, aber wir müssen versuchen, diese Mittel zu haben: Treffen, Veröffentlichungen, Lokale, Druckereien, wir müssen ein Netzwerk aufbauen, ohne nach jeglicher Reinheit zu streben, die Verschiedenheit unserer aktuellen Veröffentlichungen garantiert uns, die Möglichkeit einer konfliktreichen Ausarbeitung unserer Analysen nicht zu verlieren.
Die Strömung der Kommunisierung ist jetzt schon der Bereich, wo wir uns befinden, die Epoche der Durststrecke (die Restrukturierung) ist vorbei. Das Projekt einer internationalen Zeitschrift ist essenziell. Es ist wünschenswert, dass ein internationales Treffen zu Themen, die sich aus dieser ersten Sitzung ergeben sollten, organisiert wird. Diese Themen werden von Leuten, die sich nicht als Vertreter von Positionen der Kommunisierung betrachten, als Mittel zur Analyse benutzt werden können. Als Beispiele werde ich hier die proletarische Bedingung als Zwang der kapitalistischen Klasse oder die Unmittelbarkeit der Klassen erwähnen.
Unser Projekt wird ein Element zur Polarisierung der Strömung sein, unsere eigenen Meinungsverschiedenheiten garantieren, dass wir nicht Gefahr laufen, eine sterile Einmütigkeit zu erschaffen! Denn das Ende des Programmatismus (des Arbeiterparadigmas der Revolution) wird unter verschiedenen Bezeichnungen anerkannt: „alte Arbeiterbewegung“, „Arbeiterideologie“ oder schlicht und einfach „Sozialismus“. Unsere Analysen entsprechen einem Bedürfnis, die Kommunisierung ist ein erwartetes Konzept, Konzepte werden entsprechend den Bedürfnissen integriert, wobei alle in den Konzepten enthaltenen Ambivalenzen benutzt werden – die Kritik dieser Nutzungen wird für uns ein wesentlicher Weg sein, um zu verstehen, wie die Kommunisierung als praktische Antwort eingeführt werden kann, d.h. als ambivalente Antwort, die ihre eigene Grenze enthält. Die Revolution wird mit der Konterrevolution konfrontiert sein und wenn wir versuchen, nicht alles miteinander zu vermischen oder keine Politik als Fiktion zu betreiben, wird die Rezeption des Konzepts der Kommunisierung für uns ein Konfrontationsfeld sein, nicht um gegen den Alternativismus zu kämpfen, sondern um eine Konzeption am Leben zu erhalten, in welcher die Krise und die Hervorbringung der Überwindung miteinander verschränkt sind und weder das Eine durch das Andere noch beides durch „das Kapital“ hervorgebracht wird, sondern beide gleichbedeutend mit dem Kampf der Klasse sind. Es ist eben genau, weil einige sagen, dass sie den Kommunismus leben oder Anarchie verbreiten wollen, dass wir uns in einer kommunisierenden Bewegung konzipieren können, obwohl niemand den Kommunismus leben oder die Anarchie verbreiten wird!
Obwohl wir unsere Handlung weder als einen Kampf für den Aufbau einer Art Ersatzpartei noch um irgendeine Vormachtstellung unserer Analysen konzipieren, konzipieren wir sie sehr wohl als Parteinahme und Aktivität zur Ausweitung dieses Bereichs der Kommunisierung, wohl wissend, dass sie keine Vorwegnahme der wirklichen Kommunisierung sein wird. Die wirkliche Kommunisierung, die Vertiefung der Intersubjektivität des Kampfes für den Kampf, die zur Kommunisierung der Verhältnisse gegen das Kapital wird, wird den Radikalismus der Forderungen zur Verteidigung der proletarischen Bedingung überwinden. Die Überwindung ist gleichbedeutend mit der Transformation der Verteidigung der proletarischen Bedingung in ihre Abschaffung, ohne dass die Orientierung oder die Akteure davon sich verändern würden, Akteure, die sich in unmittelbar gesellschaftliche Individuen gegen das Kapital und für und durch diesen Kampf verwandeln werden. Obwohl dieser Bereich weder eine Partei noch eine Vorwegnahme des Kommunismus ist, ist sie ein politisch-praktischer Raum, d.h. sowohl ein theoretischer „Ort“ als auch physische Orte, Orte des Lebens und der Begegnungen, Orte der Ausarbeitung unseres Verständnisses der Kämpfe und des Verlaufs des Kapitals und Sammelplätze der Mittel ihrer Verbreitung. Deshalb ist die Antwort auf die Frage von François, ob eine Strömung der Kommunisierung existiert, ein klares Jein, ja insofern, als sehr beschränkt tatsächlich Leute existieren, welche die Revolution als unmittelbare Hervorbringung des Kommunismus definieren, nein insofern, als die Anhänger der Kommunisierung noch nicht wirklich eine Strömung konstituieren. Damit diese Strömung existiert, ist es zuerst einmal notwendig, dass sie sich ihrer selbst bewusst ist, und danach, dass sie festhält, dass die Kommunisierung nur die seine Ausbeutung durch die kapitalistische Klasse abschaffende Handlung des Proletariats sein kann, dass sie diese Klasse, ihre eigene Klassenbedingung und die Klassen abschafft. Die Existenz der Strömung der Kommunisierung ist also die Existenz eines internen polemischen Bereichs, doch diese Existenz ist selbst ein Produkt der Polemiken.
Die Strömung der Kommunisierung ist das Produkt politisch-theoretischer Raufereien und das wird immer so sein, sie trägt diese unmittelbar gegen mehrere Gegner aus: zuerst gegen den radikalen Demokratismus, danach gegen die unilaterale Opposition dagegen, gegen die alternativistischen Versuchungen (wobei sie diese gewissermassen auf kritische Art und Weise theoretisch integriert), gegen die versteinerten Überbleibsel der Ultralinken, gegen den noch bei uns nahestehenden Leuten präsenten Restbestand an proletarischem Programmatismus, vielleicht vor allem gegen die sehr starke Tendenz, das Proletariat mit der Menschheit als die Revolution „machend“ zu ersetzen (indem das eine mit der anderen gleichgesetzt wird), diese Tendenz integriert dadurch das sogenannte Verschwinden des Proletariats (eventuell zugunsten der Multitude), eliminiert jegliche Dynamik der Ausbeutung und des Kapitals und behauptet, die Kommunisierung sei jederzeit möglich, oder, im besten Fall, es gebe zu ergreifende oder verpassende Gelegenheiten, und schliesslich gegen die radikale Form dieser letzten Tendenz, die das Kapital verewigt und die moderne, rein ökonomische Ideologie der kapitalistischen Klasse in kommunistische Kreise importiert, jene der Selbstüberwindung des Kapitals, das den Wert abgeschafft oder seines Inhalts entleert habe, die abstrakte Arbeit verwerte sich in der Spekulation, da die Arbeitswerttheorie gleichwesentlich mit der Ausbeutungstheorie ist, wird das Proletariat damit radikal negiert, diese These geht übrigens einher mit der Idee, dass die Arbeit von den Kapitalisten nur noch aufrechterhalten werde, um die Proletarier zu beschäftigen/entfremden, und sich nur noch die archaischen Kapitale mithilfe der Ausbeutung der Arbeit verwerten. Die Strömung der Kommunisierung ist eine polemische Strömung, aber die daran Beteiligten sind in den Kämpfen der Klasse engagiert, ohne dass sie sich je „als“ Kommunisierer präsentieren würden, wir sind in den Kämpfen der Klasse mit unseren Konzeptionen engagiert, und das sogar, weil wir sie haben, aber nie „als“ irgendetwas, trotzdem muss die Strömung, ohne in Konkurrenz mit den radikalen Demokraten zu sein, Bekanntheit erlangen, ihre Thesen müssen unausweichlich werden. Die Positionen der Kommunisierung sind in Anbetracht der gegenwärtigen Richtung der Bewegung des Kapitals, der Kämpfe, der Entwicklung der Konflikte, der „privaten“ und staatlichen terroristischen Kriege unerlässlich, es ist notwendig, dass der Bürgeraktivismus und die Bewegung gegen die Globalisierung nicht hegemonial sind, dass immer eine hartnäckige revolutionäre Kritik existiert, demokratische „Lösungen“ sind immer auch schon militärische Lösungen, wenn man sieht, wie die europäischen Pazifisten das Empire bis zum letzten Iraker oder Palästinenser bekämpfen. Wir müssen uns die Mittel geben, in den Kämpfen und auf nicht ideologische, d.h. auf nicht werbende Art und Weise auf die kommunistische Perspektive zu verweisen, denn, obwohl die Demokratie im Moment die Antwort auf alle Fragen ist, zeigt sich zunehmend der nie vollendete und nun kriegerische Charakter der Restrukturierung. Der Verlauf der Kämpfe und der Entwicklung des Kapitals wird noch lange dauern, bevor die Überwindung hervorgebracht werden wird; in der Krise dieses Anfang der 1990er Jahre begonnenen Kampfzyklus enthält diese hervorgebrachte Überwindung die Entwicklung der Strömung der Kommunisierung, zuerst als Kritik der Grenze der Kämpfe, die Grenze und die Kritik davon werden beide von den Kämpfen hervorgebracht. Obwohl die Kommunisierung nicht gleichbedeutend mit dem Sieg dieser Strömung sein wird, ist ihr Auftauchen nicht ein Resultat einer inneren Entwicklung der kommunistischen Theorie, sondern jenes der Kämpfe der Klasse, die keine Affirmation der Arbeit mehr entwickeln, sondern dazu tendieren, sich infrage zu stellen, wie es die Kritiken der Arbeit zeigen und obwohl diese für die Arbeit, d.h. das Proletariat und somit den Widerspruch zwischen Kapital und Proletariat wichtig sind. Die Strömung der Kommunisierung in den Kämpfen ist empirisch gleichbedeutend mit der Theorie als reelles Element der Kämpfe.
Kommunisierung vs. Vergesellschaftung
Das Problem der Kommunisierung ist jenes der Überwindung durch das Proletariat, oder eher durch die Proletarier, ihrer defensiven Handlungsweise hin zu einer Aktivität der Bemächtigung des Kapitals, die keine Vergesellschaftung ist, d.h. keine Verwaltungsweise der Ökonomie, sondern die Konstitution einer Gemeinschaft von Individuen, die unmittelbar ihre Komponenten sind. Die Kommunisierung geschieht mittels der Bemächtigung der Mittel zum Lebensunterhalt, der Kommunikationsmittel, der Transporte und letztendlich der Produktionsmittel im engeren Sinne. Die Kommunisierung der Beziehungen, die Konstitution der menschlichen Gemeinschaft/des Kommunismus wird für den Kampf gegen das Kapital, in ihm und durch ihn verwirklicht, in diesem Kampf kann man nicht die Übernahme der materiellen Mittel und die Transformation der Proletarier in unmittelbar gesellschaftliche Individuen einander entgegenstellen, es ist die gleiche Aktivität. Der radikale Unterschied zur Vergesellschaftung ist die Tatsache, dass es sich nicht um einen Eigentumswechsel der materiellen Mittel handelt. Es gibt in der Kommunisierung keine Aneignung der Güter durch irgendeine Instanz, Staat, Kommune oder sogar Rat, welche die das Kapital enteignenden Proletarier beherrschen und somit daraus eine Aneignung machen würde. Der Wechsel des Eigentumsregimes ist gleichbedeutend mit der Konstitution einer neuen Form der Ökonomie: Sozialismus, obwohl es sich gegenwärtig eher um die solidarische Ökonomie handeln würde, und zum Glück, denn als der Sozialismus real möglich war, war es der Kommunismus nicht. Die Kommunisierung konstituiert keine Ökonomie, sie macht sich alles zunutze, hat aber kein anderes Ziel als sich selbst. Die Kommunisierung ist nicht Kampf für den Kommunismus, sondern der sich konstituierende Kommunismus gegen das Kapital.
Aber, obwohl die kommunisierende Handlung der Ausgang des Kampfes der Klasse in der revolutionären Krise ist, kann die gleiche Handlung der Bemächtigung, wie wir gesehen haben, Kommunisierung oder Vergesellschaftung sein, jede Handlung dieser Art kann das Eine oder das Andere sein, alles hängt von der Dynamik, vom sich konstant transformierenden Rahmen, d.h. alles hängt vom Kampf gegen das Kapital ab, der sich entweder vertieft und ausweitet oder sich verlangsamt und sehr schnell zum Erliegen kommt. Alles hängt auch vom Kampf im Kampf gegen das Kapital ab. Die Konstitution des Kommunismus ist mit jener einer allerletzten Form der Alternative in der Tradition des Sozialismus verschränkt. Die Tendenz hin zur Konstitution von Instanzen, die danach streben, aus der Bemächtigung der materiellen Mittel eine ökonomische Vergesellschaftung zu machen, werden bis zur vollständigen Kommunisierung permanent sein. Die Permanenz einer konterrevolutionären Tendenz innerhalb der Bewegung der Revolution ist gleichbedeutend mit der Existenz einer „programmatischen“ Dimension der Affirmation und Befreiung der Arbeit bis zuletzt. Die Aufrechterhaltung dieses Programmatismus wird durch die Existenz des noch nicht abgeschafften Kapitals hervorgebracht, solange das Kapital gegenüber dem Proletariat existiert, auch gegenüber dem es abschaffenden Proletariat, d.h. dem sich selbst abschaffenden Proletariat, bewahrt das Proletariat einen Rest an Positivität und diese Positivität der Arbeit wird im revolutionären Prozess sogar reaktiviert, denn die gesellschaftliche Reproduktion wird zu einem von der Handlung der Proletarier abhängenden Prozess. Die einzige Überwindung dieser Dimension ist der Sieg der Kommunisierung, die gleichbedeutend mit der erreichten Abschaffung der kapitalistischen Klasse und des Proletariats ist. Die Überwindung dieser Konterrevolution wird nicht immer irenisch sein, sie wird nicht immer „in der Bewegung“ vorgenommen, keine wahre und beschleunigte Version des im Sozialismus vorgesehenen „Absterbens des Staates“ sein. Jede staatliche oder parastaatliche Form wird immer alles tun, um sich im Namen der Notwendigkeit ihres späteren Absterbens selbst aufrechtzuerhalten! Die radikale Demokratie wird im Namen der Abschaffung der Klassen selbst alles zur Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung von Wahlstrukturen tun, welche gemäss ihr notwendig sind, um die Konstitution einer neuen sich selbst einsetzenden und unkontrollierten Führungsschicht zu vermeiden. Die Konstitution des Kommunismus ist mit der Konstitution einer allerletzten Form des Sozialismus verschränkt.
Der Kampf darum, die in der Enteignung des Kapitals aktivsten Fraktionen des Proletariats „wieder zur Vernunft zu bringen“, wird umso heftiger sein, weil er sich als Verteidigung der demokratischen Revolution präsentieren und es ablehnen wird, dass „Minderheiten“ die Errungenschaften der Mehrheit kompromittieren. Die Kommunisierung wird nie Errungenschaften haben, alle Enteignungen, welche die unmittelbare Gemeinschaft konstituieren, werden als reine Enteignungen, wilde Aneignungen infrage gestellt, sie werden zu Vergesellschaftungen erklärt, sobald die Bewegung langsamer wird und sich eine parastaatliche Instanz bildet, um zu verteidigen, was in diesem Moment als Errungenschaften und Elemente zur Konstitution einer möglichen neuen Ökonomie erscheinen wird. Alles wird sich auf der geographischen, horizontalen Ebene abspielen, nicht auf sektorieller, die Arten von Aktivitäten differenzierender Ebene. Die Grenzen werden überall sein und die verallgemeinerte Verschränkung Revolution/Konterrevolution wird sich in vielfältigen und chaotischen Konflikten zeigen. Die Ausbreitung ist die Bewegung des Sieges, die Verlangsamung jene der Konterrevolution durch die Verteidigung der Errungenschaften. Der Kampf des Kapitals zur Wiedererlangung der gesellschaftlichen Kontrolle wird doppelt sein, ohne dass das eine Strategie wäre. Einerseits werden die Staaten und Konsortien kämpfen, um ihre Herrschaft wiederherzustellen und die Ausbeutung wiederzubeleben, andererseits wird sich die kapitalistische Gesellschaft auf den total ambivalenten Grundlagen der Volksmacht und Selbstverwaltung aufrechterhalten, diese Fraktionen können sich bekämpfen oder verbünden, je nach Situation und somit Entwicklung der Bewegung der Kommunisierung. Einige Fraktionen des aufständischen Proletariats werden zerschlagen werden, andere „umgedreht“ und sich konservativen Überlebensmassnahmen anschliessen, andere Aufstände die Nachfolge antreten. Einige umgedrehte/festgefahrene Fraktionen werden wilde Enteignungen und die Organisation des Kampfes durch jene, welche kämpfen und nur für den Kampf, ohne Repräsentation, ohne Kontrolle von irgendwem in irgendeinem Namen wieder in Schwung bringen, die Konstitution des Kommunismus wieder aufnehmen, nicht als Ziel, sondern als Inhalt des Kampfes. Die konterrevolutionären Ideologien werden zahlreich sein, an erster Stelle vielleicht jene des Überlebens der Wirtschaft: Bewahren wir die wirtschaftlichen Mechanismen, zerstören wir nicht jegliche wirtschaftliche Logik, um danach eine neue Wirtschaft oder eher, und unmittelbar damit verbunden, eine neue Demokratie aufbauen zu können.
Demokratie und solidarische Ökonomie werden die beiden grossen zu zerschlagenden ideologischen Konstruktionen sein, sie werden je nach Ort mit anderen Systemen kombiniert werden. Sie werden vor allem mit den sehr diversen Ideologien der Gemeinschaften kombiniert werden: national, ethnisch, religiös oder rein lokal, und das sind wahrscheinlich die gefährlichsten, denn sie werden sich als spontan und unvermeidlich präsentieren. Diese Gemeinschaften werden etliche Abwandlungen erleben und diese Ideologien können alle politischen Farben annehmen: konservativ, reaktionär, demokratisch und natürlich vor allem revolutionär, denn die Verschränkung Revolution/Konterrevolution ist dort die Regel. Man darf sich den anti-ideologischen Kampf jedoch nicht als verschieden von der Kommunisierung selbst vorstellen, die Ideologien werden innerhalb der Kommunisierung bekämpft, denn sie sind Teil dessen, was von der Bewegung abgeschafft wird. Im Kampf für die Kommunisierung kann der militärische Aspekt nicht abgegrenzt werden, aber die Konstitution des Kommunismus kann unmöglich nicht auch auf dieser Ebene mit der Konterrevolution konfrontiert sein müssen. Die Aspekte der offenen Gewalt werden nicht zur Bildung einer Front führen, würde sich eine solche Front bilden, hätte die Revolution verloren, zumindest dort, wo diese Front liegt und bis zu ihrer Rückbildung. Die Revolution wird gleichzeitig geographisch und ohne Fronten sein, die Anfänge der Kommunisierung werden immer lokal und unmittelbar und sehr schnell expandierend sein, wie die Ausbrüche von Bränden, sogar ausgelöscht schwelen diese Brände unter der Selbstverwaltung und den Bürgergemeinschaften weiter. Der Kommunismus wird aus einem immensen Faustkampf heraustreten, der Prozess der Kommunisierung wird zwar eine Übergangsphase sein, doch überhaupt keine ruhige Phase des Aufbaus des Sozialismus und/oder der Demokratie zwischen einer chaotischen revolutionären Periode und dem Kommunismus, sondern das Chaos selbst zwischen Kapital und Kommunismus. Es ist klar, dass eine solche Vorwegnahme, obwohl sie durchdacht ist, kein Grund für Begeisterung darstellt! Es ist weder die Barbarei, die keinen Sinn hat, noch der königliche Weg der rosigen Zukunft! Aber es ist eine Perspektive, die ihre Wurzeln in der aktuellen Situation des Kapitals und der Kämpfe hat, im aktuellen Kampf des Proletariats gegen das restrukturierte Kapital in seiner Krise. Es ist eine Perspektive, die bei der Überwindung dieser Kämpfe ansetzt, nicht geradewegs, sondern in der kommenden Krise der momentan bestehenden Restrukturierung. Es ist letztendlich die einzige realistische Perspektive gegenüber der Sackgasse des Bürgeraktivismus, der radikaldemokratischen Alternative zum ultraliberalen Kapitalismus, es ist die einzige Antwort, deren Wirklichkeit nicht von der Richtigkeit einer Strategie abhängt. Die Verschränkung Revolution/Konterrevolution schliesst die ganze Organisation mit ein, welche sich die Bewegung des Klassenkampfes gibt. Eine Koordination, ein Kollektiv oder jede andere Form können der organisierte Kampf sein oder gegen eine Repräsentation dieses Kampfes und eine Entwicklung, in einer Situation der Spaltung des Staates, hin zu einer parastaatlichen Form tendieren. Es geht nicht um eine Opposition zwischen Organisation und Spontaneität (alles ist immer spontan), sondern um jene zwischen Enteignung und Aneignung, Kommunisierung und Vergesellschaftung, letztere bedingt, dass die Gesellschaft existiert, d.h., dass sie von „den Leuten“ unterscheidbar ist, von jenen „Leuten“, von welchen wir nun sprechen werden. In den jüngsten Kämpfen hat man beobachten können, wie die kämpfenden Proletarier zwischen ihnen etwas, das man als Intersubjektivität bezeichnen könnte, konstruiert haben, diese war nicht durch eine gewerkschaftliche und politische ideologische Einheit subsumiert, womit die Gewerkschaften auf die Organisation einer rein szenischen Repräsentation dieser Einheit beschränkt waren, die, obwohl sie eine notwendige Repräsentation war, diese Intersubjektivität, die wirkliche und alltägliche Organisation nicht verhindert hat. Es war eine Intersubjektivität in dem Sinne, dass es Subjekte gegenüber ihrem Gegenstand waren, dem Kapital. Die Bewegung der Abschaffung des Kapitals enthält die Entgegenständlichung desselben, die Abschaffung des Verhältnisses Subjekt-Gegenstand, Kapital-Proletariat. (Erinnern wir daran, dass diese Abschaffung der Inhalt des revolutionären Prozesses, der Kommunisierung, darstellt und dass man, solange er nicht vollendet ist, immer dieses Verhältnis Subjekt-Gegenstand hat, sogar wenn das Subjekt dabei ist, seinen Gegenstand als solchen abzuschaffen, die Abschaffung findet innerhalb dieses Verhältnisses statt, d.h. die Proletarier schaffen das Kapital ab, welches sie zu Proletariern, zu reinen Subjekten ihrem Gegenstand gegenüber macht, und somit die ganze kapitalistische Gesellschaft.) Der revolutionäre Prozess der Entgegenständlichung des Kapitals ist also auch ein Prozess der Zerstörung der getrennten Subjektivität des Proletariats, es ist dieser Prozess, welchen wir als Selbsttransformation der Proletarier in unmittelbar gesellschaftliche Individuen bezeichnen. Diese Transformation ist nie errungen, solange sie nicht vollendet ist, in diesem Sinne sind es die Proletarier, welche die Revolution bis zum Ende machen, denn bis zum Ende schaffen sie das Kapital ab, welches sie zu Proletariern macht.
Kommunisierung und Vergesellschaftung bilden keinen Widerspruch. Der Widerspruch bleibt Kapital-Proletariat, er wird nicht zu einem inneren Widerspruch des Proletariats, obwohl es ein Werden der totalen Opposition zwischen den beiden Perspektiven gibt, sind sie verschränkt und beide zusammen Teil des Widerspruchs Kapital/Proletariat. Der Kampf des Proletariats gegen das Kapital wird zur Abschaffung der Klassen durch die Enteignung des Kapitals, doch diese Handlung selbst, in ihrer Opposition zur Arbeit, gibt der Affirmation der Arbeit eine neue Kraft, wenn sie von der kapitalistischen Klasse unterbrochen wird (dort existieren die Errungenschaften, die wir erkannt haben). Es ist die konjunkturelle Affirmation der Arbeit durch die Unmöglichkeit des Kommunismus und nicht mehr die Unmöglichkeit des Kommunismus durch die strukturelle Affirmation der Arbeit. Diese provisorische und standardmässige Affirmation der Arbeit treibt einen sozialen Zustand voran, dessen Werden ein sozialer Staat wäre, also eine konterrevolutionäre Form, die Bewegung des Proletariats muss ihm entgegentreten. Der Prozess der Selbsttransformation in unmittelbar gesellschaftliche Individuen kann im Kampf gegen das Kapital und somit gegen die kapitalistische Klasse auch ein Kampf gegen jene Proletarier sein, welche die proletarische Bedingung verteidigen. Kampf der Kommunisierung gegen die Vergesellschaftung.
Dieser Text versucht, etwas „konkreter“ zu zeigen, was die Formel „die Konterrevolution baut sich auf den Grenzen der Revolution auf“ bedeutet. In der Periode, während welcher die revolutionären Versuche von 1917 bis 1937 stattfanden, war der allgemeine Widerspruch Kapital/Proletariat Träger der Affirmation der Klasse der Arbeit und somit des Aufbaus des Sozialismus, heutzutage ist der Widerspruch Träger der Infragestellung der Klassenzugehörigkeit und die allgemeine Struktur setzt somit die Kommunisierung als Möglichkeit. Diese Struktur hindert die Grenzen nicht an ihrem Fortbestand, wenn auch die Richtung der Bewegung ihre Überwindung ist. Die Grenze ist gleichwesentlich mit jeder revolutionären Massnahme und diese Grenze wird nur durch die nächste Massnahme überwunden, es ist der Klassencharakter der Bewegung der Kommunisierung, welcher ihre Grenze ist, sie ist die Überwindung ihres eigenen begrenzten Charakters, denn sie ist die Abschaffung der Klassen und somit des Proletariats.
Der Proletarier ist das der Gegenständlichkeit beraubte Individuum, seine Gegenständlichkeit steht ihm im Kapital gegenüber, er ist auf reine Subjektivität reduziert, er ist freies Subjekt, Träger einer Arbeitskraft, die erst zu Arbeit als Tätigkeit werden kann, nachdem sie gekauft und somit von seinem kapitalistischen Eigentümer in die Tat umgesetzt worden ist. Das freie Subjekt ist verbunden mit der Gegenständlichkeit an sich, dem fixen Kapital, welche seine Arbeitskraft subsumiert, sie unterwirft und in den Arbeitsprozess eingliedert. Die Abschaffung des Kapitals ist gleichbedeutend mit der Abschaffung der Gegenständlichkeit an sich, in der Bemächtigung der materiellen Mittel, und mit der Abschaffung des proletarischen Subjekts in der Hervorbringung des unmittelbar gesellschaftlichen Individuums. Das ist es, was wir simultane Entgegenständlichung und Desubjektivierung nennen, hervorgebracht durch die Bemächtigung der gesellschaftlichen Totalität, eine Handlung, welche sie als etwas von den Individuen Unterschiedenes zerstört. Die unterschiedene Totalität ist gleichbedeutend mit der unabhängigen Gesellschaft, ihrer Teilung in Klassen und ihrer Repräsentation in der herrschenden Klasse. Die Abschaffung der Klassen ist gleichbedeutend mit der Abschaffung der Gesellschaft, die Erschaffung einer sozialistischen oder gar „kommunistischen“ Gesellschaft bedeutet immer noch die Aufrechterhaltung der Unabhängigkeit der Gemeinschaft gegenüber ihren Mitgliedern, welche nur durch die Vermittlung der Gesellschaft gesellschaftlich werden. Die Kommunisierung ist gleichbedeutend mit dem Ende jeglicher Vermittlung zwischen den Individuen, doch in der Revolution existiert noch eine Vermittlung durch das Kapital, denn die Aktivität ist die Abschaffung des Kapitals! Die Kommunisierung, welche durch ihren Gegenstand selbst vermittelt wird, birgt immer die Möglichkeit der Autonomisierung der Vermittlung durch die Bildung einer von der revolutionären Tätigkeit getrennten Struktur der Revolution. Diese Tendenz wird unaufhörlich existieren, sie ist die Institutionalisierung der Revolution und des Kommunismus und somit die Vergesellschaftung der Gesellschaft, nicht die unmittelbare Vergesellschaftung des Individuums.
Ein permanentes Meeting
Die Zeitschrift Meeting setzt sich zum Ziel, eine Strömung zu polarisieren, für welche der Ausgang des Kampfes der Klasse die unmittelbare Kommunisierung der Gesellschaft ist und auf keine Weise das Einsetzen einer Übergangsphase einer sozialen Ökonomie zur Erschaffung der Grundlagen eines späteren Kommunismus. Diese Publikation hat eine sehr kollektive und offene Funktionsweise, sie will ein permanentes „Meeting“ sein. Das Funktionieren durch ein elektronisches Forum und Generalversammlungen wird persönliche Verbindungen erschaffen, das ist die einzig brauchbare Organisationsform. Die Beteiligten sind in Aktionen und sehr verschiedenen Gruppen engagiert und dadurch werden diese Aktivitäten miteinander vernetzt und debattiert. Dieses Netzwerk ist sowohl das Zusammenfliessen von Bilanzen des Kampfes als auch die Analyse der Bedeutung des Verlaufs der Kämpfe und des Kapitals (mit welchem sie durch und gegen die Ausbeutung die kapitalistische Produktionsweise konstituieren) und eine Form des theoretischen und praktischen Widerstands gegen die permanente Aggression, welche die nie vollendete Restrukturierung des Kapitals bedeutet, ein Widerstand gegen die permanente Konterrevolution, welche die isolierten Proletarier und die unter uns präsenten deklassierten Kleinbürger unterdrückt, niederschlägt und verzweifeln lässt.
Als prekäre Lohnarbeiter und (notgedrungene oder mehr oder weniger freiwillige) Arbeitslose oder ins Visier geratene Staatsangestellte werden wir angegriffen, zusammen mit der gesamten lohnarbeitenden Klasse, unser Widerstand besteht aus unseren Kämpfen, unser Netzwerk ist Teil davon. Ja, es ist gar in unserem Netzwerk, wo wir am besten Widerstand leisten können. Die Strömung der Kommunisierung hat nicht zum Ziel, irgendeinen Teil der Gesellschaft zu kommunisieren, sie kämpft für die Kommunisierung, d.h. sie kämpft, damit die Aussicht auf die Kommunisierung als theoretische Praxis der Selbstanalyse der Kämpfe präsent ist. Der Widerstand gegen den kapitalistischen Druck, das sind die kollektive theoretische Praxis, die gegenseitige Hilfe, die Wiedererlangung und Umorientierung sowohl der Lebens- als auch Aktionsmittel. Auch wenn man Meeting nicht zustimmt, ist die Beteiligung am Projekt die Beteiligung an einem Netzwerk, dessen Benennung als Partei auf eine etwas pedantische Weise ironisch wäre. Das „linksanarchistische“ oder radikal antibürgeraktivistische Milieu wird sich vermutlich im Verhältnis zum Projekt Meeting auch polarisieren können. Die Selbstanalyse der Kämpfe ist nicht eine Intervention, sondern basiert im Gegenteil auf der Beteiligung an den Kämpfen, die Selbstanalyse agiert in den Kämpfen und durch sie, denn es sind sie, welche die theoretischen Problematiken aufwerfen, sie erzeugen Theorie. Auch wenn die Zeitschrift sich keine weite Verbreitung zum Ziel setzt, kann sie Materie für Flugblätter, Plakate und Themen an Versammlungen liefern.
„Hasta la communisación siempre!“
Das Projekt ist langfristig und ambitioniert, die von ihm angepeilte Randgruppe ist relativ breit und überall präsent, sie überschneidet sich mit der libertären Strömung, mit welcher sie polemisiert und die sie zur Selbstkritik drängt. Die Strömung der Kommunisierung überwindet den Antibürgeraktivismus, übernimmt seine Kritiken gegen die Antiglobalisierungsbewegung und stattet sie mit einem grossen Realismus aus, indem sie davon ausgeht, dass die Antiglobalisierungsbewegung nicht nicht existieren kann, im Gegenteil, indem sie von der Unvermeidlichkeit des radikalen Demokratismus ausgeht, gibt sie ihrer Kritik eine positive Richtung. Die Kommunisierung liefert keine Norm zur Bewertung der Kämpfe und Ideologien, sie liefert eine Vorwegnahme ihrer Überwindung. Die Vorwegnahme der Kommunisierung verbindet die gegenwärtigen Kämpfe mit der Revolution, da sie jetzt eine theoretische Praxis ist, und nicht ein Selbstzweck ausserhalb des Verlaufs des Klassenwiderspruchs.
Die hervorgebrachte Überwindung des Kapitalismus ist gleichbedeutend mit der Selbstüberwindung der Kämpfe gegen das Kapital, gegen seine Bewegung der Restrukturierung, deren Weiterführung in Richtung seiner revolutionären Krise weist (beginnend als Wirtschaftskrise). Die theoretische Praxis zugunsten der Kommunisierung ist das unvermeidliche reelle Element dieser hervorgebrachten Überwindung, eben genau, weil sie hervorgebracht wird. Die Diskussion darüber, ob die Kommunisierung eine automatische Bewegung oder eine gewollte Handlung ist, ist ein Problem, das aus dem Programm der Affirmation der Arbeit hervorgegangen ist, darin setzte sich das Proletariat als Erbe des Kapitals, sowohl unweigerlich als auch profitierend von den vorläufigen Schwächen des Kapitals in der kapitalistischen Produktionsweise, eine zu ergreifende oder zu verpassende Gelegenheit eröffnend. Das Dilemma der Unweigerlichkeit, die letztendlich nur eine Möglichkeit war, wurde durch die Parteiform oder eventuell jene der Gewerkschaft gelöst, sie hatten die Aufgabe, die Schalthebel zu übernehmen und die Gesetze der Geschichte durch die Entwicklung der vom Kapital vernachlässigten Produktivkräfte anzuwenden! Das sozialistische Programm war immer ein Programm der Vollendung der historischen Aufgabe des Kapitalismus, die Tatsache, dass es nicht mehr existiert, ist auch ein Zeichen dieser Vollendung. Der Widerspruch Kapital/Proletariat reproduziert sich nicht auf einer höheren Ebene, übernommen von einem Proletariat, das sein eigenes Verschwinden verwaltet, als Begleiterscheinung zum Absterben des Staates. Die historische Aufgabe des Kapitals wird es gewesen sein, die Arbeit in der Produktion zu entwesentlichen. Heutzutage setzt der Kampf gegen die Alternative ihr keine andere Alternative entgegen, weder eine Rückkehr zum sozialistischen Programm noch eine Kommunisierung als unmittelbare Hervorbringung des Kommunismus gegen das Kapital, unmittelbar (sofort) im Sinne einer Phantasievorstellung, nicht hervorgebracht, d.h. nicht Teil einer verallgemeinerten Krise des Kapitals. Der Kampf für die Kommunisierung verortet sich in der Perspektive der hervorgebrachten Überwindung, in welcher die Radikalisierung der Kämpfe und der Kriseneintritt des Kapitalismus ein und dasselbe sind, ohne dass das Eine das Andere auslösen würde, der Prozess ist unvermeidlich, aber er ist ein holpriger und chaotischer Prozess des Klassenwiderspruchs: Ausbeutung/Klassenkämpfe.
Die Strömung der Kommunisierung wird als Analysator der antibürgeraktivistischen und der libertären Strömung fungieren – die „negative“ radikale Kritik, welche den radikalen Demokratismus zur Befreiung des Kampfes der Klasse abschaffen, und die „positive“ libertäre Kritik, die nur die offizielle Alternative zur Begünstigung eines Linksrutschs beeinflussen will. Die beiden Strömungen werden durch die Perspektive der Kommunisierung zu einer Selbstanalyse provoziert. Die Sackgasse des Bürgeraktivismus und die Unmöglichkeit ihrer Abschaffung führen zum Erfordernis des universellen Kommunismus ohne Übergangsphase, der verblüffende, masslose Charakter des Erfordernisses wird durch die Ernsthaftigkeit und unerschöpfliche Geduld der Leute hinter dem Projekt vermittelt. Unser radikaler und ruhiger Optimismus ist unsere einzige Waffe, sie hat uns bis in jene Situation geführt, in welcher die Kommunisierung ihre reelle Möglichkeit beweist, dadurch, dass sie die offensichtliche Lösung des Problems der das Kapital und das Proletariat abschaffenden Revolution ist. Bis dorthin sind wir permanent im Meeting.
Übersetzt aus dem Französischen von kommunisierung.net