<?xml 
version="1.0" encoding="utf-8"?><?xml-stylesheet title="XSL formatting" type="text/xsl" href="https://www.kommunisierung.net/spip.php?page=backend.xslt" ?>
<rss version="2.0" 
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
>

<channel xml:lang="de">
	<title>Kommunisierung.net</title>
	<link>https://kommunisierung.net/</link>
	<description></description>
	<language>de</language>
	<generator>SPIP - www.spip.net</generator>
	<atom:link href="https://www.kommunisierung.net/spip.php?id_mot=31&amp;page=backend" rel="self" type="application/rss+xml" />




<item xml:lang="de">
		<title>Die Ladenschl&#252;ssel [zu den vorgezogenen Parlamentswahlen in Frankreich]</title>
		<link>https://www.kommunisierung.net/Die-Ladenschlussel-zu-den-vorgezogenen-Parlamentswahlen-in-Frankreich</link>
		<guid isPermaLink="true">https://www.kommunisierung.net/Die-Ladenschlussel-zu-den-vorgezogenen-Parlamentswahlen-in-Frankreich</guid>
		<dc:date>2024-07-14T10:51:02Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>


		<dc:subject>Th&#233;orie communiste</dc:subject>
		<dc:subject>&#220;bersetzungen</dc:subject>
		<dc:subject>Stimmen aus den K&#228;mpfen</dc:subject>
		<dc:subject>Gender</dc:subject>
		<dc:subject>Frankreich</dc:subject>
		<dc:subject>Gelbwesten</dc:subject>

		<description>
&lt;p&gt;Dieses Flugblatt, inspiriert vom Text hier, wurde gestern Samstag [06.07.24] in Marseille geschrieben und verteilt. &lt;br class='autobr' /&gt;
Der Hauptfeind? &lt;br class='autobr' /&gt;
Der Rassemblement national (RN) ist die erste Partei f&#252;r Arbeiter, Angestellte und Arbeitslose, wir werden uns ihr dennoch nicht anschliessen und uns noch weniger dar&#252;ber freuen. Aber wir schauen die Dinge an, wie sie sind: Die Proletarier sind weder abgelenkt noch manipuliert worden. &lt;br class='autobr' /&gt;
Der Kampf gegen den &#8222;extremen Rechtsrutsch&#8220; eines grossen Teils der (...)&lt;/p&gt;


-
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

/ 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Theorie-communiste" rel="tag"&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Stimmen-aus-den-Kampfen" rel="tag"&gt;Stimmen aus den K&#228;mpfen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Gender" rel="tag"&gt;Gender&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Frankreich" rel="tag"&gt;Frankreich&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Gelbwesten" rel="tag"&gt;Gelbwesten&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/souverain-scaled.webp?1720900802' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='84' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Dieses Flugblatt, inspiriert vom Text &lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=21431&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;hier&lt;/a&gt;, wurde gestern Samstag [06.07.24] in Marseille geschrieben und verteilt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Hauptfeind?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Rassemblement national (RN) ist die erste Partei f&#252;r Arbeiter, Angestellte und Arbeitslose, wir werden uns ihr dennoch nicht anschliessen und uns noch weniger dar&#252;ber freuen. Aber wir schauen die Dinge an, wie sie sind: Die Proletarier sind weder abgelenkt noch manipuliert worden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kampf gegen den &#8222;extremen Rechtsrutsch&#8220; eines grossen Teils der Arbeiterklassen &#252;berall in der westlichen Welt und ihren Nationalismus &#252;berall auf der Welt kann nicht im Namen einer Verblendung oder eines &#8222;Irrtums&#8220; gef&#252;hrt werden. Wenn der RN zum Hauptfeind geworden ist, dann nur getragen durch &#8222;gew&#246;hnliche&#8220; Politiken und Massnahmen der Rechten oder Linken, welche die Ausbeutung verst&#228;rkt, die Lage der Arbeitslosen und Rentner angegriffen, die &#8222;Ausl&#228;nder&#8220; egal welcher Nationalit&#228;t &#8222;gek&#228;rchert&#8220; haben. Diese Politiken haben aus dem RN jene Partei gemacht, welche in der Lage ist, eine sowohl ertr&#228;umte als auch nationale &#8222;Arbeiterw&#252;rde&#8220; zu repr&#228;sentieren. Und so ist der RN zum politischen Ausdruck dieser &#8222;W&#252;rde&#8220; geworden, indem er eine effiziente nationale Identit&#228;t propagiert, gen&#228;hrt vom &#8222;Gef&#252;hl des Niedergangs&#8220;, dem Rassismus und der Staatsb&#252;rgerschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Linke?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die linken politischen Kr&#228;fte waren mehrheitlich nicht die Aufnahmebeh&#228;lter f&#252;r diese &#8222;Arbeiterw&#252;rde&#8220;, die &#8222;Deklassierung&#8220;, die &#8222;Unzufriedenheit&#8220; und den mit F&#252;ssen getretenen &#8222;Wert der Arbeit&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um Zugang zur Macht zur erhalten, haben sich diese Kr&#228;fte auf die Mittelklassen mit starkem intellektuellem (universit&#228;rem) Kapital gest&#252;tzt, so sind sie zu den zentralen Ideologen und Akteuren der Globalisierung der Wirtschaft in den 1990er-2000er Jahren geworden. Delors war Pr&#228;sident der Europ&#228;ischen Kommission, Lamy der WTO, Strauss-Kahn des IWF. Diese Kr&#228;fte waren die Agenten aller mit der weltweiten Ausbeutung der Arbeitskraft verbundenen Ungerechtigkeiten, in bester Eintracht mit den gew&#246;hnlichen rechten Parteien.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;berall verst&#228;rkt sich der Protektionismus, auch milit&#228;risch, die neuen Formen der Globalisierung werden allem Anschein nach handfest und holprig sein. Wenn in der gegenw&#228;rtigen Krise der Globalisierung die Nation und die Staatsb&#252;rgerschaft als &#8222;Festung&#8220; und als &#8222;nat&#252;rlicher&#8220; Rahmen f&#252;r die K&#228;mpfe und die &#8222;Unzufriedenheit&#8220; erscheinen, so sind die Rechte und die extreme Rechte insofern viel glaubw&#252;rdiger, als sie das nationale Thema erstarren lassen, indem sie es kulturell ethnisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Ladenschl&#252;ssel &#252;berlassen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zwischen den &#8222;Patrioten&#8220; und den &#8222;Globalisten&#8220; (um die Begriffe des RN zu &#252;bernehmen) sind die &#8222;Globalisten&#8220; unter gewissen Bedingungen bereit, die Ladenschl&#252;ssel den &#8222;Patrioten&#8220; zu &#252;berlassen, insoweit als sie die Krise der Globalisierung verwalten werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nachdem sie all ihre Themen aufgenommen haben, spielen die herrschenden Klassen mit ihren verschiedensten Fraktionen &#8211; die solide verankerte Grossbourgeoisie, die neuen milliardenschweren F&#252;hrer der Tech-Industrie, das Finanzkapital, die Multinationalen der Industrie &#8211; die Karte der extremen Rechten als Instrument einer nationalistischen Politik gegen&#252;ber der Krise der Globalisierung, indem ihr &#8222;Programm&#8220; abgemildert und angepasst wird (siehe Italien, Schweden, Niederlande u.a.). Aber vor allem ist die extreme Rechte der Ausdruck des verwirklichten Monopols auf &#8222;die Volksopposition&#8220;, indem sie &#8222;das Volk&#8220; im Namen der Nation in der Restrukturierung der Globalisierung bindet und mobilisiert. Wenn die Verheerungen dieser Restrukturierung sich zeigen werden, wird sie mutmasslich am besten dazu in der Lage sein, die K&#228;mpfe zu kontrollieren und sie in die schlimmsten Richtungen zu lenken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Nationalstaat betritt wieder die B&#252;hne, sowohl f&#252;r die herrschende Klasse als auch f&#252;r die ausgebeuteten Klassen, die in diesem nationalisierten Kontext in die Politik der herrschenden Klassen selbst verwickelt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Hegemonie und Monopol auf K&#228;mpfe?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit dem Zerfall der &#8222;Arbeiterbewegung&#8220;, ihrer Instanzen und Institutionen ist die repr&#228;sentative Demokratie zusammengebrochen. Die &#8222;Proteststimmen&#8220; des Beginns der 2000er Jahre sind nicht verschwunden, doch sie sind in den 2010er und 2020er Jahren zu einer Zustimmung geworden. Das zeigt sich in Form der &#8222;nationalen Werte&#8220; und der Republik, an welchen sich alle berauschen, indem sie sie alle mit leicht unterschiedlichen Inhalten f&#252;llen, die herrschende Klasse hat eine Art Monopol auf die Klassenwiderspr&#252;che im Zusammenhang mit allen Massnahmen, die sie gegen&#252;ber den beherrschten Klassen (in erster Linie die aktive oder arbeitslose Arbeiterklasse) ergreift, und den damit verbundenen Reformen, indem sie auf der Welle der rassialisierten Arbeitsteilung reitet. Mit der Nation besteht die Hegemonie der herrschenden Klasse darin, den beherrschten Klassen die Begriffe selbst ihrer Opposition aufzuzwingen. Dieser mittlerweile unausweichliche Rahmen, der die nationale Identit&#228;t darstellt, bearbeitet vom Klassenkampf, geht jedoch unterschiedslos von der &#8222;nationalen Souver&#228;nit&#228;t&#8220; zur &#8222;Volkssouver&#228;nit&#228;t&#8220; &#252;ber. Erinnern wir uns an die Gelbwesten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was das Monopol auf den von ihr ausgel&#246;sten Widerspruch f&#252;r die herrschende Klasse untergr&#228;bt, ist die Tatsache, dass das &#8222;souver&#228;ne Volk&#8220; nicht &#8222;eins&#8220; ist. Der materielle Rahmen dieser &#8222;Souver&#228;nit&#228;t&#8220; ist nicht die Politik, sondern das allt&#228;gliche Leben. In ihrer &#8222;Einzigkeit&#8220; wird die Souver&#228;nit&#228;t vom Preis der Joghurts, der Polizeigewalt, dem mit den Ausbeutungsbedingungen gleichbedeutenden Chaos der Spaltungen aufgerieben. Und in seinem allt&#228;glichen Leben, wenn seine Kaufkraft zusammenbricht, hat das &#8222;souver&#228;ne Volk&#8220; Zweifel bez&#252;glich seiner &#8222;Souver&#228;nit&#228;t&#8220;. Was das &#8222;souver&#228;ne Volk&#8220; ebenfalls untergr&#228;bt, ist die Tatsache, dass sich an seinen R&#228;ndern, aber sehr nahe, konstant die rassialisierten und &#252;bersch&#252;ssigen Bev&#246;lkerungen befinden, sie sind die konstante und lebendige Proklamation der &#8222;Unwirklichkeit&#8220; seiner Existenz als &#8222;souver&#228;nes Volk&#8220; und erinnern es daran.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das &#8222;souver&#228;ne Volk&#8220; des Nationalismus der extremen Rechten hat noch ein anderes Problem: Die Heftigkeit seines Antifeminismus und seiner Homophobie schreckt auch vor einem Verbot des Rechts auf Abtreibung nicht zur&#252;ck. Nat&#252;rlich schl&#228;gt der RN leisere T&#246;ne an, aber das gilt nicht f&#252;r die Fratelli d'Italia oder die Liga in Italien, auch nicht f&#252;r die Vox in Spanien oder die AfD in Deutschland. Der Nationalismus mag die Frauen an ihrem Platz und somit den Feminismus nicht. Der Nationalismus muss eine homogene nationale Identit&#228;t hervorbringen, die schwierig in diesen Mechanismus integrierbaren Ausl&#228;nder oder Frauen m&#252;ssen entweder zur&#252;ckgewiesen oder unsichtbar gemacht werden. Es waren die Mobilisierungen der Frauen, die weitgehend dazu beigetragen haben, die Mehrheitsverh&#228;ltnisse in Polen umzudrehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nur gegen den Islam beruft sich der Nationalismus auf die Freiheit der Frauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der RN, eine Falle?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn die Besonderheiten der Politik der extremen Rechten, ihr Rassismus, die physische und materielle Gefahr f&#252;r all jene, welche nicht die richtige Hautfarbe haben, bek&#228;mpft werden m&#252;ssen, dann muss dabei die Tatsache betont werden, dass sie der Ausdruck der Gesamtheit der herrschenden (wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, ideologischen, administrativen und politischen) Klasse sind. Einfach gegen den RN zu sein, bedeutet, in die &#8222;Falle&#8220; des Monopols und der Hegemonie zu geraten. Genau in diesem Monopol k&#246;nnen jedoch schnell die Widerspr&#252;che auftauchen: die im Volk verbreitete Entt&#228;uschung gegen&#252;ber dem von der herrschenden Klasse zur Schau getragenen und praktizierten Nationalismus, der letztendlich zwingend f&#252;r das &#8222;Volk&#8220; eine Dimension der sozialen Katastrophe annehmen wird; das unm&#246;gliche Ausblenden jener, welche als rassisch &#8222;anders&#8220; designiert werden, und die An-/Abwesenheit der Frauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das &#8222;souver&#228;ne Volk&#8220;, das von diesen grundlegenden Widerspr&#252;chen durchdrungen ist, kann explodieren und viele &#220;berraschungen bereithalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mehr dazu: siehe die Homepage &lt;a href=&#034;https://dndf.org/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Des nouvelles du front&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=21431#comment-626485&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		
		<enclosure url="https://www.kommunisierung.net/IMG/pdf/flugblattmarseille.pdf" length="38914" type="application/pdf" />
		

	</item>
<item xml:lang="de">
		<title>Gegen die Partei des Aufstands. Ein Blick auf den Appellismus in den USA</title>
		<link>https://www.kommunisierung.net/Gegen-die-Partei-des-Aufstands-Ein-Blick-auf-den-Appellismus-in-den-USA</link>
		<guid isPermaLink="true">https://www.kommunisierung.net/Gegen-die-Partei-des-Aufstands-Ein-Blick-auf-den-Appellismus-in-den-USA</guid>
		<dc:date>2024-05-05T13:39:10Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>


		<dc:subject>Bericht/Analyse</dc:subject>
		<dc:subject>Frankreich</dc:subject>
		<dc:subject>Appellismus</dc:subject>
		<dc:subject>USA</dc:subject>

		<description>
&lt;p&gt;Der Appellismus ist eine informelle Str&#246;mung des autorit&#228;ren Kommunismus, der auf diesem Kontinent ungef&#228;hr im letzten Jahrzehnt an Boden gewonnen hat. Indem sie Elemente sowohl der revolution&#228;ren Parteistruktur als auch des aufst&#228;ndischen Anarchismus aufnimmt, erfindet diese Tendenz den autorit&#228;ren Kommunismus als etwas neu, das wie informelle Netzwerke aussieht, aber wie eine Partei handelt. &lt;br class='autobr' /&gt;
Appellisten stellen sich in der Regel nicht als Appellisten vor. Der Begriff bezieht sich auf (...)&lt;/p&gt;


-
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

/ 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Bericht-Analyse" rel="tag"&gt;Bericht/Analyse&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Frankreich" rel="tag"&gt;Frankreich&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Appellismus" rel="tag"&gt;Appellismus&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/USA" rel="tag"&gt;USA&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/tarnac_-_eglise_saint-georges.jpg?1714160448' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='113' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Der Appellismus ist eine informelle Str&#246;mung des autorit&#228;ren Kommunismus, der auf diesem Kontinent ungef&#228;hr im letzten Jahrzehnt an Boden gewonnen hat. Indem sie Elemente sowohl der revolution&#228;ren Parteistruktur als auch des aufst&#228;ndischen Anarchismus aufnimmt, erfindet diese Tendenz den autorit&#228;ren Kommunismus als etwas neu, das wie informelle Netzwerke aussieht, aber wie eine Partei handelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Appellisten stellen sich in der Regel nicht als Appellisten vor. Der Begriff bezieht sich auf den &lt;i&gt;Aufruf&lt;/i&gt; (&lt;i&gt;Appel&lt;/i&gt; in der franz&#246;sischen Originalversion) vom Unsichtbaren Komitee, der von einigen der gleichen Autoren wie die Zeitschrift &lt;i&gt;Tiqqun&lt;/i&gt; 1999 geschrieben worden ist. Deshalb werden &#8222;Appellisten&#8220; manchmal auch &#8222;Tiqqunisten&#8220; genannt. Beides sind Begriffe, die von Anarchisten bekannt gemacht worden sind, um der appellistischen Behauptung entgegenzuwirken, sie h&#228;tten keine Ideologie oder kein etabliertes politisches Netzwerk.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die appellistische Verlogenheit diesbez&#252;glich ist Teil einer breiteren Strategie, zu versuchen, nicht mehr als unterscheidbare Gruppe oder unterscheidbares Milieu sichtbar zu sein (sie nennen das &#8222;Undurchsichtigkeit&#8220;). Sie versuchen sodann, unsichtbar verschiedene Aspekte des allt&#228;glichen Lebens in Richtung einer Form des Kommunismus zu organisieren, mit einem Schwerpunkt auf dem Aufbau von Infrastruktur und der Kontrolle dar&#252;ber. Dies geht einher mit der Bem&#252;hung, entscheidend in Momenten des sozialen Konfliktes zu intervenieren, um diese Situationen eskalieren zu lassen, damit die K&#228;mpfe an Territorium gewinnen und die Leute in ihre Infrastruktur hineingezogen werden. Appellisten werden sich typischerweise als Partisanen, Autonome oder Kommunisten bezeichnen, falls sie sich &#252;berhaupt als irgendetwas bezeichnen, obwohl es in Nordamerika g&#228;ngiger ist, dass sie sich auch selektiv als Anarchisten bezeichnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die bekanntesten Ausdr&#252;cke des Appellismus kommen aus Frankreich und sind Werke des Unsichtbaren Komitees, besonders &lt;i&gt;Der kommende Aufstand&lt;/i&gt; (2007) und &lt;i&gt;An unsere Freunde&lt;/i&gt; (2014).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den USA sind die Hauptvertreter des Appellismus die Infoportale &lt;i&gt;Ill Will Edition&lt;/i&gt;&lt;i&gt;s&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;Inhabit&lt;/i&gt;, sowie Konten auf den sozialen Medien wie &lt;i&gt;Vitalist International&lt;/i&gt;. Neben der Promotion ihrer amerikanischen Version des Appellismus ver&#246;ffentlichen diese Projekte auch &#220;bersetzungen von &lt;i&gt;Lundi matin&lt;/i&gt;, der zentralen appellistischen Plattform in Frankreich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aus der Ferne hat die &#8222;Partei des Aufstands&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Formulierung &#8222;Partei des Aufstands&#8220; wird im Vorschlag 14 des Comit&#233; (...)&#034; id=&#034;nh1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; eine verwirrende &#196;hnlichkeit mit den Ideen und Aktivit&#228;ten vieler Anarchisten, denn sie &#252;bernimmt einige zentrale Konzepte des aufst&#228;ndischen Anarchismus wie die Autonomie und die informelle Organisation. Unterschiede zeigen sich typischerweise, wenn wir versuchen gewisse Prinzipien anzusprechen oder wenn ihre Perspektiven zur gesellschaftlichen Stellung und zu gesellschaftlichen Praktiken rund um Macht und Avantgardismus im Verlauf von K&#228;mpfen vor Ort Bedeutung erlangen. Appellisten bewirtschaften diese Art der Verwirrung, denn Ehrlichkeit hinsichtlich ihrer Ideen ist ihrer Strategie nicht zutr&#228;glich, diese setzt voraus, dass sie ihre Perspektiven und Prinzipien je nach Gespr&#228;chspartner &#228;ndern. Klare Positionen beeintr&#228;chtigen die Rekrutierung, da sie weniger Leute ansprechen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Ziele und Methoden der Appellisten sind, eher als eine &#228;hnliche Sichtweise mit einer anderen Art des Kampfes, in Wirklichkeit inkompatibel mit anarchistischen Zielen und unterminieren hierarchiefreie Selbstorganisation. Darum dieser Text, in welchem wir versuchen, die f&#252;r den antiautorit&#228;ren Kampf sch&#228;dlichen Methoden zu identifizieren und zu einer Kultur der Ehrlichkeit und internen Kritik zu ermutigen, was uns helfen kann, besser zu verstehen, wof&#252;r wir jeweils k&#228;mpfen und auch, mit wem und wie wir uns entscheiden, zu k&#228;mpfen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In diesem Text werden wir gr&#246;sstenteils unsere Ideen &#252;ber den Appellismus im Verh&#228;ltnis zu appellistischer Theorie darlegen, um zu zeigen, wie unsere Beobachtungen &#252;ber das Milieu durch die Ideologie untermauert werden und ihr inh&#228;rent sind. In Tat und Wahrheit sind jedoch die meisten Leute im appellistischen Milieu keine Theoretiker und die Darlegung der Probleme des Appellismus gest&#252;tzt auf die Theorie wird der H&#228;sslichkeit des appellistischen Verhaltens, der wir im realen Leben begegnet sind, nicht gerecht. Unsere tiefsten Probleme mit der Tendenz kommen wohl oder &#252;bel von pers&#246;nlicher Erfahrung und sind nur insofern verifizierbar, als sie Teil von akkumulierten Erfahrungen diverser Anarchisten sind, denen Appellisten &#252;ber die Jahre auf diesem Kontinent begegnet sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zus&#228;tzlich zu den spezifischen Projekten, die wir mit dieser Tendenz identifizieren k&#246;nnen, gibt es etliche Leute in den USA, die von appellistischen Strategien inspiriert worden sind und versuchen, sie in ihren Netzwerken zur Anwendung zu bringen. Da sich diese Individuen selbst nicht Appellisten nennen und h&#228;ufig die Existenz einer solchen Tendenz bestreiten, ist es verwirrend, von &#8222;Appellisten&#8220; zu sprechen, zumindest im gleichen Sinne, wie wir von &#8222;Anarchisten&#8220; sprechen w&#252;rden, denn letztere identifizieren sich selbst als solche. Zumindest teilweise aufgrund dieser Ambivalenz denken wir, dass es n&#252;tzlicher ist, den Fokus auf das Verst&#228;ndnis der Dynamiken und Methoden des Appellismus und die Kritik jener Projekte, welche appellistische Strategie vorantreiben, zu richten, als zu versuchen, endg&#252;ltig zu identifizieren, wer ein Appellist ist oder nicht. Es gibt viele Leute, die rund um die appellistische Welt kreisen, weil sie in den gleichen gr&#246;sseren K&#228;mpfen engagiert sind oder aufgrund gesellschaftlicher N&#228;he, mehr denn aus ideologischer Hingabe zum Appellismus. Unsere Diskussion des Appellismus in diesem Text soll nicht dazu dienen, diese Leute vor den Kopf zu stossen, sondern einen gewissen Kontext und Bezugsrahmen anzubieten, um sie dabei zu unterst&#252;tzen, ihre eigenen bewussten Entscheidungen zu treffen und nicht manipuliert zu werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Viele der in diesem Text diskutierten Probleme sind &#252;berhaupt nicht auf den Appellismus beschr&#228;nkt. Informelle Hierarchien, schreckliche Analysen, entsetzliche Rassismuspolitik, Frauenfeindlichkeit, Missbrauch, Alibipolitik und die Instrumentalisierung der K&#228;mpfe anderer Leute sind auch in den meisten anarchistischen Szenen in den USA weit verbreitet; wir sind ihnen alle begegnet. Was den Appellismus davon unterscheidet und wir in diesem Text aufzeigen m&#246;chten, ist die Tatsache, dass die angesprochenen Probleme durch die Ideen selbst ausgel&#246;st und gerechtfertigt werden, statt im Widerspruch zu ihnen zu stehen &#8211; sie sind seit langer Zeit und konsistent in den appellistischen Schriften und der appellistischen Organisationsweise vorhanden. Die Konfrontation mit diesen Ideen und ihren Anh&#228;ngern sollten nicht zulasten der Konfrontation mit hierarchischem Verhalten und derartigen Einfl&#252;ssen aus anderen Richtungen gehen, sondern stattdessen unsere F&#228;higkeit zur Kritik im weiten Sinne verbessern und uns helfen, die Verankerung in unsere geteilten Prinzipien zu vertiefen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Das Programm: Territorium und Macht&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das &#8222;Kleine orange Buch&#8220; von Inhabit ist die klarste Darstellung der appellistischen Strategie in den USA, deshalb beginnen wir damit. Inhabit bietet ein Programm an, das aus einigen wenigen einfachen Schritten besteht und damit beginnt: 1) &#8222;Sich finden&#8220; und 2) autonome Infrastruktur oder &#8222;Hubs&#8220; (gew&#246;hnlich rurale Landprojekte oder andere R&#228;ume, wo sie &#8222;die Kommune aufbauen&#8220;) erschaffen. In diesem Prozess des massenhaften &#8222;Ausstiegs&#8220; und des schrittweisen &#8222;Abzugs von Territorium von der Wirtschaft&#8220; erreichen wir schliesslich die Schritte 8 und 9, wo die Infrastruktur &#8222;destituiert&#8220; wird und wir &#8222;unregierbar werden&#8220;, weil wir gen&#252;gend Autonomie aufgebaut haben, um die Regierung und die Wirtschaft &#252;berfl&#252;ssig zu machen. Wenn diese dann verschwinden, werden sie durch die von den Appellisten aufgebauten Kommunen und ihrer Infrastruktur ersetzt: &#8222;Die Macht ergreifen, ohne zu regieren.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Erschaffung autonomer Infrastruktur war von kritischer Bedeutung f&#252;r viele radikalen Bewegungen rund um die Welt und durch die Geschichte hindurch, von konfliktreichen Besetzungen und selbstorganisierten sozialen Zentren in Europa bis zu befreitem Land in Lateinamerika. Die von Inhabit hinsichtlich der Autonomie vorgebrachten Vorschl&#228;ge enthalten jedoch bedeutende Probleme:&lt;/p&gt;
&lt;ul class=&#034;spip&#034;&gt;&lt;li&gt;Es wird nicht pr&#228;zisiert, wen wir genau finden, wenn wir uns finden. Dies erlaubt verschiedenste B&#252;ndnisse, auch problematische, zum Beispiel mit Politikern oder Leuten, die zu rechtem Libertarismus tendieren. Es ist auch sehr schwierig, trotz der ausf&#252;hrlichen Aufmerksamkeit von Inhabit f&#252;r die Bildsprache der K&#228;mpfe und Vorschl&#228;ge f&#252;r die Zukunft, klar zu verstehen, gegen wen und was das &#8222;Wir&#8220; von Inhabit eigentlich gerichtet ist.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Siedler in den USA oder Kanada, die Land kaufen und ein Landprojekt starten oder Gesch&#228;fte er&#246;ffnen in Quartieren, die gerade gentrifiziert werden, stellen typischerweise keine emanzipatorischen Projekte dar, sondern reproduzieren Siedlungspolitik als Schl&#252;sselaspekt der Funktionsweise unserer Feinde &#8211; koloniale Siedlerstaaten wie die USA und Kanada. Inhabit &#252;bergeht dieses Problem komplett und diskutiert Siedlerkolonialismus nicht.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Indigen angef&#252;hrte K&#228;mpfe werden als inspirierende Beispiele genannt, doch Rasse oder Gender werden genau wie Kolonialisierung nie als ethische oder nicht einmal strategische Anliegen auf dem Weg zur Destitution erw&#228;hnt. Die vollst&#228;ndige &#220;bergehung von Rasse in einem in den USA stattfindenden Kampf &#8211; oder in der Tat &#252;berall &#8211; ist gleichbedeutend mit einer Art farbenblindem Rassismus. Das Vorbeirauschen an jeglicher Diskussion &#252;ber Geschlechterrollen in der &#8222;Kommune&#8220; ist ein weiterer Preis f&#252;r die unnachgiebige Betonung von Inhabit dessen, was wir gemeinsam haben. &#8222;Die Kommune&#8220; wird zu einer mythischen h&#246;heren Entit&#228;t, mit welcher Individuen mit all ihren chaotischen Unterschieden und verschiedenen Erfahrungen systematischer Unterdr&#252;ckung f&#252;r das Gemeinwohl verschmelzen sollen.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Das Konzept der &#8222;Destitution&#8220;, das darauf hinausl&#228;uft, dass die Anh&#228;nger davon die Wirtschaft &#8222;verhungern lassen&#8220;, indem sie sich nicht an ihr beteiligen, basiert auf der Annahme, dass der Kapitalismus und die damit verbundene staatliche Macht allm&#228;hlich verschwinden, wenn genug Leute sich ihres Zugriffs entziehen. Diese Idee ist historisch betrachtet hoffnungslos falsch und sie scheint uns zu ermuntern, weniger konfliktreiche K&#228;mpfe zu f&#252;hren, obwohl in Wirklichkeit der Konflikt ein wesentlicher Bestandteil jedes Kampfes gegen den Staat ist.&lt;br class='autobr' /&gt;
Die Einfachheit dieses Programm ist eine Marketingstrategie, die daf&#252;r konzipiert ist, so viele Leute wie m&#246;glich anzusprechen und genau aus diesem Ansatz entstehen viele Probleme. Mit wem wir uns organisieren und leben, mit wem wir uns verb&#252;nden, unsere Komplizit&#228;t mit dem Kapitalismus und anderen Formen der Unterdr&#252;ckung, die Notwendigkeit, Risiken einzugehen und Gewalt anzuwenden, das Verh&#228;ltnis zwischen unseren pers&#246;nlichen W&#252;nschen und unseren Verantwortlichkeiten f&#252;r andere &#8211; all das sind komplexe Fragen, durch die wir konstant navigieren, w&#228;hrend wir uns aus dieser Welt in Richtung Anarchie bewegen. Kein kleines oranges Pamphlet, das ein nett t&#246;nendes &#8222;gemeinsames Leben&#8220; bewirbt und die harschen Realit&#228;ten von Rassismus, Gender und Siedlerkolonialismus vertuscht, kann die Antworten darauf liefern.&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Wir haben Appellisten h&#228;ufig dabei beobachtet, wie sie falsche Parallelen zwischen ihren Landprojekten und indigenen Versuchen zur Verteidigung und/oder Wiedererlangung von angestammtem Territorium und traditioneller Lebensweise ziehen. Das ist f&#252;r den Erfolg letzterer konterproduktiv. Wie die Autoren von &#8222;Another Word for Settle&#8220; schreiben, diese Art der &#8222;&#8216;Zur&#252;ck-aufs-Land-Politik' [&#8230;] bereitet im schlimmsten Fall die B&#252;hne f&#252;r die Entwicklung von verdrehten Anspr&#252;chen von Siedlern auf indigenes Land vor&#8220;, behauptet, &#8222;dass die Beziehungen, die wir mit antikolonialen indigenen Verb&#252;ndeten anstreben sollten, sich aufl&#246;sen werden, und l&#228;uft damit Gefahr, dass reaktion&#228;re Siedlertendenzen, die wir bek&#228;mpfen sollten, gest&#228;rkt werden&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Die territoriale Autonomie, wenn sie als Strategie f&#252;r die Zerst&#246;rung des (...)&#034; id=&#034;nh2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Anweisung, Eigentum zu akkumulieren, taucht im nicht minder programmatischen Text &#8222;How to Start a Fire&#8220; wieder auf, er ist keine Anleitung zur Brandstiftung, sondern gibt den l&#228;cherlich weltfernen Rat, sich zu &#8222;organisieren, um so bald wie m&#246;glich Wohneigentum zu kaufen&#8220; und &#8222;Raum zu mieten. Noch besser aber ist es, Geb&#228;ude zu kaufen, Eigentum zu erwerben.&#8220; Ein grosser Teil ihrer Beschreibung davon, wie man etwas gemeinsam aufbaut, w&#228;hrend man sich nicht &#8222;obsessiv mit der Moral oder &#8218;internen Dynamiken&#8216; solcher Projekte befassen [soll]&#8220; k&#246;nnte problemlos jede Art der Kollektivit&#228;t beschreiben &#8211; einen Hauseigent&#252;merverband zum Beispiel. Die Momente in ihren Schriften, wenn sie ausf&#252;hren, wie ihre Vision einer territorialen Autonomie eigentlich aussehen k&#246;nnte &#8211; zum Beispiel ihr Fokus auf die Lancierung von Gesch&#228;ftst&#228;tigkeiten als Teil ihres revolution&#228;ren Projekts &#8211; zeigen, dass ihre Utopie f&#252;rchterlich langweilig, sorgf&#228;ltig verwaltet und (basierend auf unserer Erfahrung) sehr wahrscheinlich auf Familienverm&#246;gen aufgebaut ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Aus Der kommende Aufstand (2007): &#8222;Sogar in den endlosen Subventionen, die (...)&#034; id=&#034;nh3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Perspektiven: Die Zusammensetzung der Partei&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Appellismus ist nicht die einzige radikale Tendenz, die autorit&#228;re Ans&#228;tze f&#252;r den Kampf vorschl&#228;gt, nur eine, die Anarchisten unter Umst&#228;nden weniger bemerken. Er nimmt etliche Elemente von kommunistischen und anderen linken&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Der Begriff &#8222;links&#8220; kommt von der parlamentarischen Unterteilung (in (...)&#034; id=&#034;nh4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Traditionen auf, aber kleidet alte Ideen in angesagte neue Sprache und &#196;sthetik, womit sie sich &#252;ber Umwege wieder unbemerkt einschleichen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Anarchistische Theoretiker im Ausland haben darauf hingewiesen, dass der Appellismus spezifischer ein Nachkomme des Blanquismus ist. Diese Ideologie ist eine autorit&#228;re kommunistische Str&#246;mung des Insurrektionalismus, die auf Louis Auguste Blanquis Idee basiert, dass die Revolution von einer relativ kleinen Avantgarde h&#246;chst organisierter Verschw&#246;rer in einer geheimen Parteistruktur, die so positioniert ist, dass sie Aufst&#228;ndische mithilfe einer einheitlichen Strategie anf&#252;hren kann, durchgef&#252;hrt werden sollte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Autoren von &lt;a href=&#034;https://anarchistischebibliothek.org/library/finimondo-blanqui-oder-die-staatliche-insurrektion&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Blanqui oder die staatliche Insurrektion&#8220;&lt;/a&gt; schreiben: &#8222;[Blanquis] Konzeption der Insurrektion als Resultat eines strategischen Zuges, und nicht als soziales Ereignis, brachte ihn zur Schlussfolgerung, dass der Zweck alle Mittel heiligt. F&#252;r ihn z&#228;hlte nicht die Art und Weise, sondern das Resultat, mit anderen Worten, die effektive Eroberung der politischen Macht.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weiter: &#8222;Wenn die Insurrektion trotz des Mutes und des Enthusiasmus derjenigen, die sich an ihr beteiligen, niedergeschlagen wird, dann liegt das daran, dass es &#8218;an Organisation mangelt. Ohne Organisation, keine Chance auf Erfolg.&#8216; Das wird auch stimmen, aber wie erlangt man diese Organisation, diese Koordination, diese Abmachung unter den Aufst&#228;ndischen? Durch die horizontale, im Voraus stattfindende und m&#246;glichst weite Verbreitung eines Bewusstseins, einer Aufmerksamkeit, einer Intelligenz gegen&#252;ber den Erfordernissen des Moments (libert&#228;re Hypothese), oder durch die vertikale Einrichtung eines einheitlichen Kommandos, welches die Gehorsamkeit von allen verlangt, jenen allen, die bis anhin in Unwissenheit gehalten wurden (autorit&#228;re Hypothese)?&#8220; Diese autorit&#228;re Theorie des Aufstands wird angereichert mit dem Einfluss der italienischen Kommunisten der Autonomia der 1970er Jahre mit ihrem betont lyrischen Stil und ihrem Fokus auf die Bildung von Netzwerken autonomer R&#228;ume und der Situationisten mit ihrer selbsternannten Stellung als intellektuelle Avantgarde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Appellismus nimmt auch die traditionellere kommunistische Idee wieder auf, dass die internationale Arbeiterklasse der Hauptcharakter des antikapitalistischen Kampfes ist, doch die Idee wird als &#8222;Imagin&#228;re Partei&#8220; der Aufst&#228;ndischen gegen das Kapital neu verpackt. Wenn sie als informell neu gedacht wird, brauchen Individuen &#252;berall auf der Welt keine Mitgliederkarte zu erwerben, um in der Partei zu sein, und in Wirklichkeit sind sie selten damit einverstanden (oder werden danach gefragt), Teil der appellistischen Strategie zu sein. Sie unterscheidet sich stark von einem anarchistischen Bezugsrahmen zum Internationalismus in jenem Sinne, dass sie tats&#228;chlich diverse K&#228;mpfe einschliesst und die Vorstellung erzeugt, dass alle zu einem grossen Plan beitragen, der von Anderen bereits in die Wege geleitet worden ist, statt diese K&#228;mpfe in ihren eigenen Begriffen anzuerkennen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zusammen mit anderen Spielarten des autorit&#228;ren Kommunismus und der breiteren Linken fordert uns der Appellismus dazu auf, uns unter irgendeiner (imagin&#228;ren oder anderen) Fahne zu vereinen, unter ihr werden individuelle Meinungsverschiedenheiten oder interner Konflikt als spalterisch oder konterproduktiv hinsichtlich des vage ausgesprochenen gemeinsamen Zieles betrachtet. Im appellistischen Diskurs zeigt sich das weitgehend rund um die Idee der &#8222;Zusammensetzung&#8220; und das vage geteilte Ziel einer internationalen &#8222;Imagin&#228;ren Partei&#8220;. Das bedeutet, dass ihre Politik auf einer neu verpackten Version der Einreihung von oben nach unten basiert, in welcher Unterscheidungen zwischen links und rechts innerhalb des Proletariats weniger wichtig als unser gemeinsamer Kampf gegen die &#8222;Elite&#8220; ist. Zusammensetzung ist ihre Theorie dar&#252;ber, wie diese verschiedenen Interessen, von den guten B&#252;rgern bis zu jenen, welche sie als &#8222;schwarze Proletarier&#8220; betrachten, sich als &#8222;historische Kraft&#8220; vereinen k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Durch Zusammensetzung wird versucht, verschiedene Sektoren eines Kampfes oder einer Bewegung in die gleiche Richtung zu lenken (in Richtung der appellistischen Vision eines Sieges), indem Konsens &#252;ber die Zwecke und Mittel hergestellt (und erzwungen) wird und widerspr&#252;chliche oder abweichende Stimmen zum Schweigen gebracht werden. Zusammensetzung, die oft als Rahmen f&#252;r die Zusammenbringung verschiedener, f&#252;r ein gemeinsames Ziel k&#228;mpfender Ans&#228;tze pr&#228;sentiert wird, soll dazu dienen, ganz verschiedene Elemente in einer gemeinsamen Strategie zu vereinen, wobei grundlegende Meinungsverschiedenheiten, die &#8222;so zentral&#8220; sind, &#8222;wie zum Beispiel das Verh&#228;ltnis zu Legalit&#228;t und Institutionen (Parteien, Gewerkschaften, Medien usw.), dem Einsatz von Gewalt und der Offenheit gegen&#252;ber Verhandlungen&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Decisions, Compositions, Negotiations&#8220;, 2023.&#034; id=&#034;nh5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, verschleiert werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Text &#8222;The Strategy of Composition&#8220;, der von &lt;i&gt;Ill Will&lt;/i&gt; Anfang 2023 ver&#246;ffentlicht worden ist, kreiert ein falsches Dilemma, indem er Autonomie und Dezentralisierung als in einem &#8222;Non-Verh&#228;ltnis (tolerante Trennung)&#8220; resultierend pr&#228;sentiert, w&#228;hrend Zusammensetzung, &#8222;falls wir wieder einen Sieg am Horizont sehen wollen [&#8230;] unvermeidbar bedeutet, Kompromisse zu akzeptieren&#8220;. Zusammensetzung legt den Grundstein f&#252;r die altbekannte vollst&#228;ndige autorit&#228;re Macht. Wenn die Autonomie einer Gruppe den Kompromissen der dominanten Gruppe im Weg steht, m&#252;ssen die widerspenstigen Akteure auf Linie gebracht werden, sonst droht der &#8222;Zerfall&#8220; der Bewegung. Dieser Rahmen dient als Methode, um unkontrollierbare Situationen zu befrieden, indem die klassische &#8222;Einheitsfront&#8220; vorgeschoben wird, um Konflikte und Widerspr&#252;che zum Verschwinden zu bringen, ohne dass es daf&#252;r notwendig ist, die altmodischen &#8222;Massen&#8220; heraufzubeschw&#246;ren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist zweckdienlich, die Imagin&#228;re Partei, das also, was sie durch Zusammensetzung zu bilden suchen, von den eingeweihten Appellisten zu unterscheiden, letztere arbeiten jene Strategien aus, welche sie breiteren Bewegungen aufzwingen wollen. Zusammensetzung betont die entfernte Vogelperspektive des Experten (der Zusammensetzer, wenn man so will), der beaufsichtigt, wo jeder hineinpasst, und somit gut platziert ist, um jenen Gruppen und Individuen, welche eigentlich aus ihren eigenen Gr&#252;nden und auf ihre eigene Art und Weise k&#228;mpfen, ihre Strategie aufzuzwingen. Im Gegensatz dazu beinhaltet ein anarchistischer Ansatz nicht tolerante Trennung, sondern eher Koordination und frei Assoziation zwischen selbstorganisierten autonomen Netzwerken, die unter Umst&#228;nden verschiedene Strategien und Taktiken haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Appellistische Autoren konstruieren ihre Argumente h&#228;ufig rund um ein &#8222;Wir&#8220;, das sich nicht nur auf sie selbst bezieht, sondern auch voraussetzt, f&#252;r die Gef&#252;hle und Erfahrungen eines breiteren &#8222;Wir&#8220;, zu dem auch der Leser geh&#246;rt, zu sprechen. Sie sagen uns, wie &#8222;wir&#8220; uns f&#252;hlen und der Leser wird mitgerissen in die Schlussfolgerungen des Autors und er f&#252;hlt sich dabei, als w&#228;re er selbst darauf gekommen. Wenn der Leser einen gewissen Widerstand dagegen versp&#252;rt oder z&#246;gert, wird er dazu gezwungen, komplett auszusteigen und eine Position ausserhalb dieser romantischen Kollektivit&#228;t einzunehmen, ausserhalb dieser &#8222;historischen Kraft&#8220;, was nicht unbedingt einfach ist. So wirst du, der Leser, faktisch in ihre Partei (oder Kraft, Kommune usw.) hineingezogen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Theorie der &#8222;Undurchsichtigkeit&#8220;, die festh&#228;lt, dass ihre Partei und ihre Netzwerke f&#252;r die Aussenwelt unsichtbar sein sollen, wird benutzt, um den Widerwillen der Appellisten, die Existenz des Appellismus ausserhalb ihrer Kreise einzur&#228;umen, zu rechtfertigen. Es handelt sich um eine Entstellung der anarchistischen Konzeptionen der Informalit&#228;t und der Sicherheitskultur, um es schwierig zu machen, hierarchische Strukturen und autorit&#228;re Ambitionen zu identifizieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Perspektiven zu Rasse und gesellschaftlicher Stellung: Auskopplung und L&#246;schung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Titel &lt;i&gt;Der kommende Aufstand&lt;/i&gt; ist eine Hommage an &lt;i&gt;Die kommende Gemeinschaft&lt;/i&gt; (1990), ein einflussreiches Werk des italienischen Philosophen Giorgio Agamben, der mit den Herausgebern von &lt;i&gt;Tiqqun&lt;/i&gt; verbunden war. In diesem Buch behauptet Agamben, dass die gr&#246;sste Bedrohung f&#252;r den Staat eine Gemeinschaft sei, die von Individuen, die mit den uns auferlegten partikularen Identit&#228;ten gebrochen haben, gebildet worden ist, eine Gemeinschaft, die schlichtweg das Zusammensein ohne &#8222;Pr&#228;dikate&#8220; oder Zugeh&#246;rigkeitsbedingungen geniesst&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;[W]as der Staat keinesfalls dulden kann [ist], dass Singularit&#228;ten eine (...)&#034; id=&#034;nh6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Agamben und &lt;i&gt;Tiqqun&lt;/i&gt; behaupten (richtigerweise), dass uns Identit&#228;ten wie Rasse, Gender und Nationalit&#228;t zum Zwecke der sozialen Kontrolle auferlegt werden. Es ist wichtig, die Auferzwingung der Identifikation mit gesellschaftlich konstruierten Identit&#228;ten durch den Staat zu bek&#228;mpfen, obwohl sie wesentliche Teile unserer individuellen Pers&#246;nlichkeiten sind. Die Autoren gehen in eine falsche Richtung, als das sie dazu bringt, &#8222;auf jede Identit&#228;t [zu verzichten]&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 80.&#034; id=&#034;nh7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Zwar streben wir auch danach, alle gesellschaftlich konstruierten Identit&#228;ten zu beenden, doch dies ist nicht m&#246;glich, wenn jene institutionellen M&#228;chte, welche sie erschaffen haben und aufrechterhalten, immer noch intakt sind. Die Weigerung, zu ber&#252;cksichtigen, wie unsere jeweiligen gesellschaftlichen Stellungen uns unter Umst&#228;nden, unbeabsichtigt oder nicht, dazu bringen, Aspekte struktureller Herrschaft, die wir vermeintlich bek&#228;mpfen, zu reproduzieren, hilft uns nicht dabei, sie zu &#252;berwinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Haltungen von Appellisten gegen&#252;ber Identit&#228;ten wie Rasse und Gender sind sehr verschieden. Viele Appellisten und ihnen nahestehende Theoretiker &#252;bergehen Rasse &#252;berhaupt nicht und sind in der Tat sehr lautstark bez&#252;glich ihrer Wichtigkeit &#8211; aber auf eine Art und Weise, die rassialisierte Bev&#246;lkerungen, &#252;ber die sie diskutieren, f&#252;r ihre eigenen Zwecke benutzt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe zum Beispiel Shemon Salams Werk, diskutiert in Fussnote 11.&#034; id=&#034;nh8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es gibt auch den Fall von Inhabit, sie vermeiden es Rasse und Gender zu ber&#252;cksichtigen, aber pochen auf Klasse als Bezugsrahmen, wie wir es weiter unten in dieser Sektion diskutieren werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Ill Will Editions&lt;/i&gt;, ein Blog aus den USA mit mehreren Konten auf den sozialen Medien, ver&#246;ffentlicht Essays von einer breiten Auswahl an Autoren, die diese verschiedenen und manchmal widerspr&#252;chlichen Standpunkte zu Rasse und gesellschaftlicher Stellung aufzeigen. Eine Gemeinsamkeit, die man jedoch in vielen dieser Essays und ihrer Posts in den sozialen Medien beobachten kann, ist die Tendenz, K&#228;mpfe anderer Leute zu romantisieren und ihren politischen Bezugsrahmen auf sie zu projizieren. H&#228;ufig nimmt man auch das Verlangen nach einer &#220;berwindung von Rasse entlang der Linien von Agambens (weiter oben beschriebenem) Ansatz wahr, trotz der Realit&#228;t ihrer kontinuierlichen Existenz als zentrale formgebende Kraft in den USA.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Romantisierung und Projektion ist offensichtlich in den Kommentaren zu Aktivit&#228;ten von Subkulturen, wovon der Autor klar nicht Teil ist (zum Beispiel den Essay, den &lt;i&gt;Ill Will&lt;/i&gt; zu Auto-Rowdies ver&#246;ffentlichte). Sie behandelt die Beteiligten oft wie heroische Erneuerer, welche die neuesten Taktiken f&#252;r den kommenden Aufstand entwickeln. Diese Kommentare sind anmassend und f&#252;hlen sich stark wie anthropologische Studien an. W&#228;hrend die Appellisten eine Identit&#228;t (jene des Partisanen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Partisan: Angeh&#246;riger oder Sympathisant einer Partei oder Fraktion.&#034; id=&#034;nh9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) auf anonyme Gesetzesbrecher projizieren, k&#246;nnen Anarchisten von anderen Rebellen lernen, ohne es n&#246;tig zu haben, sie zu etikettieren oder ihre Aktionen innerhalb unserer eigenen Strategie lesbar zu machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Verlangen nach Herabsetzung der Wichtigkeit von Unterschieden bez&#252;glich Rasse in den verschiedenen K&#228;mpfen kann in der Tendenz vieler appellistischen Autoren zur Unterordnung von Rasse unter Klasse in einem Argument f&#252;r Einheit erkannt werden. Es ist offensichtlich im Essay von Inhabit &#8222;Kenosha, I Do Mind Dying&#8220;, ver&#246;ffentlicht auf &lt;i&gt;Ill Will&lt;/i&gt; 2021. Der Autor versucht w&#228;hrend des gesamten Textes, die Krawalle 2020 f&#252;r schwarze Leben auf den Klassenkampf zur&#252;ckzuf&#252;hren, er ordnet die Bedeutung von Rasse jener von Klasse immer wieder unter, doch den Kern davon erreichen wir mit der Diskussion &#252;ber Kyle Rittenhouse und dem Begriff von &#8222;Brudermord&#8220; des Autors.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;In uns allen schlummert eine erschreckende Wut, eine F&#228;higkeit zur Gewalt, die sowohl durch &#8218;legitime&#8216; Kan&#228;le wie Bullen und Milit&#228;r als auch durch illegale wie Gangs und Milizen zum Ausdruck kommt. Es ist kein Zufall, dass die andere Seite dieser F&#228;higkeit zur Gewalt das br&#252;derliche Prinzip ist, auf ihm basieren all diese Organisationen. Der Wunsch nach Zugeh&#246;rigkeit und Gemeinschaft ist im Kern der wahre Treiber dieser Gewalt: Leute sind bereit, zu t&#246;ten, um sich zugeh&#246;rig zu f&#252;hlen [&#8230;] Kyle Rittenhouse repr&#228;sentiert den Ausdruck dieser suburbanen Verzweiflung durch die widerw&#228;rtige Fiktion des Kulturkampfes.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#220;berh&#246;hung kultureller Unterschiede als politisch &#8211; oder gar ethnisch &#8211; ist vorteilhaft f&#252;r die Eliten, denn, sollte Amerika mit dem durch sie ausgel&#246;sten Verderben zurechtkommen, k&#246;nnten diese Hunderte von Millionen Schusswaffen wom&#246;glich neue Ziele finden. Sie w&#252;rden es bevorzugen, dass wir einen Brudermord begehen, denn ein B&#252;rgerkrieg zwischen links und rechts ist viel einfacher zu verwalten als die M&#246;glichkeit, dass wir unter Umst&#228;nden ihre Zivilisation im Endstadium verlassen k&#246;nnten und unsere Arbeit gleich mitnehmen w&#252;rden.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hier &#252;bersieht der Autor einige zentrale strukturelle Dynamiken, scheinbar um zugunsten einer Art Einheit mit Leuten auf der Rechten mit einer &#228;hnlichen Klassenposition zu argumentieren. Im ersten Absatz diskutiert der Autor die Exekutionen von Schwarzen durch die Polizei sowie den Mord an Black-Lives-Matter-Demonstranten durch Rittenhouse so, als ob sie das Gleiche w&#228;ren wie die Gewalt von Gangs unter den &#228;rmsten und rassistisch am meisten unterdr&#252;ckten Bev&#246;lkerungen im Land. All diese Beispiele von Gewalt, so deutet es der Autor an, seien schlichtweg durch einen Wunsch nach &#8222;Zugeh&#246;rigkeit und Gemeinschaft&#8220; motiviert. Das bedingt, dass er die komplett verschiedenen Umst&#228;nde diesbez&#252;glich &#252;bersieht, zum Beispiel, dass die Polizei (und die Polizeigewalt) zum Schutze der staatlichen Kontrolle &#252;ber seine Bev&#246;lkerung existieren und, genau wie Rittenhouses Morde, zur Aufrechterhaltung eines Regimes sowohl rassistischer als auch wirtschaftlicher Unterordnung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Am Ende des Tages, so wird angedeutet, seien wir alle Br&#252;der und unser B&#252;rgerkrieg zwischen links und rechts ist etwas, dass wir &#252;berwinden sollten, damit wir gemeinsam den Kapitalismus zu Fall bringen k&#246;nnen. Dieser Essay artikuliert eine Vision einer Einheit zwischen links und rechts, die in appellistischen Medien h&#228;ufig wiederkehrt; jemand aus dem Umfeld der Vitalist International stellte zum Beispiel beil&#228;ufig eine Gadsden-Flagge in einem sehr kuriosen Solidarit&#228;tsvideo zur Schau, das an jene gerichtet war, welche in Hongkong k&#228;mpften. Die VI tweetete auch Folgendes &#252;ber einen von Patriot Prayer am Kapitol von Oregon State in den Wochen vor dem 6. Januar 2021: &#8222;Da Demonstranten sich Scharm&#252;tzel mit der Polizei liefern, um am Kapitol eine autonome Zone zu errichten, k&#246;nnte die Polarisierung von links und rechts hin zu oben und unten umschwenken [&#8230;] K&#246;nnen &#8218;Patrioten&#8216; die Identit&#228;tspolitik hinter sich lassen und gemeinsame Sache mit anderen ausgebeuteten Leuten machen?&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist interessant, hier den Gebrauch des Begriffes &#8222;Identit&#228;tspolitik&#8220; zu unterstreichen. Es k&#246;nnte auch ein Zitat vom Anf&#252;hrer von Patriot Prayer Joey Gibson sein, der 2018, als er danach gefragt wurde, sein Verh&#228;ltnis zu weissen Nationalisten zu erkl&#228;ren, sagte: &#8222;Ich w&#252;rde das Gleiche zu ihnen sagen wie zu jeglicher schwarzen oder mexikanischen nationalistischen Gruppe, wir m&#252;ssen die politische Identit&#228;t hinter uns lassen und uns auf den Kern konzentrieren.&#8220; Argumentiert die VI wie Gibson, dass weisser Nationalismus nur eine weitere Spielart von Identit&#228;tspolitik ist? Gewisses linkes Engagement mit Fragen der Identit&#228;t muss aus anarchistischer Sicht nat&#252;rlich heftig kritisiert werden, aber wenn man keinen Unterschied zwischen weissem Nationalismus und linker Identit&#228;tspolitik erkennen kann, hat man definitiv einige wichtige Details zur Funktionsweise von Rasse und Macht in Amerika &#252;bersehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vielleicht ist die VI tats&#228;chlich verwirrt aufgrund von Gibsons Behauptungen, Patriot Prayer sei bloss eine Gruppe, die sich f&#252;r &#8222;Liebe und Frieden&#8220;, &#8222;Freiheit&#8220; und Jesus einsetze, doch die Verbindungen zwischen Patriot Prayer und expliziter faschistischen Gruppen ist alles andere als ein Geheimnis. Lange vor der Kundgebung 2020 vor dem Kapitol von Oregon State haben Antifaschisten ausf&#252;hrlich dokumentiert, wie Patriot Prayer Anh&#228;nger der weissen Vorherrschaft und Neonazis in ihren R&#228;ngen willkommen heisst. Hinzu kommt, dass das appellistische Bed&#252;rfnis, jedem gesellschaftlichen Konflikt ihre eigenen Ideen aufzudr&#252;cken (z.B. die Beschreibung des Krawalls am Kapitol von Oregon State als &#8222;eine autonome Zone am Kapitol&#8220;) zu einigen st&#246;renden Auslassungen hinsichtlich der tats&#228;chlichen Dynamiken vor Ort f&#252;hrt. Weit davon entfernt, antistaatliche Rebellen zu sein, sind Gibson und seine Gruppe Patriot Prayer eher regelm&#228;ssige Kollaborateure lokaler Polizeibeh&#246;rden. Sie sind bekannt daf&#252;r, Informationen &#252;ber Antifaschisten der Polizei von Portland zukommen zu lassen und Antifaschisten physisch den Bullen der Aufstandsbek&#228;mpfung w&#228;hrend Kundgebungen von Patriot Prayer zu &#252;bergeben. Dass &#8222;Patrioten&#8220; und die Polizei auch wiederholt aneinandergeraten sind, &#228;ndert nichts an der Tatsache, dass das Projekt ersterer schlichtweg die Verteidigung einer anderen (faschistischeren) Vision des Staates ist, und nicht eine Infragestellung der Staatsgewalt. W&#228;hrend der blutigen Geschichte des 20. Jahrhunderts k&#228;mpften die Faschisten auf der Strasse h&#228;ufig gegen die Polizei. Das hat aus ihnen nie unsere Freunde gemacht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Anderswo bezogen sich Appellisten auf Gef&#252;hle, die, falls nichts rechtsaussen, so zumindest Markenzeichen des amerikanischen Patriotismus sind. In Ill Wills &#8222;The Next Eclipse&#8220; steht, dass &#8222;Amerika &#8211; obwohl voller M&#228;ngel und unvollst&#228;ndig verwirklicht &#8211; untrennbar von einer inspirierenden Vision menschlichen Fortschritts war&#8220;. Mitglieder des Kollektivs Woodbine hielten es 2012 f&#252;r angebracht, amerikanische Flaggen an einen Protest nach dem Mord an Trayvon Martin mitzubringen. Woodbine flirtete auch mit dem Dritten Weg in ihrem Text &#8222;Nomos of the Earth&#8220; (2014), wo sie die Theorien des Nazijuristen Carl Schmitt als zentralen Bezugspunkt ohne jegliche kritische Distanz benutzten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend der Kapitalismus freilich von rassistischen und kulturellen Spaltungen innerhalb wirtschaftlich unterdr&#252;ckter Klassen profitiert, ist die Idee, dass Rassismus &lt;i&gt;nur&lt;/i&gt; als Werkzeug des Kapitalismus existiert, heutzutage weitgehend &#252;berholt und anst&#246;ssig. Kommen wir zur&#252;ck auf &#8222;Kenosha, I Do Mind Dying&#8220;, der Autor dieses Texts vermeidet es von Klasse im traditionell kommunistischen Sinne zu sprechen, stattdessen benutzt er den Begriff &#8222;die Eliten&#8220;, womit letztendlich eine alte Idee wieder aufgew&#228;rmt wird. Die Weigerung jener von uns, welche gegen alle Unterdr&#252;ckung und f&#252;r totale Befreiung k&#228;mpfen, Leute wie Rittenhouse als &#8222;Br&#252;der&#8220; zu betrachten, ist nicht nur ein historischer Fehler, der die potenzielle Vereinigung der Arbeiterklasse vereitelt hat. Wir sollten aus Prinzip nicht mit Rassisten sympathisieren, doch sogar, wenn wir strategisch denken, waren rassistische B&#252;rgerwehren stets ein fester Bestandteil der Aufrechterhaltung dieses Landes, das wir zu zerst&#246;ren versuchen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Appellismus hat einige sehr starke populistische Untert&#246;ne; wie wir gesehen haben, ist seine Obsession, zu &#8222;normalen&#8220; Leuten zu sprechen, gleichbedeutend mit der &#220;bernahme der Sprache des Liberalismus, des Patriotismus oder der reaktion&#228;ren Rechten. Gleichzeitig k&#246;nnen fast alle und alles Teil der Imagin&#228;ren Partei sein. Dies f&#252;hrt zu einer unkritischen Unterst&#252;tzung f&#252;r eine Reihe von populistischen Bewegungen, w&#228;hrend ihre reaktion&#228;ren Elemente sch&#246;ngeredet werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man betrachte zum Beispiel einen anderen Text von Woodbine &#252;ber die Maidan-Bewegung in der Ukraine 2014:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;In seiner sonderlichen tarngrau und eisblau gef&#228;rbten Tonalit&#228;t ist der Maidan bloss die j&#252;ngste Ausf&#252;hrung dessen, was wir in den letzten Jahre gesehen und wovon wir Teil waren, es manifestiert sich in verschiedenen Sprachen, an verschiedenen Orten [&#8230;] In Anbetracht dieser unglaublich Sequenz von Aufst&#228;nden verfehlt die Frage &#8218;Wer sind die Aufst&#228;ndischen? Sind es die Arbeiter, nein, es ist die Mittelklasse, die Armen, halt, wo sind die Armen? Die Weissen, die Schwarzen, nein, halt, wo sind die schwarzen Leute?&#8216; das Thema g&#228;nzlich, sie behandelt eine Situation als ein Objekt, das beurteilt werden muss, lebendige Wesen als eine Masse von Subjekten [&#8230;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was sich heute weltweit entfaltet &#8211; was man in den Augen des jungen Mannes sieht, der gerade vom Maidan zur&#252;ckgekommen ist, im Grinsen mitten im Tr&#228;nengas, das den Taksim-Platz Nacht f&#252;r Nacht gef&#252;llt hat, in den Fussballvereinen, die Kairo verteidigen, in dir oder mir im Zucotti Park um vier Uhr morgens, im Jugendlichen, den wir dort, da er es auf Reddit gesehen hat und einfach gehen musste, auf dem Weg zur Verteidigung des Parks getroffen haben, in diesen Frauen, die dem Begriff Cocktailparty eine g&#228;nzlich neue Bedeutung geben &#8211; das ist absolut einzigartig. Somit historisch. Somit allt&#228;glich.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Woodbine, &#8222;The Anthropocene&#8220; in Short Circuit. A Counterlogistics Reader, 2015.&#034; id=&#034;nh10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sowohl der Maidan als auch Occupy waren komplizierte und h&#228;ufig widerspr&#252;chliche Momente gesellschaftlicher Aufruhr. Jede Bewegung erhielt mehr oder weniger sowohl emanzipatorische als auch reaktion&#228;re Interventionen und Einfl&#252;sse. Wir k&#246;nnen begeistert sein vom heftigen Widerstand der Demonstranten auf dem Maidan gegen massive staatliche Gewalt oder von den neuen M&#246;glichkeiten f&#252;r die Selbstorganisation und den Angriff, die in einigen Gefilden der amerikanischen Occupy-Bewegung ausgearbeitet worden sind, doch es w&#228;re verantwortungslos, nicht auch die in beiden Bewegungen pr&#228;senten reaktion&#228;ren Elemente zu untersuchen. Die Beteiligung der Neonazis an der Maidan-Bewegung oder die tendenziell nebul&#246;se Rhetorik Occupys gegen die Eliten, um &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/right-hand-occupy-wall-street-libertarians-nazis-fact-and-fiction-right-wing-involvement&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Elemente der Reaktion und der &#228;usseren Rechten&lt;/a&gt; anzuziehen, sollten nicht nur st&#246;rend sein, sondern uns auch dazu motivieren, anarchistische Visionen der Freiheit, die solchen Feinden keinen Platz lassen, zu artikulieren und gem&#228;ss ihnen zu handeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Leider scheinen die Appellisten selten an dieser Art der kritischen Beteiligung an gesellschaftlichen K&#228;mpfen interessiert zu sein. F&#252;r sie &#8222;verfehlt&#8220; so etwas &#8222;das Thema g&#228;nzlich&#8220;. Der gleiche populistische Impuls, alles und alle unter ihre Commons, ihrer wie auch immer gearteten Singularit&#228;t oder ihrer Partei zu subsumieren, f&#252;hrt nicht nur zu einer Ausl&#246;schung der gesellschaftlichen Stellung, sondern auch einer Gleichg&#252;ltigkeit gegen&#252;ber bedeutenden politischen Unterschieden. Jene von uns, welche den rassischen Kapitalismus und die Klassengesellschaft vollst&#228;ndig zerst&#246;ren wollen, und die Faschisten, welche uns lieber tot sehen m&#246;chten, haben nichts gemeinsam.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein weiteres Beispiel der unbefriedigenden Art und Weise, wie sich Appellisten und viele ihrer kommunistischen Gef&#228;hrten auf die gesellschaftliche Stellung in den USA beziehen, ist der Begriff der &#8222;Partei von George Floyd &#8211; die Zusammensetzung, die sich im Aufstand 2020 manifestierte&#8220;, der die Organisation Spirit of May 28 j&#252;ngst popul&#228;r zu machen versuchte. Die Organisation, die sich in der Zwischenzeit aufgel&#246;st hat, benutzte den Namen eines schwarzen Mannes, der von der Polizei ermordet worden ist, als Markenzeichen ihrer Partei und etikettierte den darauf folgenden Aufstand als ein Beispiel ihres eigenen pr&#228;existierenden Bezugsrahmens, statt zu versuchen, die Bewegung f&#252;r schwarze Leben und gegen die Polizei in ihren eigenen Begriffen zu verstehen. Die Schriften der Organisation suggerieren, dass ihre Mitglieder von armen und schwarzen Bev&#246;lkerungen erwarten, in den USA eine neue &#8222;revolution&#228;re &#214;ffnung&#8220; anzubieten, eine Erwartung, die daf&#252;r bestimmt ist, noch mehr rassistisch aufgeladenes Ressentiment und Entt&#228;uschung zu verursachen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Mitbegr&#252;nder Shemon Salam ver&#246;ffentlichte j&#252;ngst einen &#246;ffentlichen (...)&#034; id=&#034;nh11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Praxis: Zwischen Vereinnahmung und Autoritarismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Appellisten sind h&#228;ufig in die gleichen K&#228;mpfe oder Szenen involviert wie Anarchisten, aber ihre Praktiken sind inkompatibel mit dem Anarchismus. Es ist nicht unser Ziel, alle, die unter Umst&#228;nden von ihren Ideen beeinflusst sein k&#246;nnten, als Appellisten zu etikettieren, sondern eher jene zu kritisieren, welche wie verdeckte Politiker agieren und gem&#228;ss der uralten Logik operieren, wonach der Zweck die Mittel heiligt. Wir beziehen uns hier auf jene, welche einem das erz&#228;hlen, was sie glauben, dass man es h&#246;ren will, dann weitergehen oder sehr vage werden, wenn die Diskussion beginnt, zu stark anarchistische Ideen zu ber&#252;hren, womit ihre Entfernung von anarchistischen Prinzipien f&#252;r viele Leute zuerst nicht leicht bemerkbar ist. Basierend auf unserer Erfahrung betrachten die Appellisten Anarchisten in den meisten F&#228;llen ver&#228;chtlich als naiv und schauen auf sie herab&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wie es ein Interviewter von SM28 formulierte: &#8222;Ich denke, der Anarchismus (...)&#034; id=&#034;nh12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, sie bezeichnen die Zusammenarbeit mit ihnen als eine ihrer vielen &#8222;unheiligen Allianzen&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Anarchismus ist f&#252;r den appellistischen Mythos zentral. Der Appellismus pr&#228;sentiert sich selbst als die logische Entwicklung des Anarchismus, den sie als jugendliches Sprungbrett f&#252;r ihre reiferen strategischen Schlussfolgerungen betrachten. Die Geschichte geht etwa so: Wir versuchten den Anarchismus, bis es klar wurde, dass er nicht &#8222;funktioniert&#8220;, d.h. uns nicht zu jener Art von Sieg f&#252;hrt, welche sich die Appellisten zu eigen gemacht haben. Dieses Narrativ zieht Leute an, h&#228;ufig mit akademischem und aktivistischem Hintergrund, die bereit sind, Kompromisse einzugehen, um Resultate zu erzielen. Im Text &#8222;How to Start a Fire&#8220; erkl&#228;ren die Autoren, dass sie, nach vier Jahren gemeinsamem &#8222;Machtaufbau&#8220;, erkannt haben, dass &#8222;die uns angebotenen politischen Identit&#228;ten &#8211; Anarchist, Umweltaktivist, Marxist, Sozialist &#8211; f&#252;r einen &#252;berholten historischen Moment konstruiert worden sind. W&#228;hrend Jahrzehnten haben sie sich nicht die Mittel gegeben, um tats&#228;chlich zu k&#228;mpfen. Wir lassen jenen Tross, welcher uns geschw&#228;cht hat und eine B&#252;rde war, hinter uns, aber halten an dem fest, was uns Kraft gegeben hat.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Appellisten reduzieren den Anarchismus, manchmal explizit und manchmal eher subtil, auf eine blosse zus&#228;tzliche beschwerliche &#8222;Identit&#228;t&#8220;, die nur zu &#8222;Ohnmacht&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ein Zitat von &#8222;&#8218;Gegen&#8216; den Anarchismus: Ein Beitrag zur Debatte &#252;ber (...)&#034; id=&#034;nh13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und &#8222;Purismus&#8220; f&#252;hren kann, ein Hindernis f&#252;r eine wirksame Strategie. Diese theoretische Gymnastik ist notwendig, um die f&#252;r anarchistische Perspektiven grundlegende Ethik hinter sich zu lassen. Ohne den &#8222;Tross&#8220; einer &#8222;Identit&#228;t&#8220; sind sie frei, mit den Massenmedien zu sprechen, als Protestordner (Atlanta) zu agieren, die Spitze der Gentrifizierung von Ridgewood (NY) mit einem Yuppie-Kaffelokal zu bilden, konfrontative K&#228;mpfe in Verhandlungen mit dem Staat zu kanalisieren, sich hierarchisch zu organisieren oder f&#252;r den Stadtrat zu kandidieren wie der Autor von Ill Will Nicholas Smaligo&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Bloss einige abscheuliche Dinge, welche die Autoren bei Appellisten in (...)&#034; id=&#034;nh14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Man weiss auch von Anarchisten, die einige solche Dinge getan haben, deshalb geht es in diesem Text nicht nur um Appellismus, sondern auch um die Entwicklung ehrlicherer und koh&#228;renterer Praktiken als Anarchisten. Es gibt einen grossen Unterschied zwischen dem vehementen Festhalten an der M&#246;glichkeit der Autonomie und dem Schwenken des Anarchismus als eine &#8222;identit&#228;re Fahne im Markt der revolution&#228;ren Prozesse&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;&#8218;Gegen&#8216; den Anarchismus: Ein Beitrag zur Debatte &#252;ber Identit&#228;ten&#8220;.&#034; id=&#034;nh15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Wirklichkeit sind die einzigen wertvollen Erkenntnisse, die in den appellistischen Schriften zerstreut sind, wie das Blut der Vampire von der anarchistischen Tradition ausgesaugt: informelle Organisation, Autonomie, Betonung auf der Logistik und den Infrastrukturen der Herrschaft usw. Im ersten Teil diskutierten wir dar&#252;ber, wie der appellistische Fokus auf dem Aufbau von Infrastruktur, etwas, das auf den ersten Blick scheinbar unseren Zielen &#228;hnelt, in Tat und Wahrheit dazu tendiert, bestehende, f&#252;r das kontinuierliche Funktionieren des Staates grundlegende rassistische und koloniale Beziehungen zu Land und Orten zu st&#228;rken. Dar&#252;ber hinaus tendiert der appellistische Ansatz dazu, sich vom Horizontalismus anarchistischer Praktiken wie gegenseitiger Hilfe zu entfernen. W&#228;hrend Projekte gegenseitiger Hilfe zum Ziel haben, Ressourcen als Teil des Aufbaus vertrauensvoller Beziehungen im Verlauf eines gemeinsamen Kampfes zu teilen, tendieren Appellisten dazu, materielle Ressourcen und den Zugang zu ihnen in den H&#228;nden eines Individuums oder einer Gruppe zu konzentrieren. Damit verschaffen sie sich eine Position als T&#252;rh&#252;ter materieller Ressourcen, um ihre eigene dominante Stellung in Schl&#252;sselmomenten gesellschaftlicher K&#228;mpfe zu garantieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Appellisten streben auch nach Macht und Kontrolle durch die Identifikation von Anf&#252;hrern und jenen in Machtpositionen in liberalen Nichtregierungs- und legalistischen Organisationen und der unsichtbaren Organisation mit ihnen, d.h. unter Anf&#252;hrern (eine Methode, die durch die Theorie der Zusammensetzung gerechtfertigt wird). Indem sie diese Verbindungen auf R&#228;ume beschr&#228;nken, wo sie die gesellschaftliche, politische und Entscheidungsmacht innehaben, benutzen Appellisten diese R&#228;ume scheinbar horizontaler Begegnung, um ihr Programm zu best&#228;tigen und ihre Macht zu vergr&#246;ssern, w&#228;hrend sie jegliche R&#228;ume der Entscheidungsfindung delegitimieren, wo sie nicht die Macht haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieses Streben nach Macht bedeutet auch, dass viele ihrer Praktiken von optischer Symbolik angetrieben werden, einem Bed&#252;rfnis, den Kampf den Medien und &#8222;der &#214;ffentlichkeit&#8220; als legitim und/oder spektakul&#228;r zu pr&#228;sentieren. Das ist teilweise der Tatsache geschuldet, dass die Strategie der Zusammensetzung die Rekrutierung einer grossen Anzahl Leute impliziert, doch es suggeriert uns auch, dass ihr Verlangen nach Macht dazu f&#252;hrt, dass sie bez&#252;glich gewisser Prinzipien &#252;berm&#228;ssig kompromissbereit sind. Dieses Interesse an optischer Symbolik und &#246;ffentlicher Legitimit&#228;t f&#252;hrt h&#228;ufig dazu, dass sie sich weit vom Projekt des Aufbaus von Autonomie gegen&#252;ber den gesellschaftlichen Herrschaftsinstrumenten (wozu die Medien und die Spektakularisierung von K&#228;mpfen geh&#246;ren) entfernen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Frankreich spitzte sich diese Inkompatibilit&#228;t zwischen dem anarchistischen Streben nach Autonomie und dem appellistischen Verlangen nach Macht und Legitimit&#228;t w&#228;hrend einem kritischen Moment im Kampf um die Verteidigung des als ZAD (&#8222;zu verteidigende Zone&#8220;) von Notre-Dame-des-Landes bekannten Territoriums zu. In diesem Fall agierten die Appellisten hinter dem R&#252;cken anderer Verteidiger der ZAD, dr&#228;ngten auf einem Deal mit dem Staat, um legal Land zu erwerben, und machten die Arbeit der Bullen an seiner Stelle, indem sie die Verteidigungseinrichtungen der Zone selbst als eine Geste des Vertrauens abbauten, um den Weg f&#252;r Verhandlungen zu &#246;ffnen (und gleichzeitig f&#252;r die Polizei die Strasse freizumachen, damit sie das Territorium &#252;berfallen konnte, was sie auch in den folgenden Tagen tat). Wie wird es in den USA aussehen, jetzt, wo die Appellisten, welche den Ausgang der ZAD als &#8222;Sieg&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Hugh Farrell, &#8222;The Strategy of Composition&#8220;, 2023. Wir wollen nicht zu den (...)&#034; id=&#034;nh16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; verk&#252;nden, bekanntermassen pr&#228;sent sind in einigen bedeutenden, breiten K&#228;mpfen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie wir in diesem Teil diskutiert haben, werden appellistische Ideen implementiert durch ein breites Spektrum an autorit&#228;ren Verhaltensweisen und verdeckt hierarchischen gesellschaftlichen Abmachungen, die sie vor Kritik sch&#252;tzen und die ideologische Grundlage verschleiern, auf welcher sie operieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Einige dieser Verhaltensweisen werden sehr gut in einem Interview mit dem (...)&#034; id=&#034;nh17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Idee der &#8222;Undurchsichtigkeit&#8220; wird typischerweise als eine Fetischisierung der Normativit&#228;t und Respektabilit&#228;t umgesetzt, das Resultat davon sind R&#228;ume, wo gesellschaftliche Normen wie Frauenfeindlichkeit und Missbrauch ungehindert fortbestehen k&#246;nnen. Diese Verhaltensweisen beschr&#228;nken sich nicht auf Appellisten, sondern sie werden von Manipulatoren und Managern aller Couleur reproduziert. Das spezifische Wesen des appellistischen Autoritarismus, der nach aussen subtil ist, aber explizit entwickelt wird, macht sie jedoch besonders erfolgreich im Einschmuggeln solcher Verhaltensweisen und Abmachungen in antiautorit&#228;re R&#228;ume.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der relative Mangel an (j&#252;ngerer) anarchistischer Analyse in den USA hat eine L&#252;cke ge&#246;ffnet, welche die Appellisten schnell gef&#252;llt haben. Wir denken, dass es wichtig f&#252;r uns ist, keine appellistischen Schriften neu zu ver&#246;ffentlichen oder zu verteilen (ausser mit der Absicht, sie kritisch zu analysieren) oder zu ihren Projekten beizutragen, damit ihnen keine zus&#228;tzliche Legitimit&#228;t gegeben wird oder sie nicht weiterhin in anarchistischen R&#228;umen rekrutieren k&#246;nnen. H&#228;ufig scheinen Leute, mit denen wir gesprochen haben und die appellistische Texte verteilen oder lesen, die Theorie zu sch&#228;tzen, ohne notwendigerweise die damit verbundenen Praktiken zu bef&#252;rworten. Wir m&#246;chten die Leute dazu ermutigen, die von Autoren aus Analysen gegenw&#228;rtiger Situationen gezogenen Schlussfolgerungen und die praktischen Implikationen derselben aufmerksam zu betrachten. Man braucht keine gl&#228;nzende Homepage, um Schriften zu ver&#246;ffentlichen, und Anarchisten sollten ihre eigene Infrastruktur f&#252;r Druck und Vertrieb aufbauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Stattdessen...&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Anarchistische Ideen k&#246;nnen nicht durch ein einfaches Programm in die Praxis umgesetzt werden, doch das ist Teil dessen, was wichtig ist bez&#252;glich Anarchie. Anarchie ist eher eine Reihe von Fragen, die wir durch unsere allt&#228;gliche Leben und unsere K&#228;mpfe gegen Autorit&#228;t und Unterdr&#252;ckung tragen &#8211; das wird h&#228;ufig &#8222;Projektualit&#228;t&#8220; genannt, im Gegensatz zu &#8222;Strategie&#8220;, denn Strategie ist ein Begriff, auf den man sich h&#228;ufig beruft, um die Notwendigkeit zu bezeichnen, die Mittel f&#252;r den Zweck zu opfern oder die Aktionen anderer Leute zu manipulieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Der wesentliche Unterschied zwischen einer Einfluss nehmenden, aufst&#228;ndischen Minderheit und einer Avantgarde- oder populistischen Gruppe ist, dass die erstere ihre Prinzipien und horizontalen Beziehungen zur Gesellschaft wertsch&#228;tzt und versucht, ihre Prinzipien und Modelle zu verbreiten, ohne sie als Besitzstand zu wahren. Eine Avantgarde hingegen versucht, diese zu kontrollieren &#8211; sei es durch Zwang, Charisma oder das Verbergen ihrer wahren Ziele. Eine populistische Gruppe bietet einfache L&#246;sungen und n&#228;hrt aus Angst vor Isolation die Vorurteile der Massen [&#8230;] Die Einfluss nehmende Minderheit wirkt durch Resonanz, nicht durch Kontrollen. Sie nimmt Risiken auf sich, um inspirierende Modelle und neue M&#246;glichkeiten zu schaffen und um bequeme L&#252;gen zu kritisieren. Sie genie&#223;t keine wesenhafte &#220;berlegenheit, und auf die Annahme einer solchen zur&#252;ckzufallen, w&#252;rde zu ihrer Isolation und Irrelevanz f&#252;hren. Wenn ihre Sch&#246;pfungen oder Kritiken niemand inspirieren, wird sie keinen Einfluss haben. Ihr Zweck ist nicht, Anh&#228;nger zu gewinnen, sondern soziale Gaben zu schaffen, die andere Menschen frei nutzen k&#246;nnen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Die Feuerrose ist zur&#252;ckgekehrt! Der Kampf um die Strassen von (...)&#034; id=&#034;nh18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine derartige Betrachtung unserer Projekte ist viel schwieriger, aber sie gibt uns die Werkzeuge, um kritisch zu denken und f&#252;r uns selbst zu handeln. Individuen und Kollektive, die sich auf diese Art und Weise selbst erm&#228;chtigen, sind zentral f&#252;r den letztendlichen Erfolg des anarchistischen Projekts, das von der F&#228;higkeit der Leute abh&#228;ngt, nuanciert und kritisch zu denken. Es erlaubt eine pr&#228;zisere Einsch&#228;tzung der Welt um uns herum und unserer Rolle darin, was viel wirksamer ist, als die Besch&#246;nigung gewisser Realit&#228;ten, um die Welt weniger verwirrend zu machen und einfachere Handlungsm&#246;glichkeiten zu finden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige Fragen, die wir uns selbst stellen k&#246;nnten, w&#228;hrend wir unsere Opposition gegen Autorit&#228;t in all ihren Formen im Ged&#228;chtnis behalten, sind folgende:&lt;/p&gt;
&lt;ul class=&#034;spip&#034;&gt;&lt;li&gt;Wie stellen wir uns die potenzielle Wirkung unserer Projekte vor? Inwiefern bewegt sich mein bestimmtes Projekt in Richtung Anarchie, Aufstand und kollektiver Befreiung?&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Wie k&#246;nnen wir Praktiken der F&#252;rsorge, Beziehungen und Kollektive entwickeln, die uns St&#228;rke in unseren Differenzen finden lassen, statt nach Gemeinsamkeit durch falsche Homogenit&#228;t zu streben?&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Welche Projekte und Beziehungen k&#246;nnen wir aufbauen, die rassialisierte und subkulturelle Spaltungen zwischen verschiedenen aufst&#228;ndischen Gruppen unterminieren, w&#228;hrend wir trotzdem rassistische und andere fortbestehende unterdr&#252;ckende Dynamiken ber&#252;cksichtigen?&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Wie sieht es aus, wenn man auf Momente jenseits des Aufstands ausgerichtet ist, wenn es nicht mehr um die Verteidigung der Barrikade, sondern um ihren Nachschub geht? Wie beeinflusst die Vorbereitung auf diese Phase unseren Ansatz in der Gegenwart?&lt;br class='autobr' /&gt;
Die Struktur als &#8222;Imagin&#228;re Partei&#8220; der Appellisten bedeutet, dass jenen unten, welche die Anf&#252;hrer in dem, was sie tun, unterst&#252;tzen, faktisch nicht die gesamte Strategie anvertraut wird. W&#228;hrend diese Anf&#252;hrer unter Umst&#228;nden Respekt einfl&#246;ssendes Charisma und einen Sinn f&#252;r Organisation ausstrahlen, werden viele in ihrem Milieu auch den gleichen Frustrationen begegnen, wie sie in traditionell linken Organisationsr&#228;umen pr&#228;sent sind: Hierarchie, Mangel an Handlungsf&#228;higkeit, befremdende Normalit&#228;t, sexuelle Gewalt und andere Formen der Unterdr&#252;ckung. Genau wie Anarchisten oft versuchen, in linke Rekrutierungsanstrengungen durch die Vermittlung von Kritik an die Basis und das Aufzeigen einer Alternative durch unsere eigenen Projekte zu intervenieren, k&#246;nnen wir das gleiche mit jenen tun, welche in die Imagin&#228;re Partei eingeweiht werden. W&#228;hrend wir dazu ermutigen, autorit&#228;re Praktiken und die Macker des appellistischen Milieus abzulehnen, lassen wir es die Leser entscheiden, wie sie mit dem Rest dieser Netzwerke umgehen wollen.&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Indem wir jene Prinzipien identifizieren, die f&#252;r eine anarchistische Ethik grundlegend sind und auf dieser Grundlage mit anderen zusammenarbeiten, k&#246;nnen wir unsere K&#228;mpfe f&#252;r jene mit autorit&#228;ren Ambitionen unwirtlich machen, seien es Appellisten, Tankies oder Liberale der DSA.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Literaturverzeichnis&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://mtlcounterinfo.org/another-word-for-settle-a-response-to-rattachements-and-inhabit/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;&lt;/a&gt;&lt;a href=&#034;https://mtlcounterinfo.org/another-word-for-settle-a-response-to-rattachements-and-inhabit/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Another Word for Settle: A Response to &#8218;Rattachements&#8216; and &#8218;Inhabit&#8216;&#8220;&lt;/a&gt;, 2021 (zur appellistischen Strategie als Ausl&#228;ufer des Siedlerkolonialismus).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Decisions, Compositions, Negotiations&#8220; in &lt;a href=&#034;https://ungratefulhyenas.noblogs.org/post/2023/02/21/decomposition-for-insurrection-without-vanguards/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Decomposition: For Insurrection Without Vanguards&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, 2023 (f&#252;r einen genaueren Blick auf die Logik und die Praxis der Zusammensetzung).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://scenes.noblogs.org/post/2023/07/02/breaking-ranks-subverting-the-hierarchy-and-manipulation-behind-earth-uprisings/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Breaking Ranks: Subverting the Hierarchy and Manipulation Behind Earth Uprisings&lt;/a&gt;, 2023 (f&#252;r eine weiterf&#252;hrende Diskussion &#252;ber manipulative und avantgardistische Praktiken, die Spektakularisierung des Kampfes und die Benutzung Radikaler als Schocktruppen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://anarchistischebibliothek.org/library/finimondo-blanqui-oder-die-staatliche-insurrektion&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Blanqui oder die staatliche Insurrektion&#8220;&lt;/a&gt;, 2011 (zur Zur&#252;ckf&#252;hrung der Perspektive des autorit&#228;ren Insurrektionalismus auf ihren Ursprung).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Englischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://theanarchistlibrary.org/library/against-the-party-of-insurrection-a-look-at-appelism-in-the-us&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Formulierung &#8222;Partei des Aufstands&#8220; wird im Vorschlag 14 des Comit&#233; d'occupation de la Sorbonne en exil (2006), in &lt;i&gt;Les mouvements sont faits pour mourir&lt;/i&gt; (2007), &#8222;The Kazakh Insurrection&#8220; (Ill Will Editions, 2022), &#8222;Civil War, Dialectics, and the Possibility of Revolution&#8220; (Spirit of May 28, 2023) und &#8222;On Destituent Power&#8220; (Tronti, Ill Will Editions, 2022) benutzt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Die territoriale Autonomie, wenn sie als Strategie f&#252;r die Zerst&#246;rung des Kapitalismus und des Staates betrachtet wird, beinhaltet die langfristige Arbeit der Entwicklung von Zonen, wo Bullen nicht hingehen k&#246;nnen, wo man die Mittel zur Erhaltung und Reproduktion der dort Lebenden finden kann, wo eine grosse Gruppe engagierter und miteinander verbundener Leute jeden Alters die Mittel und das Bed&#252;rfnis hat, dieses Territorium zu verteidigen, &#252;ber Generationen hinweg. Wir k&#246;nnen dorthin schauen, wo dies schon w&#228;hrend Hunderten von Jahren gemacht worden ist, um Beispiele zu sehen: das Territorium der Wet'suwet'en, Elsipogtog, Barriere Lake, Six Nations, Tyendinaga, Kahnaw&#225;:ke und Kanehsat&#224;:ke. Nicht-indigene Gemeinschaften haben das nicht w&#228;hrend Hunderten von Jahren gemacht und bei weitem nicht &#8211; wir beginnen bei null und auch wenn die Priorisierung unserer eigenen territorialen Autonomie als ethisch erscheinen mag, w&#228;re es wahrscheinlich nicht von strategischer Bedeutung, denn Siedlergemeinschaften in einer Siedlergesellschaft stehen viel weniger in strukturellem Konflikt mit dem kolonialen System. Es macht uns nicht schw&#228;cher, den Kampf f&#252;r die territoriale Autonomie von Gemeinschaften, von denen wir nicht Teil sind, zu priorisieren. Es macht uns st&#228;rker, wenn wir dadurch Beziehungen aufbauen, die zu revolution&#228;ren Zusammenh&#228;ngen beitragen, in welchen die Ziele revolution&#228;rer Netzwerke der Siedler mit jenen antikolonialer indigener Gruppen konvergieren.&#8220; &#8222;Another Word for Settle: A Response to &#8218;Rapprochements&#8216; and &#8218;Inhabit&#8216;&#8220;, 2021.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Aus &lt;i&gt;Der kommende Aufstand&lt;/i&gt; (2007): &#8222;Sogar in den endlosen Subventionen, die viele Eltern ihrem proletarisierten Nachwuchs zu zahlen gezwungen sind, gibt es nichts, was nicht zu einer Art M&#228;zenentum f&#252;r die soziale Subversion werden k&#246;nnte.&#8220; Aus &#8222;The Next Eclipse&#8220; (2018): &#8222;Eine Kleinbrauerei oder eine Eisbude mit eigener lokaler Produktion k&#246;nnen Partisanenprojekte sein.&#8220;Aus &#8222;How to Start a Fire&#8220; (2017): &#8222;Erwerbt Eigentum. Macht ein Piratenradio. Stellt Kochherde her. Lernt kochen. Lernt Sprachen. Erwerbt Waffen. Er&#246;ffnet Food Trucks und Gesch&#228;fte. Besetzt H&#228;user. Er&#246;ffnet Caf&#233;s. Imbisse. Restaurants. Pizzabuden. Buchhandlungen [&#8230;] Das Familienhaus am See kann daf&#252;r genutzt werden, dass Hunderte f&#252;r ein sommerliches Strategietreffen dort schlafen. Langsam w&#228;chst etwas.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Der Begriff &#8222;links&#8220; kommt von der parlamentarischen Unterteilung (in europ&#228;ischen und anderen L&#228;ndern) zwischen rechts und links unter den gew&#228;hlten politischen Repr&#228;sentanten. Die Linke in den USA ist in &#228;hnlicher Weise in die Mechanismen und Perspektiven eines radikalen Fl&#252;gels einer solche Repr&#228;sentanten mit einschliessenden politischen Tendenz eingebettet. Als solche beinhaltet die Linke h&#228;ufig Allerweltsorganisationsans&#228;tze, sowie eine Tendenz, K&#228;mpfe verwalten und kontrollieren zu wollen, was letztendlich gew&#246;hnlich zu Konflikten mit den emanzipatorischeren Prinzipien des Anarchismus f&#252;hrt. Wir lehnen die Einschliessung des Anarchismus in die Linke ab, um uns klar von dieser Art von kompromittierten und verwaltenden Tendenzen zu unterscheiden.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Decisions, Compositions, Negotiations&#8220;, 2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;[W]as der Staat keinesfalls dulden kann [ist], dass Singularit&#228;ten eine Gemeinschaft bilden, ohne eine Identit&#228;t einzufordern, dass Menschen mit-angeh&#246;ren ohne eine darstellbare Bedingung der Zugeh&#246;rigkeit [&#8230;]&#8220; Giorgio Agamben, &lt;i&gt;Die kommende Gemeinschaft&lt;/i&gt; (1990), Berlin, Merve, 2003, S. 79.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 80.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe zum Beispiel Shemon Salams Werk, diskutiert in Fussnote 11.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Partisan: Angeh&#246;riger oder Sympathisant einer Partei oder Fraktion.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Woodbine, &#8222;The Anthropocene&#8220; in &lt;i&gt;Short Circuit. A Counterlogistics Reader&lt;/i&gt;, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Mitbegr&#252;nder Shemon Salam ver&#246;ffentlichte j&#252;ngst einen &#246;ffentlichen Wutanfall in Form eines Essays, &#8222;Lost in the American Wasteland&#8220;, der von der antistaatlichen kommunistischen Zeitschrift &lt;i&gt;Endnotes&lt;/i&gt; ver&#246;ffentlicht worden ist und in dem die schwarze radikale Tradition desavouiert wird, weil sie die Revolution f&#252;r ihn noch nicht gemacht hat. Siehe auch den Text von SM28 (geschrieben von Shemon und anderen) &#8222;Akron, Jayland Walker, and the Class War&#8220;, in welchem die Autoren Akron besichtigen, nachdem ein schwarzer Mann erschossen wurde, und sich dar&#252;ber beklagen, dass danach nicht mehr Leute Krawall gemacht haben.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wie es ein Interviewter von SM28 formulierte: &#8222;Ich denke, der Anarchismus ist heutzutage total verwirrt und sollte aufgegeben werden [&#8230;] Anarchismus ist hoffnungslos liberal.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ein Zitat von &#8222;&#8218;Gegen&#8216; den Anarchismus: Ein Beitrag zur Debatte &#252;ber Identit&#228;ten&#8220; (2018), ver&#246;ffentlicht auf &lt;i&gt;Lundi &lt;/i&gt;&lt;i&gt;m&lt;/i&gt;&lt;i&gt;atin&lt;/i&gt;, die Hauptplattform des Appellismus in Frankreich, dessen Inhalt von &lt;i&gt;Ill Will&lt;/i&gt; regelm&#228;ssig &#252;bersetzt und ver&#246;ffentlicht wird. Der Text theoretisiert: &#8222;Sich selbst Anarchist zu nennen oder jede andere revolution&#228;re Identit&#228;t hilft uns &#252;berhaupt nicht, es vergr&#246;ssert unser revolution&#228;res Potenzial nicht und hilft uns nicht, uns zu organisieren. Ausserdem isoliert es uns und macht uns zu einem einfachen Ziel f&#252;r Repression. Ideologische Identit&#228;ten sind S&#228;ulen, auf die sich der Feind st&#252;tzt, und es h&#228;ngt von uns ab, sie hinter uns zu lassen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Bloss einige abscheuliche Dinge, welche die Autoren bei Appellisten in Nordamerika beobachten konnten.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;&#8218;Gegen&#8216; den Anarchismus: Ein Beitrag zur Debatte &#252;ber Identit&#228;ten&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Hugh Farrell, &#8222;The Strategy of Composition&#8220;, 2023. Wir wollen nicht zu den aufgeblasenen appellistischen Ideen dar&#252;ber beitragen, welchen Einfluss ihre Theorien in K&#228;mpfen wie Stop Cop City gehabt haben sollen, deren Dynamiken vor Ort &#252;bersteigen die Intelligentsia der Zusammensetzung und k&#246;nnen nicht von ihr eingefangen werden. Wir wollen auch nicht nur das zitieren, was sie &#252;ber sich selbst sagen, da es ihrem Tun eine &#252;bertriebene Bedeutung gibt. Spirit of May 28 ist zum Beispiel gr&#246;ssenwahnsinnig bez&#252;glich des George-Floyd-Aufstands: &#8222;Keine andere politische Tendenz war f&#228;hig, im Kampf Fuss zu fassen, oder hatte viel Interessantes dar&#252;ber zu sagen. In der Vergangenheit hatten wir zum Ziel, Begegnungsr&#228;ume f&#252;r verschieden Tendenzen aufzubauen. Aber heutzutage ist es klar, dass unsere Partei alleine dasteht.&#8220; &#8222;Among Friends: Reflections After the George Floyd Uprising&#8220;, 2021.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Einige dieser Verhaltensweisen werden sehr gut in einem Interview mit dem Titel &#8222;Conflict in Movement&#8220; auf dem Final Straw Radio zusammengefasst.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Die Feuerrose ist zur&#252;ckgekehrt! Der Kampf um die Strassen von Barcelona&#8220;, 2012.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		
		<enclosure url="https://www.kommunisierung.net/IMG/pdf/appellismususa.pdf" length="119332" type="application/pdf" />
		

	</item>
<item xml:lang="de">
		<title>Roland Simon - Statistiken und Gef&#252;hle (zu den Krawallen im Juni 2023)</title>
		<link>https://www.kommunisierung.net/Roland-Simon-Statistiken-und-Gefuhle-zu-den-Krawallen-im-Juni-2023</link>
		<guid isPermaLink="true">https://www.kommunisierung.net/Roland-Simon-Statistiken-und-Gefuhle-zu-den-Krawallen-im-Juni-2023</guid>
		<dc:date>2023-07-12T09:29:10Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>


		<dc:subject>Bericht/Analyse</dc:subject>
		<dc:subject>&#220;bersetzungen</dc:subject>
		<dc:subject>Roland Simon</dc:subject>
		<dc:subject>Frankreich</dc:subject>

		<description>
&lt;p&gt;&#8222;Wenn die Statistik die Massen ergreift, wird das Gef&#252;hl zur materiellen Gewalt&#8220; (Anonym) &lt;br class='autobr' /&gt;
Es wird keine Statistiken geben. &lt;br class='autobr' /&gt;
Die Vervielfachung der Statistiken, um wie die &#8222;lokalen Volksvertreter&#8220;, die &#8222;sozialen Schlichter&#8220; zu sagen: &#8222;Wir hatten euch gewarnt, es wird knallen&#8220;, erkl&#228;rt nichts und schafft nicht die geringste Klarheit bez&#252;glich der Ereignisse: Es erkl&#228;rt weder ihre Form oder den Moment, noch ihren Inhalt oder die Ziele. Im Feuer der Aktion existieren alle objektiven und (...)&lt;/p&gt;


-
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

/ 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Bericht-Analyse" rel="tag"&gt;Bericht/Analyse&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Roland-Simon" rel="tag"&gt;Roland Simon&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Frankreich" rel="tag"&gt;Frankreich&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/marseille.webp?1689154041' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='84' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;&#8222;Wenn die Statistik die Massen ergreift, wird das Gef&#252;hl zur materiellen Gewalt&#8220; (Anonym)&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Es wird keine Statistiken geben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Vervielfachung der Statistiken, um wie die &#8222;lokalen Volksvertreter&#8220;, die &#8222;sozialen Schlichter&#8220; zu sagen: &#8222;Wir hatten euch gewarnt, es wird knallen&#8220;, erkl&#228;rt nichts und schafft nicht die geringste Klarheit bez&#252;glich der Ereignisse: Es erkl&#228;rt weder ihre Form oder den Moment, noch ihren Inhalt oder die Ziele. Im Feuer der Aktion existieren alle objektiven und &#8222;erkl&#228;renden&#8220; Gegebenheiten als Gef&#252;hle, werden zu Gef&#252;hlen: vom Hass und der Rache bis zum Spiel, bis hin zum Fest und der imagin&#228;ren Selbstprojektion, dass man einen Moment lang die Kontrolle &#252;ber sein Leben zur&#252;ckerlangt. Die Videospiele, wieso nicht? Alle agieren im Wald der Referenzen und Symbole, die Statistiken treiben nie jemanden auf die Strasse, ausser umgewandelt durch die Modalit&#228;ten des Erlebten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jegliche Praxis verf&#228;hrt unter einer Ideologie, das Gef&#252;hl (Rache und Hass in Anbetracht der Geringsch&#228;tzung, Lust an der verbotenen Ware) ist eine davon. Das Gef&#252;hl ist ein Verh&#228;ltnis zu den Produktionsverh&#228;ltnissen, es ist sogar die offensichtlichste Form davon, die unmittelbarste der Anrufung der konkreten Individuen als Subjekte. Aber &#8222;das konkrete Individuum&#8220; ist kein prim&#228;res Substrat, es wird selbst in der Reproduktion der Produktionsweise in all seinen Erscheinungsformen und all seinem Fetischismus hervorgebracht. Es ist das konkrete Individuum, das sich selbst als Subjekt anruft. Die rassialisierten Teenager haben sich selbst als Subjekte angerufen, offensichtlich nicht unter der gleichen Ideologie wie ein Arbeiter oder ein Rentner. Das Gef&#252;hl: Hass, Rache, Lust, nicht nur Produkte von Aldi oder Lidl zu konsumieren, sondern auch moderne Telefone und Flachbildschirme, Spiel und Selbstbest&#228;tigung. Gegen ihre konstante Versagung ist die spezifische Ideologie der jungen Aufr&#252;hrer eben genau, das &#8222;Menschsein&#8220; f&#252;r sich in Anspruch zu nehmen, die W&#252;rde ist die reinste Form des Subjekts. Das Gef&#252;hl repr&#228;sentiert nicht ihre wirklichen Existenzbedingungen, sondern ihr Verh&#228;ltnis zu denselben, in diesem Verh&#228;ltnis konstituieren sie sich als Subjekte und als solche agieren und k&#228;mpfen sie gem&#228;ss ihrer wirklichen Existenz, so wie sie in einer besonderen sozialen und politischen Situation definiert ist und besteht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nachdem sie sich in den 1970er Jahren global gegen Keynes und Ford restrukturiert hat, indem sie die Kapitalverwertung von der Reproduktion der Arbeitskraft entkoppelt hat, ist die Produktionsweise nun durch einen R&#252;ckschlag dessen unterminiert, was die Dynamik dieser letzten dreissig oder vierzig Jahre war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gab die Gelbwesten, die das allt&#228;gliche Leben in all seinen Unw&#228;gbarkeiten, seinen guten und schlechten Seiten ins Zentrum des Klassenkampfes stellten und den Staat als Verantwortlichen der Distribution, des Einkommens, des Reichtums der Einen und der Armut der Anderen anriefen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gab die lange Episode in Bezug auf die Rentenreform, wo der Zusammenschluss der Gewerkschaften es die ganze Zeit schaffte, der Bewegung den Rahmen zu geben, denn als tot geborene Bewegung war ihr Ziel nur die Niederlage und der Zusammenschluss der Gewerkschaften war die angemessene Form daf&#252;r. Eine Reform, die, artikuliert mit jenen der Arbeitslosenversicherung, der Lehre und der Ausbildung, der Berufsgymnasien und ihrer Finanzierung den gesamten Verlauf des Arbeitslebens modifiziert. Aber in ihrer angek&#252;ndigten Niederlage zeigte sich die Offensichtlichkeit der Krise der repr&#228;sentativen Demokratie in der Akkumulation aller Notn&#228;gel der Verfassung, um eine schon vor jeglicher &#8222;Diskussion&#8220; getroffene Entscheidung durchzusetzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gab die Covid-Periode mit ihren Lockdowns und der territorial gezielten Repression gegen jene, welche sich nicht daran hielten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gab die &#246;kologische Radikalit&#228;t gegen die grossen Baustellen des Kapitals. Eine sympathische Bewegung, wenn man darin nicht zwischen den Zeilen die Nostalgie des Bauern, des Kleinhandels und der kleinen Warenproduktion wiederfinden w&#252;rde: die Mittelm&#228;ssigkeit in allem.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gab die Inflation, dieses magische Ph&#228;nomen, das wie von einem anderen Planeten gekommen ist, um die g&#228;ngigsten Konsumg&#252;ter hart zu treffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und jedes Mal gibt es den Staat und seine verschiedenen bewaffneten Banden. Der Staat, das ist der Kn&#252;ppel. Hinter jedem seiner Apparate, seiner &#8222;Dienste&#8220;, steht die Gewalt. Er ist eine Maschine, welche die gegenseitige Gewalt, die alle Facetten des Klassenkampfes s&#228;umt, in die einzig legitime Gewalt verwandelt, jene der Reproduktion der kapitalistischen Produktionsweise. Mit dem Zerfall der &#8222;Arbeiterbewegung&#8220;, ihrer Instanzen und Institutionen, bricht die repr&#228;sentative Demokratie gleichzeitig mit der Politik, welche das wechselseitige Verh&#228;ltnis des Staates mit der Zivilgesellschaft (die Transkription der Produktionsverh&#228;ltnisse in staatliche Begriffe) darstellt, zusammen. Die Neofaschisten werden zu Liberalen, verfolgen eine Sparpolitik, schliessen sich der EU und der NATO an, w&#228;hrend sich die Linke und die Rechte mit &#8222;Reformen&#8220; des Arbeitsrechts und der Altersvorsorge &#252;berbieten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die befriedete Repr&#228;sentation als &#8222;Gemeinwille&#8220; einer als notwendigerweise als konfliktreich anerkannten Gesellschaft (hier liegt die gesamte Kraft der Demokratie) ist eine Arbeit und nicht ein Widerschein. Das heisst, dass in der demokratischen Funktionsweise des Staates die Verdinglichung und der Fetischismus T&#228;tigkeiten sind, es ist die Politik als Parteien, Debatten, Beratungen, Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse in der spezifischen Sph&#228;re der Zivilgesellschaft, Entscheidungen. All das ist verschwunden. Das Problem der Demokratie ist aktuell, dass sie nur noch eine Besonderheit der gesellschaftlichen Totalit&#228;t kennt, die f&#228;hig ist, am Wettbewerb teilzunehmen, das Verschwinden der Arbeiteridentit&#228;t und ihrer Repr&#228;sentation hat alle anderen in ihrem Untergang mitgerissen, auch die Vereine, die Fronten oder Bewegungen der &#8222;Vorst&#228;dte&#8220; oder &#8222;Quartiere der einfachen Leute&#8220;. Doch alleine, als politische Besonderheit, ist die herrschende Klasse nichts, sie bewirtschaftet das Universelle nicht mehr. Im Verschwinden des demokratischen Spiels geht es f&#252;r die Bourgeoisie um ihre Universalit&#228;t. Es besteht ein grundlegendes Unbehagen in der politischen Repr&#228;sentation. &#220;berall br&#246;ckeln die Vermittlungen der Gewalt der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist die Repr&#228;sentationsarbeit, welche in der Krise ist. &#220;berall ist es das Verschwinden der Arbeiteridentit&#228;t und dadurch ihrer sozialdemokratischen und/oder kommunistischen Repr&#228;sentation, die das politische Fundament des demokratischen Staates destabilisiert. Dieses ist gleichbedeutend mit der Befriedung einer gesellschaftlichen Kluft, welche die Demokratie vom Moment an, wo sie davon die Repr&#228;sentation als Auseinandersetzung zwischen B&#252;rgern ist, als wirklich anerkennt. Die Demokratie ist die Anerkennung des auf un&#252;berwindbare Art und Weise konfliktreichen Charakters der &#8222;nationalen Gemeinschaft&#8220;, von diesem Standpunkt aus war die Anerkennung der Arbeiterklasse historisch im Zentrum des Aufbaus der Demokratie, sie war der Motor und das Kriterium davon. In den gegenw&#228;rtigen politischen Formen des Verlaufs der Krise kann man eine Krise der Hegemonie der kapitalistischen Klasse feststellen. Herrschaft und Hegemonie sind nicht identisch, es kann Herrschaft ohne Hegemonie geben. Die Hegemonie besteht darin, den unumg&#228;nglichen Rahmen der Debatten und Oppositionen hervorzubringen, sie bedeutet, dem Anderen die Begriffe selbst seiner Opposition aufzuerlegen. Wenn das zusammenbricht, bleibt f&#252;r jene, welche im Spiel am schlechtesten platziert sind, nur der Kn&#252;ppel &#252;brig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man muss eine englische Zeitung (&lt;i&gt;The Guardian&lt;/i&gt;, 29. Juni) lesen, um den aussagekr&#228;ftigsten Zeugenbericht bez&#252;glich der Krawalle Ende Juni 2023 zu finden: &#8222;Es war Krieg, ich denke wirklich, dass die Jugendlichen hier der Ansicht sind, dass sie im Krieg sind. Sie sehen darin einen Krieg gegen das System. Er ist nicht nur gegen die Polizei gerichtet, es geht viel weiter, sonst w&#252;rden wir das nicht in ganz Frankreich sehen. Es ist nicht nur die Polizei, die angegriffen wird, sondern auch die Rath&#228;user und &#246;ffentlichen Geb&#228;ude, die im Visier sind. Der Tod dieses Teenagers hat etwas ausgel&#246;st. Es gibt viel Wut, aber es ist mehr als das, es gibt eine politische Dimension, ein Gef&#252;hl, dass das System nicht funktioniert. Die Jugendlichen haben das Gef&#252;hl, dass sie diskriminiert sind und ignoriert werden.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Bezug auf die Verbannung in Quartiere, die von den &#246;ffentlichen Diensten verlassen worden sind und wo die einzige Pr&#228;senz des Staates die Polizei ist, die sich wie eine rivalisierende Bande verh&#228;lt, wo Arbeit eine Schim&#228;re ist, die Armut eine Banalit&#228;t und die allt&#228;gliche Gewalt aller m&#246;glichen Arten des Handels die Realit&#228;t, geht es darum, sich nicht nur f&#252;r die objektiven materiellen Bedingungen zu interessieren, sondern auch f&#252;r den Prozess der Subjektwerdung, d.h. die Art und Weise, wie die Individuen von Tag zu Tag ihre Stellung in den Produktionsverh&#228;ltnissen empfinden. Die Akzeptierung eines &#8222;Systems&#8220; in seiner Selbstvoraussetzung wird auch von normativen Prinzipien, Werten und Verpflichtungen reguliert. Die Revolte ereignet sich pl&#246;tzlich, wenn die Werturteile, die Gef&#252;hle, gegen&#252;ber der Funktionsweise der Gesellschaft als &#252;bertreten geworden erscheinen, wenn das &#8222;System&#8220; die M&#246;glichkeit des materiellen &#220;berlebens darin nicht mehr erlaubt, wenn die Normen und &#8222;moralischen Prinzipien&#8220;, die den &#8222;gew&#246;hnlichen Rassismus&#8220; von Tag zu Tag kontrollieren und bestimmen, &#252;bertreten werden. F&#252;r die Jugend der &#8222;Quartiere&#8220; war die Tatsache, das &#8222;Frankreich unter dem Frankreich von unten&#8220; zu sein, die Norm, doch die Ermordung, der gesundheitlich-polizeiliche Lockdown und die Inflation haben diese Norm ersch&#252;ttert, der &#8222;Vertrag&#8220; ist gebrochen, der Angriff gegen die &#8222;rivalisierende Bande&#8220; (den Staat), das notwendige oder nicht notwendige Pl&#252;ndern (aber wer kann schon &#8222;Notwendigkeit&#8220; definieren?) werden notwendig f&#252;r das konkrete, als Subjekt angerufene Individuum.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gelbwesten, Demonstranten gegen die Rentenreform, radikale Umweltsch&#252;tzer von Sainte-Soline, rassialisierte Teenager in den &#8222;Quartieren der einfachen Leute&#8220;, all das wird sich nicht begegnen, nicht &#8222;konvergieren&#8220;, solange jeder bleiben wird, was er ist. Nichts ist pathetischer und erb&#228;rmlicher als die Aufrufe an die &#8222;Arbeiterbewegung&#8220;, die Revolte der Jugendlichen der Vorst&#228;dte zu unterst&#252;tzen. Marine Le Pen, Giorgia Meloni, Vox, AFD und Konsorten in Europa, Trump und Bolsonaro anderswo, sind f&#252;r die Demokratie in Reserve als m&#246;gliches Gegenfeuer f&#252;r ein eventuelles konjunkturelles Ereignis, das zu einer Osmose nicht dessen wird, was die Gelbwesten, der Widerstand gegen die Rentenreform, die radikalen &#246;kologischen K&#228;mpfe, die Revolte der rassialisierten Armen (was auch immer in den Ecken der Welt ihre Existenzformen sein m&#246;gen) waren, sondern dessen, was sie ausmachte. Diese seltsame Klasse, die man &#8222;Proletariat&#8220; nennt, konstituiert sich nur in der Infragestellung durch alle Unterdr&#252;ckten/Ausgebeuteten dessen, was sie definiert, und nicht in ihren Forderungen als solche.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;R.S.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;02.07.23&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Kommentar zum Artikel:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Ich m&#246;chte auf die paar Zeilen des Absatzes bez&#252;glich des Kampfes gegen die Rentenreform zur&#252;ckkommen. Ich denke, dass die Aussage &#034;ihr Ziel war nur die Niederlage&#034; nicht nur falsch ist, sondern auch geringsch&#228;tzend gegen&#252;ber den Millionen von Leuten, die auf den Strassen waren und manchmal streikten. Man kann vielleicht sagen, dass ihr Horizont die Niederlage war, und ich denke, dass es diesbez&#252;glich kaum Illusionen gab, doch der Horizont ist nicht das Ziel. Ein Kampf und sogar eine Demo, wie kontrolliert sie auch immer sein mag, ist immer ein Daseinsmoment einer Gruppe, wenn nicht einer Klasse, in all den Unw&#228;gbarkeiten ihrer Diversit&#228;t und ihrer Existenz. Wie scharfsinnig man auch immer sein mag, man kann immer hoffen, dass man den Dingen eine andere Richtung geben oder sie aufschieben kann. Und sowieso gibt es das Gl&#252;ck und die Notwendigkeit, da zu sein, mit oder ohne Illusionen.&lt;/div&gt;
&lt;div&gt; &lt;/div&gt;
&lt;div&gt;R.S., 06.07.23&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=20989&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://haters.noblogs.org/post/2023/07/07/translation-statistics-and-sentiments-on-the-riots-of-june-2023-by-r-s/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Englische &#220;bersetzung&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://necplusultra.noblogs.org/post/2023/07/04/180/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Spanische &#220;bersetzung&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		
		<enclosure url="https://www.kommunisierung.net/IMG/pdf/statistikenundgefuehle.pdf" length="49404" type="application/pdf" />
		

	</item>
<item xml:lang="de">
		<title>Kommuniqu&#233; der Besetzung des Panth&#233;on in Paris</title>
		<link>https://www.kommunisierung.net/Kommunique-der-Besetzung-des</link>
		<guid isPermaLink="true">https://www.kommunisierung.net/Kommunique-der-Besetzung-des</guid>
		<dc:date>2019-07-13T01:28:00Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>


		<dc:subject>&#220;bersetzungen</dc:subject>
		<dc:subject>Stimmen aus den K&#228;mpfen</dc:subject>
		<dc:subject>Kollektiv La Chapelle Debout</dc:subject>
		<dc:subject>Frankreich</dc:subject>

		<description>
&lt;p&gt;Gestern besetzten rund 1000 Sans-Papiers das Panth&#233;on in Paris. Die Bullen r&#228;umten die Besetzung mit brachialer Gewalt, ein Demonstrant hatte ein gebrochenes Bein, etliche mussten von der Ambulanz versorgt werden, es kam zu 37 Verhaftungen. Genau wie die b&#252;rgerlichen Propagandaorgane in Frankreich spricht nat&#252;rlich auch die NZZ von einer R&#228;umung &#034;ohne Zwischenf&#228;lle&#034; und verschweigt die Polizeigewalt, abgesehen von einer Erw&#228;hnung des Tr&#228;nengases und einer vagen Anspielung auf die (...)&lt;/p&gt;


-
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

/ 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Stimmen-aus-den-Kampfen" rel="tag"&gt;Stimmen aus den K&#228;mpfen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Kollektiv-La-Chapelle-Debout" rel="tag"&gt;Kollektiv La Chapelle Debout&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Frankreich" rel="tag"&gt;Frankreich&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/chapelledebout.jpg?1689297896' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Gestern besetzten rund 1000 Sans-Papiers das Panth&#233;on in Paris. Die Bullen r&#228;umten die Besetzung mit brachialer Gewalt, ein Demonstrant hatte ein gebrochenes Bein, etliche mussten von der Ambulanz versorgt werden, es kam zu 37 Verhaftungen. Genau wie die b&#252;rgerlichen Propagandaorgane in Frankreich spricht nat&#252;rlich auch die &lt;i&gt;NZZ&lt;/i&gt; von einer R&#228;umung &#034;ohne Zwischenf&#228;lle&#034; und verschweigt die Polizeigewalt, abgesehen von einer Erw&#228;hnung des Tr&#228;nengases und einer vagen Anspielung auf die Verletzten. La Chapelle Debout ist auch keine &#034;Hilfsorganisation&#034;, wie die gehobene liberale Bourgeoisie aus ihren Villen blickend dieses Kollektiv f&#228;lschlicherweise wahrnimmt, das in Wirklichkeit ein selbstorganisiertes Kollektiv k&#228;mpfender Sans-Papiers ist und gemeinsam mit dem Kollektiv Droits Devant!! die Besetzung organisiert hat. Die deutsche &#220;bersetzung ihres Kommuniqu&#233;s:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Toten stehen auf!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Heute besetzen wir, EinwanderInnen, Sans-Papiers, BewohnerInnen der Heime, MieterInnen der Strasse, das Pantheon&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sind ohne Papiere, ohne Stimme, ohne Gesichter f&#252;r die franz&#246;sische Republik. Wir kommen zum Grab eurer grossen M&#228;nner, um eure Profanierungen zu denunzieren, die Profanierung des Gedenkens an unsere GenossInnen, an unsere V&#228;ter und M&#252;tter, an unsere Br&#252;der und Schwestern im Mittelmeer, in den Strassen von Paris, in den Heimen und den Gef&#228;ngnissen. Frankreich f&#252;hrt die Sklaverei auf eine andere Art und Weise weiter. Unsere V&#228;ter starben f&#252;r Frankreich. Und jene, welche tot sind, sind tot. Verantwortlich sind die Lebenden, jene, welche heute die Macht haben. Und m&#246;gen die Toten in Frieden ruhen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vorgestern griffen wir die Grenze an, indem wir das Terminal von Air France im Flughafen Charles-de-Gaulle besetzten. Dort packt uns die Polizei in Flugzeuge nach Algier, Dakar, Khartum, Bamako oder Kabul. Dort ist Djiby deportiert worden!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gestern haben wir den Turm von Elior im Quartier La D&#233;fense und das Arbeitsministerium gest&#252;rmt. Wir haben den Bossen, die uns erniedrigen und uns den R&#252;cken brechen, folgende Botschaft gebracht: Die Angst hat die Seite gewechselt!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Heute machen wir weiter damit, zur&#252;ckzuschlagen, gegen den Staat und seinen Rassismus, in Frankreich und Europa.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sind hier, um unsere W&#252;rde zu verteidigen! Wir werden niemanden mehr anflehen und wir werden unsere Rechte durch die Kraft des Kampfes entreissen!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sind gekommen, um euch zu sagen, dass die Devise Frankreichs gegen&#252;ber Ausl&#228;ndern Erniedrigung, Ausbeutung, Deportation ist. Jenes Frankreich, das dort gegen uns Krieg f&#252;hrt, unsere Rohstoffe pl&#252;ndert und gemeinsam f&#252;r und mit unseren korrupten Staaten Entscheidungen trifft. Jenes Frankreich, das hier gegen uns Krieg f&#252;hrt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wir besetzen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weil in Paris 200&#8216;000 Wohnungen leer stehen und unsere Liebsten unter dem Autobahnkreuz der Ringstrasse schlafen, weil das B&#252;rgermeisteramt gestern die Wege zum Lagerplatz Avenue Wilson in Saint-Denis verbarrikadiert hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weil die Polizei im Heim von Thiais genau wie in allen anderen am Morgen Razzien durchf&#252;hrt und sogar die Zimmer der Bewohner durchsucht werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weil wir die Freilassung all unserer GenossInnen der Schwarzwesten in den Abschiebungszentren und aller anderen verlangen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r die Abschaffung dieser Kn&#228;ste f&#252;r Ausl&#228;nder!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir k&#228;mpfen nicht nur f&#252;r Papiere, sondern gegen jenes System, welches Sans-Papiers erschafft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir werden keinen Bullen oder Schalterangestellten mehr bezahlen, um einen Termin zu bekommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wir wollen nicht mehr mit dem Innenministerium und seinen Pr&#228;fekturen verhandeln&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wir wollen mit dem Premierminister &#201;douard Philippe sprechen,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;jetzt!&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir werden hier bleiben bis alle von uns Papiere haben und alle, die nach uns kommen werden, das Recht haben, zu bleiben!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;An all jene, die revoltieren, sei es hier, im Sudan oder in Algerien,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;An unsere GenossInnen, an alle, die gegen die Ausbeuter k&#228;mpfen,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;An alle, die denken, dass kein Mensch illegal ist,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;An alle, die es satt haben, alle f&#252;nf Jahre der &#228;usseren Rechten Steine in den Weg legen zu m&#252;ssen,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;und davon &#252;berzeugt sind, dass der kommende Kampf gegen den Rassismus jener gegen den bestehenden Rassismus sein wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Papiere und Wohnungen f&#252;r alle!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bewegungs- und Niederlassungsfreiheit!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es lebe der Kampf der Schwarzwesten!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;K&#228;mpfende Schwarzwesten&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Droits Devant!! und Kollektiv La Chapelle Debout&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://twitter.com/chapelledebout/status/1149636507923169283&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://twitter.com/chapelledebout&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kollektiv La Chapelle Debout auf Twitter&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://collectifsanticra.wordpress.com/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Ihr Blog&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		
		<enclosure url="https://www.kommunisierung.net/IMG/pdf/communiquegiletsnoirs.pdf" length="31656" type="application/pdf" />
		

	</item>
<item xml:lang="de">
		<title>Th&#233;orie communiste - Anmerkung zur Bewegung der Gelbwesten</title>
		<link>https://www.kommunisierung.net/Theorie-communiste-Anmerkung-zur</link>
		<guid isPermaLink="true">https://www.kommunisierung.net/Theorie-communiste-Anmerkung-zur</guid>
		<dc:date>2019-01-18T16:11:00Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>


		<dc:subject>Th&#233;orie communiste</dc:subject>
		<dc:subject>Bericht/Analyse</dc:subject>
		<dc:subject>&#220;bersetzungen</dc:subject>
		<dc:subject>Theorie</dc:subject>
		<dc:subject>Frankreich</dc:subject>
		<dc:subject>Gelbwesten</dc:subject>

		<description>
&lt;p&gt;Jenes Frankreich, welches Kippen dreht und Diesel raucht &lt;br class='autobr' /&gt;
(Es grillt auch Merguez und sch&#228;tzt &#8222;das Gelbe&#8220;, nicht nur als Weste) &lt;br class='autobr' /&gt;
Es ist nicht so, dass die sogenannte Bewegung der &#8222;Gelbwesten&#8220; nichts Neues bringt, doch wenn man &#8222;Eine besondere Sequenz&#8220; (TC 25) noch einmal liest, war fast das ganze m&#246;gliche Analyseraster der sogenannten Bewegung der &#8222;Gelbwesten&#8220; schon da: der &#220;bergang der Krise vom Lohnverh&#228;ltnis zur Lohngesellschaft; die Delegitimierung des f&#252;r die Ungerechtigkeit (...)&lt;/p&gt;


-
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

/ 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Theorie-communiste" rel="tag"&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Bericht-Analyse" rel="tag"&gt;Bericht/Analyse&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Theorie" rel="tag"&gt;Theorie&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Frankreich" rel="tag"&gt;Frankreich&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Gelbwesten" rel="tag"&gt;Gelbwesten&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/arton1801.jpg?1689347375' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='84' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jenes Frankreich, welches Kippen dreht und Diesel raucht&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;(Es grillt auch Merguez und sch&#228;tzt &#8222;das Gelbe&#8220;, nicht nur als Weste)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist nicht so, dass die sogenannte Bewegung der &#8222;Gelbwesten&#8220; nichts Neues bringt, doch wenn man &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Eine-besondere-Sequenz&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Eine besondere Sequenz&#8220;&lt;/a&gt; (TC 25) noch einmal liest, war fast das ganze m&#246;gliche Analyseraster der sogenannten Bewegung der &#8222;Gelbwesten&#8220; schon da: der &#220;bergang der Krise vom Lohnverh&#228;ltnis zur Lohngesellschaft; die Delegitimierung des f&#252;r die Ungerechtigkeit verantwortlichen Staates (der an der Steuerschraube dreht); das Volk und der Populismus&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Der erneut definiert werden m&#252;sste, siehe den Text &#8222;M. Le Pen et la (...)&#034; id=&#034;nh1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; das Lokale, die Eliten, die Reichen und die Armen, das Volk mit seiner Kultur und seiner &#8222;Sittlichkeit&#8220;. Einige Abs&#228;tze dieses Textes sind gar schon fast &#8222;voraussagend&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Le territoire et le local&#8220; in Th&#233;orie communiste, Nr. 25, S. 42-43 und (...)&#034; id=&#034;nh2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Nat&#252;rlich m&#252;ssten wir vom Wesen der Krise selbst ausgehen: Identit&#228;t von Unterakkumulations- und Unterkonsumtionskrise, Lohnverh&#228;ltnis&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Th&#233;orie communiste, Nr. 25, S. 38 und anderswo.&#034; id=&#034;nh3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Interklassismus ergibt sich selbstverst&#228;ndlich aus diesen Pr&#228;missen (&#220;bergang des Lohns als Produktionsverh&#228;ltnis hin zum Lohn als Distributionsverh&#228;ltnis; gesellschaftliche Ungerechtigkeit &#252;ber die Steuer, wof&#252;r der Staat verantwortlich ist), doch wir m&#252;ssen beachten, dass unser gewohnter Ansatz der sogenannt &#8222;neuen&#8220; Mittelklassen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ich w&#252;rde den Singular bevorzugen, siehe den Text in Th&#233;orie communiste, (...)&#034; id=&#034;nh4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; die gegenw&#228;rtige Bewegung, in welcher man eher Handelstreibende, Handwerker, Fernfahrer, Mitglieder der &#8222;niederen&#8220; liberalen Berufe sieht, nicht wirklich treffend darstellt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Arbeitgeberschaft kleiner Unternehmen repr&#228;sentiert auf &lt;i&gt;ideale Art und Weise&lt;/i&gt; diese Vers&#246;hnung der &lt;i&gt;respektablen&lt;/i&gt; Arbeit mit dem &lt;i&gt;verdienten&lt;/i&gt; Kapital, welche beide im Rahmen der sozialen und familienfreundlichen Nation aufbl&#252;hen. Ungl&#252;cklicherweise ist es nicht nur ein Ideal, sondern auch eine Realit&#228;t. Die H&#228;lfte der Arbeiter arbeiten im Rahmen eines kleinen oder gar sehr kleinen Unternehmens, man k&#246;nnte sagen, dass nicht die Anzahl entscheidend ist, sondern die Stellung in der Klassenzusammensetzung der Arbeiterklasse im Verh&#228;ltnis zu den andauernden kapitalistischen Dynamiken, von diesem Standpunkt aus muss man jedoch feststellen, dass diese Zersplitterung nicht archaisch ist. Wie ihr Chef sind diese Arbeiter h&#228;ufig direktem Druck der Kundschaft ausgesetzt, mag sie privat oder von wichtigeren Unternehmen sein, die Verschlimmerung der Arbeitsbedingungen und die Stagnation der L&#246;hne kann also sowohl mit dem Chef als auch mit dem gebieterischen Kunden assoziiert werden. In vielerlei Hinsicht bildet der &#8222;Arbeiterstandpunkt&#8220; mit jenem des Chefs eine Einheit: Sie denunzieren gemeinsam die Delokalisierungen, die Globalisierung der Konkurrenz, den rapiden Anstieg &#8222;ungerechtfertigter&#8220; Einkommen des Finanzkapitals, den Druck der Banken und schliesslich das Gewicht der Sozialabgaben und der Reglementierungen. Der Chef des kleinen Unternehmens formalisiert nicht nur die populistische Bewegung, sondern die Chefs kleiner Unternehmen werden auch spezifisch in Bewegung gesetzt als gesellschaftliche Kategorie, deren wirtschaftliche und politische Macht angegriffen wird. Die gegenw&#228;rtigen Bedingungen der Krise bearbeiten die Tradition der extremen Rechten neu (Arbeit, Familie, Heimat, Rassismus), um die Themen des Populismus hervorzubringen: wirtschaftliche Gerechtigkeit, nationale Gemeinschaft, Respektabilit&#228;t der Arbeit, Republik und &lt;i&gt;wieder erlangte Volkssouver&#228;nit&#228;t&lt;/i&gt;. Der Populismus der respektablen Arbeit und des verdienten Kapitals muss sich als aktionale Repr&#228;sentation der &#8222;Volksgemeinschaft&#8220; beweisen und das, indem er das Volk gegen das &#8222;Unvolkst&#252;mliche&#8220;, den &#8222;Nicht-B&#252;rger&#8220; hervorbringt: gegen die Finanz, die politischen Eliten der &lt;i&gt;repr&#228;sentativen&lt;/i&gt; Demokratie, die Yuppies der Stadtzentren und Grossindustrielle einerseits, den &#8222;Profiteuren der Wohlfahrt&#8220;, den &#8222;Sozialschmarotzern&#8220; andererseits, wobei die Einwanderer und ihre Nachkommen davon umso mehr das Paradigma darstellen, als sie als verbunden mit der Globalisierung erscheinen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Vergleich mit dem Poujadismus der 1950er Jahre hinkt jedoch. Der Poujadismus ist klar rund um diese Berufe organisiert, das ist heute nicht der Fall, ihr gesellschaftliches Gewicht damals ist mit dem heute nicht vergleichbar. Der ganze gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Kontext war anders. Der Verweis auf den Poujadismus dient nur dazu, jegliche st&#246;rende Frage zum Interklassismus zu vermeiden und ein apriorisches Urteil zu rechtfertigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um jeglichen Normativismus zu vermeiden, sollte man davon absehen, die Bewegung in Bezug auf das zu beurteilen, was sie nicht oder &#8222;schlecht&#8220; tut. Man beurteilt sie und positioniert sich, indem man die Dynamiken am Werk freilegt und zeigt, was uns die Bewegung von dort aus sagt, wo wir uns in der Krise befinden, nicht ausgehend von einer immer schon gegebenen Idee der Revolution und des guten Klassenkampfes. &#8222;Denn mit welchem Gericht ihr richtet, mit dem werdet ihr gerichtet werden [...]&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Mat. 7 : 2.&#034; id=&#034;nh5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist eine Bewegung, die sich auf die &lt;i&gt;Arbeit&lt;/i&gt; beruft, die wahre, jene, welche in Anbetracht der den Staat lenkenden Eierk&#246;pfe und anderer Parasiten die W&#252;rde wahrt. Die Bewegung versucht nicht, die &#8222;Arbeit zu blockieren&#8220;, auch nicht die Wirtschaft, und wenn es trotzdem geschieht, entschuldigen sich die Gelbwesten. Es ist nicht ihr Ziel, nur ein Mittel, die Wirtschaft ist nicht ihr Feind. Man kann den Gelbwesten nicht vorwerfen, das nicht zu tun (oder im Gegenteil ihnen gratulieren, es zu tun), was sie nicht tun wollen (so k&#246;nnten die paar zirkulierenden Texte und Anmerkungen zusammengefasst werden). Die grossen Einkaufszentren, Transportunternehmen und strategischen Kreisel sind hingegen sehr wohl ernsthaft beeintr&#228;chtigt (die Versuche rund um die Raffinerien und &#214;ldepots scheinen entschluss- und erfolglos).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Kritik des Interklassismus ist h&#228;ufig mit dem Problem konfrontiert, dass sie glaubt, dass die anwesenden Klassen schlichtweg eine Summe formen, dass sie sich addieren, wobei sie sauber definierte und auf sich selbst beschr&#228;nkte diskrete Elemente bleiben, dass der Interklassismus sie letztendlich nicht tangiert, dass die Aktion nicht existiert. Jede Komponente findet sich sehr wohl ausgehend von ihren eigenen Interessen in der Bewegung wieder, doch der Interklassismus ist dann f&#252;r jedes auf innere Art und Weise der Verlauf seines eigenen Handelns. Der Interklassismus ist nicht die Addition sondern die Folge dieser eigenen Interessen, innerlich tangiert durch ihre Koexistenz und in einer gemeinsamen Forderung verschmelzend. Es reicht nicht, Interklassismus festzustellen und ihn unwiderruflich zu verurteilen, die Bedingungen seiner Existenz m&#252;ssen jedes Mal spezifisch erkl&#228;rt werden, nicht nur als intellektueller Anspruch, sondern v.a. um sich in seiner Bef&#252;rchtung zu positionieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im gegenw&#228;rtigen Fall betrifft die Forderung den Lebensstandard und pr&#228;ziser, innerhalb dessen, was ihn tangiert, die Gesamtheit der erzwungenen Ausgaben und unter ihnen jene, welche alle als &#8222;den Tropfen&#8220; beschreiben, &#8222;der das Fass zum &#220;berlaufen gebracht hat&#8220;: die Erh&#246;hung des Benzinpreises (haupts&#228;chlich Diesel). Die Frage ist jene des Lebensstandards, der Einkommen. Doch diese Frage bleibt nicht eine wirtschaftliche Frage, sie wird unmittelbar politisch. Die Abgaben, die Steuern, das ist der Staat. In dieser unmittelbaren Verwandlung der Wirtschaft in Politik findet der Interklassismus seine Form, die ihn definiert und st&#228;rkt. Die Folge ist nie gesellschaftlich neutral, sondern besiegelt im Interklassismus eine seiner Komponenten: die Handwerker und Chefs kleiner Unternehmen, die das &#8222;Volk&#8220; vereinigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um den Marx des Artikels &#8222;Kritische Randglossen zu dem Artikel &#187;Der K&#246;nig von Preu&#223;en und die Sozialreform. Von einem Preu&#223;en&#171;&#8220; zu plagiieren: Es ist &#8222;eine wirtschaftliche Revolte mit einer politischen Seele&#8220;. Und man findet hier die Frage der Legitimit&#228;t des Staates wieder. Die &#8222;politische Seele&#8220; einer wirtschaftlichen Revolte liegt in der Tendenz der Klassen ohne politischen Einfluss, ihre Isolierung vom Staat und der Macht zu beenden. Die Beendigung dieser Isolierung ist gleichbedeutend mit der Bef&#246;rderung des Volkes und der Proklamation desselben als unmittelbar Staat seiend. Der Populismus ist von einigen Ausnahmen abgesehen nichts anderes&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe den &#8222;Aufruf von St-Nazaire&#8220;.&#034; id=&#034;nh6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl es um Lebensstandard und Einkommen geht&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe &#8222;Eine besondere Sequenz&#8220; (TC 25), die Vorherrschaft der (...)&#034; id=&#034;nh7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, sind an den Kreiseln nicht die &#196;rmsten. Die politische Seele der Bewegung, das, was die interklassistische Fusion konstituiert, schliesst sie davon aus. Die Verwandlung der wirtschaftlichen Forderung in eine &#8222;Isolierung&#8220; vom Staat (der entnationalisierte Staat musste schon in der Form von Macron zu seiner eigenen Karikatur werden, man sollte die Auswirkung der kleinen Bemerkungen Macrons und seiner Komplizen nicht untersch&#228;tzen) geht von jenen aus, welche sie durch diese Isolierung als in ihrem gesellschaftlichen Werdegang benachteiligt einsch&#228;tzen und sich als imstande betrachten, dieser Sache abzuhelfen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl es stimmt, dass die Bewegung bis jetzt v.a. vom sogenannten &#8222;peripheren Frankreich&#8220; (Christophe Guilluy) repr&#228;sentiert wird, darf dieses &#8222;Frankreich&#8220;, entgegen Guilluys Thesen, nicht mit dem armen Frankreich verwechselt werden (wenn Zemmour Guilluys Thesen &#252;bernimmt, achtet er darauf, sich in diesem Punkt von ihm zu unterscheiden, um aus dieser &#8222;Revolte&#8220; allen voran ein identit&#228;res Ph&#228;nomen zu machen, was auch bei Guilluy existiert, aber &#8222;sekund&#228;r&#8220;). Dieses &#8222;periphere Frankreich&#8220; steht nicht ganz und gar abseits der Warenfl&#252;sse und M&#246;glichkeiten der Globalisierung. Das &#8222;periphere Frankreich&#8220; ist allen voran eine &lt;i&gt;performative Formel&lt;/i&gt;, welche dem, was sie beschreiben soll, eine Existenz verschafft: d.h. eine Bev&#246;lkerung (Arbeiter sowie Chefs kleiner Unternehmen und Handwerker), welche den T&#228;tigkeiten der bedeutenden Metropolen untergeordnet ist &lt;i&gt;und sich von den Vorst&#228;dten unterscheidet&lt;/i&gt;. Vom Arbeiter bis zum Chef des kleinen Unternehmens ist die Zugeh&#246;rigkeit zu diesen Warenfl&#252;ssen, Anstellungen und M&#246;glichkeiten zuf&#228;llig und kann konstant in Frage gestellt werden. In Anbetracht dieser Prekarit&#228;t der Zugeh&#246;rigkeit sind die Transporte und die vom Auto abh&#228;ngige Mobilit&#228;t wesentlich. In Anbetracht der Metropolen der yuppisierten Eliten und den Vorst&#228;dten der Einwanderer wird dieses &#8222;Frankreich&#8220; zum Wahrzeichen der wahren Arbeit und des Kampfes um seine Erhaltung, es macht aus ihr einen Wert des Volkes und der Nation. Indem es sich als &#8222;peripher&#8220; bezeichnet, wird das Volk &#8222;authentisch&#8220;. Man darf die territoriale Dimension und die &#220;berdeterminierung der Klassenpraktiken und -b&#252;ndnisse, welche davon ausgel&#246;st werden k&#246;nnen (nicht immer, indem die Arbeiterklasse untergeordnet wird, siehe z.B. die Ardennen Ende der 1970er Jahre), nicht vernachl&#228;ssigen. Diese Dimension ist f&#252;r die Bewegung der Gelbwesten konstitutiv, doch man muss sie als das betrachten, was sie ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn die Mobilit&#228;t und somit die Territorialit&#228;t in den K&#228;mpfen eine Rolle spielen, ist das sie strukturierende und die Streitgegenst&#228;nde definierende gesellschaftliche Verh&#228;ltnis nicht das Kapital oder die Lohnarbeit, sondern das die Raumordnung bestimmende &lt;i&gt;Grundeigentum&lt;/i&gt;. Der Interklassismus ist das Symptom dieses gesellschaftlichen Produktionsverh&#228;ltnisses. Denn da es das Grundeigentum ist, welches sie strukturiert und sich selbst als ihr Streitgegenstand setzt, betreffen die Klassenk&#228;mpfe zur Stadtplanung oder der Raumordnung ein &#8222;sekund&#228;res&#8220; Produktionsverh&#228;ltnis: Die Grundrente ist nur ein Teil des im Verh&#228;ltnis zwischen Kapital und Arbeit ausgepressten Mehrwerts. Dieser &#8222;sekund&#228;re&#8220; Charakter manifestiert sein eigentliches Wesen, indem er K&#228;mpfe rund um das Einkommen und den Konsum organisiert. Es ist die Grundrente, welche auf einem Territorium die Funktionen der gesellschaftlichen Arbeitsteilung, die Orte der Einquartierung und der Zirkulation der verschiedenen gesellschaftlichen Klassen, ihre Handlungs- und Anwesenheitsm&#246;glichkeit in den Metropolen verteilt, es ist sie, welche konkrete Stellungen zuweist, die Materialit&#228;t der gesellschaftlichen Beziehungen und der Nachbarschaften determiniert. Durch sie werden Lohn- und Einkommensklassen, die verschiedenen autonomisierten Funktionen des Kapitals zu lokalisierten Realit&#228;ten. Wenn ich hier wohne, weil ich ein Arbeiter, da, weil ich ein Trader, und dort, weil ich ein schwarzer Arbeiter bin, so h&#228;ngt das von meinem Lohn oder meinen Einkommensquellen ab, doch es ist so, weil die Grundrente existiert, es ist nicht eine &lt;i&gt;direkte&lt;/i&gt; Auswirkung meines Lohns; es ist eine Auswirkung, welche erst durch die Grundrente vermittelt effektiv wird. Die Zuordnung gem&#228;ss dem Einkommen scheint so offensichtlich, dass man die sie bestimmende innere Mechanik vergisst. Alle gesellschaftlichen Produktionsverh&#228;ltnisse des Kapitalismus sind &#8222;am Boden gefesselt&#8220;, genau wie die Klassen und ihre Unterscheidung. Niemand ist an die Scholle gebunden, doch der Proletarier wird sein Viertel, seine Barackensiedlung oder sein Einfamilienhaus nur verlassen, um in ein anderes Arbeiterquartier zu gehen. Das Kapital macht aus uns &lt;i&gt;auf allgemeine Art und Weise&lt;/i&gt; Proletarier, die Grundrente sorgt daf&#252;r, dass man &lt;i&gt;immer&lt;/i&gt; &#8211; provisorisch &#8211; &lt;i&gt;von irgendwo ist&lt;/i&gt; (&#8222;von irgendwo sein&#8220; betrifft hier nur die Beziehung zu den Territorien, die &#8222;kulturellen&#8220; Fragen werden hier beiseitegelassen). Doch genau wie die Grundrente einem Ort oder Zirkulationen zwischen verschiedenen Orten eine Funktion oder eine Klasse zuweist, so schreibt sie umgekehrt diese Orte einer Klasse oder einem Klassenfragment zu, sie designiert sie &lt;i&gt;als die ihrigen&lt;/i&gt;. W&#228;hrend sie die Stadt strukturiert, f&#252;hrt die globale Ordnung, woran die Grundrente aktiv beteiligt ist, zu &lt;i&gt;immer von ihr determinierten&lt;/i&gt; Aneignungsformen, die jedoch f&#252;r sie immer insofern auch eine Bedrohung sind, als dass diese Determinierungen von den beherrschten Klassen als immer territorialisierte eigene Lebensweisen verinnerlicht und &lt;i&gt;rekonstruiert&lt;/i&gt; werden. Die Territorialisierung wird zu einer Form des Selbstbewusstseins.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der &#8222;vogelfreie&#8220; Proletarier, gem&#228;ss Engels der Archetyp der revolution&#228;ren Klasse, ist nicht eine unmittelbare Wirklichkeit wie es Engels in &lt;i&gt;Zur Wohnungsfrage&lt;/i&gt; behauptet, er ist auch kein Mythos, sondern eine legitime Abstraktion, d.h. ein Konzept, das es erlaubt, seinen &#8222;Hausarrest&#8220; zu verstehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend er den deutschen Proudhonianer kritisiert, welcher ihm als Punchingball dient und der bedauert, dass der Proletarier keinen Ort zum Wohnen hat und somit &#8222;hinter die Wilden&#8220; zur&#252;ckf&#228;llt, schreibt Engels: &#8222;Um die moderne revolution&#228;re Klasse des Proletariats zu schaffen, war es absolut notwendig, da&#223; die Nabelschnur [AdA: Ah! Dieses h&#228;ufige Bild der Nabelschnur f&#252;r die Beziehung der menschlichen Art mit der Natur.] durchgeschnitten wurde, die den Arbeiter der Vergangenheit noch an den Grund und Boden kn&#252;pfte. Der Handweber, der sein H&#228;uschen, G&#228;rtchen und Feldchen neben seinem Webstuhl hatte, war bei aller Misere und bei allem politischen Druck ein stiller, zufriedener Mann &#8218;in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit&#8216;, zog den Hut vor den Reichen, Pfaffen und Staatsbeamten und war innerlich durch und durch ein Sklave. Gerade die moderne gro&#223;e Industrie, die aus dem an den Boden gefesselten Arbeiter einen vollst&#228;ndig besitzlosen, aller &#252;berkommenen Ketten los und ledigen &lt;i&gt;vogelfreien&lt;/i&gt; Proletarier gemacht, gerade diese &#246;konomische Revolution ist es, die die Bedingungen geschaffen hat, unter denen allein die Ausbeutung der arbeitenden Klasse in ihrer letzten Form, in der kapitalistischen Produktion, umgest&#252;rzt werden kann. Und jetzt kommt dieser tr&#228;nenreiche Proudhonist und jammert, wie &#252;ber einen gro&#223;en R&#252;ckschritt, &#252;ber die Austreibung der Arbeiter von Haus und Herd, die gerade die allererste Bedingung ihrer geistigen Emanzipation war. [&#8230;] Der englische Proletarier von 1872 steht unendlich h&#246;her als der l&#228;ndliche Weber mit &#8218;Haus und Herd&#8216; von 1772. Und wird der Troglodyte mit seiner H&#246;hle, der Australier mit seiner Lehmh&#252;tte, der Indianer mit seinem eignen Herd jemals einen Juniaufstand und eine Pariser Kommune auff&#252;hren?&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Friedrich Engels, Zur Wohnungsfrage in MEW, Bd. 18, Berlin, Dietz, 1973, (...)&#034; id=&#034;nh8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Ohne auf den Sturm auf die Bastille oder die Rue du Faubourg de Saint-Antoine zur&#252;ckzukommen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Jean-Paul Sartre, Kritik der dialektischen Vernunft.&#034; id=&#034;nh9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, sind der Juniaufstand 1848 oder die Pariser Kommune keine aussagekr&#228;ftige Beispiele der revolution&#228;ren Aktion des Proletariers, welcher, obwohl ohne Eigentum, &#8222;vogelfrei&#8220; sei und &#8222;weder Haus noch Herd&#8220; habe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl das Grundeigentum ein gesellschaftliches Produktionsverh&#228;ltnis ist, ist es das nicht auf die gleiche Art und Weise wie das Kapital oder die Lohnarbeit. Man kann es als &#8222;sekund&#228;res&#8220; gesellschaftliches Verh&#228;ltnis bezeichnen. Denn: &#8222;Wenn das Kapital in der einzigen Beziehung gefa&#223;t wird, worin es Mehrwert produziert, n&#228;mlich in seinem Verh&#228;ltnis zum Arbeiter, worin es Mehrarbeit erpre&#223;t durch den Zwang, den es auf die Arbeitskraft, d.h. auf den Lohnarbeiter aus&#252;bt, so umfa&#223;t dieser Mehrwert au&#223;er Profit (Unternehmergewinn plus Zins) auch die Rente [...]&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Karl Marx, Das Kapital, Bd. III in MEW, Bd. 25, Berlin, Dietz, 1983, S. 831.&#034; id=&#034;nh10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Absolute oder Differentialrente: &#8222; [&#8230;] f&#228;ngt der durch seinen Titel auf einen Teil des Erdballs zum Eigent&#252;mer dieser Naturgegenst&#228;nde Gestempelte diesen Surplusprofit dem fungierenden Kapital in der Form der Rente ab. Was Land zu Bauzwecken betrifft, so hat A. Smith auseinandergesetzt, wie die Grundlage seiner Rente, wie die aller nicht agrikolen L&#228;ndereien, durch die eigentliche Ackerbaurente geregelt ist.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 781.&#034; id=&#034;nh11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Sei es als &#8222;Exploitation der Erde zum Zweck der Reproduktion oder Extraktion&#8220; oder als &#8222;Raum, der als ein Element aller Produktion und alles menschlichen Wirkens erheischt ist. Und nach beiden Seiten hin verlangt das Grundeigentum seinen Tribut.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 782.&#034; id=&#034;nh12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Es handelt sich sehr wohl um ein Tribut, d.h. um einen Teil des vom Kapital dem Arbeiter ausgepressten Mehrwerts, der in die Tasche des Grundeigent&#252;mers wandert, in dessen Schuld auch der Handwerker oder der Chef des kleinen Unternehmens stehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Engels hatte 1872 drei Artikel zur Wohnungsfrage f&#252;r das Zentralorgan der deutschen sozialdemokratischen Partei geschrieben, sie erschienen 1887 zusammen als Brosch&#252;re: &lt;i&gt;Zur Wohnungsfrage&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Der Arbeiter tritt dem Kr&#228;mer gegen&#252;ber als K&#228;ufer auf, d.h. als Besitzer von Geld oder Kredit, und daher keineswegs in seiner Eigenschaft als Arbeiter, d.h. als Verk&#228;ufer von Arbeitskraft. Die Prellerei mag ihn, wie &#252;berhaupt die &#228;rmere Klasse, h&#228;rter treffen als die reicheren Gesellschaftsklassen, aber sie ist nicht ein &#220;bel, das ihn ausschlie&#223;lich trifft, das seiner Klasse eigent&#252;mlich ist. Geradeso ist es mit der Wohnungsnot. Die Ausdehnung der modernen gro&#223;en St&#228;dte gibt in gewissen, besonders in den zentral gelegenen Strichen derselben dem Grund und Boden einen k&#252;nstlichen, oft kolossal steigenden Wert [AdA: Im Kapitel &#8222;Die absolute Grundrente&#8220; erkl&#228;rt Marx diesen &#8222;k&#252;nstlichen Wert&#8220; als eine Variante der Differentialrente, die er dort &#8222;Monopolpreis&#8220; nennt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 771.&#034; id=&#034;nh13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.]; die darauf errichteten Geb&#228;ude, statt diesen Wert zu erh&#246;hn, dr&#252;cken ihn vielmehr herab, weil sie den ver&#228;nderten Verh&#228;ltnissen nicht mehr entsprechen; man rei&#223;t sie nieder und ersetzt sie durch andre. Dies geschieht vor allem mit zentral gelegenen Arbeiterwohnungen, deren Miete, selbst bei der gr&#246;&#223;ten &#220;berf&#252;llung, nie oder doch nur &#228;u&#223;erst langsam &#252;ber ein gewisses Maximum hinausgehn kann. Man rei&#223;t sie nieder und baut L&#228;den, Warenlager, &#246;ffentliche Geb&#228;ude an ihrer Stelle [AdA: Engels konnte die von offiziellen oder parallelen kulturellen Einrichtungen oder einer nicht immer sehr reichen Bev&#246;lkerung, die aber mit viel kulturellem Kapital ausgestattet ist, gespielte Rolle als Br&#252;ckenkopf mit ihren Vereinen und Demonstrationen zur &#8222;Verteidigung des Quartiers&#8220; in diesem Prozess der &#8222;Stadtaufwertung&#8220; nicht vorhersehen.] [&#8230;] Das Resultat ist, da&#223; die Arbeiter vom Mittelpunkt der St&#228;dte an den Umkreis gedr&#228;ngt, da&#223; Arbeiter- und &#252;berhaupt kleinere Wohnungen selten und teuer werden und oft gar nicht zu haben sind, denn unter diesen Verh&#228;ltnissen wird die Bauindustrie, der teurere Wohnungen ein weit besseres Spekulationsfeld bieten, immer nur ausnahmsweise Arbeiterwohnungen bauen. Diese Mietsnot trifft den Arbeiter also sicher h&#228;rter als jede wohlhabendere Klasse; &lt;i&gt;aber sie bildet, ebensowenig wie die Prellerei des Kr&#228;mers, einen ausschlie&#223;lich auf die Arbeiterklasse dr&#252;ckenden &#220;belstand&lt;/i&gt; [vom Autor unterstrichen] und mu&#223;, soweit sie die Arbeiterklasse betrifft, bei gewissem H&#246;hegrad und gewisser Dauer, ebenfalls eine gewisse &#246;konomische Ausgleichung finden. [AdA: Engels erkl&#228;rt sp&#228;ter, dass das zu einer Lohnerh&#246;hung f&#252;hren m&#252;sse.] Es sind vorzugsweise diese der Arbeiterklasse mit andern Klassen, namentlich dem Kleinb&#252;rgertum, gemeinsamen Leiden, mit denen sich der kleinb&#252;rgerliche Sozialismus, zu dem auch Proudhon geh&#246;rt, mit Vorliebe besch&#228;ftigt. Und so ist es durchaus nicht zuf&#228;llig, da&#223; unser deutscher Proudhonist sich vor allem der Wohnungsfrage, die, wie wir gesehn haben, keineswegs eine ausschlie&#223;liche Arbeiterfrage ist, bem&#228;chtigt und da&#223; er sie, im Gegenteil, f&#252;r eine wahre, ausschlie&#223;liche Arbeiterfrage erkl&#228;rt. &#8218;Was der &lt;i&gt;Lohnarbeiter&lt;/i&gt; gegen&#252;ber dem &lt;i&gt;Kapitalisten&lt;/i&gt;, das ist der &lt;i&gt;Mieter&lt;/i&gt; gegen&#252;ber &lt;i&gt;Hausbesitzer&lt;/i&gt;.&#8216; Dies ist total falsch. Bei der Wohnungsfrage haben wir zwei Parteien einander gegen&#252;ber, den Mieter und den Vermieter oder Hauseigent&#252;mer. Der erstere will vom letztern den zeitweiligen Gebrauch einer Wohnung kaufen; er hat Geld oder Kredit [&#8230;] Es ist ein einfacher Warenverkauf; es ist nicht ein Gesch&#228;ft zwischen Proletarier und Bourgeois, zwischen Arbeiter und Kapitalisten; der Mieter - selbst wenn er Arbeiter ist - tritt als &lt;i&gt;verm&#246;gender Mann&lt;/i&gt; auf, er mu&#223; seine ihm eigent&#252;mliche Ware, die Arbeitskraft, schon verkauft haben, um mit ihrem Erl&#246;s als K&#228;ufer des Nie&#223;brauchs einer Wohnung auftreten zu k&#246;nnen, oder er mu&#223; Garantien f&#252;r den bevorstehenden Verkauf dieser Arbeitskraft geben k&#246;nnen. Die eigent&#252;mlichen Resultate, die der Verkauf der Arbeitskraft an den Kapitalisten hat, fehlen hier g&#228;nzlich. [&#8230;] Hier [AdA: Im Verh&#228;ltnis des Arbeiters zum Kapitalisten.] wird also ein &#252;bersch&#252;ssiger Wert erzeugt, die Gesamtsumme des vorhandenen Werts wird vermehrt. Ganz anders beim Mietgesch&#228;ft. Um wieviel auch der Vermieter den Mieter &#252;bervorteilen mag, es ist immer nur ein &#220;bertragen bereits &lt;i&gt;vorhandenen&lt;/i&gt;, vorher &lt;i&gt;erzeugten&lt;/i&gt; Werts, und die Gesamtsumme der von Mieter und Vermieter &lt;i&gt;zusammen&lt;/i&gt; besessenen Werte bleibt nach wie vor dieselbe. [&#8230;] Es ist also eine totale Verdrehung des Verh&#228;ltnisses zwischen Mieter und Vermieter, es mit dem zwischen Arbeiter und Kapitalisten gleichstellen zu wollen. Im Gegenteil, wir haben es mit einem ganz gew&#246;hnlichen Warengesch&#228;ft zwischen zwei B&#252;rgern zu tun, und dies Gesch&#228;ft wickelt sich ab nach den &#246;konomischen Gesetzen, die den Warenverkauf &#252;berhaupt regeln, und speziell den Verkauf der Ware: Grundbesitz.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Friedrich Engels, Zur Wohnungsfrage, op. cit., S. 214-216.&#034; id=&#034;nh14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Was Engels vom Mieter und Vermieter schreibt, k&#246;nnen wir auf das Verh&#228;ltnis des Steuerzahlers zum Staat bez&#252;glich des &#246;ffentlichen Dienstes ausdehnen.&lt;/i&gt; Es ist offensichtlich, dass der aus dem Stadtzentrum vertriebene oder in einer von den Netzwerken abgeschnittenen Favela lebende Proletarier mehr leiden wird als der Bourgeois, der sich private Dienste leisten kann oder die pers&#246;nlichen Mittel hat, um den Mangel oder den Verfall der &#246;ffentlichen Dienste zu ersetzen, doch in jener territorialen Farbe, welche dann seine Revolte annimmt, ist er nicht Teil eines gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisses des Arbeiters zum Kapitalisten, sondern des Steuerzahlers zum Staat, des Konsumenten zu den &#246;ffentlichen Diensten. Es handelt sich, wie Engels schreibt, um ein &#8222;ganz gew&#246;hnliche[s] Warengesch&#228;ft&#8220;, obwohl der Proletarier v&#246;llig zurecht den Eindruck hat, dass er geprellt wird. Die Territorialisierung der Revolte ist notwendigerweise interklassistisch (wie es Engels unterstreicht, indem er von &#8222;Warengesch&#228;ften&#8220; spricht), doch der Interklassismus ist nicht an sich definitionsgem&#228;ss ein &#8222;Makel&#8220; des Klassenkampfes, er kann sehr wohl eine Spannung hin zu seiner &#220;berwindung sein, alles h&#228;ngt von der ihn formalisierenden Instanz ab, welche wiederum von den wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und historischen Bedingungen des Ausbruchs der Klassenwiderspr&#252;che abh&#228;ngt, d.h. von ihrer wirklichen Existenz.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das den Kampf strukturierende und die Streitgegenst&#228;nde definierende gesellschaftliche Verh&#228;ltnis ist nicht das Kapital oder die Lohnarbeit, sondern das die Raumordnung bestimmende &lt;i&gt;Grundeigentum&lt;/i&gt;. Der Interklassismus ist das Symptom dieses gesellschaftlichen Produktionsverh&#228;ltnisses, er unterscheidet sich darin von dem, was er als Entwicklung der gesellschaftlichen Produktionsverh&#228;ltnisse Kapital und Lohnarbeit ist, f&#252;r welche er sowohl sein als auch nicht sein kann. Hier, mit dem Grundeigentum, ist er notwendig. Da sie vom Grundeigentum strukturiert werden und dieses sich selbst als Streitgegenstand setzt, betreffen die Klassenk&#228;mpfe als von der Raumordnung ausgel&#246;ste K&#228;mpfe ein &#8222;sekund&#228;res&#8220; Produktionsverh&#228;ltnis. Dieser &#8222;sekund&#228;re&#8220; Charakter zeigt sein eigentliches Wesen in der Organisation von K&#228;mpfen rund um das Einkommen und die Tauschverh&#228;ltnisse. F&#252;r die Arbeiterklasse ist dieser Kampf ein Kampf um die Reproduktionsbedingungen: Es ist wahr, dass &#8222;die ungeheure Macht, die dies Grundeigentum gibt, wenn es mit dem industriellen Kapital in derselben Hand vereinigt, dieses bef&#228;higt, die Arbeiter im Kampf um den Arbeitslohn praktisch von der Erde als ihrem Wohnsitz auszuschlie&#223;en. Ein Teil der Gesellschaft verlangt hier von den andern einen Tribut f&#252;r das Recht, die Erde bewohnen zu d&#252;rfen [...]&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Karl Marx, Das Kapital, Bd. III, op. cit., S. 781-782.&#034; id=&#034;nh15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Und somit &lt;i&gt;ein Tribut, um auf der Erde zirkulieren zu d&#252;rfen&lt;/i&gt;. Doch der Status des den Kampf (durch die eigentlichen Ziele und Forderungen dieses Kampfes) strukturierenden Grundeigentums selbst f&#252;hrt dazu, dass diese Reproduktion der Arbeitskraft von der Wertsch&#246;pfung desartikuliert (autonomisiert) ist, der Kampf ist erstarrt auf der Ebene der Einkommen und den den &#8222;ganz gew&#246;hnlichen&#8220; Warentauschen inh&#228;renten Verh&#228;ltnissen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine wirtschaftliche Forderung also, wo der Lohn nur ein (selbstverst&#228;ndlich ungerechtes) Distributionsverh&#228;ltnis ist und als Konsequenz davon wird die Produktionsweise verschleiert, reduziert auf die Unterschlagung der Arbeit des Volkes (das nichts anderes ist als die Summe der Individuen, so wie ihre jeweilige T&#228;tigkeit ein Einkommen generiert, jeder hat seine eigene Quelle, jeder tr&#228;gt zum allgemeinen Reichtum durch den Gebrauchswert seiner T&#228;tigkeit oder seines Produkts bei, die Grenznutzenschule ist die politische &#214;konomie des Volkes) durch die Finanz und die grossen Unternehmen, oder besser gesagt ihre Chefs&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe den &#8222;Aufruf von St-Nazaire&#8220;.&#034; id=&#034;nh16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Soweit kann es folgendermassen zusammengefasst werden: eine wirtschaftliche Forderung mit einer &#8222;politischen Seele&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Eine besondere Sequenz&#8220; (TC 25) erkl&#228;rt das Ph&#228;nomen.&#034; id=&#034;nh17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch genau da werden die Dinge kompliziert. Es gibt jene, welche es einfach nur &#8222;widerlich&#8220; finden, und jene, welche &#8222;dabei sind&#8220;, sofern &#8222;blockiert wird&#8220;, wie sie auch am 6. Februar 1934 &#8220;dabei gewesen w&#228;ren&#8220;, sofern die Abgeordnetenkammer angegriffen wird. Da es sich nur um Einkommen handelt, f&#252;hren die Distributionsverh&#228;ltnisse, der Lohn als Einkommen, dazu, dass die Lohnabh&#228;ngigen sich vermischt mit anderen, einen identischen Mangel hinnehmen m&#252;ssenden Einkommensquellen wiederfinden (Handwerker, Chefs kleiner Unternehmen) und dazu gebracht werden, sie zu frequentieren, obwohl deren Mangel hinsichtlich der quantitativen und qualitativen Art und Weise verschieden ist (Kauf von Subsistenzg&#252;tern oder Erneuerung oder Erweiterung der &#8222;Arbeitswerkzeuge&#8220; genannten Produktionsg&#252;tern). Im Kapitel &#8222;Die trinitarische Formel&#8220; unterstreicht Marx, nachdem er an die jeglicher Warenproduktion inh&#228;rente Mystifizierung erinnert hat&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Karl Marx, Das Kapital, Bd. III, op. cit., S. 835.&#034; id=&#034;nh18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, dass &#8222; sich diese verzauberte und verkehrte Welt&#8220; in der kapitalistischen Produktionsweise &#8222;noch viel weiter [entwickelt]&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. &lt;i&gt;Er f&#252;gt jedoch sofort eine Beschr&#228;nkung bei&lt;/i&gt;: &#8222;Betrachtet man das Kapital zun&#228;chst im unmittelbaren Produktionsproze&#223; - als Auspumper von Mehrarbeit, so ist dies Verh&#228;ltnis noch sehr einfach, und der wirkliche Zusammenhang dr&#228;ngt sich den Tr&#228;gern dieses Prozesses, den Kapitalisten selbst auf und ist noch in ihrem Bewu&#223;tsein. Der heftige Kampf um die Grenzen des Arbeitstags beweist dies schlagend.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Es ist erw&#228;hnenswert, dass Marx hier den Arbeitstag als Beispiel nimmt und nicht die Lohnk&#228;mpfe, gegen&#252;ber welchen er stets eine sehr kritische Position hat. Nicht dass er dagegen w&#228;re&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe die Polemik mit Proudhon in Das Elend der Philosophie.&#034; id=&#034;nh21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, einfach &#8222;kritisch&#8220; in jenem Sinne, dass er den Charakter des ewigen Neubeginns unterstreicht, da sie vom Wertgesetz der Arbeitskraft erzwungen werden und ihm letztendlich Respekt zollen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe die Konferenzen im Rahmen der IAA: Lohn, Preis und Profit, 1865.&#034; id=&#034;nh22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kommen wir auf die &#8222;komplizierten Dinge&#8220; zur&#252;ck: Die Distributionsverh&#228;ltnisse sind nur &#8222;die Kehrseite der Produktionsverh&#228;ltnisse&#8220;, die beiden &#8222;Ebenen&#8220; sind nicht in einer Situation (Beziehung) eines gegenseitigen Ausschlusses, sondern in einer, die man &#8222;dialektisches Spiel&#8220; nennen kann: Die einen reflektieren sich in den anderen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb23&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe &#8222;Se positionner : rapports de production et rapports de (...)&#034; id=&#034;nh23&#034;&gt;23&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf den Distributionsverh&#228;ltnissen basierend wird eine Unterscheidung zwischen Armen und Reichen konstruiert, eine Unterscheidung, welche den Ursprung und die Substanz des Reichtums nicht in Frage stellt: Wert und Mehrwert. Zwischen Reichen und Armen (jenen, welche im Privatjet reisen, und jenen, welche es sich nicht leisten k&#246;nnen, das Auto vollzutanken) ist die Frage der Verteilung unabh&#228;ngig von jener der Substanz des Reichtums selbst. Die Distributionsverh&#228;ltnisse sind gleichbedeutend mit dem fetischisierten Verh&#228;ltnis der Einkommen zu ihrer Quelle. Die Arbeit ist nur noch mit einem gewissen Teil des produzierten Werts verbunden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Bewegungen wie jener der Gelbwesten muss man sich der &#8222;Scheidelinie&#8220; ann&#228;hern, welche einerseits abgrenzt, inwiefern die Distributionsverh&#228;ltnisse als Kehrseite der Produktionsverh&#228;ltnisse designiert werden, und andererseits inwiefern sie den Absolutheitsanspruch als Totalit&#228;t der gesellschaftlichen Wirklichkeit haben. Diese Verabsolutierung und ihre politischen und kulturellen Implikationen sind nicht selbstverst&#228;ndlich, die Kehrseite ist stets pr&#228;sent.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist weder verr&#252;ckter Optimismus noch eine Neigung zum Aktivismus, wenn man ins Auge fasst, dass die urspr&#252;ngliche &#8222;Scheidelinie&#8220; der Gelbwesten zwischen einer gesellschaftlichen und politischen Arbeit einerseits verl&#228;uft, welche die Tatsache nicht nur &lt;i&gt;anerkennt&lt;/i&gt;, sondern die Distributionsverh&#228;ltnisse als &lt;i&gt;absoluten Pol errichtet&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;proklamiert&lt;/i&gt;, und zwischen K&#228;mpfen und Praktiken andererseits, welche die Distributionsverh&#228;ltnisse eben genau als &#8222;Kehrseite der Produktionsverh&#228;ltnisse&#8220; designieren, d.h. sie verorten sich in der &lt;i&gt;Reflexivit&#228;t&lt;/i&gt;. Man darf jedoch nicht vergessen, dass es diverse intermedi&#228;re Situationen geben kann. Die Unterscheidung kann eine gleiche Praxis und/oder eine gleiche gesellschaftliche Gruppe (Untergliederungen der Klassen) durchdringen. In einem Kampf kann sie synchronisch oder diachronisch sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ausser online und hinter einem Pseudonym versteckt, wer wird dem pensionierten Stahlarbeiter und seiner beim Staat angestellten Frau, welche finanziell nicht &#252;ber die Runden kommen und ein bisschen ihre arbeitslosen Kinder unterst&#252;tzen, sagen, sie seien &#8222;widerlich&#8220;? Man muss zwischen dem, was individuell zur bedeutenden Pr&#228;senz von Arbeitern, Pensionierten, Angestellten f&#252;hrt (proportional, denn in absoluten Zahlen sind die Kundgebungen und Demonstrationen bescheiden), und der sich konstruierenden Gesamtkonfiguration im gegenw&#228;rtigen Kontext und innerhalb ihrer Mobilisierung unterscheiden. Man muss zwischen den Motiven f&#252;r diese Pr&#228;senz und dem daraus resultierenden &lt;i&gt;politischen&lt;/i&gt; Diskurs unterscheiden. Ihre Unterscheidung erlaubt es eben genau, die Notwendigkeit dieses Diskurses ausgehend von diesen Motiven zu verstehen. Die politische Umwandlung und alles, was dazu geh&#246;rt, setzt sich unabh&#228;ngig vom individuellen Willen jedes Teilnehmers durch, es handelt sich um die von ihnen unabh&#228;ngige Gemeinschaft, welche durch ihre Pr&#228;senz und ihre Motive selbst existiert. Es muss noch pr&#228;zisiert werden, dass in einer disparaten Bewegung wie dieser, diese &#8222;Unabh&#228;ngigkeit&#8220; (die Anf&#252;hrungs- und Schlusszeichen sind hier beabsichtigt) in einer Fraktion der Bewegung ihre Repr&#228;sentanten und ihren Inbegriff findet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Genau wegen dieser &#8222;Unabh&#228;ngigkeit&#8220; impliziert die Verabsolutierung die Deklination aller aus den Distributionsverh&#228;ltnissen resultierenden ideologischen Rekonstruktionen, deren wesentliche Manifestationen werden im Text &#8222;Eine besondere Sequenz&#8220; gut beschrieben und artikuliert. Wir werden nicht weiter darauf eingehen. Im zweiten Fall designiert die Forderung gegen Ungerechtigkeit, Armut, den entnationalisierten Staat die Produktionsverh&#228;ltnisse &lt;i&gt;innerhalb der Art und Weise selbst, wie die Distributionsverh&#228;ltnisse angegriffen werden&lt;/i&gt;. Und man kann unm&#246;glich sagen, die Sache sei in den Mobilisierungen der Gelbwesten nicht pr&#228;sent.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist exakt, dass es immer noch die Distributionsverh&#228;ltnisse sind, welche im Vordergrund stehen, denn die Individuen gehen immer von ihrer eigenen Existenz aus. Es ist wahr, die Individuen gehen von ihrem allt&#228;glichen Leben, ihren Einkommen, d.h. von den Distributionsverh&#228;ltnissen, dem als &#8222;Schicksal&#8220; erlebten Fetischismus aus. Aber sind die Produktionsverh&#228;ltnisse zwingend sehr weit davon entfernt? Es existiert immer ein Spiel, keine Dichotomie, zwischen Produktions- und Distributionsverh&#228;ltnissen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit den Gelbwesten hat sich der Kampf gegen die Ungerechtigkeit der Distribution mit den Produktionsverh&#228;ltnissen artikuliert. Als Selbstverst&#228;ndnis und Verst&#228;ndnis dieser Ungerechtigkeit, bewusst oder nicht, in der Praxis, in den Formen seines kaum kontrollierten Modus Operandi. In Chalen&#231;on im Departement Vaucluse hat sich der Sprecher, selber Chef einer kleinen Schmiede mit zwei Angestellten, ab Sonntagabend (18. November) von der Weiterf&#252;hrung der Blockaden unter der Woche entsolidarisiert &#8211; nur um seine Meinung am n&#228;chsten Tag wieder zu &#228;ndern. Dieser Kampf gegen die Ungerechtigkeit der &#8222;Warendistribution&#8220; hat sich mit den Produktionsverh&#228;ltnissen verbunden, indem die &#8222;Distribution der Produktionselemente&#8220; in den Vordergrund gestellt wurden: das Ausbleiben von Eigentum und Produktionsmitteln, die Abh&#228;ngigkeit gegen&#252;ber einer von der Mobilit&#228;t abh&#228;ngigen Anstellung, die Armut und die territoriale Zuweisung (der Kredit des Hauses oder der Wohnung, die aufgrund der Schliessung oder Delokalisierung des die Zone strukturierenden Unternehmens unverk&#228;uflich geworden sind).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Dem einzelnen Individuum gegen&#252;ber erscheint nat&#252;rlich die Distribution [AdA: Es handelt sich sowohl um die Warendistribution als auch um die Distribution der Produktionswerkzeuge, die Marx soeben als voneinander abh&#228;ngig definiert hat.] als ein gesellschaftliches Gesetz, das seine Stellung innerhalb der Produktion bedingt [AdA: Hier sind wir also!], innerhalb deren es produziert, die also der Produktion vorausgeht. [AdA: Obacht: &#8222;dem einzelnen Individuum gegen&#252;ber erscheint&#8220; es so, aber eben genau ausgehend von den Distributionsverh&#228;ltnissen und ihrer Ungerechtigkeit, das ist der Ausgangspunkt.] Das Individuum hat von Haus aus kein Kapital, kein Grundeigentum. Es ist von Geburt auf die Lohnarbeit angewiesen durch die gesellschaftliche Distribution.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb24&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Karl Marx, &#8222;Einleitung von 1857&#8220; in MEW, Bd. 13, Berlin, Dietz, 1971, S. 627.&#034; id=&#034;nh24&#034;&gt;24&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Das Spiel zwischen Produktions- und Distributionsverh&#228;ltnissen kann wesentlich ausgehend von einer Revolte gegen die Ungerechtigkeit, mittels dieser Form der Distribution (der Produktionswerkzeuge) verbunden mit der Warendistribution (Einkommen) auf dynamische Art und Weise abh&#228;ngig von historischen und lokalen Umst&#228;nden beeinflusst werden. Ein Protest gegen den Gebrauch des &#246;ffentlichen Geldes, gegen den Investitionsmangel in einem Quartier oder &#8222;Territorium&#8220;, kann eine dynamische Beziehung im Spiel zwischen Distributions- und Produktionsverh&#228;ltnissen herstellen, schliesslich steht das Verh&#228;ltnis zwischen notwendiger und Mehrarbeit auf dem Spiel&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb25&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Karl Marx, Das Kapital, Bd. III, op. cit., S. 369.&#034; id=&#034;nh25&#034;&gt;25&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Verschiedene Tendenzen k&#246;nnen sich in einer gleichen Bewegung begegnen, bek&#228;mpfen oder gegenseitig ignorieren. In diesem Spiel sind alle Arten von Umst&#228;nden denkbar, doch was definiert werden muss, ist, f&#252;r welche Materie sie den Rahmen bilden. Es ist nicht nur n&#246;tig, dass diese Materie daf&#252;r geeignet ist, &#8222;dynamisiert&#8220; zu werden, sondern auch, dass diese Materie, welche die gegenw&#228;rtige Besonderheit dieser Krise determiniert, jene Klassenbeziehungen determiniert, welche sie &#8222;dynamisieren&#8220; oder im Gegenteil &#8222;verabsolutieren&#8220;. Zwischen der Verabsolutierung und der Reflexivit&#228;t gibt es immer eine Tendenz, welche die Oberhand gewinnt und das ab der Entstehung einer Bewegung durch das, was ihre zentrale Eigenschaft darstellt. F&#252;r die Gelbwesten war es die politische Umwandlung der wirtschaftlichen Forderung, welche den Sieg der Verabsolutierung garantiert hat, eine Umwandlung, welche dann alle im Text &#8222;Eine besondere Sequenz&#8220; aufgez&#228;hlten Determinierungen enth&#228;lt: von der Arbeit als Wert bis zur Authentizit&#228;t des Volkes. Die Reflexivit&#228;t wurde unmittelbar als Moment des Absoluten der Distributionsverh&#228;ltnisse mit ihrer politischen Formalisierung absorbiert. Die ganz kleine Bourgeoisie (nicht die &#8222;Mittelklassen&#8220;) konnte also in dieser Bewegung im Namen des Volkes und allem, was es impliziert, &lt;i&gt;hegemonisch&lt;/i&gt; sein, d.h. den allgemeinen Rahmen der Forderung und der m&#246;glicherweise innerhalb der Bewegung auftretenden Konflikte (und ihrer Begriffe) festlegen. Indem man Hegel parodiert, kann man schreiben, dass sie zur &#8222;gebildete[n] Intelligenz und [zum] rechtliche[n] Bewu&#223;tsein der Masse eines Volkes&#8220; wurde&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb26&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Grundlinien der Philosophie des Rechts, &#167; 297.&#034; id=&#034;nh26&#034;&gt;26&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist paradoxerweise gerade dort, wo die Bewegung, wenn sie den Staat angreift, am &#8222;radikalsten&#8220; erscheint, wo sie sie sich als Volk definiert und als solches begrenzt. Es w&#252;rde also nur noch darum gehen, den Staat dem Volk zur&#252;ckzugeben&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb27&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe diesbez&#252;glich Karl Marx, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie.&#034; id=&#034;nh27&#034;&gt;27&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Indem das getan wird, werden die Ursachen der &#8222;Ungerechtigkeit&#8220; nicht in den gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen vorgebracht, welche dazu f&#252;hren, dass es einen Staat gibt, sondern in einer determinierten politischen Form (die schlechte Repr&#228;sentativit&#228;t, die Eliten, die Enarchie usw.), die es durch eine andere zu ersetzen gilt. Gegen&#252;ber dem direkt zum Staat gewordenen Volk ist die demokratische Kritik des Populismus keine einfache Sache. Pierre Rosanvallon machte schon vor ein paar Jahren darauf aufmerksam: &#8222;Wir m&#252;ssen eine demokratische Kritik des Populismus philosophisch vorbringen. Um was es in einer populistischen Perspektive geht, ist kurz zusammengefasst eine extrem armselige Vorstellung der Demokratie, eine Urvorstellung des Gemeinwillens. Der Populismus betrachtet die gesellschaftliche Energie als permanent abgew&#252;rgt durch die Eliten, die Apparate, die Parteien und die Institutionen. Es ist eine sehr fragw&#252;rdige Vorstellung der Demokratie. Die Demokratie besteht nicht nur aus der passiven Erfassung der Willens&#228;usserungen, sondern auch aus dem Aufbau des Zusammenlebens. Der gemeinsame Wille ist anfangs nicht gegeben. Er wird in der Debatte und in der Beratung aufgebaut. Auf dieser Grundlage kann man eine methodische und philosophische Kritik des Populismus vorbringen. Der Gemeinwille und die gesellschaftliche Energie sind nicht &#8218;schon seiend&#8216; [&#8230;] Wenn man eine dezisionistische Vorstellung der Demokratie hat, kann man nicht zwischen Populismus und Demokratie unterscheiden.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb28&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Pierre Rosanvallon, Le Monde vom 14.12.93.&#034; id=&#034;nh28&#034;&gt;28&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Die Demokratie hat ein Problem mit dem Populismus. Sagen wir einfach, dass der &#8222;Gemeinwille&#8220; eine Wirklichkeit ist, es handelt sich immer um die Interessen der herrschenden Klasse, welche als allgemeine Interessen geltend gemacht werden, die Demokratie ist in der kapitalistischen Produktionsweise der angemessenste Prozess dieser &#8222;Geltendmachung&#8220; und das eben genau aus den von Rosanvallon angef&#252;hrten Gr&#252;nden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die als &#8222;Gemeinwille&#8220; befriedete &lt;i&gt;Repr&#228;sentation&lt;/i&gt; einer als notwendigerweise konfliktreich anerkannten Gesellschaft (hier liegt die ganze St&#228;rke der Demokratie) stellt eine Arbeitst&#228;tigkeit dar, nicht einen Widerschein. D.h. dass die Verdinglichung und der Fetischismus in der demokratischen Funktionsweise des Staates &lt;i&gt;T&#228;tigkeiten&lt;/i&gt; sind, es ist die Politik in Form von Parteien, Debatten, Beratungen, Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse in der besonderen Sph&#228;re der Zivilgesellschaft, Entscheidungen. Die Demokratie scheint unabwendbar populistisch zu werden, da die Repr&#228;sentationsarbeit in Krise ist. &#220;berall destabilisiert das Verschwinden der Arbeiterbewegung und dadurch ihrer sozialdemokratischen und/oder kommunistischen Repr&#228;sentation die politische Grundlage des demokratischen Staates. Dieser stellt die Befriedung einer gesellschaftlichen Spaltung dar, welche die Demokratie in dem Sinne als wirklich anerkennt, als dass sie die Repr&#228;sentation davon in Form einer Auseinandersetzung von B&#252;rgern ist. Im Gegensatz zum Populismus stellt die Demokratie die Anerkennung des unvermeidlich konfliktreichen Charakters der &#8222;nationalen Gemeinschaft&#8220; dar, von diesem Standpunkt aus war die Anerkennung der Arbeiterklasse historisch der Kern des Aufbaus der Demokratie, sie war gar ihr Motor und ihr Kriterium. Die gegenw&#228;rtigen politischen Formen des Krisenverlaufs lassen eine Krise &lt;i&gt;der Hegemonie&lt;/i&gt; der kapitalistischen Klassen erkennen. Herrschaft und Hegemonie sind nicht identisch, es kann durchaus Herrschaft ohne Hegemonie geben (Gramsci). Die Hegemonie besteht darin, den unausweichlichen Rahmen der Debatten und Oppositionen hervorzubringen und dadurch dem anderen die Begriffe seiner Opposition selbst aufzuzwingen. Der Prozess zur Erlangung der Hegemonie dauerte f&#252;r die Bourgeoisie in Frankreich sehr lange, man kann sagen, dass er erst mit der Dritten Republik abgeschlossen war, er ist nun dabei zusammenzubrechen. Was nicht im entferntesten gleichbedeutend mit der Emergenz eines seine eigene Sprache sprechenden revolution&#228;ren Diskurses ist, es handelt sich eher um ein Puzzle, eine Ansammlung von Bruchst&#252;cken anstelle der Hegemonie, welche das Volk subsumieren und kr&#246;nen kommt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit den Gelbwesten haben sich die Distributionsverh&#228;ltnisse und ihr ideologischer Tross in der Politik und der Kritik des gegenw&#228;rtigen Staates verabsolutiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Dialektik zwischen Produktions- und Distributionsverh&#228;ltnissen pfl&#252;gt letztendlich immer noch &#252;ber die Frage des &#8222;Glasbodens&#8220;. Im Verlauf der Bewegung kam es in Carpentras und Monteux zu Streiks von Angestellten an zwei Standorten von McCormick (Ducros und Vahin&#233;). Auf einem in der &lt;i&gt;Provence&lt;/i&gt; ver&#246;ffentlichten Foto (20.11.18) tragen etliche Streikende unter dem Transparent &#8222;Fabriken im Streik&#8220; eine Gelbweste. Ohne &#8222;Fabrikk&#228;mpfe&#8220; &#252;berbewerten zu wollen, so ist doch die gegenw&#228;rtige Vorherrschaft der Distributionsverh&#228;ltnisse nicht nur wie immer gleichbedeutend mit der Tatsache, dass es sich &#8222;um die notwendige Illusion&#8220; handelt, &#8222;in welcher wir leben&#8220;, sondern sie h&#228;ngt von den Bedingungen der Krise und dem Verlauf, zumindest im Westen, der &#8222;grossen sozialen Bewegungen&#8220; der letzten Jahre und dem mit ihnen verbundenen &#8222;Glasboden&#8220; (die Unf&#228;higkeit des Eindringens in die Produktionsst&#228;tten) ab. Genau wie die Bewegung der Gelbwesten aufgrund ihres Wesens nicht in die Produktionsst&#228;tten eindringen konnte, konnte auch ihre Unterst&#252;tzung durch die Arbeiter nur symbolisch sein (ein fordernder Kampf kann sich als solcher in Frage stellen, wenn er auf der Ebene der &lt;i&gt;Reproduktion&lt;/i&gt; stattfindet). Symbolisch, aber existent. Nur die Berufsrevolution&#228;re st&#252;rzen mit gesenktem Kopf auf jedwede Blockade zu, da sie in allem, was sich bewegt, die revolution&#228;re Dynamik am Werk sehen, oder umgekehrt, da sie wissen, was die kommunistische Revolution von Anfang bis Ende ist, halten sich die Nase zu, wenn nicht &#252;berall in ihrer Kreuztabelle ein H&#228;kchen gesetzt ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Durchschnittstyp (u.a. Redakteur und/oder Leser von &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;) weiss, dass die Monatsenden schwierig sind, die L&#246;hne sich nicht bewegen, der Steuerdruck steigt, die Defizite bewusst seit dreissig Jahren vergr&#246;ssert worden sind, sich alles mit der 2008 stattfindenden Explosion der Staatsschulden zur Rettung des Finanzsystems beschleunigt hat und nun aufgeputzt werden muss. Der Durchschnittstyp weiss es und wendet sich also je nach Umst&#228;nden gegen seinen Chef (McCormick hat seinen Angestellten von Monteux und Carpentras ein Lohnerh&#246;hung von mindestens 80 Euros zugestanden) und/oder den Staat, da er immer weniger der Meinung ist, die Bezahlung von Steuern sei eine &#8222;B&#252;rgerpflicht&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb29&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Umfrage von Le Monde vom 23.11.18.&#034; id=&#034;nh29&#034;&gt;29&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Und wenn, wie es sich nun herausstellt, alle sich in Paris (am Freitag 23.11) verabredenden departementalen Koordinatoren wie Chefs kleiner Unternehmen aussehen und sich so verhalten, wird das dem Durchschnittstyp auffallen, da er schliesslich kein Idiot ist &#8211; oder auch nicht. &#8222;Oder auch nicht&#8220;? Das ist die Frage. Der objektive Druck, welcher alle in Fragen des Einkommens, des Volkes, der Legitimit&#228;t des Staates verwickelt, besteht nicht aus &#8222;Man&#246;vern&#8220;, er ist im Moment stark und resultiert aus dem Wesen der Krise selbst seit 2008. Was auch immer ihre gesellschaftliche Zusammensetzung sein mag, die Bewegung der Gelbwesten kann sich dessen nicht entziehen, umso mehr weil sie sich darin wiedererkennt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Christophe Chalen&#231;on, Sprecher der Gelbwesten im (besonders aktiven) Departement Vaucluse, verk&#252;ndete in einem auf einer Blockade gedrehten Video am Sonntag 18.11: &#8222;Wir haben eine weltweite Bewegung gestartet&#8220;. Er scheint etwas zu &#252;bertreiben, der Aufruf von St. Nazaire beruft sich &#8222;lediglich&#8220; auf eine &#8222;europ&#228;ische Welle&#8220; des Erwachens der V&#246;lker, man erkennt hier sehr wohl den Diskurs von Marine Le Pen, Viktor Orban, der Demonstranten von Chemnitz usw.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Krise so wie sie sich &lt;i&gt;im Moment&lt;/i&gt; als Krise der Globalisierung entwickelt (siehe Trump), ist diese Krise der Globalisierung eine Krise dessen, was ihr Kern war: die doppelte Entkopplung&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb30&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe &#8222;Revendiquer pour le salaire&#8220; in Th&#233;orie communiste, Nr. 22, S. 135 (...)&#034; id=&#034;nh30&#034;&gt;30&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Konturen einer m&#246;glichen Restrukturierung (welche wie immer &lt;i&gt;wirklich&lt;/i&gt; in der Konfrontation zwischen der kapitalistischen Klasse und dem Proletariat &#252;ber die Modalit&#228;ten der Ausbeutung, der Auspressung von Mehrarbeit bewerkstelligt wird) sind bis anhin vom Konflikt mit mehr oder weniger nationalistischen Volksbewegungen bez&#252;glich den Themen der Einkommensverteilung, der Familie, der Werte, des B&#252;rgersinns gepr&#228;gt (f&#252;r einmal, sollte sich die Geschichte immer zweimal wiederholen, wird die Farce der Trag&#246;die vorangegangen sein). Die doppelte Entkopplung liegt im Kern des gegenw&#228;rtigen Zeitpunkts der Krise der Globalisierung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Genau das manifestiert sich in Bewegungen wie den Gelbwesten, doch solange sich die Krise der Globalisierung auf diese Art und Weise abspielen wird, ist nur die konfliktreiche Dynamik der Restrukturierung (oder zumindest ihre Konturen) am Werk. Nichts anderes. Obwohl derartige Oppositionen nicht untersch&#228;tzt werden d&#252;rfen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb31&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Tsipras und Br&#252;ssel: Das Kapitel &#8222;Syriza et les institutions un (...)&#034; id=&#034;nh31&#034;&gt;31&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, &lt;i&gt;ist das Kapital auf beiden Seiten pr&#228;sent&lt;/i&gt; und bleibt die Zukunft der Welt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://sites.google.com/site/theoriecommuniste/home&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;23. November 2018&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://web.archive.org/web/20210117155127/http://blogtc.communisation.net/?p=243&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Der erneut definiert werden m&#252;sste, siehe den Text &#8222;M. Le Pen et la disparition de l&#8216;identiti&#233; ouvri&#232;re&#8220; in &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;, Nr. 18, 2003 und Th&#233;o Cosme, &lt;i&gt;De la politique en Iran&lt;/i&gt;, Marseille, Senonevero, 2010.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Le territoire et le local&#8220; in &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;, Nr. 25, S. 42-43 und die Synthese S. 50.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;, Nr. 25, S. 38 und anderswo.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ich w&#252;rde den Singular bevorzugen, siehe den Text in &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;, Nr. 25, S. 84.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Mat. 7 : 2.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe den &#8222;Aufruf von St-Nazaire&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &#8222;Eine besondere Sequenz&#8220; (TC 25), die Vorherrschaft der Distributionsverh&#228;ltnisse aufgrund des Wesens der Krise selbst, es muss immer davon ausgegangen werden.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Friedrich Engels, &lt;i&gt;Zur Wohnungsfrage&lt;/i&gt; in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 18, Berlin, Dietz, 1973, S. 219-220.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Jean-Paul Sartre, &lt;i&gt;Kritik der dialektischen Vernunft&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Karl Marx, &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Bd. III in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 25, Berlin, Dietz, 1983, S. 831.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 781.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 782.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 771.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Friedrich Engels, &lt;i&gt;Zur Wohnungsfrage&lt;/i&gt;, op. cit., S. 214-216.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Karl Marx, &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Bd. III, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 781-782.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe den &#8222;Aufruf von St-Nazaire&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Eine besondere Sequenz&#8220; (TC 25) erkl&#228;rt das Ph&#228;nomen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Karl Marx, &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Bd. III, op. cit., S. 835.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe die Polemik mit Proudhon in &lt;i&gt;Das Elend der Philosophie&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe die Konferenzen im Rahmen der IAA: &lt;i&gt;Lohn, Preis und Profit&lt;/i&gt;, 1865.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb23&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh23&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 23&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;23&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &#8222;Se positionner : rapports de production et rapports de distribution&#8220; in &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;, Nr. 25, S. 59.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb24&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh24&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 24&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;24&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Karl Marx, &#8222;Einleitung von 1857&#8220; in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 13, Berlin, Dietz, 1971, S. 627.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb25&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh25&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 25&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;25&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Karl Marx, &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Bd. III, op. cit., S. 369.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb26&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh26&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 26&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;26&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Grundlinien der Philosophie des Rechts&lt;/i&gt;, &#167; 297.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb27&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh27&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 27&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;27&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe diesbez&#252;glich Karl Marx, &lt;i&gt;Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung&lt;/i&gt; in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 1, Berlin, Dietz, 1976, S. 388.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb28&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh28&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 28&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;28&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Pierre Rosanvallon, &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; vom 14.12.93.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb29&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh29&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 29&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;29&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Umfrage von &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; vom 23.11.18.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb30&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh30&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 30&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;30&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &#8222;Revendiquer pour le salaire&#8220; in &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;, Nr. 22, S. 135 und das Kapitel zur Globalisierung im Text &#8222;La restructuration telle qu&#8216;en elle-m&#234;me&#8220; in &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;, Nr. 22.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb31&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh31&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 31&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;31&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Tsipras und Br&#252;ssel: Das Kapitel &#8222;Syriza et les institutions un affrontement non feint&#8220;, S. 67 und besonders S. 70 in Th&#233;o Cosme, &lt;i&gt;La Cigarette sans cravate&lt;/i&gt;, Marseille, Senonevero, 2016, das gleiche Thema betreffend k&#246;nnen wir auch die Fortsetzung der Konfrontation zwischen der EU und Italien abwarten.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		
		<enclosure url="https://www.kommunisierung.net/IMG/pdf/tcgelbwestenpdf.pdf" length="103435" type="application/pdf" />
		

	</item>
<item xml:lang="de">
		<title>#GiletsJaunes - Diskussion zwischen Nick (Alerta comunista) und Alain (Carbure)</title>
		<link>https://www.kommunisierung.net/GiletsJaunes-Diskussion-zwischen</link>
		<guid isPermaLink="true">https://www.kommunisierung.net/GiletsJaunes-Diskussion-zwischen</guid>
		<dc:date>2018-12-18T16:24:00Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>


		<dc:subject>Bericht/Analyse</dc:subject>
		<dc:subject>&#220;bersetzungen</dc:subject>
		<dc:subject>Frankreich</dc:subject>
		<dc:subject>A. C.</dc:subject>
		<dc:subject>Alerta comunista</dc:subject>
		<dc:subject>Gelbwesten</dc:subject>

		<description>
&lt;p&gt;Ad&#220;: Diese Diskussion folgte auf die Ver&#246;ffentlichung des Artikels &#034;1. Dezember: Die Unordnung weiterf&#252;hren&#034; auf dem Blog Carbure. &lt;br class='autobr' /&gt;
Wie kann es sein, dass die Gelbwesten &#8222;nicht mehr die Bewegung des weissen Frankreichs&#8220; sind, wenn man &#252;berall Nationalflaggen, keltische Kreuze, monarchistische Fahnen, bretonische Flaggen usw. sehen kann, sogar auf den Barrikaden? Ja, es gab F&#228;lle, wo Nationalisten angegriffen wurden, doch in anderen, und das nun schon seit drei Wochen, sind sie pr&#228;sent. (...)&lt;/p&gt;


-
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

/ 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Bericht-Analyse" rel="tag"&gt;Bericht/Analyse&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Frankreich" rel="tag"&gt;Frankreich&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/A-C" rel="tag"&gt;A. C.&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Alerta-comunista" rel="tag"&gt;Alerta comunista&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Gelbwesten" rel="tag"&gt;Gelbwesten&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/290px-2019-01-19_14-06-10_manif-gj-belfort.jpg?1689348164' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='100' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Ad&#220;: Diese Diskussion folgte auf die Ver&#246;ffentlichung des Artikels &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Dezember-2018-Die-Unordnung&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#034;1. Dezember: Die Unordnung weiterf&#252;hren&#034;&lt;/a&gt; auf dem Blog &lt;i&gt;&lt;a href=&#034;https://carbureblog.com/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Carbure&lt;/a&gt;&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie kann es sein, dass die Gelbwesten &#8222;nicht mehr die Bewegung des weissen Frankreichs&#8220; sind, wenn man &#252;berall Nationalflaggen, keltische Kreuze, monarchistische Fahnen, bretonische Flaggen usw. sehen kann, sogar auf den Barrikaden? Ja, es gab F&#228;lle, wo Nationalisten angegriffen wurden, doch in anderen, und das nun schon seit drei Wochen, sind sie pr&#228;sent. Wieso finden so viele Demonstranten (die Mehrheit davon?), dass man ja nicht unbedingt mit ihnen einverstanden sein muss, sie jedoch tolerieren soll. Sind all das einfach leere Referenzen? Deutet es nicht in Richtung einer d&#252;steren Situation, welche eintreten wird, wenn die Staatsmacht unter den gegenw&#228;rtigen Bedingungen und der gegenw&#228;rtigen Korrelation der Klassenmacht kollabiert? Ist es nicht vielsagend, dass die von den Gelbwesten inspirierten Bewegungen in anderen L&#228;ndern (Niederlande und Deutschland) ausschliesslich reaktion&#228;re Proteste gegen Einwanderer sind? Zeigen uns die gegenw&#228;rtigen Proteste in Frankreich Licht am Ende des Tunnels oder ist dieses Licht nur der entgegenkommende Zug? Hier in Griechenland war der Nationalismus in der Bewegung der Emp&#246;rten vorherrschend, es war der erste Akt in einer Kette von Ereignissen die geradewegs zu den Protesten gegen Mazedonien f&#252;hrt, welche jetzt pl&#246;tzlich wieder die B&#252;hne betreten haben (letzte Woche blockierten Gymnasiumsch&#252;ler haupts&#228;chlich in Nordgriechenland ihre Schulen gegen Mazedonien und Albanien) und da wir uns der offiziellen Umsetzung des Prespa-Abkommens n&#228;hern, werden sich die Dinge intensivieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Freundschaftlich,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nick&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Du stellst all diese Fragen zurecht. Diese Bewegung hat freilich eine sehr starke rechtsextreme Komponente seit ihren Anf&#228;ngen. Es ist auch wahrscheinlich, dass sich das politisch in einer Machtergreifung irgendeiner populistischen Koalition &#228;ussert, wenn nicht direkt der Rassemblement national an die Macht kommt. Man darf das nicht ignorieren, genauso wenig wie den damit verbundenen Versuch, sich als &#8222;Volk&#8220; zu strukturieren, auch gegen die klassischen Parteien und alle Vermittlungsinstanzen, und die Tatsache, dass &#8222;Volk&#8220; nichts anderes bedeuten kann als das weisse Frankreich und ein Klassenb&#252;ndnis zwischen dem Proletariat und dem Kleinb&#252;rgertum. Wir sagen das seit dem Beginn der Bewegung, gegen mehr oder weniger die gesamte Linke, welche die M&#246;glichkeit eines &#8222;sozialen Zusammenkommens&#8220; in dieser Bewegung sieht und davon ausgeht, dass der von ihr getragene Rassismus nur ein Problem des Bildungsmangels der niederen Schichten ist, ohne seinen politischen Inhalt zu ber&#252;cksichtigen, den Du sehr pr&#228;zise im Falle Griechenlands und in Europa allgemein unterstreichst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht einfach alles sehr schnell und seit einigen Tagen kann man feststellen, dass sich der Ton der Bewegung ver&#228;ndert hat, die Explosion am 1. Dezember ist ein Ausdruck davon. Ich denke, dass auf den Blockaden und den Demonstrationen die proletarische Komponente langsam st&#228;rker geworden ist als die anderen. Diese Bewegung, welche anf&#228;nglich die Bewegung einer kleinen Mittelklasse war, welche sich vor dem gesellschaftlichen Abstieg f&#252;rchtet, die schwierigsten Situationen hervorhob, um ihre eigene zu verbessern, und nun in ihrem eigenen Spiel schachmatt gesetzt ist, hat es geschafft, die instabilsten Teile des Proletariats zu mobilisieren. Es handelt sich um die aus der Restrukturierung und der Krise hervorgegangenen proletarischen Komponenten, die ausserhalb der Gewerkschaften und der traditionellen Repr&#228;sentationsinstanzen existieren. Es ist charakteristisch, dass die Forderung nach der Wiedereinf&#252;hrung der Verm&#246;genssteuer und der Erh&#246;hung des Mindestlohnes nun einhergeht mit einer Kritik der Abgaben. Die Bewegung &#252;ber die &#8222;Steuerbel&#228;stigung&#8220; liegt nun hinter uns. Obwohl es &#252;brigens am Anfang der Bewegung Berichte &#252;ber rassistische Aggressionen von Nationalisten gab, so ist dies seit letzter Woche (zumindest bis jetzt) nicht mehr der Fall. Gestern erkl&#228;rte ein Fernsehjournalist, der f&#252;r seine liberalen Positionen bekannt ist und sie von Anfang an unterst&#252;tzte, dass die Bewegung &#8222;ihre Seele verloren&#8220; habe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch, was noch wichtiger ist, diese Forderungen bleiben diffus und die Bewegung schafft es nicht, die geringste politische Struktur aufzubauen, um sie der Macht vorzutragen. Die wenigen Sprecher, welche einen Ausweg aus der Krise vorschlugen, erhielten Todesdrohungen und haben sich zur&#252;ckgezogen. Die Macht, welche ohnehin nicht &#252;berm&#228;ssig dem &#8222;Dialog&#8220; zugetan ist, findet niemanden mehr, um ihn zu f&#252;hren. Dar&#252;ber hinaus fordert die Bewegung, die &#8222;Antworten&#8220; verlangt, nichts und verweigert sich jeglichem Dialog. Das, was Samstag geschehen ist und ich ein bisschen eilig mit der Tatsache zusammenfasse, dass rassialisierte und weisse Proletarier Seite an Seite standen, um &#8222;alles zu zerst&#246;ren&#8220;, stellt eine anomische Situation dar, eine Situation des Ausbruchs, welche von dieser Bewegung, so wie sie geworden ist, hervorgebracht und gew&#252;nscht worden ist und zumindest vorl&#228;ufig die Schranken zwischen den Subjekten aufhebt. &#8222;Ohne Gewalt k&#246;nnen wir nicht geh&#246;rt werden&#8220;, sagen sie, doch die &#8222;Gewalt&#8220; scheint zum Hauptziel geworden zu sein, da nichts mehr gefordert wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Am 1. Dezember haben jene die Kontrolle &#252;ber die Bewegung verloren, welche sie initiiert hatten, und jene, welche als einfache Statisten vorgesehen waren, haben sich die B&#252;hne genommen. Wenn ich sage, dass die Bewegung in dieser Phase ein Ausdruck der &#8222;wirklichen Bewegung&#8220; ist, so bedeutet das, dass sie, so wie sie nun existiert, die sie animierenden Klassenwiderspr&#252;che tr&#228;gt und sich in einer Situation wiederfindet, wo die Unm&#246;glichkeit jeglicher Verbesserung unserer Existenzen innerhalb des Kapitals explodiert, es handelt sich um die Einsicht des unertr&#228;glichen Charakters dieser Situation. Diese Unm&#246;glichkeit, welche aus uns das macht, was wir gesellschaftlich sind, und uns vollst&#228;ndig definiert, ist eben genau das, was uns daran hindert, zu existieren, das haben wir immer als revolution&#228;re Revolution qualifiziert und ich denke, dass sich am 1. Dezember etwas derartiges gezeigt hat. Diese Feststellung ist jedoch keinesfalls eine Voraussage.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Freundschaftlich,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;AC&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der 12. Februar 2012 war der H&#246;hepunkt der Bewegung gegen die Austerit&#228;t in Griechenland. In Athen war es vielleicht die gr&#246;sste Demonstration seit dem Regimewechsel, hinsichtlich der Anzahl der Demonstranten kann sie nur mit den Protesten gegen Mazedonien in Thessaloniki 1992 verglichen werden (es ist sehr unklar, welche der beiden mehr Teilnehmer hatten, die gesch&#228;tzten Zahlen sind sehr nahe beieinander). An diesem Tag sah ich Anarchisten mit schwarz-roten Fahnen, die Seite an Seite in den gleichen Strassen mit Faschisten mit griechischen Flaggen gegen die Bullen k&#228;mpften. In den &#8222;ruhigen&#8220; Momenten zwischen den Angriffen der Aufstandsbek&#228;mpfungseinheit h&#246;rte ich Demonstranten mit griechischer Flagge &#252;ber die Notwendigkeit sprechen, Volksmilizen zu formen, um die Demonstranten vor den Bullen zu verteidigen (nat&#252;rlich gab es danach &#252;berhaupt keinen Krawall mehr, dadurch wurden diese nationalistischen Milizen gl&#252;cklicherweise nie konstituiert). Im ganzen Zeitraum der grossen Proteste gegen die Austerit&#228;t zwischen 2010 und 2012 beteiligte sich fast kein Einwanderer an ihnen. Sie waren besch&#228;ftigt damit, sich gegen die Goldene Morgend&#228;mmerung und die Bullen zu verteidigen, gleichzeitig waren die Messer schwingenden Schergen der Goldenen Morgend&#228;mmerung, welche Einwanderer angriffen, selbstverst&#228;ndlich nicht Leute mit Eigentum und Status, sondern haupts&#228;chlich Leute, die &#8222;nichts zu verlieren hatten&#8220;, Proletarier, die ihre Stellung im Arbeitsmarkt in Zeiten gr&#246;sserer Arbeitslosigkeit verteidigten (das ist zumindest, was sie glaubten, zu tun). Die Emp&#246;rten k&#252;mmerten sich nie um die Einwanderer, es war eine Bewegung von griechischen B&#252;rgern, die vom griechischen Staat forderten, sie vor dem Sturm des Weltmarktes und der internationalen Krise zu besch&#252;tzen. Die Krawalle in Athen zu dieser Zeit wurden nie von dem Emp&#246;rten am Syntagmaplatz ausgel&#246;st, die nur ein Teil der Bewegung gegen die Austerit&#228;t waren (und auch viele lokale Platzversammlungen hatten einen durchwegs anderen Charakter als jene am Syntagmaplatz). Die grossen Krawalle in Athen hatten eine direkte Verbindung mit den Protesten der Arbeiterklasse, den Generalstreiks w&#228;hrend dieser Zeit. Ich lebe in einem Quartier mit vielen Einwanderern, haupts&#228;chlich aus Albanien, Pakistan und Bangladesch. Kein Einwanderer aus Pakistan oder Bangladesch beteiligte sich an der lokalen Platzversammlung, auch fast keine Albaner (die Albaner, die seit den fr&#252;hen 1990er Jahren hier und deren Kinder hier geboren und aufgewachsen sind, sind viel st&#228;rker in die griechische Gesellschaft und den griechischen Staat integriert als die beiden anderen Nationalit&#228;ten). In der lokalen Platzversammlung hatte es keine Faschisten: Das Quartier wird allgemein von linken politischen Parteien und Organisationen beherrscht. Warum also die Abwesenheit der Einwanderer? Weil der politische Inhalt nichts mit ihnen zu tun hatte. Der Inhalt der Versammlung war politisch, d.h. staatsbezogen, er betraf die Politik des griechischen Staates: Austritt aus der EU, Schuldenerlass f&#252;r Griechenland, Opposition gegen die Privatisierung &#246;ffentlicher Dienste (von welchen die meisten Einwanderer, da nicht Staatsb&#252;rger, de facto ausgeschlossen sind), gegen den Ausverkauf des griechischen Nationaleigentums und griechischer Unternehmen an ausl&#228;ndische Staaten oder private Investoren usw. Im Gegensatz zum Dezember 2008 beteiligte sich kein Einwanderer an den Krawallen zwischen 2010 und 2012. Die einzigen Einwanderer, die man je mit den Emp&#246;rten am Syntagmaplatz antreffen konnte, waren einige Strassenverk&#228;ufer, die versuchten, durch den Verkauf von griechischen Flaggen, Wasserflaschen, Sandwichs, Skimasken und Schwimmbrillen an Demonstranten &#252;ber die Runden zu kommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was ich zu sagen versuche, ist, dass die Nationalisierung eines Kampfes nicht einfach das Resultat der Beteiligung der Rechten ist. Und sogar wenn ein Krawall, eine Bewegung oder was auch immer keine bestimmte Forderung stellt, gibt es sicher immer einen allgemeinen Inhalt oder Charakter. Der Krawall am 12. Februar 2012 stellte keine Forderungen, doch sein Inhalt war durch die Prozesse der zwei vorhergehenden Jahre de facto national: Er war der H&#246;hepunkt dieser gesellschaftlichen Prozesse. Das Resultat dieser Prozesse war die Kultivierung von Nationalismus, sogar in &#8222;radikalen&#8220; politischen Milieus wie z.B. im anarchistischen (hier werden sogar wir als Anarchisten betrachtet, denn es gelten generell alle als &#8222;Anarchisten&#8220;, welche gegen den Staat und alle Vermittlungsinstanzen wie Parteien, Gewerkschaften usw. sind). Diverse anarchistische Kollektive und Organisationen (nat&#252;rlich nicht alle, aber viele) begannen damit, sich eine antiimperialistische und leninistische Rhetorik anzueignen, einige ver&#246;ffentlichten gar &#8222;Programme&#8220; f&#252;r den freien griechischen Staat und seine Wirtschaft nach der &#8222;Revolution&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der nationale Charakter eines Kampfes ist nicht einfach durch eine Handvoll rechter Beteiligter gegeben und wenn sie aus dem Protest herausgeworfen werden, wird alles in Ordnung sein. Das Problem sind nicht unbedingt die rechten Demonstranten selbst, sondern die Tatsache, dass, wie Du es schreibst, &#8222;Rassisten und weisse Proletarier Seite an Seite standen&#8220; [Ad&#220;: Nick scheint &#8222;rassialisierte&#8220; f&#228;lschlicherweise als &#8222;Rassisten&#8220; &#252;bersetzt zu haben]. Sogar wenn sich die Mittelklassen und die Kleinb&#252;rgerlichen aufgrund der heftigen Krawalle aus den Protesten zur&#252;ckziehen, bedeutet das nicht, dass der Nationalismus und der Populismus mit ihnen verschwinden, die Sache ist nicht so einfach. Das Problem ist nicht nur die Klassenzusammensetzung einer Bewegung, sondern ihr Inhalt. Die beiden sind nat&#252;rlich miteinander verbunden, doch es ist keine direkte Verbindung, sondern eine Vermittlung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In &#8222;Marx und seinen Grenzen&#8220; schrieb Althusser, dass &#8222;nicht kommunistische Ideen, sondern die allgemeine Bewegung des Klassenkampfes des Proletariats gegen die Kapitalisten den Weg bereitet f&#252;r den Kommunismus, der eine &#8218;wirkliche Bewegung&#8216; ist, und das wird auch weiterhin so bleiben. Der Einfluss von Ideen wird nur unter ideologischen und politischen Bedingungen f&#252;hlbar, welche ein gegebenes Kr&#228;fteverh&#228;ltnis zwischen Klassen ausdr&#252;cken: Es ist dieses Kr&#228;fteverh&#228;ltnis, und seine politischen und ideologischen Auswirkungen, welche die Effizienz von &#8218;Ideen&#8216; in &#8218;letzter Instanz&#8216; determinieren.&#8220; Da ich die Ereignisse ausserhalb Frankreichs beobachte, gehe ich mal davon aus, dass die hier ankommenden Ideen die vorherrschenden sind und ein gewisses Kr&#228;fteverh&#228;ltnis zwischen den Klassen ausdr&#252;cken. Wenn sie tats&#228;chlich vorherrschen, kann ich daraus nur schliessen, dass sie nicht nur der Revolution nicht freundlich gesinnt sind, sondern nicht mal in irgendwelcher Weise f&#252;r etwas stehen, das &#8222;progressiv&#8220; genannt werden k&#246;nnte. Sollte dies tats&#228;chlich der Fall sein, dann haben der Populismus und der Nationalismus schon gewonnen, wie hier, in Spanien, Italien, in der Ukraine, in Grossbritannien und in den USA. Mir bleibt nur die Hoffnung, dass die hier ankommenden Informationen &#252;ber die &#8222;Gelbwesten&#8220; verzerrt sind, damit in der gegenw&#228;rtigen Periode ein bisschen Hoffnung bleibt. Und meine gr&#246;sste Hoffnung ist, dass die Vorst&#228;dte wieder Krawall machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Freundschaftlich,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nick&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Englischen und Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://carbureblog.com/2018/12/03/1er-decembre-2018-porter-plus-loin-le-desordre/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://alertacomunista.wordpress.com/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Alerta comunista&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		
		<enclosure url="https://www.kommunisierung.net/IMG/pdf/nickalainpdf.pdf" length="48334" type="application/pdf" />
		

	</item>
<item xml:lang="de">
		<title>Gelb ist nicht die Farbe des Fr&#252;hlings</title>
		<link>https://www.kommunisierung.net/Gelb-ist-nicht-die-Farbe-des</link>
		<guid isPermaLink="true">https://www.kommunisierung.net/Gelb-ist-nicht-die-Farbe-des</guid>
		<dc:date>2018-12-14T18:52:00Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>


		<dc:subject>Bericht/Analyse</dc:subject>
		<dc:subject>&#220;bersetzungen</dc:subject>
		<dc:subject>Frankreich</dc:subject>
		<dc:subject>Gelbwesten</dc:subject>

		<description>
&lt;p&gt;W&#228;hrend diese Zeilen geschrieben werden, sind die Strassen von Paris immer noch gef&#252;llt mit einer diffusen Masse voller Tr&#228;ume von einer besseren Welt. Doch kein Glaube und kein Traum haben uns jemals das Paradies auf Erden gebracht, denn eine bessere Welt erfordert nicht einfach die Erf&#252;llung einer schon bestehenden Forderung, sondern eine radikale &#196;nderung der Art und Weise, wie sich die Leute aufeinander beziehen. Revolution bedeutet die qualitative Ver&#228;nderung der gesellschaftlichen (...)&lt;/p&gt;


-
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

/ 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Bericht-Analyse" rel="tag"&gt;Bericht/Analyse&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Frankreich" rel="tag"&gt;Frankreich&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Gelbwesten" rel="tag"&gt;Gelbwesten&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/gelbfruehling.webp?1689357076' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='100' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;W&#228;hrend diese Zeilen geschrieben werden, sind die Strassen von Paris immer noch gef&#252;llt mit einer diffusen Masse voller Tr&#228;ume von einer besseren Welt. Doch kein Glaube und kein Traum haben uns jemals das Paradies auf Erden gebracht, denn eine bessere Welt erfordert nicht einfach die Erf&#252;llung einer schon bestehenden Forderung, sondern eine radikale &#196;nderung der Art und Weise, wie sich die Leute aufeinander beziehen. Revolution bedeutet die qualitative Ver&#228;nderung der gesellschaftlichen Beziehungen, nicht deren quantitative Ver&#228;nderung. Keine Revolution ist politisch in der allt&#228;glichen Bedeutung des Begriffs. Was kann also &#252;ber die sogenannten Gelbwesten gesagt werden?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;#1&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Gelbwesten sind eine bekannte Bewegung, ausgel&#246;st durch eine Erh&#246;hung der Benzinsteuer, die eine direkte Auswirkung auf die Leben eines grossen Anteils der franz&#246;sischen Bev&#246;lkerung hat. Die Erh&#246;hung von Benzinpreisen ist ein Ph&#228;nomen, das die Reproduktionskosten f&#252;r die Konsumenten der Ware Benzin kontinuierlich steigert. Solch eine Erh&#246;hung betrifft eindeutig einen breiten Teil der Arbeiterklasse &#8211; oder gar die Gesamtheit davon, da sie gleichbedeutend mit einer indirekten Reduzierung der Reall&#246;hne ist. Doch das Problem ist, dass &lt;a href=&#034;https://earther.gizmodo.com/frances-gas-tax-disaster-shows-we-cant-save-earth-by-sc-1830877858&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;das teure Benzin zwar gleichbedeutend mit einer Lohnsenkung ist, besonders f&#252;r die Arbeiterklasse, doch auch mit einer Reduktion der Kaufkraft f&#252;r alle jenseits der Arbeiterklasse&lt;/a&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Das Gesetz wurde basierend auf dem &#220;bergang zur &#171;gr&#252;nen Energie&#187; (...)&#034; id=&#034;nh2-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es ist ein Problem, dass sich besser f&#252;r interklassistische B&#252;ndnisse gegen die Regierung eignet als f&#252;r einen wirklichen Klassenkonflikt. Besonders aufgrund der Tatsache, dass die Steuer von der Regierung im Kontext eines instabilen Budgets eingef&#252;hrt wird, zeigen die Bedingungen, dass der Konflikt gegen eine Regierung gerichtet war, ist und sein wird, welche &#171;das Volk nicht repr&#228;sentiert&#187;, d.h. nicht auf die Bed&#252;rfnisse des Volkes h&#246;rt. Das war von Anfang an offensichtlich, schliesslich hat sich die Masse nicht an bestehende Arbeiterorganisationen gewendet, da niemand dachte, das ganze Problem sei ein Konflikt mit irgendwelchen Arbeitgebern oder ein Klassenkampf.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;2#&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;K&#228;mpfe gegen Regierungen sind nationale K&#228;mpfe. Auf die eine oder andere Art und Weise fordern sie den Staat auf, seine Versprechen einzuhalten. Das wird besonders in Frankreich aufgrund der Tatsache klar, dass der Staat zuerst Diesel f&#246;rderte und nun unter Macrons Pr&#228;sidentschaft pl&#246;tzlich den Preis erh&#246;ht. Ein Regierungswechsel ist trotz ihrer Diversit&#228;t das Ziel der Bewegung. Die meisten Ursachen und Forderungen der Bewegung sind wirtschaftlicher Natur und gehen weit &#252;ber eine Steuererh&#246;hung hinaus. Sie betreffen Jahre andauernde wirtschaftliche Probleme der franz&#246;sischen Gesellschaft, welche &lt;i&gt;franz&#246;sische B&#252;rger&lt;/i&gt; belasten. Als franz&#246;sische B&#252;rger gehen sie davon aus, dass ihnen auf materieller Ebene nicht zugestanden wird, was ihnen formell politisch zugestanden worden ist: Dass sie als B&#252;rger in diesem Land eine Zukunft, die Gelegenheit zu leben haben. Was wir verstehen m&#252;ssen &#8211; und womit wir die Last eines alternden und extrem wirtschaftsfokussierten Marxismus hinter uns lassen m&#252;ssen &#8211; ist die Tatsache, dass wirtschaftliche Ursachen und Forderungen nicht notwendigerweise einen revolution&#228;ren Klassenkampf implizieren. Sie implizieren nicht einmal Klassen. Es kann Klassenkampf zwischen Klassenfragmenten geben und er kann einen zutiefst reaktion&#228;ren Charakter haben, besonders wenn er auf Bed&#252;rfnisse ausserhalb davon beschr&#228;nkt ist. Denn in diesem Fall pr&#228;determiniert er das B&#252;ndnis mit jenem, welcher die Forderung befriedigen kann. In einer Zeit, wo gesamte Gesellschaften jenseits von Klassentrennungen scheinbar von Regierungsdefiziten, monet&#228;ren Entwertungen und Schulden belastet werden, erscheinen wirtschaftliche Probleme als direkt mit dem Staat verbunden. Was auf dem Spiel steht, ist der allgemeine Kontext der b&#252;rgerlichen Gesellschaft, deren Funktionsweise auf einer allgemeineren Ebene, im Vergleich zur Vergangenheit hat sich diesbez&#252;glich etwas ge&#228;ndert. Der Klassenunterschied hat sich in einen Einkommenswettbewerb, Lohnforderungen und Lohnpolitik verwandelt. Da der Staat besonders mithilfe seiner Regierungen der allgemeine Regulator der Einkommens- und Wirtschaftspolitik ist, versuchen alle &#171;Pflaster&#187; zu bekommen f&#252;r die durch aussergew&#246;hnliche Massnahmen und Gesetzen erschaffenen Probleme (&lt;a href=&#034;https://iapp.org/news/a/2018-global-legislative-predictions/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;das Problem der Dekrete oder Spezialgesetze gibt es mittlerweile fast &#252;berall in Europa&lt;/a&gt;), dann folgt die Wahrnehmung, der Niedergang der Kaufkraft habe etwas mit einem Mangel an Demokratie zu tun und die Regierung wird gest&#228;rkt. Der neu entstehende &#171;Einkommensdiskurs&#187; bringt Individuen von allen Klassen zusammen, die eben genau die M&#246;glichkeit sehen, die Massnahmen durch eine interklassistische Front und Umverteilung zu suspendieren. Diese B&#252;ndnisse sind jetzt schon empirisch ein vorbereitetes Terrain f&#252;r den Triumph der nationalen Ideologie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;3#&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Verwandlung der K&#228;mpfe in ein Problem des Einkommenswettbewerbs verlagert den Fokus der Bewegungen auf extreme Einkommensunterschiede, denen man nachsagt, das fl&#252;ssige Funktionieren des Markts und des Staates zu &#171;gef&#228;hrden&#187;: &lt;a href=&#034;https://voiceofeurope.com/2018/12/europe-is-on-the-brink-of-a-working-class-revolution-against-globalist-governments/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;das Ziel ist die Kritik der &#171;Elite&#187;&lt;/a&gt;. Eine solche Referenz bezieht sich gew&#246;hnlich auf die wohlhabende Bourgeoisie, die Politiker kauft, ungerechtfertigt viel Kapital besitzt, M&#228;rkte monopolisiert und &#171;betr&#252;gerische&#187; Machenschaften einsetzt, um ihren Interessen zu dienen. Diese Elite ist auch international, eine b&#252;rgerliche Klasse, unbestimmt, welche nicht nur Frankreich sondern viele L&#228;nder zerst&#246;rt. In diesem Fall, der seinen Ursprung eben genau im Einkommenswettbewerb findet, werden viele politische Agenden in ausdr&#252;cklich eklektischer Affinit&#228;t durchmischt. Traditionelle Leninisten sind mit allen Arten von Verschw&#246;rungstheoretikern und Antisemiten einverstanden, da ihre Theorien auf das &#171;versteckte Wesen der Eliten&#187; schliessen, &#171;welche das politische Leben und den Markt zersetzen&#187;. In der Erz&#228;hlung &#252;ber den ungerechtfertigten Wohlstand der Eliten und Monopole enden die haneb&#252;chenen anarchistischen Vereinfachungen der Wirtschaft nahe bei allen Arten von Keynesianern, die sich f&#252;r echte Umverteilung und eine R&#252;ckkehr zum Nationalstaat der National&#246;konomie aussprechen. Durch den transnationalen Charakter der Eliten erschaffen Keynesianer, Nationalisten, Leninisten und die anarchistische Theorie des &#171;Lokalen&#187; eine bunte Plattform nationaler Erz&#228;hlungen: Der vorherrschende Kern davon ist nicht eine Kritik des Kapitals sondern ein gemeinsamer Wunsch nach Lokalisierung. Das ist es, was es den Gelbwesten erlaubt, &lt;a href=&#034;https://voiceofeurope.com/2018/12/revolutionary-scenes-as-yellow-vests-movement-spreads-over-europe/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;in so viele L&#228;nder zu expandieren, einen &#171;internationalen&#187; Charakter zu erhalten ohne den Ausdruck irgendeiner Art von Internationalismus&lt;/a&gt;. Die allgemeine Tendenz ist eher ein B&#252;ndnis zwischen der nationalisierten Arbeiterklasse und dem kleinen Kapital, den Unabh&#228;ngigen und den Staatsangestellten, um eine Forderung nach einer National&#246;konomie auszudr&#252;cken. Die sehr fortgeschrittenen wirtschaftlichen Forderungen der franz&#246;sischen Demonstranten k&#246;nnten sehr wohl kein Zeichen f&#252;r die Rekonstitution einer militanten Arbeiterklasse, sondern eines f&#252;r die Radikalisierung &#8211; als Kampfmittel &#8211; der interklassistischen Zusammensetzungen und die Einbeziehung der Klassenagenda in weitere gesellschaftliche B&#252;ndnisse sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;4#&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sobald die Wettbewerbe von den Einkommen getrieben werden, gibt es den Feind &#171;ganz oben&#187;, doch eben auch jenen ganz unten. Da sich die Forderung um materielle, einkommensabh&#228;ngige Elemente dreht, dem Versprechen dem B&#252;rger eine Identit&#228;t zu geben, hat jene Person, welche nicht das Recht hat, dort zu leben, &#171;kein St&#252;ck vom Kuchen&#187;. Die Proteste sind, abgesehen von wenigen und politisierten Ausnahmen, den Migranten feindlich gegen&#252;bergestellt. Unabh&#228;ngig von ihrer Anzahl werden sie als Last f&#252;r den Staat und den Steuerzahler betrachtet. Die einzigen Migranten, welche wirklich im Land sind, sind jene, welche &#171;franz&#246;sisch geworden sind&#187; und das Recht haben, in Frankreich zu leben, ein klar vom Staat zugestandenes Recht. Obwohl der Bewegung der Gelbwesten kaum weit verbreiteter klarer Rassismus vorgeworfen werden kann, gr&#252;ndet sie auf etwas nicht minder gef&#228;hrlichem, der staatlichen Trennung zwischen legal und illegal, unerw&#252;nschten und n&#252;tzlichen Migranten. Diese Rhetorik ist dar&#252;ber hinaus reaktion&#228;r und zieht die Linien zwischen &#171;progressiv und reaktion&#228;r&#187; &#252;berall in Europa. Wirtschaftliche Forderungen haben, eben genau weil sie in einer Zeit wirtschaftlich sind, wo die kommunistische Vision dem kollektiven Unbewussten verloren gegangen ist, einen rein defensiven Charakter, definiert durch &lt;a href=&#034;https://www.doctv.gr/page.aspx?itemID=SPG12699&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;die Wirtschaftspolitik des Staates, welche zuerst einmal &#252;berhaupt existieren muss, um diese Forderungen zu befriedigen&lt;/a&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Nat&#252;rlich ist es erw&#228;hnenswert hier, dass wir nicht wissen wie viele und (...)&#034; id=&#034;nh2-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die K&#228;mpfe in Kiew und die Pl&#228;tze und Westen in Frankreich zeigen in einer Welt gleichermassen besch&#228;menden Klassen das Elend der nationalisierten Arbeiterklasse, nicht ihre Erhabenheit. Jene Zeiten, wo die Revolte als Praxis ein exklusives Feld der kommunistischen Praxis waren, sind vorbei.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;5#&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Heftige Strassenkonflikte sind kein Beleg f&#252;r Radikalit&#228;t. Revolution oder Revolte ist gleichbedeutend mit einer radikalen Ver&#228;nderung der Art und Weise der gesellschaftlichen Beziehungen. Solange wir Rauch auf der Strasse sehen und uns mit einem maskierten Demonstranten identifizieren, der von den Sicherheits- und Ordnungskr&#228;ften niedergeschlagen wird, sind Identifikationen immer fingiert und prek&#228;r. Wir projizieren in diese Symbole &#171;Vermummung, Sachbesch&#228;digung, Strassenblockaden&#187; das, was wir kennen aus unserer Gesellschaft, doch die Motive und Auswirkungen solcher Bilder und Aktionen einer anderen Gesellschaft zu einem anderen Zeitpunkt unterscheiden sich stark von jenen Griechenlands. Hinter der Vermummung k&#246;nnte der &#252;belste Faschist sein, der den &#171;Staat der Volksverr&#228;ter&#187; hasst. Wir wissen schon jetzt von jenem traurigem Beispiel in Kiew, dass die Bedeutung weniger in den Konflikten, als in der gemeinsamen Erfahrung derselben unter den Subjekten liegt. W&#228;hrend einem Ereignis, wo Nationalisten, Kleinb&#252;rgerliche, Unabh&#228;ngige und Anarchisten gemeinsam die Polizei bek&#228;mpfen, gewinnt letztendlich die nationale Ideologie, nicht notwendigerweise als ideologische Hegemonie im Sinne Gramscis, sondern im Sinne der Funktionsweise, der Erfahrung: Nationalismus ist gleichbedeutend mit Einheit und heterogenen b&#252;rgerlichen Subjekten, die derselben gedenken. Der Nationalismus gr&#252;ndet auf der stets zerbrechlichen aber erfolgreichen Toleranz zwischen widerspr&#252;chlichen Kategorien. Solange diese Einheit funktional bleibt, wird ihre innere Spannung woanders hingeleitet: die Elite und die Migranten, die zwei Seiten des &#171;Internationalismus&#187;. Nationalismus als Funktion ist gleichbedeutend mit der Koexistenz aller b&#252;rgerlichen Identit&#228;ten als das, was sie sind, auf einem Platz oder einer Strasse. Gemeinsame Angriffe auf die Polizei durch Anarchisten, Nationalisten, Kleinb&#252;rgerliche und Arbeiter deuten in diese Richtung&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe hier, hier und hier. Ein Beispiel einer Analyse, welche sich auf (...)&#034; id=&#034;nh2-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;6#&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Revolution ist tief in der Niederlage des Einkommensaufstands. Massive Sachbesch&#228;digungen, Strassenblockaden usw. sollten diesbez&#252;glich nicht untersch&#228;tzt werden, es ist durchaus m&#246;glich, dass sie Entwicklungen ausl&#246;sen k&#246;nnten, die nicht sichtbar sind. Auch die Gelegenheit f&#252;r Enteignungen, wenn auch eher selten, ist definitiv ein positives Ph&#228;nomen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r ein sehr allgemeines Bild, siehe hier.&#034; id=&#034;nh2-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; (7). Basierend auf dem, was wir jetzt sehen, k&#246;nnen wir indessen folgendes sagen: Falls die Gelbwesten besiegt werden, in jenem Sinne, dass einige Forderungen erf&#252;llt werden, andere nicht, wird es wahrscheinlicher, dass der Lauf der Dinge einen revolution&#228;ren Klassencharakter haben wird. Forderungen nach h&#246;heren L&#246;hnen sind z.B. ein gr&#246;sserer Garant f&#252;r eine Eigendynamik der Ereignisse als gemeinhin gesagt wird. Sollte diese Forderung gleichwohl aufrechterhalten werden, wird sie gewiss mit einer feindlichen Haltung des kleinen Kapitals konfrontiert sein. Auch dann werden jene Leute, welche auf der Strasse verbleiben, mit einem grossen Problem konfrontiert sein: Einerseits werden sie weniger zahlreich sein, da ein grosser Teil der Masse die gegenw&#228;rtig existierende und ihren eigenen Schwung findende frontartige Bewegung verlassen wird, andererseits das in materiellen Begriffen schrecklich schwierige Zusammenkommen mit den Einwanderern, das wie jedes Mal nicht zum Spiel zu geh&#246;ren scheint.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;7#&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Staat, die Konterrevolution und der Kapitalismus wiegen schwerer als die Klasse und radikale Analyse in einer Hinsicht und Macron scheint es zu wissen: Im Gegensatz zu den Radikalen, die versuchen, Geschichte in einer gut versteckten Ursache zu finden, welche die tiefere Wahrheit des gesellschaftlichen Mechanismus darstellt, ber&#252;cksichtigt der Kapitalismus die M&#252;digkeit, die Frustration, die Hoffnung, die Angst und das fl&#252;chtige Leben. Er weiss, dass die paar Versprechen, halben Zugest&#228;ndnisse, die heftige Gewalt und der Lohnverlust &#252;ber mehrere Tage hinweg auf der Schulter der gr&#246;ssten Hoffnung lastet, so animierend sie auch sein mag. Was die Leute auf die Strasse treibt, Schmerz und Angst, kann sie wieder nach Hause bringen, die revolution&#228;re Wette bezieht sich eben genau auf diese ungewissen Gezeiten. Die Wette ist in ihrem Kern folgende: Welcher Schmerz ist gr&#246;sser, der gegenw&#228;rtige oder der k&#252;nftige? Meistens ist es besser ein bisschen zu leben als &#252;berhaupt nicht. Jene, welche &#252;berhaupt nicht leben, welche nichts anderes als ihre &#171;Ketten&#187; zu verlieren haben, haben sich in dieser Rebellion nicht bemerkbar gemacht. Bis jetzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Englischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://aruthlesscritiqueagainsteverythingexisting1.wordpress.com/2018/12/06/yellow-is-not-the-color-of-spring&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://dndf.org/?p=17401&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Franz&#246;sische &#220;bersetzung&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb2-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Das Gesetz wurde basierend auf dem &#220;bergang zur &#171;gr&#252;nen Energie&#187; vorgeschlagen, obwohl es offensichtlich andere Anreize hatte und wohl nicht den geringsten Nutzen f&#252;r die Umwelt. Doch das wird von jenen nicht unmittelbar verstanden, welche mit Diesel arbeiten und das wegen der niedrigen Kosten weiterhin tun wollen. Sie reagierten auf den Preisanstieg, indem sie ihre Leben verteidigten, nat&#252;rlich ohne sich &#252;ber den &#246;kologischen Sinn oder Unsinn den Kopf zu zerbrechen. Dies f&#252;hrt zu einem anderen Problem: Im Kapitalismus k&#246;nnte die Nichtabwertung der Arbeiterklasse inkompatibel mit Umweltfragen sein. Das zeigt auch, dass die L&#246;sung f&#252;r die Umweltfragen auch die L&#246;sung f&#252;r den Kapitalismus als Ganzes ist, doch bis das geschieht, entsteht vielleicht eine Frage der Priorit&#228;ten innerhalb der K&#228;mpfe, wo sich die Arbeiterklasse eher konservativ denn progressiv zeigen k&#246;nnte.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Nat&#252;rlich ist es erw&#228;hnenswert hier, dass wir nicht wissen wie viele und wer genau zu diesem Zeitpunkt Forderungen stellt. Der Versuch, mit der Liste alle zu repr&#228;sentieren, ist allerdings ein Indiz f&#252;r ein chauvinistisches Klima. Einige Forderungen sind eindeutig nationalistisch. Die finanziellen Forderungen k&#246;nnten hingegen durchaus eine Liste von Strasserianern oder einer populistischen Rechten sein.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &lt;a href=&#034;http://lahorde.samizdat.net/2018/11/24/gilets-jaunes-ni-macron-ni-fachos/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;hier&lt;/a&gt;, &lt;a href=&#034;http://autonomies.org/2018/12/the-uncertain-tides-of-insurrection-the-yellow-vest-protests-of-france/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;hier&lt;/a&gt; und &lt;a href=&#034;https://www.rt.com/news/445352-police-union-yellow-vests-france-macron/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;hier&lt;/a&gt;. Ein Beispiel einer Analyse, welche sich auf eine klassische Klassenanalyse beruft, findet man &lt;a href=&#034;https://jacobinmag.com/2018/11/yellow-vests-fuel-prices-france-protests&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;hier&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r ein sehr allgemeines Bild, siehe &lt;a href=&#034;https://www.thelocal.fr/20181204/opinion-why-frances-yellow-vest-protesters-are-so-angry&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;hier&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		
		<enclosure url="https://www.kommunisierung.net/IMG/pdf/gelbnichtfruehlingpdf.pdf" length="54177" type="application/pdf" />
		

	</item>
<item xml:lang="de">
		<title>A.C. - Erster Dezember 2018: Die Unordnung weiterf&#252;hren</title>
		<link>https://www.kommunisierung.net/Dezember-2018-Die-Unordnung</link>
		<guid isPermaLink="true">https://www.kommunisierung.net/Dezember-2018-Die-Unordnung</guid>
		<dc:date>2018-12-06T18:58:00Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>


		<dc:subject>Bericht/Analyse</dc:subject>
		<dc:subject>&#220;bersetzungen</dc:subject>
		<dc:subject>Frankreich</dc:subject>
		<dc:subject>A. C.</dc:subject>
		<dc:subject>Gelbwesten</dc:subject>

		<description>
&lt;p&gt;Diesen Samstag 1. Dezember hat die Bewegung der Gelbwesten aufgeh&#246;rt, sich selbst zu geh&#246;ren, sie ist nicht mehr die Bewegung des weissen Frankreichs von unten wie am Anfang. In Anbetracht der vorhersehbaren Weigerung des Staates, auch nur die geringste Forderung zu erf&#252;llen (best&#228;tigt durch die Weigerung oder die Unf&#228;higkeit der &#8222;Sprecher&#8220; der Bewegung, den Premierminister zu treffen), in Anbetracht auch des beil&#228;ufigen Aspekts jeglicher Forderung angesichts unserer unertr&#228;glichen (...)&lt;/p&gt;


-
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

/ 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Bericht-Analyse" rel="tag"&gt;Bericht/Analyse&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Frankreich" rel="tag"&gt;Frankreich&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/A-C" rel="tag"&gt;A. C.&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Gelbwesten" rel="tag"&gt;Gelbwesten&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/7836-large.jpg?1689357443' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='100' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Diesen Samstag 1. Dezember hat die Bewegung der Gelbwesten aufgeh&#246;rt, sich selbst zu geh&#246;ren, sie ist nicht mehr die Bewegung des weissen Frankreichs von unten wie am Anfang. In Anbetracht der vorhersehbaren Weigerung des Staates, auch nur die geringste Forderung zu erf&#252;llen (best&#228;tigt durch die Weigerung oder die Unf&#228;higkeit der &#8222;Sprecher&#8220; der Bewegung, den Premierminister zu treffen), in Anbetracht auch des beil&#228;ufigen Aspekts jeglicher Forderung angesichts unserer unertr&#228;glichen Existenzen und dank dem Zusammenkommen ALLER Wut im st&#228;dtischen Milieu, hat sich der revolution&#228;re Inhalt der gegenw&#228;rtigen Periode unter der Kruste der Diskurse und Ideologien gezeigt, dieser Inhalt ist das Chaos. Die Frage ist nun, zu wissen, wo das Begonnene aufh&#246;ren wird, oder eher wie weit das Begonnene die Unordnung wird f&#252;hren k&#246;nnen. Jene, welche die Bewegung initiierten, sind schon zur stotternden Nachhut davon geworden, sie appellieren an die Vernunft und fordern in den Fernsehnachrichten die R&#252;ckkehr der republikanischen Ordnung. Sie sind die Verk&#246;rperung der Bewegung zu Beginn und ihre Animosit&#228;t zeigt zur Gen&#252;ge, was diese Bewegung schon nicht mehr ist. Sie w&#228;ren zufrieden mit einem Moratorium auf den Benzinpreis, irgendeiner beliebigen Erh&#246;hung von irgendwas oder der Organisation eines Referendums &#252;ber die Energiewende, gleichzeitig zeichnet sich eine Bewegung ab, die alles auf ihrem Weg verw&#252;sten will und sich nicht mehr auf irgendeinen Diskurs oder irgendeine Forderung reduzieren l&#228;sst, ausser vielleicht &#8222;Macron Demission&#8220;, wiederholt wie eine Art Mantra ans Nichts, ans Verschwinden von allem, was diese Welt repr&#228;sentiert. &#8222;Macron Demission&#8220; stellt sowohl die politische Grenze dieser Bewegung, als auch einen Aufruf f&#252;r das Ende aller Politik dar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Anbetracht des Geschehens am Samstag 1. Dezember w&#228;re es absurd, das immer noch als &#8222;Bewegung gegen das teure Leben&#8220; zu qualifizieren und etwas als wirtschaftliche Forderung zu verschleiern, das offensichtlich viel weiter geht. Am Samstag dienten die &#8222;Beschwerdehefte&#8220; zur Entfachung eines Brands. Die Bewegung der Gelbwesten war &#252;ber das Stadium der wirtschaftlichen Forderung schon in der ersten Woche hinausgegangen, um in die &lt;i&gt;politische&lt;/i&gt; populistische Phase einzutreten, um zu verlangen, dass sich der Staat gegen&#252;ber dem Volk zur&#252;ckzieht oder dass das Volk zum Staat wird. Wir haben diese Phase kritisiert und den Inhalt der vom weissen Frankreich von unten getragenen Forderungen ermittelt, die Grenzen dieses Interklassismus aufgezeigt und auf die Gefahr der nationalen Volkseinheit der Einen gegen die &#8222;Anderen&#8220; hingewiesen. Wir waren kaum fertig mit der Kritik dieser Phase, als sie schon vorbei war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es fehlte dieser Bewegung an einer Unze Nihilismus, um ihrem &#8222;apolitischen&#8220; Charakter einen Sinn zu geben: Die Begegnung mit den &#8222;Quartieren&#8220; hat ihr verschafft, was ihr fehlte, um der &#8222;wirklichen Bewegung&#8220; zu entsprechen, d.h. nicht jene des gesellschaftlichen Fortschritts, sondern jene der Zerst&#246;rung der Gesellschaft, und um sich freudig unter Gleichen wiederzuerkennen. Der Interklassismus hat sich in die Spannung zur Einheit verwandelt, zwischen all jenen, welche wissen oder ahnen, dass sie von dieser Gesellschaft nichts erwarten k&#246;nnen, ob sie nun in den Vorstadtquartieren eingepfercht, Schiffbr&#252;chige des periurbanen Pavillonalbtraums oder Sozialhilfebez&#252;ger sind, welche &#252;berleben, indem sie in der Ard&#232;che Kastanien ernten. Man musste die untote Armee des Gewerkschaftsumzugs an der Place de la Bastille vorbeiziehen sehen, versteckt hinter ihren Fahnen und Parolen, die Arbeit als die ihre bejahend, und die absolute Gleichg&#252;ltigkeit jener f&#252;hlen, welche mit oder ohne Gelbwesten ziellos aber zusammen durch Paris zogen, um zu verstehen, inwieweit die alte Arbeiterbewegung, ihre Gewerkschaften, Repr&#228;sentanten und Forderungen eine Sache der Vergangenheit sind. Es wird kein &#8222;soziales Zusammenkommen&#8220; geben, diese Bewegung hat sich nicht zur&#252;ckbesonnen auf linke Vernunft, sie wird nie eine soziale Bewegung sein. Diese Epoche ist vorbei. Die Frage des Antirassismus oder des Antifaschismus, ob links oder rechts, stellt sich nicht mehr, wenn es nur noch darum geht, alles anzuz&#252;nden und zu wissen mit wem man es tun kann. Diese Gegebenheit tr&#228;gt sowohl den B&#252;rgerkrieg als auch die revolution&#228;re &#220;berwindung als Grenze: Den Schritt vom Aufstand hin zur Revolution zu tun bedeutet auf Messers Schneide zu stehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Begegnung hat sehr wohl stattgefunden, nun bleibt die Frage, ob sie sich wiederholen und ausbreiten kann. Alles, was ihr im Weg stehen k&#246;nnte, ist schon da, pr&#228;sent im &#8222;sozialen&#8220; Wesen der Bewegung als auch in den gesellschaftlichen Beziehungen selbst, welche von keinem Krawall abgeschafft werden k&#246;nnen: Die vereinende Parole &#8222;Marcron Demission&#8220; tr&#228;gt unterschwellig in sich die M&#246;glichkeit eines national-populistischen B&#252;ndnisses, welches im Namen des Volkes die Staatsmacht ergreift (Le Pen und M&#233;lenchon pl&#228;dieren mit einer Stimme f&#252;r vorgezogene Wahlen) und dem Staat eine ad&#228;quate Form gegen&#252;ber der Krise anbietet: Eine mitf&#252;hlend-autorit&#228;re Form, dazu f&#228;hig, alle gleichzuschalten, indem sie den einen das Anderssein und symmetrisch den anderen die Verantwortung und den Patriotismus zuweist, um die einen im Namen der anderen zu zerschlagen und alle zu beherrschen. Man sah es etliche Male in den letzten Jahren &#8222;Que se vayan todos&#8220; ist h&#228;ufig ein Aufruf, im schlimmsten Sinne das politische Personal zu erneuern. Aber um diesen Punkt zu erreichen, m&#252;sste das weisse Frankreich von unten unter der F&#252;hrung der Mittelklassen wieder sich selber und seiner Rolle zugewiesen werden, jene der ehrlichen und gerecht bezahlten Arbeit und der harmonischen Warenzirkulation. Es ist im Moment die einzig denkbare Art und Weise der Krisenbew&#228;ltigung, ausser die Regierung Macrons packt diese autorit&#228;re Wende auf eigene Faust an.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um das zu verhindern, wird es n&#246;tig sein, die Unordnung weiterzuf&#252;hren. Das Moment des st&#228;dtischen Krawalls ist in sich selbst eine Grenze dessen, was momentan geschieht: Historisch ist er die Antwort auf zwei Modalit&#228;ten, entweder die Machtergreifung oder Konzessionen vom Staat. Doch es ist nicht 1917, eine Machtergreifung zur Verwirklichung eines sozialistischen Programms ist nicht konzipierbar, und es ist nicht 1968, es wird kein Abkommen von Grenelle geben. Die Beschr&#228;nkung auf den st&#228;dtischen Krawall ist gleichbedeutend mit jener auf das noch politische in der Bewegung. Aber wenn das, was sich diesen Samstag in Paris und &#252;berall in Frankreich manifestiert hat, wieder in den Ring steigt, imitiert wird und sich tats&#228;chlich zum Ziel setzt, das &#8222;Land zu blockieren&#8220;, d.h. &lt;i&gt;sich dessen zu bem&#228;chtigen&lt;/i&gt;, und davon ausgehend &#252;ber seine Zukunft zu entscheiden, dann wird man sich den &#220;bergang vom Krawall oder der Erhebung zur Revolution vorstellen k&#246;nnen. Doch niemand kann sagen, welche Richtung das gegenw&#228;rtige Geschehen nehmen wird, daf&#252;r geht alles viel zu schnell, eines der besten Anzeichen f&#252;r den hier hervorgebrachten revolution&#228;ren Inhalt. Diese Bewegung, da Klassenkampf, tr&#228;gt alles, was eine kommunistische Revolution, ihre Grenzen, ihr unvorhersehbarer Charakter heutzutage sein k&#246;nnen: Um jedoch wirklich dorthin zu gelangen, m&#252;ssen wahrscheinlich noch viele jener Dinge brennen, welche zwischen uns stehen, seien das Autos oder gesellschaftliche Beziehungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;PS: Als Antwort auf einige Kritiken und Fragen rund um diesen Text muss pr&#228;zisiert werden, dass er als unmittelbarer Diskussionsbeitrag aus der Hitze des Gefechts betrachtet werden muss. Wenn auch einige durch seinen &#8222;optimistischen&#8220; Ton (diese Gelegenheit bietet sich nicht jeden Tag) &#252;berrascht sein m&#246;gen, so soll doch auch darauf hingewiesen werden, dass dieser Optimismus durch die Perspektive der R&#252;ckkehr zur Ordnung relativiert wird, welche ebenfalls von dieser Bewegung getragen wird. Alle Fragen des vorhergehenden Texts k&#246;nnen so immer noch gestellt werden. Es ist wesentlich, scharfsinnig zu bleiben, doch es ist ebenfalls wesentlich, sich bewusst zu sein, dass der Klassenkampf kein langer, ruhiger Fluss ist und auch keine gut markierte Landepiste f&#252;r die Bomber der &#8222;schweren&#8220; Theorie. Was im Verlauf eines Kampfes gemacht und gel&#246;st wird, geht schneller als unsere Analysef&#228;higkeiten und auch wenn sich das, was sich am 1. Dezember ge&#246;ffnet hat, auch schnell wieder schliesst, war es notwendig, dar&#252;ber Bericht zu erstatten, das gleiche gilt f&#252;r den ganzen Rest. Nichts ist in Stein gemeisselt: Es gibt Konjunktur, &#8222;Ausgliederung&#8220; und durchaus auch Beliebigkeit in den K&#228;mpfen. Sagen wir, dass dieser Text Teil davon ist und dazu steht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;AC&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;November 2018&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://carbureblog.com/2018/12/03/1er-decembre-2018-porter-plus-loin-le-desordre/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		
		<enclosure url="https://www.kommunisierung.net/IMG/pdf/ersterdezpdf.pdf" length="45112" type="application/pdf" />
		

	</item>
<item xml:lang="de">
		<title>Anmerkungen zur Polizei und den Vorst&#228;dten</title>
		<link>https://www.kommunisierung.net/Anmerkungen-zur-Polizei-und-den</link>
		<guid isPermaLink="true">https://www.kommunisierung.net/Anmerkungen-zur-Polizei-und-den</guid>
		<dc:date>2017-02-22T18:44:00Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>


		<dc:subject>&#220;bersetzungen</dc:subject>
		<dc:subject>Theorie</dc:subject>
		<dc:subject>Frankreich</dc:subject>
		<dc:subject>A. C.</dc:subject>

		<description>
&lt;p&gt;Man k&#246;nnte von der Polizei das gleiche wie von der Armee sagen, dass sie eine zu ernste Sache sei, als dass man sie Polizisten &#252;berlassen d&#252;rfe; aber man darf nicht vergessen, dass der Kapitalismus die Gener&#228;le Krieg so lange nach ihrem Gutd&#252;nken hat f&#252;hren lassen, wie es sachdienlich war, das zu tun. &lt;br class='autobr' /&gt;
Wie jede Institution geniesst die Polizei eine relative Autonomie bez&#252;glich ihrer internen und externen Autorit&#228;ten: dem Staat, ihrer eigenen Hierarchie gegen&#252;ber. Diese Autonomie existiert (...)&lt;/p&gt;


-
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

/ 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Theorie" rel="tag"&gt;Theorie&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Frankreich" rel="tag"&gt;Frankreich&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/A-C" rel="tag"&gt;A. C.&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/free-bauhaus-vector-1.webp?1689356546' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='105' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Man k&#246;nnte von der Polizei das gleiche wie von der Armee sagen, dass sie eine zu ernste Sache sei, als dass man sie Polizisten &#252;berlassen d&#252;rfe; aber man darf nicht vergessen, dass der Kapitalismus die Gener&#228;le Krieg so lange nach ihrem Gutd&#252;nken hat f&#252;hren lassen, wie es sachdienlich war, das zu tun.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie jede Institution geniesst die Polizei eine relative Autonomie bez&#252;glich ihrer internen und externen Autorit&#228;ten: dem Staat, ihrer eigenen Hierarchie gegen&#252;ber. Diese Autonomie existiert auf jeder Ebene: auf der Strasse, im Polizeiposten genau wie im Polizeipr&#228;sidium verteidigt die Polizei ihre eigenen Interessen, als Stand und als Institution. Doch sie ist stets vom Staat abh&#228;ngig. Als Stand h&#228;ngt die von den materiellen und rechtlichen Mitteln ab, welche der Staat ihr zugesteht, als Institution von ihrer ideologischen Rechtfertigung durch den Staat, von der sogenannten &lt;i&gt;Doktrin in Sicherheitsfragen&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Doktrin st&#252;tzt sich selbst auf eine allgemeine Einsch&#228;tzung der Situation durch den Staat, auf seinen Standpunkt. Es ist eine theoretische und strategische Form, die sich auf die Voraussetzungen des Staates st&#252;tzt, und zwar einerseits auf ihre eigene Legitimit&#228;t, andererseits auf ihre Besonderheit, welche es ist, den Klassenverh&#228;ltnissen entsprechend gem&#228;ss ihm wirksamen Kategorien, d.h. &lt;i&gt;unter der herrschenden Klasse&lt;/i&gt;, Form zu geben. Die Polizei ist auf ihrer Ebene, welche jene der als legitim betrachteten Gewalt ist, daf&#252;r verantwortlich, dieses Klassenverh&#228;ltnis in einer bestimmten, vom Staat entschiedenen Form aufrechtzuerhalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn sich die Polizisten als Stand weigern, dem Staat bez&#252;glich dieses oder jenes Punktes zu gehorchen (wie im Fall, als sie sich weigerten, ihre Kennnummer zu tragen z.B.), stellen sie den Staat oder seine Doktrinen nicht mehr in Frage als die Gewerkschafter der CGT Energie die Atomkraft. Doch die Autonomie der Polizisten, welche ihren &#220;berdruss zur Schau stellen, hat eine besondere Konnotation, denn was bleibt vom Staat &#252;brig, falls die Polizei ihm nicht mehr gehorcht? Und welcher Staat w&#252;rde auf einen Staat ohne Polizei folgen, ohne dass letztere ihre Funktion aufg&#228;be? Man kann einerseits sagen, dass jeder Staat ein Polizeistaat ist, insofern, als dass er nicht ohne Polizei auskommen kann, und andererseits, dass es die einen mehr sind als andere, was von Bedeutung ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Interesse der Polizei als Stand ist es, dass ein Polizeistaat existiert. Die Polizei ist f&#252;r einen Polizeistaat genau wie die Bahnarbeiter f&#252;r den kombinierten Verkehr auf Schiene und Strasse sind. Die Polizei bevorzugt den Front national genau wie die Arbeiter vor 30 Jahren die KP bevorzugten. Doch der Staat wird erst zu einem eigentlichen Polizeistaat, wenn es die Umst&#228;nde erfordern, d.h. wenn die Polizei zum besten Regierungsmittel wird, und diesbez&#252;glich kann man sich durchaus Sorgen machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Frankreich hat die Ethnisierung der Arbeit zusammen mit der geographischen Zuweisung der Massen von rassialisierten Proletariern zu einer Situation gef&#252;hrt, wo die Unterschiede in der Behandlung zwischen einem nicht einmal zwingend sehr reichen Stadtzentrum und den Vorst&#228;dten deutlich werden. Sieht man in den Stadtzentren Polizeipatrouillen Leute an die Wand dr&#252;cken, ihre Papiere zwei oder drei mal pro Tag kontrollieren, ihnen Ohrfeigen geben und sie t&#228;glich beleidigen? Solche Machenschaften w&#252;rden als skandal&#246;s betrachtet, es ist jedoch der Alltag der Bewohner der Vorst&#228;dte, besonders der j&#252;ngeren unter ihnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Klassenverh&#228;ltnis in Frankreich ist auf der Zuweisung wenig qualifizierter Arbeit zu einer aus den ehemaligen Kolonien kommenden Arbeitskraft aufgebaut, was in einer immer komplexer werdenden Arbeitsteilung die Weiterbildung eines grossen Teils der Arbeiterklasse erlaubte, ohne dass die L&#246;hne in die H&#246;he schossen. Diese Teilung ist strukturell geworden, sprich &#8222;nat&#252;rlich&#8220;. Die franz&#246;sische Mittelklasse hat sich selbst auf dieser ethnischen Arbeitsteilung aufgebaut, das passte f&#252;r (fast) alle: Es waren die (fast) Glorreichen Dreissig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit der Restrukturierung der 1970er und 1980er Jahre, dem Abbau der grossen Arbeiterzentren und der Entwicklung der &#8222;neuen St&#228;dte&#8220; ist diese rassische Zuweisung des am meisten ausgebeuteten Teils des Proletariats mit einer geographischen Zuweisung erg&#228;nzt worden, w&#228;hrend die Massenarbeitslosigkeit strukturell wurde. Die weisse Arbeiterklasse, die Arbeiter mit &#8222;weissem Hemd&#8220; (qualifizierte Arbeiter, Meister), haben zu diesem Zeitpunkt die Vorst&#228;dte progressiv den rassialisierten Arbeiter und ihren Familien &#252;berlassen, bis die Arbeit, so wie man sie gekannt hatte, g&#228;nzlich verschwindet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Vorst&#228;dte in Frankreich sind heute der Ort, wo die &#220;bersch&#252;ssigen des restrukturierten Kapitalismus massiv zugewiesen werden, doch man muss sich &#252;ber den Begriff &#8222;&#220;bersch&#252;ssige&#8220; einig sein. Die &#220;bersch&#252;ssigen sind nicht &#8222;zu viel&#8220;, &#252;berfl&#252;ssig, sie arbeiten. Sie arbeiten allerdings in Sektoren, wo die Prekarit&#228;t endemisch, die Flexibilit&#228;t, die Vertr&#228;ge kurzer Dauer oder die schlichte Vertragslosigkeit usw. die Regel sind. Das Resultat hat nicht auf sich warten lassen: Vorst&#228;dte, wo die Bev&#246;lkerung drei mal h&#228;ufiger arbeitslos ist als anderswo, isoliert von den von der oberen Mittelklasse begehrten Stadtzentren, geographisch isoliert, aber trotzdem mit jenen Stadtzentren verbunden, wo man Arbeit findet. Mit der Arbeitslosigkeit kommen auch die Kriminalit&#228;t und der Deal und f&#252;r die Polizei ist es einfach, ihre Handlung so zu rechtfertigen, doch man sollte nicht scherzen: Die Vorst&#228;dte Frankreichs sind nicht das Kartell von Medell&#237;n, denn falls das der Fall w&#228;re, k&#246;nnten die Polizisten nicht in aller Ruhe dort zu viert spazieren und den Jungen Ohrfeigen verteilen. Die Realit&#228;t der Vorst&#228;dte ist, wie sonst &#252;berall, die Arbeit und zwar jene, die niemand sonst will.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In diesem Kontext spielt die Polizei ihre Rolle, welche es ist, diesen Sachverhalt &lt;i&gt;durch Zwang&lt;/i&gt; aufrechtzuerhalten, indem jene, welche ihn erdulden m&#252;ssen, stets daran erinnert werden, dass es noch schlimmer sein k&#246;nnte. Und die Ungerechtigkeit selbst hat, wenn man sie t&#228;glich erdulden muss, einen funktionellen Sinn: Wer bereit ist, in aller Ruhe eine Polizeikontrolle zu erdulden, um seine Arbeit nicht zu verlieren, wird auch bereit sein, eine unbezahlte &#220;berstunde zu leisten, um sie zu behalten. In diesem Sinne sind die Vorst&#228;dte keine vergessenen, sondern besondere Zonen, die einer besonderen Behandlung unterworfen sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese besondere Behandlung weist die Eigenschaften eines &lt;i&gt;lokalisierten&lt;/i&gt; Polizeistaates auf: der permanente Verdacht gegen&#252;ber gewissen Personen, die Brutalit&#228;t zur Regierungsweise erhoben, die Negation jener Rechte, welche der einzige Schutz f&#252;r die B&#252;rger vor ihrem eigenen Staat sind, der Ruf zur Ordnung, der auch ein Ruf zur Arbeit ist. Diese Situation ist in der Welt weit verbreitet, sie existiert bei uns &lt;i&gt;in gewissen Zonen&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Alltag existieren die Polizisten in den Vorst&#228;dten als eine Gruppe bewaffneter M&#228;nner, welche die Herrschaft der rassischen Ordnung als gesellschaftliche Ordnung garantiert. Der Rassismus in ihren K&#246;pfen ist ihrer Funktion unmittelbar ad&#228;quat. Die rassistische Beleidigung und die Gewalt sind keine Ausnahmen, sondern die Regel, wie es all jene wissen, die auf der Strasse mit der Polizei zu tun hatten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt nicht einerseits den individuellen Rassismus der Polizisten und andererseits den strukturellen Charakter des Rassismus: Es ist sehr wohl die allgemeine rassische Struktur dieser Gesellschaft, die aus den Polizisten rassistische Individuen macht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Polizisten agieren nicht nur als rassistische und gewaltbereite Individuen sondern als Stand, der als solcher auf konsistente Art und Weise diesen strukturellen Rassismus &#252;bernimmt &lt;i&gt;und ihn verteidigt&lt;/i&gt;. Keine Polizeigewerkschaft wird die Politik der rassischen und geographischen Segregation verurteilen, die t&#228;glich von der Polizei angewendet wird. Im Gegenteil, es wird darum gehen, mehr Mittel zu bekommen, um diese Aufgabe gut zu erf&#252;llen. Die Tatsache, dass die Polizisten w&#228;hrend einer Demonstration gegen Polizeigewalt scharf schiessen, w&#228;hrend am n&#228;chsten Tag &#252;ber ein Gesetz abgestimmt werden muss, dass die Regeln der legitimen Verteidigung der Polizei erweitert, zeigt zur Gen&#252;ge, dass die Polizei &#8211; als &#8222;K&#246;rperschaft&#8220; - sehr wohl weiss, was sie tut und was sie erreichen will.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Polizei ist nicht als solche verantwortlich f&#252;r die besondere Behandlung, welche einer gewissen Kategorie von Individuen entsprechend ihrer Hautfarbe vorbehalten ist, doch ihre Arbeit ist es, diese Situation fortbestehen zu lassen, weil sie f&#252;r die Aufrechterhaltung der Ordnung verantwortlich ist und es &lt;i&gt;eben diese Ordnung&lt;/i&gt; ist, die sie aufrechterhalten muss. Das ist ihre Funktion, genau wie es die Funktion aller Institutionen der Gesellschaft ist, vom Gericht bis zur Schule, sobald die rassische Unterscheidung strukturell geworden ist. Die Besonderheit der Polizei ist es, dass sie sie &lt;i&gt;durch Zwang&lt;/i&gt; wahren muss. Sie will die daf&#252;r notwendigen juristischen und materiellen Mittel und solange das ihre Funktion ist, wird der Staat sie ihr geben, nicht weil er sich vor seiner Polizei f&#252;rchtet, sondern weil es in &#220;bereinstimmung mit der von ihm gef&#252;hrten Politik ist. Es bleibt ihm nichts anders &#252;brig, als das Fehlverhalten zu verurteilen, als Sanktionen zu versprechen, die nie kommen (was &#8222;die Justiz ihre Arbeit machen lassen&#8220; genannt wird), und eventuell in der Person des Pr&#228;sidenten deren Opfer am Krankenbett zu besuchen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Polizei ist eine absolut unproduktive K&#246;rperschaft. Man muss sich also nicht wundern, dass die Polizisten ihren eigenen Rassismus nicht erfunden haben, genauso wenig wie den Sexismus und die gesellschaftliche Verachtung, die sie jedem gegen&#252;ber zeigen, welcher nicht im Anzug daherkommt, sie sind das Produkt einer Gesellschaft, welche die Zuweisungen bez&#252;glich Geschlechterrollen, Rasse und Klasse als Bedingungen des Reichtums einiger zementiert und die Individuen trennt, indem sie jedem in der allgemeinen Arbeitsteilung einen Platz zuweist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch es kommt vor, dass ein 27 Jahre junger Mann, der eine Uniform tr&#228;gt, einen Schlagstock in den After eines 22-j&#228;hrigen schwarzen Mannes rammt, und dass das die untragbare Situation perfekt zusammenfasst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Anbetracht dessen sind die Ausschreitungen, welche bei jedem &#8222;Tropfen&#8220; ausbrechen, welche das sich stets f&#252;llende Glas zum &#220;berlaufen bringt, offensichtlich in jedem Sinne notwendig. Weniger offensichtlich ist die Beschaffenheit einer politischen Sichtbarkeit der &#8222;Vorst&#228;dte&#8220;, dieser Begriff selbst schafft es nicht, alle bestehende rassische Unterdr&#252;ckung und besondere Organisation der kapitalistischen Ausbeutung auszudr&#252;cken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Kritik der Polizei, welche die gemeinsame Realit&#228;t derart verschiedener Situationen ist, k&#246;nnte der Ausgangspunkt sein f&#252;r besser abgestimmte K&#228;mpfe, welche das Schweigen und die Unsichtbarkeit beenden und zu anderen Antworten als polizeilichen zwingen. Wenn es auch utopisch scheinen mag, die Gewalt der Polizei in den Vorst&#228;dten im Rest des Territoriums als das darzustellen, was sie ist, so ist es vielleicht m&#246;glich, die bestehende Diskrepanz zwischen den beiden sichtbar zu machen, was schon viel w&#228;re, denn f&#252;r einige ist eine gleiche Justiz schon zu viel verlangt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir m&#252;ssen noch herausfinden, ob diese einmal sichtbar gemachte Diskrepanz jene, welche &lt;i&gt;auf der guten Seite&lt;/i&gt; sind und dort bleiben wollen, nicht eher beruhigt denn emp&#246;rt. Doch das ist eine andere Geschichte und der Gegenstand anderer Traurigkeiten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;17.02.2017&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;AC&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://carbureblog.com/2017/02/17/note-sur-la-police-et-les-banlieues/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		
		<enclosure url="https://www.kommunisierung.net/IMG/pdf/carbureanmerkungvorstaedtepdf.pdf" length="48025" type="application/pdf" />
		

	</item>
<item xml:lang="de">
		<title>Fr&#252;hling ohne Sonnenschein (Versuch einer provisorischen Bilanz)</title>
		<link>https://www.kommunisierung.net/Fruhling-ohne-Sonnenschein-Versuch</link>
		<guid isPermaLink="true">https://www.kommunisierung.net/Fruhling-ohne-Sonnenschein-Versuch</guid>
		<dc:date>2016-06-16T18:05:00Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>


		<dc:subject>Bericht/Analyse</dc:subject>
		<dc:subject>&#220;bersetzungen</dc:subject>
		<dc:subject>Frankreich</dc:subject>

		<description>
&lt;p&gt;Dieser Text soll ein Beitrag zum Selbstverst&#228;ndnis der gegenw&#228;rtigen Bewegung sein &#8211; jedoch weder nach Neutralit&#228;t streben, noch allgemeine Zustimmung finden, er ist der Versuch einer kritischen und engagierten Bilanz, die zum Zweck hat, allen voran die Besonderheit und die Grenzen dieser Bewegung hervorzuheben. Hinsichtlich letzterer haben wir kein Wundermittel, das wir anpreisen k&#246;nnten, doch wir denken, dass sie zuerst benannt und diskutiert werden m&#252;ssen, damit andere Wege schlichtweg (...)&lt;/p&gt;


-
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

/ 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Bericht-Analyse" rel="tag"&gt;Bericht/Analyse&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Frankreich" rel="tag"&gt;Frankreich&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/printemps-sans-soleil1-1.webp?1689357794' class='spip_logo spip_logo_right' width='107' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Dieser Text soll ein Beitrag zum Selbstverst&#228;ndnis der gegenw&#228;rtigen Bewegung sein &#8211; jedoch weder nach Neutralit&#228;t streben, noch allgemeine Zustimmung finden, er ist der Versuch einer kritischen und engagierten Bilanz, die zum Zweck hat, allen voran die Besonderheit und die Grenzen dieser Bewegung hervorzuheben. Hinsichtlich letzterer haben wir kein Wundermittel, das wir anpreisen k&#246;nnten, doch wir denken, dass sie zuerst benannt und diskutiert werden m&#252;ssen, damit andere Wege schlichtweg denkbar sind, umso mehr, als dass die Beerdigung der anhaltenden Bewegung ein durchaus plausibler Ausgang ist. Die soziale Bewegung der letzten Monate stellt in mehrerer Hinsicht einen Bruch mit der Vergangenheit dar &#8211; das ist einer der positivsten Aspekte &#8211; trotzdem oder vielleicht genau deswegen ist es leider viel schwieriger, zu beschreiben, was zur&#252;ckgelassen wird, als zu erkennen, in welche Richtung sie gehen k&#246;nnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Fangen wir nochmal von vorne an, d.h. vom Gesetzesprojekt El Khomri. F&#252;r die Regierung ging es sowohl darum, hinsichtlich Wettbewerbsf&#228;higkeit zu den anderen europ&#228;ischen L&#228;ndern aufzuschliessen, als auch in k&#252;rzerer Frist gegen&#252;ber dem Arbeitgeberverband MEDEF ihren Voluntarismus zu zeigen, da dieser von einer als fortschrittsfeindlich eingesch&#228;tzten Haltung irritiert war. Aus der Perspektive der Regierung h&#228;tte allerdings eine Einigung sowohl zwischen Gross- und Kleinkapital, als auch ihren jeweiligen von den Gewerkschaften repr&#228;sentierten Angestellten gefunden werde m&#252;ssen, in diesem Spiel zu dritt ist es unm&#246;glich, alle zufriedenzustellen. Der MEDEF forderte im wesentlichen mehr Flexibilit&#228;t, da die Oligopole sich einer Versch&#228;rfung der weltweiten Konkurrenz stellen m&#252;ssen &#8211; El Khomri und Co. wollen diese Forderung erf&#252;llen, doch auf dem R&#252;cken der Interessen der KMUs, die verh&#228;ltnism&#228;ssig mehr Leute einstellen und entlassen als die grossen Firmen und die f&#252;r die vage &#8222;soziale&#8220; Seite der Flexisicherheit die Kosten bezahlen m&#252;ssen (die &#220;berbesteuerung der CDD [befristeten Vertr&#228;ge] in der zweiten, mit der CFDT verhandelten Version des Gesetzestextes). Es ist ein improvisiertes Gesetzesprojekt dabei herausgekommen, das unter dem Zeichen der Debatte unl&#246;sbarer Widerspr&#252;che steht, die nur durch lange Verhandlungen gem&#228;ssigt werden k&#246;nnten. Es w&#228;re also exzessiv, zu behaupten, der Gebrauch des Artikels 49-3 symbolisiere eine totalit&#228;re Wende einer Regierung, die sich f&#252;r die harte Linie entschlossen hat, oder die Mobilisierung sei schon ein Teilsieg, weil sie Verbesserungen des Textes erhalten hat: Das Gesetzesprojekt El Khomri war nicht daf&#252;r gemacht, als solches zustande zu kommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bewegung gegen das Gesetz von El Khomri ist erst einmal weniger massiv als jene 1995 und 2010, und das nicht nur wegen der Abwesenheit der Staatsangestellten, die gr&#246;sstenteils nicht vom Gesetzesprojekt betroffen sind. An den grossen Demonstrationen war die Beteiligung h&#228;ufig geringer als 2010, sie waren jedoch k&#228;mpferischer und h&#228;ufig auch proletarischer. Andererseits zeichnen sich die wirklichen K&#228;mpfe, die in den privaten oder &#246;ffentlichen Unternehmen gef&#252;hrt wurden und immer noch werden, durch ihre stark sektoriale Verankerung aus, und die allgemeine Bewegung gegen das Arbeitsgesetz ist davon sehr gepr&#228;gt (das war schon 2010 so, doch weniger ersichtlich wegen den auf dem Spiel stehenden Renten). Es geht nicht darum, den &#8222;Korporatismus&#8220; von irgendjemandem zu verurteilen, doch man muss scharfsinnig sein und die Dinge beim Namen nennen: Die Bewegung gegen das Arbeitsgesetz &lt;i&gt;als Streikbewegung&lt;/i&gt; geht gr&#246;sstenteils von jenen Teilen der Lohnabh&#228;ngigen aus, welche sich den Folgen des Arbeitsgesetzes &lt;i&gt;in ihrer Branche&lt;/i&gt; widersetzen, oder &#8211; was die prek&#228;rsten davon betrifft &#8211; jenen Teilen, welche die Bewegung als Megaphon f&#252;r ihre spezifischen Forderungen innerhalb des Etablissements oder der Unternehmung benutzen. Es geh&#246;rt zum guten Ton, zu sagen, dass &#8222;man nicht nur f&#252;r sein eigenes Fressen k&#228;mpft&#8220;, genau das geschieht jedoch in den meisten K&#228;mpfen, welche die Mobilisierung n&#228;hren, und unter den gegenw&#228;rtigen Bedingungen kann man zumindest sagen, dass &lt;i&gt;das normal ist&lt;/i&gt;. Nat&#252;rlich benutzen die Regierung und die Bosse die Segmentierung ebenfalls, um das Ausmass der Mobilisierung zu beschr&#228;nken: Erh&#246;hung der L&#246;hne der Staatsangestellten um 1.2% nach sechs Jahren der Stagnation, versprochene Lohnerh&#246;hungen von einer Milliarde Euro f&#252;r die Lehrer bis 2020, &#8222;Massnahmen f&#252;r die Jugend&#8220;, die Valls Mitte April pr&#228;sentiert hat, Einigung &#252;ber die &#220;berstunden der streikenden Fernfahrer&#8230; Die Gesamtarbeitsvertr&#228;ge gewisser Sektoren sind &#252;brigens schon ziemlich beschissen oder durch die Vergabe von Unterauftr&#228;gen neutralisiert, die firmeninterne Verhandlung ist schon Teil jener Bewegung, welche sich angeblich ihrer Vormacht widersetzt (siehe die Frage der Umkehrung in der Hierarchie der Regeln im Artikel 2 des Gesetzesprojektes): Streik wegen den L&#246;hnen und den Arbeitsbedingungen bei McDonalds, Campanile Tour Eiffel, Amazon&#8230; Das sagt viel &#252;ber die Gr&#252;nde aus, die verantwortlich sind f&#252;r die Tatsache, dass die Streiks, so hart sie auch sein m&#246;gen, in pr&#228;zisen Sektoren lokalisiert bleiben und M&#252;he haben, sich auszubreiten: Die Praxis der Unternehmen hat sich schon lange vom Arbeitsgesetz entfernt. Seien wir f&#252;r einmal bornierte MaterialistInnen: Die Zerst&#246;rung des Arbeitsgesetzes bestimmt nicht den Niedergang der &#8222;Schutzmassnahmen&#8220; in der Lohnarbeit, es ist der Niedergang dieser Schutzmassnahmen, der durch die Zerst&#246;rung des Arbeitsgesetzes endlich f&#252;r rechtsg&#252;ltig erkl&#228;rt (und freilich auch beschleunigt) wird. Es ist also, obwohl nicht normal, so zumindest verst&#228;ndlich, dass viele Proletarier, die schon unter Bedingungen arbeiten, die nicht weit vom Modell von El Khomri entfernt sind &#8211; obwohl sie mehrheitlich gegen das neue Arbeitsgesetz sind und, egal was gesagt wird, sehr wohl f&#228;hig sind, zu streiken &#8211; der Ansicht sind, dass in diesem Konflikt nicht so viel auf dem Spiel steht. Man sieht in Le Havre und anderswo Arbeiterdemonstrationen wie man sie schon lange nicht mehr gesehen hat, doch was ist &#8211; nur um ein Beispiel zu nennen &#8211; mit den Abertausenden von nichtqualifizierten Interim-Arbeitern (rund die H&#228;lfte der Interim-Arbeiter in Frankreich, von denen es ungef&#228;hr 600&#8216;000 gibt) in der Metallurgie, in der Lebensmittelbranche usw.?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Anbetracht dieser Tatsache schl&#228;gt das Gerede &#252;ber die Bewegung und die &#8222;Radikalit&#228;t&#8220; nicht wirklich ein, es findet nachgerade in der Bewegung selbst seine eigene Widerlegung. &lt;i&gt;Gemeinsamkeit der K&#228;mpfe&lt;/i&gt;? Kaputt! Sie wurde nie anders als als Addition/F&#246;deration der &#8222;Nein&#8220; (das &#8222;Nein&#8220; der Studenten, das &#8222;Nein&#8220; der CGT usw.) oder als &#228;ussere Unterst&#252;tzung von K&#228;mpfen &lt;i&gt;anderer&lt;/i&gt; praktiziert, obwohl sie nie gesagt haben, dass sie diese Gemeinsamkeit wollen. &lt;i&gt;Autonomie&lt;/i&gt;? Mit einem Kalender, der derart von den Gewerkschaften bestimmt worden ist, ist das ein schlechter Witz. &lt;i&gt;Blockierung der Wirtschaft&lt;/i&gt;? Obwohl es jenen, welche denken, dass man die &#8222;Wirtschaft&#8220; an jeglichem Ort &#8222;blockieren&#8220; kann, nicht gefallen mag, m&#252;ssen wir das Lachen zur&#252;ckhalten: Die einzigen, welche in der &#8222;Wirtschaft&#8220; irgendwas blockieren, sind die Streikenden in den Sektoren der Energie, der Chemie, der &#246;ffentlichen Transporte gewesen &#8211; die letzten Festungen einer dank dem Beruf, dem Closed Shop oder dem Status relativ stabilen Arbeiterklasse.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der unterschwellige Diskurs der &#8222;Jugend&#8220; dreht sich haupts&#228;chlich um die Entwertung der Diplome: &#8222;Wir sind mehr wert&#8220;, &#8222;Es ist beleidigend, f&#252;r 1200 Euro pro Monat aufstehen zu m&#252;ssen&#8220; usw. sind keine Gemeinpl&#228;tze &#252;ber den Sinn des Lebens &#8211; diese Parolen entstehen aus einer abgegrenzten gesellschaftlichen Situation, jener der eingeschulten Jugend, die zu den universit&#228;ren Studien gelangt. Die S&#246;hne und T&#246;chter der Proletarier, die an die Uni gehen, sind nur eine winzige Minderheit, und &#8222;f&#252;r 1200 Euro pro Monat aufstehen zu m&#252;ssen&#8220; ist nur f&#252;r jene &#8222;beleidigend&#8220;, welche sich vorstellten, 2000 zu verdienen. Eine typologische und geographische Standortbestimmung der mobilisierten Gymnasien best&#228;tigt weitgehend die Diagnose (keine oder wenige Mobilisierungen in den beruflichen Gymnasien, in den &#228;rmsten Departementen usw.). Hinsichtlich &#8222;Alle hassen die Polizei&#8220;, ja, gewiss, vielleicht, aber sicher nicht aus den gleichen Gr&#252;nden. Solche Parolen gingen mit einer sehr entschlossenen Pr&#228;senz in der Strasse, einer bemerkenswerten Entschlossenheit gegen&#252;ber der Polizei einher &#8211; doch wer hat gesagt, dass die Mittelklassen nicht f&#228;hig sind, z&#228;h und gewaltt&#228;tig zu sein? 1968 bauten einige aus Abscheu vor einer k&#252;nftigen niederen Kaderposition Barrikaden, heute, weil man diese nicht mehr erreicht...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn es einen Aspekt gibt, den man von dieser Bewegung noch hinterfragen muss, so ist es genau diese umgekehrte Dialektik vom Besonderen und dem Allgemeinen. Es ist zumindest seltsam, dass der Beginn der Bewegung im April derartig von einem &#8222;allgemeinen &#220;berdruss&#8220; (einem Streben nach einer &#8222;Ver&#228;nderung des Systems&#8220;, so vage und karikaturartig sie auch sein mag) gepr&#228;gt scheint, w&#228;hrend das, was sie zwei Monate sp&#228;ter n&#228;hrt die Konflikte wie der Streik der Postangestellten &lt;i&gt;im 92&lt;/i&gt;, der M&#252;llarbeiter &lt;i&gt;von Paris&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;Saint-&#201;tienne&lt;/i&gt;, der Angestellten von Air France usw. sind. Man k&#246;nnte sagen, dass die Intensivierung des Klassenkampfes paradoxerweise das &#8222;Allgemeine&#8220; zu Gunsten des &#8222;Besonderen&#8220; destabilisiert. Die andere Seite der Medaille dieser Tendenz war der k&#252;nstliche Charakter der berufs&#252;bergreifenden Versammlungen und anderen Aktionskomitees, die allen voran jene zusammenbringen sollten, welche an ihrem Arbeitsplatz M&#252;he haben, zu intervenieren, oder keinen haben (Prek&#228;re, Arbeitslose usw.). Sich versammeln, einverstanden, aber wozu? Einige haben Streikende unterst&#252;tzt, andere haben (ohne grossen Erfolg) versucht, Gel&#228;nde von aussen zu blockieren, sehr wenige wollten wirklich eine Unterst&#252;tzung, um ihre eigene Situation zu ver&#228;ndern, oder andere Mitglieder des Komitees oder der berufs&#252;bergreifenden Versammlung an ihren Arbeitsort oder zu ihrer Arbeitsverwaltung bringen. Dazu kommt noch die Nuit Debout: Ein derart abstraktes und konsensuelles Allgemeines, dass es zur Ausl&#246;schung des allt&#228;glichen Klassenkampfes gelangt: &#8222;Wir fordern nichts&#8220;. Bravo! Und trotzdem hat es gewiss unter den mehrheitlich den Mittelklassen entstammenden Teilnehmern der Nuit Debout einige, die 2010 &#8222;Ich klassenk&#228;mpfe&#8220; [&#8222;Je lutte des classes&#8220;] sagten!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Parallel dazu muss man auf die Unm&#246;glichkeit jeglicher politischer Vermittlung auf der institutionellen Ebene hinweisen, was mit der immer politischeren Rolle der CGT einhergeht: Noch 2010, am Ende der Bewegung gegen die Rentenreform, konnte man h&#246;ren &#8222;Wir sehen uns 2012&#8220; und Hollande versprach w&#228;hrend seiner Wahlkampagne, diese so weitgehend verhasste Reform zu widerrufen. Man weiss, dass das nicht geschah, das &#228;ndert aber nichts an der Tatsache, dass &#8211; egal, ob Niederlage oder Sieg &#8211; es niemand wagen wird, am Ende der gegenw&#228;rtigen Bewegung &#8222;Wir sehen uns 2017&#8220; zu sagen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Zwischenzeit wiederholen uns die Repr&#228;sentanten der Regierung ohne Unterbruch, dass &#8222;es Frankreich besser geht&#8220;. Acht Jahre nach der Krise von 2008 sei der Aufschwung endlich auf der Tagesordnung: Man sollte also diesen Dummk&#246;pfen dankbar sein, als ob es ihr Verdienst w&#228;re. Ohne Witz! Es w&#228;re einfach, auf diese Propaganda mit Propaganda zu antworten, mit dem Argument, die Krise sei noch nicht vorbei, in Frankreich ein Frankreich &#8222;von oben&#8220; und ein Frankreich &#8222;von unten&#8220; existiere usw. Ein lange Rezessionsperiode, wie jene, die wir aktuell erleben, kann allerdings tats&#228;chlich von kurzen und lokalisierten Aufschw&#252;ngen unterbrochen werden. &#8222;Frankreich&#8220; geht es vielleicht weniger schlecht, doch das &#228;ndert nichts an den Tatsachen: Eine bedeutende Reduzierung der Arbeitslosigkeit w&#252;rde eine &#8222;chinesische&#8220; Wachstumsrate erfordern (mindestens 3%), die auch China selbst nur mit immer mehr M&#252;he erreicht. Alles andere ist nur heisse Luft. Zudem suggerieren etliche wirtschaftliche Indikatoren, dass eine erneute Krise im Entstehen ist, die potentiell noch zerst&#246;rerischer als jene von 2008 sein wird. Es ist unm&#246;glich, den Ort und das Datum ihres Ausbruchs vorherzusagen. &lt;i&gt;Doch sie wird bald kommen&lt;/i&gt;. Und somit? Obwohl es keine &lt;i&gt;wirkliche&lt;/i&gt; Verflechtung der verschiedenen Komponenten der Bewegung gibt, bleibt der R&#252;ckzug der Arbeitsrechtsreform jene Forderung, die ihr ihre eigene Koh&#228;renz verleiht, wir verweigern uns also jeglicher liquidationistischen Hypothese (und rufen dazu auf, sie zu verweigern), sogar im Falle einer &#196;nderung des Artikels 2. Doch in jedem Fall, auch im gl&#252;cklichsten, endet die Geschichte nicht morgen, aufgeschoben ist also nicht aufgehoben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige KommunistInnen aus der Region Paris&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=15136&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		
		<enclosure url="https://www.kommunisierung.net/IMG/pdf/fruehlingsonnenscheinpdf.pdf" length="53561" type="application/pdf" />
		

	</item>



</channel>

</rss>
