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		<title>Roland Simon &#8211; Zur Kommunisierung</title>
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&lt;p&gt;Der Versuch einer Definition der Kommunisierung bedeutet, sich an ein Konzept im Werden heranzuwagen. Eher als um eine Ausarbeitung einer Definition geht es um eine Abgrenzung der Angriffswinkel. &lt;br class='autobr' /&gt;
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		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Der Versuch einer Definition der Kommunisierung bedeutet, sich an ein Konzept im Werden heranzuwagen. Eher als um eine Ausarbeitung einer Definition geht es um eine Abgrenzung der Angriffswinkel.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Programmatismus ist hinf&#228;llig&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mein Ausgangspunkt ist das Konzept des Programmatismus. Der Programmatismus beruht auf einer Praxis und einem Verst&#228;ndnis des Klassenkampfes, wonach eine der Klassen, das Proletariat, in ihrer Situation die Grundlage der &#220;berwindung des Widerspruchs und der gesellschaftlichen Organisation der k&#252;nftigen Gesellschaft findet. Ihre Aktivit&#228;t im Klassenkampf und diese Organisation werden also zu einem zu verwirklichenden &lt;i&gt;Programm&lt;/i&gt;. Im Klassenkampf zwischen dem Proletariat und dem Kapital ist das Proletariat das positive Element, das den Widerspruch aufbrechen l&#228;sst, die Revolution ist also &lt;i&gt;die Affirmation des Proletariats&lt;/i&gt;: Diktatur des Proletariats, Arbeiterr&#228;te, &#220;bergangsphase, absterbender Staat, verallgemeinerte Selbstverwaltung, &#8222;Gesellschaft der assoziierten Produzenten&#8220; usw. Die Aufl&#246;sung des Widerspruchs wird durch einen der Begriffe desselben dargestellt. Das Proletariat ist von einem &lt;i&gt;revolution&#228;ren Wesen&lt;/i&gt; beseelt, das es widerspr&#252;chlich zum Kapital macht, sich je nach mehr oder weniger reifen historischen Bedingungen anpassend und als Elemente eines Programms dekliniert. Der Widerspruch ist also nicht mehr das kapitalistische gesellschaftliche Verh&#228;ltnis selbst, zu deren Abschaffung das Proletariat, aufgrund seiner Situation darin, veranlasst ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Programmatismus ist nicht nur eine Theorie, sondern vor allem die Praxis des Proletariats, die darin besteht, dass die Erstarkung der Klasse in der kapitalistischen Produktionsweise (von der Sozialdemokratie bis zur Ultralinken) auf positive Art und Weise das Trittbrett der Revolution und des Kommunismus ist, letztere sind bloss das Hinauswachsen &#252;ber sich selbst und die Vollendung derselben. Er ist die Praxis des Proletariats vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis Ende der 1960er Jahre. Da er jedoch auf essenzielle Art und Weise mit der formellen Subsumtion der Arbeit unter das Kapital verbunden ist, &#8222;zerf&#228;llt&#8220; er in der ersten Phase der reellen Subsumtion.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die in den 1970er Jahren begonnene Restrukturierung der kapitalistischen Produktionsweise beendet diese Situation und eine neue Struktur sowie ein neuer Inhalt des Widerspruchs, der Ausbeutung, definieren nun den neuen Kampfzyklus. Ich werde also nicht ausgehend von einem unver&#228;nderlichen Wesen der Revolution und des Kommunismus, dem man sich mehr oder weniger kurz und total im Verlauf der Geschichte angen&#228;hert habe, von der Kommunisierung sprechen, sondern ausgehend von dieser neuen Situation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Restrukturierung und neuer Zyklus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf die knappstm&#246;gliche Weise definiere ich das Resultat der Restrukturierung als den Widerspruch zwischen dem Proletariat und dem Kapital als sich auf der Ebene der Reproduktion der Produktionsweise und somit der Reproduktion der Klassen und ihres Verh&#228;ltnisses verknotend. Folglich bringt das Proletariat, im Rahmen der Ausbeutung im Widerspruch zum Kapital stehend, in diesem Verh&#228;ltnis keine Best&#228;tigung seiner selbst gegen&#252;ber dem Kapital mehr hervor. Das &lt;i&gt;Problem&lt;/i&gt; in seinem Kampf als Klasse ist, in seinem Widerspruch zum Kapital, seine eigene Infragestellung, seine eigene Abschaffung. Daraus resultiert eine wahrhaft unglaubliche Situation. Einerseits k&#228;mpft das Proletariat nur t&#228;glich und ist nur eine revolution&#228;re Klasse in seiner strikten Definition als Klasse dieser Produktionsweise; andererseits l&#228;uft die Grenze all seiner gegenw&#228;rtigen K&#228;mpfe immer darauf hinaus, eine Klasse zu sein und als solche zu handeln. Das ist die Dynamik und gleichzeitig die Grenze dieses Kampfzyklus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Dezember 1995 im Kampf der Papierlosen, der Arbeitslosen, der Hafenarbeiter Liverpools, bei Cellatex, Alstom, Lu, Marks and Spencer usw. erscheint diese oder jene Eigenschaft des Kampfes im Verlauf des Kampfes selbst insofern als Grenze, als diese besondere Eigenschaft (&#246;ffentlicher Dienst, Nachfrage nach Arbeit, Verteidigung des Arbeitswerkzeuges, Verweigerung der Delokalisierung, der rein finanziellen Verwaltung usw.), mit welcher die Bewegung zusammenprallt, h&#228;ufig begleitet von Spannungen und inneren Konfrontationen im Rahmen ihres R&#252;ckgangs, immer auf die Tatsache hinausl&#228;uft, eine Klasse zu sein. Wenn in diesem Zyklus die Grenze jedes Kampfes grundlegend die Tatsache ist, als Klasse zu handeln, ist sie somit inh&#228;rent und wird immer notwendigerweise auf je nach Kampf spezifische Weise und gem&#228;ss den Modalit&#228;ten der Reproduktion der kapitalistischen Produktionsweise, dessen Klasse das Proletariat ist, existieren (es verhielt sich nicht so, solange das Proletariat dem Kapital eine Reorganisation der Gesellschaft auf der Grundlage dessen, was es in der Gesellschaft war, entgegensetzen konnte).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn wir t&#228;glich feststellen k&#246;nnen, dass jeder Kampf gegen das st&#246;sst, was ihn als Handlung der Klasse konstituiert, verh&#228;lt es sich anders betreffend der Transformation dieses zur Grenze gewordenen &#8222;Handelns als Klasse&#8220; in die &lt;i&gt;Infragestellung&lt;/i&gt; durch das Proletariat seines eigenen Verh&#228;ltnisses zum Kapital: die Kommunisierung. Das heisst die Transformation von etwas, das sich bis anhin in der Reproduktion des Kapitals aufl&#246;st, in etwas, das aktiv im Kampf der Klasse eine Infragestellung durch das Proletariat seiner eigenen Situation als Klasse ist. Fl&#252;chtige Einblicke gaben uns die &#8222;Bewegung der direkten Aktion&#8220;, der Kampf der Arbeitslosen und Prek&#228;ren, ein Indiz daf&#252;r zeigt sich in den Transformationen der Klassenzusammensetzung des Proletariats, aber die &#8222;Infragestellung&#8220; ist noch weitgehend eine &lt;i&gt;theoretische Ableitung&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Ableitung erfolgt auf folgender Grundlage:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; des Zusammenbruchs jeglicher Perspektive der Erstarkung, Affirmation und Befreiung des Proletariats;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; der gegenw&#228;rtigen Grenze aller K&#228;mpfe in der Tatsache selbst, ein Kampf der Klasse zu sein, eine Grenze, welche die Dynamik dieser K&#228;mpfe darstellt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; der Neuzusammensetzung des Proletariats;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; des Inhalts und der Struktur des Widerspruchs zwischen dem Proletariat und dem restrukturierten Kapital (Widerspruch auf der Ebene der Reproduktion: Im Widerspruch zum Kapital zu stehen, ist gleichbedeutend mit der Tatsache, im Widerspruch zu seiner eigenen Reproduktion als Klasse zu stehen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sobald der Klassenkampf auf der Ebene der Reproduktion situiert ist, kann und will das Proletariat in keinem Kampf mehr bleiben, was es ist. Es handelt sich nicht zwingend um aufsehenerregende Aussagen oder &#8222;radikale&#8220; Aktionen, sondern um alle Praktiken der &#8222;Flucht&#8220; oder Verneinung der Proletarier gegen&#252;ber ihrer eigenen Bedingung, in den selbstm&#246;rderischen K&#228;mpfen der Firma Cellatex, im Streik von Vilvoorde oder vielen anderen, wo sich herausstellt, dass das Proletariat getrennt vom Kapital nichts ist und dass es nicht dieses Nichts bleiben kann (dass es seine Vereinigung mit dem Kapital fordert, bringt den Graben, ge&#246;ffnet durch den Kampf, die Anerkennung und die Verweigerung des Proletariats seiner selbst als diesen Graben, nicht zum Verschwinden). Im gegenw&#228;rtigen Verlauf der K&#228;mpfe ist zwar die Infragestellung nur eine theoretische Ableitung, aber sie ist auch viel mehr als das.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der gegenw&#228;rtige Kampfzyklus ist die Aufl&#246;sung des R&#228;tsels des Kampfes der Klasse: Wie kann eine strikt als Klasse handelnde Klasse die Abschaffung aller Klassen sein? Diese Aufl&#246;sung ist die Kommunisierung, abgeleitet von diesem Kampfzyklus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Revolution ist Unmittelbarkeit des Kommunismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kern des Konzepts der Kommunisierung ist ein einziger Punkt: Die Revolution als Abschaffung des Kapitals ist nicht eine Vorbedingung f&#252;r den Aufbau des Kommunismus, sie kann nur als unmittelbarer Aufbau des Kommunismus erfolgreich sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist wahr, dass es Probleme gibt, die nicht &#8222;von heute auf morgen&#8220; gel&#246;st werden k&#246;nnen, sie sind sehr wohl real. Die Tatsache jedoch, dass der Kommunismus anfangs Probleme l&#246;sen muss, die er vom Kapitalismus geerbt hat (Ungleichheiten in der Entwicklung, qualitative Transformation der Produktionsinstrumente, Eliminierung gef&#228;hrlicher Anlagen, Dekonzentration der Bev&#246;lkerung, Beseitigung in seinen materiellen &#8211; im Raum eingeschriebenen &#8211; Formen des Gegensatzes zwischen Stadt und Land, &#8222;Rehabilitierung&#8220; ehemals landwirtschaftlicher oder &#8222;nat&#252;rlicher&#8220; Fl&#228;chen), erschafft deswegen nicht eine Periode oder Aktivit&#228;ten, im Rahmen welcher er nicht gem&#228;ss dem, was er ist, gem&#228;ss seinem eigenen Wesen &#8222;funktionieren&#8220; k&#246;nnte, bis ein gewisses Entwicklungsstadium erreicht sein w&#252;rde, das ohnehin nicht festgelegt werden kann. Der Kommunismus ist nicht das Ende der Geschichte, er muss Probleme l&#246;sen, die er von der kapitalistischen Produktionsweise, und vielleicht sogar, w&#228;hrend dieses Moments des Bruches mit der ganzen vorhergehenden Geschichte der Entfremdung, solche, die er von vorhergehenden Produktionsweisen geerbt hat (die Frage w&#252;rde es verdienen, gestellt zu werden). Er wird selbst seine eigenen Probleme festlegen, Gegens&#228;tze und Dynamiken erzeugen, diese Probleme und diese Dynamik sind Teil der Spannung hin zur Autonomisierung der Gemeinschaft insoweit, als die gesellschaftliche Unmittelbarkeit des Individuums eine Gesamtheit an Verh&#228;ltnissen und nicht eine jedem Individuum inh&#228;rente Essenz ist. Es ist in diesem Verh&#228;ltnis zwischen der Spannung hin zur Autonomisierung der Gemeinschaft und der Diversit&#228;t, in welchem der Kommunismus existiert und sich als Geschichte abzeichnet. Der Kommunismus ist die menschliche Gemeinschaft in permanentem Aufbau und permanenter Spannung zwischen der Universalit&#228;t und der Diversit&#228;t, denn es gibt f&#252;r sie kein abstraktes Richtmass zwischen den verschiedenen Aktivit&#228;ten (auch diesbez&#252;glich ist der Kommunismus nicht eine x-te Version der &#8222;transparenten Gesellschaft&#8220;). Aber was auch immer diese Probleme sein m&#246;gen, die geerbten oder die eigenen, wird er von Anfang an auf seinen eigenen Grundlagen funktionieren, sonst wird er nicht bestehen k&#246;nnen. Mit der Revolution werden jegliche vorhergehende gesellschaftliche Determinierung als zu reproduzierender Zwang (die Klassenzugeh&#246;rigkeit), jegliche fr&#252;here zu reproduzierende Voraussetzung, den Verh&#228;ltnissen vorausgehend, welche die Individuen als Individuen zwischen ihnen bei gleichzeitiger Definition ihrer Bed&#252;rfnisse definieren, deren Befriedigung und die Modalit&#228;ten derselben abgeschafft. Die Abschaffung der Klassen ist sowohl gleichbedeutend mit der Abschaffung der Aktivit&#228;t als Subjektivit&#228;t als auch ihres Ergebnisses als Objektivit&#228;t ihr gegen&#252;ber, in diesem Zusammenhang ist die Abschaffung der Lohnarbeit jene der Arbeit. Der von der kommunistischen Revolution erschaffene &#220;berfluss ist nicht auf der Ebene des Habens, sondern auf jener des Zusammenseins, der Gemeinschaft. All das wird in der Bewegung der Revolution selbst hervorgebracht, es ist geradezu ihr Inhalt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn man Probleme mit den ersten Etappen des Kommunismus hat und anf&#228;ngt, den &#8222;&#228;ngstlichen Realisten&#8220; mit Ausdr&#252;cken wie &#8222;es geschieht nicht von heute auf morgen&#8220; zu spielen, dann bedeutet das, dass man Probleme hat mit der Konzeption der Revolution, die weiterhin auf der von der objektiven Entwicklung der Produktivkr&#228;fte gelieferten Grundlage, wovon das Proletariat Teil ist, und ihrer Befreiung von der kapitalistischen Kleinlichkeit basiert. Was man meistens als &lt;i&gt;in den ersten Etappen des Kommunismus&lt;/i&gt; zu l&#246;sende Fragen betrachtet, sind in Wirklichkeit in den h&#228;ufigsten F&#228;llen nur kommunistische Massnahmen, welche die Proletarier &lt;i&gt;im Verlauf der Revolution&lt;/i&gt; ergreifen werden m&#252;ssen, dies, weil letztere nicht auf einen Kampf des Kommunismus gegen das Kapital hinausl&#228;uft, sondern &lt;i&gt;die Hervorbringung des Kommunismus vermittelt durch seinen reellen Gegensatz zum Kapital&lt;/i&gt; ist. Pragmatische und taktische Massnahmen im Verlauf der Revolution. Die Abschaffung des Werts oder des Staates, die Erschaffung neuer Verh&#228;ltnisse, deren Inhalt die gesellschaftliche Unmittelbarkeit des Individuums ist, d.h. die Beziehung zwischen Individuen in ihrer Singularit&#228;t, sind taktische Kampfmassnahmen der Proletarier in der Revolution gegen das Kapital.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Unmittelbarkeit ist kein Immediatismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber Obacht, wenn wir mit dem Finger auf der Karte den zu gehenden Weg vorzeichnen, sind wir deswegen noch lange nicht am Ziel angekommen; es ist im Klassenkampf dieses Kampfzyklus, worin das R&#228;tsel auftaucht und gel&#246;st werden muss. Die &lt;i&gt;Unmittelbarkeit&lt;/i&gt; des Kommunismus ist nicht sein &lt;i&gt;Immediatismus&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Immediatismus des Alternativismus oder der &#8222;Bewegung der direkten Aktion&#8220; weiss sehr wohl, dass der Klassenkampf entscheidend ist, aber er erwartet davon, dass die Arbeiter nicht mehr als solche, sondern als Revolution&#228;re handeln. Doch die Kommunisierung der Gesellschaft wird gleichbedeutend sein mit kommunistischen Massnahmen, die von Arbeitern ergriffen werden, weil sie Arbeiter sind, weil sie als solche definiert in allen Determinierungen des Kapitals und gegen sie existieren. Der Immediatismus setzt voraus, dass die Transformation der Gesellschaft nur m&#246;glich w&#228;re, wenn die Proletarier sich einmal ihrer alten proletarischen Kleider entledigt h&#228;tten. Er betrachtet die Kommunisierung als &#8222;langen Marsch&#8220; in der kapitalistischen Produktionsweise. Der Immediatismus kann nur auf die Alternative hinauslaufen. Man entfernt sich vom Konzept der Kommunisierung selbst, wenn man nicht davon ausgeht, dass die Hervorbringung des Kommunismus erfolgt, weil sich die Proletarier, im Kampf gegen das Kapital als solche, in diesem Kampf ihrer alten proletarischen Kleidung entledigen, weil sie eingetaucht sind in die Widerspr&#252;che des Kapitals, die sie als Proletarier konstituieren. Die Abschaffung der proletarischen Bedingung ist die Selbsttransformation des Proletariats in unmittelbar gesellschaftliche Individuen, es ist der Kampf gegen das Kapital, die uns zu solchen machen wird, denn dieser Kampf ist ein Verh&#228;ltnis, das uns mit ihm verstrickt. Die Kommunisierung konstituiert sich nicht als Lebensweise gegen&#252;ber dem Kapital, sondern wird die &#220;berwindung der fordernden K&#228;mpfe im unmittelbaren Rahmen der Arbeit oder der Reproduktion der Arbeitskraft, d.h. im Rahmen der Ausbeutung sein. Die Revolution ist weder die Enth&#252;llung eines immer schon dagewesenen revolution&#228;ren Wesens des Proletariats, noch das Resultat eines Zusammenstosses zweier Welten: jene des Kapitals und jene der sich ihm gegen&#252;ber konstituierenden kommunistischen Alternative. Da die Revolution die &#220;berwindung der kapitalistischen Produktionsweise ist, hervorgebracht durch die historische Entwicklung des Widerspruchs zwischen dem Proletariat und dem Kapital, bedeutet das, dass sie &lt;i&gt;der Entwicklung der Klassenwiderspr&#252;che dieser Gesellschaft, ihrer Geschichte unterworfen&lt;/i&gt; ist. Die Frage der Kommunisierung ist in ihrer absolut konkreten Form jene des Verh&#228;ltnisses zwischen diesem Kampfzyklus und der Revolution.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Vom gegenw&#228;rtigen Kampfzyklus zur Kommunisierung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In jedem Kampfzyklus ist der hervorgebrachte allt&#228;gliche Verlauf des Kampfes der Klasse auf spezifische Weise mit der Revolution verbunden, entweder als Hinauswachsen &#252;ber sich selbst (im Rahmen des Programmatismus) oder als hervorgebrachte &#220;berwindung im gegenw&#228;rtigen Kampfzyklus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In diesem Kampfzyklus formt der allt&#228;gliche Verlauf des Klassenkampfes den Widerspruch, so wie er sich in der Krise und der Revolution entwickelt und strukturiert. Dieser neue Zyklus hat grundlegende Eigenschaften, die ihn radikal vom Programmatismus unterscheiden: das Verschwinden der Arbeiteridentit&#228;t, die Tatsache, dass jeder Kampf in dem, was ihn definiert, mit seiner eigenen Grenze als Reproduktion des Kapitals konfrontiert ist (Grenzen, die diese Reproduktion ihm immer auf spezifische Weise aufzeigt, gem&#228;ss ihren eigenen Eigenschaften), jene, dass die Konfrontation mit dem Kapital gleichbedeutend mit jener mit seiner eigenen Konstitution als Klasse ist. Es ist aufgrund dieser Eigenschaften des allt&#228;glichen Verlaufs selbst, dass die Krise dieses widerspr&#252;chlichen Verh&#228;ltnisses zwischen dem Proletariat und dem Kapital zur Kommunisierung werden kann. Die Kommunisierung ist die Vollendung/&#220;berwindung dieses neuen Kampfzyklus, determiniert durch den Inhalt desselben: dem Widerspruch auf der Ebene der Reproduktion des Verh&#228;ltnisses, dem Zusammenwachsen der Konstitution des Proletariats als Klasse und seines Widerspruchs mit dem Kapital, dem damit einhergehenden Verschwinden jeglicher Arbeiteridentit&#228;t. &lt;i&gt;Der Widerspruch zwischen den Klassen ist zur &#8222;Bedingung&#8220; seiner eigenen Aufl&#246;sung als gesellschaftliche Unmittelbarkeit des Individuums geworden&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben es jedoch nicht mit einem revolution&#228;ren Wesen zu tun, sondern mit dem Verlauf des Widerspruchs zwischen dem Proletariat und dem Kapital, so wie er sich als allt&#228;glicher Verlauf des Klassenkampfs und dynamischer Verlauf der Widerspr&#252;che des Kapitals zeigt. Er konstituiert und ben&#246;tigt die Krise der kapitalistischen Reproduktion als Vermittlung f&#252;r seine &#220;berwindung. Das, weil &lt;i&gt;der Widerspruch notwendigerweise in seinem Prozess &#214;konomie wird&lt;/i&gt;, in einer jedes Mal spezifisch ausgedr&#252;ckten historischen Form. Das Kapital reproduziert sich und somit existiert die &#214;konomie, seine Krise wird nichts anderes als die Wirtschaftskrise sein, aber die Wirtschaftskrise ist gleichbedeutend mit der Krise des gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisses, einer &lt;i&gt;Krise des Verh&#228;ltnisses der gegenseitigen Verstrickung&lt;/i&gt;. Das hat nichts mit der Bekr&#228;ftigung zu tun, die Krise w&#252;rde nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesellschaftlich, politisch usw. sein. Die Krise dieses Kampfzyklus als Krise des kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisses beinhaltet eine Klassenaktivit&#228;t, die zur Kommunisierung werden kann. Es handelt sich nicht um etwas, das von Anfang an gegeben w&#228;re und der Krise ihr Wesen auferlegen w&#252;rde, sondern um die Praxis des Proletariats in dieser Krise.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dem Verh&#228;ltnis zwischen den gegenw&#228;rtigen K&#228;mpfen und der Revolution muss man sich allerdings &lt;i&gt;innerhalb der Klassenaktivit&#228;t&lt;/i&gt; ann&#228;hern. Wir wissen, dass es sich nicht um ein Hinauswachsen &#252;ber sich selbst handelt, aber wenn wir an diese Frage nicht als Klassenaktivit&#228;t herangehen, verleihen wir der Krise eine demiurgische Rolle, indem wir sie nur als die Klassenaktivit&#228;t modifizierende Krise des Kapitals konzipieren, eine Modifikation, die sie also einfach hinnehmen m&#252;sste. Was ist vom Standpunkt aus der Klassenaktivit&#228;t der Inhalt dieses &#220;bergangs, dieser &#220;berwindung?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Kommunisierung ist die hervorgebrachte &#220;berwindung dieses Zyklus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Revolution ist ein Konflikt zwischen Klassen, sie ist die &#228;usserste Determinierung des widerspr&#252;chlichen Prozesses des Kapitals als Widerspruch zwischen dem Proletariat und dem Kapital. Der &#220;berwindungsprozess des fordernden Kampfes zeichnet sich im fordernden Kampf selbst ab, wenn letzterer innerhalb seiner selbst seine Anforderungen stellt, ohne die Reproduktionslogik des Systems zu ber&#252;cksichtigen und dadurch dazu tendiert, die Existenzbedingungen der Ausbeutung selbst infrage zu stellen. Wenn er also schlichtweg im Verlauf des fordernden Kampfes zu allem entschlossen wird, wodurch er seine Koh&#228;renz als fordernder Kampf &#252;berwindet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn man sich in einer Situation befindet, in welcher die Abschaffung jener Gesellschaft, wovon wir selbst Teil sind, zum Ziel der Bewegung wird, zudem in einer gesellschaftlichen Situation, in welcher man sich selbst, sei es als Lohnabh&#228;ngige, Proletarier oder Arbeiter, keine zu befreiende Identit&#228;t gegen diese Gesellschaft, kein Projekt der Reorganisation derselben auf der Grundlage der Lohnarbeit oder der wertschaffenden Arbeit verleihen kann, wenn man sich in dieser Situation befindet und dementsprechend handelt, dann zeichnet sich die Kommunisierung ab. Das bedeutet, dass die Klassenzugeh&#246;rigkeit, die Notwendigkeit, vorherige zu reproduzierende gesellschaftliche Definition war, da sie ihre Reproduktion impliziert, kontingent wird. Jeglicher Streik oder Kampf ist nicht potenziell die Revolution, aber wir werden nie im Vornhinein den Moment definieren k&#246;nnen, wo ein fordernder Kampf seine eigene &#220;berwindung hervorbringt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Diese &#220;berwindung des Widerspruchs zwischen den Klassen ist der Moment, wo der Kampf gegen das Kapital im Verlauf desselben zur Infragestellung &lt;/i&gt;&lt;i&gt;der&lt;/i&gt;&lt;i&gt; eigenen Bedingung als Proletarier wird, diese Bedingung wird im Verlauf des Konflikts als &#228;usserer Zwang hervorgebracht, man k&#228;mpft gleichzeitig als Proletarier gegen das Kapital und bringt simultan dazu neue Verh&#228;ltnisse hervor&lt;/i&gt;. Man kommunisiert die Gesellschaft, d.h. man schafft sie als autonome Substanz des Verh&#228;ltnisses zwischen Individuen ab, letztere beziehen sich daraufhin in ihrer Singularit&#228;t aufeinander. Die vorherigen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse l&#246;sen sich, ohne dass es in einem (inexistenten und unm&#246;glichen) Gesamtplan begr&#252;ndet w&#228;re, in dieser gesellschaftlichen Aktivit&#228;t auf, in ihr kann man nicht unterscheiden zwischen der Aktivit&#228;t der Streikenden und Aufst&#228;ndischen und der Erschaffung neuer Verh&#228;ltnisse zwischen den Individuen, neue Verh&#228;ltnisse, in welchen die Individuen das, was ist, bloss als Moment eines ununterbrochenen Flusses der Hervorbringung menschlichen Lebens betrachten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Davon ausgehend ist diese &#220;berwindung kein innerer Prozess der Klasse, sondern ihr Konflikt mit dem Kapital und die Entwicklung der Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse, also der Ziele und des theoretischen Bewusstseins, die im Kampf bestimmt werden. Die Kommunisierung ist der Geschichte der Kapitalakkumulation und ihrer Krise unterworfen. Was kann aus dieser Krise eine Endkrise machen? Nichts anderes als ihr Verlauf, und nicht die Vollendung einer Bedeutung oder Tendenz. Es ist die Krise der kapitalistischen Produktionsweise in den Begriffen derselben, resultierend aus dem tendenziellen Fall der Profitrate, Widerspruch zwischen den Klassen (diesbez&#252;glich ist die h&#228;ufig gestellte Frage &#8222;Wie tief muss sie fallen?&#8220; sinnlos). Es ist nicht die Irreproduzierbarkeit dieses Widerspruchs, der die Ausbeutung ist, wodurch die Kommunisierung hervorgebracht wird. Es ist die &#220;berwindung dieses spezifischen Kampfzyklus und die daraus resultierende Praxis des Proletariats als Praxis in dieser Krise, die als Kommunisierung definiert werden, was den Widerspruch zwischen dem Proletariat und dem Kapital irreproduzierbar macht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die &#220;berwindung der Situation des Proletariats ist die Definition des Kommunismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die gesellschaftliche Unmittelbarkeit des Individuums bedeutet grundlegend die Abschaffung der Teilung der Gesellschaft in Klassen, eine Spaltung, aufgrund welcher die Gemeinschaft dem Individuum fremd ist. Man kann sich also positiv dem ann&#228;hern, was die unmittelbar gesellschaftlichen Individuen sind, oder eher, was die Beziehungen zwischen unmittelbar gesellschaftlichen Individuen in ihrer Singularit&#228;t sind. Ihre Selbsthervorbringung in ihren gegenseitigen Beziehungen impliziert nie eine Reproduktion in einem Zustand, der eine Partikularisierung der Gemeinschaft w&#228;re, impliziert durch die Arbeitsteilung, das Eigentum und die Klassen. Die unmittelbar gesellschaftlichen Individuen behandeln bewusst jedes Objekt als menschliche Aktivit&#228;t und l&#246;sen die Objektivit&#228;t in einem Fluss von Aktivit&#228;ten auf (&#220;berwindung des Proletariats als Aufl&#246;sung des Eigentums auf der Grundlage des Eigentums); sie behandeln ihre eigene Aktivit&#228;t als konkrete Partikularisierung der menschlichen Aktivit&#228;t (&#220;berwindung des Proletariats als Aufl&#246;sung der Arbeitsteilung auf der Grundlage der Arbeitsteilung); sie betrachten praktisch ihre Produktion und ihr Produkt in ihrem Zusammenfallen als ihren eigenen Zweck an sich und ihre Determinierungen, ihre M&#246;glichkeiten der Durchf&#252;hrung und ihre Finalit&#228;ten beinhaltend (&#220;berwindung des Proletariats als Aufl&#246;sung des Tausches und des Werts) und schliesslich setzen sie die Gesellschaft als etwas, das konstant im Verh&#228;ltnis zwischen Individuen hervorgebracht werden muss und jede Beziehung als Voraussetzung ihrer Transformation (&#220;berwindung des Proletariats als Aufl&#246;sung der Klassen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In alldem finden wir das Proletariat wieder als Aufl&#246;sung der bestehenden Bedingungen auf der Grundlage, in der Bewegung, derselben. Davon ausgehend, &lt;i&gt;in einem besonderen historischen Moment&lt;/i&gt;, finden wir seine Kapazit&#228;t, seine eigene Definition als Klasse als ver&#228;usserlichten Zwang im Kapital gegen es selbst zu behandeln. Alles, was wir von der Kommunisierung (und dem Kommunismus) sagen k&#246;nnen, leitet sich von dem ab, was das Proletariat &lt;i&gt;in seinem Verh&#228;ltnis zum Kapital&lt;/i&gt; ist, dadurch ist sie ein Moment der Geschichte dieses Verh&#228;ltnisses. Wie kann eine strikt als Klasse handelnde Klasse die Klassen abschaffen? Es ist in der Geschichte der kapitalistischen Produktionsweise, als Widerspruch zwischen dem Proletariat und dem Kapital, wo wir bruchst&#252;ckhaft die L&#246;sung des R&#228;tsels suchen m&#252;ssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://libcom.org/library/sur-la-communisation-rs&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Federico Corriente - &#220;ber den Durchgang einiger Ultralinker durch eine relativ kurze Zeiteinheit: Die Urspr&#252;nge der Theorie der Kommunisierung</title>
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&lt;p&gt;Der &#8222;Vorwand&#8220; f&#252;r die Niederschrift dieses Artikels war die Ver&#246;ffentlichung der &#220;bersetzung des Buches von Jean-Yves B&#233;riou (Mitglied von N&#233;gation) Revolution&#228;re Theorie und historische Zyklen (1973) auf Spanisch und das Projekt einer &#246;ffentlichen Pr&#228;sentation. Das Thema hat sich allerdings sehr schnell ausgeweitet, zuerst auf die Thesen der Gruppe N&#233;gation im Allgemeinen und dann auf jene der Gesamtheit der franz&#246;sischen Ultralinken w&#228;hrend der Periode 1972-1974. &lt;br class='autobr' /&gt;
Auf diesem Grab m&#252;ssen (...)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Federico-Corriente" rel="tag"&gt;Federico Corriente&lt;/a&gt;

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 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/le-voyou-2.webp?1751798920' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='53' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Der &#8222;Vorwand&#8220; f&#252;r die Niederschrift dieses Artikels war die Ver&#246;ffentlichung der &#220;bersetzung des Buches von Jean-Yves B&#233;riou (Mitglied von N&#233;gation) &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Revolutionare-Theorie-und&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Revolution&#228;re Theorie und historische Zyklen&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; (1973) auf Spanisch und das Projekt einer &#246;ffentlichen Pr&#228;sentation. Das Thema hat sich allerdings sehr schnell ausgeweitet, zuerst auf die Thesen der Gruppe N&#233;gation im Allgemeinen und dann auf jene der Gesamtheit der franz&#246;sischen Ultralinken w&#228;hrend der Periode 1972-1974.&lt;/p&gt;
&lt;blockquote style=&#034;font-style: normal; border-left: 4px solid #ccc; padding-left: 15px; margin: 20px 0;&#034;&gt;Auf diesem Grab m&#252;ssen wir bis zum letzten Stein auft&#252;rmen, denn in Gedanken erstehen die Toten wieder auf.
&lt;p&gt;C.L.R. James, &lt;i&gt;Notes on Dialectics&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die R&#252;ckkehr des Verdr&#228;ngten&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vor gut einem Jahrzehnt war in Frankreich die Existenz von Gruppen wie N&#233;gation, Le Mouvement communiste oder Intervention communiste kaum bekannt, geschweige denn ihre Relevanz. Noch weniger h&#228;tte man sich vorstellen k&#246;nnen, dass sie zu einem &#8218;Bruch in der Theorie der Revolution&#8216; beigetragen hatten, wie es der Titel einer Anthologie formuliert, in der sie 2003 erneut ver&#246;ffentlicht wurden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Damit diese Gruppen eine bessere Bekanntheit erlangen konnten, brauchte es die Hervorbringung auf internationaler Ebene 2008 einer &#8222;Str&#246;mung der Kommunisierung&#8220;, die sich schon stark von der alten franz&#246;sischen Ultralinken der 1970er Jahre unterschied und ihre Vorfahren und Wegbereiter der Vergessenheit entriss. Und das erkl&#228;rt, wieso ein Text wie &lt;i&gt;Revolution&#228;re Theorie und historische Zyklen&lt;/i&gt; &#8211; wovon eben genau eine der Hauptthesen das Schicksal revolution&#228;rer Theorien hinsichtlich ihrer historischen Periode ist &#8211; heute auf Spanisch ver&#246;ffentlicht wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es sollte mittlerweile eine banale Feststellung sein, dass jeder grosse Schritt nach vorne der wirklichen Bewegung, abgesehen davon, dass er mehr wert ist als ein Dutzend Programme, uns erlaubt, die Gegenwart und die Vergangenheit neu zu betrachten. Die Erkl&#228;rung ist simpel: Jede Periode revolution&#228;rer Erneuerung ist, sei es auch nur auf fl&#252;chtige Art und Weise, durch die Herrschaft der Gegenwart &#252;ber die Vergangenheit, der lebenden &#252;ber die tote Arbeit charakterisiert. Was jedoch weit weniger bekannt ist, ist die Tatsache, dass sie auch immer Anlass f&#252;r eine kr&#228;ftige R&#252;ckkehr des Verdr&#228;ngten gibt, n&#228;mlich f&#252;r die Auferweckung &#8211; die an sich genauso legitim wie unvermeidlich ist &#8211; der &#8222;besten Momente&#8220; des unmittelbar vorangehenden revolution&#228;ren Zyklus, deren Erben h&#228;ufig eher gewillt sind, die ihm entsprechenden Lehren und Erkenntnisse zu &#252;bermitteln als jene zu sein, welche zuh&#246;ren und etwas von der neu entstehenden Bewegung lernen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn ausserdem, wie es bis anhin die Regel war, der revolution&#228;re Aufschwung stecken bleibt oder mit einer Niederlage endet und deswegen &#8222;die vergangne Arbeit selbst&#228;ndig und &#252;berm&#228;chtig der lebendigen gegen&#252;bertritt&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Karl Marx, Das Kapital. Kritik der politischen &#214;konomie. Dritter Band. (...)&#034; id=&#034;nh1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, wird diese R&#252;ckkehr des Verdr&#228;ngten unabwendbar dazu tendieren, zu einer Unterdr&#252;ckungskraft des Bewusstseins zu werden, in w&#252;rdigem Nachgang zu dieser von Marx zu Beginn des Textes &lt;i&gt;Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte&lt;/i&gt; erw&#228;hnten &#8222;Tradition aller toten Geschlechter&#8220;, die &#8222;wie ein Alp auf dem Gehirne der Lebenden&#8220; lasten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eben genau in dieser bahnbrechenden Analyse der Konterrevolution nach der Niederlage des proletarischen Aufstands im Juni 1848 in Frankreich f&#252;hrt Marx eiligst, nachdem er daran erinnert hat, wie die Lebenden in einer Periode der revolution&#228;ren Krise &#8222;&#228;ngstlich die Geister der Vergangenheit zu ihrem Dienste herauf[beschw&#246;ren]&#8220;, das ein, was in seinen Augen b&#252;rgerliche und proletarische Revolutionen fundamental voneinander unterscheidet: &#8222;Bei Betrachtung jener weltgeschichtlichen Totenbeschw&#246;rungen zeigt sich sofort ein springender Unterschied [&#8230;] Die Totenerweckung in jenen [b&#252;rgerlichen] Revolutionen diente also dazu, die neuen K&#228;mpfe zu verherrlichen, nicht die alten zu parodieren, die gegebene Aufgabe in der Phantasie zu &#252;bertreiben, nicht vor ihrer L&#246;sung in der Wirklichkeit zur&#252;ckzufl&#252;chten, den Geist der Revolution wiederzufinden, nicht ihr Gespenst wieder umgehen zu machen.&#8220; Nachdem er die proletarischen Revolutionen, die &#8222;best&#228;ndig sich selbst [kritisieren]&#8220; und &#8222;grausam-gr&#252;ndlich die Halbheiten, Schw&#228;chen und Erb&#228;rmlichkeiten ihrer ersten Versuche [verh&#246;hnen]&#8220;, den b&#252;rgerlichen, die hingegen &#8222;der weltgeschichtlichen R&#252;ckerinnerungen [bedurften], um &#252;ber ihren eigenen Inhalt zu bet&#228;uben&#8220;, entgegensetzt, erstellt Marx jedoch keinen Kausalzusammenhang zwischen der Niederlage ersterer und den darauffolgenden ideologischen Auswirkungen &#8211; die noch sch&#228;dlicher sind als jene der b&#252;rgerlichen Revolutionen &#8211; was zu seiner Zeit genauso verst&#228;ndlich war, wie dessen Nichtbeachtung heute unverzeihlich w&#228;re.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tats&#228;chlich haben es, wie wir sp&#228;ter sehen werden und trotz ihrer vergangenen Beitr&#228;ge und ihrer m&#252;hseligen Anstrengungen, um sich nach 1968 auf den neuesten Stand zu bringen, weder die Repr&#228;sentanten der neuen &#8222;autonomen&#8220; Ideologie der &#8222;Selbstverwaltung&#8220;, noch die mehr oder weniger bordigisierten Nutzniesser des Erbes der kommunistischen Linken der Periode 1917-1923 geschafft, sich den Auswirkungen dieses &#8222;Gesetzes&#8220; der historischen Tr&#228;gheit der Konterrevolutionen zu entziehen. Das f&#252;hrte sie nicht nur dazu, sich bez&#252;glich der wahrhaften historischen Bedeutung ihrer Aktivit&#228;t zu t&#228;uschen, sondern auch, jede der durch den erneuten revolution&#228;ren Aufschwung der Periode 1968 aufgeworfenen beunruhigenden Neuheiten energisch zu bek&#228;mpfen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Bruch mit dem R&#228;tekommunismus und dem Bordigismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote style=&#034;font-style: normal; border-left: 4px solid #ccc; padding-left: 15px; margin: 20px 0;&#034;&gt;Heute hingegen sind jene Minderheiten, welche ihren konstanten Drang nach Kommunismus erkennen lassen, noch isoliert. Man findet sie haupts&#228;chlich in den Ghettos der &lt;i&gt;lebenslangen Arbeitslosen&lt;/i&gt; in den USA oder den nicht entwickelten Gebieten (Watts oder Madagaskar), unter den Delinquenten, die sich der Arbeit verweigern, aber &lt;i&gt;durch gewaltsames Eindringen&lt;/i&gt; in die materielle Gemeinschaft des Kapitals zur&#252;ckkehren.
&lt;p&gt;&#8222;Le Voyou se pr&#233;sente&#8220; in &lt;i&gt;Le Voyou&lt;/i&gt;, Nr. 1, M&#228;rz 1973.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Wenn man die &#8222;vorherrschende alternative Erz&#228;hlung&#8220; der &#8222;autonomen K&#228;mpfe&#8220; der 1960er und 1970er Jahre beim Wort nimmt, k&#246;nnte man leicht zum Schluss kommen, dass der angebliche &#8222;Bruch&#8220;, wovon die franz&#246;sische Ultralinke ein Teil ist, nicht existiert oder h&#246;chstes eine weitere Episode des Bruches mit der &#8222;alten Arbeiterbewegung&#8220; sozialdemokratischer oder leninistischer Pr&#228;gung darstellt. Dieser ab Mitte der 1920er Jahre von der deutsch-holl&#228;ndischen r&#228;tekommunistischen Str&#246;mung theoretisierte Bruch ist danach von aus der Krise des Trotzkismus der Nachkriegszeit entstammenden Splittergruppen wie Socialisme ou barbarie in Frankreich oder der Johnson-Forest Tendency in den USA, sowie, auf mehr oder weniger unabh&#228;ngige und eigene Art und Weise, vom italienischen Operaismus&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In den letzten Jahren haben mehrere Autoren die Intensit&#228;t des Austausches (...)&#034; id=&#034;nh2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; wiederaufgenommen worden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieses friedliche Bild einer Art ununterbrochener Radikalisierungsprozess, wenn es auch nicht total unbegr&#252;ndet sein mag, hat jedoch den grossen Nachteil, dass es die Konfrontation der franz&#246;sischen Ultralinken w&#228;hrend der Periode 1968-1974, nicht nur mit den Repr&#228;sentanten des R&#228;tekommunismus, sondern auch mit jenen der anderen grossen &#252;berdauernden Tradition der kommunistischen Linken, des &#8222;Bordigismus&#8220;, die nach 1968 dank Jacques Camatte und der Zeitschrift &lt;i&gt;Invariance&lt;/i&gt;, aber auch dank der Aktivit&#228;t &#8222;orthodoxerer&#8220; Gruppen, gewissermassen wiederauflebte, unsichtbar macht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Sichtweise ist zudem h&#228;ufig von einer Banalisierung der Bedeutung der von 1968 eingel&#228;uteten Zeitenwende begleitet, sie wird reduziert auf eine allgemeine &#8222;R&#252;ckkehr der Revolution&#8220; oder, im besten Fall, auf einen &#8222;zweiten proletarischen Angriff gegen die Klassengesellschaft&#8220;, dessen kritischer Inhalt in jedem Fall ausgeblendet wird, n&#228;mlich die Tatsache, dass die R&#252;ckkehr des Proletariats in den Vordergrund der Geschichte mit der Todeskrise seiner Affirmation und somit dem Verschwinden des Monopols &#8222;der Arbeiter&#8220; auf die Revolution zusammenf&#228;llt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dass es sich weder nur um ein &#8222;subjektives&#8220; oder &#8222;Bewusstseinsproblem&#8220; noch um die simple Marcusesche &#8222;Integration&#8220; der Arbeiterklasse durch den Konsum, sondern um den materiellen Ausdruck der Tatsache handelte, dass die kapitalistische Produktionsweise in eine qualitativ neue Phase eingetreten war, erkannten einige in den USA schon seit einer gewissen Zeit. Ab Mitte der 1950er Jahre setzte die amerikanische Automobilindustrie zur Untergrabung der Kapazit&#228;t der Arbeiter, den beschleunigten Arbeitsrhythmen zu trotzen, massiv die Automatisierung ein. Dadurch schaffte sie es nicht nur, eine grosse Anzahl qualifizierter Arbeiter zu entlassen und die &#8222;Streikfreude&#8220; der noch angestellten drastisch zu reduzieren, sondern sie legte gleichzeitig, indem sie gegen 1957-1958 der Absorbierung der urbanen schwarzen Arbeitskraft &#8211; ein Teil der Bev&#246;lkerung, deren Pr&#228;senz in der Industrie seit 1940 kontinuierlich gewachsen war &#8211; ein Ende setzte, die Grundlagen der Konstitution einer Klasse permanenter Arbeitsloser, die kurzfristig die &#8222;schwarze Frage&#8220; in ein wahrhaftes Pulverfass verwandeln wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In einer Brosch&#252;re mit dem Titel &lt;i&gt;Facing Reality&lt;/i&gt; analysiert die Gruppe Correspondence daher den &#8222;objektiven&#8220; Aspekt der Automatisierung 1958 folgendermassen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Das Stadium der Massenproduktion durch Arbeiter an Fliessb&#228;ndern n&#228;hert sich ihrem Ende. Das Fliessband selbst ist das letzte grosse Hindernis f&#252;r die Automatisierung der Industrie. Das Wesen des Fliessbandes ist, dass es eine Nachfrage nach manueller Geschicklichkeit erschafft, w&#228;hrend es diese gleichzeitig maximal durch das F&#246;rderband organisiert und kontrolliert. Das Wesen der Automatisierung besteht darin, die manuelle Geschicklichkeit komplett durch elektronische Befehle zu ersetzen [&#8230;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die entscheidende Etappe ist in den 1950er Jahren abgeschlossen worden, als die Automatisierung sich in der Metallindustrie durchgesetzt hat. In den USA handelt es sich allen voran um die Automobilindustrie und dort entsteht der Begriff &#8218;Automatisierung&#8216; zur Beschreibung der Verbindung der Werkzeugmaschinen durch elektronische Befehle [&#8230;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bis anhin initiierte jede neue technologische Etappe eine gr&#246;ssere Nachfrage nach Arbeitskraft. Nach jeder Krise, w&#228;hrend welcher die alten Produktionsmittel ausrangiert worden sind, stieg der Bedarf an Arbeitskraft. Die Automatisierung ist jenes technologische Stadium, welches, unabh&#228;ngig von der Masse der produzierten G&#252;ter und zum ersten Mal im Kapitalismus, keine zus&#228;tzliche Nachfrage nach Arbeitskraft schaffen wird.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige Jahre sp&#228;ter skizzierte James Boggs in &lt;i&gt;The American Revolution&lt;/i&gt; (1963) &#8211; ein Buch, das in sechs Sprachen &#252;bersetzt worden ist und zur Spaltung der Gruppe Correspondence gef&#252;hrt hat &#8211; seine eigene Einsch&#228;tzung des &#8222;subjektiven&#8220; Aspekts dieses Prozesses:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Es ist ebenfalls klar, dass die am besten organisierten Arbeiter des Landes, die ehemals gewerkschaftlich organisierten Schichten, die vom Aussterben bedrohte Gattung der in der direkten Produktion angestellten Arbeiter, gelernt haben, dass sie ab jetzt f&#252;r k&#252;nftige oder hypothetisch k&#252;nftige Aktionen die Hilfe anderer Kr&#228;fte ben&#246;tigen werden. Heutzutage muss das Problem der Kontrolle &#252;ber die Produktion oder der Befriedigung konkreter lokaler Forderungen von breiten Schichten der Bev&#246;lkerung in die Hand genommen werden. Mehr als je zuvor sind diese Fragen heutzutage gleichbedeutend mit einer Konfrontation mit der Gewerkschaft, der Gemeinderegierung, der Regierung des Bundesstaates und der nationalen Regierung. Die Frage ist nicht, ob die Arbeiter revoltieren k&#246;nnen oder nicht. Ein isolierter Arbeiter kann auch revoltieren. Aber die Arbeiter sind keine Dummk&#246;pfe. Genau wie die Arbeiter im Rest der Welt, und manchmal vielleicht sogar noch eher, wollen die amerikanischen Arbeiter auch gewinnen. Wenn sie k&#228;mpfen, wollen sie sicher sein, dass sie einen unmittelbaren Erfolg feiern k&#246;nnen. Sie kennen die Struktur der Gesellschaft und wissen, dass sie sich, um gewinnen zu k&#246;nnen, mit anderen vereinen m&#252;ssen [&#8230;]&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber seine Analyse bleibt hier nicht stehen und, abgesehen von der Frage, wer diese &#8222;anderen&#8220; sein k&#246;nnten und was sie zum revolution&#228;ren Prozess beitragen werden, zeigt er die einem Aufkommen einer solchen Konjunktur inh&#228;renten H&#252;rden auf:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Es gibt schon Millionen junger M&#228;nner und Frauen, die nie Arbeit hatten und von der Hand in den Mund leben, entweder von der Wohlt&#228;tigkeit oder der Kleinkriminalit&#228;t, d.h. auf Kosten jener, welche arbeiten [&#8230;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben keine Illusionen bez&#252;glich der Leichtigkeit der Verwirklichung der Einheit zwischen diesen Aussenseitern und jenen, welche noch im System sind, weil sie arbeiten. Wie wir es schon betont haben, trennen die gewerkschaftlichen Organisationen selbst die Lohnarbeiter von den Arbeitslosen und k&#246;nnen f&#252;r letztere nichts tun [&#8230;] &lt;i&gt;Das bedeutet, dass wir uns betreffend der notwendigen Ver&#228;nderungen, des Zugangs zum radikalsten, d.h. tiefsten Denken, diesen Aussenseitern zuwenden m&#252;ssen&lt;/i&gt; [&#8230;].&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Von mir unterstrichen, F. C.&#034; id=&#034;nh3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Thesen von Boggs sind nicht unbemerkt geblieben und es ist mehr als wahrscheinlich, dass sie Gruppen wie N&#233;gation und Invariance, deren Schriften Verweise auf Boggs und sein Buch enthalten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In Le Mouvement communiste (Champ Libre, 1972) von Jean Barrot (Gilles (...)&#034; id=&#034;nh4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, beeinflusst haben, Gruppen, die 1968 nicht als Signal f&#252;r den Beginn einer neuen &#8222;revolution&#228;ren Epoche&#8220; begreifen, sondern eher als Ende eines langen konterrevolution&#228;ren Zyklus, &#8222;denn die Konterrevolution beginnt selbst, ihre eigenen Grundlagen zu untergraben&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Le Mouvement communiste, Nr. 3, Juli 1972, hier online verf&#252;gbar.&#034; id=&#034;nh5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r den mehr oder weniger orthodoxen R&#228;tekommunismus und Bordigismus &#8211; deren Einsch&#228;tzungen von 1968 sich &#252;brigens radikal voneinander unterscheiden &#8211; beschr&#228;nkten sich die Ereignisse in diesem Jahr im Wesentlichen darauf, die von ihnen seit mehreren Jahrzehnten verteidigten Thesen zu best&#228;tigen, zudem erlaubten sie ihnen, ihr Publikum und die Verbreitung ihrer Ideologie betr&#228;chtlich auszuweiten. Anders gesagt, sie haben f&#252;r sie keine neuen theoretischen Probleme aufgeworfen und ihren &#8222;konzeptionellen Rahmen&#8220; nicht wesentlich ver&#228;ndert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#8222;Ultralinke&#8220; ihrerseits hatte kaum Zeit, die M&#228;ngel und Anachronismen ihrer Vorg&#228;nger hervorzuheben, bevor sie mit jener revolution&#228;ren Erneuerung verschwunden ist, welche ihr Erstehen erst erm&#246;glicht hatte, und hinterliess nur eine Handvoll Texte voller scheinbar extravaganter Behauptungen, in welchen die &#8222;revolution&#228;ren Organisationen&#8220; mit mafi&#246;ser Schutzgelderpressung verglichen und die Politik und der Aktivismus als &#8222;konterrevolution&#228;re&#8220; Aktivit&#228;ten bezeichnet werden&#8230;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die anscheinende Ausnahme, welche die konstant und ununterbrochen (...)&#034; id=&#034;nh6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Die Ultralinke, welche die traditionellen Parteien, Gewerkschaften und Organisationen im Visier hatte, ist so schnell verschwunden und hatte so wenig Einfluss, dass diese Organisationen es nicht einmal f&#252;r n&#246;tig hielten, diese neue &#8222;Kinderkrankheit des Kommunismus&#8220; explizit zu verurteilen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als aussagekr&#228;ftiges Beispiel und anschauliche Illustration der angesprochenen &#8222;Exzesse&#8220; &#8211; wenn man die konkrete Erfahrung ausser Acht l&#228;sst, auf welche sie sich beziehen &#8211; verdienen es diese Aussagen B&#233;rious, zitiert zu werden:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Theorie, welche immer Theorie einer historischen Bewegung ist, kann, wenn diese historische Bewegung unmittelbar konterrevolution&#228;r ist, nur durch verschiedene Vermittlungen und Ideologisierungen revolution&#228;r sein. Sie lebt nicht durch die Gnade der Geschichte, von der konterrevolution&#228;ren Wirklichkeit verschont, sie geht sogar so weit, dass sie diese in gewissen Aspekten ausdr&#252;ckt; als &#220;berlebende eines konterrevolution&#228;ren Zyklus wird sie &#252;brigens zum Ausdruck der Konterrevolution w&#228;hrend dem erneuten revolution&#228;ren Aufschwung: So wurden der Bordigismus oder der R&#228;tekommunismus zu konterrevolution&#228;ren Ausdr&#252;cken der gegenw&#228;rtigen wirklichen Bewegung und sie werden sich schon bald &lt;i&gt;aktiv&lt;/i&gt; an der praktischen Konterrevolution beteiligen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Jean-Yves B&#233;riou, Revolution&#228;re Theorie und historische Zyklen.&#034; id=&#034;nh7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese konkrete Erfahrung ist nichts anderes als die Krise des R&#228;tekommunismus, die N&#233;gation als Mitglied des Netzwerks der wichtigsten franz&#246;sischen r&#228;tekommunistischen Gruppe Informations et correspondance ouvri&#232;res (ICO) von innen erlebte. Nach 1968 wuchs die Mitgliederzahl von ICO von etwa 20 auf mehrere Hunderte verteilt &#252;ber das ganze Land. Viele von ihnen &#8211; deren Positionen vom eher &#8222;orthodoxen&#8220; Anarchismus bis zum Linkskommunismus oder klar von den Situationisten beeinflussten Ans&#228;tzen reichten &#8211; dr&#252;ckten schnell ihre zunehmende Unzufriedenheit gegen&#252;ber der in diesen Jahren beliebten Ideologie gepr&#228;gt von R&#228;tekommunismus und Selbstverwaltung aus, w&#228;hrend es zu immer mehr wilden Streiks kam und die Arbeiter nicht die geringsten Bestrebungen zeigten, die Verwaltung der Produktion zu &#252;bernehmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Dinge beschleunigen sich als zu Beginn der 1970er Jahre in den USA immer mehr Presseartikel und soziologische Studien &#252;ber eine unter der neuen Generation der Arbeiter stark zunehmende &#8222;Revolte gegen die Arbeit&#8220; ver&#246;ffentlicht werden. Gruppen wie N&#233;gation und Intervention communiste betonen, dass diese K&#228;mpfe, neben der Tatsache, dass sie die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften untergraben &#8211; was Boggs schon als eine der Auswirkungen der Automatisierung unterstrichen hatte &#8211;, das klassische revolution&#228;re Programm der Arbeit und des Aufbaus einer &#8222;Arbeitermacht&#8220; infrage stellen. So seien diese Praktiken weit davon entfernt, das Auftauchen einer &#8222;neuen Arbeiterbewegung&#8220; anzuk&#252;ndigen, sie k&#252;ndigen stattdessen das Ende sowohl der &#8222;alten&#8220; als auch der &#8222;neuen&#8220; Bewegung an. Von diesem Zeitpunkt an sehen N&#233;gation und ihre Weggenossen in der Verweigerung der Arbeit, den Krawallen und den wilden Streiks die Zeichen einer m&#246;glichen unmittelbaren und bevorstehenden Zerst&#246;rung der kapitalistischen Produktionsverh&#228;ltnisse, die sie als &#8222;Selbstnegation des Proletariats&#8220; theoretisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;[H]eutzutage wieder von Verwaltung zu sprechen, ist eine rein &lt;i&gt;konterrevolution&#228;re&lt;/i&gt; Ideologie, und in den USA mehr als sonst irgendwo, denn in diesem Land sind die Produktivkr&#228;fte auf einem Niveau angekommen, wo die neuen, im Text &#8218;Contre-planning&#8216; beschriebenen Kampfformen erscheinen und sie f&#252;hlen sich &lt;i&gt;offensichtlich&lt;/i&gt; nicht zur Verwaltung berufen; sie dr&#252;cken die Kritik der total dem Kapitel unterworfenen Arbeit aus, genau wie die R&#228;te die Verherrlichung einer Arbeit ausdr&#252;ckten, welche damals noch eine &lt;i&gt;relative Autonomie&lt;/i&gt; in ihrer Entwicklung hatte [&#8230;] Auf das Bewusstsein des Produzenten (des gesellschaftlichen Reichtums) folgte das Bewusstsein des Proletariers (als Produzent des Mehrwerts) und der Inhalt der K&#228;mpfe, jenseits ihrer &#228;hnlichen Ursachen, hat sich ver&#228;ndert: fr&#252;her strebten sie nach Verwaltung und waren &lt;i&gt;positiv&lt;/i&gt;, sie sind nun immer zerst&#246;rerischer, rein &lt;i&gt;negativ&lt;/i&gt; geworden.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Contre-interpr&#233;tation du &#8218;Contre-planning&#8216; dans l'atelier&#8220; in ICO, Nr. (...)&#034; id=&#034;nh8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die simultane Existenz von wilden Streiks &#8211; manchmal ohne Forderungen &#8211; und Krawallen von vom unmittelbaren Produktionsprozess ausgeschlossenen Proletariern, ohne dass man ein Zusammenfliessen der beiden Kampfformen sehen k&#246;nnte, wirft das dringende Problem der konkreten &lt;i&gt;Grenzen&lt;/i&gt; der laufenden Revolte auf, diese weitet sich immer mehr auf die ausserberufliche Sph&#228;re aus &#8211; wie die Schule, das Gef&#228;ngnis, die Familie oder die psychiatrische Klinik &#8211;, ohne jedoch die Reproduktion des Systems zu gef&#228;hrden. Insbesondere betreffend der Krawalle sieht N&#233;gation eine unbestreitbare Manifestation des &#8222;Drangs nach Kommunismus&#8220; und zeigt sowohl die Neuheit dieser Bewegungen als auch ihre Grenzen auf:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Sofern es nicht zu einer verallgemeinerten Krise kommt, [&#8230;] stellen diese Proletarier aufgrund des Lohndrucks die f&#252;r die allgemeine kapitalistische Expansion notwendige industrielle Reservearmee dar; der &lt;i&gt;grundlegende&lt;/i&gt; Unterschied betreffend diese gleiche Armee im 19. Jahrhundert ist allerdings die Tatsache, dass sie sich aufgrund des wegen der Entwicklung der Produktivkr&#228;fte in den Produktionsverh&#228;ltnissen erreichten Grenzpunkts in den meisten entwickelten kapitalistischen Metropolen als Gemeinschaften relativ stabiler &lt;i&gt;lebenslanger Arbeitsloser&lt;/i&gt; akkumulieren kann. So bestehen und entwickeln sich seit etwa 20 Jahren in den USA die Ghettos schwarzer Proletarier, die wie in den Jahren ab 1965 ihren Drang nach menschlicher Gemeinschaft manifestieren k&#246;nnen, indem sie sich erheben, aber diese Revolten sind unmittelbar mit ihrer Grenze und ihrem Scheitern konfrontiert aufgrund der Unm&#246;glichkeit [&#8230;], im Herz des Kapitalismus zuzuschlagen: den Produktionsverh&#228;ltnissen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Lip et la contre-r&#233;volution autogestionnaire&#8220;.&#034; id=&#034;nh9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;N&#233;gation kn&#252;pft hier auf ihre Art und Weise an das gleiche, schon von Boggs in &lt;i&gt;The American Revolution&lt;/i&gt; angesprochene Anliegen an, letzterer hatte davon schon die grundlegenden Entwicklungslinien antizipiert:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Je mehr sich die Automatisierung ausbreitet, desto mehr wird sie die Krisen des Kapitalismus intensivieren und die Konflikte zwischen verschiedenen Sektoren der Bev&#246;lkerung versch&#228;rfen, besonders zwischen jenen, welche arbeiten, und jenen, welche nicht arbeiten, zwischen jenen, welche Steuern zahlen, und jenen, welche keine zahlen. Dieser Konflikt wird eine konterrevolution&#228;re Bewegung hervorbringen, die aus jenen gesellschaftlichen Schichten bestehen wird, welche von den permanenten Kosten f&#252;r den Unterhalt dieser &#252;berfl&#252;ssigen Elemente erdr&#252;ckt werden, aber entschlossen sind, jenes System aufrechtzuerhalten, welches sie erschafft und vermehrt.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;James Boggs, The American Revolution, 1963.&#034; id=&#034;nh10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Parallel dazu bildet sich eine diffuse Ideologie der &#8222;Selbstverwaltung der Arbeiterk&#228;mpfe&#8220; innerhalb der ICO heraus, sie ist begleitet von einer anderen, welche die Selbstverwaltung der verschiedenen K&#228;mpfe rund um Fragen wie die Sexualit&#228;t, die Familie, die &#214;kologie oder die Antipsychiatrie propagiert, doch die &#8222;nicht nur die gegenw&#228;rtigen Trennungen respektiert, sondern auch die Kategorien (Arbeit, Freizeit, Sexualit&#228;t, Familie), die von diesen Trennungen determiniert werden&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Contre-interpr&#233;tation du &#8218;Contre-planning&#8216; dans l'atelier&#8220;, op. cit., S. 28.&#034; id=&#034;nh11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Anbetracht dieser Entwicklung, die N&#233;gation als &#8222;Konterrevolution der Selbstverwaltung&#8220; in ihrem Text zum Bruch mit ICO&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;ICO, Nr. 121, November 1972.&#034; id=&#034;nh12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; bezeichnet, hielt es die Gruppe f&#252;r angebracht, zu pr&#228;zisieren, was sie unter Konterrevolution versteht: &#8222;Die Konterrevolution platziert sich immer auf dem Terrain der Revolution. Sie ist der extremste Punkt, wohin die revolution&#228;re Bewegung gehen kann, ohne mit dem Kapitalismus zu brechen. Umgekehrt ist es der extremste Punkt, wohin der Kapitalismus gehen kann, ohne zerst&#246;rt zu werden.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 29.&#034; id=&#034;nh13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Anders gesagt, es sind die Grenzen der Revolution selbst, die notwendigerweise eine m&#228;chtige Konterrevolution entstehen lassen &#8211; sie ist nichts anderes als der Reproduktionsprozess der Kategorien des Kapitals auf einer h&#246;heren Ebene &#8211; und ihr einen Inhalt geben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf jeden Fall ist mit der R&#252;ckkehr der Krise Ende 1973 nicht nur die so sehr gepriesene Macht der informellen Basisorganisationen, auf welche die R&#228;tekommunisten und &#8222;Autonomen&#8220; spekuliert hatten, von einem Tag auf den anderen verpufft, sondern die mit der &#8222;Verweigerung der Arbeit&#8220; verbundenen Praktiken wurden auch br&#252;sk von einem verallgemeinerten R&#252;ckzug auf das Terrain der Arbeitsplatzsicherheit und der Aufrechterhaltung der bestehenden Lohnniveaus unterbrochen: Die Offensive der organisierten Arbeiterklasse hat sich als unf&#228;hig erwiesen, aus ihrer gegenseitigen Verstrickung mit dem Kapital herauszutreten, und ist gel&#228;hmt worden. Ab 1974-1975 ist es klar geworden, dass eine kapitalistische Restrukturierung im Gange war, sie zeigte sich im Angriff gegen die &#8222;Inflexibilit&#228;t&#8220; der Arbeiterklasse in den grossen Fabriken, der Dezentralisierung und der Reorganisation der Arbeitsprozesse, den massiven Entlassungen, den Fr&#252;hrenten und der Delokalisierung eines grossen Teils der Produktion in die &#8222;Schwellenl&#228;nder&#8220; einerseits und der Verbreitung der Marginalisierung, Prekarit&#228;t, Teilzeitarbeit und Flexibilit&#228;t andererseits.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Anbetracht eines solchen Umschwungs ist die Theorie der Selbstnegation des Proletariats (der symptomatisch eine Herausbildung einer &#8222;universellen Klasse&#8220; als Resultat der Fusion der proletarisierten Schichten der Mittelklassen und der aus dem Produktionsprozess ausgeschlossenen Proletarier mit der eigentlichen Arbeiterklasse vorausging) nicht mehr haltbar und tritt schnell in eine Krise ein. Die unmittelbare Folge davon ist das Verschwinden der ultralinken Gruppen (oder, wie im Fall von Invariance, die Ver&#228;nderung ihrer Positionen). Paradoxerweise haben die Krise von 1973 und die darauffolgende Flaute, die sowohl f&#252;r die Ultralinke als auch den aus 1968 entstandenen Neoleninismus fatal waren, die Neugliederung der &#8222;wiederauferstandenen kommunistischen Linken&#8220; und der &#8222;neuen&#8220; autonom-r&#228;tekommunistischen &#8222;Bewegung&#8220; beg&#252;nstigt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es ist kein Zufall, dass das 1974 von Henri Simon verfasste &#8222;Gr&#252;ndungsmanifest&#8220;&#034; id=&#034;nh14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und es ihnen erlaubt, bez&#252;glich des tieferen Prozesses im Gange weiterhin die Augen zu verschliessen, n&#228;mlich der Todeskrise der Affirmation des Proletariats, welche die Ultralinke ihrerseits &#252;bereilt mit seiner unmittelbar bevorstehenden &#8222;Selbstnegation&#8220; verwechselt hatte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diesbez&#252;glich ist die vom amerikanischen Linkskommunisten Loren Goldner in seinem Artikel von 1981 &#8222;The Remaking of the American Working Class&#8220; aufgestellte Bilanz sehr aufschlussreich. Der urspr&#252;nglich auf Franz&#246;sisch verfasste und somit f&#252;r das &#8222;postr&#228;tekommunistische&#8220; Milieu Frankreichs bestimmte Texte fasst die laufenden Debatten im Land damals zusammen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Aber trotz ihrer Reichhaltigkeit (wir denken an die Texte von &lt;i&gt;Invariance&lt;/i&gt; von 1968-1972, jene von Le Mouvement communiste, N&#233;gation, der Internationalen kommunistischen Str&#246;mung w&#228;hrend der gleichen Periode) ist die Debatte im Allgemeinen in lange Er&#246;rterungen &#252;ber den Wert und die Selbstaufl&#246;sung des Proletariats abgeschweift [&#8230;]&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie dem auch sei, es ist schade, dass sich Goldner, nachdem er die &#8222;Reichhaltigkeit&#8220; dieser Debatte gew&#252;rdigt hat, nicht ein bisschen mehr mit ihren Themen befasst und seinen Lesern nichts &#252;ber die wirklichen und konkreten Alternativen zu diesen &#8222;langen[n] Er&#246;rterungen&#8220; gesagt hat, nicht minder schade ist es, dass die Ultralinke schon klar die Grenzen der Zeit nach 1968 aufgezeigt hatte. Somit k&#246;nnte die Schlussfolgerung, mit welcher er die ganze Sache abfertigt, unbefriedigender nicht sein und sie sagt uns, jenseits der allgemeinen Berufung auf den &#8222;Mangel an Bewusstsein&#8220;, nichts &#252;ber die konkreten Gr&#252;nde des Verschwindens der Ultralinken:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die franz&#246;sische Ultralinke wusste also kaum mehr &#252;ber das spezifische Wesen der Krise nach 1973 als der Linksradikalismus; nachdem sie manchmal auf brillante Art und Weise die Dummheiten letzteres angeprangert hatte, ist sie von der gleichen historischen Bewegung mitgerissen worden.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber was in der Bilanz Goldners am st&#228;rksten hervorsticht, ist die Tatsache, dass er nie darauf hinweist, dass in dieser von ihm begutachteten Periode der Flaute und Reorganisation des Kapitals, w&#228;hrend die Ultralinke &#8222;mitgerissen&#8220; worden war, viele andere Protagonisten der &#8222;Krise des R&#228;tekommunismus&#8220; auf der Grundlage des Erbes der kommunistischen Linken oder rund um das neue Evangelium der &#8222;Autonomie&#8220; neue Organisationen gr&#252;ndeten &#8211; was ihm wahrscheinlich bewusst war. Zum Gl&#252;ck f&#252;r uns, und obwohl er mehrere Jahrzehnte sp&#228;ter geschrieben worden ist &#8211; im Zusammenhang mit einer Abrechnung mit der Situationistischen Internationalen &#8211; verf&#252;gen wir &#252;ber den wertvollen Erlebnisbericht eines bedeutenden Protagonisten: Henri Simon, der Gr&#252;nder von ICO und sp&#228;ter Initiator von &#201;changes et Mouvement.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;W&#228;hrend dieser Flaute, die in Wirklichkeit das Scheitern eines revolution&#228;ren Aufschwungs war, tauchten die traditionellen D&#228;monen wieder auf: Man musste sich politisch und gewerkschaftlich organisieren, um den Kampf fortzusetzen [&#8230;] In verschiedenen Formen florierten politische Gruppen rund um einen neu bekr&#228;ftigten und wieder eingef&#252;hrten Leninismus mit einem Zentralismus einer starken Partei&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es sei bemerkt, mit welcher Leichtigkeit Henri Simon die &#8222;aktivistische (...)&#034; id=&#034;nh15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Weigerung einer Fraktion von ICO, sich mit einer &#8218;revolution&#228;ren Perspektive&#8216; zu engagieren, was den Aufbau einer wahrhaften Organisation voraussetzte, f&#252;hrte zum Zerfall der Gruppe mit einer Polarisierung rund um alte politische Str&#246;mungen: einerseits jene Elemente, welche sich auf den Marxismus bezogen und die IKS [Internationale kommunistische Str&#246;mung] gr&#252;ndeten, eine sehr zentralistische Organisation leninistischer Art, andererseits die anarchistischen Elemente, welche sich nach mehreren Anl&#228;ufen in einer Organisation wiederfanden, der OCL [Organisation communiste libertaire; die erste, von 1971 bis 1976].&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;ICO et l'IS &#8211; Retour sur les relations entre Informations correspondance (...)&#034; id=&#034;nh16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Angesichts dieser Zeilen scheint es also angebracht, zum Schluss zu kommen, dass Goldner einerseits, und sei es implizit, der Tatsache, auf &#8222;organisierte&#8220; Art und Weise die Flaute zu &#252;berstehen, einen stillschweigenden Wert beimisst, und dass andererseits jene, welche sich darum gek&#252;mmert haben &#8211; dazu geh&#246;ren Dauv&#233; und Goldner selbst &#8211;, die aktualisierte &#8222;autonome&#8220; Ideologie oder das wiederverwertete Erbe der kommunistischen Linken den folgenden Generationen zu &#252;bermitteln, auch dazu beitragen haben, einige der wichtigsten Beitr&#228;ge der auff&#228;lligsten Protagonisten des letzten Bruches der kommunistischen Bewegung unter den Teppich zu kehren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Bruch in der Kritik der politischen &#214;konomie: formelle und reelle Herrschaft des Kapitals&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote style=&#034;font-style: normal; border-left: 4px solid #ccc; padding-left: 15px; margin: 20px 0;&#034;&gt;Nach jedem besiegten revolution&#228;ren Angriff liquidiert die sich ausbreitende Konterrevolution ein bisschen mehr die Vermittlungen zwischen der kommunistischen Bewegung und dem kommunistischen Programm.
&lt;p&gt;J.-Y. B&#233;riou, &lt;i&gt;Revolution&#228;re Theorie und historische Zyklen&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Ab Mitte der 1930er Jahre (nach der Krise von 1929) und w&#228;hrend der gesamten Periode der &#8222;boomenden&#8220; Wirtschaft der Nachkriegszeit bis 1968 waren die Krisentheorie und sogar die schlichte Betrachtung des Kapitalismus in Begriffen des &#8222;selbstverwertenden Werts&#8220; in der theoretischen Debatte der radikalen Minderheiten fast vollst&#228;ndig inexistent, sie konzentrierte sich fast ausschliesslich auf die unterschwelligen und informellen Organisationsformen der Arbeiter und den Kampf gegen die gewerkschaftliche und politische B&#252;rokratie der &#8222;Arbeiterorganisationen&#8220;. Es mangelte nicht an Theoretikern, die, wie Castoriadis, sogar zu beweisen suchten, dass der Kapitalismus seine Krisen definitiv &#252;berwunden habe. Andere, wie die Situationisten, waren der Ansicht, dass die Kritik der politischen &#214;konomie sich darauf beschr&#228;nken sollte, die Allgegenwart des Warenfetischs auf der Ebene der Gesamtheit der kapitalistischen Gesellschaft anzuprangern, aber ohne die Schl&#252;ssel zur Transformation der Klassenverh&#228;ltnisse in der Nachkriegszeit n&#228;her zu er&#246;rtern. Das hat sie dazu gebracht, eine &#8222;klassische&#8220; Definition des Proletariats, basierend auf der Stellung des &#8222;variablen Kapitals&#8220; in den Produktionsverh&#228;ltnissen, einer anderen, abstrakten und humanistischen, die das Proletariat mit jedem empirischen Subjekt gleichsetzte, das Tr&#228;ger eines Widerstands gegen die Entfremdung war, gegen&#252;berzustellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ab 1968 und dem italienischen heissen Herbst haben die massive R&#252;ckkehr der Arbeiterk&#228;mpfe und ihre neuen Eigenschaften die Vertiefung der Krisentheorie notwendig gemacht &#8211; die Symptome der Krise, wie die Aufhebung des Goldstandards des Dollars (M&#228;rz 1968) oder die Rezession 1969-1971 in den USA, summierten sich schnell &#8211; sowie die Analyse der kapitalistischen Entwicklung in ihrer Gesamtheit, um diese neuen K&#228;mpfe, die pl&#246;tzlich nicht mehr nur in den Fabriken ausbrachen, sondern auch ausserhalb davon, richtig verstehen zu k&#246;nnen. Die Epoche, w&#228;hrend welcher es gen&#252;gte, die Arbeiterklasse vom &#8222;immediatistischen&#8220; Standpunkt des unmittelbaren Produktionsprozesses aus zu studieren, wie es Socialisme ou barbarie oder &#8211; in einem gewissen Masse &#8211; der italienische Operaismus jahrelang taten, war hinter uns.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jacques Camatte und die Zeitschrift &lt;i&gt;Invariance&lt;/i&gt; haben diesbez&#252;glich durch die Festlegung einer neuen Periodisierung der kapitalistischen Entwicklung &#8211; in einer auf 1964-1966 datierten Arbeit, die aber erst 1968 in &lt;i&gt;Invariance&lt;/i&gt; Nr. 2 ver&#246;ffentlicht worden ist &#8211; eine bedeutende Rolle gespielt, sie wurde daraufhin von fast allen ultralinken Gruppen damals &#252;bernommen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Barrot/Dauv&#233; damals eingeschlossen, er benutzte den Begriff in der (...)&#034; id=&#034;nh17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;: die Unterscheidung zwischen formeller und reeller Herrschaft des Kapitals. Schauen wir uns an, worum es sich handelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die prinzipielle Eigenschaft der formellen Herrschaft ist die Tatsache, dass, da der Verwertungsprozess des Kapitals den unmittelbaren Produktionsprozess noch nicht vollst&#228;ndig beherrscht, das &lt;i&gt;vorherrschende&lt;/i&gt; Element dieses Prozesses, dessen Herzst&#252;ck in den H&#228;nden der qualifizierten Arbeiter liegt, das &lt;i&gt;variable Kapital&lt;/i&gt;, die Arbeitskraft ist. Diese Situation entspricht der Vorherrschaft der absoluten Mehrwertextraktion, d.h. der Verl&#228;ngerung des Arbeitstages und seiner Intensivierung durch Mittel &lt;i&gt;ausserhalb&lt;/i&gt; des Arbeitsprozesses selbst, sowie der Anstellung einer zus&#228;tzlichen Arbeitskraft, h&#228;ufig Frauen und Kindern, das alles begleitet von so tiefen L&#246;hnen wie m&#246;glich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die formelle Herrschaft ist auch durch das Fortbestehen vorkapitalistischer Produktionsweisen (wie die kleine Warenproduktion oder die halbfeudale Landwirtschaft) gekennzeichnet, was die Existenz von Klassen, mit welchen das Kapital zwingend seine Herrschaft teilen muss, und gewisse, nicht direkt unter seinem Einfluss stehende Elemente des Verwertungsprozesses &#8211; wie die f&#252;r die Reproduktion der Arbeitskraft notwendigen Waren &#8211; impliziert. Zu Beginn dieses Entwicklungsstadiums des Kapitals hat die Arbeiterklasse keine politischen Rechte und nachdem sie sie erhalten hat, &lt;i&gt;zwingt&lt;/i&gt; sie ihre Schw&#228;che &lt;i&gt;dazu&lt;/i&gt;, Verb&#252;ndete zu suchen, &#8222;zu versuchen, seine entstehende Kraft und seine Momente der Revolte in der parlamentarischen Sph&#228;re zu &lt;i&gt;konkretisieren&lt;/i&gt;&#8220;, wo &#8211; wie es B&#233;riou unterstreicht &#8211; &#8222;keine Klasse f&#228;hig ist, ihre Forderungen diskussionslos zu diktieren&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine andere grundlegende Eigenschaft der formellen Herrschaft &#8211; eine direkte Folge der Tatsache, dass die Arbeit der massgebliche Faktor im unmittelbaren Produktionsprozess und die Reproduktion der Arbeiterklasse nicht in den Zyklus des Kapitals selbst integriert ist &#8211; ist die Autonomie des Proletariats und seiner Organisationen. Die nat&#252;rliche Konsequenz daraus ist, dass die Revolution &#8211; nachdem die Illusionen &#252;ber die M&#246;glichkeit der Emanzipation innerhalb der b&#252;rgerlichen Gesellschaft einmal &#252;berwunden worden sind &#8211; als Kampf der Arbeit gegen das Kapital, als &lt;i&gt;Affirmation&lt;/i&gt; der Arbeiterklasse und ihre Transformation in die &lt;i&gt;herrschende Klasse&lt;/i&gt; konzipiert ist. Der Begriff der &#8222;Diktatur des Proletariats&#8220; ist eine direkte Folge der Unm&#246;glichkeit f&#252;r das Proletariat, seiner Bedingung direkt ein Ende zu setzen; seine &#8222;Diktatur&#8220; stellt also einen Kompromiss dar, die Konsequenz der Notwendigkeit einer &#220;bergangsphase, w&#228;hrend welcher das Proletariat seine Bedingung auf den Rest der nicht ausbeutenden Schichten ausweitet, bevor es Zugang zur &#8222;h&#246;heren Stufe&#8220; des Kommunismus hat. Anders gesagt, unter der formellen Herrschaft ist die Existenz einer totalen Diskontinuit&#228;t zwischen Kapitalismus und Kommunismus nicht konzipierbar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gem&#228;ss der Ultralinken ist also das, was jederzeit die historische T&#228;tigkeit des Proletariats diktiert &#8211; und somit seine Aufgaben, seine Organisationsformen und die konkreten Modalit&#228;ten seiner &#8222;Diktatur&#8220; &#8211; der Entwicklungsgrad des Kapitals (und somit die entsprechende &#8222;Klassenzusammensetzung&#8220;). So war das Ziel des Pariser Proletariats 1848, sich als &lt;i&gt;virtuelle&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;geheime&lt;/i&gt; Partei zu organisieren, um die Republik gegen&#252;ber der provisorischen Regierung durchzusetzen und sich danach gegen den unvermeidlichen Gegenangriff der Bourgeoisie zu verteidigen, und w&#228;hrend der Kommune 1871 wurde daraus die Zerst&#246;rung des R&#228;derwerks des Staates und die gleichzeitige Organisation der direkten Demokratie als Verst&#228;ndigungswerkzeug der anderen Unterklassen. Aber in keinem dieser F&#228;lle kam es zu einem Versuch, die Wertproduktion zu l&#228;hmen oder die Macht ausgehend von den wertproduzierenden Zentren auszu&#252;ben (die Wahlbasis der Kommune war das Quartier, nicht die Fabrik): Alles drehte sich &#8211; manchmal auch auf negative Art und Weise, wie im Falle der Anarchisten und ihrem Beharren auf der Frage der &#8222;Autorit&#228;t&#8220; und des Staates &#8211; rund um die &lt;i&gt;politische Herrschaft&lt;/i&gt;, den Sturz der bestehenden politischen Macht, sei es um sie durch eine andere zu ersetzen oder sofort abzuschaffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ab 1871 beginnt eine neue &#196;ra. Die &#8222;B&#252;ndnispolitik&#8220; nimmt ein Ende und es beginnt eine Periode, w&#228;hrend welcher, in den &#8222;fortgeschrittenen&#8220; L&#228;ndern, &#8222;das Proletariat [&#8230;] keine Kompromisse mehr mit anderen gesellschaftlichen Schichten zu schliessen [braucht], es muss entweder Teil von ihnen werden, sie zerst&#246;ren oder von ihnen zerst&#246;rt werden. Es muss seine &lt;i&gt;Diktatur&lt;/i&gt; bekr&#228;ftigen [&#8230;] die einzige &#252;brig bleibende &lt;i&gt;politische&lt;/i&gt; Frage ist der Inhalt seiner Diktatur und diese Frage bleibt &lt;i&gt;politisch&lt;/i&gt;, denn es ist noch nicht &lt;i&gt;gesellschaftlich vorherrschend&lt;/i&gt; [&#8230;]&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Jean-Yves B&#233;riou, Revolution&#228;re Theorie und historische Zyklen, op. cit.&#034; id=&#034;nh18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Indem es jedoch das Kapital dazu zwang, zwischen 1890 und 1945 seine Produktivit&#228;t zu erh&#246;hen &#8211; was es erlaubte, die Forderungen nach Lohnerh&#246;hungen und reduzierter Arbeitszeit zu befriedigen &#8211;, hat die Arbeiterbewegung nicht nur zur &lt;i&gt;Verallgemeinerung des Proletariats&lt;/i&gt; und seiner Transformation in eine &lt;i&gt;gesellschaftlich vorherrschende&lt;/i&gt; Klasse beigetragen, sondern ist auch zu einem &lt;i&gt;objektiven Verb&#252;ndeten&lt;/i&gt; des Kapitals im &#220;bergang zu reellen Herrschaft geworden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die reelle Herrschaft ist gekennzeichnet durch die komplette Absorption des Arbeitsprozesses durch den Verwertungsprozess des Kapitals, der die Ware Arbeitskraft auf eine g&#228;nzlich &lt;i&gt;austauschbare&lt;/i&gt; abstrakte Form reduziert, deren einzige relevante Kapazit&#228;t jene ist, auf &lt;i&gt;produktive Art und Weise&lt;/i&gt; w&#228;hrend der Arbeitszeit &lt;i&gt;konsumiert&lt;/i&gt; zu werden und eine maximale Mehrwertextraktion zu erlauben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;So ist das &lt;i&gt;vorherrschende&lt;/i&gt; Element des unmittelbaren Produktionsprozesses nunmehr das &lt;i&gt;fixe Kapital&lt;/i&gt;, das die Arbeitsdisziplin innerhalb des Produktionsprozesses selbst durchsetzt und zunehmend die technischen Kenntnisse und die Geschicklichkeit des Arbeiters in das Maschinensystem einbezieht, an dessen st&#228;ndige Verbesserung er sich anpassen muss. Das immer abstraktere Verh&#228;ltnis des Arbeiters zum Produktionsprozess, dessen konkreter Inhalt ihm gleichg&#252;ltig ist, f&#252;hrt dazu, dass er darin nur einen Verwertungsprozess sieht, der ihm erlaubt, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Infolgedessen kann sich sein Bewusstsein in Bezug auf die Transformation seiner Situation und die Organisation der Arbeit nur durch &lt;i&gt;direkten&lt;/i&gt; Widerstand gegen die Mehrwerterpressung ausdr&#252;cken und das geschieht in Form einer Revolte gegen die Arbeit:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Dieses Bewusstsein zeigt sich schon auf &lt;i&gt;unmittelbare Art und Weise&lt;/i&gt; in den zahlreichen &lt;i&gt;organisierten Sabotageakten&lt;/i&gt;, welche die Mehrheit der modernsten Fabriken in Europa betreffen (Fiat, Turin, 1969), und vor allem in den USA, wo sie immer mehr Teil durch die Arbeiter organisierter Kampfbewegungen sind und von den Gewerkschaften nicht verteidigt werden k&#246;nnen [&#8230;] &lt;i&gt;Es ist eine Kritik der Mehrarbeit&lt;/i&gt; [&#8230;] Diese Bewegungen haben nicht zum Ziel, die Produktion &lt;i&gt;durch&lt;/i&gt; den bestehenden Produktionsprozess und &lt;i&gt;innerhalb&lt;/i&gt; desselben zu reorganisieren; sie zeigen nicht die geringste Affirmation gegen&#252;ber der Verwaltung; die materiellen Grundlagen der Arbeiterselbstverwaltung sind mit dem unmittelbaren Produzenten verschwunden.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Le prol&#233;tariat comme destructeur du travail&#8220; in N&#233;gation, Nr. 1, S. 15.&#034; id=&#034;nh19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schon 1947 bemerkte der Mitbegr&#252;nder der Johnson-Forest-Tendenz C. L. R. James &#8211; nachdem er mehr als ein Jahrzehnt in den USA gelebt hatte &#8211; dass, obwohl er seine &#220;berzeugungen bez&#252;glich der Notwendigkeit einer Reorganisation des Produktionsprozesses als integraler Aspekt der Arbeiterk&#228;mpfe nicht abgelegt und nachdem er die neue &#8222;strategische Achse&#8220; dieses Kampfes identifiziert hatte, dieser qualitative Sprung unweigerlich alle der vom revolution&#228;ren Prozess geerbten Konzeption bis anhin zugrundeliegenden Begriffe umst&#252;rzen w&#252;rde:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;[G]egenw&#228;rtig ist das Proletariat, das eine neue Stufe erreicht hat, zur finalen Erkenntnis gelangt. Seine Revolte ist nicht mehr gegen die Politik und die Art der Aufteilung des Mehrwerts gerichtet, sondern &lt;i&gt;gegen die Wertproduktion selbst&lt;/i&gt;. Es hat nun seine eigene Lesart des Dreh- und Angelpunkts, um welchen sich das Verst&#228;ndnis der politischen &#214;konomie dreht [&#8230;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Proletariat strebt nicht mehr, wie w&#228;hrend der Kommune, nach einer einfachen politischen Form zur Verwirklichung der Emanzipation der Arbeit und auch nicht mehr, wie in den Jahren 1917-1923, nach Sowjets als Mittel der revolution&#228;ren Politik, des Umsturzes des Privateigentums [&#8230;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Genau wie die Kommune &#252;ber die Ebene der europ&#228;ischen Gesellschaft hinausreichte und die Sowjets 1905 eine politische Form erschufen, von welcher Lenin nicht einmal zu tr&#228;umen gewagt h&#228;tte, &lt;i&gt;ist das Proletariat noch nicht in seine neue Schaffensperiode bez&#252;glich politisch-&#246;konomischer Organisation eingetreten&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Von mir unterstrichen, F. C.&#034; id=&#034;nh20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Produktionsverh&#228;ltnisse und die politischen Probleme von 1947 haben ein Bed&#252;rfnis nach L&#246;sungen geschaffen, die weit &#252;ber jene der bescheidenen Anf&#228;nge zu Marx' Zeiten hinausgehen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;C. L. R. James, F. Forest, Ria Stone, The Invading Socialist Society, (...)&#034; id=&#034;nh21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Einerseits kam es eben genau wegen der vollst&#228;ndigen Absorption des unmittelbaren Arbeitsprozesses durch das Kapital und der Tatsache, dass die zunehmende Subsumtion des Reproduktionsprozesses der Arbeitskraft in den eigentlichen Kreislauf des Kapitals gleichbedeutend mit einer faktischen &#8218;Integration&#8216; der Arbeiterklasse ist, zu diesem qualitativen Sprung. Der andere Aspekt dieses Prozesses ist, dass seine F&#228;higkeit zur autonomen Affirmation &#8211; die paradoxerweise und von einem gewissen Standpunkt aus scheinbar ihren H&#246;hepunkt erreicht und sogar ideologisch formalisiert wird &#8211; zunehmend in eine Krise eintritt. Diese &#8218;Integration&#8216; hat allerdings nicht mit dem &#8218;Bewusstsein&#8216; der Arbeiter oder ihren Konsumniveaus zu tun, genauso wenig wie sie eine Schw&#228;chung des konfliktreichen und antagonistischen Verh&#228;ltnisses zwischen Kapital und Arbeit zur Folge hat.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Das Problem war &#252;berhaupt nicht (wie es alle angesagten Ideologien damals (...)&#034; id=&#034;nh22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Eigenschaft der reellen Herrschaft &#8211; eine direkte Folge der Tatsache, dass das gesellschaftliche Leben in seiner Gesamtheit rund um die Verwertung des Werts organisiert ist &#8211; verdammt auch jede Organisation, die f&#252;r den Verwertungsprozess nicht funktional ist, schnell zu verschwinden oder an den R&#228;ndern dahinzuvegetieren. Die Tatsache, dass die autonomen Organismen, welche die sozialen K&#228;mpfe initiiert haben, kurzlebig sind oder schnell vom Ausbeutungssystem integriert werden, kommt also nicht daher, dass sie sich &#8222;korrumpieren&#8220; oder &#8222;b&#252;rokratisieren&#8220;; diese Entwicklung ist in Wirklichkeit schlichtweg die logische Folge ihrer notwendigen Unterordnung unter den Verwertungsprozess&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb23&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;C. L. R. James und Konsorten hatten es verstanden, indem sie zum Beispiel (...)&#034; id=&#034;nh23&#034;&gt;23&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Daraus resultiert, dass der Kampf sich unter der reellen Herrschaft in eine Revolte sowohl gegen die Arbeit als auch gegen das Kapital transformiert und dass die Revolution immer weniger ein &#8222;Organisationsproblem&#8220; als solches hat, denn &#8211; genau wie das Absterben des Staates in der klassischen marxistischen Theorie &#8211; kann die Abschaffung des Werts nicht &#8222;organisiert&#8220;, sondern nur vollbracht oder nicht vollbracht werden; die &#8222;revolution&#228;re Organisation&#8220; ist also eine Schim&#228;re. C.L.R. James war auch hinsichtlich dieser Frage &#8211; ab 1948 &#8211; sehr nahe daran, sie in ihren wirklichen Begriffen zu formulieren:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&lt;i&gt;Es gibt nicht&lt;/i&gt;&lt;i&gt;s&lt;/i&gt;&lt;i&gt; mehr zu organisieren&lt;/i&gt;. Die Arbeiter k&#246;nnen organisiert werden. Eine spezielle Organisation f&#252;r revolution&#228;re Arbeiter kann gegr&#252;ndet werden. Aber wenn wir diese beiden Elemente einmal haben, sind wir am Ende. Die Organisation, so wie wir sie gekannt haben, ist an ihr Ende gekommen. Die Aufgabe besteht nun darin, die Organisation abzuschaffen [&#8230;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Organisation, so wie wir sie gekannt haben, hat ihre Mission erf&#252;llt. Ein Ziel, welches das Proletariat innerhalb der b&#252;rgerlichen Gesellschaft widerspiegelte.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb24&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ich behaupte nicht, dass diese Zitate die &#8222;Organisationskonzeptionen&#8220; C. (...)&#034; id=&#034;nh24&#034;&gt;24&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zehn Jahre sp&#228;ter lieferte James auch eine perfekte Beschreibung f&#252;r die durch den &#220;bergang von der formellen zur reellen Herrschaft diesbez&#252;glich herbeigef&#252;hrten Wende:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Was stellen wir heute, ein halbes Jahrhundert sp&#228;ter, fest? Der professionelle Agitator, der revolution&#228;re Sozialist zu Zeiten Lenins ist heute die Grundlage der b&#252;rokratischen Maschine der Gewerkschaften, politischen Parteien und Regierungen geworden [&#8230;] Das ist die marxistische Dialektik in ihrem tiefsten Inhalt. Der gesellschaftliche Typus, die spezifische Pers&#246;nlichkeit, die Speerspitze der Arbeiterbewegung und des Sozialismus zu Beginn des Jahrhunderts stellt heute den harten Kern der b&#252;rokratischen Reaktion in allen Sektionen der Arbeiterbewegung dar.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb25&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Facing Reality, 1958, S. 89.&#034; id=&#034;nh25&#034;&gt;25&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In jenem Masse, wie sich die reelle Herrschaft konsolidiert und fortschreitet (zum Beispiel durch die Verallgemeinerung der Automatisierung), wird die gesamte Problematik der &#8222;&#220;bergangsphase&#8220; zwischen Kapitalismus und Kommunismus ebenso komplett ver&#228;ndert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bevor diese Fragen von Jacques Camatte und N&#233;gation er&#246;rtert wurden, gab James Boggs zum Thema die wahrscheinlich konkretesten und innovativsten Anregungen. In &lt;i&gt;The American Revolution&lt;/i&gt; behauptete er, dass die Automatisierung der Industrie eine gen&#252;gende Produktion und Verteilung von G&#252;tern und Dienstleistungen f&#252;r die Gesamtheit der Bev&#246;lkerung erlauben w&#252;rde und dass deswegen die Vorbedingungen f&#252;r den Aufbau einer &#8222;klassenlosen&#8220; Gesellschaft &#8222;ohne Arbeit&#8220; schon erf&#252;llt seien&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb26&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es ist angebracht, diesbez&#252;glich zu anerkennen, dass die Gruppe (...)&#034; id=&#034;nh26&#034;&gt;26&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Im 19. Jahrhundert erkl&#228;rte Marx, es solle eine &#220;bergangsgesellschaft zwischen der &lt;i&gt;kapitalistischen&lt;/i&gt; Klassengesellschaft und der klassenlosen &lt;i&gt;kommunistischen&lt;/i&gt; Gesellschaft geben. Diese &#220;bergangsgesellschaft, die er Sozialismus nannte, w&#252;rde immer noch eine Klassengesellschaft sein, doch statt der Kapitalisten w&#252;rden die Arbeiter die herrschende Klasse sein [&#8230;] Als herrschende Klasse w&#252;rden die Arbeiter die Produktivkr&#228;fte bis zu jener Stufe entwickeln, auf welcher die uneingeschr&#228;nkte Entwicklung jedes Individuums m&#246;glich sein und das Prinzip &#8218;jeder nach seinen F&#228;higkeiten, jedem nach seinen Bed&#252;rfnissen&#8216; verwirklicht werden w&#252;rde. Auf dieser Stufe k&#246;nne eine klassenlose Gesellschaft, d.h. der Kommunismus, erreicht werden. In den USA sind die Produktivkr&#228;fte schon so weit entwickelt, dass sie die Verwirklichung jener klassenlosen Gesellschaft erlauben, welche gem&#228;ss Marx nur durch den Kommunismus erreicht werden kann.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Boggs hatte jedoch gezeigt, dass diese Fortschritte im Bereich der Automatisierung und der kybernetischen Kontrolle auch die Macht der Gewerkschaft und der Organisation der Arbeit auf der Ebene der Werkstatt geschw&#228;cht hatten und dass die Schattenseite dieses Prozesses die zunehmende Akkumulation &#8211; in den USA &#8211; einer Bev&#246;lkerung von haupts&#228;chlich in den schwarzen urbanen Gemeinschaften konzentrierten &#8222;lebenslangen Arbeitslosen&#8220; war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber f&#252;r Boggs platzieren die diesen ausgeschlossenen Proletariern auferlegten Bedingungen sie nicht nur jenseits der Ideologie der Arbeit, sondern erm&#228;chtigen sie potenziell auch dazu, heterogene Kr&#228;fte des sozialen Protests miteinander zu einer universellen Bewegung zu verb&#252;nden, nicht nur, weil &#8222;sie die M&#246;glichkeiten der Gesellschaft, in welcher sie leben, in ihrer Tiefe kennengelernt haben und auch wissen, dass sie zahlreich genug sind, um eine Bedrohung darzustellen&#8220;, sondern auch, weil &#8222;das Auftauchen dieser neuen Gruppe radikale Konzepte hervorbringen wird, welche die Vorstellung von uns allen &#252;bersteigen&#8220;:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Derart radikale Konzepte k&#246;nnen nicht von der organisierten gewerkschaftlichen Bewegung hervorgebracht werden. Der Klassenkampf der amerikanischen Arbeiter &#8211; vereinigt, organisiert und diszipliniert durch den Produktionsprozess &#8211; hat seinen H&#246;hepunkt mit der Gr&#252;ndung des CIO [Congress of Industrial Organizations] in den 1930er Jahren erreicht. Heutzutage, in den 1960er Jahren, ist die amerikanische Arbeiterbewegung am Ende ihres Weges angelangt. In Anbetracht der gegen&#252;ber den stattgefundenen revolution&#228;ren technologischen Ver&#228;nderungen notwendigen gesellschaftlichen und ideologischen Anpassungen ist die organisierte Arbeit heutzutage genauso reaktion&#228;r geworden wie es das organisierte Kapital vor 30 Jahren war. Der fundamentale Grund hierf&#252;r ist die Tatsache, dass sie sich immer noch an der Idee festklammert, dass der Mensch arbeiten muss, um zu leben, in einer Epoche, in welcher es technisch m&#246;glich w&#228;re f&#252;r den Menschen, sich damit zu begn&#252;gen, die Hand auszustrecken, um zu bekommen, was er braucht.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Gegensatz zu Boggs, der die Illusion aufrechterhielt, dass die ausgeschlossenen Proletarier sich &#8222;organisieren werden m&#252;ssen&#8220; und dass sie schon bald dazu gezwungen sein w&#252;rden, haben N&#233;gation &#8211; und schon zuvor Jacques Camatte &#8211; verstanden, dass, aufgrund ihres rein zerst&#246;rerischen Charakters und weil &#8222;der Feind, dessen Opfer sie sind, nicht dieser oder jener spezifische Kapitalist ist, sondern die kapitalistische Gesellschaft in ihrer Gesamtheit&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb27&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Lip et la contre-r&#233;volution autogestionnaire&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh27&#034;&gt;27&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, diese K&#228;mpfe als potenzielle Negation der kapitalistischen Ordnung politisch &lt;i&gt;unorganisierbar&lt;/i&gt; seien und dass genau darin ihre zutiefst revolution&#228;re Bedeutung liege:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Diese Bewegungen sind nie verwertbar oder &#8218;flankierbar&#8216;; sie kommen und gehen, und wenn sie wieder auftauchen, dann nur, um sich auf eine f&#252;r das Kapital immer verheerendere Art und Weise zu verallgemeinern.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb28&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Transition&#8220;, 1969.&#034; id=&#034;nh28&#034;&gt;28&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Formelle Partei, historische Partei und &#8222;Notwendigkeit&#8220; des Kommunismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote style=&#034;font-style: normal; border-left: 4px solid #ccc; padding-left: 15px; margin: 20px 0;&#034;&gt;Wozu sollte man heutzutage den Arbeitern sagen, dass sie ein Korps an Berufsrevolution&#228;ren brauchen, die sich ganz dem politischen Kampf hingeben, auf internationaler Ebene vereint und Todesfeinde des traditionellen Reformismus und so weiter sind? Die Arbeiter wissen es. Die kommunistischen Parteien sind eben genau solche Korps. Ihre Politik ist verdorben. Doch die Organisation, ihr grundlegender Typus, ist das, was Lenin wollte. Wer sich auf dieser Stufe daf&#252;r entscheidet, das nicht zu verstehen, soll zur H&#246;lle fahren [&#8230;] Dieser ganze Diskurs &#252;ber die Transformation kleiner Abspaltungen in Parteien, die sich nach und nach in Parteien verwandeln werden, welchen die Arbeiter sich werden anschliessen k&#246;nnen, ist der Inbegriff der Torheit. Wir haben keine Illusionen mehr, Gott sei Dank.
&lt;p&gt;C.L.R. James, Notes on Dialectics.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Der letzte theoretische Fortschritt von N&#233;gation und anderer betrifft die &#8222;Parteifrage&#8220;, und genauer die Unterscheidung zwischen formeller und historischer Partei. Diese Unterscheidung geht auf diese Passage in einem Brief von Marx im Februar 1860 an seinen Freund, den Dichter Ferdinand Freiligrath, zur&#252;ck:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Ich bemerke d'abord, da&#223;, nachdem der &#8218;Bund&#8216; auf &lt;i&gt;meinen Antrag&lt;/i&gt; im November 1852 aufgel&#246;st wurde, ich &lt;i&gt;nie&lt;/i&gt; mehr irgendeiner &lt;i&gt;geheimen&lt;/i&gt; oder &lt;i&gt;&#246;ffentlichen&lt;/i&gt; Gesellschaft angeh&#246;rt habe oder angeh&#246;re; da&#223; also die &lt;i&gt;Partei&lt;/i&gt; in diesem ganz ephemeren Sinne f&#252;r mich seit 8 Jahren zu existieren aufgeh&#246;rt hat [&#8230;] Ich habe ferner das Mi&#223;verst&#228;ndnis zu beseitigen gesucht, als ob ich unter &#8218;Partei&#8216; einen seit 8 Jahren verstorbnen &#8218;Bund&#8216; oder eine seit 12 Jahren aufgel&#246;ste Zeitungsredaktion verstehe. Unter Partei verstand ich die Partei im gro&#223;en historischen Sinn.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Pr&#228;zisieren wir zuerst, dass der theoretische Bruch der franz&#246;sischen Ultralinken mit der Unterscheidung zwischen formeller und historischer Partei die &#8222;bordigistische&#8220; Konzeption dieser Unterscheidung betrifft. Es w&#228;re &#252;brigens falsch, zu denken, die italienische kommunistische Linke sei die einzige Tendenz der kommunistischen Linken gewesen, welche die Metaphysik der Partei kultivierte, obwohl sie wahrscheinlich die einzige war, welche die These vertrat, dass die Partei &#8222;ein f&#252;r allemal ausgehend von einer historischen Erleuchtung &#8211; jener der grossen Propheten der offenbarten Religionen &#228;hnelnd &#8211; etabliert&#8220; worden war, &#8222;was zwischen 1844 (&lt;i&gt;&#214;konomisch-philosophische Manuskripte&lt;/i&gt;) und 1848 (Revolution) eine auf alle darauffolgenden Kampfperioden anwendbare Perspektive erschaffen hatte&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb29&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F. Santini, Apocalipsis y supervivencia, S. 43.&#034; id=&#034;nh29&#034;&gt;29&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;C.L.R. James befasste sich zum Beispiel in den &lt;i&gt;Notes on Dialectics&lt;/i&gt; (1948) eingehend mit dieser Frage:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Das Proletariat erschafft diese Organisationen [&#8230;] Der kapitalistische Widerspruch dr&#252;ckt sich jedoch innerhalb des Proletariats durch die Konzeption dieser Organisationen aus. Denn das Proletariat, ausser wenn es sich ausdr&#252;ckt, indem es sich erhebt, d.h. wenn es sich aktiv revolution&#228;r zeigt, enth&#228;lt in sich selbst das Konzept und sein Gegenteil, was so sein muss. Das ist wie wir gesehen haben die Form, in welche jede Partei entartet [&#8230;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Anfang und das Ende des unabh&#228;ngigen Wissens des Proletariats ist seine &lt;i&gt;politische Partei&lt;/i&gt;, durch sie studiert es, was es ausschliesslich betrifft: die &lt;i&gt;Wirklichkeit und Transformation seiner Stellung innerhalb der b&#252;rgerlichen Gesellschaft&lt;/i&gt; [&#8230;]&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb30&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Von mir unterstrichen, F. C.&#034; id=&#034;nh30&#034;&gt;30&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch wenn die Partei das Wissen des Proletariats ist, ist das Auftauchen des Proletariats gleichbedeutend mit der Abschaffung der Partei. Die Partei, so wie wir sie gekannt haben, muss verschwinden. Sie wird verschwinden. Sie ist bereits im Verschwinden begriffen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb31&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Notes on Dialectics, op. cit., S. 172-176.&#034; id=&#034;nh31&#034;&gt;31&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r James sind also das Proletariat und seine Organisationen die organischen Tr&#228;ger des &#8222;kapitalistischen Widerspruchs&#8220;, der sich kontinuierlich weiterentwickelt und zuspitzt, w&#228;hrend er gleichzeitig die Begriffe seines Auftauchens transformiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ohne sie explizit als Gegensatz zwischen formeller und historischer Partei zu formulieren, hat Jacques Camatte die von Marx gemachte Unterscheidung in &#8222;Origine et fonction de la forme-parti&#8220; (1961) wieder aufgegriffen, dieser Text l&#246;ste eine derartige Kontroverse innerhalb des PCInt aus, dass seine Ver&#246;ffentlichung von Amadeo Bordiga selbst durchgesetzt werden musste. Es war jedoch nicht Camatte, sondern Bordiga, der 1965 die Unterscheidung zwischen formeller und historischer Partei im Rahmen einer internen Polemik, w&#228;hrend welcher er sich eben genau von Camatte abheben wollte, indem er die &#8222;formelle Partei&#8220; verteidigte, klar formulierte. Vier Jahre sp&#228;ter, nun ausserhalb des PCInt, &#252;bernimmt Camatte seinerseits diese Unterscheidung in einem Text mit dem Titel &#8222;La r&#233;volution communiste : th&#232;se de travail&#8220; (1969). Allerdings bricht Camatte im selben Jahr in einem zusammen mit Gianni Collu verfassten Text (&#8222;Transition&#8220;), nachdem er die Unterscheidung formelle/historische Partei auf die Periodisierung formelle/reelle Herrschaft und die daraus folgende Transformation der &#8222;Aufgaben&#8220; des Proletariats gest&#252;tzt hatte, mit Bordigas Konzeption:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Theorie der Partei &#8211; Theorie des Proletariats &#8211; kann nicht nur in den sogenannt politischen Texten von Marx und Engels wahrgenommen werden [&#8230;], denn diese Werke betrachten das Proletariat vor allem in seiner unmittelbaren Wirklichkeit und halten &lt;i&gt;die formelle Partei, damals, f&#252;r m&#246;glich. Das Proletariat musste also seine Existenz verallgemeinern, das Kapital zur Entwicklung dr&#228;ngen und h&#228;tte, falls es die Macht ergriffen h&#228;tte und herrschende Klasse geworden w&#228;re, Aufgaben erf&#252;llen m&#252;ssen, die danach vom Kapital erf&#252;llt worden waren&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb32&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Von mir unterstrichen, F. C.&#034; id=&#034;nh32&#034;&gt;32&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Heutzutage ist nur noch die historische Partei m&#246;glich. Jegliche formelle Partei ist nur eine Organisation, die sich schnell auf die Form der &lt;i&gt;Schutzgeld&lt;/i&gt;e&lt;i&gt;rpressung&lt;/i&gt; beschr&#228;nkt: Das Gleiche gilt &#252;brigens f&#252;r jegliche strukturierte oder unstrukturierte Gruppe, die glaubt, auf die Neugr&#252;ndung der Partei oder die Erschaffung von R&#228;ten hinzuwirken.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Theorie, gem&#228;ss welcher es unter der reellen Herrschaft des Kapitals keinen Platz f&#252;r eine &lt;i&gt;formelle Partei&lt;/i&gt; habe, da sie historisch keine andere Funktion hatte &#8211; und haben konnte &#8211; als eine &lt;i&gt;Vermittlung&lt;/i&gt; f&#252;r die &lt;i&gt;Affirmation&lt;/i&gt; des Proletariats darzustellen, ist praktisch von der Gesamtheit der Ultralinken &#252;bernommen worden. Die Tatsache, dass diese historische Vermittlungsfunktion von einer reformistischen Massenpartei oder einer angeblichen &#8222;revolution&#228;ren Avantgarde&#8220;, oder sogar von einer ausserhalb der sozialistischen Tradition stehenden Organisation erf&#252;llt wurde, war letztendlich nur ein Indikator f&#252;r die von jeder gesellschaftlichen Formation erreichten kapitalistischen Entwicklungsstufe. Und in der einen oder anderen Form blieb die Aufgabe die gleiche: die Gew&#228;hrleistung der &#8222;Entwicklung der Produktivkr&#228;fte&#8220; und des Fortbestands der Arbeiterklasse als Kategorie des Kapitals.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist diese These, welche die Ultralinke von allen Formen der kommunistischen Linken unterscheidet, seien sie klassische oder &#8222;wiederbelebte&#8220;: Da das Proletariat unter der reellen Herrschaft keine &lt;i&gt;vermittelnden Aufgaben&lt;/i&gt; mehr zu erf&#252;llen hat und den Inhalt seiner unmittelbaren Aufgabe &#8211; seine Aufhebung &#8211; in sich tr&#228;gt, ist nunmehr nur noch die historische Partei m&#246;glich, d.h. die wirkliche Bewegung der Selbstnegation des Proletariats und die unmittelbare Hervorbringung des Kommunismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf den ersten Blick k&#246;nnte man meinen, es handle sich hier schlichtweg um eine rein &#8222;anti-organisatorische&#8220; Position, eine abstrakte Negation der Organisationsfrage, und nicht um einen Versuch, sie zu &#252;berwinden, wie es in der sp&#228;teren Entwicklung von Camatte der Fall sein wird. Was hingegen gewiss ist, ist die Tatsache, dass die einhellige Verurteilung jeglicher &#8222;formellen Partei&#8220; durch N&#233;gation/Le Voyou, Intervention communiste und Le Mouvement communiste (relativ im Falle letzterer Gruppe, wie wir sp&#228;ter sehen werden) sie nicht dazu f&#252;hrte, jegliche M&#246;glichkeit der &#8222;Gruppierung von Revolution&#228;ren&#8220; schlichtweg zu verurteilen, sondern zu einer neuen Definition des Inhalts und der Formen der kommunistischen Revolution, festgelegt als das Werk einer vom Kapital hervorgebrachten Klasse, die nur innerhalb desselben existieren kann &#8211; das Proletariat, verstanden als &#8222;kommunisierende Klasse&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb33&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Das Proletariat ist ein politisches Konzept. Alle Wirtschaftswissenschaftler&#034; id=&#034;nh33&#034;&gt;33&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; &#8211; und die Materie seiner T&#228;tigkeit &#8211; die historische Vernichtung des Werts &#8211; im Prozess seiner Herausbildung selbst findet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Existenz einer &lt;i&gt;kommunistischen&lt;/i&gt; Bewegung selbst setzt also die unmittelbare &#220;berwindung der kapitalistischen Kategorien voraus. Deshalb, mangels einer konkret die Kategorien des Werts angreifenden Bewegung, ist jede &#8211; formelle oder informelle &#8211; Organisation, die von sich behauptet, einen &lt;i&gt;reellen Einfluss&lt;/i&gt; zu haben, dazu gezwungen, Linksradikalismus zu betreiben&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb34&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;L'anti-fascisme dans un verre d'eau de Vichy&#8220;, S. 7.&#034; id=&#034;nh34&#034;&gt;34&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, d.h. innerhalb dieser Kategorien zu verbleiben (das Unternehmen, das Quartier, die Schule usw.). Intervention communiste hat das Problem folgendermassen gel&#246;st:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;[D]ie Praktizierung anderer Interventionen l&#228;uft nicht nur darauf hinaus, den Prozess der b&#252;rgerlichen Revolution nachzu&#228;ffen, aus der kommunistischen Bewegung eine Schutzgelderpressung zu machen, dem Proletariat eine Positivit&#228;t zuzugestehen, ein Programm zu pr&#228;sentieren, zu versuchen, Ideen durchzusetzen, zu sagen, der Kommunismus sei nicht dieses oder jenes, sondern auch, trotz aller sch&#246;ner Reden, &lt;i&gt;die formelle Partei fortbestehen zu lassen&lt;/i&gt;.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb35&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Prol&#233;taires et communistes&#8220; in Bulletin communiste, Beilage zur Nr. 1 von (...)&#034; id=&#034;nh35&#034;&gt;35&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Daraus folgt, dass die M&#246;glichkeit der Gruppierung sowie die anderen Aufgaben der Kommunisten allen voran von der klaren Einordnung ihrer Periode als konterrevolution&#228;r, revolution&#228;r oder sich im revolution&#228;ren Aufbruch befindend abh&#228;ngen. Die Revolution&#228;re &#8222;entscheiden&#8220; also nicht, ob sie den revolution&#228;ren Prozess vereinheitlichen oder beschleunigen oder &#252;ber seinen Grad der Zentralisierung, deshalb, wie es &lt;i&gt;Le Voyou&lt;/i&gt; betonte, &#8222;kann die kommunistische Bewegung weder durch eine formelle Zentralisierung noch durch einen f&#246;deralistischen oder unionistischen Autonomismus ausgedr&#252;ckt werden&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb36&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Bilan critique du Voyou&#8220;, Paris, September 1973.&#034; id=&#034;nh36&#034;&gt;36&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, die Zentralisierung ist nicht eine Entscheidung, sondern eine Notwendigkeit&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb37&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Les classes&#8220; in Intervention communiste, Nr. 2, Dezember 1973, (...)&#034; id=&#034;nh37&#034;&gt;37&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es gibt somit auch keine Aufgaben, welche die kommunistische Bewegung als priorit&#228;r betrachten oder auf welche sie ihre Ressourcen konzentrieren muss, aber sie wird dazu gebracht, gewisse Aufgaben zu erf&#252;llen und sie kann sie nur erf&#252;llen, indem sie sie b&#252;ndelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Haupteigenschaft der revolution&#228;ren Erneuerung von 1968 war, gem&#228;ss der Ultralinken, die &#8222;Wieder-Erkennung&#8220; der kommunistischen Theorie und ihre Reaktivierung, denn in der vorhergehenden Periode hatte sie nur als Gesamtheit versteinerter Prinzipien, als &lt;i&gt;Programm&lt;/i&gt; existiert:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;[I]n einer Periode der &#8218;totalen&#8216; Konterrevolution ist im besten Falle nur die Konservierung eines &lt;i&gt;Programms&lt;/i&gt; m&#246;glich, das seinerseits von der Periode entsch&#228;rft worden ist. Seit etwa 1968 gibt es sehr wohl &#8211; wenn auch nat&#252;rlich noch bruchst&#252;ckhaft &#8211; &lt;i&gt;eine Hervorbringung der kommunistischen Theorie&lt;/i&gt;, welche die &lt;i&gt;Tendenzen&lt;/i&gt; der wirklichen Bewegung widerspiegelt. Diese Hervorbringung ist in sich selbst Praxis durch die durch sie &lt;i&gt;erzwungenen&lt;/i&gt; Verkn&#252;pfungen, insoweit als dieser Zwang durch die wirkliche soziale Bewegung ausge&#252;bt wird, und nicht durch die &#228;usseren Mahnrufe irgendeines Individuums, irgendeiner Gruppe oder Zeitschrift.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb38&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;L'anti-fascisme dans un verre d'eau de Vichy&#8220;, op. cit., S. 16-17.&#034; id=&#034;nh38&#034;&gt;38&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der zweite charakteristische Zug der Erneuerung war &#8222;das Ende der theoretischen T&#228;tigkeit als getrennte Praxis aufgrund der zwingenden Notwendigkeit der praktischen Aneignung der Theorie durch das Proletariat&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb39&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Prol&#233;taires et communistes&#8220;, op. cit., S. 442.&#034; id=&#034;nh39&#034;&gt;39&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Daher &#8222;empf&#228;ngt&#8220; das Proletariat &#8222;nicht Prinzipien oder Analysen, die ihnen die Kommunisten kommunizieren &#8211; das ist das Verh&#228;ltnis Arbeiterklasse/Aktivist &#8211;, sondern es eignet sich die Theorie seiner eigenen Bewegung an, weil es aufgrund seiner konkreten Situation dazu gezwungen ist, andernfalls wird es besiegt&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb40&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 441.&#034; id=&#034;nh40&#034;&gt;40&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In anderen Worten, die nat&#252;rliche Konsequenz aus dem Ende der Trennung Theorie/Praxis ist das Verschwinden der Trennung Proletarier/Theoretiker, da die Theorie Teil der gesellschaftlichen Bedingung letzterer ist, denn sie sind nur Proletarier unter anderen. Anders gesagt: Vor der tats&#228;chlichen kommunistischen Bewegung gibt es keine Revolution&#228;re, sie sind eine Hervorbringung dieser Bewegung selbst und Teil der widerspr&#252;chlichen Bewegung des Kapitals. Schliesslich, wie es B&#233;riou betont:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Diese &lt;i&gt;Aneignung/Hervorbringung&lt;/i&gt; der Theorie des Kommunismus als revolution&#228;re Bewegung entsteht nicht nur gegen das in Form von versteinerten &#8218;Prinzipien&#8216; &#252;bermittelte kommunistische Programm, welches entstellt und erstarrt und aufgrund der Wirkung der Konterrevolution und &lt;i&gt;der Niederlage&lt;/i&gt; des letzten revolution&#228;ren Angriffs partiell und auf abstrakte Weise doktrin&#228;r geworden ist, sondern auch von diesem Programm ausgehend, durch die unter dem Druck der Ereignisse kritische Verdauung davon.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb41&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Jean-Yves B&#233;riou, op. cit.&#034; id=&#034;nh41&#034;&gt;41&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sobald sie erkannt hat, dass die durch 1968 er&#246;ffnete Periode eine eines revolution&#228;ren Aufschwungs war, war die Ultralinke unmittelbar dazu gezwungen, sich den &lt;i&gt;Grenzen&lt;/i&gt; dieses Aufschwungs zu stellen und sie zu pr&#228;zisieren. Obwohl sie mit der &lt;i&gt;absoluten&lt;/i&gt; Herrschaft der Konterrevolution gebrochen hatte, war die &#8222;Notwendigkeit des Kommunismus&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb42&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die italienische Bewegung von 1977 hatte eine besondere Lesart des &#8222;Drangs (...)&#034; id=&#034;nh42&#034;&gt;42&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; nicht insoweit verallgemeinert, als sie ihre ersten Manifestationen &lt;i&gt;praktisch&lt;/i&gt; h&#228;tte &lt;i&gt;&#252;berwinden&lt;/i&gt; k&#246;nnen und sich f&#228;hig zeigen, die Transformation der Produktionsverh&#228;ltnisse in Angriff zu nehmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Grenzen waren die Ursache einer bedeutenden Polemik im ultralinken Milieu zwischen N&#233;gation/Le Voyou und Intervention communiste auf der einen und Mouvement communiste auf der anderen Seite (ohne dass erstere absolut gleicher Meinung gewesen w&#228;ren). Die aus dem Aufschwung entstandenen Verbindungen konnten nicht unmittelbar konkret sein, nichts garantierte, dass die darauffolgenden Gruppierungen nicht rein formell waren. In Anbetracht der Wirklichkeit der Grenzen des Aufschwungs &#8211; d.h. des unmittelbar bevorstehenden erneuten Abschwungs &#8211; begann Le Mouvement communiste damit, die Notwendigkeit eines stabilen Systems permanenter Kontakte zwischen den verschiedenen Gruppen der Ultralinken zu verteidigen, sie behaupteten, dass, &#8222;obwohl es nicht infrage kommt, erneut eine formelle Organisation zu gr&#252;nden, die aus den Umst&#228;nden entstandenen Gruppierungen nicht mehr gen&#252;gen&#8220;, sie st&#252;tzten diese Anrufung der &#8222;objektiven Notwendigkeit&#8220; mit dem &#8222;subjektiven&#8220; Argument, gem&#228;ss welchem &#8222;die Nichtbeachtung, oder schlimmer, die Unterdr&#252;ckung, die Selbstzensur des individuellen Drangs nach Kommunismus als Teil der Konterrevolution zu betrachten sind&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb43&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;R&#233;volutionnaire ? (notes sur la subversion)&#8220; in Le Mouvement communiste, Nr. 4.&#034; id=&#034;nh43&#034;&gt;43&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Antwort des Voyou war kategorisch:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Ihr gebt vor, die formelle Partei zu aktualisieren, indem ihr ihre Existenz nicht mehr auf die &lt;i&gt;Politik&lt;/i&gt;, sondern auf den (menschlichen) &lt;i&gt;Drang&lt;/i&gt; st&#252;tzt.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb44&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;L'anti-fascisme dans un verre d'eau de Vichy&#8220;, op. cit., S. 4.&#034; id=&#034;nh44&#034;&gt;44&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tats&#228;chlich taten, insoweit als sie versuchten, die praktische Dringlichkeit der Krise des Klassenverh&#228;ltnisses und des historischen Prozesses der Herausbildung des Proletariats durch die gemeinsame Arbeit und die systematische Verst&#228;rkung der Verbindungen, w&#228;hrend sie gleichzeitig die &lt;i&gt;pers&#246;nliche&lt;/i&gt; Notwendigkeit des Kommunismus idealisierten, die Positionen von Mouvement communiste nichts anderes, als den programmatischen Kommunismus in neuer Gestalt erneut zu bekr&#228;ftigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Intervention communiste ihrerseits, obwohl sie sich davor h&#252;teten, der abstrakten Verweigerung der Argumentation ihrer Gespr&#228;chspartner zu verfallen, waren nicht minder energisch:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Der Kommunismus ist nicht das Produkt der Handlung der &#8218;Leute&#8216;, welche all jene Situationen, in die sie das Kapital hineinversetzt, als unertr&#228;glich empfinden; auf dieser Stufe w&#228;re die Abh&#228;ngigkeit zwischen Revolution und Kapital beseitigt, erstere w&#252;rde sich einem Wesen entgegenstellen, das ein anderes als es selbst ist, in diesem Moment ist die Abschaffung des Tausches Strategie des &#8218;Revolution&#228;rs&#8216; und nicht vom Kapital selbst hervorgebracht. Die Herausbildung des Proletariats ist ein Moment des Zyklus des Kapitals [&#8230;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#220;berwindung des individuellen Drangs ist nicht die Eingliederung in irgendeine kollektive Praxis, sondern der Prozess der Herausbildung des Proletariats, der aus ihm wirklicher Drang nach Kommunismus macht und, indem es ihn nicht Teil einer (allzu vagen) kollektiven Praxis, sondern einer Klasse macht, die gesamte, unter Umst&#228;nden mit diesem individuellen Drang verbundene Problematik der Entscheidung beseitigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist notwendig, den pers&#246;nlichen, unmittelbaren Drang nach Kommunismus zu ber&#252;cksichtigen; doch dieser Drang als Drang nach Revolution wird als pers&#246;nlicher Drang negiert und konserviert, wenn man versteht, dass keine individuelle L&#246;sung m&#246;glich, dass keine Lockerung tragf&#228;hig ist. Was erfasst werden muss, ist die Tatsache, dass dieser pers&#246;nliche unmittelbare Drang nach Kommunismus ein Moment der Herausbildung des Proletariats ist, ein Moment seiner Existenz als kollektiver Drang nach Kommunismus.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb45&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Les classes&#8220;, op. cit, S. 453 und 461.&#034; id=&#034;nh45&#034;&gt;45&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Abschliessend&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;So n&#228;hert sich diese kurze Einf&#252;hrung in die franz&#246;sische Ultralinke zwischen 1968 und 1974 ihrem Ende. Ich bem&#252;hte mich darin, zus&#228;tzlich zur Darstellung ihrer historischen Wurzeln &#8211; die schon in gewissen embryonalen &#8222;autonom-r&#228;tekommunistischen&#8220; Tendenzen der Nachkriegszeit pr&#228;sent waren &#8211; und der konkreten Inspirationsquellen dieser Str&#246;mung, gewisse Sophismen und Halbwahrheiten zu widerlegen, mithilfe welcher die Pseudokritik der &#8222;Theorie der Kommunisierung&#8220; diese in der Regel er&#246;rtert, besonders hinsichtlich ihrer angeblichen &#8222;anti-organisatorischen&#8220; Phobie, &#8222;modernistischen&#8220; Wurzeln und ihres daraus hergeleiteten angeblichen &#8222;kleinb&#252;rgerlichen&#8220; Charakters. Ich habe hingegen bewusst einen Aspekt aussen vor gelassen, jenen der mehr oder weniger tendenzi&#246;sen Widerlegungen und verk&#252;rzten und restriktiven Aneignungen der Periodisierung formelle/reelle Herrschaft, nicht weil die Frage nicht interessant oder bedeutend w&#228;re &#8211; ganz im Gegenteil &#8211;, sondern aus dem einfachen Grund, dass sie alleine einen monographischen Artikel verdienen w&#252;rde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich habe hier auch auf eine Kritik der Thesen der Ultralinken verzichtet, denn es ging darum, eine vollst&#228;ndige Darstellung davon vorzulegen. Doch es ist offensichtlich &#8211; oder sollte es zumindest sein &#8211;, dass eine Theorie, die ihren Zenit &#252;berschritten hat, nicht auf unbestimmte Zeit &#8222;aktuell&#8220; bleiben kann, auch wenn sie sich als f&#228;hig erweist, den Vergleich mit noch &#228;lteren Theorien, die problemlos weiter zirkulieren und ihre eigene &#8222;G&#252;ltigkeit&#8220; einfordern k&#246;nnen, weil sie zu zeitlosen &#8222;Klassikern&#8220; geworden sind, nicht scheuen zu m&#252;ssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf jeden Fall hoffe ich, dass es verst&#228;ndlich geworden ist, dass der gemeinsame Nenner der durch die Ultralinke unternommenen Br&#252;che nichts anderes war als eine konstante &lt;i&gt;Historisierung&lt;/i&gt; &#8211; ausgehend von der Gegenwart, die ihr Los war &#8211; des Werdegangs der kommunistischen Bewegung, stets verbunden mit der entsprechenden kapitalistischen Entwicklungsstufe und einer konstanten kritischen Pr&#252;fung der G&#252;ltigkeit und des Inhalts ihres theoretischen Arsenals.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schliesslich m&#246;chte ich pr&#228;zisieren, dass ich hier das Konzept der Ultralinken in einem engen Sinne benutzt habe &#8211; im Gegensatz zum Beispiel zur Art und Weise, wie es h&#228;ufig von der Gruppe Th&#233;orie communiste benutzt wird &#8211; und mich auschliesslich auf &lt;i&gt;Invariance&lt;/i&gt; (1. Serie), N&#233;gation, Le Voyou, Intervention communiste und Le Mouvement communiste bezogen habe. Wie die Mehrheit jener, welche &#252;ber die Ultralinke geschrieben haben, denke ich jedoch, dass es wichtig ist, zu betonen, dass die Situationistische Internationale (die einen starken Einfluss auf die Ultralinke w&#228;hrend der Periode 1972-1974 hatte) sozusagen einen Fuss in der T&#252;r und einen draussen hatte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;12. November 2023&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Federico Corriente&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=21186&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Karl Marx, &lt;i&gt;Das Kapital. Kritik der politischen &#214;konomie. Dritter Band. Buch III: Gesamtproze&#223; der kapitalistischen Produktion&lt;/i&gt; (1894) in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 25, 1964, S. 412.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In den letzten Jahren haben mehrere Autoren die Intensit&#228;t des Austausches von Ideen, Texten und Kampferfahrungen zwischen den radikalen Milieus in Detroit und Italien w&#228;hrend den 1960er Jahre hervorgehoben. Die Gruppe Correspondence &#8211; den Namen, der sich ab 1951 die Johnson-Forest-Tendenz, wovon zahlreiche Mitglieder in Detroit lebten, gegeben hatte &#8211; hatte einen betr&#228;chtlichen Einfluss auf den Operaismus durch den Text von 1947 &#8222;The American Worker&#8220; von Paul Romano und Grace Lee, den Danilo Montaldi ausgehend von der in &lt;i&gt;Socialisme ou barbarie&lt;/i&gt; erschienenen franz&#246;sischen Version zwei Jahre sp&#228;ter &#252;bersetzte und der einer der Inspirationsquellen f&#252;r die operaistische &#8222;militante Untersuchung&#8220; Romano Alquatis war. Der Operaist Ferrucio Gambino (der 1967 eine Reise nach Detroit und in andere Teile der USA unternahm) seinerseits erm&#246;glichte den Besuch des Automobilarbeiters und ehemaligen Mitglieds von Correspondence James Boggs &#8211; der mit der Ver&#246;ffentlichung der italienischen &#220;bersetzung von The American Revolution. Pages from a Negro Worker's Notebook (1963) zusammenfiel &#8211; f&#252;r zahlreiche Konferenzen in ganz Italien zusammen mit seiner Frau Grace Lee-Boggs, Mitbegr&#252;nderin der Johnson-Forest-Tendenz.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Von mir unterstrichen, F. C.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In &lt;i&gt;Le Mouvement communiste&lt;/i&gt; (Champ Libre, 1972) von Jean Barrot (Gilles Dauv&#233;) kann man Folgendes lesen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Entwicklung der USA liess sehr bedeutende &#8218;Inseln&#8216; der Unterentwicklung entstehen und unterhielt sie. Diverse Gruppen und Minderheiten sind nicht in die amerikanische Gesellschaft integriert und leben am Rande der eigentlichen Arbeiterklasse, entweder im Elend als fast permanente Arbeitslose oder besch&#228;ftigt mit wenig produktiven und schlecht bezahlten T&#228;tigkeiten (Kleinbauern, Landwirtschaftsarbeiter). Aber seit dem Krieg ver&#228;ndert die wirtschaftliche Entwicklung das Problem und vor allem seit einigen Jahren mit der Automatisierung, die hunderte von Millionen Arbeiter in der Produktion &#252;berfl&#252;ssig macht [&#8230;] Ihre Auswirkungen sind allerdings bereits sp&#252;rbar, besonders unter den schwarzen Arbeitern, die zuvorderst vom Ausschluss der Produktion bedroht sind.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In einer Fussnote zitiert Dauv&#233; explizit das Buch von Boggs als Quelle und betont im &#220;brigen, dass das Problem &#8222;von den &#8218;Revolution&#228;ren&#8216; nicht ernsthaft dargestellt worden ist, ausser von der italienischen Linken in ihrer Studie der Manuskripte von 1857-1858&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Le Mouvement communiste&lt;/i&gt;, Nr. 3, Juli 1972, &lt;a href=&#034;https://archivesautonomies.org/spip.php?article572&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;hier&lt;/a&gt; online verf&#252;gbar.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die anscheinende Ausnahme, welche die konstant und ununterbrochen zirkulierenden Texte von Barrot/Dauv&#233; darstellen, ist es nicht wirklich. Mit Ausnahme seiner Schriften in der Periode 1972-1973, in welchen der &#8222;Bruch&#8220; sehr sichtbar ist, widmete er sich nach dem Debakel von 1973 Projekten wie La Gauche communiste en Allemagne 1918-1921 (1976) oder &lt;i&gt;&#8222;Bilan&#8220;&lt;/i&gt;. Contre-r&#233;volution en Espagne 1936-1939 (1979), welche die Neolinkskommunisten nicht pauschal zur&#252;ckweisen konnten, ohne sich ins eigene Knie zu schiessen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Jean-Yves B&#233;riou, &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Revolutionare-Theorie-und&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Revolution&#228;re Theorie und historische Zyklen&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Contre-interpr&#233;tation du &#8218;Contre-planning&#8216; dans l'atelier&#8220; in &lt;i&gt;ICO&lt;/i&gt;, Nr. 118, Juni 1972, S. 3, reproduziert in &lt;i&gt;Rupture dans la th&#233;orie de la r&#233;volution&lt;/i&gt;, Marseille, Senonevero, 2003, S. 318.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;http://archivesautonomies.org/spip.php?article438&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Lip et la contre-r&#233;volution autogestionnaire&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;James Boggs, &lt;a href=&#034;https://www.historyisaweapon.com/defcon1/amreboggs.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;The American Revolution&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, 1963.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Contre-interpr&#233;tation du &#8218;Contre-planning&#8216; dans l'atelier&#8220;, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 28.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;ICO&lt;/i&gt;, Nr. 121, November 1972.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 29.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es ist kein Zufall, dass das 1974 von Henri Simon verfasste &lt;a href=&#034;http://cras31.info/IMG/pdf/nouveau_mouvement_liaison-no26.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Gr&#252;ndungsmanifest&#8220; der Gruppe &#201;changes et mouvement&lt;/a&gt; &#8211; eine direkte Erbin ihrer Vorg&#228;ngerorganisation, der r&#228;tekommunistisch-arbeiterorientierten Gruppierung ICO &#8211; den Titel &#8222;neue Bewegung&#8220; und nicht &#8222;neue &lt;i&gt;Arbeiterbewegung&lt;/i&gt;&#8220; tr&#228;gt. Daneben bietet der Text eine hervorragende Zusammenfassung der &#8222;neuen&#8220; Ideen der Gruppe, die der Autor auf heimt&#252;ckische Art und Weise jenen der Ultralinken entgegenstellt, letztere unterscheidet er kaum vom Rest der &#8222;avantgardistischen&#8220; Tendenzen, die &#8222;versuchen&#8220;, sich der neuen Welt &#8222;der Autonomie anzupassen&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es sei bemerkt, mit welcher Leichtigkeit Henri Simon die &#8222;aktivistische Str&#246;mung&#8220; der Ultralinken und von ihm &#8222;sowohl in den Analysen als auch in den Konzeptionen der Organisation&#8220; traditionalistisch genannte Gruppen unter dem Vorwand vermischt, es handle sich um &#8222;Gruppen, die Teil der avantgardistischen Ideologie sind&#8220;. Die &#8222;wiederauferstandenen Bolschewisten&#8220; wie R&#233;volution internationale/IKS z&#246;gern ihrerseits auch nicht, die (als &#8222;modernistische&#8220; Str&#246;mung bezeichnete) Ultralinke und die R&#228;tekommunisten auf der Grundlage einer angeblichen gemeinsamen Organisationsfeindlichkeit zu vermischen (siehe zu diesem Thema &lt;a href=&#034;http://archivesautonomies.org/IMG/pdf/ico/supplement/ico-unpointdevue.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;ICO : un point de vue&#8220;&lt;/a&gt; von Henri Simon; Internationale kommunistische Tendenz, &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/disappointed-1968-seeking-refuge-utopia&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Dissappointed of 1968: Seeking Refuge in Utopia&#8220;&lt;/a&gt;, &#8222;Critique des soi-disant &#8218;communisateurs&#8216;&#8220; Teil &lt;a href=&#034;https://fr.internationalism.org/content/10877/critiques-des-soi-disant-communisateurs-i-introduction-a-serie&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;1&lt;/a&gt; und &lt;a href=&#034;https://fr.internationalism.org/content/10878/critique-des-soi-disant-communisateurs-ii-du-gauchisme-au-modernisme-mesaventures&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;2&lt;/a&gt;).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;http://www.mondialisme.org/spip.php?article1025&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;ICO et l'IS &#8211; Retour sur les relations entre Informations correspondance ouvri&#232;res et l'Internationale situationniste&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Barrot/Dauv&#233; damals eingeschlossen, er benutzte den Begriff in der Mehrheit seiner Schriften dieser Zeit, bevor er ihn ohne Erkl&#228;rung aufgab. Zur &#8222;Abrechnung&#8220; &#8211; wenn man es so nennen kann &#8211; Dauv&#233;s mit der Unterscheidung formelle/reelle Herrschaft kam es erst 2004 in einer &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/correspondence-between-parts-riff-raff-collective-and-gilles-dauve-aka-jean-barrot&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Antwort auf einen Brief der schwedischen Zeitschrift Riff-Raff zur Frage&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Jean-Yves B&#233;riou, &lt;i&gt;Revolution&#228;re Theorie und historische Zyklen&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Le prol&#233;tariat comme destructeur du travail&#8220; in &lt;a href=&#034;https://archivesautonomies.org/IMG/pdf/gauchecommuniste/gauchescommunistes-ap1952/negation/negation-n01.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;N&#233;gation&lt;/i&gt;, Nr. 1&lt;/a&gt;, S. 15.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Von mir unterstrichen, F. C.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;C. L. R. James, F. Forest, Ria Stone, The Invading Socialist Society, Bewick/Ed, Detroit 1972, S. 13-15.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Das Problem war &#252;berhaupt nicht (wie es alle angesagten Ideologien damals behaupteten), dass diese Arbeiterklasse integriert war: Diese Arbeiterklasse war schlichtweg unterworfen und beherrscht durch extrem heftige Formen der Repression, Formen, die [&#8230;] nicht ausserhalb der Arbeitsweise standen, sondern sie waren vollst&#228;ndig Teil des Produktionsprozesses.&#8220; Toni Negri, Del obrero-masa al obrero social, Anagrama, Barcelona, 1980.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb23&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh23&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 23&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;23&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;C. L. R. James und Konsorten hatten es verstanden, indem sie zum Beispiel zeigten, dass nichts am stalinistischen Ph&#228;nomen besonders &#8222;russisch&#8220; war, sondern es Teil eines breiteren Prozesses war, der sich weltweit abspielte:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die beste Art und Weise, diese Parteien zu verstehen, ist die Erkenntnis, dass, auch wenn das stalinistische Russland nie existiert h&#228;tte und die proletarische Revolution verschoben worden w&#228;re, eine &#228;hnliche politische Formation wie die stalinistischen Parteien entstanden w&#228;re.&#8220; The Invading Socialist Society.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit anderen Worten, diese Parteien waren weder &#8222;Werkzeuge des Kremls&#8220; noch eine Neuauflage der klassischen Sozialdemokratie, sondern allen voran &#8222;ein Produkt der Arbeit und des Kapitals auf dieser Stufe&#8220; (&lt;i&gt;Notes on Dialectics&lt;/i&gt;). Und obwohl, gem&#228;ss James, ihre Rolle hinsichtlich der Arbeiterklassen der entwickeltesten L&#228;nder schon obsolet geworden ist, beh&#228;lt sie ihre G&#252;ltigkeit f&#252;r L&#228;nder, wo die Dekolonialisierung und der Zugang zu einer &#8222;normalen&#8220; kapitalistischen Entwicklung noch ausstehend sind.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb24&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh24&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 24&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;24&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ich behaupte nicht, dass diese Zitate die &#8222;Organisationskonzeptionen&#8220; C. L. R. James' zusammenfassen, und noch weniger, dass seine Praxis ein genauer Widerschein seiner Konzeptionen war, aber ich zeige auf, dass er in seinen &#220;berlegungen zur Frage zu Grenzen gedr&#228;ngt worden ist, die sp&#228;ter von der franz&#246;sischen Ultralinken er&#246;rtert worden sind. Gest&#252;tzt auf eine zus&#228;tzliche Erfahrung von mehr als einem halben Jahrhundert hat Roland Simon ein viel klarere und abschliessendere Antwort auf die Frage:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;[D]as Auftauchen der Klasse, die Bewegung der Revolution als Affirmation der Klasse, kann gegen&#252;ber dem Kapital &#8218;kapitalisiert&#8216;, formalisiert; in einem Wort, organisiert werden [&#8230;] [D]ie Negation des Proletariats kann nie eine stabile Form erlangen [...]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann revolution&#228;re Arbeiter gruppieren, vereinen und radikalisieren, wenn es unmittelbar die Tatsache ist, ein produktiver Arbeiter zu sein, d.h. seine eigene Existenz in der kapitalistischen Produktionsweise, die unmittelbar als revolution&#228;res Wesen gesetzt wird; man kann hingegen weder nach einem Krawall eine Organisation der Krawallmacher gruppieren noch wilde Streikende, welche die Arbeit verweigern als &#8218;wilde Streikende, welche die Arbeit verweigern&#8216;. Eine Organisation der Saboteure von Lordstown kann nicht existieren. Wenn Pl&#252;nderer der amerikanischen Ghettos Organisationen bilden, dann tun sie das, um &lt;i&gt;Politik&lt;/i&gt; zu machen oder eine grundlegende &#8218;Wohlfahrt&#8216; zu organisieren; wenn die Saboteure von Lordstown sich ausserhalb ihrer Praxis selbst organisieren, dann tun sie es, um &lt;i&gt;gewerkschaftlich&lt;/i&gt; aktiv zu sein.&#8220; Siehe Fondements critiques d'une th&#233;orie de la r&#233;volution, Marseille, Senonevero, 2001, S. 566.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb25&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh25&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 25&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;25&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Facing Reality, 1958, S. 89.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb26&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh26&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 26&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;26&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es ist angebracht, diesbez&#252;glich zu anerkennen, dass die Gruppe Correspondence &#8211; deren Mitglied Boggs bis 1962 war &#8211; schon vor ihm zu diesem Schluss gekommen war: &#8222;Das Konzept einer &#220;bergangsphase hin zum Sozialismus von Marx und Lenin hat ebenfalls heutzutage in den fortgeschrittenen L&#228;ndern keinen Sinn mehr.&#8220; &lt;i&gt;Facing Reality&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 98.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb27&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh27&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 27&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;27&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Lip et la contre-r&#233;volution autogestionnaire&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb28&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh28&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 28&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;28&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;http://archivesautonomies.org/IMG/pdf/gauchecommuniste/gauchescommunistes-ap1952/invariance/1re-serie/invariance-serie1-n08.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Transition&#8220;&lt;/a&gt;, 1969.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb29&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh29&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 29&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;29&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F. Santini, &lt;a href=&#034;https://www.pdf-archive.com/2017/09/29/francesco-santini-apocalipsis-y-supervivencia-1994/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Apocalipsis y supervivencia&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, S. 43.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb30&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh30&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 30&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;30&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Von mir unterstrichen, F. C.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb31&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh31&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 31&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;31&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Notes on Dialectics&lt;/i&gt;, op. cit., S. 172-176.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb32&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh32&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 32&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;32&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Von mir unterstrichen, F. C.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb33&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh33&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 33&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;33&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Das Proletariat ist ein &lt;i&gt;politisches&lt;/i&gt; Konzept. Alle Wirtschaftswissenschaftler und Soziologen k&#246;nnen dar&#252;ber debattieren, was die kapitalistische Produktionsweise, die produktive Arbeit oder sogar die Arbeiterklasse ist. Das Konzept des Proletariats ist etwas anderes. Man kann zurecht die Widerspr&#252;che der kapitalistischen Produktionsweise als Tr&#228;ger seiner &#220;berwindung betrachten, aber diese Aussage bedeutet sogleich eine besondere gesellschaftliche und politische Positionierung innerhalb dieser Widerspr&#252;che, und nicht ihre einfache Anerkennung. Deshalb ist das Konzept immer intuitiv benutzt worden und kein einfaches Synonym der Arbeiterklasse, was auch immer die Vorbehalte gegen&#252;ber letzterem Begriff sein m&#246;gen.&#8220; &#8222;Contribution &#224; la th&#233;orie des classes&#8220; in &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;, Nr. 27, S. 288.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb34&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh34&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 34&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;34&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://archivesautonomies.org/IMG/pdf/gauchecommuniste/gauchescommunistes-ap1952/negation/verre-eau-de-vichy.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;L'anti-fascisme dans un verre d'eau de Vichy&#8220;&lt;/a&gt;, S. 7.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb35&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh35&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 35&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;35&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Prol&#233;taires et communistes&#8220; in &lt;i&gt;Bulletin communiste&lt;/i&gt;, Beilage zur Nr. 1 von &lt;i&gt;Intervention communiste&lt;/i&gt;, Februar 1973, reproduziert in &lt;i&gt;Rupture dans la th&#233;orie de la r&#233;volution&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 439-450.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb36&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh36&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 36&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;36&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://archivesautonomies.org/spip.php?article1077&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Bilan critique du Voyou&#8220;&lt;/a&gt;, Paris, September 1973.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb37&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh37&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 37&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;37&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Les classes&#8220; in &lt;i&gt;Intervention communiste&lt;/i&gt;, Nr. 2, Dezember 1973, reproduziert in &lt;i&gt;Rupture dans la th&#233;orie de la r&#233;volution&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 451-462.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb38&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh38&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 38&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;38&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;L'anti-fascisme dans un verre d'eau de Vichy&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 16-17.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb39&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh39&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 39&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;39&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Prol&#233;taires et communistes&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 442.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb40&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh40&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 40&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;40&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 441.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb41&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh41&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 41&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;41&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Jean-Yves B&#233;riou, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb42&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh42&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 42&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;42&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die italienische Bewegung von 1977 hatte eine besondere Lesart des &#8222;Drangs nach Kommunismus&#8220; (schon latent in den Texten von Le Mouvement communiste), gem&#228;ss welcher der &#8222;Motor&#8220; dieses Drangs nicht das Elend (im weitesten Sinne des Begriffs) sei, sondern die Entwicklung des Drangs nach &#8222;gr&#246;sster Produktivkraft&#8220;, und zwar die revolution&#228;re Klasse, die zu &#8222;reich&#8220; sei, um ins Verh&#228;ltnis Kapital-Arbeit zur&#252;ckgef&#252;hrt zu werden, und deshalb dazu tendiere, dieses Verh&#228;ltnis explodieren zu lassen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb43&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh43&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 43&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;43&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://archivesautonomies.org/spip.php?article574&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;R&#233;volutionnaire ? (notes sur la subversion)&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Le Mouvement communiste&lt;/i&gt;, Nr. 4.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb44&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh44&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 44&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;44&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;L'anti-fascisme dans un verre d'eau de Vichy&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 4.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb45&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh45&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 45&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;45&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Les classes&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;, S. 453 und 461.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Die Ladenschl&#252;ssel [zu den vorgezogenen Parlamentswahlen in Frankreich]</title>
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		<dc:subject>Frankreich</dc:subject>
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&lt;p&gt;Dieses Flugblatt, inspiriert vom Text hier, wurde gestern Samstag [06.07.24] in Marseille geschrieben und verteilt. &lt;br class='autobr' /&gt;
Der Hauptfeind? &lt;br class='autobr' /&gt;
Der Rassemblement national (RN) ist die erste Partei f&#252;r Arbeiter, Angestellte und Arbeitslose, wir werden uns ihr dennoch nicht anschliessen und uns noch weniger dar&#252;ber freuen. Aber wir schauen die Dinge an, wie sie sind: Die Proletarier sind weder abgelenkt noch manipuliert worden. &lt;br class='autobr' /&gt;
Der Kampf gegen den &#8222;extremen Rechtsrutsch&#8220; eines grossen Teils der (...)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

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&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Theorie-communiste" rel="tag"&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Stimmen-aus-den-Kampfen" rel="tag"&gt;Stimmen aus den K&#228;mpfen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Gender" rel="tag"&gt;Gender&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Frankreich" rel="tag"&gt;Frankreich&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Gelbwesten" rel="tag"&gt;Gelbwesten&lt;/a&gt;

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 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/souverain-scaled.webp?1720900802' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='84' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Dieses Flugblatt, inspiriert vom Text &lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=21431&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;hier&lt;/a&gt;, wurde gestern Samstag [06.07.24] in Marseille geschrieben und verteilt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Hauptfeind?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Rassemblement national (RN) ist die erste Partei f&#252;r Arbeiter, Angestellte und Arbeitslose, wir werden uns ihr dennoch nicht anschliessen und uns noch weniger dar&#252;ber freuen. Aber wir schauen die Dinge an, wie sie sind: Die Proletarier sind weder abgelenkt noch manipuliert worden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kampf gegen den &#8222;extremen Rechtsrutsch&#8220; eines grossen Teils der Arbeiterklassen &#252;berall in der westlichen Welt und ihren Nationalismus &#252;berall auf der Welt kann nicht im Namen einer Verblendung oder eines &#8222;Irrtums&#8220; gef&#252;hrt werden. Wenn der RN zum Hauptfeind geworden ist, dann nur getragen durch &#8222;gew&#246;hnliche&#8220; Politiken und Massnahmen der Rechten oder Linken, welche die Ausbeutung verst&#228;rkt, die Lage der Arbeitslosen und Rentner angegriffen, die &#8222;Ausl&#228;nder&#8220; egal welcher Nationalit&#228;t &#8222;gek&#228;rchert&#8220; haben. Diese Politiken haben aus dem RN jene Partei gemacht, welche in der Lage ist, eine sowohl ertr&#228;umte als auch nationale &#8222;Arbeiterw&#252;rde&#8220; zu repr&#228;sentieren. Und so ist der RN zum politischen Ausdruck dieser &#8222;W&#252;rde&#8220; geworden, indem er eine effiziente nationale Identit&#228;t propagiert, gen&#228;hrt vom &#8222;Gef&#252;hl des Niedergangs&#8220;, dem Rassismus und der Staatsb&#252;rgerschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Linke?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die linken politischen Kr&#228;fte waren mehrheitlich nicht die Aufnahmebeh&#228;lter f&#252;r diese &#8222;Arbeiterw&#252;rde&#8220;, die &#8222;Deklassierung&#8220;, die &#8222;Unzufriedenheit&#8220; und den mit F&#252;ssen getretenen &#8222;Wert der Arbeit&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um Zugang zur Macht zur erhalten, haben sich diese Kr&#228;fte auf die Mittelklassen mit starkem intellektuellem (universit&#228;rem) Kapital gest&#252;tzt, so sind sie zu den zentralen Ideologen und Akteuren der Globalisierung der Wirtschaft in den 1990er-2000er Jahren geworden. Delors war Pr&#228;sident der Europ&#228;ischen Kommission, Lamy der WTO, Strauss-Kahn des IWF. Diese Kr&#228;fte waren die Agenten aller mit der weltweiten Ausbeutung der Arbeitskraft verbundenen Ungerechtigkeiten, in bester Eintracht mit den gew&#246;hnlichen rechten Parteien.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;berall verst&#228;rkt sich der Protektionismus, auch milit&#228;risch, die neuen Formen der Globalisierung werden allem Anschein nach handfest und holprig sein. Wenn in der gegenw&#228;rtigen Krise der Globalisierung die Nation und die Staatsb&#252;rgerschaft als &#8222;Festung&#8220; und als &#8222;nat&#252;rlicher&#8220; Rahmen f&#252;r die K&#228;mpfe und die &#8222;Unzufriedenheit&#8220; erscheinen, so sind die Rechte und die extreme Rechte insofern viel glaubw&#252;rdiger, als sie das nationale Thema erstarren lassen, indem sie es kulturell ethnisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Ladenschl&#252;ssel &#252;berlassen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zwischen den &#8222;Patrioten&#8220; und den &#8222;Globalisten&#8220; (um die Begriffe des RN zu &#252;bernehmen) sind die &#8222;Globalisten&#8220; unter gewissen Bedingungen bereit, die Ladenschl&#252;ssel den &#8222;Patrioten&#8220; zu &#252;berlassen, insoweit als sie die Krise der Globalisierung verwalten werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nachdem sie all ihre Themen aufgenommen haben, spielen die herrschenden Klassen mit ihren verschiedensten Fraktionen &#8211; die solide verankerte Grossbourgeoisie, die neuen milliardenschweren F&#252;hrer der Tech-Industrie, das Finanzkapital, die Multinationalen der Industrie &#8211; die Karte der extremen Rechten als Instrument einer nationalistischen Politik gegen&#252;ber der Krise der Globalisierung, indem ihr &#8222;Programm&#8220; abgemildert und angepasst wird (siehe Italien, Schweden, Niederlande u.a.). Aber vor allem ist die extreme Rechte der Ausdruck des verwirklichten Monopols auf &#8222;die Volksopposition&#8220;, indem sie &#8222;das Volk&#8220; im Namen der Nation in der Restrukturierung der Globalisierung bindet und mobilisiert. Wenn die Verheerungen dieser Restrukturierung sich zeigen werden, wird sie mutmasslich am besten dazu in der Lage sein, die K&#228;mpfe zu kontrollieren und sie in die schlimmsten Richtungen zu lenken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Nationalstaat betritt wieder die B&#252;hne, sowohl f&#252;r die herrschende Klasse als auch f&#252;r die ausgebeuteten Klassen, die in diesem nationalisierten Kontext in die Politik der herrschenden Klassen selbst verwickelt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Hegemonie und Monopol auf K&#228;mpfe?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit dem Zerfall der &#8222;Arbeiterbewegung&#8220;, ihrer Instanzen und Institutionen ist die repr&#228;sentative Demokratie zusammengebrochen. Die &#8222;Proteststimmen&#8220; des Beginns der 2000er Jahre sind nicht verschwunden, doch sie sind in den 2010er und 2020er Jahren zu einer Zustimmung geworden. Das zeigt sich in Form der &#8222;nationalen Werte&#8220; und der Republik, an welchen sich alle berauschen, indem sie sie alle mit leicht unterschiedlichen Inhalten f&#252;llen, die herrschende Klasse hat eine Art Monopol auf die Klassenwiderspr&#252;che im Zusammenhang mit allen Massnahmen, die sie gegen&#252;ber den beherrschten Klassen (in erster Linie die aktive oder arbeitslose Arbeiterklasse) ergreift, und den damit verbundenen Reformen, indem sie auf der Welle der rassialisierten Arbeitsteilung reitet. Mit der Nation besteht die Hegemonie der herrschenden Klasse darin, den beherrschten Klassen die Begriffe selbst ihrer Opposition aufzuzwingen. Dieser mittlerweile unausweichliche Rahmen, der die nationale Identit&#228;t darstellt, bearbeitet vom Klassenkampf, geht jedoch unterschiedslos von der &#8222;nationalen Souver&#228;nit&#228;t&#8220; zur &#8222;Volkssouver&#228;nit&#228;t&#8220; &#252;ber. Erinnern wir uns an die Gelbwesten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was das Monopol auf den von ihr ausgel&#246;sten Widerspruch f&#252;r die herrschende Klasse untergr&#228;bt, ist die Tatsache, dass das &#8222;souver&#228;ne Volk&#8220; nicht &#8222;eins&#8220; ist. Der materielle Rahmen dieser &#8222;Souver&#228;nit&#228;t&#8220; ist nicht die Politik, sondern das allt&#228;gliche Leben. In ihrer &#8222;Einzigkeit&#8220; wird die Souver&#228;nit&#228;t vom Preis der Joghurts, der Polizeigewalt, dem mit den Ausbeutungsbedingungen gleichbedeutenden Chaos der Spaltungen aufgerieben. Und in seinem allt&#228;glichen Leben, wenn seine Kaufkraft zusammenbricht, hat das &#8222;souver&#228;ne Volk&#8220; Zweifel bez&#252;glich seiner &#8222;Souver&#228;nit&#228;t&#8220;. Was das &#8222;souver&#228;ne Volk&#8220; ebenfalls untergr&#228;bt, ist die Tatsache, dass sich an seinen R&#228;ndern, aber sehr nahe, konstant die rassialisierten und &#252;bersch&#252;ssigen Bev&#246;lkerungen befinden, sie sind die konstante und lebendige Proklamation der &#8222;Unwirklichkeit&#8220; seiner Existenz als &#8222;souver&#228;nes Volk&#8220; und erinnern es daran.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das &#8222;souver&#228;ne Volk&#8220; des Nationalismus der extremen Rechten hat noch ein anderes Problem: Die Heftigkeit seines Antifeminismus und seiner Homophobie schreckt auch vor einem Verbot des Rechts auf Abtreibung nicht zur&#252;ck. Nat&#252;rlich schl&#228;gt der RN leisere T&#246;ne an, aber das gilt nicht f&#252;r die Fratelli d'Italia oder die Liga in Italien, auch nicht f&#252;r die Vox in Spanien oder die AfD in Deutschland. Der Nationalismus mag die Frauen an ihrem Platz und somit den Feminismus nicht. Der Nationalismus muss eine homogene nationale Identit&#228;t hervorbringen, die schwierig in diesen Mechanismus integrierbaren Ausl&#228;nder oder Frauen m&#252;ssen entweder zur&#252;ckgewiesen oder unsichtbar gemacht werden. Es waren die Mobilisierungen der Frauen, die weitgehend dazu beigetragen haben, die Mehrheitsverh&#228;ltnisse in Polen umzudrehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nur gegen den Islam beruft sich der Nationalismus auf die Freiheit der Frauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der RN, eine Falle?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn die Besonderheiten der Politik der extremen Rechten, ihr Rassismus, die physische und materielle Gefahr f&#252;r all jene, welche nicht die richtige Hautfarbe haben, bek&#228;mpft werden m&#252;ssen, dann muss dabei die Tatsache betont werden, dass sie der Ausdruck der Gesamtheit der herrschenden (wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, ideologischen, administrativen und politischen) Klasse sind. Einfach gegen den RN zu sein, bedeutet, in die &#8222;Falle&#8220; des Monopols und der Hegemonie zu geraten. Genau in diesem Monopol k&#246;nnen jedoch schnell die Widerspr&#252;che auftauchen: die im Volk verbreitete Entt&#228;uschung gegen&#252;ber dem von der herrschenden Klasse zur Schau getragenen und praktizierten Nationalismus, der letztendlich zwingend f&#252;r das &#8222;Volk&#8220; eine Dimension der sozialen Katastrophe annehmen wird; das unm&#246;gliche Ausblenden jener, welche als rassisch &#8222;anders&#8220; designiert werden, und die An-/Abwesenheit der Frauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das &#8222;souver&#228;ne Volk&#8220;, das von diesen grundlegenden Widerspr&#252;chen durchdrungen ist, kann explodieren und viele &#220;berraschungen bereithalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mehr dazu: siehe die Homepage &lt;a href=&#034;https://dndf.org/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Des nouvelles du front&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=21431#comment-626485&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Emilio Minassian - Gaza: &#8222;Eine extreme Militarisierung des Klassenkrieges in Israel-Pal&#228;stina&#8220;</title>
		<link>https://www.kommunisierung.net/Gaza-Eine-extreme-Militarisierung-des-Klassenkrieges-in-Israel-Palastina</link>
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		<dc:date>2024-02-16T17:22:49Z</dc:date>
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		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>


		<dc:subject>Bericht/Analyse</dc:subject>
		<dc:subject>&#220;bersetzungen</dc:subject>
		<dc:subject>Jihadismus</dc:subject>
		<dc:subject>Emilio Minassian</dc:subject>
		<dc:subject>Israel/Pal&#228;stina</dc:subject>

		<description>
&lt;p&gt;&#8222;Auf dieser Eskalationsstufe ist das Ziel des Krieges, die &#252;bersch&#252;ssigen Proletarier im Gazastreifen im Bombenhagel zu ertr&#228;nken, ohne einen anderen Zweck, als sie zu &#8218;beruhigen&#8216;, die Hierarchie, welche die menschlichen Gruppen in dieser Region der Welt trennt, in Erinnerung zu rufen. Ein Hund beisst, man schlachtet das Rudel.&#8220; &lt;br class='autobr' /&gt;
Interview mit Emilio Minassian, 30. Oktober 2023. &lt;br class='autobr' /&gt;
1. &lt;br class='autobr' /&gt;
Du interessierst dich schon lange f&#252;r das, was in Pal&#228;stina geschieht, ohne jedoch ein (...)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

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&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Bericht-Analyse" rel="tag"&gt;Bericht/Analyse&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Jihadismus" rel="tag"&gt;Jihadismus&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Emilio-Minassian" rel="tag"&gt;Emilio Minassian&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Israel-Palastina" rel="tag"&gt;Israel/Pal&#228;stina&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/the_battle_of_gaza_312_bce.webp?1708104027' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='101' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;&#8222;Auf dieser Eskalationsstufe ist das Ziel des Krieges, die &#252;bersch&#252;ssigen Proletarier im Gazastreifen im Bombenhagel zu ertr&#228;nken, ohne einen anderen Zweck, als sie zu &#8218;beruhigen&#8216;, die Hierarchie, welche die menschlichen Gruppen in dieser Region der Welt trennt, in Erinnerung zu rufen. Ein Hund beisst, man schlachtet das Rudel.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Interview mit Emilio Minassian, 30. Oktober 2023.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Du interessierst dich schon lange f&#252;r das, was in Pal&#228;stina geschieht, ohne jedoch ein propal&#228;stinensischer Aktivist zu sein. Was hat eine an der Revolution orientierte Kritik zu dem, worum es dort geht, zu sagen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Erstens w&#252;rde ich sagen, dass man sich bewusst sein sollte, dass es nicht zwei Lager gibt, ein pal&#228;stinensisches und ein israelisches. Diese Leute leben in ein und demselben Staat und sind Teil einer gleichen Volkswirtschaft. Innerhalb dieses gleichen, sagen wir israelisch-pal&#228;stinensischen Ganzen &#8211; das jedoch vollst&#228;ndig von Israel abh&#228;ngig ist &#8211; stehen die gesellschaftlichen Klassen nicht nur in Zusammenhang mit Unterschieden des rechtlichen Status auf der Grundlage ethnisch-religi&#246;ser Kriterien, sondern sie sind &#8222;in Zonen eingeteilt&#8220;. Der Gazastreifen hat sich zunehmend in ein &#8222;Reservat-Gef&#228;ngnis&#8220; verwandelt, wo zwei Millionen Proletarier eingepfercht und an den Rand des israelischen Kapitals gedr&#228;ngt worden sind. Doch letzteres bleibt in letzter Instanz ihr Meister. Die Bewohner des Gazastreifens benutzen die israelische W&#228;hrung, konsumieren israelische Waren und haben Identit&#228;tskarten, die von Israel ausgestellt worden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der gegenw&#228;rtige &#8222;Krieg&#8220; entspricht in Tat und Wahrheit einer extremen Militarisierung des Klassenkrieges.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein &#8222;Land f&#252;r zwei V&#246;lker&#8220;, diese Sichtweise auf die Situation in Israel-Pal&#228;stina ist abwegig. Nirgends auf der Welt geh&#246;rt das Land den V&#246;lkern. Es geh&#246;rt den Eigent&#252;mern. All das mag sehr theoretisch erscheinen, aber die blosse Existenz der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse verweist diese Idee der &#8222;Lager&#8220; an jene, welchen sie zugeh&#246;rt: die Anf&#252;hrer.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Fl&#252;chtlingslager im Westjordanland, die man als das schlagende Herz &#8222;Pal&#228;stinas&#8220; betrachten k&#246;nnte, sind weiterhin die Vorst&#228;dte Tel Avivs. W&#228;hrend ganzen Abenden h&#246;rte ich Tagesarbeitern eines der Lager zu, wie sie davon erz&#228;hlten, wie sich die Ethnisierung der Arbeitskraft auf den Baustellen der israelischen Hauptstadt ausbreitete: die j&#252;disch-aschkenasischen Bautr&#228;ger, die pal&#228;stinensischen Anbieter von 1948 f&#252;r den Durchgang der Arbeitskraft der besetzten Gebiete, die ebenfalls arabischsprachigen j&#252;disch-sephardischen Vorarbeiter usw. Und dann all die anderen importierten Proletarier: die Thail&#228;nder, die Chinesen und die Afrikaner, deren Situation, ohne Papiere, in Wirklichkeit am schlimmsten ist. All das kann sich nicht durchmischen, denn jede Gruppe hat einen unterschiedlichen Status und eine unterschiedliche Stellung in den Produktionsverh&#228;ltnissen. Doch diese Welten sind nicht por&#246;s, sie sind ineinander verschachtelt, sie schauen sich an, kennen sich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dutzende Thail&#228;nder, die rund um den Gazastreifen in der Landwirtschaft ausgebeutet werden, sind von der Hamas get&#246;tet und entf&#252;hrt worden. Anderen wird nun von den israelischen Chefs ihre L&#246;hne zur&#252;ckbehalten, um sie zu zwingen, in einem Kriegsgebiet zu arbeiten. Jede einigermassen konsequente Sozialkritik muss, wenn es um die Geschehnisse in Israel-Pal&#228;stina geht, auch den Standpunkt der thail&#228;ndischen Arbeiter ber&#252;cksichtigen. Dieses Land ist nicht minder daf&#252;r bestimmt, den thail&#228;ndischen Arbeiter zu geh&#246;ren als den pal&#228;stinensischen Proletariern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;L&#228;uft es nicht ein bisschen darauf hinaus, eine Schwierigkeit zu umgehen, wenn man versucht, die &#8222;nationale Frage&#8220; in Israel-Pal&#228;stina aussen vor zu lassen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Israel hat es geschafft, eine einmalige Situation in der Welt hervorzubringen: die Integration eines seinerseits ethnisierten (&#8222;j&#252;dischen&#8220;) Proletariats in den Staat gegen den Rest des Proletariats, ebenfalls ethnisiert (&#8222;arabisch&#8220;). Der israelische Staat hat die Akkumulation des &#8222;nationalen&#8220; Kapitals in einer Rekordzeit und den Import des &#8222;nationalen&#8220; Proletariats organisiert, er hat sich zum W&#228;chter &#252;ber die Existenz und die Reproduktion desselben erhoben, da es in seiner Existenz selbst durch eine andere proletarische (&#8222;pal&#228;stinensische&#8220;) Randgruppe bedroht sei. Doch wenn man die Brille des Trugbildes des &#8222;Staates als Garant der Existenz der Leute&#8220; absetzt, zeigt sich, dass das j&#252;dische Proletariat Israels eine Art Kriegsbeute in den H&#228;nden desselben darstellt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das gilt nicht aufseiten des pal&#228;stinensischen Proletariats, innerhalb welchem die Kampfdynamiken eine gewisse Autonomie bewahrt haben und auf komplexe Art und Weise mit den instrumentalen Logiken seiner nationalistischen politischen Umrahmung koexistieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es mag der Intuition widersprechen, aber ich denke, dass man die Hamas als Subunternehmer f&#252;r die Verwaltung des Proletariats im Gazastreifen betrachten muss. Wie ich es gesagt habe, letzteres ist, in letzter Instanz, vom israelischen Nationalkapital &#8222;abh&#228;ngig&#8220;. Solange dieses nicht die Entscheidung getroffen hat, die Entwicklung einer &#8222;pal&#228;stinensischen&#8220; kapitalistischen Entit&#228;t an seiner Seite zu erlauben, ist das Proletariat des Gazastreifens, sogar eingepfercht, Teil seiner Kreisl&#228;ufe. Doch diese Situation kann nicht ohne die Herausbildung einer externalisierten gesellschaftlichen Formation auskommen, die mit der Regulierung der Eingesperrten beauftragt ist &#8211; es gibt kein Gef&#228;ngnis ohne W&#228;rter.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was geschieht, ist kein interimperialistischer Krieg. Es handelt sich im Wesentlichen um eine &#8222;innere Angelegenheit&#8220;, innerhalb welcher die &#8222;nationalen&#8220; Lager eine Ablenkung darstellen. In den gegenw&#228;rtigen Ereignissen gibt es keinen proletarischen Kampf. Die gemeinsam durch die Hamas und die israelische F&#252;hrungsschicht hervorgebrachte Militarisierung der Antagonismen bringt einen &#8222;Widerstand&#8220; hervor, der nicht die geringste Logik des autonomen proletarischen Kampfes enth&#228;lt, nicht einmal ansatzweise.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist nicht ein Krieg, sondern eine Verwaltung des &#252;bersch&#252;ssigen Proletariats mit den milit&#228;rischen Mitteln des totalen Krieges seitens eines demokratischen und zivilisierten Staates, der zum zentralen Block der Akkumulation geh&#246;rt. Diese Tausenden von Toten dort scheinen meines Erachtens eine besondere Bedeutung zu haben. Sie skizzieren ein erschreckendes Bild der Zukunft &#8211; der kommenden Krisen des Kapitalismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber eine Verwaltung des &#252;bersch&#252;ssigen Proletariats durch Bombenteppiche macht das, was gegenw&#228;rtig geschieht, durch die Art und Weise, wie sie durch die Gesamtheit der zentralen Staaten der kapitalistischen Landkarte als legitim betrachtet wird, zum Teil einer globalen Offensive. In Frankreich ist dieser globale Charakter besonders auff&#228;llig: Wir sind in eine Phase eingetreten, wo sogar politische Formulierungen hinter humanistischen Losungen niedergehalten werden &#8211; sobald sie auf eine Strassenaktivit&#228;t der gef&#228;hrlichen Klassen treffen k&#246;nnten. Es gibt keinen &#8222;Import&#8220; des Konflikts. Es ist eine globale Offensive. In diesem Sinne findet der Kampf f&#252;r uns in Frankreich sehr wohl hier statt, gegen Frankreich. Wir m&#252;ssen stets unsere eigene Nation verraten, sobald es m&#246;glich ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was hat die Hamas in einer solchen Situation zu gewinnen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vor dem 7. Oktober war meine Auffassung der Situation die folgende. Einerseits eine Offensive der kolonialen &#228;usseren Rechten, zugleich um das Westjordanland zu annektieren und die Hebel der Macht des israelischen Staates an sich zu reissen. Andererseits zwei pal&#228;stinensische Staatsapparate, die nur von Renten leben und deren einziges Interesse ihre eigene Reproduktion als solche ist. Ich dachte, dass sich diese M&#228;chte in einem Verteidigungskampf bef&#228;nden und sich allen voran auf eine Konfrontation mit einem Kontrollverlust &#252;ber die von ihnen verwalteten Bev&#246;lkerungen vorbereiten w&#252;rden, sowohl im Gazastreifen als auch im Westjordanland.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;All meine Gespr&#228;chspartner im Westjordanland, seien sie linke Akademiker oder bewaffnete Subproletarier, sagten mir vor einigen Monaten: &#8222;Die Hamas unterst&#252;tzt den Widerstand vor Ort nicht. Sie denkt nur an ihre eigenen Interessen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und tats&#228;chlich verhielt sich die Hamas nicht wie eine Kampforganisation, sondern wie eine milit&#228;rische Struktur, wie ein Staat. Doch was ihre Operation besonders macht, ist die Tatsache, dass sie notwendigerweise die Perspektive einer israelischen Antwort enthielt, gegen&#252;ber welcher sie in einer Situation gewaltiger Unterlegenheit sein w&#252;rde. Die Hamas verh&#228;lt sich wie ein Staat, aber ohne die Mittel eines Staates, und sie opfert einen Teil der Interessen eines Teils ihres Apparats und ihrer gesellschaftlichen Basis im Gazastreifen in der Hoffnung, in der Zukunft mehr daf&#252;r zu erhalten. Viele Anf&#252;hrer werden ausserdem in dieser Geschichte ihr Leben verlieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Operation am 7. Oktober stellt seitens einer herrschenden Klasse ein erstaunliches Verhalten dar, das sich jedoch meines Erachtens in erster Linie durch die Widerspr&#252;che innerhalb der Hamas selbst erkl&#228;ren l&#228;sst. Es ist eine Hypothese, aber es ist nicht undenkbar, dass die Operation am 7. Oktober durch den bewaffneten Fl&#252;gel der Hamas ohne grosse Absprache mit der politischen F&#252;hrung konzipiert worden ist. (Man kann sich auch vorstellen, dass die Gr&#246;sse der &#214;ffnung in der Mauer die Planer des Angriffs selbst &#252;berrascht hat, die vielleicht urspr&#252;nglich versuchten, eine Art Selbstmordangriff auszuf&#252;hren, ohne mit einem derartigen milit&#228;rischen Zusammenbruch Israels zu rechnen, der den Weg f&#252;r umfangreiche Massaker geebnet hat.)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Operation der Hamas ist &#252;berhaupt nicht aus einem fanatischen millenaristischen Wahn entstanden. Es ist eine riskante Wette, die jedoch Fr&#252;chte tragen kann. Die f&#252;r Israel verf&#252;gbaren Optionen sind begrenzt. Es gibt den Verhandlungsweg, jenen des regionalen Krieges und nicht viel dazwischen. Doch es bleibt eine Herausforderung, denn es ist nicht sicher, dass sich der israelische Staat und das israelische Kapital f&#252;r eine Stabilisierung entscheiden werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf jeden Fall ist die Etappe &#8222;Massaker&#8220; durch Bombenteppich unvermeidbar, aber das ist eine andere Frage, f&#252;r die Anf&#252;hrer ist es selbstverst&#228;ndlich die geringste ihrer Sorgen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Du sagst, dass sich die Hamas wie ein Staat verh&#228;lt, aber ohne die Mittel dazu zu haben. Du sagst auch, dass sie gewisse ihrer Interessen opfert, um danach mehr zu haben. Kannst du das pr&#228;zisieren?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schlicht und einfach die Anerkennung im Rahmen der Verhandlungen. Wohl kaum f&#252;r ein Friedensabkommen, soweit sind wir nicht und in Wirklichkeit denke ich, dass weder die Hamas noch Israel an einem umfassenden solchen Abkommen interessiert sind. Doch die Vernichtung der Hamas ist vom israelischen Standpunkt aus nicht ernsthaft vorstellbar. Indem sie ihre milit&#228;rische Kapazit&#228;t zeigt, versucht die Hamas, sich als unumg&#228;nglich im regionalen Kr&#228;fteverh&#228;ltnis zu zeigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Scheitern der Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA die letzten Jahre zeigt, dass wir uns nicht in einer Zeit der &#8222;L&#246;sungen&#8220; befinden. F&#252;r die Hamas geht es darum, das sagen alle, die amerikanische L&#246;sung eines israelisch-saudischen Abkommens zu blockieren. Was sie dabei gewinnen kann, ist erst einmal, dass sie sich als Gespr&#228;chspartner f&#252;r die arabischen L&#228;nder in der Region aufdr&#228;ngt und die PLO [Pal&#228;stinensische Befreiungsorganisation, wovon die Fatah Teil ist, aber auch die Volksfront zur Befreiung Pal&#228;stinas (PFLP)] im Westjordanland und im Libanon weiter marginalisiert. Somit gewinnt sie kleine Marktanteile der pal&#228;stinensischen Repr&#228;sentation zulasten ihres Konkurrenten, der PLO.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Sind die auf dem Spiel stehenden Interessen tats&#228;chlich so eng begrenzt?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich weiss nicht wirklich, wie ich auf diese Frage antworten soll. Selbstverst&#228;ndlich muss diese Milit&#228;roperation und der dadurch ausgel&#246;ste Krieg auch vor dem Hintergrund eines globalen Kontexts betrachtet werden, wo die kapitalistischen Regulationskan&#228;le dabei sind, vor die Hunde zu gehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Krieg ist meiner Ansicht nach immer ein Versuch, die kapitalistische Verwertungskrise als Operation der Desakkumulation zu l&#246;sen. Doch er ist auch Ausdruck der Umw&#228;lzung des Gleichgewichts des Verh&#228;ltnisses zwischen Staat und Kapital. Er ist ein Krisenmoment, wo die Kontrolle des Kapitals, des globalen Kapitals, &#252;ber den Staat sich lockert zugunsten einer Aneignung gewisser besonderer kapitalistischer Sektoren durch den Staat, oder sogar durch Familienclans oder einzelne Politiker. Der Krieg zwischen Kapitalisten ist nicht nur ein Krieg zwischen Imperialismen. Er l&#228;sst diverse Akteure aneinandergeraten, die, da es keine Garantien mehr gibt, manchmal riskante Wetten eingehen, eine Karte spielen, um zu versuchen, von der Umw&#228;lzung der vorhandenen Kr&#228;fte zu profitieren. Wir k&#246;nnen eine solche Verkettung seit dem Krieg in der Ukraine beobachten. Die eingefrorenen Fronten erwachen: Wir hatten Bergkarabach, jetzt ist es Gaza.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Generalst&#228;be schreiten voran, versuchen Pl&#228;ne, testen die Widerst&#228;nde, springen ins kalte Wasser. Das ist es, was sie spontan tun m&#246;chten, die ganze Zeit. Was uns seit zwei Jahren &#252;berrascht, ist die Tatsache, dass die sie zuvor zur&#252;ckhaltenden Schutzmechanismen nicht mehr zu greifen scheinen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was ist das Wesen der Herrschaft der Hamas &#252;ber die Leute in Gaza? Wie sichert sie ihre Macht, was haben ihre Anf&#252;hrer davon, welche (offenen oder nicht offenen) Verbindungen unterh&#228;lt sie zu Israel?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Hamas ist aus der Bewegung der Muslimbr&#252;der entstanden. Wie ein bisschen &#252;berall in der arabischen Welt entwickelt sie sich vor Ort und in der Diaspora innerhalb des pal&#228;stinensischen Kleinb&#252;rgertums. Seit ihrem Einstieg in den Kampf gegen Israel, beg&#252;nstigt von der Ersten Intifada, hat sich ihre soziale Basis auf proletarischere Segmente erweitert, bevor die Kontrolle &#252;ber das Territorium Gazas und ihre Militarisierung ihr Wesen zutiefst ver&#228;ndern. Sie war pl&#246;tzlich, wie wir es gesagt haben, in der Position eines Staatsapparats, mit der Notwendigkeit, viele verschiedene und antagonistische Interessen diverser Gruppen zu integrieren, mit ihnen zu jonglieren und Schiedsrichter &#252;ber sie zu sein. Und, parallel dazu, da Gaza nicht ein richtiger Staat ist, hat sich die Hamas auch in eine Milizpartei verwandelt, vergleichbar mit der Hisbollah im Libanon.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese doppelte Entwicklung hat eine widerspr&#252;chliche Dimension. Ich stelle die Hypothese auf, dass der gegenw&#228;rtige Krieg gewissermassen den Sieg der zweiten Logik &#252;ber die erste darstellt. Der bewaffnete Arm hat den Staatsapparat und die milit&#228;rischen Rentenkreisl&#228;ufe (aus dem Iran) haben die zivilen Rentenkreisl&#228;ufe (aus Katar) verdr&#228;ngt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Hamas ist eine interklassistische Bewegung, was ihr erratisches Handeln erkl&#228;rt. Die Handelsbourgeoisie im Westjordanland hat sich Mitte der 2000er Jahre massiv zu ihr bekannt; die Bewegung hat die Parlamentswahlen 2006 als Partei der Ordnung gewonnen; sie versprach, die chaotische Sicherheitslage unter Kontrolle zu bringen, und sie garantierte die herrschende Ordnung mit einer auf der Wohlt&#228;tigkeit basierenden Umverteilung. Sie erschien paradoxerweise als Gegnerin der Intifada und die Mehrheit der Notabeln der beiden wirtschaftlichen Zentren des Westjordanlands, Nablus und Hebron, unterst&#252;tzten sie damals, w&#228;hrend sie mit jordanischen Wirtschaftsinteressen verbunden blieben. Die Hamas hat die gleichen Parlamentswahlen in Gaza gewonnen, aber indem sie Widerstandsparolen hervorhob und zur milit&#228;rischen Einreihung aufrief und somit das Lumpenproletariat der Fl&#252;chtlingslager ansprach. Nicht in einer Logik des Aufstands oder der sozialen Bewegung, sondern in einer des milit&#228;rischen Klientelismus. Im Gegensatz zum Westjordanland gibt es im Gazastreifen keine urbane Handelsbourgeoisie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Interklassismus ist seither weitergegangen. Die Hamas hantiert weiterhin mit widerspr&#252;chlichen Logiken der Mobilisierung. Der Anf&#252;hrer ihres bewaffneten Arms, Mohammed Deif, ist eine Art mythische Ikone, ein &#220;berlebender etlicher gezielter Mordversuche. Er wird zum James Bond erhoben, um zu den Teenagern in den Fl&#252;chtlingslagern zu sprechen, w&#228;hrend die Anf&#252;hrer in Anzug und Krawatte ihre Zeit in den F&#252;nfsternehotels in Katar vertreiben und sich mit Ministern und Kapitalisten der arabischen und t&#252;rkischen Welt fein verk&#246;stigen. Und wenn die Fraktion um Mohammed Deif eine Operation wie jene am 7. Oktober lanciert, l&#228;sst sie die Anzug- und Krawattenfraktion machen, denn sie hofft im Geheimen, dass sie in den diplomatischen Verhandlungszimmern die Fr&#252;chte davon ernten kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich bin vorsichtiger betreffend dessen, was die Kompradorenbourgeoisie von Gaza-Stadt davon h&#228;lt, w&#228;hrend ihre Villen von den Bomben zerst&#246;rt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was sind die Eigenschaften der Ausbeutung der Proletarier im Gazastreifen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich habe ziemlich viel Zeit im Westjordanland verbracht, aber ich kenne den Gazastreifen nicht direkt. Aufgrund seiner politischen und geographischen Situation gleich neben einem Raum intensiver kapitalistischer Akkumulation k&#246;nnte man sagen, dass der Gazastreifen ein grosser &#8222;M&#252;lleimer&#8220; Israels ist. Doch sogar in den M&#252;lleimern der Kapitalisten gibt es gesellschaftliche Spaltungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ist es unter dem Strich eine Art Ghetto? Konkret, haben die Proletarier im Gazastreifen Arbeit (formell oder auch nicht) oder m&#252;ssen sie mehrheitlich als &#252;bersch&#252;ssig betrachtet werden?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&#220;bersch&#252;ssig&#8220; in dem Sinne, dass die Arbeit im Gazastreifen fast nirgends kapitalistische Akkumulation erlaubt. Die Kapitale, die dort zirkulieren, kommen im Wesentlichen aus Renten (und zwar aus sehr kleinen Renten): Rente der Aussenhilfe (Iran und Katar), Renten aus Monopolsituationen (die Tunnels). Die generierten Profite sind nicht das Resultat der Ausbeutung von Arbeit durch Kapitalisten. Reproduktion der Proletarier und Verwertung sind zwei unterschiedliche Prozesse, wie der b&#228;rtige Alte sagen w&#252;rde. Die Chefs sind grossmehrheitlich kleine Chefs und der Staat reguliert nichts.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Gazastreifen ist ein Raum, der in Bezug auf die Kreisl&#228;ufe der kapitalistischen Verwertung komplett abseits steht, wie viele andere Peripherien der Welt. Es gibt keine &#8222;nationale Bourgeoisie&#8220;, denn es gibt keine Kapitale aus dem Gazastreifen. Es gibt auch keine &#8222;traditionelle Bourgeoisie&#8220;, wie im Westjordanland oder Jerusalem &#8211; diese alten Familien, die auf einem verstaubten alten Handels- und Bodenkapital sitzen, das jedoch in den gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen noch wirksam ist. Im Gazastreifen gibt es hingegen sehr wohl eine neue Form der &#8222;Kompradorenbourgeoisie&#8220;, die auf Zirkulationsrenten sitzt. Sie ist jedoch keine Klasse im engen Sinne, sie ist eine gesellschaftliche Gruppe, die ein enormes Einkommen aus ihrer Stellung als Zwischenh&#228;ndlerin im Handel mit den ausl&#228;ndischen Kapitalisten zieht (im Gegensatz zu einer Bourgeoisie, die ein Interesse an der Entwicklung einer National&#246;konomie hat).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Teil dieser Bourgeoisie ist deckungsgleich mit dem politischen Apparat der Hamas, denn die zirkulierenden Kapitale kommen zu einem grossen Teil von einer geopolitischen Rente, sie kommen von Staaten wie Katar und dem Iran. Doch es gibt auch andere Renten, zum Beispiel jene, die mit der Grenzzirkulation mit &#196;gypten zusammenh&#228;ngen. Aus den Schmuggeltunneln sind Verm&#246;gen entstanden und hier handelt es sich eher um die Figur des globalisierten Feudalherren &#8211; typischerweise ein Verh&#228;ltnis zwischen Chef und Arbeiter. Es kam 2007 zu heftigen bewaffneten Konfrontationen zwischen gesellschaftlichen Clanstrukturen und dem politisch-milit&#228;rischen Apparat der Hamas in Rafah, im S&#252;den des Gazastreifens, es ging um die Besteuerung der Warenzirkulation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Hamas ist, im Gegensatz zur Pal&#228;stinensischen Autonomiebeh&#246;rde (PA), nicht verantwortlich f&#252;r die &#246;ffentlichen Dienste, sie zahlt die L&#246;hne nicht: Diese werden immer noch von der PA gezahlt. Das ist &#252;brigens Gegenstand permanenter Erpressung: Die PA friert die L&#246;hne der Funktion&#228;re in Gaza regelm&#228;ssig ein oder reduziert sie, um die Hamas zu schw&#228;chen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es kommt auch regelm&#228;ssig, und wahrscheinlich zumindest teilweise als Folge davon, zu &#8222;sozialen&#8220; Mobilisierungen, die W&#252;rde fordern &#8211; typischerweise Wasser, Elektrizit&#228;t und die L&#246;hne. Die Hamas schl&#228;gt sie nieder, auf mehr oder weniger heftige Art und Weise, aber immer mit einer gewissen Zur&#252;ckhaltung, die einem zum Schluss kommen l&#228;sst, dass sie kein &#214;l ins Feuer giessen will. Die gegenw&#228;rtige milit&#228;rische Offensive folgt auf eine Episode dieser Art, die sich diesen Sommer abgespielt hat. Es ist leicht vorstellbar, dass es eine Verbindung zwischen diesen beiden Arten von Ereignissen gibt oder dass sie zumindest einer gewissen Logik unterliegen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Protest gegen die verwaltende Hamas und die Unterst&#252;tzung f&#252;r die k&#228;mpfende Hamas sind &#252;berhaupt keine Gegens&#228;tze. Erstere greift deine W&#252;rde an, w&#228;hrend letztere sie r&#228;cht. Ohne die k&#228;mpfende Hamas w&#228;re die verwaltende Hamas im Gazastreifen wahrscheinlich mit bedeutenderen Protesten konfrontiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Du sagst, dass du das Westjordanland besser &#8222;kennst&#8220; als den Gazastreifen. Gibt es zwischen diesen beiden Territorien bedeutende Unterschiede oder handelt es sich im Gegenteil um zwei Varianten einer gleichen Logik?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Gazastreifen ist seit Langem dieser &#8222;M&#252;lleimer&#8220; f&#252;r &#220;bersch&#252;ssige, den ich vorher angesprochen habe. Ein winziges Territorium, in das 1947-1948 ein Fl&#252;chtlingsstrom gedr&#228;ngt wurde, der die lokale, haupts&#228;chlich b&#228;uerliche Bev&#246;lkerung &#252;berschwemmt hat. Es gibt dort &#252;berhaupt keine Rohstoffe. Im Westjordanland ist die Klassenbildung anders, mit St&#228;dten und Notabeln. Und es gibt landwirtschaftliche und hydraulische Ressourcen, die Israel sich aneignet. Die L&#246;hne sind doppelt so hoch, es gibt einige Industrien, die auf der relativen Integration der Kompradorenklasse der PA in das israelische Kapital basieren. Die Fatah, welche die St&#228;dte regiert, ist eine Partei, die keine gesellschaftliche Koh&#228;renz mehr hat. Sie hat 2006 die Wahlen gegen die Hamas verloren. Durch einen von Israel und den USA unterst&#252;tzten Gewaltstreich 2007 konnte sie die Hebel der &#246;ffentlichen Macht in den St&#228;dten des Westjordanlands behalten, indem sie den Gazastreifen der Hamas &#8222;&#252;berliess&#8220;. Seither hat sie keine auch nur irgendwie auf eine demokratische Prozedur gr&#252;ndende Legitimit&#228;t mehr. Ihre Macht basiert auf der Zusammenarbeit mit Israel, die hinter einem hohl t&#246;nenden nationalistischen Diskurs verschleiert wird. Sie regiert Enklaven, die voneinander getrennt und immer mehr von der Kolonialisierung umzingelt sind, die israelische Armee dringt regelm&#228;ssig in sie ein. Was das Proletariat des Westjordanlands betrifft, ist es st&#228;rker ins Kapital Israels integriert als jenes des Gazastreifens. Viele pal&#228;stinensische Arbeiter malochen, legal oder illegal, im israelischen Territorium oder in den Kolonien. Sie unterhalten wirtschaftliche Beziehungen zu den Pal&#228;stinensern von 1948, welche die israelische Staatsb&#252;rgerschaft haben, und sprechen h&#228;ufig hebr&#228;isch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was geschieht aktuell im Westjordanland? Was macht die Fatah? Gibt es gesellschaftliche oder politische Kr&#228;fte, die einen mehr oder weniger proletarischen Charakter haben und im Moment der Krise gest&#228;rkt daraus hervorgehen k&#246;nnten?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Gazastreifen scheint mir im Moment hinsichtlich der M&#246;glichkeiten einer proletarischen Aktivit&#228;t verloren. Das Gleiche gilt nicht f&#252;r die St&#228;dte des Westjordanlands, wo der innerpal&#228;stinensische Kampf um die politische Kontrolle seit Jahren mit autonomen Manifestationen des Klassenkampfes einhergeht. Die soziale Kontrolle wird gemeinsam durch einen von Israel abh&#228;ngigen Kompradorenkapitalisten gehaltenen Sicherheitsapparat und urbanen, mit Jordanien verbundenen Baronien garantiert. Die Koh&#228;renz dieser Klasse l&#246;st sich immer mehr auf, die Fatah reguliert &#252;berhaupt nichts mehr und alle versuchen, ihre Hochburgen zulasten anderer zu verteidigen. Das erwartete Ereignis, welches all das regeln sollte, war der Tod des paranoiden Dinosauriers Mahmud Abbas, aber jetzt wird notwendigerweise alles schneller gehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Hamas ist im Westjordanland seit 15 Jahren im Stand-by-Betrieb. Nicht die geringste direkte &#246;ffentliche oder milit&#228;rische Aktivit&#228;t. Sie unterh&#228;lt Loyalit&#228;ten, aber diskret. Die bewaffneten Gruppen, die im Norden (Nablus, Jenin, Tulkarem) aufgetaucht sind, sind nicht mit ihr verbunden. Diese Passivit&#228;t erweckte den Eindruck, dass die Hamas die Situation akzeptiert hat und den Status Quo nicht zerst&#246;ren wollte. Innerhalb der bewaffneten Gruppen in den Fl&#252;chtlingslagern verschaffte ihr das einen schlechten Ruf: Sie sei die Kehrseite der Fatah, eine grosse Klappe, nichts dahinter, andere politische Interessen als jene des Volkes. Und dann diese Operation: Sie &#228;ndert eindeutig die Voraussetzungen hinsichtlich der Wahrnehmung. Ihr Image, ob man das will oder nicht, wird davon betr&#228;chtlich aufpoliert sein. Jetzt schon sieht man die Fahne der Hamas ziemlich &#252;berall an den Demos wehen, was vor einem Monat unvorstellbar gewesen w&#228;re. Wird die Hamas direkt die Macht der PA im Westjordanland infrage stellen? Das ist wenig wahrscheinlich, weil ihre Aktivit&#228;ten nicht nur von der PA strikt &#252;berwacht werden, sondern auch von Israel, und die pal&#228;stinensischen Enklaven im Westjordanland kein koh&#228;rentes Territorium bilden, es kann nicht milit&#228;risch gehalten werden, ohne das mit der israelischen Armee zu verhandeln. Doch sie kann ihre Strategie &#228;ndern und die Aktivit&#228;ten der bewaffneten Gruppen auf die eine oder andere Art und Weise unterst&#252;tzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was auch immer geschehen mag, die Dinge werden sich notwendigerweise ver&#228;ndern. Die PA wird M&#252;he haben, bez&#252;glich der Sicherheit die Kontrolle zu behalten. Die Koh&#228;renz der politischen Klasse der Sicherheitspolitik wird einer schweren Belastung ausgesetzt sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Armee und die Siedler haben parallel zur Offensive im Gazastreifen eine Reihe von Angriffen im Westjordanland lanciert. Diese Offensive wird an Intensit&#228;t gewinnen und von diversen Massakern begleitet sein, sie werden &#246;rtlich begrenzter, aber wahrscheinlich auch st&#228;rker &#8222;selbstorganisiert&#8220; als im Gazastreifen sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt also etliche Gr&#252;nde, beunruhigt zu sein. Aber ich hoffe irgendwie auch, dass sich ein Raum f&#252;r autonome K&#228;mpfe er&#246;ffnet und die durch die PA in den letzten 15-20 Jahren hervorgebrachte Ohnmacht der Repression und des Klientelismus beendet &#8211; dass ein Zusammenbruch der pal&#228;stinensischen Sicherheitskr&#228;fte die seit Jahren erwartete soziale Explosion erm&#246;glicht. Die Klassenverh&#228;ltnisse im Westjordanland sind von einer aussergew&#246;hnlichen Gewalt gepr&#228;gt. Die dortige Bourgeoisie hat lange von der Situation der Zusammenarbeit mit Israel profitiert, sie hat sich die Taschen gef&#252;llt, es w&#228;re angebracht, dass sie ein bisschen beginnt zu zittern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Seit einer Weile gibt es einen sozialen Protest in Israel gegen Netanjahu und besonders gegen seine Justizreform. Welche Folgen haben diese K&#228;mpfe (falls &#252;berhaupt) in der aktuellen Situation? Inwiefern dr&#252;ckt der &#8222;zivile&#8220; Widerstand der israelischen Bev&#246;lkerung (zum Beispiel die j&#252;ngsten K&#228;mpfe gegen die Justizreform) einen solchen Anspruch aus?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Krieg scheint mir auch Ausdruck eines Verlusts der Koh&#228;renz der kapitalistischen Klasse zu sein; und gleichzeitig kaschiert die milit&#228;rische Einheit denselben. Der milit&#228;rische Zusammenbruch Israels am 7. Oktober scheint weitgehend eine Folge des Kampfes innerhalb der kapitalistischen Klasse Israels zu sein, ein Kampf, der zum ersten Mal auch die milit&#228;rische Institution erreicht hat. In den letzten Monaten war der Kampf sehr intensiv und er hat sich auf der Strasse ausgedr&#252;ckt. Das alte Israel, aschkenasisch, b&#252;rgerlich, laizistisch und milit&#228;risch, das in Tel Aviv vertikal akkumuliert, ist mit der &#228;usseren Rechten an der Macht konfrontiert gewesen, letztere ist sephardisch, revanchistisch und akkumuliert horizontal in den H&#252;geln des Westjordanlands. Aber in diesen Demos ist nie etwas Proletarisches &#252;ber die Ufer getreten. Schlimmer: Nichts Demokratisches, im Sinne von &#8222;zivil&#8220;, wie du es formulierst. Das Proletariat in Israel, das zwar ein hohes Niveau der Ausbeutung erdulden muss, ist durch seine existenzielle Integration in den Milit&#228;rstaat mundtot gemacht worden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die kriegerische nationale Einheit kehrt diesen Kampf innerhalb der herrschenden Klasse provisorisch unter den Teppich: Alle sind einverstanden mit einem Bombenteppich im Gazastreifen; und auch mit der Durchsetzung einer rigiden Sicherheitspolitik. Seit der Generalmobilmachung ist die Jagd auf den inneren Feind er&#246;ffnet. Sie betrifft die wenigen Linken, die noch &#252;brig geblieben sind, aber auch und zuallererst das muslimische Proletariat (die Pal&#228;stinenser von 1948), deren kleinste Solidarit&#228;tsbekundung mit den Opfern der wahllosen Bombenangriffe verfolgt wird. Was wird in einigen Monaten geschehen? Wird der Krieg dazu f&#252;hren, dass die herrschende Klasse auf die Linie der Partei der Siedler einschwenkt? Letztere ist, obwohl sie von der Mehrheit der Bourgeoisie f&#252;r ihre religi&#246;se R&#252;ckst&#228;ndigkeit verachtet wird, nichtsdestotrotz am ehesten im Einklang mit einer auf eine auf die Jagd auf Araber ausgerichteten Mobilisierung, die wohl nicht so schnell aufh&#246;ren wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Denkst du, dass die rein koloniale Lesart stichhaltig ist, um die Beziehungen zwischen Israel und dem pal&#228;stinensischen Proletariat zu definieren?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ja und nein, nat&#252;rlich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sind in einer Situation, wo das, was auf dem Spiel steht, weniger die Ausbeutung einer eingeborenen Arbeitskraft als die Verwaltung einer &#252;bersch&#252;ssigen proletarischen Bev&#246;lkerung ist, in Verh&#228;ltnissen, die innerhalb der Zentren der kapitalistischen Akkumulation einmalig sind. F&#252;r jeden Arbeiter mit einem Arbeitsvertrag in Israel gibt es einen anderen, der in den grossen geschlossenen Vorst&#228;dten festsitzt, welche die Bev&#246;lkerungszentren unter pal&#228;stinensischer Gesetzgebung darstellen: der Gazastreifen und die St&#228;dte des Westjordanlands. Das macht fast f&#252;nf Millionen Proletarier, die einige Kilometer von Tel Aviv entfernt eingepfercht sind, sie sind unsichtbar, leben vom Verkauf ihrer Arbeitskraft von einem Tag auf den anderen und werden von Soldaten bewacht, damit sie ihre K&#228;fige nicht verlassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese grosse Einsperrung, diese Operation der Trennung zwischen n&#252;tzlichen und &#252;bersch&#252;ssigen Proletariern auf einer ethnisch-religi&#246;sen Grundlage beginnt zeitgleich mit dem Friedensprozess, der in Wirklichkeit ein Prozess der Externalisierung der sozialen Kontrolle der &#220;bersch&#252;ssigen ist. Zuvor, in den 1970er-1980er Jahren, waren die Pal&#228;stinenser massiv vom israelischen Kapital angestellt worden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In diesem Sinne ist der Begriff &#8222;kolonial&#8220; irgendwie unpassend, um das gesellschaftliche Verh&#228;ltnis zu beschreiben, das seit dem Beginn der 1990er Jahre in Israel-Pal&#228;stina vorherrscht. Er hat zudem den Nachteil, dass er einen Gegensatz zwischen zwei nationalen Gebilden annimmt, die in Wirklichkeit zusammen hervorgebracht und reproduziert werden. Pal&#228;stinensische und israelische Proletarier sind Segmentierungen eines gleichen Ganzen. Was sich seit dem 7. Oktober abspielt, muss als eine Verhandlung durch Gewalt zwischen dem Subunternehmer aus dem Gazastreifen und seinem israelischen Arbeitgeber betrachtet werden. Dieser Aspekt muss in diesem Sinne klar von der Aktivit&#228;t des Kampfes der pal&#228;stinensischen Proletarier unterschieden werden, ihnen stehen in erster Linie die Subunternehmer der Hamas und der PA gegen&#252;ber. Dieser Kampf hat nie aufgeh&#246;rt, aber die nationale Einreihung wird ihm einen harten Schlag versetzen, zumindest im Gazastreifen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jenseits jeglicher moralischen Betrachtung scheint mir der Begriff &#8222;Widerstand&#8220;, der auf die koloniale Vorstellungswelt verweist, unangebracht, um die Milit&#228;roperation am 7. Oktober zu beschreiben: Die Interessen der Hamas sind nicht jene der Proletarier, sind nicht jene &#8211; um das geltende Vokabular zu &#252;bernehmen &#8211; des &#8222;pal&#228;stinensischen Volkes&#8220;. Die Proletarier im Gazastreifen, was auch immer das Resultat dieser Verhandlung sein mag, werden im Wesentlichen jene sein, welche geopfert werden &#8211; sie werden es schon jetzt. Falls sich Israel gegenw&#228;rtig dermassen im Aufwind f&#252;hlen w&#252;rde, um sich seines Subunternehmers zu entledigen, w&#252;rde das bedeuten, dass es bereit w&#228;re, sich der &#252;bersch&#252;ssigen Proletarier im Gazastreifen zu entledigen. Das Eine geht nicht ohne das Andere.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Andererseits denke ich jedoch, dass man nicht ohne eine koloniale Lesart auskommen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Israel hat diese europ&#228;ische Logik geerbt, die darin besteht, die Arbeitskraft auf der Grundlage rassischer Kriterien zu &#8222;vertieren&#8220;, eine Grenze zwischen zivilisierter und pr&#228;zivilisierter Welt zu ziehen. Dieses Paradigma l&#228;uft in Israel auf Hochtouren und auf eingestandene Art und Weise. Gegenw&#228;rtig massakriert man die Bewohner des Gazastreifens gem&#228;ss dieser Logik: Man ertr&#228;nkt sie im Bombenhagel ohne ein anderes politisches Ziel, als sie zu &#8222;beruhigen&#8220;, die Hierarchie, welche die menschlichen Gruppen in dieser Region der Welt trennt, in Erinnerung zu rufen. Ein Hund beisst, man schlachtet das Rudel.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es muss daran erinnert werden, das die Grenzen zwischen dem Zivilisierten und dem Tierischen unbest&#228;ndig sind. Sie galten und gelten immer noch innerhalb der j&#252;disch-israelischen Staatsb&#252;rgerschaft. Die arabischen (Mizrachim) und die &#228;thiopischen (Falascha) Juden waren lange auf der schlechten Seite der Grenze und stellen eine Art eingeborene Hilfskr&#228;fte zur Beruhigung anderer Eingeborener dar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Koloniale, als Erbe der kolonialen Periode im eigentlichen Sinne, erzeugt eine Art &#8222;Trieb&#246;konomie&#8220;, rund um welche sich die Konstruktion gesellschaftlicher Kategorien verknotet &#8211; und das ist &#252;brigens nur das vergr&#246;sserte Bild dessen, was in der Gesamtheit der aus den zentralen L&#228;ndern der kapitalistischen Akkumulation bestehenden &#8222;Festung&#8220; geschieht, man sieht es mit dem unmittelbaren Transfer des &#8222;Krieges der Zivilisationen&#8220; nach Frankreich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die aktuelle Dynamik und ihre Logik der Zur&#252;cklegung der &#252;bersch&#252;ssigen Proletarier f&#252;hren eine Menge an auf Erniedrigung basierender Affekte mit sich. In Anbetracht der Unm&#246;glichkeit, das gesellschaftliche Verh&#228;ltnis kollektiv zu beeinflussen, bringt die Ohnmacht eine doppelte Logik des Ressentiments hervor: Streben nach Anerkennung einerseits, nach Rache andererseits.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da sie keine Bourgeoisie haben, auf die sie sich st&#252;tzen, und kein Proletariat, das sie selber ausbeuten, sind Politiker wie jene der Hamas dazu veranlasst, sich auf die Ausbeutung dieser Affekte zu st&#252;tzen, sie werden &#8211; wohl oder &#252;bel &#8211; zur Inkarnation davon.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Um auf Israel zur&#252;ckzukommen, wenn man davon ausgeht, dass die kapitalistische Akkumulation weitgehend auf der permanenten &#8222;Kriegswirtschaft&#8220;, der Aneignung von Boden und der Ausbeutung des mehr oder weniger formellen pal&#228;stinensischen Proletariats gr&#252;ndet, muss dann jegliche &#8222;L&#246;sung&#8220; (z.B. die &#8222;Zweistaatenl&#246;sung&#8220;) als absolut unm&#246;glich betrachtet werden?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ab den 1990er Jahren, als Israel sich der Verwaltung der pal&#228;stinensischen Arbeitskraft in den besetzten Gebieten entledigen will, wird sie einem Subunternehmer &#252;berlassen, der Pal&#228;stinensischen Autonomiebeh&#246;rde. Doch Israel respektiert jenen Vertrag nicht, welcher zu einer Form symbolischer Souver&#228;nit&#228;t h&#228;tte f&#252;hren sollen. Es behandelt seinen Subunternehmer schlecht. Dieser revoltiert also: Es ist die Zweite Intifada, wo sich der Kampf der PA gegen ihren Arbeitgeber und ein umfassender proletarischer Kampf gegen Israel und den Subunternehmer vermischen, letzterer wird jedoch durch die Einklemmung erstickt. Am Ende dieser historischen Sequenz spaltet sich das Subunternehmertum der PA. Ein schlecht behandelter, aber unterw&#252;rfiger Subunternehmer im Westjordanland; ein anderer schlecht behandelter und aufm&#252;pfiger im Gazastreifen. Die Hamas kann zwar als Feind behandelt werden, es ist aber offensichtlich, dass Israel in diesem Zusammenhang nicht ohne Subunternehmer auskommen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kommen wir kurz auf diesen Prozess und sein Scheitern zur&#252;ck. Warum haben die Kapitalisten die M&#246;glichkeit zum &#8222;Frieden&#8220;, die darin bestand, einen &#8222;nationalen Prozess&#8220; f&#252;r Pal&#228;stina im Gazastreifen und im Westjordanland zu unterst&#252;tzen, nicht genutzt? Was sie damals h&#228;tten bekommen k&#246;nnen, w&#228;re die &#214;ffnung eines regionalen Marktes mit den umliegenden L&#228;ndern und die M&#246;glichkeit f&#252;r Investitionen in L&#228;ndern mit billiger Arbeitskraft gewesen. Es h&#228;tte gereicht, der Autonomiebeh&#246;rde die Attribute eines Rumpfstaates zu &#252;berlassen, der mit ausgestreckten Armen von &#228;usseren Spendern unterst&#252;tzt worden und ein interner Markt geblieben w&#228;re. Die Antwort auf diese Frage ist meines Erachtens alles andere als klar. Ich stelle zwei Hypothesen auf. Die erste ist jene des Gewichts des &#8222;milit&#228;rischen&#8220; Kapitals, das durch die von den USA an Israel ausgezahlte milit&#228;rische Rente unterst&#252;tzt wird. Dieser milit&#228;rische Kapitalismus, der mit dem Sektor der Spitzentechnologie verbunden ist, ist &#252;ber die K&#246;pfe des regionalen Marktes hinweg international. Die zweite Hypothese stellt das Scheitern des Friedensprozesses in Zusammenhang mit dieser grossen Katastrophe, die der durch die USA in den 2000er Jahren unternommene Versuch der Umgestaltung des Mittleren Ostens darstellte. Somit h&#228;tte sich Israel in Erwartung der Verfl&#252;ssigung der Zirkulation der Kapitale in der Region auf milit&#228;rischem Wege gehalten, womit die Vorstellung einherging, dass es m&#246;glich sei, das Subunternehmertum zu haben, ohne gegen&#252;ber den bestehenden Beh&#246;rden in den pal&#228;stinensischen Reservaten auch nur irgendwie einzulenken. Das hat fast 20 Jahre lang funktioniert. In diesem Zusammenhang er&#246;ffnete sich sogar die Perspektive der &#214;ffnung neuer M&#228;rkte in der arabischen Welt (die sogenannten Abraham-Abkommen und die neuen Perspektiven einer Pax Americana mit Saudi-Arabien) und diese Situation ist nun wahrscheinlich geplatzt. Was sich am 7. Oktober gezeigt hat, ist, dass die Gleichung, alles haben zu wollen, nicht haltbar ist: Es wird n&#246;tig sein, mit den pal&#228;stinensischen Gef&#228;ngnisw&#228;chtern der pal&#228;stinensischen Reservate zu verhandeln, um die als Ghettos fungierenden Reservate auf ihrem Territorium zu z&#252;geln, oder sich ihnen zu entledigen, was eindeutig ein neues Kapitel in der Geschichte der kapitalistischen Gewalt in den L&#228;ndern des Blockes der zentralen Akkumulation er&#246;ffnen w&#252;rde. Das ist nicht unm&#246;glich. Es l&#228;sst einem erschaudern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ist die Idee eines &#8222;pal&#228;stinensischen Volkes&#8220; zur Umgehung der gesellschaftlichen Trennungen nicht trotzdem operativ, auch innerhalb der beherrschten Klassen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Gesellschaftskritik ist meines Erachtens vor allen Dingen die Hervorbringung von Kategorien, die es erlauben, die Gegens&#228;tze in Begriffen der gesellschaftlichen Widerspr&#252;che zu denken. In einem Kontext wie jenem von Israel-Pal&#228;stina kann das scheinbar eine Operation sein, welche die zirkulierenden subjektiven Kategorien verbiegt, auf welchen sich die Affekte des Kampfes aufbauen, auf dem, was als Identit&#228;t wahrgenommen wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Idee eines &#8222;pal&#228;stinensischen Volkes&#8220; als eine Israel entgegengesetzte Kategorie wirkt nat&#252;rlich in etlichen Bereichen: auf den Ausweispapieren und in dem meisten K&#246;pfen, auch als Art der Legitimierung der proletarischen K&#228;mpfe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber die Ethnisierung der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse hat eine Geschichte, die prim&#228;r jene der herrschenden Klassen ist: Es ist die Geschichte der Herausbildung einer kapitalistischen j&#252;dischen Bourgeoisie, die eine arabische feudale Handelsbourgeoisie vernichtet hat; die Fusion dieser Bourgeoisie mit einem Milit&#228;rstaat usw. Die Proletarier sind zwangsl&#228;ufig Teil dieser Ethnisierung der Gegens&#228;tze innerhalb der herrschenden Klasse.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man darf nie vergessen, dass der &#8222;pal&#228;stinensische Kampf&#8220;, auch jener unter der Flagge der Hamas, vorrangig als von den herrschenden arabischen Klassen &#8211; oder jenen, die Teil davon wollen &#8211; gef&#252;hrter Kampf um ihre Integration ins israelische Kapital gelesen werden muss. Die Interessen der Proletarier, die sich manchmal unter dem Banner des nationalen Kampfes wiederfinden, sind in letzter Instanz im Widerspruch zu jenen ihrer Bourgeoisie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich denke, dass man nicht mit dem &#8222;pal&#228;stinensischen Widerstand&#8220; solidarisch sein sollte, sondern mit den von Proletariern gegen die ihnen auferlegten Existenzbedingungen gef&#252;hrten K&#228;mpfen. Doch die Proletarier k&#228;mpfen unter jenen Flaggen, die sich ihnen anbieten. Man sollte nicht die Flagge anschauen, sondern die K&#228;mpfe selbst. Eine pal&#228;stinensische Fahne, oder sogar eine der Fatah oder der Hamas, sie alle sind potenziell Fahnen des Kampfes, die, je nach Kontext, den politischen Verwaltern entwischen. Im &#220;brigen ist es nicht, weil die Hamas islamistisch ist, dass man auf sie scheissen sollte, sondern weil sie ein Kontrollapparat &#252;ber das Proletariat ist, ein im Entstehen begriffener Staat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotzdem mag diese Sozialkritik manchmal als unglaublich kalt und weit entfernt vom Erleben der K&#228;mpfe erscheinen, da werden andere Kategorien mobilisiert. Meine Rolle, wenn ich kalt von dialektischem Materialismus spreche, ist nicht die gleiche, wie jene, wenn die Situation sich vor meinen Augen abspielt, mit ihrer Gewalt, ihren K&#228;mpfen, ihren Subjektivit&#228;ten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;L&#228;uft eine materialistische Kritik, in einem Kontext, der dermassen von Begriffen der Identifikation gen&#228;hrt ist, nicht Gefahr, als zu herausgel&#246;st zu erscheinen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es scheint mir, dass es in einem solchen Kontext nicht um eine Position geht, sondern um einen Standpunkt, eine Methode. Ein revolution&#228;rer Blick besteht in erster Linie darin, sich nicht blenden zu lassen von der Autonomisierung der durch die Linke gehandhabten Kategorien. Ich nehme zwei davon wahr, die im Moment in den Diskussionen ein der Dialektik zugewandtes Denken konstant zu erschlagen drohen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die erste ist der Reflex der Wehklage &#252;ber das Thema &#8222;das Proletariat ist nicht, wie wir es gerne h&#228;tten&#8220;: antisemitische muslimische Proletarier, rassistische j&#252;dische Proletarier. Abgesehen von der Tatsache, dass dieses Denken &#8211; das darin besteht, das Innere des Proletariers von einer intellektuellen Position aus zu betrachten &#8211; in ihrem Wesen b&#252;rgerlich ist, ist es besonders unangebracht in einer Situation eines Gegensatzes, wo sich nicht die geringste Form proletarischer Autonomie manifestiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was sich im Moment abspielt, ist einerseits eine Logik der Einreihung des Proletariats und andererseits ein pures Massaker &#252;bersch&#252;ssiger Proletarier. Gewisse werden also die gute alte Zeit zur&#252;ckw&#252;nschen, wo die politischen Formationen in Pal&#228;stina (und deshalb, so mutmasst man, das Volk selbst) links waren. Das scheint mir idiotisch. Die Ideologie der politischen Gruppen, sobald man davon ausgeht, dass diese insbesondere k&#228;mpfen, damit ihre Anf&#252;hrer sich als herrschende Klasse aufspielen und als solche reproduzieren, ist sekund&#228;r. Betreffend der Methoden m&#246;chte ich einfach daran erinnern, dass es ein Kommando der DFLP [Demokratische Front zur Befreiung Pal&#228;stinas] war, eine ideologisch extrem linke pal&#228;stinensische Formation (die mit Elementen der &#228;usseren Linken Israels verbunden war), die das Massaker an 22 Kindern in einer Schule in Ma'alot 1974 beging.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein zweiter problematischer Denkreflex besteht darin, die Metaphysik sich in die Analyse einschleichen zu lassen. Dieses metaphysische Denken ist in der Idee der erstarrenden und verbl&#252;ffenden Wiederholung enthalten. Sie ist in den Ausf&#252;hrungen &#252;ber die &#8222;Massaker an den Juden&#8220; am Werk; aber auch in jenen rund um die &#8222;pal&#228;stinensische Trag&#246;die&#8220;. Diese Ausf&#252;hrungen, die wom&#246;glich auf autonome Art und Weise im Innersten der Psyche entstehen, sind nichtsdestotrotz reine Produkte der Art und Weise, wie das b&#252;rgerliche Denken die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse in den Himmel der Ideen aussiedelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vergessen wir die Geschichten, sowohl die Farce als auch die Trag&#246;die. Die Geschichte wiederholt sich nicht: Die sich ausbreitenden Gegens&#228;tze sind &#252;berwiegend gegenw&#228;rtige Gegens&#228;tze.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://leserpentdemer.wordpress.com/2023/10/30/gaza-une-militarisation-extreme-de-la-guerre-de-classe-en-israel-palestine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Roland Simon - Statistiken und Gef&#252;hle (zu den Krawallen im Juni 2023)</title>
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&lt;p&gt;&#8222;Wenn die Statistik die Massen ergreift, wird das Gef&#252;hl zur materiellen Gewalt&#8220; (Anonym) &lt;br class='autobr' /&gt;
Es wird keine Statistiken geben. &lt;br class='autobr' /&gt;
Die Vervielfachung der Statistiken, um wie die &#8222;lokalen Volksvertreter&#8220;, die &#8222;sozialen Schlichter&#8220; zu sagen: &#8222;Wir hatten euch gewarnt, es wird knallen&#8220;, erkl&#228;rt nichts und schafft nicht die geringste Klarheit bez&#252;glich der Ereignisse: Es erkl&#228;rt weder ihre Form oder den Moment, noch ihren Inhalt oder die Ziele. Im Feuer der Aktion existieren alle objektiven und (...)&lt;/p&gt;


-
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

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&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Bericht-Analyse" rel="tag"&gt;Bericht/Analyse&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Roland-Simon" rel="tag"&gt;Roland Simon&lt;/a&gt;, 
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&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Es wird keine Statistiken geben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Vervielfachung der Statistiken, um wie die &#8222;lokalen Volksvertreter&#8220;, die &#8222;sozialen Schlichter&#8220; zu sagen: &#8222;Wir hatten euch gewarnt, es wird knallen&#8220;, erkl&#228;rt nichts und schafft nicht die geringste Klarheit bez&#252;glich der Ereignisse: Es erkl&#228;rt weder ihre Form oder den Moment, noch ihren Inhalt oder die Ziele. Im Feuer der Aktion existieren alle objektiven und &#8222;erkl&#228;renden&#8220; Gegebenheiten als Gef&#252;hle, werden zu Gef&#252;hlen: vom Hass und der Rache bis zum Spiel, bis hin zum Fest und der imagin&#228;ren Selbstprojektion, dass man einen Moment lang die Kontrolle &#252;ber sein Leben zur&#252;ckerlangt. Die Videospiele, wieso nicht? Alle agieren im Wald der Referenzen und Symbole, die Statistiken treiben nie jemanden auf die Strasse, ausser umgewandelt durch die Modalit&#228;ten des Erlebten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jegliche Praxis verf&#228;hrt unter einer Ideologie, das Gef&#252;hl (Rache und Hass in Anbetracht der Geringsch&#228;tzung, Lust an der verbotenen Ware) ist eine davon. Das Gef&#252;hl ist ein Verh&#228;ltnis zu den Produktionsverh&#228;ltnissen, es ist sogar die offensichtlichste Form davon, die unmittelbarste der Anrufung der konkreten Individuen als Subjekte. Aber &#8222;das konkrete Individuum&#8220; ist kein prim&#228;res Substrat, es wird selbst in der Reproduktion der Produktionsweise in all seinen Erscheinungsformen und all seinem Fetischismus hervorgebracht. Es ist das konkrete Individuum, das sich selbst als Subjekt anruft. Die rassialisierten Teenager haben sich selbst als Subjekte angerufen, offensichtlich nicht unter der gleichen Ideologie wie ein Arbeiter oder ein Rentner. Das Gef&#252;hl: Hass, Rache, Lust, nicht nur Produkte von Aldi oder Lidl zu konsumieren, sondern auch moderne Telefone und Flachbildschirme, Spiel und Selbstbest&#228;tigung. Gegen ihre konstante Versagung ist die spezifische Ideologie der jungen Aufr&#252;hrer eben genau, das &#8222;Menschsein&#8220; f&#252;r sich in Anspruch zu nehmen, die W&#252;rde ist die reinste Form des Subjekts. Das Gef&#252;hl repr&#228;sentiert nicht ihre wirklichen Existenzbedingungen, sondern ihr Verh&#228;ltnis zu denselben, in diesem Verh&#228;ltnis konstituieren sie sich als Subjekte und als solche agieren und k&#228;mpfen sie gem&#228;ss ihrer wirklichen Existenz, so wie sie in einer besonderen sozialen und politischen Situation definiert ist und besteht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nachdem sie sich in den 1970er Jahren global gegen Keynes und Ford restrukturiert hat, indem sie die Kapitalverwertung von der Reproduktion der Arbeitskraft entkoppelt hat, ist die Produktionsweise nun durch einen R&#252;ckschlag dessen unterminiert, was die Dynamik dieser letzten dreissig oder vierzig Jahre war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gab die Gelbwesten, die das allt&#228;gliche Leben in all seinen Unw&#228;gbarkeiten, seinen guten und schlechten Seiten ins Zentrum des Klassenkampfes stellten und den Staat als Verantwortlichen der Distribution, des Einkommens, des Reichtums der Einen und der Armut der Anderen anriefen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gab die lange Episode in Bezug auf die Rentenreform, wo der Zusammenschluss der Gewerkschaften es die ganze Zeit schaffte, der Bewegung den Rahmen zu geben, denn als tot geborene Bewegung war ihr Ziel nur die Niederlage und der Zusammenschluss der Gewerkschaften war die angemessene Form daf&#252;r. Eine Reform, die, artikuliert mit jenen der Arbeitslosenversicherung, der Lehre und der Ausbildung, der Berufsgymnasien und ihrer Finanzierung den gesamten Verlauf des Arbeitslebens modifiziert. Aber in ihrer angek&#252;ndigten Niederlage zeigte sich die Offensichtlichkeit der Krise der repr&#228;sentativen Demokratie in der Akkumulation aller Notn&#228;gel der Verfassung, um eine schon vor jeglicher &#8222;Diskussion&#8220; getroffene Entscheidung durchzusetzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gab die Covid-Periode mit ihren Lockdowns und der territorial gezielten Repression gegen jene, welche sich nicht daran hielten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gab die &#246;kologische Radikalit&#228;t gegen die grossen Baustellen des Kapitals. Eine sympathische Bewegung, wenn man darin nicht zwischen den Zeilen die Nostalgie des Bauern, des Kleinhandels und der kleinen Warenproduktion wiederfinden w&#252;rde: die Mittelm&#228;ssigkeit in allem.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gab die Inflation, dieses magische Ph&#228;nomen, das wie von einem anderen Planeten gekommen ist, um die g&#228;ngigsten Konsumg&#252;ter hart zu treffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und jedes Mal gibt es den Staat und seine verschiedenen bewaffneten Banden. Der Staat, das ist der Kn&#252;ppel. Hinter jedem seiner Apparate, seiner &#8222;Dienste&#8220;, steht die Gewalt. Er ist eine Maschine, welche die gegenseitige Gewalt, die alle Facetten des Klassenkampfes s&#228;umt, in die einzig legitime Gewalt verwandelt, jene der Reproduktion der kapitalistischen Produktionsweise. Mit dem Zerfall der &#8222;Arbeiterbewegung&#8220;, ihrer Instanzen und Institutionen, bricht die repr&#228;sentative Demokratie gleichzeitig mit der Politik, welche das wechselseitige Verh&#228;ltnis des Staates mit der Zivilgesellschaft (die Transkription der Produktionsverh&#228;ltnisse in staatliche Begriffe) darstellt, zusammen. Die Neofaschisten werden zu Liberalen, verfolgen eine Sparpolitik, schliessen sich der EU und der NATO an, w&#228;hrend sich die Linke und die Rechte mit &#8222;Reformen&#8220; des Arbeitsrechts und der Altersvorsorge &#252;berbieten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die befriedete Repr&#228;sentation als &#8222;Gemeinwille&#8220; einer als notwendigerweise als konfliktreich anerkannten Gesellschaft (hier liegt die gesamte Kraft der Demokratie) ist eine Arbeit und nicht ein Widerschein. Das heisst, dass in der demokratischen Funktionsweise des Staates die Verdinglichung und der Fetischismus T&#228;tigkeiten sind, es ist die Politik als Parteien, Debatten, Beratungen, Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse in der spezifischen Sph&#228;re der Zivilgesellschaft, Entscheidungen. All das ist verschwunden. Das Problem der Demokratie ist aktuell, dass sie nur noch eine Besonderheit der gesellschaftlichen Totalit&#228;t kennt, die f&#228;hig ist, am Wettbewerb teilzunehmen, das Verschwinden der Arbeiteridentit&#228;t und ihrer Repr&#228;sentation hat alle anderen in ihrem Untergang mitgerissen, auch die Vereine, die Fronten oder Bewegungen der &#8222;Vorst&#228;dte&#8220; oder &#8222;Quartiere der einfachen Leute&#8220;. Doch alleine, als politische Besonderheit, ist die herrschende Klasse nichts, sie bewirtschaftet das Universelle nicht mehr. Im Verschwinden des demokratischen Spiels geht es f&#252;r die Bourgeoisie um ihre Universalit&#228;t. Es besteht ein grundlegendes Unbehagen in der politischen Repr&#228;sentation. &#220;berall br&#246;ckeln die Vermittlungen der Gewalt der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist die Repr&#228;sentationsarbeit, welche in der Krise ist. &#220;berall ist es das Verschwinden der Arbeiteridentit&#228;t und dadurch ihrer sozialdemokratischen und/oder kommunistischen Repr&#228;sentation, die das politische Fundament des demokratischen Staates destabilisiert. Dieses ist gleichbedeutend mit der Befriedung einer gesellschaftlichen Kluft, welche die Demokratie vom Moment an, wo sie davon die Repr&#228;sentation als Auseinandersetzung zwischen B&#252;rgern ist, als wirklich anerkennt. Die Demokratie ist die Anerkennung des auf un&#252;berwindbare Art und Weise konfliktreichen Charakters der &#8222;nationalen Gemeinschaft&#8220;, von diesem Standpunkt aus war die Anerkennung der Arbeiterklasse historisch im Zentrum des Aufbaus der Demokratie, sie war der Motor und das Kriterium davon. In den gegenw&#228;rtigen politischen Formen des Verlaufs der Krise kann man eine Krise der Hegemonie der kapitalistischen Klasse feststellen. Herrschaft und Hegemonie sind nicht identisch, es kann Herrschaft ohne Hegemonie geben. Die Hegemonie besteht darin, den unumg&#228;nglichen Rahmen der Debatten und Oppositionen hervorzubringen, sie bedeutet, dem Anderen die Begriffe selbst seiner Opposition aufzuerlegen. Wenn das zusammenbricht, bleibt f&#252;r jene, welche im Spiel am schlechtesten platziert sind, nur der Kn&#252;ppel &#252;brig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man muss eine englische Zeitung (&lt;i&gt;The Guardian&lt;/i&gt;, 29. Juni) lesen, um den aussagekr&#228;ftigsten Zeugenbericht bez&#252;glich der Krawalle Ende Juni 2023 zu finden: &#8222;Es war Krieg, ich denke wirklich, dass die Jugendlichen hier der Ansicht sind, dass sie im Krieg sind. Sie sehen darin einen Krieg gegen das System. Er ist nicht nur gegen die Polizei gerichtet, es geht viel weiter, sonst w&#252;rden wir das nicht in ganz Frankreich sehen. Es ist nicht nur die Polizei, die angegriffen wird, sondern auch die Rath&#228;user und &#246;ffentlichen Geb&#228;ude, die im Visier sind. Der Tod dieses Teenagers hat etwas ausgel&#246;st. Es gibt viel Wut, aber es ist mehr als das, es gibt eine politische Dimension, ein Gef&#252;hl, dass das System nicht funktioniert. Die Jugendlichen haben das Gef&#252;hl, dass sie diskriminiert sind und ignoriert werden.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Bezug auf die Verbannung in Quartiere, die von den &#246;ffentlichen Diensten verlassen worden sind und wo die einzige Pr&#228;senz des Staates die Polizei ist, die sich wie eine rivalisierende Bande verh&#228;lt, wo Arbeit eine Schim&#228;re ist, die Armut eine Banalit&#228;t und die allt&#228;gliche Gewalt aller m&#246;glichen Arten des Handels die Realit&#228;t, geht es darum, sich nicht nur f&#252;r die objektiven materiellen Bedingungen zu interessieren, sondern auch f&#252;r den Prozess der Subjektwerdung, d.h. die Art und Weise, wie die Individuen von Tag zu Tag ihre Stellung in den Produktionsverh&#228;ltnissen empfinden. Die Akzeptierung eines &#8222;Systems&#8220; in seiner Selbstvoraussetzung wird auch von normativen Prinzipien, Werten und Verpflichtungen reguliert. Die Revolte ereignet sich pl&#246;tzlich, wenn die Werturteile, die Gef&#252;hle, gegen&#252;ber der Funktionsweise der Gesellschaft als &#252;bertreten geworden erscheinen, wenn das &#8222;System&#8220; die M&#246;glichkeit des materiellen &#220;berlebens darin nicht mehr erlaubt, wenn die Normen und &#8222;moralischen Prinzipien&#8220;, die den &#8222;gew&#246;hnlichen Rassismus&#8220; von Tag zu Tag kontrollieren und bestimmen, &#252;bertreten werden. F&#252;r die Jugend der &#8222;Quartiere&#8220; war die Tatsache, das &#8222;Frankreich unter dem Frankreich von unten&#8220; zu sein, die Norm, doch die Ermordung, der gesundheitlich-polizeiliche Lockdown und die Inflation haben diese Norm ersch&#252;ttert, der &#8222;Vertrag&#8220; ist gebrochen, der Angriff gegen die &#8222;rivalisierende Bande&#8220; (den Staat), das notwendige oder nicht notwendige Pl&#252;ndern (aber wer kann schon &#8222;Notwendigkeit&#8220; definieren?) werden notwendig f&#252;r das konkrete, als Subjekt angerufene Individuum.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gelbwesten, Demonstranten gegen die Rentenreform, radikale Umweltsch&#252;tzer von Sainte-Soline, rassialisierte Teenager in den &#8222;Quartieren der einfachen Leute&#8220;, all das wird sich nicht begegnen, nicht &#8222;konvergieren&#8220;, solange jeder bleiben wird, was er ist. Nichts ist pathetischer und erb&#228;rmlicher als die Aufrufe an die &#8222;Arbeiterbewegung&#8220;, die Revolte der Jugendlichen der Vorst&#228;dte zu unterst&#252;tzen. Marine Le Pen, Giorgia Meloni, Vox, AFD und Konsorten in Europa, Trump und Bolsonaro anderswo, sind f&#252;r die Demokratie in Reserve als m&#246;gliches Gegenfeuer f&#252;r ein eventuelles konjunkturelles Ereignis, das zu einer Osmose nicht dessen wird, was die Gelbwesten, der Widerstand gegen die Rentenreform, die radikalen &#246;kologischen K&#228;mpfe, die Revolte der rassialisierten Armen (was auch immer in den Ecken der Welt ihre Existenzformen sein m&#246;gen) waren, sondern dessen, was sie ausmachte. Diese seltsame Klasse, die man &#8222;Proletariat&#8220; nennt, konstituiert sich nur in der Infragestellung durch alle Unterdr&#252;ckten/Ausgebeuteten dessen, was sie definiert, und nicht in ihren Forderungen als solche.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;R.S.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;02.07.23&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Kommentar zum Artikel:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Ich m&#246;chte auf die paar Zeilen des Absatzes bez&#252;glich des Kampfes gegen die Rentenreform zur&#252;ckkommen. Ich denke, dass die Aussage &#034;ihr Ziel war nur die Niederlage&#034; nicht nur falsch ist, sondern auch geringsch&#228;tzend gegen&#252;ber den Millionen von Leuten, die auf den Strassen waren und manchmal streikten. Man kann vielleicht sagen, dass ihr Horizont die Niederlage war, und ich denke, dass es diesbez&#252;glich kaum Illusionen gab, doch der Horizont ist nicht das Ziel. Ein Kampf und sogar eine Demo, wie kontrolliert sie auch immer sein mag, ist immer ein Daseinsmoment einer Gruppe, wenn nicht einer Klasse, in all den Unw&#228;gbarkeiten ihrer Diversit&#228;t und ihrer Existenz. Wie scharfsinnig man auch immer sein mag, man kann immer hoffen, dass man den Dingen eine andere Richtung geben oder sie aufschieben kann. Und sowieso gibt es das Gl&#252;ck und die Notwendigkeit, da zu sein, mit oder ohne Illusionen.&lt;/div&gt;
&lt;div&gt; &lt;/div&gt;
&lt;div&gt;R.S., 06.07.23&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=20989&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://haters.noblogs.org/post/2023/07/07/translation-statistics-and-sentiments-on-the-riots-of-june-2023-by-r-s/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Englische &#220;bersetzung&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://necplusultra.noblogs.org/post/2023/07/04/180/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Spanische &#220;bersetzung&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Wellen und Wogen: Anmerkungen zur Ukraine in der langen Krise</title>
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&lt;p&gt;Es hindert uns also nichts, unsre Kritik an die Kritik der Politik, an die Partheinahme in der Politik, also an wirkliche K&#228;mpfe anzukn&#252;pfen und mit ihnen zu identificieren. Wir treten dann nicht der Welt doctrin&#228;r mit einem neuen Princip entgegen: Hier ist die Wahrheit, hier kniee nieder! Wir entwickeln der Welt aus den Principien der Welt neue Principien. Wir sagen ihr nicht: lass ab von deinen K&#228;mpfen, sie sind dummes Zeug; wir wollen dir die wahre Parole des Kampfes zuschrein. Wir (...)&lt;/p&gt;


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		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Es hindert uns also nichts, unsre Kritik an die Kritik der Politik, an die Partheinahme in der Politik, also an &lt;i&gt;wirkliche&lt;/i&gt; K&#228;mpfe anzukn&#252;pfen und mit ihnen zu identificieren. Wir treten dann nicht der Welt doctrin&#228;r mit einem neuen Princip entgegen: Hier ist die Wahrheit, hier kniee nieder! Wir entwickeln der Welt aus den Principien der Welt neue Principien. Wir sagen ihr nicht: lass ab von deinen K&#228;mpfen, sie sind dummes Zeug; wir wollen dir die wahre Parole des Kampfes zuschrein. Wir zeigen ihr nur, warum sie eigentlich k&#228;mpft, und das Bewusstsein ist eine Sache, die sie sich aneignen &lt;i&gt;muss&lt;/i&gt;, wenn sie auch nicht will. [&#8230;] Unser Wahlspruch muss also sein: Reform des Bewusstseins nicht durch Dogmen, sondern durch Analysirung des mystischen sich selbst unklaren Bewusstseins, trete es nun religi&#246;s oder politisch auf.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Marx an Ruge, &#8222;Ein Briefwechsel von 1843&#8220; in Deutsch-franz&#246;sische (...)&#034; id=&#034;nh1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die D&#252;rftigkeit der Geopolitik&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unmittelbar vor der Ank&#252;ndigung der russischen Regierung, dass sie &#8222;milit&#228;rische Spezialoperationen&#8220; in der Ukraine mit dem festgelegten Ziel der Demilitarisierung und der &#8222;Entnazifizierung&#8220; durchf&#252;hren werde, war die sogenannte &#8222;Linke&#8220; entlang vertrauten parteiinternen Linien gespalten. In einer Darbietung dessen, was Leila Al-Shami den &#8222;&#8218;Antiimperialismus&#8216; der Idioten&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Leila Al-Shami, &#8222;Der &#8218;Antiimperialismus&#8216; der Idioten&#8220;, 2018. Leila (...)&#034; id=&#034;nh2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; genannt hat, plapperten viele westliche angeblich &#8222;sozialistische&#8220; Organisationen und angebliche &#8222;Kommunisten&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Z.B. die Position der Partei f&#252;r Sozialismus und Befreiung (PSL) oder der (...)&#034; id=&#034;nh3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; in den sozialen Medien eine Analyse nach, in welcher die USA der einzige imperiale Akteur in einer polaren Welt ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Z.B. Branko Marcetic, &#8222;With Putin's Ukraine Incursion, Hawks in Washington (...)&#034; id=&#034;nh4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Gem&#228;ss dieser Geschichte ist das russische Handeln in der Region seither, da die USA die Maidan-Revolution 2014 mit ihren rechtsextremen ukrainischen Nationalisten und Neonazi-Regimenten unterst&#252;tzten, in seinem Wesen allen voran &#8222;antifaschistisch&#8220; und &#8222;antiimperialistisch&#8220; gewesen. Auf diese Weise dargestellt, sind die USA und die NATO inhaltsgleich mit &#8222;Imperialismus&#8220; als solchem, w&#228;hrend ihre geopolitischen Konkurrenten einen ungleichm&#228;ssigen aber strategischen &#8222;Pol&#8220; gegen diesen &#8222;westlichen Imperialismus&#8220; bilden, eine Formulierung, die, in dieser Darstellung, &#252;berfl&#252;ssig wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Viel anarchistische Analyse im Angebot ist, in der englischsprachigen Welt zumindest, kaum besser als die ihrer Kontrastfiguren in der &#8222;antiimperialistischen&#8220; Partei der Ordnung. Wenn es auch der Intuition widersprechen mag, die Szene ist hier bemerkenswert &#228;hnlich: Staatliche Autorit&#228;t und geopolitische Interessen sind die fundamentalen Organisationsprinzipien der globalen Machtverteilung. Ihrer historischen Spezifizit&#228;t und ihres gesellschaftlichen Inhalts beraubt, f&#228;llt die Form mit dem Inhalt zusammen und der Staat nimmt einen Fetischcharakter an und wird reduktiv zu einem Objekt der Emp&#246;rung. In der Ukraine wurde eine verallgemeinerte Konfrontation mit dem Staat durch die Pr&#228;senz von Faschisten und &#8222;Antifaschisten&#8220; auf &#8222;beiden Seiten&#8220; erschwert. F&#252;r den reduktiven Anarchisten ist es, als ob die Ukrainer &#8222;zwischen zwei Fronten&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;CrimethInc, &#8222;Ukraine: Zwischen zwei Fronten. Anarchist*innen in der Region (...)&#034; id=&#034;nh5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; gefangen w&#228;ren, die bez&#252;glich ihrer Urspr&#252;nge als unabh&#228;ngig erscheinen, jedoch in ihrer Wirkung gleich gef&#228;hrlich sind. Jeder Weg aus diesem Morast ist vernebelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Orientierungslosigkeit hat zur irritierenden Suche nach einer &#8222;anarchistischen Position&#8220; innerhalb des Krieges selbst beigetragen. Dieser Strang anarchistischer Geopolitik macht Staaten und staatliche Macht nicht nur undurchl&#228;ssig f&#252;r historische Analyse und Kritik, er verwechselt auch seine eigene utopische Staatsfeindlichkeit mit einer materiellen gesellschaftlichen Position. &#8222;Anarchistischer Kampf&#8220; oder &#8222;anarchistische Intervention&#8220; gegen den Staat ersetzen schlicht und einfach Klassen-, Rassen-, Geschlechter- und koloniale Verh&#228;ltnisse in der systematischen Dialektik des Kapitals. Was Kriegssituationen allen voran aufzeigen, ist die Tatsache, dass &#8222;radikale&#8220; Positionen kaum, wenn &#252;berhaupt von Bedeutung sind. Wenn die Moral f&#252;r grundlegende Analyse einspringt, kann sich die politische Theorie nur noch an Strohhalme klammern&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe z.B.: &#8222;[E]ine anarchistische Positionalit&#228;t bedeutet, sich seinen (...)&#034; id=&#034;nh6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was hat kommunistische Theorie zur gegenw&#228;rtigen Krise und zum Krieg anzubieten? Weiter unten skizzieren wir einige Betrachtungen, in welchen das geopolitische Narrativ mit den zentralen Akteuren NATO und Putin zugunsten einer Betrachtung des Kapitalismus in seiner globalen Totalit&#228;t in den Schatten tritt: Eine gnadenlose Hydra, deren zahlreiche K&#246;pfe dazu verdammt sind, sich in einem endlosen Zyklus der Selbstzerfleischung gegenseitig zu bek&#228;mpfen. Innere Fragmentierung und Konflikt sind langanhaltende Tendenzen des Kapitals in seinem Kampf um die Verwaltung gesellschaftlicher und &#246;kologischer Krise und der &#220;berwindung proletarischer Revolten. Die sich entfaltende Situation in der Ukraine l&#246;st Welleneffekte in der ganzen kapitalistischen Welt aus. Das bietet ein Fenster in diesen inneren Nischen des Chaos und gibt uns die Gelegenheit, diese Krise als Kommunisten zu analysieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was gemeinhin &#8222;die Wirtschaft&#8220; genannt wird, ist eine abstrakte Logik, eine Reihe von unpers&#246;nlichen, leidenschaftslosen Beziehungen, die durch die konkrete Realit&#228;t der Fragmentierung, des Elends und der Feindseligkeit operieren. Wenn man von &#8222;L&#228;ndern&#8220;, &#8222;Staaten&#8220;, &#8222;nationalen Interessen&#8220;, &#8222;Regimes&#8220; oder den Machenschaften der Realpolitik spricht, muss man verstehen, dass sie kaum mehr als manich&#228;ische Formen, innere Spaltungen und Spannungen in der Struktur der kapitalistischen Produktionsverh&#228;ltnisse sind. Das Wertgesetz ist weltumspannend und totalisierend, doch sein Fluss wird durch Trennung und Differenzierung vollendet. Die Totalit&#228;t der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse nimmt personalisierte und antagonistische Formen wie Unternehmen, aber auch Klasse, Rasse, Gender und Nation an&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zu Klasse als eine Abstraktion, die durch konkrete rassialisierte und (...)&#034; id=&#034;nh7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Sie nimmt die Formen von Kartellen, Monopolen, vertikal integrierten Wertsch&#246;pfungsketten, Lieferketten, nationalen Grenzen und W&#228;hrungen an. Sie nimmt die Form von Staaten an.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die h&#228;ufig heftige Konfrontation, die Repression und der Zwang, die solche Verh&#228;ltnisse regulieren, liegen nicht ausserhalb des Kapitals, sondern sie sind seinen Reproduktionsgesetzen immanent&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Marx betonte, dass die &#228;ussere Kraft der Konkurrenz den Gesetzen der (...)&#034; id=&#034;nh8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Im Kampf zwischen Staaten und Territorialit&#228;t nimmt der prozessierende Widerspruch&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Das Kapital ist selbst der prozessierende Widerspruch [dadurch], da&#223; es (...)&#034; id=&#034;nh9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; des Kapitals eine politische Form an&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In Bezug auf den laufenden Ukraine-Krieg hat Roland Simon beobachtet, wie (...)&#034; id=&#034;nh10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Geopolitik ist dann im besten Falle eine Spur der strengen Verwertungslogik&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wie Chuang es formuliert: &#8222;Vertraue nie jemandem, der von der Welt in rein (...)&#034; id=&#034;nh11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Besonders in Krisenzeiten ist ihr analytischer Gehalt knapp und ihre ann&#228;hernden Berechnungen k&#246;nnen zu verheerenden politischen Schl&#252;ssen f&#252;hren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Vor kurzem haben Antithesi und Cognord die als staatliche Politik (...)&#034; id=&#034;nh12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Da sie unf&#228;hig ist, die Verallgemeinerung der Krise, den Niedergang und das Auftauchen politischer Irrationalit&#228;t im Chaos des Krieges zu erkl&#228;ren, r&#252;ckt die geopolitische Analyse immer n&#228;her an Verschw&#246;rungstheorien, ges&#228;ttigt mit Klagen &#252;ber &#8222;Massenpsychose&#8220; und neurokognitiver Manipulation, die nicht viel mehr tun, als die wirklichen historischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse, welche die materielle Wirklichkeit konstituieren, zu psychopathologisieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Z.B. Franco &#8222;Bifo&#8220; Berardi, &#8222;The Precipice &#8211; Ukraine's Inter-White War Is (...)&#034; id=&#034;nh13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Kommunisten w&#252;rden diesen Fetisch besser Kolumnisten, Experten, Exzentrikern unter dem Niveau von Reddit und Diskursen in der Kleinbrauerei &#252;berlassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Das Periodisierungsproblem&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Der Sieg der Bourgeoisie ist der Sieg der &lt;i&gt;zutiefst geschichtlichen&lt;/i&gt; Zeit, weil sie die Zeit der wirtschaftlichen Produktion ist, die die Gesellschaft fortw&#228;hrend und von Grund auf ver&#228;ndert [&#8230;] Die Geschichte [&#8230;] wird jetzt als die &lt;i&gt;allgemeine Bewegung&lt;/i&gt; begriffen, und in dieser strengen Bewegung werden die Individuen aufgeopfert.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Guy Debord, Die Gesellschaft des Spektakels, 1967, These 141.&#034; id=&#034;nh14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ob sich der gegenw&#228;rtige Moment als Trag&#246;die oder als Farce entfaltet, kann wom&#246;glich nur als blosse ideologische Unterscheidung gekl&#228;rt werden. Auf jeden Fall scheint es viel klarer, dass wir uns, wenn wir jegliche Hoffnung haben, die Verw&#252;stung, Zerst&#246;rung und Fehltritte zu begreifen, mit den toten Generationen, deren akkumulierte soziale Praxis jenen Boden durchdrungen hat, aus welchem die Lebenden ihre Entschlossenheit und Handlungsf&#228;higkeit beziehen, konfrontieren m&#252;ssen. Das Problem historischer Bedingungen, die so, wie sie sind, von der Vergangenheit &#252;bermittelt werden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Hegel bemerkte irgendwo, da&#223; alle gro&#223;en weltgeschichtlichen Tatsachen (...)&#034; id=&#034;nh15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, und die Zw&#228;nge, die sie den sie begleitenden Kampfzyklen auferlegen, stellen das Problem der Periodisierung dar&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Roland Simon, &#8222;The Concept of the Cycles of Struggle&#8220;, 2008.&#034; id=&#034;nh16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Wer auch immer nahelegt, dass der russisch-ukrainische Krieg seine Wurzeln im Jahr 2014 oder im postsowjetischen Expansionismus der Nato habe, ist entweder ein Narr oder ein Schwindler. Jene, welche die Situation andererseits nur als j&#252;ngstes Aufflackern einer fast schon transhistorischen br&#252;derlichen Rivalit&#228;t zwischen der Ukraine und Russland pr&#228;sentieren, handeln in einer &#228;hnlich albernen und heuchlerischen Sph&#228;re. Die Anpassungen des Kapitals in seiner &lt;i&gt;longue dur&#233;e&lt;/i&gt; sind viel dynamischer und dissonanter als es diese monotonen T&#246;ne erlauben w&#252;rden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seit der Aufl&#246;sung der Sowjetunion ist es Russland weit besser als der Ukraine ergangen, doch es konnte der Entstellung durch die lange Krise des Kapitalismus nicht entfliehen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die &#8222;lange Krise&#8220;, der &#8222;lange Abschwung&#8220; oder die &#8222;lange Depression&#8220; (...)&#034; id=&#034;nh17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Um seine gegenw&#228;rtige Stellung in der Weltwirtschaft zu verstehen, ist es wichtig, die l&#228;ngere Geschichte der UdSSR und ihr industrielles Entwicklungsprogramm zu betrachten. Die gescheiterte &#8222;Modernisierung&#8220; (z.B. die Industrialisierung) im Entwicklungsverlauf und das Tempo der europ&#228;ischen Nationen, mit welchen Russland zunehmend im Wettbewerb um Rohstoffe, Energie und M&#228;rkte stand, setzten das sp&#228;te Zarenreich betr&#228;chtlich unter Druck und trugen zu seiner Unf&#228;higkeit, die st&#228;dtische Bev&#246;lkerung zu ern&#228;hren, und zu weit verbreiteten Unruhen und dem Aufruhr von 1905 und den anschliessenden Revolutionen im Februar und Oktober 1917 bei&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Beschaffung und Verteilung von Lebensmitteln war eine wiederkehrende (...)&#034; id=&#034;nh18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Das Ausmass, in welchem die bolschewistische Revolution, der Russische B&#252;rgerkrieg, die Neue &#214;konomische Politik und die Gr&#252;ndung der UdSSR die Form eines b&#252;rokratischen &#8222;Staatskapitalismus&#8220; oder eines &#8222;degenerierten Arbeiterstaates&#8220; annahm, verursachte viele Kontroversen unter Anarchisten, Kommunisten, Theoretikern und Geschichtsschreibern&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r eine &#220;bersicht &#252;ber diese Debatten, prim&#228;r innerhalb der (...)&#034; id=&#034;nh19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Da sie dadurch moralisch beurteilt wurden, erschienen die proletarischen Aufst&#228;nde und b&#228;uerlichen Revolten von 1905 und 1917 als Misserfolge der kommunistischen Bewegung, blosse b&#252;rgerliche Konterrevolutionen, eingeh&#252;llt im Dogma und der Rhetorik des Marxismus und im revolution&#228;ren Kult rund um Lenin, Trotzki und Stalin.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl die Reaktion und die Repression von Revolte tats&#228;chlich w&#228;hrend dem bolschewistischen Aufstieg vorherrschend waren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Z.B. Ida Mett, The Kronstadt Uprising of 1921, 1948.&#034; id=&#034;nh20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, w&#252;rden wir durch die &#220;bernahme eines unbeirrbaren Narrativs des Scheiterns Gefahr laufen, historische Analyse gegen moralischen Aphorismus und Tautologie einzutauschen. Wenn wir hingegen die Begriffe der Revolution 1917 und die innere Entwicklung der UdSSR historisieren, kommen wir zu einer anderen Beurteilung. Die historischen Eigenschaften des proletarischen Kampfes gegen das Reich und die Republik &#8211; die Gr&#252;ndung der Sowjets, der R&#228;te und der Arbeiterselbstverwaltung &#8211; entsprechen dem, was Th&#233;orie communiste (TC) als die Periode des Programmatismus bezeichnet hat&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Th&#233;orie communiste, &#8222;Much Ado about Nothing&#8220;, 2008.&#034; id=&#034;nh21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In dieser &#196;ra wird die kommunistische Bewegung als Programm ausgedr&#252;ckt &#8211; die Befreiung der Arbeit vom Kapital &#8211;, das durch die Affirmation des Proletariats als Klasse erreicht werden soll. Die proletarische Aktivit&#228;t w&#228;hrend dieser Periode nahm die Form von Arbeiterselbstverwaltung, parlamentarischer Politik, der Avantgardepartei und der klassischen Arbeiterbewegung an&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Endnotes, &#8222;A History of Separation&#8220;, 2015. Die anarchistische (...)&#034; id=&#034;nh22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die von TC angebotene Periodisierung ist durch ihre Analyse der formellen und der reellen Subsumtion strukturiert&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb23&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Formelle Subsumtion, manchmal als formelle Herrschaft &#252;bersetzt, ist die (...)&#034; id=&#034;nh23&#034;&gt;23&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Sowohl f&#252;r TC als auch f&#252;r den (ehemaligen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb24&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ein fr&#252;her und einflussreicher Theoretiker der franz&#246;sischen und (...)&#034; id=&#034;nh24&#034;&gt;24&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) kommunistischen Theoretiker Jacques Camatte kann formelle und reelle Subsumtion &#252;ber den unmittelbaren Produktionsprozess hinaus projiziert werden, um das Verh&#228;ltnis zwischen Kapital und Arbeit im weiten Sinne (TC) oder die Gesellschaft in ihrer Totalit&#228;t (Camatte) zu erkl&#228;ren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb25&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r eine Analyse und Kritik dieser Periodisierung sowie der unver&#246;ffentlichten&#034; id=&#034;nh25&#034;&gt;25&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Im historischen Schema von TC wird die Periode der formellen Subsumtion durch einen programmatistischen Kampfzyklus definiert. In der Periode der reellen Subsumtion ist der Kampfzyklus einer der Kommunisierung &#8211; der Selbstnegation des Proletariats als unmittelbare Hervorbringung von Kommunismus. Formelle und reelle Subsumtion sind jedoch nicht zwei abgesonderte Perioden. Sie sind eher sich kontinuierlich entfaltende Prozesse absoluter und relativer Mehrwertproduktion, die nebeneinander auftreten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb26&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Daher Marx&#8216; Kapitel zur Produktion des absoluten und relativen Mehrwerts (...)&#034; id=&#034;nh26&#034;&gt;26&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Trotzdem offeriert dieses Schema der Periodisierung einen wichtigen Kern analytischer Wahrheit: Der Inhalt und die Form des proletarischen Kampfes haben historische Grundlagen und Grenzen, die den inneren Dynamiken und der Bewegungsbahn des Kapitals entsprechen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eher denn als formelle und reelle Subsumtion k&#246;nnen diese Dynamiken passender durch eine Periodisierung &#220;bergang, Entwicklung der Produktivkr&#228;fte, Krise und Stagnation charakterisiert werden. Formelle Subsumtion im Allgemeinen beschreibt den ungleichm&#228;ssigen &#220;bergang zum Kapitalismus. Die Eigenschaften der programmatistischen Periode gelten, da das &#8211; enteignete und vom Markt abh&#228;ngige &#8211; Proletariat k&#228;mpft, um sich selbst als Klasse gegen die alten Regime, Klassen- und Eigentumsstrukturen durch die Aktivit&#228;t der Arbeiterbewegung zu verwirklichen. Darin findet es im Kapital einen Verb&#252;ndeten und zusammen bilden sie die beiden Pole der systematischen Dialektik des Kapitals&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb27&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Chris Arthur, The New Dialectic and Marx's Capital, Brill, 2003. Siehe (...)&#034; id=&#034;nh27&#034;&gt;27&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie wir sehen werden, entfaltete sich das spezifische Wesen des sozialistischen Wirtschaftsprogramms als besch&#228;digter &#220;bergang und industrielle Entwicklungsb&#252;rokratie, das in wiederkehrenden Krisen, anhaltender Stagnation und dem schliesslichen Niedergang und der Aufl&#246;sung der UdSSR m&#252;ndete. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, ist die UdSSR nicht so sehr ein moralisches Scheitern, sondern das prim&#228;re Produkt der Kampfperiode, in welcher sie entstanden ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Brot, Energie und der russische Weg&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend des gesamten 19. Jahrhunderts blieb das Russische Reich weit hinter seinen internationalen Konkurrenten in Europa zur&#252;ck. Die kapitalistische Entwicklung in diesen Regionen setzte die Produzenten im russischen Orbit unter Druck, doch dort existierte weder eine materielle Grundlage f&#252;r einen &#8222;inneren&#8220; kapitalistischen &#8222;&#220;bergang&#8220;, noch seine historische Unvermeidbarkeit&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb28&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Endnotes, &#8222;A History of Separation: The Construction of the Workers&#8216; (...)&#034; id=&#034;nh28&#034;&gt;28&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Trotzdem mussten sich, da die globalen M&#228;rkte mit Waren von kapitalistischen Produzenten &#252;berflutet wurden, die sogenannten &#8222;nichtkapitalistischen&#8220; Regionen einer ver&#228;nderten politisch-&#246;konomischen Realit&#228;t anpassen &#8211; und zwar schnell. Diese &#8222;sp&#228;ten &#220;berg&#228;nge&#8220; brauchten die durch protektionistische Staaten zur Verf&#252;gung gestellte Brutzeit, um eine schnelle Industrialisierung auszul&#246;sen. In der zweiten H&#228;lfte des 19. Jahrhunderts kam es zu einer dramatischen Kaskade rassialisierter Klassenk&#228;mpfe, innerer Streitigkeiten und nationalstaatlicher Konsolidierung, die in einer Rekonfiguration der globalen Kapitalakkumulation resultierte. Die Vereinigung Deutschlands und Italiens, der Amerikanische B&#252;rgerkrieg, der Schwarze Wiederaufbau und seine Konterrevolution, indigene Enteignung und landwirtschaftliche Expansion westw&#228;rts in die Grossen Ebenen, die Abschaffung der Leibeigenschaft in Russland, die Meiji-Restauration in Japan und die Opiumkriege und die Gr&#252;ndung von Hafenst&#228;dten mit Manufakturen in China &#8211; das sind alles Beispiele f&#252;r diese allgemeine Tendenz eines staatsgeleiteten &#220;bergangs.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der imperialen Sph&#228;re Russlands k&#246;nnen 1905, 1917 und 1922 allesamt als Fortsetzung dieses Prozesses verstanden werden. W&#228;hrend dieser Periode und w&#228;hrend einem grossen Teil des 20. Jahrhunderts funktionierte die UdSSR prim&#228;r als &#8222;sozialistisches Entwicklungsregime&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb29&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Chuang benutzte zuerst die Bezeichnungsweise &#8222;sozialistisches (...)&#034; id=&#034;nh29&#034;&gt;29&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Wie ihr imperialer deutscher Vorg&#228;nger offerierte sie einen starken Schutz gegen M&#228;rkte, die von Grossbritannien und zunehmend den USA beherrscht wurden, um den zerbrechlichen Prozess des grossangelegten industriellen &#220;bergangs, der landwirtschaftlichen Transformation und der Proletarisierung zu n&#228;hren. Das erreichte der Entwicklungsstaat durch besondere b&#252;rokratische Kontrollen &#252;ber die Produktion und die Distribution der G&#252;ter. Er schr&#228;nkte Marktbeziehungen und Warenaustausch aktiv ein und betrieb stattdessen die Distribution von Konsumg&#252;tern und Rohmaterialien f&#252;r die Schwerindustrie durch die Planung der Produktivit&#228;t und die Beschr&#228;nkung des Geldes auf seine Funktion als Zirkulationsmittel. Der Produktionsprozess wurde allerdings immer noch durch entfremdete abstrakte Arbeit determiniert. Als solche waren seine Resultate Werte und auch Gebrauchswerte. Trotzdem, und wegen der b&#252;rokratischen Planungsmechanismen, konnten diese zirkulierenden Warenwerte nicht angemessen in der Geldform als Preise ausgedr&#252;ckt werden. Das Resultat waren angeborene Ineffizienz und Verschwendung und es kalzifizierte im wirtschaftlichen Apparat der staatlich verwalteten Produktion und Distribution&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb30&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r eine gr&#252;ndlichere Ausarbeitung dieser theoretischen und historischen (...)&#034; id=&#034;nh30&#034;&gt;30&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das war vielleicht nirgends konsequenter als in der sowjetischen Beschaffung und Distribution von Getreide&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb31&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wengle, op. cit.&#034; id=&#034;nh31&#034;&gt;31&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Vor dem Ersten Weltkrieg, der revolution&#228;ren Periode und dem B&#252;rgerkrieg hatte das imperiale Russland den Status als &#8222;Brotkorb der Welt&#8220; erreicht. Getreideexporte, mehrheitlich aus der Ukraine, dem Nordkaukasus und dem Wolgabecken, n&#228;hrten st&#228;dtische Arbeiter im sich industrialisierenden Westeuropa, besonders in Grossbritannien, Deutschland und den Niederlanden. Russische Einwanderer und Siedler brachten Weizenst&#228;mme in die Ebenen der USA und Kanada und trugen zur Einf&#252;hrung der landwirtschaftlichen Produktion in diesen Regionen bei. Ab der zweiten H&#228;lfte des 19. Jahrhunderts repr&#228;sentierte russischer Weizen ungef&#228;hr zwischen einem Viertel und einem Drittel des Welthandels. Das Reich tauschte diese Weizen&#252;bersch&#252;sse gegen landwirtschaftliche Maschinerie und andere industrielle Produkte. Mit dem Ausbruch des Krieges wurden die internationalen Beziehungen abgebrochen und die Weizenexporte brachen ein. Das blieb w&#228;hrend mehr als einem Jahrzehnt so&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb32&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 62.&#034; id=&#034;nh32&#034;&gt;32&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#8222;Brotfrage&#8220; und das &#8222;Weizenproblem&#8220; waren eine anhaltende Quelle des &#196;rgers f&#252;r sowjetische Planer. Der landwirtschaftliche &#220;bergang und eine Revolution in den l&#228;ndlichen Klassenstrukturen wurden zu zentralen Anliegen der Bolschewisten. Das Problem hatte zwei bedeutende Aspekte. Erstens mussten sie die Rote Armee w&#228;hrend dem B&#252;rgerkrieg ern&#228;hren. Zweitens mussten sie jenes st&#228;dtische Proletariat, welches die ideologische Grundlage der Revolution darstellte, mit g&#252;nstigen Lebensmitteln versorgen. Obwohl die bolschewistische Partei aus Angeh&#246;rigen der st&#228;dtischen Intelligenz, der Sowjets und industriellen Arbeitern zusammengesetzt war, war die grosse Mehrheit der Bev&#246;lkerung des russischen Reiches landwirtschaftlich. Es ist &#252;berfl&#252;ssig, diese Geschichte hier noch einmal aufzurollen. Es gen&#252;gt, zu unterstreichen, dass die Abh&#228;ngigkeit von der arbeitsintensiven Landwirtschaft und eine widerspenstige Landbev&#246;lkerung f&#252;r Lenin, Bucharin, Tschajanow und die sowjetischen Agronomen politisch-&#246;konomische Anliegen waren. Als Bauern revoltierten und Land in Besitz nahmen, hatte Lenin kaum eine andere Wahl als diese &#8222;Schwarze Umverteilung&#8220; zu erlauben, das Privateigentum abzuschaffen und das Land unter der Bauernschaft durch das Dekret &#252;ber Grund und Boden 1917 umzuverteilen. Das war nicht nur entscheidend f&#252;r den Erfolg der Revolution, sondern es war es auch danach, um ein wachsendes Proletariat w&#228;hrend dem industriellen &#220;bergang stets zu ern&#228;hren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb33&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 38-48.&#034; id=&#034;nh33&#034;&gt;33&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die kommunalen Strukturen der russischen Bauernschaft wurden in den ersten Jahren nach der Revolution weitgehend intakt gehalten. Dennoch war die Produktivit&#228;t viel niedriger als in der vorrevolution&#228;ren Periode. Russland war nicht mehr der Brotkorb einer sich schnell industrialisierenden Welt. Die Planer strebten nach dieser Stellung. Ihre Absicht war es, Weizenexporte wie in der sp&#228;ten imperialen &#196;ra zum Treiber der Industrialisierung durch Technologie- und Kapitalimporte zu machen. Die Neue &#214;konomische Politik f&#252;hrte neue Anbaumethoden und Technologien ein und ersetzte Kulturen zum Eigenbedarf durch f&#252;r den Verkauf und die Industrie bestimmte wie Getreide, R&#252;ben und &#214;lsamen. Die sowjetische Planung priorisierte den Beschaffungspreis vor allem anderen. Das bedeutete in Anbetracht der Zentralit&#228;t schneller Industrialisierung g&#252;nstiges Getreide, nahm den b&#228;uerlichen Produzenten hingegen jegliche Anreize und verschaffte ihnen nicht die Kapazit&#228;t, arbeitssparende Technologien einzuf&#252;hren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb34&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh34&#034;&gt;34&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sowjetische Offizielle sahen das als &#8222;R&#252;ckst&#228;ndigkeit&#8220; und &#8222;konterrevolution&#228;re&#8220; Aufs&#228;ssigkeit unter der Bauernschaft. Stalin systematisierte lediglich diese zunehmende Animosit&#228;t im ersten F&#252;nfjahresplan in Form der Kollektivierung. Darauf folgte Elend und Hungersnot &#8211; bekannt als der &#8222;Holodomor&#8220; in der Ukraine &#8211; und die verh&#228;ngnisvollen Auswirkungen davon auf dem Land sind allseits bekannt. Trotzdem gelang es mit dem Kollektivierungsprozess bis 1937, 93% des bebaubaren Landes zu konsolidieren. Die gesteigerte Produktivit&#228;t erlaubte niedrigere Beschaffungspreise, was das r&#252;cksichtslose und kurzsichtige Ziel des Industrialisierungsplans war&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb35&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 48-50.&#034; id=&#034;nh35&#034;&gt;35&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Sozialismus in einem Land&#8220; f&#252;hrte zu einer schnellen Industrialisierung zum Preis einer globalen Isolation. Als Teil der Entstalinisierung lockerte Chruschtschow die Kontrollen &#252;ber landwirtschaftliche Arbeit, f&#252;hrte Preis- und Lohnanreize ein und beaufsichtigte den &#252;bergeordneten wirtschaftlichen Handel. Die Chruschtschow-Periode sah auch eine massive Ausweitung bebauten Landes mit der Neulandkampagne. Verbunden mit der Einf&#252;hrung des Maisanbaus weitete die Neulandkampagne neu bebautes Land um &#252;ber 20% aus, allen voran in den zentralasiatischen Territorien. Doch &#246;kologische und klimatische Grenzen liessen das Projekt letztendlich scheitern, denn die Ernte fiel aus und die B&#246;den erodierten langfristig. Getreide setzte dem sozialistischen Entwicklungsregime weiterhin Grenzen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb36&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 38-62.&#034; id=&#034;nh36&#034;&gt;36&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die UdSSR war nicht nur chronisch stagnierend, sie war auch strukturell unbelehrbar. Ab den 1970er Jahren l&#228;utete die Totenglocke f&#252;r diese Unbiegsamkeit im Kampf gegen die fr&#252;hen Stadien der langen Krise des Kapitalismus. Wirtschaftliche Stagnation und Korruption erreichten ihren H&#246;hepunkt unter Leonid Breschnew in den 1970er Jahren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb37&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Michael Roberts, 2017, &#8222;The Russion Revolution: Some Economic Notes&#8220;, 2017.&#034; id=&#034;nh37&#034;&gt;37&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es gab jedoch zentrale Ausnahmen zum allgemeinen R&#252;ckstand der Periode &#8211; Getreide- und &#214;lm&#228;rkte &#8211;, die zu Vorboten der gegenw&#228;rtigen Krise geworden sind&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb38&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Fleischman liefert eine gr&#252;ndliche Darstellung der landwirtschaftlichen (...)&#034; id=&#034;nh38&#034;&gt;38&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Nixon-Administration, die mit zunehmendem Wettbewerb in der Produktion gegen ihre europ&#228;ischen und asiatischen Verb&#252;ndeten, einem zunehmenden, in einem Handelsdefizit resultierenden Defizit aufgrund der Ausgaben f&#252;r den Vietnamkrieg, einer Preissteigerung des Dollars und einem Ansturm auf die US-Goldreserven konfrontiert war, gab 1971 unilateral das Bretton-Woods-System und den festen Dollar-Gold-Wechselkurs auf. Die anschliessende Abwertung des Dollars vollbrachte das, was Nixon sich erhoffte: gesteigerte Wettbewerbsf&#228;higkeit der US-Hersteller. Doch die Auswirkungen beschr&#228;nkten sich nicht darauf. Die Aufgabe der festen Wechselkurse f&#252;hrte zu vermehrter W&#228;hrungsspekulation und einem Ende der Preiskontrollen. Die sowjetischen Planer und die Nixon-Administration traten 1972 in ein noch nie dagewesenes Handelsabkommen ein. Zehn Millionen Tonnen Getreide (haupts&#228;chlich Weizen und Mais) sollte die UdSSR von den USA und Kanada zu subventionierten Preisen erwerben. Die Nixon-Administration sah das als humanit&#228;re Hilfe f&#252;r das von Hungersn&#246;ten gebeutelte sowjetische Landwirtschaftssystem. Verst&#228;rkte Animosit&#228;t gegen&#252;ber Westeuropa, das damit anfing, amerikanische G&#252;ter zu meiden, brachten Nixon und Kissinger dazu, nach neuen aufstrebenden M&#228;rkten zu suchen. Unbeachtet von den USA hatten die sowjetischen Planer 1972 tats&#228;chlich die Landwirtschaft industrialisiert und den Ertrag vergr&#246;ssert. Obwohl Chruschtschow aufgrund seiner Neulandkampagne unbeliebt wurde, verzeichnete die Sowjetunion 1966, 1967 und 1968 Rekordernten. Das wurde durch Breschnews Einf&#252;hrung von importiertem landwirtschaftlichem Material und importierten Technologien und Subventionen zu deren Inkraftsetzung unterst&#252;tzt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb39&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wengle, op. cit., S. 52-54.&#034; id=&#034;nh39&#034;&gt;39&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Import von Getreide war nicht durch die Furcht vor Hungersn&#246;ten getrieben, sondern durch gesteigerte industrielle Viehproduktion, die gleichbedeutend mit einer historischen Restrukturierung des Sowjetsystems war. Nach dem Aufstand 1970 in Polen, der durch die Inflation der Lebensmittelpreise ausgel&#246;st worden war, f&#252;hrte die allgemeine Furcht vor Aufruhr zu einer Politik gesteigerter Fleischproduktion&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb40&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 63.&#034; id=&#034;nh40&#034;&gt;40&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der an Wert verlierende Dollar und das an Wert gewinnende Gold erlaubten es den Sowjets, ihren Kredit unter extrem g&#252;nstigen Umst&#228;nden zur&#252;ckzuzahlen. In den USA war der Getreidedeal ein logistischer Albtraum f&#252;r Getreideproduzenten, Eisenbahnen und H&#228;fen. Er dezimierte die Getreidereserven. Die Nixon-Administration hatte nicht realisiert, dass die globalen Getreidem&#228;rkte &#8211; und nicht nur der sowjetische &#8211; mit Engp&#228;ssen zu k&#228;mpfen hatten. Als Resultat davon stiegen Lebensmittelpreise um 30 Prozent an, da die UdSSR den globalen Getreidemarkt in die Ecke trieb, was dazu f&#252;hrte, dass der Deal fortan &#8222;Der grosse Getreideraub&#8220; genannt wurde&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb41&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r eine detaillierte Geschichte, siehe James Trager, Amber Waves of (...)&#034; id=&#034;nh41&#034;&gt;41&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Drei Jahre sp&#228;ter antworteten die USA mit einem zweiten Getreidedeal. Um in den amerikanischen und globalen Getreidem&#228;rkten Vorhersehbarkeit zu garantieren, verhandelten die USA 1975 einen Deal, in welchem sich die Sowjetunion verpflichtet, eine festgelegte Menge (6 bis 8 Millionen Tonnen) an Getreide oder Mais w&#228;hrend f&#252;nf Jahren zu erwerben. Im Gegenzug verpflichteten sich die USA, 200&#8216;000 F&#228;sser an sowjetischem Roh&#246;l zu kaufen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb42&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wengle, op. cit., S. 63-64.&#034; id=&#034;nh42&#034;&gt;42&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kollaps von Bretton Woods und dem sowjetischen Getreidedeal waren zeitgleich mit einem dritten grossen Schock f&#252;r die Weltwirtschaft: dem &#214;lembargo der OPEC 1973. Da die OPEC-Produzenten das Angebot als Antwort auf den Jom-Kippur-Krieg verknappten, stiegen die &#214;lpreise in Westeuropa und den USA sprunghaft an. Das verschaffte sowjetischen Planern und Ostblockl&#228;ndern, die das meiste ihres Roh&#246;ls aus der UdSSR importierten, einen substanziellen Wettbewerbsvorteil, nicht nur in &#214;lm&#228;rkten, sondern auch in von Treibstoff abh&#228;ngigen Industrien. Der steigende &#214;lpreis war gleichbedeutend mit einem Fluss an Petrodollars in die Truhen der OPEC-Produzenten. OPEC-L&#228;nder hatten keinen gut entwickelten Finanzsektor und darum flossen diese Petrodollars zur&#252;ck in europ&#228;ische und amerikanische Finanzinstitute. Stagnierende Profite in der Herstellung begrenzten dort die M&#246;glichkeiten f&#252;r finanzielle Investitionen. Kapital floss in aufstrebende Volkswirtschaften in Lateinamerika, dem globalen S&#252;den entlang und nach Osteuropa. Die in dieser Periode resultierende Stagflation&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb43&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Das wird weiter unten detaillierter untersucht.&#034; id=&#034;nh43&#034;&gt;43&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; minderte den Geldpreis, da die Zinss&#228;tze tats&#228;chlich null waren. Diese Auswirkungen kombinierten sich und multiplizierten die Kreditaufnahmen zur Entwicklung, auch in der Sowjetunion und im Ostblock&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb44&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Fleischman, op. cit.&#034; id=&#034;nh44&#034;&gt;44&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Mit hohen Warenpreisen verwandelten sich sowjetische &#214;lexporte in gesteigertes Fremdw&#228;hrungseinkommen. Diese Brennstoffertr&#228;ge finanzierten weitere Landwirtschaftssubventionen und wurden gegen gr&#246;ssere Mengen an Tierfutter getauscht&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb45&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wengle, op. cit., S. 54.&#034; id=&#034;nh45&#034;&gt;45&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Konjunkturkrise der 1970er Jahre restrukturierte die globale kapitalistische Wirtschaftsordnung. Als Resultat davon wurde die Sowjetunion in globale Getreide-, Energie- und Kapitalm&#228;rkte hineingezogen. Der Ostblock industrialisierte sich dank des Versprechens billigen Geldes. Obwohl diese Transformationen im globalen wirtschaftlichen Tagesgeschehen nebens&#228;chlich waren, erscheinen sie im Nachhinein als fr&#252;he Zeichen der Zerst&#246;rung. Als die Fed einige Jahre sp&#228;ter die Zinss&#228;tze erh&#246;hte (der sogenannte &#8222;Volcker-Schock&#8220;, der weiter unten erkl&#228;rt wird), wurden die M&#228;rkte illiquide und Investoren k&#252;ndigten substanzielle Teile ihrer Darlehen. Viele osteurop&#228;ische L&#228;nder wurden zahlungsunf&#228;hig. Die Regierungen versuchten, die Steuerkrise durch Sparpolitik und gesteigerte Lebensmittelpreise zu verwalten, das f&#252;hrte zu aufst&#228;ndischen Wellen w&#228;hrend den ganzen 1980er Jahren und schliesslich zu den Revolutionen 1989. Obwohl er gegen die Breschnew-Periode polemisierte, weitete Gorbatschow, als er 1985 die Macht &#252;bernahm, die Dezentralisierung, die Deregulierung und die Marktliberalisierung aus. Diese Paradigmen nahmen in den 1970er Jahren Form an, w&#228;hrend dieser Zeit wurde die sowjetische Wirtschaft durch Marktimperative unter Kontrolle gebracht, allen voran bez&#252;glich Getreide und &#214;l. Gorbatschows Restrukturierung wurde unternommen, um die wirtschaftliche Effizienz in den nicht produktiven Sektoren zu steigern, doch sie trug zur Verursachung des Kollapses der Sowjetunion 1991 bei und kulminierte schliesslich in einer verh&#228;ngnisvollen Wirtschaftskrise&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb46&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Fleischman, op. cit.&#034; id=&#034;nh46&#034;&gt;46&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Staatliche Kapitalanlagen wurden privatisiert und von ehemaligen sowjetischen Regierungsbeamten und B&#252;rokraten erworben, was zur Bildung jener sogenannten &#8222;russischen Oligarchen&#8220; beitrug, f&#252;r welche die amerikanischen Medien eine Obsession haben. Sie sind nichts anderes als die Nutzniesser der Konsolidierung und der Konzentration des Kapitals, die von Bedingungen der Krise und des Elends, einem langen, turbulenten &#220;bergang zum Kapitalismus und von zwei wesentlichen Faktoren der kapitalistischen Produktion &#8211; billiger Nahrung und billiger Energie &#8211; beg&#252;nstigt worden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Krisen der postsowjetischen &#196;ra&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Restrukturierung in den 1970er und 1980er Jahren f&#252;hrte zu gr&#246;sserer Marktabh&#228;ngigkeit. Die Integration in globale Lebensmittelm&#228;rkte verst&#228;rkte sich im Vorfeld des Kollapses von 1991 und die Unruhe nach dem Markt&#252;bergang f&#252;hrte zu weit verbreiteter Lebensmittelknappheit und Inflation. Im Glauben, es w&#252;rde die Produktivit&#228;t steigern, fuhr die Jelzin-Administration mit der Privatisierung landwirtschaftlich nutzbarer Fl&#228;chen fort. Die Bauern waren allerdings mit einem Problem der &#8222;Preisschere&#8220; konfrontiert, einem zunehmenden Missverh&#228;ltnis zwischen landwirtschaftlichem Aufwand und Produktpreisen. Das Ergebnis der landwirtschaftlichen Privatisierung war die starke Vermehrung kleiner Bauern mit wenig Kapital. Sie hatten schlichtweg nicht die Kapazit&#228;t, zur Steigerung der Produktivit&#228;t in neue Technologien zu investieren. Umfassend betrachtet, l&#246;ste die allgemeine Konsolidierung und Zentralisierung der landwirtschaftlich nutzbaren Fl&#228;chen w&#228;hrend den 1990er Jahren f&#252;r kleine Bauern eine Krise aus. W&#228;hrend den gesamten 1990er Jahren waren l&#228;ndliche Russen mit Zahlungsunf&#228;higkeit und Armut konfrontiert. Sogar nach fast 80 Jahren gab es noch keine Antwort auf die &#8222;Brotfrage&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb47&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wengle, op. cit., S. 64-69.&#034; id=&#034;nh47&#034;&gt;47&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die finanzielle Restrukturierung der postsowjetischen Republiken hing vom Gambit der &#8222;Schocktherapie&#8220;-Reformen ab. Angef&#252;hrt von der Jelzin-Administration, dem Internationalen W&#228;hrungsfonds (IWF), der US-Regierung und ausl&#228;ndischen Finanzberatern &#252;bernahm das Programm politische Konzepte, die von der Chicagoer Wirtschaftsschule beeinflusst waren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb48&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Abraham Song, &#8222;Four Reformers in Russia's Shock Therapy&#8220;, 2016.&#034; id=&#034;nh48&#034;&gt;48&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Aufgrund einer Empfehlung des IWF brachte die Restrukturierung mit sich, dass Russland ausl&#228;ndische Kredite zur Finanzierung des Defizits aufnahm. Das integrierte die ehemals isolierte russische Wirtschaft schnell in ausl&#228;ndische Finanzm&#228;rkte. Da Russland immer noch in der &#196;ra der Stagnation und des Taumels aufgrund des Kollapses der Produktion nach dem Niedergang der Sowjetunion feststeckte, vermochte die Finanzierung des Defizits kaum Wachstum zu stimulieren. Was sie jedoch vermochte, war, Russland dazu zu bringen, im Falle einer Finanzkrise anf&#228;llig f&#252;r Zahlungsunf&#228;higkeit zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Krise kam 1998&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb49&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Ben Aris, &#8222;Remembering Russia's 1998 Financial Crisis: The Whole (...)&#034; id=&#034;nh49&#034;&gt;49&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Ihre Wurzeln k&#246;nnen bis zur ostasiatischen Finanzkrise von 1997 zur&#252;ckverfolgt werden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb50&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Ostasienkrise hat selbst vorausgehende Urspr&#252;nge und Vorbedingungen. (...)&#034; id=&#034;nh50&#034;&gt;50&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. W&#228;hrend zwei Dekaden war diese Region die Hochburg der produktionsbasierten Expansion und der &#246;konomischen Dynamik. Diese Periode endete 1997 und die verarbeitende Industrie brach ein. Der Einbruch der Anlagem&#228;rkte und Kapitalflucht folgten. Er breitete sich in der ganzen asiatischen Versorgungskette und der Weltwirtschaft aus, da Finanzinstitute, Banken und Unternehmen aktiv in der Verm&#246;gensverwaltung alle Anlagen in Yen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb51&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Da Japan die vorherrschende Volkswirtschaft in der Region war, hatten (...)&#034; id=&#034;nh51&#034;&gt;51&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; hatten und/oder mit der Preiseinsch&#228;tzung asiatischer Firmen verkettet waren. Die unmittelbaren Konsequenzen des Zusammenbruches waren ein Sturz der globalen Profite, der Warenpreise und des &#214;l- und Gaspreises. Russland und &#8222;aufstrebende Volkswirtschaften&#8220; wie Brasilien und Argentinien wurden in die Krise hineingestossen. Als Waren- und Energieexporteur hatte Russland deswegen schnell keine Fremdw&#228;hrungsreserven mehr, seine W&#228;hrung wurde entwertet, seine Aktien- und Obligationenm&#228;rkte brachen zusammen, was dazu f&#252;hrte, dass es seinen Zahlungsverpflichtungen aufgrund der Staatsverschuldung nicht mehr nachkommen konnte&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb52&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es ist ber&#252;hmt und ber&#252;chtigt, dass das wiederum zum Kollaps des (...)&#034; id=&#034;nh52&#034;&gt;52&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb53&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r eine ausf&#252;hrlichere Darstellung dieser Geschichte, siehe Giovanni (...)&#034; id=&#034;nh53&#034;&gt;53&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl das unmittelbare Resultat inl&#228;ndische Inflation war, machte die schnelle Entwertung des Rubels die Region kompetitiver in der Produktion und den Exporten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb54&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Aris, op. cit.&#034; id=&#034;nh54&#034;&gt;54&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Das, zusammen mit einer darauffolgenden Steigerung der Waren- und Energiepreise, brachte zum ersten Mal seit dem Kollaps der Sowjetunion eine Periode anhaltenden Wirtschaftswachstums. Diese Periode, grob zwischen 1999 und 2010, war jene, wo Putin die Macht und Unterst&#252;tzung im Volk konsolidieren konnte. Der Erfolg seiner &#8222;Agenda zur Ern&#228;hrungssouver&#228;nit&#228;t&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb55&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wengle, op. cit., S. 69.&#034; id=&#034;nh55&#034;&gt;55&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, von der wir weiter unten sprechen werden, gab seinem politischen Aufstieg einen betr&#228;chtlichen Antrieb. Die Flitterwochen waren letztendlich kurz. Ab den 2010er Jahren f&#252;hlten die Regierungen den Druck von frustrierten und widerspenstigen Bev&#246;lkerungen. Nach der Finanzkrise und der Rezession 2008 begann die sogenannte &#8222;Bewegung der Pl&#228;tze&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb56&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Endnotes, &#8222;The Holding Pattern: The Ongoing Crisis and Class Struggles of (...)&#034; id=&#034;nh56&#034;&gt;56&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, Form anzunehmen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb57&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In den meisten Berichten beginnt diese Sequenz der Platzbesetzungen in (...)&#034; id=&#034;nh57&#034;&gt;57&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In Russland ergriff die breiteste Protestbewegung in der postsowjetischen &#196;ra, die Schneerevolution, das Land von 2011 bis 2013, w&#228;hrend die Raten des Reallohnwachstums und jene des BIP per Kopf sich nun in die andere Richtung entwickelten als w&#228;hrend der vorhergehenden Dekade. Ab 2014 war die russische Wirtschaft wieder hinabgezogen in das Muster der globalen Stagnation. Das bringt uns zur Ukraine zur&#252;ck.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der lange Winter&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist wesentlich, die lange wirtschaftliche Depression in der Ukraine zu verstehen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb58&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Michael Roberts, &#8222;Ukraine: Trapped in a War Zone&#8220;, 2022.&#034; id=&#034;nh58&#034;&gt;58&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Von allen Nationalstaaten des ehemaligen sowjetischen Blockes hat sie den tiefgehendsten Niedergang seit 1991 erlebt. W&#228;hrend der sowjetischen &#196;ra basierte ihre wirtschaftliche Entwicklung auf Metallabbau und in erster Linie der Herstellung von Eisen und Stahl. In der Zwischenzeit haben die globale Produktionskrise der 1970er Jahre, der Wettbewerb, das &#220;berangebot auf dem Markt und die Desindustrialisierung diese Sektoren zerst&#246;rt. Am deutlichsten trat dies seit der Aufl&#246;sung der Sowjetunion hervor, was zu einer massiven Depression in den gesamten 1990er Jahren f&#252;hrte. Das Wachstum der Arbeitsproduktivit&#228;t war in der Ukraine besonders stockend&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb59&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;CEIC Data, &#8222;Ukraine Labour Productivity Growth&#8220;.&#034; id=&#034;nh59&#034;&gt;59&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Verglichen mit &#228;hnlichen europ&#228;ischen Staaten in der Region hat sie die tiefsten L&#246;hne&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb60&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Tom Coup&#233;, &#8222;Ukraine's Labor Force: Producing Little, with Lots of (...)&#034; id=&#034;nh60&#034;&gt;60&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Auf globaler Ebene hat das Land die f&#252;nftniedrigste Wachstumsrate des BIP pro Kopf&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb61&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Roberts, &#8222;Ukraine: Trapped in a War Zone&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh61&#034;&gt;61&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es hat sich nie erholt und das Niveau vor dem Niedergang nie mehr erreicht&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb62&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Adam Tooze, &#8222;Putin's Challenge to Western Hegemony &#8211; the 2022 Edition&#8220;, 2022.&#034; id=&#034;nh62&#034;&gt;62&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Diese unnachgiebige Stagnation hat Wunden in der ukrainischen Wirtschaft hinterlassen, was sie Finanzkrisen und ausl&#228;ndischer Konkurrenz &#252;ber Kapitalinvestitionen aussetzt. Niedrige Produktivit&#228;tsraten und eine &#220;berkapazit&#228;t in der Produktion ergeben kombiniert niedrige Profitraten. Mit der niedrigen Profitabilit&#228;t auf versunkenes Kapital gingen neue Investitionen zur&#252;ck. Jegliches Wirtschaftswachstum in der postsowjetischen Periode ist gering, sporadisch und zuerst von der grossen Rezession 2008, danach von den Unruhen 2013-2014 (der sogenannten Maidan-Revolution), der russischen Annexion der Krim und j&#252;ngst der Covid-19-Pandemie einged&#228;mmt worden. Dass die stagnierende Schwerindustrie allen voran im &#246;stlichen Donbass konzentriert ist, hat zur weit verbreiteten Unzufriedenheit in der Region beigetragen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Bedingungen spitzten sich nach der Finanzkrise von 2008 zu&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb63&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh63&#034;&gt;63&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Sogar vor der Krise hatte die Ukraine eine der niedrigsten Wirtschaftswachstumsraten weltweit. Weil das Land so stark von Warenexporten und Exporten aus der Schwerindustrie abh&#228;ngt, erlebte es 2008, nachdem die Preise gesunken waren, eine tiefe Krise. Die Regierung bat den IWF, die EU und Russland um Darlehen. Darlehen von den westlichen Machtbl&#246;cken kamen mit der Bedingung der &#8222;strukturellen Anpassungen&#8220;, d.h. strenger Sparpolitik. Anf&#228;nglich sicherte sich die Ukraine nach allen Seiten ab und wandte sich an Russland, da seine angebotenen Darlehen weniger streng und restriktiv waren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Neuausrichtung hin zur russischen Sph&#228;re war ein Ausl&#246;ser f&#252;r die Maidan-Bewegung (Maidan bedeutet &#8222;Platz&#8220;) w&#228;hrend dem Winter 2013 und 2014 und f&#252;r das Wiedererwachen des ukrainischen Nationalismus, der Rechtsaussenparteien und Neonazis. Wie die breitere Pl&#228;tzebewegung in diesem Kampfzyklus&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb64&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Endnotes, &#8222;The Holding Pattern&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh64&#034;&gt;64&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; bestanden die Maidan-Proteste aus einer bunt gemischten Masse von prowestlichen liberalen Reformern und Universit&#228;tsstudenten, die von der ukrainischen Politik und der Administration Viktor Janukowitschs, der die wirtschaftlichen Verbindungen zu Russland verst&#228;rkt hatte, irritiert waren. Doch diese Welle ermunterte auch linke Unzufriedenheit mit &#8222;neoliberalen&#8220; politischen Programmen und Reformen im Staat nach der Krise. Die sich verallgemeinernde Unruhe und hohe Arbeitslosenraten waren die Ursachen f&#252;r die Aktivit&#228;t von verarmten Arbeitern und &#252;bersch&#252;ssigen Bev&#246;lkerungen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb65&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Die Maidan-Proteste in der Ukraine, angezettelt von pro-europ&#228;ischen (...)&#034; id=&#034;nh65&#034;&gt;65&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die involvierte Spontaneit&#228;t und die Erscheinung von Einheit haben einige&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb66&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Crimethinc, &#8222;Between Two Fires&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh66&#034;&gt;66&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; zur positiven moralischen Beurteilung gebracht, dass die &#8222;Revolution der W&#252;rde&#8220; (der offizielle Name f&#252;r die Bewegung im Winter 2013-2014) in ihrer Essenz ein &#8222;authentischer Volksaufstand&#8220; gewesen sei. Andere&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb67&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r eine kritischere Einsch&#228;tzung des Winteraufstands und der Grenzen des (...)&#034; id=&#034;nh67&#034;&gt;67&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; haben Zweifel an den Grenzen einer solchen Entwicklung aufkommen lassen. Wenn das Kapital zu einer materiellen Gemeinschaft geworden ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb68&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Camatte, Capital and Community, op. cit.&#034; id=&#034;nh68&#034;&gt;68&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, was ist dann der Inhalt eines Kampfes des &#8222;Volkes&#8220;? Tats&#228;chlich lieferte das Problem der Zusammensetzung des im Volk verbreiteten Antagonismus gegen die Regierung die H&#252;lle f&#252;r Euronationalismus und Neonazi-Militanz. Organisatorisch und stillschweigend lieferte er den Spiegel f&#252;r die Bewegung des &#8222;Anti-Maidan&#8220; auf der Krim und im Donbass als die sich entwickelnde Erscheinung einer Revolte im Volk. Da der Zerfall der Bewegung den Weg freimachte f&#252;r Annexion, B&#252;rgerkrieg und rassialisierte und nationalistische Gewalt, st&#252;tzten sich sowohl die prowestlichen als auch die prorussischen Kr&#228;fte auf die Rhetorik des &#8222;antifaschistischen&#8220; Kampfes und den Aufruf zu einer vereinigten demokratischen Front&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb69&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r eine breitere historische Kritik des Antifaschismus und der (...)&#034; id=&#034;nh69&#034;&gt;69&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Episode, der sogenannte &#8222;Russische Fr&#252;hling&#8220;, zeigte die Grenzen eines formellen Antagonismus gegen den Staat auf, wenn er seines wirklichen sozialen Inhalts entleert ist. Ein Aufstand, bemerkt Th&#233;orie communiste, ist nicht bloss durch die taktische Entwicklung, die milit&#228;rische Konfrontation oder die politische Organisation begrenzt. TC legt dar, dass letztendlich die Welle der Erhebungen in den letzten Jahrzehnten durch die Trennung der Sph&#228;ren der Produktion und der Reproduktion begrenzt worden ist. Sie sind unf&#228;hig gewesen, den &#8222;Glasboden&#8220; zur versteckten Produktionsst&#228;tte zum Bersten zu bringen und sich dem zu stellen, was es zum Leben und &#220;berleben braucht. Diese F&#228;higkeit wird teilweise durch die Zusammensetzung und Neuzusammensetzung des Kampfes determiniert. Im Kontext der langen Krise hat die zunehmende Pr&#228;senz von permanenten (rassialisierten) &#252;bersch&#252;ssigen Bev&#246;lkerungen, die vom Produktionsprozess verdr&#228;ngt worden sind, zu K&#228;mpfen &#252;ber die Zirkulation und die Reproduktion gef&#252;hrt. Diese Einheit in der Enteignung dr&#252;ckt den Zerfall und die Fragmentierung des Proletariats aus und erscheint als &#228;usserer Zwang&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb70&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;TC wendet dieses Argument ausdr&#252;cklich auf die griechischen Ausschreitungen im&#034; id=&#034;nh70&#034;&gt;70&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Das Problem der Zusammensetzung kann nicht durch eine Koalition gegen diesen oder jenen staatlichen Akteur verdr&#228;ngt werden. Es ist in Wirklichkeit elementar f&#252;r die Revolution als einen sozialen, eher als einen politischen Prozess.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die sich im Winter 2014 entfaltenden Ereignisse best&#228;tigen diese Lesart. Die USA, die NATO und die EU unterst&#252;tzten die Nationalisten. Russland antwortete durch die Annexion der Krim und die Einschr&#228;nkung seiner Verluste. Die daraus resultierende Regierung, die eher nach der EU, der NATO und den USA ausgerichtet war, erhielt Darlehen vom IWF und nahm sich die Aufgabe einer sparpolitischen Restrukturierung vor, wodurch staatliche Dienste und die &#246;ffentliche Unterst&#252;tzung verschwanden. Sie hielt auch die Bedingungen ihrer Darlehen von Russland nicht ein. Das hielt die ukrainische Wirtschaft gerade noch liquide.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Schwarze Erde und tiefe Wasser&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ab 2010 schien Putins Ern&#228;hrungssicherheitsplan die &#8222;Brotfrage&#8220;, welche die sowjetischen Planer und Parteib&#252;rokraten lange gequ&#228;lt hatte, beantwortet zu haben. Zum ersten Mal seit fast einem Jahrhundert war Getreide zu einem wichtigen russischen Exportartikel geworden. Das war Teil einer breiteren Verlagerung hin zum Wirtschaftsnationalismus und zu staatlich gelenkten Akkumulationsregimen. Die Steigerung der Warenpreise Anfang der 2000er Jahre verschaffte dem Staat die n&#246;tigen &#214;leinkommen und Renten, um die landwirtschaftliche Konsolidierung und Zentralisierung und die technologische Modernisierung zu finanzieren &#8211; der Aufstieg der &#8222;Agroholdings&#8220;. Der Staat offerierte Darlehen und Subventionen, um Investitionen ins Kapital und in die Technologie zu unterst&#252;tzen. Nach der Preissteigerung f&#252;hrten sinkende Preise zu Handelsstreiten &#252;ber landwirtschaftliche G&#252;ter. Putins Regierung f&#252;hrte Zollgeb&#252;hren und Importverbote ein, sogar nach dem Beitritt Russlands zur Welthandelsorganisation. Im Kontext globaler Stagnation konnte &#8222;Ern&#228;hrungssouver&#228;nit&#228;t&#8220; nur durch Importsubstitution erreicht werden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb71&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Wengle, op. cit., S. 69-80.&#034; id=&#034;nh71&#034;&gt;71&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dennoch forderte Russland seinen Status als Brotkorb der Welt erst im Verlauf der letzten zwei Jahrzehnte wieder ein. Russland ist nun der gr&#246;sste Getreideexporteur der Weltwirtschaft. Dadurch wurde die mit der Putin-&#196;ra verbundene Wahrnehmung des Wohlstands tendenziell garantiert. Doch solche Beurteilungen klingen hohl. Die Resultate der Krisen der 1990er Jahre und des Aufstiegs der &#8222;Agroholdings&#8220; in den 2000er Jahren waren l&#228;ndliche Enteignung, sinkende Mobilisierung landwirtschaftlicher Arbeitskraft und transformierte Erntezyklen. Das hat zu einer Abwanderung der Bev&#246;lkerung und zum Zustrom, allen voran aus Zentralasien, der T&#252;rkei, Korea und China, aber auch Weissrussland und der Ukraine&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb72&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 113-129.&#034; id=&#034;nh72&#034;&gt;72&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, saisonaler migrantischer Arbeitskr&#228;fte gef&#252;hrt. Diese gesteigerte rassialisierte Arbeitsprekarit&#228;t war durchaus profitabel f&#252;r die landwirtschaftlichen Holdings. Die Steigerung der Warenpreise w&#228;hrend den 2000er Jahren f&#252;hrte zu einem globalen Ansturm auf verf&#252;gbares Land. Diese Vorliebe f&#252;r landwirtschaftliche Anlagen wurde durch die Finanzkrise 2008 gest&#228;rkt, daraus resultierte eine Kapitalflucht von hypothekarisch gesicherten Wertpapieren. Das Einstr&#246;men von Kapital in landwirtschaftliches Land und landwirtschaftliche Holdings ist also Teil einer globalen Tendenz von Kapital auf der Suche nach Rente unter Krisen- und Stagnationsbedingungen, nicht ein Zeichen f&#252;r Wohlstand oder Wachstum. In Russland sind diese &#8222;Agroholdings&#8220; im Wesentlichen in der Region der &#8222;Schwarzerde&#8220; (Chernozem) konzentriert. Russlands zentrale Schwarzerde-Region ist Teil eines ausgedehnteren Schwarzerde-G&#252;rtels, der sich &#252;ber die zentrale eurasische Steppe erstreckt. Schwarzerde ist f&#252;r ihre Fruchtbarkeit bekannt, ein Segen f&#252;r ein Kapital, das verzweifelt nach Renten sucht&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb73&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 110-115.&#034; id=&#034;nh73&#034;&gt;73&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Vorherrschaft Russlands in den globalen Getreidem&#228;rkten hat Konflikte mit anderen grossen Nahrungsexporteuren zur Folge. Nach der Invasion und Annexion der Krim 2014 antwortete Russland auf die internationalen Sanktionen mit einem Embargo auf landwirtschaftliche Produkte gegen die USA, die EU, Kanada, Norwegen und Australien. Es war in Tat und Wahrheit eine Weiterf&#252;hrung und Ausweitung der Politik der Importsubstitution zur F&#246;rderung heimischer landwirtschaftlicher Produktion. Ab den 2010er Jahren hatte der wachsende Marktanteil des russischen Getreides Putin dazu gebracht, Getreidepreise als Instrument der Aussenpolitik zu instrumentalisieren. Die Administration strebte danach, ein globales Getreidekartell &#8211; nach dem Vorbild der OPEC &#8211; zu organisieren, passend zu Russlands Abgleiten in den Status eines Rentierstaates&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb74&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Roland Simon hat j&#252;ngst argumentiert, dass Russlands Renten extrahierende (...)&#034; id=&#034;nh74&#034;&gt;74&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Grund f&#252;r die Aufgabe dieser Pl&#228;ne durch die Beamten ist nah verwandt mit der gegenw&#228;rtigen Krise: ein Territorialkonflikt mit der Ukraine&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb75&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Regierungsbeamte stellten sogar die Idee eines globalen Getreidekartells (...)&#034; id=&#034;nh75&#034;&gt;75&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Territorial betrachtet, ist die Ukraine mit dem Joch des Wohlstands nat&#252;rlicher Rohstoffe konfrontiert&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb76&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Michael Roberts, &#8222;Russia: From Sanctions to Slump?&#8220;, 2022.&#034; id=&#034;nh76&#034;&gt;76&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Sie besitzt einen F&#252;nftel des weltweiten Eisenerzes handels&#252;blicher Qualit&#228;t und massive unangezapfte Gasreserven. Doch tiefe Produktivit&#228;ts-, Profit- und Investitionsraten haben viel Land und Kapital ungenutzt gelassen, was ein weiteres grosses Hindernis f&#252;r Wirtschaftswachstum im Land war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist vielleicht nirgends offensichtlicher als auf dem ukrainischen Land. Die Ukraine ist einer der gr&#246;ssten Getreideproduzenten und der gr&#246;sste Exporteur von Pflanzen&#246;l weltweit. Sie hat ihren Status als &#8222;Goldl&#246;ckchen&#8220; erhalten, jener einer landwirtschaftlichen Region, der Wirtschaftswachstum f&#252;r Jahrhunderte garantiert&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb77&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Scott Reynolds Nelson, &#8222;Wheat and Deep Ports: The Long History of Putin&#8216;s (...)&#034; id=&#034;nh77&#034;&gt;77&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. &#220;ber ein Viertel der weltweit vorkommenden Schwarzerde ist in ihrem Besitz, der gr&#246;sste Teil davon ist im Osten konzentriert, auch in der umk&#228;mpften Donbass-Region. In der Ukraine ist die Region, im Gegensatz zu Russland, dank warmem Wetter und flachem Terrain besonders g&#252;nstig f&#252;r Getreideproduktion. Trotzdem ist die landwirtschaftliche Arbeitsproduktivit&#228;t tief, da weite Teile der Bev&#246;lkerung durch traditionelle b&#228;uerliche Vereinbarungen &#252;ber Grundbesitz ans Land gekettet sind. Als Resultat davon ist die Wertsch&#246;pfung pro Hektar viel tiefer als jene anderer europ&#228;ischer Konkurrenten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb78&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Roberts, &#8222;Ukraine: Trapped in a War Zone&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh78&#034;&gt;78&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend der Kampf um die Kontrolle &#252;ber die landwirtschaftliche Produktion in dieser Region &#252;ber Jahrhunderte gleich geblieben ist, hat er im Verlauf des letzten Jahrzehnts eine besondere historische Form angenommen. Die USA und die EU, zusammen mit anderen Machtbl&#246;cken des globalen Kapitals, stellen sich f&#252;r die Zukunft eine historische investitionsinduzierte Agrarrevolution auf einem der fruchtbarsten B&#246;den der Erde vor&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb79&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Adam Tooze, &#8222;Permanent Crisis or Black Earth Agro-Giant? Alternative (...)&#034; id=&#034;nh79&#034;&gt;79&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Als Teil ihrer nach Westen hin orientierten Restrukturierung seit dem Maidan hat sich die Ukraine darauf vorbereitet, staatlich kontrolliertes Land auf einem Gebiet so gross wie Kalifornien f&#252;r ausl&#228;ndische Investitionen zu verschachern, was den Grundbesitz konsolidieren, die Landwirtschaft mechanisieren und die Arbeitsproduktivit&#228;t stark steigern w&#252;rde (d.h. es w&#252;rde l&#228;ndliche Bev&#246;lkerungen enteignen). Die M&#246;glichkeiten f&#252;r profitable Renditen sind ziemlich lukrativ.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ausl&#228;ndische Investitionsinteresse in der Region beschr&#228;nkt sich allerdings nicht auf den &#8222;Westen&#8220;. Weltweit treibt eine gewisse Anzahl konvergierender Krisen die Nahrungsmittelpreise in die H&#246;he, haupts&#228;chlich jene von Getreide. Die Tendenz ist besonders auffallend in Russland; vor der gegenw&#228;rtigen Grenzkrise und Invasion trugen der Klimawandel, die Wildfeuer in den russischen Grasl&#228;ndern (eine Folge des landwirtschaftlichen Entwicklungsschubs w&#228;hrend der Sowjet-&#196;ra), regionale Unruhen und Mangel an Arbeitskr&#228;ften zu einem relativen Anstieg der Nahrungsmittelpreise im Verh&#228;ltnis zum Preis von &#214;l und Gas bei. Dadurch hat die potenzielle wirtschaftliche Bedeutung der Ukraine zugenommen, besonders f&#252;r Russland, dessen Wirtschaft von einer Kombination von Energie-, Waren- und Nahrungsmittelexporten abh&#228;ngt. Die M&#246;glichkeit der Privatisierung dieses Landes durch Kapital aus der USA und der EU w&#252;rde verhindern, dass das russische Kapital Renten, Zinsen und Profite von den konsolidierten und mechanisierten &#8222;Agroholdings&#8220; extrahieren und die damit verbunden Distributionsnetzwerke, Lieferketten und Eisenbahnkorridore kontrollieren k&#246;nnte, was die politischen und wirtschaftlichen Spannungen nur vergr&#246;ssert hat&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb80&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Nelson, &#8222;Wheat and Deep Ports&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh80&#034;&gt;80&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Schl&#252;sselaspekt der wirtschaftlichen Vorherrschaft in der Region ist die Kontrolle &#252;ber die Transportinfrastruktur und der Zugang zum Weltmarkt. Historisch war letzterer stets das Baltische oder das Schwarze Meer&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb81&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh81&#034;&gt;81&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die moderne Russische F&#246;deration, die dermassen von Exporten abh&#228;ngig ist, muss einen geregelten Zugang zu Tiefwasserh&#228;fen f&#252;r Containerschiffe aufrechterhalten, um Fracht in die EU zu transportieren, Russlands wichtigster Handelspartner. Dies erfordert Warmwasserh&#228;fen. Russland hat versucht, die Grenzen des Handels &#252;ber das Baltische Meer durch die Entwicklung des N&#246;rdlichen Seeweges&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb82&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Peter Danilov, &#8222;Russia is Planning for Year-Round Shipping on the Northern (...)&#034; id=&#034;nh82&#034;&gt;82&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; zu &#252;berwinden, wof&#252;r Eisbrecher benutzt w&#252;rden, um ihn f&#252;r ganzj&#228;hrige Navigation tauglich zu machen. Obwohl das Schmelzen der polaren Eiskappen den Prozess beschleunigt, bleibt der Plan ausgesprochen ambiti&#246;s.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Damit bleibt das Schwarze Meer &#252;brig. Vor 2014 enthielt das russische Territorium im Schwarzen Meer keine nat&#252;rlichen Tiefwasserh&#228;fen. Das &#228;nderte sich mit der Annexion der Krim und des Hafens von Sewastopol&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb83&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Kathrin Hille, &#8222;Ukranian Port Is Key to Russia's Naval Power&#8220;, 2014.&#034; id=&#034;nh83&#034;&gt;83&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die ukrainischen K&#252;stenlinien am Schwarzen und am Asowschen Meer besitzen das gr&#246;sste Potenzial f&#252;r Tiefwasserh&#228;fen in der Region. Es sollte unterstrichen werden, dass die s&#252;dliche Front der russischen Milit&#228;rinvasion zu einer ausgedehnten Besetzung der ukrainischen S&#252;dk&#252;ste gef&#252;hrt hat, wichtige Hafenst&#228;dte eingeschlossen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb84&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe &#8222;Maps: Tracking the Russian Invasion of Ukraine&#8220;, 2022.&#034; id=&#034;nh84&#034;&gt;84&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schwarzerde und Tiefwasser zeigen sich als entscheidende Komponenten der regionalen politischen &#214;konomie, ihrer Integration ins globale Kapital und ihres Wachstums gegen&#252;ber internationalen Konkurrenten. Die langanhaltende Krise des Kapitalismus hat die Klimakrise und eine globale Pandemie sowohl hervorgebracht als auch beide aufeinander abgestimmt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb85&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wie Chuang betont hat, sind solche Krisen nicht selbst exogen, obwohl sie (...)&#034; id=&#034;nh85&#034;&gt;85&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, was aus diesem Szenario eine gewaltsame Konfrontation macht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Konvergierende Krisen&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb86&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r einen &#220;berblick &#252;ber die politisch-&#246;konomischen Vorbedingungen des (...)&#034; id=&#034;nh86&#034;&gt;86&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Covid-Pandemie hat zu einer weitgehenden wirtschaftlichen Stilllegung, Unterbrechungen der Lieferketten und als Resultat davon zu globaler Inflation gef&#252;hrt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb87&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r eine historische Analyse von Inflation und Krisen, siehe Paul Mattick (...)&#034; id=&#034;nh87&#034;&gt;87&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Kapitalismus tendiert langfristig zur Deflation, da die Warenpreise durch kontinuierliche, die Arbeitsproduktivit&#228;t steigernde Revolutionen im Produktionsprozess zunehmend reduziert werden. Dennoch begannen die Profitraten in der Produktion ab den 1960er Jahren und Anfang der 1970er Jahre zu fallen, Produktivit&#228;tssteigerungen stagnierten und es kam nach dem &#214;lembargo der OPEC 1973 zur Rezession. Der &#8222;&#214;lschock&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb88&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r eine politisch-&#246;konomische Geschichte der &#214;l produzierenden Regionen (...)&#034; id=&#034;nh88&#034;&gt;88&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; trug dazu bei, eine merkw&#252;rdige Kombination von Inflation und Stagnation zu verursachen, die seither &#8222;Stagflation&#8220; genannt wird. Ab Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre wurde die Inflation durch die Federal Reserve mit Paul Volcker an der Spitze einged&#228;mmt. Die Fed erh&#246;hte die Zinss&#228;tze drastisch, was das Geldangebot verringerte und die Inflation eind&#228;mmte. Obwohl das unmittelbar zu einer Rezession f&#252;hrte, wird dem sogenannten &#8222;Volcker-Schock&#8220; angerechnet, dass er eine &#196;ra mit wenig oder keiner Inflation f&#252;r den globalen Kapitalismus einl&#228;utete. Ab den 1990er Jahren und zu Beginn der 2000er Jahre wandten sich die Fed und andere grosse Zentralbanken hin zu einer Politik des &#8222;einfachen Geldes&#8220;, indem die Zinss&#228;tze kontinuierlich gesenkt wurden. Die Inflation konnte immer noch aufgeschoben werden, indem der Planet nach billigen Rohstoffen und Nachschub an rassialisierter, prek&#228;rer Arbeit durchk&#228;mmt wurde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Verwaltung der Krise 2008 war im Wesentlichen eine weitere Runde dieses Rezepts. Jene der Verm&#246;genswerte (aufgrund niedriger Zinss&#228;tze), nicht jene der Waren, war die einzige bedeutende Inflation der letzten paar Jahrzehnte und dies half, um den Aktienmarkt gegen einen sonst langen wirtschaftlichen Niedergang (realwirtschaftliche Wachstumsraten waren abyssal) zu wappnen. Dennoch ist der Nachschub an Rohstoffen und Arbeitskraft (z.B. die &#8222;grosse Resignation&#8220; oder &#8222;grosse Verweigerung&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb89&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r eine Analyse der grossen Resignation innerhalb des j&#252;ngsten (...)&#034; id=&#034;nh89&#034;&gt;89&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) gegenw&#228;rtig mit der Pandemie, welche die Wirtschaft immer noch umklammert, schwieriger geworden. Die Inflation ist wieder aufgetaucht. &#220;ber Monate hinweg hat die globale wirtschaftliche Unsicherheit die Finanzm&#228;rkte geplagt, w&#228;hrend die Zentralbanken vor sich abzeichnenden Erh&#246;hungen der Zinss&#228;tze zur Bek&#228;mpfung inflation&#228;rer Tendenzen warnen. Das &#220;berleben liegt in den H&#228;nden des janusk&#246;pfigen Gottes des Kapitals, der zwischen seinen kurzfristigen Interessen und langfristiger Stabilit&#228;t hin- und hergerissen ist. Krisen er&#246;ffnen die M&#246;glichkeit f&#252;r staatliche Konflikte, da dies die politische Form des dem Kapital eigenen internen Wettbewerbs ist. Im Kontext einer globalen Inflationspanik sitzt die Ukraine auf einem strategischen Brotkorb und einem nicht minder strategischen Transportkorridor, die es in einer &#196;ra steigender Nahrungsmittel- und Energiepreise zu kontrollieren gilt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Derweil hat Russland versucht, sein politisch-&#246;konomisches Portfolio zu restrukturieren, damit es weniger anf&#228;llig f&#252;r Sanktionen als 2014 ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb90&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Tooze, &#8222;Putin&#8216;s Challenge&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh90&#034;&gt;90&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Besonders die EU ist ausgesprochen angewiesen auf russische &#214;l- und Naturgasexporte. Deutschland, das industrielle Machtzentrum Europas, ist wom&#246;glich am st&#228;rksten abh&#228;ngig von russischer Energie. Es hat die Pipeline Nord Stream 2 aufgrund der Ukraine-Krise halbherzig suspendiert, doch es bleibt abzuwarten, ob es all das ins Projekt investierte Kapital (mehr als 11 Milliarden Dollar) permanent in den Sand setzen wird&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb91&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Adam Tooze, &#8222;The Nord Stream 2 Saga Is not Over&#8220;, 2022.&#034; id=&#034;nh91&#034;&gt;91&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Vielleicht wird es sich tempor&#228;r inmitten steigender US/EU-Sanktionen nach allen Seiten absichern. Bedenken &#252;ber Unterbrechungen von Energiem&#228;rkten und Zahlungen dr&#228;ngten Deutschland, Italien, Ungarn und Zypern anf&#228;nglich dazu, den Ausschluss Russlands aus den SWIFT-Transaktionen zu blockieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb92&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Alberto Nardelli, Arne Delfs, &#8222;Germany Sought Energy Exception in Russia (...)&#034; id=&#034;nh92&#034;&gt;92&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Dies wurde unmittelbar verurteilt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb93&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;David Meyer, &#8222;Anger Explodes at Germany, Italy, and Hungary over Europe's (...)&#034; id=&#034;nh93&#034;&gt;93&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Obwohl sich die EU letztendlich dem Druck beugte, wurden die f&#252;r den Ausschluss bestimmten Banken so ausgew&#228;hlt, dass die Auswirkung auf die Energiem&#228;rkte minimiert wurde&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb94&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Timothy Puko, Lindsay Wise, &#8222;Biden Caught Between Inflation and Calls to (...)&#034; id=&#034;nh94&#034;&gt;94&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, gleichzeitig enthalten die gegen die beiden gr&#246;ssten russischen Banken &#8211; Sberbank und VTB &#8211; ausgesprochenen Sanktionen viele Ausnahmen f&#252;r Transaktionen, welche den Energiesektor betreffen. Obwohl das Sanktionsregime ziemlich streng ist, untergraben Ausnahmen f&#252;r den Energiesektor immer noch dessen Effizienz gegen die russische Wirtschaft&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb95&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Adam Tooze, &#8222;Russia's $720m per Day Gas Windfall &#8211; the Lopsided Economic (...)&#034; id=&#034;nh95&#034;&gt;95&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Ihrerseits haben die USA und das Vereinigte K&#246;nigreich ein Verbot f&#252;r russische Energieimporte angek&#252;ndigt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb96&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;James Politi, Myles McCormick, Jim Pickard, Andy Bounds, &#8222;US and UK Ban (...)&#034; id=&#034;nh96&#034;&gt;96&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, doch die EU hat sich nur dazu verpflichtet, seine Importe innerhalb des n&#228;chsten Jahres zu verringern. Mit jedem vergehenden Tag erscheinen mehr strategische Verschachtelungen bez&#252;glich wirtschaftlicher Sicherheitsbedenken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da es sich seiner Abh&#228;ngigkeit von der westlichen Finanzarchitektur bewusst ist, hat Russland seinen Blick vermehrt in Richtung seines zweitwichtigsten Handelspartners &#8211; China &#8211; gerichtet. Im Verlauf des letzten Jahrzehnts ist der hegemonische Pakt des US- und EU-Kapitals zunehmend in einen intensivierten Konflikt niedriger Intensit&#228;t mit China gezogen worden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb97&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zur scheinbaren Widerspenstigkeit der &#8222;China-Frage&#8220; in der politischen (...)&#034; id=&#034;nh97&#034;&gt;97&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, da sich die protektionistischen Schutzmassnahmen und die billigen Arbeitsm&#228;rkte der &#220;bergangsperiode aufl&#246;sen. Chinas wirtschaftlicher Pakt mit den USA, der EU und Japan, der mittlerweile mehr eine Bedrohung als eine Ressource ist, hat sich aufgel&#246;st&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb98&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Chuang, &#8222;The Divided God&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh98&#034;&gt;98&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Seit 2013 und 2014 haben China und Russland versucht, alternative Zahlungsmechanismen zum internationalen SWIFT-Nachrichtensystem, das die USA beherrschen und zur Durchsetzung internationaler Sanktionen instrumentalisieren, zu entwickeln. Obwohl die USA und die EU gewiss nicht wollen, dass Russland und China n&#228;her zueinanderr&#252;cken, ist die F&#228;higkeit des chinesischen Cross-Border Inter-Bank Payments System (CIPS), einen Ausgleich f&#252;r das Clearing von auf Dollar lautenden Transaktionen zu schaffen, stark &#252;bertrieben worden. CIPS ist immer noch schlecht mit internationalen Banken verbunden. Obwohl China und Russland wichtige Handelspartner sind, ist der auf Yuan laufende Handel zwischen den beiden schlichtweg zu beschr&#228;nkt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb99&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Russia Looks to Chinese Financial Plumbing to Keep Money Flowing&#8220;, 2022.&#034; id=&#034;nh99&#034;&gt;99&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Aufgrund ihrer geteilten Anf&#228;lligkeiten f&#252;r amerikanische Strafmassnahmen auf finanzieller Ebene, &#8222;Handelskrieg&#8220; oder eine Kombination von beidem haben Russland und China eintr&#228;chtige Interessen bez&#252;glich der Entdollarisierung ihrer internationalen Schlussrechnungen. Seit 2014 hat es Russland geschafft, den Prozentsatz seiner auf Dollar laufenden Exporte betr&#228;chtlich zu reduzieren. Dennoch wurde diese Entdollarisierung nicht durch einen Umstieg auf Rubel oder Yuan erreicht, sondern auf Euros, was den Handel anf&#228;llig macht f&#252;r EU-Sanktionen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb100&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Mrugank Bhusari, Maia Nikoladze, &#8222;Russia and China: Partners in (...)&#034; id=&#034;nh100&#034;&gt;100&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist zu fr&#252;h, um zu eruieren, welche Herausforderung das f&#252;r den EU/US-Block des globalen Kapitals bedeutet. Wir m&#252;ssen uns davor h&#252;ten, die Bedrohung eines russisch-chinesischen Pakts &#252;berzubewerten oder seine Bedeutung f&#252;r die globale Wirtschaftsordnung zu &#252;bertreiben&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb101&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Gelderloos macht diesen Fehler wiederholt, er gr&#252;ndet seine Behauptungen (...)&#034; id=&#034;nh101&#034;&gt;101&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die kapitalistische Produktionsweise ist viel turbulenter, als es dieses Bild suggeriert. Trotz des viel gepriesenen Aufstiegs der BRICS-L&#228;nder (Brasilien, Russland, Indien, China und S&#252;dafrika), hat die globale Profitabilit&#228;tskrise und die andauernde Stagnation des globalen Kapitals diese &#8222;aufstrebenden Volkswirtschaften&#8220; nicht verschont. Seit 2008 haben abnehmendes Wirtschaftswachstum, hohe Niveaus an Unternehmensverschuldung&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb102&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ilya Matveev, Rafael Khachaturian, &#8222;The Putin Regime Is Straining Under (...)&#034; id=&#034;nh102&#034;&gt;102&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und stagnierende Produktivit&#228;tssteigerungen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb103&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Andrei Kolesnivok, Denis Volkov, &#8222;The Coming Deluge: Russia's Looming Lost (...)&#034; id=&#034;nh103&#034;&gt;103&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; die russischen Kapitalgeber und Produzenten zusammen mit Putins Administration gequ&#228;lt. Als das Coronavirus 2020 die B&#252;hne betrat, verwaltete Russland, wie viele seiner westlichen Gegen&#252;ber, die Krise mithilfe strenger Sparpolitik, w&#228;hrend die Reall&#246;hne weiterhin sanken&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb104&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh104&#034;&gt;104&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Das sogenannte &#8222;chinesische Wunder&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb105&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Chuang, &#8222;Red Dust: The Transition to Capitalism in China&#8220;, 2019.&#034; id=&#034;nh105&#034;&gt;105&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; hat ein &#228;hnliches Ende gefunden, da Profitabilit&#228;tsraten seit mindestens 2010 sinken, w&#228;hrend die Investitionsraten in fixes Kapital seit 2015 sinken&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb106&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Phillip Neel, Global China, Global Crisis: Falling Profitability, Rising (...)&#034; id=&#034;nh106&#034;&gt;106&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch die sich entwickelnde Situation weist darauf hin, dass die USA und die EU zur Aufrechterhaltung der Kapazit&#228;t f&#252;r direkte globale Kapitalakkumulation und Wertfl&#252;sse mit gewissen Schwierigkeiten konfrontiert sind. Das ist weniger das Resultat des direkten Wettbewerbs durch aufstrebende Herausforderer wie Russland und China und eher die Folge der langfristigen Stagnation und der globalen Krise. Da das Produktionswachstum und die Produktivit&#228;t ausgeh&#246;hlt worden sind&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb107&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Karl Marx, Das Kapital, Bd. 3 in MEW, Bd. 25, 1983, S. 260: &#8222;Die wahre (...)&#034; id=&#034;nh107&#034;&gt;107&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, ist der Umsatz des kapitalistischen Systems durch Spekulation auf Verm&#246;genswerte, Handelskriege, W&#228;hrungspolitik und wirtschaftlichen Nationalismus &#252;ber Wasser gehalten worden. In diesem Kartenhaus hat jeder &#8222;Schock&#8220;, wie scheinbar lokalisiert er auch sein mag, weitgehende systemische Auswirkungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unmittelbar nach der russischen Milit&#228;rinvasion brachen die B&#246;rsenindizes inmitten von Angst vor Sanktionen, Wirtschaftskrisen und gesellschaftlicher Unruhe schnell zusammen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb108&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Jeff Sommer, Kevin Granville, &#8222;Stocks and Energy Markets Whipsaw After (...)&#034; id=&#034;nh108&#034;&gt;108&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Sie erholten sich schnell&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb109&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Mark DeCambre, &#8222;Nasdaq Composite Turns a 3.5% Loss into 3.3% Gain as Stock (...)&#034; id=&#034;nh109&#034;&gt;109&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; nach fr&#252;hen Ank&#252;ndigungen, welche die Grenzen der vorgeschlagenen Sanktionspakete unterstrichen, obwohl das nicht f&#252;r alle gleichermassen gegolten hat, da die wirtschaftliche Situation weiterhin unsicher ist. Getreidepreise stiegen in die H&#246;he&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb110&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Ukraine/Food Prices: War Is a Punch in the Breadbasket for Poor (...)&#034; id=&#034;nh110&#034;&gt;110&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, genau wie &#214;l- und Naturgas-Futures (dazu mehr weiter unten). Saudi-Arabien ist auf amerikanische Appelle f&#252;r die Steigerung seiner &#214;lproduktion wiederholt nicht eingegangen, was die Biden-Administration veranlasst hat, beispiellose Str&#246;me an Roh&#246;l aus der strategischen &#214;lreserve der USA&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb111&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ken Klippenstein, &#8222;Saudi-Russia Collusion Is Driving Up Gas Prices &#8212; And (...)&#034; id=&#034;nh111&#034;&gt;111&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; freizugeben, um die Inflation des Benzinpreises abzuschw&#228;chen und Putins Kapazit&#228;t zu unterminieren, davon zu profitieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb112&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Tooze, &#8222;Russia's $720m&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh112&#034;&gt;112&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Das Ziel davon ist, die Wirkung milder Sanktionen gegen den russischen Energiesektor zu st&#228;rken. China ist der gr&#246;sste &#214;limporteur und wichtiger Importeur landwirtschaftlicher G&#252;ter und seine Volkswirtschaft ist dem durch den Krieg und die Sanktionen ausgel&#246;sten Markttumult stark ausgesetzt. Dennoch hat die protektionistische Haltung der USA gegen&#252;ber China in wirtschaftlichen Fragen im letzten Jahrzehnt die zweitgr&#246;sste Volkswirtschaft der Welt in eine strategische Partnerschaft mit Russland gedr&#228;ngt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb113&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Tom Mitchell, Demetri Sevastopulo, Sun Yu, James Kynge, &#8222;The Rising Costs (...)&#034; id=&#034;nh113&#034;&gt;113&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Da globale Getreidem&#228;rkte von Panik ergriffen worden sind, hat sich China, einer der weltweit gr&#246;ssten Getreideimporteure, einverstanden erkl&#228;rt, zum ersten Mal russischen Weizen zu importieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb114&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ana Swanson, &#8222;Ukraine Invasion Threatens Global Wheat Supply&#8220;, 2022.&#034; id=&#034;nh114&#034;&gt;114&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In Anbetracht seines schlechtesten winterlichen Weizenertrags in der Geschichte hatte China kaum Alternativen. Saudi-Arabien hat Gespr&#228;che mit China wieder aufgenommen, um gewisse seiner &#214;lverk&#228;ufe in Yuan abzurechnen, doch die Perspektiven bleiben unsicher. Die W&#228;hrung ist nach wie vor schlecht in internationale M&#228;rkte integriert&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb115&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Summer Said, Stephen Kalin, &#8222;Saudi Arabia Considers Accepting Yuan Instead (...)&#034; id=&#034;nh115&#034;&gt;115&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Auch wenn diese Integration erreicht w&#252;rde, sind die &#214;lpreise im gr&#246;ssten Importland von Roh&#246;l stark gesunken, nachdem China neue Covid-Lockdownmassnahmen durchsetzte&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb116&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Coral Murphy Marcos, &#8222;Oil Prices Fall Below $100 a Barrel as China's (...)&#034; id=&#034;nh116&#034;&gt;116&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Indien, getrieben von seinen eigenen Bedenken &#252;ber die Auswirkung der westlichen Sanktionen im Inland, war gem&#228;ss Berichten dabei, einen Mechanismus f&#252;r in Rupien abgerechnete Transaktionen mit Russland aufzubauen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb117&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Rajendra Jadhav, Nupur Anand, Aftab Ahmed, &#8222;India Explores Setting Up (...)&#034; id=&#034;nh117&#034;&gt;117&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Doch auch wenn die gegenw&#228;rtige Krise in der Ukraine die globale Vorherrschaft des US-Dollars, der sich in einem langsamen, relativen Niedergang befindet&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb118&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Der Dollar ist immer noch vorherrschend f&#252;r internationale Zahlungen und (...)&#034; id=&#034;nh118&#034;&gt;118&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, leicht d&#228;mpfen w&#252;rde&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb119&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Das ist freilich eine tr&#252;gerische Behauptung. Siehe weiter oben.&#034; id=&#034;nh119&#034;&gt;119&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, gibt es bedeutende strukturelle Grenzen gegen&#252;ber einer freien Konvertibilit&#228;t miteinander konkurrierender W&#228;hrungen, so wie der &#252;berm&#228;ssig angepriesene chinesische Renminbi (Yuan)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb120&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Russland schielt auf chinesische Finanzbastelei, um den Geldfluss (...)&#034; id=&#034;nh120&#034;&gt;120&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Bez&#252;glich Transaktionen auf globalen M&#228;rkten herrscht der US-Dollar immer noch weitgehend unangefochten. Doch diese Vormachtstellung wirft ihrerseits Probleme auf.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die unmittelbare Antwort auf die gegenw&#228;rtige russische Milit&#228;rinvasion schien den 2014 ergriffenen Massnahmen zu &#228;hneln. Als die Grenzen dieser Massnahmen offensichtlich wurden, optierten die US-amerikanische und die europ&#228;ischen Regierungen daf&#252;r, Russland aus dem internationalen SWIFT-Transaktionssystem auszuschliessen, den russischen Banken entsprechende Bankverbindungen zu verweigern&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb121&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Adam Tooze, &#8222;About those Sanctions: SWIFT, Correspondent Banking, and the (...)&#034; id=&#034;nh121&#034;&gt;121&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und die Verm&#246;genswerte der russischen Zentralbank einzufrieren. Das waren beispiellose Massnahmen gegen eine G20-Volkswirtschaft und ein bedeutendes Exportland fossiler Energiestoffe. Sie f&#252;hrten tats&#228;chlich zum Kollaps des Rubels in ausl&#228;ndischen Devisenm&#228;rkten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb122&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Adam Tooze, &#8222;Russia's Financial Meltdown and the Global Dollar System&#8220;, 2022.&#034; id=&#034;nh122&#034;&gt;122&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die russische Zentralbank antwortete darauf mit einer scharfen Erh&#246;hung der Zinss&#228;tze, was f&#252;r die russische Bev&#246;lkerung verheerende Auswirkungen haben&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb123&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Pavlos Roufos, &#8222;Solidarity With Ukraine Doesn't Mean Calling for More (...)&#034; id=&#034;nh123&#034;&gt;123&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und die Wirtschaft n&#228;her an eine erwartete Rezession bringen wird&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb124&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Roberts, &#8222;Russia: From Sanctions to Slump?&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh124&#034;&gt;124&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Ohne Zugang zu seinen Reserven im Ausland, die sonst dazu beitragen w&#252;rden, die Entwertung seiner W&#228;hrung auszugleichen, scheint die russische Regierung den Ausstieg ausl&#228;ndischer Investoren zu blockieren und sie dazu zu zwingen, Rubel zu kaufen. Mittlerweile scheint ein russischer Staatsbankrott zum ersten Mal seit 1998 unmittelbar bevorstehend&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb125&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Maria Elena Vizcaino, &#8222;Morgan Stanley Says Russia's Set for Venezuela-Style&#034; id=&#034;nh125&#034;&gt;125&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Putin stieg aus der Asche der letzten Schuldenkrise. Wie er diese &#252;berstehen wird, bleibt eine offene Frage.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unabh&#228;ngig davon, welche Entsch&#228;rfung die Regierung und die Zentralbank aufbringen k&#246;nnen, sollten die katastrophalen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft nicht &#252;bersehen werden. In Anbetracht der Tatsache, dass die Mehrheit der russischen Exporteinkommen von &#214;l und Gas kommen, sind die meisten seiner ausl&#228;ndischen Reserven Petrodollars, die in hohem Masse in Finanzm&#228;rkte und -dienstleistungen integriert sind&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb126&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Tooze, &#8222;Russia's Financial Meltdown&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh126&#034;&gt;126&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Sanktionen gegen die russische Zentralbank drohen m&#246;glicherweise, eine globale Kettenreaktion auszul&#246;sen, besonders f&#252;r europ&#228;ische Banken, die nun von den Sanktionen abh&#228;ngige Petrodollars besitzen. All das bedeutet, dass der Dollar, eben genau, weil er als Weltw&#228;hrung unangefochten bleibt, mittlerweile unter hohem Nachfragedruck steht. Es ist ein wiederkehrendes Thema w&#228;hrend fast allen Wirtschaftskrisen im letzten Jahrhundert: Der Dollar gewinnt an St&#228;rke als sicherer Hafen der Leitw&#228;hrungen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb127&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Roberts, &#8222;The End of Dollar Dominance?&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh127&#034;&gt;127&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;All das geschieht zu einer Zeit, wo die Federal Reserve &#8211; die einzige souver&#228;ne Herausgeberin von US-Dollars &#8211; plant, das W&#228;hrungsangebot durch Zinserh&#246;hungen zu verknappen. Die aufgrund der Pandemie durch die Lieferkette und den Arbeitskr&#228;ftemangel ausgel&#246;ste Inflation hat der Fed kaum andere Optionen als die Verknappung der Dollar-Zirkulation offengelassen. Mit der gegenw&#228;rtigen Krise in der Ukraine scheint die Nachfrage nach Dollars Hand in Hand mit der sich verschlechternden Inflation zu gehen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb128&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Nick Timiraos, &#8222;Russia-Ukraine War Risks Putting Fed in Bigger Bind&#8220;, 2022.&#034; id=&#034;nh128&#034;&gt;128&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Auf der Angebotsseite richtet der Krieg auch verheerenden Schaden bez&#252;glich der prek&#228;ren Erholung der Schifffahrtsindustrie an, was die Lieferketten zus&#228;tzlich unterbricht und den Personalaufwand weiter erh&#246;ht, da ukrainische und russische Seefahrer einen betr&#228;chtlichen Anteil der Arbeitskraft und der Schiffsbesatzungen ausmachen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb129&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;K Oanh Ha, Ann Koh, Devika Krishna Kumar, Verity Ratcliffe, &#8222;War in (...)&#034; id=&#034;nh129&#034;&gt;129&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es ist unklar, wie die Fed aus dieser Zwickm&#252;hle kommen will&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb130&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Tooze, &#8222;Russia's Financial Meltdown&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh130&#034;&gt;130&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Eine Auswirkung der gegenw&#228;rtigen Grenzen k&#246;nnte wom&#246;glich die gr&#246;ssere Spekulation mit Kryptow&#228;hrungen als Reservew&#228;hrungen und f&#252;r den Gebrauch f&#252;r internationale Transaktionen sein&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb131&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Tanya Machael, &#8222;Bitcoin Jumps 10% after Treasury Imposes New Sanctions (...)&#034; id=&#034;nh131&#034;&gt;131&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Kryptow&#228;hrungen, genau wie andere spekulative Instrumente, sind h&#246;chst volatil&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb132&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Michael Roberts, &#8222;Financial Fiction Part Two: The New Ones (SPACs, NFTs, (...)&#034; id=&#034;nh132&#034;&gt;132&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Egal welche &#8222;Erleichterung&#8220; das dem auf Dollar laufenden internationalen W&#228;hrungssystem verschaffen mag, sie wird wahrscheinlich unbedeutend sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Inflationsk&#228;mpfe&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r die vielen importabh&#228;ngigen afrikanischen, nah&#246;stlichen und zentralasiatischen L&#228;nder&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb133&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Adam Tooze, &#8222;&#8218;So like us&#8216; &#8211; Africa and the Russo-Ukrainian War&#8220;, 2022.&#034; id=&#034;nh133&#034;&gt;133&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; ist der Inflationsdruck besonders gravierend. Kombiniert sind die russischen und ukrainischen Getreideexporte unerl&#228;sslich f&#252;r die Getreidebest&#228;nde und die Stabilit&#228;t der Lebensmittelpreise in diesen Regionen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb134&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Emiko Terazono, &#8222;Food Crisis Looms as Ukrainian Wheat Shipments Grind to (...)&#034; id=&#034;nh134&#034;&gt;134&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, w&#228;hrend der Getreidepreis ein Rekordhoch erreicht. Sogar vor der Pandemie ist ein grosser Teil des subsaharischen Afrikas, des Mittleren Ostens, Zentral- und S&#252;dasiens, S&#252;damerikas und der &#196;quatorregion inflation&#228;ren Lebensmittelpreisen ausgesetzt gewesen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb135&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Arab Reform Initiative, &#8222;The Impact of the Ukraine War on the Arab Region: (...)&#034; id=&#034;nh135&#034;&gt;135&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Ein zunehmender Anteil der Enteigneten, die schon seit Jahrzehnten unter dem kombinierten Druck der Entbauerung und der Deindustrialisierung verelendet sind, sind von jener Membran eingeklemmt geworden, welche die formelle Wirtschaft vom Land trennt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb136&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Marx nannte diese Tendenz hin zur Verelendung und einer wachsenden (...)&#034; id=&#034;nh136&#034;&gt;136&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der industrielle Arbeitsmarkt, der durch stagnierende Investitionen und eine hohe organische Zusammensetzung des Kapitals erstickt worden ist, ist unf&#228;hig gewesen, diese Massenproletarisierung zu absorbieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb137&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die wachsenden relativen &#252;bersch&#252;ssigen Bev&#246;lkerungen sind ein weiteres (...)&#034; id=&#034;nh137&#034;&gt;137&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Um zu &#252;berleben, wird die expandierende &#220;berschussbev&#246;lkerung in die &#8222;informelle Wirtschaft&#8220; gedr&#228;ngt, sie repr&#228;sentiert &#252;ber 60 % der globalen Arbeitskraft&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb138&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Corinne Del&#233;chat, Leandro Medina, &#8222;What Is the Informal Economy?&#8220;, 2020.&#034; id=&#034;nh138&#034;&gt;138&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Struktur der Informalit&#228;t &#8211; unregelm&#228;ssig, ungeregelt und h&#228;ufig illegal, unbezahlt und direkt unter Zwang &#8211; verspricht ein Leben blosser Subsistenz &#8211; ein Leben ohne Lohn&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb139&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Michael Denning, &#8222;Wageless Life&#8220; in New Left Review, Nr. 66, 2010, S. 79-97.&#034; id=&#034;nh139&#034;&gt;139&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; &#8211; f&#252;r diese ungef&#228;hr zwei Milliarden Arbeiter. Diese abnehmende Kaufkraft, verbunden mit andauernden sozialen, &#246;kologischen und klimatischen Krisen innerhalb des letzten Jahrzehnts &#8211; die alle kapitalistischen Produktionsverh&#228;ltnissen endogen sind &#8211; haben effektiv zu einer Rassialisierung von Inflation, Hunger und Hungersterben &#252;berall auf der Welt gef&#252;hrt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb140&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r eine detaillierte Erkl&#228;rung des Widerspruchs zwischen steigender (...)&#034; id=&#034;nh140&#034;&gt;140&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die globale Inflation f&#252;r notwendige G&#252;ter hat schon zu einer Welle von Rebellionen gef&#252;hrt. Diese Zirkulationsk&#228;mpfe drehen sich um Preise&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb141&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r eine gute &#220;bersicht im Kontext der Klimakrise, siehe Prole Wave, (...)&#034; id=&#034;nh141&#034;&gt;141&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Aufstand 2020 in Weissrussland, der durch die umstrittene Wiederwahl Alexander Lukaschenkos ausgel&#246;st worden war, ereignete sich im Kontext eines Jahrzehnts staatlicher Sparpolitik, stagnierender L&#246;hne und der Inflation f&#252;r lebensnotwendige G&#252;ter&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb142&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Katherine Booska, &#8222;Trauma Such as This in Peacetime: The Story of the 2020 (...)&#034; id=&#034;nh142&#034;&gt;142&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Diese strenge Verwaltung der Wirtschaftskrise wurde 2020 erschwert, da die steigenden Kosten der medizinischen Dienstleistungen mitten in der Covid-Pandemie den Antagonismus gegen&#252;ber dem Staat vergr&#246;sserten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb143&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;ABC Belarus, &#8222;How Did the Belarusians Come to Rebellion against the (...)&#034; id=&#034;nh143&#034;&gt;143&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Lukaschenkos zusammenfallende Regierung wurde durch die Unterst&#252;tzung der russischen Intervention und allgegenw&#228;rtiger Repression zusammengehalten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb144&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Pramen, &#8222;If only there Was no War&#8220;, 2022.&#034; id=&#034;nh144&#034;&gt;144&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Erst vor einigen Monaten wurden in Kasachstan eine Revolte und ein Massenstreik aufgrund der Verdoppelung der Treibstoffpreise durch die Regierung ausgel&#246;st&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb145&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Communia, &#8222;Protests In Kazakhstan: 5 Clues To Understand What's Going On&#8220;, 2022.&#034; id=&#034;nh145&#034;&gt;145&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; &#8211; f&#252;r die Proletarier war das gleichbedeutend mit einem allgemeinen Anstieg der Lebenskosten. Die Proteste begannen in Schanga&#246;sen, im Zentrum der kasachischen &#214;lfelder und Rohstoffindustrie, bevor sie sich auf Aktau und die Hauptstadt Almaty ausweiteten. Russland und Kasachstan sind wichtige Handelspartner und betreiben gemeinsam Infrastruktur zur Gewinnung von &#214;l und Naturgas in der Region des Kaspischen Meeres. Ein grosser Teil des kasachischen &#214;ls und Naturgases wird nach Russland exportiert, dort raffiniert und/oder &#252;ber Russland vertrieben&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb146&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;EIA, &#8222;Background Reference: Kazakhstan&#8220;, 2019.&#034; id=&#034;nh146&#034;&gt;146&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es war somit f&#252;r Russland &#228;usserst wichtig, die Ordnung in der Region aufrechtzuerhalten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb147&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Pramen, &#8222;Colonialism of the Twenty-First Century&#8220;, 2022.&#034; id=&#034;nh147&#034;&gt;147&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es wird nun gemeinhin gesagt, dass steigende Lebensmittelpreise ein zentraler Ausl&#246;ser f&#252;r den Arabischen Fr&#252;hling waren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb148&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Asef Bayat, &#8222;Plebeians of the Arab Spring&#8220; in Current Anthropology, Nr. 56 (...)&#034; id=&#034;nh148&#034;&gt;148&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Schwere D&#252;rren verringerten 2010 die Getreideernten in Russland und der Ukraine, was die G&#252;terpreise weltweit hochtrieb. Regional geh&#246;ren Nordafrika und der Mittlere Osten zu den wichtigsten Lebensmittelimporteuren und sind sehr anf&#228;llig f&#252;r Preisschwankungen. Zw&#246;lf Jahre sp&#228;ter, als der Lebensmittelpreisindex der UNO-Organisation Ern&#228;hrungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) Rekordniveaus erreicht, sind sich Regierungen und internationale Organisationen des explosiven Potenzials f&#252;r Unruhe vollst&#228;ndig bewusst, sie berufen sich auf den Geist von &#8222;Hungerkrawallen&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb149&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Der UNO-Generalsekret&#228;r Ant&#243;nio Guterres hat besonders unterstrichen, dass (...)&#034; id=&#034;nh149&#034;&gt;149&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; oder einer kommenden &#8222;Brotintifada&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb150&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Brotkrawalle oder &#8222;Brotintifada&#8220; 1977 brachen in den grossen St&#228;dten (...)&#034; id=&#034;nh150&#034;&gt;150&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Das ist nicht unbegr&#252;ndet. Inflationsk&#228;mpfe haben sich in den letzten Wochen weltweit ausgebreitet. Im Jemen, wo Millionen fast ohne nachhaltige internationale Besorgnis gegen Hungersn&#246;te k&#228;mpfen, zeigt sich der Rassencharakter des kapitalistischen Widerspruchs. Es gab Massenproteste gegen die Treibstoff-, Lebensmittel- und medizinische Krise, Produkte der von Saudi-Arabien angef&#252;hrten Blockade und des Krieges, die nun durch den Krieg in der Ukraine verschlimmert worden sind&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb151&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Thousands Protest across Yemen Denouncing Fuel Crisis Induced by (...)&#034; id=&#034;nh151&#034;&gt;151&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Lastwagenfahrer, Bauern und Fischer in ganz Europa protestierten gegen steigende Treibstoffpreise, z.B. in Argentinien [sic!], Portugal, der T&#252;rkei, Spanien, Italien, Griechenland, Frankreich, Deutschland, der Tschechischen Republik und dem Vereinigten K&#246;nigreich. In einigen F&#228;llen errichteten sie Barrikaden, um Strassen zu blockieren und die G&#252;terverteilung zu unterbrechen. Spanien bot 23&#8216;000 Polizisten auf, um die Streiks im Zaum zu halten. Gewerkschaften in Panama, ein Nettoimporteur von Treibstoff, gingen auf die Strasse, um Lohnerh&#246;hungen zur Kompensation der Inflation zu verlangen. Studentenproteste brachen in Indonesien inmitten von Ger&#252;chten um eine verschobene Pr&#228;sidentschaftswahl und steigenden Preisen von Speise&#246;l aus. In Albanien kam es zu Massenprotesten gegen die Regierung, obwohl sie versprach, die Preise zu kontrollieren und die Steuern zu senken. In Pakistan st&#252;rzten eine Inflation auf hohem und dr&#252;ckendem Niveau und wirtschaftliche Schwierigkeiten den Premierminister Imran Khan. Ein grosser Teil des Mittleren Ostens und Nordafrikas h&#228;ngen von Importen von russischem und ukrainischem Getreide und Speise&#246;l ab. Im Irak, im Sudan und in Tunesien sind wirtschaftspolitische Krisen ausgebrochen, da die L&#228;nder mit Lebensmittelknappheit und weit verbreitetem Hunger konfrontiert sind. &#220;berall auf der Welt brechen wegen des steigenden Brotpreises Proteste aus. F&#252;r das managerhafte Regime des Kapitals scheint jeder Tag gr&#246;sseres Grauen und d&#252;stere Vorahnungen eines &#8222;neuen Arabischen Fr&#252;hlings&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb152&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Truckers in Argentina End Protest that Threatened Grains Transport&#8220;, (...)&#034; id=&#034;nh152&#034;&gt;152&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; zu bringen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die entscheidensten Schulbeispiele haben sich in Sri Lanka und Peru materialisiert&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb153&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Coprifuoco in Sri Lanka e Per&#249;&#8220;, 2022.&#034; id=&#034;nh153&#034;&gt;153&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In Sri Lanka k&#252;ndigte die Regierung 2019 bedeutende Steuerreformen an, welche die Steuerbemessungsgrundlage und die Mehrwertsteuer reduzierten, was den Staat bez&#252;glich der Abzahlung der Staatsschulden in eine prek&#228;re Position brachte. Als stark von Importen abh&#228;ngiges Land generiert Sri Lanka einen grossen Teil seiner Ertr&#228;ge vom Tourismus, einem Markt, der durch die Covid-Lockdowns und die Reisebeschr&#228;nkungen bedeutungslos geworden war. Die Regierung hatte versucht, die geplanten Anleiher&#252;ckzahlungen in Dollar zu leisten, obwohl seine Kapazit&#228;t, Einkommen zu generieren, sehr beschr&#228;nkt war. Das dezimierte seine Devisenreserven schnell. Sri Lanka war monatelang am Rande einer Zahlungsunf&#228;higkeit und stellte die Zahlungen schliesslich am 12. April ein. Mit steigenden Lebensmittel- und Treibstoffpreisen ist die Regierung nun unf&#228;hig, f&#252;r grundlegende Importe zu bezahlen. Akuter Treibstoffmangel hat zu explodierenden Preisen und regelm&#228;ssigen Stromausf&#228;llen gef&#252;hrt, was das Land in seine schlimmste Wirtschaftskrise in 73 Jahren gest&#252;rzt hat. Die Bev&#246;lkerung wurde sich selbst ohne Zugang zu Grundversorgung, Medizin und Brennmaterial zum Kochen &#252;berlassen. Unzufriedenheit und Unruhe wuchsen. Aufst&#228;ndische versuchten, die Residenz von Pr&#228;sident Gotabaya Rajapaksa zu st&#252;rmen, sie z&#252;ndeten nahe gelegene Polizei- und Milit&#228;rfahrzeuge an, was heftige Polizeirepression und eine Ausgangssperre ausl&#246;ste. China und Indien, Sri Lankas wichtigste Importpartner und Kreditgeber, haben ihren Kreditrahmen in einem gescheiterten Versuch ausgeweitet, das zu st&#252;tzen, was f&#252;r sie ein bedeutender &#8222;aufstrebender Markt&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb154&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Chloe Cornish, &#8222;Police Fire Tear Gas at Sri Lankans Protesting over (...)&#034; id=&#034;nh154&#034;&gt;154&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Politische Anf&#252;hrer der &#8222;neuen rosa Welle&#8220;, repr&#228;sentiert durch die j&#252;ngsten &#8222;linken&#8220; Wahlsiege in Mexiko, Zentral- und S&#252;damerika, haben schnell ihre Unf&#228;higkeit zur Krisenverwaltung offenbart. Der sozialdemokratische Pr&#228;sident Chiles Gabriel Boric, selbst ein ehemaliger Studentenf&#252;hrer, liess die Aufstandsbek&#228;mpfungspolizei in Santiago los, um Studentenproteste niederzuschlagen, die h&#246;here Verpflegungspauschalen forderten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb155&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Alexander Villegas, &#8222;Chilean Students Protest in Capital in Early Test for (...)&#034; id=&#034;nh155&#034;&gt;155&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. F&#252;r die Regierung Perus ist die Lage noch d&#252;sterer. Die Regierung Pedro Castillos, ein ehemaliger Lehrer, Gewerkschaftsf&#252;hrer und Kandidat der &#8222;marxistischen&#8220; Partei Freies Peru, hatte M&#252;he, Massenproteste wegen steigenden Treibstoff-, D&#252;nger- und Nahrungsmittelkosten im Zaum zu halten. Trotz Ausgangssperren und prosaischen Darstellungen von Polizeigewalt hat die Verallgemeinerung der Revolte, der Zerst&#246;rung von Eigentum, der Blockaden und des Pl&#252;nderns die Situation tempor&#228;r unregierbar gemacht&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb156&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Dan Collyns, &#8222;Peru President at Bay as Fuel and Fertiliser Prices Detonate (...)&#034; id=&#034;nh156&#034;&gt;156&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Dies hat wiederum die Feindschaft der &#228;usseren Rechten und gegen Indigene gerichtete Verschw&#246;rungstheorien entfacht&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb157&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Mitra Taj, &#8222;Peru Lifts Curfew That Shut Down Capital to Curb Protests Over (...)&#034; id=&#034;nh157&#034;&gt;157&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. W&#228;hrend dem andauernden Streik der Lastwagenfahrer im Land blockierten Dorfbewohner von Villacuri die Panamericana, ein wesentlicher Handelskorridor in S&#252;damerika, und sie versuchten, einen Polizeiposten einzunehmen, was die Regierung dazu bewegte, das Milit&#228;r einzusetzen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb158&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Deadly Protests in Peru as People Take to Streets over High Costs, (...)&#034; id=&#034;nh158&#034;&gt;158&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die peruanische Wirtschaft basiert auf Bergbau und Mineralienexporten. Da das extraktive und Renten suchende Kapital von aktuell hohen Marktpreisen profitiert, haben der inflation&#228;re Druck und die Umweltzerst&#246;rung die umliegenden andinen Gemeinschaften dazu bewegt, die Kupferproduktion des Landes lahmzulegen, sein wichtigstes Exportgut. Blockaden hatten Auswirkungen auf den Tourismus und landwirtschaftliche Streiks bedrohen die Agrarproduktion, Perus zweitwichtigstes Exportgut. Die aufgrund des wirtschaftlichen Stillstands taumelnde linke Regierung hat einen weiteren Ausnahmezustand ausgerufen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb159&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Marcelo Rochabrun, Carolina Pulice, &#8222;Peru Declares State of Emergency to (...)&#034; id=&#034;nh159&#034;&gt;159&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die mittlerweile banale und allgegenw&#228;rtige Unf&#228;higkeit, eine Antwort auf Krisen, w&#228;hrend welchen repressive und Strafmassnahmen im Mittelpunkt stehen, w&#228;hrend die produktive wirtschaftliche Aktivit&#228;t zur&#252;ckgeht, zu verwalten und zu koordinieren, l&#228;sst die grundlegende Schw&#228;che des Staates und seine feindselige Abh&#228;ngigkeit von rassialisierter kapitalistischer Reproduktion erkennen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb160&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Bez&#252;glich der fr&#252;hen Verwaltung der Pandemie schreibt Chuang: &#8222;Das (...)&#034; id=&#034;nh160&#034;&gt;160&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gegenw&#228;rtig sind viele der eingesetzten Taktiken g&#228;ngige Formen von Zirkulationsk&#228;mpfen. Das zeigt bloss den stummen Zwang einer politischen &#214;konomie in chronischem Niedergang, das Kapital wendet sich der Zirkulationssph&#228;re zu, um die Profitabilit&#228;t und den Umsatz aufrechtzuerhalten. Es sagt selten viel &#252;ber die gesellschaftliche oder politische Konstitution eines Kampfes aus&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb161&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Dies machen die j&#252;ngsten sogenannten &#8222;Freiheitskonvois&#8220; augenscheinlich.&#034; id=&#034;nh161&#034;&gt;161&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, trotz der Neigung einiger, solch voreingenommene Schlussfolgerungen aufgrund einer schieren Obsession f&#252;r Stil und Form zu ziehen, als ob soziale Revolte schlichtweg eine Sache der Nachahmung oder Ansteckung w&#228;re&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb162&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die hier betonte Tendenz ist bei den Str&#246;mungen der mit dem &#8222;Unsichtbaren (...)&#034; id=&#034;nh162&#034;&gt;162&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Blockaden, Krawalle, Besetzungen: Das sind fl&#252;chtige Eindr&#252;cke der tektonischen und sintflutartigen Bewegungen des Kapitals &#8211; der Ausstieg aus Industrien, logistische Weite, Umweltzerst&#246;rung, Neuzusammensetzung und Fragmentierung der Klasse, Informalit&#228;t und Kriminalit&#228;t, Verwaltung &#252;bersch&#252;ssiger Bev&#246;lkerungen und rassialisierte und geschlechtsspezifische Gewalt. Losgel&#246;st von diesen rudiment&#228;ren Bedingungen kann Theorie &#8211; sei sie aufst&#228;ndisch, anarchistisch oder kommunistisch &#8211; nicht viel mehr tun, als den kommenden Aufstand zu vergegenst&#228;ndlichen. Sie kann keine materielle Entlastung bieten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Zerfall und kommunistische Massnahmen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Am Rande solch globaler wirtschaftlicher Not ist es entscheidend, nicht vor lauter B&#228;umen den Wald nicht zu sehen. In letzter Instanz sind Sanktionen eine Form der Staatskunst, deren Regie das globale Kapital f&#252;hrt. Die Verelendung und Erb&#228;rmlichkeit ganzer Bev&#246;lkerungen, allen voran rassialisierter Proletarier, sind die Kosten f&#252;r den Wettbewerb um die Kontrolle von Wertfl&#252;ssen auf dem &#8222;geopolitischen&#8220; Terrain&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb163&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Roufos, &#8222;Solidarity with Ukraine&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh163&#034;&gt;163&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Sei es in Russland oder der Ukraine, der wirtschaftliche Kollaps fragmentiert Klassenverh&#228;ltnisse noch mehr und sch&#252;rt rassistischen und nationalistischen Hass, der paradoxerweise eine Form des &#8222;antifaschistischen Kampfes&#8220; und der &#8222;Entnazifizierung&#8220; mobilisiert&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb164&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Liaisons, &#8222;A Very Long Winter&#8220;, op. cit.; siehe auch Lev Golinkin, (...)&#034; id=&#034;nh164&#034;&gt;164&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie schon weiter oben angesprochen, waren die wirtschaftlichen Perspektiven der ukrainischen Industrie schon seit Jahrzehnten d&#252;ster. Russland, dessen wirtschaftliche Fundamente viel st&#228;rker sind, k&#228;mpfte sich auf &#228;hnliche Art und Weise durch ein Jahrzehnt der Stagnation vor dem Krieg. In diesem Kontext kann die Konstruktion und Affirmation angestrebter Klassenidentit&#228;t, sei sie Mittel- oder &#8222;Arbeiterklasse&#8220;, nur durch die Negation der &#8222;gef&#228;hrlichen&#8220; Elemente&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb165&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Endnotes, &#8222;The Construction of the Workers' Movement&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh165&#034;&gt;165&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; des Proletariats und der &#252;bersch&#252;ssigen Bev&#246;lkerung, die notwendigerweise Teil davon sind &#8211; des sogenannten &#8222;Lumpenproletariats&#8220;, das die Arbeiterklasse verfolgt und als konterrevolution&#228;re Kraft wahrgenommen wird &#8211; erreicht werden. Einerseits dr&#228;ngt die langanhaltende Krisentendenz des Kapitalismus immer weitere Teile der Bev&#246;lkerung in die &#8222;Lumpenproletarisierung&#8220;. Andererseits ist die Klasse als Ganzes dem Zerfall ausgesetzt. Das Resultat davon ist, dass, w&#228;hrend die Verelendung sich ausweitet und vertieft, der Niedergang der Klasse auf abstrakter Ebene als gr&#246;ssere Fragmentierung derselben auf konkreter Ebene ausgedr&#252;ckt wird. Die Konstruktion einer nationalen Klassenidentit&#228;t gegen diesen Niedergang ist gleichbedeutend mit der Verwerfung der Lumpenproletarier in ihren rassialisierten und geschlechtsspezifischen Formen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Auswirkungen davon sehen wir in der rassialisierten und geschlechtsspezifischen Gewalt, die den ukrainischen und russischen Populismus durchdringt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb166&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Liaisons, &#8222;A Very Long Winter&#8220;, op. cit.; Praleski, &#8222;Addressing Russian (...)&#034; id=&#034;nh166&#034;&gt;166&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, und in der wachsenden Grenz- und Fl&#252;chtlingskrise. Verglichen mit dem Rest Europas ist die ukrainische Wirtschaft unbedeutend und schwerf&#228;llig. Deshalb ist universit&#228;re Bildung relativ erschwinglich und zug&#228;nglich f&#252;r nichteurop&#228;ische Studenten, die in europ&#228;ische Arbeitsm&#228;rkte eintreten m&#246;chten, besonders afrikanische und indische Migranten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb167&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Soraya Ali, &#8222;Ukraine: Why so Many African and Indian Students Were in the (...)&#034; id=&#034;nh167&#034;&gt;167&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. W&#228;hrend wir diesen Text schreiben, sind fast f&#252;nf Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb168&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;UNHCR, &#8222;Refugees Fleeing Ukraine (since 24 February 2022)&#8220;, 2022. Es (...)&#034; id=&#034;nh168&#034;&gt;168&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; oder sind dabei, es zu tun. Afrikanische und asiatische Fl&#252;chtlinge, die aus dem weissen Rahmen der &#8222;Verdienstlichkeit&#8220; fallen, sind an der Grenze rassialisierter Gewalt ausgesetzt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb169&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Paul Waldie, Geoffrey York, &#8222;Africans and Asians Fleeing Ukraine Subjected (...)&#034; id=&#034;nh169&#034;&gt;169&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn &#252;berhaupt, dann hilft das, aufzuzeigen, dass unter den Bedingungen der langfristigen Abw&#228;rtsbewegung der Akkumulation, w&#228;hrend die systemische Reproduktion des Kapitals von der Reproduktion der Arbeitskraft entkoppelt worden ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb170&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r eine Erkl&#228;rung dieses Prozesses, siehe Endnotes, &#8222;Crisis in the Class (...)&#034; id=&#034;nh170&#034;&gt;170&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, der Kampf gegen das Kapital nur die Form eines Kampfes gegen die Reproduktion der proletarischen Bedingung annehmen kann &#8211; in anderen Worten, der Selbstaufhebung des Proletariats&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb171&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Proletarios Revolucionarios, &#8222;The Self-Abolition of the Proletariat as the (...)&#034; id=&#034;nh171&#034;&gt;171&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Das scheint eine Grenze darzustellen, welche den wiederholten nationalistischen Populismus daran hindert, sich in einen ausgedehnten Aufstand zu verwandeln&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb172&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Die davon unter radikalen Sektoren ausgel&#246;ste Verwirrung kann nicht (...)&#034; id=&#034;nh172&#034;&gt;172&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf internationaler Ebene scheinen Proteste gegen die Invasion, auch innerhalb Russlands, gegenw&#228;rtig durch die Massentaktik gewaltfreier Demonstration begrenzt zu sein, was die liberale Positionierung gegen Putins Regierung gest&#228;rkt hat&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb173&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Russia's Navalny Calls Putin Insane and Urges Anti-War Protests&#8220;, 2022.&#034; id=&#034;nh173&#034;&gt;173&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es gab einige wenige verstreute Berichte &#252;ber russische Brandstiftung und Sabotage&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb174&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es gab einige Berichte &#252;ber Brandstiftung und Sabotage gegen milit&#228;rische (...)&#034; id=&#034;nh174&#034;&gt;174&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und einige F&#228;lle von Hafenarbeitern, wie z.B. im Vereinigten K&#246;nigreich, den USA, Kanada, Neuseeland, Australien, Schweden und Italien, die sich weigerten, russische Frachten zu entladen oder milit&#228;rische Lieferungen f&#252;r die Ukraine zu verladen. Ein relevanteres Modell scheint in Weissrussland aufgetaucht zu sein, wo Bahnarbeiter &lt;a href=&#034;https://twitter.com/HannaLiubakova/status/1505972610177421316&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;gem&#228;ss Berichten Ausr&#252;stung und die Ukraine mit Russland verbindende Eisenbahnlinien blockiert und sabotiert haben&lt;/a&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb175&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Anna Jikhareva, &#8222;Sanktionen von unten&#8220;, 2022.&#034; id=&#034;nh175&#034;&gt;175&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der ukrainische Widerstand, obwohl er weit verbreitet ist, scheint mit den gleichen Grenzen in seiner Zusammensetzung und T&#228;tigkeit wie 2014 konfrontiert zu sein&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb176&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Andrew, &#8222;Ukraine-Korrespondenzen&#8220;, Teil 1 und 2 und Teil 3, 2022; (...)&#034; id=&#034;nh176&#034;&gt;176&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Unzufriedenheit, Aufruhr und Desertion&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb177&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Sanderr, &#8222;Don't Fight For &#8218;Your&#8216; Country!&#8220;, 2022.&#034; id=&#034;nh177&#034;&gt;177&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; werden marginalisiert hinter einem Banner der von nationalistischem Hass und milit&#228;risch gepr&#228;gten Volksfront. Diese gesellschaftliche Aufl&#246;sung ist eben genau das, was politische &#8222;Einheit&#8220; garantiert. Es ist unklar, wie dieses Zusammenlaufen von Polizeirepression, Wirtschaftskrise und zunehmender Mutlosigkeit diese Bewegungen &#252;ber die gegenw&#228;rtigen Grenzen hinweg ins Gefilde des offenen Antagonismus gegen Staat und Kapital treiben k&#246;nnte, da die Leute dazu gezwungen sein werden, drastischere Massnahmen zu ergreifen, um das kontinuierliche &#220;berleben zu gew&#228;hrleisten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf diesem Terrain, jenem der Ausbreitung und Verallgemeinerung kommunistischer Massnahmen, haben die Formen und Mittel des Kampfes die unmittelbare Hervorbringung des Kommunismus als ihren potenziellen historischen Inhalt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb178&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Leon de Mattis, &#8222;Communist Measures: Thinking a Communist Horizon&#8220;, 2014.&#034; id=&#034;nh178&#034;&gt;178&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der &#220;bergang bedeutet hier die Konfrontation mit dem Problem der Zusammensetzung, das konkret ein Problem des Zerfalls, der Fragmentierung und des rassialisierten Klassenantagonismus ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb179&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es sollte betont werden, dass dieser Antagonismus zutiefst asymmetrisch (...)&#034; id=&#034;nh179&#034;&gt;179&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vieles bleibt ungewiss. In der unmittelbaren Zukunft wird allerdings die Ukraine-Krise weiterhin steigende Energie- und Nahrungsmittelpreise zur Folge haben. Die Ausbreitung der Krise hat schon die Weltwirtschaft durchdrungen. Wenn diese Wellen zu Wogen werden, k&#246;nnen wir damit rechnen, dass Aufruhr, Revolte und K&#228;mpfe um die Mittel des &#220;berlebens wie die Kosten wesentlicher Waren sich weiterhin ausbreiten und intensivieren. Gleichzeitig zerrt der Massenr&#252;ckzug vom Arbeitsmarkt immer noch an Wertsch&#246;pfungsketten weit und breit. W&#228;hrend die schwerf&#228;lligen Bewegungen des Kapitals uns tiefer ins Reich der Umweltkatastrophe treiben, sind die j&#252;ngsten Krisen und ihre dazugeh&#246;rigen Kampfzyklen wom&#246;glich bloss Generalproben f&#252;r die kommenden Schocks und Katastrophen. Wir w&#228;ren weise, wenn wir im Kopf behalten, dass die kommunistischen Perspektiven sowohl am Inhalt als auch an der Form dieser K&#228;mpfe gemessen werden sollten. Revolution kann nicht auf Krieg reduziert werden. In Tat und Wahrheit dr&#252;ckt der Ausbruch eines Krieges oft den Endpunkt oder das Scheitern der sozialen Revolution aus und er verschlingt mit ihr die Bedingungen ihrer M&#246;glichkeit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Macht kommt genausowenig aus den Gewehrl&#228;ufen wie aus der Urne. Keine Revolution ist friedlich, aber die milit&#228;rische Ebene ist nicht zentral. Das Problem ist nicht, da&#223; die Prolos endlich beschlie&#223;en, die Waffenlager zu pl&#252;ndern, sondern da&#223; sie das umsetzen, was sie sind: als Ware behandelte Wesen, die nicht mehr als Ware existieren k&#246;nnen noch wollen, und deren Revolte die kapitalistische Logik zum Platzen bringt. Von dieser &#8218;Waffe&#8216; leiten sich Barrikaden und Maschinengewehre ab. Die gesellschaftliche Vitalit&#228;t wird gr&#246;&#223;er, der tats&#228;chliche Gebrauch von Gewehren und die Anzahl der Toten geringer sein. Die kommunistische Revolution wird niemals einem Gemetzel gleichen: nicht wegen eines Prinzips der Gewaltfreiheit, sondern weil sie nur dann eine Revolution ist, wenn sie die professionellen Milit&#228;rs eher zersetzt, als da&#223; sie sie vernichtet.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb180&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Dauv&#233;, &#8222;Wenn die Aufst&#228;nde sterben&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh180&#034;&gt;180&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Irgendeine kommunistische Studiengruppe&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Englischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://haters.noblogs.org/post/2022/05/11/ripples-and-waves-notes-on-ukraine-in-the-long-crisis/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Marx an Ruge, &#8222;Ein Briefwechsel von 1843&#8220; in &lt;i&gt;Deutsch-franz&#246;sische Jahrb&#252;cher&lt;/i&gt;, 1844, S. 39.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Leila Al-Shami, &lt;a href=&#034;https://www.dagmarschatz.com/2018/04/17/der-antiimperialismus-der-idioten/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Der &#8218;Antiimperialismus&#8216; der Idioten&#8220;&lt;/a&gt;, 2018. Leila Al-Shamis Analyse hat gewiss Grenzen. Trotzdem ist sie eine n&#252;tzliche und bissige Benennung und kann leider ohne weiteres auf andere Kontexte angewandt werden. Al-Shami polemisiert gegen &#8222;linke&#8220; und &#8222;antiimperialistische&#8220; Proteste und Antikriegsbewegungen, die &#252;ber de ganzen syrischen B&#252;rgerkrieg hinweg die Assad-Regierung und das syrisch-russisch-iranische B&#252;ndnis verteidigt haben. In Anbetracht der Tatsache, dass Syrien zu einer Art Kennzeichen f&#252;r viele Beteiligte am linken Diskurs &#252;ber die Ukraine geworden ist, lohnt es sich, auf die von ihr aufgeworfenen Fragen zur&#252;ckzukommen. Sie erkl&#228;rt:&lt;br class='manualbr' /&gt;&#8222;F&#252;r diese autorit&#228;re Linke erstreckt sich Unterst&#252;tzung im Namen des &#8218;Antiimperialismus&#8216; auf das Assad-Regime. Assad wird als Teil der &#8218;Achse des Widerstandes&#8216; gegen sowohl das US-Regime als auch den Zionismus gesehen. Dabei z&#228;hlt es wenig, da&#223; das Assad-Regime selbst den ersten Golfkriege unterst&#252;tzt hat oder am illegalen US-&#220;berstellungsprogramm teilnahm, im Rahmen dessen Terrorverd&#228;chtige in Syrien im Auftrag der CIA gefoltert wurden. Die Tatsache, dass dieses Regime wahrscheinlich den zweifelhaften Vorzug hat, mehr Pal&#228;stinenser abzuschlachten als der israelische Staat, wird st&#228;ndig &#252;bersehen, ebenso wie die Tatsache, dass es eher darauf bedacht ist, seine Streitkr&#228;fte zu benutzen, um den internen Dissens zu unterdr&#252;cken, als den von Israel besetzten Golan zu befreien. Dieser &#8218;Antiimperialismus&#8216; der Idioten ist einer, der Imperialismus allein mit den Aktionen der USA gleichsetzt.&#8220;&lt;br class='manualbr' /&gt;Zum Problem der abstrakten Analogie zwischen der Ukraine und Syrien, die ihrer konkreten rassialisierten Differenzierungen in der globalen gesellschaftlichen Arbeitsteilung entledigt worden ist, siehe &lt;a href=&#034;https://abolitionmedia.noblogs.org/post/2022/04/18/anarchist-who-fought-in-rojava-response-to-no-war-but-class-war-debate/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Anarchist who Fought in Rojava Response to &#8218;No War But Class War&#8216; Debate&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Z.B. die Position der Partei f&#252;r Sozialismus und Befreiung (PSL) oder der Demokratischen Sozialisten Amerikas &#8211; Internationales Komitee (DSA-IC). Siehe Kenya Elliott, &lt;a href=&#034;https://www.liberationnews.org/ukraine-crisis-escalates-after-u-s-swats-away-russian-olive-branch/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Ukraine Crisis Escalates after U.S. Swats away Russian Olive Branch&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Liberation: Newspaper for the Party of Socialism and Liberation&lt;/i&gt;, 2022, und DSA-IC, &lt;a href=&#034;https://international.dsausa.org/statements/no-war-with-russia/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;DSA IC Opposes US Militarization and Interventionism in Ukraine and Eastern Europe and Calls for an End to NATO Expansionism&#8220;&lt;/a&gt;, 2022. In den letzten Monaten ist der inkoh&#228;rente Internationalismus der DSA zutage getreten, nachdem sie die Arbeitsgruppe f&#252;r Pal&#228;stina-Solidarit&#228;t aufgel&#246;st haben.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Z.B. Branko Marcetic, &lt;a href=&#034;https://jacobin.com/2022/02/with-putins-ukraine-incursion-hawks-in-washington-got-exactly-what-they-wanted&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;With Putin's Ukraine Incursion, Hawks in Washington Got Exactly What They Wanted&#8220;,&lt;/a&gt; 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;CrimethInc, &lt;a href=&#034;https://de.crimethinc.com/2022/02/03/ukraine-zwischen-zwei-fronten-anarchistinnen-in-der-region-uber-die-kriegsgefahr&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Ukraine: Zwischen zwei Fronten. Anarchist*innen in der Region &#252;ber die Kriegsgefahr&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe z.B.: &#8222;[E]ine anarchistische Positionalit&#228;t bedeutet, sich seinen Platz zu schaffen, mit staatlichen Kr&#228;ften zu k&#228;mpfen, die uns ein B&#252;ndnis anbieten gegen andere staatliche Kr&#228;fte, die uns sofort vernichten w&#252;rden.&#8220; Peter Gelderloos, &lt;a href=&#034;https://itsgoingdown.org/the-invasion-of-ukraine-anarchist-interventions-and-geopolitical-changes/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Invasion of Ukraine: Anarchist Interventions and Geopolitical Changes&#8220;&lt;/a&gt;, 2022. Es gab einige Kritik sowohl gegen die eine als auch gegen die andere Seite bez&#252;glich der Frage der anarchistischen Beteiligung am &#8222;Widerstandskomitee&#8220;, eine angeblich &#8222;anti-autorit&#228;re&#8220; Einheit, die innerhalb der zu den ukrainischen Streitkr&#228;ften geh&#246;renden Territorialverteidigung organisiert ist. F&#252;r die verbreitesten Beispiele dieser Art, siehe Sasa Kalazu, &lt;a href=&#034;https://enough-is-enough14.org/2022/03/07/anarchistische-organisierung-in-zeiten-von-krieg-und-krise-ukraine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Anarchistische Organisierung in Zeiten von Krieg und Krise [Ukraine]&#8220;&lt;/a&gt;, 2022, &lt;a href=&#034;https://itsgoingdown.org/no-war-but-class-war-against-state-nationalism-and-inter-imperialist-war-in-ukraine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;No War But Class War: Against State Nationalism and Inter-Imperialist War in Ukraine&#8220;&lt;/a&gt;, 2022, und die Antwort darauf, &lt;a href=&#034;https://itsgoingdown.org/a-response-on-ukraine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;A Response On Ukraine And &#8218;No War But Class War&#8216;&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;br class='manualbr' /&gt;Von dieser letzteren &#8222;Antwort&#8220; schreibt Mike Gouldhawke, dass der anonyme Autor &#8222;vom kritischen Denken rund um den Staatsnationalismus, besonders dem europ&#228;ischen und den erg&#228;nzenden kolonialen Siedlernationalismen entt&#228;uscht&#8220; zu sein scheint. Obwohl er sich mit dem Projekt der internationalen Solidarit&#228;t besch&#228;ftigt, kritisiert Gouldhawke das Konzept einer abstrakten anarchistischen Positionalit&#228;t, so wie sie getrieben ist von einem Sinn f&#252;r atomisierte moralische Verpflichtung: &#8222;[S]ympathie ist nicht das Problem [&#8230;] Das Problem ist der Staat selbst, sein Militarismus und Nationalismus, das Verh&#228;ltnis zwischen faschistischen oder nationalistischen Bewegungen und dem Staat und letztendlich wie Anarchisten in Nordamerika ihre eigene Situation analysieren, um &#252;berhaupt erst f&#228;hig zu Solidarit&#228;t zu sein.&#8220; Siehe Mike Gouldhawke, &lt;a href=&#034;https://itsgoingdown.org/a-response-to-a-response-about-militarism-nationalism-and-war/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;A Response to a Response about Militarism, Nationalism and War&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;br class='manualbr' /&gt;Abolition Media hat vor kurzem eine scharfe Kritik des die westliche Verteidigung des ukrainischen Widerstandes durchdringenden rassialisierten Exzeptionalismus ver&#246;ffentlicht. Der Autor, ein Anarchist, der in Rojava k&#228;mpfte, argumentiert, dass die westlichen Anarchisten, die den ukrainischen Widerstand verehren, den B&#252;rgerkrieg in Syrien und Rojava unredlich als ideologische Grundlage, ausgehend von welcher sie sich positionieren k&#246;nnen, benutzt haben, w&#228;hrend sie keine substanzielle Anstrengung unternehmen, um Unterschiede bez&#252;glich dem regionalen historischen Kontext und der konkreten ortsgebundenen gesellschaftlichen Bedingungen zu analysieren. Er kommt zum Schluss, dass die scheinbar aus dem Nichts kommende und &#252;ber alle Kritik erhabene, nahezu unmittelbare und weitgehende materielle und politische Unterst&#252;tzung westlicher Anarchisten, die sie dem ukrainischen Widerstand anbieten, die &#8222;latente weisse Vorherrschaft innerhalb der anarchistischen Szene&#8220; entlarvt, w&#228;hrend &#8222;das radikale Milieu Rojava weitgehend vergessen hat&#8220;. Ausser nat&#252;rlich, wenn es situationsbedingt als Mittel der Sophisterei zweckdienlich wird. Siehe &#8222;Anarchist who Fought in Rojava Response to &#8216;No War But Class War' Debate&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zu Klasse als eine Abstraktion, die durch konkrete rassialisierte und geschlechtsspezifische Segmentierung und Fragmentierung verwirklicht wird, siehe Ediciones In&#233;ditas, &lt;a href=&#034;https://prolewave.noblogs.org/files/2019/12/In&#233;ditas-Anthology.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Ediciones In&#233;ditas Anthology&#8220;&lt;/a&gt;; Th&#233;orie communiste, &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/classsegmentationracialization-notes-theorie-communiste&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Class / Segmentation / Racialisation. Reading Notes&#8220;&lt;/a&gt;, 2016, Agitations, &lt;a href=&#034;https://haters.noblogs.org/files/2021/01/Program-or-Communization.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Revolution: Program or Communization&#8220;&lt;/a&gt;; Chris Chen, &lt;a href=&#034;https://endnotes.org.uk/translations/chris-chen-the-limit-point-of-capitalist-equality&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Limit Point Of Capitalist Equality: Notes Toward An Abolitionist Antiracism&#8220;&lt;/a&gt;, 2013; R.L., &lt;a href=&#034;https://www.metamute.org/editorial/articles/inextinguishable-fire-ferguson-and-beyond&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Inextinguishable Fire: Ferguson and Beyond&#8220;&lt;/a&gt;, 17. November 2014; K. Aarons, &lt;a href=&#034;https://www.metamute.org/editorial/articles/no-selves-to-abolish-afropessimism-anti-politics-and-end-world&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;No Selves to Abolish: Afropessimism, Anti-Politics, and the End of the World&#8220;&lt;/a&gt;, 2016; Heath Schultz, &#8222;Debord in Watts: Race and Class Antagonisms Under Spectacle&#8220; in &lt;i&gt;Marxism and Cultural Studies&lt;/i&gt;, Nr. 7.1, 2018; Stuart Hall, &#8222;Race, Articulation, and Societies Structured in Dominance&#8220;, 1980 &lt;i&gt;in&lt;/i&gt; Stuart Hall, &lt;i&gt;Selected Writings: Essential Essays&lt;/i&gt;, Bd. 1: &lt;i&gt;Foundations of Cultural Studies&lt;/i&gt;, Duke University Press; Endnotes, &lt;a href=&#034;https://endnotes.org.uk/articles/the-logic-of-gender&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Logic of Gender: On the Separation of Spheres and the Process of Abjection&#8220;&lt;/a&gt;, 2013; Leopoldina Fortunati, &lt;i&gt;The Arcane of Reproduction: Housework, Prostitution, Labor and Capital&lt;/i&gt;, Autonomedia, 1995 (1981); Jackie Wang, &#8222;Against Innocence: Race, Gender, and the Politics of Safety&#8220; in &lt;i&gt;Lies: A Journal of Materialist Feminism&lt;/i&gt;, 2012.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Marx betonte, dass die &#228;ussere Kraft der Konkurrenz den Gesetzen der kapitalistischen Produktion immanent ist. Siehe Karl Marx, &lt;i&gt;Das Kapital. Kritik der politischen &#214;konomie&lt;/i&gt;, Bd. 1, 1865 in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 23, 1968: &#8222;Die freie Konkurrenz macht die immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktion dem einzelnen Kapitalisten gegen&#252;ber als &#228;u&#223;erliches Zwangsgesetz geltend.&#8220; (S. 286); &#8222;Au&#223;erdem macht die Entwicklung der kapitalistischen Produktion eine fortw&#228;hrende Steigerung des in einem industriellen Unternehmen angelegten Kapitals zur Notwendigkeit, und die Konkurrenz herrscht jedem individuellen Kapitalisten die immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise als &#228;u&#223;ere Zwangsgesetze auf. Sie zwingt ihn, sein Kapital fortw&#228;hrend auszudehnen, um es zu erhalten, und ausdehnen kann er es nur vermittelst progressiver Akkumulation.&#8220; (S. 618); siehe auch Karl Marx, &lt;i&gt;Grundrisse der Kritik der politischen &#214;konomie&lt;/i&gt;, 1857-1858 in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 42, 1983, S. 327: &#8222;In der &lt;i&gt;Konkurrenz&lt;/i&gt; erscheint diese innre Tendenz des Kapitals als ein Zwang, der ihm von &lt;i&gt;fremdem&lt;/i&gt; Kapital angetan wird und der es vorantreibt &#252;ber die richtige Proportion mit best&#228;ndigem &lt;i&gt;Marche, marche!&lt;/i&gt; [&#8230;] Begrifflich ist die Konkurrenz nichts als die innre Natur des Kapitals, seine wesentliche Bestimmung, erscheinend und realisiert als Wechselwirkung der vielen Kapitalien aufeinander, die innre Tendenz als &#228;u&#223;erliche Notwendigkeit.[&#8230;] Kapital existiert und kann nur existieren als viele Kapitalien, und seine Selbstbestimmung erscheint daher als Wechselwirkung derselben aufeinander.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Das Kapital ist selbst der prozessierende Widerspruch [dadurch], da&#223; es die Arbeitszeit auf ein Minimum zu reduzieren strebt, w&#228;hrend es andrerseits die Arbeitszeit als einziges Ma&#223; und Quelle des Reichtums setzt. Es vermindert die Arbeitszeit daher in der Form der notwendigen, um sie zu vermehren in der Form der &#252;berfl&#252;ssigen; setzt daher die &#252;berfl&#252;ssige in wachsendem Ma&#223; als Bedingung &#8212; question de vie et de mort &#8212; f&#252;r die notwendige.&#8220; Marx, &lt;i&gt;Grundrisse&lt;/i&gt;, S. 601-602.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In Bezug auf den laufenden Ukraine-Krieg hat Roland Simon beobachtet, wie sich die geopolitische Konfrontation zwischen Nationalstaaten aus den Widerspr&#252;chen in der globalen Reproduktion des kapitalistischen Klassenverh&#228;ltnisses herauskristallisiert hat &#8211; eine Panne der kapitalistischen Restrukturierung seit den Krisen der 1970er Jahre &#8211; die besonders seit der Krise und der Rezession 2008 deutlich hervorgetreten ist. Siehe Roland Simon, &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Roland-Simon-Ukraine-2022&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Ukraine 2022&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; chilenische Genossen von Vamos Hacia La Vida haben &#228;hnliche Schl&#252;sse gezogen: &#8222;Was sie &#8218;geopolitische Neugestaltung&#8216; nennen, ist nichts anderes als der alte innerb&#252;rgerliche Streit, verschlimmert durch die tiefe Verwertungskrise, die uns seit 2008 heimsucht [&#8230;] Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine ist eine direkte Folge dieser Krise, welche die Kapitale und ihre Staaten dazu zwingt, die schon klassischen Konflikte um Rohstoffe, M&#228;rkte und Territorien auszutragen, aber mit einem nie dagewesenem Ausmass zerst&#246;rerischer Kraft.&#8220; Siehe Vamos Hacia La Vida, &lt;a href=&#034;https://malcontent.noblogs.org/post/2022/03/28/reflections-on-the-ongoing-capitalist-butchery-russia-ukraine-vamos-hacia-la-vida/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Reflections on the ongoing capitalist butchery (Russia/Ukraine)&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wie Chuang es formuliert: &#8222;Vertraue nie jemandem, der von der Welt in rein geopolitischen Begriffen spricht, als ob es schlichtweg &#8218;Nationen&#8216; mit &#8218;Interessen&#8216; g&#228;be, die manchmal im Konflikt miteinander sind. Geopolitik ist ein Hologramm, das &#252;ber die raue Realit&#228;t der Wirtschaft projiziert ist und ihr weltumspannendes Gleichgewicht des Schreckens mit dem Melodrama politischer Anf&#252;hrer und &#246;ffentlicher Empfindung verschleiert.&#8220; Siehe Chuang, &lt;a href=&#034;https://chuangcn.org/2020/01/the-divided-god/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Divided God: A Letter to Hong Kong&#8220;&lt;/a&gt;, 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Vor kurzem haben Antithesi und Cognord die als staatliche Politik verzeichneten Widerspr&#252;che der kapitalistischen Reproduktion und die ungleichm&#228;ssige und konfliktreiche Verwaltung der Pandemie eloquent behandelt. Ihre Kritik an der beunruhigenden Opposition gegen staatliche Massnahmen weist eine gewisse &#196;hnlichkeit mit der folgenden Analyse auf. In beiden F&#228;llen haben linke und anarchistische Milieus Feindschaft gegen&#252;ber dem Staatsapparat in der einen oder anderen Form fetischisiert, aber scheitern daran, ihren historischen Inhalt zu erkl&#228;ren. Siehe Antithesi/Cognord, &lt;a href=&#034;https://communaut.org/de/das-leugnen-der-realitaet-und-die-realitaet-des-leugnens#footnote12_pt20lz0&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Das Leugnen der Realit&#228;t und die Realit&#228;t des Leugnens&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Z.B. Franco &#8222;Bifo&#8220; Berardi, &lt;a href=&#034;https://networkcultures.org/blog/2022/04/15/the-precipice/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Precipice &#8211; Ukraine's Inter-White War Is Just the Beginning: Welcome to the Geopolitics of Chaos&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Guy Debord, &lt;i&gt;Die Gesellschaft des Spektakels&lt;/i&gt;, 1967, These 141.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Hegel bemerkte irgendwo, da&#223; alle gro&#223;en weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sich sozusagen zweimal ereignen. Er hat vergessen, hinzuzuf&#252;gen: das eine Mal als Trag&#246;die, das andere Mal als Farce [&#8230;] Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien St&#252;cken, nicht unter selbstgew&#228;hlten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und &#252;berlieferten Umst&#228;nden. Die Tradition aller toten Geschlechter lastet wie ein Alp auf dem Gehirne der Lebenden.&#8220; Karl Marx, &#8222;Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte&#8220;, 1852 in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 8, 1972, S. 115.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Roland Simon, &lt;a href=&#034;https://libcom.org/library/concept-cycle-struggles-roland-simon&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Concept of the Cycles of Struggle&#8220;&lt;/a&gt;, 2008.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die &#8222;lange Krise&#8220;, der &#8222;lange Abschwung&#8220; oder die &#8222;lange Depression&#8220; beziehen sich auf die Periode der globalen wirtschaftlichen Restrukturierung nach der &#214;lkrise 1973, die jedoch mit einem R&#252;ckgang der Profitraten in der Produktion in den 1960er Jahren begann. Diese &#196;ra war von einem allgemeinen R&#252;ckgang des Wirtschaftswachstums, Stagnation und Schweinezyklen, prim&#228;r bez&#252;glich der Preise von Finanzanlagen wie Immobilien, gepr&#228;gt. Siehe Paul Mattick Jr., &lt;i&gt;Business as Usual: The Economic Crisis and the Failure of Capitalism&lt;/i&gt;, Reaktion, 2011; Paul Mattick Jr., &lt;i&gt;Theory as Critique: Essays on Capital&lt;/i&gt;, Haymarket, 2018; Robert Brenner, &lt;i&gt;Boom &amp; Bubble. Die USA in der Weltwirtschaft&lt;/i&gt;, VSA, 2002; Robert Brenner, &lt;i&gt;The Economics of Global Turbulence: The Advanced Capitalist Economies from Long Boom to Long Downturn, 1945-2005&lt;/i&gt;, Verso, 2006; Endnotes, &lt;a href=&#034;https://kosmoprolet.org/de/elend-und-schulden-zur-logik-und-geschichte-von-ueberschussbevoelkerungen-und-ueberschuessigem&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Elend und Schulden. Zur Logik und Geschichte von &#220;berschussbev&#246;lkerungen und &#252;bersch&#252;ssigem Kapital&#8220;&lt;/a&gt;, 2010: Michael Roberts, &lt;i&gt;The Long Depression: How It Happened, Why It Happened, and What Happens Next&lt;/i&gt;, Haymarket, 2016; Jonathan Levy, &lt;i&gt;Ages of American Capitalism: A History of the United States&lt;/i&gt;, Random House, 2021.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Beschaffung und Verteilung von Lebensmitteln war eine wiederkehrende Besorgnis der Regierungsf&#252;hrung &#252;ber das ganze lange 20. Jahrhundert hinweg. Siehe Susanne A. Wengle, &lt;i&gt;Black Earth, White Bread: A Technopolitical History of Russian Agriculture and Food&lt;/i&gt;, University of Wisconsin Press, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r eine &#220;bersicht &#252;ber diese Debatten, prim&#228;r innerhalb der trotzkistischen Tradition und ihren Abtr&#252;nnigen, besonders der Johnson-Forest-Tendenz, siehe die Serie von Aufheben &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/what-was-ussr-aufheben&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;What Was the USSR&#8220;&lt;/a&gt;. Siehe auch &lt;i&gt;State Capitalism and World Revolution&lt;/i&gt; von C.L.R. James, Raya Dunayevskaya und Grace Lee.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Z.B. Ida Mett, &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/kronstadt-uprising-1921-ida-mett&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;The Kronstadt Uprising of 1921&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, 1948.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Th&#233;orie communiste, &lt;a href=&#034;https://endnotes.org.uk/articles/much-ado-about-nothing&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Much Ado about Nothing&#8220;&lt;/a&gt;, 2008.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Endnotes, &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/history-separation-endnotes-4&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;A History of Separation&#8220;&lt;/a&gt;, 2015. Die anarchistische argentinische Zeitschrift &lt;i&gt;Cuadernos de Negaci&#243;n&lt;/i&gt; hat eine Kritik der Arbeiterselbstverwaltung nach der j&#252;ngeren Geschichte der argentinischen Aufst&#228;nde 2001 vorgelegt. Siehe &lt;i&gt;Cuadernos de Negaci&#243;n&lt;/i&gt;, Nr. 12, &lt;a href=&#034;https://cuadernosdenegacion.blogspot.com/p/blog-page.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Critique of Self-Management&#8220;&lt;/a&gt;, siehe auch Gilles Dauv&#233; und Fran&#231;ois Martin, &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/eclipse-and-re-emergence-communist-movement-gilles-dauve-and-francois-martin&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Eclipse and Re-Emergence of the Communist Movement&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, PM Press, 2014 (1974).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb23&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh23&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 23&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;23&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Formelle Subsumtion, manchmal als formelle Herrschaft &#252;bersetzt, ist die Aneignung des Arbeitsprozesses durch das Kapital. Sie ist eine sowohl notwendige als auch hinreichende Bedingung f&#252;r die Produktion von Mehrwert durch die Ausweitung des Arbeitstages &#252;ber die f&#252;r die Reproduktion des Lebenserhalts des Arbeiters notwendige Arbeitszeit hinaus. Reelle Subsumtion, oder reelle Herrschaft, dr&#252;ckt die kontinuierlichen, die Arbeitsproduktivit&#228;t steigernden technischen, technologischen und organisatorischen Revolutionen im Arbeitsprozess aus. Dies verweist auf die Produktion von relativem Mehrwert durch die Reduzierung der notwendigen Arbeitszeit, d.h. die Verringerung der Kosten f&#252;r Lebensmittel. Formelle Subsumtion bleibt eine notwendige Bedingung f&#252;r die Produktion von relativem Mehrwert, aber blosse Aneignung von Arbeit durch das Kapital ist nicht ausreichend. Wettbewerb zwischen individuellen Kapitalen garantiert eine inh&#228;rente Dynamik und Zielgerichtetheit der kapitalistischen Entwicklung. Er gibt ihr historische Form. Das ist es, was Marx als spezifisch kapitalistische Produktionsweise bezeichnete. Reelle Subsumtion beschreibt diesen Prozess des best&#228;ndigen Werdens. Siehe Marx, &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Bd.1 und besonders den Anhang &#8222;Resultate des unmittelbaren Produktionsprozesses&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb24&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh24&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 24&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;24&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ein fr&#252;her und einflussreicher Theoretiker der franz&#246;sischen und italienischen Ultralinken, seit den sp&#228;ten 1970er Jahren ist Camatte zu einem ziemlich undurchsichtigen und esoterischen Denker geworden, dessen heutige Analyse anf&#228;llig ist f&#252;r naturalistische Trugschl&#252;sse, humanistischen Fetisch in umgekehrter Form und eine Berufung auf den Vitalismus. Dies ist in seinen &lt;a href=&#034;https://revueinvariance.pagesperso-orange.fr/situation.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;j&#252;ngsten Mitteilungen&lt;/a&gt; zur Covid-Pandemie, Gattungsfeindschaft und Ausl&#246;schung, die Spuren von ahistorischem Negationismus enthalten, auf verst&#246;rende Art und Weise offensichtlich geworden.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb25&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh25&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 25&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;25&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r eine Analyse und Kritik dieser Periodisierung sowie der unver&#246;ffentlichten &#8222;Resultate des unmittelbaren Produktionsprozesses&#8220; von Marx, siehe Endnotes, &lt;a href=&#034;https://endnotes.org.uk/articles/the-history-of-subsumption&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The History of Subsumtion&#8220;&lt;/a&gt;. Die Lesart Camattes enth&#228;lt Spuren von Debords Theorie des Kapitals als Spektakel. Mit der reellen Subsumtion wird das Kapital autonom, es wird zu einer materiellen Gemeinschaft, die alle unmittelbaren menschlichen Beziehungen ersetzt und ihre eigene Form der Vermittlung aufzwingt. Siehe Jacques Camatte, &lt;a href=&#034;https://www.marxists.org/archive/camatte/capcom/index.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Capital and Community: The Results of the Immediate Process of Production and the Economic Work of Marx&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, 1976; Guy Debord, &lt;i&gt;Die Gesellschaft des Spektakels&lt;/i&gt;, 1967.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb26&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh26&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 26&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;26&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Daher Marx&#8216; Kapitel zur Produktion des absoluten und relativen Mehrwerts und zum Verh&#228;ltnis der beiden und das Fehlen der &#8222;Resultate&#8220; in der finalen &#220;berarbeitung des &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb27&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh27&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 27&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;27&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Chris Arthur, &lt;i&gt;The New Dialectic and Marx's Capital&lt;/i&gt;, Brill, 2003. Siehe auch Endnotes, &lt;a href=&#034;https://endnotes.org.uk/articles/the-moving-contradiction&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Moving Contradiction: The Systematic Dialectic of Capital as Dialectic of Class Struggle&#8220;&lt;/a&gt;, 2010.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb28&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh28&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 28&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;28&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Endnotes, &lt;a href=&#034;https://endnotes.org.uk/articles/the-construction-of-the-workers-movement&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;A History of Separation: The Construction of the Workers&#8216; Movement&#8220;&lt;/a&gt;, 2015; Teodor Shanin, &#8222;Late Marx and the Russian Road: Marx and the &#8218;Peripheries of Capitalism&#8216;&#8220;, &lt;i&gt;Monthly Review Press&lt;/i&gt;, 1983.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb29&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh29&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 29&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;29&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Chuang benutzte zuerst die Bezeichnungsweise &#8222;sozialistisches Entwicklungsregime&#8220;, um den industriellen &#220;bergang in China nach der kommunistischen Revolution zu beschreiben. Siehe &lt;a href=&#034;https://chuangcn.org/journal/one/sorghum-and-steel/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Sorghum &amp; Steel: The Socialist Developmental Regime and the Forging of China&#8220;&lt;/a&gt;. Chuang bemerkt allerdings sowohl bedeutende Parallelen als auch Unterschiede zwischen dem russischen und dem chinesischen Entwicklungsregime und gibt acht, letzteres nicht auf die polemischen Darstellungen des ersteren zu reduzieren.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb30&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh30&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 30&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;30&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r eine gr&#252;ndlichere Ausarbeitung dieser theoretischen und historischen Debatte, siehe Aufheben, &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/what-was-ussr-part-ii-russia-non-mode-production&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Russia as a Non-Mode of Production&#8220;&lt;/a&gt; und &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/what-was-ussr-part-iv-towards-theory-deformation-value&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Towards a Theory of the Deformation of Value&#8220;&lt;/a&gt; in &#8222;What Was the USSR&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb31&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh31&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 31&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;31&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wengle, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb32&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh32&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 32&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;32&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 62.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb33&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh33&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 33&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;33&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 38-48.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb34&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh34&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 34&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;34&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb35&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh35&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 35&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;35&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 48-50.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb36&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh36&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 36&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;36&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 38-62.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb37&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh37&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 37&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;37&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Michael Roberts, 2017, &lt;a href=&#034;https://thenextrecession.wordpress.com/2017/11/08/the-russian-revolution-some-economic-notes/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Russion Revolution: Some Economic Notes&#8220;&lt;/a&gt;, 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb38&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh38&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 38&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;38&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Fleischman liefert eine gr&#252;ndliche Darstellung der landwirtschaftlichen und industriellen Revolution in der Sowjetunion und im Ostblock als Antwort auf die Energie-, Ern&#228;hrungs- und Finanzkrise der 1970er Jahre. Siehe Thomas Fleischman, &lt;i&gt;Communist Pigs: An Animal History of East Germany's Rise and Fall&lt;/i&gt;, University of Washington Press, 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb39&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh39&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 39&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;39&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wengle, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 52-54.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb40&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh40&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 40&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;40&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 63.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb41&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh41&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 41&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;41&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r eine detaillierte Geschichte, siehe James Trager, &lt;i&gt;Amber Waves of Grain: The Secret Russian Wheat Sales That Sent American Food Prices Soaring&lt;/i&gt;, Arthur Field Books, 1973. Siehe auch Harry Cleaver, &#8222;Food, Famine and the International Crisis&#8220; in &lt;i&gt;Zerowork&lt;/i&gt;, Nr. 2(1), S. 70; Wengle, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 63-64.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb42&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh42&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 42&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;42&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wengle, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 63-64.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb43&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh43&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 43&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;43&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Das wird weiter unten detaillierter untersucht.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb44&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh44&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 44&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;44&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Fleischman, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb45&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh45&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 45&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;45&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wengle, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 54.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb46&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh46&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 46&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;46&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Fleischman, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb47&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh47&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 47&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;47&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wengle, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 64-69.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb48&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh48&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 48&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;48&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Abraham Song, &lt;a href=&#034;https://geohistory.today/russia-shock-therapy/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Four Reformers in Russia's Shock Therapy&#8220;&lt;/a&gt;, 2016.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb49&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh49&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 49&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;49&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Ben Aris, &lt;a href=&#034;https://www.themoscowtimes.com/2018/08/22/remembering-russias-1998-financial-crash-op-ed-a62595&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Remembering Russia's 1998 Financial Crisis: The Whole Economy Fell to Pieces at Once&#8220;&lt;/a&gt;, 2018.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb50&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh50&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 50&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;50&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Ostasienkrise hat selbst vorausgehende Urspr&#252;nge und Vorbedingungen. Um die inflation&#228;re Periode der 1970er Jahre zu unterbrechen, erh&#246;hte die Fed unter Paul Volcker die Zinss&#228;tze und wertete den US-Dollar auf. Obwohl sie erfolgreich war, war das Nebenprodukt der Aufwertung, dass die US-amerikanische Produktion international weniger kompetitiv war, besonders im Verh&#228;ltnis zu den aufsteigenden wirtschaftlichen Bedrohungen Japan und Deutschland. Die USA, Japan, Deutschland, Frankreich und das Vereinigte K&#246;nigreich unterzeichneten 1985 das Plaza-Abkommen, das zum Ziel hatte, den US-Dollar im Verh&#228;ltnis zu den W&#228;hrungen dieser L&#228;nder abzuwerten, was den US-amerikanischen Firmen neuen Schwung verschaffte. In Japan f&#252;hrte die relative Aufwertung des Yen zu vermehrter Spekulation und einer Immobilienblase. Als die Blase platzte, trat die japanische Wirtschaft in die Stagnation ein und begann ihre &#8222;verlorene Dekade&#8220;. Nachdem sich die USA, Deutschland und Japan 1995 auf ein &#8222;umgekehrtes Plaza-Abkommen&#8220; einigten, um diesen Druck zu verringern, senkte Japan seinen Zinssatz f&#252;r kurzfristige Anleihen, um Kreditgew&#228;hrung, Ausgabeverhalten und Investitionen anzuregen. Diese tiefen Zinss&#228;tze f&#252;hrten zu einem globalen Anstieg von Anleihen in Yen. Dies erlaubte es Japan, die finanzielle Vorherrschaft &#252;ber aufstrebende Regionen in Ost- und S&#252;dostasien zu erlangen, wodurch die Investitionen in den exportorientierten Niedriglohnsektor zunahmen. Yen floss in Geld- und Kapitalm&#228;rkte und ins Transportgewerbe. W&#228;hrend der ersten H&#228;lfte der 1990er Jahre war der Ostasien-Boom ein dynamischer Gl&#252;cksfall f&#252;r das globale Kapital. Ab 1997 verwandelte er sich in eine Finanzkrise mit globalen Auswirkungen. Die Krise begann in Thailand. Der thail&#228;ndische Baht war an den Dollar gekoppelt gewesen, um Vertrauen f&#252;r ausl&#228;ndische Investitionen zu schaffen, doch das umgekehrte Plaza-Abkommen, das den US-Dollar st&#228;rkte, untergrub die Wettbewerbsf&#228;higkeit der Produktion. Dies sch&#252;rte Bef&#252;rchtungen, dass Thailand wom&#246;glich seine W&#228;hrung abwerten k&#246;nnte, deshalb kauften Spekulanten thail&#228;ndischen Baht, was Thailand dazu zwang, den Baht vom US-Dollar zu entkoppeln und den Baht in offenen M&#228;rkten in Umlauf zu setzen. Thail&#228;ndische Aktien fielen zusammen mit der Produktion und der Besch&#228;ftigung. Das dehnte sich auf die ganze Lieferkette aus.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb51&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh51&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 51&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;51&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Da Japan die vorherrschende Volkswirtschaft in der Region war, hatten andere asiatische L&#228;nder in der Regel ein Handelsdefizit mit Japan. Asiatische Produzenten machten auch Anleihen in Yen, um die Produktion und die Ausweitung des Handels zu finanzieren. Als erste Fremdw&#228;hrung f&#252;r Anleihen verlor der Yen, als die Lieferkette in der Produktion von der Krise unterbrochen wurde, an Wert, konnte sich jedoch schnell erholen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb52&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh52&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 52&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;52&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es ist ber&#252;hmt und ber&#252;chtigt, dass das wiederum zum Kollaps des Hedgefonds Long-Term Capital Management (LTCM) f&#252;hrte. Die von LTCM verwalteten Wertpapiere basierten auf dem &#8222;Black-Scholes-Modell&#8220;, das Liquidit&#228;t basierend auf historischen Daten voraussetzte. Da LTCM grosse Mengen von russischen Schuldpapieren enthielt, war die Kettenreaktion gleichbedeutend mit Insolvenz. F&#252;r eine detaillierte Darstellung von LTCM, Finanzmodellen und der russischen Schuldenkrise, siehe Donald MacKenzie, &lt;i&gt;An Engine, Not a Camera: How Financial Models Shape Markets&lt;/i&gt;, MIT Press, 2008.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb53&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh53&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 53&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;53&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r eine ausf&#252;hrlichere Darstellung dieser Geschichte, siehe Giovanni Arrighi, &lt;i&gt;The Long Twentieth Century: Money, Power, and the Origins of Our Times&lt;/i&gt;, Verso, 1994; Brenner, &lt;i&gt;Boom &amp; Bubble, Die USA in der Weltwirtschaft&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.; Brenner, &lt;i&gt;The Economics of Global Turbulence&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.; Robert Brenner, &#8222;What Is Good for Goldman Sachs Is Good for America: The Origins of the Present Crisis&#8220;, 2009; Mattick, &lt;i&gt;Business as Usual&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.; Levy, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb54&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh54&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 54&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;54&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Aris, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb55&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh55&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 55&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;55&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wengle, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 69.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb56&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh56&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 56&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;56&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Endnotes, &lt;a href=&#034;https://endnotes.org.uk/translations/endnotes-the-holding-pattern&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Holding Pattern: The Ongoing Crisis and Class Struggles of 2011-2013&#8220;&lt;/a&gt;, 2013.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb57&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh57&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 57&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;57&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In den meisten Berichten beginnt diese Sequenz der Platzbesetzungen in Tunesien, bevor sie sich in den weiteren Arabischen Fr&#252;hling im Mittleren Osten und Nordafrika ausbreitet. Die Krawalle 2008, ausgel&#246;st durch die Erschiessung von Alexandros Grigoropoulos durch die Polizei, ersch&#252;tterten jedoch Griechenland in der Zeit nach der grossen Rezession, einem wirtschaftlichem und sozialem Malaise und einer steigenden Jugendarbeitslosigkeit. Etwas mehr als ein Jahr sp&#228;ter breiteten sich Krawalle auf der anderen Seite der Welt in Oakland, Kalifornien, als Antwort auf die T&#246;tung von Oscar Grant, ein junger schwarzer Mann, durch die Polizei aus, es war der Auftakt einer kommenden Welle schwarzer Revolten. Der Tanz der Krawalle, Konfrontationen mit der Polizei, Blockaden und Platzbesetzungen wird den Kampfzyklen dieser Periode eine Form geben. Andere Knotenpunkte dieser Sequenz sind u.a.: die Bewegung der Emp&#246;rten und gegen die Sparpolitik in Europa und in Mexiko, indigene Aufst&#228;nde gegen den wirtschaftlichen Entwicklungsplan der &#8222;rosa Welle&#8220; in Bolivien und Ecuador, die Occupy-Bewegung in den USA, Idle No More und indigene Blockaden von Energieinfrastruktur in Kanada und sp&#228;ter die &#8222;Fr&#252;hlinge&#8220; in Brasilien und Bosnien und Herzegowina und die Gezi-Park-Bewegung in der T&#252;rkei.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb58&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh58&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 58&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;58&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Michael Roberts, &lt;a href=&#034;https://thenextrecession.wordpress.com/2022/02/14/ukraine-trapped-in-a-war-zone/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Ukraine: Trapped in a War Zone&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb59&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh59&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 59&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;59&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;CEIC Data, &lt;a href=&#034;https://www.ceicdata.com/en/indicator/ukraine/labour-productivity-growth&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Ukraine Labour Productivity Growth&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb60&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh60&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 60&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;60&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Tom Coup&#233;, &lt;a href=&#034;https://voxukraine.org/en/ukraines-labor-force-producing-little-with-lots-of-education-or-why-comprehensive-reforms-are-needed-eng/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Ukraine's Labor Force: Producing Little, with Lots of Education&#8220;&lt;/a&gt;, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb61&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh61&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 61&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;61&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Roberts, &#8222;Ukraine: Trapped in a War Zone&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb62&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh62&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 62&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;62&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Adam Tooze, &lt;a href=&#034;https://adamtooze.substack.com/p/chartbook-68-putins-challenge-to?s=r&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Putin's Challenge to Western Hegemony &#8211; the 2022 Edition&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb63&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh63&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 63&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;63&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb64&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh64&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 64&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;64&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Endnotes, &#8222;The Holding Pattern&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb65&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh65&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 65&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;65&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Die Maidan-Proteste in der Ukraine, angezettelt von pro-europ&#228;ischen Liberalen und Nationalisten, verwandelten sich in Lager von besitzlosen Arbeitern.&#8220; Zu dieser Dynamik, siehe Endnotes, &lt;a href=&#034;https://endnotes.org.uk/articles/brown-v-ferguson&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Brown v Ferguson&#8220;&lt;/a&gt;, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb66&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh66&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 66&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;66&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Crimethinc, &#8222;Between Two Fires&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb67&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh67&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 67&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;67&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r eine kritischere Einsch&#228;tzung des Winteraufstands und der Grenzen des &#8222;Antifaschismus&#8220;, siehe Liaisons, &lt;a href=&#034;https://thenewinquiry.com/blog/a-very-long-winter/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;A Very Long Winter&#8220;&lt;/a&gt;, 2014; f&#252;r eine breite soziologische Untersuchung und eine historische Analyse der ukrainischen Linken und ihrer Grenzen vor und nach dem Maidan, siehe Volodymyr Ishchenko, &lt;a href=&#034;https://www.cslr.org.ua/wp-content/uploads/2016/01/The_Ukrainian_Left_during_and_after_the.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Ukrainian Left during and after the Maidan Protests&#8220;&lt;/a&gt;, 2016. Ishchenko argumentiert, dass nach dem Euromaidan &#8222;die wichtigste Lehre, die aus der Krise der Ukraine gezogen werden kann, ist, wie einfach die Linke von den Dynamiken konkurrierender imperialistischer und nationalistischer Lager genau in dem Moment &#252;berholt werden kann, wo eine linke Alternative zu beiden davon notwendig ist&#8220; (S. 94).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb68&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh68&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 68&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;68&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Camatte, &lt;i&gt;Capital and Community&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb69&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh69&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 69&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;69&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r eine breitere historische Kritik des Antifaschismus und der Demokratie, siehe Gilles Dauv&#233;, &lt;a href=&#034;https://www.wildcat-www.de/zirkular/50/z50dauve.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;1917-1937: Wenn die Aufst&#228;nde sterben&#8220;&lt;/a&gt;; siehe auch Vamos Hacia la Vida, &#8222;Reflections on the Ongoing Capitalist Butchery (Russia/Ukraine)&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb70&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh70&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 70&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;70&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;TC wendet dieses Argument ausdr&#252;cklich auf die griechischen Ausschreitungen im Dezember 2009 an. Siehe Th&#233;orie communiste, &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/glass-floor-theo-cosme&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Glass Floor&#8220;&lt;/a&gt;, 2009.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb71&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh71&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 71&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;71&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Wengle, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 69-80.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb72&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh72&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 72&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;72&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 113-129.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb73&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh73&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 73&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;73&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 110-115.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb74&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh74&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 74&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;74&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Roland Simon hat j&#252;ngst argumentiert, dass Russlands Renten extrahierende Aktivit&#228;ten in seinen Territorien, Grenzregionen und den ehemaligen Sowjetrepubliken und Ostblockl&#228;ndern auf den Zerfall der Zwickm&#252;hle des Kapitals hinweist: Die Kapitalverwertung ist von der Reproduktion der Arbeitskraft entkoppelt worden. Siehe Simon, &#8222;Ukraine 2022&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;. J&#252;ngste Wellen der Revolten an diesen Rohstoffgrenzen (z.B. Kasachstan) haben die Unf&#228;higkeit des Staates gezeigt, die Krise zu verwalten oder eine L&#246;sung zu finden.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb75&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh75&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 75&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;75&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Regierungsbeamte stellten sogar die Idee eines globalen Getreidekartells nach dem Vorbild der OPEC in den Raum. Diese Vision war nie verwirklicht worden, da sie auf einer engen Kooperation mit der Ukraine gr&#252;ndete.&#8220; Wengle, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 72.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb76&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh76&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 76&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;76&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Michael Roberts, &lt;a href=&#034;https://thenextrecession.wordpress.com/2022/02/27/russia-from-sanctions-to-slump/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Russia: From Sanctions to Slump?&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb77&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh77&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 77&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;77&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Scott Reynolds Nelson, &lt;a href=&#034;https://historynewsnetwork.org/article/182526&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Wheat and Deep Ports: The Long History of Putin&#8216;s Invasion of Ukraine&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb78&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh78&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 78&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;78&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Roberts, &#8222;Ukraine: Trapped in a War Zone&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb79&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh79&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 79&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;79&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Adam Tooze, &lt;a href=&#034;https://adamtooze.substack.com/p/chartbook-81-permanent-crisis-or?utm_source=url&amp;s=r&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Permanent Crisis or Black Earth Agro-Giant? Alternative Futures for Ukraine&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb80&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh80&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 80&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;80&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Nelson, &#8222;Wheat and Deep Ports&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb81&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh81&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 81&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;81&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb82&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh82&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 82&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;82&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Peter Danilov, &lt;a href=&#034;https://www.highnorthnews.com/en/russia-planning-year-round-shipping-northern-sea-route-2022-or-2023&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Russia is Planning for Year-Round Shipping on the Northern Sea Route by 2022 or 2023&#8220;&lt;/a&gt;, 2021.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb83&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh83&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 83&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;83&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Kathrin Hille, &lt;a href=&#034;https://www.ft.com/content/1f749b24-9f8c-11e3-b6c7-00144feab7de&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Ukranian Port Is Key to Russia's Naval Power&#8220;&lt;/a&gt;, 2014.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb84&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh84&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 84&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;84&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &lt;a href=&#034;https://www.nytimes.com/interactive/2022/world/europe/ukraine-maps.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Maps: Tracking the Russian Invasion of Ukraine&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb85&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh85&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 85&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;85&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wie Chuang betont hat, sind solche Krisen nicht selbst exogen, obwohl sie als &#228;usserer Schock f&#252;r den kapitalistischen Zyklus der Reproduktion erscheinen. Siehe Chuang, &lt;a href=&#034;https://www.wildcat-www.de/aktuell/a112_socialcontagion.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Soziale Ansteckung. Mikrobiologischer Klassenkampf in China&#8220;&lt;/a&gt;, 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb86&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh86&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 86&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;86&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r einen &#220;berblick &#252;ber die politisch-&#246;konomischen Vorbedingungen des Krieges und seine negative Auswirkung, siehe Michael Roberts, &lt;a href=&#034;https://brooklynrail.org/2022/03/field-notes/Ukraine-The-Economic-Consequences-of-the-War&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Ukraine: The Economic Consequences of the War&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb87&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh87&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 87&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;87&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r eine historische Analyse von Inflation und Krisen, siehe Paul Mattick jr., &lt;a href=&#034;https://brooklynrail.org/2022/02/field-notes/Sticker-Shock&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Sticker Shock&#8220;&lt;/a&gt;, 2022 und Michael Roberts, &lt;a href=&#034;https://thenextrecession.wordpress.com/2022/03/26/the-war-on-inflation/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The War on Inflation&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; Michael Roberts und Guglielmo Carchedi haben versucht, eine auf der Marxschen Werttheorie basierende Inflationstheorie zu entwickeln. Ein grosser Teil der &#246;konometrischen Daten von Roberts und Carchedi sind n&#252;tzlich, doch wenn sie versuchen, sie in Begriffen der marxistischen Werttheorie zu formulieren, verschmelzen sie unsachgem&#228;ss empirische Daten mit Marx&#8216; eigenen Kategorien. Sie beachten nicht, dass Werttheorie eine historiographische und soziale Analytik und eine Form der Kritik ist, nicht ein einfacher Messwert f&#252;r wirtschaftliche Ph&#228;nomene. Deshalb sollte ihre Analyse immer mit Vorbehalt genutzt werden. Siehe Michael Roberts, &lt;a href=&#034;https://thenextrecession.wordpress.com/2020/08/21/a-marxist-theory-of-inflation/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;A Marxist Theory of Inflation&#8220;&lt;/a&gt;, 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb88&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh88&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 88&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;88&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r eine politisch-&#246;konomische Geschichte der &#214;l produzierenden Regionen und &#8222;Rentierstaaten&#8220; im Schema der kapitalistischen Reproduktion, siehe Timothy Mitchell, &lt;i&gt;Carbon Democracy: Political Power in the Age of Oil&lt;/i&gt;, Verso, 2011. F&#252;r eine Analyse der &#214;lkrise 1973 im weiteren Kontext des Kampfes, siehe Aufheben, &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/behind-21st-century-intifada&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Behind the 21st Century Intifada&#8220;&lt;/a&gt;, 2002.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb89&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh89&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 89&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;89&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r eine Analyse der grossen Resignation innerhalb des j&#252;ngsten Kampfzyklus mit einem besonderen Fokus auf die USA und den George-Floyd-Aufstand, siehe Your Lazy Comrades, &lt;a href=&#034;https://haters.noblogs.org/post/2022/01/07/the-interregnum-the-george-floyd-uprising-the-coronavirus-pandemic-and-the-emerging-social-revolution/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Interregnum: The George Floyd Uprising, the Coronavirus Pandemic, and the Emerging Social Revolution&#8220;&lt;/a&gt;, 2022. Siehe auch Chusma Chusma, &lt;a href=&#034;https://chusmachusma.noblogs.org/post/2022/01/04/specter-of-time-work-abolition-thoughts-on-the-great-resignation/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Specter of Time &amp; Work Abolition: Thoughts on the Great Resignation&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; Gabriel Winant, &lt;a href=&#034;https://newleftreview.org/sidecar/posts/strike-wave&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Strike Wave&#8220;&lt;/a&gt;, 2021; Jason Smith, &lt;a href=&#034;https://brooklynrail.org/2021/12/field-notes/Striketober-and-Labors-Long-Downturn&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Striketober and Labor&#8216;s Long Downturn&#8220;&lt;/a&gt;, 2021.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb90&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh90&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 90&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;90&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Tooze, &#8222;Putin&#8216;s Challenge&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb91&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh91&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 91&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;91&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Adam Tooze, &lt;a href=&#034;https://www.newstatesman.com/world/europe/2022/02/the-nord-stream-2-saga-is-not-over&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Nord Stream 2 Saga Is not Over&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb92&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh92&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 92&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;92&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Alberto Nardelli, Arne Delfs, &lt;a href=&#034;https://www.bloomberg.com/news/articles/2022-01-25/germany-has-sought-energy-exemption-in-russia-finance-sanctions&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Germany Sought Energy Exception in Russia Finance Sanctions&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb93&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh93&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 93&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;93&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;David Meyer, &lt;a href=&#034;https://fortune.com/2022/02/25/ukraine-anger-sanctions-germany-italy-hungary-europe-eu-failure-cut-russia-swift-payment-network/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Anger Explodes at Germany, Italy, and Hungary over Europe's Failure to Cut Russia Off from SWIFT Payment Network&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb94&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh94&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 94&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;94&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Timothy Puko, Lindsay Wise, &lt;a href=&#034;https://www.wsj.com/articles/biden-caught-between-inflation-and-calls-to-ban-russian-oil-11646581830&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Biden Caught Between Inflation and Calls to Ban Russian Oil&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb95&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh95&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 95&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;95&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Adam Tooze, &lt;a href=&#034;https://adamtooze.substack.com/p/chartbook-93-russias-720m-per-day?s=r&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Russia's $720m per Day Gas Windfall &#8211; the Lopsided Economic War&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb96&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh96&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 96&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;96&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;James Politi, Myles McCormick, Jim Pickard, Andy Bounds, &lt;a href=&#034;https://www.ft.com/content/2e0b1d84-e595-4c5a-be4e-928417b9c7cc&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;US and UK Ban Russian Oil and Gas Imports in Drive to Punish Putin&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb97&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh97&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 97&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;97&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zur scheinbaren Widerspenstigkeit der &#8222;China-Frage&#8220; in der politischen Berechnung, siehe Chuang, &lt;a href=&#034;https://chuangcn.org/2022/03/china-faq-introduction/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;China FAQ: Series Introduction&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb98&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh98&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 98&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;98&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Chuang, &#8222;The Divided God&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb99&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh99&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 99&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;99&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://www.economist.com/finance-and-economics/russia-looks-to-chinese-financial-plumbing-to-keep-money-flowing/21808071&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Russia Looks to Chinese Financial Plumbing to Keep Money Flowing&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb100&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh100&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 100&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;100&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Mrugank Bhusari, Maia Nikoladze, &lt;a href=&#034;https://www.atlanticcouncil.org/blogs/econographics/russia-and-china-partners-in-dedollarization/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Russia and China: Partners in Dedollarization&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb101&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh101&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 101&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;101&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Gelderloos macht diesen Fehler wiederholt, er gr&#252;ndet seine Behauptungen auf einem oberfl&#228;chlichen Verst&#228;ndnis der politischen &#214;konomie und hochtrabenden Interpretation einer niedergehenden US-amerikanischen Hegemonie. Siehe Gelderloos, &#8222;The Invasion of Ukraine&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb102&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh102&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 102&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;102&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ilya Matveev, Rafael Khachaturian, &lt;a href=&#034;https://jacobin.com/2022/02/russia-navalny-billionaires-west-democracy-repression&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Putin Regime Is Straining Under Its Own Contradictions: An Interview with Ilya Matveev&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb103&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh103&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 103&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;103&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Andrei Kolesnivok, Denis Volkov, &lt;a href=&#034;https://carnegiemoscow.org/2021/11/24/coming-deluge-russia-s-looming-lost-decade-of-unpaid-bills-and-economic-stagnation-pub-85852&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Coming Deluge: Russia's Looming Lost Decade of Unpaid Bills and Economic Stagnation&#8220;&lt;/a&gt;, 2021.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb104&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh104&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 104&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;104&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb105&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh105&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 105&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;105&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Chuang, &lt;a href=&#034;https://chuangcn.org/journal/two/red-dust/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Red Dust: The Transition to Capitalism in China&#8220;&lt;/a&gt;, 2019.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb106&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh106&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 106&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;106&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Phillip Neel, &lt;i&gt;Global China, Global Crisis: Falling Profitability, Rising Capital Exports and the Formation of New Territorial Industrial Complexes&lt;/i&gt;, Doktorarbeit, University of Washington, 2021; Chuang, &lt;a href=&#034;https://chuangcn.org/2020/06/measuring-profitability/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Measuring the Profitability of Chinese Industry: Data Brief&#8220;&lt;/a&gt;, 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb107&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh107&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 107&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;107&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Karl Marx, &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Bd. 3 in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 25, 1983, S. 260: &#8222;Die &lt;i&gt;wahre Schranke&lt;/i&gt; der kapitalistischen Produktion ist &lt;i&gt;das Kapital selbst&lt;/i&gt;, ist dies: da&#223; das Kapital und seine Selbstverwertung als Ausgangspunkt und Endpunkt, als Motiv und Zweck der Produktion erscheint; da&#223; die Produktion nur Produktion f&#252;r das &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt; ist und nicht umgekehrt die Produktionsmittel blo&#223;e Mittel f&#252;r eine stets sich erweiternde Gestaltung des Lebensprozesses f&#252;r die &lt;i&gt;Gesellschaft&lt;/i&gt; der Produzenten sind. Die Schranken, in denen sich die Erhaltung und Verwertung des Kapitalwerts, die auf der Enteignung und Verarmung der gro&#223;en Masse der Produzenten beruht, allein bewegen kann, diese Schranken treten daher best&#228;ndig in Widerspruch mit den Produktionsmethoden, die das Kapital zu seinem Zweck anwenden mu&#223; und die auf unbeschr&#228;nkte Vermehrung der Produktion, auf die Produktion als Selbstzweck, auf unbedingte Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkr&#228;fte der Arbeit lossteuern. Das Mittel &#8211; unbedingte Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkr&#228;fte &#8211; ger&#228;t in fortw&#228;hrenden Konflikt mit dem beschr&#228;nkten Zweck, der Verwertung des vorhandnen Kapitals. Wenn daher die kapitalistische Produktionsweise ein historisches Mittel ist, um die materielle Produktivkraft zu entwickeln und den ihr entsprechenden Weltmarkt zu schaffen, ist sie zugleich der best&#228;ndige Widerspruch zwischen dieser ihrer historischen Aufgabe und den ihr entsprechenden gesellschaftlichen Produktionsverh&#228;ltnissen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb108&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh108&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 108&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;108&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Jeff Sommer, Kevin Granville, &lt;a href=&#034;https://www.nytimes.com/2022/02/24/business/economy/stock-market-today.html?smtyp=cur&amp;smid=tw-nytimes&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Stocks and Energy Markets Whipsaw After Russian Attack on Ukraine&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb109&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh109&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 109&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;109&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Mark DeCambre, &lt;a href=&#034;https://www.marketwatch.com/story/nasdaq-composite-turns-a-3-5-loss-into-3-3-gain-as-stock-market-stages-epic-turnaround-after-russia-invaded-ukraine-here-are-3-reasons-for-the-rebound-11645739108?mod=home-page&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Nasdaq Composite Turns a 3.5% Loss into 3.3% Gain as Stock Market Stages Epic Turnaround after Russia Invaded Ukraine. Here Are 3 Reasons for the Rebound&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb110&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh110&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 110&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;110&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://www.ft.com/content/b64f002c-8b9b-4f4e-b9ce-c65d8925cd40&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Ukraine/Food Prices: War Is a Punch in the Breadbasket for Poor Importers&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb111&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh111&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 111&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;111&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ken Klippenstein, &lt;a href=&#034;https://theintercept.com/2022/02/23/ukraine-russia-gas-prices-saudi-arabia-biden/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Saudi-Russia Collusion Is Driving Up Gas Prices &#8212; And Worsening Ukraine Crisis&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; Derek Brower, Myles McCormick, &lt;a href=&#034;https://www.ft.com/content/6748e5ae-a8ac-44e4-89e6-1ded3978bbcc&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Joe Biden Raids US Oil Reserve after Failing to Bring Gulf Partners on Side&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb112&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh112&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 112&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;112&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Tooze, &#8222;Russia's $720m&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb113&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh113&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 113&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;113&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Tom Mitchell, Demetri Sevastopulo, Sun Yu, James Kynge, &lt;a href=&#034;https://www.ft.com/content/50aa901a-0b32-438b-aef2-c6a4fc803a11&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Rising Costs of China's Friendship with Russia&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb114&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh114&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 114&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;114&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ana Swanson, &lt;a href=&#034;https://www.nytimes.com/2022/02/24/business/ukraine-russia-wheat-prices.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Ukraine Invasion Threatens Global Wheat Supply&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb115&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh115&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 115&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;115&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Summer Said, Stephen Kalin, &lt;a href=&#034;https://www.wsj.com/articles/saudi-arabia-considers-accepting-yuan-instead-of-dollars-for-chinese-oil-sales-11647351541&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Saudi Arabia Considers Accepting Yuan Instead of Dollars for Chinese Oil Sales&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb116&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh116&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 116&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;116&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Coral Murphy Marcos, &lt;a href=&#034;https://www.nytimes.com/2022/03/15/business/oil-prices-china.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Oil Prices Fall Below $100 a Barrel as China's Covid-19 Outbreak Threatens Demand&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb117&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh117&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 117&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;117&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Rajendra Jadhav, Nupur Anand, Aftab Ahmed, &lt;a href=&#034;https://www.reuters.com/world/india/india-explores-setting-up-rupee-trade-accounts-with-russia-soften-sanctions-blow-2022-02-25/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;India Explores Setting Up Rupee Trade Accounts with Russia to Soften Sanctions Blow&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb118&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh118&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 118&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;118&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Der Dollar ist immer noch vorherrschend f&#252;r internationale Zahlungen und Fiatw&#228;hrungsreserven, doch das weist eher auf eine Fragmentierung des globalen Kapitalismus als auf eine definitive imperiale Hegemonie hin. Michael Roberts, &lt;a href=&#034;https://thenextrecession.wordpress.com/2021/08/17/the-relative-decline-of-us-imperialism/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Relative Decline of US Imperialism&#8220;&lt;/a&gt;, 2021 und Michael Roberts, &lt;a href=&#034;https://thenextrecession.wordpress.com/2022/03/30/the-end-of-dollar-dominance/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The End of Dollar Dominance?&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb119&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh119&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 119&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;119&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Das ist freilich eine tr&#252;gerische Behauptung. Siehe weiter oben.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb120&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh120&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 120&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;120&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Russland schielt auf chinesische Finanzbastelei, um den Geldfluss aufrechtzuerhalten&#8220;; Bhusari und Nikoladze, &#8222;Russia and China: Partners in Dedollarization&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb121&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh121&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 121&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;121&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Adam Tooze, &lt;a href=&#034;https://adamtooze.substack.com/p/chartbook-86-about-those-sanctions?s=r&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;About those Sanctions: SWIFT, Correspondent Banking, and the GL 8 Energy Carve-Out&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb122&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh122&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 122&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;122&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Adam Tooze, &lt;a href=&#034;https://adamtooze.substack.com/p/chartbook-89-russias-financial-meltdown?s=r&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Russia's Financial Meltdown and the Global Dollar System&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb123&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh123&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 123&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;123&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Pavlos Roufos, &lt;a href=&#034;https://jacobin.com/2022/03/solidarity-ukraine-eu-us-warmongering-sanctions-putin-invasion&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Solidarity With Ukraine Doesn't Mean Calling for More War&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb124&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh124&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 124&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;124&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Roberts, &#8222;Russia: From Sanctions to Slump?&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb125&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh125&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 125&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;125&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Maria Elena Vizcaino, &lt;a href=&#034;https://www.bloomberg.com/news/articles/2022-03-07/morgan-stanley-sees-russia-set-for-venezuela-style-debt-default&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Morgan Stanley Says Russia's Set for Venezuela-Style Default&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb126&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh126&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 126&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;126&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Tooze, &#8222;Russia's Financial Meltdown&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb127&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh127&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 127&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;127&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Roberts, &#8222;The End of Dollar Dominance?&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb128&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh128&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 128&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;128&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Nick Timiraos, &lt;a href=&#034;https://www.wsj.com/articles/russia-ukraine-war-risks-putting-fed-in-bigger-bind-11646066724&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Russia-Ukraine War Risks Putting Fed in Bigger Bind&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb129&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh129&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 129&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;129&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;K Oanh Ha, Ann Koh, Devika Krishna Kumar, Verity Ratcliffe, &lt;a href=&#034;https://www.bloomberg.com/news/articles/2022-03-10/war-in-ukraine-puts-shipping-s-tentative-recovery-in-jeopardy&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;War in Ukraine Puts Shipping's Recovery in Jeopardy&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb130&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh130&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 130&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;130&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Tooze, &#8222;Russia's Financial Meltdown&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb131&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh131&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 131&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;131&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Tanya Machael, &lt;a href=&#034;https://www.cnbc.com/2022/02/28/bitcoin-jumps-8percent-after-treasury-imposes-new-sanctions-against-russian-central-bank.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Bitcoin Jumps 10% after Treasury Imposes New Sanctions against Russian Central Bank&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb132&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh132&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 132&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;132&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Michael Roberts, &lt;a href=&#034;https://thenextrecession.wordpress.com/2021/04/09/financial-fiction-part-two-the-new-ones-spacs-nfts-cryptocurrencies/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Financial Fiction Part Two: The New Ones (SPACs, NFTs, Cryptocurrencies)&#8220;&lt;/a&gt;, 2021.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb133&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh133&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 133&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;133&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Adam Tooze, &lt;a href=&#034;https://adamtooze.substack.com/p/chartbook-92-so-like-us-africa-and?s=r&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;&#8218;So like us&#8216; &#8211; Africa and the Russo-Ukrainian War&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb134&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh134&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 134&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;134&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Emiko Terazono, &lt;a href=&#034;https://www.ft.com/content/457ba29e-f29b-4677-b69e-a6e5b973cad6&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Food Crisis Looms as Ukrainian Wheat Shipments Grind to Halt&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb135&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh135&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 135&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;135&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Arab Reform Initiative, &lt;a href=&#034;https://www.arab-reform.net/publication/the-impact-of-the-ukraine-war-on-the-arab-region-food-insecurity-in-an-already-vulnerable-context/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Impact of the Ukraine War on the Arab Region: Food Insecurity in an Already Vulnerable Context&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb136&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh136&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 136&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;136&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Marx nannte diese Tendenz hin zur Verelendung und einer wachsenden &#252;bersch&#252;ssigen Bev&#246;lkerung &#8222;Das allgemeine Gesetz der kapitalistischen Akkumulation&#8220;. Siehe Marx, &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Bd. 1, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 673-675: &#8222;Je gr&#246;&#223;er der gesellschaftliche Reichtum, das funktionierende Kapital, Umfang und Energie seines Wachstums, also auch die absolute Gr&#246;&#223;e des Proletariats und die Produktivkraft seiner Arbeit, desto gr&#246;&#223;er die industrielle Reservearmee. Die disponible Arbeitskraft wird durch dieselben Ursachen entwickelt wie die Expansivkraft des Kapitals. Die verh&#228;ltnism&#228;&#223;ige Gr&#246;&#223;e der industriellen Reservearmee w&#228;chst also mit den Potenzen des Reichtums. Je gr&#246;&#223;er aber diese Reservearmee im Verh&#228;ltnis zur aktiven Arbeiterarmee, desto massenhafter die konsolidierte &#220;berv&#246;lkerung, deren Elend im umgekehrten Verh&#228;ltnis zu ihrer Arbeitsqual steht. Je gr&#246;&#223;er endlich die Lazarusschichte der Arbeiterklasse und die industrielle Reservearmee, desto gr&#246;&#223;er der offizielle Pauperismus. &lt;i&gt;Dies ist das absolute, allgemeine Gesetz der kapitalistischen Akkumulation.&lt;/i&gt; [&#8230;] Die Akkumulation von Reichtum auf dem einen Pol ist also zugleich Akkumulation von Elend, Arbeitsqual, Sklaverei, Unwissenheit, Brutalisierung und moralischer Degradation auf dem Gegenpol [...]&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb137&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh137&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 137&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;137&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die wachsenden relativen &#252;bersch&#252;ssigen Bev&#246;lkerungen sind ein weiteres Resultat der weiter oben besprochenen &#8222;sp&#228;ten &#220;berg&#228;nge&#8220;. Dies ist seit dem Beginn der langen Krise besonders akut gewesen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb138&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh138&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 138&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;138&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Corinne Del&#233;chat, Leandro Medina, &lt;a href=&#034;https://www.imf.org/Publications/fandd/issues/2020/12/what-is-the-informal-economy-basics&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;What Is the Informal Economy?&#8220;&lt;/a&gt;, 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb139&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh139&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 139&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;139&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Michael Denning, &#8222;Wageless Life&#8220; in &lt;i&gt;New Left Review&lt;/i&gt;, Nr. 66, 2010, S. 79-97.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb140&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh140&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 140&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;140&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r eine detaillierte Erkl&#228;rung des Widerspruchs zwischen steigender landwirtschaftlicher Produktivit&#228;t und steigendem Hunger und steigender Ern&#228;hrungsunsicherheit, siehe Nathan Eisenberg, &lt;a href=&#034;https://cosmonautmag.com/2022/01/hunger-regime/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Hunger Regime&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; siehe auch Cleaver, &#8222;Food, Famine, and International Crisis&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb141&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh141&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 141&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;141&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r eine gute &#220;bersicht im Kontext der Klimakrise, siehe Prole Wave, &lt;a href=&#034;https://prolewave.noblogs.org/post/2019/11/27/prole-wave-climate-change-circulation-struggles-the-communist-horizon/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Prole Wave: Climate Change, Circulation Struggles &amp; the Communist Horizon&#8220;&lt;/a&gt;, 2019.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb142&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh142&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 142&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;142&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Katherine Booska, &lt;a href=&#034;https://bpr.berkeley.edu/2021/04/21/trauma-such-as-this-in-peacetime-the-story-of-the-2020-belarusian-protests/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Trauma Such as This in Peacetime: The Story of the 2020 Belarusian Protests&#8220;&lt;/a&gt;, 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb143&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh143&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 143&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;143&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;ABC Belarus, &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/how-did-belarusians-come-rebellion-against-dictatorship&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;How Did the Belarusians Come to Rebellion against the Dictatorship&#8220;&lt;/a&gt;, 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb144&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh144&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 144&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;144&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Pramen, &lt;a href=&#034;https://pramen.io/en/2022/01/if-only-there-was-no-war/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;If only there Was no War&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb145&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh145&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 145&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;145&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Communia, &lt;a href=&#034;https://en.communia.blog/protests-in-kazakhstan/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Protests In Kazakhstan: 5 Clues To Understand What's Going On&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb146&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh146&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 146&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;146&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;EIA, &lt;a href=&#034;https://www.eia.gov/international/content/analysis/countries_long/Kazakhstan/background.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Background Reference: Kazakhstan&#8220;&lt;/a&gt;, 2019.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb147&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh147&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 147&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;147&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Pramen, &lt;a href=&#034;https://pramen.io/en/2022/01/colonialism-of-the-twenty-first-century/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Colonialism of the Twenty-First Century&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb148&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh148&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 148&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;148&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Asef Bayat, &#8222;Plebeians of the Arab Spring&#8220; in &lt;i&gt;Current Anthropology&lt;/i&gt;, Nr. 56 (11), S. 33-43. F&#252;r eine Analyse des Verh&#228;ltnisses zwischen der Erb&#228;rmlichkeit der Armen und der Konstitution von &#8222;Nicht-Bewegungen&#8220; zeitgen&#246;ssischer Revolte, siehe Asef Bayat, &lt;i&gt;Leben als Politik. Wie ganz normale Leute den Nahen Osten ver&#228;ndern&lt;/i&gt;, Assoziation A, 2012 (2010); Asef Bayat, &lt;i&gt;Revolution without Revolutionaries: Making Sense of the Arab Spring&lt;/i&gt;, Stanford University Press, 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb149&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh149&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 149&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;149&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Der UNO-Generalsekret&#228;r Ant&#243;nio Guterres hat besonders unterstrichen, dass &#8222;Getreidepreise schon h&#246;her sind als vor dem Beginn des Arabischen Fr&#252;hlings und den Hungerkrawallen 2007-2008&#8220;. Siehe Matthew Hatcher, &lt;a href=&#034;https://truthout.org/articles/russias-war-on-ukraine-risks-meltdown-of-global-food-system-un-chief-says/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Russia's War on Ukraine Risks &#8218;Meltdown of Global Food System&#8216;, UN Chief Says&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb150&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh150&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 150&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;150&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Brotkrawalle oder &#8222;Brotintifada&#8220; 1977 brachen in den grossen St&#228;dten &#196;gyptens aus, nachdem auf Anordnung des IWF und der Weltbank die grundlegenden Subventionen f&#252;r Nahrungsmittel gestrichen worden waren. Als Antwort f&#252;hrte die &#228;gyptische Regierung einen fixen Brotpreis ein, um die Unruhen einzud&#228;mmen. &#196;gypten ist als weltweit gr&#246;sster Getreideimporteur der globalen Marktvolatilit&#228;t sehr stark ausgesetzt, besonders nach seiner finanziellen Integration durch die Strukturanpassungsprogramme. In der Folge des aktuellen Ukraine-Krieges hat die Regierung zum ersten Mal seit der &#8222;Brotintifada&#8220; wieder fixe Brotpreise eingef&#252;hrt, da &#196;gypter weiterhin rekordhohe Inflationsniveaus inmitten einer der schlimmsten Wirtschaftskrisen in der Geschichte des Landes erdulden m&#252;ssen. Eine weitere Intifada k&#246;nnte wom&#246;glich unter dem Hunger und dem Elend des allt&#228;glichen Lebens am Reifen sein. Siehe Nihal El Aasar, &lt;a href=&#034;https://www.newarab.com/analysis/bread-freedom-social-justice-egypts-economic-crisis&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;&#8218;Bread, Freedom, Social Justice&#8216;: How Egypt's Economic Crisis Could Trigger Unrest&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb151&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh151&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 151&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;151&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://peoplesdispatch.org/2022/03/09/thousands-protest-across-yemen-denouncing-fuel-crisis-induced-by-saudi-led-blockade/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Thousands Protest across Yemen Denouncing Fuel Crisis Induced by Saudi-Led Blockade&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb152&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh152&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 152&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;152&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://www.reuters.com/world/americas/truckers-argentina-end-protest-that-threatened-grains-transport-ministry-2022-04-15/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Truckers in Argentina End Protest that Threatened Grains Transport&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; Santiago Guillen, Alex Lantier, &lt;a href=&#034;https://www.wsws.org/en/articles/2022/03/15/truc-m15.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Spanish Truckers Mount Nationwide Strike against Rising Fuel Prices&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; Alonso Soto, &lt;a href=&#034;https://www.bloomberg.com/news/articles/2022-03-17/spanish-truckers-disrupt-food-supplies-to-protest-fuel-prices&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Spanish Truckers Disrupt Food Supplies to Protest Fuel Prices&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; &lt;a href=&#034;https://www.seattletimes.com/business/thousands-of-albanians-protest-price-hike-accuse-govt/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Albanian Protesters Blame Government for Price Hikes&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; Bamo Nouri, &lt;a href=&#034;https://theconversation.com/iraq-food-protests-against-spiralling-prices-echo-early-stages-of-the-arab-spring-179145&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Iraq Food Protests against Spiralling Prices Echo Early Stages of the Arab Spring&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; Deutsche Welle, &lt;a href=&#034;https://indianexpress.com/article/world/ukraine-war-bread-prices-middle-east-arab-spring-7825864/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;A New Arab Spring, Thanks to the Ukraine War?&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; &lt;a href=&#034;https://www.theportugalnews.com/news/2022-03-14/drivers-protest-against-fuel-price-hikes/65789&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Drivers Protest against Fuel Price Hikes&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; &lt;a href=&#034;https://www.cbc.ca/news/world/high-energy-prices-protests-unrest-europe-france-greece-spain-1.6390030&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Rising Fuel Prices Spark Unrest in Parts of Europe&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; &lt;a href=&#034;https://www.telesurenglish.net/news/Panamanian-Trade-Unions-Protest-Against-Fuels--Food-Price-Rise-20220318-0013.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Panamanian Trade Unions Protest Against Fuels &amp; Food Price Rise&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; &lt;a href=&#034;https://www.scmp.com/news/asia/southeast-asia/article/3173875/indonesian-police-fire-tear-gas-students-protest-against&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Indonesian Police Fire Tear Gas as Students Protest against Rumoured Delay of 2024 Election&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; &lt;a href=&#034;https://www.wsws.org/en/articles/2022/03/17/wkrs-m17.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Workers Struggles: Europe, Middle East &amp; Africa&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; Costas Kantouris, Derek Gatopoulos, &lt;a href=&#034;https://apnews.com/article/business-lifestyle-europe-greece-prices-38e508732b2d69f9acc8a318b77a2836&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Greek Farm Protests Are a Sign of Europe's Inflation Anxiety&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; Simon Marks, &lt;a href=&#034;https://www.bloomberg.com/news/articles/2022-03-15/ukraine-war-combines-with-coup-to-leave-half-of-sudan-hungry&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Ukraine War Combines With Coup to Leave Half of Sudan Hungry&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; Antony Sguazzin, Gordon Bell, &lt;a href=&#034;https://www.bloomberg.com/news/newsletters/2022-03-18/next-africa-the-continent-pays-the-price-of-a-european-war&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Next Africa: The Continent Pays the Price of a European War&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; Geoffrey York, &lt;a href=&#034;https://www.theglobeandmail.com/world/article-higher-prices-spark-protests-and-instability-in-fallout-from-ukraine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Higher Food Prices Caused by Ukraine War Spark Protests, Instability in some Countries&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; Julia Horowitz, &lt;a href=&#034;https://edition.cnn.com/2022/04/09/business/food-fuel-prices-political-instability/index.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;From Pakistan to Peru, Soaring Food and Fuel Prices Are Tipping Countries over the Edge&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; David J. Lynch, &lt;a href=&#034;https://www.washingtonpost.com/business/2022/04/14/ukraine-war-economic-impact-tunisia/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Tunisia among Countries Seeing Major Economic Consequences from War in Ukraine&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb153&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh153&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 153&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;153&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://www.chicago86.org/lotte-in-corso/americhe/peru/1391-coprifuoco-in-sri-lanka-e-peru&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Coprifuoco in Sri Lanka e Per&#249;&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb154&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh154&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 154&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;154&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Chloe Cornish, &lt;a href=&#034;https://www.ft.com/content/5ea5663c-f304-40c0-a03d-940948af7f3b&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Police Fire Tear Gas at Sri Lankans Protesting over Economic Crisis&#8220;&lt;/a&gt;, 2022;, Tommy Stubbington, Benjamin Parkin, &lt;a href=&#034;https://www.ft.com/content/09e1159f-9c45-4379-b862-98cb5e30a4da&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Sri Lanka on Brink of Sovereign Bond Default, Warn Investors&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; Amrit Dillon, &lt;a href=&#034;https://www.theguardian.com/world/2022/apr/01/sri-lanka-protesters-try-to-storm-presidents-house-as-economic-crisis-deepens&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Sri Lanka: 50 Injured as Protesters Try to Storm President's House amid Economic Crisis&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; Hannah Ellis-Petersen, &lt;a href=&#034;https://www.theguardian.com/world/2022/mar/02/milk-sachets-chicken-fuel-basics-slip-out-of-reach-for-sri-lankans-as-economic-crisis-bites&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Milk Sachets, Chicken, Fuel: Basics Slip out of Reach for Sri Lankans as Economic Crisis Bites&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; &lt;a href=&#034;https://www.economist.com/finance-and-economics/2022/04/16/sri-lankas-default-could-be-the-first-of-many&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Sri Lanka's Default Could Be the First of Many&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb155&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh155&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 155&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;155&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Alexander Villegas, &lt;a href=&#034;https://www.reuters.com/world/americas/chilean-students-protest-capital-early-test-president-boric-2022-03-25/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Chilean Students Protest in Capital in Early Test for President Boric&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb156&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh156&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 156&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;156&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Dan Collyns, &lt;a href=&#034;https://www.theguardian.com/world/2022/apr/06/peru-president-pedro-castillo-fuel-fertiliser-protests&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Peru President at Bay as Fuel and Fertiliser Prices Detonate Political Crisis&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb157&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh157&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 157&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;157&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Mitra Taj, &lt;a href=&#034;https://www.nytimes.com/2022/04/05/world/americas/peru-protests-emergency-curfew.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Peru Lifts Curfew That Shut Down Capital to Curb Protests Over Fuel Prices&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb158&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh158&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 158&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;158&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://www.nbcnews.com/news/latino/deadly-protests-peru-people-take-streets-high-costs-inflation-rcna23591&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Deadly Protests in Peru as People Take to Streets over High Costs, Inflation&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; &lt;a href=&#034;https://gestion.pe/peru/ica-panamericana-sur-reportan-que-manifestantes-intentaron-tomar-comisaria-villacuri-y-retuvieron-a-dos-policias-rmmn-noticia/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Panamericana Sur: manifestantes intentaron tomar comisar&#237;a Villacuri y retuvieron a dos polic&#237;as&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb159&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh159&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 159&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;159&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Marcelo Rochabrun, Carolina Pulice, &lt;a href=&#034;https://www.reuters.com/world/americas/peru-declares-state-emergency-restore-copper-production-cuajone-mine-2022-04-20/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Peru Declares State of Emergency to Restore Copper Production at Cuajone Mine&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; Aleynes Palacios, &lt;a href=&#034;https://www.plenglish.com/news/2022/04/18/region-paralyzed-and-farmers-protest-is-being-prepared-in-peru/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Region Paralyzed and Farmers' Protest Is Being Prepared in Peru&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb160&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh160&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 160&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;160&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Bez&#252;glich der fr&#252;hen Verwaltung der Pandemie schreibt Chuang: &#8222;Das bedeutet zweierlei: einmal zeigt es die Schw&#228;che unterhalb der harten Kanten der Staatsmacht, und zweitens ist es eine Warnung vor unkoordiniertem und irrationalen Verhalten vor Ort, wenn die Staatsmacht &#252;berfordert ist.&#8220; Siehe Chuang, &#8222;Soziale Ansteckung&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb161&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh161&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 161&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;161&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Dies machen die j&#252;ngsten sogenannten &#8222;Freiheitskonvois&#8220; augenscheinlich.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb162&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh162&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 162&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;162&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die hier betonte Tendenz ist bei den Str&#246;mungen der mit dem &#8222;Unsichtbaren Komitee&#8220; assoziierten oder von ihm beeinflussten Str&#246;mungen der &#8222;Ultralinken&#8220; auf misst&#246;nende Art und Weise allgegenw&#228;rtig geworden. In der englischsprachigen Welt ist dies vermutlich in den Publikationen von Ill Will Editions am besten repr&#228;sentiert. Z.B. Adrian Wohlleben, &lt;a href=&#034;https://sunzibingfa.noblogs.org/post/2021/05/31/memes-ohne-ende/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Memes ohne Ende&#8220;&lt;/a&gt;, 2021.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb163&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh163&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 163&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;163&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Roufos, &#8222;Solidarity with Ukraine&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb164&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh164&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 164&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;164&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Liaisons, &#8222;A Very Long Winter&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.; siehe auch Lev Golinkin, &lt;a href=&#034;https://www.thenation.com/article/politics/neo-nazis-far-right-ukraine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Neo-Nazis and the Far Right Are On the March in Ukraine&#8220;&lt;/a&gt;, 2019.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb165&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh165&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 165&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;165&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Endnotes, &#8222;The Construction of the Workers' Movement&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb166&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh166&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 166&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;166&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Liaisons, &#8222;A Very Long Winter&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.; Praleski, &lt;a href=&#034;https://praleski.org/en/blog/addressing-propaganda&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Addressing Russian Propaganda&#8220;&lt;/a&gt;; Golinkin, &#8222;Neo-Nazis&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb167&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh167&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 167&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;167&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Soraya Ali, &lt;a href=&#034;https://www.bbc.com/news/world-africa-60603226&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Ukraine: Why so Many African and Indian Students Were in the Country&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb168&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh168&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 168&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;168&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;UNHCR, &lt;a href=&#034;https://data.unhcr.org/en/situations/ukraine&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Refugees Fleeing Ukraine (since 24 February 2022)&#8220;&lt;/a&gt;, 2022. Es sollte betont werden, dass hier die &#252;ber sieben Millionen Binnenfl&#252;chtlinge in der Ukraine nicht miteingeschlossen sind.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb169&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh169&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 169&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;169&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Paul Waldie, Geoffrey York, &lt;a href=&#034;https://www.theglobeandmail.com/world/article-africans-and-asians-fleeing-ukraine-subjected-to-racial-discrimination/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Africans and Asians Fleeing Ukraine Subjected to Racial Discrimination by Border Guards&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb170&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh170&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 170&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;170&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r eine Erkl&#228;rung dieses Prozesses, siehe Endnotes, &lt;a href=&#034;https://endnotes.org.uk/articles/crisis-in-the-class-relation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Crisis in the Class Relation&#8220;&lt;/a&gt;, 2010.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb171&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh171&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 171&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;171&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Proletarios Revolucionarios, &lt;a href=&#034;https://malcontent.noblogs.org/post/2020/05/02/the-self-abolition-of-the-proletariat-as-the-end-of-the-capitalist-world-proletarios-revolucionarios/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Self-Abolition of the Proletariat as the End of the Capitalist World&#8220;&lt;/a&gt;, 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb172&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh172&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 172&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;172&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Die davon unter radikalen Sektoren ausgel&#246;ste Verwirrung kann nicht &#252;bersehen werden und in Anbetracht dessen ist es notwendig, die revolution&#228;ren Prinzipien zu verteidigen, indem man auf das Wesen des Krieges im gegenw&#228;rtigen Kontext und den gesellschaftlichen Zerfall in dieser geographischen Zone seit dem Fall der UdSSR hinweist.&#8220; Siehe Vamos Hacia la Vida, &#8222;Reflections on the Ongoing Capitalist Butchery (Russia/Ukraine)&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.; siehe auch Simon, &#8222;Ukraine 2022&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb173&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh173&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 173&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;173&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://www.reuters.com/world/europe/kremlin-critic-navalny-calls-daily-anti-war-protests-russia-2022-03-02/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Russia's Navalny Calls Putin Insane and Urges Anti-War Protests&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb174&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh174&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 174&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;174&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es gab einige Berichte &#252;ber Brandstiftung und Sabotage gegen milit&#228;rische Rekrutierungszentren in Russland. Siehe &lt;a href=&#034;https://abolitionmedia.noblogs.org/post/2022/03/31/the-end-of-peaceful-protest/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The End of Peaceful Protest&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; siehe auch diesen j&#252;ngsten Bericht &#252;ber Brandstiftung gegen Fahrzeuge des F&#246;deralen Dienstes f&#252;r Sicherheit der Russischen F&#246;deration: &lt;a href=&#034;https://darknights.noblogs.org/post/2022/04/12/russia-military-cars-on-fire/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Russia: Military Cars on Fire&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb175&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh175&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 175&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;175&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Anna Jikhareva, &lt;a href=&#034;https://www.woz.ch/blog/der-woz-blog-zum-ukrainekrieg/2022/03/22/sanktionen-von-unten&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Sanktionen von unten&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb176&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh176&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 176&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;176&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Andrew, &#8222;Ukraine-Korrespondenzen&#8220;, &lt;a href=&#034;https://communaut.org/de/ukraine-korrespondenzen-teil-i-und-ii&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Teil 1 und 2&lt;/a&gt; und &lt;a href=&#034;https://communaut.org/de/ukraine-korrespondenzen-teil-iii&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Teil 3&lt;/a&gt;, 2022; Vamos Hacia la Vida, &#8222;Reflections on the Ongoing Capitalist Butchery (Russia/Ukraine)&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb177&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh177&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 177&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;177&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Sanderr, &lt;a href=&#034;https://internationalistperspective.org/dont-fight-for-your-country/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Don't Fight For &#8218;Your&#8216; Country!&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb178&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh178&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 178&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;178&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Leon de Mattis, &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/communist-measures-leon-de-mattis&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Communist Measures: Thinking a Communist Horizon&#8220;&lt;/a&gt;, 2014.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb179&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh179&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 179&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;179&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es sollte betont werden, dass dieser Antagonismus zutiefst asymmetrisch und durch die materiellen Geschichten von rassischen Regimen der Extraktion von Mehrarbeit und Wertproduktion gepr&#228;gt ist. Wie es mit Nachdruck von Cedric Robinson ausgedr&#252;ckt wurde: &#8222;Die Entwicklung, Organisation und Expansion der kapitalistischen Gesellschaft verfolgte im Wesentlichen rassische Richtungen und das Gleiche gilt f&#252;r die gesellschaftliche Ideologie. Somit konnte damit gerechnet werden, dass der Rassialismus als materielle Kraft zwangsl&#228;ufig die aus dem Kapitalismus entstehenden gesellschaftlichen Strukturen durchdringen w&#252;rde.&#8220; Cedric Robinson, &lt;i&gt;Black Marxism: The Making of the Black Radical Tradition&lt;/i&gt;, University of North Carolina Press, 2000, S. 9. Rassialisierung ist die Konkretisierung der abstrakten Reproduktion des Verh&#228;ltnisses zwischen Kapital und Arbeit. Siehe Stuart Hall (et. al.), &lt;i&gt;Policing the Crisis: Mugging, the State, and Law and Order&lt;/i&gt;, MacMillian Press, 1978, S. 394-395: &#8222;Rasse ist die Modalit&#228;t, in der Klasse gelebt wird [&#8230;] Das Kapital reproduziert die Klasse als Ganzes, strukturiert durch Rasse. Es dominiert die geteilte Klasse teilweise durch jene inneren Trennungen, die &#8218;Rassismus&#8216; als eine ihrer Auswirkungen haben. Es grenzt die repr&#228;sentativen Klassenorganisationen ein und schaltet sie aus, indem sie sie teilweise auf Strategien und K&#228;mpfe begrenzt, die rassenspezifisch sind, die ihre Grenzen, ihre Schranken nicht &#252;berwinden. Durch Rasse vereitelt sie kontinuierlich die Versuche, auf politischer Ebene politische Organisationen aufzubauen, die tats&#228;chlich die Klasse als Ganzes repr&#228;sentieren &#8211; d.h., die sie gegen Kapitalismus, gegen Rassismus repr&#228;sentiert.&#8220;&lt;br class='manualbr' /&gt;Siehe auch: &#8222;Rassismus [&#8230;] ist die vom Staat sanktionierte und/oder extralegale Hervorbringung und Ausnutzung nach Gruppen differenzierter Anf&#228;lligkeit f&#252;r vorzeitigen Tod.&#8220; Ruth Wilson Gilmore, &lt;i&gt;Golden Gulag: Prisons, Surplus, Crisis, and Opposition in Globalizing California&lt;/i&gt;, University of California Press, 2007; &lt;a href=&#034;https://issuu.com/racialcapitalism/docs/racial_capitalism___prison_abolition_lr&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Racial Capitalism and Prison Abolition Zine&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb180&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh180&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 180&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;180&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Dauv&#233;, &#8222;Wenn die Aufst&#228;nde sterben&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Gilles Dauv&#233; - Frieden ist Krieg</title>
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&lt;p&gt;&#8222;Die kleinen L&#228;nder wie Belgien w&#228;ren gut beraten, sich dem st&#228;rkeren Land anzuschliessen, wenn sie ihre Unabh&#228;ngigkeit wahren wollen.&#8220; &lt;br class='autobr' /&gt;
&#8222;Ein grosser Krieg in den ersten Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts ist unvermeidbar, doch er setzt eine gereifte Wirtschaftskrise, eine ausgedehnte &#220;berproduktion, starke Rentabilit&#228;tsr&#252;ckg&#228;nge, eine Versch&#228;rfung der sozialen Konflikte und der Handelsantagonismen voraus, die gleichzeitig eine neue Aufteilung der Welt und eine Erneuerung des gesamten (...)&lt;/p&gt;


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 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/kazakhstan.jpg?1689158638' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='32' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;&#8222;Die kleinen L&#228;nder wie Belgien w&#228;ren gut beraten, sich dem st&#228;rkeren Land anzuschliessen, wenn sie ihre Unabh&#228;ngigkeit wahren wollen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Der Kaiser Wilhelm II. an den K&#246;nig der Belgier, November 1913.&#034; id=&#034;nh1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt; &lt;/div&gt;
&lt;div&gt;&#8222;Ein grosser Krieg in den ersten Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts ist unvermeidbar, doch er setzt eine gereifte Wirtschaftskrise, eine ausgedehnte &#220;berproduktion, starke Rentabilit&#228;tsr&#252;ckg&#228;nge, eine Versch&#228;rfung der sozialen Konflikte und der Handelsantagonismen voraus, die gleichzeitig eine neue Aufteilung der Welt und eine Erneuerung des gesamten Systems erfordern. [&#8230;] Wie in der Vergangenheit wird kein Reformismus den Marsch in Richtung eines weltweiten oder zumindest mehr als regionalen Konflikts verhindern.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;10 + 1 questions sur la guerre du Kosovo&#8220;, 1999.&#034; id=&#034;nh2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt; &lt;/div&gt;
&lt;div&gt;&#8222;Glaubt der Propaganda nicht. Hier werdet ihr belogen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Marina Owsjannikowa unterbricht die Fernsehnachrichten eines der (...)&#034; id=&#034;nh3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;* * *&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Den Krieg f&#252;r den Frieden&#8220;, &#8222;die Sache des Schwachen gegen den Starken&#8220;, &#8222;mitten in Europa begangene Verbrechen gegen die Menschlichkeit [&#8230;] ein Kampf f&#252;r die Zivilisation&#8220;, &#8222;in der Ukraine ist ein Genozid im Gang&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das erste Zitat ist ein Auszug aus der sozialistischen Zeitung &lt;i&gt;Droit du Peuple&lt;/i&gt; und das zweite aus der b&#252;rgerlichen Zeitung &lt;i&gt;Times&lt;/i&gt; aus London, beide wurden 1914 geschrieben; das dritte stammt vom franz&#246;sischen Premierminister w&#228;hrend dem Kosovokrieg 1999 und das vierte vom ukrainischen Premierminister am 9. M&#228;rz 2022.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die franz&#246;sischen Medien werden nie von der (von Frankreich unterst&#252;tzten) tschadischen Diktatur sprechen, wie sie es von der (von Russland unterst&#252;tzten) weissrussischen tun. Genau wie sie nie auf die gleiche Art und Weise von den Millionen durch die franz&#246;sische und amerikanische Armee w&#228;hrend dem Indochina- und dem Vietnamkrieg get&#246;teten Zivilisten wie den Massakern an Zivilisten durch die russische Armee in der Ukraine sprechen werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nichts Neues bez&#252;glich der Indoktrination, ausser dass die Propaganda sich intensiviert, wenn der Krieg sich dem Kern Europas n&#228;hert. Russland dementiert und verbietet die Begriffe &#8222;Krieg&#8220; und &#8222;Invasion&#8220; (der franz&#246;sische Staat wartete seinerseits bis 1999, um offiziell anzuerkennen, dass er zwischen 1945 und 1962 in Algerien &#8222;Krieg&#8220; gef&#252;hrt und nicht nur &#8222;Operationen&#8220; ausgef&#252;hrt hatte). Die Westm&#228;chte euphemisieren, sie liefern der Ukraine via der &#8222;Europ&#228;ischen Friedensfazilit&#228;t&#8220; Waffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn Worte inflation&#228;r benutzt werden, verlieren sie ihre Bedeutung. Insbesondere &lt;i&gt;Genozid&lt;/i&gt; wird zu einem Synonym f&#252;r Massaker, obwohl das Wort die Vernichtung &lt;i&gt;eines Volkes als Volk&lt;/i&gt; beschreibt: Genau das tat Hitler mit den Juden, aber Stalin hatte zum Beginn der 1930er Jahre nicht die Vernichtung des ukrainischen und sp&#228;ter Pol Pot nicht die Vernichtung des kambodschanischen Volkes zum Ziel. Und Putin nicht jene des ukrainischen Volkes.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch eher als geistig ist die Verwirrung praktisch. Wenn die Ideologien konfus sind, wenn alle sich auf den Sozialismus, den Kommunismus, das Proletariat oder die Revolution (Titel des 2017 vom gegenw&#228;rtigen Pr&#228;sidenten der franz&#246;sischen Republik ver&#246;ffentlichten Buches) haben berufen k&#246;nnen, dann weil die sozialen Bewegungen bis anhin kein Programm umgesetzt haben, das mit der Ordnung der Dinge bricht. Somit ist in der politischen Mythologie und im Diskurs alles erlaubt. Da der Sozialismus 1914 national gewesen war, konnten sich die Nazis auf ihn berufen: Der Nazi ist der Nationalsozialist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn wir durch gescheiterte oder abgelenkte K&#228;mpfe zur Passivit&#228;t verdammt sind, erhalten wir als Zuschauer Informationen und Bilder von einer Realit&#228;t, gegen welche wir provisorisch nicht reagieren k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Unm&#246;gliche Prognose, theoretische Gewissheit&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wer hatte vorhergesehen, dass Russland 2022 eine Operation in diesem weiten Ausmass gegen einen derart grossen Teil des Territoriums der Ukraine lancieren w&#252;rde?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Der Gegensatz zwischen England und Amerika aber ist wirklich zu einem automatischen [&#8230;] Anwachsen des Zusammensto&#223;es von morgen, zu einer automatischen Ann&#228;herung, zu den [sic!] blutigen Zusammensto&#223; von morgen herangewachsen&#8220;, erkl&#228;rt Trotzki am 3. Kongress der Kommunistischen Internationale 1921.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Jahrhundert sp&#228;ter kennen wir die Bruchlinien und die Abgrenzung der an k&#252;nftigen Konflikten beteiligten &#8222;Lager&#8220; nicht. Aber wir wissen, dass die Rivalit&#228;ten zwischen grossen kapitalistischen M&#228;chten &#8211; die heute vorherrschenden USA, China, das wiederauflebende Russland, die bisher zur Konstitution als politische Einheit unf&#228;hige Europ&#228;ische Union &#8211; die Bedingungen f&#252;r regionale und eines Tages Weltkriege akkumulieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Alles wird getan, um uns davon zu &#252;berzeugen, dass die zeitgen&#246;ssischen Staaten aus Motiven auf die milit&#228;rische Gewalt zur&#252;ckgreifen, die ausserhalb des tiefen Wesens eines als friedensstiftend vorausgesetzten kapitalistischen Systems angesiedelt sind. Wenn Russland im 21. Jahrhundert in den Krieg zieht, so sei die Ursache davon die R&#252;ckkehr eines Nationalismus, der im Westen zum Gl&#252;ck &#252;berwunden sei, doch der im Osten durch eine diktatorische Macht mit masslosen Ambitionen neu belebt werde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Wirklichkeit war die Konkurrenz zwischen kapitalistischen Unternehmen nie sanftm&#252;tig und der internationale Handel nie ein Faktor f&#252;r nachhaltigen Frieden. Im Gegensatz zu einer vor 1914 verbreiteten Meinung, die auch von gewissen Sozialisten wie Kautsky &#252;bernommen wurde, hindert die gegenseitige wirtschaftliche Abh&#228;ngigkeit der grossen M&#228;chte sie nicht daran, sich zu bekriegen. Die Dynamik der Industrie und des Handels entwickelt ein Gebiet auf dem R&#252;cken eines anderen und schafft rivalisierende Pole, jeder davon ist auf einem Territorium basiert und st&#252;tzt sich auf eine politische Staatsmacht, die auch eine Milit&#228;rmacht ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Friedlicher Westen, kriegerisches Russland&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der amerikanische Kapitalismus hat es selten n&#246;tig, L&#228;nder zu besetzen: Ihre wirtschaftliche &#220;berlegenheit, ihre h&#246;here Produktivit&#228;t und ihre direkten Auslandsinvestitionen erlauben der USA eine gen&#252;gende Kontrolle &#252;ber weite Teile der Welt, ohne Truppen dorthin zu schicken. In Italien und Frankreich nach 1945 und im Osten Europas nach 1991 st&#252;tzte sich die amerikanische Macht zumindest genauso stark auf die multinationalen Konzerne wie auf die GIs. Deutschland und Japan wurden nur als Folge des Zweiten Weltkrieges besetzt und die Beibehaltung der amerikanischen Truppen hatte allen voran zum Ziel, den russischen Rivalen einzud&#228;mmen. Die USA verzichten nicht auf milit&#228;rische Interventionen an ihren Grenzen, wie in Mexiko 1914, aber nur um dort zu versuchen, ihnen genehme politische F&#252;hrer an der Macht zu halten oder an die Macht zu bringen: Sie brauchen den Rio Grande nicht zu &#252;berqueren, um ihre Investitionen in den &lt;i&gt;maquiladoras&lt;/i&gt; zu f&#246;rdern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl es eine Supermacht ist, st&#252;tzt sich Russland, wie damals die UdSSR, auf eine kapitalistische Dynamik, die geringer ist als jene der USA, Westeuropas (und Chinas) und seine Macht auf dem Weltmarkt kommt im Wesentlichen von Gas- und Erd&#246;lexporten. Es tendiert auch dazu, eine Kontrolle &#252;ber seine Nachbarn wiederzuerlangen, um zu garantieren, dass sie in seinem Machtbereich bleiben. Es macht nicht nur aus seiner Rolle als grosser Rohstoffproduzent, wie die L&#228;nder der OPEC, eine wirtschaftliche und politische Waffe, sondern seine Milit&#228;rmacht erlaubt es ihm auch (bis jetzt), die L&#228;nder Zentralasiens zu unterjochen und eine internationale Rolle zu spielen, die sich wenige L&#228;nder der Welt leisten k&#246;nnen (China ist &#8211; bis jetzt &#8211; dazu unf&#228;hig). Es entbehrt nicht jeglicher Logik, dass die F&#252;hrer eines auf dem Weltmarkt geschw&#228;chten Russlands glauben, sie k&#246;nnten die Macht des Landes (und ihren Machterhalt) garantieren, indem sie direkter Waffengewalt einsetzen als ihre Rivalen. Umso mehr, weil das Russland des 21. Jahrhunderts, im Gegensatz zu jener Epoche, w&#228;hrend welcher der Einfluss der UdSSR weltweit durch stalinistische KPs verbreitet wurde, &#252;ber keine &lt;i&gt;soft power&lt;/i&gt; wie die USA verf&#252;gt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber wieso sich &lt;i&gt;heute&lt;/i&gt; an einem Krieg in Europa beteiligen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach 1945 verf&#252;gte die UdSSR &#252;ber ein Imperium, die USA &#252;ber die H&#228;lfte des Planeten. Das in eine neue &#196;ra der Expansion eingetretene Amerika versp&#252;rte nicht das geringste Bed&#252;rfnis, sich den polnischen oder chinesischen Markt zur&#252;ckzuholen, und Russland konsolidierte seine Kapitalakkumulation, ohne Westeuropa etwas anderes als Ideologie offerieren zu k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Konfrontation fand an der Peripherie statt (Korea, Indochina, Mittlerer Osten, Afrika) und wenn sie sich einem Abgrund n&#228;herten (Raketenkrise in Kuba 1962), ruderten die USA und die UdSSR zur&#252;ck. Jede Supermacht anerkannte die Hegemonie des Gegners &#252;ber sein Gebiet, wo er mehr oder weniger nach Belieben handelte (Guatemala 1954, Ungarn 1956, Berliner Mauer 1961, Tschechoslowakei 1968 usw.). Die zahlreichen Krisen wurden ohne Konfrontation in Europa beigelegt, ohne Waffengewalt w&#228;hrend der Berlin-Blockade zum Beispiel (1948-1949). Zwei Lager standen sich gegen&#252;ber, sie waren mehr oder weniger in der gleichen Situation insofern, als jedes dazu gezwungen war, das Territorium des anderen zu respektieren, aber sie unterschieden sich auf sozio&#246;konomischer Ebene.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der &#8222;b&#252;rokratische&#8220; Kapitalismus hatte es geschafft, die Industrialisierung zu f&#246;rdern und eine m&#228;chtige R&#252;stungsindustrie aufzubauen, doch er erwies sich als unf&#228;hig, Arbeit und Kapital auf produktive Art und Weise zu organisieren. Die Herrschaft einer Klasse, die sowohl das Kapital als auch den Staat kollektiv ihr Eigen nennen konnte, bremste die Konkurrenz &#8211; den Motor des Kapitalismus &#8211; und hatte zum Ergebnis gef&#252;hrt, dass Hochburgen entstanden, deren Kraft nicht von einer besseren industriellen und gewerblichen Produktivit&#228;t, sondern von privilegierten Verbindungen zum Staat kam. Die Krise des russischen &#8222;b&#252;rokratischen&#8220; Kapitalismus l&#246;ste sich letztendlich in einem System auf, in welchem die &#8222;Oligarchen&#8220; nur Besitzer der total von der politischen Macht abh&#228;ngigen Monopole sind. Die russische F&#252;hrungsschicht, die unf&#228;hig ist, auf dem Weltmarkt zu rivalisieren und im Ausland zu investieren (wie es China erfolgreich tut), hat als einzige Kontinuit&#228;tsgarantie nur die Priorit&#228;t milit&#228;rischer Macht. Was man auch immer vom &#8222;Bruttoinlandsprodukt&#8220; halten mag, seine Statistiken geben eine Gr&#246;ssenordnung: In Dollars betr&#228;gt das BIP der USA ungef&#228;hr 20 Billionen, jenes Chinas 13, jenes Deutschlands 4 und jenes Russlands 1.6, was jenem S&#252;dkoreas oder Italiens entspricht. Russland ist nur eine (grosse) Regionalmacht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach 1989 hat letztendlich die gr&#246;ssere Dynamik der USA und Westeuropas den osteurop&#228;ischen Raum, den die UdSSR durch den Krieg 1945 erobert hatte, friedlich von Russland zur&#252;ckerobert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Gleichgewicht des Schreckens war auch ein soziales Gleichgewicht in jedem der beiden Lager gewesen: Das (Wieder-)Auftauchen neuer Konkurrenten (Deutschland, Japan, China&#8230;) hat diesen Status quo unterbrochen und letztendlich die M&#246;glichkeit eines bewaffneten Konflikts im Kern Europas er&#246;ffnet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der sowjetische Riese hatte damals nicht das geringste Interesse, eine Wiedereroberung Westeuropas zu versuchen: Im 21. Jahrhundert entsteht durch die &#8211; relative &#8211; Schw&#228;che Russlands ein Kriegsrisiko in der gesamten europ&#228;ischen Region. Nach den erzwungenen Sezessionen peripherer Regionen (Transnistrien, Abchasien und Ossetien) und der Besetzung der Krim ist die Invasion der Ukraine eine erneute Bem&#252;hung Russlands zur Aufrechterhaltung dessen, was es mehr schlecht als recht zusammenh&#228;lt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist h&#228;ufig die weniger starke Grossmacht, welche die Initiative zur Offensive ergreift. Im 19. Jahrhundert, als England die Welt beherrschte, griff es nur &#8222;unterentwickelte&#8220; L&#228;nder an und f&#252;hrte Kolonialkriege in Indien und Afrika. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stellten andere Imperialismen seine Hegemonie in Frage: Die deutsche Wirtschaftsmacht untergrub das ber&#252;hmte &#8222;europ&#228;ische Gleichgewicht&#8220; und jene Japans bedrohte Asien. Nach 1945 beruhigt sich alles f&#252;r einige Jahrzehnte dank der russisch-amerikanischen Aufteilung der Welt (Indien blieb abseits davon, China ebenfalls). Aber jetzt lastet das Gewicht der Europ&#228;ischen Union auf den russischen Ex-Satelliten und jenes Chinas auf Asien.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die UdSSR war in ihrem Einflussgebiet und an ihren R&#228;ndern imperialistisch und kompensierte ihre gesellschaftliche Schw&#228;che, indem sie hinter als Puffer zwischen zwei zwar getrennten aber nie undurchl&#228;ssigen Bl&#246;cken dienenden Satelliten Schutz suchte: Dieser Spielraum existiert praktisch nicht mehr.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Von Korea &#252;ber Vietnam und Angola bis nach Afghanistan f&#252;hrten die USA und die UdSSR stets Stellvertreterkriege, aber dieses Mal ist die Peripherie sehr nahe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend andere Imperialismen ihrerseits nur im Mittleren Osten und in Afrika Krieg f&#252;hren, hat die NATO sich progressiv in Richtung Osteuropa erweitert und Finnland und Schweden sind dabei, sich dem B&#252;ndnis anzuschliessen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;George Kennan (1904-2005), Diplomat und nach 1945 Architekt der Eind&#228;mmung (&lt;i&gt;containment&lt;/i&gt;) der UdSSR, beurteilte diese Erweiterung als nicht sehr klug: &#8222;Wir haben uns verpflichtet, eine ganze Reihe von L&#228;ndern zu besch&#252;tzen, obwohl wir weder die Ressourcen noch die Absicht haben, es ernsthaft zu tun.&#8220; Zehn Jahre sp&#228;ter warnte ein Bericht der CIA vor dem Eintritt der Ukraine in die NATO: Es w&#228;re gleichbedeutend mit der &#220;berschreitung der schlimmsten roten Linie, nicht nur in den Augen Putins, sondern der gesamten russischen Elite, und w&#252;rde Russland zur Einmischung auf der Krim und in der Ostukraine ermuntern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Prediger der M&#228;ssigung vergessen, dass Eind&#228;mmung und Zur&#252;ckdr&#228;ngung (&lt;i&gt;roll back&lt;/i&gt;) Hand in Hand gehen, wenn die USA es f&#252;r notwendig und m&#246;glich halten, wie es w&#228;hrend ihren Amtszeiten von Truman und Eisenhower praktiziert und anerkannt wurde. Seit mehr als 20 Jahren d&#228;mmt die NATO Russland gleichzeitig ein und dr&#228;ngt es zur&#252;ck. Es ist normal, dass ein Staat oder ein B&#252;ndnis von einem R&#252;ckschlag f&#252;r einen Konkurrenten profitiert, um die eigene Stellung auszubauen (verhinderter Versuch der Erschaffung einer Autonomen Republik Aserbaidschan im Norden Irans 1945, der Ansiedlung in Asien, Afrika&#8230;). Die NATO f&#252;hrt ihrerseits 2022, wie damals die UdSSR als sie Nord-Vietnam bewaffnete, einen Stellvertreterkrieg gegen Russland.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie er auch immer aussehen mag, der russisch-ukrainische Frieden wird eine Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln sein. Auf der Ebene Europas ist die Frage, ob die Europ&#228;ische Union sich auf eine Freihandelszone beschr&#228;nken oder sich mit einer politischen F&#252;hrung rund um die deutsch-franz&#246;sische Achse ausstatten wird, die &#252;ber eine &#8222;europ&#228;ische&#8220; Armee verf&#252;gt &#8211; eine Hypothese, die in Anbetracht der gegenw&#228;rtigen Entwicklung, welche die amerikanische Vorherrschaft &#252;ber Europa festigt, immer weniger wahrscheinlich wird. Der Sieg (oder die Vermeidung einer Niederlage) hat ohnehin nicht die gleiche Bedeutung f&#252;r Russland (eine starke, aber regionale Macht) und die USA, die sich veranlasst sehen, ihre Weltmacht gegen das zu ihrem Hauptgegner werdenden China zu fokussieren. Doch wir werden es vermeiden, Trotzki mit tollk&#252;hnen Vorhersagen zu imitieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Rationalit&#228;t = 600 Millionen Tote&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotzdem &#252;berraschte die russische Invasion. Die Schw&#228;che der Rebellen im Osten des Landes hatte Russland 2014 zur milit&#228;rischen Intervention gedr&#228;ngt, um die Geburt der &#8222;Volksrepubliken&#8220; Donezk und Lugansk zu unterst&#252;tzen. Aber deswegen gleich in einen grossen Teil des Landes einfallen und Kiew belagern&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;War es 1982 &#8222;rational&#8220; f&#252;r Grossbritannien, eine Kriegsflotte ans andere Ende der Welt zu schicken, um ein paar kleine Inseln ohne wirtschaftlichen Wert oder strategische Bedeutung zu behalten?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann rational davon ausgehen, dass Hitler keine Siegeschance gegen die englisch-russisch-amerikanische Koalition hatte, doch er hielt es f&#252;r m&#246;glich, die UdSSR zu besiegen, bevor die USA all ihre industrielle Macht mobilisieren w&#252;rden. Der Krieg ist, man weiss es, &#8222;das Gebiet der Ungewissheit&#8220;. Die F&#252;hrungsst&#228;be glaubten 1914, dass es nach sechs Monaten vorbei sein w&#252;rde. Als sie in Afghanistan einfielen, glaubten die Russen (1979) dann die Amerikaner (2001), dass eine massive Intervention es erlauben w&#252;rde, einen Gegner zu besiegen, der logischerweise milit&#228;risch als sehr unterlegen betrachtet wurde. Durch den Sieg &#252;ber ihn war das wirkliche Ziel die Konsolidierung eines Imperiums &#8211; wirtschaftlich f&#252;r die USA, fast kolonial f&#252;r die UdSSR &#8211; gegen einen Rivalen mit einer Kosteneinsch&#228;tzung, die urspr&#252;nglich als vern&#252;nftig beurteilt worden war. Die beiden Imperialismen konnten sich beruhigen, wenn sie an ihre erfolgreichen Aussenoperationen dachten: Ungarn (1956) und Dominikanische Republik (1965).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch die Sache ist nie wesentlich milit&#228;risch. Die kriegf&#252;hrenden M&#228;chte h&#246;rten 1918 letztendlich auf, weniger weil die L&#228;hmung auf dem Schlachtfeld sie dazu zwang, sondern aufgrund des Zerfalls der Heimatfront, allen voran in Deutschland und &#214;sterreich-Ungarn. Im Gegensatz dazu f&#252;hrte das Naziregime einen &#8222;totalen&#8220; Krieg, weil er in erster Linie f&#252;r die Vorherrschaft des deutschen Volkes ausgel&#246;st worden war und wenn dieses sich f&#252;r das durch die Nazis bestimmte Schicksal als unw&#252;rdig erwies, dann verdiente Deutschland f&#252;r Hitler den Untergang. Normalerweise f&#252;hrt man nicht Krieg, um zu zerst&#246;ren, noch weniger um alles zu zerst&#246;ren, doch die Logik der Nazis akzeptiert die Selbstzerst&#246;rung Deutschlands 1945. Der Krieg setzt zwei M&#228;chte einander entgegen, keine davon entscheidet, was die andere tun wird, und die Gegenseitigkeit des Handelns enth&#228;lt die M&#246;glichkeit der Versch&#228;rfung. Die Selbstbeschr&#228;nkung (verhindern, das zu zerst&#246;ren, was man erobern will) ist ihrerseits mit ihren Grenzen konfrontiert. Es ist eine Sache, ein M&#246;rder zu sein, eine andere, sich selbst zu t&#246;ten, h&#228;ufig schliesst das eine das andere aus, Hitler jedoch tat beides: F&#252;r ihn war das Prinzip der Politik &#8222;Alles oder Nichts&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Putin ist nicht Hitler, aber auch f&#252;r ihn ist die Grenze zwischen einem Teilziel (eine Grenze modifizieren) und einem Vollziel (eine politische Ver&#228;nderung erzwingen, das Land neutralisieren) leicht &#252;berschritten: Manchmal zwingt ihn die politische F&#252;hrung eines Landes, bis zu jenem Punkt und auf eigene Gefahr dar&#252;ber hinauszugehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber was ist eine gewonnener oder verlorener Krieg? Und vor allem, was sind die Folgen davon? Man wiederholt, dass die amerikanischen Interventionen in Irak und Afghanistan letztendlich Niederlagen waren, doch sowohl in Bagdad als auch in Kabul handelte es sich um Polizeioperationen eines grossen Landes gegen ein kleines. Weder die zentralen Interessen der USA und noch weniger ihr &#220;berleben standen auf dem Spiel. Der Sieg ist nicht zwingend &#8211; in Vietnam auf jeden Fall war er das nicht &#8211; gleichbedeutend mit einer Besatzung des Landes, sondern mit der Tatsache, sich nicht mehr von ihm bedroht zu f&#252;hlen: Haben die USA in Vietnam 1975 verloren, w&#228;hrend das Land seit mehr als 20 Jahren offen ist f&#252;r nach niedrigen L&#246;hnen suchende ausl&#228;ndische Kapitale?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was auch immer die Erkenntnis der russisch-ukrainischen Aff&#228;re sein mag, in ihrer Konfrontation mit Russland versuchen die USA &#8211; und mit ihnen die Europ&#228;ische Union &#8211; auch, ihre Machtposition gegen&#252;ber China zu sichern. Es gab zwei nukleare Superm&#228;chte: Sie sind mittlerweile zu dritt (zu viert oder zu f&#252;nft, wenn man Indien und Pakistan mitz&#228;hlt) und, obwohl ein k&#252;nftiger Einsatz von Atomwaffen nicht gewiss ist, w&#228;re es naiv, ihn auszuschliessen, weil er katastrophale Auswirkungen f&#252;r die Menschheit, aber auch f&#252;r die an ihrer Stellung und an ihren Privilegien h&#228;ngenden Meister der Welt haben w&#252;rde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der einzige Richter &#252;ber die &#8222;vitalen Interessen&#8220; eines Landes und die zu seiner Verteidigung gew&#228;hlten Mittel ist weder die Menschheit, noch ein abstrakter Grund oder eine Definition der Souver&#228;nit&#228;t, sondern die Anf&#252;hrer, welche sich an der Spitze des Staates befinden. Wenn er die Atombombe gehabt h&#228;tte, h&#228;tte der Nazi Hitler nicht gez&#246;gert, sie einzusetzen. Der Demokrat Truman z&#246;gerte (das ist einer der Unterschiede zwischen Faschismus und Demokratie) und setzte sie zweimal ein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;nf Jahre sp&#228;ter, in Anbetracht aller in Korea erlittenen R&#252;ckschl&#228;ge, erkl&#228;rt der amerikanische Pr&#228;sident, er ziehe alle M&#246;glichkeiten in Betracht, &#8222;was alle Waffen mit einschliesst, die wir haben&#8220;, auch die Atomwaffe: &#8222;Wir haben ernsthaft daran gedacht.&#8220; Die nukleare Bedrohung wird von Nixon gegen Nordvietnam und von Trump gegen Nordkorea (2017) wiederholt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den 1960er Jahren erw&#228;gt der amerikanische F&#252;hrungsstab, der die UdSSR als unf&#228;hig einsch&#228;tzt, einen ersten Atomschlag zu &#252;berleben und mit bedeutenden Vergeltungsmassnahmen zu antworten, einen Atomangriff gegen die UdSSR und China, der ungef&#228;hr 400 Millionen Tote, mehr als 100 Millionen in den Nachbarl&#228;ndern und ebenso viele in Westeuropa, also gesamthaft 600 Millionen Tote zur Folge h&#228;tte. Das alles ist absurd, wird man sagen, der Preis daf&#252;r w&#228;re zu hoch&#8230; Aber f&#252;r wen? Die Regierenden sind nicht verr&#252;ckt und die Soldaten nicht blutr&#252;nstig. Ihr Wahnsinn hat Methode, w&#252;rde Shakespeare sagen: Ein monstr&#246;ser Gegner verlangt gegen ihn den Einsatz von schrecklicheren Mitteln als seine.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu Beginn des 21. Jahrhundert haben die USA ihre Pl&#228;ne aktualisiert und Russland und China haben ihre eigenen. Die staatliche Rationalit&#228;t ist es, gem&#228;ss dem Interesse des Landes und jenem ihrer Anf&#252;hrer zu handeln, die beiden fallen zusammen. Das Ziel ist der Fortbestand, nicht der Selbstmord, doch Masslosigkeit und Exzess sind Teil der Gleichung. Die Reiche handelten 1914 nicht irrational, genauso wenig wie die Nazis 1939 oder 1941. In Vietnam hatte die Dominotheorie ihre eigene Rationalit&#228;t. Das Gleiche gilt f&#252;r die &#8222;Strategie des Schreckens&#8220;, im Rahmen welcher die USA, um ihre eigene Zerst&#246;rung zu begrenzen (&lt;i&gt;mutually assured destruction&lt;/i&gt;, MAD), regelm&#228;ssig versucht haben, eine &#220;berlegenheit, und somit eine Gewinnchance gegen&#252;ber der UdSSR zu erlangen und zu erhalten. Zum Preis von hunderten Millionen Toten, doch das ist ein Preis, den man bereit ist, zu zahlen, denn, so schlimm er auch sein mag, kann er als besser beurteilt werden als die Knechtung durch &#8222;Feinde des Menschengeschlechts&#8220;, von welchen Schlimmeres zu erwarten ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend dem chinesisch-japanischen Krieg 1938 l&#228;sst die nationalistische Regierung die D&#228;mme des Gelben Flusses zur Verlangsamung des Fortschritts der japanischen Truppen zerst&#246;ren: Das Ziel wird erreicht und die &#220;berschwemmung t&#246;tet 500&#8216;000 Chinesen. Es ist wahrscheinlich das gr&#246;sste Kriegsverbrechen der ganzen Geschichte, besonders an ihm ist, dass es eine Armee ihrer eigenen Bev&#246;lkerung aufgeb&#252;rdet hat. An jenem Tag, wo es eine Regierung, welche auch immer, f&#252;r vern&#252;nftig h&#228;lt, 500 Millionen Menschen zu t&#246;ten, um eine Milliarde zu retten, wird sie es tun.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die USA sollen &#252;ber ungef&#228;hr 1&#8216;350 einsatzbereite Atomsprengk&#246;pfe verf&#252;gen (etwa hundert davon auf St&#252;tzpunkten in Deutschland, Italien, Belgien und den Niederlanden), gegen 1&#8216;400 auf russischer Seite. Auf diesem Niveau der &#8222;&#220;berzerst&#246;rung&#8220; hat der Unterschied in den jeweiligen Kapazit&#228;ten zum &lt;i&gt;overkill&lt;/i&gt; keinen Sinn mehr.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wenn die Nation unvollst&#228;ndig ist&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was man auch immer &#252;ber eine Globalisierung wiederholen mag, die Staaten und Grenzen unter der Herrschaft einer kosmopolitischen Finanzoligarchie und trans- und multinationaler Konzerne absorbiert haben soll, der Planet ist nicht deterritorialisiert. Er ist weiterhin in staatlichen Entit&#228;ten organisiert: Obwohl sie nicht dem amerikanischen &#8222;Schmelztiegel&#8220; &#228;hneln, funktionieren einige davon ziemlich gut als Nationalstaaten, andere nicht, und jene L&#228;nder, welche die Welt beherrschen, geh&#246;ren zur ersten Gruppe. Die USA, China, Russland, Indien sind Nationalstaaten und eine bis jetzt nicht &#252;berwundene Schw&#228;che der Europ&#228;ischen Union ist es, kein nationales Gebilde zu sein &#8211; f&#246;deral oder nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Staat ist eine politische Macht, die f&#228;hig ist, sich auf einem von ihr kontrollierten Territorium durchzusetzen. Was spezifisch ist an einem Nationalstaat, ist die Tatsache, dass er &#8222;h&#228;ufig aufgrund der Sprache, der Herkunft oder der Religion sehr verschiedene Bestandteile dank der M&#246;glichkeit einer selbstzentrierten kapitalistischen Entwicklung innerhalb eines sowohl milit&#228;risch als auch fiskalisch beherrschten Territoriums vereint. [&#8230;] Die Nation setzt diese moderne Sch&#246;pfung namens Individuum voraus, ein Wesen, das seiner von der Geburt abh&#228;ngigen Bindungen entledigt und im Prinzip &#8218;frei&#8216; ist, Bourgeois oder Proletarier zu werden, und sie ist die Antwort auf die Notwendigkeit, diese Individuen in einer neuen Gemeinschaft miteinander zu verbinden, wenn die vorherigen sich aufgel&#246;st haben. [&#8230;] Jenseits der Individuen vereinigt die Nation die Klassen [&#8230;] durch eine fl&#252;ssige Zirkulation sowohl des Kapitals als auch der Arbeit, einem relativen Ausgleich der Produktivit&#228;tsniveaus der Regionen [&#8230;] Ein Markt allein gen&#252;gt nicht: Die Addition der Konsumenten ergibt keine Koh&#228;sion.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;La Nation dans tout son &#233;tat&#8220;, 2019.&#034; id=&#034;nh4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weil sie sich nicht damit begn&#252;gten, Rohstoffe zu exportieren oder ausl&#228;ndische Kapitale zu empfangen, sondern &#252;ber eine kompetitive industrielle Macht verf&#252;gten, waren die USA f&#228;hig, die zwischen 1845 und 1848 von Mexiko eroberten Territorien zu integrieren, was sechs zus&#228;tzliche Staaten im Bund bedeutete. Es ist die Kapazit&#228;t, sich ins globale kapitalistische System einzuf&#252;gen, die es erlaubt, die Gesamtheit der Bev&#246;lkerung einzuschliessen, indem man ihr jenseits der Kriterien der Sprache, der Geburt oder der Religion die Zugeh&#246;rigkeit zu den &#8222;Vereinigten Staaten von Amerika&#8220; gibt. Von diesem Zeitpunkt an ist der Spanischsprachige nicht zuerst oder wesentlich &#8222;spanisch&#8220; oder &#8222;latino&#8220;, er ist &lt;i&gt;amerikanisch&lt;/i&gt;. Wir schreiben &lt;i&gt;die Gesamtheit&lt;/i&gt; der Bev&#246;lkerung, nicht die Totalit&#228;t, und diese Gesamtheit fluktuierte: den neuen Einwanderer gegen&#252;ber feindlich gesinnter &#8222;Nativismus&#8220;, Beschr&#228;nkung der asiatischen Einwanderung, Quoten gegen die Juden in den Eliteuniversit&#228;ten bis in die 1950er Jahre und man ist besser weiss als &lt;i&gt;African American&lt;/i&gt;&#8230; Trotz allem f&#246;rdert der Kapitalismus eine (sehr relative) Gleichstellung, auch an der Spitze (farbige M&#228;nner und Frauen sind Staatssekret&#228;r, Armeechef oder Pr&#228;sident der USA geworden).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dort, wo eine solche sozio&#246;konomische Vereinigung des Landes und somit eine politische Befriedung unm&#246;glich oder unvollendet sind, ermutigen die Entwicklungsunterschiede das politische Zentrum dazu, die unterentwickelten Gebiete zu ignorieren oder sogar zu diskriminieren, was Zentrifugalkr&#228;fte beg&#252;nstigt, die dazu tendieren, sich von einem Zentrum abzutrennen, das seinerseits unf&#228;hig ist, sie zu beherrschen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die im 20. Jahrhundert aus den sukzessive vom Osmanischen Reich abgetrennten Regionen entstandenen L&#228;nder erlebten eine permanente Instabilit&#228;t, besonders Griechenland, und Serbien, wo 1903 die K&#246;nigsfamilie massakriert und durch eine neue Dynastie ersetzt wird. Diese unvollst&#228;ndigen Nationen sind Teil des Spiels jener M&#228;chte, welche st&#228;rker sind als sie, allen voran Frankreich und England. Die Allianzen &#228;ndern sich, Grossbritannien bef&#252;rchtet, dass die Unabh&#228;ngigkeit der neuen slawischen Staaten Russland st&#228;rkt: Im Krimkrieg (1853-1856) &#8211; die Krim war und ist f&#252;r die russische Marine eine Halbinsel von strategischer Bedeutung &#8211; verb&#252;nden sich Frankreich und England mit der T&#252;rkei gegen Russland.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Osten und in der Balkanregion stellen &#8222;Minderheiten&#8220; ein Problem dar. Engels schreibt Bernstein am 22. Februar 1882 folgendes: &#8222;Teilen sich die Serben in 3 Religionen [&#8230;] Bei diesen Leuten geht aber Religion noch vor Nationalit&#228;t und jede Konfession &lt;i&gt;will&lt;/i&gt; herrschen. Solange hier kein Bildungsfortschritt, der wenigstens Toleranz m&#246;glich macht, hei&#223;t Gro&#223;serbien nur B&#252;rgerkrieg.&#8220; Die Annexion Bosniens und Herzegovinas, wo eine Million Serben lebten, durch &#214;sterreich n&#228;hrt einen Gegensatz zwischen dem &#246;sterreichisch-ungarischen Reich und Serbien &#8211; eine explosive Situation, aus welcher der Funke 1914 entsteht und die am Ende des 20. Jahrhunderts erneut brodelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bewegung der &#8222;Nationalit&#228;ten&#8220; damals, dann der nationalen Befreiungsk&#228;mpfe im 20. Jahrhundert, war eine historische Neuheit mit weltweiter Bedeutung, doch die Erschaffung eines nationalen Gebildes ist nur dort m&#246;glich, wo die kapitalistische Entwicklung relativ homogen und koh&#228;rent ist: Sonst &#8222;geht [&#8230;] Religion [oder jedes andere identit&#228;re Kriterium] noch vor Nationalit&#228;t&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Mehrheit der neuen Staaten leidet nicht nur an Zwietracht, sondern, wie es Wilhelm II. gegen&#252;ber dem K&#246;nig der Belgier 1913 bemerkte, es ist zwar h&#228;ufig notwendig f&#252;r ein kleines Land, sich einem Lager anzuschliessen, doch das Spiel ist riskant.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Allgemeinen wird die Unabh&#228;ngigkeit dank einer Grossmacht erlangt und h&#228;ufig danach durch eine andere, mit ersterer rivalisierenden, garantiert. Der entstehende israelische Staat kam 1948 in den Genuss von tschechischen Waffen, die mit dem Einverst&#228;ndnis einer zur Schw&#228;chung der englischen Vorherrschaft &#252;ber die Region gewillten UdSSR geliefert wurden: Danach suchte Israel anderweitig Unterst&#252;tzung. Genauso wurde &#196;gypten von einem, dann vom anderen Lager bewaffnet. Mit der Gefahr einer Kurs&#228;nderung: Die Kurden wurden von den USA in ihrem Kampf gegen den Islamischen Staat unterst&#252;tzt, aber was wird aus Rojava werden, wenn f&#252;r die Amerikaner die T&#252;rkei, eine St&#252;tze der NATO in der Region, zur Priorit&#228;t wird?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Schutz eines &#8222;kleinen&#8220; Landes durch ein &#8222;grosses&#8220; b&#252;rgt nicht notwendigerweise f&#252;r Sicherheit. Die NATO k&#252;ndigt im April 2008 an, sie sei bereit, Georgien und die Ukraine aufzunehmen: Im August greift Russland Georgien an. Die Unterscheidung &lt;i&gt;Angreifer/Angegriffener&lt;/i&gt; deutet auf den Ort, wo der Konflikt ausgebrochen ist, nicht auf seine Ursache oder seine Logik.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Es gibt so viele wirtschaftliche, finanzielle, politische und milit&#228;rische Aspekte, welche die Innen- und Aussenpolitik eines Staates determinieren, dass dieser &#8211; vor allem, wenn er sich in einem geopolitischen Gebiet von grosser Bedeutung f&#252;r die interimperialistischen Rivalit&#228;ten wie Osteuropa befindet &#8211; gezwungen ist, seine &#8218;Unabh&#228;ngigkeit&#8216; und somit sein Territorium, seine Wirtschaft und seine Regierung an einen der imperialistischen Pole zu verkaufen, an jenen, welcher am ehesten die nationalen Interessen beg&#252;nstigen oder ihn zumindest vor den Begehrlichkeiten feindlicher L&#228;nder besch&#252;tzen kann.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Internationale Kommunistische Partei, 24. Februar 2022.&#034; id=&#034;nh5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was ist ein &#8222;Ukrainer&#8220;? Was ist ein &#8222;Russe&#8220;?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Unsere Geschichte ist anders!&#8220;, sagte ein Ukrainer, um zu erkl&#228;ren, dass man die Lenin-Statuen niederreisst, w&#228;hrend das Portrait Stepan Banderas &#252;berall eine Bl&#252;tezeit erlebt. Der bolschewistische Anf&#252;hrer symbolisiere Diktatur und ausl&#228;ndische Herrschaft. Der nationale Aktivist hingegen, was auch immer seine Verantwortung f&#252;r den Tod hunderttausender Juden (und zahlreicher polnischer Zivilisten) sein mag, verk&#246;rpere den ukrainischen Freiheitsdrang. Geboren im Jahr 1909, repr&#228;sentiert er allen voran den allen nationalen Bewegungen inh&#228;renten Zickzackkurs. Bandera, der abwechselnd mit den Deutschen verb&#252;ndet, dann ihr Gegner war, von ihnen 1941 inhaftiert wird, weil sie keine unabh&#228;ngige Ukraine wollen, dann an ihrer Seite k&#228;mpft, daraufhin kurz gegen die Sowjets, nach 1945 mit dem deutschen und dem britischen Geheimdienst zusammenarbeitet, die bis 1955 Widerstandsgruppen in der Ukraine unterst&#252;tzten, stirbt 1959, wahrscheinlich ermordet vom KGB: Zuerst war er Anh&#228;nger eines ethnischen Nationalismus, letztendlich einer gewissen Sozialdemokratie. Den Umst&#228;nden entsprechende Ideologie, Suche nach inkompatiblen Verb&#252;ndeten &#8211; der Nationalismus st&#252;tzt sich auf das, was er finden kann, und wechselt die Unterst&#252;tzer, manchmal mit Erfolg, gegebenenfalls zu seinem Nachteil.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;So wie sie heute existiert, ist die Ukraine nicht die einzige staatliche Realit&#228;t in der Region: Vor 1914 dachte kaum jemand, dass ein weissrussisches Volk existiert, f&#252;r welches es gerechtfertigt w&#228;re, einen unabh&#228;ngigen Staat zu gr&#252;nden, und in Vilnius, der Hauptstadt des aktuellen Litauens, sprachen kaum einige Prozent der Bewohner litauisch. Transkarpatien, (ehemals &#246;sterreichisches) Galizien im Westen, Krim im S&#252;den &#8211; die Bestandteile der Ukraine variierten im Verlauf des 20. Jahrhunderts, genau wie das, was heute den Namen Russland, Ukraine, Polen, Weissrussland und Litauen tr&#228;gt, seit 1917 Grenzen in st&#228;ndigem Wandel hatte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch die aus dem Russischen und dem Osmanischen Reich entstandenen Staaten leiden nicht nur an den h&#228;ufig in Frage gestellten Aussengrenzen, sondern auch oder sogar noch mehr an dem, was man &lt;i&gt;innere&lt;/i&gt; Trennungen nennen k&#246;nnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die kapitalistische Produktionsweise sammelt und vereinigt die Bev&#246;lkerungen dort, wo das Lohnverh&#228;ltnis, eine Zirkulation der Arbeit sowie des Kapitals und die endogene Entwicklung es erlauben. In L&#228;ndern wie Frankreich, Grossbritannien oder den USA existieren verschiedene Sprachen und Religionen nebeneinander, aber eine Sprache herrscht vor, manchmal zwei (Franz&#246;sisch und Deutsch in der Schweiz). Spanisch ist die Muttersprache von 40 Millionen Amerikanern von 330 Millionen und sie bekennen sich in einem mehrheitlich protestantischen Land zur katholischen Religion, ohne dass deswegen ein &#8222;Ethnokonfessionalismus&#8220; entstehen oder eine Gesellschaft gespalten w&#252;rde, welche durch &#8222;diese Variabilit&#228;t [&#8230;] und den Uebergang aus einem Zweig in den andren [&#8230;] [d]ie best&#228;ndige Bildung neuer Arten der Arbeit [&#8230;] daher fortgehende Teilung der Arbeit im Ganzen der Gesellschaft&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Marx, Resultate des unmittelbaren Produktionsprozesses, 1867.&#034; id=&#034;nh6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; charakterisiert ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mangels dieser Bedingungen leiden die nach 1914-1918 entstandenen Staaten in der Zwischenkriegszeit (und, trotz den Bev&#246;lkerungstransfers, immer noch) an einem minorit&#228;ren &#8222;Nationalit&#228;tenproblem&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir werden nicht auf jene Episoden 1918 eingehen, w&#228;hrend welcher sich Bolschewisten, weisse Russen, Polen und diverse Parteien und Regionen dessen einander entgegenstanden, was heute die Ukraine ist, die damals unter dem Einfluss der Gewinner von 1914 bis 1918 stand, besonders Frankreich. Polen, mit der Unterst&#252;tzung eines Teils der lokalen Bev&#246;lkerung, f&#228;llt 1920 mit der Hoffnung ins ukrainische Territorium ein, dort einen Pufferstaat zu kreieren, der es vor Russland besch&#252;tzt. Polen scheitert, aber annektiert die westlichen Regionen des Landes und einen Teil Litauens und Weissrusslands.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die polnische Grenze wird 1945 weiter nach Westen versetzt, was die Umsiedlung von Millionen Einwohnern zur Folge hat: erzwungener Aufbruch der &#8222;Deutschen&#8220; in Richtung Deutschland und der in der Ukraine, in Weissrussland oder Litauen wohnhaften Polen in Richtung Polen, das soeben Ostpreussen, Pommern und Schlesien zugesprochen bekommen hat. Eines der Ziele ist es, Staaten mit einer homogenen Bev&#246;lkerung aufzubauen: &#8222;Alle L&#228;nder werden nach nationalen Prinzipien aufgebaut, nicht nach multinationalen&#8220;, erkl&#228;rt im Mai 1945 Gomulka, der Anf&#252;hrer des neuen Polens.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl die der UdSSR angeh&#246;rige Ukrainische sozialistische Sowjetrepublik einen Drittel der Industrieproduktion der Union lieferte, blieb ihre Wirtschaft zu abh&#228;ngig von Russland f&#252;r eine selbstzentrierte Entwicklung, die eine gesellschaftliche und politische Koh&#228;sion des Landes beg&#252;nstigt h&#228;tte. Nach dem Verschwinden der UdSSR hat die Mehrheit der ukrainischen B&#252;rger eine gute Praxis der russischen Sprache und Millionen von ihnen arbeiten und leben in Russland. Doch wenn sich im Donbass einige Millionen Einwohner &#8222;russisch&#8220; nennen &#8211; im Gegensatz zu jenen Kiews &#8211; und Russland einen separatistischen &#8222;Ethnonationalismus&#8220; manipulieren konnte, dann weil diese Region und ihre Bev&#246;lkerung nur sehr beschr&#228;nkt in den Rest der Ukraine integriert worden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die nationale Unfertigkeit widerspiegelt sich im politischen Leben. Die ber&#252;hmten russischen &#8222;Oligarchen&#8220; haben ihre Pendants in der Ukraine. Eine &#8222;Gasprinzessin&#8220; (Julia Timoschenko) war dort Premierministerin und ein &#8222;Schokoladenk&#246;nig&#8220; (Petro Poroschenko) Pr&#228;sident der Republik. Der ukrainische Parlamentarismus ist weit von den Praktiken Westeuropas entfernt. Obgleich die Ukraine eine bedeutende Milit&#228;rindustrie und eine exportierende Landwirtschaft besitzt, streiten sich Monopole, manchmal gest&#228;rkt durch mediale Imperien, um die wirtschaftlich-politische Macht und teilen sie untereinander auf und es kam vor, dass der Staat direkt einen Oligarchen zum Gouverneur einer Region ernennt. Die Orange Revolution 2004 hat dem keinen Riegel geschoben, Maidan 2014 auch nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vor 20 Jahren schrieb Emmanuel Todd: &#8222;Die kulturellen Unterschiede zu Ru&#223;land sind ausreichend gro&#223;, damit sich die Ukraine als eigenst&#228;ndig definieren kann. Aber mangels einer eigenen Dynamik vermag sie sich dem russischen Einflu&#223; nicht zu entziehen, ohne unter den einer anderen Macht zu geraten. Die amerikanische Sph&#228;re ist zu weit entfernt und materiell zu wenig pr&#228;sent, um das russische Gewicht auszubalancieren. Europa [&#8230;] ist eine reale Wirtschaftsmacht, aber in milit&#228;rischer und politischer Hinsicht nicht dominant. Falls Europa eine einflu&#223;reiche Stellung in der Ukraine anstrebt, liegt es nicht in seinem Interesse, sie zu einem Satelliten zu machen. [&#8230;] Hier k&#246;nnen wir ermessen, wie wenig die Vereinigten Staaten im Herzen Eurasiens wirtschaftlich konkret pr&#228;sent sind: [&#8230;] Vom Export einiger Milit&#228;rg&#252;ter und Computer abgesehen, haben die USA ihr wenig zu bieten. [&#8230;] Amerika kann hier nur die Illusion einer Finanzmacht verbreiten &#8211; und zwar &#252;ber die politische und ideologische Kontrolle des Weltw&#228;hrungsfonds. [&#8230;] Dagegen offenbaren die wirtschaftlichen Verflechtungen der Ukraine deren Abh&#228;ngigkeit von Ru&#223;land, Europa [&#8230;] Die Vereinigten Staaten befinden sich, gelinde gesagt, nicht mehr in einer Situation der &#220;berproduktivit&#228;t wie in der unmittelbaren Nachkriegszeit, weshalb sie denn auch nicht als Geberland eines neuen Marshall-Plans auftreten konnten, wie ihn die im Umbau begriffenen ehemaligen kommunistischen L&#228;nder ben&#246;tigt h&#228;tten.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um nach 1914-1918 ihre Unabh&#228;ngigkeit zu erlangen, st&#252;tzte sich die nationale ukrainische Bewegung aufeinanderfolgend auf Deutschland, die Entente, d.h. die Gewinner des Krieges, dann 1920 auf Polen. Ein Jahrhundert sp&#228;ter hat &#8222;die Ukraine [&#8230;] lange von den Widerspr&#252;chen zwischen Russland und dem Westen profitiert, doch das erwies sich letztendlich als gef&#228;hrliches Spiel. Die Ukraine z&#228;hlte f&#252;r Russland mehr als jedes andere Land.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Richard Sawka.&#034; id=&#034;nh7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Russland hatte 2014 versucht, die Ukraine zu seinem Vorteil zu f&#246;deralisieren: Doch mit der Annexion der Krim &#8222;gelang es nicht, die Unterst&#252;tzung der Russischst&#228;mmigen ausserhalb des direkt von der russischen Armee kontrollierten Gebietes zu mobilisieren&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Kreml erhoffte sich 2022 eine Korrektur dieses Scheiterns, indem er seine Ambitionen &#252;ber den Donbass hinaus ausweitete: Der Fehler dabei war, den nationalen Faktor &#8211; beim Gegner &#8211; untersch&#228;tzt zu haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Volksrepubliken Lugansk und Donezk kamen zu den unter dem bewaffneten Druck Russlands entstandenen Mikrostaaten hinzu: Transnistrien losgel&#246;st von Moldawien, Abchasien und S&#252;dossetien &#252;bernommen von Georgien.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Innerhalb Ex-Jugoslawiens hatte Belgrad sezessionistische Entit&#228;ten erschaffen: in Kroatien die Republik Serbische Krajina (heute verschwunden) und in Bosnien die Republika Srpska, die heute fester Bestandteil des Landes ist, obwohl der Separatismus dort lebendig bleibt. Der 2008 dank des Eingreifens der NATO unabh&#228;ngig gewordene Kosovo ist seinerseits weder von der UNO noch von der Europ&#228;ischen Union als Staat anerkannt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch andere, obwohl diese Marionettenstaaten ihre Existenz dem Krieg verdanken, versuchen, unter dem Druck einer ihnen eine nach Separation dr&#228;ngende Kapazit&#228;t zur Autonomie verleihenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Dynamik zu entstehen: Katalonien, Schottland, Flandern und Padanien (nur die beiden ersteren haben gewisse Erfolgschancen). Die weltweite sozialisierende Macht des Kapitalismus ist auch eine Kraft, die Bev&#246;lkerungszusammensetzungen zersetzt, bildet, auftrennt und neu formiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Krieg in der Ukraine wird wohl mit einem Kompromiss enden, der dem Donbass (wom&#246;glich erg&#228;nzt mit einem Streifen entlang des Schwarzen Meeres) einen mehr oder weniger grossen Grad an Autonomie oder gar die Unabh&#228;ngigkeit zugesteht. Was den ukrainischen &#8222;Burgfrieden&#8220; betrifft, hat er es geschafft, die Bev&#246;lkerung zu &#8222;ukrainisieren&#8220;, die &#8222;Russischsprachigen&#8220; eingeschlossen, ausser im S&#252;dosten, was die geringe Lebensf&#228;higkeit einer ukrainischen Nation, so wie sie in den 1945 gezogenen und 1991 best&#228;tigten Grenzen existierte, unter Beweis stellt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1914 und 2022&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den Jahrzehnten vor 1914 war Engels nicht der einzige, der die M&#246;glichkeit eines europ&#228;ischen Krieges in Betracht zog, wo &#8222;unsre Partei in Deutschland [&#8230;] momentan von der Flut des Chauvinismus &#252;berschwemmt und gesprengt [w&#252;rde], und ebenso ging's in Frankreich&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Brief an Bebel, 22. Dezember 1882 in MEW, Bd. 35, S. 416.&#034; id=&#034;nh9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Dieser Konflikt, &#8222;von einer bisher nie geahnten Ausdehnung und Heftigkeit&#8220;, wo Millionen M&#228;nner k&#228;mpfen werden, wird zu einem Fall der Reiche und &#8222;d[er] allgemeine[n] Ersch&#246;pfung und d[er] Herstellung der Bedingungen des schlie&#223;lichen Siegs der Arbeiterklasse&#8220; f&#252;hren. &#8222;Der Krieg mag uns vielleicht momentan in den Hintergrund dr&#228;ngen, mag uns manche schon eroberte Position entrei&#223;en. Aber [&#8230;] so mag es gehn wie es will: am Schlu&#223; der Trag&#246;die [&#8230;] ist der Sieg des Proletariats entweder schon errungen oder doch unvermeidlich.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Friedrich Engels, &#8222;Einleitung [zu Sigismund Borkheims Brosch&#252;re &#8218;Zur (...)&#034; id=&#034;nh10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Trotz &#8222;eine[r] Versch&#228;rfung des Chauvinismus in allen L&#228;ndern und [&#8230;] eine[r] Periode der Reaktion als Folge der Ersch&#246;pfung aller ausgebluteten V&#246;lker&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Brief an Paul Lafargue, 25. M&#228;rz 1889 in MEW, Bd. 37, S. 171.&#034; id=&#034;nh11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; w&#228;re der Kapitalismus davon dermassen ersch&#252;ttert, dass sein Fortbestand unm&#246;glich wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Anbetracht des Militarismus blieb die sozialistische Arbeiterbewegung nicht passiv. So wie sie im Unternehmen und auf der Strasse (und im Parlament) agierte, versuchte sie, innerhalb der Milit&#228;rinstitution zu intervenieren: Die CGT schickte eine geringe Summe (den &#8222;Soldatengroschen&#8220;) an ihre aufgebotenen Gewerkschaftsmitglieder, um die Verbindung mit der Arbeiterklasse zu wahren. Doch die Parteien und Gewerkschaften zogen keine andere Aktion in Betracht als einen &#8222;Kampf f&#252;r den Frieden&#8220;, der den Krieg unm&#246;glich machen sollte: Nichts war f&#252;r den &#8211; als unwahrscheinlich vorausgesetzten &#8211; Fall geplant, wo er trotzdem eintreten w&#252;rde. Ob man daran geglaubt haben mag oder nicht, die Drohung, einen (pazifistischen f&#252;r die Gem&#228;ssigten, aufst&#228;ndischen f&#252;r die Radikalen) Generalstreik auszul&#246;sen, war genauso wenig in der Wirklichkeit verankert wie die verk&#252;ndete Absicht, die Revolution zu machen &#8211; eines Tages.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bei den meisten k&#252;nftigen Kriegsparteien ist auch der Monat, der den Mord am Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo von der Kriegserkl&#228;rung &#214;sterreich-Ungarns an Serbien trennt, von zahlreichen massiven Demonstrationen gegen den drohenden Krieg gepr&#228;gt: Doch ihr Ziel ist es, Druck auf die b&#252;rgerlichen Regierungen auszu&#252;ben, nicht selbst als Proletariat zu handeln. Das war logisch: Die immense Mehrheit der Sozialisten und Syndikalisten (und ein Teil der Anarchisten) verhielt sich als aus der Arbeiterklasse kommender Gegner &lt;i&gt;und Partner&lt;/i&gt; einer b&#252;rgerlichen Welt. Sie akzeptieren de facto (was man auch immer davon denken oder sagen mag) das Wesentliche der Gesellschaft und bereiten die Akzeptanz f&#252;r grosse von den Anf&#252;hrern getroffene Entscheidungen vor &#8211; besonders den Krieg. Im Sommer 1914 verriet die Zweite Internationale vielleicht ihre Ideologie, aber nicht ihre Praxis.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Anbetracht dessen, was das Proletariat nicht verhindern konnte oder wollte, muss jeder Revolution&#228;r, gem&#228;ss Lenin, die Niederlage seines eigenen Landes herbeiw&#252;nschen und nach M&#246;glichkeit dazu beitragen. In Russland w&#228;re, vom Standpunkt der Arbeiterklasse und der arbeitenden Masse aus, das &#8222;geringere &#220;bel&#8220; die Niederlage der tsaristischen Monarchie. Lenin h&#228;lt kommende Revolten in der Armee wie 1905 f&#252;r m&#246;glich. Realit&#228;tsfremd? Nein, wenn man der Ansicht ist, dass die kapitalistische Welt sich in einer schlimmen Krise befindet, einer Krise, die provisorisch vom Burgfrieden &#252;berwunden worden ist, die jedoch unvermeidlich verschlimmert durch die Fortsetzung des Krieges wieder zutage treten wird. Von der g&#228;ngigen Sichtweise eines Kapitalismus, der Kriege ausl&#246;st, kommt Lenin zu jener eines Kapitalismus als Ursache von Krieg &lt;i&gt;und somit&lt;/i&gt; von Revolution.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nachdem der Krieg einmal begonnen hatte, konnte nur eine kleine Minderheit basierend auf der von Liebknecht ausgedr&#252;ckten &#220;berzeugung vom Feind &lt;i&gt;im eigenen Land&lt;/i&gt; agieren. Denn damit ein &#8222;revolution&#228;rer Def&#228;tismus&#8220; zu einer materiellen Kraft werden konnte, mussten die K&#228;mpfe stecken bleiben, um die milit&#228;rischen und patriotischen Energien zu verschleissen, wie Engels diese M&#246;glichkeit geahnt hatte: &#8222;Es ist eine evidente Tatsache, da&#223; die Desorganisation der Armeen und die g&#228;nzliche L&#246;sung der Disziplin sowohl Bedingung wie Resultat jeder bisher siegreichen Revolution war.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Brief an Marx, 26. September 1851 in MEW, Bd. 27, S. 353.&#034; id=&#034;nh12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; &#8222;Am g&#252;nstigsten w&#228;re eine russische Revolution, die aber nur nach sehr schweren Niederlagen der russischen Armee zu erwarten.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Brief an Bebel, 13. September 1886 in MEW, Bd. 36, S. 526.&#034; id=&#034;nh13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Die bolschewistische Strategie hatte nur auf der durchdachten Gewissheit gegr&#252;ndet einen Sinn, &#8222;dass der Krieg in Europa eine revolution&#228;re Lage schafft&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Lenin, &#8222;Die revolution&#228;ren Marxisten auf der internationalen (...)&#034; id=&#034;nh14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;: Er rief zu einer Abspaltung (die damals von Rosa Luxemburg als voreilig beurteilt wurde) von einer breiten politischen Bewegung auf, die gewiss gescheitert war, doch wovon sich die &#8222;gesunden&#8220; Teile abtrennen sollten, um revolution&#228;re Parteien (wieder-)aufzubauen und von der allgemeinen vom Krieg ausgel&#246;sten Krise zu profitieren, um den Kapitalismus zu st&#252;rzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Situation ist ein Jahrhundert sp&#228;ter nicht die gleiche, besonders aufgrund des Fehlens substantieller radikaler Minderheiten, an welche sich Lenin richtete. Und der Widerstand gegen die imperialistischen Kriege (jener 2003 gegen den Irak z.B.) ist entweder schlichtweg pazifistisch oder unf&#228;hig, die Situation zu beeinflussen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Aufrufe zur Desertion, zum Def&#228;tismus und zur Sabotage des Krieges auf beiden Seiten, die derzeit von zahlreichen Milieus verbreitet werden, sind freilich vom Klassenstandpunkt aus betrachtet die einzig tragf&#228;hige Position. Sie sind also lobenswert und teilbar &#8211; und gewiss einiges w&#252;rdevoller als der unilaterale Anti-Imperialismus jener, welche sich verpflichtet f&#252;hlen, jedes Mal einen &#8218;schw&#228;cheren&#8216; Imperialismus zu unterst&#252;tzen. Das zumindest im Prinzip. Aber solche Aufrufe laufen Gefahr, im Grunde, wenn auch nicht &#8218;ideologisch&#8216;, so doch zumindest vollst&#228;ndig steril zu sein.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Il Lato cattivo, 2. M&#228;rz 2022.&#034; id=&#034;nh15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Revolution&#228;rer Def&#228;tismus?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Und was hat man von einem internationalistischen Prinzip, wenn das eigene Dorf gerade von einem russischen Panzer beschossen wird? Inwieweit geht es nicht einfach darum, dass sich Arbeiter:innen in der Ukraine gegen eine milit&#228;rische Aggression zur Wehr setzen m&#252;ssen? [&#8230;] K&#246;nnten wir Menschen im Warschauer Ghetto, in Srebrenica oder unter Angriffen des Islamischen Staates sagen, sie sollten nicht zu den Waffen greifen, weil diese Waffen vielleicht von Nationalist:innen stammen oder weil ihr Widerstand den Interessen irgendeiner imperialistischen Gro&#223;macht entgegenkommt?&#8220;, fragte ein Teilnehmer an einer Diskussion organisiert von den Angry Workers am 10. M&#228;rz 2022, er antwortete darauf: &#8222;Ich denke, nein.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;(Nebenbei bemerkt, es ist &#252;bertrieben die Ukrainer, die dazu gezwungen sind, Mittel zu finden, um sich gegen die Invasion zu sch&#252;tzen, und die Aufst&#228;ndischen des Warschauer Ghettos 1943 miteinander zu vergleichen. Mit dem R&#252;cken zur Wand, fast ohne &#228;ussere Unterst&#252;tzung und zu einem sicheren Tod verurteilt, bevorzugten es die Juden im Ghetto, bewaffnet zu sterben. Die Ukrainer 2022 haben zum Gl&#252;ck mehr als eine einzige Option.)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sollte die Frage legitim sein, so stellt sie sich auch im Sommer 1914 unter dem Feuer der deutschen Kanonen den Bewohnern der belgischen D&#246;rfer, wo der Invasor tausende Zivilisten erschoss und Millionen dazu zwang, in die nicht besetzten Gebiete Frankreichs zu fl&#252;chten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Darauf an Stelle der Ukrainer zu antworten, w&#228;re unm&#246;glich und zudem fast ohne die geringste praktische Folge. Wir haben keine unmittelbare L&#246;sung f&#252;r die Dringlichkeiten der Welt und die kommunistischen Minderheiten haben nicht die Kapazit&#228;t, mehr zu tun als die Proletarier selbst in den Situationen und L&#228;ndern, in welchen sie sich befinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gegen&#252;ber dem russischen Angreifer ist ein kollektiver Widerstand aufgebaut worden, eine gegenseitige Hilfe zwischen D&#246;rfern und Quartieren mit basisdemokratischen Aspekten, es bilden sich Bataillone Freiwilliger, Milit&#228;r- und Spitalzentren werden er&#246;ffnet, Fl&#252;chtlinge empfangen, manchmal werden die offiziellen Hierarchien umgangen, auch mit Tausch (eines Waffenlagers gegen ein Fahrzeug), ohne Diskontinuit&#228;t zwischen einer &#8222;zivilen&#8220; materiellen Solidarit&#228;t und einer &#8222;bewaffneten&#8220; Selbstverteidigung seiner Stadt und seines Lebens.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine verbreitete Position in den &#8222;radikalen&#8220; Milieus besteht darin, eine Form des revolution&#228;ren Def&#228;tismus zu preisen und zu praktizieren, &lt;i&gt;aber nur in einem der beiden Lager&lt;/i&gt;, in Russland, um seine Kriegsanstrengung zu schw&#228;chen, w&#228;hrenddessen gleichzeitig innerhalb der Ukraine ein mutmasslich autonomer Widerstand unterst&#252;tzt oder sich ihm angeschlossen und versucht wird, ihn auszuweiten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch diese vielgestaltige Reaktion ist parallel zur Milit&#228;rhandlung des Staates, sie komplettiert sie, und sehr wenige Teilnehmer daran haben zum Ziel, sie zu ersetzen. Die Hoffnung, dass sich in der Ukraine eine direkte Demokratie dank der Selbstorganisation des Widerstandes verbreitet, st&#252;tzt sich auf keine konkrete Tatsache. Die Situation ist so, wie sie ist, es ist unm&#246;glich, die Bev&#246;lkerung bewaffnet zu besch&#252;tzen, ohne sich auf den Staat zu st&#252;tzen und ihn, ob man will oder nicht, zu st&#252;tzen. Es gibt kein neben dem Staat k&#228;mpfendes ukrainisches Volk, das nicht von ihm beherrscht oder flankiert w&#228;re. Diesbez&#252;glich ist die Anspielung auf den Spanienkrieg besonders ungl&#252;cklich: Im Sommer 1936 wurden jene Anarchisten, welche den Fortbestand einer b&#252;rgerlichen Regierung unter dem Vorwand akzeptierten, sie h&#228;tte nicht die wirkliche Macht gehabt, die sei in den H&#228;nden der den Krieg gegen Franco mithilfe ihrer autonomen Organisationen f&#252;hrenden Volksmassen gewesen, weniger als ein Jahr sp&#228;ter grausam widerlegt. Mai 1937 zeigte, wer die Macht hatte: Die Republik schlug die Radikalsten nieder, schaltete die Arbeitermilizen gleich, transformierte die aufst&#228;ndische Bewegung definitiv in einen Frontenkrieg und gewann somit die Partie gegen die Proletarier, bevor sie sie gegen Franco verlor.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es war 1914 nicht aus chauvinistischem Bellizismus, dass fast alle sozialistischen Parteien den Burgfrieden akzeptierten, sondern im Namen des Volksinteresses (und somit jenes des Proletariats) und somit seines Rechts, sich gegen den Invasor zu verteidigen. Einige empfehlen 2022, w&#228;hrend sie eingestehen, dass sich in der Ukraine zwei Imperialismen einander entgegenstehen, ein Lager (da demokratisch und angegriffen) gegen das andere (da diktatorisch und Angreifer) zu unterst&#252;tzen. Die Geschichte stottert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sind weder pazifistisch noch gewaltfrei: Der revolution&#228;re Umsturz der Gesellschaft erfordert Waffengewalt. Doch ein bewaffneter Kampf, sogar wenn er selbstorganisiert ist, reicht nicht, um die Grundlagen einer Gesellschaft in Frage zu stellen. Durch sich selbst wird eine Partisanenbewegung zwar, sogar wenn sie sehr zahlreich ist, zur feindlichen Niederlage beitragen, ohne jedoch dadurch eine Revolution auszul&#246;sen. Es ist nicht erstaunlich, dass die Priorit&#228;t f&#252;r gewisse unserer ukrainischen Genossen der R&#252;ckzug des Invasors ist, doch wenn sie sich davon eine tiefe gesellschaftliche Transformation erhoffen, so d&#252;rfte bezweifelt werden, dass die nationale Einheit sie beg&#252;nstigt: &#8222;Das Volk&#8220;, das alle Ukrainer klassenunabh&#228;ngig umfasst (nur die Kollaborateure mit dem Feind sind gegebenenfalls davon ausgeschlossen), wird sich nach dem Krieg nicht gegen die Interessen der Besitzenden wenden. Im besten Falle wird er einige Reformen zur Folge haben, sicher nicht eine breite direkte Demokratie oder Ver&#228;nderungen der Strukturen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es w&#228;re etwas anderes, wenn Gruppen auftauchen w&#252;rden, die sich an die Spitze des Widerstands in Richtung einer Situation der &#8222;Doppelmacht&#8220; setzen und schliesslich nicht nur der (ihrerseits von innen durch Tiefschl&#228;ge geschw&#228;chten oder gar von Meutereien untergrabenen) russischen Armee die Stirn bieten w&#252;rden, sondern auch jener eines ukrainischen Staates, welcher ebenfalls von innen in Frage gestellt wird. So weit sind wir nicht. Es gibt in der Ukraine nicht drei streitende Kr&#228;fte: der russische Invasor, die offizielle Armee und &lt;i&gt;dar&#252;ber hinaus&lt;/i&gt; einen autonomen Volkswiderstand, der in der Lage ist, sich auszuweiten. Er h&#228;tte &#252;brigens, insofern als er sich weder in die regul&#228;ren Truppen noch in die Territorialverteidigung einreiht, weder Zugang zu f&#252;r den Kampfausgang entscheidenden Waffen (z.B. Panzerabwehrraketen), noch zu einer unentbehrlich gewordenen Logistik (Munition, Treibstoff, Nahrung, Evakuierung der Verletzten usw.) und w&#252;rde nur eine Nebenrolle spielen. Der Widerstand und der Maquis trugen zur deutschen Niederlage bei, aber Frankreich wurde von den alliierten Armeen befreit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie jede schlimme Krise setzt ein Krieg die Grundlagen einer Gesellschaft in Bewegung, doch er l&#228;sst Br&#252;che wieder zusammenwachsen, genau wie er Spaltungen vertieft, und alles kann dabei herauskommen unter der Bedingung, dass es als L&#246;sung erscheinen kann: die bolschewistische Partei in Russland 1917, die Faschisten in Italien 1922. Der Schock eines Krieges f&#252;hrt nicht ipso facto zu einer Reaktion gegen den Krieg &#8211; die absolut entgegengesetzte Formen annehmen kann, revolution&#228;r, konservativ oder reaktion&#228;r. Genau vor hundert Jahren behauptete Lenin, der auf dem Gebiet des revolution&#228;ren Def&#228;tismus aus Erfahrung sprach, &#8222;die Vaterlandsfrage&#8220; sei dazu bestimmt, dass &#8222;die gewaltige Mehrheit der Werkt&#228;tigen [sie] unausweichlich zugunsten ihrer Bourgeoisie entscheiden wird&#8220;. Das vergangene Jahrhundert hat ihm eher recht gegeben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist im angreifenden Land, wo die Formel Liebknechts eine praktische Bedeutung hat. Nach 1918 unterbrachen die Hafenarbeiter verschiedener europ&#228;ischer L&#228;nder Waffenlieferungen an die weissen Russen. In kleinerem Massstab fiel 2003 w&#228;hrend des Irakkriegs in Grossbritannien eine Mobilisierung zur Blockade von Milit&#228;rbasen mit der Weigerung der Eisenbahner zusammen, Material f&#252;r die Armee zu transportieren. 2022 zerst&#246;rten russische Anarchisten Rekrutierungszentren der Armee, weissrussische Eisenbahner sabotierten Schienenstr&#228;nge, die den Transport von russischen Truppen und russischem Material in Richtung Ukraine sicherten, und die amerikanischen, schwedischen und britischen Hafenarbeiter leisteten Widerstand gegen die Entladung russischer Schiffe. Wenn diese Bewegungen weitergehen k&#246;nnten und sich in Russland und unter den Invasionstruppen eine Ablehnung eines aufgrund einer blockierten Situation auf dem Schlachtfeld und der R&#252;ckkehr zu vieler &#8222;Zinks&#228;rge&#8220; unbeliebten Krieges ausbreitet, dann w&#252;rden Meutereien oder gar Verbr&#252;derungen m&#246;glich. Bis heute (Juni 2022) ist es (noch?) nicht der Fall.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Otto R&#252;hle schrieb 1940: &#8222;Die Frage, mit der wir heute konfrontiert sind, ist, ob Liebknechts Losung &#8218;Der Hauptfeind steht im eigenen Land!&#8216; heute genauso gilt f&#252;r den Klassenkampf wie 1914.&#8220; Darauf antwortete er: &#8222;Unabh&#228;ngig davon, welchem Lager sich das Proletariat andient, wird es unter den Besiegten sein. Deshalb darf es sich weder auf die Seite der Demokratien noch auf die der Totalit&#228;ren stellen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;G.D., Juni 2022&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://www.troploin.fr/node/104&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;* * *&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Literaturverzeichnis&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r eine pr&#228;zise Analyse der Ausl&#246;sung und des Ablaufs des Krieges: Tristan Leoni, &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Tristan-Leoni-Adieu-Leben-Adieu-Liebe-Ukraine-Krieg-und-Selbstorganisation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;&lt;/a&gt;&lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Tristan-Leoni-Adieu-Leben-Adieu-Liebe-Ukraine-Krieg-und-Selbstorganisation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Adieu Leben, Adieu Liebe &#8230; Ukraine, Krieg und Selbstorganisation&lt;/a&gt;&lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Tristan-Leoni-Adieu-Leben-Adieu-Liebe-Ukraine-Krieg-und-Selbstorganisation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://troploin.fr/node/18&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;L'Appel du vide&lt;/a&gt;&#8220;, 2003.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://troploin.fr/node/26&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Demain, orage. Essai sur une crise qui vient&lt;/a&gt;&#8220;, 2007.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=2158&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;La Nation dans tout son &#233;tat&lt;/a&gt;&#8220;, 2019.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tristan Leoni, &lt;i&gt;Manu militari&lt;/i&gt;, Le Monde &#224; l'envers, 2020 (2018).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://communaut.org/de/ukraine-korrespondenzen-teil-i-und-ii&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Ukraine-Korrespondenz&#8220;, Teil 1&lt;/a&gt;, 18. M&#228;rz 2022.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jean-Numa Ducange, &lt;i&gt;Quand la Gauche pensait la Nation: Nationalit&#233;s et socialismes &#224; la&lt;/i&gt; &lt;i&gt;Belle &#201;poque&lt;/i&gt;, Fayard, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://archivesautonomies.org/spip.php?rubrique367&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Zu den Internationalisten des dritten Lagers, 1940-1952&lt;/a&gt; (&#8222;Gruppen, die sich mit der Verweigerung jeglicher Unterst&#252;tzung f&#252;r irgendein imperialistisches Lager auszeichnen&#8220;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Il Lato cattivo, &lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=19975&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Du moins, si l'on veut &#234;tre mat&#233;rialiste&#8220;&lt;/a&gt;, 2. M&#228;rz 2022.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://pcint.org/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Texte der Internationalen Kommunistischen Partei&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://communaut.org/de/fragmente-zum-krieg&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Krieg in der Ukraine &#8211; Fragmente einer Diskussion bei den Angry Workers&lt;/a&gt;&#8220;, 10. M&#228;rz 2022.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zur Ersten und Zweiten Internationalen in Anbetracht des Krieges 1870 und 1914, siehe Anh&#228;nge I und II von &lt;a href=&#034;https://troploin.fr/node/31&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;10 + 1 questions sur la guerre du Kosovo&#8220;&lt;/a&gt;, 1999-2010.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Karl Liebknecht, &lt;a href=&#034;https://www.marxists.org/deutsch/archiv/liebknechtk/1915/05/feind.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;&lt;/a&gt;&lt;a href=&#034;https://www.marxists.org/deutsch/archiv/liebknechtk/1915/05/feind.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Der Hauptfeind steht im eigenen Land!&#8220;&lt;/a&gt;, Mai 1915.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Friedrich Engels, &lt;a href=&#034;http://www.mlwerke.de/me/me21/me21_346.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;&lt;/a&gt;[Einleitung [zu Sigismund Borkheims Brosch&#252;re &#8218;Zur Erinnerung f&#252;r die deutschen Mordspatrioten. 1806-1807&#8216;]&#8220;-&gt;&lt;a href=&#034;http://www.mlwerke.de/me/me21/me21_346.htm&#034; class=&#034;spip_url spip_out auto&#034; rel=&#034;nofollow external&#034;&gt;http://www.mlwerke.de/me/me21/me21_346.htm&lt;/a&gt;], 1887.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Georges Haupt, &lt;i&gt;L'Historien &lt;/i&gt;&lt;i&gt;et&lt;/i&gt;&lt;i&gt; le &lt;/i&gt;&lt;i&gt;M&lt;/i&gt;&lt;i&gt;ouvement social&lt;/i&gt;, Maspero, 1980. Kapitel 6 und 7.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Rosa Luxemburg, &lt;a href=&#034;https://www.marxists.org/deutsch/archiv/luxemburg/1916/junius/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Die Krise der Sozialdemokratie (&#8222;Junius&#8220;-Brosch&#252;re)&lt;/a&gt;, 1915, Kapitel 8.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Lenin, &lt;a href=&#034;https://www.marxists.org/deutsch/archiv/lenin/1916/10/16-juniu.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;&#220;ber die &#8218;Junius&#8216;-Brosch&#252;re&#8220;&lt;/a&gt;, Juli 1916.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Timothy Snyder, &lt;i&gt;The Reconstruction of Nations. Poland, Ukraine, Lithuania, Belarus 1569-1999&lt;/i&gt;, Yale University Press, 2003.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Serhii Plockty, &lt;i&gt;The Gates of Europe. A History of Ukraine&lt;/i&gt;, Basic Books, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Norman Davies, &lt;i&gt;White Eagle, Red Star: The Polish-Soviet War 1919-20&lt;/i&gt;, Pimlico, 2003.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu Bandera: Stephen Dorril, &lt;i&gt;MI 6. Inside the Covert World of Her Majesty's Secret Service&lt;/i&gt;, Simon &amp; Schuster, 2002, Kapitel 14.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tim Judah, &lt;i&gt;In Wartime. Stories from Ukraine&lt;/i&gt;, Penguin, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Richard Sakwa, &lt;i&gt;Frontline Ukraine: Crisis in the Borderlands&lt;/i&gt;, Tauris, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Emmanuel Todd, &lt;i&gt;Weltmacht USA. Ein Nachruf&lt;/i&gt;, Piper Verlag, 2003 (2002).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Max Hastings, &lt;i&gt;Catastrophe 1914: Europe Goes to War&lt;/i&gt;, W. Collins, 2014. Von den Urspr&#252;ngen des Krieges bis Dezember 1914.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum Deichbruch des Gelben Flusses 1938: Rana Mitter, &lt;i&gt;China's War with Japan 1937-1945&lt;/i&gt;, Penguin, 2014, S. 157-162.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu den Beziehungen zwischen der NATO, Russland und der Ukraine: Tariq Ali, &#8222;Before the War&#8220;, &lt;i&gt;London Review&lt;/i&gt; &lt;i&gt;of Books&lt;/i&gt;, 24. M&#228;rz 2022.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zur milit&#228;rischen Strategie der USA: Jerry Broown, &#8222;Washington's Crackpot Realism&#8220;, &lt;i&gt;New York Review of Books&lt;/i&gt;, 24. M&#228;rz 2022.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zur M&#246;glichkeit eines Atomkrieges: Tom Stevenson, &#8220;A Tiny Sun&#8221;, &lt;i&gt;London Review of&lt;/i&gt; &lt;i&gt;Books&lt;/i&gt;, 24. Februar 2022.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Otto R&#252;hle, &lt;a href=&#034;https://www.marxists.org/archive/ruhle/1940/ruhle01.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Which Side to Take?&#8220;&lt;/a&gt;, 1940.&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Der Kaiser Wilhelm II. an den K&#246;nig der Belgier, November 1913.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;10 + 1 questions sur la guerre du Kosovo&#8220;, 1999.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Marina Owsjannikowa unterbricht die Fernsehnachrichten eines der russischen Hauptsender, 14. M&#228;rz 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;La Nation dans tout son &#233;tat&#8220;, 2019.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Internationale Kommunistische Partei, 24. Februar 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Marx, &lt;i&gt;Resultate des unmittelbaren Produktionsprozesses&lt;/i&gt;, 1867.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Richard Sawka.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Brief an Bebel, 22. Dezember 1882 in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 35, S. 416.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Friedrich Engels, &#8222;Einleitung [zu Sigismund Borkheims Brosch&#252;re &#8218;Zur Erinnerung f&#252;r die deutschen Mordspatrioten. 1806-1807&#8216;]&#8220; in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 21, S. 350-351.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Brief an Paul Lafargue, 25. M&#228;rz 1889 in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 37, S. 171.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Brief an Marx, 26. September 1851 in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 27, S. 353.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Brief an Bebel, 13. September 1886 in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 36, S. 526.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Lenin, &#8222;Die revolution&#228;ren Marxisten auf der internationalen sozialistischen Konferenz vom 5.-8. September 1915&#8220; in &lt;i&gt;Sozialdemokrat&lt;/i&gt;, Nr. 45/46, 11. Oktober 1915. Nach &lt;i&gt;S&#228;mtliche Werke&lt;/i&gt;, Bd. 18, Wien-Berlin 1929, S. 400-404.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Il Lato cattivo, 2. M&#228;rz 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Tristan Leoni - Adieu Leben, Adieu Liebe &#8230; Ukraine, Krieg und Selbstorganisation</title>
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		<dc:subject>Tristan Leoni</dc:subject>

		<description>
&lt;p&gt;So viel gutes Blut hat diese Erde getrunken, Blut von Arbeitern und Blut von Bauern, Weil die Banditen, die Kriege verursachen, Niemals dabei sterben, man t&#246;tet nur die Unschuldigen! &lt;br class='autobr' /&gt;
Um die Ungewissheit des Schlachtfeldes zu evozieren, sprach Clausewitz vom &#8222;Nebel des Krieges&#8220;, der Begriff k&#246;nnte genauso gut auf die mediale Lawine angewandt werden, die wir seit dem 24. Februar 2022 bez&#252;glich der Ukraine erleben. Die beiden Lager liefern sich einen ziemlich klassischen Propaganda- und (...)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Ukraine-Krieg" rel="tag"&gt;Ukraine-Krieg&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Tristan-Leoni" rel="tag"&gt;Tristan Leoni&lt;/a&gt;

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 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/arton82.jpg?1689210820' class='spip_logo spip_logo_right' width='111' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;So viel gutes Blut hat diese Erde getrunken,&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Blut von Arbeitern und Blut von Bauern,&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Weil die Banditen, die Kriege verursachen,&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Niemals dabei sterben, man t&#246;tet nur die Unschuldigen!&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Mont&#233;hus, La Butte rouge, 1923.&#034; id=&#034;nh2-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Um die Ungewissheit des Schlachtfeldes zu evozieren, sprach Clausewitz vom &#8222;Nebel des Krieges&#8220;, der Begriff k&#246;nnte genauso gut auf die mediale Lawine angewandt werden, die wir seit dem 24. Februar 2022 bez&#252;glich der Ukraine erleben. Die beiden Lager liefern sich einen ziemlich klassischen Propaganda- und Bilderkrieg, der auf noch nie dagewesene Art und Weise durch die sozialen Netzwerke verst&#228;rkt wird. Von diesem Standpunkt aus sind die Ukrainer im Vorteil; viele Bilder sind auf ihrer Seite verf&#252;gbar (aufgenommen von Zivilisten oder Journalisten), viel weniger auf russischer Seite (keine Smartphones f&#252;r die Soldaten, keine Zivilisten, kaum Journalisten). Daher kam am Anfang die &#220;berf&#252;lle an zerst&#246;rten russischen Fahrzeugen. Das ist es, was die Abendl&#228;nder (wir) sehen, doch es handelt sich nur &lt;i&gt;um einen Teil&lt;/i&gt; der Realit&#228;t. Umso mehr, weil die Algorithmen unsere jeweiligen kognitiven Verzerrungen verst&#228;rken, sie dr&#228;ngen uns dazu, jene Informationen zu beg&#252;nstigen, welche unsere Meinungen und Vorannahmen best&#228;tigen: Das ist das &#8222;Diagoras-Problem&#8220;, aber in Kriegszeiten wird dieses allt&#228;gliche Los exzessiv, erstickend. Es ist nicht einfach, die notwendige Distanz und einen gen&#252;gend k&#252;hlen Kopf zu bewahren, um zu verstehen, was geschieht, und eventuell dementsprechend zu handeln: Das ist es noch weniger, wenn man in einem kriegf&#252;hrenden oder am Krieg beteiligten Land lebt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Zwei glorreiche Halunken&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Keine Angst, die gehen raus.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ein ukrainischer Soldat, der einen franz&#246;sischen Journalisten bez&#252;glich (...)&#034; id=&#034;nh2-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Russland ist in der Ukraine eingefallen und nicht umgekehrt. Der Unterschied zwischen &#8222;Angreifer&#8220; und &#8222;Angegriffenen&#8220; ist jedoch, so wichtig er auch sein mag, kein hinreichendes Kriterium, um die Situation zu verstehen. Der Demokrat und der Autorit&#228;re, der Nette und der B&#246;se usw.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Am 28. Juli 1914 erkl&#228;rt das m&#228;chtige &#214;sterreich-Ungarn (50 Millionen Einwohner) nach der Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand dem kleinen Serbien (zehnmal weniger Einwohner) den Krieg. In den darauffolgenden Tagen treten alle europ&#228;ischen M&#228;chte durch das B&#252;ndnisspiel in den Krieg ein und eines der Argumente Frankreichs und Englands ist die Verteidigung des Schwachen gegen den Starken. &#8222;Niemand kann in gutem Glauben davon ausgehen, dass wir die Angreifer sind&#8220;, erkl&#228;rt Ren&#233; Viviani, Regierungschef einer sehr demokratischen franz&#246;sischen Republik, der das zwangsl&#228;ufig despotische und grausame Deutschland gerade den Krieg erkl&#228;rt hat. Obwohl die Sozialdemokraten (und sogar einige Anarchisten wie z.B. Kropotkin) aller L&#228;nder grossmehrheitlich diese Erz&#228;hlung und jeweils die Burgfriedenspolitik mittragen, verweigert sich die Sozialistische Partei Serbiens der Landesverteidigung und stimmt gegen die Kriegskredite. Im Jahr 1914 ist es selten, dass Revolution&#228;re nicht der Kriegspropaganda erliegen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Erw&#228;hnen kann man z. B. die Bolschewiken und die Menschewiken in Russland, (...)&#034; id=&#034;nh2-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber man kann die Ursachen des Ersten Weltkrieges nicht mehr auf diese Art und Weise erkl&#228;ren. Der Ausl&#246;ser oder ausl&#246;sende Zwischenfall eines Konflikts ist nur ein Element in einer viel komplexeren Gesamtsituation&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Im September 1939 erkl&#228;ren Grossbritannien und Frankreich Deutschland den (...)&#034; id=&#034;nh2-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Jedes Land kann legitimerweise behaupten, dass es sich verteidigt, das &#252;berfallene gegen den Invasoren nat&#252;rlich, aber auch der Invasor, der interveniert, um einen Dritten daran zu hindern, das &#252;berfallene Land zu besetzen, zu beherrschen oder zu manipulieren. Die UdSSR handelte 1956 in Ungarn so, Grossbritannien und Frankreich in &#196;gypten im gleichen Jahr, die USA in Vietnam, die UdSSR in Afghanistan usw. Die Schwachen existieren nur durch die Starken, die sie gegen andere Starke besch&#252;tzen, und jeder verteidigt sich, um seinen Nachbarn daran zu hindern, ihn anzugreifen oder als Basis daf&#252;r zu dienen.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie so viele vor ihm ist der sich heute auf dem ukrainischen Territorium abspielende Krieg Teil einer breiteren Konfrontation zwischen grossen Bl&#246;cken; und die Charakterisierung der beteiligten Regime (demokratisch oder nicht) ist (wie gewohnt) anekdotisch.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Westen beklagen gute Geister die Tatsache, dass w&#228;hrend dem Zerfall des Warschauer Pakts nach der Aufl&#246;sung der UdSSR 1991 die USA, statt die NATO aufzul&#246;sen, dieses milit&#228;rische B&#252;ndnis progressiv erweitert und sogar die meisten ehemaligen Satellitenstaaten der UdSSR daran beteiligt haben. Wie w&#252;rden die USA reagieren, falls Mexiko oder Kanada sich einem gegen sie gerichteten milit&#228;rischen B&#252;ndnis anschl&#246;ssen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es gen&#252;gt, zum Zeitpunkt, wo wir diese Zeilen schreiben, die von den USA (...)&#034; id=&#034;nh2-5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;? Im Jahr 2022 hat die russische Invasion den Vorteil, die Ausweitung der NATO zu rechtfertigen und fortzusetzen (Schweden, Finnland).&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Problem liegt nicht hier. Es war selbstverst&#228;ndlich f&#252;r die USA (und ihre Verb&#252;ndeten), von der Gelegenheit des Verschwindens der UdSSR zu profitieren, um ihre Interessen durchzusetzen und die russische Macht zu beschr&#228;nken. Genau wie die UdSSR es in der Vergangenheit auch jedes Mal tat, wenn sie es konnte. Die Ukraine ist strategisch ein viel zu wichtiges Territorium (insbesondere der Osten und der S&#252;den des Landes), als dass das eine oder das andere Lager akzeptierte, es leichtfertig aufzugeben (Bev&#246;lkerungs- und somit proletarische Massen, Industrien, Bew&#228;sserung, etliche bestehende oder potenzielle Rohstoffe auch unter dem Schwarzen Meer, Zugang dazu und Kontrolle dar&#252;ber usw.).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Kein Krieg. Glaubt der Propaganda nicht. Hier werdet ihr belogen.&#8220; Es brauchte Mut f&#252;r Marina Owsjannikowa am 14. M&#228;rz 2022, um es zu wagen, &#246;ffentlich den von ihrem Land gef&#252;hrten Krieg zu verurteilen. Es ist fraglich, ob die Fernsehnachrichten eines grossen franz&#246;sischen Senders eines Tages um 20 Uhr durch eine unangebrachte Hinterfragung der westlichen Kriegspropaganda unterbrochen werden k&#246;nnen. Gibt es vielleicht mehr Pazifisten in Moskau als in Paris?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Rudyard Kipling hat vielleicht nie geschrieben, dass &#8222;die Wahrheit [&#8230;] das erste Opfer des Krieges [ist]&#8220;, &lt;i&gt;aber trotzdem&lt;/i&gt;&#8230; Man konnte freilich damit rechnen, aber es ist erstaunlich, die Geschwindigkeit festzustellen, mit welcher die Medien in jedem Land einen Konsens ausdr&#252;cken, welcher der Politik der Regierenden entspricht&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zu dieser Frage, mit den Beispielen der Kriege im Kosovo, im Irak, in (...)&#034; id=&#034;nh2-6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die mehr oder weniger allgemeine Akzeptanz der staatlichen Verwaltung der Covid-19-Krise seitens der Bev&#246;lkerungen hat minorit&#228;re und trotzdem mit einem gewissen Echo wiederholte Akte des Protestes nicht verhindert. Der Krieg hingegen erschafft nicht nur eine Unterwerfung, sondern eine Zustimmung &#8211; auf jeden Fall so lange sich der Konflikt nicht bis zu einem Punkt in die L&#228;nge zieht, wo die Ziele als immer weniger glaubw&#252;rdig erscheinen. Es ist n&#228;mlich bekannt, dass man 2022 nicht mehr Dutzende Millionen M&#228;nner einberuft: Man mobilisiert hunderte Millionen Zuschauer vor ihren Bildschirmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Paris oder in Marseille sind alle gegen den Krieg &#8211; aber w&#252;nschen sich den Sieg der Ukraine, fordern, dass man ihr mehr Waffen liefert oder sogar, dass man franz&#246;sische Soldaten dorthin schickt. Die &#8222;pazifistischen&#8220; Kundgebungen in den Farben Gelb und Blau sind ziemlich ruhig und &#252;berschaubar im Vergleich zu den heftigen Demonstrationen gegen den Krieg 2003, wo sich, man sollte es nicht vergessen, niemand den Sieg des Iraks w&#252;nschte, niemand schlug vor, Bagdad Waffen zu liefern, damit die amerikanischen Flugzeuge abgeschossen werden k&#246;nnen. Es ist wahr, dass diese sehr spezielle Spezialoperation offiziell zum Ziel hatte, das Land zu entbaathifizieren und zu demilitarisieren, gegen den Terrorismus zu k&#228;mpfen, ein Volk zu befreien und ihm die Demokratie zu bringen. Man verliert sich darin ein bisschen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Aber warum also?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;- Es ist ein Krieg gegen den Faschismus &#8230;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;- Es ist ein Krieg. Mit seinen tieferen Ursachen, seinen historischen Gr&#252;nden, seine Erkl&#228;rungen. Der Nationalismus, der Versailler Vertrag, die Rivalit&#228;ten zwischen expansionistischen Industriem&#228;chten.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Louis Mercier Vega, Reisende ohne Namen, Nautilus, 1997 (1936), S. 78.&#034; id=&#034;nh2-7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Warum also hat Russland diese Operation lanciert, deren Folgen katastrophal sein werden, auch f&#252;r Russland selbst? Was war sein Interesse?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schliessen wir zuerst die psychologisierenden oder pathologisierenden Erkl&#228;rungen aus, die im Moment sehr in Mode sind, sobald es darum geht, von einem Gegner zu sprechen; die Senilit&#228;t oder die geistige Verwirrung irgendeines politischen F&#252;hrers erkl&#228;ren nichts; schliessen wir auch die Personalisierung aus, denn man steht nie allein an der Spitze.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Geschichte zeigt uns, dass die Ausl&#246;sung des Krieges, dieses &#8222;Wahnsinns&#8220;, in Wirklichkeit zu einem gegebenen Zeitpunkt jene Option f&#252;r einen Staat ist, welche als die vern&#252;nftigste erscheint; doch die Interessen der F&#252;hrungsschichten unterscheiden sich stark von jenen der ehrlichen Leute und der Proletarier.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Halten wir zuerst fest, dass, obwohl die Drohung in der Luft lag, die Lancierung dieser Operation und allen voran ihr Ausmass fast die Gesamtheit der Beobachter und Spezialisten &#252;berraschten. Die Invasion der Ukraine war in Betracht gezogen und geplant worden (die F&#252;hrungsst&#228;be machen immer Pl&#228;ne f&#252;r die verschiedensten Situationen) und folgte auf riesige Man&#246;ver in Weissrussland. Aber es ist alles andere als sicher, dass die Operation wirklich &lt;i&gt;gew&#228;hlt&lt;/i&gt; wurde und noch weniger das Datum ihrer Lancierung; sie hat sich vielleicht den russischen Anf&#252;hrern &lt;i&gt;aufgedr&#228;ngt&lt;/i&gt; aufgrund einer komplexen Verkettung von Umst&#228;nden, welche die Konfrontation zwischen der NATO und Russland (vor allem seit 2014) als Rahmen haben und in welcher man folgende Elemente findet:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; die Rivalit&#228;t zwischen den USA und Russland bez&#252;glich der Energieversorgung Europas;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; die verst&#228;rkte Truppenstationierung durch die NATO in der Region in den letzten Jahren (baltische L&#228;nder, Polen und Rum&#228;nien);&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; vermehrte westliche Waffenlieferungen an die Ukraine 2021 und somit das Erstarken der ukrainischen Armee, die k&#252;nftig (aber wann?) stark genug sein k&#246;nnte, um die sezessionistischen Territorien im Donbass zur&#252;ckzuerobern oder zumindest um sich effizient einer erneuten russischen Invasion entgegenzustellen;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; die Entwicklung und das Scheitern der Verhandlungen &#252;ber den Status der Ukraine (Neutralit&#228;t? Demilitarisierung? Beitritt zur NATO?) und des Donbass (Autonomie? Unabh&#228;ngigkeit?), auch in den Wochen vor der Offensive;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; die Erkl&#228;rungen Joe Bidens, der, w&#228;hrend die USA die unmittelbar bevorstehende russische Invasion verurteilen, ank&#252;ndigt, er habe &#8222;nicht die Absicht, amerikanische oder NATO-Truppen in die Ukraine zu entsenden&#8220; (25. Januar 2022) &#8211; was in der Diplomatie als &#8222;genehmigt&#8220; interpretiert werden kann&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Man weiss heute, dass die amerikanische Diplomatie 1990, einige Wochen vor (...)&#034; id=&#034;nh2-8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; europ&#228;ische L&#228;nder, die als schwach, gespalten und zu abh&#228;ngig von Russland erscheinen, um gegen das Land neue Wirtschaftssanktionen zu verh&#228;ngen;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; Elemente, die wir nicht zur Verf&#252;gung haben &#8211; gewisse Experten sprechen von einem m&#246;glichen Sinneswandel Russlands zwischen dem 21. und dem 23. Februar;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; ein Gelegenheitsfenster, das sich zu schliessen scheint: &#8222;Jetzt oder nie!&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Betracht gezogen als M&#246;glichkeit und angedroht im diplomatischen Poker wurde die Invasion der Ukraine wahrscheinlich entschieden und dann verschoben, vielleicht mehrere Male; die finale Entscheidung wurde wahrscheinlich erst im letzten Moment getroffen, mehrere Wochen wurden verloren, was die sehr schlechten Wetterbedingungen w&#228;hrend der Periode der &lt;i&gt;rasputiza&lt;/i&gt; erkl&#228;rt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Verlauf der Operationen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Kein Plan &#252;berlebt die erste Feindber&#252;hrung.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Helmuth Karl Bernhard von Moltke, preussischer Generalfeldmarschall (1800-1891).&#034; id=&#034;nh2-9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Was die &#8222;informierten&#8220; Beobachter besonders &#252;berrascht, ist die Tatsache, dass es vor der russischen Bodenoffensive nur w&#228;hrend einigen Stunden zu Luft- und Raketenangriffen kam, welche Kasernen, Luftst&#252;tzpunkte, Luftabwehrsysteme und ukrainische Radarsysteme zum Ziel hatten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die amerikanische Armee und ihre westlichen Aushilfskr&#228;fte riskieren (...)&#034; id=&#034;nh2-10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Rest ist die K&#252;hnheit des urspr&#252;nglichen Planes (der einem gewagten W&#252;rfelwurf in einem Kriegsspiel &#228;hnelt). Zu diesem Zeitpunkt ist das Ziel wahrscheinlich eine Kapitulation der Ukraine in einigen Tagen nach einer grossen Hubschrauberoperation gegen einen Flughafen in der Vorstadt Kiews zur &#214;ffnung eines Korridors f&#252;r ein schnelles Eindringen von Panzern, die Eroberung der Hauptstadt und der Sturz der Regierung. Obwohl die Fallschirmj&#228;ger sehr wohl den Flughafen erobern, scheitert die Operation, weil sie durch einen Gegenangriff niedergewalzt werden. Gleichzeitig &#252;berqueren an mehreren Punkten Panzerkolonnen die Grenzen und dringen &#252;berall ins Land ein, aber ohne Vorsicht oder Schutz, ohne taktische Luftunterst&#252;tzung und vor allem, eine andere &#220;berraschung, ohne Vorbereitung oder Artillerieunterst&#252;tzung; trotz der Tatsache, dass &#8222;die russische Armee&#8220; als Erbin der sowjetischen Doktrin &#8222;vorwiegend eine grosse rollende Artillerie und eine glatte Bomben abwerfende Luftschlagkraft ist&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Michel Goya.&#034; id=&#034;nh2-11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es kommt auch weder zur Zerst&#246;rung strategischer Standorte, noch der Infrastruktur zur Stromversorgung oder Kommunikation (in Serbien hatte die NATO 1999 die Kraftwerke und die Br&#252;cken angegriffen). Was auch immer die westlichen Medien sagen m&#246;gen, Russland f&#252;hrt in den ersten zwei Wochen seiner Offensive einen relativ &#8222;zur&#252;ckhaltenden&#8220; Krieg. Das kann durch den medialen Druck, aber auch durch den Willen Russlands erkl&#228;rt werden, die Infrastrukturen und die Schwerindustrie in jenen Gebieten zu erhalten, welche es annektieren m&#246;chte, und vor allem durch die Absicht, eine russischsprachige Bev&#246;lkerung zu schonen, von welcher es sich einen herzlichen Empfang erhofft und die es, so wird es offiziell behauptet, vom Nazijoch befreien will. Doch diese Strategie scheitert letztendlich. Die Analysen des russischen Nachrichtendienstes sind komplett falsch: Die Bev&#246;lkerung erweist sich als feindlich gegen&#252;ber den Soldaten und improvisiert manchmal Akte des bewaffneten Widerstandes (Wurf von Molotowcocktails). Zudem sieht sich die russische Invasion mit einer ukrainischen Armee konfrontiert, deren Widerstand viel hartn&#228;ckiger ist als geplant. Das liegt vorweg an der Tatsache, dass die russische Armee von keinem &#220;berraschungseffekt profitiert; obwohl die wochenlangen Man&#246;ver in Weissrussland offensichtlich Unruhe ausgel&#246;st haben, haben die Ukrainer von den amerikanischen Nachrichtendiensten die pr&#228;zisen Details der bevorstehenden Operation erhalten und sich darauf vorbereitet, besonders indem die Truppen und das Material zur Begrenzung der Effekte der ersten russischen Bombenangriffe zerstreut worden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die russischen Panzer- und Versorgungslastwagenkolonnen, die vorr&#252;cken, als ob das Gebiet bereits erobert gewesen w&#228;re, sind mit einer heftigen Guerilla konfrontiert; sie sind ein erlesenes Ziel, weniger f&#252;r bewaffnete Zivilisten als f&#252;r kleine Gruppen von (besonders mit den gef&#252;rchteten amerikanischen oder schwedischen Panzerabwehrraketen Javelin oder NLAW&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Bis zum 23. Februar 2022 waren Einheiten der amerikanischen, britischen (...)&#034; id=&#034;nh2-12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) schwer ausger&#252;steten Milit&#228;rangeh&#246;rigen oder Kampfdrohnen (t&#252;rkische Bayraktar). Das Fortschreiten wird scheinbar auch durch einen Treibstoff-, Nahrungs- oder gar Munitionsmangel gebremst, d. h. durch eine schwache Logistik und/oder zumindest teilweises unvorbereitetes Handeln. Daher kommt eine relativ tiefe Kampfmoral, v.a. nach wochenlangen erm&#252;denden Man&#246;vern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach zwei Wochen K&#228;mpfen, als das Tauwetter und der Schlamm sich ausbreiten und die Stellungen erstarren, beginnen die Angreifer damit, die Artillerie viel weniger gem&#228;ssigt zu benutzen, besonders gegen die Vororte der belagerten St&#228;dte, wo die ukrainische Infanterie positioniert ist. Die russische Luftwaffe wird weiterhin kaum benutzt, sie scheint &#252;ber nur wenig Pr&#228;zisionsmunition zu verf&#252;gen, sie muss also auf Sicht und bei klarem Wetter schiessen, aber das Wetter ist schlecht und die H&#246;chstgrenze sehr tief, die Flugzeuge sind also in der Reichweite der ukrainischen MANPADS (Flugabwehr-Lenkwaffen), welche ihnen heftige Sch&#228;den zuf&#252;gen. Zudem kommt der ukrainischen Armee sehr schnell eine bedeutende Unterst&#252;tzung der NATO zugute, sei es materiell (massive und zunehmende Lieferungen von Waffen und Ausr&#252;stung), hinsichtlich der Ausbildung (dort oder in westlichen L&#228;ndern), logistisch (dort&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Gewisse amerikanische oder britische Spezialkr&#228;fte tendieren leidigerweise (...)&#034; id=&#034;nh2-13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;), aber auch nachrichtendienstlich&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;W&#228;hrend die westlichen &#220;berwachungssatelliten im Einsatz sind, gilt das (...)&#034; id=&#034;nh2-14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sehr schnell sprach man von einem Scheitern oder einer L&#228;hmung der russischen Armee&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wenn man den franz&#246;sischen Medien glauben m&#246;chte, bombardieren die (...)&#034; id=&#034;nh2-15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, ohne jedoch die urspr&#252;nglichen Ziele des Kremls zu kennen; es existiert &#252;brigens ein Unterschied zwischen den politischen Absichten und den milit&#228;rischen Zielen, die weitgreifender als erstere sein m&#252;ssen, um die Bem&#228;chtigung von Stellungen zu erlauben, welche bei k&#252;nftigen Verhandlungen als Tauschobjekt dienen werden. Die Invasion der gesamten Ukraine ist wahrscheinlich nicht das Projekt des Kremls: zu teuer, zu komplex (besonders um das Territorium zu besetzen), w&#228;hrend es f&#252;r ihn praktischer w&#228;re, eine auf ihren westlichen Teil reduzierte Ukraine aufrechtzuerhalten (sei es nur, um dort die Millionen Fl&#252;chtlinge und die Russland am feindlichsten gesinnten Bev&#246;lkerungen aufzunehmen). Die mehr oder weniger verschleierte Annexionsabsicht neuer Provinzen (&#246;stliches Dnieprufer, ein Teil oder die Gesamtheit der Schwarzmeerk&#252;ste) ist wahrscheinlicher. Auf jeden Fall kann Russland, wenn es die Dem&#252;tigung (gegen&#252;ber der Welt und seiner Bev&#246;lkerung) vermeiden will, seine Operation nicht unterbrechen, bevor es nicht ein Minimum an strategischen Stellungen erobert hat.&lt;i&gt; &lt;/i&gt;&#8222;Putin hat auf ein Pferd gesetzt. Er ist eine Wette eingegangen, er hat sie in der ersten Runde verloren. Bis wann wird er den Einsatz erh&#246;hen, um nicht mit leeren Taschen abziehen zu m&#252;ssen? Genau darum geht es. Und der Westen muss verstehen, dass er nicht mit leeren Taschen abziehen kann, denn wenn er den Eindruck hat, dass er mit leeren Taschen abziehen k&#246;nnte, wird er den Einsatz erh&#246;hen. Das ist die Fata Morgana des Sieges, die alle Anf&#252;hrer ergreift, die sich in einer milit&#228;rischen Operation engagieren.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;General Vincent Desportes zitiert im Artikel &#8222;Guerre en Ukraine : quelle (...)&#034; id=&#034;nh2-16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ende M&#228;rz, als sich die L&#228;hmung best&#228;tigt und ein allzu schm&#228;hliches Scheitern verhindert werden muss, ziehen sich die russischen Truppen aus den rund um Kiew eroberten Gebieten und dem Norden des Landes zur&#252;ck und verschieben sich wieder in den Osten. Von nun an bezeichnet der Kreml als Ziel die Vollendung der Eroberung des Donbass und die Sicherstellung einer territorialen Kontinuit&#228;t zwischen diesem Territorium und der Krim, vielleicht sogar mit Transnistrien. Daf&#252;r kn&#252;pfen die russischen Einheiten wieder an ihre klassische Doktrin an und r&#228;umen der Vorbereitung durch Artillerie und die Bombenangriffe aus der Luft einen grossen Platz ein. Ende April r&#252;cken diese Truppen zwar langsam aber methodisch vor; die sowohl mechanische als auch menschliche Konfrontation ist heftig, umso mehr, weil das Kr&#228;fteverh&#228;ltnis nun relativ ausgeglichen ist. Moskau, mit in diesem Krieg ziemlich wenig mobilisierten M&#228;nnern, ungef&#228;hr 200&#8216;000 (gegen 200&#8216;000 bis 300&#8216;000 auf Seiten Kiews), profitiert von einer gewissen &#220;berlegenheit in der Luft (die von den gegnerischen Flugabwehrraketen beschr&#228;nkt wird) und bez&#252;glich der Artillerie (die von den starken Befestigungen der Verteidiger beschr&#228;nkt wird). Wenn es Moskau nicht schafft, den Widerstand im Donbass zu zerschlagen, wird Russland eine andere L&#246;sung finden m&#252;ssen, um nicht das Gesicht zu verlieren &#8211; umso mehr, weil einige nun schon von der M&#246;glichkeit einer Umkehrung der Situation und ukrainischen Offensiven gegen Transnistrien oder die Krim sprechen. Da scheinbar sehr wenige L&#228;nder auf eine Beruhigung der Lage hinarbeiten &#8211; ganz im Gegenteil &#8211;, ist die Gefahr einer Eskalation heute sehr wohl real.&lt;/p&gt;
&lt;h2 class=&#034;spip&#034;&gt;Die Selbstorganisation der Bev&#246;lkerung&lt;/h2&gt;&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Es gibt nunmehr keine Gr&#252;nde mehr, zu k&#228;mpfen, wir haben keine Armee mehr, weder du noch ich, nur noch verschiedenfarbige Lumpen, die bloss noch Uniformen heissen. Wie sehen wir jetzt aus in diesen Lumpen? Es gibt keine Grenzen mehr, keine Regierungen, keine edlen Sachen, somit keine Gr&#252;nde mehr, zu k&#228;mpfen &#8230;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Montgomery Pittman, &#8222;Tag 1 des Jahres 6&#8220;, erste Episode der dritten (...)&#034; id=&#034;nh2-17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Wir haben es gesehen, Russland hatte einen warmen Empfang in den russischsprachigen Regionen im Osten und im S&#252;den des Landes erwartet, doch das Gegenteil geschah. In den ersten Tagen wurde das Gewicht, sei es in den b&#252;rgerlichen Medien oder in den aktivistischen Netzwerken, auf die Mobilisierung der ukrainischen Bev&#246;lkerung gelegt; diese scheint uns zu zwei verschiedenen Feldern zu geh&#246;ren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zuerst einmal die grundlegende materielle Solidarit&#228;t in Anbetracht des Desasters: Unterst&#252;tzung und Beherbergung f&#252;r Fl&#252;chtlinge, die aus den Kampfgebieten fliehen (sie stehen unten an der T&#252;r und kommen aus der Nachbarstadt), Hilfe f&#252;r Verletzte und Leute, die unter den Tr&#252;mmern eines Hauses versch&#252;ttet sind usw. Man organisiert sich so gut es geht, koordiniert mit den Notdiensten, der lokalen Verwaltung, einer NGO oder schlicht mit Nachbarn. Diese Handlungen wurden manchmal als erste Anzeichen f&#252;r eine bei kontinuierlicher Ausbreitung und St&#228;rkung zwangsl&#228;ufig emanzipatorische Selbstorganisation der Proletarier interpretiert. Das scheint uns sehr &#252;bertrieben, diese Handlungen sind auf die bei menschlichen Wesen ziemlich g&#228;ngigen minimalen Reflexe gegenseitiger Hilfe zur&#252;ckzuf&#252;hren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und es gibt eine Mobilisierung, die man martialisch nennen k&#246;nnte und die Vereitelung der russischen Offensive zum Ziel hat. Auch hier organisiert man sich, so gut es eben geht, w&#228;hrend die staatlichen Dienste komplett &#252;berlastet sind: K&#252;nstler, die eine Werkstatt zur Herstellung von Molotowcocktails ins Leben rufen, Restaurantbesitzer, die eine Kantine zur Ern&#228;hrung der Soldaten er&#246;ffnen, Unternehmen, die auf die Herstellung von Panzersperren umstellen, Frauen, die gemeinsam Tarnnetze n&#228;hen, Rentner, die Sands&#228;cke f&#252;llen, Einwohner, die Barrikaden bauen, usw.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was f&#252;r Leute (uns), die den Krieg nicht gewohnt sind, frappierend ist, sind die Zivilisten, die anstehen, um die Uniform der Territorialverteidigung (TV), eines Zweiges der ukrainischen Armee, der aus Reservisten und Freiwilligen besteht, zu tragen und sich ihr anzuschliessen. Zehntausende Sturmgewehre werden an die Bev&#246;lkerung verteilt, Knackis werden gegen ihre Teilnahme an den K&#228;mpfen freigelassen usw. Sehr schnell mangelt es an Waffen und Material, nicht an Freiwilligen; am Anfang m&#252;ssen jene, welche sich engagieren, gr&#246;sstenteils selbst und auf eigene Kosten in Gesch&#228;ften f&#252;r Milit&#228;rausr&#252;stung einkaufen gehen (Drilch, Canvas, Helm, kugelsichere Weste usw.). Was die folgenden betrifft, besonders jene, welche sich auf Wartelisten gesetzt haben, verlangt die Regierung priorit&#228;r von ihnen, ausser wenn sie milit&#228;rische Erfahrung haben, weiterhin zu arbeiten, eine andere wesentliche Form des Widerstands.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der taktische Nutzen derartig zusammengesetzter Einheiten ist, man wird es verstehen, eher gering, doch die Rolle der TV ist es vorwiegend, den am besten ausgebildeten Soldaten die undankbarsten und zeitaufwendigen Aufgaben abzunehmen: &#220;berwachung hinter der Front (Lagerh&#228;user, Br&#252;cken usw.), Patrouillen in den St&#228;dten, Durchsetzung der Ausgangssperre und Kampf gegen Pl&#252;nderungen. Allen &#8222;Ausw&#252;chsen&#8220; sind T&#252;r und Tor ge&#246;ffnet: Die Checkpoints und Identit&#228;tskontrollen h&#228;ufen sich (unter der Vollmacht eures Nachbarn, Lebensmittelh&#228;ndlers oder Arbeitskollegen), die aufmerksamen B&#252;rger &#252;berwachen und denunzieren, man verfolgt die verd&#228;chtigen Zivilisten (Spione, Saboteure, Prorussen?), die verhaftet und wer weiss wohin transferiert werden f&#252;r die Befragung usw. Da die Gerichte nicht mehr funktionieren, ist es die TV, die manchmal eine Eiljustiz praktiziert, besonders gegen Diebe und Pl&#252;nderer (jene, welche nicht an Ort und Stelle umgebracht werden, werden mitten auf der Strasse mit bis zu den Fusskn&#246;cheln heruntergelassenen Hosen in der eisigen K&#228;lte an einen Pfosten gekn&#252;pft).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ohne einen einf&#228;ltigen Pazifismus verherrlichen zu wollen, scheinen uns die manchmal beobachteten Demonstrationen von Zivilisten mit dem Ziel der Blockierung der Fahrbahnen und Panzerkolonnen durch eine gewaltfreie Aktion interessanter (solche Dinge sah man auch im Iran 1979, in Peking 1989, in Slowenien 1990). Aber einmal mehr, was hier zum Ausdruck kommt, ist nicht eine tief verwurzelte Ablehnung des Krieges, ein etwas naiver Pazifismus, sondern ein tiefgehender Nationalismus; man h&#228;lt dort nicht Friedensfahnen hoch, sondern eben die ukrainische Flagge. Mit dieser Krise beobachten wir wahrscheinlich &#8222;live&#8220; die Vollendung des Aufbaus dieser ukrainischen Nation, die das Produkt eines mit der Unabh&#228;ngigkeit entstandenen Prozesses ist: Eine Bev&#246;lkerung, die sich unabh&#228;ngig von ihrer Sprache pl&#246;tzlich ihrer historischen, kulturellen oder gar religi&#246;sen Besonderheiten bewusst wird (die noch von Moskau abh&#228;ngige orthodoxe Kirche trennt sich heute davon) und die &#252;ber die Klassen hinweg stolz auf sich ist &#8211; auch wenn diese Besonderheiten in Anbetracht der Geschichte sehr k&#252;nstlich erscheinen m&#246;gen und sie bei Gelegenheit frei erfunden werden (wie nach dem Zerfall Jugoslawiens 1990). Es werden sich jene finden lassen, welche das ber&#252;hrend finden. Auf jeden Fall scheint es etliche westliche Humanisten und Sozialdemokraten, die gew&#246;hnlich f&#252;r Nationalismus eher unempf&#228;nglich sind, nicht zu st&#246;ren; ein prachtvolles Beispiel daf&#252;r ist der Filmemacher Mathieu Kassovitz, der einem Journalisten erkl&#228;rt, dass die Ukrainer, die er gut kenne, &#8222;im guten Sinne ultranationalistisch&#8220; seien, &#8222;d. h. sie sind stolz auf ihr Land und wollen es unbedingt besch&#252;tzen&#8220;. Das Gleiche scheint f&#252;r gewisse linksradikale franz&#246;sische Aktivisten zu gelten (f&#252;r welche im Allgemeinen die Tatsache, an einer Demonstration eine Trikolore zu schwenken, ein Zeichen f&#252;r Faschismus ist). Doch es gibt schon ukrainische Anarchosyndikalisten, die einen &#8222;befreienden und kreativen Nationalismus&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Perrine Poupin, &#8222;L'irruption de la Russie en Ukraine. Entretien avec un (...)&#034; id=&#034;nh2-18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; bewerben!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein nationalistisches Empfinden, das logischerweise einhergeht mit der Unterst&#252;tzung der Bev&#246;lkerung f&#252;r ihre Armee, eine leidenschaftliche und schon alte Unterst&#252;tzung, verbunden mit einem Verh&#228;ltnis zur Virilit&#228;t, das anders ist, als jenes, welches wir in Westeuropa kennen, was &#8222;nat&#252;rlich&#8220; diese Bereitschaft erkl&#228;rt, zu den Waffen zu greifen, um &lt;i&gt;sein&lt;/i&gt; Land zu verteidigen, obwohl &#8222;die Ausbildung, der Unterhalt und die Bewaffnung der ukrainischen Armee zusammen mit den Kreditanforderungen des IWF die strukturelle Ursache f&#252;r K&#252;rzungen bei Krankenh&#228;usern, Schulen und Universit&#228;ten sowie f&#252;r die Armutsrenten und die fehlenden Lohnerh&#246;hungen im &#246;ffentlichen Sektor sind&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Ukraine-Korrespondenzen&#8220;, erster Teil.&#034; id=&#034;nh2-19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Denn die Verteidigung seines Landes ist allen voran, erinnern wir daran, gleichbedeutend mit der Verteidigung der Interessen seiner Bourgeoisie gegen jene der Bourgeoisie gegen&#252;ber.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das mit dem Land, dem Blut und der Demokratie verbundene Hochgef&#252;hl hat jedoch einige Grenzen. Seit dem Beginn der Invasion ist die Wehrpflicht angeordnet worden, sie macht die Zwangsrekrutierung aller M&#228;nner zwischen 18 und 60 Jahren m&#246;glich, dazu kommt ein Verbot, das Land zu verlassen &#8211; denn alle Ukrainer wollten sich scheinbar nicht in der Armee oder der TV engagieren. Es gibt tats&#228;chlich Widerspenstige und Deserteure; einige versuchen, sich zu verstecken, falsche Papiere zu erhalten, ins Ausland zu fliehen; die Kontrollen an der Grenze f&#252;r &lt;i&gt;die Ausreise&lt;/i&gt; von Fl&#252;chtlingen sind also kein Zufall. Andere engagieren sich vorsichtig in ihrer lokalen TV, hinter der Front, um nicht unter Zwang in eine Einheit integriert zu werden, die sich an K&#228;mpfen beteiligt. Ihr Ungl&#252;ck ist, dass die Lieferungen der NATO (z.B. zehntausende Helme und kugelsichere Westen) die Ausr&#252;stung einer steigenden Anzahl von Rekruten (und Mitgliedern der TV) und ihren Transfer an die gef&#252;rchtete Ostfront erlauben &#8211; daher kommt ziemlich mechanisch eine steigende Anzahl an Widerspenstigen und vielleicht sogar die ersten Demonstrationen gegen die Wehrpflicht (in Chust, im Westen des Landes).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch die Regierung, obwohl die Ukraine einige Wochen der Unentschlossenheit erlebt hat, hat die Dinge ziemlich schnell in die Hand genommen, vornehmlich, das muss man zugeben, dank der Unterst&#252;tzung ihrer B&#252;rger. Sie haben sich nicht gegen den Staat oder aufgrund seiner Abwesenheit selbst organisiert, sondern um zu verhindern, dass er aufgrund der russischen Offensive zusammenbricht. Das ist eine ziemlich &#8222;normale&#8220; Reaktion in einem Land, das ein starkes Gef&#252;hl der nationalen Einheit kennt und zu diesem Zweck durch eine improvisierte Propaganda formatiert worden ist. Das best&#228;tigt einmal mehr, dass die Selbstorganisation nicht an sich revolution&#228;r ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was tun &#8211; unter den Bomben?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Singend &#246;ffnet uns der Sieg die Schranke;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Die Freiheit lenkt unsere Schritte.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Marie-Joseph Ch&#233;nier, Chant du d&#233;part, 1794.&#034; id=&#034;nh2-20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Wir sind nicht in der Situation der Ukrainer und auch nicht in jener der in der Ukraine lebenden Anarchisten oder Kommunisten; es ist schwierig, zu wissen, was man dort tun sollte, ihr Handeln unmittelbar einzusch&#228;tzen, denn (was auch immer unsere Ideen sein m&#246;gen) wir wissen nicht, wie wir an ihrer Stelle reagieren w&#252;rden; der historische Abstand erlaubt h&#228;ufig diese Art von Urteilen, denn es ist einfach, die Wahrheit zu kennen, wenn man die Fortsetzung und das Ende der Ereignisse kennt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Aber was h&#228;tten wir in Frankreich im August 1914 oder im Juni 1940 (...)&#034; id=&#034;nh2-21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Sollten unsere ukrainischen Genossen nur aufgrund ihrer Situation als &#8222;direkt Betroffene&#8220; dennoch von jeglicher Kritik ausgenommen sein? Zwar geht ihre T&#228;tigkeit nur sie etwas an, aber zumindest der damit verbundene, an uns gerichtete und in Frankreich aufgegriffene Diskurs verdient eine ganz andere Aufmerksamkeit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Reaktionen der &#8222;radikalen&#8220; ukrainischen Aktivisten scheinen sehr verschieden, manchmal widerspr&#252;chlich. Einige antimilitaristische und pazifistische Genossen halten an revolution&#228;r-defaitistischen Positionen fest, aber die Propaganda daf&#252;r scheint in der Ukraine nicht minder riskant zu sein als in Russland. Andere engagieren sich in der Unterst&#252;tzung f&#252;r Fl&#252;chtlinge oder Verletzte&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe besonders den Blog Une autre guerre.&#034; id=&#034;nh2-22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was jedoch in Frankreich f&#252;r viel &#220;berraschung sorgte, ist die Tatsache, dass man durch einige Texte und Zeugenberichte erfuhr, dass ukrainische Anarchisten sich in der Armee oder der TV engagiert haben. Einige Gruppen scheinen dadurch von den Waffenverteilungen profitiert zu haben, um Kampfeinheiten aufzubauen; eine Brosch&#252;re spricht von der Kreation &#8222;zweier Kampfgruppen&#8220;; etwa 20 Aktivisten in Drilchen und mit Kalaschnikows posieren auf einem Foto rund um eine schwarze Fahne mit einem A im Kreis, die Legende des Bildes erw&#228;hnt vorsichtig, dass diese Gruppen &#8222;einen gewissen Grad an Autonomie haben&#8220; innerhalb der TV &#8211; was, man wird es verstanden haben, einen gewissen Grad an Unterordnung bedeutet&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Entre deux feux. Recueil provisoire de textes d'anarchistes d'Ukraine, de (...)&#034; id=&#034;nh2-23&#034;&gt;23&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Sogar nach einer kurzen Periode des Chaos ist es n&#228;mlich offensichtlich, dass die Armee versucht, die Gruppen bewaffneter Zivilisten zu kontrollieren, v.a. wenn sie sich offen auf eine politische Ideologie berufen, die a priori kaum mit staatlicher Autorit&#228;t kompatibel ist. Dennoch bestehen die anarchistischen oder antifaschistischen Milit&#228;reinheiten wahrscheinlich aus nicht mehr als einigen Dutzend lokalen K&#228;mpfern (einige Dutzend aus dem Westen haben sich ihnen vielleicht angeschlossen), in einem Gebiet, wo zwei gigantische Armeen, mehrere hunderttausend M&#228;nner, miteinander konfrontiert sind&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-24&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wir benutzen das Wort M&#228;nner als &#252;berholtes Synonym f&#252;r Soldaten, denn die (...)&#034; id=&#034;nh2-24&#034;&gt;24&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; &#8230; Zur Erinnerung, das ber&#252;hmte Regiment Asow &#8211; einer der milit&#228;rischen Arme der etlichen rechtsextremen ukrainischen Organisationen &#8211; ist eine permanente Einheit der TV, sie besteht aus mehreren tausend K&#228;mpfern und verf&#252;gt &#252;ber Panzer.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die ersten erfolgreichen Hinterhaltsszenen gegen einen russischen Konvoi f&#252;hrten dazu, dass einige glaubten, dass die russische Armee, sollte der ukrainische Staat zusammenbrechen, mit einer breiten und popul&#228;ren Guerilla konfrontiert sein w&#252;rde, bestehend aus lokal agierenden autonomen Gruppen; Gruppen, die gewiss mehrheitlich von einem patriotischen Empfinden getrieben werden, doch inmitten welcher anarchistische Gruppen sich vielleicht geschickt aus der Aff&#228;re ziehen und eine einflussreiche Rolle spielen k&#246;nnten &#8230; Man vergisst dabei, dass ein solcher Widerstand, um effizient zu sein, besonders strukturiert, diszipliniert und finanziert sein und die Unterst&#252;tzung von anderen Staaten erhalten muss.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch nach einigen Tagen, die von spektakul&#228;ren Aktionen einer von kleinen Einheiten (von den Amerikanern f&#252;r diese Art von Aktion ausgebildeter) professioneller Soldaten angef&#252;hrten Technoguerilla gepr&#228;gt waren, hatten die K&#228;mpfe sehr schnell einen eher klassischen Charakter, jenen eines Zusammenstosses zwischen breiten und schwer ausger&#252;steten Einheiten, innerhalb welcher die Koordination, die Bewegung, die Befestigungen, die Artillerieduelle und die Munitions- und Treibstofffl&#252;sse zentral werden. Was ist in diesem Mahlstrom aus den anarchistischen &#8222;Kampfgruppen&#8220; geworden? Es ist kaum wahrscheinlich, dass sich ihre &#8222;Autonomie&#8220; vergr&#246;ssert hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wieso sich also engagieren? In mehreren Texten berichten die ukrainischen Anarchisten und Radikalen, dass sie in den Ereignissen &#8222;ins Gewicht fallen&#8220;, bereit &#8222;f&#252;r den Fall der F&#228;lle&#8220; und nicht abgeschnitten vom Rest der Gesellschaft sein wollen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-25&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Wenn wir abseits der zwischenstaatlichen Konflikte verbleiben, verbleiben (...)&#034; id=&#034;nh2-25&#034;&gt;25&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; sie erkl&#228;ren, dass sie sich an der Verteidigung dieser &#8222;Gesellschaft&#8220; beteiligen, aber nat&#252;rlich nicht an jener des Staates, und wenn &#252;brigens einige erkl&#228;rt haben, dass sie ihren Kampf gegen den Staat auf Eis gelegt haben, dann nur in der Optik, ihn umso heftiger wieder aufzunehmen, wenn der Frieden einmal zur&#252;ckgekommen ist. Zuerst den Krieg gewinnen, danach auf die Revolution hinwirken &#8211; der Refrain ist bekannt. Obwohl sie offensichtlich keine Lehren aus dem russischen B&#252;rgerkrieg oder dem Spanienkrieg ziehen, erw&#228;hnen einige zur Rechtfertigung die Erinnerung an die Kriege vor den russischen Revolutionen 1905 und 1917 &#8211; man kann auch an 1871 denken &#8211; oder auch die mutmassliche Rolle des Afghanistankrieges f&#252;r den Zusammenbruch der UdSSR. Doch es ist, obwohl der Ablauf der Kriege und besonders ihre Folgen eine Revolution ausl&#246;sen k&#246;nnen, notwendig, dass die Situation schon sehr reif ist; das ist alles andere als mechanisch. Und v.a. erkennt man nicht wirklich, inwiefern die Tatsache, sich aktiv durch das Engagement in einer der betreffenden Armeen an einem solchen Konflikt zu beteiligen, irgendetwas &#228;ndert&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-26&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wie viele Proletarier, welche die Uniform einer sehr wenig demokratischen (...)&#034; id=&#034;nh2-26&#034;&gt;26&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Historisch schloss sich die &#252;berw&#228;ltigende Mehrheit der Proletarier bei jedem kriegerischen Konflikt ihrem nationalen Kapital und jener imperialistischen Front an, zu welcher sie geh&#246;rten (w&#228;hrend der Epoche des Imperialismus ist jedes Kapital potenziell imperialistisch, genau wie jeder Krieg definitionsgem&#228;ss imperialistisch ist). Erst wenn der Konflikt sich bis zu einem Punkt verl&#228;ngerte &#8211; &#252;ber die Erwartungen eben dieser Regierungen hinaus, welche ihn unterst&#252;tzt hatten &#8211;, wo die Auswirkungen auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen sich heftig zeigten, stellten sie sich mehr oder weniger entschlossen dagegen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-27&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ein italienischer Genosse von Il lato cattivo, &#8222;Du moins, si l'on veut (...)&#034; id=&#034;nh2-27&#034;&gt;27&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es soll trotzdem daran erinnert werden, dass die Geschichte mit Kriegen gespickt ist und dass in fast allen F&#228;llen ihre Folgen f&#252;r die Proletarier katastrophal sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;K&#246;nnte Russland unter dem Druck eines proletarischen &#220;berdrusses oder einer proletarischen Revolte nach seiner Armee zusammenbrechen? Die schwache Moral der Invasionstruppen liess anfangs einige glauben, es wehe ein Wind der Meutereien &#252;ber der russischen Armee im Einsatz, das war nicht der Fall. Der R&#252;ckzug der Kr&#228;fte rund um Kiew verlief &#252;brigens in bester Ordnung und die im April lancierte Offensive im Donbass zeigt, dass die Irrungen und Fehler der ersten Wochen korrigiert worden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gab freilich pazifistische Demonstrationen in mehreren St&#228;dten Russlands, doch ein grosser Teil der &#246;ffentlichen Meinung (auch gewisse Parteien der Opposition) unterst&#252;tzt dort die laufende Invasion. Man weiss, dass ein &#228;usserer Krieg im Allgemeinen ein gutes Mittel ist, um die B&#252;rger wieder hinter einer Regierung zu vereinen und sie die allt&#228;glichen Probleme unter einem Schwall an Propaganda vergessen zu lassen (siehe z.B. den Krieg in Libyen 2011). Obwohl die Bev&#246;lkerungen in diesem Kontext aufgrund der Wirtschaftssanktionen verarmen, f&#252;hren diese h&#228;ufig dazu, dass das Nationalgef&#252;hl und somit das herrschende Regime gest&#228;rkt wird (Kuba, Irak usw.).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn aufgrund einer Verl&#228;ngerung des Krieges die russische Regierung geschw&#228;cht w&#228;re, sich eine proletarische Revolte abzeichnen w&#252;rde und die Repression ineffizient w&#228;re, w&#252;rde die F&#252;hrungsschicht dennoch versuchen, den Protest zu einer politischen Alternative hinzulenken: entweder extrem (seitens der Falken des Kremls, die finden, dass es der Invasion an Entschiedenheit mangelt) oder demokratisch (ohne jedoch f&#252;r den Ziehsohn des Westens zu optieren).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wahrscheinlichkeit einer Revolte scheint in der Ukraine noch geringer. Wir haben gesagt, was wir &#252;ber die Selbstorganisation der B&#252;rger auf der Grundlage eines Nationalgef&#252;hls denken; der Staat ist davon gest&#228;rkt worden, genau wie die Regierung bis jetzt durch ihre Krisenverwaltung legitimiert ist. Eine grosse Volksbewegung, die das Nationalgef&#252;hl st&#228;rkt, ist von Natur aus interklassistisch und konterrevolution&#228;r.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist schwer, vorauszusagen, ob der Demokratisierungsprozess trotzdem gest&#228;rkt werden wird. Bis jetzt beobachtet man v.a. eine (wahrhafte) Militarisierung der Gesellschaft, die Zensur der Medien, das Verbot der linken Oppositionskr&#228;fte, eine Jagd auf die Widerspenstigen usw.; es sind insbesondere die nationalistischen und reaktion&#228;ren Kr&#228;fte, die R&#252;ckenwind haben, was in der Ukraine nichts Neues ist. W&#228;re Anatole France noch am Leben, w&#252;rde er die Sache wohl so zusammenfassen: &#8222;Man glaubt, f&#252;r die Demokratie zu sterben, man stirbt f&#252;r die Industriellen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man k&#246;nnte sich fragen, wieso so viele Zeilen dieser Frage gewidmet werden, obwohl die Rolle der ukrainischen Anarchisten und Radikalen in diesem Konflikt letztendlich ziemlich unbedeutend ist. Das Interesse eines Themas misst sich erst einmal nicht an der Anzahl beteiligter Personen. Weiter sprechen auch viele b&#252;rgerliche Medien und offensichtlich die sozialen Netzwerke von diesem Engagement; die Aktivisten vor Ort kommunizieren ausgiebig und ihre Prosa trifft auf ein gewisses Echo in Frankreich; es w&#228;re also nicht erstaunlich, wenn die Figur des anarchistischen K&#228;mpfers in der Ukraine nach jener des kurdischen Soldaten in Rojava zur Referenz bez&#252;glich politischer Radikalit&#228;t w&#252;rde. Das w&#228;re unserer Meinung nach &#8211; man wird es verstanden haben &#8211; sehr bedauerlich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was tun &#8211; in Frankreich?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Zun&#228;chst einmal, sich nicht von der Unmittelbarkeit der Ereignisse, von der Propaganda, von allzu bequemen Vereinfachungen, mitrei&#223;en zu lassen. Es gibt Zeiten, da hat man keinerlei Einflu&#223; auf den Lauf der Dinge. Es ist besser, sich dessen bewu&#223;t zu sein und nicht die eigene Ohnmacht hinter wildem Herumgefuchtel zu verbergen oder, schlimmer noch, auf einen Zug zu springen, der nicht der unsere ist.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-28&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Louis Mercier Vega, op. cit., S. 77-78.&#034; id=&#034;nh2-28&#034;&gt;28&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Das Problem ist, dass man konkret nicht viel tun kann. Am klassischsten und am ehesten vereinbar mit den alten Prinzipien des revolution&#228;ren Def&#228;tismus, zumindest wenn man denkt, dass die Proletarier kein Vaterland haben, w&#228;re der Kampf hier gegen unsere eigene Bourgeoisie. Das w&#228;re logisch, denn Frankreich ist praktisch Kriegspartei. W&#228;hrend diese internationalistische revolution&#228;re Position von verschiedenen anarchistischen, ultralinken, linkskommunistischen oder sogar trotzkistischen Gruppen oder Gruppierungen weiterhin verteidigt wird, ist es alles andere als sicher, dass sie unter den Aktivisten und Bewegungsanh&#228;ngern eine Mehrheit hat. Man kennt den aktuellen Zustand des Klassenkampfes in Frankreich; daher einmal mehr ein trostloses Gef&#252;hl der Ohnmacht. Es scheint tats&#228;chlich, dass das Pflichtgef&#252;hl, etwas zu tun, je schlechter die Zeiten sind, umso st&#228;rker ist: Es w&#252;rde darum gehen, effizient zu sein, &#8222;einen Einfluss&#8220; auf das Reale &#8222;zu haben&#8220;, obwohl die revolution&#228;re Bewegung vielleicht noch nie so wenig davon hatte&#8230; Daher kommt diese Anziehung f&#252;r die fernen Kampffelder und die Notwendigkeit, auf die Gefahr hin, Kompromisse zu akzeptieren, ein Lager zu w&#228;hlen, und, ausser bei schlechtem Gewissen, die moralische Verpflichtung, jenen zu helfen, welche eben genau etwas tun, was auch immer. Ein auf Twitter gefundener bissiger Kommentar betreffend des Aufrufs von Genossen, an den letzten Pr&#228;sidentschaftswahlen teilzunehmen (indem man f&#252;r einen linken Kandidaten stimmt) k&#246;nnte ebenfalls auf einen Teil der Positionsbez&#252;ge zum Ukraine-Krieg zutreffen: &#8222;Diese Leute denken wirklich, dass ihr Aufruf [&#8230;] einen Bruch mit ihrem gewohnten Aktivismus darstellt, w&#228;hrend er in Wirklichkeit die logische Folge davon ist.&#8220; Bissig &#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was also tun? Es ist schwierig, zu demonstrieren, wie es gewisse Libert&#228;re f&#252;r Rojava getan hatten, um von der NATO Waffenlieferungen zu verlangen &#8211; es werden bereits tausende Tonnen davon geliefert, begleitet von Milliarden von Dollars. Es ist schwierig, die Entsendung, wie es dennoch einige Humanisten tun, franz&#246;sischer Soldaten vor Ort zu verlangen oder gar die Durchsetzung einer Flugverbotszone oberhalb der Ukraine, Akte, die gleichbedeutend mit einer Kriegserkl&#228;rung an Russland w&#228;ren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Sichtweise vom Lager des Guten, das von jenem des B&#246;sen angegriffen wird (viel weniger subtil als in den Werken Tolkiens), hat die Notwendigkeit zur Folge, &#252;ber &lt;i&gt;gute&lt;/i&gt; Armeen zu verf&#252;gen, jene, welche aufmarschieren, um die Demokratie und &#8222;unsere Werte&#8220; zu verteidigen, und somit die N&#252;tzlichkeit der NATO&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-29&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Da es um Werte und Demokratie geht, ist es immer angemessen, daran zu (...)&#034; id=&#034;nh2-29&#034;&gt;29&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und die Wichtigkeit konsequenter Verteidigungsbudgets und eines leistungsf&#228;higen und innovativen milit&#228;risch-industriellen Komplexes, der seinen chinesischen und russischen Pendants voraus ist. Man muss wissen, was man will.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Burgfrieden rund um die Figur der Demokratie und allgemeiner um das Lager des Guten ersetzt offensichtlich jenen, welcher damals um das Vaterland geschlossen werden konnte; man pr&#228;sentiert die Patrioten &#8211; die zur Not von den Nationalisten unterschieden werden k&#246;nnen &#8211; besser als Freiheitsk&#228;mpfer, als &lt;i&gt;freedom fighters&lt;/i&gt;. Eine Logik, die mittlerweile auch die radikalsten Aktivistenmilieus erreicht hat&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-30&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Nach dem Krieg gegen Serbien ver&#246;ffentlicht Claude Guillon Dommages de (...)&#034; id=&#034;nh2-30&#034;&gt;30&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; &#8211; es ist festzuhalten, dass auch eine vertraulichere Tendenz existiert, die aus ziemlich prim&#228;rem Antiamerikanismus die Positionen Moskaus verteidigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sollen die Anarchisten und Antifas, die in den Reihen der ukrainischen Armee k&#228;mpfen, (finanziell) unterst&#252;tzt werden? Wenn einige diese Entscheidung treffen und Partys und Konzerte organisieren, so tendieren sie allgemein dazu, den milit&#228;rischen Charakter der Frage kleinzureden, und wagen, wahrscheinlich ein bisschen geniert, ungewisse lexikalische Verrenkungen: Irgendeine Aktivistenzeitschrift, die 2016 den Aufbau einer Nationalgarde der Reservisten in Frankreich verurteilt hatte, r&#252;hmt heute die Verdienste jener, welche in der Ukraine existiert; man spricht &#252;brigens eher von &#8222;Widerstand&#8220;, &#8222;bewaffneten Freiwilligen&#8220; oder, Spanien 1936 evozierend, einer &#8222;Milizstruktur&#8220; (obwohl sich hier zwei nationalistische Lager bek&#228;mpfen), man relativiert das Gewicht der extremen Rechten, die jedoch in der Armee Kiews sehr pr&#228;sent ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-31&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Man relativiert, w&#228;hrend in Frankreich Marine Le Pen oder &#201;ric Zemmour (...)&#034; id=&#034;nh2-31&#034;&gt;31&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; usw. Man &#252;bersetzt und verbreitet Texte, die von der Situation sprechen, mit einem leichten Unbehagen und viel Nachsicht, vielleicht sogar mit einer Spur jener Herablassung, welche sich betreffend der Kurden in Syrien &#228;usserte, mit dem Unterschied, dass es in der Ukraine nicht mal den Anschein einer Illusion einer gesellschaftlichen Ver&#228;nderung gibt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was einmal mehr den Standpunkt und die Analyse verzerrt, ist offensichtlich die Tatsache, dass Menschen die &lt;i&gt;Entscheidung&lt;/i&gt; treffen, zu den Waffen zu greifen, ihr Leben zu riskieren, w&#228;hrend wir &#252;ber sie eingesunken in einem malvenfarbenen Sofa diskutieren. Und das Prestige der Uniform, des K&#228;mpfers, des Typen, der mit einem Sturmgewehr hantiert &#8211; den man m&#252;helos kritisiert, wenn es sich um die extreme Rechte handelt &#8211; kann auch bei den Anh&#228;ngern der gesellschaftlichen Emanzipation existieren (von Spanien bis nach Rojava via Nicaragua).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Deserteure unterst&#252;tzen? Das ist zumindest eine klassische revolution&#228;re T&#228;tigkeit in Zeiten des Krieges (Netzwerke organisieren, um die Grenzen zu &#252;berqueren, falsche Papiere erhalten, Fl&#252;chtige beherbergen), die eher in den angrenzenden L&#228;ndern praktizierbar ist. In Frankreich sieht man freilich Transparente und Unterst&#252;tzungsinitiativen f&#252;r die &#8222;russischen Deserteure, Widerspenstigen und Verweigerer&#8220;, aber nicht, so scheint es, f&#252;r ihre ukrainischen Pendants, deren Anzahl allerdings steigt. Die Situation kann sich entwickeln, aber bis jetzt erinnert sie uns daran, dass jene Kurden im Krieg in Syrien, welche den obligatorischen Milit&#228;rdienst in den YPG verweigerten, im entscheidenden Moment vergessen wurden, obwohl zahlreiche von ihnen in die grossen europ&#228;ischen St&#228;dte fl&#252;chteten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-32&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Was die Deserteure der franz&#246;sischen Armee betrifft, belaufen sie sich auf (...)&#034; id=&#034;nh2-32&#034;&gt;32&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir wiederholen es, es geht hier f&#252;r uns nicht darum, die Art und Weise zu kritisieren, wie Leute auf die Bombardierung ihrer Stadt oder ihres Landes reagieren, sondern gegebenenfalls um die an uns gerichteten Diskurse und v.a. jene &#252;ber sie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bereitschaft ist mittlerweile im Aktivistenmilieu solide verankert, &#252;berall revolution&#228;res &#8222;Potenzial&#8220; zu sehen, v.a. wenn die Region weit weg und exotisch ist &#8211; ein Standpunkt, der hier besonders an den Haaren herbeigezogen ist. Doch jenseits dieses Reflexes sind die Gespenster, welche die ukrainische Frage auf sehr verf&#252;hrerische Art und Weise und vielleicht offener als andere &#8222;Operationsfelder&#8220; heimsuchen, nichts anderes als der Militarismus, der Nationalismus und das Konzept des Burgfriedens, morbide Varianten des Interklassismus. Ideologien, von denen sogar die erfahrensten und theoretisch bewandertsten Aktivisten mitgerissen werden k&#246;nnen, wenn die Umst&#228;nde passen, die Geschichte hat es auf traurige Art und Weise gezeigt. Es ist aber so, dass wir keine Bombenangriffe erdulden m&#252;ssen, dass in unseren Strassen keine K&#228;mpfe stattfinden und dass wir nicht Gefahr laufen, jede Minute get&#246;tet zu werden. Wir haben also keine Entschuldigung, keine Entschuldigung, um den Kopf zu verlieren. Wir k&#246;nnen von relativ komfortablen Rahmenbedingungen profitieren, um ruhig &#252;ber die laufenden Ereignisse nachzudenken. Es w&#228;re falsch, sie nicht zu missbrauchen, denn diese Rahmenbedingungen verschwinden vielleicht schneller als wir glauben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die R&#252;ckkehr des Krieges&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-33&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zu diesen Fragen sei auf unser Buch verwiesen: Manu militari ? (...)&#034; id=&#034;nh2-33&#034;&gt;33&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;&lt;i&gt;He said Son, don't you understand now&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-34&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Bruce Springsteen, Born in the USA, 1984.&#034; id=&#034;nh2-34&#034;&gt;34&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Implizit evoziert die Formel die R&#252;ckkehr des Krieges &lt;i&gt;in Europa&lt;/i&gt;. Doch war er je weg? Der Unterschied ist, dass es 2022 eher das Zentrum Europas betrifft denn seine Peripherie, wie es in den 1990er Jahren in Ex-Jugoslawien bis zur Offensive der NATO gegen Serbien 1999 der Fall war. Wer k&#246;nnte heute an der Tatsache zweifeln, dass diese Kriege letztendlich sowohl f&#252;r die Europ&#228;ische Union (EU) als auch f&#252;r die NATO sehr vorteilhaft waren, sei es nur f&#252;r die Integration neuer Mitglieder&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-35&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Abgesehen vom Jackpot, welcher der Krieg f&#252;r den milit&#228;risch-industriellen (...)&#034; id=&#034;nh2-35&#034;&gt;35&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Sarajevo mag n&#228;her bei Paris liegen als Kiew, aber Serbien hat nie die Vorherrschaft der USA und der EU &#252;ber Europa in Frage gestellt; genau das tut jedoch heute Russland. Im Gegensatz zum Schicksal Bosniens damals ist die Frage der Ukraine zentral, denn sie ber&#252;hrt den Kern Europas, wo sich eines der wichtigsten industriellen, finanziellen und gesch&#228;ftlichen Zentren der Welt befindet. Sie ist zentral, denn ihretwegen sind mit die wichtigsten M&#228;chte, auch Atomm&#228;chte, miteinander konfrontiert, sie mobilisiert betr&#228;chtliche mechanische und menschliche Kr&#228;fte &#8211; falls es eine R&#252;ckkehr geben sollte, dann jene des Krieges hoher Intensit&#228;t &#8211; und sie hat jetzt schon gigantische wirtschaftliche Auswirkungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gegenw&#228;rtig ist der wahrscheinlichste Ablauf und jener, welcher der &#8222;vern&#252;nftigste&#8220; w&#228;re, dass Russland kurzfristig die Eroberung der Oblaste des Donbass vollendet, dass die K&#228;mpfe aufh&#246;ren, dass Verhandlungen beginnen und auf ein Friedensabkommen und die Aufnahme dieser Regionen in die F&#246;deration Russlands hinauslaufen; eine territoriale Anpassung, die 2021 durch Verhandlungen h&#228;tte erreicht werden k&#246;nnen und heute sowohl f&#252;r die Russen als auch die Ukrainer vorteilhaft w&#228;re. Niemand m&#246;chte n&#228;mlich, dass der Krieg sich in die L&#228;nge zieht und Russland wie in Afghanistan steckenbleibt. Niemand, ausser die USA, aber es sind eben genau sie, welche &#252;ber die Fortsetzung der Ereignisse entscheiden werden. Werden sie sich f&#252;r die Gew&#228;hrung eines armseligen Sieges Russlands entscheiden, darauf achten, dass der Konflikt noch ein paar weitere Monate andauert oder k&#228;mpfen bis zum letzten ukrainischen Soldaten?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrenddessen akkumulieren sich die schon vor der Invasion betr&#228;chtlichen milit&#228;rischen Lieferungen der NATO an die Ukraine zu Tausenden von Tonnen Stahl und Milliarden von Dollars. Aber nicht nur. Ein seit schon mehreren Jahren f&#252;hlbarer Prozess beschleunigt sich pl&#246;tzlich. Obwohl Russland gerade seine Schw&#228;chen gezeigt hat, werden wir eine Erh&#246;hung der Milit&#228;rbudgets in den EU- und NATO-L&#228;ndern beobachten k&#246;nnen, sie dr&#228;ngen sich schon, um ihre Bestellungen an die Milit&#228;rindustrie der USA aufzugeben (Panzer, Kampfflugzeuge usw.). Letztere sind &lt;i&gt;bis jetzt&lt;/i&gt; die grossen Gewinner des Krieges. W&#228;hrend das Grab der Milit&#228;rindustrien des alten Kontinents gegraben wird, wird auch die Idee der europ&#228;ischen Verteidigung letztendlich zugunsten einer wieder belebten NATO begraben. Etliche L&#228;nder optieren nunmehr offen f&#252;r ihre Unterjochung unter Washington. Eine freiwillige (und sehr teure) Unterwerfung, die nur unterbrochen werden k&#246;nnte, wenn z. B. eine neue Milit&#228;rmacht in Europa entst&#252;nde, doch das ist eher unwahrscheinlich, denn eine der Funktionen der NATO ist es, eben genau das zu verhindern&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-36&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Gem&#228;ss den Worten ihres ersten Generalsekret&#228;rs, Lord Ismay, besteht die (...)&#034; id=&#034;nh2-36&#034;&gt;36&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Unter den &#252;berraschenden Konsequenzen des Krieges in der Ukraine muss die Remilitarisierung Deutschlands unterstrichen werden, es k&#252;ndigt schon zus&#228;tzliche Mittel von 100 Milliarden Euro f&#252;r das Jahr 2022 an (f&#252;r ein Verteidigungsbudget von ungef&#228;hr 50 Milliarden, jenes Frankreichs betr&#228;gt 40 Milliarden); eine Investition, die sich bis jetzt nur durch Bestellungen amerikanischen Materials konkretisiert. Die Angelegenheit sollte man im Auge behalten &#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige westliche Regierungen w&#228;ren freilich versucht, Russland in der Ukraine festfahren zu lassen und zu ruinieren, doch es sollte vermieden werden, dass die am Rande beteiligten M&#228;chte in eine milit&#228;rische Eskalation hineinschlittern, dass der Konflikt ausartet, sich ausbreitet und letztendlich die NATO, und somit die USA, zu einer direkten Beteiligung verpflichtet; wie im Falle eines Zwischenfalls rund um Kaliningrad und den Suwalki-Korridor (z.B. des Versuches einer Blockade) oder einer Invasion der baltischen Staaten durch ein in &#228;usserste Bedr&#228;ngnis geratenes Russland. Das w&#228;re nicht zwangsl&#228;ufig gleichbedeutend mit einem Atomkrieg, aber vielleicht mit der Tatsache, dass die Amerikaner ihrerseits in Europa steckenbleiben, was nicht sehr zweckm&#228;ssig w&#228;re, denn der Dritte Weltkrieg muss im Pazifik stattfinden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-37&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die gigantischen Waffenlieferungen an die Ukraine, welche die USA planen, (...)&#034; id=&#034;nh2-37&#034;&gt;37&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Frage ist also: Wie weit kann man gehen, ohne zu weit zu gehen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn man von den Toten auf dem Schlachtfeld absieht (was f&#252;r die kapitalistische Klasse nie ein Problem darstellt), ist der prinzipielle Kollateralschaden dieser Geschichte offensichtlich die Anerkennung der Tatsache, dass Russland mit Europa gebrochen hat, um sich nach Asien und besonders nach China hinzuwenden. Schade? Die tr&#252;gerische Idee einer Ann&#228;herung und dann eines B&#252;ndnisses zwischen der EU und Russland (was seine Demokratisierung h&#228;tte beg&#252;nstigen k&#246;nnen) ist vom Tisch. Die Bl&#246;cke konstituieren und formalisieren sich. Dabei besteht das Risiko, dass der Krieg in der Ukraine, trotz all dem Grauen, das er mit sich bringt, nur ein Scharm&#252;tzel ist, das kurz- oder mittelfristig Konflikte in einem anderen Ausmass ank&#252;ndigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Zwischenzeit zahlen immer die gleichen die Zeche, die Proletarier: Vertiefung der Krise, verst&#228;rkter internationaler Wettbewerb und verst&#228;rkte Ausbeutung, Inflation, Erh&#246;hung der Milit&#228;rbudgets, die nichts anderes als Steuererh&#246;hungen und weniger &#246;ffentliche Dienste (Gesundheit, Bildung usw.) bedeuten kann usw. Es wird lokale Revolten geben, besonders in Frankreich, aber nichts bis anhin, was die kapitalistische Ordnung ersch&#252;ttern oder die zwischenstaatlichen Spannungen beilegen k&#246;nnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir k&#246;nnen allerdings wetten, dass die Regierung und die Medien, sollten sich Frankreich und seine Armee in den n&#228;chsten Monaten oder Jahren viel direkter an einem Krieg hoher Intensit&#228;t (so wie jener, welcher die Ukraine erdulden muss) beteiligen, uns erkl&#228;ren werden, dass es um die Verteidigung der Gerechtigkeit, des Rechts und der Demokratie geht, wie 1914! Was werden wir also tun, um koh&#228;rent zu sein?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tristan Leoni, 8. Mai 2022&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=3423&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb2-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Mont&#233;hus, La Butte rouge, 1923.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ein ukrainischer Soldat, der einen franz&#246;sischen Journalisten bez&#252;glich Artilleriefeuer beruhigt, &lt;i&gt;Le Figaro&lt;/i&gt;, 4. M&#228;rz 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Erw&#228;hnen kann man z. B. die Bolschewiken und die Menschewiken in Russland, Karl Liebknecht und dann Otto R&#252;hle in Deutschland. Zu diesem Thema, siehe die Brosch&#252;re &lt;a href=&#034;https://quatre.zone/2022/04/01/les-anarchistes-contre-la-guerre/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Les anarchistes contre la guerre. 1914-2022&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Im September 1939 erkl&#228;ren Grossbritannien und Frankreich Deutschland den Krieg, letzteres ist soeben in Polen eingefallen. Einige Monate sp&#228;ter planen die beiden L&#228;nder eine bedeutende Milit&#228;roperation gegen die prinzipielle Verb&#252;ndete des Dritten Reiches, die UdSSR, die ihrerseits soeben Finnland angegriffen hat. Es handelt sich um die Operation Pike, ein ausgedehntes Programm von Bombenangriffen auf die Erd&#246;lquellen von Baku; die deutsche Offensive vom 10. Mai 1940 f&#252;hrt zur Aufgabe des Projekts.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es gen&#252;gt, zum Zeitpunkt, wo wir diese Zeilen schreiben, die von den USA an den Tag gelegten Anstrengungen zur Verhinderung der Unterzeichnung eines Verteidigungsabkommens zwischen den Salomon-Inseln und China zu beobachten.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zu dieser Frage, mit den Beispielen der Kriege im Kosovo, im Irak, in Afghanistan und in Libyen, siehe: Serge Halimi, Mathias Reymond (et al.), &lt;a href=&#034;https://agone.org/livres/lopinioncasetravaille&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;L'opinion, &#231;a se travaille&#8230; Les m&#233;dias et les &#8220;guerres justes&#8221;&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Agone, 2006.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Louis Mercier Vega, &lt;i&gt;Reisende ohne Namen&lt;/i&gt;, Nautilus, 1997 (1936), S. 78.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Man weiss heute, dass die amerikanische Diplomatie 1990, einige Wochen vor der Invasion Koweits durch die Truppen Saddam Husseins, ihren irakischen Amtskollegen verstehen liess, dass die USA im Falle einer Milit&#228;roperation dieser Art nicht intervenieren w&#252;rden.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Helmuth Karl Bernhard von Moltke, preussischer Generalfeldmarschall (1800-1891).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die amerikanische Armee und ihre westlichen Aushilfskr&#228;fte riskieren ihrerseits im Allgemeinen keinen Bodeneinsatz, bevor sie nicht die feindlichen Stellungen und St&#228;dte w&#228;hrend Wochen oder Monaten bombardiert haben (Irak 1991, Serbien 1999, Irak 2003, Mossul 2017 usw.). Was die Armeen wirklich voneinander unterscheidet, ist das Verh&#228;ltnis zum Tod, zu jenem ihrer eigenen Soldaten.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Michel Goya.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Bis zum 23. Februar 2022 waren Einheiten der amerikanischen, britischen und kanadischen Spezialkr&#228;fte offiziell in der Ukraine pr&#228;sent, um die Soldaten f&#252;r den Einsatz dieser Waffen auszubilden; sie verlassen das Land einige Stunden vor der russischen Offensive.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Gewisse amerikanische oder britische Spezialkr&#228;fte tendieren leidigerweise dazu, sich verf&#252;gbar zu zeigen und sogleich eine neue Nationalit&#228;t anzunehmen, die ukrainische in diesem Falle. Journalisten haben z.B. gezeigt, dass es die Amerikaner sind, welche das Engagement der ausl&#228;ndischen Freiwilligen in der ukrainischen Armee verwalten und kontrollieren. Siehe R&#233;gis Le Sommier, &#8222;Avec des volontaires fran&#231;ais&#8220; in &lt;i&gt;Le Figaro magazine&lt;/i&gt;, 8. April 2022, S. 55-57.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;W&#228;hrend die westlichen &#220;berwachungssatelliten im Einsatz sind, gilt das gleiche f&#252;r die elektronischen Aufkl&#228;rungsflugzeuge und -drohnen der NATO, die seit dem Beginn der Invasion den ukrainischen Grenzen und den russischen Hoheitsgew&#228;ssern entlangfliegen (man sieht sie manchmal auf der Homepage &lt;a href=&#034;https://www.flightradar24.com/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Flightradar24&lt;/a&gt;) und Kiew in Echtzeit f&#252;r die K&#228;mpfe entscheidende Informationen liefern.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wenn man den franz&#246;sischen Medien glauben m&#246;chte, bombardieren die russischen Truppen nur Schulen, Kinderkrippen, Entbindungsstationen und Krankenh&#228;user &#8211; man kann also verstehen, dass sie M&#252;he haben, den ukrainischen Kr&#228;ften beizukommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geh&#246;rt zu den Eigenschaften der modernen Kriege, dass sie sich in st&#228;dtischem Gebiet abspielen, somit inmitten der Zivilisten, in ihren Wohnungen und Arbeitspl&#228;tzen. Und wenn die ukrainischen Truppen einen Ort von den Russen zur&#252;ckerobern, dann nachdem sie die gleichen Methoden wie sie benutzt haben, fast das gleiche Material (ohne die Luftwaffe) und fast die gleiche Doktrin.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r einen seri&#246;sen und technischen Standpunkt, siehe z. B. Gaston Erlom, &#8222;Force ou faiblesses de l'arm&#233;e russe&#8220; in &lt;i&gt;Raids&lt;/i&gt;, Nr. 430, S. 29-42.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;General Vincent Desportes zitiert im Artikel &#8222;&lt;a href=&#034;https://video.lefigaro.fr/figaro/video/guerre-en-ukraine-quelle-est-la-strategie-militaire-de-poutine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Guerre en Ukraine : quelle est la strat&#233;gie militaire de Poutine ?&lt;/a&gt;&#8220; in &lt;i&gt;Le Figaro&lt;/i&gt;, 3. M&#228;rz 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Montgomery Pittman, &#8222;Tag 1 des Jahres 6&#8220;, erste Episode der dritten Staffel von &lt;i&gt;The Twilight Zone&lt;/i&gt;, 1961.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Perrine Poupin, &#8222;&lt;a href=&#034;https://mouvements.info/leruption-de-la-russie-en-ukraine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;L'irruption de la Russie en Ukraine. Entretien avec un volontaire de la d&#233;fense territoriale de Kiev&lt;/a&gt;&#8220; in &lt;i&gt;Mouvements&lt;/i&gt;, 29. M&#228;rz 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://communaut.org/de/ukraine-korrespondenzen-teil-i-und-ii&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Ukraine-Korrespondenzen&lt;/a&gt;&#8220;, erster Teil.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Marie-Joseph Ch&#233;nier, &lt;i&gt;Chant du d&#233;part&lt;/i&gt;, 1794.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Aber was h&#228;tten wir in Frankreich im August 1914 oder im Juni 1940 wirklich getan? Zu diesen Fragen sei die Lekt&#252;re des Buches von Louis Mercier Vega, &lt;i&gt;Reisende ohne Namen&lt;/i&gt; oder jenes von Pierre Lanneret, &lt;a href=&#034;https://archivesautonomies.org/spip.php?rubrique367&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Les Internationalistes du &#8222;troisi&#232;me camp&#8220; pendant la Seconde Guerre mondiale&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;&lt;/i&gt; (Acratie, 1995) empfohlen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe besonders den Blog &lt;a href=&#034;https://uneautreguerre.wordpress.com/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Une autre guerre&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-23&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-23&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;23&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Entre deux feux. Recueil provisoire de textes d'anarchistes d'Ukraine, de la Russie et de la Bi&#233;lorussie &#224; propos de la guerre en cours&lt;/i&gt;, 13. M&#228;rz 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-24&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-24&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-24&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;24&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wir benutzen das Wort M&#228;nner als &#252;berholtes Synonym f&#252;r Soldaten, denn die streitenden Kr&#228;fte scheinen f&#252;r die j&#252;ngsten westlichen Entwicklungen hinsichtlich der Geschlechterrollen kaum empf&#228;nglich zu sein. Hier, obwohl wir in Europa sind, ist das Schema viel klassischer: Jene, welche k&#228;mpfen, sind M&#228;nner (ausser vielleicht einige wenige Ausnahmen in der TV) und jene, welche fliehen, sind Frauen, Kinder und Alte.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-25&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-25&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-25&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;25&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Wenn wir abseits der zwischenstaatlichen Konflikte verbleiben, verbleiben wir abseits der wirklichen Politik. Es handelt sich heute um einen der bedeutendsten gesellschaftlichen Konflikte, die in unserer Region stattfinden. Wenn wir uns von diesem Konflikt isolieren, isolieren wir uns vom gegenw&#228;rtigen gesellschaftlichen Prozess. Wir m&#252;ssen uns also auf die eine oder andere Weise daran beteiligen.&#8220; Siehe &#8222;&lt;a href=&#034;https://fr.crimethinc.com/2022/02/03/ukraine-entre-deux-feux-des-anarchistes-de-la-region-a-propos-de-la-menace-de-guerre-imminente&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Entretien : 'Les anarchistes et la guerre en Ukraine'&lt;/a&gt;&#8220;.&lt;br class='manualbr' /&gt;&#8222;[&#8230;] jegliche Kraft, die sich in die kommende politische Entwicklung einbringt, muss hier und jetzt neben den Leuten pr&#228;sent sein. Wir wollen Fortschritte machen, um zu den Leuten eine weitergehende Beziehung aufzubauen, um uns mit ihnen zu organisieren. Unser langfristiges Ziel, unser Traum ist es, eine sichtbare politische Kraft in dieser Gesellschaft zu werden, um eine wirkliche Gelegenheit zu erhalten, eine Botschaft der sozialen Befreiung f&#252;r alle zu bef&#246;rdern.&#8220; Siehe &#8222;&lt;a href=&#034;https://renverse.co/analyses/article/ukraine-et-russie-3441&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Entretien : Comit&#233; de R&#233;sistance, Kyiv&lt;/a&gt;&#8220;, M&#228;rz 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-26&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-26&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-26&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;26&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wie viele Proletarier, welche die Uniform einer sehr wenig demokratischen Reichsarmee trugen, h&#228;tten damit gerechnet, dass sie sich danach (zumindest einige davon) an der Pariser Kommune oder an der deutschen und russischen Revolution beteiligen w&#252;rden?&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-27&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-27&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-27&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;27&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ein italienischer Genosse von Il lato cattivo, &#8222;&lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=19975&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Du moins, si l'on veut &#234;tre mat&#233;rialiste&lt;/a&gt;&#034;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-28&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-28&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-28&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;28&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Louis Mercier Vega, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 77-78.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-29&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-29&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-29&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;29&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Da es um Werte und Demokratie geht, ist es immer angemessen, daran zu erinnern, dass die NATO auf ihren Ruf als LGBTQI+-friendly achtet: &#8222;Die NATO ist der Diversit&#228;t verpflichtet. Die Politik der Organisation verbietet Diskriminierung basierend auf sexueller Orientierung sowie Geschlecht, Ethnie oder ethnischer Herkunft, Religion, Nationalit&#228;t, Behinderung oder Alter. Die NATO war auch weltweit f&#252;hrend in der Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Ehe. Die Organisation weitete die gleichen Eherechte im Juli 2002 auf gleichgeschlechtliche Paare aus, zu einer Zeit, wo nur ein Land in der Welt &#8211; die Niederlande &#8211; die gleichgeschlechtliche Ehe anerkannte.&#8220; &#8222;NATO Headquarters hosts first-ever conference on LGBTQ+ perspectives in the workplace&#8220;, Homepage der NATO, 19. M&#228;rz 2021.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-30&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-30&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-30&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;30&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Nach dem Krieg gegen Serbien ver&#246;ffentlicht Claude Guillon &lt;a href=&#034;http://www.insomniaqueediteur.com/publications/dommages-de-guerre&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Dommages de guerre. Paris-Pristina-Belgrade, 1999&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; (L'Insomniaque, 2000), ein bissiges Buch, das auf das Z&#246;gern und die Zugest&#228;ndnisse eines Teiles der franz&#246;sischen &#8222;Radikalen&#8220; gegen&#252;ber der NATO zur&#252;ckkommt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-31&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-31&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-31&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;31&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Man relativiert, w&#228;hrend in Frankreich Marine Le Pen oder &#201;ric Zemmour Nazis genannt werden; obwohl neben den Mitgliedern des Regiments Asow die Aktivisten des RN wie scheue Sozialdemokraten aussehen w&#252;rden; obwohl abgesehen von der Ukraine in der Welt ziemlich wenige L&#228;nder existieren, wo rechtsextreme Organisationen &#252;ber ihre eigenen in die nationale Armee integrierten milit&#228;rischen Einheiten verf&#252;gen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-32&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-32&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-32&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;32&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Was die Deserteure der franz&#246;sischen Armee betrifft, belaufen sie sich auf ungef&#228;hr 2&#8216;000 jedes Jahr, sie ziehen die Flucht und die Illegalit&#228;t der Fortsetzung ihres Engagements vor; einige enden vor Gericht. Doch das interessiert niemanden. Das k&#246;nnte sich k&#252;nftig &#228;ndern.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-33&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-33&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-33&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;33&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zu diesen Fragen sei auf unser Buch verwiesen: &lt;a href=&#034;http://www.lemondealenvers.lautre.net/livres/manu_militari.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Manu militari ? Radiographie critique de l'arm&#233;e&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Le Monde &#224; l'envers, 2020 (2018).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-34&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-34&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-34&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;34&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Bruce Springsteen, Born in the USA, 1984.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-35&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-35&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-35&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;35&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Abgesehen vom Jackpot, welcher der Krieg f&#252;r den milit&#228;risch-industriellen Komplex der USA und ihre Gasindustrie darstellt und obwohl er wahrscheinlich ein wirtschaftliches Desaster f&#252;r die EU ausl&#246;sen wird, ist er ein Gl&#252;cksfall f&#252;r gewisse Erwerbszweige, besonders aufgrund der Ankunft der ukrainischen Fl&#252;chtlinge; das gilt besonders f&#252;r den Sektor der Prostitution (in Deutschland) oder den industriellen und handwerklichen Sektor in Polen (ein Land, dem es an Arbeitskraft mangelt, da all seine Proletarier in den L&#228;ndern Westeuropas arbeiten gehen).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-36&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-36&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-36&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;36&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Gem&#228;ss den Worten ihres ersten Generalsekret&#228;rs, Lord Ismay, besteht die Rolle der NATO darin, &#8222;die Amerikaner drinnen, die Russen drau&#223;en [zu] halten - und die Deutschen am Boden&#8220;. Siehe Wikipedia.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-37&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-37&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-37&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;37&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die gigantischen Waffenlieferungen an die Ukraine, welche die USA planen, verlangsamen jetzt schon jene, welche f&#252;r Taiwan bestimmt waren. Siehe Laurent Lagneau, &#8222;&lt;a href=&#034;http://www.opex360.com/2022/05/03/taiwan-sinquiete-de-possibles-retards-pour-ses-commandes-dequipements-militaires-americains/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Ta&#239;wan s'inqui&#232;te de possibles retards pour ses commandes d'&#233;quipements militaires am&#233;ricains&lt;/a&gt;&#8220;, &lt;i&gt;Zone militaire&lt;/i&gt;, 3. Mai 2022.&lt;br class='manualbr' /&gt;Die Ukraine hat schon ungef&#228;hr 7&#8216;000 Panzerabwehrraketen Javelin erhalten, was ungef&#228;hr einem Drittel des amerikanischen Bestandes entspricht, die Ersetzungsfrist wird auf drei bis vier Jahre gesch&#228;tzt. Siehe Mat&#237;as Maiello, &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.revolutionpermanente.fr/Quelques-elements-d-analyse-militaire-sur-la-guerre-en-Ukraine&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelques &#233;l&#233;ments d'analyse militaire sur la guerre en Ukraine&lt;/a&gt;&#8220;, &lt;i&gt;R&#233;volution permanente&lt;/i&gt;, 28. April 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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<item xml:lang="de">
		<title>Raffaele Sciortino &#8211; Die Temperatur des Systems. Krieg und Abtauung der globalen Krise</title>
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		<dc:date>2022-05-24T01:28:00Z</dc:date>
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		<dc:subject>Bericht/Analyse</dc:subject>
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		<dc:subject>Ukraine-Krieg</dc:subject>
		<dc:subject>Raffaele Sciortino</dc:subject>

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&lt;p&gt;Ad&#220;: Transkription eines Vortrags gehalten am 2. April in Modena. Raffaele Sciortino ist u.a. der Autor von I dieci anni che sconvolsero il mondo. Crisi globale e geopolitica dei neopopulismi. &lt;br class='autobr' /&gt;
Da ich versuche, nicht zu ausschweifend zu sein, werde ich heute drei Punkte, drei Betrachtungen benennen, und davon substanziell einen vertiefen: Was ist die Temperatur des Weltsystems von einem allen voran wirtschaftlichen, und somit auch geopolitischen und sozialen Standpunkt aus betrachtet? Die (...)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

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&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Bericht-Analyse" rel="tag"&gt;Bericht/Analyse&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Ukraine-Krieg" rel="tag"&gt;Ukraine-Krieg&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Raffaele-Sciortino" rel="tag"&gt;Raffaele Sciortino&lt;/a&gt;

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 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/arton80.jpg?1689211657' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='79' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Ad&#220;: Transkription eines Vortrags gehalten am 2. April in Modena. Raffaele Sciortino ist u.a. der Autor von &lt;a href=&#034;https://www.asterios.it/catalogo/i-dieci-anni-che-sconvolsero-il-mondo&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;I dieci anni che sconvolsero il mondo. Crisi globale e geopolitica dei neopopulismi&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da ich versuche, nicht zu ausschweifend zu sein, werde ich heute drei Punkte, drei Betrachtungen benennen, und davon substanziell einen vertiefen: Was ist die Temperatur des Weltsystems von einem allen voran wirtschaftlichen, und somit auch geopolitischen und sozialen Standpunkt aus betrachtet? Die anderen beiden Betrachtungen sind hingegen die folgenden: Von der ersten gehe ich davon aus, dass sie grundlegend von den anwesenden Personen geteilt wird, es handelt sich um die &#220;berdetermination dieses Konflikts &#8211; in welchem wir offensichtlich Russland und die Ukraine zuvorderst auf der B&#252;hne sehen &#8211; durch die USA. Erlaubt mir also eine kurze Pr&#228;ambel.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Zufall wollte es, dass ich vor kurzem G&#252;nther Anders gelesen habe, seinen Text &lt;i&gt;Die Antiquiertheit des Menschen&lt;/i&gt;. W&#228;hrend er &#252;ber die Verblendung der Menschheit nach dem Zweiten Weltkrieg hinsichtlich der m&#246;glichen Apokalypse, genauer der Bombe und der nuklearen Selbstzerst&#246;rung nachdenkt, &#228;ussert der Autor an einem gewissen Punkt einen Gedanken, der ein bisschen aus dem Nichts kommt. Er sagt, die St&#228;rke einer Idee liege nicht so sehr in den Antworten, die sie gebe, als in den Fragen, die sie ersticke, die sie nicht herauskommen lasse. Wenn wir nun an die Stelle der &#8222;Idee&#8220; die &#8222;amerikanische Soft Power&#8220; setzen &#8211; und somit einer der grundlegenden Effekte der imperialen amerikanischen Hegemonie in den letzten Jahrzehnten &#8211;, so scheint es mir eher, dass etliche Fragen auf widerspr&#252;chliche, sozusagen erstickte Art und Weise aufgeworfen werden. Nicht nur ausserhalb des Westens, wo die Sache ziemlich offensichtlich ist, sondern auch im Westen und unter gew&#246;hnlichen Leuten (man braucht hier nicht von politischer Subjektivit&#228;t zu sprechen). Und die Frage, die man sich stellt, ist folgende: Was ist die Rolle der USA in dem, was geschieht? Und ist diese Rolle vielleicht nicht grundlegend oder gar priorit&#228;r? Das ist die erste Betrachtung, die ich f&#252;r die folgende Diskussion im Raum stehen lasse.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der zweite Punkt ist jener, von welchem ich sprechen werde, n&#228;mlich von der gesamten Temperatur des Weltsystems und somit vom Ernst der aktuellen Lage. Noch einmal, wir k&#246;nnen nicht wissen, inwiefern, doch wir stehen gewiss vor einem Wendepunkt, wie es vorher gesagt wurde. Und eine dritte Frage, die ich euch stelle, ist jene nach der M&#246;glichkeit, eine Bewegung gegen den Krieg aufzubauen, und unter welchen Bedingungen und auf welchen Grundlagen sie aufgebaut werden kann. In anderen Worten, was sind die (auch, aber nicht in erster Linie, subjektiven) Schwierigkeiten, die sich aus der Situation ergeben, die wir gemeinsam in ihrer Gesamtheit zu begreifen versuchen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich will hier mit euch einen Gedankengang &#252;ber die Tatsache vertiefen &#8211; vertiefen ist ein grosses Wort; sagen wir, artikulieren &#8211;, dass der ukrainische Krieg die Folge einer umfassenderen Situation ist, die, wie es vorher festgehalten wurde, zumindest auf den Ausbruch der sogenannten Finanzkrise von 2008 zur&#252;ckgeht. Nun, um so synthetisch wie m&#246;glich und hoffentlich nicht allzu didaktisch zu sein, w&#252;rde ich sagen, dass die 2008 ausgebrochene Krise mit den USA als Epizentrum nur oberfl&#228;chlich betrachtet eine Finanzkrise ist, sie ist in Wirklichkeit eine &lt;i&gt;Systemkrise&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ausgehend von den durch das amerikanische Finanzsystem, durch den amerikanischen Staat und dann kaskadenartig durch alle anderen globalen Akteure darauf gegebenen Antworten ist sie im Wesentlichen eingefroren worden. Eingefroren, aber nicht ohne dass zwei grundlegende Prozesse entfesselt worden sind, von welchen wir heute eine erste starke Auswirkung auf geopolitischer Ebene erleben. Der erste Prozess ist jener, welcher der &lt;i&gt;Economist&lt;/i&gt; (die Bibel des globalen Kapitalismus seit Mitte des 19. Jahrhunderts) die &lt;i&gt;slowbalisation&lt;/i&gt;, von &lt;i&gt;slow&lt;/i&gt;, langsam, genannt hat. Die seit mindestens den letzten dreissig Jahren, aber auch vor dem Fall der Berliner Mauer aufstrebende Globalisierung ist nicht unterbrochen worden, zumindest nicht bez&#252;glich ihrer drei grundlegenden Indikatoren, n&#228;mlich des Welthandels bez&#252;glich des in einem Jahr produzierten globalen Nettoprodukts, des Aufbaus globaler Produktionsketten und klar bez&#252;glich der Logistik und der Auslandsinvestitionen. Es gab und hat bis jetzt keinen wirklichen und eigentlichen Unterbruch gegeben, doch wir beobachten freilich eine Verlangsamung der Wachstumsindikatoren. Somit haben wir es eben gerade mit einer &lt;i&gt;slow-balisation&lt;/i&gt; zu tun, einer sich verlangsamenden Globalisierung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Kontext der produktiven Ebene und allgemeiner auf jener der F&#228;higkeit, die kapitalistische Akkumulation und somit die Profitmaschine wieder zum Laufen zu bringen, k&#246;nnen wir, mit Hochs und Tiefs und in offensichtlich verschiedenen Situationen, wenn wir den Westen betrachten (der Diskurs ist nicht der gleiche bez&#252;glich Ostasien und besonders China), eine substanzielle Stagnation beobachten. Der Begriff ist alles andere als &#228;usserst pr&#228;zis, denn die Situationen sind eben gerade verschieden, einerseits zwischen Europa und den USA, andererseits innerhalb Europas; aber wir k&#246;nnen grundlegend von einem leblosen Wachstum und noch viel mehr von einer grundlegenden Unf&#228;higkeit zur Lancierung der Kapitalakkumulation sprechen. Was, mit einer zur Ursache gewordenen Wirkung, einherging mit einer zunehmenden Verschuldung, die von den Zentralbanken (eigentlich, um die explosiven wirtschaftlichen, und dann sozialen und politischen Auswirkungen zu blockieren) ausgel&#246;st worden ist, besonders der Federal Reserve und kaskadenartig der japanischen, der britischen und schliesslich der von Draghi gef&#252;hrten EZB.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine Verschuldung, die in der Geschichte des Kapitalismus ihresgleichen sucht und die sich w&#228;hrend der Pandemiekrise weiter vergr&#246;ssert hat. Die Bilanzen der Zentralbanken haben unvorstellbare Zahlen erreicht, z.B. eben genau jene der amerikanischen Zentralbank (ich erinnere mich jetzt nicht an die pr&#228;zise Zahl), welche im Bereich zwischen f&#252;nf und sieben Billionen liegt, was mehr oder weniger einem Drittel oder der H&#228;lfte des amerikanischen Bruttoinlandsproduktes entspricht. Was &#8211; und das ist ein Punkt, den wir nicht vertiefen k&#246;nnen &#8211; offensichtlich Auswirkungen hat auf die Inflation, jenes Ph&#228;nomen, welches in den letzten eineinhalb Jahren (der sogenannten postpandemischen &#8222;Erholung&#8220;) zur&#252;ckgekehrt ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nun gut, die einfache Tatsache, diese Makroprozesse zu benennen, zeigt uns, dass das, was die Globalisierung in den letzten dreissig, vierzig Jahren gewesen ist, nicht ohne Risse oder wahrhafte und eigentliche Breschen verlaufen konnte &#8211; auch in Anbetracht der Tatsache, dass in diesen zehn Jahren zwischen 2008 und dem Ausbruch der globalen Krise China zwar nicht um die Weltwirtschaft und den Westen zu retten, aber doch, um als Ablassventil der wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu agieren, interveniert hat. Doch lassen wir es langsam angehen und machen wir einen Schritt zur&#252;ck.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was ist die Globalisierung gewesen? Oder besser, was haben &#8211; auf geopolitischer und sozialer Ebene sowie auf jener des Klassenkampfes, auf strikt &#246;konomischer Ebene &#8211; diese Zusammensetzungen konstituiert, welche die Globalisierung unter amerikanischer F&#252;hrung ergeben haben?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Grundlegend handelt es sich um mindestens drei grosse Prozesse. Der erste ist ein geopolitischer Prozess, der die Vers&#246;hnung zwischen den USA und China beschreibt, sie begann Anfang der 1970er Jahre nach dem &#220;bergang von Mao zu Deng, und zwar zu jenem Zeitpunkt, als die USA mit einer sehr grossen Krise konfrontiert waren, sowohl aufgrund der Niederlage in Vietnam als auch aufgrund der gesellschaftlichen K&#228;mpfe des &#8222;langen 68&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf strikt &#246;konomischer und monet&#228;rer Ebene ist die Abkopplung des Dollars vom Goldstandard 1971 entscheidend, sie hat die Fluktuation der W&#228;hrungen sozusagen ohne physische Grundlage ausgel&#246;st. Kurz zusammengefasst hatte die strikte und fixe Bindung des Dollars ans Gold im Bretton-Woods-System nach dem Zweiten Weltkrieg, die von allen anderen W&#228;hrungen befolgt wurde, aus dem Dollar die globale Reservew&#228;hrung und das internationale Zahlungsmittel gemacht. Ab 1971 verfolgt der Dollar hingegen einen &#8222;Akkordeon-Verlauf&#8220;, eine &#8222;Akkordeon-Dynamik&#8220;: In jenem Sinne, dass die Abkopplung vom Goldstandard es der amerikanischen Zentralbank erlaubt, nach Belieben Geld zu drucken, je nach den geostrategischen Anforderungen der USA, manchmal wird gedruckt, manchmal werden die Z&#252;gel angezogen und es wird abgeklemmt. Im ersten Fall, indem der Dollar gegen die globale Produktion ausgetauscht wurde, erlaubte das eine Kontrolle, eine Steuerung eines grossen Teils des weltweit produzierten Werts; im zweiten Fall hingegen, in ver&#228;nderten Situationen, schloss sich das Akkordeon, um ihn wieder in die USA zur&#252;ckzulenken, statt einem zu inflation&#228;ren Dollar, der Gefahr lief, an Wert zu verlieren (und an Wert verlor). Eine gew&#246;hnliche Taktik bestand z.B. darin, die Zinss&#228;tze anzuheben und somit jene Kapitale wieder in die USA zur&#252;ckzulenken, welche Gefahr liefen, sich in anderen Gefilden anzusiedeln. Selbstverst&#228;ndlich ist das Problem viel komplexer, als ich es hier darstelle, doch es geht nur darum, einen &#220;berblick dar&#252;ber zu geben, wie seit den 1970er Jahren das aufgebaut worden ist, was wir den &lt;i&gt;Finanzimperialismus&lt;/i&gt; des Dollars nennen k&#246;nnen (und der in der Geschichte des globalen Kapitalismus eine noch nie dagewesenes Ph&#228;nomen darstellt).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Regieren durch den Dollar bedeutet auch, &#252;ber die globalen Wertfl&#252;sse durch die Verschuldung zu regieren. Denn ein Dollar in freier Fluktuation, mal inflation&#228;r, mal deflation&#228;r, je nach inneren oder internationalen Ereignissen, hat es den USA erlaubt, ein enormes Haushaltsdefizit und ein nicht minder enormes Aussenhandelsdefizit zu akkumulieren. Kurz zusammengefasst haben wir zum ersten Mal ein herrschendes Subjekt, das die Welt durch die Schulden beherrscht, seine Schulden. Ich m&#246;chte nur daran erinnern, dass die USA nach dem Ersten, und noch mehr nach dem Zweiten Weltkrieg, hingegen die wichtigsten Gl&#228;ubiger der damals starken M&#228;chte waren, der europ&#228;ischen und allen voran der damaligen Hegemonialmacht Grossbritannien.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das dritte Makroph&#228;nomen, das zur Geburt der Globalisierung beigetragen hat, ohne dass es davon, wie soll ich sagen, eine gemeinsame Organisation gegeben h&#228;tte &#8211; was im Kapitalismus unm&#246;glich ist, ausser man will Verschw&#246;rungstheorien vertreten &#8211; war der Kampf des &#8222;langen 68&#8220; und dessen Absorption. Ein Pr&#228;zisierung ist diesbez&#252;glich wichtig. Es war nicht schlichtweg eine Niederlage des Klassenkampfes im Westen, so wie er sich zwischen der 1960er und 1970er Jahre entwickelt hatte. Er wurde allenfalls geschw&#228;cht, und es gab auch bedeutende Niederlagen, aber allen voran eine Absorption der Forderungen von 68 &#8211; jener libert&#228;ren und nach Autonomie strebenden Forderungen, die sich teilweise auch gegen die Abh&#228;ngigkeit von der Lohnarbeit wandten &#8211; welche die aufstrebende Globalisierung gewissermassen erfolgreich absorbiert, sie auf ihre Spielwiese gef&#252;hrt und dort dekliniert hat, n&#228;mlich zugunsten eines erneuten Aufschwungs der kapitalistischen Akkumulation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das erkl&#228;rt nun auch ein anderes Ph&#228;nomen, oder kann es meines Erachtens plausibel erkl&#228;ren. N&#228;mlich die Tatsache, dass die neue Herrschaft, welche die USA zuf&#228;llig nach den 1970er Jahren, nach dem langen 68 &#252;ber die Welt aufgebaut haben &#8211; eine Herrschaft, die, Obacht, notwendigerweise auch China als andere S&#228;ule gehabt hat (offensichtlich auf asymmetrische Art und Weise, sowohl bez&#252;glich der Macht als auch des Profits), d.h. die &#214;ffnung der westlichen M&#228;rkte (der amerikanischen allen voran) f&#252;r den chinesischen Export, was die Internationalisierung der Produktion, die Konstitution globaler Produktionsketten erlaubt hat, das erm&#246;glichte China diesen unglaublichen Aufstieg, in dreissig Jahren alles in allem, f&#252;r welchen die anderen L&#228;nder mit einem reifen Kapitalismus hundert oder hundertf&#252;nfzig Jahre gebraucht haben, aber offensichtlich immer in einer asymmetrischen Position, ohne jegliche chinesische Vorherrschaft &#8211; also, so sagte ich, es ist offensichtlich, dass in dieser Architektur, in dieser globalen Zusammensetzung &#8211; dank der Widerspr&#252;che der sogenannten Finanzialisierung, d.h. der Tatsache, dass die USA ihr produktives Grundger&#252;st nicht komplett desindustrialisiert, es eher auf die &#8222;hohen&#8220; Sektoren der Technologie umgestellt haben, w&#228;hrend das Gewicht der Finanz- und spekulativen Wirtschaft unermesslich anstieg und durch die von uns beschriebene Kontrolle &#252;ber die W&#228;hrung und die Finanz &#8211; es den USA erlaubt hat, einen grossen Teil der globalen Wertfl&#252;sse ab- und einzufangen, indem sie sie auf neue und nie dagewesene Art und Weise unter ihre Kontrolle brachten. Nie dagewesen, weil man in den 1970er Jahren von einem unvermeidlichen Niedergang der USA ausging und es nicht so gekommen ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist also klar, dass diese komplexe Architektur, die ich gerade &#8211; in hoffentlich nicht allzu konfuser Art und Weise &#8211; skizziert habe, ab 2008 Risse bekommen hat, sei es wegen inneren Widerspr&#252;chen, aber auch, weil China ab einem gewissen Punkt dazu gedient hat, diese neue amerikanische Herrschaft aufzubauen, was mit einem wirtschaftlichen Aufstieg und der Tatsache einherging, dass China gewissermassen damit begonnen hat &#8211; sei es mit der Erh&#246;hung der Ertr&#228;ge und L&#246;hne, sei es mit inneren Klassenk&#228;mpfen &#8211;, nach einem h&#246;heren Anteil an den globalen Profiten zu streben, wenn auch nicht unbedingt als Anspruch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was beinhaltete das alles? Auf chinesischer Seite das Bewusstsein innerhalb der Eliten, der F&#252;hrungsriege der Staatspartei, f&#252;r dieses asymmetrische Verh&#228;ltnis, das aus dem Gleichgewicht, zu stark aus dem Gleichgewicht gebracht worden ist, das grunds&#228;tzlich bedeutet und bedeutete, dass sein Aufstieg g&#228;nzlich auf den Exporten in die westlichen M&#228;rkte basiert. Mit der Krise 2008 erwies sich diese Strategie allerdings als prek&#228;re Wette, was die chinesische F&#252;hrungsschicht &#252;berraschte und womit sie gewissermassen sofort konfrontiert war. Um die Krise zu mildern, intervenierte China also mit einer verr&#252;ckten Aktivierung der Notenpresse 2009, womit es auch dem Westen half. Aber sein wirtschaftliches Entwicklungsmodell kann die Schwelle zu einer kontinuierlichen Verschuldung nicht &#252;berschreiten, es w&#252;rde zu einer &#228;hnlichen Blase wie im Westen f&#252;hren, die fr&#252;her oder sp&#228;ter unweigerlich platzen und zu Toten und Verletzten in einem Prozess wie jenem der letzten dreissig Jahre f&#252;hren w&#252;rde, dieser war zwar aussergew&#246;hnlich, aber auch voller wirtschaftlicher, sozialer und politischer Widerspr&#252;che.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;China hat also grosso modo nach der globalen Krise einen Plan aufgegleist, eine Industrie- und Wirtschaftspolitik, die zum Ziel haben, in den Wertsch&#246;pfungsketten wieder hinaufzusteigen. Es geht, um es kurz zu fassen, um einen Wiederausgleich der Binnenwirtschaft und das Verh&#228;ltnis seiner Wirtschaft zum Ausland. In konkreten Begriffen bedeutet das eine geringere Abh&#228;ngigkeit von Exporten, die Stimulierung des eigenen Binnenmarktes, eine Verringerung der Abh&#228;ngigkeit von westlichen Finanzeinsch&#252;ssen und eine Projektion nach aussen mit den sogenannten Seidenstrassen. F&#252;r all das ist es f&#252;r China offensichtlich grundlegend, den Sprung hin zu technologisch fortgeschritteneren Produktionen zu machen, allen voran in einem Feld, wo es entscheidend im R&#252;ckstand ist wie in jenem der Mikrochips. Es sollte pr&#228;zisiert werden, dass der Fokus nicht so sehr und nicht nur auf der digitalen Produktion f&#252;r den Massenkonsum liegt, sondern eher auf dem Design, der Produktion und der Planung von integrierten Schaltkreisen, die ihre Grundlage sind (offensichtlich auch die Grundlage von milit&#228;rischen Technologien).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser chinesische Wiederausgleichsplan, sollte er erfolgreich sein, w&#228;re f&#252;r die amerikanischen und allgemein die westlichen Multinationalen &#8211; und allen voran f&#252;r die amerikanische Kontrolle durch den Dollar &#8211;, ich w&#252;rde nicht sagen, das Ende, denn das ist nicht die Absicht und auch nicht realistisch in Anbetracht der Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse in China, aber doch ein ernsthafter Schlag. Es ist genau diese Hypothese, welche die amerikanische Reaktion ausgel&#246;st hat, die zuerst im Kurs der Obama-Administration skizziert und dann mit dem sogenannten Handelskrieg Trumps lanciert worden ist. Vergessen wir nicht, dass der Handelskrieg nicht so sehr zum Ziel hat, die Handelsbilanz zwischen China und den USA wieder auszugleichen, denn das, wie wir zuvor gesagt haben, ist nicht das Problem. Die USA herrschen in aller Ruhe &#252;ber die Welt, indem sie Schulden machen. Das Problem ist die Aufrechterhaltung der Priorit&#228;t und der Vorherrschaft des Dollars und China daran zu hindern, technologisch h&#246;here Stadien der kapitalistischen Akkumulation zu erreichen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und tats&#228;chlich sehen wir eine perfekte Kontinuit&#228;t zwischen der Trump- und der Biden-Administration. Biden tat nichts anderes, als die Strategie, welche die Form des sogenannten &lt;i&gt;selektiven technologischen decoupling&lt;/i&gt; angenommen hat, zu verfeinern. Unter &lt;i&gt;decoupling&lt;/i&gt; versteht man die Abkopplung Chinas vom Zugang zu gehobenen westlichen Kapitalen und Technologien, in einem internationalen Kontext, in welchem die USA die gleichen Mechanismen auch den L&#228;ndern des Westens und den Verb&#252;ndeten in Asien (Japan und Taiwan) aufzwingen. &#8222;Selektiv&#8220;, denn ein totaler Bruch mit China w&#228;re f&#252;r die USA offensichtlich gleichbedeutend mit der T&#246;tung des Huhns, das goldene Eier legt, was, zumindest gegenw&#228;rtig, weder geplant noch machbar ist. Gegenw&#228;rtig haben sich die USA auf geopolitischer Ebene in Richtung Ostasien neu orientiert und eine Strategie der Umzingelung, der neuen Eind&#228;mmung Chinas initiiert, ihre Schwerpunkte sind das (n&#246;rdliche und s&#252;dliche) Chinesische Meer und Taiwan. Daf&#252;r wollten sie den Mittleren Osten zwar nicht &#8222;aufgeben&#8220;, aber ihre Pr&#228;senz dort zumindest reduzieren, und gleichzeitig Afghanistan sich selbst &#252;berlassen und sich auf diese neue Flanke fokussieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was haben nun Russland, Osteuropa und Zentralasien mit all dem zu tun?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie haben es allen voran, weil gewisse strategische Vorgaben der Seidenstrassen dort durch f&#252;hren, das ist grundlegend f&#252;r China, denn da es bez&#252;glich der Meere eng aussieht (China h&#228;ngt zum Beispiel f&#252;r Gas- und &#214;llieferungen und alle Warenexporte davon ab), versucht China, den Transit via Landweg &#252;ber Zentral- und S&#252;dasien sicherzustellen. Russland ist allein schon deswegen entscheidend und gleichzeitig ist die Ukraine der Voraussicht nach ein grundlegender Knotenpunkt der Seidenstrasse. Aber auch, weil es von einem politischen und geopolitischen Standpunkt aus offensichtlich ist, dass China f&#252;r Russland einen grundlegenden Puffer gegen den Druck der NATO und der USA darstellt; und seinerseits ist Russland f&#252;r China ein geographischer sowie, von einem wirtschaftlichen Standpunkt aus betrachtet, komplement&#228;rer Puffer. Russland exportiert haupts&#228;chlich landwirtschaftliche und mineralische Rohstoffe und China ist die Werkstatt der Welt. Und rund um dieses Verh&#228;ltnis &#8211; das kein B&#252;ndnis ist, aber trotzdem eine strategische Partnerschaft &#8211; k&#246;nnen all diese territorialen Zonen und Gebiete kreisen, welche sich nicht komplett dem Diktat Washingtons unterwerfen wollen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hier und jetzt &#8211; und ich n&#228;here mich der Schlussfolgerung &#8211; entsteht der Widerspruch dieser Phase, der uns offensichtlich f&#252;r einige Jahrzehnte begleiten wird, wenn er nicht zuvor explodiert. &lt;strong&gt;Der Widerspruch dieser Phase entsteht aus der sowohl spiegelbildlichen als auch entgegengesetzten Notwendigkeit f&#252;r China und die USA, die Globalisierung zu erhalten; und gleichzeitig aus der Notwendigkeit, Strategien umzusetzen, welche die gegenw&#228;rtige Globalisierung unterminieren, somit ihre Krise und dann vielleicht sogar ihren R&#252;ckgang, eine Entglobalisierung, beg&#252;nstigen.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was will ich sagen? China braucht die Globalisierung, denn es befindet sich am Scheideweg. Es muss weiterhin Waren exportieren, Rohstoffe aus der H&#228;lfte der Welt importieren, aber allen voran Zugang haben zu Technologien und Kapitalen, die es noch nicht besitzt. Das Problem ist, dass China eine weniger asymmetrische, wir k&#246;nnten sagen, eine multipolarere, multilateralere Globalisierung m&#246;chte. &#8222;Eine andere Globalisierung&#8220;, wie man vor zwanzig Jahren w&#228;hrend der Bewegung gegen die Globalisierung sagte; was hingegen eindeutig eine sehr harte Reaktion seitens der USA hervorbringt, wovon wir jedoch gegenw&#228;rtig nur den Anfang sehen. Die USA sind n&#228;mlich gezwungen, mit dem &lt;i&gt;decoupling&lt;/i&gt; zu antworten, somit versuchen sie, China (mithilfe von Sanktionen, Z&#246;llen und allem, was wir noch sehen werden) vom globalen Kontext abzukoppeln und zu trennen, aber gleichzeitig ist es klar, dass die USA Gefahr laufen, den Ast abzus&#228;gen, auf welchem sie sitzen. Das heisst, jene Fl&#252;sse, jene Wertsch&#246;pfungsketten zu unterbinden und zu unterbrechen, welche substanziell die Quelle der globalen Herrschaft des Dollars und somit ihrer globalen imperialen Hegemonie sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Demzufolge liegt der Widerspruch in der Hervorbringung von Effekten, welche im Widerspruch zu jenen Bedingungen stehen, welche, ich wiederhole es, spiegelbildlich und entgegengesetzt f&#252;r China sind &#8211; eine alternativere und weniger asymmetrische, weniger auf den Westen und den Dollar fokussierte Globalisierung &#8211; und f&#252;r die USA &#8211; eine Unterbrechung der Handelsfl&#252;sse mit China, das allerdings in der Zwischenzeit zur Werkstatt der Welt geworden ist und ohne welche, wie wir es w&#228;hrend der Pandemie gesehen haben, das Risiko besteht, die globalen Wertsch&#246;pfungsketten zu blockieren. In diesem Kontext, und jetzt n&#228;here ich mich wirklich dem Ende, ist das grundlegende Problem auch, dass in der Zwischenzeit parallel zur Krise durch die Verschuldung und andere Mechanismen eine enorme Blase an fiktivem und spekulativem Kapital geschaffen worden ist, aus der, falls die Akkumulation wieder einsetzen soll, irgendwie die Luft herausgelassen werden muss und das auch auf heftige Art und Weise. Und schaut, mit Ph&#228;nomenen wie der Inflation, den Kriegen (mit den damit einhergehenden Zerst&#246;rungen von Kapitalen und offensichtlich menschlichen Wesen) und einer Stagflation (d.h. produktive Stagnation zusammen mit einer Inflation), in welcher wir uns wahrscheinlich befinden, steuern wir erneut auf eine grosse oder zumindest auf eine betr&#228;chtliche Rezession zu.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn man Europa anschaut, ich las diese Tage die Daten &#252;ber Deutschland: Europa ist klar am heftigsten von dieser Ukraine-Krise getroffen worden (aber auch den USA geht es betreffend der Inflation nicht allzu gut), also gut, technisch betrachtet ist fast schon Rezession, vor allem wenn man die Daten mit jenen vor der Pandemie 2019 vergleicht. Wir h&#228;tten also eine grosse Rezession mit Kapitalentwertungen, Unternehmensschliessungen, Entlassungen, Zerst&#246;rungen: Und die Zerst&#246;rung ist die notwendige Bedingung f&#252;r die Wiederaufnahme der globalen Akkumulation. Nur, mit all diesem wird es gleichzeitig zu Krisen und Kriegen kommen, und jeder Akteur, angefangen mit den USA, m&#246;chte die Kosten dieser Entwertung auf andere abw&#228;lzen und wird dies versuchen. Aber wir sehen es schon in der gegenw&#228;rtigen Krise: Wir sehen klar die Haltung der USA &#8211; Fortsetzung des Krieges, die Ukraine muss gewinnen &#8211; und die Sch&#228;den &#8211; sei es auf der Ebene der Energiepreise, aber auch allgemein mit allem, was Europa riskiert &#8211; werden eben genau auf den Verb&#252;ndeten abgew&#228;lzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es kann also sein (die Zukunft, vielleicht sogar die nahe, wird es zeigen), und ich komme zum Ende, dass der Krieg in der Ukraine ein &lt;i&gt;erster Wendepunkt&lt;/i&gt; der Situation ist; ein Entriegelungspunkt, ein &lt;i&gt;Abtaupunkt&lt;/i&gt; der Krise, die ich, vielleicht mehr schlecht als recht, zu beschreiben versuchte. Eine Umkehr des Zyklus, in welcher wir, und das ist kein Zufall, eine Politik der Federal Reserve beobachten k&#246;nnen, die eine Abweichung (bis jetzt nicht um 180 Grad, aber das k&#246;nnte durchaus geschehen) hinsichtlich des &#8222;leichten Geldes&#8220; all dieser Jahre markiert. Sie erh&#246;ht n&#228;mlich die Zinss&#228;tze, um den Dollar zu st&#228;rken und wieder Kapitale in die USA zu locken: Es ist erneut dieser Akkordeon-Effekt des Dollars, von dem wir zuvor sprachen. Gleichfalls schadet die Erh&#246;hung der Energiepreise Europa betr&#228;chtlich, wie das schon w&#228;hrend der Energiekrise 1973 der Fall war; aber solange die Energie in Dollar erworben und gehandelt wird, schadet sie den USA nicht (oder w&#252;rde ihr weniger schaden ohne die Begleiterscheinung der Inflation). Ich wiederhole es, solange der Dollar internationale Leitw&#228;hrung bleibt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und hier, mit dem, was Russland gerade tut (z.B. eine Bezahlung in Rubel f&#252;r den Handel der energetischen Rohstoffe verlangen), und mit dem, was China zum ersten Mal anstrebt (d.h. sich minimal vom Dollar abkoppeln, und so weiter, und so fort), ist, auch wenn die extremen Folgen davon offensichtlich nicht sofort eintreten werden, das Tabu zum ersten Mal benannt, es ist gebrochen. Wenn man an eine Weltwirtschaft denkt, die nicht dem Dollar unterworfen ist, denkt man an Prozesse der &lt;i&gt;Entdollarisierung&lt;/i&gt;. Gegenw&#228;rtig weiss niemand, was dabei herauskommen wird, doch es ist offensichtlich, dass das Material explosiv ist. Zwischen Krisen der Globalisierung und dem m&#246;glichen Beginn der Entglobalisierung, sehr harten Reaktionen der USA, Prozessen (oder auch Absichten, Strategien) der Entdollarisierung ist es offensichtlich &#8211; und dabei werde ich es belassen &#8211;, dass die Ukraine-Krise der Niederschlag eines Klumpens an nunmehr systemischen Widerspr&#252;chen ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Italienischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://kamomodena.noblogs.org/2022/04/13/raffaele-sciortino-la-temperatura-del-sistema-guerra-e-scongelamento-della-crisi-globale/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Roland Simon - Ukraine 2022</title>
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		<dc:subject>Th&#233;orie communiste</dc:subject>
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		<dc:subject>Ukraine-Krieg</dc:subject>
		<dc:subject>Roland Simon</dc:subject>

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&lt;p&gt;Ein Zusammenbruch des Sowjetregimes w&#252;rde unweigerlich einen Zusammenbruch der Planwirtschaft und damit die Abschaffung des staatlichen Eigentums nach sich ziehen. Die Zwangsbindung der Trusts untereinander und zwischen den Fabriken eines Trusts w&#252;rde sich lockern. Die erfolgreichsten Unternehmungen w&#252;rden sich beeilen, selbst&#228;ndige Wege zu gehen. Sie k&#246;nnten sich in Aktiengesellschaften umwandeln oder eine andere transitorische Eigentumsform finden, etwa mit Gewinnbeteiligung der (...)&lt;/p&gt;


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 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/arton79.jpg?1689247013' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='94' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;blockquote class=&#034;spip&#034;&gt;
&lt;p&gt;Ein Zusammenbruch des Sowjetregimes w&#252;rde unweigerlich einen Zusammenbruch der Planwirtschaft und damit die Abschaffung des staatlichen Eigentums nach sich ziehen. Die Zwangsbindung der Trusts untereinander und zwischen den Fabriken eines Trusts w&#252;rde sich lockern. Die erfolgreichsten Unternehmungen w&#252;rden sich beeilen, selbst&#228;ndige Wege zu gehen. Sie k&#246;nnten sich in Aktiengesellschaften umwandeln oder eine andere transitorische Eigentumsform finden, etwa mit Gewinnbeteiligung der Arbeiter, Gleichzeitig und noch leichter w&#252;rden die Kolchosen zerfallen. Der Sturz der heutigen b&#252;rokratischen Diktatur, wenn keine neue sozialistische Macht sie ersetzt, w&#228;re also gleichbedeutend mit einer R&#252;ckkehr zu kapitalistischen Verh&#228;ltnissen bei katastrophalem R&#252;ckgang von Wirtschaft und Kultur.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotzki, &lt;i&gt;Die verratene Revolution&lt;/i&gt;, 1957 (1936)&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Die Invasion der Ukraine durch Russland ist kein Weltkrieg, aber ein Krieg mit weltweiter Bedeutung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;In der Krise ist die Restrukturierung defekt&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jede Phase der kapitalistischen Produktionsweise enth&#228;lt ihre milit&#228;rische Formation, das Ausbeutungsverh&#228;ltnis als Klassenkampf ist sowohl wirtschaftlich als auch politisch und milit&#228;risch. In der reellen Subsumtion der Arbeit unter das Kapital setzen alle Kriege nicht nur zwei antagonistische Ziele verfolgende Feinde einander entgegen, sondern allen voran zwei durch die Polarisierung eines selben Widerspruches konstituierte und konstruierte Feinde, jeder von ihnen repr&#228;sentiert einen Pol und tr&#228;gt in sich selbst die Existenz und die Notwendigkeit des anderen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gegenw&#228;rtig ist, seit der Krise von 2008, die jene der Produktionsweise war, so wie sie in den 1970er-1980er restrukturiert worden war, der weltweit aufzul&#246;sende Widerspruch jener der Entkopplung zwischen der Kapitalverwertung und der Reproduktion der Arbeitskraft, die das Prinzip der Globalisierung selbst war. &lt;i&gt;Es geht darum, weltweit die Kapitalakkumulation und die Reproduktion der globalen Arbeitskraft zu reartikulieren&lt;/i&gt;. Es wird keine R&#252;ckkehr zu nationalen oder nach Bl&#246;cken geordneten Akkumulationsformen geben. In der Konfrontation zwischen den USA, der Europ&#228;ischen Union, China und Russland geht es darum, herauszufinden, welcher Block, durch die Rivalit&#228;ten und B&#252;ndnisse zwischen diesen vier M&#228;chten, ein &lt;i&gt;hierarchisiertes&lt;/i&gt;, aber weltweit f&#252;r die &#8222;Besiegten&#8220; &lt;i&gt;akzeptables&lt;/i&gt; Modell durchsetzen wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Kapital bringt nie durch sich selbst L&#246;sungen f&#252;r seine Widerspr&#252;che hervor und auch nicht in der alleinigen konkurrierenden Konfrontation zwischen den M&#228;chten. Die Grundlage ist immer die Ausbeutung, die dazu f&#252;hrt, dass diese Konfrontation nur durch die Konfrontation mit dem Proletariat einen Sinn bekommt. Es sind der besiegte Kampf der Klasse und die zum Sieg &#252;ber sie notwendigen Modalit&#228;ten und &#8222;gesellschaftlichen Erfindungen&#8220;, welche die Eigenschaften einer Restrukturierung skizzieren. Die reelle Subsumtion ist immer noch im Entstehen begriffen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Mit der realen Subsumtion der Arbeit unter das Kapital findet eine (...)&#034; id=&#034;nh2-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Aber gegenw&#228;rtig repr&#228;sentieren weder die USA noch Russland, China oder Europa eine kommende Restrukturierung, das Spiel, bis hin zum Krieg zwischen den M&#228;chten, ist nur die offensichtliche Existenz des aufzul&#246;senden Widerspruches und der Widerspruch durchdringt sie, er reproduziert seine Pole in jeder von ihnen. F&#252;r alle ist der Widerspruch als Wesen des Staates und Verh&#228;ltnis zwischen der Verwertung und der Reproduktion der Arbeitskraft auf weltweiter Ebene auf dem Tisch. Doch die Restrukturierung ist defekt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Frage stellt sich heute auf solch heftige Art und Weise, weil wir die Grenze aller &#8222;was immer es dazu braucht&#8220; und &#8222;Freigiebigkeiten&#8220; der Zentralbanken erreicht haben. W&#228;hrend der Krise 2008 ist die Entkopplung von der Dynamik der Globalisierung zu ihrer Fessel geworden, die Abteilungen I und II der Reproduktion artikulieren sich nicht mehr, die Krise der &#220;berakkumulation ist mit der Unterkonsumtionskrise identisch geworden, das Gleichgewicht der Unterinvestition, das die Profitrate aufrechterhalten hatte, bricht in der monet&#228;ren Misswirtschaft zusammen und die Inflation verst&#228;rkt die Entkopplung. Wenn wir die Entkopplung als Essenz und Dynamik der Globalisierung dieser letzten dreissig Jahre betrachten, dann ist &lt;i&gt;eine Welt&lt;/i&gt; in eine Krise eingetreten und sie muss sich erneuern. Diese Welt war jene der amerikanischen Globalisierung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Krise der amerikanischen Globalisierung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Welt, aufgrund des Wesens des restrukturierten Kapitals als Fluidit&#228;t der Reproduktion entsprechend der Extraktion von Mehrwert in ihrem relativen Modus, war notwendigerweise Globalisierung. Das wurde 1990 durch den Zusammenbruch der UdSSR und des Ostblocks best&#228;tigt. Die Entnationalisierung der zentralen Staaten und das Ende der Internationalisierung, d.h. der Beziehungen zwischen &#8222;integrierten nationalen Systemen&#8220;, waren auch gleichbedeutend mit dem Ende der Arbeiteridentit&#228;t, deren Repr&#228;sentation die UdSSR staatlich und geopolitisch war: d.h. die Kristallisation einer globalen Struktur des Klassenkampfes (was wir auch immer dar&#252;ber denken m&#246;gen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Indem sie die Kapitalverwertung und -zirkulation von der Reproduktion der Arbeitskraft getrennt hat, hat die Globalisierung koh&#228;rente national und regional voneinander abgegrenzte Reproduktionsbereiche zerschlagen. Dieser Bruch hat eine globale Unordnung kreiert, die kontinuierlich durch Milit&#228;roperationen mit Polizeioperationen assimilierende Gewalt reguliert werden musste. Ab dem Verschwinden der UdSSR war die amerikanische Regulierung der Unordnung ihre permanente Verwaltung, gleichg&#252;ltig gegen&#252;ber einer stabilen Formation des Gesellschaftlichen. Die USA strebten nicht danach, die Welt zu erobern, sondern die Unordnung durch ein anderes System als jenes der Konkurrenz zwischen Staaten zu regulieren. Was h&#228;ufig durch gezielte Massaker als regulierende Akte und dem Ende der Unterscheidung zwischen Krieg und Frieden zum Ausdruck kam, diese Unterscheidung setzte eine &lt;i&gt;lokale&lt;/i&gt; Verwaltung des &#8222;sozialen Friedens&#8220; voraus. Das war der &#8222;globale Krieg gegen den Terrorismus&#8220;: global und, von Natur aus, endlos.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Idealerweise&#8220; sollten die Staaten nur noch einfache Provinzgouverneure sein. Den autonomen lokalen Kriegschefs erlaubte man einige lokale (Wieder-)Eroberungs- oder Balkanisierungskriege (Ex-Jugoslawien, Kaukasus, Naher und Mittlerer Osten &#8211; Israel eingeschlossen &#8211;, Kolumbien, Zentralamerika, Mexiko, Indonesien), gelegentlich im B&#252;ndnis mit diversen mafi&#246;sen Netzwerken, dem einzigen globalen Zweig des Kapitals, der sowohl mit dem Finanzkapital als auch mit permanenter lokaler Gewalt umgehen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Idealerweise&#8220; sollte die Gewalt die Fortsetzung der Wirtschaft mit anderen Mitteln sein, ohne politische Vermittlungen abgesehen von diversen Stufen von Interventionen &#8222;mit dem Holzhammer&#8220;, &#8222;forcierten Friedensmissionen&#8220;, Polizeimissionen, humanit&#228;ren Missionen (welche die Verwurzelung einer Marktwirtschaft beg&#252;nstigen). In allen F&#228;llen ohne Verhandlungen zur Etablierung &#8222;eines akzeptablen Lebens f&#252;r die Besiegten&#8220;. Lokal konnten sich komplexe konfliktreiche Untersysteme (vielf&#228;ltige Gegner) konstituieren, die keine Intervention des &#8222;Anf&#252;hrers&#8220; erfordern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Idealerweise&#8220; ging es darum, im Vornhinein den Globalismus der amerikanischen Interessen zu bekr&#228;ftigen, indem die nationalen Souver&#228;nit&#228;ten und die Logiken territorialer Nachbarschaften dekonstruiert und die produktiven, nationalen, politischen, religi&#246;sen und ideologischen Elemente zu funktionalen transnationalen Zweigen, &#252;ber die sich die &#8222;nat&#252;rliche Leadership&#8220; der USA entfaltet, neu zusammengesetzt worden sind. Zu diesem Zweck ging es darum, die Staaten oder sozialen Bewegungen, feindliche oder den Markt, den Warenfluss, die Kapitale und die &#8222;Befreiung&#8220; der Arbeitskraft blockierende Guerillas zu eliminieren. Einerseits war die wirtschaftliche und milit&#228;rische Globalisierung, reguliert durch die USA ab dem Ende der 1980er Jahre, &#8222;Balkanisierung&#8220; durch die Zerst&#246;rung aller nationalen Souver&#228;nit&#228;ten und Regulierungen und andererseits eine Form der &#8222;Entbalkanisierung&#8220;, der Wiedervereinigung dieser Welt durch den Aufbau von gem&#228;ss nicht souver&#228;nen Logiken vereinigten Wirtschaftsr&#228;umen. Die amerikanische Globalisierung kombinierte zwei Strategien: &#8222;die Clintonsche Erweiterung&#8220; und die &#8222;zivilisatorische Ghettoisierung&#8220; der republikanischen Rechten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r die USA ging es ausserdem darum, &#252;ber B&#252;ndnisse mit definierter Territorialit&#228;t hinauszugehen, es war das Moment der &#8222;Obsoleszenz der NATO&#8220; und der Partnerschaft mit Russland. Die NATO wurde zu einem neuen offensiven B&#252;ndnis gegen wahrscheinliche Unsicherheiten, ohne vorbestimmte Zonen. Es handelte sich nicht um ein B&#252;ndnis der USA mit dem &#8222;souver&#228;nen russischen Staat&#8220;, es waren Russland und seine Umgebung selbst, die zu einer &#8222;Grenze der Erweiterung&#8220; im amerikanischen Sinne der &#8222;Grenze&#8220; geworden waren. In den Begriffen des Abkommens: &#8222;Die NATO unterst&#252;tzt milit&#228;risch die Demokratisierung und die Ausbreitung der liberalen kapitalistischen Wirtschaft in Russland und seiner Peripherie.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bis &#8222;das Ideal&#8220; im Irak und in Afghanistan durch die unvermeidbare Notwendigkeit der Entsendung von Bodentruppen nach den Besatzungen zusammenbricht. In den arabischen L&#228;ndern des Mittelmeerraumes waren die proletarischen und interklassistischen Revolten gleichbedeutend mit dem Scheitern einer kapitalistischen Klasse, die als klientelistische Oligarchie aufgebaut worden war, sie ist eins mit repressiven Apparaten des Staates, der jegliche Produktion oder Dienstleistung in Renten produzierende T&#228;tigkeiten verwandelt, die in den Fluss der globalen Kapitalverwertung eintreten k&#246;nnen. In gesamten Gebieten wie Zentralasien, Zentralamerika oder Afrika teilten die Bourgeoisie, die B&#252;rokratie, Mafias, die Polizei und die Armee Monopole untereinander auf, sie verwalteten die ausl&#228;ndischen Investitionen und T&#228;tigkeiten, die sich mit der globalen Verwertung artikulieren konnten, und erschufen eine konstante Diskrepanz zwischen der Masse an verf&#252;gbarer befreiter Arbeitskraft und deren Absorbierung als solche.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine Ausbeutungsweise der Arbeitskraft auf globalem Niveau und eine Kapitalverwertungsweise sind ausser Atem und brechen in ihrer Ersch&#246;pfung zusammen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#220;bereinstimmung, in der gegenw&#228;rtigen Krise, zwischen &#220;berakkumulations- und Unterkonsumtionskrise bedeutet, dass die Entkopplung zwischen Kapitalverwertung und Reproduktion der Arbeitskraft zu einem Problem geworden ist. In dieser &#220;bereinstimmung der Krise wird die Entkopplung, die w&#228;hrend einer Phase der Produktionsweise funktional war, widerspr&#252;chlich f&#252;r ihren eigenen Fortbestand. Das sowohl auf der Ebene der globalen Architektur der Realisierung, die aus den USA den Konsumenten in letzter Instanz macht, als auch auf der genauso wichtigen und vielleicht k&#252;nftig noch wichtigeren Ebene der &#8222;nationalen&#8220; Entwicklung der &#8222;Schwellenkapitalismen&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Verh&#228;ltnis zwischen Wirtschaft und Gewalt war durch die Erschaffung der Nationalstaaten vom 17. bis ins 19. Jahrhundert und danach durch die Bipolarit&#228;t Ost/West w&#228;hrend der ersten Phase der reellen Subsumtion vereinfacht worden. Die amerikanische Verwaltung der Unordnung der Globalisierung, die darin besteht, die nationalen Souver&#228;nit&#228;ten und Nachbarschaftslogiken zu dekonstruieren, hat zu einer &#252;berbordenden, unkontrollierbaren und entropischen Situation gef&#252;hrt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die gesamte Geographie der globalen Reproduktion des Kapitals und ihre Zonenunterteilung als Bild im Bild zerfallen. Was ein System ausmachte, tut das nicht mehr: Die Sparpolitik und die Lohnsenkung unter den Wert der Arbeitskraft halten die Zuweisungen &#252;ber eine k&#252;nftige Verwertung des sich selbst an der &#8222;Notenpresse&#8220; n&#228;hrenden Finanzkapitals nicht mehr in Gange. Es wird kein Zur&#252;ck geben, aber die Globalisierung kann in eine momentan undefinierbare andere Richtung gehen und diese k&#246;nnte nur eine Funktion der neuen Modalit&#228;ten der Verwertung, d.h. des Ausbeutungsverh&#228;ltnisses, sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Entkopplung war ein globales System. Im Zusammenbruch dieses Systems (eine chaotische Situation, in welcher das Chaos nicht mehr reguliert wird) kommt die Notwendigkeit einer Rekonfiguration des globalen Zyklus des Kapitals an Stelle der gegenw&#228;rtigen Globalisierung zutage. Eine Renationalisierung der Volkswirtschaften, welche die Globalisierung &#252;berwindet oder an ihr festh&#228;lt, eine Entfinanzialisierung des produktiven Kapitals oder neue Modalit&#228;ten der Integration und Reproduktion der Arbeitskraft im eigentlichen Kapitalzyklus sind bis anhin nur Eventualit&#228;ten und Hypothesen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Restrukturierungen der kapitalistischen Produktionsweise folgen nie einem Plan, sondern sie sind ein Resultat der internen Konfrontationen der globalen kapitalistischen Klassen und allen voran der Konfrontation mit dem Proletariat. Die Fraktion der kapitalistischen Klasse, die sich gegen die anderen durchsetzen und eine akzeptable Hierarchie f&#252;r die Gesamtheit der globalen Klasse erschaffen kann, ist jene, welche das Ausbeutungsverh&#228;ltnis kl&#228;rt und rekonfiguriert. Die internen K&#228;mpfe der kapitalistischen Klasse national und global, bis hin zum Krieg, der nur eine Fortsetzung davon darstellt, haben nur den einen Sinn, eine bessere L&#246;sung der Erneuerung der Ausbeutung f&#252;r die Gesamtheit des Kapitals zu finden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Putin ist nicht alleine&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Wenn eine Nation w&#228;hrend Jahrhunderten ihren Willen zu existieren und sich als staatliche Entit&#228;t zu konstituieren unter Beweis stellt, k&#246;nnen alle Versuche, die zum Ziel haben, auf die eine oder andere Weise eine solche Entwicklung zu ersticken, nur zu einer chaotischen Dimension im Gesamtprozess der universellen Geschichte f&#252;hren.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Mykola Chwylowyj, zitiert von Zbigniew Kowalewski, &#8222;L'Ukraine, r&#233;veil (...)&#034; id=&#034;nh2-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Krise der amerikanischen Globalisierung: Diese Krise siedelt sich auf globaler Ebene auf zwei zentralen Zysten an: Russland und China und einer dritten auf regionaler Ebene, dem Iran. Es muss in den drei F&#228;llen betont werden, dass &lt;i&gt;der Staat die Wirtschaft dominiert&lt;/i&gt; und nicht die Existenz eines getrennten Staates erreicht hat. In Russland ist der Staat nicht der Staat der kapitalistischen Klasse, ihre Generaldirektion, sondern es ist die kapitalistische Klasse (die Oligarchen), welche die kapitalistische Klasse &lt;i&gt;des Staates&lt;/i&gt; ist. Die sowjetische B&#252;rokratie hat, sogar nach dem Zusammenbruch der UdSSR, ihren langen Marsch mit dem Ziel, eine gew&#246;hnliche, ihrer revolution&#228;ren Urspr&#252;ngen entledigte kapitalistische Klasse zu sein, noch nicht abgeschlossen. Was die Europ&#228;ische Union betrifft, geht es f&#252;r die USA und Russland nur darum, ihre Spaltungen zu unterhalten, sie ist kein zentraler Streitgegenstand oder potentieller Rivale mehr, auch wenn sie im Krieg in der Ukraine eine bedeutende Rolle spielt. Das zuerst einmal durch die territoriale Kontinuit&#228;t, die sie der Ukraine mit dem Transit der Milit&#228;rhilfe anbietet, aber auch durch die inneren politischen Unstimmigkeiten zwischen Staaten oder innerhalb von Staaten betreffend des Verh&#228;ltnisses zu Russland, die vom Krieg offengelegt worden sind. Der Verlust geopolitischer Zentralit&#228;t h&#228;ngt im gegenw&#228;rtigen Moment mit ihrer Unf&#228;higkeit zusammen, eine einheitliche Macht zu sein, doch die geopolitische Frage zeigt auf, dass sie keinen Pol des zu &#252;berwindenden Widerspruchs darstellt. Weder grosse souver&#228;ne Macht, noch Speerspitze der Globalisierung, weder das eine noch das andere, weil die EU bei der in den 1970er Jahren initiierten Restrukturierung der Ausbeutung auf halbem Weg stecken geblieben ist, trotz aller Anstrengungen Sarkozys, Hollandes, Macrons, Schr&#246;ders, Majors, Johnsons (ohne bis zu Thatcher zur&#252;ckgehen zu m&#252;ssen&#8230;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber wenn diese Krise sich in der Konfrontation des &#8222;Westens&#8220; mit diesen beiden Zysten kristallisiert, dann allen voran, weil die Globalisierung f&#252;r sich selbst kontraproduktiv geworden ist: Ihre Grenzen und Widerspr&#252;che stehen ihr in ihrem Verh&#228;ltnis zu dem gegen&#252;ber, was in der Krise als &lt;i&gt;ihr Anderes&lt;/i&gt; entsteht und sich konstituiert. Der &#8222;Westen&#8220; und Russland hatten nicht die geringste innere Essenz, welche sie dazu gebracht h&#228;tte, sich als Pol eines selben Widerspruchs der existierenden Globalisierung zu definieren, h&#246;chstens gewisse Veranlagungen aufgrund ihrer hierarchischen Stellung im System, es ist das Verh&#228;ltnis zwischen den Polen des Widerspruchs, das graduell ihre Kristallisation hervorbringt und jedem Pol eine nationale Existenz verleiht, durch welche der Widerspruch Geopolitik wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Konfrontation USA (Westen)/Russland, aber auch Iran, T&#252;rkei usw., noch auf einem anderen Niveau, China, werden die m&#246;glichen L&#246;sungen f&#252;r eine globale Rekonfiguration der Ausbeutung entschieden. Kein Staat (kein Protagonist) repr&#228;sentiert einen einzigen Pol, aber in jedem spielt ein Pol die Rolle der Dominanten im Verh&#228;ltnis.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die aktuelle Krise hat die absolute &#220;bereinstimmung zwischen der &#220;berakkumulation des Kapitals und der Unterkonsumtion der Arbeiter als allgemeiner Prozess der Krisen dieser Produktionsweise zutage gebracht. Die Armut ist zu einem Problem geworden. Wenn diese Krise die Form dieser &#220;bereinstimmung annehmen und sie zutage bringen konnte, dann weil die Reproduktion der Arbeitskraft, wie wir es gesagt haben, Gegenstand einer doppelten Entkopplung gewesen war. Einerseits Entkopplung zwischen der Kapitalverwertung und der Reproduktion der Arbeitskraft, andererseits Entkopplung zwischen Konsumtion der Arbeiter und dem Lohn als Einkommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Fragen sind nun auf dem Tisch: das Wesen des Staates; das Verh&#228;ltnis zwischen Kapitalverwertung und Reproduktion der Arbeitskraft; die Mobilisierungsweisen dieser Arbeitskraft durch das Kapital; die Modalit&#228;ten des Lohnverh&#228;ltnisses in den Beziehungen zwischen Anstellung/Arbeitslosigkeit/Prekarit&#228;t; die Beziehungen zwischen Lohn/Einkommen/Kredit. Der Fall der Profitrate ist immer konjunkturell, ausf&#252;hrlich und determiniert, sowohl historisch als auch lokal.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf einem ganz anderen Niveau bez&#252;glich des Ausmasses und der Konfliktualit&#228;t als der laufende Krieg in der Ukraine mit der direkten und globalen Konfrontation der im Scheitern der Globalisierung auf dem Spiel stehenden Pole brachten schon die Klassenk&#228;mpfe in Griechenland nach den Krawallen 2008 in den Griechenland spezifischen Modalit&#228;ten die Widerspr&#252;che und Sackgassen der soeben in die Krise eingetretenen Kapitalverwertungs- und -akkumulationsweise zutage.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Pole des Widerspruchs, die man in Griechenland einerseits als die Rettung des Finanzsystems und andererseits als die Reproduktion der Arbeitskraft durch das Kapital selbst karikieren konnte, waren nur tote Momente, jeder Pol konnte dem anderen nur vorwerfen, zu sein, was er war. Jeder blieb in den Polen selbst der Krise eingesperrt und wiederholte stets seine spezifische Rolle. Das Verh&#228;ltnis von Syriza zu den europ&#228;ischen Institutionen hatte der gegenw&#228;rtigen Krise allerdings eine Form gegeben. &lt;i&gt;Im Namen der kapitalistischen Produktionsweise&lt;/i&gt; hatte Tsipras Draghi gesagt, dass das nicht mehr funktionieren k&#246;nne. Es ist in diesem Sinne und nur in diesem Sinne, dass die sechsmonatige Konfrontation zwischen der &#8222;radikalen populistischen Linken&#8220; und den weisen und ehrw&#252;rdigen Institutionen der Krawattentr&#228;ger in Br&#252;ssel, Frankfurt und Washington eine wirkliche Konfrontation war. Die Widerspr&#252;che waren da, ausgesprochen und polarisiert, aber ohne eine massive Konfrontation mit dem Proletariat sind sie leblos und dazu verdammt, sich selbst zu karikieren. Die Pole waren nur einseitig widerspiegelt, im Kapital, und zeigten nur das Auftauchen des Problems.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im gleichen Sinne bedeutet der Krieg in der Ukraine, dass die Fragen immer noch da sind, aber sie befinden sich nun auf einem anderen Niveau, die Metastasen sind global und bis anhin kann keine kapitalistische L&#246;sung die Aufl&#246;sung der gesetzten Probleme vereinheitlichen. Die Geschichte besteht aus Momenten, Situationen und Ereignissen, die Widerspr&#252;che zu einer Synthese zusammenfassen, welche bis dahin ihr eigenes Dasein f&#252;hrten. Die Widerspr&#252;che verlieren nicht ihre Besonderheiten, doch sie treffen und durchdringen sich. Die russische Invasion der Ukraine ist diese Art von Ereignis. Das Prinzip ist einzigartig, es ist die Globalisierung als grundlegende Krise der Entkopplung, doch die Manifestationen davon sind in ihrer Anordnung, ihren Eigenschaften und ihren eigenen Dimensionen vielf&#228;ltig. Alles gerinnt: Klassenk&#228;mpfe, politische Krise der Politik, geopolitische Konfrontationen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was seit 2008 auf dem Spiel steht, ist eine Rekonfiguration der Globalisierung, welche die Staaten und ihre nationale Organisation zur Existenz und Einflussnahme betrifft. Wir erleben ein notwendiges &#8222;nationales Moment&#8220;, es ist nicht eine &#8222;L&#246;sung&#8220;, es ist ein Moment der Krise und nur ein Hinweis auf die Perspektive. Es wird &#8222;momentan&#8220; (?) nichts an der St&#228;rkung der Staaten oder Staatsbl&#246;cke vorbeif&#252;hren, daher kommt die Bedeutung der Ukraine f&#252;r Russland, ohne sie ist es wirtschaftlich, politisch und ideologisch kein Staat. Ohne die Ukraine existiert Russland nicht als Staat und existierte nie als solcher&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wir werden hier nicht weiter auf die tausendj&#228;hrige Geschichte der stets (...)&#034; id=&#034;nh2-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Um in der Rekonfiguration der Globalisierung, wovon es nun sowohl geopolitisch als auch strukturell (konzeptuell) einen blockierenden Pol darstellt, ein Gewicht zu haben und eine Rolle zu spielen, muss Russland dem Fluch des Rentierstaates entfliehen und dabei im wesentlichen seinen Nachschub an Devisen und die Zufuhr f&#252;r sein Budget aufrechterhalten. Eine schwierige Gleichung, wom&#246;glich unl&#246;sbar, ausser es bringt all sein milit&#228;risches Gewicht ins Spiel (aber, wie Napoleon sagte, man kann &#8222;mit einem Bajonett alles machen, aber [man kann] nicht darauf sitzen&#8220;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist hier notwendig, Thomas Gomart (Direktor des Franz&#246;sischen Instituts f&#252;r internationale Beziehungen IFRI) ausf&#252;hrlich zu zitieren, er skizziert ein stichhaltiges Panorama des von der Gewalt beschleunigten gegenw&#228;rtigen globalen Spiels:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Es ist eine zentrale Krise f&#252;r das internationale System, denn sie prallt auf das Gleichgewicht der Kr&#228;fte, nicht nur auf der Ebene Europas, sondern auch auf jener Eurasiens, die von Brest bis nach Wladiwostok reicht. F&#252;r Russland ist die Ukraine ein Schauplatz unter anderen. Der Zyklus der westlichen Interventionen endete in Kabul im August 2021 mit dem amerikanischen Debakel. Im Sicherheitsrat wird die Handlung Russlands weder von China, noch von Indien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten verurteilt. Halten wir anbei fest, dass diese beiden L&#228;nder die &#8218;strategischen Partner&#8216; Frankreichs in der indopazifischen Region sind. Auf einer tieferen Ebene kann die Ann&#228;herung zwischen China und Russland durch die Umsetzung der westlichen Sanktionen gegen&#252;ber Russland nur beschleunigt werden. Indem es die Ukraine annektieren will, braucht Russland China immer offensichtlicher als wirtschaftliche, finanzielle und technologische Alternative. Die neue Phase wird durch einen traurigerweise klassischen europ&#228;ischen Invasionskrieg er&#246;ffnet, doch sie k&#252;ndigt wahrscheinlich konkurrierende geo&#246;konomische Koalitionen, sowie eine globale Reorganisation der maritimen, finanziellen und Datenfl&#252;sse an.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es kommt zu einer Beschleunigung des Kampfes um die globale Vormacht zwischen den USA und China. Dank Russland kann China Washington dazu zwingen, zwei Fronten offen zu halten: Chinesisches Meer und Schwarzes/Baltisches Meer [&#8230;]. Zur Zeit des Kalten Krieges hatten die Volkswirtschaften des sozialistischen Blocks und der kapitalistischen L&#228;nder kaum Beziehungen zueinander. Heute sind sie zutiefst miteinander verbunden, allen voran mit China, aber auch mit Russland. Daher kommt die Bedeutung der Kontrolle &#252;ber die K&#252;stengebiete dieses zusammengeh&#246;rigen kontinentalen Gebietes. Dort, wo Europa und die an Russland grenzende Zone zwischen dem Baltischen und dem Schwarzen Meer (baltische L&#228;nder, Moldau, Ukraine, Georgien) aufeinandertreffen, kommt es zu den gr&#246;ssten Spannungen. Auf der Seite des Pazifiks sind es das Chinesische Meer, Taiwan, die beiden Koreas und Japan, wo es zu Reibungen kommt [&#8230;]. Die Zank&#228;pfel sind die Beherrschung des globalen Produktionsapparates in einem Kontext der Akzentuierung der &#246;kologischen Zw&#228;nge und die Beschleunigung der Digitalisierung der Welt.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Le Monde vom 3. M&#228;rz 2022.&#034; id=&#034;nh2-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Analyse ist exakt, aber prinzipienlos. Was &#8222;auf das Gleichgewicht der Kr&#228;fte prallt&#8220;, sind die Pole der Blockade der Akkumulation auf globaler Ebene. Alles wird in diesen paar Zeilen auf den Punkt gebracht, ausser der Widerspruch der Globalisierung als Totalit&#228;t, der die Sache existieren l&#228;sst und ihre Pole national gesondert darlegt. Die Pole der Konfrontation existieren nicht sui generis, sie werden durch das Wesen der Totalit&#228;t gesondert dargelegt. Innerhalb der Krise der amerikanischen Globalisierung kommt die westf&#228;lische Realit&#228;t der Beziehungen zwischen Staaten zur&#252;ck, aber &lt;i&gt;nur&lt;/i&gt; als Moment der &lt;i&gt;internen&lt;/i&gt; Krise der Globalisierung. Im Gegensatz zu den westf&#228;lischen Konfrontationen ist es nun die Totalit&#228;t, die an erster Stelle steht und sich national polarisiert, wobei sie jeden der Pole durchdringt. Alles wird neu definiert: Der &#8222;Illiberalismus&#8220; Ungarns unter Orb&#225;n und Polens hat seine Absolution erhalten, es gibt in der Ukraine keine Oligarchen mehr, die &#8222;faschistischen&#8220; Milizen des Maidan 2014 haben sich in heldenhafte patriotische Selbstorganisationen zur Verteidigung verwandelt und der Fernsehnarr in eine Ikone der Demokratie, sogar Israel, der Staat der hemmungslosen Kolonialisierung und der institutionellen Apartheid, jener, der am meisten Verurteilungen durch die UNO kumuliert, wird auf den Rang eines &#8222;Vermittlers&#8220; bef&#246;rdert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ohne dass das Resultat vorbestimmt w&#228;re, aber was als gewiss erscheint, ist die Tatsache, dass jeder Staat, als allgemeiner Repr&#228;sentant seiner kapitalistischen Klasse, der in der kommenden Rekonfiguration der Globalisierung eine Rolle spielen will, sich als souver&#228;ne Grossmacht &#252;ber einen nationalen Raum mit einer relativ koh&#228;renten Reproduktion konstituieren muss, obwohl die Rekonfiguration der Globalisierung nicht die R&#252;ckkehr der Internationalisierung sein k&#246;nnen wird, sondern eine noch unbestimmbare Mischung, welche die Kapitalverwertung und die Reproduktion wieder, nicht notwendigerweise national, miteinander verbinden muss. Seit 2004 und der Erweiterung der NATO an den Grenzen Russlands (die auf die unilaterale Intervention der USA im Irak folgt), dann 2008 mit der Annexion eines Teils von Georgien spielt Russland so um seinen Platz in dieser Rekonfiguration. Um die Terminologie von Clausewitz zu &#252;bernehmen, dieses Spiel besteht aus einer Unzahl von Gefechten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wir &#252;bernehmen in diesem Absatz gewisse Themen des Kapitels &#8222;Das Gefecht (...)&#034; id=&#034;nh2-5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Sei es in Syrien, Libyen, etlichen L&#228;ndern der Sahelzone, der Konfrontation mit der NATO an seinen Grenzen (wir werden nicht versuchen, die Frage zu beantworten, wer zuerst seine Verpflichtungen nicht eingehalten hat), sei es mit der Annexion der Krim, der polizeilichen Intervention in Weissrussland, dann der milit&#228;rischen in Kasachstan, der Anerkennung der separatistischen Republiken im ukrainischen Osten, der Aufrechterhaltung eines schwelendes Krieges im gesamten Donbass und jetzt der Invasion der Ukraine, in der Unzahl von Gefechten ist das letztendliche Ziel ein politisches. Dieses Ziel ist mit einer derartigen Menge an Bedingungen und Betrachtungen verbunden, dass das Ziel nicht durch einen einzigen Akt grossen Ausmasses erreicht werden kann, sondern nur durch eine grosse Anzahl mehr oder weniger bedeutender Akte, &lt;i&gt;die ein Ganzes konstituieren&lt;/i&gt;. Jedes dieser besonderen Gefechte ist Teil einer Gesamtheit und enth&#228;lt ein spezielles Ziel, &lt;i&gt;das es mit dieser Gesamtheit verbindet&lt;/i&gt;. Die besonderen Gefechte k&#246;nnen nur ausgehend von gemeinsamen Ursachen erkennt werden, aus welchen sie entstehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Invasion der Ukraine ist nur ein besonderes Gefecht, das jedoch, um weiterhin wie Clausewitz zu sprechen, den &#8222;Kulminationspunkt des Angriffs&#8220; repr&#228;sentiert. Doch &#8222;der Angriff&#8220; ist eine kontinuierliche Schw&#228;chung des Gegners je mehr er fortschreitet, jedes Vorr&#252;cken entfernt ihn von seinen St&#252;tzpunkten, die &#8222;Form der Verteidigung&#8220; ist ihrerseits st&#228;rker als die &#8222;Form des Angriffs&#8220;, &#8222;die Verteidigung [ist] eine st&#228;rkere Form des Kriegf&#252;hrens&#8220;. Die Invasion der Ukraine ist dieser Kulminationspunkt, dem ersten Anschein nach auf dem milit&#228;rischen Terrain mit dem Getrampel der russischen Armee, aber allen voran und in erster Linie in Bezug auf das politische Ziel. &#8222;Kulminationspunkt des Angriffs&#8220; mithilfe einer &#8222;Unzahl von Gefechten&#8220; im Streben nach einem politischen Ziel: Ein Pol zu sein gegen&#252;ber dem Westen in der Kristallisation der Pole des Widerspruchs, in welche sich die Globalisierung festgefahren hat, und dadurch im grossen Spiel ihrer Rekonfiguration teilzunehmen. Wie es auch immer ausgehen mag, Russland wird verlieren; es wird nur ein zerst&#246;rtes und von einem Viertel seiner Bev&#246;lkerung geleertes Territorium unterjochen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Westen setzte nicht auf die Strategie des taktischen R&#252;ckzuges (Kutusow gegen&#252;ber Napoleon; MacArthur gegen&#252;ber den Russen und dann den Chinesen in Korea; etliche Beispiele zeigen, dass diese Strategie nicht notwendigerweise die Tiefe des russischen Raumes erfordert), sondern auf jene des &#8222;politischen R&#252;ckzuges&#8220;: &lt;i&gt;Laissez-faire&lt;/i&gt;. Mit den vorerst beruhigenden Erkl&#228;rungen Bidens, Macrons und des Generalsekret&#228;rs der NATO hat der Westen Russland in eine nicht &#8222;t&#246;dliche&#8220; (auf keinen Fall), sondern in eine schw&#228;chende und devitalisierende Falle &#8222;gelockt&#8220; (Anf&#252;hrungs- und Schlusszeichen, da es nicht besonders schwierig war, wenn man will, dass jemand f&#228;llt, muss man ihn in jene Richtung stossen, in welche er ohnehin schon neigt)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ende Januar 2022 weigerte sich Deutschland immer noch, der Ukraine Waffen (...)&#034; id=&#034;nh2-6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In allen Parlamenten bekommt Selenski via Videokonferenz stehenden Applaus, man kopiert sogar seine khakifarbenen Kapuzenpullover, doch er weiss, dass er nur ein Bauer ist und es ist ausgesprochen selten, dass der Bauer die K&#246;nigin erreicht, bevor ein L&#228;ufer oder ein Turm, manchmal ein lauerndes Pferd, ihn verspeist. Alle westlichen Anf&#252;hrer machten, bevor sie Beifall spendeten f&#252;r ihren &#8222;Widerstand&#8220; (der sorgf&#228;ltig innerhalb gewisser Grenzen gehalten wird&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Eine konventionelle Luftintervention der NATO &#252;ber der Ukraine h&#228;tte (...)&#034; id=&#034;nh2-7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;), Druck auf die Ukraine, damit sie die Minsker Abkommen (2014) akzeptiert, diese sahen eine Verfassungsrevision und die Repr&#228;sentation der sezessionistischen Regionen vor. Der Westen hat die Verh&#228;ngung einer Art &#8222;Patt&#8220; zum Ziel, das f&#252;r Russland zerm&#252;rbend w&#228;re und eine ungewisse Dauer h&#228;tte, die Ukrainer und Ukrainerinnen hingegen sind dabei zu einer Art Kollateralschaden geworden. Die Erreichung des anf&#228;nglich &#8222;begrenzten&#8220; Ziels (die Ukraine) hat nun f&#252;r Russland nicht die geringste &#8222;Erfolgsaussicht&#8220; ohne es auf die baltischen Staaten und/oder Polen auszuweiten. Je mehr der Feind vorr&#252;ckt, desto mehr verliert er seine St&#252;tzpunkte, desto mehr muss sich sein politisches Ziel ausweiten bis ihn zu Positionen, die nicht seine waren und die er nicht halten oder &#252;bernehmen kann. Russland kann nur noch hoffen und auf den chinesischen Rettungsring warten, aber, wie in jedem B&#252;ndnis, liebt jener, welcher es dominiert, seine Komparsen allen voran, wenn sie geschw&#228;cht sind (China hatte sehr gute Beziehungen mit der Ukraine&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Le Monde vom 1.3.22.&#034; id=&#034;nh2-8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kennt die ber&#252;hmte Formel von Clausewitz: &#8222;Der Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln&#8220;, diese Formel entspricht nicht genau jener des Textes: &#8222;Man wei&#223; freilich, da&#223; der Krieg nur durch den politischen Verkehr der Regierungen und der V&#246;lker hervorgerufen wird [Clausewitz bleibt in einer westf&#228;lischen Konzeption des Krieges gefangen, obwohl er irgendwo beil&#228;ufig bemerkt, dass man die Besatzung einer Nation nur erfolgreich aufrechterhalten kann, wenn die Besatzungsmacht in den inneren Konflikten der besetzten Macht ein Echo findet, AdA]; aber gew&#246;hnlich denkt man sich die Sache so, da&#223; mit ihm jener Verkehr aufh&#246;re und ein ganz anderer Zustand eintrete, welcher nur seinen eigenen Gesetzen unterworfen sei. Wir behaupten dagegen, der Krieg ist nichts als eine Fortsetzung des politischen Verkehrs mit Einmischung anderer Mittel. Wir sagen mit Einmischung anderer Mittel, um damit zugleich zu behaupten, da&#223; dieser politische Verkehr durch den Krieg selbst nicht aufh&#246;rt, nicht in etwas ganz anderes verwandelt wird, sondern da&#223; er in seinem Wesen fortbesteht, wie auch seine Mittel gestaltet sein m&#246;gen, deren er sich bedient, und da&#223; die Hauptlinien, an welchen die kriegerischen Ereignisse fortlaufen und gebunden sind, nur seine Lineamente sind, die sich zwischen den Krieg durch bis zum Frieden fortziehen.&#8220; Die innere Logik der Politik f&#252;r Clausewitz (1780-1831) ist jene der &#220;berwindung, der Resorption der Konflikte, so wie sie durch die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse der &#8222;Zivilgesellschaft&#8220; ausgel&#246;st worden sind, die Politik l&#246;st eine Konfliktsituation auf, wovon sie stets abh&#228;ngig ist. Er ist in jeglicher Hinsicht eine Zeitgenosse Hegels, obwohl die Dialektik zwischen dem &#8222;reinen Begriff des Krieges&#8220; und dem &#8222;wirklichen Kriege&#8220; (die beiden Teile von &lt;i&gt;Vom Kriege&lt;/i&gt;) nichts mit der Hegelschen Selbstverwirklichung des Konzepts zu tun hat, sondern sich eher, mit Machiavelli, auf die den Umst&#228;nden entsprechende Recherche nach einer Verwirklichung der Notwendigkeit in den konjunkturellen Unw&#228;gbarkeiten bezieht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Krieg repr&#228;sentiert den &#228;ussersten Moment der Konflikte, ihren H&#246;hepunkt, ohne sich jedoch im Wesen von ihnen zu unterscheiden: Als entscheidender Moment der Totalit&#228;t der gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und ideologischen Konflikte, auch als &#220;berarbeitung des Klassenkampfes, woraus er entsteht, fasst sie der Krieg im &#8222;Bruchelement&#8220; der &lt;i&gt;organisierten&lt;/i&gt; Gewalt zusammen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Dinge w&#228;ren sehr einfach, wenn die Konflikte und Kriege direkt die in der Kapitalakkumulation und in der Produktionsweise im allgemeinen auf dem Spiel stehenden Widerspr&#252;che ausdr&#252;cken w&#252;rden. Aber all das existiert nur durch alle Vermittlungen der Reproduktion des Kapitals, wovon die nationalen Strukturen und ihre Geschichte ein Teil sind. Die Staaten existieren als notwendig in der kapitalistischen Produktionsweise, w&#228;hrend deren Entstehung sie sich konstituiert haben (17. und 18. Jahrhundert bis England alle Elemente der Entstehung des Kapitals als Produktionsweise synthetisiert&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Karl Marx, Das Kapital, Bd. 1 in MEW, Bd. 23, S. 779.&#034; id=&#034;nh2-9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;). Die Staaten als solche verfolgen ihre eigenen Ziele und diese Verfolgung derselben ist g&#228;nzlich Teil der Reproduktion und der Restrukturierung der kapitalistischen Produktionsweise, die nicht eine Entit&#228;t ist, die sich ohne alle ihre Determinationen reproduziert, sie sind nicht Selbstdeterminationen des Konzepts, sondern sorgen daf&#252;r, dass die Dinge &lt;i&gt;wirklich&lt;/i&gt; existieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann immer sagen, und es ist nicht falsch, dass die Proletarier nicht ihre Ausbeuter w&#228;hlen sollen und sie haben ohnehin keine Wahl. Aber wie alle leben, existieren und werden sie in dieser sie definierenden Produktionsweise hervorgebracht und sie denken und handeln gem&#228;ss der Gesamtheit der sie definierenden gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse. Es ist m&#246;glich, dass sie sich aufgrund der besonderen Situation dieser gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse in einer Konjunktur befinden, die sie dazu bringt, sie abzuschaffen, und dass nur sie sich in dieser Situation befinden. Doch gegenw&#228;rtig, wenn die &#8222;Restrukturierung&#8220; unvermeidlich Klassenkampf bedeutet, so hat das Kapital, im Widerspruch, so wie er sich pr&#228;sentiert, unter der Form der Nation (Souver&#228;nit&#228;t, Populismus, Staatsb&#252;rgerschaft), die &#8222;Politik&#8220; des Proletariats schon vorweggenommen. Die W&#252;rfel sind gezinkt und die P&#233;tanque-Kugeln gef&#252;llt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Krise der Globalisierung verwandelt sich &#252;berall (Zentrum und Peripherie) in eine politische Krise (man kann nicht dar&#252;ber hinwegsehen, indem man sagt, dass das, was z&#228;hlt, die wirtschaftlichen Interessen sind, denn diese haben eine &#8222;Form&#8220;). Im restrukturierten Kapital liegt das Verschwinden der Arbeiteridentit&#228;t dieser Krise zugrunde, sie hat die Gesamtheit der politischen Funktionsweise des demokratischen Staates total destabilisiert, diese ist gleichwesentlich mit der Anerkennung einer gesellschaftlichen Spaltung und ihrer Befriedung. Gegenw&#228;rtig ist der Klassenkampf (zentrale und periphere &#220;bersch&#252;ssige eingeschlossen) gepr&#228;gt von der Teilung zwischen Nation und Globalisierung in Form einer soziopolitischen Spaltung, wovon das Thema der Ungleichheiten und der Legitimit&#228;t des Staates der Kern geworden ist. Die Krise der Globalisierung dr&#252;ckt sich bis anhin durch popul&#228;re Bewegungen aus, die bez&#252;glich der Themen der Einkommensverteilung, der nationalen Souver&#228;nit&#228;t, der Familie, der Werte und der Staatsb&#252;rgerschaft mehr oder weniger nationalistisch sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Pr&#228;ziser betreffend der Ukraine kann man sagen, dass jene, welche den Nationalismus schlichtweg als eine Entgleisung oder eine Manipulation der Arbeiterklasse betrachten, diese nicht als Klasse dieser Produktionsweise betrachten, sondern als wesentlich konform mit ihrem &#8222;Sein-Sollen&#8220;, wenn auch mit kontingenten &#8222;Vernebelungen&#8220;. Ein &#8222;Sein-Sollen&#8220;, wovon sie, das ist ihre Daseinsberechtigung, die permanenten und invarianten Repr&#228;sentanten sind, aber immer frustriert bis zum n&#228;chsten Mal.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Russland hat sich als ideologischer, politischer und kultureller Repr&#228;sentant und in seiner Konfrontation mit dem Westen als Pol der Forderung nach nationaler Souver&#228;nit&#228;t in Anbetracht der westlichen Globalisierung herausgestellt, es hat sogar eine zerbrechliche Reorganisation seiner Produktionen, seiner W&#228;hrungsreserven und seines Zahlungssystems auf unabh&#228;ngige Art und Weise eingeplant und antizipiert. Das f&#252;hrt dazu, dass sich in der gesamten Welt vielf&#228;ltige und verschiedene Freundschaften kristallisieren. &lt;i&gt;Putin ist nicht alleine, er repr&#228;sentiert auf immer unilateralere Art und Weise einen Pol des zu &#252;berwindenden Widerspruchs&lt;/i&gt;. Am 28. Januar versammeln sich die souver&#228;nistischen und rechtsextremen Parteien in Madrid, man findet dort Marine Le Pen, aber auch Viktor Orb&#225;n, den tschechischen und den polnischen Premierminister, letzterer ist der einzige, der sich explizit kritisch gegen&#252;ber Russland zeigt. All die Schmusereien Chev&#232;nements, M&#233;lenchons, Salvinis, Beppe Grillos, Schr&#246;ders, Zemmours, Le Pens (die das russische Darlehen immer noch nicht zur&#252;ckgezahlt hat), der Vox in Spanien, der AFD in Deutschland usw. mit Putin sind allseits bekannt, die Liste muss mit Beispielen aus den USA selbst erg&#228;nzt werden, Trump vor nicht allzu langer Zeit und ein Starmoderator von Fox News. Vor&#252;bergehend werden wir nicht mehr in den Genuss der wunderbaren Ausstellungen der Stiftung Louis Vuitton kommen, mit welchen uns Bernard Arnault, dank seinen oligarchischen Investitionen und seinen Freundschaften vor dem Hintergrund des Ch&#226;teau d&#8216;Yquem, ausgehend von den Reserven der russischen Sammler, verw&#246;hnte. Aber, zum Teufel mit dem Ch&#226;teau d&#8216;Yquem, Macron hat uns gewarnt, dass wir f&#252;r die &#8222;Verteidigung unserer Werte&#8220; k&#252;nftig den G&#252;rtel enger schnallen und Trottinett fahren m&#252;ssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;R. S.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;23. M&#228;rz 2022&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://dndf.org/?p=20016&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://chusmachusma.noblogs.org/post/2022/04/11/ukraine-2022-r-s/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;English&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://hacialavida.noblogs.org/ucrania-2022-roland-simon/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Espa&#241;ol&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb2-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Mit der realen Subsumtion der Arbeit unter das Kapital findet eine v&#246;llige (und sich best&#228;ndig fortsetzende und wiederholende, siehe &lt;i&gt;Das kommunistische Manifest&lt;/i&gt;) Revolution in der Produktionsweise selbst statt, in der Produktivit&#228;t der Arbeit und im Verh&#228;ltnis von Kapitalist und Arbeiter.&#8220; Marx, &lt;i&gt;Resultate des unmittelbaren Produktionsprozesses&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Mykola Chwylowyj, zitiert von Zbigniew Kowalewski, &#8222;L'Ukraine, r&#233;veil d'un peuple, reprise d'une m&#233;moire&#8220; in &lt;i&gt;Revue H&#233;rodote&lt;/i&gt;, &#8222;Les Marches de la Russie&#8220;, 1989. Mykola Chwylowyj war ein Schriftsteller und bolschewistischer Aktivist seit 1917, er begeht 1933 Selbstmord.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wir werden hier nicht weiter auf die tausendj&#228;hrige Geschichte der stets konfliktreichen und verschachtelten Beziehungen zwischen der Ukraine und Russland mit wechselnden Vorherrschaften eingehen. Es ist &#8222;am&#252;sant&#8220;, daran zu erinnern, dass der Begriff Russland aus dem Griechischen (Byzanz) kommt, &lt;i&gt;Rossiia&lt;/i&gt;, so wurde der ruthenische Staat genannt, der sich im 10. Jh. rund um Kiew gebildet hatte. Nach der Eroberung Rutheniens durch Litauen (14. Jh.) eignen sich die F&#252;rsten Moskaus den Begriff an und das ehemalige Ruthenien wird zunehmend Ukraine genannt, was &#8222;Grenzland&#8220; bedeutet. Es muss erg&#228;nzt werden, dass die durch Russland der Ukraine auferlegten Beziehungen w&#228;hrend der gesamten sowjetischen Periode ein starkes gemeinsames nationales Interesse jenseits der Klassenspaltungen pr&#228;gten (siehe Kowalewski, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.). Schliesslich eine kleine Anspielung auf Machno, der, w&#228;hrend seinem Treffen mit Lenin (Juli 1918), bez&#252;glich der &#8222;Anarcho-Kommunisten in der Ukraine&#8220; an Lenin gerichtet anf&#252;gt: &#8222;[O]der in &#8218;S&#252;drussland&#8216;, da ihr, bolschewistische Kommunisten, das Wort Ukraine systematisch vermeidet.&#8220; (Machno, &lt;i&gt;M&#233;moires&lt;/i&gt;, zitiert in &lt;i&gt;Ni Dieu ni ma&#238;tre&lt;/i&gt;, Delphes, S. 460.)&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; vom 3. M&#228;rz 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wir &#252;bernehmen in diesem Absatz gewisse Themen des Kapitels &#8222;Das Gefecht &#252;berhaupt&#8220; in Clausewitz, &lt;i&gt;Vom Kriege&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ende Januar 2022 weigerte sich Deutschland immer noch, der Ukraine Waffen zu liefern.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Eine konventionelle Luftintervention der NATO &#252;ber der Ukraine h&#228;tte Russland die Option des unm&#246;glichen R&#252;ckgriffes auf die Atomwaffe verschafft. Aber das war &#252;berhaupt nicht die westliche Strategie des &lt;i&gt;politischen&lt;/i&gt; &#8222;defensiven R&#252;ckzuges&#8220;. Man k&#246;nnte sagen, dass die Existenz der strategischen Atomwaffen der Clausewitzschen Dialektik zwischen &#8222;reinem Begriff&#8220; des Krieges (Vernichtung des Feindes) und dem &#8222;wirklichen Kriege&#8220; (Fortsetzung der Politik) G&#252;ltigkeit und eine materielle Existenz verleiht.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; vom 1.3.22.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Karl Marx, &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Bd. 1 in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 23, S. 779.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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