<?xml 
version="1.0" encoding="utf-8"?><?xml-stylesheet title="XSL formatting" type="text/xsl" href="https://www.kommunisierung.net/spip.php?page=backend.xslt" ?>
<rss version="2.0" 
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
>

<channel xml:lang="de">
	<title>Kommunisierung.net</title>
	<link>https://kommunisierung.net/</link>
	<description></description>
	<language>de</language>
	<generator>SPIP - www.spip.net</generator>
	<atom:link href="https://www.kommunisierung.net/spip.php?id_mot=57&amp;page=backend" rel="self" type="application/rss+xml" />




<item xml:lang="de">
		<title>Pal&#228;stina: Volk oder Klasse? Interview mit Emilio Minassian</title>
		<link>https://www.kommunisierung.net/Palastina-Volk-oder-Klasse-Interview-mit-Emilio-Minassian</link>
		<guid isPermaLink="true">https://www.kommunisierung.net/Palastina-Volk-oder-Klasse-Interview-mit-Emilio-Minassian</guid>
		<dc:date>2025-01-29T11:42:34Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>


		<dc:subject>Emilio Minassian</dc:subject>
		<dc:subject>Israel/Pal&#228;stina</dc:subject>

		<description>
&lt;p&gt;Erster Teil &lt;br class='autobr' /&gt;
Zweiter Teil &lt;br class='autobr' /&gt;
Erster Teil &lt;br class='autobr' /&gt;
Als Fortsetzung und Vertiefung der Debatte, zu der es mit Emilio Minassian am libert&#228;ren Treffen in Quercy diesen Sommer kam, und zur Verteidigung einer klassenspezifischen Lesart und Perspektive auf die Situation in Pal&#228;stina-Israel haben wir ihm einige Fragen gestellt. In einem ersten Teil werden wir &#252;ber die Integration der Region Israel/Pal&#228;stina in den globalen Kapitalismus und die Klassenzusammensetzung in Pal&#228;stina sprechen. In der n&#228;chsten (...)&lt;/p&gt;


-
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

/ 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Emilio-Minassian" rel="tag"&gt;Emilio Minassian&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Israel-Palastina" rel="tag"&gt;Israel/Pal&#228;stina&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/palestine.jpg?1738102817' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='97' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;#ErsterTeil&#034;&gt;Erster Teil&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;#ZweiterTeil&#034;&gt;Zweiter Teil&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h3 id=&#034;ErsterTeil&#034;&gt;Erster Teil&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Als Fortsetzung und Vertiefung der Debatte, zu der es mit Emilio Minassian am libert&#228;ren Treffen in Quercy diesen Sommer kam, und zur Verteidigung einer klassenspezifischen Lesart und Perspektive auf die Situation in Pal&#228;stina-Israel haben wir ihm einige Fragen gestellt. In einem ersten Teil werden wir &#252;ber die Integration der Region Israel/Pal&#228;stina in den globalen Kapitalismus und die Klassenzusammensetzung in Pal&#228;stina sprechen. In der n&#228;chsten Nummer werden wir die Auswirkungen auf die proletarischen K&#228;mpfe und den nationalen Befreiungskampf er&#246;rtern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Als Einleitung zu den &#196;usserungen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zuerst einige Worte dazu, &#8222;woher ich spreche&#8220;, wie man sagt. Ich bin nicht Pal&#228;stinenser, ich verbrachte regelm&#228;ssig einige Monate im Westjordanland und ging den &#252;blichen Besch&#228;ftigungen jener linken Westler nach, welche in die besetzten Gebiete reisen: solidarische Aktivit&#228;ten, kurze Dokumentarfilme, folgenlose akademische Forschungsarbeit. Es l&#228;sst sich wahrscheinlich weitgehend als eine Form aktivistischen Tourismus beschreiben, in einer autonom-marxistischen Variante.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich versuchte ziemlich schnell jenen gesellschaftlichen Rahmen zu umgehen, in welchen sich der propal&#228;stinensische Aktivismus hineinprojiziert, n&#228;mlich nicht mit &#8222;Profis&#8220; der Unterdr&#252;ckungserz&#228;hlung w&#228;hrend abgesteckten Treffen herumzuh&#228;ngen. Das habe ich mehr oder weniger geschafft, je nach Perioden, Zusammenh&#228;ngen und aufgewendeter Energie, und ich war eher an der Seite der Arbeitslosen und Schurken der Fl&#252;chtlingslager als an jener der Arbeiter (geschweige denn Arbeiterinnen): Die Arbeitslosen haben freie Zeit und die Schurken haben h&#228;ufig Lust, ihre Geschichten des Kampfes gegen die (israelischen, aber auch pal&#228;stinensischen) bewaffneten Kr&#228;fte, der Einsperrung und der (sowohl in den israelischen als auch pal&#228;stinensischen Kerkern praktizierten) Folter zu teilen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seinen Mund aufzumachen, um zu sagen, dass &#8222;es in Pal&#228;stina gesellschaftliche Klassen gibt&#8220;, mag in einem Kontext, wo die Bev&#246;lkerungen im Gazastreifen im Bombenhagel ertr&#228;nkt werden, schr&#228;g erscheinen. Wahrscheinlich w&#252;rde ich es nicht oder auf andere Art und Weise tun, wenn ich mich im Gazastreifen und nicht im Westjordanland herumgetrieben h&#228;tte. Ich mache es nicht, um das Massaker auf Distanz zu halten, sondern um die Idee einer radikalen Andersartigkeit, einer &#196;usserlichkeit im Verh&#228;ltnis zu dem zu bek&#228;mpfen, was hinsichtlich der kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse geschieht, dort genau wie hier.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Du verteidigst die Idee, dass Israel-Pal&#228;stina im globalen kapitalistischen Raum und in jenem der Region eine Einheit darstellt. Kannst du uns erkl&#228;ren, warum?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Urspr&#252;nglich konzipiert das zionistische Projekt eine getrennte j&#252;dische Gesellschaft in Pal&#228;stina. Dieses Projekt f&#252;hrt zur ethnischen S&#228;uberung 1947-1948, die, obwohl sie nicht vollst&#228;ndig ist, einen &#8222;j&#252;dischen&#8220; Raum erschafft, der damals im Wesentlichen europ&#228;ischen Ursprungs ist. 1967, mit der Besetzung des Gazastreifens und des Westjordanlands, zuvor von &#196;gypten f&#252;r ersteren und Jordanien f&#252;r letzteres annektiert, ist die Bev&#246;lkerung des von Israel verwalteten Territoriums nicht mehr haupts&#228;chlich j&#252;disch. Zur gleichen Zeit entsteht ein eigentlich pal&#228;stinensischer &#8211; und nicht mehr &#8222;arabischer&#8220; &#8211; Nationalismus. Man konnte damals den Eindruck gewinnen, zwei &#8222;Nationen&#8220; w&#252;rden sich auf dem gleichen Territorium entgegenstehen. Doch aus diesem pal&#228;stinensischen Nationalismus ist bis heute keine andere getrennte staatliche Entit&#228;t entstanden, als jene auf der Grundlage der Verwaltung von &#8222;Kesseln&#8220;, im Gazastreifen und im Westjordanland. Das von Israel kontrollierte Territorium besteht nicht einerseits aus j&#252;dischen, andererseits aus pal&#228;stinensischen Territorien. Es gibt zahlreiche mehrheitlich pal&#228;stinensische Gebiete in den Territorien des 1948 gegr&#252;ndeten Staates und eine bedeutende Siedlerbev&#246;lkerung im Westjordanland. Dieses Territorium ist ein Puzzle, in welchem die nationalen Unterscheidungen, vorausgesetzt, dass man von subjektiven Zugeh&#246;rigkeiten absieht, selbst in zahlreiche Untergliederungen unterteilt sind, diese sind ihrer Ethnisierung halber (auch auf &#8222;j&#252;discher&#8220; Seite) heutzutage von gesellschaftlicher Natur und alle Teil der israelischen Wirtschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Von &#8222;der Einheit des Raumes&#8220; zwischen Israel und Pal&#228;stina auszugehen, ist also eine Art und Weise, eine Analyse der pal&#228;stinensischen Frage als eine eines durch ein gemeinsames Zugeh&#246;rigkeitsgef&#252;hl und eine einzige und gemeinsame Enteignung vereinten &#8222;Volkes ohne Staat&#8220; zu &#252;berwinden. Diese Lesart tendiert dazu, gesellschaftlich hervorgebrachte nationale Kategorien zu essentialisieren und zudem die Gewalt des israelischen Staates in einer Kontinuit&#228;t seit 1948 zu verankern, was die Tatsache nicht ber&#252;cksichtigt, dass sie Teil globaler Dynamiken ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was sich seit einem Jahr abspielt, ist weder ein Krieg, an dem sich zwei sich gegen&#252;berstehende nationale R&#228;ume beteiligen, noch eine Eroberungsunternehmung, welche die Beschlagnahme von Rohstoffen und M&#228;rkten zum Ziel hat. Es ist nicht das &#8222;pal&#228;stinensische Volk&#8220;, das man im Rahmen eines Kampfes um die Existenz, in dem sich zwei Nationen gegen&#252;berstehen, im Bombenhagel ertr&#228;nkt. Der Gazastreifen ist keine ausserhalb von Israel stehende gesellschaftliche Entit&#228;t. Er ist seit etwa 60 Jahren in den israelischen Kapitalismus, den israelischen Markt integriert. Die dort lebenden Pal&#228;stinenser sind in ihrer &#252;berwiegenden Mehrheit Proletarier ohne eigene Ressourcen, die mit israelischem Geld gekaufte israelische Waren konsumieren, aber keine Arbeiter, deren Arbeit ausgebeutet wird. Es sind &#220;bersch&#252;ssige, die das israelische Kapital in den 1990er Jahren aus dem Arbeitsmarkt ausgeschlossen und, gem&#228;ss einer Logik der Animalisierung, die Teil der kolonialen Geschichte ist, in ein immenses, einige Dutzend Kilometer von Tel Aviv entferntes &#8222;Reservat&#8220; gepfercht hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Kannst du etwas n&#228;her auf die Geschichte der Integration dieses Raumes (und seiner Arbeitskraft) in den kapitalistischen Markt eingehen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vom Standpunkt des Marktes aus betrachtet, ist der &#8222;pal&#228;stinensische&#8220; Raum durch die Aufteilung des Osmanischen Reiches nach dem Ersten Weltkrieg konstituiert worden. Am Anfang steht eine Situation, in welcher feudale Strukturen und eine sich andeutende Handelsbourgeoisie vorherrschen. Das Mandat und der Zionismus markieren den eigentlichen Beginn der Proletarisierung der arabisch-pal&#228;stinensischen Bauernschaft, doch der wirkliche Ausl&#246;ser ist 1948 mit der Nakba. Pal&#228;stinensische Bourgeois und Feudalherren verlassen das unter israelische Kontrolle gekommene Territorium mit ihren beweglichen G&#252;tern unter den Armen; die pal&#228;stinensischen Bauern, mehrheitlich in Halbpacht, werden von ihrem Land verjagt und in Lagern zusammengepfercht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann den israelischen Kolonialismus in drei Zyklen unterteilen. In einer ersten Phase (1948-1967) ist es eine Typologie, die gegen&#252;ber der pal&#228;stinensischen Bauernschaft der Siedlerkolonie &#228;hnelt: ethnische S&#228;uberung, Landraub, &#8222;j&#252;disches&#8220; Kapital und &#8222;j&#252;dische&#8220; Arbeit. Als logische Folge davon wurde, wie ich es vorher gesagt habe, ein j&#252;disches Proletariat aus der arabischen Welt importiert, dieses war seinerseits ethnisiert und in ein koloniales Verh&#228;ltnis der Animalisierung und Ausbeutung eingebettet. Die Kapitalakkumulation geschah w&#228;hrend dieser Periode unter der Knute eines allm&#228;chtigen Planerstaates, kontrolliert von den aschkenasischen und sozialistischen Eliten mit einer in den Staat integrierten Gewerkschaftsbewegung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In einer zweiten Phase, zwischen 1967 und ungef&#228;hr 1990, mit der Eroberung des Gazastreifens und des Westjordanlands, gehen wir in eine koloniale Situation des Typs &#8222;Ausbeutung der eingeborenen Arbeitskraft&#8220; &#252;ber. Der israelische Kapitalismus tritt in eine intensive Phase der Integration ins internationale Kapital ein, unter anderem via die R&#252;stungsindustrie. W&#228;hrend ungef&#228;hr 20 Jahren erlebt das Proletariat des Gazastreifens und des Westjordanlands seinerseits eine massive Integration in die Lohnarbeit in die am wenigsten qualifizierten Sektoren: Bauwesen, Landwirtschaft usw.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Osloer Abkommen l&#228;uten eine neue Phase ein, jene eines kolonialen Verh&#228;ltnisses, das rund um die Figur des pal&#228;stinensischen &#220;bersch&#252;ssigen und der Fremdvergabe seiner Verwaltung strukturiert ist. Israel beh&#228;lt die Kontrolle &#252;ber das Territorium, setzt seine Offensive der Zerst&#246;rung der Bauernschaft fort und beauftragt eine aus dem Befreiungskampf entstandene nationale Struktur mit der Verwaltung der pal&#228;stinensischen Proletarier, die in geschlossene urbane Zonen eingepfercht worden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In diesem Kontext kommt es zu einer Integration der Handelsbourgeoisien, die der Nakba entkommen waren &#8211; jene, welche in Hebron und Nablus verankert und Teil des von Jordanien zwischen 1948 und 1967 annektierten Territoriums waren &#8211;, in diese aus der PLO (Pal&#228;stinensische Befreiungsorganisation) entstandene F&#252;hrungsschicht. Integriert in den Sicherheitsapparat der PA (Pal&#228;stinensische Autonomiebeh&#246;rde), hat sie einen doppelten Ursprung: Es gibt die &#8222;&#228;usseren&#8220; Anf&#252;hrer, die 1994 und 1996 mit Arafat zur&#252;ckkehrten, und die &#8222;inneren&#8220;, hervorgegangen aus der Ersten Intifada und den israelischen Gef&#228;ngnissen. Es ist eine bunt gemischte, in konkurrierende Fraktionen gespaltene Klasse. Sie profitiert von einer internationalen Sicherheitsrente, doch sie kontrolliert auch ganze Sektoren der Wirtschaft der besetzten Gebiete, im Bauwesen, den Infrastrukturen, der Telekommunikation und nat&#252;rlich dem Import/Export mit Israel. All diese Sektoren sind mit dem israelischen Markt und israelischen Investitionen verbunden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Markiert der Gazakrieg nicht den Eintritt in eine neue Phase?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Davon kann man ausgehen. Die Phase nach Oslo war gepr&#228;gt von der Inflation der Kontrolltechniken, die von Israel gegen dieses im Wesentlichen unproduktiv gewordene Proletariat aufgeboten wurde: Aufteilung des Territoriums in Mikroregionen, Einf&#252;hrung eines verr&#252;ckten Genehmigungssystems zur Bewilligung von Reisen, Arbeit und Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen, generalisierte Fichierung, &#220;berwachung der sozialen Netzwerke, digitales System der Gesichtserkennung, aber auch massive Willk&#252;r (hinsichtlich der Verhaftungen, der &#214;ffnung oder Schliessung von Durchg&#228;ngen, dem Zugang zu Genehmigungen), um die Verhaltensweisen zu &#8222;testen&#8220;. Diese Technologien und dieses Know-how wurden massiv exportiert und sind somit wertproduzierend.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es scheint mir, dass wir seit letztem Jahr in die milit&#228;rische Dimension dieser experimentellen Logik eingetreten sind. Die gegenw&#228;rtige Praxis der Zerst&#246;rung und der Massaker ist nicht nur grenzenlos: Sie ist akribisch, &#252;berlegt, kontrolliert und gleichzeitig hat man M&#252;he, zu erkennen, welcher &#8222;Sieg&#8220; angestrebt wird. Meine Hypothese ist, dass die Massaker im Gazastreifen eine experimentelle Sequenz darstellen, die f&#252;r den globalen Kapitalismus n&#252;tzlich ist &#8211; genau wie es auf andere Art und Weise mit der ein starkes Ausmass an &#8222;Biomacht&#8220; implizierenden Logik des &#8222;Stop and Go&#8220; der Weltwirtschaft w&#228;hrend der Covid-Pandemie der Fall war. Aber Achtung, es geht nicht darum, hier auf postmodern zu machen und zu behaupten, irgendeine Herrschaftslogik sei von den kapitalistischen Verh&#228;ltnissen autonom geworden. Die &#252;bersch&#252;ssigen Proletarier aus dem Gazastreifen haben keine produktive Funktion mehr f&#252;r das israelische Kapital, doch der f&#252;hrende Sektor der Kontrolltechnologien mit hoher Wertsch&#246;pfung &#8222;braucht&#8220; sie als Versuchskaninchen, um daraufhin seine internationale Zirkulation zu garantieren. So testet man die Bombardierungen und das Profiling von Individuen mit k&#252;nstlicher Intelligenz und verwaltet das Verh&#228;ltnis zur Hungersnot mit einer Akribie, die zum Ziel hat, stets am Rande der Mangelern&#228;hrung zu bleiben (bis heute), man tut das Gleiche mit den Epidemien, usw.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Logik der endlosen milit&#228;rischen Aggression gegen die &#252;bersch&#252;ssigen Proletarier im Gazastreifen wird eifrig von den westlichen M&#228;chten unterst&#252;tzt: Alle politischen Gestikulationen bez&#252;glich einer M&#228;ssigung sind blosses Theater (es reicht, die Frage der Waffenlieferungen mit der Ukraine zu vergleichen, um festzustellen, dass ihre Verb&#252;ndeten der israelischen Kriegsmaschinerie keine Grenze setzen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Du sprichst von einer Bourgeoisie und einem Proletariat in Pal&#228;stina. K&#246;nntest du uns die Klassenzusammensetzung im Gazastreifen und im Westjordanland skizzieren und die Bedingungen erkl&#228;ren, unter welchen der Kampf zwischen den Klassen stattfindet? Determiniert der Status gegen&#252;ber Israel diese Klassenzugeh&#246;rigkeit?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die pal&#228;stinensische Bourgeoisie bildet nicht eine fest konstituierte nationale Klasse: Sie bleibt in der Tat abh&#228;ngig von ihrer Unterordnung unter das israelische Kapital und den israelischen Staat. Die pal&#228;stinensischen Kapitalisten (wenn man darunter &#8222;urspr&#252;nglich aus Pal&#228;stina kommend&#8220; versteht) bevorzugen spontan, falls sie frei investieren k&#246;nnen, ihre Kapitale ausserhalb des pal&#228;stinensischen Territoriums &#8211; und somit ausserhalb des nationalen Rahmens Israels &#8211; zu realisieren. Es ist unbestreitbar, dass die israelische Besatzung die Entwicklung einer territorialisierten pal&#228;stinensischen kapitalistischen Klasse erzwungen hat. Eine amerikanische Forscherin (Sara Roy) hat den Begriff &#8222;De-Entwicklung&#8220; zur Bezeichnung der Art und Weise, wie Israel die Schaffung einer &#8222;freien&#8220; Marktwirtschaft, d.h. als Teil des Weltmarktes und der besetzten Gebiete, verhindert hat, popul&#228;r gemacht. Die Besatzung hat die Entwicklung des Kapitalismus im Gazastreifen und im Westjordanland in Richtung einer exklusiven und untergeordneten Komplementarit&#228;t gelenkt, die Produktion in einer Logik des Subunternehmertums gepr&#228;gt und die israelischen Kapitalisten haben sich in den besetzten Gebieten einen Eigenbedarfsmarkt geschaffen. Die pal&#228;stinensische Handelsbourgeoisie hat alle Gr&#252;nde der Welt, sauer auf die Besatzung zu sein: Sie ist auf den Sektor der Zirkulation beschr&#228;nkt, es ist eine Kompradorenbourgeoisie, um einen von den Trotzkisten erfundenen Begriff zu &#252;bernehmen. Bedeutet das, dass ihre K&#228;mpfe jene der Proletarier der besetzten Gebiete sind? Man muss man daran zweifeln, ausser wenn man an die Trickle-Down-Theorie glaubt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was hingegen in den gesellschaftlichen Dynamiken der besetzten Territorien zentral ist, ist diese im Kontext der Osloer Abkommen gebildete &#8222;politische&#8220; Bourgeoisie, deren Schicksal mit der Verwaltung des pal&#228;stinensischen Proletariats verbunden ist. In ihrer Soziologie entstammt sie selbst in weiten Teilen diesem Proletariat. Sie hat sich auf Kosten der traditionellen herrschenden Klassen (das, was man die &#8222;grossen Familien&#8220; nennt) durchgesetzt, sie haben ihr die Treue geschworen und erstere ist in die Welt letzterer eingedrungen. Ihre mittleren Kader (der Hamas im Gazastreifen, aber vor allem der Fatah im Westjordanland) konstituieren &#8222;auf dem Terrain&#8220; eine flankierende Kraft dieses &#252;bersch&#252;ssigen Proletariats. Sie sind die Schnittmenge der Welt des Aktivismus und jener der Rente der internationalen Kapitalgeber. Sie werden gleichzeitig stark infrage gestellt (insoweit als sie alles tun, um &#8222;die T&#252;re hinter sich zuzumachen&#8220;) und beansprucht in Bezug auf den Zugang zu L&#246;hnen; und sie haben eine Form des gesellschaftlichen Aufstiegs und der Klassenrache durch den politischen Kampf verk&#246;rpert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Von &#252;bersch&#252;ssigem Proletariat zu sprechen, bedeutet nicht, dass die Leute nicht arbeiten, sondern dass sie an die R&#228;nder der kapitalistischen Ausbeutung gedr&#228;ngt worden sind. Viele arbeiten auf zerst&#252;ckelte Art und Weise in kleinen Strukturen, h&#228;ufig im Verkauf, f&#252;r miserable L&#246;hne und ohne Vertrag (in der Gr&#246;ssenordnung von 10 Dollar pro Tag, w&#228;hrend die Warenpreise an jene des israelischen Marktes gekoppelt sind).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Andere im Westjordanland arbeiten weiterhin in Israel, im Bauwesen, dem Gastgewerbe oder der Landwirtschaft, unter sehr prek&#228;ren Bedingungen, entweder indem sie illegal die Grenze &#252;berqueren oder von Zwischenh&#228;ndlern abh&#228;ngig sind, um Zugang zu jederzeit widerrufbaren Genehmigungen zu haben (sie sind seit dem 7. Oktober ausgesetzt worden). Die meisten Arbeiter hatten einen Lohn von ungef&#228;hr 1400 Euro pro Monat, wovon exorbitante Kosten f&#252;r die &#8222;Grenz&#252;berquerung&#8220; und h&#228;ufig den Kauf von Arbeitsbewilligungen abgezogen werden m&#252;ssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Westjordanland existiert auch weiterhin eine b&#228;uerliche Wirtschaft, die h&#228;ufig &#8222;nebenberuflich&#8220; ist und unter dem Druck der Kolonialisierung steht. Die Dynamik der Proletarisierung der Bauernschaft geht seit den Anf&#228;ngen des Zionismus konstant weiter, sie ist eine direkte Folge des Prozesses der Aneignung und Rentabilisierung des Bodens.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und dann gibt es also diese Welt der politischen Rente, die aus dem von den internationalen Kapitalgebern zur Verteidigung gewisser, mit ihren Interessen verbundener Formen relativer Stabilit&#228;t ausgegossenen Geld stammt. Diese Rente sorgt f&#252;r den Lebensunterhalt von zwischen einem Viertel und einem Drittel der Bev&#246;lkerung, wobei 40% der Angestellten des &#246;ffentlichen Sektors f&#252;r die Sicherheitskr&#228;fte der PA arbeiten. Sie werden gem&#228;ss der offiziellen Tabelle f&#252;r &#8222;formelle&#8220; L&#246;hne bezahlt, ungef&#228;hr 450 &#8364; pro Monat, aber die durch die Kapitalgeber und Israel (durch das System der R&#252;ck&#252;bertragung der Abgaben) an die PA gezahlten Gelder laufen stets Gefahr, eingefroren zu werden, was zu Unterbrechungen der Lohnzahlungen f&#252;hrt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ausserdem wird ein Teil dieser politischen Rente von den politischen Anf&#252;hrern zu ihren Gunsten abgezweigt, zur Versorgung ihrer Klientel oder zur Investition in den informellen Sektor. Ein bedeutender Teil des &#252;bersch&#252;ssigen Proletariats &#252;berlebt dank dieses abgezweigten Geldes. Es ist eine gesellschaftlich unruhige Bev&#246;lkerung, die in den 1970er-1980er Jahren massiv in die Lohnarbeit in Israel integriert worden und w&#228;hrend den beiden Intifadas stark mobilisiert war. Sie ist in den Fl&#252;chtlingslagern konzentriert, sie sind historisch der N&#228;hrboden der pal&#228;stinensischen &#8222;gef&#228;hrlichen Klassen&#8220; und bleiben das bis heute. Im Gazastreifen wie im Westjordanland, von Jabalia bis Jenin, stehen diese &#8222;Vorst&#228;dte in den Vorst&#228;dten&#8220; konstant unter dem Feuer der israelischen Armee.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Volatilit&#228;t der gesellschaftlichen Struktur in den besetzten Gebieten ist also betr&#228;chtlich. Die politische Bourgeoisie und besonders ihre Anf&#252;hrer laufen stets Gefahr, den R&#252;ckw&#228;rtsgang einlegen zu m&#252;ssen, d.h. von Israel vom Status des Kollaborateurs auf jenen des Widerstandsk&#228;mpfers zur&#252;ckgestuft und somit eingesperrt zu werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Und im Gazastreifen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend der Machtperiode der Hamas (seit 2007) sind die Zentralit&#228;t der politischen Rente und eine Bourgeoisie, die haupts&#228;chlich eine in den politischen Betrieb integrierte &#8222;Kompradorenbourgeoisie&#8220; ist, unver&#228;ndert geblieben, aber in einem Kontext der Blockade und somit noch geringeren Investitionen und einer immer st&#228;rkeren Volatilit&#228;t. Die Renten stammten aus der Kontrolle &#252;ber die Warenzirkulation und der aus Katar und Iran kommenden Pfr&#252;nden. Jene Unternehmer, welche w&#228;hrend den letzten Jahren Verm&#246;gen angeh&#228;uft haben (z.B. in der Tunnelwirtschaft), taten dies in Verbindung mit dem Sicherheitsapparat der Hamas.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kann man in der gegenw&#228;rtigen Situation im Gazastreifen von einer Klassenstruktur sprechen? Es gibt immer, sogar in dieser Art von Situation, in welcher jeder Tag der letzte sein k&#246;nnte, Gruppen von Individuen (verbunden mit der Hamas, den milit&#228;rischen Strukturen der Clans oder als Gangs organisiert), die es verm&#246;gen, Gesch&#228;fte zu machen. Doch das ergibt keine Klassenstruktur &#8211; oder aber es ist eine Klassenstruktur in der Art eines Konzentrationslagers, die nicht Teil einer mittel- oder langfristigen gesellschaftlichen Reproduktion ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Fortsetzung in der Nummer 346 im Januar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Interview durchgef&#252;hrt von zyg im Oktober/November 2024.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://oclibertaire.lautre.net/spip.php?article4309&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h3 id=&#034;ZweiterTeil&#034;&gt;Zweiter Teil&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Als Fortsetzung und Vertiefung der Debatte, zu der es mit Emilio Minassian am libert&#228;ren Treffen in Quercy diesen Sommer kam, und zur Verteidigung einer klassenspezifischen Lesart und Perspektive auf die Situation in Pal&#228;stina-Israel haben wir ihm einige Fragen gestellt. Im ersten Teil haben wir &#252;ber die Integration der Region Israel/Pal&#228;stina in den globalen Kapitalismus und die Klassenzusammensetzung in Pal&#228;stina gesprochen. In dieser Nummer m&#246;chten wir &#252;ber die Auswirkungen dieser Klassenzusammensetzung auf die proletarischen K&#228;mpfe und den nationalen Befreiungskampf sprechen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Kann der nationale Befreiungskampf, so klassen&#252;bergreifend er auch sein mag, nicht die Schraube der Klassenherrschaft f&#252;r die pal&#228;stinensischen Proletarier etwas lockern? Denn es ist denkbar, dass die israelische Kolonialisierung die pal&#228;stinensische Bourgeoisie vor einer Ausweitung der Klassenwiderspr&#252;che sch&#252;tzt.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie steht es um den nationalen Befreiungskampf in Pal&#228;stina heutzutage? Existiert er &#252;berhaupt noch? Der nationale Befreiungskampf ist freilich eine Perspektive (ein des Kolonialherren entledigter Nationalstaat) und man kann der Ansicht sein, dass sie in Pal&#228;stina g&#252;ltig bleibt, solange der Kolonialismus fortbesteht. Aber wie steht es um den Mobilisierungsprozess? Historisch geschah er immer rund um die politischen Formationen, wobei er gleichzeitig Auswirkungen auf die Klassenstruktur hatte. In Pal&#228;stina wurde der nationale Befreiungskampf von den Parteien der PLO (Pal&#228;stinensische Befreiungsorganisation) verk&#246;rpert, sie waren die Akteure der sogenannten &#8222;pal&#228;stinensischen Revolution&#8220; nach dem Krieg von 1967: Rund um diese Parteien (Fatah, PFLP &#8211; Volksfront zur Befreiung Pal&#228;stinas &#8211; und all ihre Abspaltungen) verdichtete sich eine soziale Bewegung, welche die traditionellen, von der feudalen Welt geerbten Hierarchien umgest&#252;rzt hat. Die &#8222;pal&#228;stinensische Revolution&#8220; hat eine dem intellektuellen Kleinb&#252;rgertum im Exil entstammende F&#252;hrungsschicht hervorgebracht, die mithilfe der Zirkulation der politischen Renten das Proletariat der Fl&#252;chtlingslager in Jordanien, im Libanon und in Syrien (und manchmal nicht-pal&#228;stinensische Proletarier aus diesen L&#228;ndern) in Kampforganisationen integriert hat. Die traditionelle Bourgeoisie ist zwar nicht gest&#252;rzt, aber zumindest ins Wanken gebracht worden: Sie ist dazu gedr&#228;ngt worden, mit diesen Organisationen zu verhandeln, um vor jenen bewaffneten Proletariern besch&#252;tzt zu werden, welche ihre Farben trugen. Es ist der klassische Motor der nationalen Befreiungsbewegungen: Die Absorbierung einer proletarischen oder b&#228;uerlichen sozialen Bewegung, oder, in den meisten F&#228;llen &#8211; und das gilt f&#252;r Pal&#228;stina &#8211;, einer Bewegung, die Ausdruck der sich aus den kolonialen Verh&#228;ltnissen ergebenden Proletarisierung der b&#228;uerlichen Massen ist, durch einen politischen Rahmen, der die Verwandlung in einen Staatsapparat zum Ziel hat. Der Prozess hat sich danach, in den 1980er Jahren, auf den Gazastreifen und das Westjordanland ausgeweitet, jedoch ohne die milit&#228;rische Dimension: Die Erste Intifada beginnt als Revolte der vom israelischen Kapital ausgebeuteten Proletarier der besetzten Gebiete (weitgehend jene, welche in den Fl&#252;chtlingslagern leben); erst sp&#228;ter wird sie von der PLO &#8222;vereinnahmt&#8220;, um aus ihr eine nationale politische Bewegung zu machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was geschah danach? Im &#8222;klassischen&#8220; Modell kommt es, wenn die politische F&#252;hrung die Staatsmacht erobert, zur Trennung der Interessen zwischen der sozialen Bewegung und der politischen Formation, die Prolos werden von einem vermeintlich im Dienste der Massen stehenden Staat zur&#252;ck zur Arbeit geschickt. Was in Pal&#228;stina speziell ist, ist die Tatsache, dass diese Trennung geschehen ist, ohne dass die Unabh&#228;ngigkeit erlangt worden w&#228;re: Am Ende der Periode zwischen den Osloer Abkommen und der Zweiten Intifada (1993-2004) hat die nationale F&#252;hrungsschicht den Kampf f&#252;r die Unabh&#228;ngigkeit aufgegeben, um sich mit den von Israel gew&#228;hrten Renten und M&#228;rkten zufriedenzugeben. Seither tr&#228;gt die Unterdr&#252;ckung der Proletarier immer noch die Z&#252;ge der israelischen Besatzung und Kolonialisierung, aber es fehlt dabei eine von den aus dem nationalen Befreiungskampf entstandenen politischen Organisationen vorgelebte Kampfperspektive, denn die Anf&#252;hrer derselben sind mittlerweile als Subunternehmer in diese Konfiguration integriert. Es ist die ber&#252;hmte &#8222;doppelte Besatzung&#8220;, die in den Diskursen im Westjordanland allgegenw&#228;rtig ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Hat die Hamas diese Aufgabe nicht &#252;bernommen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hinsichtlich gewisser Aspekte folgt die Hamas dem Weg der PLO. Die gesellschaftliche Zusammensetzung ihrer F&#252;hrungsschicht ist &#228;hnlich: aus den Universit&#228;ten stammende Mittelklassen ohne eigenes Kapital, die einen Spagat zwischen der proletarischen Basis und den Interessen der Handelsbourgeoisie machen. Doch die Hamas hat sich im Gegensatz zur PLO nicht auf eine soziale Bewegung gest&#252;tzt. Sie hat eine Art Gegengesellschaft aufgebaut, die fromm und hierarchisch ist und die soziale Ordnung respektiert. Die Proletarier sind in Form der Einreihung integriert worden, sie hat nie versucht, ihre autonome Aktivit&#228;t im Rahmen ihrer Verhandlungen mit der Bourgeoisie zu nutzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diesbez&#252;glich muss man meiner Meinung nach zumindest methodisch den Begriff des Kampfes, der eine Form der Autonomie des Handelns und materielle Streitgegenst&#228;nde bedingt und gesellschaftliche Widerspr&#252;che ins Spiel bringt, von jenem des &#8222;Widerstands&#8220;, wie er von hierarchisierten milit&#228;rischen Organisationen wie den Al-Qassam-Brigaden im Gazastreifen benutzt wird, unterscheiden. Die Hamas kann legitimerweise von sich behaupten, Teil des Widerstands zu sein (wie die Hisbollah oder andere politisch-milit&#228;rische Gruppen der Region), aber ihr Modell des Widerstands ist zentralisiert, hierarchisch, milit&#228;risch, es trennt die Bev&#246;lkerung von &#8222;ihren&#8220; Truppen und letztere k&#246;nnen jederzeit eingesetzt werden, um K&#228;mpfe niederzuschlagen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mitte der 2000er Jahre dr&#228;ngen interne Kr&#228;fte die Hamas dazu, sich durch die Teilnahme an Wahlen in die Rahmenbedingungen der Autonomieabkommen zu integrieren, d.h. sich im Gefolge der Fatah als Subunternehmerin Israels in der Verwaltung der Proletarier in den besetzten Gebieten zu positionieren. Genau dies tut sie letztendlich, indem sie 2007 im Gazastreifen die Macht ergreift. Da sie es milit&#228;risch und ohne mit dem Besatzer zu verhandeln getan hat, konnte sie den unbeugsamen Schein wahren, ungeachtet dessen ist sie objektiv zu einer lokalen Subunternehmerin in der Verwaltung der &#252;bersch&#252;ssigen Proletarier geworden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend 16 Jahren hat die Hamas den Gazastreifen und die Beziehungen zu Israel (mithilfe von Verhandlungen und Raketen) verwaltet, die K&#228;mpfe niedergeschlagen und einer Unternehmerklasse erlaubt, sich unter ihren Fittichen zu bereichern. Bis zu jenem 7. Oktober 2023, als sie pl&#246;tzlich aus dieser Rolle der Subunternehmerin austritt, um, so denke ich, erneut den Schwerpunkt auf ihre Dimension der politisch-milit&#228;rischen Organisation des Typs Hisbollah zu legen. Indem sie das getan hat, hat sie die Klasse der Unternehmer im Gazastreifen geopfert, die sich unter ihren Fittichen entwickelt hatte. Man kann davon ausgehen, dass diese Umorientierung nicht ohne innere Reibereien geschehen konnte, dass sie gleichbedeutend ist mit dem Aufbruch eines alten internen Widerspruchs zwischen ihrem politisch-milit&#228;rischen Arm mit einer gewichtigen proletarischen Klientel und jener Fraktion, welche Teil der pal&#228;stinensischen Handelsbourgeoisie ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die britische Herrschaft, dann die zionistische Kolonialisierung, der enorme Fl&#252;chtlingsanteil, die t&#228;gliche Aus&#252;bung kolonialer Gewalt usw. haben dazu beigetragen, materiell eine gemeinsame Identifikation der Pal&#228;stinenser und ihres Widerstands zu konstruieren, die sich in der Form des Begriffs &#8222;Volk&#8220; ausdr&#252;ckt. Ist diese Konstruktion nur der Widerschein des Diskurses der pal&#228;stinensischen Eliten?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Identifikation existiert offensichtlich, doch man muss sich fragen, was sich dahinter abspielt. Ich versuche nicht um jeden Preis, zu sagen, dass &#8222;die V&#246;lker nicht existieren&#8220;, dass &#8222;sie bloss eine Mystifikation der herrschenden Klasse sind, die zum Ziel hat, ihre Klassenherrschaft zu kaschieren&#8220;; und noch weniger, dass, &#8222;wenn die Maske fallen w&#252;rde, sich die Proletarier ihrer Klasseninteressen bewusst w&#252;rden&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Idee eines pal&#228;stinensischen Volkes ist nicht auf die pal&#228;stinensischen Eliten beschr&#228;nkt, sie wird manchmal sogar gegen letztere benutzt. Die Frage ist: Welche K&#228;mpfe spielen sich innerhalb der Kategorie &#8222;Volk&#8220; offen oder diskret zwischen den verschiedenen sie benutzenden Klassensegmenten ab? Nur weil man sich mit einem Volk identifiziert, bedeutet das nicht, dass man nicht ausgehend von seiner gesellschaftlichen Stellung k&#228;mpft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Damit kommen wir auf das zur&#252;ck, was ich &#252;ber den nationalen Befreiungskampf und den Interklassismus gesagt habe. In den 1960er Jahren bis in die 1990er Jahre brauchte die PLO die proletarischen K&#228;mpfe, um &#252;ber ihren Anteil am Kuchen gegen&#252;ber Israel zu verhandeln, w&#228;hrend die Proletarier ihre &#8222;nationale&#8220; F&#252;hrung als eine Art der Legitimation ihrer K&#228;mpfe gegen die Eliten benutzten. In den besetzten Gebieten stellte die Erste Intifada den H&#246;hepunkt dieser doppelten Logik der Absorption der gesellschaftlichen K&#228;mpfe durch die politischen F&#252;hrungen und Benutzung des nationalen Kampfes durch die gesellschaftliche Bewegung dar. Aber die proletarischen K&#228;mpfe und jene der nationalen F&#252;hrungen, die bis anhin den Weg (auf konfliktreiche Art und Weise) gemeinsam gingen, taten dies ab den Jahren zwischen 2002 und 2005 nicht mehr. Im Kontext des Scheiterns der Zweiten Intifada (die in den ersten Monaten der gleichen klassen&#252;bergreifenden Logik folgte und aufst&#228;ndische oder bewaffnete Proletarier mit den politischen Anf&#252;hrern verband) sind die nationalen F&#252;hrungen (im Westjordanland und sogar im Gazastreifen) in eine Logik der Niederschlagung der K&#228;mpfe eingetreten, auch jener, welche die Sprache der nationalen Befreiung mobilisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch wenn das der Intuition scheinbar widersprechen mag, die proletarischen K&#228;mpfe in den besetzten Gebieten sind seit dem Scheitern der Zweiten Intifada in erster Linie gegen die nationale pal&#228;stinensische F&#252;hrung gerichtet. Weil sie es mit ihr zu tun haben, sie eine Pufferrolle spielen, hat sich Israel aus der Verantwortung f&#252;r die Reproduktion der Bev&#246;lkerungen zur&#252;ckgezogen, sie hat sie der pal&#228;stinensischen F&#252;hrung &#252;bergeben. Israel interveniert in Agglomerationen des Westjordanlands gem&#228;ss einer Logik des &#8222;&#220;berfalls&#8220; &#8211; und im Gazastreifen des Massakers.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was ist mit den K&#228;mpfen seit 20 Jahren ausserhalb dieser Parteien oder gegen sie?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um von jenen Dingen zu sprechen, welche ich am besten kenne (ich betrat den Gazastreifen nur ein einziges Mal 2002), es gab 2015-2016 im Norden des Westjordanlands einen schwelenden Aufstand der Proletarier der Fl&#252;chtlingslager gegen die Pal&#228;stinensische Autonomiebeh&#246;rde (PA). Man sprach damals von einer &#8222;internen&#8220; Intifada, deren Epizentrum das Balata-Lager in einer Vorstadt von Nablus war. Diese soziale Bewegung hat die pal&#228;stinensische Polizei zur&#252;ckgedr&#228;ngt, sie hat Raum f&#252;r die Jungen gelassen, um erneut bewaffnete Gruppen auf ihren Grundlagen, ausserhalb der Hierarchien der Parteien zu formieren und sich gesellschaftlich gegen die mit der PA verbundenen Standespersonen in Nablus und Jenin durchzusetzen. Die Konfrontationen im Fr&#252;hling 2021 (Krawalle in Jerusalem und in den pal&#228;stinensischen St&#228;dten innerhalb der israelischen Territorien &#8222;von 1948&#8220;, politisch-milit&#228;rische Offensive der Hamas, Wahl-Annullierung durch die PA) haben die Sache noch schlimmer gemacht: Die PA ist geschw&#228;cht daraus hervorgegangen, was sie in ihren Bestrebungen hin zu einem autorit&#228;ren Regime etwas beruhigt hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was ich am Krawallzyklus von 2015-2016 interessant fand, war die Tatsache, dass der Diskurs vieler Leute darauf hinauslief (was nur scheinbar ein Widerspruch ist), dass die pal&#228;stinensische Verwaltung zugleich eine physische Konfrontation mit der Besatzung und den Zugang zur israelischen Wirtschaft als Arbeiter verhindere. Es gab eine Nostalgie f&#252;r eine Epoche, w&#228;hrend welcher &#8222;man am Tag f&#252;r die Israelis arbeitete und in der Nacht Molotowcocktails auf sie warf&#8220;&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im selben Jahr kam es zu einem grossen Streik bei den von der PA angestellten Lehrkr&#228;ften, sie hatte es geschafft, ihn durch den Einsatz von Einsch&#252;chterung, Repression und Erpressung gem&#228;ss dem Modell der &#8222;arabischen Regime&#8220; der Region zu neutralisieren, doch er stellte eine Sequenz des sozialen Protests dar, welche die Grundlagen ihrer politischen Kontrolle ersch&#252;ttert hatte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wieso schweigt unser politisches Lager zu diesen K&#228;mpfen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die PA und die pal&#228;stinensische Bourgeoisie sind im Diskurs im Westjordanland als Quelle der Unterdr&#252;ckung allgegenw&#228;rtig. Aber man muss nat&#252;rlich die Situationen der Wechselwirkung ber&#252;cksichtigen: Wir, die angeheiterten weissen Aktivisten in den besetzten Gebieten, werden angeeignet, um eine Funktion zu erf&#252;llen: jene, zu bezeugen, um der israelischen Propagandamaschine entgegenzuwirken. Diese Aneignung ist im Wesentlichen das Werk der Mittelklassen, die auf die eine oder andere Art und Weise Zugang zu (materiellen oder symbolischen) aus dem Westen kommenden Kapitalen haben, und es ist eine Tatsache, dass niemand Solidarit&#228;t im Klassenkampf gegen die pal&#228;stinensischen Ausbeuter erwartet. Jene Leute, welche Teil dieser (vom nationalen Standpunkt aus) &#8222;internen&#8220; Ausbeutungsverh&#228;ltnisse sind, werden mit dir dar&#252;ber sprechen, die ganze Zeit sogar, doch ihr Reden dar&#252;ber wird nicht die Dimension einer politischen Botschaft annehmen &#8211; ausser w&#228;hrend extrem angespannten Momenten, wie es im Norden des Westjordanlands 2015-2016 der Fall war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was die pal&#228;stinensischen Proletarier als Proletarier erleben, erreicht unsere Ohren kaum, was alles andere als &#252;berraschend ist: Diese Erfahrung ist nicht Teil der &#8222;nationalen Sache&#8220;, welche die politischen F&#252;hrungskr&#228;fte ihren Kontakten im Ausland vermitteln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Welche gemeinsamen Perspektiven k&#246;nnen die Proletarier dieses Gebiets haben?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Israel repr&#228;sentiert das Bild einer albtraumhaften Zukunft: jenes eines Staates, der dem zentralen Block der kapitalistischen L&#228;nder angeh&#246;rt und auf seinem Territorium die globale Zoneneinteilung, wie man sie in der weltweiten Arbeitsteilung beobachten kann, reproduziert hat. Diese gesellschaftliche Zoneneinteilung spielt sich quasi in einem Ballungsraum ab: Die Distanz zwischen dem Gazastreifen und Tel Aviv ist kaum gr&#246;sser als jene zwischen Paris und Mantes-la-Jolie. Und sie funktioniert auf der Grundlage der Ethnizit&#228;t (das ist eine Konstante in der Geschichte Israels wie in jener vieler anderer Staaten, auch ausserhalb des Kontexts des nationalen Kampfes: vor der Besatzung des Westjordanlands und des Gazastreifens waren es die &#8222;importierten&#8220; j&#252;dischen Proletarier aus den arabischen L&#228;ndern, die den Preis daf&#252;r zahlten).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch im Verlauf der letzten 20 Jahre hat sich der Staat nicht nur als Garant der sozialen Reproduktion des von ihm beherrschten j&#252;dischen Proletariats durchgesetzt, sondern auch seiner &#8222;physischen&#8220; Existenz selbst, seines &#220;berlebens. Man kann heutzutage eine Einreihung dieses &#8222;nationalen&#8220; Proletariats hinter seinen Ausbeutern von einem nie dagewesenen Ausmass in der Geschichte gegen&#252;ber den in einem konstant bombardierten Konzentrationslager eingepferchten &#220;bersch&#252;ssigen des Gazastreifens beobachten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man sollte also nicht vergessen, dass die K&#228;mpfe Teil dieses albtraumhaften Universums sind. Es ist schwer vorstellbar, dass sie Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse hervorbringen k&#246;nnten, die f&#228;hig w&#228;ren, &#8222;die Segmentierungen zu zerst&#246;ren&#8220;. Bis vor einem Jahr war selbst die einfache Tatsache, dass diese K&#228;mpfe in den besetzten Gebieten weiterhin existierten und die Reproduktion der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse unter Zwang setzten (noch einmal, ich spreche hier von den K&#228;mpfen, nicht vom hierarchisierten Widerstand) etwas, das mich pers&#246;nlich aufr&#252;ttelte und n&#228;hrte. Heutzutage erdr&#252;ckt das Gewicht der Logik des Massakers alles: Die autonome Handlungsf&#228;higkeit des pal&#228;stinensischen Proletariats ist vom Bombenhagel bedroht und solange das j&#252;dische Proletariat ein Gefangener des israelischen Staates ist (was sich so schnell nicht &#228;ndern wird), gibt es durch das Kr&#228;fteverh&#228;ltnis nichts zu verhandeln. Wir sind tats&#228;chlich in eine andere Phase eingetreten, sie gibt kaum Anlass f&#252;r Hoffnung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ist die Negierung der materiellen Grundlage des pal&#228;stinensischen &#8222;Volkes&#8220; nicht gleichbedeutend mit einer &#8222;passiven Unterst&#252;tzung&#8220; f&#252;r jenen Staat, welcher es kolonialisiert und niederschl&#228;gt?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich denke, dass es m&#246;glich ist, einen analytischen Rahmen zu entwickeln, innerhalb welchem man sich solidarisch mit den K&#228;mpfen in Pal&#228;stina f&#252;hlt, ohne sich Illusionen hinsichtlich der durch die soziopolitischen, &#8222;nationalen&#8220; Apparate getragenen Perspektiven hinzugeben. Das ist es, was Socialisme ou Barbarie zumindest teilweise w&#228;hrend des Algerienkrieges gelang: die Entwicklung einer internationalistischen Linie, die gegen&#252;ber der FLN eine kritische Position aufrechterhalten konnte, basierend auf einer Klassengrundlage.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Pal&#228;stina genau wie sonst &#252;berall auf der Welt sind wir in einer Periode, w&#228;hrend welcher man nirgends eine &#8222;klassenspezifische&#8220; Verk&#246;rperung des Proletariats finden wird. Einige h&#228;ngen immer noch einer Identifikation mit linken Parteien wie der PFLP oder der DFLP (Demokratische Front zur Befreiung Pal&#228;stinas) oder mit einer hypothetischen, von den Parteien entfernten Zivilgesellschaft an. Ich kann die Vorgehensweise verstehen und ich ging w&#228;hrend meiner Reisen aufgrund &#8222;kultureller&#8220; Affinit&#228;t selbst so vor, doch diese Parteien und diese Zivilgesellschaft sind von Klassenwiderspr&#252;chen durchdrungen, welche die F&#252;hrungsschichten als gegen&#252;ber der nationalen Herrschaft sekund&#228;r darstellen wollen. Nur ist man (im Allgemeinen) solidarisch mit den Diskursen dieser F&#252;hrungsschichten, ohne dass man sich dessen bewusst w&#228;re.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich halte an der Idee fest, dass die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse Vorrang haben vor politischen Ideologien und dass man, sowohl emotional als auch intellektuell, immer versuchen muss, gesellschaftlich gesprochen &#8222;von unten auszugehen&#8220;, jenseits der politischen Identifikationen, um jene K&#228;mpfe zu verstehen, welche &#8222;der&#8220; nationale Kampf behauptet, zu umfassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Identifikation mit Pal&#228;stina, der Idee Pal&#228;stinas, kann man je nach Klassen, Verh&#228;ltnis zur Politik, aktivistischem, kulturellem Kapital usw. unterschiedliche Logiken erkennen. Das gilt dort, aber auch hier bei uns, in den Ausdr&#252;cken der Solidarit&#228;t. Diese verschiedenen Logiken existieren nicht miteinander, sie skizzieren keine Konvergenz oder Einheit: Sie sind widerspr&#252;chlich, sie bek&#228;mpfen sich gegenseitig, auf mehr oder weniger bewusste oder stille Art und Weise.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zur Frage &#8222;Was tun?&#8220; habe ich nicht viel zu sagen. Es scheint mir auf jeden Fall, dass man, eher als die verschiedenen in der Bewegung der Solidarit&#228;t verteidigten politischen Positionen (was man &#252;ber die Hamas, die Zweistaatenl&#246;sung oder sonst etwas denkt), ihre gesellschaftliche Zusammensetzung und die daraus hervorgehenden Kampfpraktiken hinterfragen sollte, um sich daraufhin innerhalb der Bewegung zu positionieren &#8211; in der Hoffnung, &#8222;den Krieg nach Hause zu holen&#8220; und die Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen Ordnung dort anzugreifen, wo man ist, und so die Massaker im Gazastreifen zu beenden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Frankreich ist die Aneignung und die Umrahmung der Solidarit&#228;tsdemos durch die Politiker der France insoumise und Konsorten, welche die &#8222;pal&#228;stinensische Sache&#8220; im Rahmen ihrer Interessen instrumentalisieren, oder sogar durch Vereine, die sich als Gespr&#228;chspartner f&#252;r die Macht positionieren, meiner Meinung nach als Niederlage der proletarischen, apolitischen Komponente der Bewegung zu verstehen, diese kam zum Beispiel w&#228;hrend dem Krieg 2014 st&#228;rker zum Ausdruck.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Interview durchgef&#252;hrt von zyg im Oktober/November 2024.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://oclibertaire.lautre.net/spip.php?article4337&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		
		<enclosure url="https://www.kommunisierung.net/IMG/pdf/minassianintersterteil.pdf" length="64154" type="application/pdf" />
		
		<enclosure url="https://www.kommunisierung.net/IMG/pdf/minassianintzweiterteil.pdf" length="62954" type="application/pdf" />
		

	</item>
<item xml:lang="de">
		<title>Die Wirrungen der Wertkritik auf heiligem Land</title>
		<link>https://www.kommunisierung.net/Die-Wirrungen-der-Wertkritik-auf-heiligem-Land</link>
		<guid isPermaLink="true">https://www.kommunisierung.net/Die-Wirrungen-der-Wertkritik-auf-heiligem-Land</guid>
		<dc:date>2024-12-29T16:59:01Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>


		<dc:subject>Wertkritik</dc:subject>
		<dc:subject>Israel/Pal&#228;stina</dc:subject>

		<description>
&lt;p&gt;Am letzten 12. November teilte der Administrator der franz&#246;sischsprachigen Homepage Palim-Psao eine Nachricht des Kollektivs Golem, die dazu aufrief, sich an seiner Seite zu mobilisieren und am nationalen Marsch gegen Antisemitismus am gleichen Tag teilzunehmen. Gem&#228;ss diesem Kollektiv gehe es darum, sich einer Beteiligung der &#228;usseren Rechten an diesem Marsch entgegenzustellen, diese &#8222;instrumentalisiert den Kampf gegen den Antisemitismus, um ihre Vergangenheit, ihre Sichtweise und ihre (...)&lt;/p&gt;


-
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

/ 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Wertkritik" rel="tag"&gt;Wertkritik&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Israel-Palastina" rel="tag"&gt;Israel/Pal&#228;stina&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/dissociation_wertkritik-06e0a.webp?1735440777' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='99' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Am letzten 12. November teilte der Administrator der franz&#246;sischsprachigen Homepage Palim-Psao eine Nachricht des Kollektivs Golem, die dazu aufrief, sich an seiner Seite zu mobilisieren und am nationalen Marsch gegen Antisemitismus am gleichen Tag teilzunehmen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es handelt sich um den nationalen Marsch am Sonntag 12. November 2023 (...)&#034; id=&#034;nh1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Gem&#228;ss diesem Kollektiv gehe es darum, sich einer Beteiligung der &#228;usseren Rechten an diesem Marsch entgegenzustellen, diese &#8222;instrumentalisiert den Kampf gegen den Antisemitismus, um ihre Vergangenheit, ihre Sichtweise und ihre antisemitischen, rassistischen und islamophoben Strukturen zu rehabilitieren&#8220;. Am Schluss des Aufrufs des Kollektivs stand folgender Vorschlag: &#8222;Kommt mit uns an den Marsch, um sie [die Faschisten] zu blockieren!&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Artikel verurteilt die B&#252;rgschaft der Wertkritik f&#252;r den Marsch am 12. November, doch er hat vor allem zum Ziel, aufzuzeigen, was in der kritischen Werttheorie eine solche Initiative m&#246;glich oder gar unvermeidlich gemacht hat. Nur in einer Konfrontation mit der Wirklichkeit kann eine Theorie ihren Wahrheitsgehalt &#252;berpr&#252;fen und ihre Relevanz unter Beweis stellen. Die Beteiligung der Wertkritik am nationalen Marsch gegen den Antisemitismus hat die Gebrechlichkeit ihrer Radikalit&#228;t und die Leere der emanzipatorischen Anspr&#252;che ihrer Theorie aufgezeigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Artikel besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen: Ein erster Teil ist einer Kritik der theoretischen Positionen der Wertkritik sowie ihrer Mobilisierungen gegen den Antisemitismus gewidmet und ein zweiter Teil betrifft die Frage des Zionismus und Israels insoweit, als die antizionistischen Positionsbez&#252;ge von der Wertkritik, aber auch institutionell von den Staatsm&#228;chten im Westen, mit Antisemitismus gleichgesetzt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;A &#8211; Erster Teil&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schon seit Jahren hat die Str&#246;mung der Wertkritik in Frankreich, via ihren Blog Palim-Psao und ihren Verlag Crise &amp; Critique, aus dem Kampf gegen den Antisemitismus eine zentrale Achse ihrer Aktivit&#228;ten gemacht. Neben der eben erw&#228;hnten geteilten Nachricht und den zahlreichen diesem Thema gewidmeten Texten kann man noch eine Veranstaltung zur &#8222;kritischen Theorie des Antisemitismus und des Rassismus&#8220;, die sich mit &#8222;dem Antisemitismus und der Linken&#8220; befasste, sowie einen von den Mitgliedern des RAAR (Aktionsnetzwerk gegen den Antisemitismus und den Rassismus) animierten Workshop zur Einf&#252;hrung in die &#8222;antikapitalistische Kritik des modernen Antisemitismus und der Verschw&#246;rungstheorien&#8220; erw&#228;hnen, beide fanden w&#228;hrend den Sommerlagern 2020 und 2021 der Vereinigung Crise &amp; Critique statt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Anbetracht dieser Tatsachen stellt sich folgende Frage &#8211; oder sie dr&#228;ngt sich gar auf: Wie kommt es, dass eine Organisation, welche die radikale Kritik der kapitalistischen Gesellschaft zum Ziel hat und die menschliche Emanzipation von der Herrschaft der Waren propagiert, sich mit der diese Mobilisierung organisierenden politischen Klasse an einem Aufruf zu einer Demonstration f&#252;r die Verteidigung der &#8222;Werte der Republik&#8220; und gegen den Antisemitismus beteiligt? Der Graben, der diese beiden Extreme voneinander trennt, ist tats&#228;chlich sehr tief und es scheint mir, aufgrund der Anspr&#252;che der Wertkritik, eine subversive und revolution&#228;re Kritik der kapitalistischen Gesellschaft zu verk&#246;rpern, wesentlich, hier den genauen Sachverhalt zu erl&#228;utern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Der Kontext&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es sollten zuerst die Zusammenh&#228;nge erkl&#228;rt werden. Die Initianten der Demonstration am 12. November machten bekannt, dass sie die &#8222;Werte der Republik&#8220; verteidigen und pr&#228;ziser durch diese Mobilisierung eine Antwort der Nation auf eine franz&#246;sische Situation geben wollen, die, gem&#228;ss dem Innenministerium, seit dem Beginn der israelischen Bombenangriffe auf den Gazastreifen innerhalb des nationalen Territoriums vermehrt von antisemitischen Akten gepr&#228;gt war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese israelischen Bombenangriffe begannen am Tag nach dem Angriff der Hamas am 7. Oktober gegen das israelische Territorium an der Grenze zum Gazastreifen, w&#228;hrend welchem bewaffnete Aktivisten dieser Organisation (denen sich f&#252;r diese Operation, gem&#228;ss den offiziellen Versionen, andere im Gazastreifen pr&#228;sente Kampffraktionen angeschlossen haben) ungef&#228;hr 1&#8216;200 Personen massakriert, ein Drittel davon Soldaten und Polizisten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8220;Authorities have identified a total of 274 soldiers ans 859 non-soldiers (...)&#034; id=&#034;nh2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, und 240 andere entf&#252;hrt haben, darunter Kinder, Frauen und alte Leute. Einen Monat sp&#228;ter, etwa am 10. November, gaben die UNO, die UNRWA und Human Rights Watch bekannt, dass w&#228;hrend den ununterbrochenen Milit&#228;roperationen Tsahals mehr als 10&#8216;000 Menschen gestorben sind, damit best&#228;tigten sie die vom pal&#228;stinensischen Gesundheitsministerium kommunizierten Zahlen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die UNRWA, das Hilfswerk der Vereinten Nationen f&#252;r Pal&#228;stina-Fl&#252;chtlinge, (...)&#034; id=&#034;nh3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seit dem Beginn dieser Massenmassaker im Gazastreifen erleben wir nicht nur jeden Tag eine Intensivierung und Ausweitung dieser wahllosen Vergeltungsmassnahmen gegen die Gesamtheit der darin lebenden Bev&#246;lkerung, sondern auch eine Propaganda, die versucht, die israelischen Beh&#246;rden von jeder direkten Verantwortung f&#252;r diese unbeschreiblichen Grausamkeiten reinzuwaschen. Es wurde eine wahrhafte Kampagne der Geschichtsf&#228;lschung aufgegleist, um die wahren Gr&#252;nde dieses Massakers zu vertuschen und uns die Sichtweise eines kleinen Landes, eines martyrisierten Volkes (die Israelis, die Juden), aufzudr&#228;ngen, das keine andere Wahl habe, als sich gegen die Barbarei und den Terrorismus zu wehren, von welchen es an seinen Grenzen bedroht sei. Das war der Sinn und Zweck der Gesamtheit der Positionierungen des politischen Personals in Frankreich, Deutschland, dem Vereinigten K&#246;nigreich, den USA &#8211; die fleissig von den meisten Medien, einem Rudeljournalismus, verbreitet wurden. In einer gleichen Dynamik wurden jene Positionierungen, welche nicht zu diesem Narrativ &#8222;passten&#8220; und im Gegenteil diese heftige Kampagne pro-israelischer Propaganda verurteilten, als antisemitisch bezeichnet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und dann konnten wir feststellen, dass, als die Informationssperre zu dieser laufenden Schlachterei im Gazastreifen das Ausmass des Grauens der Massaker und Zerst&#246;rungen jeden Tag 24 Stunden am Tag nicht mehr kaschieren konnte und deswegen die Auswirkungen des pro-israelischen Diskurses auf die &#246;ffentliche Meinung abgeschw&#228;cht wurde, &lt;i&gt;die Beschuldigung des Antisemitismus zum zentralen Pfeiler jenes Diskurses geworden ist, welcher versucht, die m&#246;rderischen Handlungen Tsahals zu legitimieren&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der republikanische Marsch gegen den Antisemitismus am 12. November, der von den staatlichen Beh&#246;rden organisiert worden ist, ist ein wesentlicher Teil dieser Dynamik.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wertkritik kam zu einer anderen Schlussfolgerung und sie konnte im &#220;brigen den Sachverhalt nicht auf diese Art und Weise analysieren, wenn man sie anhand des Inhalts eines 2009 von einem ihrer Schutzpatrone, Robert Kurz, geschriebenen und auch heute noch auf Palim-Psao aufgef&#252;hrten Artikels beurteilt. Der betreffende Artikel, der manchmal als Essay pr&#228;sentiert wird, mit dem Titel &#8222;Die Kinderm&#246;rder von Gaza. Eine Operation &#8218;Gegossenes Blei&#8216; f&#252;r die empfindsamen Herzen&#8220; ist urspr&#252;nglich in der deutschen Zeitschrift &lt;i&gt;Exit!&lt;/i&gt; erschienen und der Autor analysiert darin die damalige Situation im Nahen Osten in einem entschieden pro-israelischen Sinne, indem er behauptet, dass der Kampf f&#252;r die menschliche Emanzipation die Verteidigung des Staates Israel zur Voraussetzung habe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Inhalt dieses Textes ist zutiefst schockierend und ich werde darauf zur&#252;ckkommen. Aber nicht minder schockierend ist der zynische Ton und sogar der Titel des Artikels: &#8222;Gegossenes Blei&#8220; war n&#228;mlich der Codename f&#252;r die israelische Milit&#228;roperation im Januar 2009 als Antwort auf M&#246;rser- und Raketenbeschuss durch die Hamas vom Gazastreifen aus in Richtung des israelischen Territoriums. Kurz beginnt seinen Artikel folgendermassen: &#8222;Bilder tr&#252;gen nicht, vor allem die Bilder von Kinderleichen. Tote Kinder, verst&#252;mmelte Kinder, ver&#228;ngstigte und weinende Kinder, mit gro&#223;en Augen aus Verbandsbinden in die Kamera starrende Kinder, inmitten einer klagenden Menge getragene kleine S&#228;rge, ihr Leid zum Himmel schreiende M&#252;tter &#8211; dieser &#252;ber die Bildschirme flimmernde Anblick verdichtet sich zu einer ungeheuren Anklage gegen die j&#252;dischen Kinderm&#246;rder von Gaza. Herodes war ein gutm&#252;tiger Kinderfreund dagegen. Die Wahrnehmung des mehrw&#246;chigen Krieges in Gaza zwischen Israel und der Hamas hat sich wie bei keinem fr&#252;heren Konflikt auf diese scharf gestochene Evidenz zusammengezogen: Die Juden sind Kinderm&#246;rder. Das ahnt man seit mehr als tausend Jahren; jetzt ist es vor den Augen der Welt&#246;ffentlichkeit bewiesen. Nicht zuletzt ein bestimmter Teil der Linken wurde von einem &#252;berw&#228;ltigenden Sentiment gegen den kinderm&#246;rderischen Staat Israel ergriffen und mitgerissen, das keinen weiteren Gedanken mehr duldet. Bist du f&#252;r den israelischen Kindermord von Gaza oder dagegen? Na also. Jetzt wei&#223; man, wo die Judenfreunde moralisch stehen [&#8230;] Und fast schon augenzwinkernd wird festgestellt, dass dieses in den Poren der Bev&#246;lkerung von Gaza verschanzte Regime den Krieg der Bilder bereits gewonnen habe.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Text ver&#246;ffentlicht in EXIT! Krise und Kritik der Warengesellschaft, Heft (...)&#034; id=&#034;nh4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was in diesen S&#228;tzen und im Rest des Textes besonders schockierend ist, ist die Tatsache, dass der Autor, indem er zu keinem Zeitpunkt seine Empathie f&#252;r die Opfer des m&#246;rderischen israelischen Eindringens in den Gazastreifen ausdr&#252;ckt, letztendlich die Leichen dieser Kinder genau wie die Hamas instrumentalisiert, wenn letztere sie vor den Kameras vorf&#252;hrt. Dass diese pal&#228;stinensischen Kinder tats&#228;chlich tot sind, gestorben unter den Bomben und durch die wahllosen Sch&#252;sse Tsahals, dass diese Kinder weder Bilder noch abstrakte Konzepte sind und dass nichts und niemand je diese Verluste und dieses unermessliche Leiden wiedergutmachen k&#246;nnen wird, das scheint Kurz in seinem Text nicht zu verstehen. Man weiss es: Durch die gesellschaftliche Negierung oder Verzerrung und Instrumentalisierung der Realit&#228;t und Tiefe des Leidens, welche die Opfer von Gewalt erlitten haben, erleben sie regelm&#228;ssig eine Retraumatisierung. Was Kurz interessiert &#8211; ohne die geringste Anteilnahme oder den geringsten Respekt f&#252;r die Opfer auszudr&#252;cken &#8211;, ist die Verurteilung der Hamas, welche diese Leichen im Krieg der Bilder um die &#246;ffentliche Meinung benutzt. In seiner &#252;berschw&#228;nglichen Verurteilung der Hamas foutiert sich Kurz um den heiligen Charakter dieser toten Kinder und den unendlichen Schmerz der Angeh&#246;rigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist ein unzul&#228;ssiger Fehler und er macht das Lesen des restlichen Textes extrem m&#252;hsam. Ein unzul&#228;ssiger Fehler, der jedoch eben genau angesichts der Positionen dieses radikalen Theoretikers der Wertkritik erkl&#228;rt werden muss. Und das Schl&#252;sselkonzept hier ist offensichtlich der Begriff Antisemitismus und die Bedeutung, die er f&#252;r Kurz und nach ihm f&#252;r die Wertkritik annehmen wird. Machen wir es uns nicht zu einfach und den Fehler, die Wertkritik in ihren &#8222;exoterischen&#8220; und &#8222;esoterischen&#8220; Aspekt zu unterteilen, die man getrennt voneinander analysieren solle. Die Gesamtheit der Aktivit&#228;ten der Wertkritik ist koh&#228;rent und einheitlich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2. Die Position der Wertkritik zum Antisemitismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist leicht zu verstehen, dass f&#252;r die Wertkritik die Frage des Antisemitismus direkt mit ihrer Konzeption der Klassen in der kapitalistischen Gesellschaft verbunden ist (die ber&#252;hmte &#8222;Personalisierung&#8220; der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse), sowie mit ihrer eigenen Konzeption des antikapitalistischen Kampfes &#8211; und die &#8211; man merkt es beim Lesen des immer noch auf dem Blog aufgef&#252;hrten Artikels von Kurz &#8211; auf die Verteidigung der Politik Israels oder aber ihre Teilnahme (freilich &#8222;kritisch&#8220;) an einer Regierungsdemonstration in Frankreich hinauslaufen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Text &#8222;Capitalisme, classes et antis&#233;mitisme moderne&#8220; schreibt Cl&#233;ment Homs Folgendes: &#8222;Der verk&#252;rzte Antikapitalismus der Linken ist immer, gestern wie heute, dahingehend potenziell problematisch betreffend Antisemitismus, dass seine Bedeutung oder seine Denkform in ebendiesem antinomischen ph&#228;nomenalen Verh&#228;ltnis der Essenz des Kapitalismus wurzelt (die durch die Arbeit konstituierten gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse &#8211; oder, pr&#228;ziser, wenn wir die Terminologie Postones aufgreifen, konstituiert durch gesellschaftlich vermittelnde Funktion der Arbeit, d.h. des &#8218;abstrakten Aspekts der Arbeit&#8216;, wie es Marx formuliert). Dieser fetischisierte Antikapitalismus setzt das ph&#228;nomenal Abstrakte der Essenz des Kapitalismus mit dem Geld, der Macht des Geldes, seinen Institutionen (Banken, Steuerparadiesen usw.) und Tr&#228;gern (den gemeinen Spekulanten, den Tradern, den &#8218;Banksters&#8216; usw.) gleich und diese Dimension wird als &#8218;kapitalistisch&#8216; betrachtet; w&#228;hrend das ph&#228;nomenal Konkrete (die Arbeit, der Arbeiter mit den schwieligen H&#228;nden, die Industrie, die Maschinen, der Taylorismus &#8211; bei Lenin oder Gramsci z.B. &#8211; usw.) der Essenz des Kapitalismus f&#252;r den verk&#252;rzten Antikapitalismus der Linken (und nicht nur f&#252;r den traditionellen Marxismus) als &#8218;ausserhalb des Kapitalismus&#8216; erscheint, d.h. als nat&#252;rlich, ontologisch, &#8218;menschlich&#8216;, transhistorisch; ein Konkretes, das positiv gutgeheissen werden muss gegen&#252;ber dem ph&#228;nomenal Abstrakten. Diese verk&#252;rzte Kritik des Kapitalismus, die ihren Fokus auf das Geld (das Abstrakte) richtet, wird schnell, ab dem Ende des 19. Jahrhunderts, die Finanz (als das fiktive Kapital seine erste historische Rolle als &#8218;Anhang&#8216; und dann als &#8218;Z&#252;ndungsmotor&#8216; einer sich selbst unterhaltenden Akkumulation zu spielen beginnt) zu ihrem Gegenstand machen und kann von da an einen gemeinsamen Sockel mit dem verk&#252;rzten antikapitalistischen Denken von rechts oder &#8218;weder rechts noch links&#8216; teilen (denn die fetischistische Sichtweise ist &#252;bergreifend und betrifft alle Klassen und politischen Positionen, als ob sie ein einziges Individuum w&#228;ren) und die Br&#252;cken und Bindeglieder &#8218;gegen die Finanz&#8216; (die Formel &#8218;Mein Feind ist die Finanz!&#8216; war immer eine typische Aussage der fetischistischen Sichtweise, sie l&#246;st notwendigerweise ab und an den Enthusiasmus des verk&#252;rzten Antikapitalismus der Linken aus) in den Diskursen und Handlungen sind zu jedem gegebenen Zeitpunkt m&#246;glich, sobald die durch den inneren Selbstwiderspruch des Kapitalismus determinierte Krise an der Oberfl&#228;che sichtbar wird. Diese auf das Geld, die Finanz, die Spekulation und die Megabanken (den &#8218;Kasino-Kapitalismus&#8216;, der losgel&#246;st sei von der &#8218;Realwirtschaft&#8216;: noch ein Gegensatz zwischen dem Abstrakten und dem Konkreten; eine Antinomie, die man auch nach der Krise 2008 bei jenen &#8211; Larrouturou, Jorion, den best&#252;rzten Wirtschaftswissenschaftlern usw., welche, indem sie sie voneinander trennen, die &#8218;Depotbanken&#8216; &#8211; das Konkrete &#8211; und die &#8218;Handelsbanken&#8216; &#8211; das Abstrakte, einander entgegensetzen wollen, wiederfindet) fokussierte Kritik, wird immer potenziell bereit dazu sein, ihren Gegenstand in der Form des Juden zu biologisieren, indem der Kapitalismus zum Finanzjudentum wird. Das droht auch jeder potenziellen linken wie rechten Opposition gegen die Pr&#228;sidentschaft Macrons, die sich nicht im Klaren &#252;ber die Verh&#228;ltnisse ist und der es an einer konsequenten und reell revolution&#228;ren Kritik des Kapitalismus mangelt, eine Kritik, die eine Denkform &#8211; und somit eine Praxis &#8211; &#252;berwinden kann, die in der ph&#228;nomenalen Antimonie zwischen dem Konkreten und dem Abstrakten gefangen ist.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Cl&#233;ment Homs, &#8222;Capitalisme, classes et antis&#233;mitisme moderne&#8220;, 2017.&#034; id=&#034;nh5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Roswitha Scholz, eine andere theoretische Schutzpatronin der Wertkritik, ist nicht minder explizit: &#8222;Heute wird wieder nach Schuldigen gesucht. Ein (Vulg&#228;r-)Marxismus der Personalisierungen macht sich breit, wobei die Kapitalisten, Spekulanten und Investoren das Feindbild sind, was freilich einen strukturellen Antisemitismus beinhaltet.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Roswitha Scholz, &#8222;Editorial, offener Brief und Spendenaufruf&#8220; in EXIT! (...)&#034; id=&#034;nh6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unterstreichen wir sogleich, dass, w&#228;hrend Cl&#233;ment Homs von einem verk&#252;rzten Antikapitalismus spricht, der &lt;i&gt;potenziell&lt;/i&gt; (das Adverb wird im Auszug dreimal wiederholt) problematisch sei betreffend Antisemitismus, Roswitha Scholz ihrerseits von einem Marxismus der Personalisierungen spricht, der &#8222;freilich einen strukturellen Antisemitismus beinhaltet&#8220;. In Anbetracht der Gesamtheit der Texte zum Thema handelt es sich sehr wohl f&#252;r die Wertkritik um eine &lt;i&gt;systemische Gefahr&lt;/i&gt;, die unsere Emanzipation vom Kapital bedrohe. Wir haben hier also ein erstes Element (der strukturell mit den antikapitalistischen K&#228;mpfen verbundene Antisemitismus), der ihren Aufruf zur Teilnahme am republikanischen Marsch gegen den Antisemitismus am vergangenen 12. November erkl&#228;rt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Um hier vollst&#228;ndig klar zu sein, der Administrator der franz&#246;sischsprachigen&#034; id=&#034;nh7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Wie ich es sp&#228;ter im Text darlegen werde, stellt jeder Vorschlag f&#252;r einen antikapitalistischen Kampf, der die Personalisierungen des kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisses verweigert, eine Antinomie dar: Das Kapital ist eine gesellschaftliche Beziehung, ein gesellschaftliches Verh&#228;ltnis.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist &#252;brigens ziemlich komisch, feststellen zu m&#252;ssen, dass die Wertkritik, die sich Artikel f&#252;r Artikel &#252;ber die Personalisierungen der &#8222;orthodoxen Marxisten&#8220; enerviert, sie beschuldigt, sich einer vulg&#228;ren &#8222;verk&#252;rzten&#8220; Kritik des Kapitalismus hinzugeben &#8211; scheinbar pl&#246;tzlich &#8222;die Antisemiten&#8220; als grosse, uns den Weg in Richtung Emanzipation versperrende Bedrohung identifiziert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nat&#252;rlich h&#228;tte es keinen Sinn, zu argumentieren zu versuchen, dass es auf dieser Welt keine Antisemiten gebe, die sich auf einen (vulg&#228;ren oder auch nicht vulg&#228;ren) Antikapitalismus und/oder Marxismus berufen. Aber insoweit, als die obigen Zitate von einer politischen Str&#246;mung ausgehen, die sich auf die radikale marxistische Kritik beruft, ist es sehr wohl sinnvoll, jene Gedankeng&#228;nge zu untersuchen, welche die Wertkritik dazu bringen, jeglichen Kampf gegen die Klasse, welche die Interessen der kapitalistischen Klasse verk&#246;rpert (oder &#8211; als gesellschaftliche Klasse &#8211; &#8222;personifiziert&#8220;), die b&#252;rgerliche Klasse also, mit Antisemitismus gleichzusetzen. Denn genau darum geht es: Entweder teilt man die Positionen der Wertkritik hinsichtlich ihres &#8222;radikalen&#8220; und vermeintlich emanzipatorischen Antikapitalismus oder man ist zwingend, strukturell, potenziell (!?) ein Antisemit! Wir haben es hier mit einer Logik zu tun, die in allen Punkten jener &#228;hnelt, welche alle Kritiken und K&#228;mpfe gegen die kolonialistische Politik des hebr&#228;ischen Staates in Pal&#228;stina mit Antisemitismus gleichsetzt. Es gibt eine offensichtliche Kontinuit&#228;t zwischen diesen Gedankeng&#228;ngen und den von Robert Kurz in seinem Artikel verteidigten Positionierungen. Dieser Gedankengang kann mit folgender Anordnung zusammengefasst werden: Wer den Standpunkt und die Vorgehensweise der Wertkritik hinsichtlich ihrer vermeintlich radikalen kategorialen Kritik des Kapitalismus nicht teilt, ist strukturell ein ver&#228;chtlicher Antisemit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt mehrere konvergierende konstitutive Elemente des patrimonialen Fundus der Wertkritik, die dazu f&#252;hren, dass sie unf&#228;hig ist, den Antisemitismus und seine Instrumentalisierung kritisch zu betrachten, ein kritischer Blick, der sehr wohl notwendig ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein erstes Element diesbez&#252;glich ist die Tatsache, dass f&#252;r die Wertkritik die Frage der politischen Macht global ungedacht bleibt. Das ist ein Resultat ihrer Ablehnung und Nichtanerkennung der Klassenverh&#228;ltnisse als konstitutives und determinierendes Element im kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnis. Oder eher, die Wertkritik anerkennt bis zu einem gewissen Grad die Existenz der Klassen, doch sie ist unf&#228;hig, sie anders als mit einer sozialdemokratischen Brille zu betrachten und zu analysieren, d.h. von einem rein wirtschaftlichen und soziologischen und somit politischen Standpunkt aus. Ein politischer Standpunkt im Sinne einer Erhaltung der alten Welt (die historische Rolle der Sozialdemokratie) mithilfe der Politik in totalem Gegensatz zu jeglicher radikalen und subversiven Perspektive. Historisch bestand das sozialdemokratische Projekt immer darin, in Richtung einer harmonischen Integration der Ausgebeuteten in die Gesellschaft zu handeln, was unter den Bedingungen der kapitalistischen Ausbeutung eine total antinomische Widersinnigkeit darstellt!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3. Die Position der Wertkritik zu den Klassen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Besonderheit der Wertkritik besteht in dem &#8211; und hier beziehe ich mich auf das, was sie systematisch in all ihren Positionsbez&#252;gen zeigt &#8211;, was sie als Bruch mit dem &#8222;dogmatischen Marxismus&#8220;, dem &#8222;Marxismus der Arbeiterbewegung&#8220; oder dem &#8222;traditionellen Marxismus&#8220; betrachtet, n&#228;mlich ihrem Bestehen auf die Notwendigkeit einer Kritik der &#8222;kategorialen gesellschaftlichen Formen&#8220;, der gesellschaftlichen Beziehungen im Kapitalismus wie die Kategorien Arbeit, Geld, Wert und Ware. Die Wertkritik behauptet, dass dieser f&#252;r sich in Anspruch genommene Ansatz jenem Teil des Marxschen Werks entspreche, welche sie &#8222;den esoterischen Marx&#8220; nennt, im Gegensatz zu einem &#8222;exoterischen Marx&#8220;, der zum dogmatischen Marxismus geh&#246;re und worauf sich dieser beziehe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In einem im Januar 2016 ver&#246;ffentlichten Interview erkl&#228;rt Cl&#233;ment Homs: &#8222;Man kann den Kapitalismus nach 1980 nicht mehr beschreiben, indem man die ph&#228;nomenalen Formen jener Konfiguration benutzt, welche der Kapitalismus zur Zeit des selbstunterhaltenen Akkumulationsregime der Wertproduktion durch die Ausbeutung der lebendigen Arbeit annahm. &lt;i&gt;Eine Welt, in welcher das Proletariat und seine Ausbeutung in den fordistischen Fabriken eine zentrale Stellung einnahmen&lt;/i&gt; [von mir unterstrichen]. Hinsichtlich dieses Punktes erh&#228;lt die methodologische Unterscheidung zwischen dem &#8218;esoterischen&#8216; und dem &#8218;exoterischen&#8216; Marx all ihre Bedeutung. H&#228;ufig liegt hier eine Quelle des Unverst&#228;ndnisses f&#252;r die Wertkritik, wenn man glaubt, sie spreche nicht mehr von Ausbeutung. Nat&#252;rlich gibt es im &#8218;umgekehrten Kapitalismus&#8216; immer noch die Ausbeutung der Mehrarbeit und somit immer noch Klassenk&#228;mpfe, doch man kann aufzeigen, dass diese Massenarbeit in China, Indien, Brasilien usw. keineswegs &lt;i&gt;eine derart hohe Quantit&#228;t an Wert und Mehrwert&lt;/i&gt; [von mir unterstrichen] repr&#228;sentiert, wie gewisse traditionelle Marxisten glauben m&#246;chten. Strukturell hat das neue Ausbeutungsregime ab den 1980er Jahren &#252;berhaupt keinen selbstunterhaltenden Charakter mehr, &lt;i&gt;die immer noch bestehende Ausbeutung i&lt;/i&gt;&lt;i&gt;st&lt;/i&gt;&lt;i&gt; nicht mehr der zentrale strukturelle Punkt des neuen Akkumulationsregimes&lt;/i&gt; [von mir unterstrichen].&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Interview mit Cl&#233;ment Homs von Nicolas Basset: &#8222;Les vases vides font (...)&#034; id=&#034;nh8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im ersten Teil dieses gleichen Interviews&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Interview mit Cl&#233;ment Homs von Nicolas Basset: &#8222;Les vases vides font (...)&#034; id=&#034;nh9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, das im Mai 2015 erschienen ist, behauptet Cl&#233;ment Homs zudem: &#8222;Der Fetischismus beruht auf einer reellen Umkehrung (und nicht einer einfachen Mystifizierung) des Konkreten und Abstrakten, in jenem Sinne, dass in der kapitalistischen Gesellschaft alles Konkrete (und die Klassen) zur von der Realit&#228;t gewordenen Abstraktion abgeleiteten ph&#228;nomenalen Form wird (Realabstraktionen). Genau in diesem Sinne sprach Marx vom Kapital als &#8218;automatisches Subjekt&#8216; und qualifizierte den Kapitalismus als historische Form des Fetischismus. Eine gesellschaftliche Welt, in welcher die Menschen nicht den Produktionsprozess beherrschen, sondern von ihm beherrscht sind. Noch bevor der Kapitalismus eine Klassengesellschaft ist, ist er in seinem Kern eine Gesellschaft, in welcher die modernen Subjekte reell von ihren eigenen gesellschaftlichen Beziehungen beherrscht werden, statt dass sie sie bewusst organisieren. Die profitierende&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ein bisschen vorher in diesem gleichen Interview behauptet Cl&#233;ment Homs, (...)&#034; id=&#034;nh10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und nicht die &#8218;herrschende&#8216; Klasse (nehmen wir uns in acht vor den &#228;usseren Erscheinungen) war immer nur die funktionale Elite eines solchen fetischistischen kapitalistischen Systems (die &#8218;Beamten&#8216; des Kapitals, wie es Marx formuliert) in jenem Sinne, dass die kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse f&#252;r diese b&#252;rgerliche Klasse nicht transparenter, selbstbestimmter oder bewusster sind als f&#252;r die von der Ausbeutung der Mehrarbeit zerriebene Klasse &#8211; daf&#252;r war das traditionelle marxistische Verst&#228;ndnis des Fetischismus immer blind. Die an der Oberfl&#228;che durch den Staat und das Lohnverh&#228;ltnis vermittelte &#8218;Klassenherrschaft&#8216; existiert sehr wohl in der kapitalistischen Gesellschaft und sie ist sehr greifbar, doch sie ist eine beherrschte Herrschaft, die nicht ihre eigene Grundlage ist, in jenem Sinne, dass sie nur innerhalb der viel umfassenderen, pr&#228;gnanteren und unbewussteren anonymen und unpers&#246;nlichen Herrschaftsstruktur existiert, des Fetischismus. Die staatlichen Strukturen sind kein &#228;usserer Punkt gegen&#252;ber der fetischistischen Konstitution, von welcher ausgehend die kapitalistische Gesellschaft &#8218;gesteuert&#8216; w&#252;rde. Der Staat ist die ph&#228;nomenale institutionelle Form, welche die Sph&#228;re des Politischen in einer modernen, durch das dialektische Verh&#228;ltnis der Wertabspaltung konstituierten Gesellschaft annimmt.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wertkritik schreibt sich also selbst einen kritischen, radikalen und kategorialen Ansatz dieser Schl&#252;sselkonzepte wie Wert, abstrakte Arbeit, Geld, Ware usw. zu&#8230; Mein eigener Anspruch in diesem Text ist es, zu argumentieren, dass die Kritiken der Wertkritik des Werts, der abstrakten Arbeit, der Ware &#252;berhaupt keine radikalen kritischen Beitr&#228;ge im Hinblick auf die Emanzipation der Menschheit vom Joch der uns beherrschenden Abstraktionen darstellen. Sie sind es nicht und k&#246;nnen es nicht sein. Die Wertkritik bleibt in ihren vermeintlich kategorialen Kritiken in einem &#246;konomistischen Ansatz und einer auf den Westen zentrierten Sichtweise gefangen. Ein solche auf den Westen zentrierte Sichtweise l&#228;sst erkennen (und ist gewissermassen der Beleg daf&#252;r), dass die von der Wertkritik definierten Schl&#252;sselkonzepte in der b&#252;rgerlichen politischen &#214;konomie verfangen bleiben. Gewiss, sie besteht bereitwillig auf der Notwendigkeit, das kapitalistische gesellschaftliche Verh&#228;ltnis als &#8222;totale soziale Tatsache&#8220; zu betrachten. Doch das bedeutet &#8211; und muss bedeuten, falls die Worte noch einen Sinn haben &#8211;, dass dieses totale kapitalistische gesellschaftliche Verh&#228;ltnis eine Realit&#228;t abdeckt, die sich nicht nur in allen Aspekten unserer Leben ausdr&#252;ckt, sondern die auch die Lebens- und &#220;berlebensbedingungen der Gesamtheit der Bev&#246;lkerungen des Planeten determiniert. &#220;berall auf der Erde durchdringt die Herrschaft des Werts, die Warenherrschaft&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Und hier denken wir nat&#252;rlich an die weltweite Herrschaft dieser K&#246;nigin (...)&#034; id=&#034;nh11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; jedes Qu&#228;ntchen und alle Facetten unserer Existenzen, unter all ihren Gesichtspunkten, physisch-biologisch, &#246;konomisch, psychisch, zwischenmenschlich, kulturell, symbolisch, spirituell&#8230; Es muss die Frage aufgeworfen werden, was diese &#8222;totale soziale Tatsache&#8220; f&#252;r die Wertkritik bedeutet und wie sie den Gebrauch dieses Begriffs rechtfertigt, wenn sie systematisch immer von den gleichen kapitalistischen L&#228;ndern spricht, jenen &#8222;des Zentrums&#8220; und jenen &#8222;der Peripherie&#8220;, wo die &#8222;Barbarei der Kriege und Hungersn&#246;te&#8220; die Bev&#246;lkerungen heimsuche! Bei der Wertkritik wird ein totalisierendes Verst&#228;ndnis der Wirklichkeit des kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisses, des Kapitals als &#8222;totale soziale Tatsache&#8220;, stets durch ihre auf den Westen zentrierte Pr&#228;sentation des Kapitals widerlegt: Ihre Erfassung des Besonderen verweist nicht auf die Totalit&#228;t, sondern ersetzt sie! Die Wertkritik konzipiert das kapitalistische gesellschaftliche Verh&#228;ltnis als eines, dessen schlagendes Herz im Westen sei, w&#228;hrend man sich sonst &#252;berall in &#8222;der Peripherie&#8220; des Kapitals bef&#228;nde. Ihre Bezugspunkte befinden sich systematisch in der &#8222;entwickelten&#8220; Welt (das sind ihre eigenen Begriffe, manchmal mit, manchmal ohne Anf&#252;hrungs- und Schlusszeichen) und ihre Analysen konzentrieren sich haupts&#228;chlich auf die Regionen, wo man gigantische Akkumulationen von Reicht&#252;mern und Waren erkennen kann. &#220;berall sonst, in &#8222;den Peripherien&#8220;, gebe es nur &#8222;Unterentwicklung&#8220;, oder &#8211; um einen bei der Wertkritik beliebten Begriff aufzugreifen &#8211; &#8222;nachholende Modernisierungen&#8220;, wie man es in diesem Auszug lesen kann: &#8222;Die L&#228;nder der kapitalistischen Peripherie (im Osten und S&#252;den des kapitalistischen Westens, d.h. in der sowjetischen Zweiten und der Dritten Welt) versuchen jene dem Kapitalismus interne Diskrepanz wieder aufzuholen, welche durch seine eigene Entwicklung entstanden ist. Die &#8218;nachholende Modernisierung&#8216;, welche der Osten und die Dritte Welt im Verlauf des 20. Jahrhunderts erstrebten, ist also f&#252;r die westlichen kapitalistischen Zentren bloss ihre eigene Vergangenheit. Es ist ein Ph&#228;nomen, das es den Peripherien des Kapitalismus erlaubt, in den globalen Horizont des Kapitalismus einzutreten.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Modernisation de rattrapage. Capitalisme d'Etat, &#8218;socialisme r&#233;ellement (...)&#034; id=&#034;nh12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch wenn es den Anh&#228;ngern der Wertkritik nicht gefallen mag, der Begriff &#8222;Dritte Welt&#8220; geh&#246;rt vollst&#228;ndig den b&#252;rgerlichen Ideologen und &#214;konomen, und offensichtlich hielten sie es nicht f&#252;r n&#252;tzlich, den Begriff einer radikalen kategorialen Kritik zu unterziehen. Die kritischen Konzepte der Wertkritik haben hier viel mehr mit Samir Amin und seinen Wirrungen &#252;ber &#8222;die unterentwickelte Peripherie&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Verweis auf das Buch von Samir Amin, Die ungleiche Entwicklung. Essay &#252;ber (...)&#034; id=&#034;nh13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; als mit Karl Marx zu tun!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich will hier nat&#252;rlich nicht behaupten, dass es keine Diskrepanzen oder Unterschiede in der Art und Weise gebe, wie sich der Kapitalismus in jeder besonderen geographischen Zone manifestiert. Aber was ich hier entschieden unterstreichen will, ist die Tatsache, dass diese verschiedenen Manifestierungen, diese unterschiedlichen Konkretisierungen, durch welche sich der Wert &#252;berall auf dem Planeten durchsetzt und der ganzen Menschheit auferlegt, eben gerade den Ausdruck des Inbegriffs des Werts und der Herrschaft seiner Gesetze selbst darstellt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diesbez&#252;glich m&#246;chte ich das aufschlussreiche und st&#246;rende Buch von Joseph (...)&#034; id=&#034;nh14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In diesem Zusammenhang von Entwicklungsunterschieden (bez&#252;glich der Entwicklung wovon, eine kapitalistische Entwicklung, eine zivilisatorische Entwicklung?) zu sprechen, bedeutet nichts anderes als ein untragbares Zugest&#228;ndnis an die politische &#214;konomie. Man r&#228;soniert also bereitwillig in Begriffen des Tauschwerts, in &lt;i&gt;Mengenbegriffen&lt;/i&gt; des Werts, statt ganz einfach in jenen des Werts, des Werts ohne Zusatz, in Begriffen der Wirtschaftswissenschaften, statt in Konzepten, welche diese b&#252;rgerliche Wissenschaft subvertieren. Das l&#228;uft somit auf eine Apologie des Kapitalismus und auf eine Hervorhebung als universell eines besonderen europ&#228;isch-westlichen Standpunkts hinaus, mit allen analytischen Verzerrungen, die sich zwingend daraus ergeben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Allzu oft beschr&#228;nken sich die Kritiken der kapitalistischen Gesellschaft darauf, eine Verwertungsbewegung des Kapitals (der Kapitale) zu analysieren, w&#228;hrend die Entwertungsbewegung aussen vor gelassen wird oder ein Schattendasein fristet, um nur erw&#228;hnt zu werden, wenn &#8222;das Kapital in eine Krise eintritt&#8220; oder es &#8222;auf seine innere Grenze st&#246;sst&#8220; (Formel der Wertkritik). Eine solche Sichtweise, in welcher das Kapital nur mit einem vermeintlich &#8222;positiven&#8220; Pol gleichgesetzt wird, st&#246;sst leicht auf Zustimmung bei den meisten &#214;konomen, die sich dann anstrengen, Gegenmittel gegen diese Krise zu finden, die sie als &#8222;Wirtschafts-&#8220; oder aber &#8222;Banken-&#8220; oder &#8222;Finanzkrise&#8220; bezeichnen werden. Gem&#228;ss dieser Konzeption wird der Kapitalismus als Synonym f&#252;r die Akkumulation von Reicht&#252;mern (das, was die kapitalistische Gesellschaft als Reicht&#252;mer versteht, d.h. eine immer gr&#246;sser werdende Akkumulation von Warenwerten) verstanden und pr&#228;sentiert. Und dort, wo eine solche Akkumulation von Waren nicht existiert, wo Armut und Trostlosigkeit vorherrschen, behauptet diese Sichtweise, das seien nur ausserkapitalistische Regionen, die ausserhalb der Entwicklung des Kapitals situiert seien. Eine solche Konzeption &#252;bernimmt die Version der Apologeten des Kapitals, d.h. schlussendlich &lt;i&gt;die Repr&#228;sentation des Kapitals von sich selbst&lt;/i&gt;!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Armut und Trostlosigkeit sind nicht &#8222;Auswirkungen&#8220; oder &#228;ussere Konsequenzen der kapitalistischen Entwicklung, sondern stellen das Wesen dieser Entwicklung selbst dar, genau wie die immer gr&#246;sser werdende Akkumulation von Waren/Werten. Armut und Trostlosigkeit sind der Inbegriff der totalit&#228;ren Herrschaft des Werts, genau wie Reichtum und &#220;berfluss. Diese Dyaden, diese gepaarten Elemente (Reichtum/Armut, &#220;berfluss/Trostlosigkeit) dr&#252;cken die planetare Herrschaft des Wertgesetzes &#252;ber unsere Leben aus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist also wesentlich, &#8222;die Zw&#228;nge des Werts&#8220; als eine permanente doppelte Bewegung zu verstehen, d.h. eine Bewegung der Verwertung &lt;i&gt;und gleichzeitig&lt;/i&gt; eine Bewegung der Entwertung. Anders formuliert, handelt es sich um ein und dieselbe Bewegung der Verwertung/Entwertung. Sie k&#246;nnen nicht anders als in ihrer Verschr&#228;nkung zusammen funktionieren und existieren. Das Wertgesetz impliziert eine Entwertung, die mit der Verwertung der kapitalistischen G&#252;ter einhergeht: Jede neue kapitalistische Investition mit dem Ziel einer Produktivit&#228;tssteigerung in einem Sektor der Produktion f&#252;hrt strukturell zu einer kapitalistischen Entwertung der G&#252;ter der Konkurrenten in diesem gleichen Sektor, wo eine solche Steigerung nicht stattfindet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann nur dann Gesetze, die der &#246;konomischen Sph&#228;re eigen sind, suchen und finden, wenn man diese Sph&#228;re als getrennt vom gesellschaftlichen Leben betrachtet. Doch der Kapitalismus ist dieses gesellschaftliche Verh&#228;ltnis.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist offensichtlich, dass f&#252;r die Wertkritik in den von uns reproduzierten Zitaten (&#8222;Les vases vides&#8230;&#8220;), sowie in der Gesamtheit ihrer Texte&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;1. sich das Proletariat in den Fabriken, Werkst&#228;tten und B&#252;ros befindet (siehe &#8222;die Welt vor 1980, &lt;i&gt;in welcher das Proletariat und seine Ausbeutung in den fordistischen Fabriken eine zentrale Stellung einnahmen&lt;/i&gt;&#8220;);&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;2. die Ausbeutung der Proletarier w&#228;hrend ihrer Arbeitszeit geschieht;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;3. &#8222;die Klassenk&#228;mpfe&#8220; sich aus der Ausbeutung der Mehrarbeit ergeben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist eine Sichtweise, wie wir sie auf gleiche Art und Weise sowohl bei den &#214;konomen als auch bei den Gewerkschaftern wiederfinden, &#252;brigens nicht zwingend bei den &#8222;marxistischen&#8220;! Diese Konzeptionen sind die Grundlage allen historischen sozialdemokratischen Reformismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine etwas gr&#252;ndlichere Lekt&#252;re der Texte der Wertkritik erlaubt es dar&#252;ber hinaus und einfach, festzustellen, dass f&#252;r die Wertkritik letztendlich&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;4. das Kapital sich durch eine endlose Akkumulation von Reicht&#252;mern definiert (bis zum Moment, wo es auf seine &#8222;innere Grenze&#8220; trifft);&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;5. der Klassenkampf und die K&#228;mpfe des Proletariats im Besonderen sich seit den Anf&#228;ngen des Kapitalismus um die Verteilung der produzierten Reicht&#252;mer drehten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Robert Kurz, Ernst Lohoff, &#8222;Der Klassenkampf-Fetisch. Thesen zur (...)&#034; id=&#034;nh15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; die ber&#252;hmte linke Losung (gem&#228;ss der Wertkritik) &#8222;von den Reichen nehmen, um es den Armen zu geben&#8220; und der ber&#252;hmte &#8222;Kampf um die Aufteilung der Kuchenteile&#8220;;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;6. es keinen Grund gibt, einen anderen Inhalt der K&#228;mpfe des globalen Proletariats wahrzunehmen oder einfach nur zu suchen, als den im Punkt 5 erw&#228;hnten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;7. Was die Wertkritik vorschl&#228;gt &#8211; hier gebe ich auf. Ich k&#246;nnte nicht sagen, was die Wertkritik als Perspektive vorschl&#228;gt, um gegen das Reich einer &#8222;beherrschten Herrschaft&#8220; zu k&#228;mpfen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Wertgesetz (Verwertung/Entwertung) wirkt weltweit und unterwirft die gesamte Menschheit seinen Zw&#228;ngen. Die Schriften der Wertkritik und die konzeptuellen Objekte, mit denen sie von Artikel zu Artikel herumhantiert, zeigen zur Gen&#252;ge, dass sie die tiefe Grundbedeutung dieses Gesetzes nicht versteht. Und sie kann diese Bedeutung schlichtweg nicht verstehen, solange sie nicht die von ihr verteidigte dogmatische Position hinsichtlich der Realit&#228;t der Klasse in der kapitalistischen Gesellschaft verwirft. Wie kann man die Herrschaft des Werts konzipieren, ohne anzuerkennen, dass diese Herrschaft, welche die gesamte Menschheit unterwirft, die Ausbeutung eines globalen Proletariats durch eine &#8211; ebenfalls globale &#8211; b&#252;rgerliche Klasse erfordert und dass die eigenen Interessen und die eigene Sichtweise der Wirklichkeit letzterer objektiv Punkt f&#252;r Punkt der Verteidigung der Interessen des Kapitals entsprechen? Die Existenz einer reellen Gemeinschaft von Interessen, welche die verschiedenen b&#252;rgerlichen Fraktionen &#252;ber die Grenzen und ihren besonderen konkurrierenden Interessen hinweg vereint, erlaubt es, diese b&#252;rgerliche Klasse auf weltweiter Ebene zu konzipieren, als eine globale Klasse. Das beweist die Ung&#252;ltigkeit jeglicher auf die Dritte Welt bezogene Analyse.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wertkritik hebt Artikel f&#252;r Artikel ausdr&#252;cklich hervor, dass die Ausbeutungs- und Herrschaftsverh&#228;ltnisse unter dem Kapitalismus nur einfache &#8222;Funktionen des globalen gesellschaftlichen Fetischverh&#228;ltnisses&#8220; sind. Und sie f&#252;gt hinzu, dass die &#8222;orthodoxen&#8220; Marxisten, da sie diese Behauptung nicht anerkennen, unweigerlich den Fehler begehen, diese Verh&#228;ltnisse als subjektive Verh&#228;ltnisse des Willens zu betrachten! Und daher komme ihre Neigung, &#8222;strukturell&#8220; in den Antisemitismus abzugleiten! Mit ihrem Begriff der &#8222;beherrschten Herrschaft&#8220;, den die Wertkritik klar als ein absolutes Verh&#228;ltnis der Unterordnung der &#8222;profitierende[n] und nicht d[er] &#8218;herrschende[n]&#8216; Klasse (nehmen wir uns in acht vor den &#228;usseren Erscheinungen)&#8220; unter das Diktat des Werts und des strukturellen Fetischismus pr&#228;sentiert, ist sie absolut unf&#228;hig, die systematischen Massaker und Einsperrungen all jener und jenen zu erkl&#228;ren, welche gegen die Ausbeutung und die Unterdr&#252;ckung k&#228;mpfen, ausser indem sie diese Fragen kleinredet&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Man kann hier an diese Episode, ein Beispiel unter hunderttausend anderen, (...)&#034; id=&#034;nh16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. So ist ihre Formulierung, dass &#8222;die Einf&#252;hrung einer radikal neuen gesellschaftlichen Lebensform &#8211; [was] nicht ohne Abrechnungen und einen Widerstand mit Waffengewalt gegen die profitierende Klasse (unser alter Feind, die Bourgeoisie) geschehen kann&#8220; ein Archivst&#252;ck (siehe FN 10). Ach ja, und dann gibt es da noch diese Bezugnahme auf eine &#8222;rassistische portugiesische Abwartin&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ich finde den Verweis auf der Homepage Palim-Psao auf den Text, in welchem (...)&#034; id=&#034;nh17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, die nicht minder k&#246;stlich ist! Oder wie man ein Konzept unbemerkt durch das Fenster wieder hineinkommen lassen kann, das man zuvor durch die grosse T&#252;re herausgebeten hatte. Genau da dr&#252;ckt der Schuh. Genau hier entzieht sich &#8222;die Frage der transzendentalen Empirizit&#228;t des &#8218;esoterischen&#8216; Marx&#8220; komplett meinem Verst&#228;ndnis und werfen die theoretischen Verrenkungen der Wertkritik f&#252;r mein Begriffsverm&#246;gen viel zu komplizierte Probleme auf (Anspielung auf den Text von Beno&#238;t Bohy-Bunel, siehe FN 18). F&#252;r die Wertkritik sind wir alle unterschiedslos von diesem automatischen Subjekt namens abstrakter Wert beherrscht. Schluss also mit Klassenkampf, es gibt keine Klassen (mehr). Dennoch &#8211; und gleichzeitig &#8211; werden &#8222;Abrechnungen&#8220; und ein &#8222;Widerstand mit Waffengewalt gegen die profitierende und nicht &#8218;herrschende&#8216; Klasse (unser alter Feind, die Bourgeoisie)&#8220; n&#246;tig sein, so Cl&#233;ment Homs. Sehen wir &#252;ber die &#8222;Abrechnungen&#8220; hinweg, denn man kann sich schwer vorstellen, was ein solcher Ausdruck hinsichtlich gesellschaftlicher Emanzipation bedeuten k&#246;nnte. Bleibt dieser &#8222;Widerstand mit Waffengewalt&#8220; &#8211; welche konkreten Formen wird er annehmen, mit welchen Kr&#228;ften, wer wird wem gegen&#252;berstehen? Wie wird er organisiert werden und aufgrund welcher Kriterien? Wer wird Teil dieser &#8222;profitierende[n] Klasse&#8220; sein und vor allem, wer wird dar&#252;ber bestimmen? Oder wird es sich um einen B&#252;rgerkrieg handeln?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Realit&#228;t der Klassenverh&#228;ltnisse, welche sowohl die Gesellschaft als auch den Wert strukturieren &#8211; denn diese beiden Begriffe sind derart ineinander verschachtelt, wie es das Herz, die Lunge, der Blutkreislauf und das Hirn im menschlichen K&#246;rper sind und wovon nur die wissenschaftsgl&#228;ubige westliche Medizin eine reduktionistische Konzeption hat &#8211;, nicht zu begreifen, ist gleichbedeutend mit dem fatalen R&#252;ckfall in die dualistischen Ans&#228;tze, welche in und mit der b&#252;rgerlichen Gesellschaft vorherrschen: Genau das ist &#8211; auf offene Art und Weise &#8211; am 12. November 2023 mit der Wertkritik geschehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die b&#252;rgerliche Klasse hat freilich keine andere Wahl, als dem Diktat des Werts zu gehorchen, und von diesem Standpunkt aus betrachtet, muss man tats&#228;chlich best&#228;tigen, dass sie in ihren Handlungen und ihrem Wesen vom Wert beherrscht ist. In diesem Sinne muss man auch betonen, dass es sich um eine globale b&#252;rgerliche Klasse handelt, wie die globale Herrschaft des Werts, und dass deren gesellschaftliches und historisches Projekt sich im Gegensatz zu den vitalen Bed&#252;rfnissen der durch die kapitalistische Produktionsweise und den Wert unterdr&#252;ckten und ausgebeuteten Klasse definiert. Diese Klasse kann insoweit keinesfalls statisch als Addition einer gewissen Anzahl physischer Personen definiert werden, als die Zw&#228;nge des Werts &#252;ber solche Betrachtungen hinausgehen, und es ist alles andere als aussergew&#246;hnlich, dass einflussreiche Leute innerhalb dieser b&#252;rgerlichen Klasse ausgegrenzt, oder aber, dass Leute aus &#8222;dem Volk&#8220; hinzugew&#228;hlt werden (Lech Walesa in Polen, Lula da Silva in Brasilien &#8211; die Liste ist lang), wenn sie die Gesellschaft erfolgreicher befrieden k&#246;nnen. Es geht darum, zu beobachten und zu verstehen, wie diese unpers&#246;nliche b&#252;rgerliche Klasse organisch im Kern des Wertgesetzes, im Kern seiner Zw&#228;nge lebt und handelt. All diese Handlungen finden ihre Daseinsberechtigung und Erkl&#228;rung in der Notwendigkeit f&#252;r den Wert, die Ausbeutung der Proletarier und die Mehrwertextraktion unaufh&#246;rlich zu intensivieren. Dieses letztgenannte Element ohne eine b&#252;rgerliche Klasse zu denken, ist absolut unsinnig und absurd! Einzig und allein dieses Konzept der Klasse erlaubt es, nicht der Personalisierung der Herrschaftsverh&#228;ltnisse zu verfallen. Es ist sehr wohl eine Klasse, welche die Herrschaft des abstrakten Werts und der Arbeit &#252;ber die Totalit&#228;t der kapitalistischen Gesellschaft und unsere Leben als Proletarier verk&#246;rpert und verteidigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Proletarier machen die Erfahrung, dass sie enteignet von jeglicher Kontrolle &#252;ber ihre Existenzen sind, d.h. enteignet von den Mitteln zu ihrem Lebensunterhalt und somit ihren Aktivit&#228;ten; diese unmenschliche Realit&#228;t konditioniert sie dazu, permanent im Widerspruch zu den Diktaten des Werts und seinen unerbittlichen Zw&#228;ngen zu sein. Das Proletariat verk&#246;rpert, und es ist gar seine Definition, durch seine Situation der totalen und absoluten Enteignung im gesellschaftlichen Reproduktionsprozess im Kern des kapitalistischen Systems &#8211; d.h. weltweit &#8211; die radikale Negation der Unmenschlichkeit der modernen Gesellschaft. F&#252;r die &#8222;orthodoxen Marxismen&#8220; (um diesen Begriff der Wertkritik aufzugreifen) ist diese radikale Negation total unzug&#228;nglich, denn ihre Positionen haben nicht die Zerst&#246;rung des Wertgesetzes oder die Beseitigung dieser Warenwelt und der ihr zugrundeliegenden abstrakten Arbeit zum Ziel, wie es die Wertkritik durchaus korrekt formuliert. Aber f&#252;r die Wertkritik ist diese radikale Negation ebenfalls insoweit ausser Reichweite, als sie sich selbst in einer Parallelvision zu jener des &#8222;orthodoxen Marxismus&#8220; eingeschlossen hat, sie reduziert dieses globale Proletariat, um es jeglichen subversiven Inhalts zu berauben (und es in eine sterbliche H&#252;lle zu verwandeln), auf eine seiner ph&#228;nomenologischen Formen (&#8222;die Arbeiter&#8220;, in den &#8222;produktiven&#8220; Sektoren), damit es somit zu nichts anderem wird, als einer verk&#228;uflichen Hilfskraft auf dem Markt der Verk&#228;ufer und K&#228;ufer der Arbeitskraft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;4. Der Anti-Antisemitismus der Wertkritik&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Formulierung einer solchen Kritik gegen&#252;ber der Wertkritik (und ihres dumpfen Anti-Antisemitismus) ergibt sich insoweit nicht von selbst, als sie sich stets mit einer vermeintlichen theoretischen &#220;berlegenheit und einer offensichtlichen Herablassung gegen&#252;ber als &#8222;dogmatisch marxistisch&#8220; qualifizierten politischen Str&#246;mungen br&#252;stet&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Man urteile aufgrund dieser Zitate aus einem kurzen Text von Beno&#238;t (...)&#034; id=&#034;nh18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. So schafft sie es, nie weitergehende Erkl&#228;rungen liefern zu m&#252;ssen, wenn man sie danach fragt, zu pr&#228;zisieren, wie ein solcher revolution&#228;rer Prozess entstehen k&#246;nnte, ausgehend von welchen konkreten Situationen, mit welchen Motivationen, welchen Kr&#228;ften. Sie wird nicht darauf antworten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Man findet auf Palim-Psao die Spur einer Teilnahme der Wertkritik an einer (...)&#034; id=&#034;nh19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; oder mit Kurz festhalten, dass all das auf die Barbarei herauslaufen werde, ausser wenn die Menschheit das Bewusstsein entwickelt, dass sie sich von der Herrschaft des Werts, der Ware und der abstrakten Arbeit emanzipieren muss. Und des Antisemitismus m&#252;sste man noch hinzuf&#252;gen, wenn man wirklich im semantischen und geistigen Universum der Wertkritik bleiben will. Aber wie funktioniert also dieser Vorwurf des Antisemitismus, dieser Anti-Antisemitismus, der versucht, jene Aktivisten, welche diese Perspektive eines historischen Kampfes gegen die b&#252;rgerliche Klasse und ihre Welt verteidigen, zu ersticken und letztendlich zu l&#228;hmen, auf welchen Grundlagen beruht er? Auf welche Art und Weise droht die Wertkritik mit einer ehrenr&#252;hrigen Anschuldigung gegen ihre Kritiker?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie schon erw&#228;hnt, funktioniert die Anschuldigung des Antisemitismus bei der Wertkritik als Mahnung, die auf jene antikapitalistischen Kritiken zielt, welche sich nicht mit ihrer decken. Ein perverser Ansatz und das umso mehr, wenn er wie meistens mit einer Anschuldigung des &#8222;Populismus&#8220; einhergeht, einem Verdacht jenes &#8222;Populismus&#8220;, von dem die Wertkritik behauptet, er sei ein &#8222;integraler Bestandteil der Kritik der kapitalistischen Sozialisierung und ihrer Krisenideologien&#8220;. Eine Lekt&#252;re der meisten Artikel zum &#8222;verk&#252;rzten Antikapitalismus&#8220; (ein von ihr systematisch benutzter Begriff), jener, welcher die verschiedenen von ihr durch ihre &#8222;kategorialen Kritiken&#8220; formulierten Postulate nicht &#252;bernimmt, zeigt, dass ihre Argumente letztendlich den Leser auf logischer und semantischer Ebene in die Zange nehmen, ihre beiden Hebelarme sind die Anschuldigungen des Antisemitismus und Populismus. Es handelt sich hier nicht mehr so sehr um eine Frage theoretischer Meinungsverschiedenheiten mit anderen kritischen Theorien, sondern in diesem pr&#228;zisen Fall um eine Praxis, die ein unantastbares Wissen mobilisiert, um sich besser als besondere politische Str&#246;mung herauszuheben und jeden davon abweichenden Ansatz abzutun.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Feststellung (bez&#252;glich der Anschuldigung des Populismus) wird auch von einigen Teilnehmern der ersten Stunde der Vereinigung Crise &amp; Critique geteilt, sie brachten im September 2023 einen Text in Umlauf, in welchem sie unter anderem schrieben, dass &#8222;Crise et Critique mit Exit eine wahrhafte Obsession f&#252;r den &#8218;Populismus&#8216; teilt. Die Kritik der populistischen Tendenzen, und besonders des &#8218;Querfront-Populismus&#8216;, war immer ein wichtiges Element der Wertkritik und einer der zentralen Kontrastpunkte mit der &#8218;Linken&#8216;. Doch sowohl bei Exit als auch bei Crise et Critique ist der Kampf gegen den Populismus konterproduktiv geworden, denn alle ausser man selbst sind &#8218;populistisch&#8216; (und stehen somit der &#228;usseren Rechten nahe) und man sieht zum Beispiel Populismus in der schlichten Behauptung, dass die Pharmaindustrie an der Pandemie viel verdient hat! Auch die Kritik des Betons ist verd&#228;chtig, genau wie das Misstrauen gegen&#252;ber dem Plastik, denn das bedeute, &#8218;das Konkrete gegen das Abstrakte auszuspielen&#8216;. Wer das tut, ist letztendlich nicht weit davon entfernt, ein Nazi zu sein, ohne dass er es weiss! Die Kritik der anonymen und unpers&#246;nlichen Strukturen der Gesellschaft des Werts widerspricht nicht notwendigerweise der Feststellung, dass es auch Verantwortlichkeiten von gewissen Individuen und Gruppen gibt &#8211; ausser f&#252;r Puristen und Priester, die darin nur &#8218;personalisierende Kritik&#8216; sehen. Das erkl&#228;rt, weshalb Crise et Critique w&#228;hrend diesem aussergew&#246;hnlichen Jahr in Frankreich so stumm geblieben ist &#8211; jegliche Form der Praxis ist suspekt und inmitten einer Million Demonstranten k&#246;nnte sich stets ein Populist verstecken. Weder die Demonstrationen gegen die Rentenreform noch die &#8218;Soul&#232;vements de la terre&#8216; sind erw&#228;hnt worden, nicht einmal in der internen Korrespondenz [&#8230;]&#8220; Dieser kurze Text, der von heutigen Ex-Mitgliedern der Wertkritik verfasst worden ist, endete mit folgendem Satz: &#8222;Deshalb haben wir uns dazu entschieden, die Schmach noch schmachvoller zu machen, indem wir sie publizieren (Marx), und diese Betrachtungen &#246;ffentlich zu machen &#8211; zuerst hier, dann dar&#252;ber hinaus.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Man stellt sich die Frage, wie die Autoren solcher Anschuldigungen sich (...)&#034; id=&#034;nh20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit solchen dogmatischen Verblendungen der Wertkritik ist es nicht &#252;berraschend, dass bei ihr die Gleichsetzung der Kritik des Zionismus mit einer Form des Antisemitismus einen zentralen Platz in der Anordnung der Ideen in einer immer gleichen, unver&#228;nderlichen Konfiguration einnimmt. Semantische und logische Gewissheiten st&#252;tzen ein Narrativ, das letztendlich erwiesene Tatsachen wie eine nationale Politik der Unterdr&#252;ckung gegen&#252;ber Millionen von Pal&#228;stinensern in Pal&#228;stina seit Jahrzehnten vernebelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Anschuldigung des Antisemitismus basiert schlicht und einfach auf einer intellektuellen Gaunerei.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich beziehe mich hier nicht auf die besondere oder nicht besondere Situation einer sich als j&#252;disch identifizierenden Bev&#246;lkerung, sondern auf das Konzept des &#8222;Antisemitismus&#8220; selbst, auf die Art und Weise, wie dieser Begriff konstruiert und in ideologischen Konfrontationen, von denen wir hier nicht so weit gehen werden, sie als theoretische Debatten zu bezeichnen, benutzt wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Heute jemanden als Terroristen, Verschw&#246;rungstheoretiker, Konspirationisten, Islamisten zu stigmatisieren, bedeutet, ihm ohne Umschweife eine Zielscheibe auf den R&#252;cken zu kleben. Das Gleiche gilt f&#252;r die ehrenr&#252;hrige Etikette &#8222;Antisemit&#8220;. Vor dem Tribunal des Anstands und der ehrenhaften Gesinnung ist diese Anschuldigung gleichbedeutend mit einer Verurteilung. In Frankreich ist seit dem Gayssot-Gesetz&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Gesetz Nr. 90-615 (genannt Gayssot-Gesetz) vom 13. Juli 1990, das die (...)&#034; id=&#034;nh21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; eine Gedankenpolizei zur Kontrolle der Affekte der B&#252;rger und Durchsetzung einer Art staatlicher und moralischer Z&#252;gelung unserer Emotionen institutionalisiert worden. Das Resultat solch repressiver Dispositive ist offensichtlich: eine Verinnerlichung der diese Affekte begleitenden und eine Mischung aus Scham und einem Gef&#252;hl von Ohnmacht und Frustration ausl&#246;senden Triebe. Da die Benennung dieses &#8222;S&#252;ndenbocks&#8220; und der Angriff auf ihn stattfindet, w&#228;hrend der wahre Verantwortliche oder die wahren Verantwortlichen der Frustrationen und des empfundenen Leids nicht identifiziert und/oder bek&#228;mpft werden kann/k&#246;nnen, f&#252;hrt die Einf&#252;hrung eines Gedankenverbrechens und die Kriminalisierung seines Ausdrucks zu einer Verst&#228;rkung genau jener Frustrationen, welche anf&#228;nglich zu diesen Gedanken gef&#252;hrt haben! Die juristische Bestrafung und die Polizeirepression gegen den &#8222;Judenhass&#8220; und allgemeiner gegen die Rassismen sind weit davon entfernt, eine Antwort dagegen zu liefern, und tun letztendlich nicht anderes, als sie zu verst&#228;rken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Knirpse mit maghrebinischem Hintergrund aus den Vorst&#228;dten, die ein Hakenkreuz auf eine Mauer neben einem Davidstern sprayen, des Antisemitismus zu bezichtigen, stellt im besten Falle eine Torheit als Antwort auf eine andere Torheit dar. Aber viel h&#228;ufiger handelt es sich um ein politisches Kalk&#252;l, das zum Ziel hat, das Gef&#252;hl der Revolte und der Solidarit&#228;t, das diese Knirpse f&#252;r das Geschehen in Pal&#228;stina, ihr imagin&#228;res Land, diese f&#252;r unser Verh&#228;ltnis zur Welt so wesentliche Vorstellungswelt, empfinden k&#246;nnen, zu beseitigen. Und dieses Geschehen in Pal&#228;stina findet ein derart deutliches Echo in der Situation der Ausgrenzung und des polizeilichen und institutionellen Rassismus, die sie hier in &#8222;ihren Vorst&#228;dten&#8220; erdulden m&#252;ssen. Wie dumm muss man sein, um das nicht zu verstehen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wir erinnern uns an diesen ehemaligen franz&#246;sischen Premierminister, (...)&#034; id=&#034;nh22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was der Anschuldigung des Antisemitismus zugrunde liegt, ist dieser &#8222;Gedankengang&#8220;, wonach der als &#8222;Antisemit&#8220; Bezeichnete diese Abscheulichkeit der massiven Vernichtung der Juden Europas durch das Hitler-Regime bef&#252;rwortet. Und da diese Abscheulichkeit auf jeden Fall nur absolut zu verurteilen ist, muss die des Antisemitismus bezichtigte Person infolgedessen verurteilt und aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden! Die Tatsache, dass eine solche moralische und strafrechtliche Verurteilung von einem sozio-politischen System ausgeht, das seine Energie aus der Unterdr&#252;ckung und Ausbeutung von Bev&#246;lkerungen (auch j&#252;dischen), der Repression jeglichen Protests, der direkten oder delegierten Folter, dem Waffenhandel, dem Kolonialismus, dem Staatsterrorismus und der Zerst&#246;rung alles Lebenden auf der Erde zu Handelszwecken bezieht &#8211; das scheint die Fanatiker des Anti-Antisemitismus nicht weiter zu st&#246;ren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist unschwer zu erkennen, dass in Frankreich die Meister des Anti-Antisemitismus wie der CRIF, die UEJF, der B'nai B'rith Frankreich, die Vereinigung Frankreich-Israel&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb23&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;CRIF: Repr&#228;sentativer Rat der j&#252;dischen Institutionen in Frankreich; UEJF: (...)&#034; id=&#034;nh23&#034;&gt;23&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; &#8211; und die, wie Kurz und nach ihm die Wertkritik, eine bedingungslose Unterst&#252;tzung des j&#252;dischen Staates im Namen dieses Anti-Antisemitismus bef&#252;rworten, in Bezug auf Israel in einer Art Weltfremdheit gefangen sind, sie verteidigen das Land, indem sie es als von diktatorischen und blutr&#252;nstigen arabischen Regimen belagerte einzige Demokratie pr&#228;sentieren. Die Tatsache, dass Israel regelm&#228;ssig aussergerichtliche Hinrichtungen durchf&#252;hrt, Hunderte pal&#228;stinensische Kinder neben Tausenden anderen politischen Gefangenen ohne Prozess und gar ohne Anklage in seinen Strafkolonien dahinvegetieren (sie seien &#252;berhaupt nicht im Gef&#228;ngnis, sondern nur in &#8222;Administrativhaft&#8220;!), die Folter dort g&#228;ngige Praxis gegen pal&#228;stinensische Gefangene ist und sie daran sterben&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb24&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Aber in Israel seien diese Foltermethoden nicht wirklich Folter, es seien (...)&#034; id=&#034;nh24&#034;&gt;24&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, genau wie es von der Hamas und der PLO sowie von allen arabischen Regimes in der Region gegen ihre Gegner praktiziert wird, Tsahal Gaza in ein Ruinenfeld verwandelt, Phosphorbomben gegen Wohngebiete einsetzt und massiv massakriert &#8211; all das st&#246;rt diese Demokraten nicht weiter (jedenfalls nicht allzu stark). Und es ist &#8222;komisch&#8220;, dazu zu beobachten, wie die Begriffe der Kolonialisierung, Besatzung und Apartheid in Bezug auf die israelische Politik in Pal&#228;stina, welche die Anti-Antisemiten hier in Frankreich oder Europa und in den USA nicht ertragen und kontinuierlich verdr&#228;ngen, in Israel in den letzten Jahren &#252;berhaupt kein Tabu mehr sind: Dort ist die zionistische Unterdr&#252;ckungs- und Vertreibungspolitik mittlerweile enthemmt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;B &#8211; Zweiter Teil&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da man es um der Klarheit der Darlegung einer Analyse willen kaum anders tun kann, als all diese verschiedenen Elemente getrennt voneinander zu pr&#228;sentieren, obwohl sie es in der Realit&#228;t nicht sind, ist es demnach angebracht, den Leser vor einem Verst&#228;ndnis zu warnen, das die verschiedenen Aspekte, die alle zur Komplexit&#228;t einer Situation beitragen, voneinander trennen w&#252;rde. Man sollte die Verflechtung der verschiedenen Konzepte, wovon jedes einen Teil der Realit&#228;t abdeckt und ausdr&#252;ckt, in ihrer Gesamtheit betrachten: j&#252;dische Religion, Judentum, j&#252;disches Volk, Zionismus, Genozid an den Juden Europas durch die Nazis in den Vernichtungslagern, Pal&#228;stina, Israel, Antisemitismus, Imperialismus und Geopolitik, Islamismus&#8230; Man kann nicht behaupten, die Wechselwirkungen zwischen all diesen Aspekten zu verstehen, ohne jeden dieser Begriffe zu entmystifizieren und zu entmythologisieren. Ich schlage hier vor, hinsichtlich einiger dieser Aspekte so zu vorzugehen, ohne nat&#252;rlich Anspruch auf irgendeine Vollst&#228;ndigkeit zu erheben, was meine M&#246;glichkeiten &#252;bersteigen w&#252;rde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Israel: Zionismus, Nationalismus, Kolonialismus und Rassismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt keinen fundamentalen Grund, die Frage des Judentums von den beiden anderen monotheistischen abrahamitischen Religionen, Christentum und Islam, zu unterscheiden. Alle drei bekr&#228;ftigen sie die Existenz eines einzigen transzendenten, allm&#228;chtigen, allwissenden und allgegenw&#228;rtigen Gottes. Alle drei st&#252;tzen sich auf die Gl&#228;ubigkeit, den Glauben an die Existenz eines gerechten und (und somit nat&#252;rlich in seiner Nicht-K&#246;rperlichkeit) unfehlbaren Sch&#246;pfers und alle drei behaupten, eine Antwort mithilfe verschiedener Prinzipien wie die Verehrung Gottes und die Befolgung diverser (und sich mit der Zeit entwickelnder) Lebensregeln, die invariabel im Modus Bestrafung/Belohnung funktionieren, auf das (seinerseits sehr k&#246;rperliche) menschliche Leiden bereitzuhalten. Auf gleiche Art und Weise st&#252;tzen diese drei Religionen patriarchale gesellschaftliche Verh&#228;ltnisse, in welchen die Stellung der Frau aufgrund des g&#246;ttlichen Willens niedriger ist als jene des Mannes. Ich sehe auch keinen fundamentalen Grund, den Begriff &#8222;j&#252;disches Volk&#8220; von anderen &#228;hnlichen Begriffen zu unterscheiden, &#8222;franz&#246;sisches Volk&#8220;, &#8222;russisches Volk&#8220;, chinesisches, amerikanisches, usbekisches oder australisches. Jedes Mal handelt es sich um eine frei erfundene Geschichte, die jedoch ihre sch&#228;dliche Kraft aus der Tatsache bezieht, dass sie &#8222;ihren B&#252;rgern&#8220; die gemeinschaftlichen Wohltaten (die unsere menschlichen Bed&#252;rfnisse befriedigen) verschaffen kann, welche wir seit Jahrhunderten und Jahrtausenden verloren haben, aufgrund jener Trennungen, welche die Menschen spalten, aufgrund unserer Atomisierung. In diesem Sinne ist die Idee oder Illusion, mit diesem oder jenem Volk, mit welchem man sich identifiziert (mit der &#8222;j&#252;dischen&#8220;, &#8222;franz&#246;sischen&#8220;, &#8222;russischen&#8220; usw. Gemeinschaft), fest verbunden zu sein, auch eine Antwort auf ein reelles Bed&#252;rfnis nach Zugeh&#246;rigkeit und Gemeinschaft. Die ganze Symbolik, alle Codes und Zeichen (die h&#228;ufig der wirklichen Geschichte der Bewohner der verschiedenen Territorien w&#228;hrend verschiedenen Epochen entnommen werden) stellen ein wesentliches Bauteil dar, das dazu beitr&#228;gt, die Erz&#228;hlungen jedes Volkes zu konsolidieren, und k&#246;nnen somit zu seinem Gr&#252;ndungsmythos werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist leicht nachvollziehbar, dass sowohl f&#252;r die drei monotheistischen Religionen wie auch die vielf&#228;ltigen V&#246;lker, in ihren Bindungen bis zu den Urspr&#252;ngen, Wurzeln und Territorien, die Frage der Identit&#228;t und Reinheit derselben im Zentrum ihrer Besorgnis steht. Die Ablehnung der Vermischung stellt in dieser Konstruktion einen wesentlichen Dreh- und Angelpunkt dar, d.h. eine Ideologie, die behauptet, dass diese oder jene besondere Kultur ihre Legitimit&#228;t und ihre Kraft aus ihrer Verwurzelung in einer jahrhundertealten oder gar jahrtausendealten Geschichte sch&#246;pft (und f&#252;r die Religionen seit aller Ewigkeit) und/oder in einem Boden, in einem als heilig verehrten Territorium, ausgehend von welchem &#8222;der Andere&#8220; zwangsl&#228;ufig zu einem bedrohlichen Fremden, einem Feind wird. In diesem Ansatz hat es auch keinen Platz f&#252;r die Andersartigkeit in uns selbst: Wir werden zu essentialisierten Wesen, unbeweglichen Teilen in einer reinen, linearen und identisch reproduzierbaren Abstammung. Wenn ich mich auf meine Zugeh&#246;rigkeit zum j&#252;dischen, franz&#246;sischen, russischen, chinesischen, amerikanischen, usbekischen oder jedem anderen Volk berufe, werde ich also zu einem Teil dieser mythischen Geschichte, ich best&#228;tige die Identit&#228;t, auf welche ich mich berufe, und sie best&#228;tigt mich als B&#252;rger dieser besonderen mythischen &#8222;Gemeinschaft&#8220;&#8230; Man muss sich der extremen Komplexit&#228;t all dieser g&#228;nzlich konstruierten identit&#228;ren Elemente, welche die Wirklichkeit jeder nationalen Erz&#228;hlung belegen sollen, bewusst sein, um zu verstehen, wie eine Mehrheit der Leute vollst&#228;ndig dieser Fiktion anh&#228;ngt und sich sogar auf sie beruft. Ab unserer Geburt n&#228;hrt man uns mit solchen patriotischen Werten und Zeichen, die systematisch durch eine h&#246;chst wissenschaftliche Geschichtsschreibung konsolidiert werden und &#252;berall zur Konstruktion nationaler Identit&#228;ten beitragen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den meisten F&#228;llen liegt diesen Mechanismen der Zugeh&#246;rigkeit eine &#228;ngstliche Abweisung durch den B&#252;rger der Realit&#228;t und beunruhigenden Aspekte seines Lebens zugrunde. Ausgehend von einer solchen &#228;ngstlichen Abweisung der Realit&#228;t wird es also heilsbringend, seine nationale Identit&#228;t gegen jedes &#8222;fremde&#8220; Element zu verteidigen, gegen jede &#8222;&#228;ussere&#8220; Bedrohung, gegen das Nicht-Gleiche und sogar gegen jeglichen kritischen Blick, gegen jegliche Infragestellung der Richtigkeit dieser identit&#228;ren Konstruktion&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb25&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es ist gewiss nicht zwecklos, hier anzumerken, dass die gleichen (...)&#034; id=&#034;nh25&#034;&gt;25&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. So kann jeglicher Ausdruck irgendeines Unterschiedes, der Hautfarbe, des linguistischen Dialekts oder der Praktizierung eines anderen Glaubens, konstitutiv werden f&#252;r eine klarere Abgrenzung durch die Tr&#228;ger eines nationalen Bewusstseins, f&#252;r welches es in der Konstruktion einer Repr&#228;sentation ihrer Nation unerl&#228;sslich ist, jene kategorisch und absolut zu qualifizieren, von welchen man entschieden hat, dass sie aus der nationalen Gemeinschaft ausgeschlossen sein m&#252;ssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Neben dem &#8222;spontanen&#8220;, (im weiteren Sinne) kulturellen Aspekt dieser gemeinschaftlichen identit&#228;ren Auferlegung muss ein weiteres wesentliches Element in diesem ganzen Prozess betont werden, n&#228;mlich der Staatsterrorismus und der Zwang, die direkte und offene Gewalt der gesamten Gesellschaft, die von der kinetischen Gewalt, die im potenziellen Zustand agiert, untrennbar ist, letztere kommt ohne S&#228;belrasseln und Blutvergiessen aus. Diese potenzielle Gewalt ist &#8222;nur&#8220; die offene Androhung von Gewalt, die wir Generation f&#252;r Generation in unserer Psyche absorbiert und integriert haben und die auf heimt&#252;ckische und unsichtbare Art und Weise unser Handeln beeinflusst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein wesentlicher Punkt muss hier sogleich betont werden: Wie sie weiter oben benutzt werden, k&#246;nnten die Begriffe &#8222;mythische Gemeinschaft&#8220;, &#8222;erfundene Identit&#228;t&#8220;, &#8222;Gr&#252;ndungsmythos&#8220;, &#8222;fiktive Geschichte&#8220; usw. nahelegen, dass es sich hier um total k&#252;nstliche und imagin&#228;re Gegebenheiten handelt. In Wirklichkeit &lt;i&gt;decken sie eine durchaus konkrete, materielle Realit&#228;t ab&lt;/i&gt;, die nichts anderes ist, als das Reelle, in dem wir leben und das uns jeden Tag gegen&#252;bersteht. Wir entwickeln uns und k&#228;mpfen in dieser Situation und sind ein fester Bestandteil dieser Realit&#228;t. Wir verlieben uns darin, machen darin Kinder, wir werden darin bei Gelegenheit hospitalisiert, wir verdienen darin unser mageres Brot&#8230; Und sogar wenn wir dagegen k&#228;mpfen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb26&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diese Formulierung &#8222;sogar wenn wir dagegen k&#228;mpfen&#8220; f&#252;hrt in die Irre, (...)&#034; id=&#034;nh26&#034;&gt;26&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, reproduzieren wir diese verschiedenen Identit&#228;ten und K&#228;fige, in welchen wir gefangen sind. Es ist von zentraler Bedeutung, zu verstehen, dass die Realit&#228;t eines Landes auch etwas anderes &#8211; viel mehr &#8211; ist, als schlichtweg die Realit&#228;t dieses Landes als Nation, denn sie ist reich an der gesamten Bev&#246;lkerung, die darin lebt und k&#228;mpft. Besonders all diese Einwanderungen machen eine Bev&#246;lkerung in einem Land sesshaft, wo sie somit die Realit&#228;t davon wird. In Israel genau wie anderswo. Man wird also h&#228;ufig Leute treffen, die sich als &#8222;Franzosen&#8220;, &#8222;Russen&#8220;, &#8222;Chinesen&#8220;, &#8222;Israelis&#8220; oder &#8222;Juden&#8220; bezeichnen und sich als solche identifizieren &#8211; doch nichtsdestotrotz, wer k&#246;nnte behaupten, er sei f&#228;hig, zu definieren, was das &#8222;franz&#246;sische Volk&#8220; sein soll, oder das &#8222;russische&#8220;, &#8222;chinesische&#8220; &#8211; oder das &#8222;j&#252;dische&#8220;!?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In gleichem Masse muss man hier vor der Falle warnen, die darin besteht, &lt;i&gt;identit&#228;re Valorisierungen als Kampf gegen die Ausbeutung zu verstehen&lt;/i&gt;. Die herrschenden M&#228;chte haben ein ziemliches einfaches Spiel, die Sicherheitsbed&#252;rfnisse ihrer Bev&#246;lkerungen dahingehend zu manipulieren. Und daf&#252;r Mobilisierungen anzubieten, die zum Zweck haben, die Unzufriedenheit gegen einen vermeintlichen &#228;usseren Angreifer oder einen angeblichen &#8222;inneren Feind&#8220; zu lenken. Die damit einhergehende wahnsinnige Rhetorik und extrem repressive Politik bez&#252;glich der &#8222;Fl&#252;chtlingskrise&#8220; oder &#8222;illegalen Einwanderung&#8220;, die seit Jahrzehnten von der gesamten politischen Klasse in den meisten europ&#228;ischen L&#228;ndern, und &#252;berall sonst auf der Welt, bis zum &#220;berdruss wiederholt werden, illustrieren diesen Punkt perfekt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jede Kriegssituation stellt, freilich auf extreme Art und Weise &#8211; aber eine extreme Art und Weise, die ihren verallgemeinerten Charakter alles andere als ausschliesst &#8211; einen Hinweis auf diese t&#246;dliche Falle dar. Man denke an den Krieg Russland-Ukraine, und auch an alle anderen Kriege, auf jeder Seite der Frontlinie ist es immer und &#252;berall das gleiche Lied: Verteidigt euer Land, opfert euch, geht sterben f&#252;r das Vaterland &#8211; es geht immer darum, die Ausgebeuteten an die National&#246;konomie zu ketten und sie dazu zu bringen, sich gegenseitig zu t&#246;ten, indem sie hinter ihren jeweiligen Flaggen eingereiht werden. Der Patriotismus spielt eine wesentliche Rolle in der kapitalistischen Organisation, um die Umrisse des gesellschaftlichen Antagonismus zu verwischen. Es ist weder eine Absurdit&#228;t noch ein &#8222;einfacher&#8220; R&#252;ckfall der Menschheit in die Barbarei, sondern eine sozio-&#246;konomisch-politische Entwicklung, die koh&#228;rent ist mit den kapitalistischen Logiken, d.h. mit den Zw&#228;ngen des Werts und den Interessen der b&#252;rgerlichen Klasse, die sich materiell und subjektiv mit den Werten der kapitalistischen Gesellschaft identifiziert. Dieser Punkt illustriert gut, wie kurios es w&#228;re, die Frage der Klassen und der Herrschaft des Werts im Kapitalismus getrennt voneinander zu betrachten. Da die Kriege ein stets wiederkehrendes (und im weiteren Sinne gar permanentes) Element der kapitalistischen Herrschaft und diesbez&#252;glich eine passende Antwort darstellen auf die Zw&#228;nge des Wertgesetzes, das fast ununterbrochene Zerst&#246;rungen von Waren (auch der Ware Arbeitskraft) erfordert und verursacht, wie k&#246;nnte man sie also anders konzipieren als durch das Treiben der verschiedenen b&#252;rgerlichen Fraktionen &#8211; ausser man begn&#252;gt sich damit, immer auf grob vereinfachende Art und Weise &#8222;die Barbarei&#8220; und den &#8222;Krieg aller gegen alle&#8220; diesbez&#252;glich zu evozieren, doch das w&#252;rde uns auf eine Hobessche Konzeption einer vom &#8222;homo homini lupus est&#8220; beherrschten Gesellschaft zur&#252;ckwerfen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Etliche geschichtliche Tatsachen zeigen, dass der Staat Israel nicht nur die Juden nicht besch&#252;tzt, sondern auch peinlich genau seine Funktion als nationaler Staat wahrnimmt, indem er diktatorisch die Notwendigkeiten des Kapitals im von ihm beherrschten geographischen Gebiet durchsetzt. Und das wirtschaftlich, gesellschaftlich, milit&#228;risch, politisch und geostrategisch. Ich gebe gerne zu, dass auch die etlichen &#8222;n&#252;tzlichen Idioten&#8220; Teil dieser israelischen Realit&#228;t sind, jene, welche glaubten, dass sie, indem sie mehr als 500 D&#246;rfer dem Erdboden gleichmachten und 700&#8216;000 seit langem auf diesem pal&#228;stinensischen Boden lebende Bewohner vertrieben, unter diesen Bedingungen Frieden und ein ruhiges Leben finden w&#252;rden. Aber ist der Glaube an eine solche Illusion nicht eben genau die Trag&#246;die aller kolonialen Siedler!?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Erw&#228;hnen wir folgende Punkte als Beispiele dieser historischen Tatsachen:&lt;/p&gt;
&lt;ul class=&#034;spip&#034;&gt;&lt;li&gt;Der Zionismus entsteht ausgehend von der Situation der Unterdr&#252;ckung (Pogrome, Diskriminierungen, Verfolgungen, Ghettoisierungen&#8230;), welche die j&#252;dischen Minderheiten im christlichen Europa seit dem Mittelalter erdulden m&#252;ssen;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;die Reaktionen und Widerst&#228;nde der j&#252;dischen Gemeinschaften in Europa, die zum Ziel dieser Pogrome und Massaker im Verlauf der Geschichte wurden, waren vielf&#228;ltig und variabel: &#220;bertreten zum Christentum und andere Assimilationsanstrengungen und -versuche, Auswanderung in vermeintlich weniger feindlich gesinnte Gebiete und auch gemeinschaftliche gegenseitige Hilfe und K&#228;mpfe, um sich gegen die Angriffe und Verfolgungen zu verteidigen. F&#252;r etliche Juden war eine solche Verteidigung gegen die gegen sie gerichtete Unterdr&#252;ckung untrennbar mit dem Kampf gegen die kapitalistische Ausbeutung und f&#252;r eine soziale Revolution verbunden und sie engagierten und organisierten sich also dahingehend: der Bund, der sich im &#220;brigen gegen den Zionismus positionierte, die bolschewistische Partei, die eine grosse Anzahl j&#252;discher Aktivisten und Anf&#252;hrer in ihren R&#228;ngen z&#228;hlte, sowie in Deutschland und in den meisten L&#228;ndern mit j&#252;discher Einwanderung. Man sollte die Bedeutung dieses Faktors (die Figur des &#8222;subversiven, revolution&#228;ren Juden&#8220;) in der Absicht der Antisemiten in Deutschland und England zum Beispiel, sich &#8222;ihrer&#8220; Juden zu entledigen, nicht untersch&#228;tzen. Nach der Welle von Pogromen zwischen 1881 und 1884 wanderten in den darauffolgenden drei Jahrzehnten ungef&#228;hr zweieinhalb Millionen jiddischsprachige osteurop&#228;ische Juden (von sechs Millionen) nach Westeuropa aus, sie migrierten Richtung Deutschland, ein Teil davon endete dann auf dem amerikanischen Kontinent. Weniger als drei Prozent von ihnen entschieden sich, ins osmanische Pal&#228;stina auszuwandern, sie verliessen es &#252;brigens in den meisten F&#228;llen danach auch wieder (siehe Shlomo Sand, &lt;i&gt;Die Erfindung des j&#252;dischen Volkes. Israels Gr&#252;ndungsmythos auf dem Pr&#252;fstand&lt;/i&gt;, Propyl&#228;en, 2010). Bis zur Formulierung des zionistischen Projekts durch Theodor Herzl war das Projekt einer &#8222;R&#252;ckkehr nach Pal&#228;stina&#8220; nie eine der Antworten auf den Antisemitismus;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Herzl war davon &#252;berzeugt, dass nur der Aufbau einer j&#252;dischen Nation auf einem getrennten und unabh&#228;ngigen nationalen Territorium (und somit ohne Nicht-Juden!) imstande war, dem von ihm erdachten &#8222;j&#252;dischen Volk&#8220; Wohlstand zu bringen. Dieses &#8222;j&#252;dische Volk&#8220; betrachtete er auf Anhieb auf einer Klassenbasis, mit einer j&#252;dischen Bourgeoisie (Klasse, aus der er hervorgegangen war) und j&#252;dischen Proletariern. Er konstruierte fortan dieses &#8222;j&#252;dische Volk&#8220; auf Kosten der vielen Kulturen der grossen j&#252;dischen Diaspora, die alle letztendlich verschwinden w&#252;rden, die wichtigste davon war die jiddische Kultur mit ihrer Sprache, ihrer Musik, ihrer K&#252;che, ihrer Literatur;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;das 1897&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb27&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Im Jahr 1897 versammelt sich der erste Zionistenkongress in Basel, (...)&#034; id=&#034;nh27&#034;&gt;27&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; entstandene zionistische Projekt Herzls (das Projekt der Erschaffung einer nationalen j&#252;dischen Heimst&#228;tte) muss im Zusammenhang mit den aufkommenden Nationalismen im Verlauf des 19. Jahrhunderts in Europa betrachtet werden, sie begleiteten die zunehmenden interimperialistischen Spannungen (osmanisches Reich, Deutschland, Grossbritannien, USA, Frankreich, Belgien, Niederlande). Dieser Zionismus ist von Anfang an und &#252;ber all seine verschiedenen Bestandteile hinweg gepr&#228;gt vom typischen Eurozentrismus des 19. Jahrhunderts mit seinen kolonialistischen und rassistischen Postulaten. Obwohl ein &#8222;linker Arbeiterzionismus&#8220; sich von Anfang an der j&#252;dischen Kolonialisierung Pal&#228;stinas durchsetzen konnte, st&#252;tzte er sich von Beginn weg auf rassistische und segregationistische Grundlagen und sein emanzipatorischer Aspekt existierte nur in der Vorstellung seiner Anh&#228;nger. Was den &#8222;sozialisierenden&#8220;, die Kibbuze und Moschawim animierenden Idealismus betrifft, waren diese kollektivistischen Ansiedlungen eine Antwort auf die Notwendigkeit, Land zu kolonialisieren, das von den Pal&#228;stinensern geraubt worden war und von dem sie verjagt worden waren, womit sie ihnen zunehmend feindlich gesinnt waren. Diese kollektivistischen Ansiedlungen waren sicherer als es eine individuelle famili&#228;re Ansiedlung h&#228;tte sein k&#246;nnen;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;ab 1903 erkl&#228;rt sich Grossbritannien dazu bereit, die Erschaffung einer j&#252;dischen Kolonie in Uganda (heutiges Kenia) zu akzeptieren, sp&#228;ter, mit der Balfour-Deklaration (1917), spricht sich die britische Regierung formell f&#252;r den Aufbau einer nationalen j&#252;dischen Heimst&#228;tte in Pal&#228;stina aus. Es handelt sich hier um grosse Man&#246;ver zwischen imperialistischen M&#228;chten, die sich in der Kontinuit&#228;t des zum Zerfall des Osmanischen Reiches f&#252;hrenden Ersten Weltkrieges austoben. Das zionistische Projekt erlangt seine St&#228;rke und seine internationale Legitimit&#228;t aus den interimperialistischen Konfrontationen, denn es wird zu einem strategischen Spielstein im Mittleren Osten.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Das Projekt Herzls hat von Anfang an die systematische Ermutigung der Kolonialisierung Pal&#228;stinas durch die Ansiedlung von j&#252;dischen Landwirten, Handwerkern und H&#228;ndlern zum Ziel. Zu diesem Zweck wird 1901 ein Bankinstitut gegr&#252;ndet, der KKL, der es dem J&#252;dischen Nationalfonds erlauben soll, den dortigen Landeigent&#252;mern (h&#228;ufig syrische Standespersonen) Land und H&#246;fe abzukaufen, die Bauern in Halbpacht werden davon vertrieben, um durch j&#252;dische Siedler und ausschliesslich j&#252;dische Arbeitskraft ersetzt zu werden. Doch die intensivste Aktivit&#228;t Herzls konzentriert sich auf die diplomatischen Anstrengungen, um die Unterst&#252;tzung der europ&#228;ischen M&#228;chte f&#252;r die Kolonialisierung Pal&#228;stinas zu erhalten. Hierf&#252;r versucht Herzl, sich in der Kontinuit&#228;t der kolonialen Unternehmungen der Epoche zu verorten: Belgien in Kongo, Deutschland in seiner Kolonie im S&#252;dwesten Afrikas, Italien in Somalia und Eritrea&#8230; &#8222;F&#252;r Europa w&#252;rden wir dort ein St&#252;ck des Walles gegen Asien bilden, wir w&#252;rden den Vorpostendienst der Kultur gegen die Barbarei besorgen&#8220;, schreibt er 1896 in &lt;i&gt;Der Judenstaat&lt;/i&gt;.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Im Rahmen seiner diplomatischen Anstrengungen ergreift Herzl im Namen des f&#252;nften Zionistenkongresses in Basel (1901) die Initiative, folgendes Telegramm an den Sultan Abdul Hamid II. zu senden: &#8222;Zum Zeitpunkt des Zionistenkongresses, der heute in Basel Repr&#228;sentanten des j&#252;dischen Volkes aller L&#228;nder versammelt, bitte ich Eure Hoheit um die Erlaubnis, die Ehrerbietungen einer tiefen Ergebenheit und der Anerkennung aller Juden f&#252;r die stets gegen&#252;ber ihnen gezeigten G&#252;te durch Seine Kaiserliche Majest&#228;t der Sultan vor den Kaiserlichen Thron zu legen. Gestattet, Majest&#228;t, den Ausdruck meiner ehrerbietigen Hochachtung.&#8220; Eine &#8222;Hochachtung&#8220; seitens Theodor Herzls, der die Augen verschloss vor den Massakern zwischen dem Sommer 1894 und dem Winter 1896-1897, die mehr als 200&#8216;000 Armeniern das Leben kosteten und f&#252;r die Abdul Hamid II. der Hauptverantwortliche war&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb28&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Dieses Telegramm war &#8222;alles andere als eine Ungeschicklichkeit oder ein (...)&#034; id=&#034;nh28&#034;&gt;28&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Herzl hat auch keine Skrupel, andere notorische Antisemiten f&#252;r seine zionistische Sache zu gewinnen, wie es seine Treffen (1903) mit dem einige Monate zuvor f&#252;r die antisemitischen Pogrome in der Stadt Kischinjow verantwortlichen russischen Innenminister Wjatscheslaw Plehwe zeigen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb29&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Ich habe Plehwe getroffen. Ich habe sein Wort, dass er in sp&#228;testens 15 (...)&#034; id=&#034;nh29&#034;&gt;29&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Histadrut: der Allgemeine Verband der Arbeiter, Gewerkschaft der &#8222;Arbeiter im Lande Israel&#8220;, wurde von der zionistischen Bewegung in Haifa 1920 gegr&#252;ndet. Er h&#228;lt in den Statuten fest, dass &#8222;nur j&#252;dische Arbeiter&#8220; Mitglieder davon werden k&#246;nnen. Sein erkl&#228;rtes Ziel war ab seiner Gr&#252;ndung, die Ansiedlung j&#252;discher Arbeiter in Pal&#228;stina zu beg&#252;nstigen und ihre Interessen gegen&#252;ber den Arbeitgebern durch die Zur&#252;ckdr&#228;ngung der g&#252;nstigeren da prek&#228;reren arabischen Arbeitskraft zu verteidigen. &#8222;Ich musste bez&#252;glich der Frage des j&#252;dischen Sozialismus gegen meine Freunde ank&#228;mpfen: Die Tatsache verteidigen, dass ich keine Araber in meiner Gewerkschaft akzeptieren w&#252;rde; die Propaganda gegen&#252;ber den Hausfrauen verteidigen, damit sie nicht in den arabischen L&#228;den kaufen; die arabischen Arbeiter daran hindern, hier Arbeit zu finden [&#8230;] Ich musste Kerosin &#252;ber die arabischen Tomaten sch&#252;tten, die j&#252;dischen Hausfrauen auf dem Markt angreifen und die von ihnen gekauften arabischen Eier zerdr&#252;cken&#8220;, schreibt David Hacohen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb30&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zitiert in Nur Masalha, Expulsion of the Palestinians. The Concept of (...)&#034; id=&#034;nh30&#034;&gt;30&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, Anf&#252;hrer der Mapei, der wichtigsten zionistischen Partei, die den Ruf hat, eine &#8222;Arbeiterpartei&#8220; zu sein. Die Histadrut wird mit der Zeit zur dominanten und hegemonialen S&#228;ule der Wirtschaft und der Infrastrukturen der j&#252;dischen Kolonien.&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2. Eine Monopolisierung der Opferrolle&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einer der Diskurse, den man h&#228;ufig bez&#252;glich Israel liest und h&#246;rt, behauptet, die pal&#228;stinensischen Organisationen und Bev&#246;lkerungen w&#252;rden die &#8222;moralische Verpflichtung&#8220; des Existenzrechts Israels nicht anerkennen. Und dass diese pal&#228;stinensischen Organisationen und ihre Anh&#228;nger f&#252;r die Zerst&#246;rung des hebr&#228;ischen Staates seien. Und dass deshalb keine Verhandlungen mit diesen Organisationen in Betracht gezogen w&#252;rden. Auch hier in Europa dr&#228;ngt man uns dazu, die &#8222;moralische Verpflichtung&#8220; des Existenzrechts Israels anzuerkennen, wenn wir nicht verd&#228;chtigt werden wollen, antisemitisch zu sein. Aber das Man&#246;ver ist plump: Denn mit dieser Argumentation beruft man sich auf eine &#8222;moralische Verpflichtung&#8220; des Existenzrechts Israels, &lt;i&gt;um die reellen Rechte&lt;/i&gt; der pal&#228;stinensischen Bev&#246;lkerungen auf ein w&#252;rdiges Leben, dass dieser &#8222;moralische&#8220; Staat seit den ersten Tagen der zionistischen Kolonialisierung Pal&#228;stinas, seit mehr als einem Jahrhundert, mit F&#252;ssen tritt, &lt;i&gt;besser &lt;/i&gt;&lt;i&gt;wegzuwischen und unsichtbar zu machen&lt;/i&gt;. Israel verweigert den Pal&#228;stinensern &lt;i&gt;das reelle Recht&lt;/i&gt; auf Existenz &#8211; faktisch, indem sie verjagt, ausgehungert und massakriert werden. Dieser perverse Diskurs versucht schlichtweg, die Verbindung zwischen Ursache und Wirkung umzukehren! Noch bedeutender, und in totalem Widerspruch zum Gr&#252;ndungsmythos, der eine Koalition aller arabischen L&#228;nder zur Zerst&#246;rung Israels postuliert, ist die Tatsache, dass es in Wirklichkeit &#252;bereinstimmende strategische Interessen zwischen den zionistischen Anf&#252;hrern und den verschiedenen arabischen Regimes im Nahen Osten gibt, das zeigen die diplomatischen Kontakte seit der Ausrufung des hebr&#228;ischen Staates zwischen der haschemitischen Monarchie, dem K&#246;nig Jordaniens Abdullah, und David Ben Gurion (Quelle: Simha Flapan, &lt;i&gt;The Birth of Israel. Myths and Realities&lt;/i&gt;, New York, Pantheon). Und der Verlauf des Sechstagekriegs 1967 widerspricht dieser Feststellung keineswegs, denn schon am ersten Tag war die H&#228;lfte der arabischen Luftkraft zerst&#246;rt und &#8211; nach nur sechs Tagen &#8211; die Armeen &#196;gyptens, Syriens und Jordaniens besiegt. Was es Israel damals erlaubte, sein Territorium zu vergr&#246;ssern, indem der Sinai, der Gazastreifen, das Westjordanland und Ostjerusalem annektiert wurden, also die Gesamtheit des Territoriums Pal&#228;stinas. Die Instrumentalisierung der wichtigsten pal&#228;stinensischen Organisationen durch Israel zur optimalen Verwaltung dieser Territorien, wo Millionen &#252;bersch&#252;ssiger Proletarier im Gazastreifen und im Westjordanland &#252;berleben, ist ebenfalls Teil dieser Logik.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Argument rund um diese &#8222;moralische Verpflichtung&#8220; des Existenzrechts, das nur dazu dient, die &#246;ffentliche Meinung zu seinen Gunsten zu manipulieren, ist einer der verschiedenen Mythen, die der Zionismus ausgearbeitet hat, um seine kolonialisierende Politik im Lande Pal&#228;stinas besser durchzusetzen. Folgende Erz&#228;hlungen sind Teil dieser Mythologie:&lt;/p&gt;
&lt;ul class=&#034;spip&#034;&gt;&lt;li&gt;Eine Vorstellungswelt, gem&#228;ss welcher die Juden w&#228;hrend zweitausend Jahren eine ethnische und stets nach ihrer R&#252;ckkehr in die Heimat strebende Nation im Exil gebildet haben. Diese Idee, die im Verlauf der zweiten H&#228;lfte des 19. Jahrhunderts ausgearbeitet und von der dem Zionismus &#8211; ein laizistischer Zionismus, der jedoch nicht z&#246;gert, sich auf j&#252;dische Bez&#252;ge zu berufen &#8211; eigenen j&#252;dischen Geschichtsschreibung untermauert worden ist, wird durch die universit&#228;ren Autorit&#228;ten in Israel derart weitgehend validiert, dass sie zu einer wissenschaftlichen Wahrheit geworden ist, obwohl dieses M&#228;rchen, das eine Linearit&#228;t der Geschichte Israels konstruiert, seinen Ursprung in der Bibel hat. Beide der in ihm enthaltenen Behauptungen sind falsch: Die Juden haben nicht w&#228;hrend zweitausend Jahren eine geeinte Nation gebildet und die Geschichte der j&#252;dischen Diaspora zeigt zu keinem Zeitpunkt, mit Ausnahme des Zionismus, ein Streben nach einer Ansiedlung in Pal&#228;stina.&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;ul class=&#034;spip&#034;&gt;&lt;li&gt;Man kennt die zentrale politische und kulturelle Bedeutung des Wortes Holocaust im vom Staat Israel ausgearbeiteten kollektiven Gedenken (die englische Version der Unabh&#228;ngigkeitserkl&#228;rung benutzt den Begriff) f&#252;r die Konstruktion der nationalen Identit&#228;t. Das Wort Holocaust tr&#228;gt in seiner Definition selbst den Grund des Verbrechens, das es beschreibt, n&#228;mlich die Ermordung eines gesamten &#8222;M&#228;rtyrervolkes&#8220;, das sich geopfert habe, um wer weiss welche Schuld zu s&#252;hnen. Durch diese Manipulation versucht der hebr&#228;ische Staat, die v&#246;lkerm&#246;rderische Unternehmung der Nazis in einer &#252;berh&#228;ngenden transzendentalen Position, jenseits jeglicher weltlicher Betrachtung zu platzieren, wie damit seine eigenen Massaker an den Pal&#228;stinensern. Es muss betont werden, dass die Hamas ein &#228;hnliches Verfahren benutzt, indem sie systematisch ihre im Kampf get&#246;teten Mitglieder als &#8222;M&#228;rtyrer&#8220; bezeichnet und die Jugendlichen dazu animiert, als &#8222;M&#228;rtyrer&#8220; f&#252;r die Sache der &#8222;nationalen Befreiung Pal&#228;stinas zu sterben&#8220;. Indem der V&#246;lkermord der Nazis an den Juden lexikalisch und ideologisch in ein &#8222;Opfer&#8220; verwandelt wird, hat der hebr&#228;ische Staat die Proklamierung einer Aussergew&#246;hnlichkeit des j&#252;dischen Schicksals zum Ziel, womit es in den Zusammenhang keiner vollwertigen historischen Perspektive (ausser der biblischen) gestellt werden kann. Man muss zugeben, dass dieses Man&#246;ver ziemlich gut funktioniert hat, jedenfalls in den westlichen L&#228;ndern. Als Beleg daf&#252;r kann die Gr&#252;ndung der IHRA (Internationale Allianz zum Holocaustgedenken) 1988 angef&#252;hrt werden, sie hat sich die F&#246;rderung des Gedenkens an den Holocaust und die Forschung dar&#252;ber &#8222;in der ganzen Welt&#8220; zum Ziel gesetzt. Und im Mai 2016 haben sich die 31 Staaten der IHRA auf eine Definition des Antisemitismus geeinigt, gem&#228;ss welcher dieser Text, ja, genau, der hier, als antisemitische Streitschrift katalogisiert w&#252;rde, da gem&#228;ss ihren Kriterien die Behauptung antisemitisch sei, die Existenz Israels sei das Resultat einer rassistischen Unternehmung. Unter den elf von der IHRA aufgelisteten Beispielen f&#252;r Antisemitismus betreffen sieben den Staat Israel und seine Politik, darunter dieses surrealistische Kriterium &#8222;von Israel verlangen, sich so zu verhalten, wie es von keinem anderen demokratischen Staat erwartet oder gefordert w&#252;rde&#8220;. Vergessen wir nicht, dass Israel seit seiner Gr&#252;ndung praktisch keine es betreffende Resolution der UNO respektiert hat.&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;ul class=&#034;spip&#034;&gt;&lt;li&gt;Der hebr&#228;ische Staat sei die gerechte Antwort der Juden auf die vielen von ihnen erduldeten Pogrome und allen voran den V&#246;lkermord durch das Naziregime w&#228;hrend dem Zweiten Weltkrieg&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb31&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Dieses Argument greift Kurz in seinem Artikel auf. Auch f&#252;r ihn hat die (...)&#034; id=&#034;nh31&#034;&gt;31&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es ist das Totschlagargument, um jegliche Kritik an Israel und dem Zionismus zu delegitimieren. Die sechs Millionen in den Vernichtungslagern der Nazis ermordeten Juden seien also der unwiderlegbare Beweis f&#252;r die Notwendigkeit und Richtigkeit der Gr&#252;ndung des Staates Israel. Diese Behauptung kann nicht nur durch verschiedene historische Tatsachen widerlegt werden, sondern letztere sind auch mit einer ethischen und moralischen Betrachtung verbunden, an die an dieser Stelle erinnert werden soll, auch wenn es sich hier um eine sehr grundlegende Betrachtung handelt.&lt;br class='autobr' /&gt;
Es sind eben genau die Millionen Opfer der Vernichtungspolitik der Nazis, die einen totalen Respekt der menschlichen W&#252;rde und eine absolute Anerkennung der von allen Menschen geteilten menschlichen Gemeinschaft gebieten, ohne Unterscheidung von Herkunft, Religionen, Meinungen&#8230; Davon kann die Notwendigkeit abgeleitet werden, korrekt und pr&#228;zis die zugrundeliegenden tiefen Ursachen der von uns erlittenen Situationen der allt&#228;glichen und historischen Unterdr&#252;ckung zu identifizieren. Deswegen ist eine radikale Kritik des Kapitalismus und der Apostel der kapitalistischen Unterdr&#252;ckung zentral. Nur so ist es realistisch und machbar, &#8222;die Wurzeln&#8220; der Situationen der Ausbeutung und Unterdr&#252;ckung anzugehen und besonders auch diese derart g&#228;ngige Neigung, zu versuchen, seinen &#196;rger an als verantwortlich f&#252;r unser Elend designierten S&#252;ndenb&#246;cken auszulassen (an Personengruppen, die in den meisten F&#228;llen in einer noch prek&#228;reren Situation sind als man selbst). Eine solche radikale Kritik ist f&#252;r unsere Emanzipation unumg&#228;nglich.&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Eine solche Emanzipation hat der Zionismus eben genau nicht verwirklicht und konnte es auch nicht, auf keine Art und Weise, weder durch seine Ideologie noch durch seine Organisation. In Anbetracht seines von Anfang an kolonialistischen und rassistischen Inhalts konnte der Zionismus mitnichten irgendjemandem eine Perspektive menschlicher Emanzipation anbieten und, in erster Linie, nicht den Juden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu den das belegenden Tatsachen z&#228;hlt jene von der zionistischen Bewegung kultivierte &#220;berzeugung der Zugeh&#246;rigkeit zu einer h&#246;heren Zivilisation, einer &#8222;liberalen&#8220; Zivilisation, deren Bezeichnung die Tatsache nicht kaschieren kann, dass diese ach so sehr gepriesene Freiheit im Wesentlichen eine unbegrenzte Warenproduktion betrifft, um einen nicht minder unbegrenzten zwanghaften Konsum davon zu bef&#246;rdern. Diese vermeintliche zivilisatorische &#220;berlegenheit hat sich w&#228;hrend der gesamten Geschichte der zionistischen Bewegung ausgebildet, sie war pr&#228;sent seit ihren Urspr&#252;ngen und hat sich bei der Staatsgr&#252;ndung Israels herauskristallisiert. So konnte sich dieser Staat dazu &#252;berwinden, bei Gelegenheit einzugestehen, dass den Pal&#228;stinensern &#8222;Unrecht&#8220; geschah, aber nur &#8222;relatives und unvermeidliches&#8220; Unrecht, denn schliesslich gr&#252;ndete dieses Unrecht auf der daf&#252;r erhaltenen Gegenleistung, der Rettung der Holocaust-&#220;berlebenden. Klar infrage gestellt wurde diese Version durch die Aktualisierung jener Informationen, die nicht nur die Unf&#228;higkeit der zionistischen Institutionen zur Unterst&#252;tzung der Juden Europas w&#228;hrend des Krieges zeigte, sondern vor allem &#8222;ihre Zur&#252;ckhaltung darin, ihnen die n&#246;tige Unterst&#252;tzung zukommen zu lassen, wenn der Zufluchtsort der &#220;berlebenden etwas anderes als &#8218;Eretz Israel&#8216; war. Die M&#246;glichkeiten zur Rettung waren freilich begrenzt, doch sie waren alles andere als priorit&#228;r, denn f&#252;r Ben Gurion und die anderen Zionisten war es viel wichtiger, alle Anstrengungen der Institutionen und ihre finanziellen Ressourcen auf die Fortsetzung der Kolonialisierung und den Staatsaufbau zu konzentrieren. Ihre Beziehungen zu den &#220;berlebenden des Zweiten Weltkrieges, die nach Pal&#228;stina unter britischem Mandat, das sp&#228;ter zu Israel wurde, eingewandert waren, waren weder frei von Instrumentalisierung, noch von Paternalismus. Das junge zionistische Zugeh&#246;rigkeitsgef&#252;hl in der zionistischen Gemeinschaft Pal&#228;stinas vor den grossen Einwanderungswellen versteckte die Verachtung gegen&#252;ber der Schw&#228;che, dem Mangel an &#8218;Virilit&#228;t&#8216; und Nationalstolz dieser Juden, &#220;berlebenden der Shoa, sowie gegen&#252;ber ihrem kulturellen Erbe nicht. Und w&#228;hrend die &#220;berlebenden des Holocaust die Verachtung erdulden mussten, wurden die Einwanderer aus islamischen L&#228;ndern sp&#228;ter zu Opfern einer aggressiven systematischen Politik, die zum Ziel hatte, ihre urspr&#252;ngliche Identit&#228;t auszul&#246;schen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb32&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Shlomo Sand, &#8222;Post-sionisme : un bilan provisoire. &#192; propos des historiens (...)&#034; id=&#034;nh32&#034;&gt;32&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die durch den Zionismus und den Staat Israel vorgenommene Privatisierung und Monopolisierung der Opferrolle ist Teil dieser gleichen Logik. Meiner Meinung nach ist es unw&#252;rdig und emp&#246;rend, die Opferrolle gegen&#252;ber den vom Hitler-Regime begangenen Grausamkeiten einzig der j&#252;dischen Bev&#246;lkerung zuzugestehen und die etlichen anderen Opfer wie, in anderen Proportionen, Homosexuelle, Zigeuner, Slawen, &#8222;Behinderte&#8220;, Widerstandsk&#228;mpfer, Kommunisten, Kriegsgefangene, Freimaurer oder auch Zeugen Jehovas zu ignorieren. Und wie soll man die Millionen Menschen betrachten, die w&#228;hrend diesem Zweiten Weltkrieg starben, man spricht hier von 60 Millionen Opfer, ein Drittel davon aus Russland, was damals 10% seiner Bev&#246;lkerung entsprach? Es geht bestimmt nicht darum, all diese Unmenschlichkeit auf einer Art Skala der Grausamkeit zu erfassen oder hierarchisieren oder in einen Zusammenhang der Konkurrenz des Gedenkens zu stellen, sondern darum, anzuerkennen, inwieweit diese schrecklichen Massaker das Los so vieler Bev&#246;lkerungen weltweit waren. Im Falle Israels ist es klar die Staatsr&#228;son, welche diese Monopolisierung der Opferrolle f&#252;r die eigenen B&#252;rger mit dem Ziel antreibt, somit die Gef&#252;hle der Empathie und der Sympathie, die allgemein das Leid der anderen ausl&#246;sen, zu monopolisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3. Die Wertkritik, mit Kurz, in Israel&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kommen wir auf den Anti-Antisemitismus der Wertkritik zur&#252;ck, da f&#252;r sie in der zeitgen&#246;ssischen kapitalistischen Gesellschaft die Fragen der Macht, Ausbeutung und Klassenherrschaft sozusagen nicht existieren, ist sie also nicht f&#228;hig, eine dialektische Analyse der die Staatsgr&#252;ndung Israels lenkenden Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse und Streitgegenst&#228;nde durchzuf&#252;hren. Bez&#252;glich dieser Fragen, wie im Beispiel des schon erw&#228;hnten Texts von Robert Kurz, dessen wahnsinnige Positionen von ihr nicht im Geringsten kritisiert worden sind, kann die Wertkritik nichts anderes tun, als auf einer prinzipiellen moralischen Position beharren, die zu nichts anderem f&#252;hrt als einer erbitterten Verteidigung der zionistischen Politik des hebr&#228;ischen Staates. Kurz schiebt das Argument vor, es gehe darum, den Staat Israel zu unterst&#252;tzen, weil dieser es dem j&#252;dischen Volk erlaube, sich zu verteidigen und sich vor einem zweiten V&#246;lkermord wie jenem der Nazis, der mit dem Zweiten Weltkrieg zur fast vollst&#228;ndigen Vernichtung der Juden Europas f&#252;hrte, zu sch&#252;tzen. In seinem Artikel anerkennt Kurz den kapitalistischen Charakter des Staates Israel, aber er f&#252;gt sogleich an, dass diese Nation einen Doppelcharakter insofern habe, als seine Entstehung nicht im Rahmen eines &#252;blichen nationalen Staatsaufbaus geschah, sondern gleichzeitig eine j&#252;dische Reaktion auf den weltweiten und besonders europ&#228;ischen Antisemitismus gewesen sei. Er &#252;bernimmt somit ein Schl&#252;sselargument der Weihrauchtr&#228;ger des Staates Israel seit seiner Gr&#252;ndung 1948. Es muss zu diesem Punkt unterstrichen werden, dass, wenn wir den Logiken der Wertkritik bez&#252;glich einer &#8222;beherrschten Herrschaft&#8220; und seiner Ablehnung dessen, was sie &#8222;subjektive Herrschaftsverh&#228;ltnisse&#8220; nennt, treu bleiben w&#252;rden, die Betrachtungen von Kurz somit total unzul&#228;ssig w&#228;ren, denn was analysiert er hier letztendlich anderes, als subjektive Herrschaftsverh&#228;ltnisse?!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In seinem gesamten Text entwickelt Kurz seine Argumentation auf der Grundlage dreier Schl&#252;sselelemente, die er nie hinterfragt:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; des Antisemitismus, denn es existiere ein &#8222;kollektives antij&#252;disches Unbewusstes&#8220;, ein &#8222;unbewusster Judenhass&#8220; und sogar ein &#8222;antisemitisches Syndrom der Moderne&#8220;;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; des Doppelcharakters des hebr&#228;ischen Staates, kapitalistisch, aber auch Besch&#252;tzer des j&#252;dischen Volkes;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; Kurz setzt meistens, um nicht zu sagen systematisch, die pal&#228;stinensische Bev&#246;lkerung mit der &#8222;in den Poren der Bev&#246;lkerung von Gaza verschanzte[n]&#8220; Hamas gleich; &#8222;die Mehrheitsentscheidung f&#252;r die Hamas in Gaza [bedeutet] einzig und allein, dass es hier keine an sich unschuldige Zivilbev&#246;lkerung gibt&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb33&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diese Passagen musste ich wieder und wieder lesen, um sicher zu sein, dass (...)&#034; id=&#034;nh33&#034;&gt;33&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist verbl&#252;ffend, feststellen zu m&#252;ssen, dass, gegen&#252;ber einer Position, welche die Zerst&#246;rung des Staates Israel verteidige, die von Kurz verteidigte Position das genaue Gegenteil davon ist, n&#228;mlich eine unbedingte und ungez&#252;gelte Verteidigung ebendiesen Staates!!! Und um diese Entscheidung zu rechtfertigen, beruft er sich immer auf die gleiche Formel eines &#8222;kollektiven antij&#252;dischen Unbewussten&#8220; und es ist letztendlich dieser vermeintliche herdenm&#228;ssige Antisemitismus, der zum absoluten Argument wird, um seine vorgefasste Meinung durchzusetzen. Dieses einzige Argument geh&#246;rt in den Bereich der Psychologie und l&#228;uft in Wahrheit auf ein strukturell pathologisches &#8222;Massenunbewusstes&#8220; hinaus, das in der Existenz eines antisemitischen &#8222;Syndroms&#8220; gipfelt. Es ist kaum m&#246;glich, dieses Argument zu durchkreuzen, ausser man begibt sich selbst auf dieses gleiche psychologische Terrain. Aber um was handelt es sich in Wirklichkeit?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schlicht und einfach um diese bequeme Behauptung, es gebe eine innere Verbindung zwischen Antisemitismus, Judenhass und dem Prozess der &#8222;Verwertungskrise&#8220; und einer &#8222;kapitalistischen Barbarisierung [sic!]&#8220;. Aber die Wertkritik &lt;i&gt;postuliert&lt;/i&gt; schlichtweg eine solche automatische innere Verbindung, denn man wird dahingehend kein fundiertes Argument finden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt gewiss diesen Schematismus der Wertkritik, der behauptet, gegen&#252;ber einer abstrakten Herrschaft des Werts und der abstrakten Arbeit &#252;ber unsere Leben seien wir unf&#228;hig, diese direkt zu erfassen und korrekt zu identifizieren, womit wir also nichts anderes tun k&#246;nnen, als die Herrschaft des &#8222;Weltjudentums&#8220; daf&#252;r verantwortlich zu machen. Das ist alles. Das Argument der Wertkritik kann mit dieser hier in einem Satz formulierten Position zusammengefasst werden. Ich sehe &#252;berhaupt keine logische Automatik zwischen diesen Elementen, auch nicht in der vermeintlichen Unf&#228;higkeit der Menschen, die &#252;ber ihr gesellschaftliches Leben herrschenden Abstraktionen zu erfassen oder identifizieren, oder in der Tatsache, zwingend diese oder jene besondere Kategorie der Bev&#246;lkerung f&#252;r ihr Ungl&#252;ck verantwortlich zu machen. Im Gegenteil, die Behauptung, ein vermeintliches &#8222;Weltjudentum&#8220; sei oder werde notwendigerweise und systematisch DAS Ziel aller Unzufriedenen, um ihre Frustrationen und ihren Hass auszudr&#252;cken, ist meines Erachtens Teil der von der Frage des Antisemitismus aufgeworfenen Problematik selbst (was Kurz &#252;brigens mit seiner Pro-Israel-Hysterie illustriert). Durch ihre Auferlegung der von ihr als strukturell betrachteten Gleichung &#8222;Kampf gegen die Personalisierungen des Kapitals&#8220; = Antisemitismus schliesst uns die Wertkritik in einem antisemitischen Universum ein, in welchem die K&#228;mpfe f&#252;r oder gegen &#8222;die Juden&#8220; die Klassenk&#228;mpfe gegen die kapitalistische Ausbeutung und Unterdr&#252;ckung ersetzt haben sollen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Doppelcharakter des Staates Israel seinerseits ist schlichtweg ein absurdes Argument. Dieses Argument erinnert mich an die Positionen der verschiedenen trotzkistischen Gruppen, die bis zum Ende der 1980er Jahre die UdSSR unter dem Vorwand unterst&#252;tzten, es handle sich um einen &#8222;degenerierten Arbeiterstaat&#8220;, der einen Doppelcharakter habe (n&#228;mlich eine &#8222;sozialistische Wirtschaftsstruktur&#8220; und gleichzeitig eine &#8222;politische Macht in den H&#228;nden einer b&#252;rokratischen Kaste&#8220; &#8211; das hier benutzte Vokabular ist nat&#252;rlich jenes der Trotzkisten).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist absurd, davon auszugehen, dass ein Staat zu einem Zweck handeln k&#246;nne, der ihm nicht als kapitalistischer Staat eigen w&#228;re, dass er auch eine oder mehrere Funktionen erf&#252;llen k&#246;nne, die nicht seinem gesellschaftlichen Wesen entsprechen. Die Wertkritik spricht h&#228;ufig von einem &#8222;durch den Staat &lt;i&gt;vermittelten&lt;/i&gt;&#8220; gesellschaftlichen Verh&#228;ltnis, womit wiederum ein sozialdemokratischer Begriff zu dieser Frage &#252;bernommen wird. Eine sozialdemokratische Konzeption, gem&#228;ss welcher der Staat existiere, um die verschiedenen und einander entgegengesetzten Interessen der verschiedenen Segmente einer Gesellschaft miteinander zu vers&#246;hnen, um eine friedliche Koexistenz f&#252;r eine harmonische Entwicklung des Kapitals zu erreichen. Auf der Grundlage etlicher blutiger Erfahrungen hat ein gewisser revolution&#228;rer Marxismus diese Albernheiten seit mehr als einem Jahrhundert widerlegt und sehr klar und explizit formulieren k&#246;nnen, dass der globale kapitalistische Staat (und wovon die verschiedenen Nationalstaaten nur seine besonderen Konkretisierungen sind) nichts anderes ist als die Konstitution der Interessen der herrschenden Klasse, der globalen b&#252;rgerlichen Klasse als zentralisierte Kraft. Der globale kapitalistische Staat befindet sich somit organisch (d.h. auch im Fall, wenn diese zentralisierte Kraft sich zuungunsten einer besonderen b&#252;rgerlichen Fraktion entfaltet) an vorderster Front, um &#252;berall die f&#252;r diese kapitalistische Gesellschaft charakteristische Herrschaft des Werts und der Lohnarbeit zu garantieren. Diese &#220;berdetermination des Staates in dieser Funktion leitet sich aus diesem grundlegenden Antagonismus zwischen dem globalen kapitalistischen Staat und den vitalen Bed&#252;rfnissen des globalen Proletariats ab und st&#252;tzt ihn. Zu behaupten, ein besonderer Staat k&#246;nne ausserhalb dieser organischen Funktion eine andere, dieser &#220;berdetermination nicht entsprechende erf&#252;llen, ist gleichbedeutend mit der Einsetzung einer Widerspr&#252;chlichkeit im Kern dieser Problematik. Da &#252;berhaupt kein einzelner Staat &#8222;seine nationale Bev&#246;lkerung&#8220; besch&#252;tzt, besch&#252;tzt der hebr&#228;ische Staat die Juden nicht! Tausende geschriebener Seiten der Wertkritik werden es, genau wie die Millionen ver&#246;ffentlichter B&#252;cher von Trotzkisten aller Str&#246;mungen zum Wesen des sowjetischen Staates damals, nie schaffen, das terroristische und menschenfeindliche Wesen des kapitalistischen Staates zu kaschieren, in Israel, Russland, der Ukraine, Frankreich und &#252;berall.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Realit&#228;t, die konkreten Tatsachen zeigen offensichtlich, dass der j&#252;dische Staat die Juden nicht besch&#252;tzt: In Israel werden die j&#252;dischen, arabischen und pal&#228;stinensischen Proletarier von einer b&#252;rgerlichen Klasse, die, wie sonst &#252;berall auch, zur Durchsetzung ihrer Gebote vor nichts zur&#252;ckschreckt, unterdr&#252;ckt und ausgebeutet, sei es auf politischer, gesellschaftlicher, wirtschaftlicher oder jeder anderen Ebene, sie produzieren, schwitzen, opfern sich auf dem Altar des Werts auf, kriechen zu Kreuze, dienen als Kanonenfutter&#8230; In der israelischen &#8222;Start-up-Nation&#8220; lebt gem&#228;ss den Zahlen der OECD&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb34&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Doch diese von den Experten der OECD erstellten Statistiken (Zahlen von (...)&#034; id=&#034;nh34&#034;&gt;34&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; eine Person von f&#252;nf unterhalb der Armutsgrenze, der &#8222;schlechteste Wert aller Mitgliedsl&#228;nder der Organisation nach Mexiko&#8220;. Wie es Staatsrassismen in allen L&#228;ndern der Welt gibt, konstitutive Rassismen jeder auf der Ablehnung des Anderen, des &#8222;Fremden&#8220; basierenden nationalen Entit&#228;t, gibt es gleichermassen einen Staatsrassismus in Israel, nicht nur gegen&#252;ber der pal&#228;stinensischen, sondern auch gegen&#252;ber einem bedeutenden Teil der j&#252;dischen Bev&#246;lkerung des Landes und besonders gegen&#252;ber den sephardischen Juden, den Falascha, den Mizrachim&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb35&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Falascha- oder Etiopim-Juden: urspr&#252;nglich aus &#196;thiopien stammende Juden. (...)&#034; id=&#034;nh35&#034;&gt;35&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, den ultraorthodoxen Juden oder den vor kurzem eingewanderten russischen Juden, deren Lebensbedingungen in Israel gleichen jenen der &#228;rmsten Proletarier &#252;berall sonst auf der Welt. Diese Armut und Segregation wird regelm&#228;ssig von verschiedenen Organisationen wie Standing Together, der Association for Civil Rights Israel (ACRI), der Coalition against Racism usw. angeprangert und einige davon k&#228;mpfen Seite an Seite mit diesen Israelis &#8222;zweiter Klasse&#8220;. Und manchmal wird die Wut auf die Strasse getragen und mobilisiert diese j&#252;dischen Bev&#246;lkerungen w&#228;hrend Demonstrationen, wie im Sommer 2011 &#8211; aber aufgrund des grossen Einflusses des nationalen Mythos auf das Bewusstsein und der Furcht, als &#8222;Verr&#228;ter der Nation&#8220; zu gelten, geschieht das nur allzu selten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bez&#252;glich des dritten Punkts scheint es mir weder n&#252;tzlich noch w&#252;rdig, gegen einen solch unw&#252;rdigen Ansatz zu argumentieren. Es scheint mir hingegen angebracht, hier zu betonen, dass die Hamas auch das Produkt der israelischen Politik und ein strategischer Verb&#252;ndeter f&#252;r die expansionistischen Ziele des hebr&#228;ischen Staates ist. Direkt und indirekt hat die israelische Regierung die Entwicklung dieser nationalistischen und islamistischen Bewegung namens Hamas beg&#252;nstigt. Indirekt durch ihre Raub- und Landbesetzungspolitik und durch die systemische und entsetzliche Unterdr&#252;ckung der pal&#228;stinensischen Bev&#246;lkerungen. Und direkt als der israelische Staat die Hamas zur Schw&#228;chung der Pal&#228;stinensischen Autonomiebeh&#246;rde instrumentalisierte, indem er ihre (finanziellen, materiellen) Mittel&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb36&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Auszug aus dem Artikel in Haaretz vom 20. Oktober 2023 &#8222;A Brief History of (...)&#034; id=&#034;nh36&#034;&gt;36&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; zur Beherrschung der von ihr kontrollierten Territorien verst&#228;rkte mit dem Ziel, jede M&#246;glichkeit der Durchsetzung einer &#8222;Zweistaatenl&#246;sung&#8220; zu durchkreuzen. Kurz verf&#252;gte wahrscheinlich nicht &#252;ber diese genauen Informationen, als er seinen Artikel schrieb. Aber nur sein Beharren auf einer Verteidigung einer resolut pro-israelischen Position hat ihn dazu bringen k&#246;nnen, die zahlreichen Quellen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb37&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Simha Flapan, Birth of Israel. Myths and Realities, Routledge, 1988. Auf (...)&#034; id=&#034;nh37&#034;&gt;37&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, die ab den 1990er Jahren erfolgreich die hegemoniale Erz&#228;hlung der offiziellen Geschichtsschreibung des Zionismus und des Staates Israel zunichtemachten, zu ignorieren oder zu vernachl&#228;ssigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sollten schliesslich hier betonen, dass die immer ungest&#252;mere und heftigere Hartn&#228;ckigkeit zur Durchsetzung der Gleichung Antizionismus = Antisemitismus, sowohl seitens der israelischen Institutionen als auch der europ&#228;ischen und US-amerikanischen Regierungsinstanzen, die auch kurz vollst&#228;ndig so vertritt, einhergeht mit der fast unabwendbaren Entwicklung der globalen geostrategischen Situation gepr&#228;gt vom Niedergang der milit&#228;risch-wirtschaftlich-politischen Hegemonie des westlichen Blocks. Und sie entspricht auch &#8211; dialektisch verbunden mit dem ersten Punkt &#8211; der Schw&#228;chung des Einflusses der zionistischen Gr&#252;ndungsmythen (&#8222;ein Land ohne Volk f&#252;r ein Volk ohne Land&#8220;, &#8222;der kleine j&#252;dische David gegen den arabischen Riesen Goliath&#8220;, &#8222;wir sind alle allein, niemand wird uns je verteidigen&#8220;) auf das Bewusstsein der Bev&#246;lkerungen im Westen nach dem Ausbruch seit Ende 1987 der pal&#228;stinensischen Erhebung genannt &#8222;Krieg der Steine&#8220; in den besetzten Gebieten. Die in der Fussnote 37 erw&#228;hnten akademischen Studien widerspiegeln ebenfalls diese Entwicklung und stellen ein Echo darauf dar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;C &#8211; Anstelle einer Schlussfolgerung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wertkritik hat durch ihren Aufruf, sich mit dem Kollektiv Golem f&#252;r die Teilnahme an der nationalen Demonstration am letzten 12. November gegen den Antisemitismus zu solidarisieren, gezeigt, dass ihre Positionen zum Antisemitismus sie in die Arme jener Kr&#228;fte treibt, welche eine republikanische und demokratische Politik verteidigen, trotz der Tausenden Seiten Kritik, die sie produziert. Die Wertkritik hantiert mit klassenkampflosen Konzepten in ihren theoretischen Beitr&#228;gen, d.h. sie lehnt die G&#252;ltigkeit jener Analysen ab, welche sich auf den historischen und grundlegenden Antagonismus zwischen den beiden Klassen der kapitalistischen Gesellschaft, eine herrschende b&#252;rgerliche Klasse, die eine unterdr&#252;ckte Klasse, das Proletariat, ausbeutet, als determinierend berufen. F&#252;r die Wertkritik hat sich der abstrakte Wert total von den Handlungen der Menschen befreit und setzt seine Notwendigkeiten zur Akkumulation auf autonome Art und Weise durch, indem er gebieterisch die gesamte Menschheit seinen Launen unterordnet, trotz der Aktivit&#228;ten der Menschen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In logischer Verbindung mit ihren Positionen hinsichtlich des Antisemitismus hat der bekannteste Theoretiker der Wertkritik Robert Kurz mehrere Texte ver&#246;ffentlicht, in welchen er zugunsten einer zwingenden und somit bedingungslosen Verteidigung des Staats Israel argumentiert. Im gegenw&#228;rtigen Kontext hat eine solche Positionierung zugunsten Israels eine besonders tragische Bedeutung, daher das ohrenbet&#228;ubende Schweigen der Wertkritik zur Situation im Nahen Osten. Ich denke, dass ich in diesem Text eine bedeutende Anzahl an Tatsachen und Argumenten geliefert habe, um zu zeigen, wie abwegig es ist, Robert Kurz und seine Genossen zu diesem Thema zu unterst&#252;tzen. In der Perspektive einer gesellschaftlichen Befreiung vom Joch des Kapitalismus, und somit des Werts, der Arbeit und der Ware, ist es offensichtlich absurd, zu behaupten, die Verteidigung irgendeines Staates k&#246;nne gleichbedeutend mit Emanzipation sein oder uns auch nur dorthin f&#252;hren. Weder des Staates Israel, noch eines pal&#228;stinensischen oder irgendeines Staates. Wie kann man nicht sehen, dass die Politik der beiden Entit&#228;ten, der israelischen und der pal&#228;stinensischen, komplement&#228;r miteinander sind und heute zu den Massakern an den pal&#228;stinensischen Bev&#246;lkerungen f&#252;hren? Ist es notwendig, hier zu pr&#228;zisieren, dass die dazu symmetrische Position, die Verteidigung der Zerst&#246;rung eines bestimmten Staates zugunsten der Gr&#252;ndung eines anderen, sich als genauso sch&#228;dlich f&#252;r jegliches emanzipatorisches Projekt erweisen wird? Unsere gemeinsame Menschlichkeit kann nicht in Strafkolonien namens Staaten eingesperrt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In einer kommunistischen Perspektive der Emanzipation geht es darum, die Desertion der Proletarier von ihrer nationalen Bourgeoisie auf der Grundlage von grunds&#228;tzlich einander entgegengesetzten Klassenperspektiven zu beg&#252;nstigen und f&#252;r die Verbr&#252;derung mit unseren Klassenbr&#252;dern &#252;berall sonst zu k&#228;mpfen. Eine solche Perspektive scheint ziemlich offensichtlich im Falle des Krieges zwischen Russland und der Ukraine, wo die Proletarier auf beiden Seiten der Front das gleiche vitale Interesse haben, dieser nur den Interessen des Kapitals (des Werts) und der Kapitalisten n&#252;tzenden Schlachterei zu entkommen. Wo wir nur Kanonenfutter sind. Auch in Israel/Pal&#228;stina kann und muss diese Perspektive verteidigt werden, auch wenn die Situation dort aufgrund des kolonialen Charakters Israels und seiner geopolitischen Position in der Region, die historisch zentral f&#252;r die Interessen des westlichen Lagers ist, viel komplexer ist. Aufgrund der erdr&#252;ckenden milit&#228;rischen &#220;berlegenheit Tsahals und der von ihr begangenen Massaker an den pal&#228;stinensischen Bev&#246;lkerungen, der relativen soliden nationalen Koh&#228;sion in Israel, der Fortsetzung oder gar Intensivierung der kolonialen Ansiedlungen im Westjordanland ist es eindeutig in diesem Land, wo f&#252;r die Proletarier prim&#228;r die Aufgabe besteht, den Kampf gegen &#8222;ihre eigene Bourgeoisie&#8220;, &#8222;ihre eigenen Anf&#252;hrer&#8220;, als Bedingung f&#252;r eine Verbr&#252;derung mit den pal&#228;stinensischen Proletariern zu beginnen. Eine &#8222;prim&#228;re&#8220; Aufgabe insofern, als auch genau dort diese Perspektive am weitesten entfernt scheint wegen der Kraft der nationalen Erz&#228;hlung und ihres Einflusses &#252;ber ihre B&#252;rger.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r die pal&#228;stinensischen Proletarier scheint es nicht minder schwierig, sich gegen ihre Henker aufzulehnen. Denn ihnen steht nicht nur der israelische Staat mit aller Kraft seiner terroristischen Mittel gegen&#252;ber, sondern auch die &#8222;Widerstandsorganisationen&#8220;, allen voran die Hamas und die Pal&#228;stinensische Autonomiebeh&#246;rde, aber auch zahlreiche Organisationen des &#8222;islamischen Widerstands&#8220;. Doch wenn man ber&#252;cksichtigt, wie sich die Hamas (im Gazastreifen) und die Pal&#228;stinensische Autonomiebeh&#246;rde (im Westjordanland) auf dem gleichen Terrain der Ausbeutung und Unterwerfung der Bev&#246;lkerungen unter ihrer Zust&#228;ndigkeit austoben wie der Staat Israel, der ihnen die Kontrolle dieser Mission delegiert hat, wird es nicht nur realistisch, sondern wesentlich, die theoretischen und praktischen Ans&#228;tze zu verurteilen, welche Teil der innerb&#252;rgerlichen nationalistischen Polarisierungen sind&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb38&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zu diesem Punkt kann ich die Lekt&#252;re des Interviews mit Emilio Minassian (...)&#034; id=&#034;nh38&#034;&gt;38&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und uns nur Kriege um Territorien, Religionen oder V&#246;lker bringen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;re es unrealistisch, eine Befreiung vom gef&#252;hlten Horror gegen&#252;ber der Politik der Anf&#252;hrer auf beiden Seiten und den sowohl von Tsahal als auch der Hamas begangenen Massaker in Betracht zu ziehen, um unsere Wut gegen die Verantwortlichen dieser gesamten Situation zu richten und die Verbr&#252;derung zwischen j&#252;dischen und pal&#228;stinensischen Proletariern zu verteidigen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r die Wertkritik stellen solche Betrachtungen nur eine verwerfliche Subjektivierung der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse dar, sie bevorzugt es ihrerseits, sie als Teil einer &#8222;beherrschten Herrschaft, die nicht ihre eigene Grundlage ist&#8220;, sondern magisch vom kapitalistischen Fetischismus namens Wert beherrscht ist, zu analysieren. Daher kommt der erb&#228;rmliche Untergang der Theorie der Wertkritik auf heiligem Land.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Paris, Februar 2024.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=21297&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es handelt sich um den nationalen Marsch am Sonntag 12. November 2023 gegen den Antisemitismus, der von der Staatsgewalt orchestriert worden ist und zu dem die Pr&#228;sidentin der Nationalversammlung Ya&#235;l Braun-Pivet sowie der Senatspr&#228;sident G&#233;rard Larcher aufgerufen haben.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8220;Authorities have identified a total of 274 soldiers ans 859 non-soldiers killed during the brutal assault. The latter figure includes 57 Israel Police officers and 38 local security officers. It is unclear which of these individuals were on duty when killed. Removing those victims leaves a figure of 764 civilians.&#8221; The Times of Israel, 4. Dezember 2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die UNRWA, das Hilfswerk der Vereinten Nationen f&#252;r Pal&#228;stina-Fl&#252;chtlinge, hat schon den Tod von 92 ihrer 13&#8216;000 im Gazastreifen pr&#228;senten Angestellten verk&#252;ndet. &#8222;Wir hatten noch nie so viele get&#246;tete Kollegen&#8220;, betont die Sprecherin der Organisation, Juliette Touma. &#8222;Es ist eine beispiellose Bilanz f&#252;r unser Hilfswerk, aber auch die gesamten Vereinten Nationen.&#8220; Das Verh&#228;ltnis der Toten unter den Angestellten, sagt sie weiter, stimmt mit den Zahlen des Ministeriums f&#252;r die gesamte Bev&#246;lkerung &#252;berein, sie wird auf ungef&#228;hr 2.2 Millionen Bewohner im ganzen Territorium gesch&#228;tzt. &#8222;Das l&#228;sst vermuten, dass die vom Gesundheitsministerium kommunizierten Zahlen relativ pr&#228;zis sind&#8220;, erkl&#228;rt sie. &#8222;Es handelt sich nicht um eine Best&#228;tigung, sondern einen Hinweis.&#8220; &#8222;Guerre Isra&#235;l-Hamas : comment le bilan palestinien sur le nombre de morts dans la bande de Gaza est-il &#233;tabli ?&#8220;, &lt;i&gt;Franceinfo&lt;/i&gt;, 10.11.2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Text ver&#246;ffentlicht in &lt;i&gt;EXIT! Krise und Kritik der Warengesellschaft&lt;/i&gt;, Heft 6, 2009, Robert Kurz, &lt;a href=&#034;https://www.exit-online.org/textanz1.php?tabelle=schwerpunkte&amp;index=13&amp;posnr=209&amp;backtext1=text1.php&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Die Kinderm&#246;rder von Gaza. Eine Operation &#8218;Gegossenes Blei&#8216; f&#252;r die empfindsamen Herzen&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Cl&#233;ment Homs, &lt;a href=&#034;http://www.palim-psao.fr/2017/05/capitalisme-classes-et-antisemitisme-moderne-par-clement-homs.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Capitalisme, classes et antis&#233;mitisme moderne&#8220;&lt;/a&gt;, 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Roswitha Scholz, &lt;a href=&#034;https://www.exit-online.org/textanz1.php?tabelle=aktuelles&amp;index=0&amp;posnr=727&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Editorial, offener Brief und Spendenaufruf&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;EXIT! Krise und Kritik der Warengesellschaft&lt;/i&gt;, Nr. 17, April 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Um hier vollst&#228;ndig klar zu sein, der Administrator der franz&#246;sischsprachigen Homepage Palim-Psao verbreitete eine Nachricht des Kollektivs Golem, deren Mitgr&#252;nder (und auch Mitglied des RAAR) Jonas Pardo erkl&#228;rte: &#8222;Ja, ich werde am Sonntag gegen den Antisemitismus auf die Strasse gehen. Ich bin gegenw&#228;rtig unzufrieden mit den Bedingungen, unter welchen dieser Marsch geplant ist. Einerseits wegen der Art des Aufrufs von Ya&#235;l Braun-Pivet und G&#233;rard Larcher. Und nat&#252;rlich wegen der Pr&#228;senz des Rassemblement national. Gem&#228;ss dem Aufruf marschieren wir n&#228;mlich, um die Werte der Republik zu verteidigen. F&#252;r mich ist das ein Narrativ, das die Bedeutung des Kampfes gegen den Antisemitismus aush&#246;hlt. Zuerst einmal sind die Werte der Republik gem&#228;ss Renaissance nicht meine Werte, das ist eine Gewissheit. Seit der Abschaffung der Krankenversicherung f&#252;r Migranten (AME) und der allgemeinen Versch&#228;rfung der Aufnahmebedingungen f&#252;r jene, welche es brauchen, das sind nicht meine Werte. Die Rentenreform, die Prekarisierung der Prek&#228;rsten, das sind nicht meine Werte. Ich denke also, dass diese &#8218;Werte der Republik&#8216; ein nicht genau definierter Inhalt sind, wo man in Wirklichkeit reintun kann, was man will. Was &#252;brigens der Grund ist, dass die &#228;ussere Rechte, Reconqu&#234;te und Rassemblement national, an diese Demonstration gehen kann. Und die Frage ist, was der Kampf gegen den Antisemitismus in diesem Moment f&#252;r mich bedeutet. Warum gehe ich hin? Und es sind zwei Dinge, sehr konkrete Dinge, der Kampf gegen Antisemitismus bedeutet die Verteidigung von lebenden Personen, Leute, die man J&#252;dinnen und Juden nennt. Das ist vor allem anderen der Kampf gegen Antisemitismus. Und dann ist es der Kampf gegen eine Weltanschauung. Eine Weltanschauung, die alles Ungl&#252;ck der Welt nicht auf ein System zur&#252;ckf&#252;hrt, das toxisch und gest&#246;rt ist oder f&#252;r das man eine Alternative vorschlagen sollte. Sondern auf Individuen. Es ist die Personalisierung der Herrschaft. Und diese verschw&#246;rungstheoretische Weltanschauung ist jene der &#228;usseren Rechten. Unterdessen benutzt Marine Le Pen mit ihrer Strategie der Entdiabolisierung nicht mehr die Worte ihres Vaters Jean-Marie Le Pen; sie spricht nicht mehr vom Weltjudentum. Sie sagt nicht mehr die Juden, sondern internationale Finanz, Kosmopolitismus, Globalismus, intellektuelle Eliten, alles Codew&#246;rter, welche die gleiche Weltanschauung vermitteln. Ich werde also Sonntag gegen den Antisemitismus und gegen die &#228;ussere Rechte auf die Strasse gehen, letztere war immer rassistisch und antisemitisch, ist es immer noch und wird es immer sein. Ich hoffe, dass die Linken zusammenstehen werden, um sie zu st&#246;ren und zu versuchen, sie zum Schweigen zu bringen, oder gar sie aus der Kundgebung zu vertreiben.&#8220; Auszug (1min39 bis 4min40), transkribiert von mir, aus einer Sendung #Lamidinale mit dem Interview des Gasts Jonas Pardo und dem Titel &lt;a href=&#034;https://www.youtube.com/watch?v=X8lRSCfIceA&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Il y a un d&#233;ni de l'antis&#233;mitisme &#224; gauche&#8220;&lt;/a&gt;, Regards.fr, 11.11.2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Interview mit Cl&#233;ment Homs von Nicolas Basset: &#8222;Les vases vides font toujours beaucoup de bruit, 2&#232;me partie. &#192; propos de certaines incompr&#233;hensions au sujet du &#8218;Marx exot&#233;rique&#8216; et du &#8218;Marx &#233;sot&#233;rique&#8216;&#8220;. Ver&#246;ffentlicht von Palim-Psao am 05.01.2016.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Interview mit Cl&#233;ment Homs von Nicolas Basset: &#8222;Les vases vides font toujours beaucoup de bruit, 1&#232;re partie. &#192; propos de certaines incompr&#233;hensions au sujet du &#8218;Marx exot&#233;rique&#8216; et du &#8218;Marx &#233;sot&#233;rique&#8216;&#8220;. Ver&#246;ffentlicht von Palim-Psao am 03.05.2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ein bisschen vorher in diesem gleichen Interview behauptet Cl&#233;ment Homs, dass die alterkapitalistische Linke &#8222;weiterhin den kollektiven Lynchmord der Beamten des Kapitals verteidigen oder behaupten&#8220; muss, &#8222;dass man von den Reichen nehmen muss, um es den Armen zu geben, um besser die Zerst&#246;rung der kapitalistischen Verh&#228;ltnisse durch die Einf&#252;hrung einer radikal neuen gesellschaftlichen Lebensform zu verhindern &#8211; [was] nicht ohne Abrechnungen und einen Widerstand mit Waffengewalt gegen die &#8218;profitierende Klasse&#8216; (unser alter Feind, die Bourgeoisie) wie auch die Segmente anderer Klassen (auch proletarischer), die sich mit der Kraft der letzten Hoffnung an der durch die kapitalistische Gesellschaftsform auf ihre Gesichter geritzte &#8218;Charaktermaske&#8216; (Marx) der modernen Subjektform festhalten werden, geschehen kann.&#8220; Merken wir hier an, dass der Autor, indem er von der &#8222;profitierenden Klasse&#8220; statt der b&#252;rgerlichen Klasse spricht, seinem eigenen Kampf gegen den Antisemitismus nicht wirklich behilflich ist.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Und hier denken wir nat&#252;rlich an die weltweite Herrschaft dieser K&#246;nigin aller Waren namens Geld.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;http://www.palim-psao.fr/article-article-modernisation-de-rattrapage-capitalisme-d-etat-socialisme-reellement-existant-u-r-s-s-107919219.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Modernisation de rattrapage. Capitalisme d'Etat, &#8218;socialisme r&#233;ellement existant&#8216;, U.R.S.S., d&#233;veloppement&#8220;&lt;/a&gt;, ver&#246;ffentlicht auf Palim-Psao am 8. Juli 2012.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Verweis auf das Buch von Samir Amin, &lt;i&gt;Die ungleiche Entwicklung. Essay &#252;ber die Gesellschaftsformationen des peripheren Kapitalismus&lt;/i&gt;, Hoffmann und Campe, 1975.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diesbez&#252;glich m&#246;chte ich das aufschlussreiche und st&#246;rende Buch von Joseph Tonda erw&#228;hnen: &lt;i&gt;Afrodystopie. La Vie dans le r&#234;ve d'Autrui&lt;/i&gt;, Karthala, 2021. Auf der Homepage Palim-Psao findet man &#252;berhaupt keine Rezension dieses Buches, obwohl es etwa zehnmal auf die Werke von Anselm Jappe (&lt;i&gt;Die Abenteuer der Ware&lt;/i&gt;) und Robert Kurz (&lt;i&gt;Die Substanz des Kapitals&lt;/i&gt;) verweist.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Robert Kurz, Ernst Lohoff, &#8222;Der Klassenkampf-Fetisch. Thesen zur Entmythologisierung des Marxismus&#8220; in &lt;i&gt;Marxistische Kritik&lt;/i&gt;, Nr. 7, 1989.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Man kann hier an diese Episode, ein Beispiel unter hunderttausend anderen, zur&#252;ckdenken, als eine franz&#246;sische Aussenministerin ungeschickt genug war, um in der Nationalversammlung &#246;ffentlich zu verk&#252;nden, dass Frankreich dem tunesischen Regime (und bei gleicher Gelegenheit Algerien) seine Zusammenarbeit (die jedoch bereits auf permanente und institutionelle Art und Weise existiert) und sein &#8222;weltweit anerkanntes Know-how&#8220; hinsichtlich der Repression gegen heftige Demonstrationen, die das Land ersch&#252;tterten und damals (Ende 2010) das Regime Ben Alis und seines Klans in Gefahr brachte, angeboten hatte. &#8222;Wir sind bereit, die Ausbildung der tunesischen Ordnungskr&#228;fte zu unterst&#252;tzen, wie wir das auch f&#252;r andere L&#228;nder tun&#8220;, hatte damals Mich&#232;le Alliot-Marie erkl&#228;rt. Ist es wirklich notwendig, hier an die transnationale Operation Condor Mitte der 1970er Jahre auf dem amerikanischen Kontinent, die zur terroristischen Repression gegen die Gesamtheit der K&#228;mpfe und Proteste des S&#252;dkegels unter der &#196;gide der USA f&#252;hrte, zu erinnern!? Es war die Epoche, w&#228;hrend welcher das franz&#246;sische Know-how im Bereich der Folter und des Verschwindenlassens als Kriegstechniken der Aufstandsbek&#228;mpfung in den wichtigsten Milit&#228;rakademien Amerikas studiert wurde.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ich finde den Verweis auf der Homepage Palim-Psao auf den Text, in welchem der Autor von dieser &#8222;rassistischen portugiesischen Abwartin&#8220; (hallo Klischee) spricht und sie &#8211; kaum als Metapher &#8211; im gleichen Atemzug mit dem Gesch&#228;ftsf&#252;hrer einer multinationalen Firma erw&#228;hnt, um zu illustrieren, wie die beiden &#8222;sich mit der Kraft der letzten Hoffnung&#8220; an ihrer gesellschaftlichen Bedingung unter dem Kapitalismus &#8222;festhalten werden&#8220;, nicht mehr.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Man urteile aufgrund dieser Zitate aus einem kurzen Text von Beno&#238;t Bohy-Bunel, ver&#246;ffentlicht auf Palim-Psao: &lt;a href=&#034;http://www.palim-psao.fr/2017/04/contre-la-betise-savante-de-temps-critiques-les-freres-jacques-etc.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Contre la b&#234;tise savante de &lt;i&gt;Temps critiques&lt;/i&gt; (&#192; propos des fr&#232;res Jacques, etc.)&#8220;&lt;/a&gt;: &#8222;Die Wertkritik wendet sich auch gegen jegliche pseudokritische Theoretiker, die heutzutage auf bin&#228;re und grob vereinfachende Art und Weise die Kritik der logischen Kategorien (Wert, abstrakte Arbeit, Geld, Ware) und die Kritik der empirischen, von diesen Kategorien angenommenen Formen (L&#246;hne, Ausbeutung, Preise, Ungleichheiten) einander entgegensetzen, da sie davon ausgehen, dass die Thematisierung ersterer das Nachdenken &#252;ber letztere verhindert, und somit, dass ein zerst&#252;ckelter und konfuser, dumm beschreibender oder entgeistert &#8218;pragmatischer&#8216; Standpunkt der einzig angemessene sei (man denke an den d&#252;rftigen Artikel, in welchem die Autoren schamlos ihre Borniertheit zur Schau stellen: &#8218;Les impasses de La Grande D&#233;valorisation&#8216;, November 2016, von Jacques Guigou und Jacques Wajnsztejn) [&#8230;] Empirische und logische Kritik sind einander jedoch nicht entgegengesetzt, sie komplettieren sich; die Formel G-W-G' zeigt sehr gut und auf synthetische Art und Weise, dass man nicht einen dieser beiden Aspekte isolieren kann. Jene hingegen (wie Guigou und Wajnsztejn), welche dem kontingenten Empirischen den Vorrang geben wollen, verzichten auf eine einheitliche und totalisierende Kritik und sind epistemologisch albern (um eine Hegelsche Idee aufzugreifen, sie unterbreiten eine Gesamtheit zerstreuter Ideen, eine reine Extension, der es an der Kraft zu ihrer Vereinigung mangelt). Ihre Art und Weise, &#8218;Lektionen zu erteilen&#8216;, erinnert an die Torheit des Toren, der seinem Gespr&#228;chspartner vorwirft, er sei selbst dumm, unter dem Vorwand, dass er seine begrenzten und partiellen Ansichten nicht teile [&#8230;] Es ist schwierig, mit einer solch &#8218;gelehrten&#8216; Dummheit zu kommunizieren (die &#252;brigens umso d&#252;mmer ist, weil sie sich f&#252;r gelehrt h&#228;lt). Man wird beil&#228;ufig bemerken, dass diese Theoretiker &#8218;kritischer Zeiten&#8216; scheinbar schon fast die wirre Ideologie eines &#8218;kognitiv&#8216; gewordenen Kapitalismus f&#252;r &#8218;g&#252;ltig erkl&#228;ren&#8216; (wenn sie sich nur klar ausdr&#252;cken k&#246;nnten) und somit mehr die &#8218;technische&#8216; Zusammensetzung des Kapitals und nicht seine organische Zusammensetzung betonen [&#8230;] Denn die Frage der transzendentalen Empirizit&#228;t des &#8218;esoterischen&#8216; Marx entgeht ihnen vollst&#228;ndig und sie glauben, mit Selbstgef&#228;lligkeit f&#252;r sie viel zu komplizierte Probleme regeln zu k&#246;nnen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Man findet auf Palim-Psao die Spur einer Teilnahme der Wertkritik an einer &#8222;Mobilisierung der treibenden Kr&#228;fte zur Ko-Organisation der &#8218;Rencontres Raisons Sensibles&#8216;&#8220;, die in Toulouse vom 1. bis 12. Juni 2022 stattfanden. Diese Initiative hatte zum Ziel, &#8222;rund um vollendete oder unvollendete Werke, k&#252;nstlerische Laboratorien, theoretische und aktivistische Treffen, zwischen professionellen und studentischen Vorschl&#228;gen, rund um die plastische Kunst, das Theater, den Tanz, die Performance, die Klangkunst, die Poesie, den Film&#8220;, die Begegnung von &#8222;menschlichen Erdbewohnern, die Theater, Zeichnungen, Gravuren machen, Texte schreiben, Verlage haben, Klang erschaffen, Filme drehen, theoretisieren, k&#228;mpfen, studieren, depressiv sind, graue Haare, Geschw&#252;re haben [&#8230;]&#8220; zu erm&#246;glichen. Auszug aus dem Pr&#228;sentationstext der Rencontres Raisons Sensibles auf der Crowdfunding-Online-Plattform Helloasso.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Man stellt sich die Frage, wie die Autoren solcher Anschuldigungen sich anzustellen gedenken, um eine derartige Obsession f&#252;r den Populismus zu widerlegen oder &#252;berwinden, da f&#252;r die Wertkritik die Feststellung, &#8222;dass es auch Verantwortlichkeiten von gewissen Individuen und Gruppen gibt&#8220;, automatisch zu Antisemitismus f&#252;hrt!? Wie werden sie es anstellen, da sie &#8222;nach Schuldigen&#8220; suchen, um nicht einem &#8222;[sich breit machenden] (Vulg&#228;r-)Marxismus der Personalisierungen&#8220; zu verfallen, f&#252;r welchen &#8222;die Kapitalisten, Spekulanten und Investoren das Feindbild sind, was freilich einen strukturellen Antisemitismus beinhaltet&#8220;, wie es Roswitha Scholz f&#252;r die Redaktion von &lt;i&gt;Exit!&lt;/i&gt; formuliert hat?&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Gesetz Nr. 90-615 (genannt Gayssot-Gesetz) vom 13. Juli 1990, das die Anfechtung &#8222;der Existenz eines oder mehrerer Verbrechen gegen die Menschlichkeit&#8220; und die Negation oder Verharmlosung der von den Nazis begangenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit als Straftat qualifiziert. Sie wird mit einem Jahr Gef&#228;ngnis oder einer Busse von 45&#8216;000 &#8364; bestraft.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wir erinnern uns an diesen ehemaligen franz&#246;sischen Premierminister, selbstverst&#228;ndlich g&#228;nzlich unbescholten, der im Senat bez&#252;glich des terroristischen Angriffs im Hyper Cacher (Januar 2015) erkl&#228;rt hatte, dass er &#8222;jene&#8220; satthabe, &#8222;welche permanent Entschuldigungen oder kulturelle oder soziologische Erkl&#228;rungen suchen [&#8230;], denn erkl&#228;ren bedeutet schon ein bisschen, dass man es entschuldigen will&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb23&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh23&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 23&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;23&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;CRIF: Repr&#228;sentativer Rat der j&#252;dischen Institutionen in Frankreich; UEJF: Union der j&#252;dischen Studenten Frankreichs; B'nai B'rith Frankreich: die wichtigste weltweite j&#252;dische Organisation, gegr&#252;ndet 1843 in New York und mehrere Logen wurden ab 1932 in Frankreich gegr&#252;ndet; Vereinigung Frankreich-Israel: Freundschaftsgruppen Frankreich-Israel der Nationalversammlung und des Senats.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb24&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh24&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 24&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;24&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Aber in Israel seien diese Foltermethoden nicht wirklich Folter, es seien nur &#8222;gem&#228;ssigte k&#246;rperliche Druckmittel&#8220; gem&#228;ss der Landau-Doktrin, die &#8222;Befragungsmethoden&#8220; wie die Beibehaltung des Gefangenen in schmerzhafter Position, die Aufsetzung einer Gesichtsmaske, laute Musik w&#228;hrend einem l&#228;ngeren Zeitraum, Schlafentzug w&#228;hrend einem l&#228;ngeren Zeitraum, Drohungen, besonders Todesdrohungen, heftiges Sch&#252;tteln und L&#228;hmung durch kalte Luft empfiehlt &#8211; Praktiken, von denen Israel nicht bestreitet, dass sie regelm&#228;ssig eingesetzt werden. Man will kaum mehr wissen zu jenen Foltermethoden, deren Einsatz Israel bestreitet&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb25&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh25&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 25&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;25&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es ist gewiss nicht zwecklos, hier anzumerken, dass die gleichen &#8222;psychologischen&#8220; Mechanismen (Verteidigung seiner eigenen Identit&#228;t und Ablehnung der &#8222;Bedrohungen&#8220;, die diese infrage stellen k&#246;nnten) eine zentrale Rolle in der sektiererischen Abschottung spielen, h&#228;ufig in Organisationen oder Gruppen von Aktivisten beobachtet, umso mehr in Zeiten des sozialen Friedens, wenn die Isolierung und Atomisierung weitgehend dominieren.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb26&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh26&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 26&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;26&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diese Formulierung &#8222;sogar wenn wir dagegen k&#228;mpfen&#8220; f&#252;hrt in die Irre, denn sie kann so verstanden werden, dass es eine spezifische Aktivit&#228;t (&#8222;k&#228;mpfen&#8220;) neben anderen Aktivit&#228;ten betrifft, eine Aktivit&#228;t, die sich nur bemerkbar mache, wenn sie sichtbar und offen ist (&#8222;der Kampf&#8220;). Doch sie muss vor allem als allt&#228;gliche Aufgabe verstanden werden, denn alle Aktivit&#228;ten unserer Leben als Proletarier (von unserer Geburt bis zu unserem Tod) &#8211; sogar wenn wir die uns langsam t&#246;tende verschmutzte Luft atmen &#8211; stellen einen Kampf dar, um schlichtweg zu leben.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb27&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh27&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 27&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;27&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Im Jahr 1897 versammelt sich der erste Zionistenkongress in Basel, pr&#228;sidiert von Theodor Herzl. Nathan Birnbaum kann als erster zionistischer Intellektueller betrachtet werden (er sei ab 1886 der Erfinder des Konzepts &#8222;Zionismus&#8220; gewesen). Gem&#228;ss seinen Theorien k&#246;nne nur die Biologie, und nicht die Sprache oder die Kultur, die Herausbildung von Nationen erkl&#228;ren; ohne sie k&#246;nnte man den Ursprung einer j&#252;dischen Nation, deren Mitglieder verschiedenen volkst&#252;mlichen Kulturen angeh&#246;ren und unterschiedliche Sprachen sprechen, nicht verstehen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb28&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh28&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 28&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;28&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Dieses Telegramm war &#8222;alles andere als eine Ungeschicklichkeit oder ein isolierter Akt, es war das Resultat einer bewussten Entscheidung Herzls, die darin bestand, um die Unterst&#252;tzung des Sultans zu werben, ohne ihm das Massaker an den Armeniern &#252;belzunehmen. Es folgt auf die Audienz, die Herzl vom Sultan etwas vorher, am 18. Mai 1901 in Istanbul, erhalten hatte, w&#228;hrend dieser war er von ihm mit dem Mecidiye-Orden ausgezeichnet worden und hatte er ihm auf ostentative Art und Weise die Ehre erwiesen. Auf sie folgten bis zum Kongress sechs Briefe Herzls an den Sultan, in welchen er ihm seine Dienste anbot, besonders jenen, in Europa den Schriften eines Oppositionellen im Pariser Exil, der in der europ&#228;ischen Presse die Autokratie des osmanischen Regimes kritisierte und freie Wahlen und eine Verfassung verlangte, entgegenzuwirken. Herzl hatte sich zu seiner Unterst&#252;tzung des Sultans w&#228;hrend seiner Er&#246;ffnungsrede am f&#252;nften Zionistenkongress bekannt [&#8230;] &#8218;Man hat mir gesagt, dass es in Paris einen Schriftsteller gebe, den Herrn Ahmed Riza, der durch seine Angriffe auf die Reichsregierung bekannt worden ist. Man sagte mir, dass man diese Angriffe durchkreuzen k&#246;nne [&#8230;] falls Eure Imperiale Majest&#228;t es f&#252;r n&#252;tzlich erachtet, werde ich mich darum k&#252;mmern, und selbstverst&#228;ndlich w&#252;rde ich f&#252;r die Beendigung dieser Angriffe keine Belohnung akzeptieren, ausser ein Wort der Zufriedenheit Eurer Imperialen Majest&#228;t, das f&#252;r mich die h&#246;chste aller Belohnungen ist.&#8216; (Brief von Theodor Herzl an den Sultan vom 17. Juni 1901, &lt;i&gt;Zionistisches Tagebuch 1899-1904&lt;/i&gt;, Bd. 3, S. 303.) Ahmed Riza Bey (1859-1930) war ein Liberaler in Opposition zum Sultan, er hatte in Paris die zweisprachige, franz&#246;sische und t&#252;rkische Zeitung &lt;i&gt;Mesveret-Consultation&lt;/i&gt; gegr&#252;ndet. Er kehrt 1908 in die T&#252;rkei zur&#252;ck und wird 1918 zum Senatspr&#228;sident gew&#228;hlt.&#8220; Gilles Manceron, &#8222;Introduction. L'universalisme en question : l'Affaire comme r&#233;f&#233;rence et comme mod&#232;le&#8220; in &lt;i&gt;&#202;tre dreyfusard. Hier et aujourd'hui&lt;/i&gt;, Presses universitaires de Rennes, 2009, S. 419-488.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb29&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh29&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 29&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;29&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Ich habe Plehwe getroffen. Ich habe sein Wort, dass er in sp&#228;testens 15 Jahren eine Charta f&#252;r uns f&#252;r Pal&#228;stina erstellen wird. Aber es gibt daf&#252;r eine Bedingung: Dass die j&#252;dischen Revolution&#228;re ihren Kampf gegen die russische Regierung beenden.&#8220; Zitiert in Samuel Portnoy, Vladimir Medem: The Life and Soul of a Legendary Jewish Socialist, KTAV Publishing House, 1979.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb30&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh30&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 30&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;30&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zitiert in Nur Masalha, &lt;i&gt;Expulsion of the Palestinians. The Concept of '&lt;/i&gt;&lt;i&gt;T&lt;/i&gt;&lt;i&gt;ransfer' in Zionist Political Thought. 1882-1948&lt;/i&gt;, Institute for Palestine Studies, 1992.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb31&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh31&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 31&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;31&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Dieses Argument greift Kurz in seinem Artikel auf. Auch f&#252;r ihn hat die Gr&#252;ndung des Staates Israels ihre Kraft und ihre Bedeutung aus der Shoa erlangt. Israel sei dieses f&#252;r vom weltweiten Antisemitismus verfolgte Juden immer offenstehende Refugium.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb32&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh32&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 32&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;32&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Shlomo Sand, &#8222;Post-sionisme : un bilan provisoire. &#192; propos des historiens &#8218;agr&#233;&#233;s&#8216; et &#8218;non agr&#233;&#233;s&#8216; en Isra&#235;l&#8220; in &lt;a href=&#034;https://www.cairn.info/revue-annales-2004-1-page-143.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Annales. Histoire, Sciences sociales&lt;/i&gt;, Nr. 1, 2004&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb33&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh33&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 33&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;33&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diese Passagen musste ich wieder und wieder lesen, um sicher zu sein, dass das dort geschrieben stand!&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb34&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh34&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 34&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;34&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Doch diese von den Experten der OECD erstellten Statistiken (Zahlen von 2020) ignorieren das Elend und die Armut, die das Los der im Gazastreifen und im Westjordanland lebenden Bev&#246;lkerungen sind, deren z&#252;gellose Ausbeutung substanziell zum Wohlstand des Landes beitr&#228;gt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb35&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh35&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 35&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;35&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Falascha- oder Etiopim-Juden: urspr&#252;nglich aus &#196;thiopien stammende Juden. Die Falascha Mura haben die gleiche Abstammung wie die Etiopim, doch sie hatten zu einem gewissen Zeitpunkt ihrer Geschichte (19. Jahrhundert) zum Christentum konvertiert, bevor sie sich wieder auf ihre Zugeh&#246;rigkeit zum Judentum beriefen. Mizrachim-Juden: Bezeichnet eine bunt zusammengew&#252;rfelte Menge j&#252;discher Gemeinschaften aus dem Nahen Osten, dem Kaukasus und dem Rest Asiens. Die &#8222;Schwarzen Panther Israels&#8220; entstanden innerhalb dieser Bev&#246;lkerung ab 1971.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb36&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh36&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 36&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;36&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Auszug aus dem Artikel in &lt;i&gt;Haaretz&lt;/i&gt; vom 20. Oktober 2023 &lt;a href=&#034;https://www.haaretz.com/israel-news/2023-10-20/ty-article-opinion/.premium/a-brief-history-of-the-netanyahu-hamas-alliance/0000018b-47d9-d242-abef-57ff1be90000&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;A Brief History of the Netanyahu-Hamas Alliance&#8220;&lt;/a&gt;: &#8222;In Wirklichkeit war das Regime der Hamas seit der Operation &#8218;Gegossenes Blei&#8216; Ende 2008-Anfang 2009 in der Olmert-&#196;ra mit keiner wahrhaften milit&#228;rischen Bedrohung konfrontiert. Im Gegenteil: Die Gruppe wurde vom israelischen Premierminister unterst&#252;tzt und mit seiner Hilfe finanziert. Als Netanyahu im April 2019, wie er es nach jeder Serie von K&#228;mpfen tat, erkl&#228;rte, dass &#8218;wir die Abschreckung mit der Hamals wiederhergestellt haben&#8216; und dass &#8218;wir die wichtigsten Versorgungsrouten blockiert haben&#8216;, log er wie gedruckt. Seit mehr als einem Jahrzehnt hat Netanyahu in mehrerer Hinsicht die zunehmende milit&#228;rische und politische Macht der Hamas tatkr&#228;ftig unterst&#252;tzt. Es war Netanyahu, der die Hamas von einer terroristischen Organisation mit geringen Mitteln in einen halbstaatlichen Organismus verwandelt hat.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb37&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh37&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 37&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;37&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Simha Flapan, &lt;i&gt;Birth of Israel. Myths and Realities&lt;/i&gt;, Routledge, 1988. Auf der Grundlage der freigegebenen Archive zum Krieg 1948 gelingt es Flapan, die offizielle Version des zionistischen Mythos zu widerlegen und somit die Erlebnisse der pal&#228;stinensischen Bewohner, die von ihrem Land durch die Massaker und Beraubungen der zionistischen Siedler verjagt wurden, zu best&#228;tigen. Mit seinen Werken ebnete er den Weg f&#252;r die gegen&#252;ber der offiziellen Geschichtsschreibung kritisch eingestellten Historiker, die als &#8222;neue Historiker&#8220; bezeichnet worden sind, im Folgenden einige Namen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Avi Shlaim, &lt;i&gt;Collusion across the Jordan. King Abdullah, the Zionist Movement and the Partition of Palestine&lt;/i&gt;, Oxford University Press, 1988;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ilan Pappe, &lt;i&gt;Britain and the Arab-Israeli Conflict. 1948-1951&lt;/i&gt;, London, McMillan/St. Anthony's, 1988.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Benny Morris, &lt;i&gt;The Birth of the Palestinian Refugee Problem. 1947-1949&lt;/i&gt;, Cambridge University Press, 1988.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb38&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh38&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 38&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;38&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zu diesem Punkt kann ich die Lekt&#252;re des Interviews mit Emilio Minassian vom 30. Oktober w&#228;rmstens empfehlen, es wurde auf dem Blog &lt;i&gt;Le Serpent de Mer&lt;/i&gt; ver&#246;ffentlicht und liefert eine pointierte Analyse der Situation im Gazastreifen: &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Gaza-Eine-extreme-Militarisierung-des-Klassenkrieges-in-Israel-Palastina&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;&lt;/a&gt;&lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Gaza-Eine-extreme-Militarisierung-des-Klassenkrieges-in-Israel-Palastina&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Eine extreme Militarisierung des Klassenkrieges in Israel-Pal&#228;stina&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		
		<enclosure url="https://www.kommunisierung.net/IMG/pdf/wertkritikantisemitismus.pdf" length="233229" type="application/pdf" />
		

	</item>
<item xml:lang="de">
		<title>Emilio Minassian - Gaza: &#8222;Eine extreme Militarisierung des Klassenkrieges in Israel-Pal&#228;stina&#8220;</title>
		<link>https://www.kommunisierung.net/Gaza-Eine-extreme-Militarisierung-des-Klassenkrieges-in-Israel-Palastina</link>
		<guid isPermaLink="true">https://www.kommunisierung.net/Gaza-Eine-extreme-Militarisierung-des-Klassenkrieges-in-Israel-Palastina</guid>
		<dc:date>2024-02-16T17:22:49Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>


		<dc:subject>Bericht/Analyse</dc:subject>
		<dc:subject>&#220;bersetzungen</dc:subject>
		<dc:subject>Jihadismus</dc:subject>
		<dc:subject>Emilio Minassian</dc:subject>
		<dc:subject>Israel/Pal&#228;stina</dc:subject>

		<description>
&lt;p&gt;&#8222;Auf dieser Eskalationsstufe ist das Ziel des Krieges, die &#252;bersch&#252;ssigen Proletarier im Gazastreifen im Bombenhagel zu ertr&#228;nken, ohne einen anderen Zweck, als sie zu &#8218;beruhigen&#8216;, die Hierarchie, welche die menschlichen Gruppen in dieser Region der Welt trennt, in Erinnerung zu rufen. Ein Hund beisst, man schlachtet das Rudel.&#8220; &lt;br class='autobr' /&gt;
Interview mit Emilio Minassian, 30. Oktober 2023. &lt;br class='autobr' /&gt;
1. &lt;br class='autobr' /&gt;
Du interessierst dich schon lange f&#252;r das, was in Pal&#228;stina geschieht, ohne jedoch ein (...)&lt;/p&gt;


-
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

/ 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Bericht-Analyse" rel="tag"&gt;Bericht/Analyse&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Jihadismus" rel="tag"&gt;Jihadismus&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Emilio-Minassian" rel="tag"&gt;Emilio Minassian&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Israel-Palastina" rel="tag"&gt;Israel/Pal&#228;stina&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/the_battle_of_gaza_312_bce.webp?1708104027' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='101' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;&#8222;Auf dieser Eskalationsstufe ist das Ziel des Krieges, die &#252;bersch&#252;ssigen Proletarier im Gazastreifen im Bombenhagel zu ertr&#228;nken, ohne einen anderen Zweck, als sie zu &#8218;beruhigen&#8216;, die Hierarchie, welche die menschlichen Gruppen in dieser Region der Welt trennt, in Erinnerung zu rufen. Ein Hund beisst, man schlachtet das Rudel.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Interview mit Emilio Minassian, 30. Oktober 2023.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Du interessierst dich schon lange f&#252;r das, was in Pal&#228;stina geschieht, ohne jedoch ein propal&#228;stinensischer Aktivist zu sein. Was hat eine an der Revolution orientierte Kritik zu dem, worum es dort geht, zu sagen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Erstens w&#252;rde ich sagen, dass man sich bewusst sein sollte, dass es nicht zwei Lager gibt, ein pal&#228;stinensisches und ein israelisches. Diese Leute leben in ein und demselben Staat und sind Teil einer gleichen Volkswirtschaft. Innerhalb dieses gleichen, sagen wir israelisch-pal&#228;stinensischen Ganzen &#8211; das jedoch vollst&#228;ndig von Israel abh&#228;ngig ist &#8211; stehen die gesellschaftlichen Klassen nicht nur in Zusammenhang mit Unterschieden des rechtlichen Status auf der Grundlage ethnisch-religi&#246;ser Kriterien, sondern sie sind &#8222;in Zonen eingeteilt&#8220;. Der Gazastreifen hat sich zunehmend in ein &#8222;Reservat-Gef&#228;ngnis&#8220; verwandelt, wo zwei Millionen Proletarier eingepfercht und an den Rand des israelischen Kapitals gedr&#228;ngt worden sind. Doch letzteres bleibt in letzter Instanz ihr Meister. Die Bewohner des Gazastreifens benutzen die israelische W&#228;hrung, konsumieren israelische Waren und haben Identit&#228;tskarten, die von Israel ausgestellt worden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der gegenw&#228;rtige &#8222;Krieg&#8220; entspricht in Tat und Wahrheit einer extremen Militarisierung des Klassenkrieges.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein &#8222;Land f&#252;r zwei V&#246;lker&#8220;, diese Sichtweise auf die Situation in Israel-Pal&#228;stina ist abwegig. Nirgends auf der Welt geh&#246;rt das Land den V&#246;lkern. Es geh&#246;rt den Eigent&#252;mern. All das mag sehr theoretisch erscheinen, aber die blosse Existenz der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse verweist diese Idee der &#8222;Lager&#8220; an jene, welchen sie zugeh&#246;rt: die Anf&#252;hrer.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Fl&#252;chtlingslager im Westjordanland, die man als das schlagende Herz &#8222;Pal&#228;stinas&#8220; betrachten k&#246;nnte, sind weiterhin die Vorst&#228;dte Tel Avivs. W&#228;hrend ganzen Abenden h&#246;rte ich Tagesarbeitern eines der Lager zu, wie sie davon erz&#228;hlten, wie sich die Ethnisierung der Arbeitskraft auf den Baustellen der israelischen Hauptstadt ausbreitete: die j&#252;disch-aschkenasischen Bautr&#228;ger, die pal&#228;stinensischen Anbieter von 1948 f&#252;r den Durchgang der Arbeitskraft der besetzten Gebiete, die ebenfalls arabischsprachigen j&#252;disch-sephardischen Vorarbeiter usw. Und dann all die anderen importierten Proletarier: die Thail&#228;nder, die Chinesen und die Afrikaner, deren Situation, ohne Papiere, in Wirklichkeit am schlimmsten ist. All das kann sich nicht durchmischen, denn jede Gruppe hat einen unterschiedlichen Status und eine unterschiedliche Stellung in den Produktionsverh&#228;ltnissen. Doch diese Welten sind nicht por&#246;s, sie sind ineinander verschachtelt, sie schauen sich an, kennen sich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dutzende Thail&#228;nder, die rund um den Gazastreifen in der Landwirtschaft ausgebeutet werden, sind von der Hamas get&#246;tet und entf&#252;hrt worden. Anderen wird nun von den israelischen Chefs ihre L&#246;hne zur&#252;ckbehalten, um sie zu zwingen, in einem Kriegsgebiet zu arbeiten. Jede einigermassen konsequente Sozialkritik muss, wenn es um die Geschehnisse in Israel-Pal&#228;stina geht, auch den Standpunkt der thail&#228;ndischen Arbeiter ber&#252;cksichtigen. Dieses Land ist nicht minder daf&#252;r bestimmt, den thail&#228;ndischen Arbeiter zu geh&#246;ren als den pal&#228;stinensischen Proletariern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;L&#228;uft es nicht ein bisschen darauf hinaus, eine Schwierigkeit zu umgehen, wenn man versucht, die &#8222;nationale Frage&#8220; in Israel-Pal&#228;stina aussen vor zu lassen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Israel hat es geschafft, eine einmalige Situation in der Welt hervorzubringen: die Integration eines seinerseits ethnisierten (&#8222;j&#252;dischen&#8220;) Proletariats in den Staat gegen den Rest des Proletariats, ebenfalls ethnisiert (&#8222;arabisch&#8220;). Der israelische Staat hat die Akkumulation des &#8222;nationalen&#8220; Kapitals in einer Rekordzeit und den Import des &#8222;nationalen&#8220; Proletariats organisiert, er hat sich zum W&#228;chter &#252;ber die Existenz und die Reproduktion desselben erhoben, da es in seiner Existenz selbst durch eine andere proletarische (&#8222;pal&#228;stinensische&#8220;) Randgruppe bedroht sei. Doch wenn man die Brille des Trugbildes des &#8222;Staates als Garant der Existenz der Leute&#8220; absetzt, zeigt sich, dass das j&#252;dische Proletariat Israels eine Art Kriegsbeute in den H&#228;nden desselben darstellt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das gilt nicht aufseiten des pal&#228;stinensischen Proletariats, innerhalb welchem die Kampfdynamiken eine gewisse Autonomie bewahrt haben und auf komplexe Art und Weise mit den instrumentalen Logiken seiner nationalistischen politischen Umrahmung koexistieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es mag der Intuition widersprechen, aber ich denke, dass man die Hamas als Subunternehmer f&#252;r die Verwaltung des Proletariats im Gazastreifen betrachten muss. Wie ich es gesagt habe, letzteres ist, in letzter Instanz, vom israelischen Nationalkapital &#8222;abh&#228;ngig&#8220;. Solange dieses nicht die Entscheidung getroffen hat, die Entwicklung einer &#8222;pal&#228;stinensischen&#8220; kapitalistischen Entit&#228;t an seiner Seite zu erlauben, ist das Proletariat des Gazastreifens, sogar eingepfercht, Teil seiner Kreisl&#228;ufe. Doch diese Situation kann nicht ohne die Herausbildung einer externalisierten gesellschaftlichen Formation auskommen, die mit der Regulierung der Eingesperrten beauftragt ist &#8211; es gibt kein Gef&#228;ngnis ohne W&#228;rter.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was geschieht, ist kein interimperialistischer Krieg. Es handelt sich im Wesentlichen um eine &#8222;innere Angelegenheit&#8220;, innerhalb welcher die &#8222;nationalen&#8220; Lager eine Ablenkung darstellen. In den gegenw&#228;rtigen Ereignissen gibt es keinen proletarischen Kampf. Die gemeinsam durch die Hamas und die israelische F&#252;hrungsschicht hervorgebrachte Militarisierung der Antagonismen bringt einen &#8222;Widerstand&#8220; hervor, der nicht die geringste Logik des autonomen proletarischen Kampfes enth&#228;lt, nicht einmal ansatzweise.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist nicht ein Krieg, sondern eine Verwaltung des &#252;bersch&#252;ssigen Proletariats mit den milit&#228;rischen Mitteln des totalen Krieges seitens eines demokratischen und zivilisierten Staates, der zum zentralen Block der Akkumulation geh&#246;rt. Diese Tausenden von Toten dort scheinen meines Erachtens eine besondere Bedeutung zu haben. Sie skizzieren ein erschreckendes Bild der Zukunft &#8211; der kommenden Krisen des Kapitalismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber eine Verwaltung des &#252;bersch&#252;ssigen Proletariats durch Bombenteppiche macht das, was gegenw&#228;rtig geschieht, durch die Art und Weise, wie sie durch die Gesamtheit der zentralen Staaten der kapitalistischen Landkarte als legitim betrachtet wird, zum Teil einer globalen Offensive. In Frankreich ist dieser globale Charakter besonders auff&#228;llig: Wir sind in eine Phase eingetreten, wo sogar politische Formulierungen hinter humanistischen Losungen niedergehalten werden &#8211; sobald sie auf eine Strassenaktivit&#228;t der gef&#228;hrlichen Klassen treffen k&#246;nnten. Es gibt keinen &#8222;Import&#8220; des Konflikts. Es ist eine globale Offensive. In diesem Sinne findet der Kampf f&#252;r uns in Frankreich sehr wohl hier statt, gegen Frankreich. Wir m&#252;ssen stets unsere eigene Nation verraten, sobald es m&#246;glich ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was hat die Hamas in einer solchen Situation zu gewinnen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vor dem 7. Oktober war meine Auffassung der Situation die folgende. Einerseits eine Offensive der kolonialen &#228;usseren Rechten, zugleich um das Westjordanland zu annektieren und die Hebel der Macht des israelischen Staates an sich zu reissen. Andererseits zwei pal&#228;stinensische Staatsapparate, die nur von Renten leben und deren einziges Interesse ihre eigene Reproduktion als solche ist. Ich dachte, dass sich diese M&#228;chte in einem Verteidigungskampf bef&#228;nden und sich allen voran auf eine Konfrontation mit einem Kontrollverlust &#252;ber die von ihnen verwalteten Bev&#246;lkerungen vorbereiten w&#252;rden, sowohl im Gazastreifen als auch im Westjordanland.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;All meine Gespr&#228;chspartner im Westjordanland, seien sie linke Akademiker oder bewaffnete Subproletarier, sagten mir vor einigen Monaten: &#8222;Die Hamas unterst&#252;tzt den Widerstand vor Ort nicht. Sie denkt nur an ihre eigenen Interessen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und tats&#228;chlich verhielt sich die Hamas nicht wie eine Kampforganisation, sondern wie eine milit&#228;rische Struktur, wie ein Staat. Doch was ihre Operation besonders macht, ist die Tatsache, dass sie notwendigerweise die Perspektive einer israelischen Antwort enthielt, gegen&#252;ber welcher sie in einer Situation gewaltiger Unterlegenheit sein w&#252;rde. Die Hamas verh&#228;lt sich wie ein Staat, aber ohne die Mittel eines Staates, und sie opfert einen Teil der Interessen eines Teils ihres Apparats und ihrer gesellschaftlichen Basis im Gazastreifen in der Hoffnung, in der Zukunft mehr daf&#252;r zu erhalten. Viele Anf&#252;hrer werden ausserdem in dieser Geschichte ihr Leben verlieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Operation am 7. Oktober stellt seitens einer herrschenden Klasse ein erstaunliches Verhalten dar, das sich jedoch meines Erachtens in erster Linie durch die Widerspr&#252;che innerhalb der Hamas selbst erkl&#228;ren l&#228;sst. Es ist eine Hypothese, aber es ist nicht undenkbar, dass die Operation am 7. Oktober durch den bewaffneten Fl&#252;gel der Hamas ohne grosse Absprache mit der politischen F&#252;hrung konzipiert worden ist. (Man kann sich auch vorstellen, dass die Gr&#246;sse der &#214;ffnung in der Mauer die Planer des Angriffs selbst &#252;berrascht hat, die vielleicht urspr&#252;nglich versuchten, eine Art Selbstmordangriff auszuf&#252;hren, ohne mit einem derartigen milit&#228;rischen Zusammenbruch Israels zu rechnen, der den Weg f&#252;r umfangreiche Massaker geebnet hat.)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Operation der Hamas ist &#252;berhaupt nicht aus einem fanatischen millenaristischen Wahn entstanden. Es ist eine riskante Wette, die jedoch Fr&#252;chte tragen kann. Die f&#252;r Israel verf&#252;gbaren Optionen sind begrenzt. Es gibt den Verhandlungsweg, jenen des regionalen Krieges und nicht viel dazwischen. Doch es bleibt eine Herausforderung, denn es ist nicht sicher, dass sich der israelische Staat und das israelische Kapital f&#252;r eine Stabilisierung entscheiden werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf jeden Fall ist die Etappe &#8222;Massaker&#8220; durch Bombenteppich unvermeidbar, aber das ist eine andere Frage, f&#252;r die Anf&#252;hrer ist es selbstverst&#228;ndlich die geringste ihrer Sorgen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Du sagst, dass sich die Hamas wie ein Staat verh&#228;lt, aber ohne die Mittel dazu zu haben. Du sagst auch, dass sie gewisse ihrer Interessen opfert, um danach mehr zu haben. Kannst du das pr&#228;zisieren?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schlicht und einfach die Anerkennung im Rahmen der Verhandlungen. Wohl kaum f&#252;r ein Friedensabkommen, soweit sind wir nicht und in Wirklichkeit denke ich, dass weder die Hamas noch Israel an einem umfassenden solchen Abkommen interessiert sind. Doch die Vernichtung der Hamas ist vom israelischen Standpunkt aus nicht ernsthaft vorstellbar. Indem sie ihre milit&#228;rische Kapazit&#228;t zeigt, versucht die Hamas, sich als unumg&#228;nglich im regionalen Kr&#228;fteverh&#228;ltnis zu zeigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Scheitern der Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA die letzten Jahre zeigt, dass wir uns nicht in einer Zeit der &#8222;L&#246;sungen&#8220; befinden. F&#252;r die Hamas geht es darum, das sagen alle, die amerikanische L&#246;sung eines israelisch-saudischen Abkommens zu blockieren. Was sie dabei gewinnen kann, ist erst einmal, dass sie sich als Gespr&#228;chspartner f&#252;r die arabischen L&#228;nder in der Region aufdr&#228;ngt und die PLO [Pal&#228;stinensische Befreiungsorganisation, wovon die Fatah Teil ist, aber auch die Volksfront zur Befreiung Pal&#228;stinas (PFLP)] im Westjordanland und im Libanon weiter marginalisiert. Somit gewinnt sie kleine Marktanteile der pal&#228;stinensischen Repr&#228;sentation zulasten ihres Konkurrenten, der PLO.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Sind die auf dem Spiel stehenden Interessen tats&#228;chlich so eng begrenzt?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich weiss nicht wirklich, wie ich auf diese Frage antworten soll. Selbstverst&#228;ndlich muss diese Milit&#228;roperation und der dadurch ausgel&#246;ste Krieg auch vor dem Hintergrund eines globalen Kontexts betrachtet werden, wo die kapitalistischen Regulationskan&#228;le dabei sind, vor die Hunde zu gehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Krieg ist meiner Ansicht nach immer ein Versuch, die kapitalistische Verwertungskrise als Operation der Desakkumulation zu l&#246;sen. Doch er ist auch Ausdruck der Umw&#228;lzung des Gleichgewichts des Verh&#228;ltnisses zwischen Staat und Kapital. Er ist ein Krisenmoment, wo die Kontrolle des Kapitals, des globalen Kapitals, &#252;ber den Staat sich lockert zugunsten einer Aneignung gewisser besonderer kapitalistischer Sektoren durch den Staat, oder sogar durch Familienclans oder einzelne Politiker. Der Krieg zwischen Kapitalisten ist nicht nur ein Krieg zwischen Imperialismen. Er l&#228;sst diverse Akteure aneinandergeraten, die, da es keine Garantien mehr gibt, manchmal riskante Wetten eingehen, eine Karte spielen, um zu versuchen, von der Umw&#228;lzung der vorhandenen Kr&#228;fte zu profitieren. Wir k&#246;nnen eine solche Verkettung seit dem Krieg in der Ukraine beobachten. Die eingefrorenen Fronten erwachen: Wir hatten Bergkarabach, jetzt ist es Gaza.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Generalst&#228;be schreiten voran, versuchen Pl&#228;ne, testen die Widerst&#228;nde, springen ins kalte Wasser. Das ist es, was sie spontan tun m&#246;chten, die ganze Zeit. Was uns seit zwei Jahren &#252;berrascht, ist die Tatsache, dass die sie zuvor zur&#252;ckhaltenden Schutzmechanismen nicht mehr zu greifen scheinen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was ist das Wesen der Herrschaft der Hamas &#252;ber die Leute in Gaza? Wie sichert sie ihre Macht, was haben ihre Anf&#252;hrer davon, welche (offenen oder nicht offenen) Verbindungen unterh&#228;lt sie zu Israel?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Hamas ist aus der Bewegung der Muslimbr&#252;der entstanden. Wie ein bisschen &#252;berall in der arabischen Welt entwickelt sie sich vor Ort und in der Diaspora innerhalb des pal&#228;stinensischen Kleinb&#252;rgertums. Seit ihrem Einstieg in den Kampf gegen Israel, beg&#252;nstigt von der Ersten Intifada, hat sich ihre soziale Basis auf proletarischere Segmente erweitert, bevor die Kontrolle &#252;ber das Territorium Gazas und ihre Militarisierung ihr Wesen zutiefst ver&#228;ndern. Sie war pl&#246;tzlich, wie wir es gesagt haben, in der Position eines Staatsapparats, mit der Notwendigkeit, viele verschiedene und antagonistische Interessen diverser Gruppen zu integrieren, mit ihnen zu jonglieren und Schiedsrichter &#252;ber sie zu sein. Und, parallel dazu, da Gaza nicht ein richtiger Staat ist, hat sich die Hamas auch in eine Milizpartei verwandelt, vergleichbar mit der Hisbollah im Libanon.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese doppelte Entwicklung hat eine widerspr&#252;chliche Dimension. Ich stelle die Hypothese auf, dass der gegenw&#228;rtige Krieg gewissermassen den Sieg der zweiten Logik &#252;ber die erste darstellt. Der bewaffnete Arm hat den Staatsapparat und die milit&#228;rischen Rentenkreisl&#228;ufe (aus dem Iran) haben die zivilen Rentenkreisl&#228;ufe (aus Katar) verdr&#228;ngt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Hamas ist eine interklassistische Bewegung, was ihr erratisches Handeln erkl&#228;rt. Die Handelsbourgeoisie im Westjordanland hat sich Mitte der 2000er Jahre massiv zu ihr bekannt; die Bewegung hat die Parlamentswahlen 2006 als Partei der Ordnung gewonnen; sie versprach, die chaotische Sicherheitslage unter Kontrolle zu bringen, und sie garantierte die herrschende Ordnung mit einer auf der Wohlt&#228;tigkeit basierenden Umverteilung. Sie erschien paradoxerweise als Gegnerin der Intifada und die Mehrheit der Notabeln der beiden wirtschaftlichen Zentren des Westjordanlands, Nablus und Hebron, unterst&#252;tzten sie damals, w&#228;hrend sie mit jordanischen Wirtschaftsinteressen verbunden blieben. Die Hamas hat die gleichen Parlamentswahlen in Gaza gewonnen, aber indem sie Widerstandsparolen hervorhob und zur milit&#228;rischen Einreihung aufrief und somit das Lumpenproletariat der Fl&#252;chtlingslager ansprach. Nicht in einer Logik des Aufstands oder der sozialen Bewegung, sondern in einer des milit&#228;rischen Klientelismus. Im Gegensatz zum Westjordanland gibt es im Gazastreifen keine urbane Handelsbourgeoisie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Interklassismus ist seither weitergegangen. Die Hamas hantiert weiterhin mit widerspr&#252;chlichen Logiken der Mobilisierung. Der Anf&#252;hrer ihres bewaffneten Arms, Mohammed Deif, ist eine Art mythische Ikone, ein &#220;berlebender etlicher gezielter Mordversuche. Er wird zum James Bond erhoben, um zu den Teenagern in den Fl&#252;chtlingslagern zu sprechen, w&#228;hrend die Anf&#252;hrer in Anzug und Krawatte ihre Zeit in den F&#252;nfsternehotels in Katar vertreiben und sich mit Ministern und Kapitalisten der arabischen und t&#252;rkischen Welt fein verk&#246;stigen. Und wenn die Fraktion um Mohammed Deif eine Operation wie jene am 7. Oktober lanciert, l&#228;sst sie die Anzug- und Krawattenfraktion machen, denn sie hofft im Geheimen, dass sie in den diplomatischen Verhandlungszimmern die Fr&#252;chte davon ernten kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich bin vorsichtiger betreffend dessen, was die Kompradorenbourgeoisie von Gaza-Stadt davon h&#228;lt, w&#228;hrend ihre Villen von den Bomben zerst&#246;rt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was sind die Eigenschaften der Ausbeutung der Proletarier im Gazastreifen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich habe ziemlich viel Zeit im Westjordanland verbracht, aber ich kenne den Gazastreifen nicht direkt. Aufgrund seiner politischen und geographischen Situation gleich neben einem Raum intensiver kapitalistischer Akkumulation k&#246;nnte man sagen, dass der Gazastreifen ein grosser &#8222;M&#252;lleimer&#8220; Israels ist. Doch sogar in den M&#252;lleimern der Kapitalisten gibt es gesellschaftliche Spaltungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ist es unter dem Strich eine Art Ghetto? Konkret, haben die Proletarier im Gazastreifen Arbeit (formell oder auch nicht) oder m&#252;ssen sie mehrheitlich als &#252;bersch&#252;ssig betrachtet werden?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&#220;bersch&#252;ssig&#8220; in dem Sinne, dass die Arbeit im Gazastreifen fast nirgends kapitalistische Akkumulation erlaubt. Die Kapitale, die dort zirkulieren, kommen im Wesentlichen aus Renten (und zwar aus sehr kleinen Renten): Rente der Aussenhilfe (Iran und Katar), Renten aus Monopolsituationen (die Tunnels). Die generierten Profite sind nicht das Resultat der Ausbeutung von Arbeit durch Kapitalisten. Reproduktion der Proletarier und Verwertung sind zwei unterschiedliche Prozesse, wie der b&#228;rtige Alte sagen w&#252;rde. Die Chefs sind grossmehrheitlich kleine Chefs und der Staat reguliert nichts.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Gazastreifen ist ein Raum, der in Bezug auf die Kreisl&#228;ufe der kapitalistischen Verwertung komplett abseits steht, wie viele andere Peripherien der Welt. Es gibt keine &#8222;nationale Bourgeoisie&#8220;, denn es gibt keine Kapitale aus dem Gazastreifen. Es gibt auch keine &#8222;traditionelle Bourgeoisie&#8220;, wie im Westjordanland oder Jerusalem &#8211; diese alten Familien, die auf einem verstaubten alten Handels- und Bodenkapital sitzen, das jedoch in den gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen noch wirksam ist. Im Gazastreifen gibt es hingegen sehr wohl eine neue Form der &#8222;Kompradorenbourgeoisie&#8220;, die auf Zirkulationsrenten sitzt. Sie ist jedoch keine Klasse im engen Sinne, sie ist eine gesellschaftliche Gruppe, die ein enormes Einkommen aus ihrer Stellung als Zwischenh&#228;ndlerin im Handel mit den ausl&#228;ndischen Kapitalisten zieht (im Gegensatz zu einer Bourgeoisie, die ein Interesse an der Entwicklung einer National&#246;konomie hat).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Teil dieser Bourgeoisie ist deckungsgleich mit dem politischen Apparat der Hamas, denn die zirkulierenden Kapitale kommen zu einem grossen Teil von einer geopolitischen Rente, sie kommen von Staaten wie Katar und dem Iran. Doch es gibt auch andere Renten, zum Beispiel jene, die mit der Grenzzirkulation mit &#196;gypten zusammenh&#228;ngen. Aus den Schmuggeltunneln sind Verm&#246;gen entstanden und hier handelt es sich eher um die Figur des globalisierten Feudalherren &#8211; typischerweise ein Verh&#228;ltnis zwischen Chef und Arbeiter. Es kam 2007 zu heftigen bewaffneten Konfrontationen zwischen gesellschaftlichen Clanstrukturen und dem politisch-milit&#228;rischen Apparat der Hamas in Rafah, im S&#252;den des Gazastreifens, es ging um die Besteuerung der Warenzirkulation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Hamas ist, im Gegensatz zur Pal&#228;stinensischen Autonomiebeh&#246;rde (PA), nicht verantwortlich f&#252;r die &#246;ffentlichen Dienste, sie zahlt die L&#246;hne nicht: Diese werden immer noch von der PA gezahlt. Das ist &#252;brigens Gegenstand permanenter Erpressung: Die PA friert die L&#246;hne der Funktion&#228;re in Gaza regelm&#228;ssig ein oder reduziert sie, um die Hamas zu schw&#228;chen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es kommt auch regelm&#228;ssig, und wahrscheinlich zumindest teilweise als Folge davon, zu &#8222;sozialen&#8220; Mobilisierungen, die W&#252;rde fordern &#8211; typischerweise Wasser, Elektrizit&#228;t und die L&#246;hne. Die Hamas schl&#228;gt sie nieder, auf mehr oder weniger heftige Art und Weise, aber immer mit einer gewissen Zur&#252;ckhaltung, die einem zum Schluss kommen l&#228;sst, dass sie kein &#214;l ins Feuer giessen will. Die gegenw&#228;rtige milit&#228;rische Offensive folgt auf eine Episode dieser Art, die sich diesen Sommer abgespielt hat. Es ist leicht vorstellbar, dass es eine Verbindung zwischen diesen beiden Arten von Ereignissen gibt oder dass sie zumindest einer gewissen Logik unterliegen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Protest gegen die verwaltende Hamas und die Unterst&#252;tzung f&#252;r die k&#228;mpfende Hamas sind &#252;berhaupt keine Gegens&#228;tze. Erstere greift deine W&#252;rde an, w&#228;hrend letztere sie r&#228;cht. Ohne die k&#228;mpfende Hamas w&#228;re die verwaltende Hamas im Gazastreifen wahrscheinlich mit bedeutenderen Protesten konfrontiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Du sagst, dass du das Westjordanland besser &#8222;kennst&#8220; als den Gazastreifen. Gibt es zwischen diesen beiden Territorien bedeutende Unterschiede oder handelt es sich im Gegenteil um zwei Varianten einer gleichen Logik?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Gazastreifen ist seit Langem dieser &#8222;M&#252;lleimer&#8220; f&#252;r &#220;bersch&#252;ssige, den ich vorher angesprochen habe. Ein winziges Territorium, in das 1947-1948 ein Fl&#252;chtlingsstrom gedr&#228;ngt wurde, der die lokale, haupts&#228;chlich b&#228;uerliche Bev&#246;lkerung &#252;berschwemmt hat. Es gibt dort &#252;berhaupt keine Rohstoffe. Im Westjordanland ist die Klassenbildung anders, mit St&#228;dten und Notabeln. Und es gibt landwirtschaftliche und hydraulische Ressourcen, die Israel sich aneignet. Die L&#246;hne sind doppelt so hoch, es gibt einige Industrien, die auf der relativen Integration der Kompradorenklasse der PA in das israelische Kapital basieren. Die Fatah, welche die St&#228;dte regiert, ist eine Partei, die keine gesellschaftliche Koh&#228;renz mehr hat. Sie hat 2006 die Wahlen gegen die Hamas verloren. Durch einen von Israel und den USA unterst&#252;tzten Gewaltstreich 2007 konnte sie die Hebel der &#246;ffentlichen Macht in den St&#228;dten des Westjordanlands behalten, indem sie den Gazastreifen der Hamas &#8222;&#252;berliess&#8220;. Seither hat sie keine auch nur irgendwie auf eine demokratische Prozedur gr&#252;ndende Legitimit&#228;t mehr. Ihre Macht basiert auf der Zusammenarbeit mit Israel, die hinter einem hohl t&#246;nenden nationalistischen Diskurs verschleiert wird. Sie regiert Enklaven, die voneinander getrennt und immer mehr von der Kolonialisierung umzingelt sind, die israelische Armee dringt regelm&#228;ssig in sie ein. Was das Proletariat des Westjordanlands betrifft, ist es st&#228;rker ins Kapital Israels integriert als jenes des Gazastreifens. Viele pal&#228;stinensische Arbeiter malochen, legal oder illegal, im israelischen Territorium oder in den Kolonien. Sie unterhalten wirtschaftliche Beziehungen zu den Pal&#228;stinensern von 1948, welche die israelische Staatsb&#252;rgerschaft haben, und sprechen h&#228;ufig hebr&#228;isch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was geschieht aktuell im Westjordanland? Was macht die Fatah? Gibt es gesellschaftliche oder politische Kr&#228;fte, die einen mehr oder weniger proletarischen Charakter haben und im Moment der Krise gest&#228;rkt daraus hervorgehen k&#246;nnten?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Gazastreifen scheint mir im Moment hinsichtlich der M&#246;glichkeiten einer proletarischen Aktivit&#228;t verloren. Das Gleiche gilt nicht f&#252;r die St&#228;dte des Westjordanlands, wo der innerpal&#228;stinensische Kampf um die politische Kontrolle seit Jahren mit autonomen Manifestationen des Klassenkampfes einhergeht. Die soziale Kontrolle wird gemeinsam durch einen von Israel abh&#228;ngigen Kompradorenkapitalisten gehaltenen Sicherheitsapparat und urbanen, mit Jordanien verbundenen Baronien garantiert. Die Koh&#228;renz dieser Klasse l&#246;st sich immer mehr auf, die Fatah reguliert &#252;berhaupt nichts mehr und alle versuchen, ihre Hochburgen zulasten anderer zu verteidigen. Das erwartete Ereignis, welches all das regeln sollte, war der Tod des paranoiden Dinosauriers Mahmud Abbas, aber jetzt wird notwendigerweise alles schneller gehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Hamas ist im Westjordanland seit 15 Jahren im Stand-by-Betrieb. Nicht die geringste direkte &#246;ffentliche oder milit&#228;rische Aktivit&#228;t. Sie unterh&#228;lt Loyalit&#228;ten, aber diskret. Die bewaffneten Gruppen, die im Norden (Nablus, Jenin, Tulkarem) aufgetaucht sind, sind nicht mit ihr verbunden. Diese Passivit&#228;t erweckte den Eindruck, dass die Hamas die Situation akzeptiert hat und den Status Quo nicht zerst&#246;ren wollte. Innerhalb der bewaffneten Gruppen in den Fl&#252;chtlingslagern verschaffte ihr das einen schlechten Ruf: Sie sei die Kehrseite der Fatah, eine grosse Klappe, nichts dahinter, andere politische Interessen als jene des Volkes. Und dann diese Operation: Sie &#228;ndert eindeutig die Voraussetzungen hinsichtlich der Wahrnehmung. Ihr Image, ob man das will oder nicht, wird davon betr&#228;chtlich aufpoliert sein. Jetzt schon sieht man die Fahne der Hamas ziemlich &#252;berall an den Demos wehen, was vor einem Monat unvorstellbar gewesen w&#228;re. Wird die Hamas direkt die Macht der PA im Westjordanland infrage stellen? Das ist wenig wahrscheinlich, weil ihre Aktivit&#228;ten nicht nur von der PA strikt &#252;berwacht werden, sondern auch von Israel, und die pal&#228;stinensischen Enklaven im Westjordanland kein koh&#228;rentes Territorium bilden, es kann nicht milit&#228;risch gehalten werden, ohne das mit der israelischen Armee zu verhandeln. Doch sie kann ihre Strategie &#228;ndern und die Aktivit&#228;ten der bewaffneten Gruppen auf die eine oder andere Art und Weise unterst&#252;tzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was auch immer geschehen mag, die Dinge werden sich notwendigerweise ver&#228;ndern. Die PA wird M&#252;he haben, bez&#252;glich der Sicherheit die Kontrolle zu behalten. Die Koh&#228;renz der politischen Klasse der Sicherheitspolitik wird einer schweren Belastung ausgesetzt sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Armee und die Siedler haben parallel zur Offensive im Gazastreifen eine Reihe von Angriffen im Westjordanland lanciert. Diese Offensive wird an Intensit&#228;t gewinnen und von diversen Massakern begleitet sein, sie werden &#246;rtlich begrenzter, aber wahrscheinlich auch st&#228;rker &#8222;selbstorganisiert&#8220; als im Gazastreifen sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt also etliche Gr&#252;nde, beunruhigt zu sein. Aber ich hoffe irgendwie auch, dass sich ein Raum f&#252;r autonome K&#228;mpfe er&#246;ffnet und die durch die PA in den letzten 15-20 Jahren hervorgebrachte Ohnmacht der Repression und des Klientelismus beendet &#8211; dass ein Zusammenbruch der pal&#228;stinensischen Sicherheitskr&#228;fte die seit Jahren erwartete soziale Explosion erm&#246;glicht. Die Klassenverh&#228;ltnisse im Westjordanland sind von einer aussergew&#246;hnlichen Gewalt gepr&#228;gt. Die dortige Bourgeoisie hat lange von der Situation der Zusammenarbeit mit Israel profitiert, sie hat sich die Taschen gef&#252;llt, es w&#228;re angebracht, dass sie ein bisschen beginnt zu zittern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Seit einer Weile gibt es einen sozialen Protest in Israel gegen Netanjahu und besonders gegen seine Justizreform. Welche Folgen haben diese K&#228;mpfe (falls &#252;berhaupt) in der aktuellen Situation? Inwiefern dr&#252;ckt der &#8222;zivile&#8220; Widerstand der israelischen Bev&#246;lkerung (zum Beispiel die j&#252;ngsten K&#228;mpfe gegen die Justizreform) einen solchen Anspruch aus?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Krieg scheint mir auch Ausdruck eines Verlusts der Koh&#228;renz der kapitalistischen Klasse zu sein; und gleichzeitig kaschiert die milit&#228;rische Einheit denselben. Der milit&#228;rische Zusammenbruch Israels am 7. Oktober scheint weitgehend eine Folge des Kampfes innerhalb der kapitalistischen Klasse Israels zu sein, ein Kampf, der zum ersten Mal auch die milit&#228;rische Institution erreicht hat. In den letzten Monaten war der Kampf sehr intensiv und er hat sich auf der Strasse ausgedr&#252;ckt. Das alte Israel, aschkenasisch, b&#252;rgerlich, laizistisch und milit&#228;risch, das in Tel Aviv vertikal akkumuliert, ist mit der &#228;usseren Rechten an der Macht konfrontiert gewesen, letztere ist sephardisch, revanchistisch und akkumuliert horizontal in den H&#252;geln des Westjordanlands. Aber in diesen Demos ist nie etwas Proletarisches &#252;ber die Ufer getreten. Schlimmer: Nichts Demokratisches, im Sinne von &#8222;zivil&#8220;, wie du es formulierst. Das Proletariat in Israel, das zwar ein hohes Niveau der Ausbeutung erdulden muss, ist durch seine existenzielle Integration in den Milit&#228;rstaat mundtot gemacht worden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die kriegerische nationale Einheit kehrt diesen Kampf innerhalb der herrschenden Klasse provisorisch unter den Teppich: Alle sind einverstanden mit einem Bombenteppich im Gazastreifen; und auch mit der Durchsetzung einer rigiden Sicherheitspolitik. Seit der Generalmobilmachung ist die Jagd auf den inneren Feind er&#246;ffnet. Sie betrifft die wenigen Linken, die noch &#252;brig geblieben sind, aber auch und zuallererst das muslimische Proletariat (die Pal&#228;stinenser von 1948), deren kleinste Solidarit&#228;tsbekundung mit den Opfern der wahllosen Bombenangriffe verfolgt wird. Was wird in einigen Monaten geschehen? Wird der Krieg dazu f&#252;hren, dass die herrschende Klasse auf die Linie der Partei der Siedler einschwenkt? Letztere ist, obwohl sie von der Mehrheit der Bourgeoisie f&#252;r ihre religi&#246;se R&#252;ckst&#228;ndigkeit verachtet wird, nichtsdestotrotz am ehesten im Einklang mit einer auf eine auf die Jagd auf Araber ausgerichteten Mobilisierung, die wohl nicht so schnell aufh&#246;ren wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Denkst du, dass die rein koloniale Lesart stichhaltig ist, um die Beziehungen zwischen Israel und dem pal&#228;stinensischen Proletariat zu definieren?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ja und nein, nat&#252;rlich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sind in einer Situation, wo das, was auf dem Spiel steht, weniger die Ausbeutung einer eingeborenen Arbeitskraft als die Verwaltung einer &#252;bersch&#252;ssigen proletarischen Bev&#246;lkerung ist, in Verh&#228;ltnissen, die innerhalb der Zentren der kapitalistischen Akkumulation einmalig sind. F&#252;r jeden Arbeiter mit einem Arbeitsvertrag in Israel gibt es einen anderen, der in den grossen geschlossenen Vorst&#228;dten festsitzt, welche die Bev&#246;lkerungszentren unter pal&#228;stinensischer Gesetzgebung darstellen: der Gazastreifen und die St&#228;dte des Westjordanlands. Das macht fast f&#252;nf Millionen Proletarier, die einige Kilometer von Tel Aviv entfernt eingepfercht sind, sie sind unsichtbar, leben vom Verkauf ihrer Arbeitskraft von einem Tag auf den anderen und werden von Soldaten bewacht, damit sie ihre K&#228;fige nicht verlassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese grosse Einsperrung, diese Operation der Trennung zwischen n&#252;tzlichen und &#252;bersch&#252;ssigen Proletariern auf einer ethnisch-religi&#246;sen Grundlage beginnt zeitgleich mit dem Friedensprozess, der in Wirklichkeit ein Prozess der Externalisierung der sozialen Kontrolle der &#220;bersch&#252;ssigen ist. Zuvor, in den 1970er-1980er Jahren, waren die Pal&#228;stinenser massiv vom israelischen Kapital angestellt worden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In diesem Sinne ist der Begriff &#8222;kolonial&#8220; irgendwie unpassend, um das gesellschaftliche Verh&#228;ltnis zu beschreiben, das seit dem Beginn der 1990er Jahre in Israel-Pal&#228;stina vorherrscht. Er hat zudem den Nachteil, dass er einen Gegensatz zwischen zwei nationalen Gebilden annimmt, die in Wirklichkeit zusammen hervorgebracht und reproduziert werden. Pal&#228;stinensische und israelische Proletarier sind Segmentierungen eines gleichen Ganzen. Was sich seit dem 7. Oktober abspielt, muss als eine Verhandlung durch Gewalt zwischen dem Subunternehmer aus dem Gazastreifen und seinem israelischen Arbeitgeber betrachtet werden. Dieser Aspekt muss in diesem Sinne klar von der Aktivit&#228;t des Kampfes der pal&#228;stinensischen Proletarier unterschieden werden, ihnen stehen in erster Linie die Subunternehmer der Hamas und der PA gegen&#252;ber. Dieser Kampf hat nie aufgeh&#246;rt, aber die nationale Einreihung wird ihm einen harten Schlag versetzen, zumindest im Gazastreifen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jenseits jeglicher moralischen Betrachtung scheint mir der Begriff &#8222;Widerstand&#8220;, der auf die koloniale Vorstellungswelt verweist, unangebracht, um die Milit&#228;roperation am 7. Oktober zu beschreiben: Die Interessen der Hamas sind nicht jene der Proletarier, sind nicht jene &#8211; um das geltende Vokabular zu &#252;bernehmen &#8211; des &#8222;pal&#228;stinensischen Volkes&#8220;. Die Proletarier im Gazastreifen, was auch immer das Resultat dieser Verhandlung sein mag, werden im Wesentlichen jene sein, welche geopfert werden &#8211; sie werden es schon jetzt. Falls sich Israel gegenw&#228;rtig dermassen im Aufwind f&#252;hlen w&#252;rde, um sich seines Subunternehmers zu entledigen, w&#252;rde das bedeuten, dass es bereit w&#228;re, sich der &#252;bersch&#252;ssigen Proletarier im Gazastreifen zu entledigen. Das Eine geht nicht ohne das Andere.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Andererseits denke ich jedoch, dass man nicht ohne eine koloniale Lesart auskommen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Israel hat diese europ&#228;ische Logik geerbt, die darin besteht, die Arbeitskraft auf der Grundlage rassischer Kriterien zu &#8222;vertieren&#8220;, eine Grenze zwischen zivilisierter und pr&#228;zivilisierter Welt zu ziehen. Dieses Paradigma l&#228;uft in Israel auf Hochtouren und auf eingestandene Art und Weise. Gegenw&#228;rtig massakriert man die Bewohner des Gazastreifens gem&#228;ss dieser Logik: Man ertr&#228;nkt sie im Bombenhagel ohne ein anderes politisches Ziel, als sie zu &#8222;beruhigen&#8220;, die Hierarchie, welche die menschlichen Gruppen in dieser Region der Welt trennt, in Erinnerung zu rufen. Ein Hund beisst, man schlachtet das Rudel.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es muss daran erinnert werden, das die Grenzen zwischen dem Zivilisierten und dem Tierischen unbest&#228;ndig sind. Sie galten und gelten immer noch innerhalb der j&#252;disch-israelischen Staatsb&#252;rgerschaft. Die arabischen (Mizrachim) und die &#228;thiopischen (Falascha) Juden waren lange auf der schlechten Seite der Grenze und stellen eine Art eingeborene Hilfskr&#228;fte zur Beruhigung anderer Eingeborener dar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Koloniale, als Erbe der kolonialen Periode im eigentlichen Sinne, erzeugt eine Art &#8222;Trieb&#246;konomie&#8220;, rund um welche sich die Konstruktion gesellschaftlicher Kategorien verknotet &#8211; und das ist &#252;brigens nur das vergr&#246;sserte Bild dessen, was in der Gesamtheit der aus den zentralen L&#228;ndern der kapitalistischen Akkumulation bestehenden &#8222;Festung&#8220; geschieht, man sieht es mit dem unmittelbaren Transfer des &#8222;Krieges der Zivilisationen&#8220; nach Frankreich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die aktuelle Dynamik und ihre Logik der Zur&#252;cklegung der &#252;bersch&#252;ssigen Proletarier f&#252;hren eine Menge an auf Erniedrigung basierender Affekte mit sich. In Anbetracht der Unm&#246;glichkeit, das gesellschaftliche Verh&#228;ltnis kollektiv zu beeinflussen, bringt die Ohnmacht eine doppelte Logik des Ressentiments hervor: Streben nach Anerkennung einerseits, nach Rache andererseits.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da sie keine Bourgeoisie haben, auf die sie sich st&#252;tzen, und kein Proletariat, das sie selber ausbeuten, sind Politiker wie jene der Hamas dazu veranlasst, sich auf die Ausbeutung dieser Affekte zu st&#252;tzen, sie werden &#8211; wohl oder &#252;bel &#8211; zur Inkarnation davon.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Um auf Israel zur&#252;ckzukommen, wenn man davon ausgeht, dass die kapitalistische Akkumulation weitgehend auf der permanenten &#8222;Kriegswirtschaft&#8220;, der Aneignung von Boden und der Ausbeutung des mehr oder weniger formellen pal&#228;stinensischen Proletariats gr&#252;ndet, muss dann jegliche &#8222;L&#246;sung&#8220; (z.B. die &#8222;Zweistaatenl&#246;sung&#8220;) als absolut unm&#246;glich betrachtet werden?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ab den 1990er Jahren, als Israel sich der Verwaltung der pal&#228;stinensischen Arbeitskraft in den besetzten Gebieten entledigen will, wird sie einem Subunternehmer &#252;berlassen, der Pal&#228;stinensischen Autonomiebeh&#246;rde. Doch Israel respektiert jenen Vertrag nicht, welcher zu einer Form symbolischer Souver&#228;nit&#228;t h&#228;tte f&#252;hren sollen. Es behandelt seinen Subunternehmer schlecht. Dieser revoltiert also: Es ist die Zweite Intifada, wo sich der Kampf der PA gegen ihren Arbeitgeber und ein umfassender proletarischer Kampf gegen Israel und den Subunternehmer vermischen, letzterer wird jedoch durch die Einklemmung erstickt. Am Ende dieser historischen Sequenz spaltet sich das Subunternehmertum der PA. Ein schlecht behandelter, aber unterw&#252;rfiger Subunternehmer im Westjordanland; ein anderer schlecht behandelter und aufm&#252;pfiger im Gazastreifen. Die Hamas kann zwar als Feind behandelt werden, es ist aber offensichtlich, dass Israel in diesem Zusammenhang nicht ohne Subunternehmer auskommen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kommen wir kurz auf diesen Prozess und sein Scheitern zur&#252;ck. Warum haben die Kapitalisten die M&#246;glichkeit zum &#8222;Frieden&#8220;, die darin bestand, einen &#8222;nationalen Prozess&#8220; f&#252;r Pal&#228;stina im Gazastreifen und im Westjordanland zu unterst&#252;tzen, nicht genutzt? Was sie damals h&#228;tten bekommen k&#246;nnen, w&#228;re die &#214;ffnung eines regionalen Marktes mit den umliegenden L&#228;ndern und die M&#246;glichkeit f&#252;r Investitionen in L&#228;ndern mit billiger Arbeitskraft gewesen. Es h&#228;tte gereicht, der Autonomiebeh&#246;rde die Attribute eines Rumpfstaates zu &#252;berlassen, der mit ausgestreckten Armen von &#228;usseren Spendern unterst&#252;tzt worden und ein interner Markt geblieben w&#228;re. Die Antwort auf diese Frage ist meines Erachtens alles andere als klar. Ich stelle zwei Hypothesen auf. Die erste ist jene des Gewichts des &#8222;milit&#228;rischen&#8220; Kapitals, das durch die von den USA an Israel ausgezahlte milit&#228;rische Rente unterst&#252;tzt wird. Dieser milit&#228;rische Kapitalismus, der mit dem Sektor der Spitzentechnologie verbunden ist, ist &#252;ber die K&#246;pfe des regionalen Marktes hinweg international. Die zweite Hypothese stellt das Scheitern des Friedensprozesses in Zusammenhang mit dieser grossen Katastrophe, die der durch die USA in den 2000er Jahren unternommene Versuch der Umgestaltung des Mittleren Ostens darstellte. Somit h&#228;tte sich Israel in Erwartung der Verfl&#252;ssigung der Zirkulation der Kapitale in der Region auf milit&#228;rischem Wege gehalten, womit die Vorstellung einherging, dass es m&#246;glich sei, das Subunternehmertum zu haben, ohne gegen&#252;ber den bestehenden Beh&#246;rden in den pal&#228;stinensischen Reservaten auch nur irgendwie einzulenken. Das hat fast 20 Jahre lang funktioniert. In diesem Zusammenhang er&#246;ffnete sich sogar die Perspektive der &#214;ffnung neuer M&#228;rkte in der arabischen Welt (die sogenannten Abraham-Abkommen und die neuen Perspektiven einer Pax Americana mit Saudi-Arabien) und diese Situation ist nun wahrscheinlich geplatzt. Was sich am 7. Oktober gezeigt hat, ist, dass die Gleichung, alles haben zu wollen, nicht haltbar ist: Es wird n&#246;tig sein, mit den pal&#228;stinensischen Gef&#228;ngnisw&#228;chtern der pal&#228;stinensischen Reservate zu verhandeln, um die als Ghettos fungierenden Reservate auf ihrem Territorium zu z&#252;geln, oder sich ihnen zu entledigen, was eindeutig ein neues Kapitel in der Geschichte der kapitalistischen Gewalt in den L&#228;ndern des Blockes der zentralen Akkumulation er&#246;ffnen w&#252;rde. Das ist nicht unm&#246;glich. Es l&#228;sst einem erschaudern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ist die Idee eines &#8222;pal&#228;stinensischen Volkes&#8220; zur Umgehung der gesellschaftlichen Trennungen nicht trotzdem operativ, auch innerhalb der beherrschten Klassen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Gesellschaftskritik ist meines Erachtens vor allen Dingen die Hervorbringung von Kategorien, die es erlauben, die Gegens&#228;tze in Begriffen der gesellschaftlichen Widerspr&#252;che zu denken. In einem Kontext wie jenem von Israel-Pal&#228;stina kann das scheinbar eine Operation sein, welche die zirkulierenden subjektiven Kategorien verbiegt, auf welchen sich die Affekte des Kampfes aufbauen, auf dem, was als Identit&#228;t wahrgenommen wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Idee eines &#8222;pal&#228;stinensischen Volkes&#8220; als eine Israel entgegengesetzte Kategorie wirkt nat&#252;rlich in etlichen Bereichen: auf den Ausweispapieren und in dem meisten K&#246;pfen, auch als Art der Legitimierung der proletarischen K&#228;mpfe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber die Ethnisierung der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse hat eine Geschichte, die prim&#228;r jene der herrschenden Klassen ist: Es ist die Geschichte der Herausbildung einer kapitalistischen j&#252;dischen Bourgeoisie, die eine arabische feudale Handelsbourgeoisie vernichtet hat; die Fusion dieser Bourgeoisie mit einem Milit&#228;rstaat usw. Die Proletarier sind zwangsl&#228;ufig Teil dieser Ethnisierung der Gegens&#228;tze innerhalb der herrschenden Klasse.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man darf nie vergessen, dass der &#8222;pal&#228;stinensische Kampf&#8220;, auch jener unter der Flagge der Hamas, vorrangig als von den herrschenden arabischen Klassen &#8211; oder jenen, die Teil davon wollen &#8211; gef&#252;hrter Kampf um ihre Integration ins israelische Kapital gelesen werden muss. Die Interessen der Proletarier, die sich manchmal unter dem Banner des nationalen Kampfes wiederfinden, sind in letzter Instanz im Widerspruch zu jenen ihrer Bourgeoisie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich denke, dass man nicht mit dem &#8222;pal&#228;stinensischen Widerstand&#8220; solidarisch sein sollte, sondern mit den von Proletariern gegen die ihnen auferlegten Existenzbedingungen gef&#252;hrten K&#228;mpfen. Doch die Proletarier k&#228;mpfen unter jenen Flaggen, die sich ihnen anbieten. Man sollte nicht die Flagge anschauen, sondern die K&#228;mpfe selbst. Eine pal&#228;stinensische Fahne, oder sogar eine der Fatah oder der Hamas, sie alle sind potenziell Fahnen des Kampfes, die, je nach Kontext, den politischen Verwaltern entwischen. Im &#220;brigen ist es nicht, weil die Hamas islamistisch ist, dass man auf sie scheissen sollte, sondern weil sie ein Kontrollapparat &#252;ber das Proletariat ist, ein im Entstehen begriffener Staat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotzdem mag diese Sozialkritik manchmal als unglaublich kalt und weit entfernt vom Erleben der K&#228;mpfe erscheinen, da werden andere Kategorien mobilisiert. Meine Rolle, wenn ich kalt von dialektischem Materialismus spreche, ist nicht die gleiche, wie jene, wenn die Situation sich vor meinen Augen abspielt, mit ihrer Gewalt, ihren K&#228;mpfen, ihren Subjektivit&#228;ten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;L&#228;uft eine materialistische Kritik, in einem Kontext, der dermassen von Begriffen der Identifikation gen&#228;hrt ist, nicht Gefahr, als zu herausgel&#246;st zu erscheinen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es scheint mir, dass es in einem solchen Kontext nicht um eine Position geht, sondern um einen Standpunkt, eine Methode. Ein revolution&#228;rer Blick besteht in erster Linie darin, sich nicht blenden zu lassen von der Autonomisierung der durch die Linke gehandhabten Kategorien. Ich nehme zwei davon wahr, die im Moment in den Diskussionen ein der Dialektik zugewandtes Denken konstant zu erschlagen drohen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die erste ist der Reflex der Wehklage &#252;ber das Thema &#8222;das Proletariat ist nicht, wie wir es gerne h&#228;tten&#8220;: antisemitische muslimische Proletarier, rassistische j&#252;dische Proletarier. Abgesehen von der Tatsache, dass dieses Denken &#8211; das darin besteht, das Innere des Proletariers von einer intellektuellen Position aus zu betrachten &#8211; in ihrem Wesen b&#252;rgerlich ist, ist es besonders unangebracht in einer Situation eines Gegensatzes, wo sich nicht die geringste Form proletarischer Autonomie manifestiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was sich im Moment abspielt, ist einerseits eine Logik der Einreihung des Proletariats und andererseits ein pures Massaker &#252;bersch&#252;ssiger Proletarier. Gewisse werden also die gute alte Zeit zur&#252;ckw&#252;nschen, wo die politischen Formationen in Pal&#228;stina (und deshalb, so mutmasst man, das Volk selbst) links waren. Das scheint mir idiotisch. Die Ideologie der politischen Gruppen, sobald man davon ausgeht, dass diese insbesondere k&#228;mpfen, damit ihre Anf&#252;hrer sich als herrschende Klasse aufspielen und als solche reproduzieren, ist sekund&#228;r. Betreffend der Methoden m&#246;chte ich einfach daran erinnern, dass es ein Kommando der DFLP [Demokratische Front zur Befreiung Pal&#228;stinas] war, eine ideologisch extrem linke pal&#228;stinensische Formation (die mit Elementen der &#228;usseren Linken Israels verbunden war), die das Massaker an 22 Kindern in einer Schule in Ma'alot 1974 beging.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein zweiter problematischer Denkreflex besteht darin, die Metaphysik sich in die Analyse einschleichen zu lassen. Dieses metaphysische Denken ist in der Idee der erstarrenden und verbl&#252;ffenden Wiederholung enthalten. Sie ist in den Ausf&#252;hrungen &#252;ber die &#8222;Massaker an den Juden&#8220; am Werk; aber auch in jenen rund um die &#8222;pal&#228;stinensische Trag&#246;die&#8220;. Diese Ausf&#252;hrungen, die wom&#246;glich auf autonome Art und Weise im Innersten der Psyche entstehen, sind nichtsdestotrotz reine Produkte der Art und Weise, wie das b&#252;rgerliche Denken die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse in den Himmel der Ideen aussiedelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vergessen wir die Geschichten, sowohl die Farce als auch die Trag&#246;die. Die Geschichte wiederholt sich nicht: Die sich ausbreitenden Gegens&#228;tze sind &#252;berwiegend gegenw&#228;rtige Gegens&#228;tze.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://leserpentdemer.wordpress.com/2023/10/30/gaza-une-militarisation-extreme-de-la-guerre-de-classe-en-israel-palestine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		

	</item>



</channel>

</rss>
