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		<title>Die Ladenschl&#252;ssel [zu den vorgezogenen Parlamentswahlen in Frankreich]</title>
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&lt;p&gt;Dieses Flugblatt, inspiriert vom Text hier, wurde gestern Samstag [06.07.24] in Marseille geschrieben und verteilt. &lt;br class='autobr' /&gt;
Der Hauptfeind? &lt;br class='autobr' /&gt;
Der Rassemblement national (RN) ist die erste Partei f&#252;r Arbeiter, Angestellte und Arbeitslose, wir werden uns ihr dennoch nicht anschliessen und uns noch weniger dar&#252;ber freuen. Aber wir schauen die Dinge an, wie sie sind: Die Proletarier sind weder abgelenkt noch manipuliert worden. &lt;br class='autobr' /&gt;
Der Kampf gegen den &#8222;extremen Rechtsrutsch&#8220; eines grossen Teils der (...)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

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&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Theorie-communiste" rel="tag"&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Stimmen-aus-den-Kampfen" rel="tag"&gt;Stimmen aus den K&#228;mpfen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Gender" rel="tag"&gt;Gender&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Frankreich" rel="tag"&gt;Frankreich&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Gelbwesten" rel="tag"&gt;Gelbwesten&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/souverain-scaled.webp?1720900802' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='84' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Dieses Flugblatt, inspiriert vom Text &lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=21431&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;hier&lt;/a&gt;, wurde gestern Samstag [06.07.24] in Marseille geschrieben und verteilt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Hauptfeind?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Rassemblement national (RN) ist die erste Partei f&#252;r Arbeiter, Angestellte und Arbeitslose, wir werden uns ihr dennoch nicht anschliessen und uns noch weniger dar&#252;ber freuen. Aber wir schauen die Dinge an, wie sie sind: Die Proletarier sind weder abgelenkt noch manipuliert worden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kampf gegen den &#8222;extremen Rechtsrutsch&#8220; eines grossen Teils der Arbeiterklassen &#252;berall in der westlichen Welt und ihren Nationalismus &#252;berall auf der Welt kann nicht im Namen einer Verblendung oder eines &#8222;Irrtums&#8220; gef&#252;hrt werden. Wenn der RN zum Hauptfeind geworden ist, dann nur getragen durch &#8222;gew&#246;hnliche&#8220; Politiken und Massnahmen der Rechten oder Linken, welche die Ausbeutung verst&#228;rkt, die Lage der Arbeitslosen und Rentner angegriffen, die &#8222;Ausl&#228;nder&#8220; egal welcher Nationalit&#228;t &#8222;gek&#228;rchert&#8220; haben. Diese Politiken haben aus dem RN jene Partei gemacht, welche in der Lage ist, eine sowohl ertr&#228;umte als auch nationale &#8222;Arbeiterw&#252;rde&#8220; zu repr&#228;sentieren. Und so ist der RN zum politischen Ausdruck dieser &#8222;W&#252;rde&#8220; geworden, indem er eine effiziente nationale Identit&#228;t propagiert, gen&#228;hrt vom &#8222;Gef&#252;hl des Niedergangs&#8220;, dem Rassismus und der Staatsb&#252;rgerschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Linke?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die linken politischen Kr&#228;fte waren mehrheitlich nicht die Aufnahmebeh&#228;lter f&#252;r diese &#8222;Arbeiterw&#252;rde&#8220;, die &#8222;Deklassierung&#8220;, die &#8222;Unzufriedenheit&#8220; und den mit F&#252;ssen getretenen &#8222;Wert der Arbeit&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um Zugang zur Macht zur erhalten, haben sich diese Kr&#228;fte auf die Mittelklassen mit starkem intellektuellem (universit&#228;rem) Kapital gest&#252;tzt, so sind sie zu den zentralen Ideologen und Akteuren der Globalisierung der Wirtschaft in den 1990er-2000er Jahren geworden. Delors war Pr&#228;sident der Europ&#228;ischen Kommission, Lamy der WTO, Strauss-Kahn des IWF. Diese Kr&#228;fte waren die Agenten aller mit der weltweiten Ausbeutung der Arbeitskraft verbundenen Ungerechtigkeiten, in bester Eintracht mit den gew&#246;hnlichen rechten Parteien.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;berall verst&#228;rkt sich der Protektionismus, auch milit&#228;risch, die neuen Formen der Globalisierung werden allem Anschein nach handfest und holprig sein. Wenn in der gegenw&#228;rtigen Krise der Globalisierung die Nation und die Staatsb&#252;rgerschaft als &#8222;Festung&#8220; und als &#8222;nat&#252;rlicher&#8220; Rahmen f&#252;r die K&#228;mpfe und die &#8222;Unzufriedenheit&#8220; erscheinen, so sind die Rechte und die extreme Rechte insofern viel glaubw&#252;rdiger, als sie das nationale Thema erstarren lassen, indem sie es kulturell ethnisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Ladenschl&#252;ssel &#252;berlassen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zwischen den &#8222;Patrioten&#8220; und den &#8222;Globalisten&#8220; (um die Begriffe des RN zu &#252;bernehmen) sind die &#8222;Globalisten&#8220; unter gewissen Bedingungen bereit, die Ladenschl&#252;ssel den &#8222;Patrioten&#8220; zu &#252;berlassen, insoweit als sie die Krise der Globalisierung verwalten werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nachdem sie all ihre Themen aufgenommen haben, spielen die herrschenden Klassen mit ihren verschiedensten Fraktionen &#8211; die solide verankerte Grossbourgeoisie, die neuen milliardenschweren F&#252;hrer der Tech-Industrie, das Finanzkapital, die Multinationalen der Industrie &#8211; die Karte der extremen Rechten als Instrument einer nationalistischen Politik gegen&#252;ber der Krise der Globalisierung, indem ihr &#8222;Programm&#8220; abgemildert und angepasst wird (siehe Italien, Schweden, Niederlande u.a.). Aber vor allem ist die extreme Rechte der Ausdruck des verwirklichten Monopols auf &#8222;die Volksopposition&#8220;, indem sie &#8222;das Volk&#8220; im Namen der Nation in der Restrukturierung der Globalisierung bindet und mobilisiert. Wenn die Verheerungen dieser Restrukturierung sich zeigen werden, wird sie mutmasslich am besten dazu in der Lage sein, die K&#228;mpfe zu kontrollieren und sie in die schlimmsten Richtungen zu lenken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Nationalstaat betritt wieder die B&#252;hne, sowohl f&#252;r die herrschende Klasse als auch f&#252;r die ausgebeuteten Klassen, die in diesem nationalisierten Kontext in die Politik der herrschenden Klassen selbst verwickelt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Hegemonie und Monopol auf K&#228;mpfe?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit dem Zerfall der &#8222;Arbeiterbewegung&#8220;, ihrer Instanzen und Institutionen ist die repr&#228;sentative Demokratie zusammengebrochen. Die &#8222;Proteststimmen&#8220; des Beginns der 2000er Jahre sind nicht verschwunden, doch sie sind in den 2010er und 2020er Jahren zu einer Zustimmung geworden. Das zeigt sich in Form der &#8222;nationalen Werte&#8220; und der Republik, an welchen sich alle berauschen, indem sie sie alle mit leicht unterschiedlichen Inhalten f&#252;llen, die herrschende Klasse hat eine Art Monopol auf die Klassenwiderspr&#252;che im Zusammenhang mit allen Massnahmen, die sie gegen&#252;ber den beherrschten Klassen (in erster Linie die aktive oder arbeitslose Arbeiterklasse) ergreift, und den damit verbundenen Reformen, indem sie auf der Welle der rassialisierten Arbeitsteilung reitet. Mit der Nation besteht die Hegemonie der herrschenden Klasse darin, den beherrschten Klassen die Begriffe selbst ihrer Opposition aufzuzwingen. Dieser mittlerweile unausweichliche Rahmen, der die nationale Identit&#228;t darstellt, bearbeitet vom Klassenkampf, geht jedoch unterschiedslos von der &#8222;nationalen Souver&#228;nit&#228;t&#8220; zur &#8222;Volkssouver&#228;nit&#228;t&#8220; &#252;ber. Erinnern wir uns an die Gelbwesten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was das Monopol auf den von ihr ausgel&#246;sten Widerspruch f&#252;r die herrschende Klasse untergr&#228;bt, ist die Tatsache, dass das &#8222;souver&#228;ne Volk&#8220; nicht &#8222;eins&#8220; ist. Der materielle Rahmen dieser &#8222;Souver&#228;nit&#228;t&#8220; ist nicht die Politik, sondern das allt&#228;gliche Leben. In ihrer &#8222;Einzigkeit&#8220; wird die Souver&#228;nit&#228;t vom Preis der Joghurts, der Polizeigewalt, dem mit den Ausbeutungsbedingungen gleichbedeutenden Chaos der Spaltungen aufgerieben. Und in seinem allt&#228;glichen Leben, wenn seine Kaufkraft zusammenbricht, hat das &#8222;souver&#228;ne Volk&#8220; Zweifel bez&#252;glich seiner &#8222;Souver&#228;nit&#228;t&#8220;. Was das &#8222;souver&#228;ne Volk&#8220; ebenfalls untergr&#228;bt, ist die Tatsache, dass sich an seinen R&#228;ndern, aber sehr nahe, konstant die rassialisierten und &#252;bersch&#252;ssigen Bev&#246;lkerungen befinden, sie sind die konstante und lebendige Proklamation der &#8222;Unwirklichkeit&#8220; seiner Existenz als &#8222;souver&#228;nes Volk&#8220; und erinnern es daran.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das &#8222;souver&#228;ne Volk&#8220; des Nationalismus der extremen Rechten hat noch ein anderes Problem: Die Heftigkeit seines Antifeminismus und seiner Homophobie schreckt auch vor einem Verbot des Rechts auf Abtreibung nicht zur&#252;ck. Nat&#252;rlich schl&#228;gt der RN leisere T&#246;ne an, aber das gilt nicht f&#252;r die Fratelli d'Italia oder die Liga in Italien, auch nicht f&#252;r die Vox in Spanien oder die AfD in Deutschland. Der Nationalismus mag die Frauen an ihrem Platz und somit den Feminismus nicht. Der Nationalismus muss eine homogene nationale Identit&#228;t hervorbringen, die schwierig in diesen Mechanismus integrierbaren Ausl&#228;nder oder Frauen m&#252;ssen entweder zur&#252;ckgewiesen oder unsichtbar gemacht werden. Es waren die Mobilisierungen der Frauen, die weitgehend dazu beigetragen haben, die Mehrheitsverh&#228;ltnisse in Polen umzudrehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nur gegen den Islam beruft sich der Nationalismus auf die Freiheit der Frauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der RN, eine Falle?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn die Besonderheiten der Politik der extremen Rechten, ihr Rassismus, die physische und materielle Gefahr f&#252;r all jene, welche nicht die richtige Hautfarbe haben, bek&#228;mpft werden m&#252;ssen, dann muss dabei die Tatsache betont werden, dass sie der Ausdruck der Gesamtheit der herrschenden (wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, ideologischen, administrativen und politischen) Klasse sind. Einfach gegen den RN zu sein, bedeutet, in die &#8222;Falle&#8220; des Monopols und der Hegemonie zu geraten. Genau in diesem Monopol k&#246;nnen jedoch schnell die Widerspr&#252;che auftauchen: die im Volk verbreitete Entt&#228;uschung gegen&#252;ber dem von der herrschenden Klasse zur Schau getragenen und praktizierten Nationalismus, der letztendlich zwingend f&#252;r das &#8222;Volk&#8220; eine Dimension der sozialen Katastrophe annehmen wird; das unm&#246;gliche Ausblenden jener, welche als rassisch &#8222;anders&#8220; designiert werden, und die An-/Abwesenheit der Frauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das &#8222;souver&#228;ne Volk&#8220;, das von diesen grundlegenden Widerspr&#252;chen durchdrungen ist, kann explodieren und viele &#220;berraschungen bereithalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mehr dazu: siehe die Homepage &lt;a href=&#034;https://dndf.org/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Des nouvelles du front&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=21431#comment-626485&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Maria Desmers - Befreit die Feminisierung die Frauen?</title>
		<link>https://www.kommunisierung.net/Befreit-die-Feminisierung-die</link>
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		<dc:subject>&#220;bersetzungen</dc:subject>
		<dc:subject>Theorie</dc:subject>
		<dc:subject>Maria Desmers</dc:subject>
		<dc:subject>Gender</dc:subject>

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&lt;p&gt;&#8222;Das Maskulinum siegt &#252;ber das Femininum&#8220;, zumindest in der Grammatik, wenn es darum geht, die W&#246;rter im Plural zu deklinieren, wie wir das alle in der Schule gelernt haben. Ist diese Herrschaft des Maskulinums in der Sprache in einem derart direkten Verh&#228;ltnis mit der M&#228;nnerherrschaft im Leben, dass ein Kr&#228;fteausgleich des Geschlechterverh&#228;ltnisses in der Sprache zu einem Kr&#228;fteausgleich in den realen Geschlechterverh&#228;ltnissen f&#252;hren w&#252;rde? Bedeutet das, dass der Mond die Sonne, der (...)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

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&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Theorie" rel="tag"&gt;Theorie&lt;/a&gt;, 
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 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/arton5903-d54fd.jpg?1689286290' class='spip_logo spip_logo_right' width='106' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;&#8222;Das Maskulinum siegt &#252;ber das Femininum&#8220;, zumindest in der Grammatik, wenn es darum geht, die W&#246;rter im Plural zu deklinieren, wie wir das alle in der Schule gelernt haben. Ist diese Herrschaft des Maskulinums in der Sprache in einem derart direkten Verh&#228;ltnis mit der M&#228;nnerherrschaft im Leben, dass ein Kr&#228;fteausgleich des Geschlechterverh&#228;ltnisses in der Sprache zu einem Kr&#228;fteausgleich in den realen Geschlechterverh&#228;ltnissen f&#252;hren w&#252;rde? Bedeutet das, dass &lt;i&gt;der&lt;/i&gt; Mond &lt;i&gt;die&lt;/i&gt; Sonne, &lt;i&gt;der&lt;/i&gt; Gefangene &lt;i&gt;die&lt;/i&gt; W&#228;rterin unterdr&#252;ckt? Die Feminisierung der Sprache weist das Maskulinum zurecht. Freilich, doch was bringt dieser den Endungen der Adjektive und definierten und undefinierten Artikel verpasste Denkzettel der Emanzipation der Frauen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Ziel dieses Textes ist die Infragestellung einer der Schlachten des Krieges der Geschlechter wie er heute gef&#252;hrt wird, sowohl innerhalb der staatlichen Verwaltung wie auch der Milieus mit subversivem Anspruch: Der Kampf f&#252;r die Feminisierung der Sprache, oder, wie es die linguistischen Beh&#246;rden des Staates heute nennen, der Kampf f&#252;r die Durchsetzung der sogenannt &#8222;einschliessenden&#8220; Schreibweise, die sich als praktische L&#246;sung (in den beiden Bedeutungen des Begriffes, sowohl konkret, als auch einfach zu verwirklichen, schliesslich w&#252;rde eine kleine Anstrengung gen&#252;gen, um unsere Art und Weise zu sprechen und die damit einhergehenden Repr&#228;sentationen zu ver&#228;ndern) zum Beitrag der Befreiung der Frauen pr&#228;sentiert. In Anbetracht des zwingenden Charakters dieser Sprachreform, die sich viele auferlegen und anderen auferlegen und der strukturellen und strukturierenden Bedeutung der Sprache f&#252;r uns Menschen, kann man sich ehrlich die Frage stellen, was die Feminisierung der Sprache zur Emanzipation der Frauen beitr&#228;gt, und sich wundern, dass diese Frage so selten gestellt und fast nie debattiert wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; Auf der symbolischen Ebene ist es ziemlich offensichtlich, dass die Herrschaft in dieser Welt auf der Seite der M&#228;nnlichkeit ist. Es sei erlaubt, aus Schalkhaftigkeit hinzuzuf&#252;gen, dass es &lt;i&gt;die&lt;/i&gt; Macht und &lt;i&gt;die&lt;/i&gt; Gewalt ebenfalls sind. Die Zweiteilung der menschlichen Wesen in Geschlechter tr&#228;gt selbstverst&#228;ndlich dazu bei, diese symbolische Herrschaft effektiv zu machen, und es ist also ganz konkret schwieriger, in dieser Welt Erfolg zu haben, wenn man eine Frau ist (oder dieser Rolle zugewiesen ist). Diese Diskriminierung als solche betrifft uns nicht mehr oder weniger als andere symbolische, von dieser Welt hervorgebrachte Formen der Diskriminierung und der Niederschlagung: Die Forderung nach, und die Erlangung durch diverse Formen der Lobbyarbeit, einer Chancengleichheit zwischen den M&#228;nnern und den Frauen ist ein Traum radikaler Demokraten und stellt die Bedeutung des Erfolgs in dieser Welt nicht radikal in Frage, nicht einmal die damit verbundenen Geschlechtermerkmale. Was uns hingegen st&#228;rker besch&#228;ftigt, sind die Formen der Herrschaft und der Entfremdung, welchen wir alle durch diese Welt unterworfen werden, indem sie uns zu ihren Bedingungen zu M&#228;nnern und Frauen macht. Und diesbez&#252;glich scheint es sehr wohl, dass jene Lesart, welche darin besteht, sich mit der Feststellung zu begn&#252;gen, dass, weil &lt;i&gt;das Maskulinum&lt;/i&gt; auf symbolischer Ebene &lt;i&gt;siegt&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;die&lt;/i&gt; M&#228;nner herrschen und uns entfremden, oder gar &lt;i&gt;die&lt;/i&gt; Frauen ausbeuten, gef&#228;hrlich vereinfachend ist und durch dem diesem &#8222;Sieg&#8220; beigemessenen Wert, das, was die Welt &lt;i&gt;Erfolg&lt;/i&gt; nennt, f&#252;r g&#252;ltig erkl&#228;rt. Diese Vereinfachung findet man z.B. wieder in jenen Analysen, die von einer Pr&#228;misse ausgehen, gem&#228;ss welcher im Modell der Ehe, in welchem der Mann f&#252;r einen Chef arbeitet, w&#228;hrend die Frau sich um die Hausarbeit k&#252;mmern muss (ein Modell, das &#252;brigens heute immer weniger hegemonisch ist), der Mann deshalb &#8222;der Chef&#8220; der Frau sei. Viel interessanter ist es, in dieser Situation zu erkennen, dass der Chef des Mannes eher auch jener der die t&#228;gliche R&#252;ckkehr des Mannes zur Arbeit garantierenden Frau ist. Die Ausbeutungssituation ist somit gewiss auf inakzeptable Art und Weise von Geschlechterrollen gepr&#228;gt, doch sie ist als solche geteilt und man kann somit nicht mehr behaupten, die M&#228;nner w&#252;rden die Frauen ausbeuten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diese Analyse findet man z.B. im Buch der Feministinnen Selma James und (...)&#034; id=&#034;nh1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, in diesem Fall beuten die Chefs M&#228;nner &lt;i&gt;und&lt;/i&gt; Frauen aus. Diese Vielschichtigkeiten w&#252;rden weitere Entwicklungen verdienen, doch wir werden sie heute als Hintergrund gebrauchen, um eine der Geschlechterschlachten zu analysieren, so wie sie heute gef&#252;hrt wird, innerhalb der staatlichen Verwaltung bis in die Milieus mit subversiven Anspr&#252;chen hinein: der Kampf f&#252;r die Feminisierung der Sprache, oder, wie wie es die linguistischen Beh&#246;rden des Staates nennen, die Schlacht f&#252;r die Durchsetzung der sogenannt &#8222;einschliessenden&#8220; Schreibweise.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;W&#246;rter sind keine Ampeln&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unter den aktivistischen Praktiken, die als einfach anwendbare L&#246;sungen angeboten werden, um die dieser Welt inh&#228;renten Formen der Ungerechtigkeit zu korrigieren &#8211; und es ist eine der Eigenschaften der Epoche, zu glauben, dass aktivistische Praktiken zu Wundermitteln erhoben werden k&#246;nnen &#8211; ist es offensichtlich notwendig, den Kampf um die &#8222;Feminisierung&#8220; der Sprache in seinen Voraussetzungen, Wirkungen und Folgen seiner sich systematisch wollenden Anwendung ernsthaft zu untersuchen. Diese &#8222;Feminisierung&#8220; der geschriebenen Sprache, oder &#8222;einschliessende Schreibweise&#8220;, pr&#228;sentiert sich als praktische L&#246;sung (in den beiden Bedeutungen des Begriffes, sowohl konkret und einfach realisierbar, da eine kleine Anstrengung angeblich reichen w&#252;rde, um unsere Art zu sprechen und die damit einhergehenden Repr&#228;sentationen zu &#228;ndern), um zur Befreiung der Frauen beizutragen &#8211; wieso w&#252;rde sonst zu ihrer Entwicklung beigetragen und sie auferlegt, wie es der Fall ist mit einigen Portalen des Milieus mit subversivem Anspruch?&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Das aktivistische Infoportal der Region Toulouse IAATA feminisiert z.B. (...)&#034; id=&#034;nh2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; In Anbetracht des zwingenden Charakters dieser Sprachreform, die viele sich selber und anderen auferlegen, und der strukturellen und strukturierenden Bedeutung der Sprache f&#252;r uns als menschliche Wesen, kann man sich ehrlich fragen, was die Feminisierung der Sprache zur Emanzipation der Frauen beitr&#228;gt, und sich wundern, dass diese Frage so selten gestellt und fast nie debattiert wird. In Wirklichkeit bequemen sich nur wenige, sogar unter ihren Verteidigern, zu jeglicher Rechtfertigung oder Erkl&#228;rung f&#252;r diese Entscheidung, die somit als unerheblich erscheinen kann. Es kann schon mal gesagt werden, dass die Pr&#228;sentation eines Vorschlags als Offensichtlichkeit schon als Mittel der &#220;berzeugung dient, gleichzeitig erspart man es sich, zu seiner Rechtfertigung argumentieren zu m&#252;ssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch ist diese Praxis wirklich unerheblich?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir werden uns hier auf eine gewisse aktivistische Erfahrung st&#252;tzen, die Erinnerung an das Aufkommen der Feminisierung der Sprache im Laufe der 1990er Jahre in den alternativsten Sektoren, danach hat sie sich durchgesetzt und war vorherrschend, sowie auf die seltenen und stets kategorischen Argumente, um die Verbreitung dieser neuen Norm zu rechtfertigen. Das wird auch die Gelegenheit sein, sich die Frage zu stellen, wie es m&#246;glich geworden ist, zu denken, dass wir die Wege der Emanzipation mithilfe von Normen und Prozessen der Reglementierung finden werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sollte es notwendig sein, die Bedeutung dieser Frage zu belegen, kann man von einer Norm sprechen, es gen&#252;gt, anzumerken, dass die Feminisierung der geschriebenen Sprache, nachdem sie in gewissen aktivistischen Milieus eingef&#252;hrt worden ist (das geht so weit, dass sie dazu beigetragen hat, eine Art Idiom, eine identit&#228;re Folklore zu konstituieren), heutzutage sogar innerhalb der Institutionen &#252;bernommen worden ist, in diesem Fall z.B. vom Bildungsministerium, das nun bei Hatier ein komplett in &#8222;einschliessender Schreibweise&#8220; feminisiertes Schulbuch f&#252;r Primarsch&#252;ler anbietet. Gleichzeitig f&#252;hren gewisse franz&#246;sische Universit&#228;ten die Feminisierung in der Verwaltungssprache ein und die Acad&#233;mie fran&#231;aise &#228;ussert sich zur Frage mit all ihrer reaktion&#228;ren Finesse, deren Geheimnis nur sie kennt. Der Erfolg dieses Durchbruchs ist nat&#252;rlich das Resultat einer aktiven Lobbyarbeit, nicht nur in unseren Milieus, sondern auch im Kern der Macht, und er verursacht eine Polemik, in welcher die reaktion&#228;rsten Verteidiger der &lt;i&gt;langue fran&#231;aise&lt;/i&gt; die B&#252;hne betreten und sich dar&#252;ber emp&#246;ren, dass alles den Bach runtergeht, und &#252;ber das, was man unseren lieben blonden K&#246;pfen beibringt, obwohl sie eher einen Auto fahrenden Papa und eine kochende Mama brauchen w&#252;rden und Maurras lesen sollten, wodurch der anscheinend subversive Charakter des Vorschlags validiert wird. Aber vielleicht haben diese freundlichen Damen und Herren der Acad&#233;mie fran&#231;aise trotzdem Recht?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sprechen hier nat&#252;rlich aus einer anderen Position und wir m&#246;chten annehmen, dass, wenn man eine aktivistische Praxis verteidigt oder kritisiert, man es mit einem Minimum an Autonomie tun kann, die notwendig ist, um sich nicht unmittelbar innerhalb der Debatte zu verorten, wie es der Zeitgeist gerne h&#228;tte. Wenn man etwas dar&#252;ber nachdenkt, dr&#228;ngt sich mit dieser &#220;bernahme der Feminisierung durch die Institutionen, wodurch die anti-autorit&#228;ren Milieus und die Anordnungen des Staates nun gleich t&#246;nen, nicht eine erneute &#220;berpr&#252;fung dieser so einfach integrierbaren und integrierten Praxis auf? Ist es ein historischer Schritt f&#252;r die Emanzipation der Frauen, die gleiche Art historischer Schritt wie die Institutionalisierung der Forderung nach der Gleichstellung von M&#228;nnern und Frauen in den politischen Parteien und der Regierung? Sollten wir uns damit begn&#252;gen, die Tatsache zu beklagen, dass diese Gleichstellung nicht respektiert wird und dass Macrons Verordnungen nicht feminisiert sind und somit uns f&#252;r einen Radikalismus der Institutionalisierung der Normen dieses Vorschlags einsetzen? Wir werden sie hier eher von einem revolution&#228;ren und verwaltungsfeindlichen Standpunkt aus in Frage stellen (ein anderer Standpunkt also), d.h. uns fragen, ob die Feminisierung der Texte, sei sie von Gertrud in ihrem besetzten Haus, von Zebulun in seinen Brosch&#252;ren oder dem Staat in seinen Schulb&#252;chern oder seinem Strafgesetz praktiziert, ein Beitrag zur Befreiung der Frauen sein kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Sonne hat eine Verabredung mit dem Mond&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Viel mehr als andere Sprachen ist die franz&#246;sische eine Sprache, die man als grammatikalisch geschlechterspezifisch bezeichnen kann. D.h., dass die Polarisierung des Maskulinums und des Femininums sich darin verallgemeinert hat, denn man sagt &lt;i&gt;le soleil&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;la lune&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;une girafe&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;un &#233;l&#233;phant&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;un arbre&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;une feuille&lt;/i&gt;&#8230; Diese Polarisierung hat das genau wie das Maskulinum und das Femininum in alten Sprachen wie Latein oder Griechisch und in vielen heute noch gesprochenen Sprachen pr&#228;sente Neutrum fast zum Verschwinden gebracht. Ausgehend von einer falschen Offensichtlichkeit h&#246;rt man h&#228;ufig, dass dieses Verschwinden des Neutrums &#8222;zugunsten&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wir werden sehen, dass diese Art von Ausdruck metaphorisch ist, denn es (...)&#034; id=&#034;nh3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; des Maskulinums geschehen ist, dieses dient dazu, feminine und maskuline W&#246;rter zu verallgemeinern oder zu gruppieren, im Gebrauch der Kongruenzen des Plurals z.B. Man h&#246;rt auch, dass &#8222;das Maskulinum &#252;ber das Femininum siegt&#8220;. Ausgehend von dieser Beobachtung geht das Prinzip der &#8222;einschliessenden Schreibweise&#8220; davon aus, dass die Sprache eine Herabsetzung der Frauen beurkundet und bewirkt und dass also im Namen dieser Gleichheit des Daseins in der Sprache das Geschlechtergleichgewicht wieder ausgeglichen, das Maskulinum zurechtgewiesen werden muss, indem ihm systematisch durch diverse Mittel das Femininum zur Seite gestellt wird. Doch &#8222;zugunsten&#8220; und &#8222;siegt&#8220; werden hier als Metaphern gebraucht. D.h., dass, indem man den Zustand der Sprache als Schlachtfeld darstellt, man eine kleine Fabel der Worte konstruiert, die Siege und Niederlagen in Szene setzt, ein bisschen wie Victor Hugo in &lt;i&gt;R&#233;ponse &#224; un acte d'accusation&lt;/i&gt; (siehe nebenan [in der Zeitschrift]). Es ist offensichtlich, dass er sich in diesem Gedicht am&#252;siert, indem er uns eine Fabel der Gesellschaft erz&#228;hlt, in welcher die W&#246;rter soziale Kategorien repr&#228;sentieren, und eine Revolution, die sie dank ebendiesem Gedicht umst&#252;rzt, und dass er nicht glaubt, dass dieser &#8222;Sturm im Tintenfass&#8220; ohne Vermittlung und in sich selbst ein sozialer Sturm ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es kann freilich &#252;ber den Sinn dieser metaphorischen Konstruktion in einem allgemeinem Kontext, in welchem das Maskulinum &#252;ber das Femininum &#8222;siegt&#8220;, nachgedacht werden, doch es ist gewiss absurd, die Metapher wortw&#246;rtlich zu nehmen. Die metaphorische Schlacht findet nicht im wirklichen Leben statt, und umgekehrt. Zudem handelt es sich um eine falsche Offensichtlichkeit, gest&#252;tzt auf eine zu hastige Beobachtung. Die Geschichte der Errichtung der grammatikalischen Genera, so wie sie rekonstruiert werden kann, lehrt uns, dass in &#228;lteren, von der hypothetischen indoeurop&#228;ischen Sprache (eine sehr fragw&#252;rdige Hypothese, die nur zum Verst&#228;ndnis von &#196;hnlichkeiten und Unterschieden zwischen verschiedenen gegenw&#228;rtigen Sprachen dient) repr&#228;sentierten Formen die Zweiteilung der linguistischen Genera zur Unterscheidung des Beseelten vom Unbeseelten dient. Dann interveniert das Femininum, das aufgrund seiner Morphologie dem k&#252;nftigen Neutrum &#228;hnelt und z.B. zum Ausdruck abstrakter Konzepte dient (das ist im Franz&#246;sischen immer noch der Fall, man sieht es an allen Substantiven mit den Suffixen -t&#233; wie &lt;i&gt;libert&#233;&lt;/i&gt; oder -tion wie &lt;i&gt;r&#233;volution&lt;/i&gt;). Erst ziemlich sp&#228;t wird es zur Spezialit&#228;t des genannten &#8222;Femininums&#8220;, beseelte Wesen zu beschreiben, die &#8222;feminin&#8220; genannt werden. Die Tatsache, dass &#8222;das Maskulinum siegt&#8220;, z.B. in der Kongruenz des Plurals, erkl&#228;ren gewisse Linguisten, abgesehen von den Unw&#228;gbarkeiten der Sprache, welche zu diesem Zustand gef&#252;hrt haben, der, wie all ihre Zust&#228;nde, zwingend provisorisch ist, mit der Tatsache, dass das Maskulinum unmarkiert ist, somit steht es dem Neutrum n&#228;her und ist besser f&#228;hig, verschiedene Genera zu gruppieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dennoch ist es heute unbestreitbar, dass einige Sprachen, und besonders die franz&#246;sische, das Neutrum zum Verschwinden gebracht haben, um eine geschlechtliche Polarisierung maskulin-feminin herbeizuf&#252;hren, die scheinbar der von dieser Welt auferlegten geschlechtlichen Zweiteilung der lebenden Wesen angemessen ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese einfachen Feststellungen werfen gewisse Fragen auf. Ist die Stellung der Frauen zwingend unterschiedlich, wenn die Sprache nicht auf dieser Polarisierung basierend funktioniert und inwiefern?&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Man kann ans Englische denken, oder an alle anderen Sprachen, die einen (...)&#034; id=&#034;nh4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; W&#228;re weniger Maskulinum und Femininum in der Sprache gleichbedeutend mit weniger Geschlecht oder anderen Geschlechterverh&#228;ltnissen in den gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen? Die Realit&#228;t der Sprache jenseits der Konstruktion der linguistischen Genera dementiert diese Hypothese. Die Motivation des Genera der Nomen sind dermassen komplex und entsprechen kaum einem System (geschweige denn einer Motivation), dass sie nicht in einer vereinfachenden ideologischen Hypothese gelesen werden k&#246;nnen, welche aus ihnen das Resultat eines inh&#228;renten Sexismus macht. Nat&#252;rlich kann man mit den Repr&#228;sentationen spielen, indem man ihre Motivationen in personifizierten und allegorisierten Formen ver&#228;ndert. Der Mond kann ein Junge werden und die Sonne ein M&#228;dchen, in Gedichten und Liedern, weil man darin mit der Phonetik und der Grammatik spielt, man versucht die Konnotationen der Begriffe wieder zu beleben, aber nicht im wirklichen Leben, nicht mehr als dass ein Tisch etwas maskulines und eine Decke etwas feminines h&#228;tte. &#8222;Eine Person&#8220; im Femininum spricht nicht mehr von Frauen als &#8222;ein Individuum&#8220; im Maskulinum. Die Zuteilung der Genera im Franz&#246;sischen ist zutiefst willk&#252;rlich, was nicht bedeutet, dass sie nicht f&#252;r jeden Begriff eine komplexe Geschichte hat, sinnlos ist oder man nicht dar&#252;ber nachdenken k&#246;nnte. Was Sinn macht, ist sehr wohl diese Besonderheit einer verallgemeinerten Polarisierung und die Tendenz hin zu einer Fixierung der Genera, welche die Interferenzen und Variationen zum Verschwinden bringt, diese erlaubten es z.B. vor einigen Jahrhunderten, dass gewisse Begriffe den Genus wechseln, maskulin sind im Singular und feminin im Plural (&lt;i&gt;d&#233;lice&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;amour&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;orgue&lt;/i&gt; bezeugen das heute noch). Diese Verabsolutierung der Polarisierung der linguistischen Genera geht mit der Verweigerung und Korrektur &#8211; Merkmale eines gewissen Klassizismus &#8211; aller syntaktischen und orthographischen Skurilit&#228;ten einher. Deshalb sind die Texte vor dem 17. Jahrhundert f&#252;r jene so schwierig zu lesen, welche wie wir an eine normierte Sprache gewohnt sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man schl&#228;gt also vor, das Geschlechtergleichgewicht wieder auszugleichen, den in der Sprache schon beurkundeten &#8222;Sieg&#8220; des maskulinen Genera zu bestreiten, indem ein Arsenal an Regeln durchgesetzt wird (mehrere Vorschl&#228;ge stehen im Konflikt zueinander, man kann sich fragen, welcher wirklich institutionalisiert werden wird und aufgrund welcher Kriterien), um das feminine Genus wieder als sein Gleiches in einer Art gleichberechtigtem &lt;i&gt;Gesellschaftsvertrag&lt;/i&gt; der W&#246;rter zu institutionalisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man darf sich auf dieser Ebene ebenfalls als Revolution&#228;r die Frage stellen, was an diesem Gesellschaftsvertrag genau subversiv sein soll. Es scheint n&#228;mlich, dass man sich jetzt schon fragen kann, weshalb, statt dass man der Reglementierung noch mehr Reglementierung hinzuf&#252;gt, man nicht eher mit Formen der &lt;i&gt;Dereglementierung&lt;/i&gt; experimentieren sollte. Diese Frage w&#252;rde es verdienen, ernsthaft gestellt zu werden. Es gab eine Zeit, die von der sogenannt &#8222;klassischen&#8220; Epoche definitiv begraben worden ist, wo es nicht offensichtlich war, dass ein Wort immer gleich geschrieben werden musste oder dass jeder Gebrauch davon der linguistischen und jakobinischen Normativit&#228;t einer offiziellen und von der zentralen Beh&#246;rde validierten Sprache unterstehen sollte. Auf jeden Fall ist es gewiss, dass die Regeln der Feminisierung dieser grundlegend progressistischen und zur gleichen Epoche wie der ber&#252;hmte Sieg des Maskulinums &#252;ber das Femininum entstandenen Idee Tribut zollen, welche m&#246;chte, dass die Sprache sich durch sukzessive Normalisierung und Uniformisierung verbessert und die Sprache von heute somit zwingend besser ist als jene von gestern, denn sie ist in den Genuss der vermeintlichen &#8222;Fortschritte&#8220; der Wissenschaft und des Egalitarismus gekommen. Alles in allem wird es wom&#246;glich diese gleiche Ideologie des Fortschritts sein, welche es z.B. geschafft hat, aus der Polizei, den Gef&#228;ngnissen oder der Atomkraft etwas &lt;i&gt;normales&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;akzeptables&lt;/i&gt; zu machen, welche es schaffen wird, der &#8222;einschliessenden&#8220; Schreibweise zum Sieg zu verhelfen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es bleibt eine Feststellung: Der Genus in der Sprache ist nicht das Geschlecht im Leben und die St&#228;rkung des Femininums in der Sprache st&#228;rkt nichts ausser die Pr&#228;senz einer grammatikalischen Kategorie, worin wir kein Interesse sehen. Hinzu kommt, dass diese Praktiken der Feminisierung die Polarisierung der Sprache st&#228;rken, z.B. indem man sich dem Gebrauch des Neutrums verweigert und gewisse unmarkierte Begriffe markiert wie im Falle von &lt;i&gt;gens&lt;/i&gt; [Leute], ein jenseits dieser Kategorien stehendes Wort, dessen Genus durch seine zwingende Pluralform neutralisiert wird. Der Gebrauch von &lt;i&gt;gen-tes&lt;/i&gt; rekonstruiert maskulin und feminin dort, wo es f&#252;r einmal so etwas wie ein Neutrum gab. Die Feminisierung der Sprache ist somit weit davon entfernt, die Omnipr&#228;senz der geschlechtlichen Polarisierung zu &#252;berwinden, sie st&#228;rkt sie sogar, schliesslich ist in Anbetracht dieser Polarisierung allen voran das Neutrum schwer zu konzipieren. Einmal mehr werden die M&#246;glichkeiten von etwas anderem, einer &#220;berwindung des Geschlechts oder eines Ausstieges aus diesen Rollen ge&#228;chtet, diesbez&#252;glich sind die Anh&#228;nger der Feminisierung alles andere als eine Ausnahmeerscheinung. Doch ist es &#252;berhaupt das Ziel dieser Praxis, die sich f&#252;r subversiv h&#228;lt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Erinnerung: &lt;i&gt;Die W&#246;rter&lt;/i&gt; sind nicht &lt;i&gt;die Dinge&lt;/strong&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu glauben, dass die W&#246;rter die Dinge sind, dass das Wort Fisch ein Fisch ist, dass das Wort Hund beisst oder dass das Maskulinum und das Femininum der Sprache das Geschlecht in den gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen ist, ist ein Standpunkt, der einen Namen hat. Es ist der Kratylismus, vom Namen einer gegen&#252;ber Sokrates inszenierten Person in einem Dialog Platons mit dem selben Namen. Kratylos verteidigt darin gegen Sokrates die Idee einer Transparenz der Sprache mit dem, was sie beschreibt, einer &lt;i&gt;nat&#252;rlichen Richtigkeit&lt;/i&gt; der W&#246;rter. Der Kratylismus kann eine Art und Weise sein, sowohl die Welt als auch die Sprache zu verzaubern. Kinder, Dichter und Verr&#252;ckte, um Platon zu paraphrasieren, &#8211; oder das Kind, der Dichter oder der Verr&#252;ckte, der in uns allen sein kann &#8211;, k&#246;nnen die M&#246;glichkeit einer solchen Unmittelbarkeit er&#246;ffnen und verletzt werden vom Wort &#8222;verletzt&#8220;, sich vom Wort &#8222;Hund&#8220; gebissen f&#252;hlen, Musik h&#246;ren im Wort &#8222;Musik&#8220; oder die Farbe der Vokale beschreiben. Doch man kommt nicht um die Feststellung umhin, dass diese verr&#252;ckte, poetische und kindliche Verzauberung der Sprache das Gegenteil einer Reglementierung ist, die zum Ziel h&#228;tte, ihren Gebrauch zu normalisieren, indem sie versucht, sich aufzudr&#228;ngen, wie es der Fall ist mit der &#8222;einschliessenden Schreibweise&#8220;. Es handelt sich eben genau um das, wovon wir zuvor sprachen, eine Dereglementierung, das Gegenteil also. Kinder, Dichter und Verr&#252;ckte sind &#252;brigens sowieso jene, welche auf dieser Ebene wie auf anderen auch definitionsgem&#228;ss marginal sind gegen&#252;ber einer Position der Autorit&#228;t, und ganz sicher nicht in einer Position, um Gesetze oder Normen zu erlassen. Es handelt sich um individuelle, erheiternde, kreative und grundlegend &lt;i&gt;anormale Gebr&#228;uche&lt;/i&gt;, welche diese &#252;blichen und normierten Inhalte der Sprache durcheinander bringen, indem sie sie f&#252;r eine Weile aus ihren kommunikativen Funktionen herausreissen, und welche nur in Ausnahmef&#228;llen geteilt werden. In Wirklichkeit also das genaue Gegenteil jener, welche sich daf&#252;r einsetzen, die Feminisierung der Sprache aufzudr&#228;ngen. Doch es ist nicht das einzige Gebiet, wo die Kinder, die Dichter und die Verr&#252;ckten einen weit subversiveren Weg gehen als die politischen Aktivisten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r jeden und in ihrem banalen Gebrauch ist die Sprache eine Vermittlung zwischen &lt;i&gt;den W&#246;rtern&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;den Dingen&lt;/i&gt;, zwischen dem Sprechenden und der Welt. Die W&#246;rter (und die Art und Weise ihrer Kombination) sind grundlegend willk&#252;rlich und die Aneignung dieses willk&#252;rlichen Verh&#228;ltnisses ist komplex. Die W&#246;rter sind nicht die Dinge, nicht einmal der Code der Dinge, wenn man den Code als ein einfaches vermitteltes Verh&#228;ltnis betrachtet, das direkt was wir sagen und was wir sagen wollen miteinander verbindet. Die rote Ampel ist ein Code, er ist willk&#252;rlich, doch er sagt uns unmittelbar, dass wir anhalten m&#252;ssen. Die W&#246;rter sind keine Ampeln, sie sind subtile &lt;i&gt;Zeichen&lt;/i&gt;, und die von ihnen durchgesetzte Vermittlung im Verh&#228;ltnis zur Welt ist komplex. Es ist diese Komplexit&#228;t, welche auch den Reichtum im Verh&#228;ltnis zur Sprache ausmacht, die M&#246;glichkeit, mit den W&#246;rtern zu spielen, sie von ihrem Gebrauch abzubringen, um sie mehr, weniger oder etwas ganz anderes sagen zu lassen, als das, was sie die Willk&#252;r des Zeichens sagen l&#228;sst. Sie haben eine &lt;i&gt;Bezeichnung&lt;/i&gt;, einen einfachen Sinn, der vom W&#246;rterbuch definiert werden kann und die Kommunikation erlaubt, doch auch eine Vielzahl variabler &lt;i&gt;Konnotationen&lt;/i&gt; (die von ihnen ausgel&#246;sten Gedanken, Tr&#228;ume, Gef&#252;hle&#8230;) auf der Ebene sozialer Gruppen, aber auch kleinerer Gruppen oder gar auf individuellem Niveau. Die Bedeutung ist nicht eine mechanische Operation, die schlichtweg jedes Wort mit einem Ding verbindet, es ist eine undurchsichtige, reiche und komplexe Operation, die Unverst&#228;ndnis genau wie das Gegenteil hervorbringt, M&#246;glichkeiten zur &#220;berraschung auf jeden Fall. Und genau deswegen ist die &#220;bersetzung eine sowohl riskante als auch spannende Operation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Deshalb braucht es ein Minimum an Feinf&#252;hligkeit, wenn man versucht, zu verstehen, was die Sprache &#252;ber die Wahrnehmung der Welt sagt, umso mehr jener, welche von ihr durchdringt ist. Und es ist genau diese Etappe der Analyse, die eigentlich selbstverst&#228;ndlich sein sollte, wenn man &#252;ber die Sprache &lt;i&gt;intervenieren&lt;/i&gt; will &#8211; ein Projekt, das in sich schon fragw&#252;rdig ist, wir werden darauf zur&#252;ckkommen &#8211;, welche unsere einschliessenden Aktivisten scheinbar &#252;bergangen haben. Eine extreme und mechanische Vereinfachung ersetzt sie: Die Sprache widerspiegelt die Wirklichkeit der Welt und der sich in ihr ausbreitenden Verh&#228;ltnisse und die Tatsache, dass das Maskulinum &#252;ber das Femininum &#8222;siegt&#8220;, widerspiegelt die Herrschaft der M&#228;nner &#252;ber die Frauen. Und wir werden an all diesen aktivistischen Vereinfachungen sterben. Erste Vereinfachung, die wir schon weiter oben dekonstruiert haben (denn wir dekonstruieren lieber Argumente als Leute): Dieser Vorschlag w&#252;rde bedeuten, dass der Genus in der Sprache das Geschlecht im Leben ist. &#8222;Siegen&#8220; wird bequem wortw&#246;rtlich genommen und der hinkende Vergleich kann pl&#246;tzlich laufen, die M&#228;nner siegen im wahren Leben &#252;ber die Frauen genau wie das Maskulinum &#252;ber das Femininum siegt. Das &#8222;Privileg&#8220; des Maskulinums, z.B. eine neutralisierende Funktion der Genera im Plural zu haben, wird zu einem &#8222;Privileg&#8220; der M&#228;nner &#252;ber die Frauen. Man sorgt sich dar&#252;ber, dass das Maskulinum das Femininum&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Man k&#246;nnte daraus den lustigen Vorschlag eines Schreibzwangs ohne (...)&#034; id=&#034;nh5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, dass &lt;i&gt;der&lt;/i&gt; Mond &lt;i&gt;die&lt;/i&gt; Sonne, &lt;i&gt;der&lt;/i&gt; Gefangene &lt;i&gt;die&lt;/i&gt; W&#228;rterin unterdr&#252;ckt. Auf jeden Fall ist, wie wir es weiter oben gesehen haben, dieses exzessiv vereinfachte Verst&#228;ndnis der Mechanismen der Sprache schon sehr anfechtbar. Von einem revolution&#228;ren Standpunkt aus betrachtet, ist es nicht erstaunlich, dass diese Forderung sich ein Stelldichein mit den &#8222;neuen&#8220; Forderungen der postmodernen &#228;usseren Linken gibt: Gegen die Diskriminierung die Ordnung der Dinge akzeptieren, gegen den Rassismus mit der &#8222;Rasse&#8220; denken, gegen den westlichen den &#246;stlichen Block w&#228;hlen und gegen die geschlechterspezifische Herrschaft &#8222;einschliessend&#8220; schreiben, die Buben mit rosaroten und die M&#228;dchen mit blauen Kugelschreibern. Und ganz &lt;i&gt;kratylisch&lt;/i&gt; wird der Sexismus alsobald zusammenbrechen&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Danach folgt gem&#228;ss der gleichen Logik ein noch akrobatischerer Schritt: Die Intervention &#252;ber die Sprache durch die systematische Anf&#252;gung femininer Markierungen habe einen ausgleichenden Einfluss auf die realen Herrschaftsverh&#228;ltnisse. Wir werden hier nicht l&#228;nger auf die Tatsache eingehen, dass dieser Vorschlag die geschriebene gegen&#252;ber der gesprochenen Sprache privilegiert, was nicht unbedeutend ist und eine grundlegende Machtlosigkeit offenbart: Es gibt Sprachen ohne Schriftsprache, wie werden sie feminisiert werden k&#246;nnen? Die diversen vorgeschlagenen schriftlichen Kunstst&#252;cke sollen, durch einen durch und durch kratylischen Zauber, eine tiefe Modifikation der realen Geschlechterverh&#228;ltnisse zur Folge haben, oder uns zumindest davor bewahren, diese Herrschaftsform zu reproduzieren. Doch wir finden, dass dieser Vorschlag nicht nur von einer verst&#246;renden illusorischen Naivit&#228;t zeugt, sondern dass auch die einfache Idee, dass die Anf&#252;gung des Femininums den Frauen eine bessere Stellung verschafft, &#252;berdacht werden sollte. Man sagt uns n&#228;mlich, dass, und es ist eine der einzigen Behauptungen zur Durchsetzung dieser Praxis, die einem Argument &#228;hnelt, die Feminisierung der Sprache notwendig sei, damit die Frauen im Diskurs existieren, das neutrale Maskulinum spreche nur von M&#228;nnern. Doch ist das wirklich so?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&#8222;Sie&#8220; ist keine Frau, eine Frau ist eine Frau&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; Es kann also die folgende grundlegende Frage gestellt werden: &lt;i&gt;Existiert etwas&lt;/i&gt; im Diskurs, und &lt;i&gt;was&lt;/i&gt;, durch die Feminisierung? Existieren &#8222;die Frauen&#8220; durch das Pronomen &#8222;sie&#8220; [elles] in einem Satz, in dem, was er aussagt? Existieren das Subjekt, der Andere oder die Anderen &lt;i&gt;als Frauen&lt;/i&gt; tats&#228;chlich durch die Feminisierung der Pronomen, Nomen und Adjektive? Man kann mit der Tatsache einverstanden sein, dass in dieser Welt, wo die M&#228;nnerherrschaft auf der symbolischen Ebene stabil ist, &#8211; was die Stellung des Maskulinums in der Sprache wahrscheinlich bezeugt, aber auf eine komplexe und spezifische Art und Weise&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In anderen Sprachen, in welchen das Maskulinum nicht vorherrschend ist, (...)&#034; id=&#034;nh6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; &#8211; die Sprache in ihren gew&#246;hnlichsten Gebr&#228;uchen nicht ad&#228;quat ist, um &#8222;von Frauen&#8220; als Frauen zu sprechen. In ihren normalen Gebr&#228;uchen ist die Sprache stets auf der Seite der Durchsetzung und der St&#228;rkung der Norm. Sie festigt die Gew&#246;hnlichkeit, woraus diese Welt besteht, mit all ihren Gegebenheiten, sie versteinert die Ideologie, wovon die Geschlechterverh&#228;ltnisse Teil sind. &#220;ber die Wirklichkeit der Bedingung als Frau zu sprechen ist gleichbedeutend mit einer Bearbeitung der Sprache, um sie das sagen zu lassen, woran sie nicht gew&#246;hnt ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Glauben an die Tatsache, dass man durch die sogenannt &#8222;einschliessende&#8220; Schreibweise nur kosmetisch die Form bearbeitet, zeugt allerdings von einer erstaunlichen Naivit&#228;t. Es handelt sich darum, allen Dimensionen der Sprache etwas Wirklichkeit der Wesen und ihrer Verh&#228;ltnisse einzuhauchen. Inwiefern spricht ein feminisierter Text mehr von mir, von dir oder von ihr als Frau. Kann das, wovon wir sprechen wollen, ernsthaft mit der Transformation von Pronomen oder der Beif&#252;gung von -in zusammengefasst werden? Als Louise Labe im 16. Jahrhundert ein Gedicht &#252;ber die weibliche Lust &#8211; subversives Thema schlechthin im 16. Jahrhundert, und nicht nur &#8211; schreibt, ben&#252;tzt sie keine formell femininen Markierungen, sondern die erste Person (&#252;brigens geschlechtlich nicht markiert, genau wie die zweite, wahrscheinlich, weil es eben genau darum geht, eine &lt;i&gt;Singularit&#228;t&lt;/i&gt; zu beschreiben), und sie bearbeitet die Sprache dahingehend, dass sie sagen kann, was normalerweise mit ihr nicht gesagt wird (siehe nebenan [in der Zeitschrift]). Und dadurch kann diese in Poesie verwandelte Sprache eine universelle Reichweite erlangen: Ein feminines Ich existiert durch dieses Gedicht und es kann unmittelbar von allen geteilt werden. Um Montaigne und seinen relativistischen Universalismus, ungef&#228;hr das Gegenteil des universalisierten Relativismus der Postmodernit&#228;t, zu paraphrasieren, es tr&#228;gt in sich die gesamte Form der menschlichen Bedingung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ist es dar&#252;ber hinaus nicht offensichtlich, dass diese Schwierigkeit der Sprache &#8211; als Ort und Werkzeug der Norm und der Normalisierung &#8211;, die Realit&#228;t auszudr&#252;cken, woraus jeder gemacht ist, insofern als dass sie sich eben genau dieser Norm entzieht, oder gar allgemeiner die Welt auszudr&#252;cken, ihre Gewalt und ihre Leichtigkeit, ihre Dunkelheit genau wie ihr Licht, das, was in ihr erlebt und nicht erlebt wird, was alles in allem ihre Materie und diejenige der sie bev&#246;lkernden Wesen ausmacht, eine Gegebenheit ist, mit welcher alle, Mann wie Frau, meistens &#252;brigens jenseits der Frage, ob man &lt;i&gt;ein Mann oder eine Frau ist&lt;/i&gt;, konfrontiert sind? Die Sprache gr&#252;ndet auf Kategorien (wovon das Maskulinum und das Femininum Teil sind) und institutionalisiert sie, sonst w&#252;rden wir uns nicht verstehen, und man muss ihr Gewalt antun, um mit ihr das Besondere, das Minorit&#228;re, das hoffnungslos Andere zu sagen. Der Ausdruck und das Verst&#228;ndnis der Welt so wie sie ist, der Verh&#228;ltnisse so wie sie sind, erfordern die Abwendung von den gew&#246;hnlichen normalisierenden Gebr&#228;uchen dieser konstitutiv sozialen Vermittlung, welche die Sprache ist. Es ist eine Anstrengung, die weit &#252;ber die Frage der Genera hinausgeht und von der man nicht ernsthaft glauben kann, dass man sie sich durch rein kosmetische und d&#252;mmlich formelle Reglementierungen und Verzeichnisse ersparen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um auf die Frage des Genus zur&#252;ckzukommen, wenn man &#8222;LandwirtIn&#8220; schreibt, spricht man nicht von Landwirtinnen, und es ist nicht einmal eine notwendige Bedingung, um von ihnen zu sprechen. Um von der spezifischen Situation der Landwirtinnen zu sprechen (und es gibt dazu etwas zu sagen), muss man von dem sprechen, was sie erleben. Und wenn man von &#8222;Landwirten&#8220; spricht, h&#228;ngt die Tatsache, ob die Landwirtinnen Teil davon sind oder nicht, strikt davon ab, &lt;i&gt;was man dar&#252;ber sagt&lt;/i&gt;. Deshalb ist der Ausdruck &#8222;einschliessende Schreibweise&#8220; eine Absurdit&#228;t, ein falsches Versprechen: Sie wird nie etwas anderes einschliessen als grammatikalische Kategorien, sicher keine Lebewesen und das, was sie erleben. Um Lebewesen und das, was sie erleben, einzuschliessen, muss man das ver&#228;ndern, wovon man spricht. Die Fokussierung auf die Form des Ausdrucks und der naive Glaube an ihre Allmacht entfernt die Sprache nur noch weiter von diesen Wirklichkeiten, von denen man behauptet, sie w&#252;rden &#8222;eingeschlossen&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn man &#252;brigens &#252;ber die eigentliche semiologische Dimension der Feminisierung der Sprache nachdenkt, erkennt man schnell, dass durch die Tatsache der Feminisierung nicht viel mehr existiert als sie selbst: Durch die Feminisierung existieren nicht &#8222;die Frauen&#8220;, man existiert einfach selbst als die Sprache feminisierend. Sie dient also dazu, sich zu bekr&#228;ftigen, sich abzugrenzen, und nicht dazu, die Utopie der &#8222;einschliessenden Schreibweise&#8220; zu verwirklichen. Wenn man z.B. von ZahlerInnen spricht, ist es die Tatsache, dass man von ZahlerInnen statt Zahlern spricht, die bemerkt wird und Aufmerksamkeit erschafft, nichts anderes, auf jeden Fall wird es st&#228;rker bemerkt, als das, wof&#252;r dieser oder jene gezahlt hat. Wenn man jedoch die willk&#252;rlichen Prinzipien der &#8222;einschliessenden Schreibweise&#8220; nicht verteidigt, schliesst &#8222;Zahler&#8220; die Frauen nicht aus, das Wort sagt nichts &#252;ber ihre Anzahl oder ihre politische Identit&#228;t, es ist &#252;brigens viel &lt;i&gt;anonymer&lt;/i&gt;. Doch zwischen der Anonymit&#228;t und dem Streben nach Anerkennung durch den Unterdr&#252;cker muss nat&#252;rlich irgendwann endg&#252;ltig entschieden werden, denn die beiden Vorgehensweisen, die allerdings gleichzeitig verteidigt werden, sind inh&#228;rent h&#246;chst widerspr&#252;chlich. Man positioniert sich schliesslich in einer gewissen Distanz zur Norm, was eine andere Norm notwendig macht, und das ist fast alles, dadurch existiert man selber als sprechend im Diskurs.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als Vermittlung zwischen den menschlichen Wesen und der Welt ist die Sprache eine lebendige, fluktuierende, strukturelle und strukturierende Materie, ein Schlachtfeld zwischen der Gew&#246;hnlichkeit der Norm und den Besonderheiten ihrer Gebr&#228;uche. M&#246;gen sie subversiv oder beherrschend sein, ihre Gebr&#228;uche ver&#228;ndern sie permanent. Deshalb sind jene einer sich stets erneuernden Illusion verfallen, welche behaupten, &#252;ber sie Gesetze zu erlassen und sie zu reglementieren. Sie sind immer dabei, das festzustellen, was existiert, w&#228;hrend sie daran denken, das durchzusetzen, was existieren muss. Das gilt z.B. f&#252;r die traditionelle normative Grammatik, die sich als Ensemble an anwendbaren Regeln pr&#228;sentiert, obwohl sie nichts anderes als eine Art und Weise ist, einen Gebrauch zu formalisieren, der ihr vorausgeht und an welchen sie sich mit ein bisschen Versp&#228;tung anpasst. Es gen&#252;gt, die &#8222;Ausnahmen&#8220; zu betrachten, die jede grammatikalische oder orthographische Regel begleiten: Sie betreffen immer die am h&#228;ufigsten benutzten Begriffe (man kann an die sogenannt irregul&#228;ren Verben denken, z.B. die Hilfsverben &#8222;sein&#8220; und &#8222;haben&#8220;, die eben genau die am h&#228;ufigsten benutzten und die irregul&#228;rsten sind). Der sich stets in Bewegung befindende und notwendigerweise sozialisierte wirkliche Gebrauch der lebendigen Sprache dereglementiert sie permanent und die normative Grammatik rennt pathetisch hinter diesen Dereglementierungen her, um sie als neue Regeln zu institutionalisieren. Diese Feststellung f&#252;hrt zur Einsicht, dass die Reglementierung der Sprache an sich eine vergebliche und reaktion&#228;re Unternehmung ist, der nicht einmal der in Frankreich seit einigen Jahrhunderten vorherrschende grundlegende und z&#246;gerliche Klassizismus Effizienz verschaffen kann. Als die Acad&#233;mie fran&#231;aise Mitte der 1990er Jahre im Namen der Verteidigung der Sprache beabsichtigt, die Einf&#252;hrung von aus dem Englischen stammenden Begriffen (die ber&#252;hmten &#8222;Anglizismen&#8220;) aufzuhalten, indem sie schon benutzte W&#246;rter mit anderen ersetzt, die einheimisch sein sollen (sie m&#246;chte z.B. durchsetzen, dass man &lt;i&gt;bouteur&lt;/i&gt; anstelle von &lt;i&gt;bulldozer&lt;/i&gt; benutzt), beweist sie unmittelbar und offenkundig die Vergeblichkeit ihrer Rechtsprechung. Man sagt schon &lt;i&gt;bulldozer&lt;/i&gt; und keine Reglementierung wird es verhindern k&#246;nnen&#8230; Sie kann befriedigt feststellen, dass man ihr gehorcht, wenn sie die Tatsache reglementiert, dass das h von &lt;i&gt;haricot&lt;/i&gt; nicht mehr aspiriert sein muss und die Bindung mit dem -s des Artikels im Plural m&#246;glich ist, dann ist das so, &lt;i&gt;weil es&lt;/i&gt; im Gebrauch &lt;i&gt;ohnehin schon der Fall ist&lt;/i&gt;!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann &#252;brigens davon ausgehen, dass die Feminisierung der Sprache im Gange ist, entsprechend der Ver&#228;nderung der Stellung der Frauen in der Gesellschaft, im Kapitalismus, in Machtpositionen und in den Repr&#228;sentationen, doch ebenfalls, dass es gewiss ist, dass diese Feminisierung der Sprache nicht emanzipatorischer sein wird als die Stellung, welche der Kapitalismus und der Staat den Frauen heute einr&#228;umen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Niemand kann sich ernsthaft anmassen, in einer Kammer und von oben die Gebr&#228;uche der Sprache zu reglementieren. Jene, welche sich diese Rolle geben und dadurch Prestige und Macht erlangen, sind nicht schlauer und nicht minder l&#228;cherlich als der Vater Ubu. Und kann man wirklich rund um den Vater Ubu eine revolution&#228;re Mythologie konstruieren? Wir bezweifeln es.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Genau aus dem gleichen Grund bleiben Projekte wurzellos geschaffener, universeller Sprachen zur Erm&#246;glichung der &#8222;V&#246;lkerverst&#228;ndigung&#8220; wie z.B. Esperanto, davon abgesehen, dass sie sich auf eine sehr armselige Konzeption der Sprache und ihres Gebrauchs st&#252;tzen, zum Gl&#252;ck bestimmt vergeblich, kl&#228;glich utopistisch und illusorisch. In seinem Text &#8222;Lernt nicht Esperanto!&#8220; zeigt Gustav Landauer, inwiefern das Projekt und die Erfindung dieser Sprache abwegig sind, sowohl in ihren Zielen als auch ihrer Methode. In ihren Zielen allen voran, denn in einer Art Umkehrung von Wirkungen und Ursachen st&#252;tzt sich das Projekt auf die (urspr&#252;nglich religi&#246;se) Idee, dass die Vielfalt der Sprachen die Ursache der Teilung der Menschen ist. Diese Illusion ist ein vereinfachtes Echo des biblischen Mythos des Turms von Babel: Die Vielfalt der Sprachen ist eine g&#246;ttliche Strafe, die zu Unstimmigkeit und Krieg f&#252;hrt. Zweite Illusion: Die Wiedererschaffung einer sprachlichen Einheit erlaube die Wiedererschaffung einer menschlichen Einheit, die Wiederentdeckung des verlorenen Paradieses einer befriedeten Menschheit. Man findet die gleichen theoretischen Vereinfachungen und die gleichen Mechanismen zur Identifikation eines Problems und zu seiner einfachen L&#246;sung wie bei den Anh&#228;ngern der Feminisierung wieder. Grundlegender zeigt sich gut, wie dieses falsche R&#228;sonnement sich auf eine armselige und reduzierende Konzeption der Sprache st&#252;tzt: Indem man diese Sprache fabriziert, begn&#252;gt man sich damit, sich auf den Ausdruck des schon Bekannten zu beschr&#228;nken, auf eine Funktion strikter Kommunikation ohne Erfindungsgabe, ohne Traum, ohne Poesie. Eine behauptete &#8222;Gleichheit&#8220; der Menschen in der Sprache, stets nach unten angeglichen, auf den kleinsten gemeinsamen Nenner gebracht, ein weiterer Traum der Demokraten. &#8222;[D]as k&#252;nstliche Gem&#228;chte ist nichts worin der Mensch weiterdenken und Neues schaffen kann; es ist ja nur eine &#220;bersetzung des Breitgetretenen, und das Wichtigste, das Feinste, das Unaussprechliche l&#228;sst sich darin nicht sagen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Gustav Landauer, &#8222;Lernt nicht Esperanto!&#8220; in Die freie Generation, Bd. 2, (...)&#034; id=&#034;nh7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Die &#252;berhaupt nicht subversive (oder gar anti-subversive) Vergeblichkeit einer Sprache, welche nur schon Bekanntes vermitteln, Normales, schon Integriertes in die Welt, so wie sie ist, und im besten Fall dazu dienen w&#252;rde, das Bestehende so wie es ist aufrechtzuerhalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die erzwungene Feminisierung der Sprache kann sich dieser Vergeblichkeit nicht entziehen: Man kann nicht die Sprache bearbeiten, wie ein Chirurg einen bet&#228;ubten K&#246;rper oder der Gerichtsmediziner eine Leiche bearbeitet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Und wenn es funktionierte, was w&#252;rde aus uns und der Welt werden?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dennoch m&#252;ssen diese Sprachutopien als das gedacht werden, was sie sind, denn sich damit zu begn&#252;gen, ihre Vergeblichkeit festzustellen, reicht nicht. Es geht darum, durch die Sprache in jene Welt einzugreifen, welche sie vermittelt, und besonders in die Vorstellungen, welche sie ausl&#246;st. Die Sprache wird auf verschiedenen Ebenen sowohl durch individuelle als auch kollektive Vorstellungen bearbeitet und gleichzeitig werden diese von ihr bearbeitet, quer durch Jahrhunderte des Gebrauchs im Rahmen des allt&#228;glichen Lebens. Wenn der s&#252;sse kratylische Traum einer bez&#252;glich der Ideen, Wesen und Dinge transparenten Sprache sich in einer reglementierenden und normativen Unternehmung verk&#246;rpert, die zum Ziel hat, sich allen mit Aggressivit&#228;t und Exklusivit&#228;t aufzudr&#228;ngen, haben wir es mit einem verr&#252;ckten und beunruhigenden Projekt der Herrschaft &#252;ber die Vorstellungen und Repr&#228;sentationen zu tun und somit, wenn man es weiter denkt, mit einem Produkt der Machtergreifung oder, banaler, der Ergreifung des bisschen Macht, die man findet, dort wo man sich befindet. Man arbeitet daran, diesen &#8222;neuen Menschen&#8220; zu konstruieren, wovon die &#8222;neue Sprache&#8220; die Pr&#228;misse sein wird. Es ist wichtig, sich bewusst zu sein, inwieweit dieses Projekt, mag der Charakter des Ziels, das es sich gibt, auch noch so scheinbar lobenswert sein (sei es die &#8222;V&#246;lkerfreundschaft&#8220; oder die Aufl&#246;sung der Geschlechterverh&#228;ltnisse), aufgrund der Mittel, durch welche es sich verwirklichen will, eine zutiefst autorit&#228;re Dimension enth&#228;lt. Man braucht sich nur vorzustellen, was geschehen k&#246;nnte, wenn es funktionierte: Man h&#228;tte die menschlichen Wesen durch die &#196;nderung ihrer Sprache ge&#228;ndert. Ein solches Projekt kann zum Tr&#228;umen verleiten &#8211; und beunruhigen. Andere versuchten es schon und sie geh&#246;ren zu den besten unter den verr&#252;cktesten Diktatoren. Eine der Spezifit&#228;ten des Regimes der Roten Khmer in Kambodscha war es z.B., der Reglementierung der Sprache eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt zu haben, einer Transformation der Sprache, der W&#246;rter und ihrem Sinn, u.a. durch Parolen und Propaganda, welche, da sie durch die charakteristischen Zwangsinstrumente dieser schrecklichen Diktatur tempor&#228;r wirksam gemacht worden sind, es nicht schaffen, die Vorstellungen zu ver&#228;ndern, um den &#8222;neuen Menschen&#8220; zu konstruieren, sondern nur, die Menschen zu vernichten. Einige wenig konventionelle Gedanken zur Funktionsweise dieser Regime, wie jene, welche man im Film &lt;i&gt;Das fehlende Bild&lt;/i&gt; von Rithy Panh findet, zeigen die verheerende Wirkung dieser perversen Manipulation, die sich nicht damit begn&#252;gt, den K&#246;rper zu bearbeiten, sondern auch die Sprache und die sie bearbeitenden Repr&#228;sentationen foltert, bis zu einem Punkt, wo der Traum, das Denken, die Revolte verunm&#246;glicht werden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe die Brosch&#252;re &#8222;L&#8216;image, la m&#233;moire et l&#8216;oubli&#8220;, die f&#252;r die (...)&#034; id=&#034;nh8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Vom Zeitpunkt an, wo sie versuchen, sich zu verwirklichen, sind die Sprachutopien nicht weniger beunruhigend als andere Utopien: Wenn man sich wirklich ernsthaft die Mittel gibt, um bei der Durchsetzung der Art und Weise, wie gesprochen werden muss, bis ans Ende zu gehen, so will man die durch die Sprache bezeugte, spontane, diffuse und lebendige Entwicklung der Vorstellung und des Denkens beherrschen und vernichten. Das wird durch diese Rechtfertigung der Verteidigung der Feminisierung der Sprache auf der Sammelseite f&#252;r Brosch&#252;ren mit mehr oder weniger subversivem Anspruch infokiosques.net in ihrer Rubrik &#8222;Feminisierung der Sprache&#8220; bezeugt: &#8222;Die Umgestaltung der Sprache ist gleichbedeutend mit der Verweigerung einer Herrschaftsform, der Konstruktion eines anderen kollektiven Unbewussten.&#8220; Wenn man diese Behauptung ernst nimmt, kann man eher behaupten, dass das Ziel der &#8222;Konstruktion eines anderen kollektiven Unbewussten&#8220;, wenn es mit einer autorit&#228;ren Reglementierung der Sprache einhergeht, eben genau gleichbedeutend mit dem Traum der Institutionalisierung neuer Herrschaftsformen ist. Das ist schlichtweg Propaganda und wer auch immer das Unbewusste des anderen konstruieren will, oder gar schlicht und einfach Unbewusstes konstruieren, ist nichts anderes als ein totalit&#228;rer und repressiver Gr&#246;ssenwahnsinniger. Doch ist es letztendlich so erstaunlich auf einem Portal, das haupts&#228;chlich postmoderne, vertrags&#228;hnliche Brosch&#252;ren vertreibt, die stets normativ von den menschlichen Verh&#228;ltnissen sprechen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diesbez&#252;glich kann man auf die Polemik verweisen, welche dieses (...)&#034; id=&#034;nh9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man ist nat&#252;rlich mit der Feminisierung der Sprache sehr weit von der erschreckenden Effizienz des Regimes der Roten Khmer entfernt und die Vergeblichkeit ist eher der Horizont dieser Unternehmung, umso mehr, weil sie sich auf formelle, die schriftliche Sprache betreffende Aspekte beschr&#228;nkt, das dar&#252;ber hinaus in Formen, die unm&#246;glich in die m&#252;ndliche Sprache &#252;bertragen werden k&#246;nnen (obwohl sich heutzutage einige &#252;berm&#228;ssig anstrengen, um den einschliessenden Vorschlag auf die m&#252;ndliche Sprache zu &#252;bertragen, mit Resultaten, die an Monty Python erinnern), was etwas &#252;ber die Vorgehensweise aussagt. Ihre Verbreitung setzt sich nur in gewissen aktivistischen und professionellen Milieus durch, in welchen sie tats&#228;chlich als Reglementierung und Norm fungiert. Sie wird dort zu einem Idiom, das einsperrt und die gegenseitige Wiedererkennung in der beruhigenden Behaglichkeit zwischen &#8222;Anti-Autorit&#228;ren&#8220; oder &#8222;toleranten&#8220; und &#8222;einschliessenden&#8220; Personen erlaubt. Die &#220;bereinstimmung mit dieser Norm, die h&#228;ufig angewendet wird, statt sich um die wirklichen Verh&#228;ltnisse zu sorgen, dr&#252;ckt allen voran eine ideologische und getrennte Zugeh&#246;rigkeit aus. Die Besonderheiten einer Sprache, die sich als Jargon konstituiert, schweissen die Gemeinschaft zusammen, tragen dazu bei, sie zu konstituieren, indem sie vom Rest der Welt abgeschnitten wird &#8211; der Jargon f&#252;hrt dazu, dass wenige Leute wirklich Zugang haben zum Inhalt einer technischen Konversation zwischen zwei Gerichtsmedizinern oder zwei Atomingenieuren z.B. Alle sektiererischen Vorgehensweisen &#228;ussern sich ebenfalls in der Sprache, und das ist kein Zufall, denn durch die Sprache vereinheitlicht und trennt man (vom Lateinischen &lt;i&gt;sectum&lt;/i&gt;). Dank den &#8222;ielles&#8220;, &#8222;-teurese&#8220; und &#8222;-E&#8220; erkennt man sich gegenseitig wieder und schliesst sich in einer folkloristischen und identit&#228;ren Behaglichkeit ein, die weit entfernt von jenen emanzipatorischen Zielen ist, die man sich gibt, und in einem gegenseitigen und verallgemeinerten gesellschaftlichen Unverst&#228;ndnis im Verh&#228;ltnis zum Rest der Welt, wie, sagen wir es noch einmal, die Sekten und Gemeinschaften. An Passanten verteilte Flugbl&#228;tter, auf Mauern geklebte Plakate sind nicht mehr verst&#228;ndlich f&#252;r den Normalsterblichen (der &#252;brigens verachtet wird, insbesondere aus diesem pr&#228;zisen Grund, dass er nicht gem&#228;ss den institutionalisierten Vorgaben der diversen, derzeit g&#252;ltigen praktischen anti-autorit&#228;ren Handb&#252;cher lebt, isst, seine Fusspilze behandelt oder sich ausdr&#252;ckt), nicht weil der Inhalt zu komplex ist, sondern schlicht und einfach, weil er nicht die gleiche Sprache benutzt. Wer w&#252;rde sich an die Schriften Baudelaires oder Bakunins erinnern, wenn sie unter solchen normalisierenden und anti-poetischen Zw&#228;ngen der Szene geschrieben worden w&#228;ren? Ihre Kraft und ihre Verbreitung kommen eben genau von der poetischen Universalit&#228;t und der unbeugsamen Singularit&#228;t ihrer Sprache.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf dem Schlachtfeld der Sprache ist die Denkweise der Reglementierung und der Normalisierung und die Fokussierung auf die Form gezwungenermassen, was auch immer das angek&#252;ndigte Ziel sein mag, gleichbedeutend mit der Tatsache, sich selber als Verwalter der gesellschaftlichen Gebr&#228;uche zu setzen und sich in jenem Lager zu verorten, welches den darin umk&#228;mpften emanzipatorischen und anti-autorit&#228;ren M&#246;glichkeiten im Weg steht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Somit nein, die Feminisierung befreit die Frauen nicht, &#252;brigens auch sonst niemanden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es w&#228;re Zeit, diese tendenziell normativen und autorit&#228;ren Haltungen aufzugeben, deren Makel darin liegt, sich Illusionen hinzugeben, um nach &lt;i&gt;der Befreiung&lt;/i&gt;, in der Sprache, aber v.a. &#252;berall sonst, &lt;i&gt;aller lebenden&lt;/i&gt;, m&#228;nnlichen, weiblichen oder anderen &lt;i&gt;Wesen&lt;/i&gt; zu streben und sie m&#246;glich zu machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und die Sprache, welche unterwegs erfunden werden wird, wird nicht das Werk einer Reglementierung sein, sondern eines Wirbelwindes des Lebens, von Kontingenzen, &#220;berraschungen, Spontaneit&#228;ten und Abenteuern. Einzig das &lt;i&gt;Unbekannte&lt;/i&gt; ist imstande, die Sprache zu ver&#228;ndern, und das &lt;i&gt;Unbekannte&lt;/i&gt; ist &#252;berall.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Maria Desmers&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://non-fides.fr/?La-feminisation-libere-t-elle-les-femmes&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Erstmals erschienen in der Zeitschrift &lt;a href=&#034;https://desruines.noblogs.org/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Des Ruines&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Nr. 3/4, Anfang 2019.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als Brosch&#252;re bei &lt;a href=&#034;https://ravageeditions.noblogs.org/post/2019/06/29/la-feminisation-libere-t-elle-les-femmes%e2%80%86-maria-desmers-2/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Ravage &#201;ditions&lt;/a&gt;, Juli 2019.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;kommunisierung.net&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diese Analyse findet man z.B. im Buch der Feministinnen Selma James und Mariarosa Dalla-Costa &lt;i&gt;Die Macht der Frauen und der Umsturz der Gesellschaft&lt;/i&gt;, sie wird jedoch meistens an einer vereinfachenden feministischen Sauce serviert, welche sie behaupten l&#228;sst, der Mann sei der Chef der Frau.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Das aktivistische Infoportal der Region Toulouse IAATA feminisiert z.B. auf autorit&#228;re Art und Weise die zur Ver&#246;ffentlichung vorgeschlagenen Texte.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wir werden sehen, dass diese Art von Ausdruck metaphorisch ist, denn es ist nicht wirklich ersichtlich, wie ein grammatikalischer Genus irgendwie oder irgendjemandem n&#252;tzen k&#246;nnte.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Man kann ans Englische denken, oder an alle anderen Sprachen, die einen verallgemeinerten Gebrauch des Neutrums kennen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Man k&#246;nnte daraus den lustigen Vorschlag eines Schreibzwangs ohne &#8222;cis-maskuline&#8220; W&#246;rter ableiten, genau wie Perec in &lt;i&gt;Anton Voyls Fortgang&lt;/i&gt; den Vokal verschwinden l&#228;sst, doch daf&#252;r m&#252;sste man wahrscheinlich Zugang zu einem Streben nach Kreativit&#228;t und einer Verweigerung der Norm haben, davon scheinen die Anh&#228;nger der Feminisierung allerdings bewusst Abstand zu halten.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In anderen Sprachen, in welchen das Maskulinum nicht vorherrschend ist, seien es andere Eigenschaften, welche diese reale Herrschaft bezeugen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Gustav Landauer, &lt;a href=&#034;https://www.anarchismus.at/anarchistische-klassiker/gustav-landauer/6465-gustav-landauer-lernt-nicht-esperanto&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Lernt nicht Esperanto!&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Die freie Generation&lt;/i&gt;, Bd. 2, Nr. 5, November 1907, S. 147-150.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe die Brosch&#252;re &lt;a href=&#034;https://www.non-fides.fr/?L-image-la-memoire-et-l-oubli&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;L&#8216;image, la m&#233;moire et l&#8216;oubli&#8220;&lt;/a&gt;, die f&#252;r die Filmvorf&#252;hrung von &lt;i&gt;Das fehlende Bild&lt;/i&gt; von Rithy Panh in der anarchistischen Bibliothek La Discordia im Januar 2017 herausgegeben worden ist, man kann den Text auch in dieser Nummer [der Zeitschrift] auf der S. 89 lesen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diesbez&#252;glich kann man auf die Polemik verweisen, welche dieses &#8222;kollektive&#8220; Portal (welches von einer eisernen Hand ohne Samthandschuh gehalten wird) dazu gebracht hat, den anarchistischen Verleger Ravage &#201;ditions auszuschliessen, nachdem dieser anti-autorit&#228;re Kritiken dieser neuen alternativistischen Machthaber der Dekonstruktion und wahrhaften neuen Polizisten des Denkens und der Sitten innerhalb linker politischer Szenen herausgegeben hat &#8211; z.B. die sch&#246;ne Brosch&#252;re Aviv Etrebilal, &lt;a href=&#034;http://www.non-fides.fr/?Papillons-amour-libre-et-ideologie&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Papillons, amour libre et id&#233;ologie. Lettre sur l&#8216;incons&#233;quence&#8220;&lt;/a&gt;, 2013 oder die Brosch&#252;re Un contributeur du n&#233;gatif, &lt;a href=&#034;https://ravageeditions.noblogs.org/post/2015/05/04/de-la-banalisation-des-theses-ethno-differencialistes-et-communautaristes/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;De la banalisation des th&#232;ses ethno-diff&#233;rencialistes et communautaristes en milieu militant&#8220;&lt;/a&gt;, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Th&#233;orie communiste - Das Erd&#246;l, die Geschlechterfrage und die Taliban (2003)</title>
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&lt;p&gt;Um die Ereignisse des 11. Septembers 2001 zu verstehen, muss man von vier Tatsachen ausgehen, die wir in diesem Text als vorausgesetzt betrachten: dem Ende des Kalten Krieges (nat&#252;rlich); dem Verschwinden der autonomen Figur des Rentiers nach dem Golfkrieg; der Aufl&#246;sung des nationalen Rahmens, sowohl was den Verwertungs- und Akkumulationsprozess des Kapitals, als auch was die Reproduktion der Arbeitskraft betrifft; der Globalisierung, nicht als quantitativer geographischer (...)&lt;/p&gt;


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 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/220px-wtcgroundzero.jpg?1689296007' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='113' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Um die Ereignisse des 11. Septembers 2001 zu verstehen, muss man von vier Tatsachen ausgehen, die wir in diesem Text als vorausgesetzt betrachten: dem Ende des Kalten Krieges (nat&#252;rlich); dem Verschwinden der autonomen Figur des Rentiers nach dem Golfkrieg; der Aufl&#246;sung des nationalen Rahmens, sowohl was den Verwertungs- und Akkumulationsprozess des Kapitals, als auch was die Reproduktion der Arbeitskraft betrifft; der Globalisierung, nicht als quantitativer geographischer Expansionsprozess, sondern als Akkumulationsstruktur des restrukturierten Kapitals.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&#8222;Das Imperium des Chaos&#8220; (Alain Joxe)&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann keine historisch-geographische Konfiguration der Reproduktion der kapitalistischen Produktionsweise in nationalen oder gar regionalen Begriffen wie zu Zeiten des &#8222;Fordismus&#8220; analysieren und die Art von hervorgebrachten Verh&#228;ltnissen zwischen Zentrum und Peripherie hat sich ge&#228;ndert. Indem der Rahmen der Konfrontation zwischen den USA und der UdSSR verlassen worden ist, erlangen die in der Dritten Welt entstehenden Konflikte einen neuen Status, sie erlangen eine neue Besonderheit zu einem Zeitpunkt, wo sie keine eigene, autonome, regionale Bedeutung mehr haben k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Invasion Kuwaits durch den Irak war die erste regionale Krise einer neuen Periode. Sie hat die USA dazu gebracht, diese Invasion mit einem sehr hohen Niveau an Konfliktbereitschaft zu behandeln, indem sie schnell alle m&#246;glichen Arrangements und Vermittlungen abgelehnt haben. Es ging darum, aus der L&#246;sung dieser Krise eine wichtige Etappe in der F&#246;rderung einer &#8222;neuen internationalen Ordnung&#8220; zu machen. &#8222;Mit dem Ende des internationalen bipolaren Systems ist die amerikanische Strategie nicht mehr eine Strategie des belagerten (oder erobernden) Imperiums, die sich darin ersch&#246;pfen w&#252;rde, an allen Punkten des Limes pr&#228;sent zu sein. Der Limes ist nun ubiquit&#228;r. Die Grenze ist nicht nur transnational, sondern transkontinental und wahrscheinlich transplanetarisch.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Crise du golfe: les changements strat&#233;giques&#8220;, Fondation pour les &#233;tudes (...)&#034; id=&#034;nh2-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Die ausl&#228;ndischen Interventionen der USA sind nicht mehr betroffen vom &#252;berdeterminierenden Charakter, der darin bestand, &#8222;den Kommunismus einzud&#228;mmen&#8220;. Durch die Transformation des allgemeinen Charakters der Intervention konnte die L&#246;sung der Krise f&#252;r die USA &#252;ber die einfache Weiterf&#252;hrung des Status quo hinausgehen: Aufrechterhaltung der bedingungslosen Unterst&#252;tzung Israels, Weiterf&#252;hrung der Ungleichm&#228;ssigkeiten in der regionalen Entwicklung, Unterst&#252;tzung der &#8222;guten&#8220; arabischen Staaten, Eind&#228;mmung der anderen. Obwohl die USA die Krise nicht provoziert hatten, haben sie auch nichts getan, um sie zu verhindern oder sie durch Kompromisse zu l&#246;sen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Am Ende seines Buches&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Alain Joxe, Le Cycle de la dissuasion. 1945-1990, Paris, La D&#233;couverte, 1990.&#034; id=&#034;nh2-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; beschreibt Alain Joxe durch die amerikanische Politik nach dem Kalten Krieg die Modalit&#228;ten der Globalisierung, die sie implizierenden Konflikte und die Art und Weise ihrer territorialen Organisation und Herrschaft. Alain Joxe tendiert h&#228;ufig dazu, die Restrukturierung des Kapitals als einen amerikanischen Willen oder eine amerikanische Strategie darzustellen, es ist falsch, das einseitig so zu pr&#228;sentieren. Aber es ist genauso falsch, die Akteure immer nur als Agenten zu betrachten. Im ersten der beiden F&#228;lle wird die Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise als ein Spiel von Interessen und Kr&#228;fteverh&#228;ltnissen dargestellt, im zweiten werden die allgemeinen Gesetze des Kapitals hingegen hypostasiert und in ihrer Abstraktion selbst zum Motor der Geschichte, die dann nur noch ihre Verwirklichung ist. In beiden F&#228;llen betrachtet man die Akteure als indeterminiert, im ersten Fall ist das Gesetz nur das zuf&#228;llige Resultat ihres Handelns, im zweiten sind sie nur von vom Gesetz oder Konzept manipulierte Marionetten. Wenn ich sage, &#8222;die USA wollen dies oder das&#8220;, ist mein Subjekt voll mit Determinationen bis einem schlecht wird, nicht Determinationen, welche auf es einwirken, sondern sie sind es schlicht und einfach; man w&#252;rde schon eine Mehrdeutigkeit einf&#252;gen, indem man sagen w&#252;rde, dass sie es definieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die NATO-Mitgliedschaft Europas verpflichtete die USA zu einem Minimum an imperialer Territorialit&#228;t. Indem sie sich davon abwenden, bewegen sie sich in eine Richtung, die sie schon immer angezogen hat: In jene, welche aus ihnen die erste imperiale Weltmacht einer neuen Art machen w&#252;rde; &lt;i&gt;durch die endg&#252;ltige Verwischung der Grenze zwischen Krieg und Frieden und jener zwischen Ordnung und Chaos&lt;/i&gt; [von uns unterstrichen] w&#252;rden sie unverhohlen durch indirekte Strategien &#252;ber ein dereguliertes und delokalisiertes globalistisches Universum herrschen. [&#8230;] Es ist die m&#246;gliche Form eines &#252;ber die ganze Welt herrschenden amerikanischen Imperiums. Es wird sich nicht um ein irdisches Imperium handeln, kein &#8218;Welt-Imperium&#8216;, um die Terminologie Wallersteins zu &#252;bernehmen, sondern um eine neue Form eines universellen &#8218;Meer-Imperiums&#8216;, das aus der Singularit&#228;t der Weltwirtschaft und der kontrollierten, durch die Weltraummacht m&#246;glich gemachten Echtzeitkontrolle entstanden ist. Das Imperium des Chaos ist die absolut rationale Form, welche die Organisation der vom liberalen System des Konkurrenzmarktes beherrschten und mit modernen Waffen- und Kommunikationssystemen ausger&#252;steten Weltgesellschaft annehmen muss. Es bereitet f&#252;r das 21. Jahrhundert eine Welt vor, welche g&#228;nzlich auf der Gew&#246;hnung an Ungleichheiten und Ghettos gebaut ist. [&#8230;] Die Rolle der milit&#228;rischen Macht im Imperium des Chaos ist es, die freie Zirkulation der Fl&#252;sse auf der gesamten Oberfl&#228;che der Erde zu erlauben, die V&#246;lker zu zwingen, nicht in &#8218;die internen Angelegenheiten des Marktes&#8216; zu intervenieren, welcher allein beauftragt ist, die Verbindungsstr&#246;me und die Kerne der aufstrebenden M&#228;chte zu bestimmen, unter der Bedingung, dass diese Kerne eher amerikanisch sind. Die Beherrschung des Planeten wird mithilfe von &#8218;gezielten&#8216; Interventionen durchgesetzt, nicht nur dank der See- und Luftmacht, sondern auch durch die Weltraummacht, die Technologiemacht: Alles in allem die Macht der Niemandsl&#228;nder. Schon jetzt existiert gewissermassen nur inneres Chaos im vereinigten Imperium. [&#8230;] Das Imperium des Chaos ist also eine Welt, wo der Krieg zwischen zentralen M&#228;chten verschwunden sein k&#246;nnte und wo sich die Weltgesellschaft in gewaltt&#228;tigen, verschachtelten oder nebeneinanderliegenden und befestigten Untereinheiten organisieren w&#252;rde, welche sowohl auf Ebene des Planeten als auch des Quartiers Erpressung und Schutzgeldeintreibung praktizieren. Keine der Organisationsebenen des geographischen Raumes (Kontinent, Staat, Region, Stadt, Quartier) h&#228;tte noch einen legitimen Anspruch auf die Herrschaft des Friedens &#8218;im Innern&#8216;. [&#8230;] Um zu &#252;berleben, wird man also zu den Stammessolidarit&#228;ten (Ethnie, Sprache, Religion) und ihren modernen Versionen (Mafias, Strassengangs, Sekten) zur&#252;ckkehren. Diese Entwicklung ist keine Utopie. Sie zeichnet sich sichtbar vor unseren Augen ab, seit langer Zeit, in den s&#252;dlichen Peripherien des kapitalistischen Systems, in unseren Vorst&#228;dten, seit kurzem in China und in der UdSSR. [&#8230;] Doch diese Weigerung, sich am Boden zu engagieren, ist gleichbedeutend mit einem Verzicht auf Ordnung. Die einzige Verbindung zwischen dem milit&#228;rischen Handeln, der Herrschaft und dem Aufbau einer politischen Ordnung ist seit eh und je die Eroberung. Indem sie sich von jeglicher Verpflichtung des Schlachtfeldes, der Besatzung und der Eroberung zur&#252;ckziehen, ziehen sich die USA auch von jeglicher Notwendigkeit zur&#252;ck, ein positives Ordnungsmodell hervorzubringen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 284 und S. 287-290.&#034; id=&#034;nh2-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Grenze der Analyse und der Beschreibung von Alain Joxe liegt in der Tatsache, dass er keine &#8222;Ordnung&#8220; sieht, denn f&#252;r ihn ist Ordnung nicht die Reproduktion der kapitalistischen Produktionsweise, sondern grundlegend die Demokratie, die f&#252;r ihn gleichbedeutend ist mit der Gesellschaft, definiert als Verh&#228;ltnis zwischen B&#252;rgern. Die Ordnung ist das Resultat einer Staatsb&#252;rgerschaft auf einem Territorium, einer kommunitaristisch-politischen Einbringung des Individuums, nicht eines widerspr&#252;chlichen Verh&#228;ltnisses zwischen Klassen. Das Interesse dieser Analyse ist hingegen, dass sie gut aufzeigt, dass, wenn man als Ausgangspunkt den globalen Charakter der internationalen Zirkulation des Kapitals setzt (d.h., wenn man diese Zirkulation nicht als Verh&#228;ltnisse und Summen zwischen vorbestimmten Gebieten setzt), es aussichtslos ist und der Ausgangshypothese widerspricht, eine nationale oder regionale integrierende Reorganisation zu suchen, die in sich selbst koh&#228;rent ist. Man kann nicht von der gegenw&#228;rtigen Restrukturierung des Kapitals verlangen, eine Art der Koh&#228;renz der kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse zu verwirklichen, die einem vergangenen Stadium angeh&#246;rte. Die gegenw&#228;rtige Restrukturierung wird nicht den &#8222;Fordismus&#8220; dort wiederbeleben, wo er existierte, und ihn noch weniger dorthin bringen, wo er nicht existierte. Sie bringt auch keine &#8222;R&#252;ckkehr zu Stammessolidarit&#228;ten&#8220; hervor. Die gegenw&#228;rtige Situation Afghanistans beweist alles andere als das Gegenteil. Es handelt sich nicht um eine R&#252;ckkehr: Die Konturen, der Inhalt des &#8222;Stammes&#8220;, sind eine gegenw&#228;rtige Hervorbringung, nat&#252;rlich kann man die Geschichte von allem und jedem schreiben und somit die Gemeinschaft als Ethnie, Stamm, religi&#246;se Gemeinschaft und, wieso nicht, als Quartier betrachten, wie es Michel Seurat in Bezug auf Tripoli im Libanon versuchte. Schenken wir der Entstaatlichung Afghanistans eine besondere Beachtung, diesbez&#252;glich muss ein bisschen von den Taliban in ihrem Verh&#228;ltnis zur &#8222;ethnischen Spaltung&#8220; Afghanistans gesprochen werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Kurze Geschichte der Ethnien&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts hatte der Paschtune Abdur Rahman Khan Afghanistan unter der Herrschaft der St&#228;mme des S&#252;dens vereinigt. Die &lt;i&gt;kuffar&lt;/i&gt; werden unter Zwang konvertiert, die Hazara niedergeschlagen; Abdur Rahman Khan &#8222;beauftragt die nomadischen Paschtunen mit der Eroberung der L&#228;nder der sesshaften Tadschiken und Usbeken. Diese kontinuierliche Aufzehrung ging w&#228;hrend der gesamten Herrschaftsperiode von Mohammed Zahir Schah weiter. [&#8230;] Wie so viele L&#228;nder der Dritten Welt war Afghanistan zweigeteilt: einerseits das modernisierte und &#228;usseren Einfl&#252;ssen offene Kabul, andererseits l&#228;ndliche Gebiete, die sich seit Jahrhunderten kaum ver&#228;ndert haben und gleich vor den Pforten der Hauptstadt begannen. Weil er sie vergessen hatte, wurde der K&#246;nig Amanullah Khan (1919-1929), der seiner K&#246;nigin den Schleier abgenommen, den Bart, lange Haare und die traditionelle Kleidung in den Strassen Kabuls nach dem Vorbild Atat&#252;rks verboten hatte, von einem einfachen tadschikischen R&#228;uber, &lt;i&gt;Batscha-e Saqqao&lt;/i&gt;, dem &#8218;Sohn des Wassertr&#228;gers&#8216;, von seinem Thron verjagt, dieser wurde danach ebenfalls ermordet. Mohammed Nadir Schah (Vater von Mohammed Zahir Schah) erleidet 1933 das gleiche Schicksal.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Le Monde vom 5. Dezember 2001.&#034; id=&#034;nh2-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Mohammed Zahir Schah zieht daraus den Schluss, dass vorsichtig reformiert werden muss, doch diese Vorsicht &#8222;verst&#228;rkte nur die Wut der Mullahs, Vorg&#228;nger der islamistischsten Anf&#252;hrer der Mudjahedin und der Taliban, ohne die Frustration der urbanen Linken zu bes&#228;nftigen, unterbezahlte Armeeangeh&#246;rige und Funktion&#228;re, arbeitslose Studenten, k&#252;nftige Gegner in gnadenlosen Gefechten&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh2-5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Gegen 1910 schafft der K&#246;nig Habibullah Khan mit dem Ziel der Schw&#228;chung der feudalen Anf&#252;hrer die Leibeigenschaft ab, ohne an den Herrschaftsverh&#228;ltnissen etwas zu &#228;ndern. Die neuen landwirtschaftlichen Arbeiter verdienen nicht genug, um sich zu ern&#228;hren; und ihre unzufriedenen Vorgesetzten erhalten als Kompensation die Anerkennung der Eigentumsurkunden. Doch diese Massnahme hindert die Nomaden an freier Wanderschaft und zerst&#246;rt die saisonale wirtschaftliche Komplementarit&#228;t zwischen Nomaden und Bauern. [&#8230;] Da keine Register existieren, erhebt der Staat willk&#252;rliche Steuern, welche die &#228;rmsten Bauern in den 1950er Jahren nicht mehr bezahlen k&#246;nnen. Die zu 85% rurale afghanische Wirtschaft ger&#228;t aus dem Lot. Die Nahrungsmittelproduktion sinkt, gleichzeitig steigt die urbane Nachfrage. Das Land importiert 1949 pl&#246;tzlich Getreide. In Anbetracht der Unterern&#228;hrung empfehlen die Experten rentablen Anbau, z.B. Baumwolle, um Devisen zu erlangen und Getreide kaufen zu k&#246;nnen, statt es anzubauen. Es war die Epoche der Planwirtschaft und das Land versucht sich darin, immer noch ohne jegliche Daten. Die ausl&#228;ndischen Entwicklungshelfer arbeiten ohne Koordination. Sie werfen dem Volk seinen Traditionalismus vor, doch nur die Tradition erlaubt es, in den Bergen oder der W&#252;ste zu leben. Aber es wird um jeden Preis modernisiert. Nach 75 Jahren Anstrengung waren auf dem Land in den 1980er Jahren weniger als ein Viertel der Transaktionen monetarisiert. Die von den Kommunisten 1978 gewollte Landreform scheitert, da kein Grundbuch existiert. Die blinde Willk&#252;r des Regimes f&#252;hrt zu einer spontanen Rebellion mithilfe von Schaufeln und Hacken. Dann f&#228;llt die UdSSR in Afghanistan ein. Darauf folgt der Krieg und diverse Nichtregierungsorganisationen, die manchmal eine milit&#228;rische Ausbildung zu Verf&#252;gung stellen, aber auf alle F&#228;lle Geld, Medikamente und Macht.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh2-6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Der Autor erw&#228;hnt die grosse Hungersnot von 1971-1972 (mindestens 100&#8216;000 Tote) als Resultat einer &#8222;aus dem Lot geratenen&#8220; Landwirtschaft nicht. Diese grosse Hungersnot zeigt jedoch, dass es nicht die Versuche der &#8222;Modernisierung&#8220; an sich sind, welche dazu f&#252;hren, dass die Landwirtschaft &#8222;aus dem Lot ger&#228;t&#8220;, sondern die widerspr&#252;chliche &#8222;Modernisierung&#8220; zugunsten eines traditionellen gesellschaftlichen Rahmens. W&#228;hrend der Hungersnot wurde die Verteilung von 500&#8216;000 Tonnen Getreide der internationalen Hilfe im Rahmen eines Programms &lt;i&gt;Fronarbeit gegen Nahrung&lt;/i&gt; organisiert, die Abmachung wurde allerdings selten eingehalten, da die &lt;i&gt;arbabs&lt;/i&gt; (Grundherren) und die Funktion&#228;re alles in ihre Taschen gesteckt hatten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Das Land wird brutal mit der Marktwirtschaft konfrontiert. Der Zufluss von Dollars zur Bezahlung der Ausgaben der Nichtregierungsorganisationen ruft neue Bed&#252;rfnisse hervor, welche den Mohnanbau beg&#252;nstigen. S&#246;ldner kaufen das Getreide der Nahrungshilfe, um es den Bauern zu bringen und ihnen denselben zu empfehlen. Die Mohnproduktion steigt von 500 Kilogramm auf 5&#8216;000 Tonnen in 15 Jahren.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Habib Haider, &#8222;Afghanistan, agriculture d&#8216;abord&#8220; in Le Monde.&#034; id=&#034;nh2-7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; In Zentralasien und Afghanistan hat der Zusammenbruch der UdSSR die Zerst&#246;rung der traditionellen gesellschaftlichen Formen beschleunigt, die sowjetische Macht hatte sie bemerkenswert integriert (oder umgekehrt: sie hatten sich bemerkenswert in die sowjetischen politischen und wirtschaftlichen Machtformen integriert). Diese Republiken haben keinen grossen Nationalismus zum Zeitpunkt des &#8222;Zusammenbruchs des Imperiums&#8220; gezeigt (und den Prognosen von Carr&#232;re d&#8216;Encausse somit widersprochen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jegliches ethnische Gleichgewicht Afghanistans ist durch den Krieg gegen die Sowjets modifiziert worden. Die ethnischen Spaltungen sind relativ neu, w&#228;hrend dem Krieg bilden die Tadschiken, Usbeken und Hazara zum ersten Mal politisch-milit&#228;rische Organisationen. Zuvor definierten sich die Leute im Pandjir-Tal (die Hochburg Massouds) nie als Tadschiken. Der Krieg hat die ethnischen Identit&#228;ten polarisiert und erstarrt. Der Krieg fabriziert Ethnie, eine Ethnie, die ausserhalb ihres Kontexts nicht existiert. &#8222;Die schiitischen Hazara werden im Iran gleich behandelt wie die sunnitischen Paschtunen, d.h. als Ausl&#228;nder, die man loswerden muss. Das gleiche gilt f&#252;r die Usbeken. Die afghanischen Usbeken bekommen fast nie die usbekische Nationalit&#228;t, wenn sie nach Usbekistan ziehen. In Tat und Wahrheit werden diese Afghanen, welche sich in Afghanistan zunehmend bek&#228;mpfen, wieder ihrer afghanischen Identit&#228;t zugewiesen, sobald sie ihr Land verlassen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Olivier Roy in Le Monde vom 3. April 2001.&#034; id=&#034;nh2-8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In seinem Text &#8222;Exil, relations interethniques et identit&#233; dans la crise afghane&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Pierre Centlivres, &#8222;Exil, relations interethniques et identit&#233; dans (...)&#034; id=&#034;nh2-9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; verteidigt Pierre Centlivres die These einer Verschleierung des ethnischen Problems; eine Verschleierung, die vor den 1980er Jahren m&#246;glich war. Doch, obwohl &#8222;die ethnische Pluralit&#228;t ein Tabuthema war&#8220;, betont Centlivres, dass &#8222;die als ethnische Gruppen oder j&#252;ngst als Nationalit&#228;ten bezeichneten Einheiten disparat und heterogen sind&#8220; und dass keine davon definierte territoriale Grundlagen hat. Die ethnische Frage hat sich erst mit dem Versuch gestellt, zur Zeit Abdur Rahman Khans einen Nationalstaat zu konstituieren, &#8222;die von ihm ertr&#228;umte vereinigte Nation ist in Wirklichkeit in diverse Nationalit&#228;ten geteilt&#8220; (ein &#228;hnliches Ph&#228;nomen in Bezug auf Afrika zur Zeit der Kolonialisierung wird im kollektiven, von de Chr&#233;tien und Prunier bei Khartala herausgegebenen Werk &lt;i&gt;Les Ethnies ont une histoire&lt;/i&gt; analysiert). Die &lt;i&gt;Fixierung&lt;/i&gt; auf die Ethnizit&#228;t ist in Afghanistan eine Konstruktion im Rahmen des Versuches, einen Nationalstaat aufzubauen, wobei die &#8222;Paschtunisierung&#8220; des Landes eines der erkl&#228;rten Ziele war. Dieser Versuch hat die ehemals labile und heterogene &#8222;Ethnizit&#228;t&#8220; zugunsten einer fixen Definition im Rahmen der gemeinsamen Beteiligung am &#8222;afghanischen Nationalstaat&#8220; verschleiert. Diese konstituierende Fixierung ist mit dem Zerfall jenes Staates, welche die Bev&#246;lkerung zwingt, sich innerhalb dieses Rahmens zu definieren, zum Inhalt und zum Ziel politischer Aspirationen geworden, nicht nur in Afghanistan selbst, sondern allen voran im Exil, haupts&#228;chlich in den Fl&#252;chtlingslagern. Die im Versuch der Gr&#252;ndung eines Nationalstaates verschleierte Ethnizit&#228;t ist allen voran jene, welche zuvor existierte und verschwindet, und v.a. jene Ethnizit&#228;t, welche dieser Versuch hervorbringt und auf welcher er teilweise beruht. Ethnische Fluidit&#228;t und Interaktion (h&#228;ufig von Konflikten gepr&#228;gt) werden in eine fixe Zuweisung verwandelt und die Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse schliessen die Interaktion aus. Die aus dem Zerfall des Staates resultierende ethnische Zuweisung f&#252;hrt dazu, dass die Afghanen, v.a. im Exil, unter einer doppelten Knute leben: politisch gem&#228;ss dieser Zuweisung (ihrer Stellung im afghanischen &#8222;Staat&#8220;) und allt&#228;glich in Bezug auf das &#220;berleben. &#8222;Im allt&#228;glichen Leben ist der R&#252;ckzug eng mit dem &lt;i&gt;qawm&lt;/i&gt; verbunden, der in der Regel als zuweisend f&#252;r jegliche Zugeh&#246;rigkeitsgruppe definiert wird, im Gegensatz zu dem, was ausserhalb von ihr ist, vom Quartier bis zur Abstammung. [&#8230;] Durch deren Vermittlung kommen die Fl&#252;chtlinge in den grossen St&#228;dten mit dem Arbeitsmarkt und den Arbeitgebern in Kontakt, aber auch durch pers&#246;nliche Netzwerke, die eng mit dem &lt;i&gt;qawm&lt;/i&gt; und dem Quartier verbunden sind. Deshalb sieht man in den Kohleminen rund um Quetta, in den Ziegeleien Peschawars oder den Streichholz- oder Seifenfabriken in Karachi Teams von Arbeitern aus dem gleichen Dorf oder der gleichen ethnischen Unterteilung.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh2-10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Diese Einheit ist infraethnisch in jenem Sinne, als dass die Ethnie nun eine politische Zuweisung darstellt. &#8222;Man sieht also, dass man zwischen der konkreten, auf dem &lt;i&gt;qawm&lt;/i&gt; basierenden Ebene der Praktiken und jener der Referenzen und dem Machtstreben unterscheiden muss.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh2-11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Taliban sind das Ergebnis einer gesellschaftlichen Transformation w&#228;hrend des Krieges gegen die Sowjets. Sie entstammen nicht den Aristokratien der St&#228;mme. Wie der talentierte Motorradfahrer Mullah Omar entstammen sie armen Bauernfamilien, die sich in den Fl&#252;chtlingslagern begegnet sind. Es ist bezeichnend, dass &lt;i&gt;die Hervorbringung ethnischer Identit&#228;ten simultan zur Destrukturierung der alten Gesellschaft stattfindet&lt;/i&gt;. &#8222;Die Taliban stellen eine Herausforderung f&#252;r die traditionellen Stammesstrukturen dar.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh2-12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; In den Verhandlungen mit den Taliban vor dem 11. September war das einzige Ziel der USA die Auslieferung Bin Ladens, denn was die Taliban in Afghanistan repr&#228;sentieren, ist absolut &#8222;modern&#8220;. Deshalb konnte es zu einer Begegnung zwischen Bin Laden und den Taliban kommen. &#8222;Die Taliban verk&#246;rpern einen besonderen Widerspruch: Sie sind weder traditionalistische Stammesangeh&#246;rige, obwohl sie diesen Netzwerken entstammen, noch paschtunische Nationalisten, obwohl sie mehrheitlich dieser die Macht repr&#228;sentierenden Ethnie angeh&#246;ren, oder revolution&#228;re Aktivisten des Islams, sondern Anh&#228;nger einer grotesken Bigotterie mit messianischer Dimension. Bisweilen kommt es zu &#220;berraschungen. Im Namen der heiligen Prinzipien des Islams hat Mullah Omar, w&#228;hrend er gleichzeitig eine beispiellose Repression gegen die Frauen institutionalisierte, Massnahmen getroffen, die es den paschtunischen Ehefrauen erlaubten, nicht mehr vom Paschtunwali abh&#228;ngig zu sein, dem unerbittlichen Ehrenkodex des Stammes. Ein Dekret verbietet nun alte Praktiken wie z.B. die Verpflichtung f&#252;r eine Witwe, einen Schwager zu heiraten, oder die &#8218;Gabe&#8216; von Frauen, um eine lange Vendetta nach einem Mord zu verhindern&#8230; Das gleiche gilt f&#252;r Erbfragen. In Afghanistan erben die Frauen gem&#228;ss Gewohnheitsrecht nichts. Da die Scharia verpflichtet, haben sie nun das Recht auf einen halben Anteil.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Bruno Philip in Le Monde vom 11./12. M&#228;rz 2001.&#034; id=&#034;nh2-13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eine globale Abtrennung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was als regionale oder nationale Destrukturierung (Entstaatlichung) analysiert wird, bekommt ihre Bedeutung durch eine andere globale Koh&#228;renz im Rahmen der allgemeinen Restrukturierung der kapitalistischen Produktionsweise und sie ist definitorisch davon. Das Problem best&#252;nde darin, theoretisch den Status der Schnittstellen zwischen mehr oder weniger dichten produktiven Fokussierungen des globalen Zyklus des Kapitals und dem zu definieren, was man als R&#228;nder, St&#228;mme oder Ghettos, Schattenwirtschaft, diverse Mafias, Kleptokratien, Offshore-Finanzzentren beschreibt. Die Neuheit liegt in der Tatsache, dass es sich nicht mehr um eine Artikulation zwischen der kapitalistischen Produktionsweise und anderen Produktionsweisen handelt, obwohl letztere nur in Bezug auf erstere bedeutend waren, sondern um eine globale hierarchische Verbreitung der kapitalistischen Produktionsweise, die global als Totalit&#228;t gesetzt wird. Der globale Zyklus des Kapitals kann nicht mehr als Artikulation beschrieben werden, eher als Verbreitung. Man kann auch insofern nicht mehr von Enklaven oder Entwicklung je nach Enklaven sprechen, als dass in einer dualistischen Gesellschaft mit Schattenwirtschaften, Ghettos oder Ethnien die gesamte Gesellschaft f&#252;r und durch diese Enklaven funktioniert, mag es auch nur zur Bezahlung irgendeines unproduktiven pharaonischen Projekts sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In dieser Situation der &#220;berwindung der nationalen und regionalen Integrationen verliert die sich mehr oder weniger in einem begrenzten Gebiet abspielende Reproduktion des Kapitals diesen Rahmen der Referenzen und der Koh&#228;renz. Der Staat garantierte ihre Koh&#228;renz in jenem Sinne, als dass er vom herrschenden Pol der gegenseitigen Verstrickung zwischen Proletariat und Kapital ausgeht (jenem, welcher den anderen subsumiert), er war der Garant derselben, man nennt es die Garantie des &#8222;sozialen Kompromisses&#8220;. Das grundlegende konzeptuelle Prinzip dieses Koh&#228;renzverlustes liegt in der &lt;i&gt;Spaltung zwischen dem Verwertungsprozess des Kapitals und der Reproduktion der Arbeitskraft&lt;/i&gt;. Die Begriffe Parallel- oder Schattenwirtschaften sind oberfl&#228;chlich insofern, als dass sie sich nur auf den juristischen Charakter der (deklarierten oder nicht deklarierten) T&#228;tigkeit, auf ihre Gr&#246;sse und ihren unmittelbaren Markt beziehen, sie erkl&#228;ren nicht die Urspr&#252;nge dieses &#8222;Schattens&#8220; und des viel umfassenderen Charakters des Ph&#228;nomens.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Verwertung des Kapitals entwischt &#8222;nach oben&#8220;, in Anteilen oder Segmenten des globalen Zyklus desselben, auf der Ebene der Investitionen, des Produktionsprozesses, der Anleihen, des Marktes, der Zirkulation des Mehrwerts, der Gewinngemeinschaften, des auf der Konkurrenz basierenden Rahmens. Die L&#228;nder des Maghreb werden immer abh&#228;ngiger von der europ&#228;ischen Gesamtheit, der Mittlere Osten hingegen von der amerikanischen oder japanischen, Zentralasien von einem Triumvirat aus den USA, Russland und China bestehend, j&#252;ngst dominiert von ersteren. Xinjiang hat f&#252;r Peking eine vitale Stellung: Reservevorrat an Treibstoffen und dar&#252;ber hinaus geplante Plattform einer &#8222;Seidenstrasse&#8220;, die China zur Garantie einer strategischen Tiefe in Zentralasien wiederbeleben m&#246;chte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Reproduktion der Arbeitskraft entwischt &#8222;nach unten&#8220;: Selbstversorgung, lokale Solidarit&#228;ten, Parallelwirtschaften, was einen Einfluss auf den alten sozialen Zusammenhalt hat, indem dem religi&#246;sen Bereich neue Bedeutungen des Zusammenseins verleiht werden. Parallel dazu zerfallen der zentrale nationale Rahmen und die Rolle des Staates. Die Interventionen, z.B. in den Philippinen, haben u.a. zum Ziel, jegliche nationale oder regionale Verst&#228;ndigung zu torpedieren, wie schon der Golfkrieg. In den Philippinen hatte die Zentralregierung vor kurzem ein Waffenstillstandsabkommen mit der Islamischen Befreiungsfront der Moros in Mindanao unterzeichnet. Sei es mit der Politik der Protektorate (Kosovo, Mazedonien, Osttimor, Kambodscha und jetzt Afghanistan), den Politiken der Renationalisierung (&lt;i&gt;nation building&lt;/i&gt;) oder der Sabotage jeglicher nationalen Wiederverst&#228;ndigung, es geht darum, &lt;i&gt;einerseits die Reproduktion und Zirkulation des Kapitals und andererseits die Reproduktion und Zirkulation der Arbeitskraft voneinander zu trennen&lt;/i&gt;. Die Reproduktion des Kapitals und seine Akkumulation in Pakistan oder den Philippinen sind selbst nicht verbunden mit der Reproduktion der pakistanischen oder philippinischen Arbeitskraft (das ist einer der Gr&#252;nde f&#252;r die &#8222;Deislamisierung&#8220; des pakistanischen Staates). In einer derartigen &#8222;neuen Weltordnung&#8220; ist, wie wir sehen werden, die Frage der Unterscheidung zwischen Kriegs- und Polizeioperationen nicht mehr wirklich relevant.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Niederlage des Rentiers und die Sezession&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r Bin Laden, Al-Qaida und die Taliban resultiert die Opposition gegen die USA aus dem total utopischen Willen, eine riesige, vom globalen Kapital sezessionistische Zone vom Roten Meer bis nach Indonesien zu erschaffen. Das erste bedeutende Al-Qaida zugeschriebene Attentat geschieht, als sich die amerikanische Gaspipeline durch Afghanistan pr&#228;zisiert. &#8222;Die Attentate am 7. August 1998 gegen die amerikanischen Botschaften in Nairobi und Dar-es-Salam waren der Anfang vom Ende der Gaspipeline. Am 21. August verk&#252;ndigte Unocal offiziell, alle Aktivit&#228;ten bez&#252;glich des Projekts der Gaspipeline in Afghanistan einzustellen. Am gleichen Tag bombardierte die amerikanische Luftwaffe mutmasslich terroristische Ziele in Afghanistan und im Sudan. [&#8230;] Das turkmenische Gas wird auf den Frieden warten m&#252;ssen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Le Monde vom 22. Oktober 2001.&#034; id=&#034;nh2-14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Allerdings war im Januar 1998 ein Abkommen mit den 1996 an die Macht gekommenen Taliban unterzeichnet worden, das Regime der Taliban hatte damals noch gute Presse in den USA. Ein Friedensabkommen in Afghanistan h&#228;tte die &#214;ffnung Zentralasiens gegen&#252;ber der Welt erlaubt (und wird sie erlauben), abseits des exklusiven Konfliktes mit Russland.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein solch &#8222;sezessionistischer&#8220; Wille hat nur durch die kapitalistische Entwicklung der letzten 25 Jahre entstehen k&#246;nnen. Die Reicht&#252;mer sollen den Muslimen, den Einheimischen von Nutzen sein! &#8222;Der Zusammenbruch der Sowjetunion haben die USA hochm&#252;tiger gemacht und sie haben angefangen, sich als die Chefs dieser Welt zu betrachten, indem sie das aufbauen, was sie eine neue Weltordnung nennen. [&#8230;] Sie wollen unsere L&#228;nder besetzen, unsere Rohstoffe stehlen, ihre Vertreter als unsere Anf&#252;hrer durchsetzen [&#8230;] und sie wollen, dass wir damit einverstanden sind.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Erkl&#228;rung von Bin Laden in Peter Bergen, Holy War Inc., New York, Free (...)&#034; id=&#034;nh2-15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Ein solches &#8222;Sezessionsprojekt&#8220; hat erst nach dem Krieg in Kuwait einen Sinn bekommen, seine Wurzel ist die saudische Niederlage, welche der Golfkrieg war: Die Bedeutung der Saudi-Araber ist alles andere als konjunkturell und &#252;berschneidet sich sogar mit den Ambivalenzen der offiziellen saudischen Positionen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Tatsache, dass der Jemen bef&#252;rchtet, das n&#228;chste Ziel einer amerikanischen Intervention zu sein (Herkunftsland sehr vieler K&#228;mpfer im Netzwerk Bin Ladens), zeigt (neben den spezifischen, durch die Wiedervereinigung des Jemens aufgeworfenen Fragen), dass das Zentrum von Bin Ladens Aktivit&#228;t nicht Zentralasien oder Afghanistan ist, sondern die Arabische Halbinsel. Nicht, dass es sich um ein &lt;i&gt;nationales&lt;/i&gt; saudisches Ziel handeln w&#252;rde, doch es kann insofern nicht die geringste Glaubw&#252;rdigkeit f&#252;r ein sezessionistisches Projekt existieren, als dass die Finanz- und &#214;lmacht Saudi-Arabiens nicht daran beteiligt ist. Wenn Saudi-Arabien der Kern des Projekts bleibt, so auch als Resultat der Zeit nach dem Golfkrieg, die Zeit der Niederlage der autonomen Figur des Rentiers und die Einf&#252;hrung der Rente in den allgemeinen Ausgleich der Profitrate. Das sezessionistische Projekt ist gr&#246;sstenteils ein Produkt der aktuellen Situation des Landes, es gr&#252;ndet auf seinem inneren Zusammenbruch, seiner Implosion.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Probleme der Renten&#246;konomie sind allseits bekannt: Von Anfang an zirkuliert der Wert als Einkommen und nicht als Kapital; Entwertung produktiver T&#228;tigkeiten; Steigerung der Abh&#228;ngigkeit; jegliche produktive T&#228;tigkeit wird nicht an ihrer F&#228;higkeit zur Mehrwertsch&#246;pfung gemessen, sondern an jener, sich zus&#228;tzlichen, schon bestehenden Wert anzueignen.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Th&#233;orie communiste, Nr. 11, Dezember 2002.&#034; id=&#034;nh2-16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; &#8222;Die Saudi-Araber m&#252;ssen beginnen, zu arbeiten&#8220;, erkl&#228;rt der Prinz Abdallah im Dezember 1998. In 20 Jahren ist das BIP per Einwohner von 16&#8216;500 $ 1981 auf 6000 $ 2000 gefallen. Ein R&#252;ckgang, dessen Ursachen sowohl der tiefe Erd&#246;lpreis als auch das Bev&#246;lkerungswachstum von 9 auf 22 Millionen im gleichen Zeitraum sind. Der Rentierstaat hat den die herrschende Klasse mit ihren Untertanen verbindenden &#8222;Pakt&#8220; gebrochen: die politische Gef&#252;gigkeit im Austausch f&#252;r die Garantien des Sozialstaates. Die meisten saudischen Angestellten sind in der Tat im &#246;ffentlichen Sektor angestellt, wir sprechen hier nicht von der importierten Arbeitskraft. &#8222;Doch der Staat, der sich gegen&#252;ber dem Weltw&#228;hrungsfonds und der WTO bez&#252;glich Reformen engagiert hat, hat nicht mehr die Mittel, um den Neuank&#246;mmlingen im Arbeitsmarkt eine Anstellung zu bieten, das betrifft etwa 100&#8216;000 Hochschulabg&#228;nger pro Jahr. Die weitgehend von Bestellungen des &#246;ffentlichen Sektors abh&#228;ngige Privatwirtschaft hat nicht gen&#252;gend Arbeitspl&#228;tze f&#252;r alle von ihnen. Alles in allem absorbiert die Wirtschaft nur die H&#228;lfte davon. Die auf 25-30% gesch&#228;tzte Arbeitslosigkeit der aktiven m&#228;nnlichen Bev&#246;lkerung ist die Ursache f&#252;r eine Unzufriedenheit, dank welcher der islamische Protest ziemlich problemlos rekrutieren kann; das Ressentiment gegen&#252;ber eingewanderten, in der Regel aus Asien stammenden Arbeitern ist gross, es ist jedoch weit davon entfernt, jene Animosit&#228;t zu erreichen, die gegen&#252;ber Personal aus dem Westen allgemein und Amerikanern im Besonderen gehegt wird, gen&#228;hrt durch die permanente Pr&#228;senz von 20&#8216;000 Amerikanern, wovon mehr als 5&#8216;000 Soldaten sind. Die Ansicht, dass diese Pr&#228;senz ein Sakrileg ist, wird von allen Saudi-Arabern geteilt, bis hinein in die herrschende Familie. Die Unverbl&#252;mtheit, mit welcher die amerikanischen Regierungen Saudi-Arabien wirtschaftlich f&#252;r seine guten Dienste 1991 unter Druck gesetzt haben, wird als Erpressung betrachtet. In Saudi-Arabien ist die Verteilung der Rente ein zentraler Streitgegenstand, doch die Grenzen des Systems zeigen sich mit der immer st&#228;rker werdenden islamistischen Opposition. Diese organisierte Opposition gegen die amerikanische Pr&#228;senz ist verantwortlich f&#252;r zwei Attentate gegen die amerikanischen Truppen 1995 und 1996. Zudem gibt sie der Opposition der St&#228;mme des S&#252;dens gegen die Macht der Saud eine neue Aktualit&#228;t [die St&#228;mme des Nordens teilen sich die Reicht&#252;mer des Landes].&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh2-17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was Bin Laden repr&#228;sentiert, kann man nicht verstehen, wenn man sich nicht auf den Krieg in Kuwait und die Krise der Renten&#246;konomien bezieht: das Verschwinden der autonomen Figur des Rentiers. Den Coup von Saddam wiederholen, aber ohne den Nationalismus. Die Schlacht um Pipelines, wovon die Taliban und Al-Qaida Akteure sind, hat eine ganz andere Dimension denn jene eines einfachen interkapitalistischen Konflikts, sie ist auch und allen voran ein Konflikt, deren Ausgang eine Determinierung eines Stadiums der Geschichte des Kapitalismus darstellt (letztendlich wie alle interkapitalistischen Konflikte): die Erkl&#228;rung der neuen, durch den Golfkrieg geschaffenen Situation f&#252;r rechtsg&#252;ltig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bin Laden ist nicht ein neuer Saddam, sein Ziel und seine Daseinsberechtigung ist nicht der Nationalismus, sondern eine Sezession innerhalb der Globalisierung, die nur zur Stornierung dieser Niederlage f&#252;hren k&#246;nnte. Die Wende Bin Ladens gegen seinen Sch&#246;pfer ist das Produkt des Endes des Kalten Krieges als allgemeiner Rahmen und der Nachkriegszeit in Bezug auf Kuwait als determinierende besondere Situation. Die Begriffe &#8222;Sch&#246;pfer&#8220; und &#8222;Gesch&#246;pf&#8220; kaschieren in Tat und Wahrheit die Wirklichkeit: Die Amerikaner formten eine Kraft in ihrem Dienst, ausgehend von existierendem Material in den bestehenden gesellschaftlichen Bedingungen, die &#8222;Wende&#8220; erinnert somit etwas weniger an &#8222;Frankenstein&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Das Ereignis&lt;/i&gt; des 11. Septembers ist sehr wohl Teil einer Beziehung zwischen Staaten und eines wirtschaftlichen Feilschens. Nachdem George W. Bush an die Macht gekommen ist, werden die Verhandlungen mit den Taliban energisch neu lanciert, um die Erwartungen der amerikanischen &#214;lfirmen nicht zu entt&#228;uschen. Man musste aus dem &#8222;grossen Spiel&#8220; aussteigen, das in Tat und Wahrheit seit dem 19. Jahrhundert ein Nullsummenspiel war, der von den Amerikanern erwartete totale Sieg der Taliban erweist sich ab 1998 als unm&#246;glich. Amerikaner und Pakistaner einerseits, Russen, Iraner und Inder andererseits neutralisieren sich gegenseitig. Um Zentralasien zu &#246;ffnen, m&#252;ssen die Taliban zu Verhandlungen gebracht und die Regierung Afghanistans f&#252;r die Nordallianz ge&#246;ffnet werden, das ist das Ziel des amerikanischen Drucks ab 1998, er intensiviert sich mit der Wiederwahl George W. Bushs. Daf&#252;r m&#252;ssen sich die Taliban von Bin Laden und Al-Qaida lossagen. Die ber&#252;hmte Pipeline konnte nur mit der Vollendung dieser &#214;ffnung und dieser Lossagung Realit&#228;t werden. Etliche Dokumente und Bezeugungen zeigen, dass die Drohungen und Erpressungen gegen&#252;ber den Taliban w&#228;hrend des ganzen Jahres 2001 pr&#228;zis waren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Ben Laden, la v&#233;rit&#233; interdite&#8220;, Zusammenfassung und Ausz&#252;ge in Le Monde (...)&#034; id=&#034;nh2-18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. &#8222;Bin Laden hatte keine Schwierigkeiten, Mullah Omar davon zu &#252;berzeugen, dass er, sollte er ihn fallen lassen, danach auch zermalmt w&#252;rde. Im Sommer 2001 folgerten die Taliban richtiger- oder f&#228;lschlicherweise, dass eine schwere milit&#228;rische Operation gegen sie in Vorbereitung ist. Einmal mehr hatte Bin Laden keine Schwierigkeiten, sie davon zu &#252;berzeugen, dass es unter diesen Umst&#228;nden besser war, zuerst zu schiessen. [&#8230;] Das bleibt eine Spekulation, auf wirklichen Indizien basierend. Sie hat den Vorteil, eine politische Koh&#228;renz f&#252;r jenes R&#228;derwerk zu bieten, das mit dem 11. September im Unvorstellbaren kulminiert ist.&#8220; Es ist nutzlos, die Details der Verhandlungen &#252;ber die ber&#252;hmte Gaspipeline anzusprechen, die das turkmenische Gas via Afghanistan bis zum Indischen Ozean bringen sollte (die ganze Geschichte ist allseits bekannt, Hamid Karzai arbeitete sogar als Berater f&#252;r Unocal). Was dabei interessanter ist, ist die Unnachgiebigkeit der Taliban in denselben gegen&#252;ber der UNO und den USA. Die Weigerung, Bin Laden &#8222;fallen zu lassen&#8220; (sollte das m&#246;glich gewesen sein) war gleichbedeutend mit der Opposition gegen jegliches innere afghanische Abkommen. Pakistan hatte mit einem solchen Abkommen am meisten zu verlieren, die Unnachgiebigkeit der Taliban ergibt sich daraus. F&#252;r Pakistan und die Taliban konnte die amerikanische milit&#228;rische Drohung gegen&#252;ber der Verweigerung jeglichen Abkommens mit der Nordallianz und den Usbeken durchkreuzt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Rahmen dieses Feilschens war das, was im Nachhinein als &#8222;falsches strategisches Kalk&#252;l&#8220; erscheint, nicht im Vorhinein sinnentleert. Die Ermordung Massouds war gleichbedeutend mit der Schw&#228;chung der Nordallianz und sollten sich die USA trotzdem auf sie st&#252;tzen wollen, w&#252;rden sie mit der Opposition Pakistans konfrontiert sein, das eine Zerschlagung der Macht der Taliban nie akzeptieren w&#252;rde. Russland, in Opposition zu den USA bez&#252;glich der unilateralen Ablehnung der Atomabkommen, w&#252;rde nicht zu einer Zusammenarbeit bereit sein. Die USA w&#252;rden dazu verurteilt sein, von weit entfernt ineffizient zu bombardieren. Doch Pakistan hat sich f&#252;r den Kaschmir, die Rivalit&#228;t mit Indien, die Akzeptierung seiner Atombombe, die teilweise Streichung seiner Schuld entschieden und Putin daf&#252;r, eine Kr&#246;te zu schlucken und die Tschetschenen ein bisschen mehr zu massakrieren, danach die Georgier.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Vom Islamismus zu Al-Qaida&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der religi&#246;se Charakter des sezessionistischen Projektes war nicht absolut notwendig, doch er ist eine daf&#252;r verst&#228;ndliche Formgebung und ein verst&#228;ndlicher Inhalt. Das Sezessionsprojekt ist von Natur aus interklassistisch, es mobilisiert &#8222;die Massen&#8220;, die nicht von der intensiven Kapitalisierung profitiert haben, Fraktionen der von der Rente profitierenden &#8222;&#214;laristokratie&#8220; gegen jene, welche sich &#8222;den Ungl&#228;ubigen verkauft haben&#8220;, die von der kapitalistischen Globalisierung niedergewalzten Mittelklassen; es wird gerechtfertigt durch das h&#246;here Interesse der muslimischen Welt, die all ihre Mitglieder und gesellschaftlichen Kategorien umfasst und &#252;bersteigt. Der Islam ersetzt hier den anti-imperialistischen Nationalismus, der mit der allgemeinen Niederlage des ehemaligen Kampfzyklus obsolet geworden ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotz dem Anschein ist die Verwirklichung eines derartigen Projekts in sich selbst eine Disziplinierung der proletarisierten Massen (man kann in den kapitalistischen Produktionsverh&#228;ltnissen in Anbetracht der Modalit&#228;ten des Arbeitszwanges und der Ausbeutung von Disziplinierung sprechen). Sind die Dinge einmal auf den Punkt gebracht, d.h. die Hierarchie der Determinierungen zwischen der globalen Reproduktion des Kapitals und der lokalen Reproduktion der Arbeitskraft (durch Gewalt, falls notwendig), ist es m&#246;glich, zu einer Verst&#228;ndigung zwischen dem Islamismus und &#8222;dem grossen amerikanischen Satan&#8220; zu kommen, man sieht das schon in Pakistan und im Sudan. Der Islamismus entwickelt sich auf der Grundlage eines auf allen Ebenen besiegten Proletariats: in seinen unmittelbaren K&#228;mpfen; in den grossen Krawallen gegen den Weltw&#228;hrungsfonds in den 1980er Jahren und Anfang der 1990er Jahre; in den nationalistischen Programmen selbstzentrierter Entwicklung. Die Islamisierung des Klassenkampfes ist das Resultat eines geschlagenen Proletariats. Die religi&#246;se Form entwickelt sich auf der Grundlage traditioneller Strukturen, die durch das langfristig unertr&#228;gliche Verh&#228;ltnis zwischen den beiden Aspekten des doppelten Lebens des Proletariers in den j&#252;ngst industrialisierten und abh&#228;ngigen (nicht endogenen) Gebieten zerschlagen worden sind: Eine enorme Diskrepanz zwischen der Industrialisierung einerseits und der Lebensweise und der Reproduktion der Arbeitskraft andererseits, die auf absolute Art und Weise nicht als freie Arbeitskraft bezeichnet werden kann. Die Fabrik, wie es Serge Latouche in &lt;i&gt;Die Verwestlichung der Welt&lt;/i&gt; formuliert, scheitert daran, als &#8222;Haus der Kultur&#8220; zu funktionieren. Das Scheitern dieser Strukturen zusammen mit der in den 1980er und 1990er Jahren definitiven Niederlage der K&#228;mpfe lassen dem religi&#246;sen Verh&#228;ltnis diesen Platz: isoliertes Individuum &#8211; Universalit&#228;t. Das Kapital kann in diesem Fall nichts anders tun, als eine andere Gemeinschaft neben der seinen zu akzeptieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach der ersten Phase der &#8222;Muslimbr&#252;der&#8220; ab den 1950er Jahren und w&#228;hrend den 1960er Jahren verschwindet der Islamismus als gesellschaftlich und politisch organisierte Kraft fast vollst&#228;ndig. Die Erhebungen von Hama (1964) und Damaskus (1966) sind weniger sein Werk als die spontane Reaktion der von einigen religi&#246;sen Anf&#252;hrern begleiteten H&#228;ndlern gegen die Massnahmen der Verstaatlichung der wesentlichen wirtschaftlichen T&#228;tigkeiten. Die wiedererstehende islamistische Bewegung zu Beginn der 1970er Jahre hat weder die gleiche Natur, noch die gleichen gesellschaftlichen Ziele. Sie ist allen voran Ausdruck der Krise und des Scheiterns der politischen und wirtschaftlichen Nationalismen, sie rekrutiert zu dieser Zeit innerhalb dieser gleichen Mittelklassen, die bis anhin mit dieser Politik des sozialen Aufstiegs und diversen wirtschaftlichen Privilegien gut gefahren waren: Lehrer, Studenten, niedere Offiziere, Ingenieure&#8230; Es ist auch die Periode des Aufstiegs der &#214;lmonarchien und der auf der Rente basierenden Integration der Region. Diese Bewegung findet in dieser Mutation die Bedingungen ihrer Entwicklung, umso mehr, als dass die herrschenden M&#228;chte, sei es in Syrien, in &#196;gypten (aber auch in Tunesien und Algerien), welche damals weitgehend zur Liquidation ihrer linksnationalistischen Tendenzen und Elemente &#252;bergegangen waren, in ihnen nat&#252;rliche B&#252;ndnispartner entdecken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch das Scheitern der selbstzentrierten wirtschaftlichen Entwicklung und die darauf folgende, &#246;ffnend genannte, liberale Politik haben zur Erscheinung einer enormen Masse an Ausgeschlossenen gef&#252;hrt, die sich ab Ende der 1970er Jahre in den Krawallen der grossen arabischen St&#228;dte zeigt. Und ab diesem Zeitpunkt &#252;berwinden die islamistischen Bewegungen das Stadium einer vertraulichen Existenz oder terroristischer Praktiken. Ab den 1980er Jahren wird der Islamismus zum Ausdruck aller Grenzen dieser Revolten, die er mehr oder weniger erfolgreich umrahmt, gegen eine staatliche Macht, gegen&#252;ber welcher er kein anderes Programm entgegenzusetzen hat, als das, welches sie schon anwendet. Die Islamisten sind das populistische Antlitz der Gesch&#228;fte machenden Bourgeoisie an der Macht, Ausdruck sowohl der Grenzen der Renten&#246;konomie als auch der Demonstrationen des Proletariats, welche diese &#214;konomie und ihre Grenzen hervorrufen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Frage ist nicht, wie Religion, Politik, Wirtschaft Individuen auf ihren einsamen Inseln miteinander verbinden, sondern zu verstehen, weshalb die Verbindungen zwischen besonderen Individuen, die durch eine determinierte Produktionsweise und in derselben definiert werden, die Form von Religion, Politik, Wirtschaft annehmen. Was sind die Grenzen dieser Krawalle, die den Islamismus als ihren synthetischen Ausdruck konstituieren? In der kapitalistischen Konstitution des Ausschlusses erscheinen die Entfremdung des Proletariers gegen&#252;ber der Gesamtheit der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse und seine eigene Reproduktion nicht als Produkt seiner eigenen T&#228;tigkeit und die Entfremdung als widerspr&#252;chliches Verh&#228;ltnis, das er zur Gesamtheit dieser Gesellschaft unterh&#228;lt, sondern als &lt;i&gt;inh&#228;rente&lt;/i&gt; Tatsache seiner Individualit&#228;t, er ist &lt;i&gt;der Arme&lt;/i&gt;. Da sie der Individualit&#228;t inh&#228;rent geworden ist, l&#246;st sich die Trennung mit den anderen Individualit&#228;ten und der Gemeinschaft erst in einem Verh&#228;ltnis auf, das diese Individualit&#228;ten transzendiert und sich ihnen gegen&#252;ber als radikal &#228;usseres setzt. Die historisch-kulturellen Besonderheiten und die gesellschaftlichen Zw&#228;nge der Periode geben diesem Verh&#228;ltnis nur als Religion, Kultur, Nation eine Form. In seinem Widerspruch mit den kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen, innerhalb welchen es als &#8222;ausgeschlossen&#8220; reproduziert wird, bringt das Proletariat die inh&#228;renten Grenzen dieser Bedingungen und Eigenschaften dieses Widerspruchs in Form der Religion hervor.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die islamistischen Bewegungen der 1980er Jahre sind gleichbedeutend mit dem Zusammentreffen dreier gesellschaftlicher Prozesse: der Ratlosigkeit und der Marginalisierung der Mittelklassen gegen&#252;ber dem Liberalismus und der &#214;ffnung aufgrund ihrer gesellschaftlichen Lage, die sie nicht als Kapitalismus kritisieren k&#246;nnen, sondern als &#8222;Verwestlichung&#8220;, als Lebensweise und Kultur; des Scheiterns der Nationalismen und der Einrichtung der Integration durch die Rente mit den Golfl&#228;ndern als Mittelpunkt; &#8222;des sozialen Ausschlusses&#8220; und der Vervielfachung der Armutskrawalle.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Solange die islamistische Bewegung nur Ausdruck des ersten dieser Elemente war, war sie beschr&#228;nkt auf eine terroristische Praxis (eine im Gegensatz zum gegenw&#228;rtigen Terrorismus stets nationalistische Praxis) ohne grosse Perspektive: die Besetzung der Moschee in Mekka 1979, die Ermordung Sadats 1981. Die soziale Herkunft der Beschuldigten in der Aff&#228;re des Angriffs auf die Milit&#228;rakademie von Heliopolis in &#196;gypten ist aussagekr&#228;ftig: 42 Studenten, 17 Sch&#252;ler der Milit&#228;rakademie, 3 Soldaten, 4 technische Ingenieure, 1 Repr&#228;sentant liberaler Berufe, 3 Arbeiter. Die Erhebung der Stadt Hama in Syrien im Februar 1982 erlangte durch die gesellschaftlichen Eigenschaften Syriens eine gr&#246;ssere Bedeutung als die vorhergehenden Ereignisse: Bipolarit&#228;t Syriens (zwischen Aleppo und Hama einerseits, Damaskus andererseits), Begegnung der marginalisierten Mittelklassen mit den K&#228;mpfen der H&#228;ndler. Durch die Zerst&#246;rung der Stadt ist eine gesellschaftliche Struktur zerst&#246;rt worden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ohne sich zu verlieren, konnte diese islamistische Bewegung die Macht der herrschenden Bourgeoisie nicht in Frage stellen. Betrachtet man die islamistische Bewegung sowohl im Maghreb als auch im Nahen Osten als Kritik der herrschenden Ordnung, so verwechselt man einerseits den Ausdruck der Armut, den sie in ihrer Praxis und ihrer religi&#246;sen Sprache auszudr&#252;cken vermag und schon immer auszudr&#252;cken vermochte, und andererseits die Revolte gegen diesen Ausschluss, eine Revolte, welche die islamistische Bewegung stets bek&#228;mpfte und auf deren Grenzen und Scheitern sie floriert als politische und gesellschaftliche Anerkennung derselben. Als Produkt entwerteter Mittelklassen war es die historische Gelegenheit der islamistischen Bewegungen der 1980er Jahre, sich nach dem Scheitern der Staatsstreiche als Produkt und Quintessenz des Zusammenbruches des politischen und wirtschaftlichen arabischen Nationalismus, der Integration durch die Rente der Region mit den Golfstaaten als Mittelpunkt und v.a. des notwendigerweise konfliktreichen Aufbaus einer dualen, &lt;i&gt;spezifisch kapitalistischen&lt;/i&gt; Gesellschaft wiedergefunden zu haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es kommt n&#228;mlich Mitte der 1980er Jahre, nach dem Schnitt Mitte der 1960er Jahre und dem Scheitern des ersten terroristischen Islamismus Mitte derselben 1980er Jahre, zu einer neuen Wende in der Entwicklung der islamistischen Bewegungen. &#8222;Die herrschenden Regime in der muslimischen Welt haben, um den sie bedrohenden Brand der islamistischen Gruppen auszul&#246;schen, andere Feuer angez&#252;ndet, indem sie eine Reislamisierung &#8218;von unten&#8216; beg&#252;nstigt haben. Sie haben die Entwicklung von Bewegungen zugelassen, die alle Freiheit hatten, die strengste Auslegung der Normen des Islams in allen Bereichen des allt&#228;glichen Lebens zu predigen, jedoch eigentlich in politischen Fragen nicht intervenieren sollten. [&#8230;] Diese Reislamisierung von unten, die seit der Mitte der 1980er Jahre ein betr&#228;chtliches Ausmass angenommen hat, ist weitgehend von Saudi-Arabien und Kuwait finanziert worden, sie sahen diesen konservativen, rigoristischen und, so glaubte man, die gesellschaftliche Stabilit&#228;t garantierenden Pietismus mit einem wohlwollenden Auge.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Gilles Kepel in Le Monde vom 11. Januar 1991.&#034; id=&#034;nh2-19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese von Kepel unternommene Analyse setzt diese &#8222;Reislamisierung von unten&#8220; nicht in ein Verh&#228;ltnis zu den st&#228;dtischen Krawallen im Mittleren Osten. F&#252;r ihn haben diese Bewegungen nur zum Ziel, radikale Gruppen auf ihrem eigenen Terrain anzugreifen, als ob sie die haupts&#228;chliche Bedrohung f&#252;r &#8222;die herrschende Ordnung&#8220; dargestellt h&#228;tten, als ob man letztendlich nicht in den F&#252;hrungspositionen dieser radikalen Gruppen und dieser &#8222;Reislamisierung von unten&#8220; die gleichen gesellschaftlichen Gruppen finden w&#252;rde, als jene, welche im Terrorismus engagiert sind. Die Analyse bleibt, indem sie die Gr&#252;nde des Erfolgs der Bewegungen ausser Acht l&#228;sst, machiavellistisch und instrumentalistisch, denn diese k&#246;nnen nicht g&#228;nzlich mit dem aus dem Golf kommenden Geldsegen erkl&#228;rt werden. Ausserdem erkennt die Analyse dieser Reislamisierung von unten ihr einen doppelten Aspekt (rebellisch und konservativ) an, doch nur um es zu konstatieren, diese beiden Aspekte werden nie artikuliert. Das gleiche gilt f&#252;r einen sehr langen, einmal mehr in &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; vom 7. M&#228;rz 1991 ver&#246;ffentlichten Artikel, wo diese Bewegung &#8222;die herrschende Ordnung stabilisiert und kritisiert&#8220;, ohne dass man weiss, wie sich diese beiden Aspekte artikulieren. In diesem Artikel scheint diese Dualit&#228;t sogar das Resultat ihres Erfolges zu sein. In Tat und Wahrheit ist die Idee eines rebellischen Aspektes der islamistischen Bewegungen selbst zweifelhaft. Die islamistischen Bewegungen sind w&#228;hrend den gesamten 1980er Jahren im wesentlichen eine Kraft der Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen Ordnung geblieben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die islamistischen Bewegungen &#252;berfluten die muslimische Welt vom Maghreb bis nach Indonesien, sie sind nicht eine Besonderheit des Mittleren Ostens, obwohl sie von Anfang an von den Golfstaaten politisch und finanziell unterst&#252;tzt wurden, h&#228;ufig mit dem Segen der USA. In diesem ganzen Gebiet hat die Entwicklung des Kapitalismus durch die Kolonialisierung, die Mandatsherrschaft und die Erschaffung des Staates Israel die traditionellen Gesellschaften zerst&#246;rt. Die kapitalistische Modernisierung unter der &#196;gide des Kleinb&#252;rgertums hat im Rahmen des globalen Kapitalismus zur Katastrophe gef&#252;hrt, es ist nie f&#228;hig gewesen, aus dem Kapital die einzige Gemeinschaft zu machen, den demokratischen Treueeid gegen&#252;ber dem Staat zu erschaffen, die Figur des B&#252;rgers hervorzubringen, des ausschliesslich in der Reproduktion des Kapitals atomisierten und integrierten Individuums. Diese Entwicklung basierte sogar teilweise auf der zuvor angesprochenen Dualit&#228;t als doppeltes Leben des Arbeiters. Die regionale Integration durch die Rente in ihrem Scheitern &#252;berl&#228;sst das endlich besondere kapitalistische Individuum seiner Bedingung &#8222;als Ausgeschlossener&#8220;. Seit den 1950er Jahren folgt diese gesamte Region in unterschiedlichen Rhythmen dem selben Lauf. Alles in allem ist religi&#246;se Formalisierung der Klassenk&#228;mpfe nichts, das spezifisch mit der muslimischen Welt assoziiert werden k&#246;nnte; man denke an Indien, an Lateinamerika (Befreiungstheologie, Evangelisten), an Polen in den 1980er Jahren oder an einige Republiken der ehemaligen UdSSR.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der B&#252;rgerkrieg in Algerien, die Unf&#228;higkeit der Hamas, eine politische Perspektive in Pal&#228;stina zu definieren und v.a. die saudische Niederlage, welche der Golfkrieg in Wirklichkeit darstellt (was nicht im Widerspruch zur offensichtlichen irakischen Niederlage steht), sind gleichbedeutend mit dem Scheitern dieses politischen Islamismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine neue globale Ver&#228;nderung zeichnet sich in Wirklichkeit seit Anfang der 1990er Jahre ab: das Verschwinden des Islamismus als nationales Projekt. Der gegenw&#228;rtige Islamismus ist das Resultat der Infragestellung des nationalen Rahmens f&#252;r die Reproduktion der kapitalistischen Akkumulation und der widerspr&#252;chlichen Situation der Reproduktion der Arbeitskraft, die gleichzeitig den Ausbeutungsbedingungen und dem Arbeitszwang unterworfen ist, welche Teil eines globalen Zyklus des Kapitals sind, und, durch diese Tatsache selbst (Aufl&#246;sung des nationalen Rahmens), auf die &#8222;Wiedererschaffung&#8220; der Bedingungen und des Rahmens der &#8222;traditionellen&#8220; Reproduktion verwiesen wird. &lt;i&gt;Eine zuf&#228;llige und explosive Begegnung zwischen einer globalen Integration und Abh&#228;ngigkeit einerseits und andererseits der Wiedererschaffung einer &#8222;traditionellen&#8220; Reproduktion, die jegliche innere (endogene) Finalit&#228;t und Bedeutung verloren hat&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es handelt sich um eine &#8222;Entnationalisierung&#8220; des Islamismus, oder gar um seine &#8222;Deterritorialisierung&#8220;. In Pakistan muss man bis zur Eliminierung von Ali Bhutto (1977) zur&#252;ckgehen, um diesen Prozess der &#8222;Entnationalisierung&#8220; zu verstehen, der gleichbedeutend ist mit seinem Scheitern als politischer und &#8222;populistischer&#8220; Islamismus wie er sich in den 1980er Jahren entwickelt hatte, die Jahre der saudischen Integration durch die Rente. Die von Zia-ul-Haq aufgegleiste Politik der Islamisierung ersetzt die unter Ali Buttho lancierten Entwicklungsprogramme. In den 1980er Jahren hat Pakistan noch Wachstumsraten von ungef&#228;hr 6% und profitiert von den Geldbetr&#228;gen der in die Golfstaaten ausgewanderten pakistanischen Arbeiter. Erst in den 1990er Jahren, d.h. nach dem Golfkrieg, der sowjetischen Niederlage in Afghanistan und dem Ende des Kalten Krieges, wird der Islamismus zu einer bedeutenden politischen Kraft in Afghanistan. Die islamistischen Organisationen f&#252;llen einmal mehr das vom Staat gelassene Machtvakuum. Pakistan widmet nur noch 3.5% seines Budgets der Bildung und der Gesundheit (38% der Verteidigung). &#8222;Millionen von Fl&#252;chtlingen, ein unkontrollierter Drogenhandel, der Kult der Kalaschnikow und die Kultur des Jihad sind das Erbe des Afghanistan-Krieges.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Le Monde.&#034; id=&#034;nh2-20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Pakistan ist mit der Tatsache konfrontiert, dass die Schaffung einer nationalen Unterordnung seiner Verschiedenheit sich als immer schwieriger erweist: eine Vorherrschaft der Punjabis, die besonders von den Sindhis, den Belutschen und den Muhajir von Karachi nur z&#228;hneknirschend hingenommen wird. Es handelt sich um ein Problem interner K&#228;mpfe innerhalb der herrschenden Klasse: Die aus einer unternehmungslustigen kapitalistischen Klasse entstammenden Muhajir mussten sich der Macht des punjabischen Landadels unterordnen und die paschtunischen und belutschischen gesellschaftlichen Stammesstrukturen akzeptieren. Was uns jedoch hier gegenw&#228;rtig interessiert, ist die Tatsache, dass dieses Problem des Staatsaufbaus innerhalb der islamistischen Opposition selbst pr&#228;sent ist, die nationalistische Tendenz wird von den Radikalsten bek&#228;mpft, f&#252;r sie z&#228;hlt die Umma viel mehr als die Nation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was zentral in dieser Bewegung des Zusammenbruches des Staatsaufbaus ist, ist das Verschwinden des staatlichen Nationalismus als Vermittlungsinstanz im &#8222;anti-imperialistischen Kampf&#8220;. Die Transformationen des Islamismus und das Scheitern des politischen Islamismus bezeugen diese Entwicklung (sogar im Sudan ist der Staat dabei, sich des nationalen Islamismus zu entledigen, er ist nun mit einem Islamismus konfrontiert, f&#252;r welchen der nationale Rahmen anekdotenhaft ist, gleichzeitig lokalisiert er sich auf beschr&#228;nkte Art und Weise und mit wechselnden Territorien - &#8222;Kriegsherren&#8220;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Diese neue Form des radikalen Islamismus resultiert aus einer gewissen Anzahl konstanter Akte des Scheiterns: dem Ende der Dritte-Welt-Ideologie, dem Bankrott des arabischen Sozialismus, der Sackgasse des politischen Islams, einhergehend mit der Erkenntnis, dass die offiziellen religi&#246;sen Autorit&#228;ten der arabischen Welt von den herrschenden Regimen &#8218;nationalisiert&#8216; worden sind.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., Januar 2002.&#034; id=&#034;nh2-21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Bin Laden verweigert sich &#8222;dem Islamismus in einem Land&#8220; und hat keine nationale Strategie (die zentrale Stellung Saudi-Arabiens in seiner Strategie ist nicht das Resultat einer nationalen Strategie), seine Netzwerke bestehen aus Aktivisten, die das Scheitern der islamistischen Parteien in verschiedenen L&#228;ndern miterlebt haben. Es handelt sich also um eine innere (fast inh&#228;rente) Opposition gegen die Globalisierung, die sich auf ihrer Ebene und in den gleichen Begriffen wie sie verortet, sie konstituiert sich nicht einmal als Alternative zu ihr. Sie ist nicht ihr Widerspruch, sondern ihr Schatten. Was den &#8222;terroristischen&#8220; Aspekt betrifft, sind die Aktionsformen an die neuen Formen der kapitalistischen Reproduktion als &lt;i&gt;Herrschaft&lt;/i&gt; angepasst (daher kommt zumindest teilweise die religi&#246;se Form). Es handelt sich nicht um eine Guerilla, die ein Territorium kontrolliert, und sogar das hypothetische &#8222;Endziel&#8220; der Sezession existiert nur mangels Alternativen, als Resultat einer Art &#8222;Widerspruch&#8220; (in Wirklichkeit eine Dualit&#228;t) in der Daseinsberechtigung der Bewegung: Deterritorialisierung und Internationalisierung einerseits; &#8222;anti-imperialistische&#8220; Revolte andererseits.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bin Laden repr&#228;sentiert einen &#8222;abstrakten&#8220; (d.h. deterritorialisierten) Islamismus. Seine Netzwerke entwickeln sich nach dem Scheitern des popul&#228;ren und nationalistischen Islamismus im Mittleren Osten, haupts&#228;chlich in &#196;gypten (1997), woher die meisten seiner milit&#228;rischen F&#252;hrungskr&#228;fte und politischen Berater kommen. &#8222;Die Strasse&#8220; ist nicht gegen die amerikanische Intervention in Afghanistan aufgestanden (einzig die Stadt Quetta, nur 200 km von Kandahar entfernt, erlebte am 8. Oktober 2001 eine aufst&#228;ndische Situation). Al-Qaida ist das Gegenteil der Gamma Islamijah (wovon einige ihrer Kader stammen, nach der &#8222;Niederlage&#8220; 1997). Bin Laden ist in Afghanistan, da er am 18. Mai 1996 mit dem Einverst&#228;ndnis der Amerikaner vom Sudan in dieses Land ausgeschafft worden ist. Der Sudan war bereit, ihn in die USA oder nach Saudi-Arabien auszuschaffen, doch erstere konnten seine Verurteilung nicht garantieren, letztere wollten allen voran keinen M&#228;rtyrer. Weiter zu dieser &#8222;Deterritorialisierung&#8220;: Auf die milit&#228;rische Niederlage der Taliban und der Truppen der Al-Qaida folgte keine Bewegung der Guerilla. Eine solche Bewegung entsprach weder der Ideologie noch der Praxis der Taliban und Al-Qaida, weder ihrem gesellschaftlichen R&#252;ckhalt, noch den sozialen Bedingungen in Afghanistan (kleine lokale Machthaber, die naturgem&#228;ss bereit sind, sich mit der momentan herrschenden Macht zu verb&#252;nden).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Ab Beginn des amerikanischen Krieges in Afghanistan wurden diese Gebiete [die &lt;i&gt;Stammesgebiete&lt;/i&gt; in Pakistan] von vielen als Orte betrachtet, die den &#8218;verlorenen Soldaten&#8216; Bin Ladens zum Zeitpunkt der Niederlage ein ideales Refugium bieten k&#246;nnten. Besonders weil das Ph&#228;nomen der relativen Talibanisierung der Grenzprovinz im pakistanischen Nordosten gewisse Paschtunen dazu h&#228;tte bringen k&#246;nnen, sich solidarisch mit den Anh&#228;ngern Al-Qaidas zu zeigen. Die Realit&#228;t ist allerdings etwas nuancierter, denn der nach dem 11. September vorherrschende Kontext hat die Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse ver&#228;ndert. &#8218;Ich dachte, die St&#228;mme w&#252;rden nicht auf die Avancen der Regierung eingehen. Aber nein, sie arbeiten mit den Beh&#246;rden zusammen. Die Stammesf&#252;hrer haben verstanden, dass es nach der Niederlage der Taliban und Al-Qaida nutzlos f&#252;r sie war, von der amerikanischen Macht besiegte Leute zu unterst&#252;tzten. Sie haben nicht das geringste Bed&#252;rfnis, dass der Krieg zu ihnen kommt&#8216;, sagt Pareshan Khattak, ehemaliger Rektor der Universit&#228;t von Peschawar und Anthropologe. Das bedeutet nicht, dass die St&#228;mme pl&#246;tzlich auf ihre Rechte verzichtet haben und von nun an stillschweigend die &#8218;Einmischung&#8216; der Regierung akzeptieren. &#8218;Doch sie wissen nun, woher der Wind bl&#228;st&#8216;, sagt ein Funktion&#228;r in den Stammesgebieten. &#8218;Die meisten Stammesf&#252;hrer stehen den Taliban nicht unbedingt nahe und sind deshalb nicht immer bereit, den &lt;i&gt;maleks&lt;/i&gt;, die Stammesf&#252;hrer, die monatlich von der Regierung bezahlt werden: das Geld.&#8216;&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Le Monde.&#034; id=&#034;nh2-22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Saudi-Arabien hatte aus seiner Politik der Unterst&#252;tzung des Islamismus ein Werkzeug im Kampf gegen die Welle des arabischen Nationalismus gemacht. Die fundamentalistischen Bewegungen haben sich allerdings seit dem Golfkrieg gegen die saudische Politik gewendet. Der Golfkrieg und das Ende des Kalten Krieges sind gleichbedeutend mit einem Bruch im Islamismus. Eine neue Art des Islamismus ist w&#228;hrend dem Kampf gegen die UdSSR in Afghanistan entstanden. Ein erdloser Islamismus, wovon der Terrorismus die angemessene Aktionsform wird. Der Terrorismus der am Ende des antisowjetischen Krieges in Afghanistan gegr&#252;ndeten Al-Qaida ist fast nur gegen die amerikanischen Interessen gerichtet, er ist in seiner Form der Rekrutierung und seiner Identit&#228;t transnational, er handelt im Namen &#8222;der Umma&#8220;, die auf den f&#252;nf Kontinenten verteilte muslimische Nation, die Anh&#228;nger werden in den Mittelklassen rekrutiert, sie sind h&#228;ufig gebildet in westlicher Kultur. Dieses nebul&#246;se Netzwerk wird von keinem Staat instrumentalisiert, es hat keine strukturierte popul&#228;re Basis&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe ebd., November 2001.&#034; id=&#034;nh2-23&#034;&gt;23&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Ein globaler Terrorismus in seiner Organisation sowohl hinsichtlich seiner Perspektive als auch seiner Ziele. Und er hat keine pr&#228;zisen Forderungen. Al-Qaida ist eine Organisation, die perfekt zum &#8222;Zeitalter der Globalisierung&#8220; passt, sie brauchte nur eine leere H&#252;lle, einen leeren Staat, und &lt;i&gt;die Aufl&#246;sung der Staatsform kann man in weiten Teilen der Welt antreffen&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die mangelnde Unterst&#252;tzung durch die &#8222;Strasse&#8220; in den arabischen L&#228;ndern f&#252;r die von Bin Laden lancierte &#8222;Herausforderung&#8220; gegen&#252;ber den USA ist problematisch. Es gab keine grossen Demonstrationen (ausser in den n&#246;rdlichen St&#228;dten Pakistans, wo viele afghanische Fl&#252;chtlinge leben), doch die stillschweigende Unterst&#252;tzung ist massiv, auch wenn sie keine politische Form annehmen kann. Dieser Widerspruch kann (jenseits der Effizienz der Repression in den arabischen L&#228;ndern und Pakistan) durch die Tatsache erkl&#228;rt werden, dass diese Unterst&#252;tzung nicht in Form des Nationalismus wie jene f&#252;r Saddam und den Irak ausgedr&#252;ckt und/oder vereinnahmt werden kann; sie kann auch nicht in den Begriffen eines sozialen Kampfes ausgedr&#252;ckt werden. Bin Laden ist weder ein Nationalist, noch ein politischer Islamist (im Sinne der Bewegungen wie dem FIS in Algerien, der Muslimbruderschaft in Syrien, in &#196;gypten und in Jordanien, der Hamas in Pal&#228;stina, der Refah in der T&#252;rkei oder der Gamma Islamijah in &#196;gypten), er versucht nicht, in einem bestimmten Land (nicht einmal Saudi-Arabien) die Macht zu ergreifen. Er l&#228;sst sich in einem Land ohne Staat nieder (Afghanistan der Taliban) oder baut in einem solchen (Somalia) Lager auf. Seine Opposition gegen die kapitalistische Globalisierung unter amerikanischer F&#252;hrung ist nicht minder diffus und &#8222;deterritorialisiert&#8220; als sie selbst. Die territoriale Verankerung seines Handelns ist nie abgesteckt (endlich), er definiert sie nicht: Afghanistan, Saudi-Arabien, die muslimischen L&#228;nder des Roten Meeres von Indonesien bis zum S&#252;den der Philippinen, aber auch die ehemaligen sowjetischen Republiken Zentralasiens, die chinesische Region Xinjiang, das Horn von Afrika, die europ&#228;ischen oder amerikanischen muslimischen Gemeinschaften&#8230; Das Ziel der Sezession ist eine weltweite Sezession, sie ist nur mangels Alternativen territorialisiert. Sie situiert sich innerhalb der kapitalistischen Globalisierung und ist nur ihre Kehrseite.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die nationalen politischen islamistischen Bewegungen &#8222;erf&#252;llen die Erwartungen einer entweder durch das Exil, das Studium im Ausland oder der Auswanderung &#8218;deterritorialisierten&#8216; und internationalisierten Jugend nicht, sie erkennt sich in keiner nationalen Sache wieder. [&#8230;] Verschiedene Formen von Religiosit&#228;t k&#246;nnen eine Antwort auf die Bed&#252;rfnisse einer globalisierten muslimischen Bev&#246;lkerung sein, doch der Neofundamentalismus eignet sich besonders daf&#252;r, da er das, was als Kulturverlust erlebt wird, in einen Diskurs der Neugr&#252;ndung eines von Br&#228;uchen und Traditionen gereinigten universellen Islams verwandelt, der somit auf alle Gesellschaften anwendbar ist. Er definiert die globale Welt als eine virtuelle Umma, welche nur darauf wartet, durch die Anstrengung aller Muslime verwirklicht zu werden. Er richtet sich nicht an wirkliche Gemeinschaften, sondern an isolierte Individuen, die zu ihrem Glauben und ihrer Identit&#228;t zur&#252;ckkehren. Die Neofundamentalisten sind jene, welche es geschafft haben, die Globalisierung zu islamisieren, indem sie in ihr die Voraussetzungen f&#252;r einen Wiederaufbau der universellen muslimischen Gemeinschaft gesehen haben, selbstverst&#228;ndlich unter der Bedingung, die herrschende Kultur zu st&#252;rzen: die Verwestlichung in ihrer amerikanischen Form. Doch indem sie das tun, bauen sie nur ein Universelles auf, das als Spiegel von Amerika dient, sie tr&#228;umen eher von einem McDonalds der halal ist als von einer R&#252;ckkehr der K&#252;che der wirklichen damaligen Kalifen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-24&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Olivier Roy, &#8222;L&#8216;islam au pied de la lettre&#8220; in Le Monde diplomatique, (...)&#034; id=&#034;nh2-24&#034;&gt;24&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ein Ereignis&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die USA sind nur der Feind, weil sie die Universalit&#228;t darstellen und &#8222;korrupte&#8220; Regime auf der ganzen Welt unterst&#252;tzen. Der Angriff auf das World Trade Center und das Pentagon hatte unm&#246;glich eine Schw&#228;chung der USA selbst zum Ziel, es ging eher darum, zu zeigen, dass sie nicht unverletzlich sind. Die Zerst&#246;rung einer Faszination. Die Einf&#252;hrung einer Sezession, die nicht territorial ist (nur mangels Alternativen wird sie es), sondern allen voran in den Verhaltensweisen, den Haltungen, den Mentalit&#228;ten. Diesbez&#252;glich erkennt man die spezifisch terroristische Dimension dieser Aktion, ihre Singularit&#228;t.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Von diesem Standpunkt aus betrachtet, ist der am 3. November in &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; erschienene Text von Baudrillard besonders aufschlussreich. Nat&#252;rlich muss man seine ganze psychoanalytische Problematik vergessen, die aus &#8222;der Allergie&#8220; gegen eine universelle Herrschaft etwas nicht minder Universelles macht, das einem invariablen und inh&#228;renten Trieb jedes Individuums entstammt. Der grundlegende Punkt dieses Textes liegt im Thema &#8222;der mit sich selber ringenden Globalisierung&#8220;. Dort, wo Baudrillard in die Psychoanalyse versinkt, vermischt und identifiziert er die terroristische Form mit ihren Ursachen. Die terroristische Form kommt von dem, was er sagt, &#8222;der mit sich selber ringenden Globalisierung&#8220;; doch die Ursache ist nicht in einer konzeptuellen Bewegung zwischen dem &#8222;Globalen&#8220; und dem &#8222;Einzelnen&#8220; zu finden. Hier sind wir mitten in der Tautologie. Baudrillard arbeitet sehr wohl die terroristische Besonderheit dieser Aktion heraus: Sie &#252;bersteigt die gew&#246;hnliche Problematik des Kr&#228;fteverh&#228;ltnisses, sie ist der &#8222;Heimfall&#8220; der Erscheinungen der Globalisierung und der amerikanischen Macht gegen sie selbst, sie ist ihr &#8222;getragener Schatten&#8220;; sie ist &#8222;spektakul&#228;r&#8220; in jenem Sinne, als dass die Realit&#228;t nicht die Fiktion &#252;bersteigt, sondern zu ihrem h&#246;chstem Stadium wird (die diesem Ereignis gewidmete Antwort der Marvel-Gruppe und ihrer Superhelden in ihrer Sondernummer &#8222;A Moment of Silence&#8220; ist diesbez&#252;glich sehr aussagekr&#228;ftig). Doch Baudrillard schafft es nur mithilfe hohler Formeln, das zu definieren, was er einen &#8222;Selbstmord der Globalisierung&#8220; nennt: &#8222;Es ist die Welt selbst, die gegen die Globalisierung Widerstand leistet&#8220;; &#8222;heutzutage ist sie [die einheitliche Weltordnung] virtuell an ihr Ende gekommen, ringt mit den &#252;berall im Kern des Globalen selbst diffusen antagonistischen Kr&#228;ften, in all ihren gegenw&#228;rtigen Kr&#228;mpfen. Fraktaler Krieg aller Zellen, &lt;i&gt;aller Singularit&#228;ten&lt;/i&gt; [von uns unterstrichen], die in Form von Antik&#246;rpern revoltieren&#8220;; &#8222;dieser Antagonismus ist &#252;berall, er ist innerhalb uns aller&#8220;. Die von der Globalisierung ausgel&#246;sten Br&#252;che und Antagonismen werden also zu einem &#8222;Selbstmord&#8220; der Globalisierung, was sinnlos ist. Als ob ich von der Tatsache, dass das Kapital ein prozessierender Widerspruch ist, auf einen &#8222;Selbstmord des Kapitals&#8220; schliessen w&#252;rde. Was in dieser Art von R&#228;sonnement verschwindet, ist die besondere Realit&#228;t der Pole eines Widerspruchs, die Totalit&#228;t hat alles subsumiert und zerteilt sich unendlich in jedes ihrer Elemente, sie legt sich nicht mehr besonders in widerspr&#252;chlichen Polen dar, sondern l&#246;st sich in einem reinen &#8222;Heimfall&#8220; gegen sich selbst auf. Baudrillard sieht die Singularit&#228;t der terroristischen Aktion nur, indem er ihr jeglichen &#8222;Sinn&#8220; verweigert, jegliche m&#246;gliche &#8222;Interpretation&#8220;. Ein solcher Ansatz kann uns die Singularit&#228;t der Aktion vom 11. September liefern: Eine Aktion, welche die Globalisierung nicht verl&#228;sst, sondern nur ihre Kehrseite ist, und weil sie nur ihre Kehrseite ist, hat sie ihr gegen&#252;ber keine reale Macht. Der Terrorismus ist also die Existenz dieses Machtvakuums. Er ist, das stimmt, der &#8222;Heimfall&#8220; der Globalisierung, doch er ist somit &lt;i&gt;nur das&lt;/i&gt; und genau deswegen ist er nur Terrorismus: Wille, die Regel des Spiels innerhalb des Spiels selbst zu &#228;ndern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Baudrillard glaubt an das, was er schreibt. Die Wirklichkeit ist nur noch das Prinzip der Wirklichkeit und das Prinzip ist verloren gegangen. Wie Anselm Jappe in seinem Buch &#252;ber Debord ist Baudrillard ein radikaler Anh&#228;nger der Theorie des Spektakels. Er nimmt also die Aktion des 11. Septembers als Grund f&#252;r den Beginn der Rezession in den USA f&#252;r bare M&#252;nze: &#8222;Das System verinnerlicht gewissermassen seine eigene Niederlage.&#8220; Sogar insofern, als dass die St&#228;rkung der Polizeikontrollen als Niederlage des politischen Liberalismus verstanden wird. Jeglicher amerikanischer Unternehmensf&#252;hrer oder jegliche politische Beraterin von Tony Blair sehen darin, weit pragmatischer, nur eine sich er&#246;ffnende Gelegenheit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der terroristischen Aktion verschwinden die besonderen Wirklichkeiten der Pole des Widerspruches der kapitalistischen Produktion sehr wohl, denn, wie Baudrillard schreibt: &#8222;Das &#252;bersteigt bei weitem den Hass auf die Weltmacht unter den Enterbten und den Ausgebeuteten, unter jenen, welche auf die falsche Seite der Weltordnung gefallen sind.&#8220; Dieser sehr wohl &lt;i&gt;reale&lt;/i&gt; Hass und die sehr wohl reale Opposition werden als &#8222;innerer Bruch der Globalisierung&#8220; zusammengefasst, d.h. als diesen &#252;berall seienden Antagonismus (&#8222;in jedem von uns&#8220;) zwischen der Universalit&#228;t der Globalisierung und der Singularit&#228;t jedes einzelnen und der Welt. Man k&#246;nnte sich damit begn&#252;gen, zu sagen, dass Baudrillard in den Begriffen einer Globalisierung r&#228;soniert, als ob diese in sich selbst eine gesellschaftliche Realit&#228;t sein k&#246;nnte, ohne sie als Form der Entwicklung der kapitalistischen Akkumulation zu charakterisieren. Diese Nichtbeachtung des spezifischen Objekts der terroristischen Aktion f&#252;hrt dazu, dass das Ereignis in der Analyse verschwindet. Der Terrorismus ist eben genau das Resultat der m&#246;glichen Existenz einer Kritik der Globalisierung, die sie nicht als kapitalistische Produktionsweise versteht, und die m&#246;gliche Existenz dieser Kritik ist ein Resultat der gegenw&#228;rtigen Modalit&#228;ten der Opposition gegen diese Produktionsweise, die innerhalb der Akzeptierung dieses un&#252;berwindbaren Horizonts verortet ist. Man findet hier in und durch die selbstverst&#228;ndliche Akzeptierung der kapitalistischen Produktionsweise den &#8222;Heimfall&#8220; von Baudrillard. Dieser &#8222;Heimfall&#8220; geniesst ein prosaisches Dasein im radikalen Demokratismus, ein heroisches im Terrorismus. Im einen wie dem anderen Fall wird die Globalisierung f&#252;r sich selbst gesetzt (d.h. als ihre eigene Vermittlung), als Ding an sich, Verh&#228;ltnis zwischen dem &#8222;Globalen&#8220; und dem &#8222;Einzelnen&#8220;. Es sind sehr wohl der Hass und die Opposition der Ausgebeuteten, die damit &#252;berwunden werden, denn dieser Hass und diese Opposition k&#246;nnen in der vorherrschenden Reproduktion der kapitalistischen Produktionsweise nur innerhalb derselben existieren, insofern als dass der Angriff gegen diese Welt f&#252;r jene die sie angreifen nicht ihre Infragestellung, ihre Selbsttransformation ist. Somit geht die &#8222;Unterst&#252;tzung der Strasse&#8220; nicht weiter als eine stillschweigende Unterst&#252;tzung, denn sie ist, durch das Wesen dessen selbst, was unterst&#252;tzt wird, getrennt von den wirklichen Ausbeutungssituationen. Wir kommen immer wieder zur&#252;ck auf die Dynamik und die Grenzen dieses Kampfzyklus. Der Terrorismus ist in diesem Fall die von der Globalisierung konstruierte Grenze des Hasses und der Opposition &#8222;jener, welche auf die falsche Seite gefallen sind&#8220;. Die Tatsache, dass er als &#8222;Staatsterrorismus&#8220; existiert, als Resultat einer kapitalistischen Erpressung zwischen &#8222;Staaten&#8220;, ist einer der ach so normalen Figuren des &#220;bergangs, die er annehmen kann, ohne dass er sie aussch&#246;pft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Restrukturierung/Abtrennung/Polizei&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Umgekehrt und symmetrisch dazu sind die amerikanischen Interventionen als Aktivit&#228;ten Teil der Restrukturierung als Konterrevolution im Verh&#228;ltnis zum fr&#252;heren Kampfzyklus, nicht dass Al-Qaida oder die FARC in Kolumbien revolution&#228;re Organisationen w&#228;ren, sondern als Zerst&#246;rung des gesellschaftlichen Existenzrahmens des fr&#252;heren Zyklus. Es handelt sich im wesentlichen um den nationalen Rahmen, d.h. um die Verbindung zwischen Kapitalakkumulation und Reproduktion der Arbeitskraft, welche diesen Rahmen definiert und dieser im Gegenzug nachhaltig sicherte. Die Intervention in Afghanistan hat also f&#252;r die USA keinen lokalen Sinn, man interveniert nicht aus &#8222;afghanischen&#8220;, sondern aus allgemeinen, globalen Gr&#252;nden in Afghanistan. Die Intervention in Afghanistan kann also nur als erste Etappe einer Intervention gerechtfertigt werden, welche andere Staaten (Sudan, Somalia, Jemen, Philippinen, Indonesien, Erpressungsversuche gegen&#252;ber Saudi-Arabien usw.) oder sogar einfache bewaffnete oder unbewaffnete Organisationen, welche f&#252;r den kapitalistischen freien Warenverkehr ein Risiko darstellen k&#246;nnen (IRA, FARC, Abu Sayyaf&#8230;) betreffen oder bedrohen wird. Im gegenw&#228;rtigen Rahmen der kapitalistischen Produktionsweise (hinzu kommt die Bedeutung der Region im Falle des Mittleren Ostens: die ber&#252;hmten Erd&#246;lfragen, von denen trotz allem gesprochen werden muss) kann keine Sezession toleriert werden, sie hat &#252;berhaupt keinen Sinn mehr, was nur eine andere Art und Weise zu sagen ist, dass sie nicht toleriert werden kann. Das kann nirgends toleriert werden und noch weniger in so wichtigen Regionen wie im Mittleren Osten oder in S&#252;dostasien, drittwichtigster Handelspartner der USA (2000 waren dort die amerikanischen Investitionen sechs Mal h&#246;her als in China).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Interventionsformen sind jene der Disziplin. Obwohl das Hauptresultat des Kapitals die Reproduktion der Entgegensetzung von Proletariat und Kapital ist, ist es nicht selbstverst&#228;ndlich, dass sich aus dieser Entgegensetzung ipso facto das erste Tauschmoment zwischen Kapital und Arbeit (Kauf/Verkauf der Arbeitskraft) ergibt. Vom Roten Meer bis nach Indonesien ist das Problem nicht ein vermeintliches Chagrinleder der kapitalistischen Entwicklung, sondern im Gegenteil die enorme, spezifisch kapitalistische Entwicklung, die dort in den letzten 25 Jahren stattgefunden hat. Die Situation der Arbeitskraft ist dort grundlegend die selbe wie in weiter entwickelten Gebieten: Die Arbeitskraft existiert gegen&#252;ber dem Kapital als globale gesellschaftliche Arbeitskraft. Doch w&#228;hrend sie in den entwickelten Gebieten &lt;i&gt;global&lt;/i&gt; vom Kapital gekauft und &lt;i&gt;individuell&lt;/i&gt; benutzt wird, gibt es in den neuen Peripherien keinen globalen Kauf, deshalb ist die Disziplinierung der Arbeitskraft bedeutend&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-25&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe &#8222;L&#8216;oppression comme moment de l&#8216;exploitation&#8220; in Roland Simon, (...)&#034; id=&#034;nh2-25&#034;&gt;25&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Disziplin &#8222;verwaltet&#8220; die Br&#252;che auf der Ebene des dritten Moments der Ausbeutung, sie ist in Anbetracht eines in einen &#8222;Armen&#8220; verwandelten Proletariers, in Anbetracht einer einfachen Forderung nach Reichtum, Begehrens f&#252;r oder Hass auf die USA notwendig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Aussenpolitik der USA ist von einem &#8222;neuen unilateralen hegemonischen Kurs&#8220; gepr&#228;gt, weil mit dem Afghanistan-Krieg der Kalte Krieg wirklich geendet hat. Die USA bereiten nach dem 11. September eine planetarische Antwort vor, f&#252;r welche es nur noch &lt;i&gt;inneres Chaos&lt;/i&gt; gibt. Der Golfkrieg war noch ein von zwischenstaatlichen Verh&#228;ltnissen gepr&#228;gter Krieg. Die USA verk&#252;nden nun offen, dass &#252;berall auf der Welt zur Erreichung ihrer Ziele Gewaltanwendung notwendig und legitim ist, es geht nat&#252;rlich nicht darum, sich dar&#252;ber zu emp&#246;ren, sondern zu verstehen, was neu ist an diesem Diskurs, d.h. die von ihm abgedeckte neue Realit&#228;t, die dazu f&#252;hrt, dass die amerikanische Armee nun in Kandahar oder Mogadischu &lt;i&gt;wie in Los Angeles&lt;/i&gt; interveniert. Eine neue Realit&#228;t, die dazu f&#252;hrt, dass sich die Amerikaner trotz der russischen Opposition in den Republiken Zentralasiens niederlassen, trotz den chinesischen Bef&#252;rchtungen in der muslimischen Provinz Xinjiang, die nahe amerikanische Pr&#228;senz ersch&#252;ttert die &#8222;Gruppe von Schanghai&#8220; (Russland, China, Usbekistan, Kasachstan, Kirgisien, Tadschikistan), welche zum Ziel hatte, der amerikanischen Pr&#228;senz in Zentralasien etwas entgegenzusetzen. Die amerikanische Pr&#228;senz in Kirgisien wird offen so pr&#228;sentiert, dass sie darauf ausgelegt ist, &#8222;lange Jahre&#8220; zu dauern, der St&#252;tzpunkt von Manas ist ein &#8222;Angelpunkt der Observation in Zentralasien&#8220;. Gleichzeitig wird die amerikanische Pr&#228;senz in Somalia und den St&#252;tzpunkten Omans und Bahrains gest&#228;rkt. In den Philippinen ist die Aufmerksamkeit v.a. auf die Gruppe Abu Sayyaf gerichtet, aber auch auf die kommunistische &#8222;Neue Volksarmee&#8220; (NPA) mit ihren st&#228;dtischen Kommandos, die Bedrohung Singapurs verpflichten die USA zu einer massiveren Pr&#228;senz in S&#252;dostasien, trotz dem offensichtlichen Z&#246;gern in Anbetracht einer direkten Intervention in Indonesien (das schwache Glied des &#8222;anti-terroristischen Kampfes&#8220; in der Region).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Niederschlagung der Sezession ist gleichbedeutend mit der Vereinnahmung der Kontrolle und gesellschaftlichen Reproduktion des Islamismus. Nicht nur seines Aspektes des &#8222;Wohlfahrtsstaates&#8220;, sondern auch seiner F&#228;higkeit, die kleine Warenproduktion und ihre Netzwerke zu kontrollieren, zu besteuern und ihre Produkte zu verteilen. Vom Kaspischen Meer bis nach Wladiwostok wuchert die obsz&#246;ne Lebendigkeit des Werts durch alle Produktionen und allen Handel, legal oder nicht. Um die Kosten des Krieges und der Unterst&#252;tzung f&#252;r die Mudjahedin zu tragen, haben der ISI (pakistanischer Geheimdienst) und die CIA Hunderte von Laboratorien zur Verarbeitung von Heroin installiert, die Mudjahedin hatten ihrerseits eine &#8222;Revolutionssteuer&#8220; durchgesetzt und den Bauern die Anweisung gegeben, Opium anzupflanzen. Zwar hat das Regime der Taliban den Opiumanbau ausgemerzt (vier Jahre nach ihrer Machtergreifung und wom&#246;glich, um zu wichtig gewordene Vorr&#228;te loszuwerden), doch sie begn&#252;gten sich damit, den (auf 50 Millionen Dollar pro Jahr gesch&#228;tzten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-26&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Le Monde vom 4. November 2001.&#034; id=&#034;nh2-26&#034;&gt;26&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) Opiumhandel zu besteuern, genau wie alle anderen Sektoren illegalen Handels (Waffen, wertvolle Edelsteine &#8211; etwa 75 Millionen Dollar&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-27&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe ebd.&#034; id=&#034;nh2-27&#034;&gt;27&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) und waren nicht in den h&#246;heren Schichten des Handels vertreten. In Tadschikistan sind die in die Regierung aufgenommenen islamistischen Anf&#252;hrer des B&#252;rgerkrieges zu Drogenbaronen geworden. &#8222;Die als einzige Unterst&#252;tzung des Regimes stets pr&#228;sente russische Armee spielt mit ihren Flugzeugen eine Schl&#252;sselrolle im Heroinhandel.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-28&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Le Monde vom 16. September 2001.&#034; id=&#034;nh2-28&#034;&gt;28&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die gesellschaftliche &#8222;Vereinnahmung&#8220; des Islamismus kann allerdings problematisch sein (Bildung, Frauen&#8230;). Nach der Einstellung der Unterst&#252;tzung f&#252;r die Taliban und der Disziplinierung der radikalen islamistischen Tendenzen wischt Musharraf (Pr&#228;sident Pakistans) die seit 1977 von Zia-ul-Haq ins Werk gesetzte politische Islamisierung in seiner am 12. Januar 2002 gehaltenen Rede vom Tisch (die Niederlage der Taliban ist zu diesem Zeitpunkt offensichtlich) und definiert Pakistan als &#8222;einen islamischen, fortschrittlichen und dynamischen Wohlfahrtsstaat&#8220; und, w&#228;hrend er gleichzeitig jene Gruppen angreift, &#8222;welche einen Staat im Staate geschaffen und die Macht der Regierung herausgefordert haben&#8220;, bedankt er sich bei den Madrassas f&#252;r ihre &#8222;exzellenten Massnahmen ohne staatliche Unterst&#252;tzung zum Wohle der Enterbten&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-29&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Le Monde vom 15. Januar 2002.&#034; id=&#034;nh2-29&#034;&gt;29&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Pakistan ist seit dem Beginn der 1980er Jahre ein wichtiger Lieferant der multinationalen Firmen f&#252;r billige Produkte: Textilien, medizinisches Material, Lederwaren, Teppiche f&#252;r Ikea, Konfektion f&#252;r Wal-Mart, Heimtextilien aus Baumwolle f&#252;r die Galeries Lafayette, Carrefour, Auchan, Leder f&#252;r die Schuhe von Eram, Fussb&#228;lle f&#252;r Adidas, Nike, Puma.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Terrorismus von Bin Laden ist in Wirklichkeit mit einer bedeutenden wirtschaftlichen Frage verbunden, jener der gegenw&#228;rtigen Akkumulationsweise des Kapitalismus: extensive oder intensive Phase. Die Unterscheidung dieser beiden Akkumulationsweisen ist nur teilweise mit den beiden Extraktionsweisen des Mehrwerts verbunden. Obwohl die Extraktion des Mehrwerts in ihrer relativen Weise weitgehend vorherrschend ist, ist sie nie ausschliesslich und zudem kann sie sich selbst entweder als Selbstzentrierung auf die schon am weitesten entwickelten Gebiete oder als Ausbreitung modellieren. Die enorme Pl&#252;nderung (&#8222;Planet der Slums&#8220;) ist paradoxerweise gleichbedeutend mit einer sich realisierenden Ausbreitung der intensiven Akkumulation. Die Theorie der kapitalistischen Akkumulation und der auf dem Kapital als &#8222;Chagrinleder&#8220; gegr&#252;ndeten Reproduktion der Produktionsverh&#228;ltnisse kann der Kritik nicht widerstehen. In dieser Theorie wird die Dualit&#228;t der kapitalistischen Welt (entwickelt/unterentwickelt, um es extrem zu vereinfachen) nicht als systematisch betrachtet, obwohl das Entwickelte fast immer als das &#8222;Nicht-Entwickelte&#8220; erschaffende und manchmal sogar als das es reproduzierende verstanden wird, wird es nie als es notwendigerweise f&#252;r sich selbst reproduzierend verstanden; ausserdem betrachtet diese &#8222;Theorie des Chagrinleders&#8220; das, was widerspr&#252;chlich ist in der kapitalistischen Akkumulation, als Zeichen ihres Scheiterns, und nicht gleichzeitig als Zeichen ihrer Dynamik; zu guter Letzt ist es nur eine objektivistische Theorie &#252;ber Verh&#228;ltnisse zwischen Kapitalfraktionen. Die Globalisierung ist nicht ein &#214;lfleck auf einem &lt;i&gt;gegebenen&lt;/i&gt; Raum, sondern eine Akkumulationsstruktur, eine &lt;i&gt;Konstruktion&lt;/i&gt; des Raumes wie die Geographen sagen w&#252;rden. Eben genau weil die &#8222;Pl&#252;nderung&#8220; gleichbedeutend mit einer Ausbreitung der intensiven Akkumulation ist, gibt es keine Dritte-Welt-Ideologie mehr, welche nur die Frustration eines selbstzentrierten Kapitals war, deshalb ist der Terrorismus auch deterritorialisiert, trotz des (absolut notwendigen und absolut irrealen) sezessionistischen Zieles, &lt;i&gt;er verortet sich auf der gleichen Ebene wie sein Gegner&lt;/i&gt;. Die Globalisierung bringt ihren Gegner auf der gleichen Ebene der abstrakten Universalit&#228;t hervor: das Kapital/die Religion. Der polizeiliche Aspekt des amerikanischen Interventionismus besonders und des westlichen allgemein ist kein Anzeichen der zunehmenden Zur&#252;ckgezogenheit des &#8222;Nordens&#8220; auf sich selbst. In diesem Interventionismus ist eine Beschleunigung der Globalisierung am Werk, eine Disziplinierung im Rahmen eines doppelten Abgleitens der globalen Reproduktion des kapitalistischen Produktionsverh&#228;ltnisses, von der wir zu Beginn dieses Textes sprachen: Abtrennung zwischen einem Abgleiten der Reproduktion der Verwertung und der Akkumulationsbedingungen nach &#8222;oben&#8220; und der Reproduktion der Arbeitskraft und der Bedingungen ihrer Verf&#252;gbarkeit und ihrer Mobilisierung nach &#8222;unten&#8220;. Obwohl dieser Prozess uns den Schl&#252;ssel f&#252;r die staatliche Aufl&#246;sung liefert, kann er dennoch nicht ohne eine &lt;i&gt;teilweise&lt;/i&gt; Wiederverstaatlichung gewisser Regionen weitergehen, welche seit 25 Jahren kapitalistische Entwicklung erduldet haben. Diesbez&#252;glich ist die Frage des &#8222;Chagrinleders&#8220; eines der wenigen Themen des Textes &#8222;Septembre gris&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-30&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Gilles Dauv&#233;, Karl Nesic und J-P Carrasso, &#8222;Grey September&#8220;, 2001.&#034; id=&#034;nh2-30&#034;&gt;30&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, wor&#252;ber man diskutieren kann, ein Thema, das schon im Text &#252;ber Serbien pr&#228;sent war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sind in eine merkw&#252;rdige kapitalistische Welt eingetreten, in welcher die Produktionsweise, je mehr die Reproduktionsweisen der Arbeitskraft sich von den &#8222;theoretischen Regeln&#8220; der reellen Subsumtion zu entfernen scheinen, umso mehr total und &#252;berall spezifisch kapitalistisch wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;, Nr. 18, Februar 2003.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb2-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Crise du golfe: les changements strat&#233;giques&#8220;, Fondation pour les &#233;tudes de d&#233;fense nationale, 1990, S. 62.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Alain Joxe, &lt;i&gt;Le Cycle de la dissuasion. 1945-1990&lt;/i&gt;, Paris, La D&#233;couverte, 1990.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 284 und S. 287-290.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; vom 5. Dezember 2001.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Habib Haider, &#8222;Afghanistan, agriculture d&#8216;abord&#8220; in &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Olivier Roy in &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; vom 3. April 2001.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Pierre Centlivres, &#8222;Exil, relations interethniques et identit&#233; dans la crise afghane&#8220; &lt;i&gt;in&lt;/i&gt; Olivier Roy (Hg.), &lt;i&gt;Revue du monde musulman et de la M&#233;diterran&#233;e&lt;/i&gt;, Nr. 59-60: &lt;i&gt;Des ethnies aux nations en Asie centrale&lt;/i&gt;, 1991.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Bruno Philip in &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; vom 11./12. M&#228;rz 2001.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; vom 22. Oktober 2001.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Erkl&#228;rung von Bin Laden &lt;i&gt;in&lt;/i&gt; Peter Bergen, &lt;i&gt;Holy War Inc.&lt;/i&gt;, New York, Free Press, zitiert in &lt;i&gt;Le Monde diplomatique&lt;/i&gt; vom Oktober 2001.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;, Nr. 11, Dezember 2002.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Ben Laden, la v&#233;rit&#233; interdite&#8220;, Zusammenfassung und Ausz&#252;ge in &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; vom 13. November 2001.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Gilles Kepel in &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; vom 11. Januar 1991.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., Januar 2002.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-23&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-23&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;23&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe ebd., November 2001.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-24&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-24&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-24&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;24&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Olivier Roy, &#8222;L&#8216;islam au pied de la lettre&#8220; in &lt;i&gt;Le Monde diplomatique&lt;/i&gt;, April 2002.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-25&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-25&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-25&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;25&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &#8222;L&#8216;oppression comme moment de l&#8216;exploitation&#8220; &lt;i&gt;in&lt;/i&gt; Roland Simon, &lt;i&gt;Fondements critiques d&#8216;une th&#233;orie de la r&#233;volution&lt;/i&gt;, Paris, Senonevero, 2001, S. 653 f.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-26&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-26&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-26&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;26&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; vom 4. November 2001.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-27&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-27&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-27&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;27&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-28&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-28&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-28&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;28&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; vom 16. September 2001.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-29&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-29&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-29&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;29&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; vom 15. Januar 2002.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-30&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-30&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-30&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;30&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Gilles Dauv&#233;, Karl Nesic und J-P Carrasso, &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/grey-september-gilles-dauve-karl-nesic-and-j-p-carasso&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Grey September&#8220;&lt;/a&gt;, 2001.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Mexiko: Niemand sagte, es sei friedlich</title>
		<link>https://www.kommunisierung.net/Mexiko-Niemand-sagte-es-sei</link>
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&lt;p&gt;Ad&#220;: Nachdem mehrere Frauen von Bullen vergewaltigt worden sind, kam es letzten Freitag zu heftigen Protesten. Dieser Text ist die deutsche &#220;bersetzung eines Kommuniqu&#233;s mexikanischer Genossinnen. Mangels Spanischkenntnissen ist der Text aus dem Englischen &#252;bersetzt worden, im spanischen Originaltext sind die Adjektive weiblich markiert, was im Deutschen so nicht wiedergegeben werden kann. &lt;br class='autobr' /&gt;
Der mexikanische Staat, die Medien, jene Leute, welche uns jedes Mal L&#252;gnerinnen nennen, wenn wir (...)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

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&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Stimmen-aus-den-Kampfen" rel="tag"&gt;Stimmen aus den K&#228;mpfen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Gender" rel="tag"&gt;Gender&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Mexiko" rel="tag"&gt;Mexiko&lt;/a&gt;

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 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/mexfem.png?1689297185' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='92' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Ad&#220;: Nachdem mehrere Frauen von Bullen vergewaltigt worden sind, kam es letzten Freitag zu heftigen Protesten. Dieser Text ist die deutsche &#220;bersetzung eines Kommuniqu&#233;s mexikanischer Genossinnen. Mangels Spanischkenntnissen ist der Text aus dem Englischen &#252;bersetzt worden, im spanischen Originaltext sind die Adjektive weiblich markiert, was im Deutschen so nicht wiedergegeben werden kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der mexikanische Staat, die Medien, jene Leute, welche uns jedes Mal L&#252;gnerinnen nennen, wenn wir einen sexuellen Angriff denunzieren, welche sagen, dass wir &#252;bertreiben, verk&#252;nden nun &#246;ffentlich, die Gruppenvergewaltigung einer jungen Frau durch die Polizei sei eine L&#252;ge, weil sie Angst hatte, die Anzeige weiterzuf&#252;hren, da ihr niemand eine Sicherheitsgarantie f&#252;r sie und ihre Familie geben konnte, die Skeptiker n&#246;rgeln und best&#228;tigen ihre verfaulten Haltungen einmal mehr; nun jubeln sie dar&#252;ber, dass sie Recht hatten, weil die Frau log, und beteuern galant einmal mehr, dass sie unschuldige M&#228;nner sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Leute sind zufrieden mit der Version in den von den Medien ver&#246;ffentlichten Videos, wo die angep&#246;belte Frau widerlegt wird; und es ist einfacher so, sie schwelgen im ruhigen Bewusstsein, dass sie ihren Henkern weiterhin vertrauen k&#246;nnen, es ist so viel einfacher f&#252;r sie, genau wie sie weiterhin ohne schlechtes Gewissen ein gesellschaftliches System unterst&#252;tzen k&#246;nnen, das zum x-ten Mal Gewalt gegen K&#246;rper von Frauen erm&#228;chtigt; sie k&#246;nnen friedlich herumlaufen, w&#228;hrend sie sich vorstellen, dass die Polizei ihre T&#246;chter nicht sexuell angreifen wird...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was sie vergessen, ist die Tatsache, dass es nicht das erste oder das letzte Mal ist, dass Frauen rund um den Globus &#246;ffentliche Figuren aufgrund eines sexuellen Angriffs gegen sie denunzieren; sie missbrauchten stets ihre Macht und sie werden das weiterhin tun, genau wie ein Mann, der kein Staatsfunktion&#228;r ist, sich zum Angriff im Schatten verstecken wird, verstecken sich diese &#246;ffentliche Figuren hinter ihren Titeln als Polizist, Milit&#228;rangeh&#246;riger oder Politiker.&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_84 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/png/10000201000002bc000001af73ea32540d8c574f.png?1689296656' width='500' height='307' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;&lt;br class='manualbr' /&gt;Von Frauen zerst&#246;rter Bullenwagen in Puebla, Mexiko.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;16. August 2019: Proteste gegen geschlechtsspezifische Gewalt im mexikanischen Territorium&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_85 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;a href='https://www.kommunisierung.net/IMG/png/10000201000002bc0000041a84588fd4d70dd224.png' class=&#034;spip_doc_lien mediabox&#034; type=&#034;image/png&#034;&gt; &lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/png/10000201000002bc0000041a84588fd4d70dd224.png?1689296656' width='500' height='750' alt='' /&gt;&lt;/a&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;&lt;br class='manualbr' /&gt;Eine entschlossene Frau.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit dem Beginn der Abendd&#228;mmerung kann alles unter Musterbeispielen guten Verhaltens, guter Staatsb&#252;rgerschaft abgebucht werden, anst&#228;ndig, Parolen rufend, Forderungen stellend, schon fast flehend, um geh&#246;rt zu werden&#8230;, dass wir es nicht geniessen, in einem allt&#228;glichen Leben zu &#252;berleben, das gepr&#228;gt ist von der Angst, entf&#252;hrt, zu Tode gefoltert, ermordet zu werden; oder uns vorzustellen, wie unsere M&#252;tter unsere verwesten K&#246;rper ansehen m&#252;ssen oder uns &#252;berhaupt nie mehr finden&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sp&#228;ter wurden die W&#228;nde bemalt, Darbietungen mit Feuer, Bewegung, immer lautere Schreie, das erste Glas wird zerbrochen, Schreie der Empathie ufern aus, improvisierte Werkzeuge und mehr Glas f&#228;llt. Wir schreien mit Wut, mit Freude, mit Traurigkeit&#8230; Ja, wir waren es, und ja, wir w&#252;rden es tausend Male wieder tun, ja, wir verjagten die M&#228;nner aus unseren Versammlungen, aus unserem Raum der Aktion. Sie hatten dort nichts verloren, sie waren nicht eingeladen. Sie waren als Freunde oder Verb&#252;ndete nicht willkommen.&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_86 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/png/10000201000002bc000001d3636e1d8861db7851.png?1689296657' width='500' height='333' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;&lt;br class='manualbr' /&gt;Die Leidenschaft f&#252;r die Zerst&#246;rung ist auch eine kreative Leidenschaft.&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_87 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/png/10000201000002bc000001d38cb4c6eaf38148f8.png?1689296657' width='500' height='333' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div class='spip_document_88 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/png/10000201000002bc000003a5a966abaa2db64ee4.png?1689296657' width='500' height='667' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div class='spip_document_89 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='https://www.kommunisierung.net/local/cache-vignettes/L456xH342/10000201000002bc0000020d375759128c33ae56-338cc.png?1689297355' width='456' height='342' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Die Nacht besch&#252;tzte uns und wir f&#252;rchteten uns nicht vor der Polizei oder den dunklen Strassen, wir waren eine Flut des Unbekannten, zusammen, stark, wild und desorganisiert, krank vor Wut und Frustration. Wir bemalten alles auf unserem Weg, wir zerst&#246;rten jedes Symbol der f&#252;r unseren t&#228;glichen &#196;rger verantwortlichen Autorit&#228;ten. Wir brannten nieder, was wir niederbrennen konnten.&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_90 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='https://www.kommunisierung.net/local/cache-vignettes/L424xH318/10000201000001bd0000014e6ef709e60b663699-aa3a0.png?1689297355' width='424' height='318' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div class='spip_document_91 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='https://www.kommunisierung.net/local/cache-vignettes/L222xH148/10000201000000f7000000a511c5d20dcad01885-eccaf.png?1689297355' width='222' height='148' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div class='spip_document_92 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='https://www.kommunisierung.net/local/cache-vignettes/L223xH148/10000201000000f7000000a5a28ea49339aa5ed7-eb333.png?1689297355' width='223' height='148' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Sie fragen uns, wieso wir verr&#252;ckt sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend andere uns folgendermassen bezeichnen: Schlampen, gest&#246;rt, hysterisch, Nutten, schamlos. Sie machen sich &#252;ber uns lustig, sie verh&#246;hnen uns, sie beauftragen andere, uns zu ermorden, uns sexuell anzugreifen, uns einzusperren; sie sagen, wir w&#252;ssten nicht, wie man protestiert; sie sagen uns, wir sollen die W&#228;nde, die Scheiben, die Monumente verschonen; sie fragen, wer die Stadt wieder sauber machen wird, sie sagen, wir seien eine Bande l&#228;stiger Puppen, dass die Bewegung wegen uns vom Weg abkommt, wir seien Eindringlinge, Provokateurinnen, Faschistinnen, Agentinnen der Yankees, &lt;i&gt;porras&lt;/i&gt;&lt;i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ein Begriff ohne deutsche Entsprechung. Porros sind rechte Strassengangs, (...)&#034; id=&#034;nh3-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/i&gt; der Linken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich bin mit diesem K&#246;rper geboren worden, der mich quer durch die Geschichte und L&#228;nder hindurch als etwas markiert, das sie Frau nennen, und sie haben mich erschaffen, um unterw&#252;rfig zu sein, niedergetrampelt und angegriffen zu werden, eine Mutter und Versorgerin zu sein, auf andere zu warten, alles zu akzeptieren, still zu sein, um dem Diener des Bosses und auch dem Boss zu dienen und deshalb waren wir alle da, deshalb lassen wir nicht eine einzige zur&#252;ck und zelebrieren die Handlungen von uns allen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Niemand rief zu einem friedlichen Marsch auf, keine von uns kam im Namen einer anderen, wir wollen weder irgendwen repr&#228;sentieren, noch von irgendwem repr&#228;sentiert werden, wir bitten den Henker nicht nach Gerechtigkeit, wir bitten weder den Verr&#228;ter Sheinbaum&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Der amtierende B&#252;rgermeister von Mexiko-Stadt.&#034; id=&#034;nh3-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, noch den Sitz des Pr&#228;sidenten um irgendwelchen Schrott; was gestern [16. August 2019] geschah, war eine Explosion der Wut; wir wissen, dass [die Beh&#246;rden] keinen Finger r&#252;hren werden, um f&#252;r unsere Sicherheit zu garantieren oder unsere Angreifer zu bestrafen. Es werden auf dieser Welt weiterhin Frauen umgebracht werden, schlicht und einfach, weil sie Frauen sind; sie werden uns weiterhin die Schuld geben; sie werden uns weiterhin L&#252;gnerinnen nennen; Betr&#252;ger familienorientierter Ideologien werden kommen und uns sagen, wir seien keine richtigen Feministinnen oder Anarchistinnen; dass wir nicht wissen, wie Politik gemacht werden muss; und die M&#252;tter der Get&#246;teten und Verschwundenen werden mit ihrem Schmerz weiterleben; sie werden weiterhin ihre T&#246;chter in Massengr&#228;bern suchen; es werden neue Ermittlungsorganisationen entstehen; die Kinder der ermordeten M&#252;tter werden immer noch da sein; sie werden aufwachsen, nur um festzustellen, dass es der Menschheit scheissegal ist, was ihren M&#252;ttern zugestossen ist...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die gestrigen Ereignisse erlaubten uns, uns gegenseitig mit komplizenhaften Blicken anzuschauen und zu erkennen, mit in Glitzer geh&#252;llten K&#246;rpern, nackten und vibrierenden K&#246;rpern, uns zu zeigen, dass wir nicht alleine sind&#8230; Und wir wollen uns nicht weiterhin verstecken und ein gesellschaftliches System des Todes aufrechterhalten, weder als Frauen, noch als menschliche Wesen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich erkannte mich selbst in den Blicken anderer, ich nahm ihre Hand, dann umarmten wir uns aufrichtig, eine Umarmung zwischen Frauen, eine Umarmung zwischen Genossinnen, nachdem wir einige Scheiben zerschlagen und neugierige M&#228;nner und Polizisten verjagt haben, lief jede von uns nach Hause mit einer letzten Botschaft f&#252;r den Abend, wof&#252;r es sich lohnt, zu k&#228;mpfen: um sicher nach Hause zu kommen und sich ausruhen zu k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nur eine weitere Anekdote.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Antidemokratische Proletarierinnen&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://antagonismorp.wordpress.com/2019/08/17/mexico-nadie-dijo-que-era-pacifica/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Spanische Originalversion&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://autonomies.org/2019/08/we-burned-what-we-could-anti-police-revolt-in-mexico-city/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Englische &#220;bersetzung&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Englischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb3-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ein Begriff ohne deutsche Entsprechung. &lt;i&gt;Porros&lt;/i&gt; sind rechte Strassengangs, die h&#228;ufig vom mexikanischen Staat gegen linke Gruppen eingesetzt werden.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Der amtierende B&#252;rgermeister von Mexiko-Stadt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Doc Sportello - Einleitung zu den drei B&#228;nden zur Kommunisierung</title>
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&lt;p&gt;Die Kommunisierung beschreibt eine kommunistische Revolution ohne &#220;bergangsphase, eine Revolution nicht &#8222;f&#252;r den Kommunismus, sondern durch den Kommunismus&#8220;. Durch die Ergreifung kommunistischer Massnahmen wird gleichzeitig der kapitalistische Feind geschw&#228;cht und die post-revolution&#228;re Welt skizziert. Aufgekommen ist der Begriff in den intensiven theoretischen Debatten in den linkskommunistischen Milieus Frankreichs nach dem Mai 1968. Der Begriff wird in der Regel Gilles Dauv&#233; (...)&lt;/p&gt;


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 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/kommunisierung_vol1_cover.jpg?1689535433' class='spip_logo spip_logo_right' width='90' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Die Kommunisierung beschreibt eine kommunistische Revolution ohne &#220;bergangsphase, eine Revolution nicht &#8222;f&#252;r den Kommunismus, sondern durch den Kommunismus&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Th&#233;orie communiste, &#8222;Kommunisierung im Pr&#228;sens&#8220;.&#034; id=&#034;nh4-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Durch die Ergreifung kommunistischer Massnahmen wird gleichzeitig der kapitalistische Feind geschw&#228;cht und die post-revolution&#228;re Welt skizziert. Aufgekommen ist der Begriff in den intensiven theoretischen Debatten in den linkskommunistischen Milieus Frankreichs nach dem Mai 1968. Der Begriff wird in der Regel Gilles Dauv&#233; zugeschrieben, der ihn als erster in der Zeitschrift &lt;i&gt;Le Mouvement Communiste&lt;/i&gt; gebraucht haben soll&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Gilles Dauv&#233;, &#8222;R&#233;volutionnaire? (notes sur la subversion)&#8220; in: Le (...)&#034; id=&#034;nh4-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. &lt;br class='autobr' /&gt;
In Zusammenarbeit mit anderen Linkskommunisten wie Fran&#231;ois Martin und Karl Nesic versuchte Dauv&#233;, verschiedene linkskommunistische Str&#246;mungen zusammenzubringen, zu kritisieren und weiterzuentwickeln, z.B. die italienische Bewegung, die mit Amadeo Bordiga in Verbindung gebracht wurde, die Zeitschrift &lt;i&gt;Invariance&lt;/i&gt; von Jacques Camatte, den deutsch-holl&#228;ndischen R&#228;tekommunismus und franz&#246;sische Str&#246;mungen wie &lt;i&gt;Socialisme ou Barbarie&lt;/i&gt; und die Situationistische Internationale. &lt;br class='autobr' /&gt;
Diese theoretischen Entwicklungen h&#228;ngen stark mit der erstmaligen &#220;bersetzung zentraler Marxscher Texte zusammen. Die &lt;i&gt;Grundrisse der politischen &#214;konomie&lt;/i&gt; erschienen zum ersten Mal 1967-1968 auf Franz&#246;sisch und hatten einen betr&#228;chtlichen Einfluss auf die Debatten im linkskommunistischen Milieu Frankreichs. Auch der Entwurf des Kapitels 6 des &lt;i&gt;Kapitals&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Resultate des unmittelbaren Produktionsprozesses&lt;/i&gt;, erschien 1968 zum ersten Mal auf Franz&#246;sisch in der Gesamtausgabe der Pl&#233;iade, herausgegeben von Maximilien Rubel und Louis Janover.&lt;br class='autobr' /&gt;
Neben dem Milieu um Gilles Dauv&#233; ist die Zeitschrift &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt; eine weitere theoretische Quelle der Kommunisierung. Die Gruppe konstituierte sich 1975 und die erste Nummer von &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt; erschien 1977. Einige Mitglieder gaben 1972 und 1973 die Zeitschrift &lt;i&gt;Intervention communiste&lt;/i&gt; heraus und waren zuvor an der Zeitschrift &lt;i&gt;Cahiers du Communisme de Conseil&lt;/i&gt; beteiligt. Diese war verbunden mit der &lt;i&gt;Information Correspondance Ouvri&#232;res&lt;/i&gt;, aus welcher nach 1973 &lt;i&gt;&#201;changes et mouvement&lt;/i&gt; entstand.&lt;br class='autobr' /&gt;
Im Gegensatz zu Dauv&#233;s Ansatz war f&#252;r Th&#233;orie communiste die Kommunisierung nicht schon immer m&#246;glich, sondern wurde erst durch die &#8222;Restrukturierung&#8220; des Kapitalismus in den 1970er Jahren m&#246;glich gemacht&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Th&#233;orie communiste, op. cit.&#034; id=&#034;nh4-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Diese &#8222;Restrukturierung&#8220; ist f&#252;r Th&#233;orie communiste das Ende eines Kampfzyklus und beginnt &lt;i&gt;grosso modo&lt;/i&gt; nach der &#214;lkrise 1973. Dieser neue Zyklus ist gleichbedeutend mit dem Beginn der zweiten Phase der reellen Subsumtion und v.a. dem Ende der Arbeiterbewegung: &#8222;Diese Arbeiteridentit&#228;t, wie auch immer die sozialen und politischen Formen ihrer Existenz sein m&#246;gen (von den kommunistischen Parteien bis zur Autonomie; vom sozialistischen Staat bis zur den Arbeiterr&#228;ten), gr&#252;ndete in ihrer Totalit&#228;t auf dem Widerspruch, der sich in dieser Phase der reellen Subsumtion der Arbeit unter das Kapital entwickelte, zwischen, einerseits, der Schaffung und Entwicklung einer Arbeitskraft, die vom Kapital auf eine immer kollektivere und sozialere Art und Weise bewerkstelligt wurde, und, andererseits, den Formen der Aneignung dieser Arbeitskraft durch das Kapital im unmittelbaren Produktions- und im Reproduktionsprozess. Das ist die konflikgeladene Situation, die sich in diesem Kampfzyklus als Arbeiteridentit&#228;t entwickelte, die ihre Pr&#228;gungen und ihre unmittelbaren Auffassungsmodalit&#228;ten in der &#8222;grossen Fabrik&#8220; fand; in der Dichotomie zwischen Anstellung und Arbeitslosigkeit, Arbeit und Ausbildung; in der Unterwerfung des Arbeitsprozesses unter das Sammeln der Arbeiter; im Verh&#228;ltnis zwischen L&#246;hnen, Wachstum und Produktivit&#228;t innerhalb eines nationalen Territoriums; in den institutionellen Repr&#228;sentationen, welche all dies implizierte, sowohl in der Fabrik als auch auf Staatsebene; in der Abriegelung der Akkumulation innerhalb eines nationalen Territoriums.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh4-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;br class='autobr' /&gt;
Dieser neue Zyklus des Kapitalismus ist die materielle Grundlage f&#252;r jenen wirtschaftspolitischen Ansatz, welche Linke gemeinhin als Neoliberalismus bezeichnen. Doch im Gegensatz zur idealistischen Idee, dass das Aufkommen dieser Ideologie dem Keynesianismus den Gnadenstoss versetzt hat, ist es eher so, dass diese Ideologie eben genau das reale Scheitern des Keynesianismus zur Grundlage hat. Diese Restrukturierung hatte betr&#228;chtliche Konsequenzen f&#252;r die Modalit&#228;ten der kapitalistischen Ausbeutung: &#8222;Die Restrukturierung als Niederlage, Ende der 1960er Jahre und w&#228;hrend den 1970er Jahren, dieses auf die Arbeiteridentit&#228;t gegr&#252;ndeten Kampfzyklus hatte als Inhalt die Zerst&#246;rung all dessen, was zu einem Hindernis der Fluidit&#228;t der Selbstvoraussetzung des Kapitals geworden war. Man fand einerseits alle Trennungen, Absicherungen, Vorschriften, welche der Wertminderung der Arbeitskraft entgegen standen, da sie verhinderten, dass die gesamte Arbeiterklasse, weltweit, in der Kontinuit&#228;t ihrer Existenz, ihrer Reproduktion und ihrer Vergr&#246;sserung, sich als solche dem gesamten Kapital stellen musste. Man fand andererseits alle Zw&#228;nge des Kreislaufs, des Umschlags, der Akkumulation, welche die Umwandlung der &#220;berproduktion in Mehrwert und zus&#228;tzliches Kapital verhinderten. Jegliche &#220;berproduktion muss &#252;berall ihren Markt, jeglicher Mehrwert &#252;berall seine M&#246;glichkeit, als zus&#228;tzliches Kapital zu operieren, d.h. die M&#246;glichkeit, sich in Produktionsmittel und Arbeitskraft umzuwandeln, finden k&#246;nnen, ohne dass eine Formalisierung des internationalen Zyklus (Ostblock, Peripherie) diese Umwandlung &#252;berbestimmt. Das Finanzkapital war der leitende Architekt dieser Restrukturierung. Mit der in den 1980er Jahren vollendeten Restrukturierung fallen die Mehrwertproduktion und die Reproduktion der Produktionsbedingungen desselben zusammen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh4-5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Detailliertere Ausf&#252;hrungen zu Th&#233;orie communiste und dem Milieu um Gilles Dauv&#233; findet man in den beiden Texten &lt;a href=&#034;https://www.kommunisierung.net/Bringt-eure-Toten-raus&#034;&gt;&#8222;Bringt eure Toten raus&#8220;&lt;/a&gt; und &lt;a href=&#034;https://www.kommunisierung.net/Theorie-communiste-und-Troploin&#034;&gt;&#8222;Th&#233;orie communiste und Troploin&#8220;&lt;/a&gt; in diesem Band.&lt;br class='autobr' /&gt;
Begleitet wurde dieser epochale Wandel von einem &#8222;Bruch in der Theorie der Revolution&#8220;, wie es im Titel eines 2003 ver&#246;ffentlichten Buches von den &#201;ditions Senonevero, dem Verlag von Th&#233;orie communiste, formuliert wurde&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Fran&#231;ois Danel (Hg.), Rupture dans la th&#233;orie de la r&#233;volution, Marseille, (...)&#034; id=&#034;nh4-6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der zentrale Widerspruch der Situationistischen Internationalen ist Ausdruck dieses Wandels: &#8222;Die Arbeiterr&#228;te bewahren die Abschaffung der Arbeit vor der Gefahr, keine Handlung der Klasse mehr und die Abschaffung der Arbeit bewahrt die Arbeiterr&#228;te davor, nur eine Affirmation dieser Klasse zu sein. Die situationistische Theorie kann die Negation nur als Affirmation von etwas anderem hervorbringen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Roland Simon, Histoire critique de l'ultragauche. Trajectoire d'une balle (...)&#034; id=&#034;nh4-7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Die Texte &lt;a href=&#034;https://www.kommunisierung.net/Der-Aktivismus-als-hochstes&#034;&gt;&#8222;Der Aktivismus als h&#246;chstes Stadium der Entfremdung&#8220;&lt;/a&gt; und &lt;a href=&#034;https://www.kommunisierung.net/Nieder-mit-dem-Proletariat-es-lebe&#034;&gt;&#8222;Nieder mit dem Proletariat&#8220;&lt;/a&gt; in diesem Band sind Ausdr&#252;cke dieses &#8222;Bruchs in der Theorie der Revolution&#8220;.&lt;br class='autobr' /&gt;
Im Jahr 2004 wurde die Zeitschrift &lt;i&gt;Meeting&lt;/i&gt; lanciert. Diese &#8222;internationale Zeitschrift zur Kommunisierung&#8220; (in Tat und Wahrheit war es eher eine &#8222;franz&#246;sische Zeitschrift zur Kommunisierung&#8220;) brachte Th&#233;orie communiste und verschiedene Einzelpersonen haupts&#228;chlich aus Paris zusammen. Auch Gilles Dauv&#233; und Karl Nesic hatten eine Einladung erhalten, an diesem Projekt teilzunehmen, sie haben diese jedoch aufgrund ihrer Meinungsverschiedenheiten mit Th&#233;orie communiste abgelehnt: &#8222;Falls wir (gem&#228;ss TC) in einen idealistischen Humanismus abgleiten oder falls TC (gem&#228;ss uns) in einen deterministischen Strukturalismus abgleitet, verhindert das jegliche gemeinsame theoretische Arbeit und macht sogar jegliche Diskussion schwierig. Wir k&#246;nnen nur debattieren, wenn wir uns im wesentlichen einig sind, wenn wir uns einig sind bez&#252;glich der zu stellenden Fragen und diese einfach anders beantworten.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Gilles Dauv&#233; und Karl Nesic, &#8222;Communisation: un Appel et une Invite&#8220;, 2004.&#034; id=&#034;nh4-8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;br class='autobr' /&gt;
Der Text eines anderen Milieus aus Paris w&#228;re hingegen fast in &lt;i&gt;Meeting&lt;/i&gt; ver&#246;ffentlicht worden, es war damals als &#8222;les tiqquniens&#8220; (&#8222;die Tiqqunianer&#8220;) bekannt. Diese Bezeichnung leitet sich vom Namen der Zeitschrift &lt;i&gt;Tiqqun&lt;/i&gt; ab, von welcher zwischen 1999 und 2001 zwei Nummern erschienen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Mehrere Texte dieser Zeitschrift sind auf Deutsch ver&#246;ffentlicht worden: (...)&#034; id=&#034;nh4-9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. 2005 wurde der Text &#8222;Appel&#8220; (&#8222;Aufruf&#8220;) zur Ver&#246;ffentlichung in &lt;i&gt;Meeting&lt;/i&gt; Nr. 2 vorgeschlagen. In diesem Text wird die Kommunisierung folgendermassen konzipiert: &#8222;So wie wir es verstehen, kann der Prozess der Einf&#252;hrung des Kommunismus' nur die Form eines Gef&#252;ges von Akten der &lt;i&gt;Kommunisierung&lt;/i&gt; annehmen; durch das Teilen dieses und jenes Raumes, dieser und jener Ger&#228;te, dieses und jenes Wissens. Das hei&#223;t die Ausarbeitung der Formen des Teilens, die mit ihnen verkn&#252;pft sind. Der Aufstand an sich ist nur ein Beschleuniger, ein entscheidender Moment in diesem Prozess.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Aufruf, S. 66.&#034; id=&#034;nh4-10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;br class='autobr' /&gt;
Die Ver&#246;ffentlichung dieses Texts in &lt;i&gt;Meeting&lt;/i&gt; wurde abgelehnt, stattdessen wurden zwei Texte ver&#246;ffentlicht, welche diesen kritisieren, &#8222;Un autre emploi de l'argent&#8220; (&#8222;Ein anderer Gebrauch des Geldes&#8220;) und &#8222;R&#233;flexions autour de 'l'Appel'&#8220; (&#8222;&#220;berlegungen zum 'Aufruf'&#8220;). Diese Texte kritisieren die Konzeption des Kommunismus als einfaches Teilen und die Abwesenheit jeglicher Klassenanalyse. Der zentrale Kritikpunkt ist jedoch die Idee, der Kommunismus w&#228;re bereits innerhalb des Kapitalismus m&#246;glich: &#8222;Wenn man keine Vorbedingung f&#252;r den Kommunismus im Sinne von &#220;bergangsphase, Vergesellschaftung der Produktionsmittel, der T&#228;tigkeiten usw. voraussetzt, ist es offensichtlich, dass man meinen k&#246;nnte, die kommunisierende T&#228;tigkeit sei hier und jetzt m&#246;glich, in den gegenw&#228;rtigen Bedingungen der durch das Geld, das Privateigentum, die Zirkulationsweise der G&#252;ter, Reicht&#252;mer, Wissen usw. vermittelten Beziehungen, anders gesagt, in den wirtschaftlichen und politischen Bedingungen dieser Gesellschaft. Unter diesen Bedingungen ist das Niveau der Kommunisierung gleichbedeutend mit der Kaufkraft einer mehr oder weniger homogenen gegebenen gesellschaftlichen Gruppe. Vom immediatistischen Standpunkt aus k&#246;nnte man meinen, die Erschaffung von Netzwerken der Kooperation, in Form von Orten, Gemeinschaften, &#8222;kommunisierten Bauernh&#246;fen&#8220; sei schon das Erleben und die Praxis des Kommunismus. Doch diese Praxis entspricht dem historischen Kontext der westlichen Demokratie. Und h&#228;ngt im wesentlichen vom Regime der Warenfreiheit ab: Wer bezahlen kann, kann w&#228;hlen. Wenn die Kommunisierung die Verwandlung, die allgemeine Verbreitung, die hegemonial werdende Ausbreitung einer neuen Art der gesellschaftlichen Beziehung ist, welche das Kapital beseitigt (d.h. die Klassen, die Ausbeutung usw.), so sind die im Territorium der kapitalistischen Totalit&#228;t zerstreuten Praktiken der Zusammenlegung wie genauso viele virale Phasen des &#220;bergangs des gesamten gesellschaftlichen &#8222;Organismus&#8220; des Kapitals hin zur Kommunisierung. Doch w&#228;hrend man auf diese Verallgemeinerung wartet, sind es die kapitalistischen Zugangsbedingungen, welche die Zusammenlegung bestimmen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Eine andere Nutzung des Geldes&#8220; in: Meeting, Nr. 2, 2005.&#034; id=&#034;nh4-11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;br class='autobr' /&gt;
Daraufhin verliessen die Tiqqunianer (die in der Folge eher Appellisten genannt werden) Paris, um ihre Konzeption der Kommunisierung in Tarnac und den umliegenden Gemeinden zu verwirklichen. Im Gegensatz zu ihren Kritikern, welche bis 2008 noch zwei weitere Nummern von &lt;i&gt;Meeting&lt;/i&gt; herausgaben, bevor das Projekt eingestellt wurde, wurden sie dank der Aff&#228;re von Tarnac 2008 und der Ver&#246;ffentlichung des Buches &lt;i&gt;Der kommende Aufstand&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Unsichtbares Komitee, Der kommende Aufstand, Hamburg, Edition Nautilus, 2010.&#034; id=&#034;nh4-12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; weltweit bekannt. Die deutschsprachige &#214;ffentlichkeit kann jedoch an dieser Stelle beruhigt werden: Es handelt sich weder um Nazis&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Johannes Thumfart, &#8222;Links ist das nicht!&#8220; in: Jungle World, Nr. 47, (...)&#034; id=&#034;nh4-13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, noch um das &#8222;wichtigste linke Theoriebuch unserer Zeit&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Nils Minkmar, &#8222;Seid faul und militant!&#8220; in: Frankfurter Allgemeine (...)&#034; id=&#034;nh4-14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; oder den &#8222;radikalste[n] und problematischste[n] Ausdruck eines neuen gesellschaftlichen Unbehagens&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Der kommende Aufstand&#8220; in: Der Spiegel, Nr. 47, 22. November 2010.&#034; id=&#034;nh4-15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, sondern schlicht um ein postmodernes Pamphlet einiger Pariser Autonomer, welche ins franz&#246;sische Hinterland umzogen, um ein bisschen Kommunismus zu spielen, und dabei vermutlich aufgrund der dilettantischen Arbeit eines britischen Spions ins Visier des Antiterrorgesetzes gerieten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe &#8222;Spitzel-Aff&#228;re um Mark Kennedy erreicht Frankreich&#8220;&#034; id=&#034;nh4-16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;br class='autobr' /&gt;
Doch auch die Arbeit von Th&#233;orie communiste inspirierte Projekte ausserhalb Frankreichs, obwohl ihnen eine Erw&#228;hnung in den Feuilletons der b&#252;rgerlichen Zeitungen nicht verg&#246;nnt war. In Schweden entstand 2002 die Zeitschrift &lt;a href=&#034;https://www.riff-raff.se/en/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;riff-raff&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; und in Griechenland 2006 &lt;a href=&#034;https://www.blaumachen.gr/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Blaumachen&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;. In England spalteten sich die Beteiligten der Zeitschrift &lt;i&gt;Aufheben&lt;/i&gt; 2005 nach einer gemeinsamen Lekt&#252;re einiger Texte von Th&#233;orie communiste ab und aus dieser Spaltung entstand die Zeitschrift &lt;a href=&#034;https://endnotes.org.uk/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Endnotes&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;. Ausserdem entstand in Italien das Kollektiv &lt;a href=&#034;https://illatocattivo.blogspot.ch/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Il lato cattivo&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; und in Tschechien &lt;a href=&#034;https://pratelekomunizace.wordpress.com/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;P&#345;&#225;tel&#233; komunizace&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, welche v.a. Texte &#252;bersetzen, aber manchmal auch selber Texte verfassen. Aus der Begegnung dieser Kollektive entstand die &#8211; dieses Mal wirklich internationale &#8211; Zeitschrift &lt;a href=&#034;https://www.sicjournal.org/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Sic&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;.&lt;br class='autobr' /&gt;
Die erste Nummer von &lt;i&gt;Sic&lt;/i&gt; erschien im November 2011 und die zweite im Februar 2014. Allerdings hat Th&#233;orie communiste in der Zwischenzeit (im August 2013) das Projekt verlassen. Diese Entwicklung hat einerseits theoretische, andererseits konkrete Gr&#252;nde. Der konkrete Anlass, welcher zur Spaltung f&#252;hrte, war eine Reihe von sexistischen Beleidigungen eines Beteiligten von &lt;i&gt;Sic&lt;/i&gt; gegen&#252;ber einer Beteiligten am Treffen in Campestre im Sommer 2013&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Th&#233;orie communiste, &#8222;Das Spiel ist aus&#8220;.&#034; id=&#034;nh4-17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der theoretische Grund hingegen ist die Einf&#252;hrung eines Genderwiderspruchs von Th&#233;orie communiste seit der 2012 ver&#246;ffentlichten Nr. 24. In dieser theoretischen Entwicklung kommt Th&#233;orie communiste zum Schluss, dass der Klassenwiderspruch nicht gen&#252;gt, um die kapitalistische Gesellschaft zu definieren. Viel mehr generiert das Kapital als prozessierender Widerspruch zwei Widerspr&#252;che, den Klassen- und den Genderwiderspruch: &#8222;Der Widerspruch zwischen den M&#228;nnern und den Frauen ist die Genderunterscheidung, so wie er existiert und sich abspielt, er erlaubt uns, von der Notwendigkeit seiner Aufhebung und der Notwendigkeit der Aufhebung aller Vermittlungen f&#252;r den &#8222;Erfolg&#8220; der Kommunisierung zu sprechen. Wir analysieren die Genderunterscheidung vom Standpunkt ihrer Aufhebung aus, weil wir von ihrer konkreten, aktuellen Existenz ausgehen. Die diesem Widerspruch eigene Dynamik l&#228;sst ihn als Besonderheit der Totalit&#228;t existieren, welche das Kapital als prozessierender Widerspruch ist. Die Frauen wollen nicht bleiben, was sie sind, wie es Marx bez&#252;glich der Proletarier in der &lt;i&gt;Deutschen Ideologie&lt;/i&gt; formulierte. Sie wollen nicht bleiben, was sie sind, weil ihre eigene Situation ein Widerspruch in der kapitalistischen Produktionsweise und durch sie ist: die Arbeit als Problem (der &#8222;auftauchende Widerspruch&#8220;, die Bev&#246;lkerung als prinzipielle Produktivkraft im Kapitalismus ist nicht mehr selbstverst&#228;ndlich, die nat&#252;rliche Unterscheidung wird durch die Kontingenz untergraben). Doch die Arbeit als Problem nimmt nicht die Form vom Frauenkampf an, die Arbeit als Problem ist gleichbedeutend mit dem Kampf der Frauen gegen ihre eigene Definition als solche.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Th&#233;orie communiste, &#8222;Einige kritische Anmerkungen zu 'Gender und Klassen. (...)&#034; id=&#034;nh4-18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;br class='autobr' /&gt;
Diese theoretische Entwicklung f&#252;hrte unter den Beteiligten von &lt;i&gt;Sic&lt;/i&gt; einerseits zu einer intensiven Diskussion der Genderfrage, andererseits zu einer Hinterfragung des hegelianischen Begriffs des &#8222;Widerspruchs&#8220;. F&#252;r &lt;i&gt;Endnotes&lt;/i&gt; ist es sowohl sinnlos von Klassen- als auch von Genderwiderspruch zu sprechen: &#8222;F&#252;r uns hat ein Widerspruch zwischen Arbeitern und Kapital genauso wenig Sinn wie einer zwischen M&#228;nnern und Frauen. Eigentlich ist der einzige &#8222;Widerspruch zwischen&#8220; jener, mit welchem Marx die erste Ausgabe des &lt;i&gt;Kapitals&lt;/i&gt; beginnt, n&#228;mlich der Widerspruch zwischen Gebrauchs- und Tauschwert&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Der Begriff des &#8222;Klassenwiderspruchs&#8220; ist grunds&#228;tzlich mit der (...)&#034; id=&#034;nh4-19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Letztendlich sind kapitalistische gesellschaftliche Beziehungen widerspr&#252;chlich, weil sie auf dem Tausch &#228;quivalenter Werte beruhen &#8211; gemessen durch die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit zu ihrer Produktion &#8211; und gleichzeitig untergraben sie diese Grundlage, weil sie dazu tendieren, menschliche Arbeitskraft vom Produktionsprozess zu verdr&#228;ngen (das dr&#252;ckt sich paradoxerweise als Arbeits&#252;berlastung f&#252;r die einen und komplette oder partielle Arbeitslosigkeit f&#252;r andere aus). Die Wirtschaft ist also eine gesellschaftliche T&#228;tigkeit, welche auf einem &lt;i&gt;logischen&lt;/i&gt; Widerspruch basiert, dieser breitet sich in der Zeit als Unfreiheit aus, als praktische Unm&#246;glichkeit f&#252;r die menschlichen Wesen, zu sein, was sie sein m&#252;ssen: 'Mit der durch sie selbst produzierten Akkumulation des Kapitals produziert die Arbeiterbev&#246;lkerung also in wachsendem Umfang die Mittel ihrer eignen relativen &#220;berz&#228;hligmachung.'&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Marx, Kapital, Bd. 1, MEW Bd. 23, S. 659. Zum logischen Charakter des (...)&#034; id=&#034;nh4-20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Dieser Widerspruch verursacht etliche Antagonismen innerhalb kapitalistischer Gesellschaften, der Klassenantagonismus ist einer davon. Andere existieren: Ethnie, Gender, Sexualit&#228;t, Nation, Handel oder F&#228;higkeiten, religi&#246;ser Glaube, Status Immigrant usw. Es w&#228;re unm&#246;glich, alle Antagonismen der kapitalistischen Gesellschaft zu denken, wenn Antagonismus und Widerspruch nicht klar abgegrenzt w&#252;rden (sonst w&#228;re es notwendig, sich f&#252;r jeden Antagonismus einen anderen Widerspruch einfallen zu lassen).&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Vorwort Endnotes 3&#8220;.&#034; id=&#034;nh4-21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;br class='autobr' /&gt;
Auch das Vorwort der zweiten Nummer von &lt;i&gt;Sic&lt;/i&gt; bezieht sich auf den Abschiedstext von Th&#233;orie communiste. Es liegt vermutlich v.a. an der Uneinigkeit der Beteiligten, dass der Widerspruch an und f&#252;r sich und der Genderwiderspruch im besonderen nicht konkret angesprochen wird. Der Ausstieg von Th&#233;orie communiste wird einfach kurz zusammengefasst: &#8222;Vor einigen Monaten entschieden die Mitglieder der franz&#246;sischen Theoriegruppe Th&#233;orie Communiste (TC), &lt;i&gt;Sic&lt;/i&gt; zu verlassen. Diese Entwicklung war besonders wichtig, denn die theoretische Arbeit von TC war der Eckpunkt der Lancierung von &lt;i&gt;Sic&lt;/i&gt;. Doch das Leben geht weiter und Probieren geht &#252;ber Studieren: Die F&#228;higkeit von &lt;i&gt;Sic&lt;/i&gt;, kreativ gemeinsam zu funktionieren und Theorie auszuarbeiten wird in Zukunft das einzige entscheidende Kriterium f&#252;r das Projekt sein (nat&#252;rlich abgesehen von allgemeinen Entwicklungen). Das Verlassen des Tischs bedeutet nicht, dass das Essen darauf nicht mehr geniessbar ist, und spricht auch niemanden von gegenw&#228;rtigen oder vergangenen S&#252;nden frei. Da die Geschichte sich nicht darum k&#252;mmern wird, in der Angelegenheit irgendein Urteil zu sprechen, gen&#252;gt es zu sagen, dass wir sowohl TC als auch &lt;i&gt;Sic&lt;/i&gt; eine konstruktive Zukunft w&#252;nschen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Dies ist kein Vorwort&#8220;.&#034; id=&#034;nh4-22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;br class='autobr' /&gt;
Trotz diesen Meinungsverschiedenheiten wird die Genderfrage nach wie vor auf beiden Seiten intensiv diskutiert. Diese theoretische Debatte hat den Verdienst, dass diese Problematik zum ersten Mal in linkskommunistischen Zusammenh&#228;ngen konkret theoretisch diskutiert und deren L&#246;sung nicht einfach stillschweigend auf den Tag nach der Revolution verlegt wird. Deswegen, aber nicht nur, ist die Kommunisierung eine der interessantesten theoretischen Entwicklungen des Linkskommunismus in den letzten Jahren. Es ist ein Milieu, wo theoretische Probleme ausf&#252;hrlich diskutiert werden und ohne identit&#228;re Scheuklappen auf diverse Debatten eingegangen wird. Im Unterschied zur fast ausschliesslich akademischen Neuen Marx-Lekt&#252;re in Deutschland und zum ebenfalls fast ausschliesslich akademischen Operaismus in Italien (der allerdings zusammenfiel mit Arbeiterk&#228;mpfen, welche weite Teile dieser Theorie in der Praxis best&#228;tigten), entstand die Kommunisierung ausserhalb der Universit&#228;ten. Und obwohl sie in der Zwischenzeit v.a. in den USA an Universit&#228;ten vermehrt diskutiert wird, ist die akademische Welt nach wie vor kein wesentlicher Faktor f&#252;r theoretische Entwicklungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doc Sportello,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Juli 2014&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb4-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Th&#233;orie communiste, &lt;a href=&#034;https://www.kommunisierung.net/Kommunisierung-im-Prasens&#034;&gt;&#8222;Kommunisierung im Pr&#228;sens&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Gilles Dauv&#233;, &#8222;R&#233;volutionnaire? (notes sur la subversion)&#8220; in: &lt;i&gt;Le Mouvement Communiste&lt;/i&gt;, Nr. 4, Mai 1973, S. 2-47.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Th&#233;orie communiste, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Fran&#231;ois Danel (Hg.), &lt;i&gt;Rupture dans la th&#233;orie de la r&#233;volution&lt;/i&gt;, Marseille, Senonevero, 2003.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Roland Simon, &lt;i&gt;Histoire critique de l'ultragauche. Trajectoire d'une balle dans le pied&lt;/i&gt;, Marseille, Senonevero, 2009, S. 265-266.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Gilles Dauv&#233; und Karl Nesic, &#8222;Communisation: un Appel et une Invite&#8220;, 2004.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Mehrere Texte dieser Zeitschrift sind auf Deutsch ver&#246;ffentlicht worden: &lt;a href=&#034;https://www.bloom0101.org/bloomall.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Theorie vom Bloom&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Z&#252;rich/Berlin, Diaphanes, 2003; &lt;a href=&#034;https://www.bloom0101.org/kybernetik.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Kybernetik und Revolte&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Z&#252;rich/Berlin, Diaphanes, 2007; &lt;a href=&#034;https://tarnac9.noblogs.org/gallery/5188/einfuehrung%20in%20den%20buergerkrieg.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Einf&#252;hrung in den B&#252;rgerkrieg&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Z&#252;rich, MG+R &#8211; Dataretribal, 2007; &lt;a href=&#034;https://www.merve.de/index.php/book/show/376&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Grundbausteine einer Theorie des Jungen-M&#228;dchens&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Berlin, Merve Verlag, 2009; &lt;a href=&#034;https://www.laika-verlag.de/edition-theorie/anleitung-zum-b%C3%BCrgerkrieg&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Anleitung zum B&#252;rgerkrieg&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Hamburg, Laika Verlag, 2012; &lt;a href=&#034;https://www.laika-verlag.de/edition-theorie/alles-ist-gescheitert-es-lebe-der-kommunismus&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Alles ist gescheitert, es lebe der Kommunismus&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Hamburg, Laika Verlag, 2013.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://tarnac9.noblogs.org/gallery/5188/Aufruf.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Aufruf&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, S. 66.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Eine-andere-Nutzung-des-Geldes-zum&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Eine andere Nutzung des Geldes&#8220;&lt;/a&gt; in: &lt;i&gt;Meeting&lt;/i&gt;, Nr. 2, 2005.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Unsichtbares Komitee, &lt;a href=&#034;https://www.boelters.de/Aufstand/der-kommende-aufstand.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Der kommende Aufstand&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Hamburg, Edition Nautilus, 2010.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Johannes Thumfart, &lt;a href=&#034;https://jungle-world.com/artikel/2010/47/42175.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Links ist das nicht!&#8220;&lt;/a&gt; in: &lt;i&gt;Jungle World&lt;/i&gt;, Nr. 47, 25. November 2010.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Nils Minkmar, &lt;a href=&#034;https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/linksterrorismus-seid-faul-und-militant-1573343.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Seid faul und militant!&#8220;&lt;/a&gt; in: &lt;i&gt;Frankfurter Allgemeine Zeitung&lt;/i&gt;, 8. November 2010.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-75261508.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Der kommende Aufstand&#8220;&lt;/a&gt; in: &lt;i&gt;Der Spiegel&lt;/i&gt;, Nr. 47, 22. November 2010.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &lt;a href=&#034;https://linksunten.indymedia.org/node/108706&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Spitzel-Aff&#228;re um Mark Kennedy erreicht Frankreich&#8220;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Th&#233;orie communiste, &lt;a href=&#034;https://www.kommunisierung.net/Das-Spiel-ist-aus&#034;&gt;&#8222;Das Spiel ist aus&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Th&#233;orie communiste, &lt;a href=&#034;https://www.kommunisierung.net/Einige-kritische-Anmerkungen-zu&#034;&gt;&#8222;Einige kritische Anmerkungen zu 'Gender und Klassen. Der Generalaufstand, der die M&#228;nner und die Frauen zerst&#246;ren wird'&#8220;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Der Begriff des &#8222;Klassenwiderspruchs&#8220; ist grunds&#228;tzlich mit der maoistischen Tradition verbunden. Einige verteidigten seine Marxsche Druckerlaubnis, indem sie auf eine Passage in der Penguin-&#220;bersetzung der Grundrisse verwiesen, wo Marx sich auf eine &#8222;contradiction of capital and wage labour&#8220; (MECW 29, S. 90, &#220;bersetzung von Nicholaus) bezieht. Doch der deutsche Begriff ist Gegensatz, nicht Widerspruch. Der Widerspruch zwischen &#8222;Kapital und Arbeit&#8220; oder &#8222;Kapitalisten und Arbeitern&#8220; wird im Werk von Marx nirgends erw&#228;hnt [Fussnote von &lt;i&gt;Endnotes&lt;/i&gt;].&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Marx, &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt;, Bd. 1, MEW Bd. 23, S. 659. Zum logischen Charakter des Widerspruchs bei Marx und Hegel siehe Richard Gunn, &#8222;Marxism and Contradiction&#8220;, &lt;i&gt;Common Sense&lt;/i&gt; 15, 1994 [Fussnote von &lt;i&gt;Endnotes&lt;/i&gt;].&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href='https://www.kommunisierung.net/&#8222;Vorwort Endnotes 3&#8220;'&gt;&#8222;Vorwort Endnotes 3&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4-22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://www.kommunisierung.net/Dies-ist-kein-Vorwort&#034;&gt;&#8222;Dies ist kein Vorwort&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Vorwort Endnotes 3</title>
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&lt;p&gt;Diese Ausgabe von Endnotes war lange unterwegs. Ihre Ver&#246;ffentlichung versp&#228;tete sich aufgrund von Erfahrungen und Diskussionen, welche uns dazu zwangen, unseren Analysen mehr Klarheit zu geben und sie manchmal ganz zu &#252;berarbeiten. Viele der Artikel in dieser Ausgabe sind das Produkt jahrelanger Diskussionen. Einige Artikel waren schliesslich so lange, dass wir die Ausgabe in zwei Teile gliedern mussten. Endnotes 4 wird also bald erscheinen, nicht wieder in drei Jahren, sondern eher in (...)&lt;/p&gt;


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 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/yokai_large-3.png?1689542817' class='spip_logo spip_logo_right' width='101' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Diese Ausgabe von &lt;i&gt;Endnotes&lt;/i&gt; war lange unterwegs. Ihre Ver&#246;ffentlichung versp&#228;tete sich aufgrund von Erfahrungen und Diskussionen, welche uns dazu zwangen, unseren Analysen mehr Klarheit zu geben und sie manchmal ganz zu &#252;berarbeiten. Viele der Artikel in dieser Ausgabe sind das Produkt jahrelanger Diskussionen. Einige Artikel waren schliesslich so lange, dass wir die Ausgabe in zwei Teile gliedern mussten. Endnotes 4 wird also bald erscheinen, nicht wieder in drei Jahren, sondern eher in den n&#228;chsten sechs Monaten. In diesem Text beschreiben wir, als Erkl&#228;rung f&#252;r die Verz&#246;gerung, einige der Fragen und Zwickm&#252;hlen, welche am Anfang dieser und der n&#228;chsten Ausgabe standen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1 Neue K&#228;mpfe&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die ersten zwei Ausgaben von Endnotes verlangten eine erneuerte Sichtweise auf die K&#228;mpfe unserer Zeit, frei von der B&#252;rde des toten Gewichts &#252;berholter Theorien. Wir selbst boten allerdings kaum Analysen von K&#228;mpfen. Wohl auch, weil der Klassenkonflikt zu dieser Zeit an einem Tiefstand angelangt war, was Ausfl&#252;ge in die Abstraktion attraktiver machte. Doch es war auch, weil wir nicht wussten, was wir sagen k&#246;nnten &#252;ber die laufenden K&#228;mpfe und wir dachten, es sei das beste, nicht so zu tun, als ob dem nicht so w&#228;re. Wir begannen diese Zeitschrift als einen Ort, um Ideen sorgf&#228;ltig auszuarbeiten. Wir wollten keine &#252;berst&#252;rzten Schlussfolgerungen ziehen, nur um aktuell zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und das Milieu, wovon wir Teil sind &#8211; die sogenannte Str&#246;mung der Kommunisierung &#8211; bot eine Analyse der K&#228;mpfe, die wir attraktiv fanden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Beteiligte dieses Milieus beobachteten, dass das Wiederauftauchen einer affirmativen Arbeiterklassenidentit&#228;t vom Tisch schien, sogar in Fabrikk&#228;mpfen: Die Arbeiter organisierten sich selbst, doch ohne Illusionen &#252;ber das revolution&#228;re Potenzial dieser Selbstorganisation. In einigen Fabriken beispielsweise &#8211; in S&#252;dkorea, in Frankreich, in den USA und anderswo &#8211; &#252;bernahmen die Arbeiter ihre Arbeitspl&#228;tze, nicht um sie selbst zu verwalten, sondern um bessere Abfindungszahlungen zu verlangen. In der Zwischenzeit entstanden viele K&#228;mpfe ausserhalb der Arbeitspl&#228;tze &#8211; welche Studenten, Arbeitslose, rassifizierte Minderheiten betrafen &#8211; und sie zeigten nicht das geringste Interesse, ihren Weg in die Produktion zu finden. Die K&#228;mpfe der Arbeiter in den ehemaligen Festungen der Arbeiterklasse (Industrie, Bau, Bergbau und Versorgung) waren nicht mehr ein Beh&#228;lter f&#252;r die Belange der Klasse als ganzes. K&#228;mpfe, welche die &#8222;Reproduktion&#8220; betreffen, verdr&#228;ngen jene, welche die &#8222;Produktion&#8220; betreffen, obwohl erstere scheinbar nicht jene Macht gegen&#252;ber dem Kapital haben, welche letztere historisch aus&#252;bten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Str&#246;mung der Kommunisierung bot auch folgende Analyse dieser K&#228;mpfe. Sie scheinen auf zwei Beinen zu humpeln. Ihr erstes Bein ist die &lt;i&gt;Grenze&lt;/i&gt; des Kampfes: Als Klasse zu handeln bedeutet, keinen Horizont zu haben, der &#252;ber das Verh&#228;ltnis Kapital-Arbeit hinausgeht. Ihr zweites Bein ist die &lt;i&gt;Dynamik&lt;/i&gt;: Klassenzugeh&#246;rigkeit wird dann als &#8222;&#228;usserer Zwang&#8220;, als etwas erlebt, das &#252;berwunden werden muss. In der Bewegung gegen die Globalisierung autonomisierte sich die Dynamik des Klassenkampfes vom Kampf selbst: Die Aufgabe der Klassenposition war die Grundlage, auf welcher das Kapital angegriffen wurde. Von der gegenw&#228;rtigen Krise wurde erwartet, dass sie die Beine des Klassenkampfes zwingen w&#252;rde, zusammen zu laufen. Man erwartete K&#228;mpfe an den Arbeitspl&#228;tzen, rund um eine strukturell &#8222;illegitime&#8220; Lohnforderung&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;R.S., &#8222;The Present Moment&#8220;, SIC 1, November 2011, S. 96.&#034; id=&#034;nh5-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Formen, welche den Klassenkampf seit der Restrukturierung charakterisierten (radikaler Demokratismus, Aktivismus), sollten &#252;berwunden werden, um zu den Grundlagen zur&#252;ckzukommen: Die von innerhalb des Arbeitsplatzes kommende Aufgabe der Klassenposition ist nur als allgemeine &#220;berwindung der Klassengesellschaft m&#246;glich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das geschah nicht. Stattdessen hatten wir den arabischen Fr&#252;hling, die Emp&#246;rten, Occupy, Taksim, sowie etliche Aufst&#228;nde. Wie es im Text &#8222;The Holding Pattern&#8220; in dieser Ausgabe dargelegt ist, schienen diese K&#228;mpfe mehr wie eine Transformation der Bewegung gegen die Globalisierung, als auch ihre Ausbreitung auf einen gr&#246;sseren Teil der Bev&#246;lkerung. Das heisst nicht, dass die j&#252;ngeren K&#228;mpfe die Theorie der Kommunisierung untergruben (oder dass die dynamischen K&#228;mpfe an den Arbeitspl&#228;tzen nicht wieder entstehen). In diesen Bewegungen best&#228;tigte viel die kommunisierende Perspektive: Eine Intensivierung der K&#228;mpfe war nicht mit der R&#252;ckkehr der Arbeiteridentit&#228;t verbunden. Wie wir gesagt haben, war es eben genau die Nichtverf&#252;gbarkeit einer konstituierenden Identit&#228;t &#8211; rund um die Arbeiterklasse oder anders &#8211;, um die es in den Dynamiken der Bewegung der Pl&#228;tze ging.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Anbetracht dieser K&#228;mpfe scheint es klar, dass jetzt nicht die Zeit f&#252;r Behauptungen ist, sondern f&#252;r sorgf&#228;ltige Analyse. In &lt;i&gt;Endnotes&lt;/i&gt; 1 und 2 versuchten wir, die beiden miteinander verbundenen Fallen zu zerlegen, welche f&#252;r uns Ende des letzten Jahrhunderts aufgestellt worden sind: Tendenzen, entweder, (1) die Dinge abseits von der sich selbst untergrabenden Dynamik des Kapitals zu analysieren, um sich besser auf die Klassenk&#228;mpfe ausserhalb des Arbeitsplatzes zu fokussieren, oder (2) eine Analyse der Krisentendenzen aufrechtzuerhalten, doch nur um die Idee damit zu verbinden, dass die Arbeiterbewegung die einzige wirklich revolution&#228;re Form des Klassenkampfes ist. Wir schafften es, diese Fallen dank einiger k&#228;rglicher analytischer Werkzeuge zu meiden. Jetzt ist die Zeit gekommen, diese Werkzeuge einzusetzen, zu versuchen, die neue Sequenz der K&#228;mpfe in ihrer Entfaltung zu verstehen. Wir m&#252;ssen gegen&#252;ber der Gegenwart offen sein &#8211; ihrer Tendenz, uns zu &#252;berraschen, uns zu zwingen, jede vermeintlich fixe Wahrheit zu &#252;berdenken &#8211; gleichzeitig jedoch kompromisslos bez&#252;glich der Revolution als Kommunisierung: Es wird keine theoretischen Kompromisse geben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2 &#220;bersch&#252;ssige Bev&#246;lkerungen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Endnotes&lt;/i&gt; 2 betonte die Rolle der &#252;bersch&#252;ssigen Bev&#246;lkerungen: Bev&#246;lkerungen mit prek&#228;ren Verbindungen zur Lohnarbeit. &#220;bersch&#252;ssige Bev&#246;lkerungen haben sich vergr&#246;ssert aufgrund eines schlichten Niedergangs in der Nachfrage nach Arbeit, eine Begleiterscheinung der Wiederbelebung des Widerspruchs der kapitalistischen Gesellschaft. Diese gesellschaftliche Form, welche auf der Zentralit&#228;t der Arbeit beruht, untergr&#228;bt diese Zentralit&#228;t im Laufe der Zeit. Kapitalistisches Wachstum macht also die Begriffe jenes Verh&#228;ltnisses zunichte, auf welchem es basiert: Die Produktion von &#252;bersch&#252;ssigen Bev&#246;lkerungen parallel zu jener &#252;bersch&#252;ssigen Kapitals ist letztendlich das Resultat des unmittelbaren Produktionsprozesses.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das heisst jedoch nicht, dass die &#252;bersch&#252;ssige Bev&#246;lkerung zu einem neuen revolution&#228;ren Subjekt wird. Im Gegenteil, das Wachstum der &#252;bersch&#252;ssigen Bev&#246;lkerungen untergr&#228;bt die Konsistenz des revolution&#228;ren Subjekts als solches. Es ist nicht mehr m&#246;glich, das Kapital als eine Produktionsweise mit Zukunft zu sehen, die f&#228;hig w&#228;re, immer mehr Leute durch &#8222;Entwicklung&#8220; zu integrieren, z.B. die Industrialisierung. Stattdessen schrumpft die industrielle Arbeiterklasse fast &#252;berall dahin. Die Arbeiterbewegung, welche sich zuvor rund um den qualifizierten Arbeiter organisierte, kann der Klasse keine Konsistenz mehr geben. Auch kein anderes Subjekt kann sich als Tr&#228;ger einer affirmativen Zukunft pr&#228;sentieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Wachstum der &#252;bersch&#252;ssigen Bev&#246;lkerungen ist eben genau die Aufl&#246;sung, die Zersetzung der Klasse. Die &#252;bersch&#252;ssige Bev&#246;lkerung kann n&#228;mlich nicht affirmativ sein &#8211; nicht nur, weil es eine Stellung subjektiver Armut oder Unterw&#252;rfigkeit ist &#8211; sondern auch, weil sie international stark intern differenziert ist. Oder pr&#228;ziser: Ihr Wachstum ist gleichbedeutend mit der verst&#228;rkten Differenzierung der Klasse als ganzes. Welche Rolle spielen &#252;bersch&#252;ssige Bev&#246;lkerungen heutzutage in K&#228;mpfen? &#8222;A Rising Tide Lifts All Boats&#8220; in dieser Ausgabe bietet eine Fallstudie der britischen Bewegung gegen die Sparpolitik 2010-2011 und der Ausschreitungen und untersucht die empirische Anwendbarkeit der Kategorie der &#8222;&#252;bersch&#252;ssigen Bev&#246;lkerung&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3 Die Genderunterscheidung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seit der Ver&#246;ffentlichung unserer letzten Ausgabe erschien &#8222;Communisation and the Abolition of Gender&#8220; in der Anthologie &lt;i&gt;Communization and its Discontents&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Benjamin Noys (Hg.), Communization and its Discontents, Minor (...)&#034; id=&#034;nh5-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Dieser Text war das Produkt einer reifenden Debatte mit &lt;i&gt;Th&#233;orie Communiste&lt;/i&gt;, welche seither etwas verfault ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In ihrem Versuch, einen feministischen Zweisystemansatz mit ihrer zuvor ausgearbeiteten Theorie zu vers&#246;hnen, verlor sich TC in einer Debatte mit sich selbst dar&#252;ber, wie viele Widerspr&#252;che es in der modernen Gesellschaft gibt. F&#252;r uns hat ein Widerspruch zwischen Arbeitern und Kapital genauso wenig Sinn wie einer zwischen M&#228;nnern und Frauen. Eigentlich ist der einzige &#8222;Widerspruch zwischen&#8220; jener, mit welchem Marx die erste Ausgabe des &lt;i&gt;Kapitals&lt;/i&gt; beginnt, n&#228;mlich der Widerspruch zwischen Gebrauchs- und Tauschwert&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Der Begriff des &#8222;Klassenwiderspruchs&#8220; ist grunds&#228;tzlich mit der (...)&#034; id=&#034;nh5-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Letztendlich sind kapitalistische gesellschaftliche Beziehungen widerspr&#252;chlich, weil sie auf dem Tausch &#228;quivalenter Werte beruhen &#8211; gemessen durch die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit zu ihrer Produktion &#8211; und gleichzeitig untergraben sie diese Grundlage, weil sie dazu tendieren, menschliche Arbeitskraft vom Produktionsprozess zu verdr&#228;ngen (das dr&#252;ckt sich paradoxerweise als Arbeits&#252;berlastung f&#252;r die einen und komplette oder partielle Arbeitslosigkeit f&#252;r andere aus).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wirtschaft ist also eine gesellschaftliche T&#228;tigkeit, welche auf einem &lt;i&gt;logischen&lt;/i&gt; Widerspruch basiert, dieser breitet sich in der Zeit als Unfreiheit aus, als praktische Unm&#246;glichkeit f&#252;r die menschlichen Wesen, zu sein, was sie sein m&#252;ssen: &#8222;Mit der durch sie selbst produzierten Akkumulation des Kapitals produziert die Arbeiterbev&#246;lkerung also in wachsendem Umfang die Mittel ihrer eignen relativen &#220;berz&#228;hligmachung.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Marx, Kapital, Bd. 1, MEW Bd. 23, S. 659. Zum logischen Charakter des (...)&#034; id=&#034;nh5-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Dieser Widerspruch verursacht etliche Antagonismen innerhalb kapitalistischer Gesellschaften, der Klassenantagonismus ist einer davon. Andere existieren: Ethnie, Gender, Sexualit&#228;t, Nation, Handel oder F&#228;higkeiten, religi&#246;ser Glaube, Status Immigrant usw. Es w&#228;re unm&#246;glich, alle Antagonismen der kapitalistischen Gesellschaft zu denken, wenn Antagonismus und Widerspruch nicht klar abgegrenzt w&#252;rden (sonst w&#228;re es notwendig, sich f&#252;r jeden Antagonismus einen anderen Widerspruch einfallen zu lassen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Punkt ist, dass gesellschaftliche Antagonismen in der kapitalistischen Gesellschaft im Verh&#228;ltnis zur widerspr&#252;chlichen Logik des Kapitals artikuliert und reartikuliert werden. Wie es im Text &#8222;The Logic of Gender&#8220; in dieser Ausgabe gezeigt wird, sind die Geschlechterrollen in kapitalistischen Gesellschaften rund um die Unterscheidung von Sph&#228;ren konstruiert, wir nennen eine &#8222;direkt vom Markt vermittelt&#8220; und die andere &#8222;indirekt vom Markt vermittelt&#8220;. Diese Unterscheidung ist nicht getrennt von der Klassengesellschaft. Sie ist im Gegenteil fundamental f&#252;r die Wertproduktion. Die kapitalistische Produktionsweise k&#246;nnte ohne eine Unterscheidung der Sph&#228;ren nicht existieren, eine Unterscheidung, die allerdings noch nie pr&#228;zis definiert worden ist. In dieser Ausgabe widmen wir uns der Kl&#228;rung von Konzepten, dem Verst&#228;ndnis der Grundlage und der Transformation des Genderverh&#228;ltnisses in der kapitalistischen Gesellschaft. Diese Kl&#228;rung erlaubt uns, die Prozesse der Entnaturalisierung der Geschlechterrollen &#8211; Butler nennt das ihre Verwirrung &#8211; besser zu erfassen, sowie auch die komplexen Dynamiken der laufenden Dekonstruktion der Geschlechterrollen (die Lockerung des Zwangs zur Heterosexualit&#228;t, die M&#246;glichkeit der Affirmation queerer oder transsexueller Identit&#228;ten) einerseits, die konstante Wiederaufzwingung der Geschlechterrollen andererseits, besonders angesichts der j&#252;ngsten Krise und der Sparpolitik.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;4 Nichtklassenbezogene Identit&#228;ten&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Interesse f&#252;r Geschlechterrollen ist Teil einer allgemeinen theoretischen Wende. Die Arbeiterbewegung privilegierte den Klassenantagonismus vor allen anderen, weil sie die Arbeiterklasse als die Zukunft der Menschheit sah &#8211; wenn sie nur von ihrer Verbindung mit dem Kapital befreit werden k&#246;nnte. Man meinte, die Affirmation der Klassenidentit&#228;t sei die einzig m&#246;gliche Grundlage, um den Kapitalismus zu &#252;berwinden. Wenn sich die Arbeiter anhand anderer Linien mit sich selbst identifizierten, wurde das als falsches Bewusstsein betrachtet, dessen Gegenteil war ein wahres Klassenbewusstsein. Der Effekt dieser Orientierung war h&#228;ufig, dass die K&#228;mpfe gewisser Arbeiter (weiss, m&#228;nnlich, Staatsb&#252;rger) gegen&#252;ber anderen innerhalb der Klasse hervorgehoben wurden. Dies f&#252;hrte die K&#228;mpfe der &#8222;anderen&#8220; auch in Kan&#228;le, wo die produktivistische Perspektive der Arbeiterbewegung reproduziert wurde: Frauen verlangten, dass ihre Arbeit im Haushalt &#252;ber den Lohn als produktiv anerkannt wird; ehemals kolonisierte Bev&#246;lkerungen trieben ihre eigene heftige Industrialisierung voran, mit allem, was das zur Folge hatte, n&#228;mlich einen gewaltigen Tribut an menschlichem Leid.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotzdem erwarteten die Beteiligten der Arbeiterbewegung, dass andere Formen der Identit&#228;t &#8211; nichtklassenbezogene Identit&#228;ten &#8211; mit der Weiterentwicklung der Produktivkr&#228;fte verschwinden w&#252;rden. Die Bewegung beschrieb nichtklassenbezogene Identit&#228;ten als atavistische &#220;berbleibsel fr&#252;herer Produktionsweisen. Es gab keine Notwendigkeit, sie als etwas anderes denn todgeweiht zu betrachten. Doch kapitalistische gesellschaftliche Verh&#228;ltnisse untergraben nicht notwendigerweise nichtklassenbezogene Formen der Identit&#228;t. Im Gegenteil, kapitalistische gesellschaftliche Verh&#228;ltnisse ver&#228;ndern zumindest einige dieser Identit&#228;ten, oder modernisieren sie sogar. Mit der Arbeiterbewegung abzuschliessen &#8211; anzuerkennen, dass keine Klassenfraktion mehr eine Hegemoniestellung innerhalb der Klasse haben kann &#8211; bedeutet, dass es notwendig ist, das Verh&#228;ltnis zwischen klassenbezogenen und nichtklassenbezogenen Identit&#228;ten zu reartikulieren. &#8222;The Gender Logic&#8220; ist Teil dieser theoretischen Anstrengung. &#8222;The Limit Point of Capitalist Equality&#8220;, ein Gastbeitrag in dieser Ausgabe von Chris Chen, ebenfalls.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist zwingend erforderlich, drei Thesen des Marxismus aufzugeben, welche im Verlauf der Arbeiterbewegung ausgearbeitet wurden: (1) dass Lohnarbeit die wichtigste &#220;berlebensweise in kapitalistischen Gesellschaften ist und dass alle Proletarier fr&#252;her oder sp&#228;ter darin integriert werden, (2) dass alle Lohnarbeiter tendenziell in industrielle (oder reell subsumierte) Arbeitsprozesse integriert sind, welche sie homogenisieren und als den kollektiven Arbeiter zusammenbringen, und (3) dass Klassenbewusstsein somit das einzig wahre oder wirkliche Bewusstsein der Situation der Proletarier in kapitalistischen Gesellschaften ist. Keine dieser Thesen ist historisch g&#252;ltig gewesen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einerseits leben viele Proletarierinnen grosse Teile ihrer Leben ausserhalb des Verh&#228;ltnisses Kapital-Arbeit, siechen zu Hause als Hausfrauen dahin. Andererseits profitierte das Kapital am Arbeitsplatz von der Anstellung von Arbeitern, welche nicht formell (oder nicht g&#228;nzlich) frei waren: Sklaven, &#8222;Eingeborene&#8220;, Papierlose, Frauen. Im Verlauf des zwanzigsten Jahrhundert spielte &#8222;Rasse&#8220; weiterhin eine zentrale Rolle, um zu bestimmen, wer formell frei war, wer Arbeit bekam und besonders wer &#8222;gute&#8220; Arbeit bekam, wenn sie verf&#252;gbar war. Prozesse der Rassialisierung und der Unterw&#252;rfigkeit sind w&#228;hrend dieser Periode der Aufl&#246;sung des Kapital-Arbeit-Verh&#228;ltnisses intensiviert &#8211; aber auch ver&#228;ndert &#8211; worden, etliche Proletarier sind ganz oder teilweise ausgeschlossen von diesem Verh&#228;ltnis.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;5 Strategische Visionen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Text &#8222;Logistics, Counterlogistics and the Communist Prospect&#8220; &#8211; ein weiterer Gastbeitrag in dieser Ausgabe &#8211; er&#246;rtert Jasper Bernes, dass die globale Restrukturierung der kapitalistischen Produktion heutzutage die Antwort des Kapitals auf eine Situation darstellt, wo Arbeit in h&#246;chstem Masse im &#220;berfluss ist: Das Kapital n&#252;tzt enorme Lohnunterschiede quer &#252;ber den Globus zu seinem Vorteil, um Kosten zu reduzieren und Ausbr&#252;che von Arbeiterunruhen zu kontrollieren. Zulieferketten existieren im Wesentlichen, weil das Kapital sie ben&#252;tzt, um Preisunterschiede der Arbeitsm&#228;rkte auszunutzen. Aus diesem Grund bietet die logistische Infrastruktur keine Perspektiven eines neu auftauchenden kollektiven Arbeiters auf globaler Ebene. Viel eher hat sie eine solche M&#246;glichkeit untergraben, indem die Arbeiterklasse noch mehr fragmentiert wurde. Bernes zieht den Schluss, dass Zulieferketten nur insofern strategische Objekte zeitgen&#246;ssischer K&#228;mpfe sind, als dass sie unterbrochen werden k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Artikel von Bernes ist teilweise eine Antwort an Alberto Toscano, der die &#8222;Anh&#228;nger der Kommunisierung&#8220; in mehreren j&#252;ngeren Texten kritisiert hat. Er wirft ihnen vor, keine eigentliche strategische Orientierung zu haben, d.h. eine Orientierung zu allem, das &#8222;getan werden muss, um jene Art von Subjekten zu &lt;i&gt;erstellen&lt;/i&gt;, die kommunisierende Massnahmen ergreifen&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Alberto Toscano, &#8222;Now and Never&#8220; in: Noys, Communization and its (...)&#034; id=&#034;nh5-5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. F&#252;r Toscano gibt es viel vorzubereiten: Wir m&#252;ssen z.B. herausfinden, wie wir die logistische Infrastruktur lesen m&#252;ssen, nicht als etwas, das zerst&#246;rt werden muss, sondern als Ort f&#252;r &#8222;antikapitalistische L&#246;sungen&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Alberto Toscano, &#8222;Logistics and Opposition&#8220;, Mute 3:2, Januar 2012.&#034; id=&#034;nh5-6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Weil die Str&#246;mung der Kommunisierung keine positive Konzeption des Ausstiegs aus der kapitalistischen Gesellschaft hat (d.h. etwas anderes als diese Gesellschaft abstrakt zu negieren), wirft er ihr &#8222;intransitive Politik&#8220; vor und er verbindet diesen Standpunkt symptomatisch mit einem Mangel an strategischem Denken&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Toscano, &#8222;Now and Never&#8220;, S. 87.&#034; id=&#034;nh5-7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Mit diesem Etikett &#252;bergeht Toscano zwei Ideen, einerseits jene, welche den &#220;bergang von der Revolution zum Kommunismus (die &#8222;&#220;bergangsphase&#8220;), andererseits jene, welche den &#220;bergang von allt&#228;glichen K&#228;mpfen zur Revolution betrifft (&#8222;&#220;bergangsforderungen&#8220;). In Bezug auf letztere stimmt es nat&#252;rlich, dass die Revolution nicht vom Himmel fallen wird. Sie wird nicht von nirgendwo kommen und pl&#246;tzlich &#252;berall sein. Sollte es eine Revolution geben, so wird sie nur als Antwort auf die Grenzen der aktuellen K&#228;mpfe ausgel&#246;st werden, im Verlauf ihrer Entfaltung. Der Bruch muss ein produzierter Bruch sein. Das ist die &#8222;transitive&#8220; Position, welche &lt;i&gt;Endnotes&lt;/i&gt; seit Beginn verteidigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch genau diese Position lehnt Toscano ab. Toscano sieht nicht, wie es m&#246;glich ist, dass die Revolution aus den Grenzen heutiger K&#228;mpfe entsteht. Er glaubt nicht an &#8222;eine Art Lernen durch Handeln, welches sich scheinbar mutwillig nicht um die riesigen Hindernisse auf dem Weg zur Negation des Kapitals k&#252;mmert&#8220;; denn diese Negation &#8222;kann nicht im Vorbeigehen ausgef&#252;hrt werden&#8220;; und noch einmal, &#8222;der Weg wird nicht gemacht, indem er gelaufen wird&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 99.&#034; id=&#034;nh5-8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Scheinbar muss der Weg von Individuen gemacht werden, die &#8211; irgendwie &#8211; f&#228;hig sind, den Proletariern den Weg im Vorhinein aufzuzeigen. Hier betreten wir die listige Welt der Strategen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Text &#8222;Spontaneity, Mediation, Rupture&#8220; in dieser Ausgabe versuchen wir, das Verh&#228;ltnis zwischen Kampf und Revolution durch die Reartikulation von zentralen Konzepten der Geschichte revolution&#228;rer Theorie neu zu konzipieren. In der Einstellung zum Kampf sollte das Ende offen bleiben, es braucht einen Ansatz, der weder fahrl&#228;ssig herablassend, noch naiv bejahend ist. Klassenkampf ist nicht einfach der Ort einer krampfartigen Reaktion gegen die vom Kapital auferlegten Belastungen, sondern jener, wo die Widerspr&#252;che des Kapitalismus sich abspielen, der proletarischen Erfahrung innewohnend. Erst im Verlauf sich intensivierender K&#228;mpfe k&#246;nnen die strategischen Fragen einer &#196;ra gestellt und beantwortet werden, auf eine konkrete Art und Weise; nur hier k&#246;nnen Taktiken, Strategien und Organisationsformen &#8211; und auch die Bedeutung vom Kommunismus selbst &#8211; konkret Gestalt annehmen. Strategien entstehen als Antworten auf spezifische Grenzen einer Reihe von K&#228;mpfen. Sie k&#246;nnen nicht von aussen auferlegt werden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Toscano bezeichnet unsere Perspektive als abstrakt (in ihrer (...)&#034; id=&#034;nh5-9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;6 Kommunistische Perspektiven&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Endnotes&lt;/i&gt; 3 versucht also, Werkzeuge herzustellen, die uns erlauben, &#252;ber heutige K&#228;mpfe zu sprechen &#8211; in ihren eigenen Begriffen, indem alle Widerspr&#252;che und Paradoxa analysiert werden, anstatt sie zu verschweigen. Die Frage bleibt: Welches Verh&#228;ltnis haben diese K&#228;mpfe zur Revolution? Hier insistieren wir: Revolution ist ein m&#246;glicher Ausgang der heutigen K&#228;mpfe, aber nur als Kommunisierung. Denn die Revolution wird gezwungen sein, die Wertform abzuschaffen, weil diese Form keine brauchbare Art und Weise mehr ist, unsere Existenz zu organisieren. Direkte menschliche Arbeit ist ein immer geringerer Teil der gesellschaftlichen Produktion, w&#228;hrend eine imposante Masse an Technologien und Infrastruktur, die die &#246;kologische Grundlage menschlichen Lebens auf der Erde zerst&#246;rt, uns als Hauptkraft im gesellschaftlichen Leben entgegensteht. Der Kauf und Verkauf von Arbeit strukturiert allerdings immer noch alle Aspekte unserer Leben und Kapital bleibt unser Hauptmodus der Interaktion miteinander. Wie k&#246;nnten wir ohne auskommen? Es gibt keine einfachen Antworten &#8211; besonders wenn man der Tatsache Rechnung tr&#228;gt, dass die Reproduktion von jedem von uns heutzutage von einem Produktivapparat abh&#228;ngt, der auf der ganzen Welt zerstreut ist. Die Frage der Revolution wird trotzdem immer noch gestellt &#8211; auf notwendigerweise abstrakte, spekulative Art und Weise &#8211; aufgrund des widerspr&#252;chlichen Charakters des zentralen Verh&#228;ltnisses, auf welchem die Gesellschaft basiert. Und diese Frage kann nur in K&#228;mpfen selbst konkret werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Englischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://endnotes.org.uk/articles/17&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb5-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;R.S., &#8222;The Present Moment&#8220;, SIC 1, November 2011, S. 96.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Benjamin Noys (Hg.), Communization and its Discontents, Minor Compositions, 2011, S. 219-236.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Der Begriff des &#8222;Klassenwiderspruchs&#8220; ist grunds&#228;tzlich mit der maoistischen Tradition verbunden. Einige verteidigten seine Marxsche Druckerlaubnis, indem sie auf eine Passage in der Penguin-&#220;bersetzung der Grundrisse verwiesen, wo Marx sich auf eine &#8222;contradiction of capital and wage labour&#8220; (MECW 29, S. 90, &#220;bersetzung von Nicholaus) bezieht. Doch der deutsche Begriff ist Gegensatz, nicht Widerspruch. Der Widerspruch zwischen &#8222;Kapital und Arbeit&#8220; oder &#8222;Kapitalisten und Arbeitern&#8220; wird im Werk von Marx nirgends erw&#228;hnt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Marx, Kapital, Bd. 1, MEW Bd. 23, S. 659. Zum logischen Charakter des Widerspruchs bei Marx und Hegel siehe Richard Gunn, &#8222;Marxism and Contradiction&#8220;, Common Sense 15, 1994.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Alberto Toscano, &#8222;Now and Never&#8220; in: Noys, Communization and its Discontents, S. 98.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Alberto Toscano, &#8222;Logistics and Opposition&#8220;, Mute 3:2, Januar 2012.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Toscano, &#8222;Now and Never&#8220;, S. 87.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 99.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Toscano bezeichnet unsere Perspektive als abstrakt (in ihrer &#8222;Kompromisslosigkeit&#8220; und ihrer Sorge um &#8222;theoretische Reinheit&#8220;), doch es ist Toscano, der die Frage der Revolution auf eine abstrakte Art und Weise stellt, indem er suggeriert, dass eine L&#246;sung f&#252;r strategische Probleme abstrakt von der konkreten Art und Weise, wie diese Probleme im Verlauf der aktuellen K&#228;mpfe auftreten, gefunden werden k&#246;nnte.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Th&#233;orie communiste - Das Spiel ist aus</title>
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&lt;p&gt;Folgender Text ist die Erkl&#228;rung von Th&#233;orie communiste, wieso sie die Zeitschrift Sic verlassen. Einige m&#246;gen sich fragen, was es bringt, einen solchen Text zu &#252;bersetzen, der auf Ereignisse anspielt, deren genauer Verlauf nur eine Handvoll Leute kennen. Es geht darum, dass der Text auch durchaus theoretische Probleme anspricht und trotz allen diskutierten &#034;Interna&#034; ziemlich konkret auf verschiedene Konfliktlinien eingeht. Um das Bild zu vervollst&#228;ndigen, werden auch die &#220;bersetzungen der (...)&lt;/p&gt;


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 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/arton74-4.jpg?1689543033' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='53' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Folgender Text ist die Erkl&#228;rung von &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;, wieso sie die Zeitschrift &lt;i&gt;Sic&lt;/i&gt; verlassen. Einige m&#246;gen sich fragen, was es bringt, einen solchen Text zu &#252;bersetzen, der auf Ereignisse anspielt, deren genauer Verlauf nur eine Handvoll Leute kennen. Es geht darum, dass der Text auch durchaus theoretische Probleme anspricht und trotz allen diskutierten &#034;Interna&#034; ziemlich konkret auf verschiedene Konfliktlinien eingeht. Um das Bild zu vervollst&#228;ndigen, werden auch die &#220;bersetzungen der Vorworte von &lt;i&gt;Endnotes&lt;/i&gt; 3 und &lt;i&gt;Sic&lt;/i&gt; 2 folgen, sie sind gewissermassen als Antworten auf diesen Text zu lesen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Das Spiel ist aus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r uns ist das Projekt &lt;i&gt;Sic&lt;/i&gt; tot. Die Ereignisse von Campestre [wo das &lt;i&gt;Sic&lt;/i&gt;-Treffen 2013 stattfand] haben schlicht und einfach einem Kranken den Gnadenschuss gegeben, den man noch einige Zeit k&#252;nstlich h&#228;tte am Leben erhalten k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die nicht nur verbale Gewalt (jemand wurde umgestossen und fiel zu Boden) in der sexistischen Form, welche sie annahm und welche sich dreimal wiederholte, konnte nicht mehr als bedauernswerter Ausrutscher betrachtet werden. Wenn es auch rein hypothetisch unter einem wolkenlosen Himmel geschehen w&#228;re, h&#228;tte es gereicht, um den Abbruch des Treffens und die Abreise der meisten Teilnehmer zu rechtfertigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Behauptung, er sei &#8222;provoziert&#8220; worden, rechtfertigt keinesfalls eine solche Reaktion und noch weniger die gebrauchten Begriffe welche, aus einer Art Schamgef&#252;hl, von niemandem in den etlichen Korrespondenzen auf dieser Liste wiederholt wurden. Dass jene Leute, welche sich w&#228;hrend Monaten abm&#252;hten, den materiellen Erfolg eines einw&#246;chigen Treffens zu garantieren, sich durch eine Darstellung einer Typologie der Lebensweise, welche sie (absichtlich oder nicht) in die Kategorie &#8222;Bourgeois&#8220; einteilt, angegriffen f&#252;hlen, ist sehr wohl verst&#228;ndlich. Es muss gesagt werden, dass es sich um theoretische oder politische Gr&#228;ben in der Pariser Aktivisten- oder sogenannten &#8222;autonomen&#8220; Szene handelt. Sie mussten als solche auf den Tisch kommen, doch: Die Entnervung, &#8222;den heissbl&#252;tigen Typ zu spielen&#8220;, ist nicht ein Charakterzug, sondern eine gesellschaftliche Rolle und eine Haltung, welche eine gewisse Stellung garantiert, sie ist an sich der Inhalt eines theoretischen Diskurses und nicht seine Form. Die Tatsache, von einer &#8222;Provokation&#8220; zu sprechen, bedeutet, einer politischen Uneinigkeit eine pers&#246;nliche Dimension zu geben, um eine Reaktion zu rechtfertigen, welche von einer politischen Haltung abh&#228;ngt, die an einem unbezwinglichen Charakterzug festh&#228;lt. Was daraufhin die Drohung einer Abrechnung erlaubt, als ob das alles pers&#246;nliche Angelegenheiten w&#228;ren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gab einen Angreifer und eine Angegriffene. Auch wenn wir denken, dass sie es nicht als M&#228;dchen war, so klebt doch die Tatsache, eines zu sein, so &lt;i&gt;nat&#252;rlich&lt;/i&gt; an der Haut, genau wie ein Arbeiterinnenstreik immer ein Frauenstreik ist, muss verbale Gewalt gegen&#252;ber einem M&#228;dchen ihr immer zeigen, dass sie, wie ein Makel, eines ist. Was auch immer die Meinungsverschiedenheiten in der besagten Szene, die uns pers&#246;nlich egal sind, sein m&#246;gen, war das das schlimmste und inakzeptabelste. Das ganze ging in den darauf folgenden Korrespondenzen nicht zur Neige, im Gegenteil, es verschlimmerte sich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#8222;Enth&#252;llung&#8220; des Privatlebens einer Person, indem man sich auf die Tatsache beruft, das Private sei politisch und m&#252;sse somit &#246;ffentlich sein, pervertiert den Zweck dieses Prinzips und seine Rechtfertigung, wenn sie nicht von der betroffenen Person entschieden und verantwortet wurde und vor allem wenn sie dazu dient, eine andere Aggression zu rechtfertigen und kleinzureden, wo eine Person als M&#228;dchen an ihren Platz zur&#252;ckgewiesen wurde. Zu sagen, dass das Private &#246;ffentlich oder politisch ist, verwischt nicht die Tatsache, dass das Private immer das Private &lt;i&gt;des &#214;ffentlichen&lt;/i&gt; ist, und dass seine Politisierung immer mit seiner Unterordnung einhergeht. Es ist immer eine Frage, welche den Widerspruch zwischen M&#228;nnern und Frauen betrifft, diese Politisierung bek&#228;mpft dieses Verh&#228;ltnis, doch wischt es nicht weg. Sogar eine Best&#228;tigung des Privaten als politisch kann eine Best&#228;tigung der Herrschaft sein, man denke an ganz andere Umst&#228;nde, n&#228;mlich die Aktivit&#228;t der Frauen in den Zentren der Textilindustrie im Delta &#196;gyptens. Nichts spielt sich &lt;i&gt;unmittelbar&lt;/i&gt; zwischen &#214;ffentlichem und Privatem oder Privatem und Politischem ab, denn es sind zwei Instanzen, welche nicht nur nicht unabh&#228;ngig sind und sich begegnen, sondern in einem Verh&#228;ltnis der Unterordnung des einen gegen&#252;ber des anderen zueinander stehen. Die Best&#228;tigung des Privaten als politisch bedeutet nicht nur eine Art Enth&#252;llung, sondern auch einen Kampf innerhalb der auferlegten Bedingungen der Enth&#252;llung. Entschuldigt diese &#8222;theoretische Abschweifung&#8220;, obwohl es um Personen und ihr konkretes und unmittelbares Leben geht, doch manchmal kann die Theorie auch dazu dienen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Mehrheit der Teilnehmer des Treffens entschied also, dieses aus den obengenannten Gr&#252;nden abzubrechen, und traf sich in Marseille mit dem Bed&#252;rfnis, die anderen Teilnehmer von &lt;i&gt;Sic&lt;/i&gt; auf den Abbruch dieses Treffens und die Gr&#252;nde daf&#252;r aufmerksam zu machen. Das war also das ber&#252;hmte &#8222;Kommuniqu&#233;&#8220;, das mit &#8222;Sic Admin&#8220; unterschrieben war. Unserer Meinung nach ist die einzige m&#246;gliche Kritik gegen&#252;ber diesem Kommuniqu&#233;, dass es in Bezug auf das Wesen der nur evozierten Gewalt nicht explizit genug war. Ja, es war nat&#252;rlich eine Fraktionsaktivit&#228;t und das &lt;i&gt;vom Administrator&lt;/i&gt; der Liste &#252;bermittelte Kommuniqu&#233; war mit &#8222;Sic Admin&#8220; unterschrieben. Da die Massnahme oder die Entscheidung dieser Fraktion (trotz allem die Mehrheit der Teilnehmer des Treffens), &lt;i&gt;Sic&lt;/i&gt; zu verlassen, &lt;i&gt;de facto&lt;/i&gt; betr&#228;chtliche Konsequenzen f&#252;r &lt;i&gt;die Gesamtheit von Sic&lt;/i&gt; hatte, war &#8222;Sic Admin&#8220; die angemessene Unterschrift. Es gab andere Vorschl&#228;ge, doch schliesslich waren alle Anwesenden mit dieser L&#246;sung einverstanden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der &#8222;Ortswechsel&#8220; des Treffens wurde nicht aus materiellen Gr&#252;nden vorgeschlagen (Ort des Treffens oder Unf&#228;higkeit der Leute, welche sich anboten, es zu organisieren), als ob der Grund f&#252;r die Ereignisse in Campestre in einem &#8222;Organisationsproblem&#8220; l&#228;ge, sondern klar und eindeutig, um zu verhindern, dass es an einem Ort stattfindet (Montreuil), wo das ganze Umfeld und die Leute f&#252;r eine Wiederholung der gleichen Ereignisse vorhanden gewesen w&#228;re.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Ereignisse h&#228;tten gen&#252;gt, um das Treffen abzubrechen und die Beziehung zwischen etlichen Teilnehmern von &lt;i&gt;Sic&lt;/i&gt; und somit auch die Fortsetzung des Projekts schwer zu belasten, doch sie waren f&#252;r uns auch der alles andere als zuf&#228;llige Gnadenstoss f&#252;r ein im Sterben liegendes Projekt. Die Inflation der Anzahl Teilnehmer der Liste, die wachsende Vielf&#228;ltigkeit ihrer geographischen Herkunft sind nur eine Hinzuf&#252;gung, doch kein gemeinsames Projekt. Das Thema der &#8222;Kommunisierung&#8220; und die Bezeichnung &#8222;Kommunisierer&#8220; k&#246;nnen schlicht und einfach als Unterscheidung zu einer Mode werden, als eine Angst vor der Leere innerhalb der Leere. &#8222;Kommunisierer&#8220; zu sein ist zu einer Art und Weise geworden, den anderen Identit&#228;ten der Szene etwas entgegenzustellen, eine Art Gegenhaltung, die darin besteht, dass man sagt &#8222;Wir sehen uns nicht als Revolution&#228;re&#8220; (was bedeutet: womit wir zu &lt;i&gt;echten&lt;/i&gt; Revolution&#228;ren werden), doch nachdem das einmal gesagt ist, fragt man sich, was man tun k&#246;nnte und was wir eigentlich sind. Der radikale Demokratismus ist dahingeschieden, die Unterscheidung mit den Alternativen diverser Pr&#228;gungen ist vorausgesetzt, ohne dass sie etwas hervorbringen w&#252;rde. Man benutzt also ins Blaue hinein &#8222;die Klassenzugeh&#246;rigkeit als &#228;usserer Zwang&#8220;, die &#8222;Diskrepanz&#8220;, manchmal gar die &#8222;Konjunktur&#8220; oder &#8222;die Verschr&#228;nkung des Klassen- und Genderwiderspruchs&#8220; ein bisschen wie Mantras.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Krise bleibt, ohne dass sie, zumindest bei uns (Westeuropa, Nordamerika), die grossen aufst&#228;ndischen Wellen ausl&#246;st, welche Griechenland zu versprechen schien, Griechenland selbst ist schlichtweg K.O., und somit gibt es im Moment nicht viel zu holen: einige Ausschreitungen in England, eine Bewegung gegen die Rentenreform in Frankreich...Nat&#252;rlich gibt es da noch Bangladesch und China, doch obwohl wir global und internationalistisch sind, ist die Bedingung der unter Tr&#252;mmern begrabenen Textilarbeiterin oder des Wanderarbeiters von Apple etwas weit weg von uns. Was geschieht (Iran, Brasilien, T&#252;rkei, die Bewegungen rund um &lt;i&gt;occupy&lt;/i&gt; und die Emp&#246;rten, oder die &#8222;arabischen Revolutionen&#8220;), macht uns aufgrund seiner Komplexit&#228;t stutzig, und wir wissen nicht so genau, was damit anstellen. Nichts geschieht wie &#8222;geplant&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Text &lt;i&gt;Ende von Meeting&lt;/i&gt; (TC 23, 2010) wurde eine Nachfolgezeitschrift folgendermassen definiert: &#8222;&lt;i&gt;Meeting&lt;/i&gt; ist tot, die n&#228;chste Etappe muss unseres Erachtens auf neuer Grundlage erstellt werden. Es geht um unsere Anstrengungen f&#252;r diese internationale Zeitschrift, welche entstehen wird oder auch nicht und weder TC, noch irgendeine andere Zeitschrift ersetzt, an welcher die Mitglieder dieser internationalen Ver&#246;ffentlichung, unter anderem, beteiligt sind. Diese Zeitschrift wird nicht mehr die gleiche Problematik und auch nicht die gleichen Voraussetzungen wie &lt;i&gt;Meeting&lt;/i&gt; haben. Diese Zeitschrift ist nur ein Aspekt dieses &#8222;anderen&#8220;, welches Texte wie &lt;i&gt;Revendiquer pour le salaire&lt;/i&gt; (&lt;i&gt;Die Lohnforderung&lt;/i&gt;, TC 22) oder &lt;i&gt;Le plancher de verre&lt;/i&gt; (&lt;i&gt;Die Glasdecke&lt;/i&gt;, in &lt;i&gt;Les &#233;meutes en Gr&#232;ce&lt;/i&gt;, Ed. Senonevero) zu definieren suchten. Die Frage der Kommunisierung wird im Kern selbst der Ausbeutung und der Mehrwertproduktion neu begr&#252;ndet. (&#8230;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir tun andere Dinge auf anderen Grundlagen, nicht diese unausgesprochenen Dinge &#8222;Theorie&#8220; und &#8222;Aktivit&#228;t&#8220;, welche als wesentliche Streitpunkte innerhalb von Meeting die Intervention voraussetzten, denn die Aktivit&#228;t &lt;i&gt;ist da&lt;/i&gt; und &#8222;entspricht&#8220; fast der Theorie. Wir sind nicht mehr die Kritik von nichts, sondern die Best&#228;tigung von etwas, oder besser gesagt, die Kritik des Kapitalismus, da Best&#228;tigung seiner &#8222;sichtbaren&#8220; &#220;berwindung?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Damit war das spurlose Verschwinden der autonomen Szene und der Bewegung der direkten Aktion verbunden.&#034;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Text von 2009 war etwas &#252;berst&#252;rzt. Der Verlauf der Krise erwies sich als viel komplexer, Klassen, Klassensegmente und heterogene gesellschaftliche Gruppierungen, welche wir, nicht im Sinne einer allgemeinen Analyse, sondern bez&#252;glich der Existenzberechtigung dieser Zeitschrift, vernachl&#228;ssigt hatten, wurden von ihr ersch&#252;ttert. Manchmal dr&#228;ngt das Herz das Hirn in den Hintergrund.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir denken nicht, dass eine neue Periode der Restrukturierung beginnt, sondern eine Unterperiode dieser Krise, in welcher die ausbrechenden Konflikte wesentlich von den Merkmalen der kriselnden Phase der kapitalistischen Produktionsweise bestimmt sind. Diese reichen von Arbeiteraufst&#228;nden bis hin zur Emp&#246;rung der Mittelklassen (diesbez&#252;glich denken wir, dass man bez&#252;glich der Besonderheit der Mittelklasse klar sein und damit aufh&#246;ren muss, zwischen Inter- und Intraklassismus hin- und herzuwechseln), verbunden mit all den Problemen, welche das Konzept der Konjunktur mit seiner Idee einer Planungskrise der Instanzen als Krise der Selbstreproduktion und seiner Fokussierung auf die Widerspr&#252;che zu erfassen sucht. In Bezug auf diesen letzten Punkt wagen wir zu behaupten, dass die aktuelle Fokussierung der Staat und genauer die Krise der &lt;i&gt;Entnationalisierung des Staates&lt;/i&gt; ist, welche man mit der in der aktuellen Krise konterproduktiv gewordenen Dreizonenteilung (TC 24; S. 28) und der Entkoppelung von Kapitalverwertung/Reproduktion der Arbeitskraft (T&#252;rkei, Brasilien, die j&#252;ngsten Konfrontationen in &#196;gypten, die stetigen K&#228;mpfe in China, Bangladesch usw.; ohne von Westeuropa zu sprechen) in Verbindung bringen kann. Eine solche Fokussierung auf die Widerspr&#252;che ist nicht im Vorhinein zielgerichtet und birgt mehrere Gefahren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um diese durch die &#8222;arabischen Revolutionen&#8220; er&#246;ffnete Unterperiode zu verstehen, muss man von folgendem ausgehen: 1) der &#220;bereinstimmung &lt;i&gt;dieser&lt;/i&gt; Krise zwischen Unterkonsumtion und &#220;berakkumulation;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und dadurch 2) Krise einer definitorischen Bestimmung dieser Periode der kapitalistischen Produktionsweise, welche in eine Krise tritt: die Zonendreiteilung; 3) seit den &#8222;Emp&#246;rten&#8220;, dann den arabischen Revolutionen, T&#252;rkei, Brasilien usw., ohne Griechenland und Portugal zu vergessen: Koh&#228;renzverlust des Systems: die Dreiteilung ist konterproduktiv geworden (TC 24, S. 28), sowohl f&#252;r das Proletariat als auch f&#252;r die Mittelklassen und die kapitalistische Klasse. Niemand weiss, wohin er geht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Fokussierung der Widerspr&#252;che als &lt;i&gt;Staatskrise&lt;/i&gt; (ein entnationalisierter Staat) hat etliche M&#246;glichkeiten er&#246;ffnet: der Nationalismus nicht nur als Ideologie des Klassenkampfes, sondern als Arbeit der Wiederzusammensetzung des globalen Zyklus. Die Entkupplung zwischen Kapitalverwertung und Reproduktion der Arbeitskraft war ein globales System. China, Indien, Brasilien sind hin- und hergerissen zwischen ihrer funktionellen Rolle im System, welches zusammenbricht, und ihrer eigenen errungenen Entwicklung, welche sie noch nicht f&#252;r sich selbst verwerten k&#246;nnen. Diese L&#228;nder hatten dort ihren Platz, gleichzeitig als aufsteigenden autonome wirtschaftliche M&#228;chte und Teile dieser globalen Struktur. Eine Rekonfiguration des globalen Zyklus des Kapitals, welche die gegenw&#228;rtige Globalisierung verdr&#228;ngt (eine Renationalisierung der Wirtschaften, welche die Globalisierung &#252;berwindet/beibeh&#228;lt, eine Definanzialisierung des produktiven Kapitals?), ist eine Hypothese, welche ausserhalb unserer Reichweite liegt, weil sie ausserhalb dieses Kampfzyklus liegt, sie setzt die Revolution wie sie in diesem Zyklus als besiegt getragen wird und, innerhalb dieser Niederlage, eine Restrukturierung der kapitalistischen Produktionsweise voraus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gegenw&#228;rtig ist der Staat das Problem, gleichzeitig pr&#228;sentieren ihn alle, welche ihn zum Problem machen, als die L&#246;sung. Die Grenze der K&#228;mpfe aller Klassen &lt;i&gt;und dessen, was sie vereint&lt;/i&gt;, ist die Betrachtung ihrer K&#228;mpfe als Redefinition des Staates, denn diese selbst existieren, als K&#228;mpfe, als Moment der Krise der Zoneneinteilung. Die Vielf&#228;ltigkeit der gegenw&#228;rtigen K&#228;mpfe und der Klassen oder Klassensegmente, welche sie tragen, wird nicht zu einer Vereinigung der K&#228;mpfe f&#252;hren, sondern zu Konflikten, weil gewisse Tendenzen ihren vorherrschenden Charakter den anderen Tendenzen aufdr&#228;ngen, was nur dazu f&#252;hren kann, diese vorherrschende Tendenz selbst zu verwandeln, indem sie Vertreter der &#220;berwindung der Gesamtheit der bestehenden Widerspr&#252;che wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In dieser Verschr&#228;nkung zwischen der Krise eines entnationalisierten Staates, dem Interklassismus und den zentralen Arbeiterk&#228;mpfen, welche jedoch in diesem Interklassismus ihre Daseinsberechtigung und ihre Grenze haben, geht es gleichzeitig um die Sackgasse dieser K&#228;mpfe, ihrer von sich selbst ausgehenden Negation, die M&#246;glichkeit ihrer &#220;berwindung und &lt;i&gt;last but not least&lt;/i&gt; die Restrukturierung der kapitalistischen Produktionsweise.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Projekt &lt;i&gt;Sic&lt;/i&gt; h&#228;tte einen Sinn haben k&#246;nnen, indem es diese &lt;i&gt;Situation&lt;/i&gt; und ihren Kontext analysiert, um eine Art freie Stimme zu sein, welche ausserhalb ihrer unmittelbaren Produzenten gebraucht werden kann und wird, was scheinbar begonnen hat, der Fall zu sein. Es ist diese Unterperiode, welche der Gegenstand und die Daseinsberechtigung von &lt;i&gt;Sic&lt;/i&gt; h&#228;tte sein k&#246;nnen, und nicht die scheinheilige Behauptung der kommunisierenden Perspektive und eine Serie von &#8222;Was weiss ich&#8220; &#252;ber die &lt;i&gt;Kommunisierung&lt;/i&gt; und die &lt;i&gt;kommunistischen Massnahmen&lt;/i&gt;. Diese Perspektive muss wieder in die Analyse der heutigen Zeit zur&#252;ckkehren, auch unter dem Risiko &lt;i&gt;normativ&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;ideal&lt;/i&gt; zu sein und noch mehr muss daraus abgeleitet werden. Wenn die gebrauchten Begriffe auch st&#246;rend sein m&#246;gen, die &#8222;zweite Phase der Restrukturierung&#8220; der griechischen Genossen beschreibt etwas wirkliches. Und wieso soll man dies nicht die &#8222;&#196;ra der Aufst&#228;nde&#8220; nennen? Der Text &lt;i&gt;Von Schweden zur T&#252;rkei&lt;/i&gt; kam zum richtigen Zeitpunkt, denn es war schlimm, dass niemand, auch wir nicht, eine Analyse und eine Arbeitsgruppe zum Thema, wo wir uns in der Krise befinden, anzubieten hatte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist nicht geschehen. In Anbetracht der Vorschl&#228;ge, gewisse Texte aus dem Inhaltsverzeichnis zu streichen, entstand heftiger Widerstand der emp&#246;rten Autoren, sie gingen soweit, diesen Vorschlag als &#8222;inakzeptabel&#8220; zu bezeichnen (was bedeutet, dass man ihn nicht mal diskutieren kann), man sah einen politischen Putsch von TC, wenn nicht gar eine &#8222;Aneignung des Projekts durch eine Organisation&#8220;, was nat&#252;rlich &#8222;inakzeptabel&#8220; ist, denn wie jemand ohne zu lachen gesagt hat, &#8222;ist das Eigentum eine b&#252;rgerliche Kategorie&#8220; (ohne Witz). Die vorgeschlagenen &#196;nderungen wurden nicht mal diskutiert, jeder wollte seine Viertelstunde Ruhm in der Sonne von &lt;i&gt;Sic&lt;/i&gt;. Theorie ausgehend von &#8222;Kampfberichten&#8220; zu machen, welch ein Horror, wo wir doch hier sind, um zu diskutieren, wie wir es mit der Kommunisierung haben. Dass &lt;i&gt;Sic&lt;/i&gt; zu einem Briefkasten verkommt, ist nicht interessant &#8211; doch das betrifft uns nicht mehr!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unserer Meinung nach befindet sich &lt;i&gt;Sic&lt;/i&gt;, aufgrund der Ohnmacht der Ausgangsperspektive gem&#228;ss welcher die Kommunisierung wie ein offenes Buch in der Entwicklung der Krise gelesen werden kann, in einem h&#246;llischen Zwiespalt zwischen der Unm&#246;glichkeit einerseits die Aktivistenszene loszuwerden, eine Leiche, die sich immer noch bewegt und sogar w&#228;hrend der Bewegung gegen die Rentenreform eine neue Frische als Zombie eines radikalen Programmatismus gefunden hat, und andererseits einem marxistischen Akademismus, der zum guten Ton geh&#246;rt und der, eben genau wegen dieser Ohnmacht und dieser Verzerrung, die Theorie der Kommunisierung zu einer &lt;i&gt;Idee&lt;/i&gt; und einer &lt;i&gt;Norm&lt;/i&gt; und somit zur Bedeutungslosigkeit verdinglichen konnte. Im Gegensatz zu unserem Standpunkt in &lt;i&gt;Fin de Meeting&lt;/i&gt;, k&#246;nnen die einen mit der Kommunisierung noch so tun, als ob sie gestikulierten; und die anderen sich abm&#252;hen, den Marxismus als zeitgem&#228;sse Wahrheit wieder herzustellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r die einen wie f&#252;r die anderen geht es allen voran um die Kommunisierung als &lt;i&gt;Ziel&lt;/i&gt;, als &lt;i&gt;Idee&lt;/i&gt;. Die Debatte &#252;ber den Wert und die Planung im Kommunismus (nennen wir es so), eine der wenigen auf der &lt;i&gt;Sic&lt;/i&gt;-Liste, war bezeichnend f&#252;r diese Situation. Eine zukunfsorientierte und normative Debatte, die vergisst, dass die Frage des Fortbestands des Werts nicht in der Historizit&#228;t oder Ahistorizit&#228;t der Abstraktionen oder in der besten Art und Weise liegt, den Topf zum Sieden zu bringen, sondern in den gegenw&#228;rtigen Bedingungen des Klassenkampfes und somit im wenigen, das man vom eventuellen revolution&#228;ren Verlauf, getragen von diesem Kampfzyklus, wissen kann: die kommunistischen Massnahmen. Doch es war schon zu sp&#228;t. Der Aktivismus pr&#228;sentiert die Kommunisierung als L&#246;sung und Perspektive f&#252;r die K&#228;mpfe, wie man es zuvor mit der &#8222;Regierung der Volkseinheit&#8220; tun konnte, und der Akademismus macht aus der Kommunisierung die angemessenste zeitgem&#228;sse Lesart auf dem Markt der Marxschen Konzepte, immer darauf bedacht, die Albernheiten gewisser Meister nicht zu stark zu kritisieren, was das Leben von &lt;i&gt;Sic&lt;/i&gt; formatiert hatte. In der wirklichen Verzerrung der kommunisierenden Perspektive wurde diese zu einer &lt;i&gt;Idee&lt;/i&gt; oder einer &lt;i&gt;Parole&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;All das geisterte schon lange explizit in unseren K&#246;pfen herum und es gab etliche Anzeichen, doch in der Verzerrung der kommunisierenden Perspektive wurde das Medium zum Zweck. Die Erhaltung und Ausbreitung einer &#8222;theoretischen Szene der Kommunisierung&#8220; ist schnell wichtiger geworden als die historische und gesellschaftliche Angemessenheit, welche jede Zeitschrift braucht, es wurde zum eigentlichen Zweck. Wir waren bereit, die Prahlereien und die Intrigen der Aktivisten, die universit&#228;ren &lt;i&gt;Power-Point&lt;/i&gt;-Pr&#228;sentationen und die unproduktive Wiederholung einiger Konzepte als Begleiterscheinungen im Namen der notwendigen Vielf&#228;ltigkeit der Str&#246;mung der Kommunisierung zu betrachten, doch eigentlich versuchten wir nur, &lt;i&gt;unsere eigene theoretische und &#8222;gesellschaftliche&#8220; Behaglichkeit&lt;/i&gt; unter dem Deckmantel eines verantwortungsbewussten Verhaltens und der Notwendigkeit der Debatten &lt;i&gt;zu erhalten&lt;/i&gt;. Die Meinungsverschiedenheiten m&#252;ssen auf den Tisch gelegt, die gegenw&#228;rtige Zerstreuung kann nicht verschwiegen werden, sie ist notwendig und willkommen. Es muss jedoch gesagt werden dass wir bis zu jenem Punkt, wo der Schein selbst von Gemeinsamkeiten mit der Theorie des Genderwiderspruchs verschwunden ist, wo an einem Ort, an einem Tag, in einer vollendeten Tatsache alle Spannungen explodierten, die Hoffnung nicht aufgegeben hatten. Die Hoffnung, die Wunde, die der Sonne am n&#228;chsten ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Daf&#252;r haben wir bezahlt. Die Akademiker brauchten nur ihre eigenen Reflexionen und das Erscheinen der Zeitschrift, m&#246;glichst dick und gut geschrieben, und kamen ohne die Treffen aus; den Aktivisten, welche nichts anzubieten haben, blieb nur noch die Nabelschau ihrer Streitigkeiten in einem lebenswichtigen Drang, eben diese Treffen und die Zeitschrift als Schaufenster ihrer Existenz und ihrer Identit&#228;t zu gebrauchen; der Genderwiderspruch bedeutete das Ende dieses anf&#228;nglichen Konsens.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Genau wie die Wolke das Gewitter ank&#252;ndigt, geschahen auch die Ereignisse in Campestre nicht unter einem klaren Himmel. Wenn die Lebensweisen zu &#8222;theoretischen&#8220; und &#8222;politischen&#8220; Fragen werden, muss mit dem Schlimmsten gerechnet werden. Und wie &#252;blich geschah das Schlimmste dreimal. Wir behaupten nicht, dass der Zeitpunkt, der Vorwand, der Inhalt und die Form davon vorhersehbar war, doch in einer Versammlung, welche, aufgrund der oben erkl&#228;rten Gr&#252;nde, fast ganzheitlich aus Leuten bestand, welche sich innerhalb oder am Rande dieses &#8222;Aktivisten&#8220;- oder &#8222;autonomen&#8220; Dunstkreis bewegen: Das Schlimmst war dort in seinem Biotop. Die Konfrontationen &#252;ber Lebensweisen artikulieren sich notwendigerweise rund um zwei Achsen: Geld und Sex. &#8222;Bourgeois&#8220; und &#8222;dreckige Hure&#8220;. Doch zwischen diesen beiden gibt es keine Gleichwertigkeit, kein Gleichgewicht, keine Symmetrie. Das eine kann diskutiert werden, man kann vern&#252;nftig darauf antworten (unter der Bedingung, aus dem &#8222;Ausrasten&#8220; nicht eine gesellschaftliche und politische Positionierung zu machen), man kann eine Typologie kritisieren und sogar die Tatsache, sie zu erstellen; das andere kann nicht diskutiert werden: es ist massiv, hieb- und stichfest, auf &#8222;dreckige Hure&#8220; gibt es keine Antwort.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r uns ist die Schlussfolgerung dieses Zwiespalts, dass es innerhalb &lt;i&gt;Sic&lt;/i&gt; nichts mehr zu tun gibt, umso mehr, weil die Frage des Klassen- und Genderwiderspruch symptomatisch brutal und experimentell dargestellt wird. Es scheint bei der Lekt&#252;re der Mails, welche auf die Ereignisse von Campestre folgten, dass das Scheitern des Treffens und der Reflexion &#252;ber dessen Gr&#252;nde zur Anekdote verkommen ist. Schon unmittelbar danach ging es auf der &lt;i&gt;Sic&lt;/i&gt;-Liste nur darum, das &lt;i&gt;business as usual&lt;/i&gt; weiterzuverfolgen, indem von den &lt;i&gt;beiden&lt;/i&gt; Protagonisten, wenn man daran dachte, verlangt wurde, dass sie sich &#8222;vers&#246;hnen&#8220;, und von jenen, welche die Liste verliessen, dass sie sich &#8222;verantwortungsbewusst&#8220; verhalten (es muss gesagt werden, dass dieser Aufruf zur &#8222;Vernunft&#8220; erst lanciert wurde, als die Mitglieder von TC die Liste verlassen haben und auch erst, als es besonders zwei davon betraf). Man konnte dabei auch die sehr franz&#246;sische Neigung zur Aggressivit&#228;t und zum Mobbing beobachten: der &lt;i&gt;French touch&lt;/i&gt;. Jeder weiss, dass Frankreich nat&#252;rlich einhergeht mit Asterix.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Hauptthema ist jetzt die Hegemonie von TC und die grosse Erleichterung, welche der Austritt der Mitglieder bei einigen ausgel&#246;st hat. Wenn unser Austritt und jener von anderen Genossen diesen Effekt haben kann, umso besser. Gutes Gelingen und viel Gl&#252;ck. F&#252;r jene, welche diesen Austritt bereuen oder darin ein Aufgeben sehen, sage ich nur, dass es Momente gibt, wo Entscheidungen getroffen werden m&#252;ssen, und dass diese nie zuf&#228;llig sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Wir m&#252;ssen brechen.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und da die Frage gestellt wurde, es ist selbstverst&#228;ndlich, dass die von den Unterzeichnern dieses Briefes verfassten Texte weiterhin jenen zur Verf&#252;gung stehen, welche weitermachen, und in &lt;i&gt;Sic&lt;/i&gt; 2 oder 3 ver&#246;ffentlicht werden k&#246;nnen, falls der Wunsch besteht, das in irgendeiner Form zu tun. Es ist ebenfalls selbstverst&#228;ndlich f&#252;r uns, dass unsere Teilnahme am Treffen im November ausgeschlossen ist und nat&#252;rlich auch seine Organisation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;H&#228;tten wir b&#246;se Absichten, Gott bewahre, so w&#252;rden wir im Gegenzug jene auffordern, welche &lt;i&gt;Sic&lt;/i&gt; weiterf&#252;hren, ihre g&#252;tliche Einigung mit der Situation und den Ereignissen zu erkl&#228;ren. &#220;brigens haben einige von uns trotz ihres Alters M&#252;he, die Ausgeglichenheit der &#8222;Alten von gestern&#8220;, jener, welche auch schon andere gesehen haben, zu teilen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Perspektive einer internationalen Zeitschrift ist nicht definitiv abgeschlossen, doch Kl&#228;rung ist n&#246;tig, sowohl zwischen uns als auch in der Geschichte &#8211; welche lange ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Freundschaftlich und bis zum n&#228;chsten Mal&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;[Unterschriften der Mitglieder von &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von Kommunisierung.net&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://blogtc.communisation.net/?p=57&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Bernard Lyon - Der ausgesetzte Schritt der Kommunisierung</title>
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&lt;p&gt;Erster Teil. Kommunisierung vs. Vergesellschaftung &lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Der &#228;usserste Punkt der gegenseitigen Verschr&#228;nkung der Klassen ist die Bem&#228;chtigung der Produktionsmittel durch das Proletariat. Es reisst sie an sich, kann sie sich jedoch nicht aneignen. Die vom Proletariat vorgenommene Aneignung kann keine sein, denn sie wird nur durch ihre Aufhebung als Klasse vollendet.&#034; (L'auto-organisation est le premier acte de la r&#233;volution, la suite s'effectue contre elle [Die Selbstorganisation ist der erste (...)&lt;/p&gt;


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		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Erster Teil. Kommunisierung vs. Vergesellschaftung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#034;Der &#228;usserste Punkt der gegenseitigen Verschr&#228;nkung der Klassen ist die Bem&#228;chtigung der Produktionsmittel durch das Proletariat. Es reisst sie an sich, kann sie sich jedoch nicht aneignen. Die vom Proletariat vorgenommene Aneignung kann keine sein, denn sie wird nur durch ihre Aufhebung als Klasse vollendet.&#034; (&lt;i&gt;L'auto-organisation est le premier acte de la r&#233;volution, la suite s'effectue contre elle&lt;/i&gt; [&lt;i&gt;Die Selbstorganisation ist der erste Akt der Revolution, was folgt, ist gegen sie gerichtet&lt;/i&gt;])&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Bem&#228;chtigung der Elemente des Kapitals, Aneignung oder Kommunisierung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Frage der Kommunisierung ist jene nach der &#220;berwindung durch das Proletariat, oder eher durch die Proletarier, der Verteidigung ihrer Bedingung und somit ihrer gegenseitigen Verstrickung mit dem Kapital hin zu einer T&#228;tigkeit, die nicht eine Vergesellschaftung, d.h. eine Art der Verwaltung der Wirtschaft, ist, sondern die Konstitution einer Gemeinschaft von Individuen, welche unmittelbar ihre Konstituenten sind. Die Gesellschaften, d.h. die Gemeinschaften, welche von einer Klasse beherrscht und repr&#228;sentiert werden, bilden eine Einheit der Individuen, welche Teil von ihr sind, doch diese Individuen sind nur als Teil einer Klasse Mitglieder dieser Gesellschaften; die einzelnen Individuen haben keine gesellschaftliche Existenz. Die Kommunisierung wird &lt;i&gt;mittels&lt;/i&gt; der Bem&#228;chtigung der Mittel zum Lebensunterhalt, zur Kommunikation, des Transports und der Produktion im engeren Sinne durchgef&#252;hrt. Die Kommunisierung der Beziehungen, die Konstitution einer menschlichen Gemeinschaft/des Kommunismus wird f&#252;r den Kampf, im Kampf und durch den Kampf gegen das Kapital verwirklicht, man kann in diesem Kampf nicht die &#220;bernahme der materiellen Mittel und die Transformation der Proletarier in unmittelbar gesellschaftliche Individuen einander entgegenstellen: Es handelt sich um ein und dieselbe T&#228;tigkeit und diese &#220;bereinstimmung ist durch die aktuelle Form des Widerspruchs Proletariat/Kapital gegeben. Der radikale Unterschied zur Vergesellschaftung ist die Tatsache, dass es sich nicht um eine &#196;nderung des Eigentumsstatus der materiellen Mittel handelt. In der Kommunisierung gibt es keine &lt;i&gt;Aneignung&lt;/i&gt; der G&#252;ter durch irgendeine Instanz: Staat, Kommune oder gar Arbeiterrat, welche die das Kapital enteignenden Proletarier repr&#228;sentiert, beherrscht und somit daraus eine &lt;i&gt;Aneignung&lt;/i&gt; macht. Ein Wechsel des Eigentumsregimes ist die Konstitution einer neuen Wirtschaftsform, namentlich der Sozialismus, auch wenn er sich solidarische &#214;konomie nennen w&#252;rde. Als der Sozialismus real m&#246;glich war, wurde der Kommunismus auf das Ende der Zeiten vertagt, dies war faktisch die Unm&#246;glichkeit des Sozialismus, zu sein, was er vorgab, zu sein: Die &#220;bergangsphase zum Kommunismus, der Sozialismus war letztendlich die angemessene Konterrevolution zur einzigen wirklich m&#246;glichen Revolution dieser Periode. Die Kommunisierung ist keine Wirtschaft, sie nimmt alles, hat jedoch kein anderes Ziel als sich selbst. Die Kommunisierung ist nicht ein Kampf &lt;i&gt;f&#252;r&lt;/i&gt; den Kommunismus, sie ist der Kommunismus, welcher sich gegen das Kapital konstituiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Verschr&#228;nkung der Kommunisierung und der Vergesellschaftung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zwar ist die kommunisierende Handlung der Ausgang des Klassenkampfs in einer revolution&#228;ren Krise, doch die gleiche Handlung der Bem&#228;chtigung kann, wie wir gesehen haben, Kommunisierung oder Vergesellschaftung sein. Jede Handlung dieser Art kann die eine oder die andere Form annehmen, alles h&#228;ngt von der Dynamik, vom sich konstant ver&#228;ndernden Rahmen, d.h. vom Kampf gegen das Kapital ab, welcher sich vertieft und ausbreitet oder langsamer wird und sehr schnell allm&#228;hlich zum Erliegen kommt. Alles h&#228;ngt auch vom Kampf innerhalb des Kampfes gegen das Kapital ab. Die Konstitution des Kommunismus ist verschr&#228;nkt mit der Konstitution einer allerletzten Form der sozio-&#246;konomischen kapitalistischen Alternative. Die Tendenz zur Konstitution von Instanzen, welche versuchen, aus der Bem&#228;chtigung der materiellen Mittel eine wirtschaftliche und politische Vergesellschaftung zu machen, wird bis zur vollst&#228;ndigen Kommunisierung permanent sein. Diese Fortdauer einer Bremse, welche von der kapitalistischen Konterrevolution innerhalb der Revolutionsbewegung gebraucht werden kann, ist gleichbedeutend mit der Existenz bis zuletzt einer Dimension der Affirmation und der Befreiung der Arbeit, denn die Revolutionsbewegung ist und bleibt eine Bewegung der Klasse der Arbeit, sogar in der &#220;berwindung der T&#228;tigkeiten als Arbeit. Die Aufrechterhaltung dieser Affirmation wird durch die noch nicht aufgehobene Existenz des Kapitals hervorgebracht, solange das Kapital gegen&#252;ber dem Proletariat existiert, sogar gegen&#252;ber dem Proletariat, welches dabei ist, es aufzuheben, d.h. dabei ist, sich selber aufzuheben, bewahrt das Proletariat eine Positivit&#228;t, wenn auch diese Positivit&#228;t der Arbeit nicht mehr vom Kapital best&#228;tigt wird, so wird sie doch im revolution&#228;ren Prozess reaktiviert, denn die gesellschaftliche Reproduktion wird in diesem Prozess abh&#228;ngig vom Proletariat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Vergangenheit der Revolutionen zeigt uns nur zu gut, dass &#8222;die rote Fahne gegen die rote Fahne geschwenkt werden kann&#8220;, bis zum Eintreffen der Freikorps&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Kapital &#8222;wird nicht z&#246;gern&#8220;, erneut zu proklamieren, dass die Arbeit &#8222;die einzige produktive T&#228;tigkeit ist&#8220;, um die Bewegung ihrer Aufhebung aufzuhalten und sie wieder zu seiner gef&#252;gigen Dienerin zu machen, sobald es dazu f&#228;hig sein wird. Die einzige &#220;berwindung dieser Dimension ist der Sieg der Kommunisierung, welche gesicherte Aufhebung der kapitalistischen Klasse und des Proletariats ist. Die &#220;berwindung dieser Konterrevolution wird nicht immer irenisch sein, sie wird nicht immer &#8222;in der Bewegung&#8220; vorgenommen, wird keine wahre und beschleunigte Version des im Sozialismus vorgesehenen &#8222;Absterbens des Staates&#8220; sein. Jede staatliche oder parastaatliche Form wird immer alles tun, um sich im Namen selbst der Notwendigkeit ihres sp&#228;teren Absterbens aufrechtzuerhalten! Diese Verkn&#246;cherung und dieser Fortbestand sind nicht &#8222;konterrevolution&#228;re Tendenzen innerhalb der Revolution&#8220;, sondern DIE Konterrevolution. DIE kapitalistische Konterrevolution &lt;i&gt;gegen&#252;ber&lt;/i&gt; der Revolution.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Kommunismus k&#228;mpft nicht gegen die Demokratie, doch die Konterrevolution gibt sich als demokratisch aus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die radikale Demokratie wird im Namen der Aufhebung der Klassen selbst alles zur Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung von Wahlstrukturen tun, welche gem&#228;ss ihr notwendig sind, um die Konstitution einer neuen sich selbst einsetzenden und unkontrollierten F&#252;hrungsschicht zu vermeiden. Die Konstitution des Kommunismus ist mit der Konstitution einer allerletzten Form des Sozialismus verschr&#228;nkt, wenn auch die Bewegung, welche ihn trug, die Arbeiterbewegung, definitiv verschwunden ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kampf darum, die in der Enteignung des Kapitals aktivsten Fraktionen des Proletariats &#8222;wieder zur Vernunft zu bringen&#8220;, wird umso heftiger sein, weil er sich als Verteidigung der demokratischen Revolution pr&#228;sentieren wird und es ablehnt, dass &#8222;Minderheiten&#8220; die Errungenschaften der Mehrheit kompromittieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Verteidigung der Errungenschaften bedeutet die M&#246;glichkeit einer Phase der Konterrevolution&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Kommunisierung wird nie Errungenschaften haben, alle Enteignungen, welche die unmittelbare Gemeinschaft konstituieren, werden als reine Enteignungen, wilde Aneignungen in Frage gestellt, sie werden zu Vergesellschaftungen erkl&#228;rt sobald die Bewegung langsamer wird und sich eine parastaatliche Instanz bildet, um zu verteidigen, was &lt;i&gt;in diesem Moment&lt;/i&gt; als Errungenschaften und Elemente zur Konstitution einer m&#246;glichen neuen Wirtschaft erscheinen wird. Die Klasse erkennt sich selbst als geteilt und verschieden, um sich aufzuheben; die Aufhebung des Proletariats als Aufl&#246;sung aller Klassen impliziert die interne Notwendigkeit dieser anderen Klassen f&#252;r das Proletariat, sie zu absorbieren, indem es sie aufl&#246;st, gleichzeitig mit dem Widerspruch. Die Kommunisierung lebt konstant in den Bedingungen ihrer Verkn&#246;cherung. Alles wird sich auf der geographischen, horizontalen Ebene abspielen, nicht auf sektorieller Ebene, welche die Arten von T&#228;tigkeiten differenziert. Die Grenzen werden &#252;berall sein und die verallgemeinerte Verschr&#228;nkung Revolution/Konterrevolution wird sich in vielf&#228;ltigen und chaotischen Konflikten zeigen. Das Proletariat hebt sich in der menschlichen Gemeinschaft auf, welche es hervorbringt. Es sind die internen und dynamischen Widerspr&#252;che eines solchen Prozesses, welche den Inhalt und die St&#228;rke der Konterrevolution darstellen, denn in jedem kann sich das Kapital wieder beleben. Denn f&#252;r die Klasse ist ihre Aufhebung gleichbedeutend mit der &#220;berwindung ihrer &lt;i&gt;Autonomie: Dort liegt der Inhalt und die St&#228;rke der kapitalistischen Konterrevolution&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Ausbreitung ist die Bewegung des Sieges, die Verlangsamung jene der Konterrevolution&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kampf des Kapitals, um wieder die gesellschaftliche Kontrolle zu erlangen wird doppelt sein, ohne dass das eine Strategie w&#228;re. Einerseits werden die Staaten k&#228;mpfen, um ihre Herrschaft wieder herzustellen und die Ausbeutung wieder zu beleben, andererseits wird sich die kapitalistische Gesellschaft auf den total ambivalenten Grundlagen der Volksmacht und der Selbstverwaltung aufrechterhalten. W&#228;hrend der formellen Subsumtion war das vollst&#228;ndige Produkt der Arbeit lange Zeit eine Forderung der Arbeiter, sie findet nun eine neue Jugend, ist der ideale Inhalt zur Reproduktion der kapitalistischen Verh&#228;ltnisse und eine &#8222;solide&#8220; Basis des Widerstands gegen&#252;ber der Kommunisierung, diese Fraktionen k&#246;nnen sich bek&#228;mpfen oder verb&#252;nden, je nach Situation und somit Entwicklung der Bewegung der Kommunisierung. Die Aktion der kapitalistischen Klasse kann sowohl milit&#228;risch als auch auf gesellschaftlichen Gegenmassnahmen und Konstruktionen von Konflikten, die auf den Kapazit&#228;ten der kapitalistischen Produktionsweise basieren, welche die Revolution selbst zu unvorhergesehenen Entwicklungen dr&#228;ngt, von der Wiedereinf&#252;hrung der Sklaverei bis zur Selbstverwaltung, gegr&#252;ndet sein, doch vor allem wird ihre Reproduktion ganz nah bei der Revolution verstreut sein und in allen Momenten stattfinden, wo die Kommunisierung sich aufgrund ihrer eigenen Natur zu einer einfachen Organisation des &#220;berlebens der Proletarier, zur Vergesellschaftung verkn&#246;chert. Die kapitalistische Klasse kann sowohl ihre konterrevolution&#228;re Handlung im Staat zentralisieren, als auch die Konfrontation dezentralisieren, indem sie sie auf regionale Ebene verlegt, die Klassen in soziale Kategorien und Ethnien aufteilen, denn eine Krisensituation ist immer auch ein interkapitalistischer Konflikt. Wenn ein kapitalistischer Bereich es in einem interkapitalistischen Konflikt schafft, durch die allgemeine Entwertung der Krise eine globale L&#246;sung f&#252;r alle Kapitale zu repr&#228;sentieren, wird er es auch f&#252;r die Besiegten repr&#228;sentieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Revolution wird nicht geradewegs auf den Sieg zusteuern&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige Fraktionen des aufst&#228;ndischen Proletariats werden zerschlagen werden, andere &#8222;umgedreht&#8220; und werden sich konservativen &#220;berlebensmassnahmen anschliessen, andere Aufst&#228;nde werden die Nachfolge antreten. Einige umgedrehte/mit Leim gefangene Fraktionen werden wilde Enteignungen und die Organisation des Kampfes durch jene, welche k&#228;mpfen und nur f&#252;r den Kampf, ohne Repr&#228;sentation, ohne Kontrolle von irgendwem in irgendeinem Namen wieder in Schwung bringen, die Konstitution des Kommunismus wieder aufnehmen, nicht als Ziel, sondern als Inhalt des Kampfes. Die konterrevolution&#228;ren Ideologien werden zahlreich sein, an erster Stelle vielleicht jene des &#220;berlebens der Wirtschaft: Bewahren wir die wirtschaftlichen Mechanismen, zerst&#246;ren wir nicht jegliche wirtschaftliche Logik, um danach eine neue Wirtschaft aufbauen zu k&#246;nnen. Das &#220;berleben der Wirtschaft ist gleichbedeutend mit dem &#220;berleben des Tausches, ob dieser Tausch nun Geld, alle Arten von Gutscheinen braucht oder eine einfache Tauschwirtschaft sei, welche sich mit dem Namen der gegenseitigen Hilfe der Arbeiter schm&#252;cken kann! Die Unentgeltlichkeit, die vollst&#228;ndige Abwesenheit jeglicher Art von Buchhaltung ist die Achse, um welche sich die revolution&#228;re Gemeinschaft aufbaut, nur die Unentgeltlichkeit erlaubt es, alle nicht direkt proletarischen gesellschaftlichen Schichten, welche in der Hyperkrise auseinanderfallen, zusammenzubringen und somit die nicht direkt proletarischen Individuen zu integrieren/aufzuheben, alle &#8222;Habenichtse&#8220; (jene eingeschlossen, welche durch die revolution&#228;re T&#228;tigkeit auf diese Bedingung reduziert wurden), die Arbeitslosen, die ruinierten Bauern der &#8222;Dritten Welt&#8220;, die Massen der informellen Wirtschaft. Es geht darum, diese Massen als Mittelklassen, als Bauern aufzul&#246;sen, die pers&#246;nlichen Abh&#228;ngigkeitsbeziehungen zwischen &#8222;Bossen&#8220; und &#8222;Lohnarbeitern&#8220; oder die Situation des &#8222;kleinen unabh&#228;ngigen Produzenten&#8220; innerhalb der informellen Wirtschaft zu zerst&#246;ren, indem man konkrete kommunistische Massnahmen ergreift, welche all diese Schichten dazu zwingen, Teil des Proletariats zu werden, d.h. ihre &#8222;Proletarisierung&#8220; zu vollenden...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die die Gesellschaft kommunisierenden Proletarier betreiben keinen &#8222;Frontismus&#8220;, sie suchen nicht nach einem gemeinsamen Programm f&#252;r die Opfer des Kapitals. Wenn sie Frontismus betreiben, sind sie tot, wenn sie alleine bleiben ebenfalls. Sie m&#252;ssen mit allen anderen Klassen der Gesellschaft in Konfrontation treten und sind die einzige Klasse, welche, um zu siegen, nicht bleiben kann, was sie ist. Die Massnahmen der Kommunisierung sind gleichbedeutend mit der Aufhebung des Proletariats weil sie, neben seiner Vereinigung in seiner Aufhebung, seine Aufhebung sind. Sie l&#246;st die Existenzgrundlagen (welche dadurch vom Prozess der Kommunisierung absorbiert werden) auf von einer Unzahl von Zwischenschichten (Betreuung der kapitalistischen Produktion und Reproduktion) und von Millionen (Milliarden?) von Individuen, welche &#252;ber das Produkt ihrer Arbeit und nicht durch den Verkauf ihrer Arbeitskraft ausgebeutet werden. Sowohl auf regionaler als auch auf globaler Ebene wird die Kommunisierung eine Handlung sein, welche man &#8222;humanit&#228;r&#8220; nennen k&#246;nnte, obwohl der Begriff im Moment unaussprechbar ist, da die Kommunisierung sich dem ganzen Elend der Welt annehmen wird. &lt;i&gt;Die menschliche T&#228;tigkeit als Fluss ist die einzige Selbstvoraussetzung ihres kollektiven Weiterverfolgens&lt;/i&gt;, d.h. ihres individuellen Weiterverfolgens, denn sie weiss nicht, was ein Produkt ist und kann somit freigiebig die Beute teilen. Das als Klasse handelnde Proletariat l&#246;st sich als Klasse in seinen Bem&#228;chtigungen auf, denn in seinen Bem&#228;chtigungen &#252;berwindet es seine &#8222;Autonomie&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Demokratie und solidarische &#214;konomie werden die beiden grossen zu zerschlagenden ideologischen Konstruktionen sein&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Demokratie und solidarische &#214;konomie werden je nach Ort mit anderen Systemen kombiniert werden. Sie werden vor allem vor allem mit den sehr diversen Ideologien der Gemeinschaften kombiniert werden: national, ethnisch, religi&#246;s. Die Bildung von lokalen, spontanen und unvermeidlichen Gemeinschaften (&#8222;Wir sind bei uns&#8220;) ist wahrscheinlich gef&#228;hrlicher. Diese Gemeinschaften werden etliche Abwandlungen erleben und diese Ideologien k&#246;nnen alle politischen Farben annehmen: konservativ, reaktion&#228;r, demokratisch und nat&#252;rlich vor allem revolution&#228;r, denn die Verschr&#228;nkung Revolution/Konterrevolution ist dort die Regel. Denn es gibt keine Situation, in welcher es, einseitig betrachtet, f&#252;r das Kapital keinen Ausweg mehr gibt. Es ist die Aktion des Proletariats, welche dazu f&#252;hren wird, dass das Kapital keine h&#246;here Verwertungsweise hervorbringen kann, eine h&#246;here Verwertungsweise, deren Bedingungen es in jeder Krise und in jeder Konfrontation mit dem Proletariat finden kann. Von diesen drei Standpunkten aus:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; Diversit&#228;t, Segmentierung des Proletariats;
&lt;br /&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; Aufl&#246;sung und Absorbierung der etlichen ausgebeuteten Schichten ausserhalb einer direkten Subsumtion ihrer Arbeit unter das Kapital;
&lt;br /&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; interkapitalistische Konflikte, welche das Proletariat an Bord nehmen, f&#252;r letzteres haben diese Konflikte einen integrierenden und vereinnahmenden Sinn.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Daraus resultiert die Macht und der Inhalt der Konterrevolution, Macht und Inhalt, welche direkt mit den unmittelbaren, empirischen Notwendigkeiten der Kommunisierung (ihre dynamischen Widerspr&#252;che oder die Widerspr&#252;che ihrer Dynamik) verbunden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Es gibt keinen ideologischen Kampf, der praktische Kampf ist theoretisch&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man darf sich den anti-ideologischen Kampf nicht als verschieden von der Kommunisierung selbst vorstellen, die Ideologien werden innerhalb der Kommunisierung bek&#228;mpft, denn sie sind Teil des von der Bewegung aufgehobenen. Die Konstitution des Kommunismus kommt nicht um heftige Konfrontationen mit der Konterrevolution herum, doch diese &#8222;milit&#228;rischen&#8220; Aspekte f&#252;hren nicht zur Bildung einer Front, w&#252;rde sich eine solche Front bilden, h&#228;tte die Revolution verloren, zumindest dort, wo diese Front liegt und bis zu ihrer R&#252;ckbildung. Die Revolution wird gleichzeitig geographisch und ohne Fronten sein, die Anf&#228;nge der Kommunisierung werden immer lokal und unmittelbar und sehr schnell expandierend sein, wie die Ausbr&#252;che von Br&#228;nden, sogar ausgel&#246;scht schwelen diese Br&#228;nde unter der Selbstverwaltung und den B&#252;rgergemeinschaften. Der Kommunismus wird aus einem immensen Faustkampf heraustreten, der Prozess der Kommunisierung wird zwar eine &#220;bergangsphase sein, doch &#252;berhaupt keine ruhige Phase des Aufbaus des Sozialismus und/oder der Demokratie zwischen einer chaotischen revolution&#228;ren Periode und dem Kommunismus, sondern das Chaos selbst zwischen Kapital und Kommunismus. Es ist klar, dass eine solche Vorwegnahme, obwohl sie durchdacht ist, kein Grund f&#252;r Begeisterung darstellt! Es ist weder die Barbarei, die keinen Sinn hat, noch der k&#246;nigliche Weg der rosigen Zukunft! Es ist eine Perspektive, die ihre Wurzeln in der aktuellen Situation des Kapitals und der K&#228;mpfe hat, im aktuellen Kampf des Proletariats gegen das restrukturierte Kapital in seiner Krise. Es ist eine Perspektive, die bei der &#220;berwindung dieser K&#228;mpfe ansetzt, nicht geradewegs, sondern in der Vertiefung der Krise des momentan herrschenden Kapitals.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Verschr&#228;nkung Revolution/Konterrevolution schliesst die ganze Organisation mit ein, welche sich die Bewegung des Klassenkampfes gibt. Eine Koordination, ein Kollektiv oder jede andere Form k&#246;nnen der organisierte Kampf sein oder gegen eine Repr&#228;sentation dieses Kampfes und eine Entwicklung, in einer Situation der Spaltung des Staates, hin zu einer parastaatlichen Form tendieren. Es geht nicht um eine Opposition zwischen Organisation und Spontaneit&#228;t (alles ist immer spontan und organisiert), sondern um die Opposition zwischen Enteignung und Aneignung, Kommunisierung und Vergesellschaftung, letztere bedingt, dass die Gesellschaft existiert, d.h., dass sie von &#8222;den Leuten&#8220; unterscheidbar ist, von jenen &#8222;Leuten&#8220;, von welchen wir nun sprechen werden. In den K&#228;mpfen in Frankreich 2003 hatte man beobachten k&#246;nnen, wie die Proletarier zwischen ihnen etwas, das man als Intersubjektivit&#228;t bezeichnen k&#246;nnte, konstruiert haben, diese war nicht den Gewerkschaften gef&#252;gig, womit sie auf die Organisation einer rein szenischen Repr&#228;sentation dieser Einheit beschr&#228;nkt waren. Der Kampf hat jedoch die allgemeine Grenzen dessen, was er damals war, den radikalen Demokratismus nicht &#252;berwunden: Politische Konsolidierung der Grenzen der K&#228;mpfe als Klasse, indem L&#246;sungen f&#252;r die &#8222;Probleme des Kapitals&#8220; vorgeschlagen wurden, zum Beispiel die &#8222;Verteidigung der &#246;ffentlichen Dienste&#8220;. Es war eine Intersubjektivit&#228;t in dem Sinne, dass es miteinander verbundene (noch proletarische) Subjekte gegen&#252;ber ihrem Gegenstand, dem Kapital, waren. In Griechenland 2008 ist der Aufstand grunds&#228;tzlich Intersubjektivit&#228;t. Indem sie mit der Frage der Demokratie konfrontiert war, war die Intersubektivit&#228;t der griechischen Aufst&#228;ndischen durch die Abwesenheit von Forderungen mit der Klassenzugeh&#246;rigkeit als &#228;usserer Zwang konfrontiert, jenseits vom Rechtsauschluss, welchen der radikale Demokratismus repr&#228;sentiert. Die Bewegung der Aufhebung des Kapitals enth&#228;lt die Entgegenst&#228;ndlichung desselben, die Aufhebung des Verh&#228;ltnisses Subjekt-Gegenstand, Kapital-Proletariat. (Erinnern wir daran, dass diese Aufhebung der Inhalt des revolution&#228;ren Prozesses, der Kommunisierung, darstellt und dass man, solange er nicht vollendet ist, immer dieses Verh&#228;ltnis Subjekt-Gegenstand hat, sogar wenn das Subjekt dabei ist, seinen Gegenstand als solchen aufzuheben, die Aufhebung findet innerhalb dieses Verh&#228;ltnisses statt, d.h. die Proletarier heben das Kapital auf, welches sie zu Proletariern, zu reinen Subjekten ihrem Gegenstand gegen&#252;ber macht, und somit die ganze kapitalistische Gesellschaft.) Der revolution&#228;re Prozess der Entgegenst&#228;ndlichung des Kapitals ist also auch ein Prozess der Zerst&#246;rung der getrennten Subjektivit&#228;t des Proletariats, es ist dieser Prozess, welchen wir als Selbsttransformation der Proletarier in unmittelbar gesellschaftliche Individuen bezeichnen. Diese Transformation ist nie errungen solange sie nicht vollendet ist, in diesem Sinne sind es die Proletarier, welche die Revolution bis zum Ende machen, denn bis zum Ende heben sie das Kapital auf, welches sie zu Proletariern macht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Kommunisierung und die Vergesellschaftung bilden keinen Widerspruch&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Widerspruch bleibt Kapital-Proletariat, er wird nicht zu einem inneren Widerspruch des Proletariats, obwohl es ein Werden der totalen Opposition zwischen den beiden Perspektiven gibt, sind sie verschr&#228;nkt und beide zusammen Teil des Widerspruchs Kapital/Proletariat. Der Kampf des Proletariats gegen das Kapital wird zur Aufhebung der Klassen durch die Enteignung des Kapitals, doch diese Handlung selbst, in ihrer Opposition zur Arbeit, gibt der Affirmation der Arbeit eine neue Kraft wenn sie von der kapitalistischen Klasse unterbrochen wird (dort existieren die Errungenschaften, die wir erkannt haben). Diese provisorische und standardm&#228;ssige Affirmation der Arbeit treibt einen sozialen Staat voran, dessen Werden w&#228;re ein sozialer Staat, also eine konterrevolution&#228;re Form, die Bewegung des Proletariats muss ihm entgegentreten. Der Prozess der Selbsttransformation in unmittelbar gesellschaftliche Individuen kann im Kampf gegen das Kapital und somit gegen die kapitalistische Klasse auch ein Kampf gegen jene Proletarier sein, welche die proletarische Bedingung verteidigen. Kampf der Kommunisierung gegen die Vergesellschaftung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Konterrevolution baut sich auf den Grenzen der Revolution auf&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist es, was dieser Text versucht, etwas &#8222;konkreter&#8220; zu zeigen. In der Periode, wo die revolution&#228;ren Versuche von 1917 bis 1937 stattfanden, erzeugt der allgemeine Widerspruch Kapital/Proletariat die Affirmation der Klasse der Arbeit und somit den Aufbau des Sozialismus. Heutzutage erzeugt der Widerspruch die Infragestellung der Klassenzugeh&#246;rigkeit und die allgemeine Struktur somit die Kommunisierung. Diese Struktur hindert die Grenzen nicht daran, weiter zu existieren, wenn auch die Richtung der Bewegung ihre &#220;berwindung ist. Die Grenze ist gleichwesentlich mit jeder revolution&#228;ren Massnahme und diese Grenze wird nur durch die n&#228;chste Massnahme &#252;berwunden, es ist der Klassencharakter der Bewegung der Kommunisierung, welcher ihre Grenze ist, sie ist die &#220;berwindung ihres eigenen begrenzten Charakters, denn sie ist die Aufhebung der Klassen und somit des Proletariats.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Proletarier ist das der Gegenst&#228;ndlichkeit beraubte Individuum, seine Gegenst&#228;ndlichkeit steht ihm im Kapital gegen&#252;ber, er ist auf reine Subjektivit&#228;t reduziert, er ist freies Subjekt, Tr&#228;ger einer Arbeitskraft, die erst zu Arbeit als T&#228;tigkeit werden kann, nachdem sie gekauft und somit von seinem kapitalistischen Eigent&#252;mer in die Tat umgesetzt worden ist. Das von allem freie Subjekt ist verbunden mit der Gegenst&#228;ndlichkeit an sich, das fixe Kapital, welche seine Arbeitskraft subsumiert, sie unterwirft und in den Arbeitsprozess eingliedert. Die Aufhebung des Kapitals ist gleichbedeutend mit der Aufhebung der Gegenst&#228;ndlichkeit an sich, in der Bem&#228;chtigung der materiellen Mittel, und mit der Aufhebung des proletarischen Subjekts in der Hervorbringung des unmittelbar gesellschaftlichen Individuums. Das ist es, was wir simultane Entgegenst&#228;ndlichung und Desubjektivierung nennen, hervorgebracht durch die Bem&#228;chtigung der gesellschaftlichen Totalit&#228;t, eine Handlung welche sie als etwas von den Individuen unterschiedenes zerst&#246;rt. Die unterschiedene Totalit&#228;t ist gleichbedeutend mit der unabh&#228;ngigen Gesellschaft, ihrer Teilung in Klassen und ihrer Repr&#228;sentation in der herrschenden Klasse. Die Aufhebung der Klassen ist gleichbedeutend mit der Aufhebung der Gesellschaft, die Erschaffung einer sozialistischen oder gar &#8222;kommunistischen&#8220; Gesellschaft bedeutet immer noch die Aufrechterhaltung der Unabh&#228;ngigkeit der Gemeinschaft gegen&#252;ber ihren Mitgliedern, welche nur durch die Vermittlung der Gesellschaft gesellschaftlich werden. &lt;i&gt;Die Kommunisierung ist gleichbedeutend mit dem Ende jeglicher Vermittlung zwischen den Individuen und ihren konstant &#228;ndernden affinit&#228;ren Gruppierungen&lt;/i&gt;, doch in der Revolution existiert noch eine Vermittlung durch das Kapital, denn die T&#228;tigkeit ist die Aufhebung des Kapitals! Die Kommunisierung, welche durch seinen Gegenstand selbst vermittelt wird, birgt immer die M&#246;glichkeit der Autonomisierung der Vermittlung durch die Bildung einer von der revolution&#228;ren T&#228;tigkeit getrennten Struktur der Revolution. Diese Tendenz wird immer wieder existieren, sie ist die Institutionalisierung der Revolution und der Sieg des Kapitals. Die Kommunisierung ist eine Revolution in der Revolution, &#220;berwindung der Klassenautonomie, doch Revolution und Konterrevolution h&#246;ren nicht auf, sich gegen&#252;ber zu stehen. Der Weg der Kommunisierung ist der eines Seilt&#228;nzers.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;B.L., Juni 2009&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Zweiter Teil. Kommunisierung vs. Sph&#228;ren&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im ersten Teil des Textes &#8222;Der ausgesetzte Schritt der Kommunisierung&#8220; mit dem Titel &#8222;Kommunisierung vs. Vergesellschaftung&#8220; ging es einerseits darum, dass Bem&#228;chtigungen von Elementen des Kapitals &#8222;Kommunisierung&#8220; sein k&#246;nnen, d.h. reine &#8222;Enteignungen&#8220;, Aufhebung von jeglichem Eigentumsverh&#228;ltnis, auch kollektive und &#8222;proletarische&#8220;. Man w&#252;rde sich also dieser Elemente bem&#228;chtigen, um eine neue Gemeinschaft von Individuen zu konstituieren, welche unter ihnen, in ihrer Einzigartigkeit, unmittelbare Beziehungen im Kampf gegen das Kapital als Inhalt selbst dieses Kampfes definieren. Doch andererseits ist dieser Prozess der &#8222;Kommunisierung&#8220;, d.h. der Hervorbringung des Kommunismus, mit anderen m&#246;glichen Inhalten dieser Bem&#228;chtigungen verschr&#228;nkt: Aneignungen, Vergesellschaftungen, welche Teil der Konstitution einer neuen selbstverwalteten, sozialen und popul&#228;ren, konterrevolution&#228;ren Wirtschaft sind. Jede dieser M&#246;glichkeiten ist f&#252;r die andere &lt;i&gt;ihr anderes&lt;/i&gt;, d.h. das sie in einem Verh&#228;ltnis des Konflikts stehen, wo jede in ihrer eigenen Praxis die andere als notwendig, als Moment ihrer selbst anerkannt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In diesem Prozess des Klassenkampfes, der zur Aufhebung der Klassen f&#252;hrt, sind die Individuen &lt;i&gt;faktisch&lt;/i&gt; jenseits von Geschlechterrollen gesetzt, denn sie bilden eine Gemeinschaft von unmittelbar gesellschaftlichen Individuen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der zweite Teil versucht, dieses &#8222;faktisch&#8220; zu verdeutlichen. Diese &#220;berwindung als nat&#252;rlicher Teil &#8222;der Bewegung&#8220;, diese, in Anbetracht der Natur und des Inhalts der Bewegung, &lt;i&gt;selbstverst&#228;ndliche&lt;/i&gt; &#220;berwindung, welche als solche der Kritik unterzogen werden muss. Es reicht nicht zu sagen, dass die Kommunisierung, da sie die Kommunisierung ist, definitionsgem&#228;ss &#220;berwindung der Geschlechterrollen ist. Obwohl keine unterschiedlichen &#8222;Fronten&#8220; im Kampf existieren k&#246;nnen, wird keine Instanz der Gesellschaft &#252;berwunden ohne f&#252;r sich selbst angegriffen zu werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Analyse der geschlechterbezogenen Herrschaft im Kapitalismus zeigt, dass diese unmittelbar die Teilung der Totalit&#228;t der gesellschaftlichen Praxis in zwei T&#228;tigkeitssph&#228;ren ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#034;Dieser geschlechtlich differenzierte Charakter aller Kategorien des Kapitals bedeutet eine allgemeine Teilung der Gesellschaft in M&#228;nner und Frauen. Diese allgemeine Teilung erlangt als gesellschaftlichen Inhalt das, was die Synthese all der geschlechtlichen Differenzierungen der Kategorien ist: die Erschaffung der Unterscheidung von &#214;ffentlichem und Privatem. Diese Unterscheidung ist die Synthese, weil die kapitalistische Produktionsweise eine politische &#214;konomie ist. D.h., da die kapitalistische Produktionsweise auf dem Verkauf der Arbeitskraft basiert und eine gesellschaftliche Produktion als solche nur f&#252;r den Markt (Wert) existiert, weist sie die Momente ihrer eigenen Reproduktion, die einer direkten Unterordnung unter den Markt oder dem unmittelbaren Produktionsprozess entgehen, als nicht-gesellschaftlich zur&#252;ck: das Private. Dieses Private ist das dem &#214;ffentlichen entzogene, immer in einem hierarchischen Verh&#228;ltnis der Definition und der Unterordnung gegen&#252;ber dem &#214;ffentlichen.&#034; (&lt;i&gt;R&#233;ponse aux Am&#233;ricaines&lt;/i&gt;)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der revolution&#228;re Prozess der Hervorbringung des Kommunismus wird sich in der verallgemeinerten Krise des Kapitals und vor allem &lt;i&gt;gegen&lt;/i&gt; sie abspielen. Die Krise der Reproduktion des Ausbeutungsverh&#228;ltnisses ist zugleich die Unf&#228;higkeit des Kapitals, die Proletarier rentabel auszubeuten als auch jene der Proletarier, eine gen&#252;gend billige Arbeitskraft (gen&#252;gend unter ihrem Wert) anzubieten, um das Kapital zu verwerten. In einem Wort, die Proletarier erweisen sich als unf&#228;hig von &#8211; verschmutzter &#8211; Luft dieser Zeit zu leben und pr&#228;ziser erweisen sich die Frauen als unf&#228;hig, sich der Reproduktion der Arbeitskraft anzupassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jetzt schon, zum gegenw&#228;rtigen Zeitpunkt der Krise (die erst anf&#228;ngt), l&#228;sst &#8222;die Illegitimit&#228;t der Lohnforderung&#8220; darauf schliessen, dass diese &#8211; Geld und/oder Arbeitsbedingungen &#8211; nicht mehr &#8222;systemisch&#8220; ist, d.h. dass sie kein System mit dem Kapital mehr formt, welches Erh&#246;hung der Ausbeutungsrate (Mehrwertrate) und Erh&#246;hung der Reall&#246;hne (ein System, das von seinen Verteidigern als &#8222;Teilen der Produktivit&#228;tssteigerungen&#8220; pr&#228;sentiert wird) miteinander verbinden kann: Sie ist heutzutage nicht mehr angemessen. Mit der Zuspitzung der Krise des Verh&#228;ltnisses, im Moment, wo der Handel zwischen Kapitalisten blockiert ist und die Staaten gegen ihre Proletarier (aber auch untereinander) in den Krieg ziehen, damit sie einen massiven Abstieg in die M&#252;llzonen akzeptieren, um die Fortdauer einer erbitterten Ausbeutung zu erlauben, in diesem Moment steht das &#220;berleben auf dem Spiel. Der Kampf gegen das Kapital wird zum Kampf um dieses &#220;berleben. Dann wird massiv beginnen, was schon in begrenzter und vorl&#228;ufiger Art und Weise in Argentinien begonnen hat: die Bem&#228;chtigungen der Elemente des Kapitals.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die K&#228;mpfe gegen das Kapital, gegen seine Krise und seine anti-proletarische Offensive sind jetzt schon K&#228;mpfe f&#252;r die Reproduktion der Leben der Proletarier. Die Proletarier werden sich jener Elemente des Kapitals bem&#228;chtigen, welche f&#252;r ihr &#220;berleben unabdingbar sind und diese Bem&#228;chtigungen sind revolution&#228;re Aktionen gegen das Kapital. Die argentinischen Proletarier haben die von ihren Eigent&#252;mern verlassenen Unternehmen &#8222;&#252;bernommen&#8220; und sie zu ihrem Vorteil wieder zum Laufen gebracht nach durchwegs bekannten Prinzipien: &lt;i&gt;man produziert, verkauft, wird bezahlt&lt;/i&gt;. Es ist die Selbstverwaltung, doch diese Selbstverwaltung war nur in einem allgemeinen Rahmen m&#246;glich, wo das verdiente Geld noch als solches funktionieren und gegen den Lebensunterhalt getauscht werden konnte. In einer Situation der Hyperkrise ist dies nicht mehr m&#246;glich und man muss sich der Mittel zum Lebensunterhalt selbst bem&#228;chtigen (was auch geschah in den argentinischen K&#252;hlh&#228;usern).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine verallgemeinerte Selbstverwaltung hat sowieso keinen Sinn und w&#252;rde vom Kampf, welcher sie gegen das Kapital f&#252;hren muss, und der totalen Abwesenheit interner Akkumulationsdynamik &#252;berholt; sie kann nur eine Phase sein in einem Prozess, der entweder zu Massnahmen der Kommunisierung zur Weiterf&#252;hrung der K&#228;mpfe oder zu einer versteckten oder offenen konterrevolution&#228;ren Regression f&#252;hrt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Argentinien stellten die Bewegungen der Arbeitslosen etliche Aktivit&#228;ten auf die Beine: &#8222;Produktionswerkst&#228;tten&#8220; (B&#228;ckereien, kollektive G&#228;rten, Herstellung von Ziegelsteinen, Verpackung von Haushaltsartikeln usw.), deren Produkte zum Eigenkonsum oder zum Verkauf bestimmt sind. In den meisten F&#228;llen kollektiv selbstverwaltet, k&#246;nnen diese &#8222;Werkst&#228;tten&#8220; als Parallelwirtschaft in embryonalen Zustand betrachtet werden. Diese war &#8211; auf einem sehr begrenzten Niveau &#8211; der Beginn einer Konstitution einer Gemeinschaft von k&#228;mpfenden Proletariern, in welcher und durch welche die Verh&#228;ltnisse begannen, sich zu &#228;ndern, besonders die Verh&#228;ltnisse der Geschlechterrollen durch die Infragestellung der Teilung der gesellschaftlichen Praxis in zwei getrennte T&#228;tigkeitssph&#228;ren: eine private und eine &#246;ffentliche.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sei es in einer revolution&#228;ren Situation oder in jedem Kampf, welche sie dem Kapital entgegenstellt, die proletarischen Frauen stellen immer praktisch die Existenz der privaten Sph&#228;re in Frage. Ein Arbeiterinnenstreik ist nie nur ein Streik, sondern immer ein &lt;i&gt;Streik von Frauen&lt;/i&gt;, welche aus diesem Grund die private Sph&#228;re, mit welcher sie unl&#246;sbar verbunden sind, ins Zentrum der &#246;ffentlichen Sph&#228;re stellen. Sie stellen damit nicht nur die Existenz dieser privaten Sph&#228;re in Frage, sondern auch jene der &#246;ffentlichen Sph&#228;re durch den intimen und pers&#246;nlichen Charakter der Kampfverh&#228;ltnisse, welche die Frauen erschaffen, Verh&#228;ltnisse, welche den politischen und gesellschaftlichen Charakter, welche die &#246;ffentlichen T&#228;tigkeiten in ihrer Unterscheidung selbst mit den privaten T&#228;tigkeiten annehmen m&#252;ssen, in Frage stellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Teilnahme der Frauen an der Lohnarbeit ist als solches kein Einfall in die &#246;ffentliche Sph&#228;re, denn sie stellt sie nicht in Frage aufgrund der spezifischen Organisationen der weiblichen Lohnarbeitsformen (ein Bereich, der von Feministinnen und jedem Soziologen oder &#214;konomen, der etwas auf sich h&#228;lt, hinl&#228;nglich analysiert worden ist), mit hierarchischen und Lohnniveaus (die Glasdecke), die einfach auffindbar und konzipiert sind, um die Existenz der privaten weiblichen Sph&#228;re der Reproduktion der Arbeitskraft zu erhalten, zu welcher die Frauen zugewiesen sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Markt der weiblichen Arbeit macht aus der entlohnten Frau &lt;i&gt;gleichzeitig&lt;/i&gt; den Archetypen der neuen restrukturierten Form der Lohnarbeit im allgemeinen (flexibilisiert, prekarisiert) und eine absolut spezifische Form. Die Pr&#228;senz der Frauen in der Lohnarbeit ist also eine &#8222;entsch&#228;rfte&#8220;, kontrollierte Pr&#228;senz, die auf einen Teil der &#246;ffentlichen Sph&#228;re beschr&#228;nkt ist, die somit zu einer Art Anhang der privaten Sph&#228;re wird. Nur wenn der Rahmen gesprengt wird (Streik), dringen die entlohnten Frauen in die &#246;ffentliche Sph&#228;re ein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann nicht nur sagen, dass jeder Kampf von Frauen feministisch ist, sondern auch, dass jeder Kampf von Frauen die Opposition der Frauen gegen ihre Genderzugeh&#246;rigkeit enth&#228;lt, paradoxerweise sogar wenn sie sich auf ihr Frausein berufen!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Folgend einige Ausz&#252;ge von einem Bericht von Frauenk&#228;mpfen in Argentinien:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#034;Sie waren die ersten, welche die Strassen blockierten als ihre Partner keine Arbeit mehr hatten, doch sie wurden unsichtbar gemacht. Sie k&#228;mpften f&#252;r Nahrung, Gesundheit und W&#252;rde, wie sie das auch t&#228;glich in ihrem Haushalt taten. Und mit dem Kampf, der Organisation und der Kameradschaft zwischen Frauen, begannen sie, die Stellung, welche sie einnehmen, in Frage zu stellen: zu Hause, in den Organisationen und in der Welt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Rauszugehen ist eine Revolution&#8220;, sagt Viviana von der Bewegung der Arbeitslosen (MTD) von Lugano, w&#228;hrend sie etwas beschreibt, dass nicht an einem Tag geschah, doch f&#252;r sie, 33-j&#228;hrig, Mutter von f&#252;nf Kindern und Hausfrau seit sie 16 war, ein (gl&#252;cklicher) Weg ohne Zur&#252;ck war: &#8222;Mein vorheriges Leben bestand darin, um vier Uhr morgens aufzustehen, weil mein Mann damals eine Arbeit hatte, wenn er ging, musste ich den Haushalt erledigen, bevor die Kinder aufstehen, dann sie vorbereiten, zur Schule bringen, zur&#252;ckkommen, ihnen was zu Essen zubereiten, den Haushalt erledigen und keine Fernsehserie (Telenovela) verpassen. Danach war er arbeitslos.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Jahr 2001 wurden sie zu einem Treffen von Eltern an jenem Ort eingeladen, wo ihre Kinder schulische Unterst&#252;tzung bekamen. Viviana ging dort hin. Es gefiel ihr und sie geht weiterhin hin. Sie sprachen von der Arbeitslosigkeit, den Problemen des Quartiers, dar&#252;ber, etwas gemeinsam zu unternehmen. Jeden Samstag verliess sie ihr Mann mit dem gleichen Satz: &#8222;Du wirst deine Zeit verlieren.&#8220; Bis sie den MTD gr&#252;nden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das erste Mal, als sie rausging, war es nur einige Hundert Meter von ihrem Haus weg. Graciela Cortes war damals vierzig Jahre alt, als sie akzeptierte, anderen arbeitslosen Frauen das N&#228;hen beizubringen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#034;Ja, das f&#252;hrte zu Problemen zu Hause. Obwohl ich mich immer um den Haushalt und die Kinder k&#252;mmerte, alles tat, hatte ich Probleme. Ich entschied, raus zu gehen. Zuerst interessierte mich die Politik nicht, doch als ich begann, abwesend zu sein, merkte ich, dass die Politik mittlerweile in mir drin ist. Mein Mann sagte mir, ich solle nicht hingehen, doch ich gab ihm zu verstehen: Allein werde ich nichts erreichen, man muss eine Menge sein.&#034;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Graciela nahm an der achtzehnt&#228;gigen Strassensperre in Isidro Casanova mit der CCC (Corriente Clasista Combativa) teil und stellt sich laut Fragen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Was n&#252;tzt es mir, ihm zu gehorchen, wenn wir uns sowieso trennen? Ich bereue es nicht. Ich tue nun Dinge, die ich vorher nicht getan h&#228;tte. All das dank der N&#228;hmaschine und den Frauentreffen.&#8220;
&lt;br /&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; Die Treffen?
&lt;br /&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; Sie &#246;ffnen den Horizont. Ich ver&#228;nderte mich w&#228;hrend den Treffen.
&lt;br /&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; Weshalb?
&lt;br /&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; Du siehst jede Frau.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine Zeit lang war Gladis Roldan erfreut, sagen zu k&#246;nnen, dass sie Teil der Unterkommission der Frauen in der Einwohnerkommission des &lt;i&gt;asentamiento&lt;/i&gt; (wegen Wohnungsnot besetztes Gel&#228;nde) Maria Elena (mit den Jahren eine Hochburg der CCC in La Matanza) war. Das erfreute sie bis sie 1989 zum ersten Mal an einem nationalen Frauentreffen teilnahm. W&#228;hrend einer Debatte fragte sie eine Frau: &#8222;Wieso ist es eine Unterkommission? Ihr k&#246;nnt auch in der F&#252;hrungskommission sein.&#8220; Ihre Augen leuchten komplizenhaft: &#8222;Stell dir vor, wie wir zur&#252;ckgekommen sind!&#8220; Die Diskussion mit den M&#228;nnern dauerte zwei Monate. Schliesslich kamen sie alle in die F&#252;hrungskommission und die Unterkommission der Frauen &#8211; sie m&#246;ge in Frieden ruhen &#8211; wurde aufgel&#246;st.&#034;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Zitate zeigen praktisch, was die Infragestellung der Existenz der zwei Sph&#228;ren ist, doch man muss auch die F&#228;lle heftigen Widerstands seitens m&#228;nnlicher Proletarier erw&#228;hnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#034;Es gab Frauen, welche w&#228;hrend der Versammlung erz&#228;hlten: Ich konnte nicht zur &#8222;piquete&#8220; (Strassensperre) gehen, weil mein Mann mich geschlagen und eingesperrt hat. Viele haben es geschafft, dass ihre Partner mitkommen und nun sind beide da. Daf&#252;r hat uns das Thema der Frauen viel geholfen &#8211; denn du hast gesehen, dass wir, die Frauen, die ersten waren, die rausgingen. F&#252;r Nahrung, Arbeit, Gesundheit &#8211; und das erzeugte sehr schwierige Situationen. Bis hin zu Toten. Es gab Ehem&#228;nner, welche nicht tolerierten, dass Frauen zu einer Sitzung, einem &#8222;piquete&#8220; gingen. Das geschah. Ich sage nicht, dass es das heute nicht mehr gibt.&#034;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Verteidigung der m&#228;nnlichen Bedingungen ist die Verteidigung der M&#228;nnerherrschaft, sie ist die Verteidigung der Existenz der beiden getrennten T&#228;tigkeitssph&#228;ren wie man es hier sehr gut sieht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#034;Ich kann dir die Geschichte einer Frau erz&#228;hlen, die 1996, als wir neun Quartiere waren, an der Bewegung teilnahm. Sie war von hier, La Juanita, und sie hat sich von ihrem Mann getrennt, weil sie es nicht mehr aushielt. Er war arbeitslos, sie begann, teilzunehmen und er wurde verr&#252;ckt, begann, sie zu schlagen. Danach ging er. Am n&#228;chsten Tag kam er zur&#252;ck, fesselte sie und z&#252;ndete sie an. Sie ist tot. Er hielt es nicht aus, dass sie rausging.
&lt;br /&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; Weshalb?
&lt;br /&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; Weil rausgehen dein Leben ver&#228;ndert.&#034;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Rausgehen &#228;ndert das Leben im wahrsten Sinne des Wortes, dieses Rausgehen der Frauen in die K&#228;mpfe &#228;ndert die Form und den Inhalt der K&#228;mpfe. Im erbitterten Klassenkampf ums &#220;berleben gegen die kapitalistische Krise ist die Zerst&#246;rung der beiden T&#228;tigkeitssph&#228;ren die Bedingung zum Sieg, denn die Aufhebung der Klassen ist nicht eine Basis, zu welcher die Aufhebung der Geschlechterrollen hinzugef&#252;gt wird, das eine geht nicht ohne das andere und das andere nicht ohne das eine.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Arbeiterprogramm zog nie die Aufhebung der Geschlechterrollen in Betracht, nicht einmal als finale Perspektive jenseits der ber&#252;hmten &#220;bergangsphase, w&#228;hrend welcher nur &lt;i&gt;die Gleichheit&lt;/i&gt; zwischen M&#228;nnern und Frauen in Betracht gezogen wurde, weil der Kommunismus des Programms nur die &lt;i&gt;Gesellschaft der vereinten Produzenten&lt;/i&gt; war. Doch wer Produktion sagt, muss auch Reproduktion sagen, letztere spielt sich &lt;i&gt;daneben&lt;/i&gt; ab, untergeordnet und beherrscht. Diese Herrschaft h&#228;tte stets die Zuweisung zur Kindererzeugung zum Inhalt gehabt, wodurch die Frauen als solche existieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Verteidigung der Existenz der beiden Sph&#228;ren ist gleichbedeutend mit der Existenz der Wirtschaft und der Politik, der Politik als Bedingung selbst der Wirtschaft&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die kapitalistische Produktionsweise, indem sie den Markt und die (...)&#034; id=&#034;nh6-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die &#246;ffentliche Sph&#228;re ist in ihrem Wesen jene des m&#228;nnlichen und die Teilnahme der Frauen an dieser Sph&#228;re &#228;ndert nichts daran. Gegen&#252;ber dieser politisch-wirtschaftlichen &#246;ffentlichen Sph&#228;re h&#228;lt sich die private Sph&#228;re aufrecht, wenn auch in einer Situation, wo diverse Orientierungen des Klassenkampfes (Volksmacht, Selbstverwaltung, wilde Bem&#228;chtigungen) miteinander in Konfrontation treten, die &#8222;Zur&#252;ckweisung der Frauen an ihren Platz&#8220; schwierig ist. Tritt sie ein, ist sie das Zeichen eines schweren R&#252;ckschlags, zumindest lokal. In Spanien erfolgte der R&#252;ckzug der Frauen von der Front im Rahmen der Militarisierung der Milizen, ein wesentliches Element der kompletten Wiederherstellung des Staates und des Sieges der Konterrevolution.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Kommunisierung, die Hervorbringung einer unmittelbaren Gemeinschaft ihrer Mitglieder im Kampf gegen die kapitalistische Gesellschaft ist gleichbedeutend mit der Aufhebung der Klassen, der Unternehmen, des Staates in all seinen Formen (Kommunen, R&#228;te, Gewerkschaften, Genossenschaften), d.h. die Aufhebung aller Instanzen &#246;ffentlicher T&#228;tigkeit, die von der privaten T&#228;tigkeit der Reproduktion getrennt sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die private T&#228;tigkeit der Reproduktion bedingt den Tausch und/oder den Vertrieb. Die Aufhebung des Tausches bedingt jene des Vertriebs, sogar wenn er nicht tauschgebunden ist, denn letzterer ist, wie es alle Massnahmen des Stils &#8222;Kriegskommunismus&#8220; zeigen, nur eine provisorische Modalit&#228;t bis zur R&#252;ckkehr des Marktes. Die Kommunisierung integriert die Produktion und den Konsum, die Produktion und die Reproduktion. Deshalb wird jegliche Buchhaltung aufgehoben, denn sie ist Verbuchung von &#8222;Produkten&#8220;, welche in sich selbst als Produkte und als zu verbuchend die Trennung zwischen Produktion und Konsum voraussetzen. Doch das wichtigste ist, dass die Aufhebung der Trennung Produktion/Konsum gleichbedeutend ist mit der Aufhebung der Frauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Frauen werden aufgehoben durch die Aufhebung der Sph&#228;re, welche sie definiert, die private Sph&#228;re, welche &#8222;&#246;ffentlich&#8220; geworden ist, doch auch durch die Aufhebung der &#246;ffentlichen Sph&#228;re, welche &#8222;privat&#8220; geworden ist. Der Programmatismus hatte nur zum Ziel, dass die Frauen das Haus verlassen, sie proletarisiert werden, die Hausarbeit zu vergesellschaften, er hatte die Gleichheit der M&#228;nner und der Frauen im Sozialismus zum Ziel. Die Tatsache, dass dieses spezifische Ziel des Programms bez&#252;glich der Frauen nie verwirklicht wurde, kann nicht von der allgemeinen Unm&#246;glichkeit des Programmatismus in seinen eigenen Begriffen unterschieden werden. Trotz allem kann man pr&#228;zisieren, dass die Gleichheit von Frauen und M&#228;nnern in einer durch die Absorbierung der privaten Sph&#228;re totalit&#228;r gewordenen &#246;ffentlichen Sph&#228;re unm&#246;glich war. Diese Unm&#246;glichkeit existiert, weil diese &#246;ffentliche Sph&#228;re eben genau &#246;ffentlich bleibt, d.h. Wirtschaft und Politik. Die Reproduktion der proletarisch gebliebenen Individuen kann nicht in dieser sogenannt einzigen Sph&#228;re stattfinden. Die Reproduktion des Proletariers gegen&#252;ber dem Kapital setzt die Zuweisung der Frauen zur Kindererzeugung voraus und somit die Aneignung aller Frauen durch alle M&#228;nner im allgemeinen und &lt;i&gt;im besonderen&lt;/i&gt;. Somit wird die grunds&#228;tzliche Anordnung rekonstituiert, auf welcher die Familie basiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Aufhebung der &#246;ffentlichen Sph&#228;re gegen ihre Rekonstitution wird immer das Streitobjekt im Kampf zwischen Revolution und Konterrevolution sein. Dieser Kampf ist jener zwischen der Aufhebung des Staates und seiner Rekonstitution. Ja, aber! Die Aufhebung des Staates ist gleichbedeutend mit der &#8222;Privatisierung&#8220; der &#246;ffentlichen Sph&#228;re!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der &#246;ffentlichen Sph&#228;re existieren die bekannten Leader &#8211; aller Arten &#8211; und der anonyme und ersetzbare B&#252;rger/Arbeiter: Das Durchschnittsindividuum, das Teil einer Klasse ist (das Einzelindividuum existiert nur in der privaten Sph&#228;re). Die Aufhebung des Staates und des Tausches ist gleichbedeutend mit der Aufhebung der &#246;ffentlichen Sph&#228;re, doch auch mit der Selbsttransformation der anonymen und ersetzbaren Proletarier in Individuen, die sich selbst in unmittelbar gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen definieren. D.h. absolut unersetzbare Individuen, die Beziehungen nur als Einzelindividuen und auf keinen Fall als Durchschnittsindividuen haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im eigentlichen Sinn wird die &#246;ffentliche Sph&#228;re nat&#252;rlich nicht &#8222;privatisiert&#8220;, genauso wenig wie die private Sph&#228;re vergesellschaftet wird, sie wird aufgehoben als Sph&#228;re, welche die Verh&#228;ltnisse zwischen Mitgliedern von Klassen, dadurch durchschnittlich und anonym, zum Inhalt hat. Das gesellschaftliche Einzelindividuum hebt das anonyme gesellschaftliche Individuum der &#246;ffentlichen Sph&#228;re und das asoziale Einzelindividuum der privaten Sph&#228;re auf. Genau wie die Aufhebung der Klassen und der Sph&#228;ren zwei Aspekte ein und derselben Kommunisierung sind, wodurch das Kapital entkapitalisiert und die ganze Gesellschaft aufgehoben wird, so ist die Aufhebung der Proletarier und der Frauen zwei Aspekte der Selbsttransformation aller Proletarier &#8211; M&#228;nner und Frauen &#8211; und damit aller Menschen in unmittelbar gesellschaftliche Individuen in der Gesamtheit ihrer k&#246;rperlichen, psychischen und intellektuellen Beschaffenheit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben gesehen, wie das individuelle &#8222;Rausgehen&#8220; proletarischer Frauen in die &#246;ffentliche Sph&#228;re des Kampfes ihre Definition durch die private Sph&#228;re in Frage stellt und wie dies mit den proletarischen M&#228;nnern zusammenprallt, obwohl sie auch gegen die kapitalistische Offensive k&#228;mpfen, welche die Krise des Kapitals und der &#8222;schmerzhaften, doch mutigen&#8220; politischen L&#246;sungen, welche der Staat in die Tat umsetzt, um gegen sie anzuk&#228;mpfen &#8211; auf Kosten der Proletarier.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als die Bewegung in Argentinien ihrem Ende zuging, entschieden die Frauen mehrerer Arbeitslosenbewegungen, eine Bewegung der arbeitslosen Frauen zu gr&#252;nden. Diese spezifischen Frauenorganisationen im Kampf wurden von Bruno Astarian in seiner sehr interessanten Brosch&#252;re &#252;ber die argentinische Bewegung (&lt;i&gt;&#201;changes&lt;/i&gt;) als Schw&#228;che aufgefasst, als Spaltung der k&#228;mpfenden Proletarier, die das Ende der Bewegung einl&#228;utete. Wenn zuvor durch das Aufkommen der K&#228;mpfe verborgene Oppositionen in ihrem Niedergang pl&#246;tzlich auftauchen, so heisst das nicht, dass sie Schw&#228;chen sind. Von einem Standpunkt aus, der die Aufhebung der Geschlechterrollen als absolut grundlegendes Element der Kommunisierung betrachtet, sieht die Sache anders aus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Selbstorganisation der Frauen wird ein unumg&#228;nglicher Moment des revolution&#228;ren Prozesses sein und das muss gleich aufgefasst werden wie im Text &#8222;L'auto-organisation est le premier acte de la r&#233;volution, la suite s'effectue contre elle&#8220; (&#8222;Die Selbstorganisation ist der erste Akt der Revolution, alles, was danach kommt, ist gegen sie gerichtet&#8220;) beschrieben. Die Selbstorganisation der Frauen wird das Mittel selbst sein, welches sich die (Noch-)Frauen geben werden, um gegen das zu k&#228;mpfen, was sie als solche definiert. Die &#220;berwindung des Staates, des Marktes wird durch die Vereinigung der sowohl produktiven als auch Kampf- und Reproduktionsaktivit&#228;ten erfolgen, diese Einheit wird sowohl die Erziehung der Kinder als auch die Reparatur von Autos und, falls notwendig, den bewaffneten Kampf betreffen. In der Bildung dieser Einheit &lt;i&gt;werden die Frauenorganisationen zentral sein, indem sie eben genau in sich selbst diese Einheit sein werden&lt;/i&gt;. Die Frauen, welche als solche k&#228;mpfen, k&#246;nnen nur f&#252;r diese Einheit k&#228;mpfen, denn sie ist auch ihre eigene Vereinigung gegen die Spaltung aller und jeder in Proletarierin und Frau, B&#252;rgerin und Frau, Mann und Frau!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Selbstorganisationen der Frauen werden auch gegen eine Tendenz k&#228;mpfen m&#252;ssen, die notwendigerweise existieren wird, jene, welche die Tendenz haben wird, ihre Rolle auf die Repr&#228;sentation und die Verhandlung f&#252;r die Gleichheit der Frauen, f&#252;r die Anerkennung &#8222;ihres unverzichtbaren Beitrags&#8220; zu beschr&#228;nken. Diese politisch &#8222;strikt feministische&#8220; Tendenz wird verbunden mit allen sein, welche eine Vergesellschaftung der Wirtschaft und des Staates f&#246;rdern. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die &#8222;radikalsten&#8220; Frauen, jene, welche ihren Willen verk&#252;nden, Frauen aufheben zu wollen, bek&#228;mpft werden als &#8222;Verr&#228;terinnen&#8220;, als jene, welche der &#8222;Sache der Frauen&#8220; und der echten und nicht sexistischen Demokratie einen Dolchstoss in den R&#252;cken versetzen. Genau wie jene, welche sich &#8211; und diese Frauen werden vielleicht die Mehrheit davon sein &#8211; einer demokratischen und/oder Wahlprozedur widersetzen, angegriffen werden als jene, welche &#8222;die Revolution f&#252;r sich konfiszieren wollen und sich als hinzugew&#228;hlte Elite auf Kosten der Massen konstituieren&#8220; wollen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die k&#228;mpfenden Frauen und ihre Organisationen werden alle Frauen vereinen m&#252;ssen, ohne eine antisexistische Front zu bilden: die ruinierten Kleinb&#252;rgerlichen, die B&#228;uerinnen, die Masse all jener, die &#8222;keine Anstellung&#8220; haben, die mehr oder weniger armen oder mehr oder weniger mittelst&#228;ndischen Hausfrauen. Die revolution&#228;re Bewegung der Frauen, welche k&#228;mpfen wird, um die nicht-tauschende und nicht-politische Einheit der k&#228;mpfenden Proletarier zu konstituieren &lt;i&gt;wird sie integrieren, weil sie Frauen sind und weil sie als solche in Krise sind, als jene, welche Teil der weiblichen Geschlechterrolle in Krise sind und deren Krise sie auch provozieren&lt;/i&gt;. Sie werden Teil der Kampfbewegung gegen das Kapital werden und werden, indem sie tun, was sie in Wirklichkeit immer taten, doch nie offen und ohne Widerspruch, &lt;i&gt;das wirkliche Leben leiten und organisieren&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieses private Leben ist wirklich, weil es eben genau asozial ist, das &#246;ffentliche Leben ist umso falscher, weil es direkt gesellschaftlich ist, d.h. genauso falsch wie die Wirtschaft und die Politik!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieses Leben war im privaten, nun ist es die Revolution und entsteht als Erzeugung eines neuen wirklichen intimen und &#246;ffentlichen Lebens, total weiblich, weil es das &#252;berhaupt nicht mehr ist, indem es Aufhebung der Familie, des Eigentums und des Staates ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Str&#246;mung der Kommunisierung entstand aus der Kritik und der &#220;berwindung der r&#228;tekommunistischen, antileninistischen kommunistischen Linken. Diese Str&#246;mung, die in dieser Hinsicht dieses nicht kritisierten Punktes ihren Urspr&#252;ngen treu geblieben ist, ist in ihrer Periode der totalen Vertraulichkeit grunds&#228;tzlich antifeministisch geblieben. Die feministische Ideologie wurde als einer der Modernismen interpretiert, welche gegen&#252;ber und innerhalb der Zersetzung des Programms die Triade &#8222;Frauen, Junge, Immigranten&#8220; als neues revolution&#228;res Subjekt an die Stelle des Proletariats setzten. Es existiert tats&#228;chlich ein klassenunabh&#228;ngiger Feminismus dieser Art, doch er ist nicht &#8222;Der Feminismus&#8220;, ein sich entwickelndes und unendlich diverses Ph&#228;nomen. Das Konzept der &#8222;Selbstaufhebung des Proletariats&#8220;, welches eine Etappe in der Ausarbeitung des positiven Begriffs der Kommunisierung darstellte, blieb auf einer Arbeiterpositivit&#228;t gegr&#252;ndet, die paradoxerweise negativ war. Die Kommunisierung selbst, welche jegliche Konzeption eines revolution&#228;ren Wesens des Proletariats &#252;berwunden hat, konzipierte sich damals nur als &#220;berwindung des Programms auf seinen eigenen Grundlagen. D.h. mit dem gleichen Widerspruch des Kapitals wie jener des Programms, ein alleiniger und monolithischer Klassenwiderspruch, &lt;i&gt;de jure&lt;/i&gt; unabh&#228;ngig von Geschlechterrollen und somit &lt;i&gt;de facto&lt;/i&gt; selbstverst&#228;ndlich m&#228;nnlich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl sich die Theorien der Kommunisierung tats&#228;chlich die Frage w&#228;hrend Jahrzehnten als solche nicht gestellt haben, konnte jeglicher Zweifel &#252;ber einen eventuell &#8222;androzentrischen&#8220; (klar: machistischen!) Charakter der Theorie der Kommunisierung einfach ausger&#228;umt werden, denn die Revolution w&#252;rde das unmittelbar gesellschaftliche Individuum hervorbringen, d.h. jenseits jeder vorherbestimmten, durch die Gesellschaft begr&#252;ndeten Zugeh&#246;rigkeit. Das Individuum war unmittelbar gesellschaftlich, doch die Frage der Genderunterscheidung blieb in einem toten Winkel der Theorie. Es war, als ob die Frage faktisch gel&#246;st w&#228;re, ohne gestellt zu werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Deshalb konnte dieser Text eines Beteiligten der Zeitschrift/Gruppe &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt; erst geschrieben werden, nachdem sich die Gruppe &#8211; zwar minimal, doch wesentlich &#8211; durchmischt hat. Paradoxerweise konnte diese Transformation nur dank der Konzeption des Kommunismus als gesellschaftliche Unmittelbarkeit des Individuums hervorgebracht werden. Die gesellschaftliche Unmittelbarkeit des Individuums dispensierte davon, die Genderfrage zu stellen &lt;i&gt;und&lt;/i&gt; erlaubte es &lt;i&gt;gleichzeitig&lt;/i&gt;, zu hoffen, dass die Kommunisierung als Aufhebung der Geschlechterrollen und der Klassen definiert werden k&#246;nnte, diese Hoffnung hat sich ziemlich schnell konkretisiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Betroffen war allerdings nicht nur das &#8222;Ziel&#8220;. Im Klassenkampf, in der Kommunisierung, in der Hervorbringung des unmittelbar gesellschaftlichen Individuums konnte nichts mehr, das die M&#228;nner und die Frauen betrifft, &#8222;faktisch&#8220; oder in einem toten Winkel der Theorie bleiben. Die Baustelle des Widerspruchs zwischen Proletariat und Kapital, des Widerspruchs zwischen M&#228;nnern und Frauen, der Ausbeutung, des Kapitals als prozessierender Widerspruch musste neu ge&#246;ffnet werden. Das ging nicht ohne Wogen, doch ohne Flutwellen, nicht ohne Geschrei, doch ohne Konflikte vonstatten: Die Frucht war reif &#8211; wohl seit langem.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Heute scheint ein breiter Konsens in der Str&#246;mung der Kommunisierung zu existieren, dass die Revolution genauso Aufhebung der Geschlechterrollen wie Aufhebung der Klassen ist. Doch es existiert eine Debatte betreffend der Frage, ob ein Genderwiderspruch im gleichen Sinn wie der Klassenwiderspruch existiert. Es ist wichtig, dass diese Debatte nicht nur formell ist, sondern die massgebliche Wichtigkeit von Frauenkampf zum jetzigen Zeitpunkt und ihre Besonderheit als wesentliches Element der Aufhebung der Geschlechterrollen in der Aufhebung der Klassen als Aufhebung der Klassen in der Aufhebung der Geschlechterrollen betrifft. Das war der Gegenstand dieses Textes.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;B.L., 21. Juni 2011&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://riff-raff.se/texts/fr/sic1-le-pas-suspendu-de-la-communisation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb6-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die kapitalistische Produktionsweise, indem sie den Markt und die Lohnarbeit, welche ihre Grundlagen sind, verallgemeinert, ist die erste Produktionsweise, welche eine politische &#214;konomie ist, d.h. die strukturell die Produktion vom Haushalt trennt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Th&#233;orie communiste - Einige kritische Anmerkungen zu &#034;Gender und Klassen. Der Generalaufstand, der die M&#228;nner und die Frauen zerst&#246;ren wird&#034;</title>
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&lt;p&gt;Die Urspr&#252;nge &lt;br class='autobr' /&gt;
Die Methode ist historisch, man startet also bei den &#8222;Urspr&#252;ngen&#8220;; man weiss zur Gen&#252;ge, dass eine solche Methode alles verf&#228;lscht, dass die Urspr&#252;nge nichts und vor allem nicht sich selber erkl&#228;ren. Einen historischen Anfangspunkt und seine Entwicklung als konzeptuelle Ordnung zu pr&#228;sentieren kommt einem Zauberdenken gleich, das glaubt, der Anfang sei die Wahrheit dessen, was hervorgebracht wird und das unter dem Deckmantel der Geschichte immer bewusst oder unbewusst (...)&lt;/p&gt;


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 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/arton74-5.jpg?1689550465' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='53' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;h2 class=&#034;spip&#034;&gt;Die Urspr&#252;nge&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Die Methode ist historisch, man startet also bei den &#8222;Urspr&#252;ngen&#8220;; man weiss zur Gen&#252;ge, dass eine solche Methode alles verf&#228;lscht, dass die Urspr&#252;nge nichts und vor allem nicht sich selber erkl&#228;ren. Einen historischen Anfangspunkt und seine Entwicklung als konzeptuelle Ordnung zu pr&#228;sentieren kommt einem Zauberdenken gleich, das glaubt, der Anfang sei die Wahrheit dessen, was hervorgebracht wird und das unter dem Deckmantel der Geschichte immer bewusst oder unbewusst Mythen erschafft (&#8222;Der erste, der sagt, dies ist mein&#8220;, Rousseau). Die historische Suche nach einem &#8222;Ursprung&#8220; setzt ein Stadium vor der Trennung, vor dem &#220;bergehen des Einen in sein Anderes voraus. Die historische Ordnung der Kategorien hat nichts mit deren konzeptuellen Ordnung zu tun (Marx, &lt;i&gt;Einf&#252;hrung&lt;/i&gt; von 1857).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Von den &#8222;Urspr&#252;ngen&#8220; kommen wir zum &#8222;Verlauf der Jahrtausende&#8220; (S. 12), dann, die Antike &#252;berspringend, zum westlichen Mittelalter, einige Worte zur fr&#252;hen Neuzeit und schon sind wir im 19. Jahrhundert. Der Hauptfehler liegt nicht in der Analyse der fl&#252;chtig gestreiften Gesellschaften (obwohl, wie wir sehen werden, das Mittelalter und die fr&#252;he Neuzeit einige &#220;berraschungen bereithalten), sondern in der Methode, welche zum Zweck hat, eine historische Entwicklung zu konstruieren, die das Konzept des &#8222;Patriarchats&#8220; (S. 13) legitimiert. Schon in den ersten Zeilen des Textes &lt;i&gt;Kapitalismus, Gender und Kommunismus&lt;/i&gt;, der als theoretische Synthese pr&#228;sentiert wird und der erste Text der Brosch&#252;re ist, begegnen wir einer der strukturierenden Linien der Gesamtproblematik: Mit dem Verschwinden des Patriarchats (ein zweifelhaftes Konzept, das sowieso nie in der hier pr&#228;sentierten Form existiert hat &#8211; wir werden darauf zur&#252;ckkommen) ist ein m&#246;glicher Niedergang, oder gar ein Verschwinden, der M&#228;nnerherrschaft in den Klassengesellschaften vorhanden und genauer, was uns vor allem interessiert, in der kapitalistischen Produktionsweise. In der Brosch&#252;re dient das Patriarchat zur Markierung und Best&#228;tigung der Etappen dieses Niedergangs der M&#228;nnerherrschaft. Die geschlechtliche Differenzierung hat immer existiert, doch &#8222;mit variablen 'Graden' der M&#228;nnerherrschaft&#8220; (S. 11). Auf welcher Skala misst man diese &#8222;Grade&#8220;? Es gibt keine Geschichte der M&#228;nnerherrschaft (als etwas, das eine eigene Dynamik hat), es gibt keine Grade der M&#228;nnerherrschaft, sondern eine Abfolge operationeller und notwendiger Formen, die eine Produktionsweise definieren und durch sie definiert sind, alle gleich &#8222;vorherrschend&#8220; und effizient. Wie die M&#228;nner, die Frauen, die M&#228;nnerherrschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese historische Konstruktion rechtfertigt und bereitet den &#220;bergang in der kapitalistischen Produktionsweise vom Patriarchat zur einfachen &#8222;M&#228;nnerherrschaft&#8220; vor, die (wir werden darauf zur&#252;ckkommen) merkw&#252;rdigerweise in der kapitalistischen Produktionsweise gleichzeitig notwendig und den Grundlagen dieser Produktionsweise (dem Wert, der Ware) gegens&#228;tzlich sei. Wenn &#8222;der kapitalistische Wurm in der patriarchalen Frucht steckt&#8220; (S. 13), um das Bild von Incendo wieder aufzugreifen, w&#228;re es also die M&#228;nnerherrschaft selbst, welche der Kapitalismus in Frage stellte. Dass &#8222;die M&#228;nnerherrschaft&#8220;, die &#8222;geschlechtliche Differenzierung&#8220;, der &#8222;Widerspruch zwischen den M&#228;nnern und den Frauen&#8220; (nennen wir es wie wir wollen &#8211; das hat hier keine Bedeutung) in der kapitalistischen Produktionsweise ein Widerspruch und gar ein Widerspruch f&#252;r sich selbst ist, ist eine Sache, dass man als &#8222;Hypothese&#8220; deren &#220;berwindung in Betracht ziehen kann eine andere. Die Genderunterscheidung ist ein konstitutiver, innerer, der Sache inh&#228;renter Widerspruch, genau wie die Arbeit als einzige Quelle des Werts und der Verwertung, und nicht ein Widerspruch zwischen zwei Begriffen, deren Koexistenz konfliktreich, doch nicht absolut &lt;i&gt;notwendig&lt;/i&gt; sein k&#246;nnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einerseits dr&#228;ngt das Kapital zur undeutlichen und abstrakten Universalit&#228;t der Individuen gegen&#252;ber der sozialen Macht, die es als autonomisierten Wert repr&#228;sentiert und andererseits setzt es die Arbeit und das Bev&#246;lkerungswachstum als einzige Quelle seiner Verwertung. Es will Frauen und will sie nicht. Es will die Genderunterscheidung und die Universalit&#228;t des einfachen abstrakten und freien Individuums. Daraus folgt, dass, dort, wo die grunds&#228;tzliche Universalit&#228;t erscheint, die Kategorien, die sie tragen (Wert, Ware usw.) selbst in ihrer Substanz durch das, was sie innerlich ausschliessen, geschlechtlich differenziert sind. &#214;ffentlichkeit/Privatheit, Lohnverh&#228;ltnis und weibliche Hausarbeit sind eng miteinander verbunden. In der kapitalistischen Produktionsweise sind die &#246;ffentliche und die private Sph&#228;re radikal getrennt, der Ausschluss der Frauen vom &#246;ffentlichen Raum ist grunds&#228;tzlich radikaler als in den vorhergehenden Produktionsweisen, gleichzeitig ist die Universalit&#228;t der abstrakten Gleichheit der Individuen ein innerer Zwang dieser Produktionsweise. Die &#8222;freie Frau&#8220;, die jedoch immer noch Frau ist, ist ihr Ideal und der Widerspruch, in welchem sie die Genderunterscheidung einsperrt &lt;i&gt;zugleich objektive Notwendigkeit und individuell kontingente Erscheinung&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;h2 class=&#034;spip&#034;&gt;Von den Frauen und dem Widerspruch&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Die ersten Abs&#228;tze, obwohl sie grundlegend sind f&#252;r das, was folgt, sind voller Doppeldeutigkeiten und Unausgesprochenem.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Es ist kaum m&#246;glich, die Erscheinung dieser geschlechtlichen Differenzierung genau historisch zu situieren oder zu erkl&#228;ren, vermutlich geht sie auf die Urgeschichte zur&#252;ck. Die Mutterschaft und ihre Zw&#228;nge werden allgemein als Erkl&#228;rung f&#252;r den Ursprung der geschlechtlichen Differenzierung vorgebracht. Gem&#228;ss diesen Hypothesen hinderte die Schwangerschaft und das Stillen die &#8222;Frauen&#8220; daran, voll an den anderen Aktivit&#228;ten der Gruppe teilzunehmen, beispielsweise an der Jagd. Der Schutz der schwangeren Frauen (der f&#252;r das &#220;berleben der Gruppe lebensnotwendig ist) soll sich zu einem &#8222;Schutz&#8220; der Frauen aufgrund ihrer &lt;i&gt;potentiellen&lt;/i&gt; reproduktiven F&#228;higkeit entwickelt haben. Doch das erkl&#228;rt uns nicht das Aufkommen der Gruppe der Frauen, was bedeutet, diese Gruppe als eine nat&#252;rliche Einheit zu betrachten. Ebenso wird die Schwangerschaft als nat&#252;rliches Ph&#228;nomen betrachtet, und nicht als gesellschaftlich organisierter Prozess.&#8220; (S. 11-12) Wir sind von den Urspr&#252;ngen ausgegangen, doch das lehrt uns nichts, ausser dass die Schwangerschaft ein &#8222;gesellschaftlich organisierter Prozess&#8220; ist; wir erfahren auch nichts &#252;ber &#8222;das Aufkommen der Gruppe der Frauen&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Genau wie die Schwangerschaft &#8222;gesellschaftlich organisierter Prozess&#8220; genannt wird ohne weitere Kommentare oder Erkl&#228;rungen, werden wir auch in der ganzen Brosch&#252;re nie mehr &#252;ber dieses &#8222;Aufkommen der Gruppe der Frauen&#8220; (das man besser Konstitution nennen w&#252;rde, um den Mythos der &#8222;Urspr&#252;nge&#8220; zu vermeiden) erfahren. Man kann sich fragen, wieso diese &#8222;Urspr&#252;nge&#8220;, die nichts lehren, vom ersten Absatz des Textes an ausgef&#252;hrt werden. Obwohl die Erkl&#228;rung verworfen wird, spielt sie eine Rolle. Alles, was die Urspr&#252;nge sagen, wird anerkannt sofern man es &#8222;gesellschaftlich organisierten Prozess&#8220; nennt. Wiederholen wir, dass im ganzen Text keine andere Erkl&#228;rung angeboten wird (ausser vielleicht auf gewundene Art und Weise die These von Engels &#8211; siehe weiter unten).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um was geht es also? Ein &#8222;nat&#252;rliches Ph&#228;nomen&#8220; kann ein &#8222;gesellschaftlich organisierter Prozess&#8220; sein, es handelt sich also um ein &#8222;gesellschaftlich organisiertes nat&#252;rliches Ph&#228;nomen&#8220;. In Abwesenheit einer Erkl&#228;rung braucht Incendo die &#8222;Natur&#8220;, zugleich als Inhalt seiner Erkl&#228;rung und als von ihr geleugneter Kontrapunkt. Anders gesagt, was die Frauen ausmacht, ist die Zeugung von Kindern (die Schwangerschaft) unter der Bedingung, dass man diese als &#8222;gesellschaftlich organisierten Prozess&#8220; konzipiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die geschlechtliche Differenzierung, welche in allen bekannten Gesellschaften existiert, hat in den Urgesellschaften diverse Formen angenommen.&#8220; (S. 12) Und hops! Feststellung und Beschreibung gelten als Konzept und verst&#228;ndliche Hervorbringung. Dieser Beginn macht alle Fragen und Probleme verschwommen. Man erz&#228;hlt uns von der Schwangerschaft, um uns zu sagen, dass es nicht darum geht &#8211; doch man spricht trotzdem davon. Es geht nicht darum, aber eben, doch beinahe, denn es handelt sich um einen &#8222;gesellschaftlich organisierten Prozess&#8220;, somit nicht um ein &#8222;nat&#252;rliches Ph&#228;nomen&#8220;, doch weshalb nicht davon ausgehen, um die Frauen zu &#8222;definieren&#8220;, wieso dieser &#8222;Prozess&#8220;, dazu wird geschwiegen. Ein Schweigen, das auf das verweist, was gesagt wurde zur Schwangerschaft, unter der Bedingung, dass man immer &#8222;gesellschaftlich&#8220; wiederholt, wenn man &#8222;Schwangerschaft&#8220; sagt. Was hier urspr&#252;nglich die Frauen definiert, ist die Schwangerschaft. Ob gewollt oder nicht, es ist der Ausgangspunkt: die grobe Feststellung des gesunden Menschenverstandes. Das &#8222;gesellschaftliche&#8220;, dessen Inhalt nie genau beschrieben wird, f&#252;gt der Biologie letztendlich nur eine anthropologische Note hinzu.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man err&#228;t, dass &#8222;gesellschaftlich&#8220; nur auf &#8222;lebensnotwendig f&#252;r das &#220;berleben der Gruppe&#8220; und somit auf die Reproduktion der Bev&#246;lkerung verweist. Die Idee wird sp&#228;ter entwickelt, im Rahmen der kapitalistischen Produktionsweise, mit der Reproduktion der Bev&#246;lkerung. Letztere ist jedoch nicht als wirtschaftliche Kategorie definiert, sondern als einfache Reproduktion der Individuen als Basisrohstoff der Reproduktion der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse. Aber das &#8222;gesellschaftliche&#8220; ist somit nur ein anderer Name f&#252;r das &#8222;nat&#252;rliche&#8220;: die von den Frauen geleistete Reproduktion der Gruppe durch Kinder. Etwas &#8222;gesellschaftlich organisiertes&#8220; nat&#252;rliches. Der Frage der wirtschaftlichen Bestimmung dieses &#8222;gesellschaftlichen Prozesses&#8220; wird ausgewichen. Was ist die Natur und die Existenzberechtigung dieses &#8222;gesellschaftlich organisierten Prozesses&#8220;? Wenn es M&#228;nner und Frauen gibt, &lt;i&gt;weil die Gesellschaft sich reproduziert&lt;/i&gt;, wird es sie, ausser im Falle einer Entscheidung zum kollektiven Selbstmord, &lt;i&gt;immer&lt;/i&gt; geben und es ist somit absolut logisch, dass der gleiche Text am Ende die Frage der Schwangerschaft im Kommunismus als Problem der Unterscheidung zwischen Tr&#228;gerinnen und Nicht-Tr&#228;gern von Kindern (wie kann man hier den Gebrauch von m&#228;nnlicher und weiblicher Form vermeiden?) stellt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Problem der theoretischen Konstruktion von Incendo ist es, von der spezifischen Stellung der Frauen in der Reproduktion auszugehen (das ist die Rolle des Absatzes &#252;ber die Urspr&#252;nge) und ihr, wie jeder Anthropologe, etwas &#8222;gesellschaftliches&#8220; hinzuzuf&#252;gen: &#8222;Es geschieht in der Gellschaft.&#8220; &#8222;Gesellschaftlich organisierter Prozess&#8220; sagt uns nichts &#252;ber die Natur dieses Prozesses, genauso wenig wie &#252;ber seine Notwendigkeit und sein Werk, die Konstruktion der Kategorien Frauen und M&#228;nner. Der theoretische Ausgangspunkt kann nicht diese spezifische Stellung (die Incendo nicht mehr loswird) sein, egal was man hinzuf&#252;gt (sogar gesellschaftliches), &lt;i&gt;sondern das, was diese Stellung spezifisch macht, d.h. unmittelbar gesellschaftliches&lt;/i&gt;. Es ist die Arbeit als wirtschaftliche Kategorie, als prinzipielle Produktivkraft, d.h. die Bev&#246;lkerung, die simultan von der Mehrarbeit hervorgebracht wird, welche diese Stellung konstruiert und, in ein und derselben Bewegung, daraus eine spezifische Stellung macht. Es muss gesagt werden, weshalb &#8222;die Schwangerschaft ein gesellschaftlich organisierter Prozess&#8220; ist, der als solcher zwei gesellschaftliche Gruppen definiert. Incendo legt bereits in seinen Pr&#228;missen an, was gezeigt werden muss: Die Frauen machen Kinder und, um es einfach zu sagen, das wird ihnen zum Verh&#228;ngnis werden. Die Unterscheidung ist schon da, es ist jedoch genau diese &lt;i&gt;Unterscheidung&lt;/i&gt;, &#8222;Kinder zeugen&#8220;, die hervorgebracht werden muss.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist nicht die Tatsache, immer gesellschaftlich konfiguriert zu sein, welche aus einer anatomischen Eigenschaft (Geb&#228;rmutter), als ob sie auf ihre &#8222;gesellschaftliche Organisation&#8220; wartete, eine gesellschaftliche Unterscheidung macht, es ist die Arbeit und die Bev&#246;lkerung als prinzipielle Produktivkr&#228;fte. Wenn man beim &#8222;gesellschaftlich organisierten Prozess&#8220; stehen bleibt, hat man weder Widerspruch, noch Dynamik in dieser Unterscheidung, sondern einfach etwas, das die &#8222;wahren Unterscheidungen&#8220;, die &#8222;wahren Widerspr&#252;che&#8220;, die &#8222;wahren Dynamiken&#8220; begleitet. Daher versteht man, dass die anf&#228;ngliche Doppeldeutigkeit &#252;ber die Konstruktion und die Definition der Gruppe der Frauen kein Zufall und auch kein theoretisches Versehen oder keine theoretische Schw&#228;che ist, denn die Genderunterscheidung als Zierde, ein Plus, eine zus&#228;tzliche Bestimmung der Klassenwiderspr&#252;che, durchzieht die Brosch&#252;re. Das als Motto vorangestellte h&#252;bsche, von den Toiletten eines Squats in Avignon kommende Zitat ist wohl verlockend, doch es streut Sand in die Augen (S. 8)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Erste Hand: &#8222;Der Kampf gegen das Patriarchat zuerst!&#8220; Zweite Hand: &#8222;Es ist (...)&#034; id=&#034;nh7-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Was ist der Gang, was sind die Artikulationen, die Widerspr&#252;che dieses Kampfes f&#252;r den Kommunismus, der nicht ein breiter Strom ist, wo alles verschmilzt und sich aufl&#246;st wie die Flut der Sp&#252;lung alles wegschwemmt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Incendo will &#252;ber die Beziehungen zwischen Gender und Klassen nachdenken, doch nicht nur die Definition der Genderunterscheidung &lt;i&gt;als Widerspruch&lt;/i&gt; ist explizit in Klammern gesetzt (man weiss nicht, man sagt nichts dazu, Fussnote 69), sondern auch die Genderunterscheidung selbst ist nicht hervorgebracht worden. Tats&#228;chlich kann man sie nur als Widerspruch hervorbringen, jener der Arbeit und der Bev&#246;lkerung in der kapitalistischen Produktionsweise, d.h. das Kapital als prozessierender Widerspruch. Die Frage der Genderunterscheidung ist somit auf die Ungleichheiten reduziert, die man, dank dem &#8222;Tag der Frauen&#8220;, jeden M&#228;rz in der aktivistischen und b&#252;rgerlichen Presse erf&#228;hrt und wor&#252;ber sich Incendo mokiert. Incendo erstellt keine Bilanz dieser Ungleichheiten, um nicht explizit sagen zu m&#252;ssen, dass das, was unter &#8222;M&#228;nnerherrschaft&#8220; in dieser Brosch&#252;re verstanden wird, nichts anderes ist als diese Ungleichheiten. Incendo sagt nichts anderes, ausser, dass nur die Revolution diese aufheben kann (und, wie wir sehen werden, k&#246;nnte es die kapitalistische Produktionsweise gem&#228;ss Incendo auch selbst &#252;bernehmen und uns zuvorkommen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch warum wird den Ungleichheiten nicht Rechnung getragen? Incendo versetzt sich in die &#8222;radikale&#8220; Haltung, f&#252;r welche von Ungleichheiten sprechen etwas zu &#8222;sozialdemokratisch&#8220; ist. Die Ungleichheiten sind die unmittelbare empirische Existenz der geschlechtlichen Versklavung und Differenzierung, der Kampf gegen diese Ungleichheiten ist nicht bedeutungslos: Die auferlegte Teilzeitarbeit ist eine Ungleichheit; die Differenz in der Hausarbeitszeit ist eine Ungleichheit, die Glasdecke ist eine Ungleichheit; die B&#252;rde der &#8222;biologischen Reproduktion&#8220; ist eine Ungleichheit, die Besetzung des &#246;ffentlichen Raumes ist eine Ungleichheit, die konstante Sorge, ein K&#246;rper zu sein, ist eine Ungleichheit usw. Diese Geringsch&#228;tzung der Ungleichheit, die als harmlos und als zum Konsens in guter Gesellschaft von &#8222;Radikalen&#8220; geh&#246;rig erscheinen kann, spielt in der allgemeinen Problematik von Incendo eine Rolle. Indem diese Ungleichheiten in ihrem allgemeinen Ausdruck als Ungleichheiten zwischen M&#228;nnern und Frauen &#252;bergangen werden, wird die Genderunterscheidung in ihren unmittelbarsten Formen und Existenzbedingungen &#252;bergangen und beschr&#228;nkt sich auf den Widerspruch zwischen den Klassen, in welcher die Situation der Frauen nur eine Bestimmung, eine zus&#228;tzliche Eigenschaft darstellt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht nicht darum, die Verurteilung dieser Ungleichheiten oder den Kampf dagegen als &#8222;b&#252;rgerlich-feministisch&#8220; abzulehnen oder nicht, die wirklich komplizierte Frage ist jene der &#220;berwindung der Forderung nach Gleichheit durch die Abschaffung dessen, was dazu f&#252;hrt, dass es nur Ungleichheiten geben kann: die Genderunterscheidung. Kein vern&#252;nftiger Mensch lehnt den Kampf um Lohnerh&#246;hungen ab, weil er nicht die Lohnarbeit in Frage stellt. Es ist eben genau weil f&#252;r Incendo, sogar als Hypothese (tats&#228;chlich h&#228;ufig viel mehr als das: &#8222;eine M&#246;glichkeit&#8220;), die geschlechtliche Differenzierung im Widerspruch zu den Grundlagen der kapitalistischen Produktionsweise &#8222;fortbesteht&#8220;, dass sie sich auf diese Ungleichheiten beschr&#228;nkt, die sie als &#8222;sozialdemokratisch&#8220; verachten. Wenn sie nicht davon sprechen wollen, so ist es, weil sie Angst haben, zu zeigen, dass sie nichts anderes davon sagen k&#246;nnen als dass es Ungleichheiten sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r Incendo geht also darum, das Verh&#228;ltnis zwischen Klassen und Gender zu analysieren. Was ist die Beschaffenheit dieses Verh&#228;ltnisses? Eine gegenseitige Hervorbringung, eine Komplementarit&#228;t, eine Koexistenz, eine &#220;berschneidung? Scheinbar geht es um eine notwendige Koexistenz, doch ihre Notwendigkeit wird nie hervorgebracht, ausser, dass gesagt wird, dass es darum geht, Proletarier zu reproduzieren und &#8222;Socken zu waschen&#8220;. Doch die Beschr&#228;nkung auf die Reproduktion der Bev&#246;lkerung, ohne sie als Arbeit und Produktivkraft detailliert zu bezeichnen, ist gleichbedeutend mit der Beschr&#228;nkung der Schwangerschaft auf einen gesellschaftlich begleiteten Prozess. Zwischen der gesellschaftlich begleiteten Schwangerschaft und der Weigerung, das Verh&#228;ltnis zwischen Frauen und M&#228;nnern als Widerspruch zu konzipieren, entsteht eine Endlosschleife: Der Genderwiderspruch besteht durch und f&#252;r etwas anderes, er ist mehr oder weniger unerl&#228;sslich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was unsichtbar wird, ist die Tatsache, dass das Problem des Verh&#228;ltnisses zwischen M&#228;nnern und Frauen einerseits, den Klassen andererseits, keines ist. Das Problem ist nicht jenes des Verh&#228;ltnisses, sondern jenes der gemeinsamen und gegenseitigen Hervorbringung beider Widerspr&#252;che und ihrer Einheit (siehe &lt;i&gt;R&#233;ponses aux Am&#233;ricaines&lt;/i&gt; [&lt;i&gt;Antwort an die Amerikanerinnen&lt;/i&gt;] und &lt;i&gt;Tel quel&lt;/i&gt; [&lt;i&gt;So wie zuvor&lt;/i&gt;] in Th&#233;orie communiste 24, Dezember 2012) &#8211; wie jeder Widerspruch zu einem wird durch den anderen &#8211; und umgekehrt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die M&#228;nner und die Frauen kommen von der Mehrarbeit, ihre Unterscheidung und somit ihr Widerspruch; von dieser gleichen Mehrarbeit kommen auch die Klassen und ihr Widerspruch. Die Existenz der Mehrarbeit ist gleichbedeutend mit der Existenz dieser beiden Widerspr&#252;che. Jeder hat im anderen nicht nur seine Bedingung, sondern das, was ihn zu einem Widerspruch macht, d.h. ein Prozess, der in seinem Verh&#228;ltnis seine eigenen Begriffe in Frage stellt. Vier Elemente, zwei Widerspr&#252;che, eine Dynamik: jene des Kapitals als prozessierender Widerspruch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese gemeinsame Existenz, die aus jedem ein Widerspruch macht, ist nicht eine Begegnung oder eine Summe, sondern existiert f&#252;r jeden Widerspruch in seinen eigenen Begriffen, seiner eigenen &#8222;Sprache&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zwischen dem Proletariat und dem Kapital ist es die Existenz selbst der Arbeit als Produktivkraft (der Widerspruch zwischen M&#228;nnern und Frauen), welche, in den Begriffen des Verh&#228;ltnisses, dieses Werden des konfliktreichen, widerspr&#252;chlichen Verh&#228;ltnisses ist: Die Arbeit als einziger Massstab und einzige Quelle des Reichtums f&#252;hrt dazu, dass der Klassenkampf die Aufhebung der Klassen als Dynamik und zum Ziel hat, was gleichbedeutend ist mit dem Kapital als prozessierender Widerspruch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zwischen den M&#228;nnern und den Frauen ist es die Existenz der Mehrarbeit und ihr Verh&#228;ltnis zur notwendigen Arbeit (der Widerspruch zwischen den Klassen), welche, in den Begriffen des Verh&#228;ltnisses, dieses Werden des konfliktreichen, widerspr&#252;chlichen Verh&#228;ltnisses ist: Die Mehrarbeit und ihr Verh&#228;ltnis zur notwendigen Arbeit f&#252;hrt dazu, dass der Konflikt zwischen M&#228;nnern und Frauen die Aufhebung der der Individualit&#228;t inh&#228;renten Bedingungen des Mann- und Frauseins als Dynamik und zum Ziel hat. Anders gesagt: Dieser Widerspruch zwischen Mehrarbeit und notwendiger Arbeit ist jener, durch welchen die Bev&#246;lkerung als prinzipielle Produktivkraft (die Genderunterscheidung) als Notwendigkeit aufgehoben wird, was gleichbedeutend ist mit dem Kapital als prozessierender Widerspruch. Die Revolution wird nicht &#8222;&#252;ber die Aufhebung der Geschlechterrollen stolpern&#8220;, denn es ist kein Zufall, dass die beiden Widerspr&#252;che sich in revolution&#228;ren Momenten immer miteinander verbinden, best&#228;tigen und meistens in Konfrontation zueinander stehen.&#8220; (&lt;i&gt;Tel Quel&lt;/i&gt;, Th&#233;orie communiste 24, Dezember 2012)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Genderfrage, welche die Brosch&#252;re von Incendo behandeln will, wird nie f&#252;r sich selbst er&#246;rtert und behandelt. Die im Vorwort angegebenen zwei Gr&#252;nde, dar&#252;ber zu sprechen, zw&#228;ngen sie in einen Rahmen, der alles, was man dar&#252;ber sagen kann, vorherbestimmt. In der Problematik des Texts kommt man nicht zur Revolution indem man vom Klassen- und vom Genderwiderspruch ausgeht, sondern die Revolution ist, zumindest was die Genderfrage betrifft, der vorausgesetzte Rahmen, welcher die Frage formatiert. Man er&#246;rtert die Genderfrage &#8222;in einer revolution&#228;ren Perspektive&#8220;, sagt der Text. Sehr gut, doch da angenommen wird, dass diese Revolution eine Sache der Klassen sei, welche die Frauenfragen der proletarischen Frauen aufwirft (die diese Fragen nur stellen als Proletarierinnen und weil sie Proletarierinnen sind), wird dieses Problem nur als Bestimmung eines anderen Problems eingef&#252;hrt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Von diesem &#8222;revolution&#228;ren Standpunkt&#8220; aus (was ist ein &#8222;revolution&#228;rer Standpunkt&#8220; in der Theorie?) erscheinen nun also die zwei Gr&#252;nde, weshalb das Problem er&#246;rtert wird. Erstens ist die der kapitalistischen Produktionsweise vorangehende geschlechtliche Differenzierung mit dieser &#8222;unzertrennbar verbunden&#8220; (man wird sp&#228;ter erfahren, dass f&#252;r Incendo dieses &#8222;unzertrennbar&#8220; nicht so offensichtlich ist). Zweitens weil der Kommunismus, damit er als solcher qualifiziert werden kann, frei von Herrschaft sein muss. Es ist wahr, dass diese ihm einen schlechten Stempel aufdr&#252;cken w&#252;rde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Aufhebung der Genderunterscheidung vom Standpunkt aus des &#8222;Erfolgs&#8220; der Kommunisierung ist zwar eine Notwendigkeit, doch nicht im Namen der Aufhebungen aller Vermittlungen, nicht weil die Revolution &#8222;ausgesetzt&#8220; w&#228;re wegen der Notwendigkeit dieser Aufhebung. Diese Sichtweise kommt einer teleologischen und normativen Vorgehensweise gleich. W&#228;hrend des &#8222;Erfolgs&#8220; der Kommunisierung dr&#228;ngt sich dieser Widerspruch in seinem konkreten, unmittelbaren Charakter auf, gegen alles, was dieses Verh&#228;ltnis an Gewalt, Unsichtbarmachung, Zuweisung zu einer untergeordneten Stellung impliziert. Die Aufhebung des Genderwiderspruchs dr&#228;ngt sich als Notwendigkeit der Kommunisierung auf, weil der Widerspruch und die Ausbeutung, welche die Frauen definieren, im allt&#228;glichen Leben existieren und wir gehen von dieser Situation, diesem Widerspruch aus, um &#252;ber die Notwendigkeit der Aufhebung der Geschlechterrollen zu sprechen. Hausarbeit, Stellung in der Arbeitsteilung, Modalit&#228;ten der Eingliederung in den unmittelbaren Produktionsprozess, &#8222;untypische&#8220; Formen der Lohnarbeit, die Vergewaltigung und/oder die Drohung damit sind die diversen Fronten, wo der Widerspruch zwischen M&#228;nnern und Frauen sich abspielt, er hat ihre Definition und zwingende Zuweisung zum Inhalt (keines dieser Elemente ist zuf&#228;llig). All diese Fronten sind die Orte eines permanenten Kampfes, in welchem sich zwei Kategorien der Gesellschaft gegen&#252;ber stehen, die sich als nat&#252;rlich herausgebildet haben und von den Frauen als solche in ihrem Kampf dekonstruiert werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Widerspruch zwischen den M&#228;nnern und den Frauen ist die Genderunterscheidung, so wie er existiert und sich abspielt, er erlaubt uns, von der Notwendigkeit seiner Aufhebung und der Notwendigkeit der Aufhebung aller Vermittlungen f&#252;r den &#8222;Erfolg&#8220; der Kommunisierung zu sprechen. Wir analysieren die Genderunterscheidung vom Standpunkt ihrer Aufhebung aus, weil wir von ihrer konkreten, aktuellen Existenz ausgehen. Die diesem Widerspruch eigene Dynamik l&#228;sst ihn als Besonderheit der Totalit&#228;t existieren, welche das Kapital als prozessierender Widerspruch ist. Die Frauen wollen nicht bleiben, was sie sind, wie es Marx bez&#252;glich der Proletarier in der &lt;i&gt;Deutschen Ideologie&lt;/i&gt; formulierte. Sie wollen nicht bleiben, was sie sind, weil ihre eigene Situation ein Widerspruch in der kapitalistischen Produktionsweise und durch sie ist: die Arbeit als Problem (der &#8222;auftauchende Widerspruch&#8220;, die Bev&#246;lkerung als prinzipielle Produktivkraft im Kapitalismus ist nicht mehr selbstverst&#228;ndlich, die nat&#252;rliche Unterscheidung wird durch die Kontingenz untergraben). Doch die Arbeit als Problem nimmt nicht die Form vom Frauenkampf an, die Arbeit als Problem ist gleichbedeutend mit dem Kampf der Frauen gegen ihre eigene Definition als solche.&#8220; (&lt;i&gt;R&#233;ponses aux Am&#233;ricaines&lt;/i&gt;/&lt;i&gt;Tel Quel&lt;/i&gt; &#8211; das vorangehende Zitat ist eine Synthese zweier Zitate, die sich in den erw&#228;hnten Texten befinden)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r Incendo werden die &#8222;Notwendigkeit&#8220; und der &#8222;inh&#228;rente&#8220; Charakter der Genderunterscheidung in der kapitalistischen Produktionsweise nicht vom Genderverh&#228;ltnis selbst ausgehend, innerhalb desselben hervorgebracht (die Arbeit und die Bev&#246;lkerung als Produktivkr&#228;fte und simultan die Mehrarbeit), sondern als Nutzen f&#252;r etwas anderes. Es wird notwendige Reproduktion des gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisses hervorgebracht und dadurch, als Konsequenz davon, die Notwendigkeit, dessen Elemente (die Akteure, die Personen) zu reproduzieren, doch somit ist diese Reproduktion nur die nat&#252;rliche Reproduktion in gesellschaftlichem Kleid. Es ging allerdings darum, die Unterscheidung hervorzubringen, nicht darum, sich darauf zu beschr&#228;nken, sie einzukleiden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der &#8222;gesellschaftlich organisierte Prozess&#8220; wird durch die These von Engels zur Familie, zum Patriarchat und zum Privateigentum komplettiert. Die These wird f&#252;r ihre Einseitigkeit und gest&#252;tzt auf historische Gegenbeispiele &#8222;kritisiert&#8220;, doch nicht verworfen, sie ist gewissermassen da, um den &#8222;gesellschaftlich&#8220; getauften &#8222;Prozess&#8220; zu verst&#228;rken, obwohl man davon weder den Inhalt, noch die Daseinsberechtigung erf&#228;hrt, und um das &#8222;nat&#252;rliche Ph&#228;nomen&#8220; zu umrahmen, deren Darstellung Eigenschaft und Unterscheidung, Diversit&#228;t und Unterscheidung verwechselt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum Gl&#252;ck eilt Engels, trotz den anf&#228;nglich ausgedr&#252;ckten Vorbehalten, dieser Konstruktion zu Hilfe und verleiht ihr ein wenig Inhalt: &#8222;Organisation der Reproduktion durch die Kontrolle der B&#228;uche der Frauen&#8220;. Man k&#246;nnte sich in einer historischen Kritik dieses Engelschen Vorschlags versuchen (und Incendo legt es nahe), doch die wesentliche Schw&#228;che liegt anderswo.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Erstens&lt;/i&gt; steht die &#8222;Kontrolle der B&#228;uche&#8220; im Dienst einer anderen Finalit&#228;t: das Eigentum. Der wahre gesellschaftliche Aufgabenbereich ist nicht diese Kontrolle, sondern das, was sie bezweckt: Abstammung, Weitergabe des Verm&#246;gens, Eigentum. Und hier begegnet man dem &#8222;gesellschaftlich organisierten Prozess&#8220; wieder, dessen wahre Formulierung &#8222;nat&#252;rlicher, gesellschaftlich organisierter Prozess&#8220; ist. Was die Problematik von Incendo nicht zu erkennen erlaubt, ist die Tatsache, dass die spezifische Stellung der Frauen in der Reproduktion nur als gesellschaftliche Konstruktion und Differenzierung, als wirtschaftliche Kategorie eine solche ist. Es ist Mehrarbeit, und somit Arbeit der Bev&#246;lkerung als prinzipielle Produktivkraft, wovon die Frauen Teil sind. Die &#8222;Kontrolle der B&#228;uche&#8220; als Reproduktion der Bev&#246;lkerung ist also ihre eigene Daseinsberechtigung, dient keiner anderen Finalit&#228;t, nichts anderem, sie ist die Bev&#246;lkerung als prinzipielle Produktivkraft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schliesslich wird in der Brosch&#252;re der Vorschlag von Engels als &lt;i&gt;Rechtfertigung&lt;/i&gt; der Aneignung der Frauen benutzt. &#8222;Im Verlauf der Jahrtausende und in der Mehrheit der Gesellschaften institutionalisiert sich (...) diese M&#228;nnerherrschaft in verschiedenen Formen, um den Fortbestand und die Stabilit&#228;t zu garantieren. Die Familie ist ein wesentliches Element, denn sie erlaubt die Abstammung/Nachkommenschaft und die Weitergabe des Erbes (...) und somit, eine gewisse gesellschaftliche Stabilit&#228;t zu garantieren.&#8220; (S. 12-13) Diese Erkl&#228;rung ist nicht nur falsch, weil man ihr eine andere entgegensetzen kann, deren Erkl&#228;rungskraft ihr &#252;berlegen ist, und die keine andere gesellschaftliche Finalit&#228;t impliziert als die gesellschaftlich gewollte Unterscheidung, die man zu konstruieren sucht. Sie ist vor allem falsch, weil sie tautologisch ist. Sie setzt die Gruppe, die man konstruieren will, als bestehend voraus, man findet sie in der Schlussfolgerung, weil man sie &lt;i&gt;wieder&lt;/i&gt;findet, weil sie schon in den Pr&#228;missen vorausgesetzt war. Wenn es eine Sorge um die Weitergabe des Verm&#246;gens gibt, bedeutet das, dass die Familie schon existiert. Im Grunde genommen ist der Ausgangspunkt von Engels &#8222;die Frauen machen Kinder&#8220;, die &#8222;gesellschaftliche&#8220; Konstruktion der Gruppe der Frauen ist schon da, sie unterscheidet sich von der Gruppe der M&#228;nner, die sich ihrer bem&#228;chtigt. Was man in dieser Vorgehensweise nicht erf&#228;hrt, ist einerseits die Natur des ber&#252;hmten &#8222;gesellschaftlich organisierten Prozesses&#8220; und andererseits was eine biologische Stellung in der Reproduktion der Spezies als gesellschaftliche Diskriminierung, als Definition einer besonderen gesellschaftlichen Gruppe bestimmt. Das, was Engels sagt, ist als notwendiges Dispositiv nicht falsch, doch wir sind nicht an der Wurzel.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine solche Tautologie st&#246;rte Engels nicht (wir machen nebenbei darauf aufmerksam, dass der Text &lt;i&gt;Der Ursprung...&lt;/i&gt; zwar Engels zugeordnet wird, er jedoch h&#228;ufig nur in die Notizen von Marx &#252;ber Morgan etwas Ordnung gebracht hat), er k&#252;mmerte sich nicht darum, die Frauen als historisch und gesellschaftlich konstruierte Gruppe hervorzubringen. Die Frauen existieren nat&#252;rlicherweise, einzig ihre Unterdr&#252;ckung ist gesellschaftlich. Eine solche Vorgehensweise unterscheidet sich von jener, welche darin besteht, die Unterdr&#252;ckung als konstitutiv f&#252;r die Gruppe hervorzubringen, womit sie &#252;berhaupt nichts nat&#252;rliches mehr an sich hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Zweitens&lt;/i&gt;, und dies ist der wichtigste Punkt: Die Erkl&#228;rung von Engels hat einen theoretischen Sinn im Rahmen des Programmatismus, sie ist Teil des theoretischen Geb&#228;udes. Das Problem des Programmatismus ist das Eigentum, sodass schliesslich bei Engels die Arbeiterfamilie schon potentiell jenseits von der M&#228;nnerherrschaft ist. Wenn man die Engelsche Erkl&#228;rung der M&#228;nnerherrschaft &#252;bernimmt (Kontrolle der B&#228;uche &lt;i&gt;f&#252;r&lt;/i&gt; die Abstammung, das Erbe, das Eigentum), &lt;i&gt;muss man auch seine auf die Arbeiter bezogene Schlussfolgerung &#252;bernehmen&lt;/i&gt;: Man muss erkennen, dass die Gruppe der Frauen nicht als solche konstituiert, sondern &#252;bernommen wird; dass die M&#228;nnerherrschaft im Proletariat keine objektive Grundlage mehr hat. Was der Programmatismus nicht erkennen kann (seine Tabus), ist der &lt;i&gt;wesentliche&lt;/i&gt; Charakter des Widerspruchs zwischen M&#228;nnern und Frauen in der kapitalistischen Produktionsweise: Die erste auf der Ausbeutung der Arbeit basierende Produktionsweise, die ein Problem mit der Arbeit hat; die im Lohn enthaltene Unterscheidung zwischen M&#228;nnern und Frauen mit dem Verkauf der Arbeitskraft, welche Produktion und Reproduktion voneinander trennt; die Unterscheidung zwischen dem Privaten und dem &#214;ffentlichen, welcher die abstraktesten und universellsten Kategorien des Kapitals &#8211; Wert, Ware &#8211; G&#252;ltigkeit verleihen. Durch die Wiederaufnahme der Problematik von Christophe Darmangeat (&lt;i&gt;Le communisme primitif n'est plus ce qu'il &#233;tait&lt;/i&gt;, Ed. Smolny) entgeht Incendo der wesentlich geschlechtlich differenzierte Charakter aller Kategorien des Kapitals (auch der Arbeit). Diese Wiederaufnahme der Thesen von Darmangeat, welcher die M&#228;nnerherrschaft in der kapitalistischen Produktionsweise nur als Notwendigkeit f&#252;r das Kapital zur Umgehung von archaischen Ideologien und Mentalit&#228;ten betrachtet, festigt ihre Sichtweise des Widerspruchs zwischen M&#228;nnern und Frauen als &#8222;Frauenfrage&#8220;, als Anhang des Widerspruchs zwischen den Klassen. Incendo best&#228;tigt den wesentlichen Charakter der geschlechtlichen Differenzierung, einige Abs&#228;tze weiter unten ist sie aber nicht mehr dermassen wesentlich. Im Programmatismus, in seinen besten Momenten, bleibt der Widerspruch zwischen den M&#228;nnern und den Frauen immer ein dem Widerspruch zwischen dem Proletariat und dem Kapital &lt;i&gt;untergeordneter&lt;/i&gt; Widerspruch (f&#252;r eine ausf&#252;hrlichere Kritik der Position von Engels, siehe Anhang 1).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Solange man die M&#228;nnerherrschaft als ein Werkzeug f&#252;r ein anderes &#8211; wie auch immer geartetes &#8211; Ziel, als ein Instrument betrachtet, wird es reichen, dieses Ziel zum Verschwinden zu bringen, um sich der M&#228;nnerherrschaft zu entledigen, was dazu f&#252;hrt, dass das Verh&#228;ltnis zwischen M&#228;nnern und Frauen &#252;berhaupt keine eigene Existenz hat, keinen Widerspruch, keine Dynamik, es ist eine als mehr oder weniger notwendig betrachtete Begleiterscheinung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was z&#228;hlt bei Engels (und h&#228;ufig in der Argumentation von Incendo wieder aufgenommen wird), ist das Privateigentum und dessen Weitergabe. Daf&#252;r m&#252;ssen die Frauen beherrscht werden. Die M&#228;nnerherrschaft &#252;ber die Frauen ist nur eine Konsequenz oder ein Instrument. Wenn wir hingegen sagen, dass die M&#228;nner und die Frauen von der Mehrarbeit kommen, von der Bev&#246;lkerung und der Arbeit als prinzipielle Produktivkr&#228;fte, so ist die Erschaffung der Kategorien und ihre Unterscheidung innerlich ein gesellschaftliches Verh&#228;ltnis und ihre eigene Daseinsberechtigung. Die These von Engels sagt uns nicht, woher die Frauen kommen, h&#246;chstens dass sie Kinder zeugen und dadurch Frauen sind und dass es n&#246;tig sein wird, all das zu kontrollieren. Sie sind schon da, man liefert eine Erkl&#228;rung f&#252;r die notwendige Herrschaft, doch nicht f&#252;r die Erzeugung der Gruppe (im Falle einer gesellschaftlichen Erzeugung m&#252;ssen Erzeugung und Herrschaft absolut identisch sein, sonst wird das gesellschaftliche als Instrumentalisierung konzipiert).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Konstitution der Gruppe der Frauen durch die Bev&#246;lkerung und die Arbeit als prinzipielle Produktivkr&#228;fte ist eine soziale Konstruktion, die nicht dazu dient, die Gruppe der Frauen f&#252;r etwas anderes zu konstruieren, da sie sie schlicht und einfach konstruiert. Im Unterschied zu einer Konstruktion f&#252;r das Eigentum oder schlichtweg f&#252;r die Reproduktion der Gesellschaft und ihrer Mitglieder. In diesen beiden F&#228;llen ist die reproduktive Funktion schon als bestehend &lt;i&gt;und unterscheidend&lt;/i&gt; vorausgesetzt. Zu sagen, dass sie nur &#8222;gesellschaftlich organisiert&#8220; existiert, ist nicht das gleiche als zu sagen, dass sie nur existiert, &lt;i&gt;da gesellschaftlich organisiert&lt;/i&gt; (in der zweiten Formulierung wird nichts vorausgesetzt). Ihre Kriterien und Eigenschaften sind mit ihrer Konstruktion und ihrer Finalit&#228;t, ihrer Daseinsberechtigung identisch. Kurz, ihre Daseinsberechtigung ist nichts anderes. Darin ist das Verh&#228;ltnis zwischen M&#228;nnern und Frauen wirklich ein Widerspruch und dient nicht etwas anderem, nicht einmal auf sogenannt &#8222;notwendige&#8220; Art und Weise. Die St&#228;rke dieser Konstruktion ist, etwas als nat&#252;rlich betrachtetes zu &#252;bernehmen, nicht zu versuchen, es zu umfassen, es mit gesellschaftlichen Formen zu bekleiden oder demselben eine Finalit&#228;t zu geben, welche einzig und allein daraus etwas gesellschaftliches machen w&#252;rde. Sie weicht nicht zur&#252;ck vor dieser anscheinenden nat&#252;rlichen Massivit&#228;t, sie sagt, dass eben gerade das, was ihr als nat&#252;rlichen Ausgangspunkt nehmt und womit ihr nichts anzustellen wisst, die gesellschaftliche Konstruktion der Gruppe der Frauen ist: die Bev&#246;lkerung. Es ist &lt;i&gt;die Natur&lt;/i&gt;, die Naturalisierung, welche selbst der gesellschaftliche Charakter des Verh&#228;ltnisses und der Konstruktion dessen Begriffe ist. Nur eine nicht-programmatische Theorie, welche die Arbeit nicht als ewige Kategorie und die Revolution als ihre Befreiung betrachtet, kann das sagen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der kurze Exkurs ins Mittelalter und in die fr&#252;he Neuzeit dient zur St&#228;rkung des Engelschen Vorschlags. Doch somit wird die Geschichte auf eigenartige Art und Weise analysiert. Der Haushalt wird als autonome Produktions- und Reproduktionseinheit gesetzt (obwohl er ganz nebenbei ein Teil des Mehrprodukts dem Adel und dem Klerus abliefert). Hier ist Incendo sehr nahe bei der These von Delphy zur Haushaltsproduktionsweise, indem uns eine auf Haushalten als Produktionseinheiten basierende Gesellschaft pr&#228;sentiert wird, sodass ihre Pr&#228;gung durch Klassenverh&#228;ltnisse, durch die Aneignung des Mehrprodukts und der Begriff selbst der Produktionsweise verschwindet (siehe &lt;i&gt;Anhang 2&lt;/i&gt;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch w&#228;hrend Delphy eine patriarchale Produktionsweise definiert, pr&#228;sentiert uns Incendo ein anderes Bild mit weiblichen Aufgaben, die nicht &#8222;notwendigerweise abgewertet&#8220; sind (nicht &#8222;notwendigerweise&#8220;, doch ein bisschen manchmal schon..., S. 49), da genauso wichtig (als ob das etwas mit der Sache zu tun h&#228;tte); Frauen als &#8222;Meisterinnen im Haus&#8220; und M&#228;nner als &#8222;Familienoberh&#228;upter&#8220; (S. 13). Zudem &#252;bernimmt Incendo die Unterscheidung zwischen k&#246;rperlichen und nicht-k&#246;rperlichen Arbeiten als Inhalt der Aufgabenteilung, das w&#228;re also die ber&#252;hmte &#8222;nat&#252;rliche Arbeitsteilung&#8220;, die Kraft hat aber offensichtlich mit der Sache nichts zu tun, sondern eher der gesellschaftliche oder private Charakter der Aufgaben (was Delphy &#8211; obwohl sie sich nicht f&#252;r Formen der Kooperation interessiert &#8211; in einem Artikel in &lt;i&gt;L'ennemi principal&lt;/i&gt; sachkundig aufzeigt). Was den geringen Anteil der Hausarbeit in dieser Zeit betrifft, muss man die t&#228;gliche Schinderei f&#252;r Holz und Wasser ignorieren, um so zu sprechen. Im mittelalterlichen und fr&#252;hneuzeitlichen Haushalt von Incendo kann &#8222;Meisterin im Haus&#8220; bei Incendo nur bedeuten, dass sie die wirtschaftliche T&#228;tigkeit lenkt und kontrolliert, w&#228;hrend der Mann als &#8222;Familienoberhaupt&#8220; bloss eine juristische und institutionelle Macht hat. Aber genau wie die Haushaltsproduktionsweise von Delphy an der Tatsache scheitert, dass die strikte Ausbeutung der weiblichen Arbeit nie die Grundlage, den Fundus und die Bedingungen ihrer eigenen Erneuerung (Reproduktion) liefert, waren die Produktionseinheiten (die betreffend der Genderverh&#228;ltnisse in wirtschaftlicher Hinsicht ziemlich cool, in institutioneller und juristischer Hinsicht jedoch furchtbar sind) von Incendo nie die Grundlage einer Produktionsweise, sie sind immer Teil eines Klassenverh&#228;ltnisses, in welchem der Nicht-Arbeiter existiert. In diesen &#8222;Produktions- und Reproduktionseinheiten&#8220; ist der Ehemann als Vater und als Boss nicht ein Nicht-Arbeiter. Die Sache hat sowieso nie derart massiv existiert. Die Frauen sind immer und &#252;berall auch woanders hingegangen, um sich gegen Bezahlung ausbeuten zu lassen. Wenn das 80% aller jungen Frauen betrifft, ist es schwierig, sie als &#8222;Schlampen&#8220; zu betrachten, die niemanden finden werden, um zu heiraten (S. 74). Es gibt immer irgendwo, was auch immer seine Form sein mag, einen Nicht-Arbeiter und nicht einfach eine Aneinanderreihung von Haushaltseinheiten, die selbst nie autark sind (Reproduktionseinheiten).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In dieser ganzen dem Mittelalter und der fr&#252;hen Neuzeit gewidmeten Passage wird der Artikulation mit dem Markt und den verschiedenen Formen der Kooperation, in welchen die weiblichen oder m&#228;nnlichen T&#228;tigkeiten verankert sind, nicht Rechnung getragen. Ihre &#8222;Wichtigkeit f&#252;r das &#220;berleben und die Produktion&#8220; hat mit der Sache nichts zu tun und kann auf keinen Fall die Auf- oder Abwertung der Aufgaben erkl&#228;ren. Als ob heute der Haushalt oder die K&#252;che nicht genauso wichtig f&#252;r das &#220;berleben und die Reproduktion der Lohnarbeit w&#228;ren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Grunde genommen veranschaulichen und st&#228;rken diese paar Linien das Konzept &#8222;Patriarchat&#8220; und schliesslich, ohne dass der Ausdruck verwendet wird, jenes der &#8222;Haushaltsproduktionsweise&#8220;. Es ist innerhalb der Problematik von Incendo notwendig, dass es ein Patriarchat gab, um von seinem Verschwinden in der kapitalistischen Produktionsweise zu sprechen, ein Verschwinden deren Wichtigkeit f&#252;r Incendo wir sehen werden, denn es ist nat&#252;rlich die Konzeption der geschlechtlichen Differenzierung in der kapitalistischen Produktionsweise, die im Zentrum der Brosch&#252;re steht.&lt;/p&gt;
&lt;h2 class=&#034;spip&#034;&gt;Die kapitalistische Produktionsweise&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Zun&#228;chst wird der Kapitalismus ganz zu Recht als Produktionsweise pr&#228;sentiert, die radikal den Ort der Produktion und jenen der Reproduktion trennt (S. 14). Die kapitalistische Produktionsweise tue das nicht von sich selbst aus, sondern &#8222;st&#252;tzt sich auf existierende Strukturen, besonders auf das Patriarchat&#8220;. Und dann kommen wir im Kern der theoretischen Demonstration an: &#8222;Die egalitaristische Ideologie hatte der Idee der Gleichheit zwischen M&#228;nnern und Frauen die T&#252;r ge&#246;ffnet. Es wird in dieser Periode zu einer &#8222;M&#246;glichkeit&#8220;, denn f&#252;r die kapitalistische Produktionsweise &#228;ndert theoretisch die Geschlechterrolle der Person, welche die Ware produziert, nichts an deren Wert (anonymer Arbeiter, abstrakte, geschlechtlich undifferenzierte menschliche Arbeit). Die Aufrechterhaltung einer (neu angeordneten) geschlechtlichen Differenzierung erlaubt es jedoch ebenfalls, die unmittelbaren Interessen der Kapitalisten zu befriedigen (gr&#246;ssere Spaltung der Proletarier, Konkurrenz, Lohnunterschiede usw.).&#8220; (S. 17)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben bereits die Art und Weise kritisiert, wie Incendo die Universalit&#228;t der wirtschaftlichen Kategorien der kapitalistischen Produktionsweise konzipiert. Hier sind wir im Kern der ausweichenden Formeln und dem subtilen Geschaukel von Incendo. Die &#8222;notwendige&#8220; geschlechtliche Differenzierung er&#246;ffnet die &#8222;M&#246;glichkeit&#8220; f&#252;r ihr Verschwinden innerhalb der Klassengesellschaft, f&#252;r welche sie notwendig war (S. 32); eben diese notwendige geschlechtliche Differenzierung ist &#8222;theoretisch&#8220; gleichg&#252;ltig gegen&#252;ber den grunds&#228;tzlichen Kategorien des Kapitalismus; die geschlechtliche Differenzierung wird zu einer &#8222;(neu angeordneten) geschlechtlichen Differenzierung&#8220;, die &#8222;jedoch&#8220; weiter besteht, trotz ihrer &#8222;theoretischen Bestimmung&#8220;, &#252;berwunden zu werden. Man k&#246;nnte noch etliche Beispiele zitieren: Incendo spricht nur von geschlechtlicher Differenzierung, Genderverh&#228;ltnissen, M&#228;nnern und Frauen, um nach einem kleinen rhetorischen Geschaukel dem Problem auszuweichen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seien wir klar, die &#8222;Aufrechterhaltung einer (neu angeordneten) geschlechtlichen Differenzierung&#8220;, unter dem Vorbehalt, zu wissen, was genau damit gemeint ist, die zudem &#8222;neu angeordnet&#8220; ist und die Befriedigung der &#8222;unmittelbaren Interessen&#8220; erlaubt, &lt;i&gt;ist keine geschlechtliche Differenzierung mehr&lt;/i&gt;. &#8222;Spaltungen&#8220;, &#8222;Unterschiede&#8220;, &#8222;Konkurrenz&#8220;, all das kann auch von eingewanderten Arbeitern, Sans Papiers, Delokalisierungen, informeller Arbeit usw. gesagt werden. Auf Wiedersehen Frauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Frauen sind nie eine g&#252;nstige Arbeitskraft wie andere, sie sind Frauen, die stets durch die Zuweisung zur biologischen Reproduktion und zur Reproduktion der Arbeitskraft in all ihren Formen und stets durch die Trennung zwischen &#214;ffentlichem und Privatem definiert sind, &lt;i&gt;sie sind daf&#252;r und deswegen g&#252;nstige Arbeitskraft&lt;/i&gt;. Der Einstieg der Frauen in die Lohnarbeit &#8222;befreit&#8220; sie zu keinem Zeitpunkt von ihrer Definition als Frauen. Arbeit und Hausarbeit, die Definition als Frauen im allgemeinen, artikulieren sich immer in einer Weise, dass jede davon die notwendigen Bedingungen zur Verbindlichkeit der anderen erschaffen kann. Alle Kategorien der kapitalistischen Produktionsweise sind definitorisch geschlechtlich differenziert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Gruppe der Frauen wird von der Mehrarbeit und der Bev&#246;lkerung als prinzipielle Produktivkr&#228;fte ausgehend konstruiert, was nicht selbstverst&#228;ndlich ist und tats&#228;chlich mehr oder weniger gewaltt&#228;tige Dispositive zur Zuweisung der Frauen zu dieser Definition/Reduzierung auf ihre reproduktive F&#228;higkeit erfordert. Letztere ist nicht &#8222;gegeben&#8220; und wird &#8222;benutzt&#8220;, sie ist konstruiert und wird angeeignet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Darin sind alle Kategorien der kapitalistischen Produktionsweise geschlechtlich differenziert. Die Arbeit, die Bev&#246;lkerung nat&#252;rlich. Dann grunds&#228;tzlich das Lohnverh&#228;ltnis: Trennung der Produktion und der Reproduktion; die zu der Sph&#228;re der Zirkulation geh&#246;rende Reproduktion; keine Bezahlung der Arbeit, sondern der Reproduktion der Arbeitskraft und der &#8222;Rasse der Arbeiter&#8220;. Doch auch die Arbeitsteilung, das Eigentum, der Tausch. Auf diesen letzten Punkt bezogen scheint auf den ersten Blick eine Neutralit&#228;t des Markts gegen&#252;ber der Genderunterscheidung zu existieren, doch von sich aus, an sich, in seiner Existenz selbst ist der Markt nicht neutral gegen&#252;ber der Genderunterscheidung. Der Markt in einer Produktionsweise, in welcher alle Produktion zum Verkauf bestimmt ist, definiert den gesellschaftlichen Charakter dieser Produktion als &#246;ffentlich, dadurch kann die Genderunterscheidung inwendig als nicht stichhaltig proklamiert werden, denn sie ist in der Existenz selbst der Sache schon vorausgesetzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser geschlechtlich differenzierte Charakter aller Kategorien des Kapitals bedeutet eine allgemeine Teilung der Gesellschaft in M&#228;nner und Frauen. Diese allgemeine Teilung erlangt als gesellschaftlichen Inhalt das, was die Synthese all der geschlechtlichen Differenzierungen der Kategorien ist: die Erschaffung der Unterscheidung von &#214;ffentlichem und Privatem. Diese Unterscheidung ist die Synthese, weil die kapitalistische Produktionsweise eine politische &#214;konomie ist. D.h., da die kapitalistische Produktionsweise auf dem Verkauf der Arbeitskraft basiert und eine gesellschaftliche Produktion als solche nur f&#252;r den Markt (Wert) existiert, weist sie die Momente ihrer eigenen Reproduktion, die einer direkten Unterordnung unter den Markt oder dem unmittelbaren Produktionsprozess entgehen, als nicht-gesellschaftlich zur&#252;ck: das Private. Dieses Private ist das dem &#214;ffentlichen entzogene, immer in einem hierarchischen Verh&#228;ltnis der Definition und der Unterordnung gegen&#252;ber dem &#214;ffentlichen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als allgemeine Teilung und in Anbetracht ihres (gesellschaftlich hervorgebrachten) Inhalts wird sie naturalisiert und existiert wirklich im Rahmen dieser Gesellschaft als nat&#252;rliche Teilung: alle Frauen, alle M&#228;nner. Es reicht nicht, zu sagen, dass alle Kategorien der kapitalistischen Produktionsweise inh&#228;rent geschlechtlich differenziert sind, man muss auch sagen, dass diese allgemeine geschlechtliche Differenzierung eine besondere Form annimmt, synthetisch unter einer besonderen Form funktioniert: die Unterscheidung zwischen &#214;ffentlichem und Privatem, in welcher die Kategorien M&#228;nner und Frauen als allgemein und nat&#252;rlich erscheinen, jenseits der als gesellschaftlich anerkannten Klassenunterschiede. Die Unterscheidung zwischen M&#228;nnern und Frauen erlangt einen ihrem Niveau, ihrem hervorgebrachten Niveau eigenen Inhalt, d.h. die Unterscheidung zwischen &#214;ffentlichem und Privatem: die Natur (das, was das gesellschaftliche inwendig als nicht-gesellschaftlich hervorbringt und was wirklich einen offensichtlich nat&#252;rlichen Charakter erlangt, da eine anatomische Unterscheidung existiert). Erschiene sie nicht als nat&#252;rlich, w&#228;re die Unterscheidung zwischen M&#228;nnern und Frauen als Verh&#228;ltnis nicht gesellschaftlich, genau wie die Ware nicht ein gesellschaftliches Verh&#228;ltnis w&#228;re, erschiene sie nicht als Sache, oder der Lohn, Wert der Arbeitskraft, wenn er nicht als &#8222;Preis der Arbeit&#8220; erschiene. Denaturalisierung ist nur m&#246;glich, wenn man die Naturalisierung ernst nimmt. F&#252;r die Definition der Frauen ist es die Biologie als gesellschaftliche Nat&#252;rlichkeit, welche massgebend ist. Diese Biologisierung hat wirkliche Effekte auf das Verh&#228;ltnis zwischen M&#228;nnern und Frauen, die Modalit&#228;ten der Kritik und der Infragestellung und die Natur der &#220;berwindung.&#8220; (&lt;i&gt;R&#233;ponses aux Am&#233;ricaines&lt;/i&gt;, Th&#233;orie communiste 24)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn man diese geschlechtlich differenzierten Eigenschaften aller Kategorien der kapitalistischen Produktionsweise nicht konzipiert, wird die Existenz der M&#228;nnerherrschaft zu einem R&#228;tsel in dieser Produktionsweise (eine Existenz, die von Incendo h&#228;ufig mit dem ambivalenten Begriff &#8222;Fortbestand&#8220; bezeichnet wird). Die Frauen w&#228;ren somit in der kapitalistischen Produktionsweise bloss eine weitere Kategorie von &#220;berausgebeuteten (manchmal sind sie nur noch das, in anderen Passagen noch &#8222;notwendig&#8220; genannte Kategorien der geschlechtlichen Differenzierung, es variiert und ist nicht sehr klar).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Der Kapitalismus befreit die Frauen nur vom Patriarchat, um sie besser ausbeuten zu k&#246;nnen.&#8220; (S. 17) Was aber nie klar ist, ist die Tatsache, ob sie &#8222;befreit vom Patriarchat&#8220; noch Frauen sind oder schlichtweg Ausgebeutete. Es ist wahr, dass der Kapitalismus die erste Produktionsweise ist, welcher in seiner Dynamik ein strukturelles Problem mit der Arbeit und der Bev&#246;lkerung hat (er ist ein prozessierender Widerspruch), und somit mit den Frauen. Doch die Arbeit m&#252;sste nicht mehr Arbeit, der Wert nicht mehr Wert und die Lohnarbeit nicht mehr Lohnarbeit sein, damit die kapitalistische Produktionsweise sein Problem mit den Frauen l&#246;st und &#252;berwindet. Nachdem die Frauen einmal &#8222;vom Patriarchat befreit&#8220; sind, weiss Incendo nicht mehr genau, wo die M&#228;nnerherrschaft in der kapitalistischen Produktionsweise ist und &lt;i&gt;vor allem auf was sie essentiell basiert&lt;/i&gt;. &#8222;Der kapitalistische Wurm steckt in der patriarchalen Frucht.&#8220; In der Tat &#8222;erlaubt die neue egalitaristische b&#252;rgerliche Ideologie (...) die Vorstellung einer formellen Gleichheit zwischen M&#228;nnern und Frauen, eine zuvor unm&#246;gliche Hypothese&#8220; (S. 13). Das ist absolut richtig, doch es w&#228;re interessant gewesen, die weibliche Unf&#228;higkeit des Code Napol&#233;on mit dieser &#8222;egalitaristischen Ideologie&#8220; zu verbinden, zu verstehen, wie diese Unf&#228;higkeit sich in dieser Ideologie selbst rechtfertigt. Wir wissen nun, dass dieser &#8222;Wurm&#8220; nicht nur ideologisch ist, er ist strukturell in der kapitalistischen Produktionsweise. Wir haben da eine bedeutende Achse der Argumentation von Incendo. Man brauchte ein &#8222;Patriarchat&#8220;, um als Kontrapunkt das ratlose Verst&#228;ndnis der Existenz der Frauen und der M&#228;nnerherrschaft in der kapitalistischen Produktionsweise zu konstruieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Incendo l&#246;st die Sache dank dieses theoretischen Wunders: die M&#228;nnerherrschaft ohne M&#228;nner. &#8222;Die Ketten &#228;ndern ihre Form und kommen in andere H&#228;nde, von jenen der M&#228;nner zu jenen des Staates, und somit des Kapitalismus, eine strukturierende individuelle Aneignung wird zu einer kollektiven Aneignung.&#8220; (S. 17) Mehrere Male in der Brosch&#252;re findet man diese Referenz an die von Paola Tabet verteidigte These. Diese These erkl&#228;rt etliche Aspekte der aktuellen Entwicklungen der Familie und allgemein der Situation der Frauen und des Widerspruchs in ihrem Verh&#228;ltnis mit den M&#228;nnern. Doch was sagt Tabet, wenn sie eine Parallele herstellt zwischen der Aneignung des Arbeiters in der Sklaverei und der Leibeigenschaft einerseits, im Kapitalismus andererseits? Sie sagt, dass die zuvor individuelle Aneignung kollektiv wird, wie der Proletarier, der der Gesamtheit der kapitalistischen Klasse geh&#246;rt bevor er sich diesem oder jenem Kapitalisten verkauft. Um was handelt es sich also? Um nichts anderes als die Aneignung der Frauen als Aneignung einer Frau durch einen Mann, die zur Aneignung aller Frauen durch alle M&#228;nner wird. Eine kollektive Aneignung, die vom Staat, vom Arbeitsmarkt, von der &#246;ffentlichen und der privaten Sph&#228;re gutgeheissen wird. Die Ketten bleiben in den H&#228;nden der M&#228;nner, ausser man glaubt, der Staat (sogar der von Angela Merkel gef&#252;hrte) heisse diese inh&#228;renten, konstitutiven Kategorien der kapitalistischen Produktionsweise wie die geschlechtliche Differenzierung und Versklavung nicht gut und reproduziere sie nicht. Im Grunde genommen war die Aneignung stets kollektiv, ob sie nun individuell vermittelt sein mag oder nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Incendo spricht weiter von &#8222;M&#228;nnerherrschaft&#8220;, aber es seien nicht mehr die M&#228;nner, welche diese Herrschaft aus&#252;ben, sondern der Staat &#8222;und somit der Kapitalismus&#8220;. Eine merkw&#252;rdige &#8222;M&#228;nnerherrschaft&#8220; ohne M&#228;nner, welche &#8222;die Ketten in den H&#228;nden&#8220; haben (um diesen Ausdruck zu benutzen, der im Text nur die Funktion hat, uns den Anachronismus der Sache merken zu lassen). Eine &#8222;kollektive Aneignung&#8220;, die die M&#228;nner zum Verschwinden gebracht hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die M&#228;nner sind nie die Vorarbeiter des Kapitals, das ab einem gewissen Stadium seiner Entwicklung entscheiden k&#246;nnte, ohne sie auszukommen. Die folgende Frage, ob die M&#228;nner von der weiblichen Arbeit profitieren und sie durch diverse gesellschaftliche Dispositive zu ihrer Definition als Frauen zuweisen oder der Kapitalismus &#8211; die kapitalistische Klasse, hat keinen Sinn. &lt;i&gt;Wir haben es mit einer Struktur zu tun, und nicht mit einer Summe von individuellen Entscheidungen und Profiten&lt;/i&gt;. Wir haben eine gesellschaftliche Struktur, die kapitalistische Produktionsweise, welche ein Regime der Ausbeutung der Arbeit und dadurch auf inh&#228;rente, definitorische Art und Weise geschlechtlich differenziert ist (und diese Ausbeutung der Arbeit nicht sein k&#246;nnte, ohne geschlechtlich differenziert zu sein, denn die Arbeit ist die Bev&#246;lkerung als Produktivkraft und somit die Existenz der Frauen). In dieser Situation sind die M&#228;nner (vom Sozialhilfeempf&#228;nger bis zum Boss einer b&#246;rsenkotierten Unternehmung) an einem Pol und die Frauen am anderen, dazwischen, wodurch sie verbunden und widerspr&#252;chlich definiert sind, steht die biologische Reproduktion und alle Dispositive der Zuweisung, u.a. die Modalit&#228;ten des Eintritts in den Arbeitsmarkt und die Lohnarbeit. Nehmen wir ein leicht provokatives Beispiel: Von der Kohorte an Frauen, die seit 1972 die technische Hochschule absolvierten, waren 1995 80% davon verheiratet und die H&#228;lfte davon mit einem Abg&#228;nger einer technischen Hochschule. Sie waren mit der Verwaltung einer doppelten Karriere im Paar konfrontiert, verbunden mit Fragen der geographischen Mobilit&#228;t, welche h&#228;ufig die Fragen der professionellen Mobilit&#228;t begleiten, die Debatte wird meistens zu Gunsten des Ehemanns entschieden (Siehe Sylvie Schweitzer, &lt;i&gt;Les femmes ont toujours travaill&#233;&lt;/i&gt;, Ed. Odile Jacob, p. 261).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn also grunds&#228;tzlich, strukturell die Reproduktion &#8211; die Bev&#246;lkerung &#8211; der Inhalt des Widerspruchs zwischen M&#228;nnern und Frauen ist, so sind alle Frauen und alle M&#228;nner Teil dieses Widerspruchs (erinnern wir daran, dass dieser Widerspruch nur durch den Widerspruch zwischen Mehrarbeit und notwendiger Arbeit von einem Antagonismus zu einem Widerspruch wird) und, auf jeweils spezifische Art und Weise, Teil aller Dispositive zu seiner Konstitution und Reproduktion (von der Kneipe bis zur Arbeit und auch in der K&#252;che, im Bett und in ihren Gef&#252;hlen). Man braucht kein Schweinehund und auch nicht einfach ein bisschen l&#228;stig zu sein, um ein Mann zu sein, es gibt sogar gute Leute, die es sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Mann zu sein bedeutet, eine Stellung einzunehmen und eine Funktion zu erf&#252;llen. Obwohl die Profite, die einem diese Stellung und diese Funktion verschafft, vielf&#228;ltig und verschieden zu bewerten sind, kann man sie nicht immer (wenn auch h&#228;ufig) als bares Geld verbuchen: Prestige, Macht, Handlungsfreiheit, Konstitution und Funktion der Gef&#252;hle, Bestimmung gesellschaftlicher Verhaltensnormen und v.a. Entwicklung in einer M&#228;nnerwelt. Der Mann muss nicht etwas anderes werden, um direkt Teil dieser Welt zu sein. Die Frau, welche in allen Situationen Frau ist (sogar die Abg&#228;ngerin der technischen Hochschule), muss sich aufspalten. Wir werden bez&#252;glich der &#8222;professionellen Durchmischung&#8220; und dem Aufstieg der Frauen, auf welchen Incendo viel Wert legt, darauf zur&#252;ckkommen: Es gibt sogar Frauen, die Unternehmensleiterinnen sind, &#8222;richtige Kapitalistinnen&#8220;. Kurz gesagt, die M&#228;nner sind nicht, wie es Incendo schreibt, &#8222;Mittelsm&#228;nner in der Kontrolle der Frauen (ihrer B&#228;uche)&#8220;. (S. 54) Sie sind schlichtweg M&#228;nner und M&#228;nner sind, das soll nicht vergessen werden, genauso eine gesellschaftliche Konstruktion wie die Tatsache, eine Frau zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Idee erscheint wieder auf der Seite 113: &#8222;Der Kapitalismus hat die pr&#228;existierenden patriarchalen Strukturen genutzt, um seine Herrschaft zu festigen. Die Rolle der Bourgeoisie in der Unterdr&#252;ckung der Frauen ist entscheidend, nicht jene der m&#228;nnlichen Individuen, die aber trotzdem davon profitieren.&#8220; Die Rolle der Bourgeoisie oder des Kapitalismus als gesellschaftliche Struktur ist offensichtlich, doch es ist genauso offensichtlich, dass die M&#228;nner in dieser Struktur eine Funktion sind. Es geht nicht um mehr oder weniger wichtige pers&#246;nliche &#8222;Vorteile&#8220;. Da es sich um eine Struktur handelt, verh&#228;lt es sich wie mit dem Kapitalisten: Der pers&#246;nliche Vorteil, der dem Kapitalisten die Ausbeutung verschafft, sein Schloss, seine Yacht spielen keine Rolle, kein ernstzunehmender Mensch kritisiert auf diese Art und Weise die kapitalistische Produktionsweise. Das Hauptresultat des kapitalistischen Produktionsprozesses ist die Reproduktion des Kapitalisten und des Arbeiters; das Hauptresultat der Aneignung der Frauen ist die Reproduktion der M&#228;nner und der Frauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist absolut richtig, dass dieser Widerspruch zwischen den M&#228;nnern und den Frauen nicht der einzige Widerspruch der kapitalistischen Produktionsweise ist (muss das gesagt werden?); es gibt den Widerspruch zwischen dem Proletariat und dem Kapital, die Ausbeutung. Vom Standpunkt dieses Widerspruchs aus nehmen nicht alle M&#228;nner und alle Frauen die gleiche Stellung ein. Der Widerspruch zwischen M&#228;nnern und Frauen kann dem Klassenkampf nicht entwischen, doch der Klassenkampf kann dem Widerspruch zwischen M&#228;nnern und Frauen ebenfalls nicht entwischen. Incendo schreibt: &#8222;Obwohl alle, B&#252;rgerliche sowohl als Proletarierinnen, gegenw&#228;rtig [dieses &#8222;gegenw&#228;rtig&#8220; erlaubt ihnen, nicht &#8222;in der kapitalistischen Produktionsweise&#8220; schreiben zu m&#252;ssen und somit die &#8222;M&#246;glichkeit&#8220; der &#220;berwindung der geschlechtlichen Differenzierung in der kapitalistischen Produktionsweise offen zu lassen] die M&#228;nnerherrschaft erdulden, sind sie nicht alle den gleichen materiellen Bedingungen unterworfen und haben widerspr&#252;chliche Interessen.&#8220; (S. 37) Es w&#228;re jedoch genauso richtig, folgenden Satz zu schreiben: &#8222;Obwohl alle Proletarier, M&#228;nner oder Frauen, gegenw&#228;rtig die Herrschaft des Kapitals erdulden, sind sie nicht alle den gleichen materiellen Bedingungen unterworfen und haben widerspr&#252;chliche Interessen.&#8220; Nicht all ihre Interessen, doch genug, dass die Klasse derartig anf&#228;llig ist f&#252;r Spaltungen in Verbindung mit Genderfragen. Die beiden Widerspr&#252;che konstruieren sich gegenseitig und kein Subjekt ist rein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Keiner dieser Widerspr&#252;che ist ein Anh&#228;ngsel des anderen, sie sind konstant miteinander verbunden, keiner dringt in den anderen ein, weil jeder im anderen pr&#228;sent ist. Der Kampf der proletarischen Frauen interessiert uns nicht, weil es Proletarierinnen sind und unter anderem und dadurch Frauenprobleme hervorheben, sondern wegen der Besonderheit, welche in diesem Fall der &lt;i&gt;allgemeine&lt;/i&gt; Widerspruch zwischen M&#228;nnern und Frauen annimmt. Diese Frauenprobleme lassen sich nicht von ihrer Situation als Proletarierinnen herleiten, sondern von ihrem Frausein (Geschlecht, Zeugung, Familie, Kind, Ehemann, Hausarbeit, Teilzeitarbeit usw.). Die vorher zitierte Abg&#228;ngerin der technischen Hochschule hat schliesslich die gleichen, jedoch andere F&#228;higkeiten, andere materielle Mittel, andere Arten mit ihnen umzugehen und sie zu &#8222;regeln&#8220;. F&#252;r die Arbeiterin oder die Abg&#228;ngerin der technischen Hochschule sind sie grunds&#228;tzlich gleichm&#228;ssig unl&#246;sbar solange sie Frauen sind. Die Situation der Frauen ist f&#252;r alle Frauen ein wahrer Widerspruch, denn was auch immer ihre Klasse sein mag, die Vereinigung der Widerspr&#252;che strukturiert die Gesamtheit der Gesellschaft (wahrer Widerspruch durch die Vereinigung). Doch was f&#252;r die eine (die B&#252;rgerliche) ein &lt;i&gt;Zustand&lt;/i&gt; ist, ist f&#252;r die andere (die Arbeiterin) eine &lt;i&gt;T&#228;tigkeit&lt;/i&gt;. Die Vereinigung der Widerspr&#252;che (weswegen sie sind, was sie sind) ist f&#252;r die Arbeiterin eine T&#228;tigkeit (ihre T&#228;tigkeit), f&#252;r die B&#252;rgerliche ein Zustand. In der Situation der Arbeiterin existiert eine Modalit&#228;t der Vereinigung der Widerspr&#252;che (die Vereinigung der Ausbeutung und des Widerspruchs zwischen M&#228;nnern und Frauen), welche f&#252;r die Abg&#228;ngerin der technischen Hochschule nicht existiert. F&#252;r die proletarischen Frauen besteht in ihrer Existenz als Frauen (ihr Verh&#228;ltnis zu den M&#228;nnern) der Widerspruch, der f&#252;r sich selbst die Ausbeutung ist, der Widerspruch zwischen notwendiger Arbeit und Mehrarbeit. Nat&#252;rlich kann man sagen, dass das nur Auswirkungen auf die Klasse als ganzes und lang- oder kurzfristig hat. Das ist nicht ganz richtig. Diese Vereinigung &lt;i&gt;als T&#228;tigkeit&lt;/i&gt; ist pr&#228;sent in den Arten des Eintritts in den Arbeitsmarkt, in der Ausf&#252;hrung der Hausarbeit zur allt&#228;glichen Reproduktion und in ihrer Funktion der Reproduktion &lt;i&gt;der Rasse der Arbeiter&lt;/i&gt;, im Jonglieren innerhalb dieses doppelten Tagesablaufs. Die Vereinigung dr&#228;ngt sich auf und wird als ihre T&#228;tigkeit selbst erlebt. Die &#8222;B&#252;rgerliche&#8220; kann als Frau an Frauenk&#228;mpfen teilnehmen, solange diese sich auf Thematiken der Gleichheit und des Differentialismus beschr&#228;nken, doch in den K&#228;mpfen der Frauen selbst muss eine Kluft auftauchen, wenn es um die Aufhebung der geschlechtlichen Teilung der Menschheit geht, welche der Mehrarbeit inh&#228;rent ist. Das Ende der Mehrarbeit ist gleichbedeutend mit dem Ende der geschlechtlichen Teilung der Menschheit und sie wird nur dieses Ende sein als Ende dieser Teilung, und nicht dessen Konsequenz oder ein &#8222;faktisches&#8220; Verschwinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r Incendo ist der Ware &#8222;die Geschlechterrolle des Proletariers scheissegal&#8220; (S. 20) und es ist &#8222;m&#246;glich&#8220;, nicht nur &#8222;die zu einer &#8222;M&#246;glichkeit&#8220; gewordene Freiheit&#8220; (obwohl es nur eine M&#246;glichkeit mit Anf&#252;hrungs- und Schlusszeichen ist, S. 17) in Betracht zu ziehen, sondern auch dass es, &#8222;&lt;i&gt;wenn auch nicht zu einer Aufl&#246;sung&lt;/i&gt; [wunderbare Vorsicht, wir unterstreichen], so doch zu einer Restrukturierung der genderbezogenen Identit&#228;ten und der geschlechtlichen Differenzierung f&#252;hren k&#246;nnte [wenn wir richtig verstehen: eine Restrukturierung, die fast die Aufl&#246;sung sei, sonst hat der Satz keinen Sinn]&#8220; (S. 20). Wir haben vorher gesehen, dass &#8222;die Geschlechterrolle scheissegal sein&#8220; im real existierenden Kapitalismus nicht so offensichtlich ist und dass es &lt;i&gt;konzeptuell&lt;/i&gt; ein konstituierender Widerspruch der kapitalistischen Produktionsweise ist. Trotzdem anerkennt Incendo, dass &#8222;das Modell fortbesteht&#8220;, jenes des Paars usw. und somit sind die Ketten, die den M&#228;nnern aus den H&#228;nden gefallen sind, um vom Staat (&#8222;und somit vom Kapitalismus&#8220;) aufgelesen zu werden, oder vom &#8222;Kollektiv&#8220;, in welchem alle K&#252;he grau sind, irgendwie doch noch ein bisschen (man weiss es nicht so genau) in ihren H&#228;nden sind. Das Modell &#8222;besteht fort&#8220; und das Verb &#8222;fortbestehen&#8220; erscheint mehrere Male, um &#8222;andere Manifestierungen der M&#228;nnerherrschaft&#8220; zu begleiten: &#8222;Gewalt an Frauen, Vergewaltigung, Sexismus usw.&#8220; &lt;i&gt;bestehen fort&lt;/i&gt;. Incendo geht sogar so weit, zu fragen, ob wir nicht eine St&#228;rkung der M&#228;nnerherrschaft &lt;i&gt;im Privaten&lt;/i&gt; beobachten k&#246;nnen, aufgrund der Transformationen der &#246;ffentlichen Sph&#228;re (S. 18). Als ob die M&#228;nner ausw&#228;rts verlorenes Terrain zu Hause wieder gutmachen m&#252;ssten. &#8222;Fortbestand&#8220; oder &#8222;St&#228;rkung&#8220;, im einen wie im anderen Fall handelt es sich nur um letztendlich anachronistische Widerst&#228;nde in Anbetracht der durch den Kapitalismus ausgel&#246;sten Entwicklungen, dieser geht seinen Weg, der ihn (wenn auch nicht &#8222;gegenw&#228;rtig&#8220; &#8211; siehe weiter unten), trotz einigen &#8222;unmittelbaren Interessen&#8220;, die ihn bremsen, jenseits der geschlechtlichen Differenzierung f&#252;hrt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das hindert Incendo nicht daran, einen Absatz weiter unten zu behaupten (S. 18), dass &#8222;die Geschlechterrollen und die M&#228;nnerherrschaft klar einen gewissen Nutzen haben f&#252;r jede Klassengesellschaft&#8220;. Einen Nutzen bedeutet nicht, definitorisch zu sein, das hindert einem nicht daran, sich zu fragen, um welchen Nutzen es sich handeln kann, nachdem was man gelesen hat. Was den Nutzen anbelangt, handelt es sich nur um einen Nutzen f&#252;r die Demonstration von Incendo: Die M&#228;nnerherrschaft &#8222;besteht fort&#8220;, doch nur in der privaten Sph&#228;re, denn die &#246;ffentliche Sph&#228;re erlebt &#8222;scheinbar&#8220; (wunderbares &#8222;scheinbar&#8220;) eine &#8222;unabwendbare Feminisierung&#8220; (S. 18). &#8222;N&#252;tzlich&#8220; also &#8222;f&#252;r die Klassengesellschaft&#8220;, doch nur im Privaten, das ist merkw&#252;rdig. Die Realit&#228;t dieser M&#228;nnerherrschaft, welche in der privaten Sph&#228;re fortbesteht, impliziert eine Gefahr, die Incendo sogleich erkannt hat: Achtung, &#8222;diese Realit&#228;t kann eine klassenunabh&#228;ngige Lesart erlauben&#8220;. Doch Incendo f&#228;llt nicht in diese Falle der klassenunabh&#228;ngigen Lesart hinein, denn es folgt die Behauptung: &#8222;Die Geschlechterrollen und die M&#228;nnerherrschaft haben klar [affirmatives Adverb, das dazu dient, das Gegenteil zu sagen: man sieht ihn nicht mehr] einen Nutzen f&#252;r jede Klassengesellschaft&#8220;. Das Problem ist, dass, als Notwendigkeit f&#252;r &#8222;jede Klassengesellschaft&#8220;, nachdem was Incendo ausgef&#252;hrt hat, man &#8222;klar&#8220; nichts mehr erkennt. Was bleibt &#252;brig vom Verh&#228;ltnis zwischen M&#228;nnern und Frauen? Das, was im Privaten geschieht, doch wenn man dabei bleibt, ist das klassenunabh&#228;ngig, sagt uns Incendo. Wir brauchen also, &#8222;von einem revolution&#228;ren Standpunkt aus&#8220;, die &#8222;M&#228;nnerherrschaft&#8220; in den Klassenverh&#228;ltnissen, doch dort gibt es nicht mehr wirklich eine &#8222;M&#228;nnerherrschaft&#8220;, nur Klassenverh&#228;ltnisse. Folglich ist die Tatsache, eine Frau zu sein, nur eine zus&#228;tzliche Bestimmung, ein Unfall der proletarischen Substanz.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Somit haben wir nun also &#8222;die &#246;ffentliche Sph&#228;re im Wandel&#8220;, welche &#8222;den m&#228;nnlichen Charakter verloren hat, welcher f&#252;r sie bezeichnend war&#8220; (S. 19). Es wird gesagt, dass &#8222;diese Ver&#228;nderung nur f&#252;r die b&#252;rgerlichen Frauen eine wirkliche Bedeutung hat&#8220;. Allerdings ist einer der Faktoren dieser angenommenen Entmannung der &#246;ffentlichen Sph&#228;re der massive Eintritt der Frauen in die Lohnarbeit und die &#8222;Durchmischung&#8220; aller Arbeitsgebiete samt den &#8222;M&#228;nnerbastionen&#8220; (S. 18). Es ist somit etwas, das, auch so simpel und einseitig wie es Incendo formuliert, nicht nur die b&#252;rgerlichen Frauen interessiert, die M&#228;nnerbastionen beschr&#228;nken sich nicht auf die Chirurgie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Incendo beschreibt eine merkw&#252;rdige Situation: Eine &#246;ffentliche Sph&#228;re, die nicht mehr m&#228;nnlich ist, und eine private Sph&#228;re, die weiblich bleibt. Folglich existieren die M&#228;nner auch nur noch in der privaten Sph&#228;re. Doch wenn die M&#228;nnerherrschaft nur noch die private Sph&#228;re betrifft, so geht es also nur noch, wie es uns die Zitate auf Seite 18 nahelegen, um Sexismus, Verhaltensweisen, m&#228;nnliche Faulenzerei und R&#252;pelhaftigkeit. Und schliesslich, zum schicksalhaften Zeitpunkt der Revolution, erweist sich das Paar als &#8222;letzte Widerstandsbastion der M&#228;nnerherrschaft&#8220; (S. 43).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Noch merkw&#252;rdiger ist der Grund, weshalb &#8222;die private Sph&#228;re eine weibliche Dom&#228;ne bleibt&#8220;: &#8222;Denn es geht auch darum, die Reproduktion aller Klassen, der ganzen Bev&#246;lkerung, und somit der kapitalistischen Verh&#228;ltnisse zu garantieren.&#8220; (S. 19) Somit haben wir also eine private Reproduktion der gesellschaftlichen kapitalistischen Verh&#228;ltnisse. Man trifft hier wieder die in der Brosch&#252;re stets wiederkehrende Abwesenheit der gesellschaftlichen Definition der Gruppe der Frauen: Die Bev&#246;lkerung ist f&#252;r Incendo nicht selbst eine wirtschaftliche Bestimmung, sondern nur ein Rohmaterial, das aus Elementen (den Individuen) zusammengesetzt ist, die von gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen formatiert werden. Es ist offensichtlich, dass es f&#252;r gesellschaftliche Verh&#228;ltnisse Menschen braucht, doch es ist nicht das (die Hervorbringung der Menschen), was die Frauen schafft, sonst ist Frausein etwas nat&#252;rliches, das gesellschaftlich geformt wird und es wird immer Frauen geben. Was die eigentliche Schlussfolgerung dieses Texts ist: Es wird freie, nicht ausgebeutete, nicht geschlagene usw. Frauen geben und im Kommunismus wird man immer noch unterscheiden zwischen jenen, welche &#8222;Kinder tragen&#8220; und jenen, welche das nicht tun &#8211; siehe das Ende des Texts. Die Arbeit und die Bev&#246;lkerung sind in allen bisher bekannten Produktionsweisen wirtschaftliche Kategorien, die prinzipielle Produktivkraft, und das ist nicht nat&#252;rlicher oder ewiger als alle anderen wirtschaftlichen Kategorien. Diese Tatsache konstruiert die Gruppe der Frauen, unterscheidet sie und erfordert ihre Aneignung durch die M&#228;nner. Sie wird sogar in der kapitalistischen Produktionsweise zu einem Widerspruch f&#252;r sie selbst, d.h. ein Widerspruch f&#252;r diese gesellschaftliche Kategorisierung selbst (entschuldigt diesen sehr speziellen literarischen Stil...)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann nicht eine weiblich bleibende private Sph&#228;re und eine geschlechtlich undifferenzierte &#246;ffentliche Sph&#228;re haben, unterstreichen wir auch, dass, wenn nur die private Sph&#228;re geschlechtlich differenziert &#8211; weiblich &#8211; ist, wir auch nur noch dort M&#228;nner finden k&#246;nnen. Wenn, wie es der Fall ist, alle Kategorien des Kapitals geschlechtlich differenziert sind (was Incendo entgeht) und wenn diese geschlechtliche Differenzierung sich quer in der Unterscheidung zwischen &#214;ffentlichem und Privatem synthetisiert, so ist und bleibt die &#246;ffentliche Sph&#228;re m&#228;nnlich, trotz allen realen Transformationen, welche Incendo feststellt. Die Frauen werden nicht in eine private Sph&#228;re verbannt, die vor ihrer Verbannung schon existierte (die private Sph&#228;re ist nicht ein Geb&#228;ude, das darauf wartet, gef&#252;llt zu werden). Die private Sph&#228;re wird durch alle gesellschaftlichen Dispositive (jedes gem&#228;ss seinen eigenen Ausf&#252;hrungsmodalit&#228;ten) konstituiert, durch welche die Zuweisung der Frauen zu ihrer Definition existiert. Das ist nicht ganz unbedeutend und es ist nicht einfach, sich Menschen anzueignen und aus einer k&#246;rperlichen Eigenschaft eine gesellschaftliche Konstruktion und Unterscheidung zu machen, durch welche die k&#246;rperliche Eigenschaft selbst zu einer &lt;i&gt;nat&#252;rlichen&lt;/i&gt; Unterscheidung wird. Wenn die private Sph&#228;re weiblich ist, so ist die &#246;ffentliche Sph&#228;re m&#228;nnlich. Doch wie kann man also die sehr realen Transformationen begreifen, welche dem Diskurs von Incendo zu Grunde liegen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In erster Linie sind die Dinge dort, wo Incendo nur einen einfachen, linearen und gleichf&#246;rmigen Feminisierungsprozess der &#246;ffentlichen Sph&#228;re (Lohnarbeit und Politik) sieht, etwas komplizierter.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Im Gegensatz zu anderen Br&#252;chen, die sich still vertiefen oder auf sehr hohen Niveaus der Ungleichheit fortbestehen, entwickeln sich die Ungleichheiten zwischen M&#228;nnern und Frauen immer weiter: Sie verkleinern sich, um sich danach wieder zu vertiefen, sie bewegen sich, ver&#228;ndern sich, wandeln sich, kurz, weit davon entfernt, unver&#228;nderlich zu sein, bewegen sie sich. (&#8230;) Ein absoluter Fortschritt ist h&#228;ufig von einer Zunahme der relativen Diskrepanzen begleitet. (&#8230;) Margaret Maruani hat mit Emmanuelle Reynaud den aussergew&#246;hnlichen Einfallsreichtum ans Licht gebracht, welche die Unternehmen stets gezeigt haben, um im Universum der Arbeit technologische Innovationen, die &lt;i&gt;a priori&lt;/i&gt; Tr&#228;gerinnen einer Gleichheit zwischen den Geschlechtern sind, in neue Quellen der Herrschaft der M&#228;nner &#252;ber die Frauen zu verwandeln.&#8220; (Christian Baudelot, &lt;i&gt;Le genre, le clivage le plus vivant de notre soci&#233;t&#233;&lt;/i&gt;, in Christine Bart &#8211; herausgegeben von &#8211; &lt;i&gt;Quand les femmes s'en m&#234;lent. Genre et pouvoir&lt;/i&gt;, Ed. La Martini&#232;re, S. 377-378.) Man kann zum Beispiel vom IT-Sektor sprechen. Der Frauenanteil unter den Informatikern geht von 35 auf 20% zwischen 1982 und 2002 zur&#252;ck. Das mag &#252;berraschend scheinen nach der Ausdehnung und der &#8222;Banalisierung&#8220; des Sektors. Der Grund liegt in der Ver&#228;nderung der Struktur dieser Stellen: Der Beruf bestand 1982 aus etwa einem Drittel an Kadern und zwei Dritteln an Technikern und Angestellten, 2002 ist diese Proportion umgekehrt (siehe Monique Meron, &lt;i&gt;Des femmes et des m&#233;tiers : encore bien loin de la parit&#233;&lt;/i&gt; in: (Hg.) Margaret Maruani, &lt;i&gt;Femmes, genre et soci&#233;t&#233;&lt;/i&gt;, Ed. La D&#233;couverte, S. 248). In allen Sektoren stellt man fest, dass die Zunahme des Frauenanteils in Kaderpositionen vor allem in Berufen der Expertise oder in PR gepr&#228;gten stattfindet. Die wachsende Feminisierung ist h&#228;ufig von einer neuen, berufsinternen Segmentierung begleitet. Wenn zum Beispiel der Frauenanteil in der Kategorie der Techniker zunimmt, sind diese Techniker global h&#228;ufiger Spezialisten und weniger h&#228;ufig Teamleiter oder Industriemeister als in den 1980er Jahren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sogar bei den Chirurgen, die Incendo als apodiktisches Beispiel nimmt, ist es mehrheitlich in der Dermatologie, der Ophthalmologie, der Rheumatologie, wo wir Frauen finden, dort, wo die Interventionen im Operationsbereich den Ruf haben, kurz zu sein und wo die Notf&#228;lle und die Aufsicht weniger wichtig sind, &#8222;was den Frauen erlaube, ihre anf&#228;llige Gesundheit zu schonen und sich um ihre Mutterpflichten zu k&#252;mmern. In der Darstellung dieser Muster werden scheinheilig zwei Spezialit&#228;ten verschwiegen: Die P&#228;diatrie, welche traditionell Frauensache ist und wo die Aufsicht hingegen sehr h&#228;ufig ist, und die An&#228;sthesie, wo die Arbeitsbelastung betr&#228;chtlich ist und die Frauen die H&#228;lfte des Personalbestands ausmachen.&#8220; (Sylvie Schweitzer, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 256.) Die Frauen werden sich in Zukunft in der Herzchirurgie oder sonst wo ausbreiten, man kann dann sicher sein, dass neue Unterscheidungen, neue Spaltungen auftauchen werden. Es handelt sich nicht um R&#228;nkespiele und Komplotte, sondern um die normale Bewegung einer Produktionsweise und einer Gesellschaft, in welcher die Genderunterscheidung &lt;i&gt;wesentlich&lt;/i&gt; ist (wie das auch Incendo sagt, um sogleich das Gegenteil zu sagen). Die Redakteure der Brosch&#252;re von Incendo argumentieren als ob das Verzeichnis der Berufe eine Art Gesamtheit von unverr&#252;ckbaren, sich f&#252;llenden F&#228;chern w&#228;re. Sogar unsere Abg&#228;nger der technischen Hochschulen erlebten seit sie existieren, wie sich die Kategorien Ingenieure hohen Niveaus und die Sektoren administrativer &#8222;Dreht&#252;r-Effekte&#8220; diversifiziert haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man k&#246;nnte auch das Richteramt, welches Incendo ebenfalls als Beispiel nimmt, von diesem Standpunkt aus betrachten. In einem neuen Bericht (Juni 2012), geschrieben f&#252;r die Ecole nationale de la magistrature [Hochschule f&#252;r Richter], kann man lesen: &#8222;Man kann seit vielen Jahren eine Verschlechterung des Bildes des Richters beobachten. Der Richter wird als sesshaft und wenig dynamisch wahrgenommen. Jene, welche im Team arbeiten wollen, empfindlich f&#252;r Leadership, Mobilit&#228;t und Bezahlung sind, haben diesen Wettbewerb schon lange aufgegeben &#8211; heutzutage bekommt ein Richter zu Beginn der Karriere 1.2 Mal den Durchschnittslohn, die h&#246;heren Richter 3.4 Mal den Durchschnittslohn.&#8220; (&lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; vom 6. Dezember 2012)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die angebliche &#8222;Feminisierung&#8220; oder &#8222;Durchmischung&#8220;, welche aus dem &#246;ffentlichen Raum einen Raum mache, wo das Geschlecht gleichg&#252;ltig sei, beschr&#228;nkt sich auf einen hastigen &#220;berblick der konkreten Situationen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Bourgeoisie ist weit davon entfernt, die geschlechtliche Differenzierung aus der Welt geschafft zu haben: Ein Frau in einer Machtstellung muss sich noch kompetenter und autorit&#228;rer zeigen als ein Mann.&#8220; (S. 167) In seiner K&#252;rze und Banalit&#228;t verbirgt dieser Satz nicht weniger als drei anfechtbare Ideen. Hat die Bourgeoisie langfristig die Tendenz, die geschlechtliche Differenzierung aus der Welt zu schaffen? Wie wir bereits gesehen haben, ist das ein Thema, welches die ganze Problematik von Incendo durchzieht. Zudem, wenn die geschlechtliche Differenzierung bedeutet, sich kompetent und autorit&#228;r zu zeigen, so handelt es sich, gem&#228;ss den Begriffserkl&#228;rungen am Ende des Bands, nicht um geschlechtliche Differenzierung, sondern um Sexismus. Und schliesslich, wenn es um die Feminisierung und die Durchmischung der &#246;ffentlichen Sph&#228;re (Politik und Arbeit) geht, scheint der Text von Incendo sich nur f&#252;r die h&#246;heren Kategorien der Lohnarbeit zu interessieren, f&#252;r die liberalen Berufe oder gar die Chefetage, l&#228;sst jedoch, merkw&#252;rdigerweise in Anbetracht der Absichten des Texts, die Arbeiterklasse beiseite. Als ob im unteren Bereich der Leiter die Feminisierung gesichert w&#228;re und als ob die Genderunterscheidung umgangen werden k&#246;nnte, indem alle Arbeiter(-innen) sind. Als ob die Feminisierung und die Durchmischung der &#246;ffentlichen Sph&#228;re mit der Eroberung der h&#246;heren Schichten durch die Frauen zusammengefasst werden k&#246;nnte, was die Schlussfolgerung erlaubt: &#8222;Das betrifft nur b&#252;rgerliche Frauen&#8220; und &#8222;die &#246;ffentliche Sph&#228;re ist nicht mehr m&#228;nnlich&#8220;. Als ob sich die geschlechtliche Differenzierung heutzutage auf die br&#252;chige Unzug&#228;nglichkeit der h&#246;heren Berufe beschr&#228;nkte und die 80% der den Frauen auferlegten Teilzeitstellen nicht betr&#228;fe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Hauptproblem ist allerdings nicht oben, sondern unten: &#8222;Die Frauen gewinnen bez&#252;glich Zugang zu Kaderstellen, doch verlieren am unteren Ende der gesellschaftlichen Hierarchie mehr als die M&#228;nner. Die starke Zunahme der Arbeitslosigkeit f&#252;r die weniger diplomierten und Schwierigkeiten, Stellen als Arbeiterinnen oder Angestellte mit dem Abitur oder einem niedereren Diplom zu entgehen, haben zu einer grossen Zunahme der Situationen der Verwaltungsvollstreckung oder der Arbeitslosigkeit gef&#252;hrt.&#8220; (Sylvie Schweitzer, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, p. 382). Man kann sogar feststellen, dass die st&#228;rkste Zunahme an Stellen f&#252;r Frauen in jenen Sektoren stattfindet, wo die &#8222;traditionellste&#8220; Genderunterscheidung am Werk ist: &#8222;Der berufliche Bereich der Dienstleistungen an Private (Friseure, Hausangestellte, Kinderm&#228;dchen, Hauswarte, doch auch Putz- und Sicherheitspersonal) tr&#228;gt am meisten zur Zunahme an Stellen bei. Danach kommt der Gesundheits-, dann der Verwaltungs- und Managementbereich.&#8220; (Monique Meron, &lt;i&gt;Des femmes et des m&#233;tiers : encore bien loin de la parit&#233;&lt;/i&gt; in: (herausgegeben von) Margaret Maruani, &lt;i&gt;Femmes, genre et soci&#233;t&#233;&lt;/i&gt;, Ed. La D&#233;couverte, S. 250.) In der gleichen Bewegung: &#8222;Doch obwohl die Anzahl nicht qualifizierter Stellen unter Arbeitern abnimmt (von 39 auf 30% zwischen 1982 und 2002), verzeichnet diese Proportion einen betr&#228;chtlichen Zuwachs f&#252;r die Angestellten (wo sich mehrheitlich die Frauenstellen befinden) (39% 1982, 44% 2002). Man verzeichnet eine starke Zunahme der Stellen im Dienstleistungssektor in fast ausschliesslich weiblichen Berufen: Kinderm&#228;dchen, Hausangestellte, Angestellte in Selbstbedienungsbetrieben, Friseure, Kosmetiker. In den wenig qualifizierten Berufen des terti&#228;ren Sektors werden die meisten zus&#228;tzlichen Stellen von Frauen besetzt.&#8220; (Ebd., S. 251) Eine Verlagerung der nicht qualifizierten Berufe von der Industrie zum terti&#228;ren Sektor hat die Entwicklung der weiblichen Aktivit&#228;t begleitet (und zudem stellt die Autorin nicht die Frage nach der Definition dieser &#8222;Qualifikation&#8220;). Die gleiche Autorin schreibt weiter dass &#8222;keine Kennzahl eine empfindliche Abnahme weiblicher Anstellung zeigt&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einen Schritt vorw&#228;rts, zwei Schritte zur&#252;ck, konstante Erschaffung neuer Unterscheidungen und Hierarchien. Was hier ausgedr&#252;ckt wird, ist nicht die tendenzielle Gleichg&#252;ltigkeit der kapitalistischen Produktionsweise gegen&#252;ber der Genderunterscheidung, sondern die Tatsache, dass die kapitalistische Produktionsweise die erste Produktionsweise ist, welche strukturell ein Problem hat mit der Arbeit, mit der Bev&#246;lkerung und somit mit den Frauen und ihrer Aufnahme in den Produktionsprozess.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch gehen wir als einfache Hypothese von einer totalen Durchmischung der &#246;ffentlichen Sph&#228;re aus (dank Gaddafis Amazonen und den GI-Girls &#8211; siehe Fussnote 22), sofern die private Sph&#228;re weiblich bleibt, wird diese &#246;ffentliche Sph&#228;re noch lange nicht geschlechtlich undifferenziert sein, ausser man glaubt, die kapitalistische Produktionsweise habe sich definitiv der Frauen, d.h. der Arbeit, der Bev&#246;lkerung und des Werts (der sich erlauben kann, inwendig den Geschlechterrollen gegen&#252;ber gleichg&#252;ltig zu sein, denn seine Existenz selbst ist deren Existenz) entledigt. Ausser man behauptet, die Frauen seien verschwunden, und sogar im Falle ihrer hypothetischen totalen und absoluten Durchmischung, bleibt die &#246;ffentliche Sph&#228;re m&#228;nnlich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&#214;ffentlich/privat, Lohnarbeitsverh&#228;ltnis und weibliche Hausarbeit sind eng miteinander verbunden. In der kapitalistischen Produktionsweise sind die &#246;ffentliche und die private Sph&#228;re radikal getrennt, der Ausschluss der Frauen aus dem &#246;ffentlichen Raum ist grunds&#228;tzlich radikaler als in ehemaligen Produktionsweisen, genau wie die Universalit&#228;t und die abstrakte Gleichheit zwischen den Individuen ein innerer Zwang dieser Produktionsweise sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Indem das Gesetz (der Staat) die Geschlechterunterscheidung abschafft, hebt es nicht die Geschlechterrolle auf, sondern dekretiert schlichtweg, dass deren Effekte politisch nicht sachdienlich sind und vergessen werden k&#246;nnen. Einerseits gibt das Gesetz vor, wirklich die Gleichheit zwischen den Geschlechtern als &#246;ffentliche Sache festzulegen, doch damit macht es aus den Genderunterscheidungen nicht politische (nicht &#246;ffentliche) Unterschiede, die damit nicht mehr Gegenstand einer Kritik oder Ver&#228;nderung sein k&#246;nnen. Indem sie parit&#228;tisch werden, heben der Staat und die &#246;ffentliche Sph&#228;re im allgemeinen die Genderunterscheidung nicht auf, sondern setzen sie voraus, indem sie sie in die private Sph&#228;re neben die konkreten M&#228;nner und Frauen wegr&#228;umen. Der Staat und die &#246;ffentliche Sph&#228;re sind grunds&#228;tzlich auf der Genderunterscheidung aufgebaut, indem sie diese Unterscheidung verst&#228;rken, indem sie sie innerlich als nicht sachdienlich und &lt;i&gt;wirklich sachdienlich durch ihre Existenz selbst deklarieren&lt;/i&gt;. Der Staat und die &#246;ffentliche Sph&#228;re brauchen in ihnen selbst den Geschlechterunterschied nicht, sie k&#246;nnen ihn im Gegenteil ausser acht lassen, denn in ihnen (als solche: &#246;ffentlich/privat) wird der wirkliche Inhalt des Genderunterschieds verwirklicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die gesetzliche Proklamation der Gleichstellung und deren wirkliche Anwendung gehen Hand in Hand mit der inneren Halbierung jeder Frau. Als Mitglied der &#246;ffentlichen Sph&#228;re ist sie Teil der Irrelevanz des Geschlechterunterschieds, sie wird ihres wirklichen Lebens beraubt und mit einer unwirklichen Allgemeinheit ausgef&#252;llt. Als Frau der privaten Sph&#228;re und der Produktionsverh&#228;ltnisse bleibt sie Frau genau weil die Gleichstellung nur eine Abstraktion ist, d.h. nicht etwas, das nicht existiert, sondern etwas, das eben genau als (tendenzielle/vollendete) Aufhebung eines Unterschieds existiert, eine Aufhebung, die auf der Reproduktion dieses Unterschieds und der Halbierung und der Spaltung des weiblichen Individuums basiert. In der heutigen kapitalistischen Gesellschaft sind die Frauen wirklich in jeder Bestimmung (Leben zu Hause, Arbeit, Elternsein) gespalten zwischen einer abstrakten und einer konkreten Individualit&#228;t, dermassen, dass jede Bestimmung des konkreten Lebens (privat und Arbeit) selbst geteilt ist zwischen ihrer Wirklichkeit und ihrer Idealit&#228;t, dermassen, dass die Idealit&#228;t (die Gleichstellung in allen Bereichen) insofern als wirklich erscheint, dass sie aus der Unterscheidung, welche sie (in sich) aufgehoben hat, einen unbegr&#252;ndeten und dadurch unwirklichen &#8222;Archaismus&#8220; macht, obwohl sie nur die innere Halbierung jeder Frau ist. Der Mann ist auch gespalten zwischen abstraktem und konkretem, doch er muss nicht das konkrete im abstrakten (als Mann) zur&#252;cklassen. &#8222;Der Mann verf&#252;gt &#252;ber das Privileg (&#8230;), dass seine Berufung, menschlich zu sein, nicht seiner Bestimmung als m&#228;nnlich widerspricht. Die Gleichsetzung des Phallus und der Transzendenz f&#252;hrt dazu, dass seine gesellschaftlichen und spirituellen Erfolge ihm ein viriles Prestige verleihen. Er ist nicht geteilt. W&#228;hrend von der Frau, um ihre Weiblichkeit zu entfalten, verlangt wird, zum Gegenstand und zur Beute zu werden, d.h. auf ihre Forderungen als souver&#228;nes Subjekt zu verzichten.&#8220; (Beauvoir, &lt;i&gt;Le deuxi&#232;me sexe&lt;/i&gt;, Bd. 1, S. 524.)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#034;Die Frau lebt ihr universelles Leben in der Gleichstellung, doch wenn sie es lebt, betrachtet sie es auch. Ihr privates, pers&#246;nliches Leben f&#252;hrt sie in ihren praktischen T&#228;tigkeiten, zu Hause und im Beruf, welche selbst halbiert sind. Ihr ganzes Leben ist gespalten, denn sie muss das gleiche dessen sein, was anders als sie ist (und dessen Andersartigkeit den Anspruch erhebt, das gleiche zu sein). Als Frau wird dieses Individuum aufgefordert, ein &#8222;sich selbst&#8220; und ein &#8222;anderes&#8220; zu sein und als anders best&#228;tigt durch die Anordnung, das gleiche zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Gleichstellung ist die Unterscheidung verwirklicht. Die Illusion, die gezeigt werden muss, ist nicht jene der Idealisierung des Geschlechtsunterschieds in der Gleichstellung, sondern ihre Quelle: Die Bestimmung einer &#246;ffentlichen Sph&#228;re, welche, mit den Farben der Gleichstellung geschm&#252;ckt, ihrerseits die Wirklichkeit mit der Ungleichheit und der Herrschaft schm&#252;ckt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Gleichstellung ist ein Kampf, jener des Zugangs der Frauen zur Abstraktion, es ist nicht ein bedeutungsloser Kampf, doch sein siegreicher Ausgang setzt die Spaltung jeder Frau in der Totalit&#228;t ihres Lebens voraus und best&#228;tigt sie, er macht aus ihrem allt&#228;glichen Leben eine simple Tatsache ohne Recht und ohne Grund, w&#228;hrend die Gleichstellung (ein abstraktes Individuum konstituierend) als Idealit&#228;t auf der Wirklichkeit dieses &#8222;allt&#228;glichen Lebens&#8220; beruht, welches die Notwendigkeit selbst seiner Abstraktion als Ausdruck der Unterscheidung zwischen privatem und &#246;ffentlichem ist. Eine Abstraktion, die zur Lesart und Praxis des konkreten (allt&#228;glichen) Lebens wird. Die Abstraktion zeigt nicht eine Trennung gegen&#252;ber einer &#8222;wirklichen Basis&#8220;, sondern die Rolle, welche sie darin spielt: die Rolle der Abstraktion (siehe das Geld).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die liberale Ideologie (im politischen Sinn) ist ad&#228;quat zur unmittelbaren und gegebenen Wirklichkeit des gesellschaftlichen Lebens, sie verschleiert jedoch zugleich die tiefe Wirklichkeit, sie macht aus dem Individuum eine Essenz, ein konstituierendes Subjekt. Die Frau der Gleichstellung zwischen M&#228;nnern und Frauen ist ein solches Individuum, in welchem das abstrakte, objektiv abstrakte Individuum mit dem konkreten Individuum verwechselt wird, sodass schliesslich ersteres nicht nur zur idealen Form von zweiterem wird, sondern auch das konkrete Individuum auf eine kontingente, zuf&#228;llige Form dieses objektiv abstrakten Individuums reduziert.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;(&lt;i&gt;R&#233;ponses aux Am&#233;ricaines&lt;/i&gt;, TC 24)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit dieser entmannten &#246;ffentlichen Sph&#228;re kommen wir da an, wo die Reise hingehen sollte. &#8222;Der Kapitalismus ist also nicht an sich patriarchal, doch er ist notwendigerweise geschlechtlich differenziert. Geschlechtliche Differenzierung und M&#228;nnerherrschaft sind f&#252;r ihn unerl&#228;sslich und er kann die Geschlechterrollen &lt;i&gt;im Moment&lt;/i&gt; (im Text unterstrichen, sonst h&#228;tten wir es getan) nicht aufheben.&#8220; (S. 32)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir erfahren nie, weshalb und wie der Kapitalismus &#8222;notwendigerweise geschlechtlich differenziert&#8220; ist, wir haben eher gesehen, dass seine grundlegende Tendenz eher in die umgekehrte Richtung dieser Notwendigkeit geht. Falls n&#228;mlich die &#8222;notwendige geschlechtliche Differenzierung&#8220; gleichbedeutend ist mit der Reproduktion der Bev&#246;lkerung als Rohstoff der verschiedenen Klassen, ist es schwer zu erkennen, worin die kapitalistische Produktionsweise &lt;i&gt;besonders&lt;/i&gt; geschlechtlich differenziert ist; wenn es nur ist, um einige untypische Lohnformen m&#246;glich zu machen, um einige &#8222;unmittelbare Interessen&#8220; zu befriedigen, erkennt man es auch nicht; wenn es zur Verm&#246;gens&#252;bermittlung ist, entwischt das Proletariat der geschlechtlichen Differenzierung. Doch die &#8222;notwendige geschlechtliche Differenzierung&#8220; (d.h. die seinem Wesen gem&#228;ss, seinem Konzept gem&#228;ss nicht nicht sein kann) wird nur noch &#8222;unerl&#228;sslich&#8220; und ausserdem &#8222;&lt;i&gt;heute&lt;/i&gt; unerl&#228;sslich&#8220; und &#8222;weniger als gestern&#8220; ist man versucht, anzuh&#228;ngen. Sie kann also &lt;i&gt;im Moment&lt;/i&gt; die Geschlechterrollen nicht aufheben. Somit haben wir also etwas &#8222;notwendiges&#8220;, das zu etwas &#8222;heute unerl&#228;sslichem&#8220; geworden ist und &#8222;im Moment&#8220; nicht aufgehoben werden kann. Somit etwas sehr kontingentes &#8222;notwendiges&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um all die Spitzfindigkeiten dieser Dialektik zu verstehen, muss man im Text einige Abs&#228;tze zur&#252;ckgehen. &#8222;Die M&#228;nnerherrschaft, prinzipiell in der patriarchalen Form war immer &lt;i&gt;notwendig&lt;/i&gt; (im Text unterstrichen) und charakterisierte alle Klassengesellschaften.&#8220; ...und somit den Kapitalismus. Gehen wir weiter. &#8222;Sie war speziell angepasst an die pr&#228;kapitalistischen Gesellschaften, charakterisiert durch ihre wirtschaftliche und gesellschaftliche Stabilit&#228;t (mit der Familienzelle als Basis, Einheit der Produktion und der Reproduktion).&#8220; Was ist &#8222;sie&#8220;? Die &#8222;M&#228;nnerherrschaft&#8220; oder die &#8222;patriarchale Form&#8220;? Ein bisschen von beidem, grammatikalisch gesehen w&#252;rde man meinen die M&#228;nnerherrschaft, doch in Bezug auf den Sinn muss man annehmen, es sei die &#8222;patriarchale Form&#8220;. Lassen wir die gesegnete Epoche beiseite, wo jeder mit seiner Auserw&#228;hlten mit Kindern und Ahnen lebte, ohne P&#228;chter, ohne Halbpacht, ohne Gutsherren, ohne k&#246;nigliche Abgaben usw. Es kommt also der Kapitalismus, der &#8222;alles umw&#228;lzt&#8220;, nachdem er die vorhergehenden gesellschaftlichen Strukturen genutzt hat. Und er &#8222;st&#246;sst mit dem Patriarchat zusammen&#8220; und dort, in einem Augenzwinkern, ein grossartiger konzeptueller Taschenspielertrick: &#8222;Das Patriarchat ist entstellt worden. Der Kapitalismus ist somit die erste Produktionsweise, welche ein Problem mit den Frauen hat.&#8220; Das Problem des Kapitalismus mit den Frauen komme also von der Tatsache, dass er das Patriarchat nicht fortbestehen lassen kann, obwohl, wie es der Text sagt, &#8222;die M&#228;nnerherrschaft f&#252;r ihn notwendig ist&#8220; (so notwendig nun auch wieder nicht, wie wir gesehen haben). Was bedeutet, dass die &#8222;M&#228;nnerherrschaft&#8220;, die wahre, die gut best&#252;ckte, die haarige das Patriarchat ist, was historisch folgt, ist ein Ponyhof.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Im Gegensatz zum Patriarchat (das Autorit&#228;t, Hierarchie und Herrschaft impliziert) ist eines der kapitalistischen Prinzipien, wir wiederholen es, die 'Freiheit'. Die Interessen des Kapitalismus laufen also jenen des Patriarchats manchmal zuwider. (&#8230;) Damit ist einer der strukturierenden Tragpfeiler der M&#228;nnerherrschaft umgestossen.&#8220; (S. 130) Hier sind die Dinge klar: Das &#8222;Patriarchat&#8220; ist nicht mehr nur eine &#8222;Form der M&#228;nnerherrschaft&#8220;, sondern das wesentliche ihres Inhalts. Ihm zu schaden, bedeutet, die M&#228;nnerherrschaft selbst anzugreifen und nicht nur die Form zu &#228;ndern und es liege im Wesen des Kapitalismus, das zu tun, da eine seiner Prinzipien (&#8222;wir wiederholen es&#8220;) die &#8222;Freiheit&#8220; ist (mit Anf&#252;hrungs- und Schlusszeichen, man soll ja nicht &#252;bertreiben). Doch im Kapitalismus bedeutet Freiheit, frei zu sein, was man ist: ein Proletarier, eine Frau usw., eine Person zu sein. Obwohl er sich sehr gut damit abfinden kann, ist der Kapitalismus nicht eigentlich eine St&#228;nde- oder Kastengesellschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist zwar wahr, dass sich der Kapitalismus der alten Formen der M&#228;nnerherrschaft (was bei Incendo zum &#8222;wesentlichen der M&#228;nnerherrschaft&#8220; wird) entledigt hat, doch es ist nicht deswegen, wie es Incendo behauptet, dass er ein Problem mit den Frauen hat. Der Kapitalismus hat grunds&#228;tzlich ein Problem mit den Frauen, weil er ein Problem mit der Arbeit hat und das ist ihm eigen. Daf&#252;r braucht es Frauen und alle Dispositive, durch welche sie zu solchen werden, unter anderem die Hausarbeit, und, simultan, muss alle verf&#252;gbare Arbeitskraft im Rahmen der Lohnarbeit absorbiert werden, was in sich selbst die Hausarbeit der Reproduktion der Arbeitskraft als Privatsache impliziert (uff, der Stil). Er entwickelt sich und ringt mit seinen Widerspr&#252;chen, die ihm eigen und sogar seine Dynamik sind, und die er als solche nicht &#252;berwinden kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der ganze Text, der als theoretische Synthese angek&#252;ndigt wird, ist nur eine lange Verweigerung des Problems, das er behauptet, zu behandeln: &#8222;Betreffend Genderfragen und M&#228;nnerherrschaft ist die Verweigerung am weitesten verbreitet.&#8220; Das ist wahr, bis zum revolution&#228;ren Moment selbst.&lt;/p&gt;
&lt;h2 class=&#034;spip&#034;&gt;Gender und Revolution&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Dieser Prozess (der Kommunisierung, AdA) wird &lt;i&gt;unvermeidlich&lt;/i&gt; (von uns unterstrichen) Genderfragen ebenfalls betreffen (ausser der Kapitalismus befreit uns vorher davon: siehe &#8222;M&#246;glichkeit&#8220;, &#8222;heute&#8220;, &#8222;im Moment&#8220;, &#8222;besteht fort&#8220;, &#8222;Hypothese&#8220; usw., AdA) und f&#252;hrt, unserer Meinung nach, schliesslich zu deren Aufhebung (andernfalls versinkt er in der Konterrevolution).&#8220; (S. 38) Alles ist gesagt in diesen paar Zeilen am Anfang des Kapitels &#252;ber Gender und Revolution. &#8222;Unvermeidlich&#8220; steht f&#252;r &#8222;als Konsequenz&#8220;, das vom Verb &#8222;f&#252;hrt zu&#8220; wieder aufgegriffen und unterstrichen wird. Diese Aufhebung ist nur notwendig, weil wir sonst &#8222;in der Konterrevolution versinken&#8220;. Wir haben vorher diesen Standpunkt kritisiert, der den Widerspruch zwischen M&#228;nnern und Frauen nicht als solchen und f&#252;r sich betrachtet, sondern als unerl&#228;sslich f&#252;r das Kommen der Revolution.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotz dem &lt;i&gt;zeitlichen Zusammenwirken&lt;/i&gt; der Dinge ist in der Perspektive von Incendo die Aufhebung der Geschlechterrollen eine Konsequenz der Aufhebung der Lohnarbeit: Die Bewegung, welche die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse dieser &#8222;beschissenen Welt&#8220; aufhebt, &#8222;beseitigt gleichzeitig die &lt;i&gt;Notwendigkeit&lt;/i&gt; (im Text unterstrichen), die Arbeitskraft, die Familie und die Geschlechterrollen zu reproduzieren. Die Aufhebung der Lohnarbeit und die revolution&#228;re T&#228;tigkeit beenden die Unterscheidung zwischen gesellschaftlicher und individueller T&#228;tigkeit, zwischen diversen Trennungen (...), welche die Grundlagen der Hausarbeit sind.&#8220; (S. 39) Die Familie, die Geschlechterrollen, die Hausarbeit und sogar die Sexualit&#228;t sind hier nie Kampfschaupl&#228;tze von K&#228;mpfen in ihrer Besonderheit. In einem Wort, nie ist der Widerspruch zwischen M&#228;nnern und Frauen an sich selbst wirksam in all diesen Aufhebungen. All das wird &#8222;unvermeidlich&#8220; aufgehoben werden. Wenn die Aufhebung der Lohnarbeit &#8222;gleichzeitig die &lt;i&gt;Notwendigkeit&lt;/i&gt;, die Arbeitskraft, die Familie und die Geschlechterrollen zu reproduzieren, beseitigt&#8220; und wenn &#8222;die Aufhebung der Lohnarbeit und die revolution&#228;re T&#228;tigkeit die Unterscheidung zwischen gesellschaftlicher und individueller T&#228;tigkeit, zwischen diversen Trennungen (...), welche die Grundlagen der Hausarbeit sind, beenden&#8220;, so handelt es sich nicht um logische Konsequenzen vom Typ A f&#252;hrt zu B, die Beseitigung von A f&#252;hrt zu jener von B. Zu sagen, dass der Lohn die Reproduktion der Arbeitskraft und der &#8222;Rasse der Arbeiter&#8220; zahlt, l&#228;sst uns die Schwelle zur &#8222;Intimit&#228;t&#8220; &#252;berschreiten und zeigt &lt;i&gt;den inneren Antagonismus zwischen M&#228;nnern und Frauen, im Lohn inbegriffen als Reproduktion der Arbeitskraft&lt;/i&gt;. Dieser innere Antagonismus ist und wird selbst ein bestimmendes Element in der Aufhebung der Lohnarbeit sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#8222;Zerst&#246;rungen&#8220; und &#8222;Aufhebungen&#8220;, von welchen Incendo spricht, haben &lt;i&gt;Auswirkungen&lt;/i&gt; auf die Genderunterscheidung. Die Genderkonflikte bringen nicht einfach &lt;i&gt;als solche&lt;/i&gt; diese Aufhebungen hervor und nehmen daran teil, als ob die Konflikte, durch welche der Widerspruch zwischen M&#228;nnern und Frauen existiert, nicht selbst aktiv beteiligt an diesen Aufhebungen und dynamisches Element davon w&#228;ren, sondern nur unumg&#228;ngliche &#8222;Konsequenzen&#8220; oder Begleiterscheinungen. Wenn die Selbstorganisation der Frauen erw&#228;hnt wird, ist es, um zu sagen, dass man schnell dar&#252;ber hinwegkommen soll und dass alles, was folgt (die Aufhebung der Geschlechterrollen) gegen sie (die Selbstorganisation) gerichtet sein wird. Die Aufhebung der Geschlechterrollen wird nie als Konflikt im revolution&#228;ren Prozess gesehen, sondern als seine &#8222;Wirkung&#8220;, seine Konsequenz. Von diesem Standpunkt aus ist es wahr, dass es vorsichtiger ist, die Frauen zu ermuntern, an die &#8222;Aufhebung der Lohnarbeit&#8220; zu glauben, als ob diese ihren eigenen Kampf und vielleicht ihren Konflikt mit ihren &#8222;Genossen&#8220; nicht mit einschliesse.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die gleiche Perspektive wird einen Absatz weiter in einer anderen Form wieder aufgenommen: &#8222;Zu diesen Ersch&#252;tterungen des allt&#228;glichen Lebens &lt;i&gt;sollte&lt;/i&gt; man die Wirkung der neuen Funktionsweisen &lt;i&gt;hinzuf&#252;gen&lt;/i&gt; (wir unterstreichen), welche im Kampf aufgebaut werden&#8220;. Noch schlimmer: Die &#8222;neuen Funktionsweisen&#8220;, d.h. die Verh&#228;ltnisse zwischen den miteinander im Prozess der Kommunisierung verknoteten Individuen werden eine &#8222;&lt;i&gt;Wirkung&lt;/i&gt;&#8220; haben, die den Verh&#228;ltnissen zwischen M&#228;nnern und Frauen &#8222;&lt;i&gt;hinzugef&#252;gt&lt;/i&gt;&#8220; wird. Als ob die &#8222;neuen Funktionsweisen&#8220; nicht das w&#228;ren, was uns der Untertitel verspricht: &#8222;Der Generalaufstand, der die M&#228;nner und die Frauen zerst&#246;ren wird&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schliesslich st&#246;sst diese &#8222;Zerst&#246;rung&#8220; im letzten Moment mit einem letzten Problem und nicht dem geringsten zusammen, es ist n&#228;mlich jenes der Definition selbst der M&#228;nner und Frauen, welches Incendo als &#8222;gesellschaftliche Organisation&#8220; der Schwangerschaft ausgelagert hatte. Tats&#228;chlich bel&#228;sst man die nat&#252;rliche Unterscheidung bei seiner Existenz als nat&#252;rliche Unterscheidung, wenn man sie nicht als selbst die gesellschaftliche Organisation seiend betrachtet und als solches zeigt. Man kann wiederholen, dass &#8222;die Natur nicht existiert&#8220; (Begriffserkl&#228;rungen, S. 197), es bleibt eine Prinzipienpetition und die Natur wird unfehlbar im Galopp zur&#252;ckkommen, wenn man nicht erkl&#228;rt wie dieses nicht existierende Ding existiert, d.h. das, was man so nennt und wenn man nicht erkl&#228;rt, nennt man es zurecht so.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Mit der Revolution werden die geschlechtliche Differenzierung und die Geschlechterrollen faktisch von unmittelbar gesellschaftlichen Individuen aufgehoben. Doch der Kommunismus wird selbstverst&#228;ndlich nicht die Unterscheidung aufheben zwischen jenen, welche schwanger werden k&#246;nnen und jenen, welche es nicht k&#246;nnen. Die Schwangerschaft ist jedoch kein nat&#252;rliches Ph&#228;nomen, sie wird gesellschaftlich organisiert (auf unterschiedliche Art und Weise je nach Epochen, Gesellschaft und Regionen). Heute bedingt sie die Bildung der Gruppe der Frauen und die M&#228;nnerherrschaft. Wie die Frage der Organisation der Schwangerschaft behandelt und gel&#246;st wird w&#228;hrend der Kommunisierung ist wesentlich und sehr problematisch. Es ist besonders diese Frage, die Mutterschaft, &#252;ber welche die Aufhebung der Geschlechterrollen, und somit die Kommunisierung, zu stolpern droht.&#8220; (S. 43)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Lassen wir die Tatsache beiseite, dass nichts &#8222;faktisch&#8220; (d.h. als Konsequenz) aufgehoben wird, falls es nicht f&#252;r sich durch T&#228;tigkeiten welche dem, was aufgehoben wird, eigen sind, aufgehoben wird. Die Kommunisierung werde also &#252;ber die Mutterschaft stolpern. Die Kommunisierung stolpert nicht &#252;ber den Wert, genauso wenig wie &#252;ber die Mutterschaft: Man stolpert stets &#252;ber praktische Fragen, Konflikte und Probleme (der Tausch oder die Zuweisung der Frauen zur privaten Sph&#228;re). Es sind die im revolution&#228;ren Kampf engagierten Individuen, welche &#8211; auf diverse Arten &#8211; mit Genderfragen unmittelbar konfrontiert sein werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu sagen, die Schwangerschaft ist &#8222;gesellschaftlich organisiert&#8220;, ist ungen&#252;gend, um &#252;ber eine naturalistische Definition der Frauen hinwegzukommen, deshalb kann Incendo sagen, dass die Kommunisierung die Unterscheidung zwischen jenen, welche Kinder zeugen, und jenen, welche es nicht k&#246;nnen, nicht aufheben wird. &lt;i&gt;Wenn es zwischen den beiden Begriffen eine reproduktive Fragen betreffende Unterscheidung gibt, sieht man nicht wirklich, inwiefern M&#228;nner und Frauen aufgehoben w&#228;ren&lt;/i&gt;. Denn bez&#252;glich der Reproduktion ist diese Unterscheidung effizient...Die Aufhebung der Geschlechterrollen ist gleichbedeutend mit der Aufhebung der reproduktiven F&#228;higkeit als naturalisierte Unterscheidung. Es wird tats&#228;chlich sicher Leute geben, die schwanger werden, und andere, die es nicht werden (obwohl man vermuten kann, dass die Sexualit&#228;t mit Schwangerschaftsrisiko beil&#228;ufig ziemlich hart getroffen wird), Leute, welche Kinder tragen werden und andere nicht (was unter Umst&#228;nden nicht das gleiche sein k&#246;nnte wie schwanger zu werden), doch diese Diversit&#228;t kann auf keinen Fall eine &lt;i&gt;Unterscheidung&lt;/i&gt; erzeugen, wenn der Widerspruch M&#228;nner/Frauen nicht mehr besteht und als Konsequenz keine M&#228;nner und keine Frauen mehr existieren. Diese Heterogenit&#228;t der Situation deckt auf Seiten der Bev&#246;lkerung und der Reproduktion der gesellschaftlichen Organisation kein Streitobjekt mehr ab und wird somit keine Unterscheidung zwischen einigen und anderen &lt;i&gt;auf dieser Grundlage&lt;/i&gt; tragen. Die nat&#252;rliche Selbstverst&#228;ndlichkeit ist ein gesellschaftliches Verh&#228;ltnis: Das, was es erlaubt, die einen von den anderen zu unterscheiden, ist grunds&#228;tzlich die Notwendigkeit der Arbeit und der Bev&#246;lkerung als Produktivkraft und diese Notwendigkeit l&#228;sst die Sexualit&#228;t als getrennte T&#228;tigkeit existieren, d.h. bestimmt, wie auch immer heute ihre Formen sein m&#246;gen, durch die Frage der Reproduktion.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Art der Konfrontation mit diesen Fragen in den revolution&#228;ren K&#228;mpfen wird ebenfalls heterogen sein und kann verschiedene Komponenten des Verh&#228;ltnisses zwischen M&#228;nnern und Frauen betreffen: Aufteilung der T&#228;tigkeiten und Aufgaben im Kampf, Gewalt gegen Frauen, Kinderbetreuung, Betreuung der affektiven und sexuellen Verh&#228;ltnisse im Kampf...Wir wissen auch, dass in der Revolution diese Modalit&#228;ten der Emergenz und der Inhalt selbst dieser Fragen und Konflikte das Produkt lokaler und ereignisabh&#228;ngiger Besonderheiten der konfliktreichen Knotenbildung des Gender- und des Klassenwiderspruchs sein werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Aufhebung der M&#228;nner und der Frauen, welche &#252;ber die Frage der Schwangerschaft stolpert, zeigt, wie sehr die Sicht der Revolution von Incendo und anderen &#8222;Anh&#228;ngern oder Freund(inn)en der Kommunisierung&#8220; immer noch jene der &#8222;sozialen&#8220; Revolution ist. Das zeigt sich offensichtlich und h&#228;ufig in Bezug auf die Frage der Aufhebung der Kategorien M&#228;nner und Frauen (und nicht nur in Bezug auf die Genderfrage im allgemeinen, denn jeder m&#246;chte von &#8222;Herrschaft&#8220; sprechen oder der Kommunisierer-Sauce ein bisschen feministische W&#252;rze zuf&#252;gen). Wie jene der Produktion wird die Frage unter dem Blickwinkel der &#8222;Organisationsfragen&#8220; gestellt, welche man &lt;i&gt;gesellschaftlich&lt;/i&gt; &#8222;behandeln und l&#246;sen&#8220; m&#252;sse. Denn es ist offensichtlich, dass man wohl weiterhin Kinder &#8222;machen muss&#8220;, wie man auch produzieren &#8222;muss&#8220; und es ist genauso offensichtlich, dass all das &#8222;gesellschaftlich organisiert&#8220; sein muss. Wenn es auch &#8222;heute&#8220; Herrschaft impliziert usw., wird es morgen schon besser gehen, wenn wir uns selber darum k&#252;mmern werden...Die Kommunisierung, von diesem Standpunkt aus, bedeutet die menschliche T&#228;tigkeit endlich vom parasit&#228;ren Kapital befreit zu haben, sie findet sich als solche in sich selbst wieder, zwar mit einigen zu l&#246;senden Problemen, die jedoch von nun an ihre eigenen Probleme sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt keine gesellschaftliche Unmittelbarkeit und Aufhebung der Geschlechterrollen, wenn man anf&#228;ngt, &#8222;die Frage&#8220; der &#8222;Mutterschaft&#8220; zu &#8222;behandeln&#8220;. Was &#8222;faktisch&#8220; ist und als selbstverst&#228;ndlich akzeptiert wird, ist, dass die Frauen die Kinder machen. Es existieren andere oder gar gegenteilige Konzeptionen der Kommunisierung: Man kann nicht die Genderfrage auf diese Art und Weise betrachten, nur weil man global die Frage der Kommunisierung auf die gleiche Art und Weise betrachtet. Man kann dann schon stolz behaupten, die Natur existiere nicht und die geschlechtliche Differenzierung und die Geschlechterrollen seien &#8222;faktisch&#8220; aufgehoben, man stolpert schliesslich trotzdem &#252;ber das, was letztendlich das nat&#252;rlichste ist: die Mutterschaft. Ach ja, die Frauen machen n&#228;mlich letztendlich &lt;i&gt;auch&lt;/i&gt; Kinder...Als ob das Problem woanders l&#228;ge, ob sie Fussball spielen k&#246;nnen oder nicht oder ihre Haare verstecken m&#252;ssen oder nicht. Denn indem man die Kommunisierung nicht als etwas versteht, das wirklich den Wert und den Tausch und somit gleichzeitig die Produktion und alle gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse aufhebt, welche von diesen Kategorien reproduziert und vorausgesetzt werden, findet man sich mit dem Bauch der Frauen als Werkzeug eben dieser reproduktiven Produktion wieder (und macht beil&#228;ufig die Frauen zu Produktionsmitteln) und diese Produktion muss ja auch &#8222;verwaltet&#8220; werden &#8211; gesellschaftlich. Man m&#246;chte schon gesellschaftliche Unmittelbarkeit und Aufhebung der M&#228;nner und der Frauen, aber es sollte doch nicht allzu chaotisch sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nat&#252;rlich wird diese &#8222;Organisationsfrage&#8220; nicht von Bauchkommissaren behandelt werden, doch dahinter steht immer noch die Annahme einer &#8222;menschlichen Gemeinschaft&#8220;, die sich als eine Art Vermittlung zwischen sich und sich stellt und die verschiedenen gesellschaftlichen Fragen, wie z.B. jene des Verh&#228;ltnisses zwischen M&#228;nnern und Frauen, selbst&#8220;verwaltet&#8220;. Damit bleiben die einen wie die anderen &#8222;nat&#252;rlicherweise&#8220; als Kategorien erhalten, egal was man woanders dar&#252;ber sagt. Es ist erstaunlich, festzustellen, dass nicht einmal erw&#228;hnt wird, dass die Frage der Mutterschaft von den Frauen selbst zum Konflikt gemacht werden kann, und das gegen die M&#228;nner &#8211; die Kommunisierung ist hier nur das Moment des verallgemeinerten gesellschaftlichen &#8222;alle zusammen&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn wir sagen, dass &#8222;die Aufhebung der Geschlechterrollen gleichbedeutend ist mit der Aufhebung der reproduktiven F&#228;higkeit als naturalisierte Unterscheidung&#8220;, konzipieren wir sie als schon gemacht, doch das ist nur konzeptuell oder logisch wahr. Die Aufhebung der Kategorien M&#228;nner und Frauen ist in ihrer Vollendung genauso undenkbar wir die gesellschaftliche Unmittelbarkeit der Individuen (der Kommunismus). Wir k&#246;nnen all das nur ausgehend von den heute existierenden K&#228;mpfen denken und somit als Konflikt zwischen Klassen und zwischen M&#228;nnern und Frauen, Konflikte jedoch, die in sich die Widerspr&#252;che tragen, welche die Aufhebung der Geschlechterrollen und der Klassen hervorbringen. Das Problem von Incendo liegt nicht hier.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die nat&#252;rliche Selbstverst&#228;ndlichkeit ist ein gesellschaftliches Verh&#228;ltnis, welches in sich seinen eigenen Widerspruch tr&#228;gt, alle gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse tragen nicht ihren eigenen Widerspruch in sich. Dieser Widerspruch ist im Text von Incendo abwesend, denn sie k&#246;nnen oder wollen ihn nicht konzipieren, da sie im Grunde genommen die Gleichheit wollen. Und deshalb weichen in ihrem Text auch die Frauenk&#228;mpfe auf den Klassenwiderspruch aus und werden schliesslich unter den auf diese Art und Weise einseitig verstandenen historischen Gang des Kapitals subsumiert. Eine derartige Konstruktion macht in Wirklichkeit nur ihre &lt;i&gt;Befreiung&lt;/i&gt; als Frauen m&#246;glich, unter der Bedingung, dass sie bereit sind, als Proletarierinnen zu k&#228;mpfen, um im Endeffekt Teil der menschlichen Gemeinschaft zu sein, welche die &#8222;Frage&#8220; der Mutterschaft &#8222;l&#246;sen wird&#8220; ohne den M&#228;nnern und den Frauen eine Existenz zu geben...Es ist so gut wie sicher, dass von diesem Standpunkt aus die Frauen, die M&#228;nner und die Proletarier noch lange das, was sie sind, bleiben werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nicht &#252;berraschend kommt der Text zu folgender Schlussfolgerung: &#8222;Aber seit ihrem massiven und direkten Eintritt in die Lohnarbeit und somit in die Streiks f&#252;hrt allein ihre Involvierung dazu, dass die Fragen der Reproduktion auftauchen. Die Revolution wird mit den proletarischen Frauen stattfinden und es ist diese Involvierung, welche einen bis anhin unm&#246;glichen qualitativen Sprung erlaubt. (&#8230;) In diesem konfliktreichen und problematischen Prozess wird die Rolle der Frauen also bestimmend sein &#8211; sowie als Reaktion jene der M&#228;nner.&#8220; (S. 45)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch die Fragen der Reproduktion und vor allem jene der Bedingungen der Frauen kommen nicht nur in Arbeiterstreiks auf. Sie kommen auch auf, wenn die Frauen nicht direkt t&#228;tig sind, wie w&#228;hrend einigen Streiks ihrer M&#228;nner oder auch im Rahmen von K&#228;mpfen, die nicht ihre Involvierung in die Sph&#228;re der Produktion, sondern ihre Involvierung in die reproduktive Sph&#228;re betreffen (zum Beispiel in den kollektiven &#220;berlebensorganisationen der argentinischen Arbeitslosenbewegung und in den daraus entstandenen Frauenbewegungen aufgrund der kollektiven materiellen Kinderbetreuung oder auch aufgrund von h&#228;uslicher Gewalt wegen der Involvierung der Frauen in die K&#228;mpfe).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hier ist die Tatsache, dass die Involvierung der Frauen in den Raum der Produktion und in den Streiks als Motor der F&#228;higkeit, die die Reproduktion betreffenden Fragen zu stellen, symptomatisch und erlaubt es, zu verstehen, weshalb Incendo, genauso symptomatisch, pr&#228;zisiert, dass die Revolution &lt;i&gt;mit den proletarischen Frauen&lt;/i&gt; stattfinden wird. Es ist nur der Klassenwiderspruch, welcher ihnen ihr Eintrittsticket f&#252;r den Frauenkampf g&#228;be: ihre Involvierung in die Lohnarbeit. Wenn die Revolution nur von der einzigen Dynamik des Klassenwiderspruchs getrieben ist, so ist man damit tats&#228;chlich dazu verleitet, die Revolution auf der einen, die Frauen auf der anderen Seite zu sehen, die eine wie die anderen gen&#252;gen voneinander ausgeschlossen, dass man pr&#228;zisieren muss, dass die Revolution &#8222;mit den proletarischen Frauen&#8220; stattfinden wird. Was komplett absurd w&#228;re, ersetzte man die Frauen durch die M&#228;nner, denn f&#252;r die proletarischen M&#228;nner muss im Klassenkampf und in der Revolution kein Platz geschaffen werden, denn die revolution&#228;re Theorie spricht meistens von ihrer Revolution. In dieser Schlussfolgerung zeigt sich noch einmal, dass f&#252;r Incendo die widerspr&#252;chliche Dynamik der kapitalistischen Produktionsweise nur im Klassenwiderspruch begraben liegt und dass das Verh&#228;ltnis M&#228;nner/Frauen sich im Gang des Kapitals, innerhalb dieses Widerspruchs, anpasst, ohne eigene Existenz f&#252;r sich selbst, ohne eigene Dynamik. Der Widerspruch zwischen den M&#228;nnern und den Frauen ist gleichbedeutend mit dem Kapital als prozessierender Widerspruch, der Widerspruch zwischen Proletariat und Kapital ist gleichbedeutend mit dem Kapital als prozessierender Widerspruch (siehe weiter oben), doch die einzige Dynamik des Kapitals als prozessierender Widerspruch existiert nicht in zwei verschiedenen Formen, sie halbiert sich nicht (es handelt sich nicht um eine Selbstbestimmung, siehe &lt;i&gt;R&#233;ponses aux Am&#233;ricaines&lt;/i&gt;). Als einzige Dynamik ist sie die Konstruktion dieser beiden Widerspr&#252;che und in ihnen ist sie spezifisch, denn sie existiert nicht davor wie etwas, das sich in zwei verschiedenen Formen verwirklichte. Jeder Widerspruch konstruiert sie als einzig in ihren eigenen Begriffen. Jeder Widerspruch hat eine Dynamik in seinen eigenen Begriffen (und durch den anderen). Weder in Bezug auf den Widerspruch zwischen M&#228;nnern und Frauen, noch in Bezug auf den Widerspruch zwischen Proletariat und Kapital kann von einer eigenen oder spezifischen Dynamik gesprochen werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn in diesem Kapitel, in der Fussnote 69, betont wird, dass es &#8222;eine grosse Debatte innerhalb unseres kleinen Teams&#8220; gebe, um zu erfahren, ob &#8222;es einen Genderwiderspruch gibt&#8220;, so scheint es als ob diese Frage negativ beantwortet w&#252;rde: ein einziger Widerspruch mit seiner &#8222;unvermeidlichen&#8220; &lt;i&gt;Konsequenz&lt;/i&gt;, seiner Begleiterscheinung. Was im Programmatismus zeitlich voneinander getrennt wurde (die &#8222;Frauenfrage&#8220; wird nach der Revolution gel&#246;st werden), ist hier zeitlich wieder vereint, doch die Perspektive ist die gleiche. Es ist &#252;brigens kein Zufall, dass in den Texten dieser Brosch&#252;re die programmatische Periode (deren Konzept allerdings Teil der Problematik Incendos ist) nie unter dem Aspekt ihrer Konzeption des Verh&#228;ltnisses zwischen M&#228;nnern und Frauen betrachtet wird. Wenn die vorhergehenden revolution&#228;ren Perioden erw&#228;hnt werden, so ist es, um zu sagen, dass, wenn w&#228;hrend jenen die Frauen schnell auf ihre &#8222;gew&#246;hnlichen Aufgaben&#8220; zur&#252;ck verwiesen werden, dies nicht der Fall ist, weil der (programmatische) revolution&#228;re Prozess die geschlechtliche Differenzierung &#8222;in einer freien Form&#8220; fortbestehen l&#228;sst, sondern weil er &#8222;gehemmt&#8220; ist (S. 41). Damit stand in der programmatischen Revolution der Aufhebung der Geschlechterrollen nichts im Weg ausser ihr Scheitern. Das ist selbstverst&#228;ndlich falsch, nicht nur in Bezug auf die programmatische Theorie, sondern auch in Bezug auf die Praxis. Man stand vor der Wahl, die Arbeit zu befreien oder die Frauen aufzuheben und die Frauen selbst nannten sich &#8222;Mujeres libres&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die K&#228;mpfe und Zerst&#246;rungen, die Aufhebung des Eigentums, des Geldes, des Werts, des Staats usw. werden &lt;i&gt;faktisch&lt;/i&gt; (im Text unterstrichen) im allt&#228;glichen Leben etliche &lt;i&gt;Tr&#228;ger&lt;/i&gt; (idem) der sozialen Konstruktion der Geschlechterrollen ersch&#252;ttern, sie unwirksam, unbrauchbar, hinf&#228;llig machen oder ihr Verschwinden &lt;i&gt;verursachen&lt;/i&gt; (von uns unterstrichen).&#8220; (S. 42) Die Aufhebung der Genderunterscheidung ist immer nur eine Sache der &lt;i&gt;Konsequenzen&lt;/i&gt;. Wie in Oaxaca k&#246;nnte man, um sich seiner Sache sicher zu sein, die Frauen bitten, zu Hause zu bleiben: &#8222;Wir k&#252;mmern uns um alles!&#8220; Das wichtigste in dieser Konzeption der Revolution als Kommunisierung, wie sie uns Incendo pr&#228;sentiert, ist nicht, was sie in der Zukunft f&#252;r uns bereit h&#228;lt, sondern was sie uns von der gegenw&#228;rtigen Konzeption der K&#228;mpfe sagt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nur weil die proletarischen Frauen Proletarierinnen sind, w&#228;ren sie dazu veranlasst, ihre Probleme als Frauen aufzuwerfen; die &#8222;Frauenfrage&#8220;, um wie in der guten alten Zeit zu sprechen, w&#228;re also nur ein Anhang der Klassenfrage (was sich von der Konstruktion zweier gemeinsamer Widerspr&#252;che unterscheidet). Doch wie sollte man das Gegenteil behaupten k&#246;nnen, wenn man uns auf Nathalie Menigon und Fran&#231;oise Besse verweist (Fussnote 69, S. 110)? Vor diesem Kaliber, vor allem wenn es von einer Frau gehalten wird, kann man nichts sagen und ist gebeten, seinen Hut zu ziehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Widerspruch zwischen Frauen und M&#228;nnern transzendiert die Klassen nicht, er durchdringt sie, dies bleibt Incendo im Hals stecken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://www.theoriecommuniste.org/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Th&#233;orie Communiste&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h2 class=&#034;spip&#034;&gt;Anh&#228;nge&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Anhang 1: &#220;ber Engels&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nachdem er erkl&#228;rt hat, dass in der b&#252;rgerlichen Klasse die Sorge des Erbes und der Zusammenlegung des Verm&#246;gens die Heirat regelt, f&#228;hrt Engels fort:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Wirkliche Regel im Verh&#228;ltnis zur Frau wird die Geschlechtsliebe und kann es nur werden unter den unterdr&#252;ckten Klassen, also heutzutage im Proletariat - ob dies Verh&#228;ltnis nun ein offiziell konzessioniertes oder nicht. Hier sind aber auch alle Grundlagen der klassischen Monogamie beseitigt. Hier fehlt alles Eigentum, zu dessen Bewahrung und Vererbung ja gerade die Monogamie und die M&#228;nnerherrschaft geschaffen wurden, und hier fehlt damit auch jeder Antrieb, die M&#228;nnerherrschaft geltend zu machen. (&#8230;) Und vollends seitdem die gro&#223;e Industrie die Frau aus dem Hause auf den Arbeitsmarkt und in die Fabrik versetzt hat und sie oft genug zur Ern&#228;hrerin der Familie macht, ist dem letzten Rest der M&#228;nnerherrschaft in der Proletarierwohnung aller Boden entzogen - es sei denn etwa noch ein St&#252;ck der seit Einf&#252;hrung der Monogamie eingerissenen Brutalit&#228;t gegen Frauen. (Auf der folgenden Seite erkl&#228;rt Engels, dass der formelle Charakter der Scheidungsfreiheit und der Gleichheit zwischen den Vertragspartnern nur noch in der b&#252;rgerlichen Klasse existiert, im Proletariat ist die Gleichheit, wegen der Abwesenheit von Erbe und Verm&#246;gen, wirklich, &#8222;mit leidenschaftlichster Liebe und absolutester Treue&#8220; (&lt;i&gt;sic&lt;/i&gt;!, AdA).)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die rechtliche Ungleichheit beider, die &lt;i&gt;uns aus fr&#252;heren Gesellschaftszust&#228;nden vererbt&lt;/i&gt; (von uns unterstrichen), ist nicht die Ursache, sondern die Wirkung der &#246;konomischen Unterdr&#252;ckung der Frau. In der alten kommunistischen Haushaltung, die viele Ehepaare und ihre Kinder umfa&#223;te, war die &lt;i&gt;den Frauen &#252;bergebne&lt;/i&gt; (idem) F&#252;hrung des Haushalts ebensogut eine &#246;ffentliche, eine gesellschaftlich notwendige Industrie wie die Beschaffung der Nahrungsmittel durch die M&#228;nner. Mit der patriarchalischen Familie und noch mehr mit der monogamen Einzelfamilie wurde dies anders. Die F&#252;hrung des Haushalts verlor ihren &#246;ffentlichen Charakter. Sie ging die Gesellschaft nichts mehr an. Sie wurde ein Privatdienst; die Frau wurde erste Dienstbotin, aus der Teilnahme an der gesellschaftlichen Produktion verdr&#228;ngt. Erst die gro&#223;e Industrie unsrer Zeit hat ihr - und auch nur der Proletarierin - den Weg zur gesellschaftlichen Produktion wieder er&#246;ffnet. Aber so, da&#223;, wenn sie &lt;i&gt;ihre Pflichten im Privatdienst der Familie&lt;/i&gt; (idem) erf&#252;llt, sie von der &#246;ffentlichen Produktion ausgeschlossen bleibt und nichts erwerben kann; und da&#223;, wenn sie sich an der &#246;ffentlichen Industrie beteiligen und selbst&#228;ndig erwerben will, sie au&#223;erstand ist, Familienpflichten zu erf&#252;llen. (&#8230;) Die moderne Einzelfamilie ist gegr&#252;ndet auf die offne oder verh&#252;llte Haussklaverei der Frau, und die moderne Gesellschaft ist eine Masse, die aus lauter Einzelfamilien als ihren Molek&#252;len sich zusammensetzt. Der Mann mu&#223; heutzutage in der gro&#223;en Mehrzahl der F&#228;lle der Erwerber, der Ern&#228;hrer der Familie sein, wenigstens in den besitzenden Klassen, und das gibt ihm eine Herrscherstellung, die keiner juristischen Extrabevorrechtung bedarf. Er ist in der Familie der Bourgeois, die Frau repr&#228;sentiert das Proletariat. (&#8230;) Es wird sich dann zeigen (nachdem gleiche Rechte f&#252;r M&#228;nner und Frauen erreicht worden sind, AdA), da&#223; die Befreiung der Frau zur ersten Vorbedingung hat die Wiedereinf&#252;hrung des ganzen weiblichen Geschlechts in die &#246;ffentliche Industrie, und da&#223; dies wieder erfordert die Beseitigung der Eigenschaft der Einzelfamilie als wirtschaftlicher Einheit der Gesellschaft. (&#8230;)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nun gehn wir einer gesellschaftlichen Umw&#228;lzung entgegen, wo die bisherigen &#246;konomischen Grundlagen der Monogamie ebenso sicher verschwinden werden wie die ihrer Erg&#228;nzung, der Prostitution. Die Monogamie entstand aus der Konzentrierung gr&#246;&#223;erer Reicht&#252;mer in einer Hand- und zwar der eines Mannes - und aus dem Bed&#252;rfnis, diese Reicht&#252;mer den Kindern dieses Mannes und keines andern zu vererben. (&#8230;) Die bevorstehende gesellschaftliche Umw&#228;lzung wird aber durch Verwandlung wenigstens des unendlich gr&#246;&#223;ten Teils der dauernden, vererbbaren Reicht&#252;mer - der Produktionsmittel - in gesellschaftliches Eigentum diese ganze Vererbungssorge auf ein Minimum reduzieren. Da nun die Monogamie aus &#246;konomischen Ursachen entstanden, wird sie verschwinden, wenn diese Ursachen verschwinden?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man k&#246;nnte nicht mit Unrecht antworten: Sie wird so wenig verschwinden, da&#223; sie vielmehr erst vollauf verwirklicht werden wird. (&#8230;) Die Prostitution verschwindet, die Monogamie, statt unterzugehn, wird endlich eine Wirklichkeit - auch f&#252;r die M&#228;nner.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Lage der M&#228;nner wird also jedenfalls sehr ver&#228;ndert. Aber auch die der Frauen, aller Frauen, erf&#228;hrt bedeutenden Wechsel. Mit dem &#220;bergang der Produktionsmittel in Gemeineigentum h&#246;rt die Einzelfamilie auf, wirtschaftliche Einheit der Gesellschaft zu sein. Die Privathaushaltung verwandelt sich in eine gesellschaftliche Industrie. Die Pflege und Erziehung der Kinder wird &#246;ffentliche Angelegenheit; die Gesellschaft sorgt f&#252;r alle Kinder gleichm&#228;&#223;ig, seien sie eheliche oder uneheliche. (Wir steuern also auf die wahre Monogamie und die wahre Freiheit, zu heiraten, zu...AdA)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die herrschende Klasse bleibt beherrscht von den bekannten &#246;konomischen Einfl&#252;ssen und weist daher nur in Ausnahmef&#228;llen wirklich frei geschlossene Ehen auf, w&#228;hrend diese bei der beherrschten Klasse, wie wir sahen, die Regel sind. (&#8230;) Dann (nachdem alle wirtschaftlichen Zw&#228;nge beseitigt worden sind, AdA) bleibt eben kein andres Motiv mehr als die gegenseitige Zuneigung. Da nun die Geschlechtsliebe (welche Engels wegen ihrer Dauer, ihrer Gegenseitigkeit vom &lt;i&gt;Eros&lt;/i&gt; unterscheidet, der mit den antiken und fr&#252;hmittelalterlichen Gesellschaften assoziiert wird, AdA) ihrer Natur nach ausschlie&#223;lich ist - obwohl sich diese Ausschlie&#223;lichkeit heutzutage nur in der Frau durchweg verwirklicht -, so ist die auf Geschlechtsliebe begr&#252;ndete Ehe ihrer Natur nach Einzelehe.&#8220; (Engels, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;, S. 73-82)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Frau im privaten, der Mann im gesellschaftlichen, der nat&#252;rlicherweise weibliche Charakter der Aufgaben der Hausarbeit (&#8222;Pflichten&#8220;): Alles ist in der Problematik von Engels vorausgesetzt. Die Revolution ist gleichbedeutend mit den Frauen in der produktiven Arbeit und der Sozialisierung der Aufgaben der Hausarbeit um ihnen diesen massiven Eintritt in die produktive Arbeit zu erlauben. Was Engels jedoch vor den Augen hatte, hatte nicht den geringsten Einfluss auf seine Analyse: Die proletarischen Frauen gingen in die Fabrik und mussten zudem &#8222;ihre Familienpflichten erf&#252;llen&#8220;, doch das ist nicht alles, es entging Marx und Engels &#252;brigens nicht, dass dieser Eintritt in die produktive Arbeit nicht nur h&#228;ufig die Feindseligkeit der M&#228;nner provozierte, sondern auch, weit davon entfernt, die &#8222;Gleichheit&#8220; zu verwirklichen, neue Unterschiede hervorbrachte (unterqualifizierte Stellen, Lohnunterschiede, monotonste Arbeiten...), sodass die Fabrik die h&#228;usliche Unterwerfung nicht nur nicht mildert, sondern noch, dass sich &lt;i&gt;die Fabrik und die h&#228;usliche Unterwerfung gegenseitig reproduzieren und legitimieren&lt;/i&gt;. Engels kann wohl sch&#246;ne und starke S&#228;tze zur &#8222;Haussklaverei&#8220; und zu den Frauen als &#8222;die proletarische Klasse&#8220; schreiben, doch indem er die Knechtung der Frauen nur mit der Monogamie und diese mit dem Erbe in Verbindung bringt, entwischt als Konsequenz der proletarische Haushalt eigentlich dieser Situation. Es ist also normal, dass Engels diese Knechtung nur als &#8222;Rest&#8220; von dem Kapitalismus vorhergehenden Gesellschaften betrachtet. Die wirtschaftlichen Grundlagen der Monogamie und somit der Knechtung der Frauen seien f&#252;r die proletarische Klasse bereits jetzt verschwunden. Zusammengefasst gibt es so wenig Probleme, dass, nachdem die gesellschaftliche Umw&#228;lzung stattgefunden hat, die Monogamie endlich zu einer wahren Wirklichkeit werden wird. Der nat&#252;rliche Charakter von dem, was der Mann und die Frau und ihr Verh&#228;ltnis sind, wird endlich freien Lauf haben k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist bemerkenswert, dass jene Tatsachen, welchen Engels und Marx f&#228;hig sind, Rechnung zu tragen, wenn es darum geht, wirtschaftliche Beziehungen zu analysieren oder eine gesellschaftliche Wirklichkeit zu beschreiben, ausserhalb ihres theoretischen Feldes sind, wenn es spezifisch um die Frage der Definition und der Beziehung zwischen den Geschlechtern geht. Es ist die &#8222;gesellschaftliche Umw&#228;lzung&#8220;, so wie sie f&#252;r sie und ihre Epoche ist, welche diese Erblindung hervorbringt. Jegliche Entwicklung nach der Revolution ist nur noch eine Sache der Br&#228;uche und Mentalit&#228;ten, ein Terrain, auf welchem sich Engels explizit nicht verirren will (S. 83).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gem&#228;ss Kollontai liegt dort ein Problem, das sie nur aus der Perspektive der Br&#228;uche und der Mentalit&#228;ten angeht. Sie erkennt, &lt;i&gt;aus Erfahrung&lt;/i&gt; (die russische Revolution), dass diese Problematik von Engels (von Bebel wieder aufgenommen) in der gesellschaftlichen Umw&#228;lzung nicht von allein zum Ergebnis der Emanzipation der Frauen f&#252;hrt, doch sie versucht auf der Basis der Grenze dieser Perspektive sie zu &#252;berwinden. Die wirtschaftliche Basis, betrachtet als Monogamie im Rahmen des Privateigentums, einmal beseitigt, muss, was danach kommt, Sache der Br&#228;uche und Mentalit&#228;ten sein, es ist der einzige Weg, welcher die Problematik offen liess, um ihre eigene Mangelhaftigkeit zu verstehen als diese, nach der Revolution sowohl praktisch wie theoretisch, erschien (f&#252;r eine Kritik dieser Abs&#228;tze von Engels kann man auch den Artikel von Christine Delphy lesen: &lt;i&gt;La r&#233;ponse de la berg&#232;re &#224; Engels&lt;/i&gt; in &lt;i&gt;L'ennemi principal&lt;/i&gt;, Bd. 2, S. 165).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Anhang 2: Mittelalter und fr&#252;he Neuzeit oder der Haushalt als Produktions- und Reproduktionseinheit&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Illusion der Existenz oder des Fortbestands einer Haushaltsproduktionsweise hat die b&#228;uerliche Kleinproduktion zur Grundlage, welche aus dem Zerfall der feudalen Produktionsweise im &#220;bergang zum Kapitalismus und aus ihrer Wahrung/Zerst&#246;rung w&#228;hrend dieses &#220;bergangs resultiert. Doch ihre Existenz als Produktionsweise ist nur eine Illusion, die auf der relativ langen Fortdauer dieser Art der Produktionseinheit (variabel je nach Land und besonders lange in Frankreich) basiert, welche jedoch nie die Eigenschaften einer Produktionsweise erlangt. Wir kannten nie Gesellschaften, welche durch Tauschbeziehungen zwischen autonomen patriarchalen Produktionseinheiten (b&#228;uerlich oder handwerklich) in Bezug auf die Aneignung der Mehrarbeit in ihnen durch das Familienoberhaupt organisiert waren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Im Laufe des 19. Jahrhunderts entstand eine neue Geschlechterteilung (die Hausfrau, AdA) oder es wurde der Teilung der Menschheit in Geschlechter eher ein neuer Inhalt gegeben. Diese Teilung ist immer noch hierarchisch, sie st&#252;tzt sich allerdings nicht mehr nur auf die Hierarchie: Sie st&#252;tzt sich auf eine tats&#228;chliche Arbeitsteilung, eine Teilung die w&#228;hrend der vor der Industrialisierung dominierenden vollst&#228;ndigen Haushaltsproduktionsweise (Bauer, Handwerker, H&#228;ndler) unbekannt war, eine Produktionsweise, die nur Untere und Obere kennt, welche in Wirklichkeit die gleichen Aufgaben &#252;bernehmen.&#8220; (Delphy) Man findet die gleiche Pr&#228;sentation der Dinge in der Brosch&#252;re von Incendo wieder (S. 13).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann &lt;i&gt;die Gleichheit der Aufgaben&lt;/i&gt; hinterfragen, sie sind faktisch immer spezifiziert nach Geschlechterrolle. Doch das wichtigste ist der gesellschaftliche Mythos, auf welchem die historische Erz&#228;hlung von Christine Delphy aufgebaut ist: &#8222;die vollst&#228;ndige Haushaltsproduktionsweise&#8220;. Die T&#228;tigkeit der M&#228;dchen und dann der Frauen in der armen Bauernklasse und sogar im urbanen Handwerkermilieu des 16. Jahrhunderts und dem Ende des 18. Jahrhunderts beschr&#228;nkt sich nie auf den famili&#228;ren &#8222;Bereich&#8220;. In England und in Frankreich, zwischen dem Alter von zehn Jahren und der Heirat (ungef&#228;hr im 25. Altersjahr), gehen 80% aller M&#228;dchen vom Lande woanders arbeiten, vermieten sich an andere H&#246;fe f&#252;r die Saison oder vollzeitlich. Sie machen auch einen wesentlichen Anteil der Arbeitskraft in den Manufakturen und der verstreuten Industrie aus. Sogar wenn sie einmal verheiratet sind, arbeiten sie h&#228;ufig weiterhin ausserhalb des &#8222;famili&#228;ren Bereichs&#8220;. In England im 16. Jahrhundert verlangen die Anf&#228;nge der Industrialisierung auf dem Land weibliche Arbeitskraft, noch vor der Einf&#252;hrung der Maschinen. Faktisch ist die weibliche T&#228;tigkeit nie dem Mythos der &#8222;vollst&#228;ndigen Haushaltsproduktionsweise&#8220; untergeordnet. Freilich wird das weibliche Einkommen mehr oder weniger vollst&#228;ndig von den M&#228;nnern in Beschlag genommen (h&#228;ufig dient die Arbeit vor der Heirat dazu, eine Mitgift zusammenzustellen), doch die weibliche T&#228;tigkeit ist immer gemischt (das sagt auch Delphy). Die &#8222;vollst&#228;ndige Haushaltsproduktionsweise&#8220; hat nie existiert (zu all diesen historischen Fragen zur weiblichen Arbeit, siehe &lt;i&gt;Histoire des femmes en Occident&lt;/i&gt;, Bd.3 &lt;i&gt;XVI&#232;me &#8211; XVIII&#232;me si&#232;cles&lt;/i&gt;, S. 27-57).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Bereich des Haushalts und sein Unterhalt als weiblicher Bereich und die Rolle der Frau als Mutter ist ebenfalls f&#252;r diese ganze pr&#228;industrielle Periode bewiesen, sowohl im Westen als auch im 16. Jahrhundert im osmanischen Reich. F&#252;r weiter zur&#252;ck reichende Perioden kann man auf die R&#252;ckkehr von Odysseus nach Ithaka oder die Frauenfeindlichkeit von Hesiod in &lt;i&gt;Werke und Tage&lt;/i&gt; verweisen. Statt uns zeitlich zu entfernen, entfernen wir uns r&#228;umlich f&#252;r diese Welten, wo die vollst&#228;ndige Haushaltsproduktionsweise, f&#252;r die H&#228;lfte der Menschheit sagt Delphy, noch existiere, um festzustellen, dass sie genauso wenig in den aktuellen Gesellschaften existiert wie zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert in Europa (siehe die Aufteilung der Gegend in einem Dorf der Savanne; die H&#228;ndlerrolle der Frauen in Westafrika; die geschlechterrollenbezogene Geschichte der Kulturen vor der Kolonialisierung und nach dieser, jene des Kaffees und schliesslich jene des &#220;bergangs zum Lebensmittelanbau &#8211; zu ihren Lasten, genau wie die agroforstlichen Praktiken vor der Kolonialisierung und der Einf&#252;hrung des Kaffees &#8211; im Land der Bamileke in Kamerun, welche stets vom Besitz der Frauen und somit der Anzahl Kinder als Zeichen gesellschaftlichen Erfolgs begleitet ist, in &lt;i&gt;Afrique des r&#233;seaux et mondialisation&lt;/i&gt;, Ed. Karthala S. 99f).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Also keine vollst&#228;ndige Haushaltsproduktionsweise (wenn es keine &#8222;vollst&#228;ndige&#8220; gibt, gibt es auch keine &#8222;gemischte&#8220;), doch das Aufkommen Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts des &#8222;Haushalts&#8220; und der getrennten Sph&#228;ren steht in Verbindung mit dem Aufkommen der Zivilgesellschaft, welche &#246;ffentlich und privat unterscheiden und versuchen muss, eine Gleichwertigkeit zwischen Sph&#228;ren und Geschlechtern zu herzustellen. Das &#8222;Privatleben&#8220; ist eine relativ neue Idee. In Frankreich vollendet der Code civil (er erkl&#228;rt nat&#252;rlich eine bestehende Situation f&#252;r rechtsg&#252;ltig, doch gleichzeitig erschafft er sie, verfestigt sie und gibt ihr die Form eines juristischen Zwangs) die klare Trennung der Bereiche: die Familie, das Haus auf der einen Seite mit dem Geld, der Gesundheit, der Bildung, dem Sex, welche dazugeh&#246;ren; der Staat, die Institutionen, die Beh&#246;rden auf der anderen, samt der Arbeit, welche mit der Verallgemeinerung der Lohnarbeit Teil des &#246;ffentlichen Bereichs wird. Man kann gar, zur Belustigung, noch weitergehen: jedem sein Bett, jedem sein Zimmer und danke f&#252;r das Schliessen der T&#252;re des Badzimmers und des Klos (eine Mise en abyme des privaten im privaten).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch man darf dieses ideologische Werk der gesellschaftlichen Repr&#228;sentation und Organisation, welches ihre eigene Effizienz hat, nicht mit den wirtschaftlichen T&#228;tigkeiten verwechseln, wo die &#8222;Sph&#228;ren&#8220; sich verschlingen und &#252;berdecken. Es ist schwierig, mit Delphy und Incendo einzur&#228;umen, dass die &#8222;Spezialaufgabe&#8220; der Frau (Mutter, Unterhalt des Haushalts) erst im 19. Jahrhundert aufkommt. Im 19. Jahrhundert kommt die Autonomisierung dieser &#8222;Spezialaufgabe&#8220; auf, nicht die Idee oder die Tatsache, sie ist gleichbedeutend mit ihrer Formalisierung in einer neuen, dichteren Formulierung des &#214;ffentlichen und des Privaten, es ist auch gleichbedeutend mit der Erschaffung eines weiblichen Ideals. Es wird ein nur in der Bourgeoisie verwirklichtes Ideal bleiben, wie das auch Delphy selbst sagt. Man kann nicht sagen, dass &#8222;der Teilung der Menschheit in Geschlechter ein neuer Inhalt gegeben&#8220; worden ist. &#8222;Die Spezialaufgabe&#8220; und sogar die &#8222;Privatsph&#228;re&#8220; sind seit der Antike und sogar in diversen Formen der Gemeinschaften auffindbar. Diese &#8222;Spezialaufgabe&#8220; wurde in den kontinuierlichen Fluss der Arbeit eingebettet und musste sich in ihn integrieren. Die grosse Neuheit der Lohnarbeit (die nur mit grossen Schwierigkeiten der Arbeitskraft aufgezwungen werden kann) ist die Arbeitszeit als besondere fixe Abgrenzung und der Arbeitsplatz als spezifischer und getrennter Ort (siehe alle anf&#228;nglichen Schwierigkeiten des Kapitals, die Disziplin der Manufaktur durchzusetzen, die ber&#252;hmten Mauern der Manufakturen und der Fabriken wurden anf&#228;nglich errichtet, um die Leute daran zu hindern, sie zu verlassen, nicht sie daran zu hindern, hineinzukommen, siehe Le Goff, &lt;i&gt;Du silence &#224; la parole&lt;/i&gt;). Die &#8222;Spezialaufgabe&#8220; wird somit materiell &#8222;speziell&#8220; mit einer besonderen Zeit und einem besonderen Ort. Zeit und Ort, die derartig besonders sind, dass man im 17. Jahrhundert das Aufkommen der Praxis, die Kinder einer Amme zu geben, beobachten kann, sogar im gemeinen Volk (die Arbeiter) der St&#228;dte, wenn der Arbeitsplatz es nicht erlaubt, den S&#228;ugling in einer Ecke der Werkstatt zu lassen (was noch h&#228;ufig der Fall war in den etlichen Werkst&#228;tten Anfang des 20. Jahrhunderts). Man darf diese &#8222;Spezialaufgabe&#8220; (Delphy) nicht mit dem Aufkommen der Mutterliebe Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts verwechseln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#8222;vollst&#228;ndige Haushaltsproduktionsweise&#8220;, wie sie Delphy definiert, sowie der &#8222;Haushalt&#8220; von Incendo haben nie als Produktionsweise existiert, erstens, sogar wenn man die Existenz des so bezeichneten Ph&#228;nomens annimmt, war diese Produktionsweise nie die Grundlage einer Produktionsweise, es ist immer Teil eines Klassenverh&#228;ltnisses, in welchem der Nicht-Arbeiter (der Ehemann als Vater und als Boss ist nicht Nicht-Arbeiter) existiert, und, zweitens, hat das, was dieses Konzept formalisieren soll, nie derartig massiv existiert. Die Frauen gingen immer und &#252;berall woanders hin, um sich gegen Bezahlung ausbeuten zu lassen (oder arbeiteten selbstst&#228;ndig).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt immer irgendwo, was auch immer seine Form sein mag, einen Nicht-Arbeiter und es handelt sich nicht einfach um eine Aneinanderreihung von h&#228;uslichen Einheiten, die selbst nie autark sind (das System des Erst-/Letztgeborenen k&#246;nnte jenes System sein, welches dem &lt;i&gt;am n&#228;chsten&lt;/i&gt; kommt: Aneignung der Arbeit der Frauen durch alle M&#228;nner mit der Zirkulation der Ehefrauen und den entsprechenden G&#252;tern, doch in einem extrem hierarchiesierten System betreffend Landbesitz und gewisser Produkte, die als Gegenwert dienen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann zudem anf&#252;gen, dass im 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts, selbst neben den vielen Frauen, die zu Beginn des Maschinenbetriebs komplett vom Kapitalismus erfasst wurden, in den l&#228;ndlichen Gebieten die Zirkulation der Frauen und vor allem der jungen M&#228;dchen zwischen der famili&#228;ren Ausbeutung und der industriellen Anstellung oder zwischen dieser Ausbeutung und der saisonalen Vermietung an eine andere Ausbeutung (h&#228;ufig sogar in einer anderen Region) besonders intensiv ist. Die bewegte und anz&#252;gliche Erinnerung der jungen Frauen der Ard&#232;che dieser Zeit f&#252;hrte dazu, dass in Les Vign&#232;res, ein Weiler im Vaucluse, die Hauptstrasse &#8222;rue des Vendangeuses&#8220; (&#8222;Weinleserinnenstrasse&#8220;) heisst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=11934&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://www.kommunisierung.net/Kapitalismus-Gender-und&#034;&gt;Text von Incendo&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb7-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Erste Hand: &#8222;Der Kampf gegen das Patriarchat zuerst!&#8220;&lt;br class='autobr' /&gt;
Zweite Hand: &#8222;Es ist wichtiger, das Kapital zu zerst&#246;ren!&#8220;&lt;br class='autobr' /&gt;
Letzte Hand: &#8222;Statt gegen das Patriarchat oder gegen den Kapitalismus zu k&#228;mpfen, w&#252;rden wir besser f&#252;r den Kommunismus k&#228;mpfen, das w&#228;re einfacher, oder nicht?&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Incendo - Kapitalismus, Gender und Kommunismus</title>
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&lt;p&gt;Das Vorwort und der Text sind der Zeitschrift Incendo entnommen, eine Zeitschrift aus Avignon. Letztes Jahr erschien eine Sondernummer zum Thema Gender und Klassen. &lt;br class='autobr' /&gt;
Vorwort &lt;br class='autobr' /&gt;
Erste Hand: &#8222;Der Kampf gegen das Patriarchat* zuerst!&#8220; &lt;br class='autobr' /&gt;
Zweite Hand: &#8222;Es ist wichtiger, das Kapital zu zerst&#246;ren!&#8220; &lt;br class='autobr' /&gt;
Letzte Hand: &#8222;Statt gegen das Patriarchat oder gegen den Kapitalismus zu k&#228;mpfen, w&#252;rden wir besser f&#252;r den Kommunismus* k&#228;mpfen, das w&#228;re einfacher, oder nicht?&#8220; &lt;br class='autobr' /&gt;
Gesehen auf der Mauer im Klo eines (...)&lt;/p&gt;


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 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/incendo-genresclasses-238x300.jpg?1689552088' class='spip_logo spip_logo_right' width='119' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Das Vorwort und der Text sind der Zeitschrift &lt;i&gt;Incendo&lt;/i&gt; entnommen, eine Zeitschrift aus Avignon. Letztes Jahr erschien eine Sondernummer zum Thema Gender und Klassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Vorwort&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Erste Hand: &#8222;Der Kampf gegen das Patriarchat* zuerst!&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zweite Hand: &#8222;Es ist wichtiger, das Kapital zu zerst&#246;ren!&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Letzte Hand: &#8222;Statt gegen das Patriarchat oder gegen den Kapitalismus zu k&#228;mpfen, w&#252;rden wir besser f&#252;r den Kommunismus* k&#228;mpfen, das w&#228;re einfacher, oder nicht?&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gesehen auf der Mauer im Klo eines Squats in Avignon 2007.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige werden sich fragen, was uns dazu brachte, eine Spezialnummer den Verbindungen zwischen dem Verh&#228;ltnis M&#228;nner/Frauen* (oder Genderfragen*&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Sterne verweisen auf die Begriffserkl&#228;rungen.&#034; id=&#034;nh8-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, oder geschlechtliche Differenzierung*) und den Klassenverh&#228;ltnissen, zwischen M&#228;nnerherrschaft* und Kapitalismus zu widmen, ein eher kniffliges Thema. Die Erkl&#228;rung liegt in den lebendigen und konfliktreichen Diskussionen &#252;ber die Unterdr&#252;ckung der Frauen, welche eine Zeit lang die Gruppe der Zeitschrift (wo die Frauen zur Zeit in der Minderheit sind) besch&#228;ftigten. Vereinfacht k&#246;nnte man sagen, dass jene, f&#252;r welche der Klassenkampf* priorit&#228;r ist gegen jene stehen, welche denken, dass die Genderfragen sichtbar gemacht und somit voran gestellt werden m&#252;ssen. Diese Spaltung, welche manchmal in gegenseitiger Ignoranz gipfelt, haben wir in etlichen anderen Umst&#228;nden angetroffen und sie scheint ziemlich verbreitet zu sein. Einerseits klammern viele &#8222;klassenk&#228;mpferische&#8220; Theoretiker, Aktivisten und andere Engagierte Genderfragen und Probleme der M&#228;nnerherrschaft aus, betrachten sie &lt;i&gt;im besten Fall&lt;/i&gt; als sekund&#228;r und als automatisch gel&#246;st in einer unvermeidlich rosigen Zukunft. Andererseits interessieren sich viele Feministinnen* kaum, nur formell oder &#252;berhaupt nicht f&#252;r den Klassenkampf. Wir waren grunds&#228;tzlich nicht zufrieden mit den uns bekannten Positionen (die relevanten Texte und Analysen, mehrheitlich aus den 1970er Jahren, schienen uns etwas veraltet) und unsere Unkenntnis der gegenw&#228;rtigen M&#228;nnerherrschaft, jenseits von Aktivistenklischees, war offenkundig. Aus unseren ersten Fragen folgte eine beeindruckende Serie weiterer Fragen zum Verh&#228;ltnis zur kapitalistischen Produktionsweise: Welche Verbindungen zwischen Gender und Klassen*? Zwischen Patriarchat und Kapitalismus? Handelt es sich um zwei unterschiedliche Systeme? Hat das eine das andere hervorgebracht? Hat das eine das andere &lt;i&gt;absorbiert&lt;/i&gt; (integriert)? Sind die Geschlechterrollen Klassen? Kann der Kapitalismus die Geschlechterrollen aufheben? Usw.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wichtig f&#252;r uns war es, eine Analyse des Verh&#228;ltnisses zwischen Gender und Klassen in der heutigen Zeit zu wagen, insbesondere zu analysieren, wie sich dieses Verh&#228;ltnis seit den 1970er Jahren entwickelt hat und was diese Entwicklung bedeutet. Es ist offensichtlich, dass die M&#228;nnerherrschaft immer noch pr&#228;sent ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wir erstellen keine Bilanz der &#8222;Ungleichheiten&#8220; zwischen M&#228;nnern und (...)&#034; id=&#034;nh8-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Was weniger offensichtlich ist, ist ihr eventuelles Verschwinden. Kann man sie zerst&#246;ren? Wie? Was k&#246;nnen die Rolle und der Einfluss der &#8222;Revolution&#228;re&#8220; in diesem Verschwinden sein? Ist eine spezifische &#8222;antipatriarchale&#8220; Aktion notwendig? Frauen unter sich? Usw. Es handelt sich f&#252;r uns nicht um ein kleines intellektuelles Spiel, denn, wenn diese Fragen in einer revolution&#228;ren Perspektive von Bedeutung sind, dann haben sie auch einen Einfluss auf unsere allt&#228;gliche Praxis.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sind schnell zum Schluss gekommen, dass es unm&#246;glich ist (jenseits einer ethischen Position, die sich gegen jegliche Unterdr&#252;ckung richtet), die Genderfrage in einer revolution&#228;ren Perspektive auszuklammern. Einerseits weil die geschlechtliche Differenzierung (d.h. die Aufteilung der Aufgaben nach Geschlecht oder Geschlechterrolle, die erste Arbeitsteilung), die einiges &#228;lter ist als der Kapitalismus, mit diesem unzertrennbar verbunden ist. Andererseits weil eine Gesellschaft, in welcher Formen der Hierarchie oder der gesellschaftlichen Herrschaft fortbestehen, wohl kaum als Kommunismus qualifiziert werden k&#246;nnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit dieser Spezialnummer &#8222;Gender und Klassen&#8220; geht es f&#252;r uns darum, am Ende einer ersten Etappe der (stets lebendigen und konfliktreichen) Diskussionen unsere &#220;berlegungen im jetzigen Zustand zu pr&#228;sentieren. Da wir uns ihrer Bescheidenheit und ihres unvollendeten Charakters bewusst sind, liefern wir sie als Sammlung von Notizen und Denkanst&#246;ssen, um zur Debatte beizutragen. Wir h&#228;tten gerne auch andere Aspekte dieser Frage ber&#252;cksichtigt, wie die Familie, die Arbeiterinnenstreiks und der Platz der Frauen w&#228;hrend K&#228;mpfen, die geschlechtliche Differenzierung in anderen Regionen der Welt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wir sind uns bewusst, dass unsere &#220;berlegungen nur die westliche (...)&#034; id=&#034;nh8-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, die Sexualit&#228;t und die sexuellen Identit&#228;ten (ein zentrales Problem), das Verh&#228;ltnis zum K&#246;rper, seine Aneignung* durch die Medizin, Feminismus und Islam, das Verh&#228;ltnis zum Recht, usw. Was uns nat&#252;rlich antreibt, weiter zu machen, unsere &#220;berlegungen weiter zu entwickeln und eure Reaktionen, Kritiken und Beitr&#228;ge, die ihr uns sicher zukommen lassen werdet, zu ber&#252;cksichtigen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In maximal 140 Zeichen.&#034; id=&#034;nh8-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bande von Incendo&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Kapitalismus, Gender und Kommunismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Generalaufstand, der die M&#228;nner und die Frauen zerst&#246;ren wird&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Text pr&#228;sentiert den aktuellen Stand unserer Reflexionen &#252;ber die Frage des Verh&#228;ltnisses zwischen Gender und Klassen. Er ist auch ein Versuch der Synthese der anderen Artikel und Texte dieser Nummer von &lt;i&gt;Incendo&lt;/i&gt;. Er ist also weder starr, noch definitiv und als Beitrag zu einer notwendigen Debatte zu betrachten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Einige geschichtliche Anhaltspunkte&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Urspr&#252;nge&lt;/strong&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r dieses Kapitel, siehe Christophe Darmangeat, Le communisme primitif (...)&#034; id=&#034;nh8-5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die geschlechtliche Differenzierung charakterisiert, so scheint es, alle Gesellschaften, welche existieren oder existierten. Sie impliziert notwendigerweise eine Zuweisung der Individuen an eine bestimmte gesellschaftliche Rolle, doch mit variablen &#8222;Graden&#8220; der M&#228;nnerherrschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist kaum m&#246;glich, die Erscheinung dieser geschlechtlichen Differenzierung genau historisch zu situieren oder zu erkl&#228;ren, vermutlich geht sie auf die Urgeschichte zur&#252;ck. Die Mutterschaft und ihre Zw&#228;nge werden allgemein als Erkl&#228;rung f&#252;r den Ursprung der geschlechtlichen Differenzierung vorgebracht. Gem&#228;ss diesen Hypothesen hinderte die Schwangerschaft und das Stillen die &#8222;Frauen&#8220; daran, voll an den anderen Aktivit&#228;ten der Gruppe teilzunehmen, beispielsweise an der Jagd. Der Schutz der schwangeren Frauen (der f&#252;r das &#220;berleben der Gruppe lebensnotwendig ist) soll sich zu einem &#8222;Schutz&#8220; der Frauen aufgrund ihrer &lt;i&gt;potentiellen&lt;/i&gt; reproduktiven* F&#228;higkeit entwickelt haben. Doch das erkl&#228;rt uns nicht das Aufkommen der Gruppe der Frauen, was bedeutet, diese Gruppe als eine nat&#252;rliche Einheit zu betrachten. Ebenso wird die Schwangerschaft als nat&#252;rliches Ph&#228;nomen betrachtet, und nicht als gesellschaftlich organisierter Prozess. Die geschlechtliche Differenzierung, welche in allen bekannten Gesellschaften existiert, hat in den Urgesellschaften diverse Formen angenommen. Obwohl die M&#228;nner in allen F&#228;llen das Monopol auf die Waffen und die politische Macht inne haben, bedeutet das nicht automatisch eine totale M&#228;nnerherrschaft (diese wird manchmal durch die wirtschaftliche Macht der Frauen ausgeglichen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gem&#228;ss Friedrich Engels, dessen Thesen einen grossen Einfluss auf die sozialistische Bewegung hatten, hat die M&#228;nnerherrschaft ihren Ursprung im Aufkommen des Privateigentums (die Sesshaftigkeit und die Landwirtschaft erlauben die Bildung von aneigenbaren Mehrertr&#228;gen). Die Entdeckungen der Ethnologie stellen diese Sichtweise jedoch in Frage, denn man findet Formen der M&#228;nnerherrschaft in gewissen Urgesellschaften (einschliesslich bei den J&#228;gern und Sammlern), die allerdings wirtschaftlich egalit&#228;r sind (d.h. sie kennen keinen Reichtum und keine Armut).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotzdem bewirkt das Aufkommen (wirtschaftlich) nicht-egalit&#228;rer Gesellschaften eine Verst&#228;rkung der M&#228;nnerherrschaft. In gewissen Gesellschaften, wo die Macht (mehr oder weniger) geteilt wurde, sind die M&#228;nner danach bevorteilt. Durch das Aufkommen des Privateigentums entsteht das Bed&#252;rfnis, das Erbe und die Abstammung abzusichern; daher die Notwendigkeit, die Reproduktion durch die Kontrolle des Bauches der Frau zu organisieren. Das &#228;ussert sich durch ihre Aneignung (wie Vieh) durch den Vater oder den Ehemann, durch die Familie und die Heirat. Wenn auch die Hierarchie zwischen M&#228;nnern und Frauen je nach Organisation der Gesellschaft variabel ist, so wird jedoch die M&#228;nnerherrschaft sehr klar mit dem Aufkommen der Klassengesellschaften.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Verlauf der Jahrtausende und in der Mehrheit der Gesellschaften institutionalisiert sich (Staat, Recht, Religion, Politik etc.) diese M&#228;nnerherrschaft in verschiedenen Formen, um den Fortbestand und die Stabilit&#228;t zu garantieren. Die Familie ist ein wesentliches Element, denn sie erlaubt die Abstammung/Nachkommenschaft und die Weitergabe des Erbes (welches lange prinzipiell aus Grundbesitz bestand) und somit, eine gewisse gesellschaftliche Stabilit&#228;t zu garantieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe zum Beispiel Sabine Melchior-Bonnet et Catherine Salles (Hg.), (...)&#034; id=&#034;nh8-6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In diesem Sinne kann man von Patriarchat oder patriarchaler Gesellschaft sprechen (&lt;i&gt;institutionalisierte&lt;/i&gt; Macht des Mannes als Familienoberhaupt).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Mittelalter und fr&#252;he Neuzeit&lt;/strong&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe in dieser Nummer den Artikel zur Hausarbeit, S. 47.&#034; id=&#034;nh8-7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend dieser Periode ist die Bev&#246;lkerung mehrheitlich l&#228;ndlich und b&#228;uerlich. Der Haushalt (welcher der Familie entspricht) ist zu dieser Zeit eine Einheit der Produktion &lt;i&gt;und&lt;/i&gt; der Reproduktion.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Frauen nehmen an den landwirtschaftlichen T&#228;tigkeiten teil, entweder alleine (zum Beispiel im Gem&#252;segarten) oder mit den M&#228;nnern. Ihre Aufgaben werden nicht notwendigerweise abgewertet, denn sie sind genauso wichtig f&#252;r das &#220;berleben und die Produktion (prinzipiell f&#252;r den Familienkonsum und den Unterhalt des Adels und der Geistlichkeit bestimmt). Die von den Frauen realisierten Aufgaben, welche man heute als &#8222;Haushaltsaufgaben&#8220; (K&#252;che, Waschen, Putzen) qualifizieren w&#252;rde, sind noch sehr beschr&#228;nkt und nicht getrennt von den anderen T&#228;tigkeiten. Die Kindererziehung (ein Begriff, der erst am Ende des 18. Jahrhunderts aufkommt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Philippe Ari&#232;s, L'Enfant et la vie familiale sous l'Ancien R&#233;gime, (...)&#034; id=&#034;nh8-8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) war ebenfalls sehr d&#252;rftig. Obwohl die Frauen die Meisterinnen im Haus sind, sind die M&#228;nner die Familienoberh&#228;upter (einer meistens sehr grossen Familie) mit sehr viel Macht. Die Sicht einer sehr d&#252;steren Zeit, die besonders durch eine tief frauenfeindliche Religion gekennzeichnet ist (die Frauen als teuflische, seelenlose Wesen; Hexenjagd etc.), muss scheinbar nuanciert werden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe zum Beispiel Jacques Le Goff, &#171; Le christianisme a lib&#233;r&#233; les femmes (...)&#034; id=&#034;nh8-9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es muss auch gesagt werden, dass die Frauen sehr aktiv sind (h&#228;ufig in den ersten Reihen) in den K&#228;mpfen, den Hungeraufst&#228;nden, den Brotk&#228;mpfen, welche die fr&#252;hneuzeitliche Periode kennzeichnen und in den Jahren 1789-1795 ihren H&#246;hepunkt erreichen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;19. Jahrhundert&lt;/strong&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zu diesem Thema siehe den Artikel zur Reproduktion der Arbeitskraft im 19. (...)&#034; id=&#034;nh8-10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Machtergreifung der Bourgeoisie bedeutet zuerst einmal eine Verschlechterung der Situation der Frauen. Etwas sp&#228;ter f&#252;hrt der Code Napol&#233;on (1804) ihre Minderwertigkeit sowie eine veritable Segregation ein: die Frauen haben fast kein Recht, ausser jenes, den M&#228;nnern (ihrem Vater oder ihrem Mann) zu gehorchen, und sie werden als minderj&#228;hrig betrachtet (und das bis 1965!)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Literatur und die Wissenschaft jener Zeit pr&#228;sentieren sie mehrheitlich als minderwertige Wesen, die intellektuell und k&#246;rperlich unf&#228;hig sind, etwas anderes zu tun als sich um Kinder und den Haushalt zu k&#252;mmern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gleichwohl erlaubt die neue egalitaristische b&#252;rgerliche Ideologie (besonders mit der Menschen- und B&#252;rgerrechtserkl&#228;rung) die &lt;i&gt;Vorstellung&lt;/i&gt; einer formellen Gleichheit zwischen M&#228;nnern und Frauen, eine zuvor unm&#246;gliche Hypothese. Die Ideologie der kapitalistischen Klasse (die sich entwickeln wird) wird logischerweise die vorherrschende Ideologie, was ihr die Absicherung ihrer Position und die Verewigung des Systems erlaubt: Freiheit, Demokratismus, Arbeitswert, Erfolg, Wettbewerb, Individualismus etc. Der kapitalistische Wurm steckt in der patriarchalen Frucht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts erschafft, indem sie den Arbeitern die Produktions- und Selbsterhaltungsmittel entwendet, eine wirkliche Trennung zwischen dem Ort der Produktion (Lohnarbeit/Fabrik/M&#228;nner) und dem Ort der Reproduktion (Haushalt/Frau). Die &#246;ffentliche (m&#228;nnliche) und die private (weibliche) Sph&#228;re* entstehen. Das ist eine grosse Neuheit, welche das Verh&#228;ltnis zwischen M&#228;nnern und Frauen komplett neu organisieren wird&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es gilt zu beachten, dass die &#246;ffentliche Sph&#228;re nicht nur was mit der (...)&#034; id=&#034;nh8-11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der expandierende Kapitalismus* st&#252;tzt sich auf existierende Strukturen, besonders auf das Patriarchat&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es ist nur der Einfachheit oder der Faulheit halber, dass wir manchmal (...)&#034; id=&#034;nh8-12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In einer ersten Phase wird die billige (maximal 50% eines M&#228;nnerlohns) weibliche und kindliche Arbeitskraft von den Ausbeutern massiv eingesetzt. Doch in der Mitte des Jahrhunderts sahen die hellsichtigsten Elemente der kapitalistischen Klasse darin das Risiko einer k&#246;rperlichen und moralischen &#8222;Degeneration&#8220; der zuk&#252;nftigen Proletarier* (die Arbeits- und Lebensbedingungen sind so hart, dass die Mehrheit der jungen Arbeiter vom Milit&#228;rdienst dispensiert werden wegen zu geringer Gr&#246;sse, Missbildungen, Krankheiten usw.). Ein Teil der Arbeiterinnen wird also in die Haushalte zur&#252;ckgeschickt, um eine wirkliche Reproduktion der Arbeitskraft*&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Reproduktion der Arbeitskraft beinhaltet die allt&#228;gliche Reproduktion (...)&#034; id=&#034;nh8-13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; zu garantieren (Gesetz zur Regelung der Frauen- und Kinderarbeit): Das bedeutet die Geburt der Hausarbeit. Es ist nicht &#252;berraschend, dass diese Rolle den Frauen zuf&#228;llt, denn der Kapitalismus hat sich auf pr&#228;existierende Organisations- und Herrschaftsweisen gest&#252;tzt, in diesem Fall das Patriarchat, nicht ohne diese jedoch zu ver&#228;ndern. Nachdem die traditionelle Familie auf den Kopf gestellt und die Vaterfigur entstellt wurde (bei den Proletariern durch die Arbeit in der Fabrik), wird das b&#252;rgerliche Familienmodell gepriesen: Entstehung der privaten Sph&#228;re (welche mit den Frauen assoziiert wird), also der Intimit&#228;t, St&#228;rkung des Begriffs des Kindes (und der Mutterliebe), sogenannte Liebesheirat, Autorit&#228;t des Familienoberhaupts, wachsendes Eindringen des Staates in den Prozess der Reproduktion der Arbeitskraft (Bildung, Medizin) usw. Diverse Elemente neuer sozialer Normen, die damals aufkamen und sich w&#228;hrend des gesamten 20. Jahrhunderts entwickeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Zweite H&#228;lfte des 20. Jahrhunderts&lt;/strong&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zu diesem Kapitel siehe den Artikel &#252;ber den MLF, S. 93.&#034; id=&#034;nh8-14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend des gesamten 20. Jahrhunderts ver&#228;ndert der Kapitalismus immer schneller die Gesellschaft und alle Aspekte des Lebens. Die zweite H&#228;lfte des Jahrhunderts, welche dem massiven Eintritt der Frauen in den Arbeitsmarkt und die Entwicklung der Konsumgesellschaft entspricht, ist die Zeit der wichtigsten Ver&#228;nderungen in den Verh&#228;ltnissen zwischen M&#228;nnern und Frauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der massive und direkte Eintritt der Frauen in die Lohnarbeit erlaubt ihnen, eine gewisse wirtschaftliche Unabh&#228;ngigkeit zu erlangen (gegen&#252;ber dem Ehemann oder dem Vater) w&#228;hrend sich progressiv die formelle Gleichheit aufdr&#228;ngt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;1944, Frauenstimmrecht; 1945, Abschaffung des Begriffs Frauenlohn; 1965, (...)&#034; id=&#034;nh8-15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Autorit&#228;t des Familienoberhaupts wird (einmal mehr) geschw&#228;cht, doch bleibt (immer noch) sehr pr&#228;gnant und die Frauen haben (immer noch) die Last der Hausarbeit, d.h. der Reproduktion der Arbeitskraft. Ihr Lohn, einiges tiefer als jener der M&#228;nner, ist nur ein Unterst&#252;tzungslohn. Diese Situation erscheint vielen als inakzeptabel und das &#246;ffnet den Weg f&#252;r die Frauenk&#228;mpfe der 1970er Jahre: Bewegung zur Frauenbefreiung (MLF&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ad&#220;: Der MLF entstand zwischen 1967 und 1970 und bestand grosso modo aus (...)&#034; id=&#034;nh8-16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;), Bewegung f&#252;r die Freiheit zur Abtreibung und Verh&#252;tung (MLAC&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ad&#220;: Der MLAC (Mouvement pour la libert&#233; de l'avortement et de la (...)&#034; id=&#034;nh8-17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) usw. Wie Engels sagte: &#8222;&lt;i&gt;[D]ie Art der Herstellung einer wirklichen gesellschaftlichen Gleichstellung beider [wird] erst dann in grelles Tageslicht treten, sobald beide juristisch vollkommen gleichberechtigt sind.&lt;/i&gt;&#8220; Die materiellen Existenzbedingungen der Frauen ver&#228;ndern sich drastisch; die Gesetze zur Verh&#252;tung und zur Abtreibung sind Zeichen daf&#252;r und Konsequenz davon. Diese Massnahmen versetzten dem Patriarchat fatale Schl&#228;ge, sie sind Teil (wie auch die feministischen K&#228;mpfe) eines Modernisierungsprozesses der kapitalistischen Produktionsweise in Frankreich, aber auch in anderen westlichen L&#228;ndern, wo &#228;hnliche Reformen umgesetzt werden. &lt;i&gt;Der Kapitalismus &#8222;befreit&#8220; die Frauen nicht umsonst.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser massive Eintritt der Frauen in die Lohnarbeit bedeutet auch ihre direkte und massive Beteiligung am Klassenkampf, in den Fabriken, aber auch im terti&#228;ren Sektor (Superm&#228;rkte, Banken), nicht mehr als Frauen von Proletariern, sondern als proletarische Frauen. Es ist ungen&#252;gend, sie in der kapitalistischen Produktionsweise als proletarisch zu situieren, es muss auch pr&#228;zisiert werden, dass sie Frauen sind. Die Modalit&#228;ten der Ausbeutung definieren die Modalit&#228;ten des Kampfes: Die &#8222;Brotaufst&#228;nde&#8220;, in welchen die &lt;i&gt;Hausfrauen&lt;/i&gt; eine zentrale Rolle spielen, machen den Streiks um Lohnerh&#246;hungen Platz (oder heute, euphemistisch, zur &#8222;Erh&#246;hung der Kaufkraft&#8220;), oder gar f&#252;r die Lohngleichheit, was nat&#252;rlich in beiden F&#228;llen die Bosse nicht freut&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe zum Beispiel den Film von Nigel Cole, We Want Sex Equality, (...)&#034; id=&#034;nh8-18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Das Aufkommen der Frauenstreiks (manchmal mit Besetzungen), w&#228;hrend welchen Genderfragen (Kinderbetreuung, Essenszubereitung usw.) auf den Tisch kommen, die in der Regel in gemischten K&#228;mpfen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe den Artikel zu den Frauen in den K&#228;mpfen, S. 147.&#034; id=&#034;nh8-19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; unter den Teppich gekehrt werden, sind bezeichnend f&#252;r die 1970er Jahre; die private Sph&#228;re ist davon ersch&#252;ttert worden. Unter dem Einfluss des allgemeinen Abflachens der Aktivit&#228;t der Proletarier w&#228;hrend dieser Periode (Krise, Arbeitslosigkeit, Restrukturierung) leiden danach auch die Frauenk&#228;mpfe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu Beginn der 1980er Jahre beg&#252;nstigen die Regierungen die Entwicklung der prek&#228;ren Teilzeitarbeit, welche besonders die Frauen betrifft, da sie eher an die Kinderbetreuung gew&#246;hnt sind (und einmal mehr handelt es sich nicht um Altruismus, sondern um Zwangsarbeit&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Sie erlaubt dem Staat unter anderem, die Kosten f&#252;r die kollektive (...)&#034; id=&#034;nh8-20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;). Diese Teilzeitvertr&#228;ge verbreiten sich im darauf folgenden Jahrzehnt immer mehr und betreffen immer h&#228;ufiger M&#228;nner (was erlaubt, die L&#246;hne zu senken, die Arbeitsbedingungen zu verschlechtern und Flexibilit&#228;t und Prekarit&#228;t einzurichten).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Jobs, welche mehrheitlich den Frauen vorbehalten sind, sind &#252;brigens sehr spezifisch und stehen in der Kontinuit&#228;t der Genderkonstruktionen (zum Beispiel in den Putzunternehmen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Sehr bezeichnendes Beispiel. In diesem Sektor wird den Frauen der (...)&#034; id=&#034;nh8-21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, in der Pflege, in der Kinderbetreuung &#8211; wenig anerkannte, und somit schlecht bezahlte Berufe).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Neue Probleme nehmen gr&#246;ssere Ausmasse an: doppelter Arbeitstag, Lohnunterschiede, Sexismus* und Unterdr&#252;ckung der Frauen am Arbeitsplatz.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die egalitaristische Ideologie hatte der Idee der Gleichheit zwischen M&#228;nnern und Frauen die T&#252;r ge&#246;ffnet. Es wird in dieser Periode zu einer &#8222;M&#246;glichkeit&#8220;, denn f&#252;r die kapitalistische Produktionsweise &#228;ndert theoretisch die Geschlechterrolle der Person, welche die Ware produziert, nichts an deren Wert (anonymer Arbeiter, abstrakte, geschlechtlich undifferenzierte menschliche Arbeit). Die Aufrechterhaltung einer (neu angeordneten) geschlechtlichen Differenzierung erlaubt es jedoch ebenfalls, die unmittelbaren Interessen der Kapitalisten zu befriedigen (gr&#246;ssere Spaltung der Proletarier, Konkurrenz, Lohnunterschiede usw.).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese &#8222;Befreiung&#8220; der Frauen durch die Lohnarbeit ist n&#228;mlich vor allem eine Antwort auf die Nachfrage an billiger Arbeitskraft und eine Methode, um den Konsum wieder anzukurbeln. Der Kapitalismus befreit die Frauen nur vom Patriarchat, um sie besser ausbeuten zu k&#246;nnen. Die feministischen K&#228;mpfe haben sicher auch dazu beigetragen, doch sie sind Teil dieses Prozesses; es ist nicht nur ein Kr&#228;fteverh&#228;ltnis, welches zu diesen Umw&#228;lzungen f&#252;hrte: Es ist das Kapital, welches die Formen der geschlechtlichen Differenzierung modifiziert hat, um sie dem Bedarf anzupassen. Die Ketten &#228;ndern ihre Form und kommen in andere H&#228;nde, von jenen der M&#228;nner zu jenen des Staates, und somit des Kapitalismus, eine strukturierende individuelle Aneignung wird zu einer kollektiven Aneignung&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zur Aneignung siehe Paola Tabet, La Construction sociale de l'in&#233;galit&#233; (...)&#034; id=&#034;nh8-22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Heute&lt;/strong&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zu diesem Kapitel siehe den Artikel zur Familie heute, S. 59.&#034; id=&#034;nh8-23&#034;&gt;23&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir erleben seit einigen Jahren schon einen Niedergang der klassischen Kernfamilie, welche nicht mehr das einzige Dispositiv zur Reproduktion der Arbeitskraft ist (mehr Scheidungen, alleinerziehende Eltern, Partnerwechsel, gesellschaftliche Akzeptanz homosexueller Paare, Adoption, In-vitro-Fertilisation usw.). Die traditionelle Heirat ist obsolet geworden. Doch das &lt;i&gt;Modell&lt;/i&gt; besteht fort und das Paar, welches das unerl&#228;ssliche Dispositiv zur Geburtenkontrolle bleibt, ist keine erstarrte Struktur mehr, es hat sich liberalisiert. Der Partnerwechsel in den Beziehungen ist viel h&#228;ufiger (die Monogamie wird in der Regel durch eine serielle Monogamie ersetzt). Die Fortdauer der Paarbeziehung kann haupts&#228;chlich mit den wirtschaftlichen Schwierigkeiten erkl&#228;rt werden, welche dazu dr&#228;ngen, sich zusammen zu tun, um ein Kind gross zu ziehen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-24&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ein einziger Lohn reicht kaum mit einem Kind. Im Vergleich zu den 1960er (...)&#034; id=&#034;nh8-24&#034;&gt;24&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Soziologen k&#246;nnen versuchen diese Situation zu erkl&#228;ren, es ist jedoch klar, dass die traditionelle Familie heute den gesellschaftlichen Entwicklungen nicht mehr gerecht wird; sie bremst zum Beispiel die Mobilit&#228;t der Arbeiter. Gleichwohl braucht der Staat immer noch eine Referenzstruktur zur Reproduktion der Arbeitskraft und, w&#228;hrend der Phase der Kindererziehung, zur Reproduktion der herrschenden Ideologie (es geht nicht darum Kinder zu machen, sondern zuk&#252;nftige Proletarier).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotz den Entwicklungen seit den 1970er Jahren sind es prinzipiell immer noch die Frauen, welche f&#252;r die Reproduktion der Arbeitskraft verantwortlich sind: D.h. f&#252;r die Ausf&#252;hrung der Hausarbeit und somit vor allem f&#252;r die Kindererziehung. Die Anzahl alleinerziehender Eltern (mehrheitlich M&#252;tter, welche ihre Kinder allein erziehen) zeigt, dass der Mann nicht mehr unerl&#228;sslich ist f&#252;r diese Aufgabe&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-25&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;1970 f&#252;hrte der Staat die ersten finanziellen Unterst&#252;tzungen f&#252;r (...)&#034; id=&#034;nh8-25&#034;&gt;25&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit der massiven Einbindung der Frauen in die Lohnarbeit verschwindet auch die Figur der Hausfrau, sie wird ersetzt durch die Figur der Arbeiterin oder der Arbeitslosen (die jedoch nach wie vor, doch auf unterschiedliche Art und Weise, die Hausarbeit ausf&#252;hren muss).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Fortbestand der Lohnungleichheit (weniger flagrant als im 19. Jahrhundert oder in den 1970er Jahren) kann unter anderem mit der Tatsache erkl&#228;rt werden, dass die Arbeitsstellen der Frauen immer noch mehrheitlich prek&#228;re, unqualifizierte Teilzeitjobs sind, die sich h&#228;ufig auf quasi-weibliche Sektoren (Unterhalt, Soziales, Gesundheit, Kinderbetreuung usw.) beschr&#228;nken und mit jener, dass die Mutterschaft die Entwicklung der Karriere bremst. Einige Sektoren sind heute mehr durchmischt als noch vor vierzig Jahren, w&#228;hrend in anderen dieser Prozess erst beginnt, manchmal nicht ohne Schwierigkeiten, auch in den ehemaligen M&#228;nnerbastionen der Polizei und der Armee&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-26&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Frankreich ist diesbez&#252;glich noch nicht sehr weit. Die amerikanischen (...)&#034; id=&#034;nh8-26&#034;&gt;26&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Wir erleben auch eine langsame, aber scheinbar unabwendbare Feminisierung der Macht- oder Prestigestellungen (es sei angemerkt, dass die Universit&#228;ten und Hochschulen sich seit den 1970er Jahren nur sehr langsam durchmischt haben)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-27&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die (vollst&#228;ndig) m&#228;nnlichen Sektoren tendieren dazu, sich auf einige (...)&#034; id=&#034;nh8-27&#034;&gt;27&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Andere Erscheinungsformen der M&#228;nnerherrschaft dauern fort: Gewalt an Frauen, Vergewaltigung, Sexismus usw. Man kann sogar die Frage stellen, ob wir nicht, aufgrund all dieser Ver&#228;nderungen und der Transformation der &#246;ffentlichen Sph&#228;re, einen R&#252;ckzug (eine St&#228;rkung) der M&#228;nnerherrschaft in die (der) privaten Sph&#228;re und in die (den) interindividuellen Beziehungen (auf der Strasse zum Beispiel) erleben. Diese Realit&#228;t scheint die Frauen aller Klassen (auf gleiche Art und Weise?) zu betreffen. Es ist diese Realit&#228;t, welche eine klassenunabh&#228;ngige Lesart erlauben kann, &lt;i&gt;w&#228;hrend jedoch die Geschlechterrollen und die M&#228;nnerherrschaft klar einen gewissen Nutzen haben f&#252;r jede Klassengesellschaft&lt;/i&gt; und die Gewalt und die Vergewaltigungen wohl eher eine Konsequenz dieser Herrschaft, denn eine Ursache davon sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine bezeichnende Tendenz dieses Beginns des 21. Jahrhunderts ist die wachsende Durchmischung der kapitalistischen Klasse im strikten Sinn des Begriffs. Die b&#252;rgerliche Frau ist nicht mehr, wie in den 1970er Jahren, die Ehefrau des b&#252;rgerlichen Mannes, sondern sie hat direkte kapitalistische Interessen: Unternehmensleiterin, Verantwortliche f&#252;r Humanressourcen, h&#246;here Kader usw. Diese Tendenz scheint sich seit einigen Jahren zu verst&#228;rken, als Folge der Ver&#246;ffentlichung etlicher Studien, Analysen und Empfehlungen, welche zeigen, dass diese Durchmischung den Unternehmen viele Vorteile bringt (besonders seit der Krise von 2008, w&#228;hrend welcher von Frauen gef&#252;hrte Unternehmen scheinbar weniger litten als die anderen)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-28&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe zum Beispiel &#171; Plus de femmes, plus de profits &#187;, Lib&#233;ration, (...)&#034; id=&#034;nh8-28&#034;&gt;28&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es geht nat&#252;rlich darum, nicht auf sichere Kompetenzen und wirtschaftliche Vorteile zu verzichten. Die &#8222;aufgekl&#228;rteste&#8220; Fraktion der kapitalistischen Klasse ist mittlerweile vom positiven Charakter dieser Durchmischung &#252;berzeugt und viele grosse Unternehmen verfolgen seit einigen Jahren eine Politik der Feminisierung der Gesch&#228;ftsleitung und der Kaderstellen. Dies hat nichts mit ethischen Betrachtungen zu tun, wenn auch das Image eines Unternehmens davon profitieren kann und die Mentalit&#228;ten der Bosse sich entwickeln k&#246;nnen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-29&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Was die Chefs von Unternehmen f&#252;r ihre Frauen akzeptierten, tolerieren (...)&#034; id=&#034;nh8-29&#034;&gt;29&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Tatsache, von einer Frau ausgebeutet zu werden, macht die Ausbeutung logischerweise nicht angenehmer...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Demokratische und egalit&#228;re Ideologie verpflichtet und somit gelangen Frauen auch zu politischen Machtpositionen in etlichen L&#228;ndern, wobei es sich nicht mehr um &#252;berraschende Ausnahmen handelt. Das ist eine grosse Neuheit, denn, seit die geschlechtliche Differenzierung existiert, war die politische Macht immer das Monopol der M&#228;nner. Wenn man das Bild mit der massiven Einbindung der Frauen in die Lohnarbeit komplettiert, wird klar, dass die &#246;ffentliche Sph&#228;re im Wandel ist und dass sie den m&#228;nnlichen Charakter verloren hat, welcher f&#252;r sie bezeichnend war (diese Ver&#228;nderung hat nur f&#252;r die b&#252;rgerlichen Frauen eine wirkliche Bedeutung). Man kann das gleiche nicht von der privaten Sph&#228;re sagen, welche eine weibliche Dom&#228;ne bleibt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-30&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wenn es auch Beispiele von Ehem&#228;nnern gibt, die zu Hause bleiben, um sich (...)&#034; id=&#034;nh8-30&#034;&gt;30&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Denn es geht auch darum, die Reproduktion aller Klassen, der ganzen Bev&#246;lkerung, und somit der kapitalistischen Verh&#228;ltnisse zu garantieren. Die b&#252;rgerlichen wie auch die proletarischen Frauen bleiben von ihrer reproduktiven Funktion bestimmt (auch wenn sie, je h&#246;her sie aufsteigen in der sozialen Hierarchie, desto weniger Kinder zeugen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-31&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wie eine Studie gezeigt hat, gibt es auch extreme F&#228;lle wie die Deutschen (...)&#034; id=&#034;nh8-31&#034;&gt;31&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;). Die kapitalistische Klasse muss auch ihre Reproduktion garantieren (und sei es nur, um die Abstammung und das Erbe zu gew&#228;hrleisten).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Entwicklung versetzt der patriarchalen &#8222;Ideologie&#8220; einen harten Schlag, ohne allerdings die geschlechtliche Differenzierung in Frage zu stellen, von welcher Politikerinnen und weibliche Bosse profitieren: tiefere L&#246;hne f&#252;r Frauen, Teilzeitarbeit und auch Reproduktion der Arbeitskraft. Ihre Interessen sind definitionsgem&#228;ss im Widerspruch zu jenen der Proletarier, M&#228;nner wie auch Frauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese wachsende Durchmischung der herrschenden Klasse (M&#228;nner, Frauen, Heteros, Homos&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-32&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In den 1970er Jahren proklamierte der FHAR (Front homosexuel d'action (...)&#034; id=&#034;nh8-32&#034;&gt;32&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, Schwarze, Weisse, Gelbe usw.) hat freilich zur Konsequenz, die genderbezogenen Unterdr&#252;ckungsformen teilweise zu kaschieren, doch sie ist vor allem die Widerspiegelung einer Realit&#228;t: Der Ware ist die Geschlechterrolle des Proletariers und noch mehr jene des Kapitalisten scheissegal. Wie wir gesehen haben, k&#246;nnen diese Entwicklungen auf keinen Fall einen Fortschritt f&#252;r die Gruppe der Frauen bedeuten, sie n&#252;tzen nur den b&#252;rgerlichen Frauen und zeigen uns, dass man sich vor einer klassenunabh&#228;ngigen Lesart der geschlechtlichen Differenzierung h&#252;ten sollte. Vorerst erh&#228;lt diese Tendenz der Durchmischung die genderbezogenen Identit&#228;ten aufrecht (oder st&#228;rkt sie gar?); doch man kann sich fragen, ob sie l&#228;ngerfristig, wenn auch nicht zu einer Aufl&#246;sung, so doch zu einer Restrukturierung der genderbezogenen Identit&#228;ten und der geschlechtlichen Differenzierung f&#252;hren k&#246;nnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Entwicklungen der Genderverh&#228;ltnisse seit dem 19. Jahrhundert und der kapitalistischen Produktionsweise stellen zwangsl&#228;ufig die Verwendung des Begriffes &#8222;Patriarchat&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-33&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es gibt keine Definition dieses Begriffs. Jede feministische Gruppe (...)&#034; id=&#034;nh8-33&#034;&gt;33&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; zur Benennung der M&#228;nnerherrschaft in Frage. Wenn man dieser Tatsache nicht Rechnung tr&#228;gt, geht man das Risiko ein, in eine ahistorische Vision des Patriarchats abzugleiten, in welcher dieses immer existierte (und somit immer existieren wird). Da das Patriarchat eine Form der gesellschaftlichen, politischen und juristischen Organisation ist, welche auf der Aufrechterhaltung der Macht der M&#228;nner (zu Lasten der Frauen) basiert, scheint uns dieser Begriff nicht angemessen, um eine Gesellschaft zu benennen, in welcher es &lt;i&gt;mehrheitlich&lt;/i&gt; M&#228;nner sind, welche die Macht innehaben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als Paola Tabet 1998 &#252;ber diese Ver&#228;nderungen sprach, stellte sie die Hypothese einer (kapitalistischen) Befreiung der Frauen auf, vergleichbar mit jener der Leibeigenen (welche Umw&#228;lzungen zur Folge hatte, insbesondere die Umstellung auf eine neue Produktionsweise). Mit dem Ende des Patriarchats (jedoch nicht der M&#228;nnerherrschaft) in einigen L&#228;ndern, der Umstellung einer strukturell individuellen Aneignung zu einer kollektiven, der Entwicklung der Familie, der Integration der Frauen in die &#246;ffentliche Sph&#228;re und der Ver&#228;nderung derselben kann man sich fragen, ob wir nicht einer Restrukturierung des Verh&#228;ltnisses zwischen M&#228;nnern und Frauen beiwohnen. Diese Herrschaft/Integration dieses Verh&#228;ltnisses durch das Kapital, welches seit den Anf&#228;ngen des Kapitalismus zu beobachten ist, hat sich betr&#228;chtlich verst&#228;rkt und beschleunigt in der zweiten H&#228;lfte des 20. Jahrhunderts und diese Entwicklung geht bis heute immer noch weiter. Man kann diesen Prozess mit der Umstellung von einer formellen zu einer reellen Herrschaft des Kapitals* &#252;ber die Arbeit vergleichen: Die Umstellung zu einer reellen Herrschaft des Kapitals &#252;ber das Verh&#228;ltnis zwischen M&#228;nnern und Frauen (andauernde, jedoch restrukturierte geschlechtliche Differenzierung).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Frage 1&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was k&#246;nnen die Konsequenzen der aktuellen wirtschaftlichen Krise sein? Der gesamteurop&#228;ische Sparkurs und die Budgetk&#252;rzungen im Bereich der &#246;ffentlichen Dienste und im Sozialbereich betreffen h&#228;ufig die Frauen (Gesundheit, Schliessung von Spit&#228;lern, ihre Entfernung aus dem Arbeitsmarkt durch familiaristische Massnahmen usw.), und vor allem die proletarischen Frauen (die anderen haben die Mittel, um auf den privaten Sektor zur&#252;ckzugreifen). Dennoch hat die Krise von 1973 gezeigt, dass die Massnahmen, welche zum Ziel haben, die Frauen in den Haushalt zur&#252;ckzuschicken, kaum Wirkung zeigen. Im Gegenteil, die Experten der OECD meinen, dass die Weiterverfolgung und die Verst&#228;rkung der Einbindung der Frauen in die Lohnarbeit der Schl&#252;ssel zum Wachstum von morgen ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-34&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;OECD, Assurer le bien-&#234;tre des familles, 2011.&#034; id=&#034;nh8-34&#034;&gt;34&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Frage 2&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie steht es wirklich um die K&#228;mpfe der proletarischen Frauen in Frankreich heute? In den 1970er Jahren waren Streiks proletarischer Frauen noch ungew&#246;hnlich. Ihre Forderungen waren h&#228;ufig feministischen Typs (Lohngleichheit), hatten Konsequenzen im Haushalt (Kinderbetreuung, &#8222;&lt;i&gt;Und wer wird meine Socken waschen?&lt;/i&gt;&#8220; usw.) und standen in ihrem Ablauf in flagranter Opposition zu den M&#228;nnern. Heutzutage sind Frauenstreiks nichts aussergew&#246;hnliches mehr. Sie scheinen nicht mehr den Charakter einer flagranten Opposition zwischen M&#228;nnern und Frauen zu haben (verst&#228;rkte Durchmischung in der Chefetage, den Gewerkschaften sowie auch der Arbeitskraft; Unterschiede zwischen M&#228;nner- und Frauenl&#246;hnen existieren immer noch, sind jedoch nicht mehr gleich immens&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-35&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die proletarischen Frauen k&#246;nnen allerdings streiken f&#252;r Arbeitsbedingungen, die&#034; id=&#034;nh8-35&#034;&gt;35&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;). Die Auswirkungen auf den Haushalt sind immer noch aktuell. Das Problem des doppelten Arbeitstages ist eine Realit&#228;t f&#252;r jede proletarische Frau und die Frage der Hausarbeit stellt sich, sobald sie streikt. Zudem ist das Niveau der proletarischen Kampfbereitschaft relativ tief, man hat h&#228;ufig wenig Informationen zu den Streiks und noch weniger zu deren Auswirkung auf die Genderverh&#228;ltnisse (besonders im Haushalt).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;WAS TUN?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was die Feministinnen dazu denken&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&lt;i&gt;Einige Feministinnen sind vulg&#228;r, unehrlich und voller Hass.&#8220;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&lt;i&gt;Und ich suche vergeblich nach Gr&#252;nden, um ihnen unrecht zu geben.&#8220;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tag und Antwort darauf auf einer Mauer in Valence 2006&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Welche K&#228;mpfe f&#252;hren feministische Gruppen heute? Wenn es auch keine breite Bewegung mehr gibt wie in den 1970er Jahren, so gibt es doch noch einige feministische Organisationen, Gruppen und Str&#246;mungen...Man kann von Feminismus nicht im Singular sprechen. Wie schon vor vierzig Jahren handelt es sich eher um ein Gewimmel von Ideen, Praktiken und widerspr&#252;chlichen Debatten, die sich gegenseitig bereichern und im Wege stehen. Etliche Tendenzen existieren, sie scheinen ziemlich unklar, sehr durchl&#228;ssig. Es w&#228;re unm&#246;glich, sie vollst&#228;ndig zusammenzufassen (die folgende Darstellung kann also durchaus etwas karikaturartig erscheinen). Folgend also einige ihrer Positionen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein weit verbreiteter Ansatz ist der Aktivismus zur Verteidigung der Frauenrechte: Ligen aller Art zur Verteidigung der Frauenrechte, Chiennes de garde&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-36&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ad&#220;: Die Chiennes de garde (Wachh&#252;ndinnen) wurden 1999 von Florence (...)&#034; id=&#034;nh8-36&#034;&gt;36&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, Ni putes ni soumises&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-37&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ad&#220;: Ni putes ni soumises (Weder Huren noch gef&#252;gig) ist eine (...)&#034; id=&#034;nh8-37&#034;&gt;37&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, Marche mondiale des femmes&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-38&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ad&#220;: Die Marche mondiale des femmes (Weltmarsch der Frauen) entstand 1995 (...)&#034; id=&#034;nh8-38&#034;&gt;38&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und Konsorten. Die M&#228;nnerherrschaft wird als eine Reihe von Makel wahrgenommen, die man einfach nur korrigieren m&#252;sste. Man muss sich also auf den Staat beziehen und Druck auf die Gesetzgebung aus&#252;ben (insbesondere durch Lobbyingkampagnen gegen&#252;ber den Institutionen), um die &#8222;Bedingung der Frauen&#8220; zu verbessern. Die zentralen Achsen des Kampfes sind folgende: die Gleichstellung, die Formen der Diskriminierung bez&#252;glich der Anstellung, die Lohngleichheit, der Schleier, die Verteidigung des Rechts auf Abtreibung, Adoption und homosexuelle Heirat usw. Diese Kampagnen haben &lt;i&gt;im besten Falle&lt;/i&gt; einen oberfl&#228;chlichen Effekt auf die M&#228;nnerherrschaft und die geschlechtliche Differenzierung, und auch in diesem Fall sind sie Teil der Entwicklungen des Kapitalismus. Sie st&#228;rken ihn, indem sie in ihm die &#8222;Bedingung der Frau&#8220; einrichten und indem sie die Demokratie und die Gleichheit zwischen M&#228;nnern und Frauen predigen, was offensichtlich keine Perspektive der Aufhebung der Geschlechterrollen &#246;ffnet. Man kann es f&#252;r eine Feministin auch f&#252;r eine Widersinnigkeit halten, sich auf jenen Staat zu berufen, welcher die M&#228;nnerherrschaft organisiert und best&#228;tigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gewisse Gruppe f&#252;hren auch Sensibilisierungskampagnen &#8222;f&#252;r eine breite &#214;ffentlichkeit&#8220;, die darauf abzielen, die Mentalit&#228;ten zu ver&#228;ndern: gegen sexistisches Spielzeug, gegen Sexismus in der Werbung, gegen Vergewaltigung und Gewalt gegen Frauen, f&#252;r die Verh&#252;tung...(h&#228;ufig gef&#252;hrt von Organisationen wie die Bewegung f&#252;r Familienplanung und anderen, weniger institutionalisierten). Wenn auch der informative Charakter beachtlich ist und zum Nachdenken (oder gar mehr) einl&#228;dt, so kann man doch nur deren Grenzen bedauern: Diese Kampagnen ber&#252;hren nur eine kleine Minderheit von Leuten und haben sehr wenig Wirkung. Man findet in ihnen die These, der Sexismus habe seine Wurzel in der Bildung, den Medien, der Werbung, diese werden somit zu den Streitobjekten: Der Sexismus kann aufgehoben werden durch die Ver&#228;nderung der Bildung, die S&#228;uberung der Medien und der Werbung. Doch die Unterdr&#252;ckung der Frauen hat wesentlich tiefere Grundlagen, wovon die Bildung nur ein Tr&#228;ger ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Den Strukturen, welche diese Kampagnen organisieren, wird manchmal vorgeworfen &#8222;den Kampf&#8220; zu vernachl&#228;ssigen, um im Notfall zu handeln, oder gar &#8222;mit den M&#228;nnern und dem Staat gemeinsam die Misere der Frauen zu verwalten&#8220;. Diese Kampagnen &#8211; und die Strukturen, welche sie organisieren &#8211; sind indessen mehr als ein Pflaster auf einem Holzbein. Sicher sind die Familienplanung (Zugang zu Verh&#252;tungsmittel, Abtreibung, gyn&#228;kologische Pflege), die Frauenh&#228;user, die Beratungsstrukturen nicht immer Allheilmittel. Doch es existieren im Moment ziemlich wenig andere L&#246;sungen und sie erlauben vielen Frauen, im Alltag zu &#252;berleben oder aus Scheisssituationen herauszukommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ausser diesem Feld- oder B&#252;roaktivismus erstellen etliche nicht-institutionelle Gruppen oder Personen (vom Anarchafeminismus bis zu radikalen, materialistischen Lesben und Feministinnen usw.) sowie auch ein wichtiger Sektor universit&#228;rer Forschung h&#228;ufig stichhaltige Analysen, welche die Notwendigkeit der Abschaffung der &#8222;patriarchalen Gesellschaft&#8220; und der Geschlechterrollen hervorheben; und h&#228;ufig auch die Abschaffung aller Formen der Unterdr&#252;ckung (zu welchen manchmal die kapitalistische Ausbeutung gez&#228;hlt wird).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese radikaleren Thesen (welche nicht immer die gleichen Mittel zur Verbreitung zur Verf&#252;gung haben) sind weniger sichtbar f&#252;r die breite &#214;ffentlichkeit und weniger oder gar nicht in den Medien pr&#228;sent. Diese Ideen und Praktiken werden durch Zeitungen, Brosch&#252;ren, Radiosendungen, B&#252;chern, Filme, Poster und Flyer u.&#228;. in Umlauf gebracht. Die Thesen von Christine Delphy in den 1970er Jahren sowie jene von Paola Tabet, Colette Guillaumin, Monique Wittig und vielen anderen haben einen grossen Einfluss. Man trifft h&#228;ufig die Idee an, dass das Patriarchat die Wurzel des Kapitalismus' (ein System weisser heterosexueller M&#228;nner) ist und dass die Zerst&#246;rung ersteres (der Hauptfeind) notwendigerweise das Ende letzteres bedeutet. Die Sichtweise, das Verh&#228;ltnis zwischen M&#228;nnern und Frauen wie &#8222;die Ausbeutung einer Klasse durch die andere&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-39&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es ist Euch &#252;berlassen, zu erraten, wer wen ausbeutet.&#034; id=&#034;nh8-39&#034;&gt;39&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; zu betrachten, ist ziemlich verbreitet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Reflexionen besch&#228;ftigen sich genauso mit sozialen Bewegungen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-40&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zum Beispiel die Sendung Le Complot des cagoles &#252;ber den Streik der (...)&#034; id=&#034;nh8-40&#034;&gt;40&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; wie mit dem Alltag der Frauen. Doch h&#228;ufig bemerkt man ein Durcheinander aller Unterdr&#252;ckungsformen (Sexismus, Rassismus, Kapitalismus, Speziesmus, Ableismus, Altersdiskriminierung usw.), sie werden gleichgesetzt und nicht unter dem Gesichtspunkt ihrer Urspr&#252;nge und ihrer Funktionen in der aktuellen Epoche betrachtet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unter den Reflexionsans&#228;tzen findet man auch die Kritik der Heterosexualit&#228;t, welche als Norm zur Organisation der Reproduktion definiert wird. Der Druck zur Heterosexualit&#228;t wurde in den 1970er Jahren vom MLR oder von homosexuellen Gruppen wie der homosexuellen revolution&#228;ren Aktionsfront (FHAR&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-41&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ad&#220;: Der FHAR war eine revolution&#228;re Organisation feministischer Lesben (...)&#034; id=&#034;nh8-41&#034;&gt;41&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) heftig kritisiert. Obwohl die Homosexualit&#228;t immer mehr dazu tendiert, vom Kapital integriert zu werden, ist die Kritik der Heteronormativit&#228;t und ihr Pendant, der Druck zur Mutterschaft, heute immer noch begr&#252;ndet. Diese Kritik kann zur Theorie des Lesbianismus als politische Strategie f&#252;hren. Man kann nur bedauern, dass diese manchmal in separatistischen m&#228;nnerfeindlichen Tendenzen gipfelt, welche die Heterosexualit&#228;t als eine Form der Kollaboration mit dem Feind und der freiwilligen Unterordnung denunzieren. Durch diese Haltung verweigert man zwar die M&#228;nnerherrschaft, aber sicher nicht den Sexismus und noch weniger die Geschlechterrollen...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zudem kann man auch in den radikaleren Milieus eine R&#252;ckkehr essentialistischer Thesen* beobachten. Eine ganze Palette feministischer Reflexionen laufen auf eine Valorisierung des &#8222;Frauseins&#8220; hinaus, auf eine angebliche &#8222;weibliche&#8220; Natur*, die vom Patriarchat und dem Kapitalismus entw&#252;rdigt wird und die man wiederfinden m&#252;sste (um wieder an die &#8222;weibliche&#8220; Art zu leben und zu handeln anzukn&#252;pfen). Die amerikanische Neopaganistin Starhawk, die von sich behauptet, eine Hexe zu sein, ist die extreme Karikatur davon. Diese Theorien predigen ein &#8222;Zur&#252;ck zum Nat&#252;rlichen&#8220; und verteidigen die (&#252;brigens sehr sexistische) Idee, die Frauen seien der Natur (&#8222;&lt;i&gt;den B&#228;umen&lt;/i&gt;&#8220;, oder gar &#8222;&lt;i&gt;den Sternen&lt;/i&gt;&#8220;, und wieso nicht den Tieren?) viel n&#228;her als die M&#228;nner. Die als &#8222;&#252;beraus nat&#252;rlich&#8220; betrachtete Mutterschaft wird manchmal als &#8222;St&#228;rke&#8220; verstanden, die also eingesetzt werden muss. Diese Thesen gehen h&#228;ufig Hand in Hand mit einer Idealisierung pr&#228;kapitalistischer Gesellschaften und mit dem Bed&#252;rfnis, sich alte Techniken und Kenntnisse wieder anzueignen (z.B. das Stillen, die pflanzliche Abtreibung, die Wickeln, &lt;i&gt;welche dermassen umweltschonender seien als die Windeln&lt;/i&gt;!)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-42&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wir kritisieren den ideologischen Charakter und nicht die Tatsache, diese (...)&#034; id=&#034;nh8-42&#034;&gt;42&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Idee, sich von der sozialen Norm zu entfernen, um wieder an die &#8222;Frauennatur&#8220; anzukn&#252;pfen, ist ein Zur&#252;ck zum Essentialismus. Unter diesen Feministinnen werden die Geschlechterrollen als etwas wahrgenommen und kritisiert, das uns als soziale Rollen aufgezwungen wird, jedoch zugunsten einer angeblich &#8222;wahrhaftigen&#8220;, &#8222;nat&#252;rlichen&#8220; Identit&#228;t. Man findet darin den Einfluss der Theorien der 1970er Jahre, im speziellen jene von Antoinette Fouque und der Zeitschrift &lt;i&gt;Sorci&#232;res&lt;/i&gt; [&lt;i&gt;Hexen&lt;/i&gt;]. Diese Sichtweise beinhaltet offensichtlich weder die geringste Perspektive der &#220;berwindung der Geschlechterrollen, ganz im Gegenteil, noch die geringste Perspektive der &#220;berwindung &#252;berhaupt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige dieser Diskurse sind gekennzeichnet durch eine Ablehnung (eine Verschleierung?) des Konflikts, welcher spezifisch m&#228;nnlich sei. Dies ist verbunden mit der Idee der Schwesterlichkeit&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-43&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Dieses Konzept haben die Feministinnen als Gegenpart zur m&#228;nnlichen (...)&#034; id=&#034;nh8-43&#034;&gt;43&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, denn es geht darum, trotz den Uneinigkeiten eine Front gegen den Unterdr&#252;cker zu bilden. Auffallend ist der Wille, die Erinnerung feministischer Bewegungen lebendig zu halten und aufzuwerten, eine Vorgehensweise die manchmal in der Negation jeglicher Konflikte, Fehler und Widerspr&#252;chen gipfelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Schlachtruf der Wiederaneignung des K&#246;rpers ist sehr pr&#228;sent in den feministischen Reflexionen. Seit den 1970er Jahren ist der Slogan &#8222;&lt;i&gt;mein K&#246;rper geh&#246;rt mir&lt;/i&gt;&#8220; ein Credo geblieben. Das kann ebenso gut die &#8222;Wahl&#8220; betreffen, Mutter zu sein oder nicht, die Vergewaltigung, &#228;sthetische Normen oder die Medizin. Dieser Schlachtruf ist eine Antwort auf die Aneignung der Frauen durch die M&#228;nner. Einen Aspekt, den gewisse ultralinke* Theoretiker unf&#228;hig waren, zu erfassen, sie warfen den Feministinnen vor, damit den Begriff des Privateigentums zu verteidigen und auszuweiten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unter den verschiedenen Praktiken der Feministinnen sind Anl&#228;sse nur f&#252;r Frauen immer noch aktuell und provozieren immer noch Polemiken, ob sie nun als Mittel oder als Ziel betrachtet werden. Da die Frauen voneinander isoliert sind (jede in ihrem Haushalt zum Beispiel), sind Momente, wo man Erfahrungen und Reflexionen austauschen und sich organisieren kann, fundamental. Was ist logischer als sich unter Unterdr&#252;ckten zu organisieren? Was ist logischer als sich ohne das Lager der Unterdr&#252;cker zu versammeln? Anl&#228;sse nur f&#252;r Frauen k&#246;nnen aber logischerweise auch dazu f&#252;hren, dass Proletarierinnen und B&#252;rgerliche sich gemeinsam organisieren, was wieder andere Probleme aufwirft...Der Genderkonflikt kann jedoch nur durch die Aufl&#246;sung der Kategorien M&#228;nner und Frauen gel&#246;st werden. Es ist somit notwendig, dass Thema auch an allgemeinen Anl&#228;ssen anzusprechen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dem Feminismus mangelt es oft an einer globalen Analyse, die versucht, die Verbindungen zwischen dem Klassen- und dem Genderverh&#228;ltnis zu verstehen. Eine historische Sichtweise zeigt uns ein fluktuierendes patriarchales System, das ewigen Entwicklungen ausgesetzt gewesen ist und immer noch ist, die durch die aufeinanderfolgenden Produktionsweisen modelliert werden (heute das Kapital, auch stets in Bewegung). Eine aktuelle Tendenz gr&#252;ndet ihre Reflexionen jedoch auf einer ahistorischen Sichtweise. Das f&#252;hrt zu einem Durcheinander in der Analyse des Problems, in den Perspektiven und in den Praktiken (als ob es gen&#252;gen w&#252;rde, die Parolen und Methoden der MLF vor vierzig Jahren wieder aufzugreifen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Notiz 1: Die Dekonstruktion&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Dekonstruktion ist eine Idee (und eine Praxis), die man aktuell in einem Teil der feministischen Bewegung antrifft&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-44&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diese Idee wird h&#228;ufig auch von Pro-Feministen* vertreten.&#034; id=&#034;nh8-44&#034;&gt;44&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Ihr Ausgangspunkt ist die Idee, dass die Geschlechterrollen soziale Konstruktionen sind und dass &#8222;das Private politisch ist&#8220;. Es geht darum, von einer individuellen Bewusstseinsbildung (oder in kleinen Gruppen) ausgehend, sein Verhalten zu &#228;ndern, um seine sexistischen Konstruktionen zu korrigieren und langfristig den Sexismus zu beseitigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Somit nimmt das Pers&#246;nliche einen &#252;bergrossen Platz ein im Verh&#228;ltnis zum Strukturellen, manchmal wird es gar zum einzigen Handlungsfeld. &#8222;&lt;i&gt;Wegen der &#252;berm&#228;ssigen Wichtigkeit, welche der subjektiven Erfahrung gegeben wird, wird die Politik der Subjektivit&#228;t eine &#8222;Innerlichkeit&#8220;, d.h. eine pers&#246;nliche Ver&#228;nderung ohne Ver&#228;nderung der Gesellschaft&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-45&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Rote Zora, &#8222;Jedes Herz ist eine Zeitbombe&#8220; in: Anonym, En Catimini&#8230; (...)&#034; id=&#034;nh8-45&#034;&gt;45&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;i&gt;.&lt;/i&gt;&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit dem Argument, dass &#8222;das Private politisch ist&#8220; erkennt man, dass die private Sph&#228;re sozial organisiert ist, dass sie nicht ausserhalb der Gesellschaft steht und dass unsere pers&#246;nlichen Verh&#228;ltnisse Teil davon sind. Das Private ist also auch ein Ort der Widerspr&#252;che, der Konflikte oder gar der K&#228;mpfe. Die Streiks und sozialen Bewegungen in der &#246;ffentlichen Sph&#228;re, wo die Frauen beteiligt sind, haben notwendigerweise eine Wirkung auf die private Sph&#228;re (der Haushalt, die Familie: &#8222;&lt;i&gt;Wer wird mein Steak kochen?&lt;/i&gt;&#8220;, &#8222;&lt;i&gt;Schatz, wo ist die Bettw&#228;sche?&lt;/i&gt;&#8220;) Falls keine solche Bewegung vorhanden ist, zieht sich die T&#228;tigkeit der Aktivistinnen in die private Sph&#228;re zur&#252;ck und beschr&#228;nkt sich darauf. Der Schlachtruf wird neu interpretiert : &#8222;Das Politische ist das Private&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Dekonstruktion l&#228;uft auf eine individuelle und pers&#246;nliche Infragestellung der Geschlechterrollen hinaus und betrachtet diese als starre Identit&#228;ten, als ein Kleid, das man bloss auszuziehen braucht, wenn man es denn &lt;i&gt;will&lt;/i&gt;. Zwar sind die Geschlechterrollen eine soziale Konstruktion, doch es ist nicht m&#246;glich, sich den sozialen Verh&#228;ltnissen zu entziehen, deren Manifestierung sie sind. Man kann nicht &lt;i&gt;w&#228;hlen&lt;/i&gt;, kein Mann oder keine Frau mehr zu sein, denn in dieser Gesellschaft existieren nur zwei Felder. Auf dem Sozialamt wird man immer entweder 1 oder 2 sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt, um es anders auszudr&#252;cken, keinen Zusammenhang zwischen dem Erkennen &lt;i&gt;sozialer Strukturen und Verh&#228;ltnissen&lt;/i&gt; und dem Willen, sich durch eine &lt;i&gt;individuelle&lt;/i&gt; Handlung davon zu befreien. W&#228;hrend man sich anstrengt, sich zu dekonstruieren, wirkt diese soziale Konstruktion weiterhin auf Milliarden von Menschen, sich selbst eingeschlossen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-46&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Sogar wenn der dekonstruierte Mann in seinen Kreisen nicht mehr (...)&#034; id=&#034;nh8-46&#034;&gt;46&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Dekonstruktion wirft das Problem der Wahlm&#246;glichkeiten in unserer Gesellschaft auf: Kann man sich &lt;i&gt;daf&#252;r entscheiden&lt;/i&gt;, sich zu dekonstruieren? Wer kann dies tun? Eine ledige Frau ohne Kinder wird &lt;i&gt;vielleicht&lt;/i&gt; mehr Energie ihrer Dekonstruktion widmen k&#246;nnen als eine Mutter von drei Kindern, genau wie eine b&#252;rgerliche Frau mehr Freizeit daf&#252;r haben wird als eine Angestellte im Mindestlohn usw. Trotz einem explizit subversiven Ziel (das Verschwinden der Geschlechterrollen) beschr&#228;nkt sich die Dekonstruktion, wie jede Alternative, auf die Suche des individuellen Gl&#252;cks in der kapitalistischen Gesellschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Praxis f&#252;hrt diese durchaus sympathische Einsicht zu elitistischen Ausw&#252;chsen, zu einer Abwertung und zu einer Beschuldigung jener, welche sich nicht dekonstruieren, und somit zu einer neuen Norm, per Definition erstarrt und verpflichtend. Wir haben es mit einer neuen Ideologie zu tun&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-47&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Man ist versucht, diese Ideologie mit dem politischen Lesbianismus &#224; la (...)&#034; id=&#034;nh8-47&#034;&gt;47&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht hier nicht darum, jemanden davon abzubringen, sein eigenes Verhalten in Frage zu stellen. Alles in allem leben wir im Hier und Jetzt und es ist nichts als normal, dass man versucht, so wenig Scheisse wie m&#246;glich zu bauen und sich nicht wie ein Schweinehund zu verhalten...Genauso wie es auch logisch ist, dass die Unterdr&#252;ckten ihre Bedingung verweigern, individuell oder kollektiv. Das sind &#220;berlebenspraktiken. Es ist wichtig, unsere sozialen Konstruktionen zu hinterfragen, doch man sollte die Tatsache nicht aus dem Auge verlieren, dass jeglicher Versuch, sich total davon zu befreien, vergebens ist solange diese Gesellschaft fortbesteht. Die Dekonstruktion wird die Geschlechterrollen und die M&#228;nnerherrschaft nie aufheben k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Notiz 2: Queer*&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r die &lt;i&gt;Queer&lt;/i&gt; geht es darum, die Geschlechterrollen, und somit die Gesellschaft, zu subvertieren, wodurch letztere ersch&#252;ttert werde. Diese Bewegung entstand nicht zuletzt als Reaktion auf die Integration und die Institutionalisierung der Schwulen- und Lesbenbewegungen. Die K&#228;mpfe der Homosexuellen hatten einen revolution&#228;ren Charakter solange sie nicht vom Kapital als Identit&#228;t integriert worden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ihre Grenzen sind im pers&#246;nlichen Charakter der Ver&#228;nderung zu suchen, das Kapital kann sich damit sehr gut abfinden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-48&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Man kann sehr gut Queer sein und an einer grossen Universit&#228;t unterrichten (...)&#034; id=&#034;nh8-48&#034;&gt;48&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; (die &lt;i&gt;Queer&lt;/i&gt;-Theorie &#252;bergeht &#252;brigens die Klassenverh&#228;ltnisse). Die Dissidenz bleibt innerhalb der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse und ist somit keine&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-49&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Anhang.&#034; id=&#034;nh8-49&#034;&gt;49&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Queer&lt;/i&gt; ist als Experiment interessant (jedoch notwendigerweise begrenzt, da es innerhalb und durch diese Gesellschaft erfolgt). Die &lt;i&gt;Queer&lt;/i&gt;-Theorien zeigen, dass man &lt;i&gt;heute&lt;/i&gt; die Aufhebung der Geschlechterrollen &lt;i&gt;denken&lt;/i&gt; kann. Doch in Bezug auf Praktiken, Perspektiven oder eine Strategie gelten f&#252;r sie alle Kritiken, welche wir an die Dekonstruktion gerichtet haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Marxisten, Anarchisten usw.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Betreffend Genderfragen und M&#228;nnerherrschaft ist die &lt;i&gt;Verweigerung&lt;/i&gt; am weitesten verbreitet. D.h. man weigert sich, das Thema anzugehen. In dieser sowohl praktischen wie auch theoretischen W&#252;ste gibt es trotzdem einige Oasen...und viele Fata Morganas. Eine kleine historische Rekapitulierung ist notwendig, denn die Konzeptionen der Marxisten und der Anarchisten haben sich alles in allem kaum weiter entwickelt, obwohl das Aufkommen und die Verbreitung der Gendertheorie eine Neubelebung der Reflexion h&#228;tte bewirken sollen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Marxisten&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Entgegen einer weit verbreiteten Ansicht interessierten sich Marx, Engels und einige marxistische Theoretiker (Lafargue, Bebel) f&#252;r die Frage des Verh&#228;ltnisses zwischen M&#228;nner und Frauen und bestreiten die Unterdr&#252;ckung letzterer nicht, besonders wenn sie sich mit dem Problem der Familie besch&#228;ftigen. F&#252;r sie ist diese Unterdr&#252;ckung eine Konsequenz der Entstehung der Klassengesellschaften; wenn der Kapitalismus, welcher das letzte Stadium der Klassengesellschaften ist, verschwindet, verschwindet diese notwendigerweise auch. Die Ver&#228;nderung der Existenzbedingungen wird in diesem Prozess als entscheidend betrachtet und die Rolle des sozialistischen Staates ist fundamental. Er sollte Massnahmen ergreifen, um der Hausarbeit ein Ende zu setzen: Die Sozialisierung der Gesamtheit der von den Frauen erbrachten Hausarbeit durch die Bereitstellung von kollektiven Kantinen, Tagesst&#228;tten usw. Diese Sichtweise wird auch von den marxistischen Feministinnen des 20. Jahrhunderts (wie z.B. Alexandra Kollonta&#239; oder Angela Davis) geteilt. Die russische Revolution best&#228;tigt diese These teilweise: Die Verh&#228;ltnisse zwischen M&#228;nnern und Frauen sind durch den Zusammenbruch des alten Systems, das Chaos und die Revolution ersch&#252;ttert worden. Die Kollektivisierung gewisser Aspekte des Lebens (Kantinen) scheinen eine Rolle zu spielen; doch die Ursache daf&#252;r sind die katastrophalen &#220;berlebensbedingungen, und nicht der Staat. Es geht &#252;brigens schnell wieder normal zu und her als der revolution&#228;re Prozess unterbrochen wird und der Staat sich neu organisiert und die Verwaltung der Gesellschaft wieder in die Hand nimmt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-50&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diese Ver&#228;nderung der Verhaltensweisen und der Beziehungen zwischen (...)&#034; id=&#034;nh8-50&#034;&gt;50&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In der Regel wird diese Frage w&#228;hrend des ganzen 20. Jahrhunderts als sekund&#228;r (als &lt;i&gt;nach&lt;/i&gt; der Revolution zu l&#246;sendes Problem) betrachtet. Umso mehr, da sie das Risiko birgt, &#8222;das Proletariat zu spalten&#8220;&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Anarchisten&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r die Anarchisten gibt es in der Regel keine Frauenfrage an sich, denn diese ist Teil des allgemeinen Problems der menschlichen Befreiung. Definitionsgem&#228;ss sind sie gegen alle Formen von Herrschaft, mehr oder weniger als ein Ganzes wahrgenommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Anarchisten unternehmen eine strenge theoretische Kritik von Institutionen wie der Familie oder der Heirat und setzen sich f&#252;r die Gleichheit von M&#228;nnern und Frauen ein. In diesem Sinne wird die Wichtigkeit der Bildung und der Propaganda unterstrichen (z.B. die neo-malthusianische Propaganda und besonders die Empf&#228;ngnisverh&#252;tung zu Beginn des 20. Jahrhunderts). Es handelt sich um eine Vorgehensweise der individuellen Ver&#228;nderung, welche der Unterdr&#252;ckung der Frauen ein Ende setzen soll, als ob es reichen w&#252;rde, dass alle Leute anarchistische Brosch&#252;ren lesen oder anarchistischen Rednern zuh&#246;ren...(man kann diese Vorgehensweise mit der Dekonstruktion vergleichen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Gegensatz zwischen der Theorie und den Praktiken der anarchistischen Aktivisten ist jedoch besonders frappant (von den Milieux libres&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-51&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ad&#220;: Die Milieux libres (Freie Milieus) sind ein &#220;berbegriff f&#252;r diverse (...)&#034; id=&#034;nh8-51&#034;&gt;51&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; bis zur spanischen Revolution); die explizite Frauenfeindlichkeit gewisser Theoretiker (allen voran Proudhon) hat damit wahrscheinlich auch etwas zu tun.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Heute&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist immer noch eine sehr verbreitete Position, zu sagen, die Genderfrage sei sekund&#228;r und verdiene keinen spezifischen Kampf: Nach der Revolution wird die Unterdr&#252;ckung der Frauen wie durch Zauberei von alleine verschwinden (ein guter Trick, um sich die Frage nicht von heute an stellen zu m&#252;ssen - und um den Kindern nicht den Hintern abwischen zu m&#252;ssen, ihr faules Pack!)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Antisexismus ist auch eine der Facetten linker Gruppen, zusammen mit dem Antirassismus, der &#214;kologie, der Tierbefreiung - man scheint zwar gewillt, alle Unterdr&#252;ckungsformen zu ber&#252;cksichtigen, doch indem man sich darauf beschr&#228;nkt, sie aneinanderzureihen, unf&#228;hig, das Ganze und Verbindungen zu denken und Perspektiven zu erkennen. Die Reflexionen begn&#252;gen sich h&#228;ufig mit einer Bilanz und Verurteilung der Situation der Frauen heute. Dennoch ist die steigende Anzahl von Zeitungen, Gruppen, Zeitschriften&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-52&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Sogar Barricata ! (Kulturmagazin der Pariser Redskins). Spezielle Widmung (...)&#034; id=&#034;nh8-52&#034;&gt;52&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, welche sich mit diesem Thema befassen, nicht zwingend uninteressant&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-53&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wie zum Beispiel die &#8222;antipatriarchale Motion&#8220;, welche von der (...)&#034; id=&#034;nh8-53&#034;&gt;53&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es scheint, dass die Frage in den letzten Jahren wieder mehr Leute interessiert und es gibt auch den Versuch einer theoretischen &#220;berwindung in ultralinken Gruppen (oder dar&#252;ber hinaus), die lange allergisch auf diese Frage waren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-54&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wie zum Beispiel die Gruppen/Zeitschriften Th&#233;orie communiste und SIC (...)&#034; id=&#034;nh8-54&#034;&gt;54&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Hoffen wir, dass sich das verallgemeinert...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Woher dieses Interesse? Oder eher, wieso kann die Frage heute in diesen Milieus gestellt werden, w&#228;hrend die Feministinnen sich schon lange damit besch&#228;ftigen? Es gibt wohl einige L&#246;sungsans&#228;tze, &#252;ber die es nachzudenken gilt, wie die Entwicklung des Verh&#228;ltnisses zwischen M&#228;nnern und Frauen in den letzten vierzig Jahren (Ende des Patriarchats, immer noch relative, doch wachsende Durchmischung der kapitalistischen Klasse, aber Andauern der geschlechtlichen Differenzierung und der M&#228;nnerherrschaft, etc.) oder die Entwicklung der Klassenverh&#228;ltnisse (Ende der Arbeiteridentit&#228;t, Restrukturierung, Atomisierung des Proletariats, etc.) Die materiellen Bedingungen ver&#228;ndern sich und es ist in einer kommunistischen Perspektive notwendig, dieser Tatsache Rechnung zu tragen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die K&#228;mpfe der proletarischen Frauen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jenseits des Aktivismus bringen sich proletarische Frauen ohne explizite feministische Forderungen in K&#228;mpfe ein, z.B. w&#228;hrend Streiks. Vergessen wir nicht, dass der massive Einstieg in die Lohnarbeit und direkt in den Klassenkampf dazu f&#252;hrten, dass Problematiken auftauchten, welchen ihnen eigen sind, was auch zu neuen Konflikten in der privaten Sph&#228;re (Haushalt, Reproduktion) f&#252;hrt. Diese sind jedoch allgemein unsichtbar wegen dem &#8222;Vorrang&#8220; des Kampfes gegen die Ausbeutung und werden somit selten als &#8222;Frauenk&#228;mpfe&#8220; analysiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die auf wahren Tatsachen beruhende Dokufiktion von Martin Karmitz &lt;i&gt;Coup pour coup&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-55&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Marin Karmitz, Coup pour coup, Frankreich, 1972.&#034; id=&#034;nh8-55&#034;&gt;55&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; zeigt es gut. In den 1970er Jahren beginnen Arbeiterinnen einer Textilfabrik zu streiken und besetzen die Fabrik. Somit k&#252;mmern sie sich nicht mehr um die Arbeit im Haushalt und die Auswirkungen sind unmittelbar. Die Reaktionen der M&#228;nner sind vielsagend: Verloren, gezwungen, ganz alleine den Haushalt, die Kinder und ihre eigene Reproduktion zu verwalten, hemmen sie &lt;i&gt;de facto&lt;/i&gt; den Kampf. Einige von ihnen werden sogar so weit gehen, ihren Widerspruch gegen den Streik ihrer Partnerinnen zu zeigen. Die Papas, welche unf&#228;hig sind, sich um ihre Kinder zu k&#252;mmern, deponieren sie in der Fabrik, die immer mehr einer Krippe gleicht. Die Arbeiterinnen sind am Schluss trotzdem die Siegerinnen gegen&#252;ber den Bossen und (provisorisch) gest&#228;rkt gegen&#252;ber ihren M&#228;nnern. Es mangelt in der Realit&#228;t nicht an Beispielen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-56&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe den Artikel &#252;ber die Frauen in den K&#228;mpfen, S. 147.&#034; id=&#034;nh8-56&#034;&gt;56&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann annehmen, dass ein Arbeiterinnenstreik genauso viel oder gar mehr Einfluss auf den Haushalt hat als die feministische Propaganda. Die Frauenstreiks machen die privaten Fragen zu &#246;ffentlichen Fragen (z.b. stellen die Fabrikkrippen die Trennung zwischen &#246;ffentlicher und privater Sph&#228;re praktisch doch provisorisch in Frage). Am Ende des Streiks ist h&#228;ufig alles wieder so wie fr&#252;her, mit allen Entt&#228;uschungen und Frustrationen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Frauenk&#228;mpfe stellen eine faktische Verbindung her zwischen dem Kapitalismus und der M&#228;nnerherrschaft, in ihnen wird die Genderfrage offensichtlich. Doch sie werden (in der Praxis) nicht als solche gestellt. Das erkl&#228;rt die Absenz von Informationen (und somit Analysen) &#252;ber die unvermeidbaren Auswirkungen dieser K&#228;mpfe auf das Verh&#228;ltnis zwischen M&#228;nnern und Frauen, speziell in der privaten Sph&#228;re.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Schlussfolgerungen und Hypothesen&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kapitalismus vs. Patriarchat&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vom 19. Jahrhundert an koexistieren zwei unterschiedliche, doch miteinander verbundene Systeme, das Patriarchat (soziale Organisation) und der Kapitalismus (Produktionsweise). Verbundenheit bedeutet nicht zwingend Harmonie (jedes System benutzt und st&#228;rkt das andere) und kann auch Gegensatz oder Widerspruch, ja sogar Bruch bedeuten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die M&#228;nnerherrschaft, prinzipiell in der patriarchalen Form, war immer &lt;i&gt;notwendig&lt;/i&gt; und charakterisierte alle Klassengesellschaften. Sie war speziell angepasst an die pr&#228;kapitalistischen Gesellschaften, charakterisiert durch ihre wirtschaftliche und gesellschaftliche Stabilit&#228;t (mit der Familienzelle als Basis, Einheit der Produktion und der Reproduktion).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die geschlechtliche Differenzierung ist der Hintergrund vor welchem die verschiedenen Produktionsweisen aufeinander folgten; ihre Entwicklung ist nicht eine historische Dynamik. Im Gegenteil, das Verh&#228;ltnis zwischen M&#228;nnern und Frauen wird zwar durch jede Produktionsweise modifiziert, beh&#228;lt jedoch seine prinzipiellen Eigenschaften (der Frau wird die Erziehung zugewiesen, Macht der M&#228;nner).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kapitalismus hat seine Wurzeln in der feudalen Produktionsweise, doch vergessen wir nicht, dass in ihr die geschlechtliche Differenzierung strukturell war, massgebend sowohl in wirtschaftlicher als auch gesellschaftlicher Hinsicht. Das Patriarchat war f&#252;r die Entwicklung des Kapitalismus notwendig, besonders um die Reproduktion der Arbeitskraft zu garantieren (wobei es immer noch die Gesellschaft strukturierte). Doch aufgrund seines revolution&#228;ren Charakters (wie Marx es formulierte) ver&#228;ndert der Kapitalismus permanent dessen Ausgangssituation und dabei auch die ganze Gesellschaft. Er hat alle Produktions- und Organisationsweisen, die vor ihm existierten, entweder zerst&#246;rt oder ver&#228;ndert, auch das Patriarchat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In seiner Entwicklung ist der Kapitalismus mit dem Patriarchat zusammengestossen, einige Aspekte davon waren ihm nicht mehr angemessen (der Bedarf an weiblicher Arbeitskraft steht beispielsweise im Widerspruch zur Tatsache, dass die Frauen zu Hause eingeschlossen sind&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-57&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Je nach Land und seinem Entwicklungsstadium organisiert sich das Kapital (...)&#034; id=&#034;nh8-57&#034;&gt;57&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;). Das Patriarchat ist entstellt worden. Der Kapitalismus ist somit die erste Produktionsweise, welche ein Problem mit den Frauen hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend langer Zeit waren die Z&#252;gel des Kapitalismus in den H&#228;nden weisser heterosexueller M&#228;nner (was zu Verwirrung f&#252;hren konnte, besonders zum Glauben, dass die zwei Systeme eins seien oder dass der Kapitalismus &lt;i&gt;in seiner Essenz&lt;/i&gt; m&#228;nnlich sei), was heute nicht mehr der Fall ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-58&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Was nat&#252;rlich nicht bedeutet, dass die schwarzen, arabischen oder (...)&#034; id=&#034;nh8-58&#034;&gt;58&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Kapitalismus ist also nicht an sich patriarchal, doch er ist notwendigerweise geschlechtlich differenziert. Geschlechtliche Differenzierung und M&#228;nnerherrschaft sind f&#252;r ihn unerl&#228;sslich und er kann die Geschlechterrollen &lt;i&gt;im Moment&lt;/i&gt; nicht aufheben. Sogar langfristig w&#252;rde die Realisierung dieser Hypothese enorme Umw&#228;lzungen bedingen; die aktuellen Tendenzen gehen nicht in diese Richtung, eher in Richtung einer Restrukturierung des Verh&#228;ltnisses zwischen M&#228;nnern und Frauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Geburtenkontrolle&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Geburten sind ein Streitobjekt in allen Gesellschaften. Die Kontrolle dar&#252;ber war eine Notwendigkeit f&#252;r alle Klassengesellschaften, speziell f&#252;r den Kapitalismus, f&#252;r welchen die Zunahme (oder zumindest die Erneuerung) der Anzahl Arbeiter die Bedingung f&#252;r die wirtschaftliche Expansion darstellt. Dies impliziert die Kontrolle der Frauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mehr noch als f&#252;r die vorherigen Produktionsweisen ist die Expansion der Anzahl Arbeiter f&#252;r den Kapitalismus fundamental, speziell in seiner Phase der formellen Herrschaft. Das erkl&#228;rt (unter anderem) wichtige Ver&#228;nderungen in der Organisation der geschlechtlichen Differenzierung. Heutzutage ist es unerl&#228;sslich f&#252;r das Kapital, eine rationelle Kontrolle &#252;ber die Vermehrung der Arbeitskraft (oder zumindest ihre Erneuerung) zu haben. In jenen Zonen allerdings, wo es in der Phase der reellen Herrschaft angekommen ist, ist eine &#252;berm&#228;ssige Vermehrung der Arbeitskraft weniger notwendig als eine durchdachte Verwaltung der Anzahl Arbeiter, besonders der qualifizierten Arbeiter (wobei ein Teil der unqualifizierten Arbeiter durch die Einwanderung garantiert wird). Das manifestiert sich in gewissen L&#228;ndern durch eine geburtenf&#246;rdernde Politik und in anderen durch gegenteilige Massnahmen (welche bis zur Sterilisierung und zur mehr oder weniger erzwungenen Abtreibung der Frauen gehen k&#246;nnen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Individuelle und kollektive Aneignung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Kontrolle &#252;ber die Frauen bedingt die Aneignung des gesamten K&#246;rpers und des gesamten Geistes (unter anderem durch die Bildung). Bis zum 20. Jahrhundert war diese Aneignung individuell, prinzipiell durch die Heirat und die Familie. Die Heirat erlaubte die Kontrolle und platzierte die Frauen in eine Situation der sexuellen Verf&#252;gbarkeit und des maximalen Schwangerschaftsrisikos (der Ehemann spielt die Rolle des Mittelsmannes in dieser Kontrolle, was ihm gewisse Vorteile verschafft). Es ist eine direkte, pers&#246;nliche Herrschaft (die man mit der Sklaverei oder der Leibeigenschaft vergleichen kann).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Heute ist diese Aneignung mehrheitlich kollektiv, die Herrschaft wird indirekt, unpers&#246;nlich. Das f&#252;hrt, wie bei der Lohnarbeit, zu einem &lt;i&gt;Eindruck von Freiheit&lt;/i&gt; (der dem Kapitalismus eigen ist).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Rolle des Staates in diesem Dispositiv ist seit dem 19. Jahrhundert wichtig und wird immer wichtiger&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-59&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Der Staat kann sich jedoch nicht vollst&#228;ndig um die Reproduktion der (...)&#034; id=&#034;nh8-59&#034;&gt;59&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; er garantiert, durch die Medizin, die Kontrolle des K&#246;rpers der Frauen (Verh&#252;tung, Abtreibung usw.);&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; er &#252;bernimmt einen Teil der Arbeiten zur Reproduktion der Arbeitskraft (Kinderkrippen, Bildung, Ausbildung, Gesundheit usw.);&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; er setzt die juristische Gleichheit zwischen Mann und Frau durch;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; er garantiert eine Kontrolle &#252;ber die Familie, indem er sozial und juristisch durch verschiedene Dispositive der sozialen Kontrolle (Familienhilfe, Kindergeld) in die private Sph&#228;re eindringt (was einen Machtverlust f&#252;r den Ehemann bedeutet). Er erstellt verschiedene Regelungen, die z.B. die Scheidung, die Adoption, die Kinderbetreuung, die h&#228;usliche Gewalt oder die eheliche Vergewaltigung (&lt;i&gt;die zumindest auf dem Papier anerkannt ist&lt;/i&gt;) betreffen;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; er beteiligt sich an der gesamten Reproduktion der Arbeitskraft (soziale Sicherheit, Familiengeld, Sozialhilfe usw.).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wegen der Entwicklung der Gesellschaft ist das traditionelle Paar heutzutage nicht mehr notwendig zur Erneuerung der Arbeitskraft; eine Frau kann sich mit Hilfe und mit der Kontrolle des Staates ganz alleine darum k&#252;mmern. Die Funktion des Vaters ist zwar nicht mehr unerl&#228;sslich (sein Bild ist seit dem 19. Jahrhundert &lt;i&gt;herabgew&#252;rdigt&lt;/i&gt; worden, aber nicht verschwunden), jene der Mutter ist hingegen konstant und wesentlich geblieben (mit Variationen bez&#252;glich der Form, besonders bez&#252;glich der Zentralit&#228;t der Mutterschaft im Leben der Frauen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir fragen uns, ob die individuelle Aneignung deswegen vollst&#228;ndig verschwunden ist. Ist sie immer noch strukturell in der geschlechtlichen Differenzierung und der M&#228;nnerherrschaft? Ist sie zu einem Element unter vielen im Dienst dieser Struktur geworden?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Paar ist immer noch das dominante Modell der Reproduktion, wenn es heute auch durch einen &lt;i&gt;Turnover&lt;/i&gt; charakterisiert und nicht mehr hegemonisch ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Hausarbeit&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als Hausarbeit ist die von den Frauen ausgef&#252;hrte &#8222;unentgeltliche&#8220; Arbeit in der privaten Sph&#228;re zu Gunsten des Haushalts zu verstehen. Sie ist im 19. Jahrhundert aufgekommen mit der Trennung zwischen dem Ort der Produktion und jenem der Reproduktion (welchem die Frauen zugewiesen sind). Doch seit dieser Epoche hat sich die Hausarbeit betr&#228;chtlich entwickelt. Sie ist jene Aktivit&#228;t, welche die Frauen definiert und sie charakterisiert ihren Platz im gesellschaftlichen Verh&#228;ltnis M&#228;nner/Frauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie hat zwei wesentliche Funktionen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; die &#8222;generationsbezogene&#8220; Reproduktion der Arbeitskraft (neue Proletarier kreieren) und in geringerem Masse der kapitalistischen Klasse. Die Reproduktion der &#8222;Rasse der Arbeiter&#8220; ist das zentrale Element der Hausarbeit;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; die &#8222;allt&#228;gliche&#8220; Reproduktion der Arbeitskraft (Unterhalt der existierenden Proletarier).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann anf&#252;gen, dass:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; die Hausarbeit unerl&#228;ssliche Aufgaben zur Reproduktion der Arbeitskraft beinhaltet (Aufgaben, die ausgef&#252;hrt werden m&#252;ssen wie die Zubereitung des Essens und die Kindererziehung);&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; eine grosse Anzahl von Aufgaben sind w&#228;hrend des 20. Jahrhunderts vom Staat &#252;bernommen oder sozialisiert worden (Einnahme von Mahlzeiten ausserhalb des Haushalts, Kinderkrippen usw.);&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; die Hausarbeit ist unendlich. Wenn eine technologische Innovation (oder die Sozialisierung) es erlaubt, Zeit zu gewinnen, erscheint eine neue Aufgabe (was die betr&#228;chtliche Entwicklung nur schon seit den 1950er Jahren erkl&#228;rt). Die proletarischen Frauen haben immer etwas zu tun. F&#252;r eine arbeitende oder arbeitslose Frau ist die Anzahl Stunden Hausarbeit jedoch viel geringer als f&#252;r eine Hausfrau. Das zeigt den &#252;berfl&#252;ssigen Charakter etlicher Hausarbeiten. Die Hausarbeit ist also etwas anderes als eine Liste von Aufgaben. Sie ist die T&#228;tigkeit der Frauen im Haushalt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; sie wird als &#8222;gratis&#8220; wahrgenommen. Im Grunde genommen ist ihre Bezahlung Teil des Lohns des Proletariers, welcher nicht die Bezahlung f&#252;r die ausgef&#252;hrte Arbeit, sondern der Preis f&#252;r die Reproduktion der Arbeitskraft (des Arbeiters und seiner Familie) ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; sie ist nicht gesellschaftlich anerkannt, sie ist unsichtbar;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; sie wird nicht von b&#252;rgerlichen Frauen ausgef&#252;hrt (welche proletarische Frauen im Tausch gegen einen Lohn damit beauftragen);&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; sie ist ein Trumpf f&#252;r das Kapital, denn der t&#228;gliche Unterhalt der Arbeiter erlaubt auch eine Reduktion der notwendigen Arbeitszeit und somit eine Reduktion des Werts der Arbeitskraft. Das erlaubt auch innerhalb eines Tages den Anteil der Mehrarbeit (des Rests der Arbeitszeit) zu vergr&#246;ssern&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-60&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe, f&#252;r jene, die mutig genug sind, &#8222;Distinction de genres, (...)&#034; id=&#034;nh8-60&#034;&gt;60&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Wenn z.B. die Hausarbeit nicht von den Frauen gemacht wird, muss der Lohnarbeiter in die Reinigung gehen und Sandwichs essen. Der Wert seiner Arbeitskraft erh&#246;ht sich also;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; die (aufgezwungene) Teilzeitarbeit der Frauen erlaubt es (mehr oder weniger gut), Produktion und Reproduktion unter einen Hut zu bringen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Frage 1: Kann man einen Vergleich mit der Lohnarbeit anstellen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die vorhergehenden Punkte zeigen, dass es gewagt ist, einen Vergleich zwischen Haus- und Lohnarbeit anzustellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zudem ist eine der Eigenschaften der Lohnarbeit die angebliche Freiheit des Individuums, welches seine Arbeitskraft verkauft. Die Situation ist anders f&#252;r die Frauen, welche trotz der kapitalistischen Freiheit ihrer selbst enteignet sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Andererseits ist die Hausarbeit eben nicht entlohnt, sondern &lt;i&gt;indirekt bezahlt&lt;/i&gt;. Sie produziert auch keinen Mehrwert* und keine ihrer Produktionen wird auf den Markt gebracht&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-61&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die jungen Proletarier, welche in den Arbeitsmarkt eintreten, haben nicht (...)&#034; id=&#034;nh8-61&#034;&gt;61&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Wenn einige Aufgaben des Haushalts nicht mehr von der Mutter/der Ehefrau, sondern von einer entlohnten Frau ausgef&#252;hrt werden, handelt es sich nicht mehr um Hausarbeit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Lohn- und Hausarbeit gehorchen also nicht den selben Regeln und werden unterschiedlich organisiert. Letztere hat zwar einen direkten Nutzen f&#252;r den Ehemann, doch sie n&#252;tzt vor allem indirekt dem Kapital&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-62&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Von der Hausarbeit der alleinstehenden M&#252;tter profitiert einzig und allein (...)&#034; id=&#034;nh8-62&#034;&gt;62&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Frage 2: Eine ausgeglichene Aufteilung der Hausarbeit?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein neuer Bericht der OECD&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-63&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;OECD, op. cit.&#034; id=&#034;nh8-63&#034;&gt;63&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; ermutigt die Staaten zu Massnahmen, denn die Arbeit der Frauen sei der Schl&#252;ssel zum Wachstum von morgen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; (finanzielle) Unterst&#252;tzung f&#252;r die Kinderbetreuung;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; Bereitstellung oder Entwicklung von Betreuungseinrichtungen (Kinderkrippen usw.);&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; Anpassung der Arbeitszeit f&#252;r Eltern von Kleinkindern;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; Ansporn der M&#228;nner, den Elternurlaub zu nehmen oder zu teilen, sich mehr an der Kindererziehung und an den &#8222;&lt;i&gt;h&#228;uslichen Verantwortlichkeiten&lt;/i&gt;&#8220; zu beteiligen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht darum, die Quote der Wiederaufnahme der Arbeit der Frauen nach einem Mutterschaftsurlaub zu verbessern (Hindernis f&#252;r die Teilnahme der Frauen am Arbeitsmarkt und ihre beruflichen Karrieren)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-64&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In Frankreich sind die Frauen zum Beispiel besser ausgebildet als die (...)&#034; id=&#034;nh8-64&#034;&gt;64&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#252;rde eine ausgeglichene Aufteilung der Aufgaben die Definition der Hausarbeit in Frage stellen? Eine egalit&#228;re Aufteilung in Bezug auf die Anzahl Stunden ist vorstellbar, das Ende der geschlechtlichen Differenzierung der Aufgaben jedoch kaum. Die Statistiken zeigen, dass nat&#252;rlich die Aufgaben verbunden mit der Kindererziehung im Zentrum des Problems stehen. Die von den Frauen ausgef&#252;hrte Hausarbeitszeit w&#228;chst rapide an sobald ein Kind Teil des Haushalts wird (w&#228;hrend sie vorher der Hausarbeitszeit von Singles entspricht).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Frage 3: Kann man von einer Klasse der Frauen sprechen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige Feministinnen versuchten, die Kritik am Kapitalismus mit jener am Patriarchat zu vermischen. F&#252;r einige ist der Kapitalismus eine Frucht des Patriarchats. Der Sexismus ist eine der Grundlagen des Kapitalismus; man kann das eine nicht ohne das andere zerst&#246;ren (doch das Patriarchat bleibt der Hauptfeind).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die radikalen Feministinnen (Delphy) denken, dass das Patriarchat eine autonome Produktionsweise ist (mit zwei Klassen, die M&#228;nner und die Frauen, wobei erstere letztere ausbeuten), welche sie &#8222;patriarchale&#8220; oder &#8222;Haushaltsproduktionsweise&#8220; nennen. Sie benutzen den Begriff &#8222;Klasse&#8220;, denn f&#252;r sie haben die Frauen einen spezifischen gemeinsamen Platz in einer spezifischen Produktionsweise, in welcher sie durch die Hausarbeit ausgebeutet werden. Es scheint uns indessen falsch, die Hausarbeit als &#8222;Produktionsweise&#8220; zu qualifizieren. Die Frauen sind eine beherrschte Gruppe, wegen ihren mutmasslichen reproduktiven F&#228;higkeiten. Obwohl alle, B&#252;rgerliche sowohl als Proletarierinnen, gegenw&#228;rtig die M&#228;nnerherrschaft erdulden, sind sie nicht alle den gleichen materiellen Bedingungen unterworfen und haben widerspr&#252;chliche Interessen (es gibt keine &#220;bereinstimmung zwischen der Gender- und der Klassenzugeh&#246;rigkeit). Die Geschlechterrollen geh&#246;ren spezifisch zum Reproduktionsprozess, die Klassen spezifisch zum Produktionsprozess. Man kann also nicht von einer Klasse der Frauen sprechen, sondern von einer Gruppe, deren Mitglieder ein spezifischer gemeinsamer Platz zugewiesen wird. Die Geschlechterrollen sind keine Klassen - sondern Geschlechterrollen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;GENDER UND REVOLUTION&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ausgehend von dem, was die Proletarier &lt;i&gt;heute&lt;/i&gt; sind und denken, ist es nicht m&#246;glich, zu wissen, was die Revolution und der Kommunismus sein werden (unsere gegenw&#228;rtigen Mentalit&#228;ten sind von der gegenw&#228;rtigen Gesellschaft gepr&#228;gt). Wenn man jedoch die vergangenen revolution&#228;ren Perioden, den aktuellen Gang des Klassenkampfes und den gegenw&#228;rtigen Zustand des Verh&#228;ltnisses zwischen M&#228;nnern und Frauen untersucht, kann man versuchen, einige Hypothesen aufzustellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die kommunistische Revolution&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unsere Sichtweise hat selbstverst&#228;ndlich nichts zu tun mit den (leninistischen oder anderen) programmatischen Konzeptionen der Revolution, in welchen das Proletariat aufsteigen, die Macht ergreifen, den Staat, die Fabriken und anderen Mist kontrollieren muss, um &lt;i&gt;danach&lt;/i&gt;, w&#228;hrend einer &#220;bergangsphase, die Bedingungen f&#252;r den Kommunismus aufzubauen. Es geht uns nicht darum, die Art und Weise, wie die Wirtschaft verwaltet wird, radikal zu ver&#228;ndern (und auch nicht darum, sich die Unternehmen anzueignen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir denken, dass die Phase der Zerst&#246;rung der alten Welt &lt;i&gt;gleichzeitig&lt;/i&gt; Phase des Aufbaus des Kommunismus ist (Beseitigung des Staates, des Eigentums, des Werts, des Geldes, des Tausches, der Lohnarbeit und der Klassen durch die T&#228;tigkeit des Proletariats&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-65&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Da ihre Interessen im Widerspruch zu jenen der Kapitalisten sind, k&#246;nnen (...)&#034; id=&#034;nh8-65&#034;&gt;65&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und somit dessen Selbstnegation usw.). Dieser Prozess wurde in den 1970er Jahren von mehreren ultralinken Gruppen theoretisiert und als &lt;i&gt;Kommunisierung&lt;/i&gt;* bezeichnet&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-66&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Das Konzept der Kommunisierung st&#246;sst seit einigen Jahre international auf (...)&#034; id=&#034;nh8-66&#034;&gt;66&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&lt;i&gt;Aufstand und Kommunisierung bedingen einander. Es wird nicht zuerst einen Aufstand und danach eine durch den Aufstand erm&#246;glichte Transformation der sozialen Realit&#228;t geben. Der aufst&#228;ndische Prozess bezieht seine Kraft aus der Kommunisierung selbst.&lt;/i&gt;&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-67&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Quatre millions de jeunes travailleurs, Pour un monde sans argent : le (...)&#034; id=&#034;nh8-67&#034;&gt;67&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Prozess wird unvermeidlich Genderfragen ebenfalls betreffen und f&#252;hrt, unserer Meinung nach, schliesslich zu deren Aufhebung (andernfalls versinkt er in der Konterrevolution).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Daf&#252;r braucht es keine Dekrete zu verfassen und dann anzuwenden, nur viele Freudenfeuer und vor allem kommunistische &#8222;Massnahmen&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-68&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Im Laufe des revolution&#228;ren Kampfes sind die Aufhebung des Staates, des (...)&#034; id=&#034;nh8-68&#034;&gt;68&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, welche das System niederreissen, jegliches Zur&#252;ck verunm&#246;glichen, mit der Vergangenheit Tabula rasa machen und gleichzeitig den Tisch f&#252;r die neue Welt anrichten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kapitalismus basiert unter anderem auf einem gesellschaftlichen Verh&#228;ltnis, der Lohnarbeit, dessen es sich zu entledigen gilt und welches im Moment der Revolution blockiert sein wird&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-69&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diese Revolution kann nicht &#8222;antikapitalistisch&#8220; sein. Der Staat ist zum (...)&#034; id=&#034;nh8-69&#034;&gt;69&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Diese Krise hat als Ursache und Konsequenz den Ausbruch des Proletariats, welcher die Form von Generalstreiks, Ausschreitungen, Generalaufstand, Aneignung gewisser der Revolution n&#252;tzlichen Produktionsmittel (und Abschaltung/Zerst&#246;rung der anderen) annimmt. Als brutaler Bruch wird die Kommunsierung aus Fortschritten und R&#252;ckschl&#228;gen bestehen und Gewalt und Konfrontationen werden leider unvermeidlich sein (gegen&#252;ber Bullen aller Art, der Armee, privaten Milit&#228;runternehmen usw.). Die physischen Elemente des Kapitals (nicht nur die Fabriken), welche seinen Fortbestand erlauben, werden nutzlos und unbrauchbar gemacht oder zerst&#246;rt: Geld, Banken, Goldreserven, Eigentumstitel, notarielle Gutachten, Verwaltungen, Unternehmenssitze, &#8222;&lt;i&gt;Kasernen und Kathedralen, welche f&#252;r uns gleich absurd sind&lt;/i&gt;&#8220; usw., alles mehr oder weniger traditionelle Ziele der proletarischen Wut&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-70&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Gruppe Rage Against the Kebab singt es melodi&#246;s: &#8222;Kommunisieren (...)&#034; id=&#034;nh8-70&#034;&gt;70&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Revolution wird sich selbstverst&#228;ndlich nicht auf den Angriff einiger Geb&#228;ude beschr&#228;nken; die Hauptwaffen der Aufst&#228;ndischen werden die eingeleiteten kommunistischen &#8222;Massnahmen&#8220; und die Erschaffung neuer gesellschaftlicher Verh&#228;ltnisse sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Bewegung hebt die existierende Ordnung der Dinge endg&#252;ltig auf, d.h. die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse dieser beschissenen Welt (Staat, Eigentum, Kapitalismus, Ausbeutung, Wert, Geld, Lohnarbeit, Tausch, Klassen usw.) und beseitigt gleichzeitig die &lt;i&gt;Notwendigkeit&lt;/i&gt;, die Arbeitskraft, die Familie und die Geschlechterrollen zu reproduzieren. Die Aufhebung der Lohnarbeit und die revolution&#228;re T&#228;tigkeit beenden die Unterscheidung zwischen gesellschaftlicher und individueller T&#228;tigkeit, zwischen diversen Trennungen (Arbeits-, Ruhe-, Freizeit usw.), welche die Grundlagen der Hausarbeit sind (die Trennung zwischen privater/reproduktiver und &#246;ffentlicher/produktiver Sph&#228;re). Neue Verh&#228;ltnisse zwischen unmittelbar gesellschaftlichen Individuen* entstehen, gegen jegliche Vermittlung, Klassenzugeh&#246;rigkeit und &#228;hnliches gerichtet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die transformierende Revolution&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#8222;klassischen&#8220; K&#228;mpfe (Streiks, Besetzungen, Ausschreitungen, Aufst&#228;nde usw.) transformieren jene, welche daran teilnehmen; die Proletarier f&#252;hren Aktionen durch und kommen zu &#220;berlegungen, die sie sich oft vorher nie h&#228;tten vorstellen k&#246;nnen. Das alles wird m&#246;glich, weil der beschissene Alltag, die entfremdende und abstumpfende allt&#228;gliche T&#228;tigkeit, die gew&#246;hnlichen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse ersch&#252;ttert und/oder unterbrochen werden. Neue Verh&#228;ltnisse entstehen; man hat Zeit, sich zu treffen, zu diskutieren, zu &#252;berlegen usw. Einige werden sagen, dass &#8222;&lt;i&gt;das Klassenbewusstsein sich im Kampf formt&lt;/i&gt;&#8220; (Otto R&#252;hle). Und je intensiver der Kampf ist, desto tiefer ist diese Transformation&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-71&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In einen Kampf k&#246;nnen sich der spiessigste Prolet und der idiotischste (...)&#034; id=&#034;nh8-71&#034;&gt;71&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bis jetzt waren diese Art von Situationen immer zeitlich und r&#228;umlich begrenzt und haben somit jedes Mal nur eine begrenzte Anzahl Leute ber&#252;hrt. Wenn ein Kampf vorbei ist, beginnt der Alltag, und insbesondere die Arbeit wieder von vorne, die Normalit&#228;t kehrt zur&#252;ck (manchmal nicht ganz bis in die &#8222;Geister&#8220;). Dank der Revolution wird diese Situation gl&#252;cklicherweise keine r&#228;umlichen und zeitlichen Grenzen mehr haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Selbstnegation der proletarischen Frauen - und der M&#228;nner&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Streiks der proletarischen Frauen (besonders in den 1970er Jahren) machen die M&#228;nnerherrschaft offensichtlich und stellen sie manchmal gar in Frage&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-72&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es w&#228;re notwendig, die Teilnahme von Frauen an den zeitgen&#246;ssischen (...)&#034; id=&#034;nh8-72&#034;&gt;72&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Kampf bringt sie weg vom Haushalt und zusammen, geteilte Momente, die Ideen geben und die Praktiken ver&#228;ndern. Die Ausf&#252;hrung oder Unterlassung der Hausarbeit wird zum Problem (entweder wird sie nicht mehr ausgef&#252;hrt oder die sie wird den Frauen zugewiesen zu Lasten des Kampfes). Dies hat einen direkten Einfluss auf das Leben im Haushalt, im Paar, in der Familie: Sie sind nicht mehr verf&#252;gbar, um die Mahlzeiten zuzubereiten, die W&#228;sche zu machen, sich um die Kinder zu k&#252;mmern...Das damit konfrontierte Paar erlebt eine Krise und die geschlechtliche Differenzierung wird davon ersch&#252;ttert. Die Probleme der Reproduktion (nicht der Arbeitskraft, sondern des allt&#228;glichen &#220;berlebens) werden notwendigerweise und direkt in den Kampf integriert (welcher somit nicht mehr nur Lohnfragen betreffen). Aber auch hier kommt das allt&#228;gliche Leben zur&#252;ck und alles wird wieder mehr oder weniger normal sobald der Kampf vorbei ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ausgehend von den Beispielen dieser Streiks k&#246;nnen wir uns die Intensit&#228;t &lt;i&gt;vorstellen&lt;/i&gt;, welche diese Umw&#228;lzungen haben werden, wenn eine revolution&#228;re Periode eintritt. Die Beteiligung der Frauen am Aufstand wird unumg&#228;nglich und massiv sein. Dies wird einen bedeutenden Einfluss auf die private Sph&#228;re (die, wie die &#246;ffentliche auch, verschwinden wird) und das allt&#228;gliche Leben haben. Sie werden nicht mehr als Frauen von Proletariern oder Hausfrauen intervenieren, was in den vergangenen &#8222;revolution&#228;ren&#8220; Episoden mehrheitlich der Fall war. Sie werden als Proletarierinnen handeln (Infragestellung der Klassen) &lt;i&gt;und auch als Frauen&lt;/i&gt; (Aufkommen von Fragen, die mit der Reproduktion und den Geschlechterrollen zusammenh&#228;ngen)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-73&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Das wirft eine wohl grundlegende Frage auf, auf die wir nicht wirklich (...)&#034; id=&#034;nh8-73&#034;&gt;73&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Historische Beispiele zeigen, dass in einer ersten Phase einer revolution&#228;ren Periode die Frauen sehr h&#228;ufig aktiv sind, zu den Waffen greifen und die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse und die Geschlechterteilung werden davon ersch&#252;ttert (Paris 1871, Russland 1917&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-74&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Kollontai zeigt zum Beispiel, dass die neuen wirtschaftlichen und (...)&#034; id=&#034;nh8-74&#034;&gt;74&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, Spanien 1936). Man k&#246;nnte jedoch einwenden, dass sie schnell wieder auf die weiblichen Aufgaben (Pflege, K&#252;che, Waschen usw.) beschr&#228;nkt wurden, was stimmt. Es ist weniger so, dass der revolution&#228;re Prozess die geschlechtliche Differenzierung wieder einrichtet, sondern eher, dass er gebremst worden ist. Die Grundlagen der alten Welt bleiben erhalten (speziell die Lohnarbeit), die Verwaltung einer mehr oder weniger normalen gesellschaftlichen Ordnung wird zu einer Notwendigkeit und die B&#252;rokraten (bolschewistische Partei oder CNT&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-75&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Brosch&#252;re von Michael Seidman L'Individualisme subversif des femmes &#224; (...)&#034; id=&#034;nh8-75&#034;&gt;75&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) erscheinen oder ergreifen die Macht. Die Frauen in den Haushalt oder die K&#252;che zur&#252;ckzuschicken ist nicht schwer, denn es ist damals mehrheitlich ihr Platz in der Gesellschaft (Frauen von Proletariern). Dies ist heute nicht mehr der Fall.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im revolution&#228;ren Prozess werden die von den Frauen getragenen Fragen offen gelegt werden, herausbrechen und unvermeidlich Konflikte provozieren (Wer k&#252;mmert sich um die Kinder? Die Pflege? Die Kantine? usw.) Ihre L&#246;sung wird wahrscheinlich Formen der Selbstorganisation der Frauen herbeif&#252;hren (gegen&#252;ber den M&#228;nnern?)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-76&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die M&#228;nner werden also ihre &#196;rmel hochkrempeln m&#252;ssen (und somit faktisch (...)&#034; id=&#034;nh8-76&#034;&gt;76&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, nicht um das Herrschaftsverh&#228;ltnis umzukehren, sondern um die geschlechtliche Differenzierung aufzul&#246;sen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-77&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ein von einigen vorgebrachtes Beispiel ist die Gr&#252;ndung des Movimiento de (...)&#034; id=&#034;nh8-77&#034;&gt;77&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Ist dies nur eine M&#246;glichkeit oder eine Notwendigkeit? Die Frage bleibt offen, wie auch jene des Risikos, damit die Geschlechterteilung zu best&#228;tigen. Wenn in dieser Hypothese die Selbstorganisation der Frauen eine Etappe im Prozess der Kommunisierung darstellt, so wird sich doch der Rest (die Aufhebung der Geschlechterrollen) gegen sie (die Selbstorganisation) richten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Untergrabung der Tr&#228;ger der sozialen Konstruktion&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die K&#228;mpfe und Zerst&#246;rungen, die Aufhebung des Eigentums, des Geldes, des Werts, des Staats usw. werden &lt;i&gt;faktisch&lt;/i&gt; im allt&#228;glichen Leben etliche &lt;i&gt;Tr&#228;ger&lt;/i&gt; der sozialen Konstruktion der Geschlechterrollen ersch&#252;ttern, sie unwirksam, unbrauchbar, hinf&#228;llig machen oder ihr Verschwinden verursachen. Es ist unm&#246;glich, davon eine vollst&#228;ndige Liste zu erstellen (denn das ganze Leben wird transformiert, ersch&#252;ttert werden), doch man kann einige Beispiele geben: die Pornoindustrie, die Werbung, die Medien (Fernsehen, Zeitungen), die religi&#246;sen Institutionen, die staatliche Bildung, das Standesamt (Schluss mit Heiraten, Scheidungen, Heiratsvertr&#228;gen, Abstammung, Erbe usw.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-78&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es wird wohl immer noch einige Hinterw&#228;ldler geben, die heiraten m&#246;chten, (...)&#034; id=&#034;nh8-78&#034;&gt;78&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;), die Prostitution, die Modeindustrie, die Sch&#246;nheitswettbewerbe, die Nachtlokale, Walt Disney usw.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu diesen Ersch&#252;tterungen des allt&#228;glichen Lebens sollte man die Wirkung der neuen Funktionsweisen hinzuf&#252;gen, welche im Kampf aufgebaut werden, um etliche Schwierigkeiten zu bew&#228;ltigen (wie z.B. die Versorgung&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-79&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Im Vergleich zu kapitalistischen Kriterien wird der kommunistische (...)&#034; id=&#034;nh8-79&#034;&gt;79&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;): diverse Versammlungen und Orte der Diskussion, kollektive Kantinen, kollektives Wohnen, kollektive Kindererziehung und Bildung (Schluss der Kernfamilie), wahrhafte sexuelle Befreiung (Verschwinden der verkn&#246;cherten gesellschaftlichen und moralischen Rahmenbedingungen) usw. (wir gestehen hier die Schw&#228;che unserer Vorstellungskraft ein).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Frage der Zeit&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es wird m&#246;glich sein, sich von der alten Welt zu befreien nach einigen Jahren entsetzlichen, blutigen und vielleicht ein wenig freudigen Kampfes, doch, obwohl der Kampf jene, welche daran teilnehmen, ver&#228;ndert, wird das vielleicht nicht f&#252;r die etlichen sch&#228;dlichen Einwirkungen ideologischen Charakters gelten. Insbesondere alles, was, als Frucht einer Bildung und einer Umwelt, die wir unser ganzes Leben erduldet haben, in jedem und jeder von uns tiefst verankert ist: der Sexismus, der Rassismus, der Individualismus, der Drang/die Lust nach Ordnung, Disziplin, Hierarchie, das Paar (welches wohl eine der letzten Widerstandsbastionen der M&#228;nnerherrschaft sein wird&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-80&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In den russischen und spanischen Episoden findet man h&#228;ufig die Figur des (...)&#034; id=&#034;nh8-80&#034;&gt;80&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;), die Aneignung der Kinder usw. All das hinter uns zu lassen mag &lt;i&gt;heute&lt;/i&gt; schwierig erscheinen, doch erinnern wir noch einmal daran, dass der Prozess der Kommunisierung die Probleme der geschlechtlichen Differenzierung auf den Tisch legen wird und die Entwicklung der Mentalit&#228;ten wird wahrscheinlich viel schneller sein als man sich vorstellen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Kommunismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aufhebung der Geschlechterrollen bedeutet nicht Vereinheitlichung, Gleichmacherei und Traurigkeit. Es ist &lt;i&gt;heute&lt;/i&gt; unm&#246;glich, sich vorzustellen, was in einer kommunistischen Welt die Schwangerschaft, die (wahrscheinlich kollektive) Kindererziehung, emotionale, k&#246;rperliche und/oder sexuelle Beziehungen, der K&#246;rper usw. sein werden (der uns zu Verf&#252;gung stehende Wortschatz eignet sich &#252;brigens nicht dazu).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit der Revolution werden die geschlechtliche Differenzierung und die Geschlechterrollen faktisch von unmittelbar gesellschaftlichen Individuen aufgehoben. Doch der Kommunismus wird selbstverst&#228;ndlich nicht die Unterscheidung aufheben zwischen jenen, welche schwanger werden k&#246;nnen und jenen, welche es nicht k&#246;nnen. Die Schwangerschaft ist jedoch kein nat&#252;rliches Ph&#228;nomen, sie wird gesellschaftlich organisiert (auf unterschiedliche Art und Weise je nach Epochen, Gesellschaft und Regionen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-81&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Paola Tabet, op. cit.: Um die niedrige Fruchtbarkeit der (...)&#034; id=&#034;nh8-81&#034;&gt;81&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;). Heute bedingt sie die Bildung der Gruppe der Frauen und die M&#228;nnerherrschaft. Wie die Frage der Organisation der Schwangerschaft behandelt und gel&#246;st wird w&#228;hrend der Kommunisierung ist wesentlich und sehr problematisch. Es ist besonders diese Frage, die Mutterschaft, &#252;ber welche die Aufhebung der Geschlechterrollen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-82&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ein Genosse denkt, dass wir im Kommunismus &#8222;keine Kinder mehr haben, doch (...)&#034; id=&#034;nh8-82&#034;&gt;82&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, und somit die Kommunisierung, zu stolpern droht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus kann nicht zusammen mit irgendeiner gesellschaftlichen Hierarchie (und somit der Aufrechterhaltung der M&#228;nnerherrschaft) oder Bestimmungen gedacht werden. Doch man kann auch nicht sagen, obwohl wir die Idee der &#220;bergangsphase ablehnen (welche die Grundlagen des Kommunismus aufbauen soll), dass die Menschheit wirklich gl&#252;cklich sein wird, wenn der letzte Kapitalist geh&#228;ngt werden wird. Anders gesagt: Obwohl es bei der Kommunisierung darum geht, &lt;i&gt;kommunistische Verh&#228;ltnisse&lt;/i&gt; (welche die Hauptwaffe der Revolution&#228;re sein werden) aufzubauen, wird man noch nicht von Kommunismus sprechen k&#246;nnen, wenn die letzte bewaffnete Konfrontation beendet sein wird...Trotz den Umw&#228;lzungen werden die &#8222;Mentalit&#228;ten&#8220; (eine Frucht der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse) noch nicht kommunistisch sein. W&#228;re der Begriff historisch nicht dermassen beladen, k&#246;nnte man von einer Art &lt;i&gt;&#220;bergangsphase&lt;/i&gt; (nicht des Absterbens des Staates, sondern der kapitalistischen Mentalit&#228;ten) zum Kommunismus sprechen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus wird nicht das Paradies sein, er wird nicht alle Konfliktm&#246;glichkeiten aufheben, aber diese werden nicht mehr durch das Kapital oder andere Herrschaftsformen vermittelt; die Konflikte werden wahrscheinlich auf noch nie dagewesene Art und Weise gel&#246;st werden. Die Bedingungen, welche die M&#228;nnerherrschaft und alle Formen der Herrschaft und der Unterdr&#252;ckung erkl&#228;ren und erlauben, werden verschwunden sein, was ein guter Anfang ist. Die unmittelbar gesellschaftlichen (schon w&#228;hrend der Kommunisierung transformierten) Individuen werden Existenzbedingungen kennen, welche f&#252;r eine &#8222;positive&#8220; Entwicklung besonders g&#252;nstig sein werden. Die folgende Generation (welche nur den Kommunismus gekannt haben wird, in ihrer Bildung jedoch noch den Einfluss der &#8222;&#220;berbleibsel&#8220; der Erwachsenen erdulden werden) wird den Makel der alten Welt wesentlich weniger ergeben sein - und vielleicht &#252;berhaupt nicht mehr. Man wagt sich nicht vorzustellen, wie es zehn Generationen sp&#228;ter aussehen wird...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;SCHLUSSFOLGERUNG&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Etliche Proletarier revoltieren heutzutage, brechen aus, weigern sich, sich der Ausbeutung und der Herrschaft zu f&#252;gen und sind somit faktisch Teil der wirklichen Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufheben wird. Diese K&#228;mpfe stossen an die Grenzen ihrer Epoche und k&#246;nnen, in dieser Periode relativer sozialer Ruhe (solange alles funktioniert), nur partiell, reformistisch usw. sein. Doch eine Periode der Krise/des Aufstands, welche nicht mit den aktuellen K&#228;mpfen vergleichbar ist, wird M&#246;glichkeiten zu einem radikalen und qualitativen Bruch erschaffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht nicht darum, auf diese Momente kollektiver Ausbr&#252;che zu warten, doch es sind nicht wir (die mehr oder weniger selbst ernannten &#8222;Revolution&#228;re&#8220;), welche diese K&#228;mpfe ausl&#246;sen, wir entscheiden auch nicht die Ziele oder die Art der Angriffe. Wir nehmen daran teil wie alle Proletarier. Obwohl pers&#246;nliche Vorgehensweisen (oder in kleinen Gruppen) selbstverst&#228;ndlich nicht abzulehnen sind, sollte man sich jedoch bewusst sein, dass nur ein kollektiver Kampf in einem gewissen Ausmass (die Revolution) in einem notwendigerweise einmaligen Akt die Klassen und die Geschlechterrollen wird aufheben k&#246;nnen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8-83&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wenn uns etwas bewusst werden sollte, so sind es vor allem unsere Grenzen (...)&#034; id=&#034;nh8-83&#034;&gt;83&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Beteiligung der Frauen an Bewegungen der Revolte in der Vergangenheit wurde oft als Gradmesser der Radikalit&#228;t wahrgenommen. Aber seit ihrem massiven und direkten Eintritt in die Lohnarbeit und somit in die Streiks f&#252;hrt allein ihre Involvierung dazu, dass die Fragen der Reproduktion auftauchen. Die Revolution wird mit den proletarischen Frauen stattfinden und es ist diese Involvierung, welche einen bis anhin unm&#246;glichen qualitativen Sprung erlaubt. Von diesem Moment an wird sich die Frage der Aufhebung der &#246;ffentlichen und privaten Sph&#228;re in der Praxis stellen; genauso wie das Ende der Geschlechterrollen und der geschlechtlichen Differenzierung. In diesem konfliktreichen und problematischen Prozess wird die Rolle der Frauen also bestimmend sein - sowie als Reaktion jene der M&#228;nner. Wenn man sich die Genderfrage in einer revolution&#228;ren Perspektive nicht ersparen kann, so gilt das gleiche f&#252;r die allt&#228;glichen K&#228;mpfe und das allt&#228;gliche &#220;berleben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seien wir optimistisch, denn chronologisch betrachtet waren wir der kommunistischen Revolution noch nie so nah!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nieder mit dem Proletariat! Nieder mit den M&#228;nnern! Nieder mit den Frauen!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es lebe die Anarchie, es lebe der Kommunismus!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bande von Incendo&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Anhang:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Va te faire queer un &#339;uf*&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gegen die Gleichheit und die Altbackenheit des Feminismus, welcher im Problem des kollektiven Kampfes verankert ist, entstand in den 1990er Jahren eine neue Art und Weise, Gender zu denken, die &lt;i&gt;Queer&lt;/i&gt;-Theorie. Sie positioniert sich gegen jeglichen Essentialismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch mit der vorherrschenden Forderung nach Gleichheit geht die Kritik des Essentialismus in der Regel vergessen. Da die Naturalisierung effizient ist und dem &#8222;spontanen&#8220; Denken entspricht, kommt sie stets zur&#252;ck, wenn sie nicht kritisiert und bek&#228;mpft wird. Die Schwulen- und Lesbenbewegung ist auch Teil dieser allgemeinen Bewegung, welche in einer Welt der Beherrscher und Beherrschten Gleichheit fordert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Somit erscheint &lt;i&gt;Queer&lt;/i&gt; als eine Erneuerung essentialistischer Kritik. Sie unterscheidet sich jedoch grunds&#228;tzlich von jener des Feminismus der 1970er Jahre, indem sie die Minderheiten in eine Strategie der Kritik des herrschenden Denkens einbettet, die das Streben nach Gleichheit beinhaltet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht also nicht mehr darum, zu zeigen, dass es gesellschaftliche Verh&#228;ltnisse und eine gesellschaftliche Struktur gibt, die die Individuen aus materiellen Gr&#252;nden unter Zwang setzt, sondern zu zeigen, dass es Dissidenz gibt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Minderheiten, insbesondere die sexuellen, sind also das bevorzugte Experimentierfeld eines von allen gesellschaftlichen Zw&#228;ngen losgel&#246;sten Individuums, das die Freiheit hat, zu subvertieren, gegen die herrschende Norm zu verstossen und ihr abzuschw&#246;ren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jeder wird in gewisser Weise zum kleinen Unternehmer seiner Identit&#228;t, einer Identit&#228;t in Bewegung, nicht beeintr&#228;chtigt von der Norm und konstituierend durch die einfache Tatsache ihrer Art der Existenz, als etwas betrachtet, das man &#8222;w&#228;hlen&#8220; k&#246;nnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist somit nicht mehr eine Sichtweise eines Systems gesellschaftlicher Verh&#228;ltnisse, in welchem die Leute k&#228;mpfen und debattieren, sondern von individuellen Identit&#228;ten, von welchen man sich befreien, zu welchen man in ein Verh&#228;ltnis der Dissidenz eintreten und von welchen man sich abspalten kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Sackgasse von &lt;i&gt;Queer&lt;/i&gt; liegt also in der Tatsache, dass die Theorie nicht erkl&#228;ren kann, warum die Individuen diese &#8222;Rollen&#8220; dermassen &#252;berzeugend und manchmal unter Lebens- oder Verletzungsgefahr &#8222;spielen&#8220;. Es ist ebenfalls unverst&#228;ndlich, warum nur ganz wenige diese F&#228;higkeit zur Subversion haben sollten, w&#228;hrend alle anderen nur als Schafe, Entfremdete, Unfreie qualifiziert werden k&#246;nnen. Butler mit ihrer Theatermetapher zeigt, dass die Schw&#228;che von &lt;i&gt;Queer&lt;/i&gt; ist, in Identit&#228;tsfragen nur eine Haltung, eine Rolle, gek&#252;nstelt und ideologisch, zu sehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ginge somit darum, sich individuell eine andere gesellschaftliche Performance zu konstruieren, indem man auf der B&#252;hne der Gesellschaft eine andere Rolle spielt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der mit Ach und Krach vertriebene Naturalismus ist also im Handumdrehen wieder da: Es ginge also darum, sich von jeglicher definierten und stabilen Identit&#228;t zu l&#246;sen, doch wozu? Es kann nur darum gehen, eine Essenz, eine Natur wieder zu finden: jene des freien, von allen Normen befreiten Individuums &#8211; historisch eine sehr zeitgen&#246;ssische Idee. Man kann davon ableiten, dass die Dissidenz entweder in den herrschenden gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen enthalten und von ihnen konstruiert ist, und somit keine ist, oder dass wir es mit einem Individuum zu tun haben, dessen Identit&#228;t sich anders als durch die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse, wovon es Teil ist, definieren kann, womit wir beim Naturalismus angekommen w&#228;ren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tarona&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;(Auszug eines unver&#246;ffentlichten Textes)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;* &#8222;Geh dir ein Ei kochen&#8220;. Wortspiel zwischen &#8222;cuire&#8220; (&#8222;kochen&#8220;) und &#8222;queer&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Begriffserkl&#228;rungen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Viele Begriffe, die Geschlechterrollen und Klassen betreffen, haben keine strikte und noch weniger eine konsensuelle Definition. Das erste Vorkommen jedes Begriffs ist in den Artikeln mit einem * markiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;ANEIGNUNG&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Verh&#228;ltnis, innerhalb welchem eine (beherrschte) Kategorie von einer anderen (herrschenden) angeeignet wird. Colette Guillaumin, auf welche diese Reflexionen zur&#252;ckgehen, bezieht sie auf die Aneignung, welche die Sklaverei (Meister/Sklave) oder die Leibeigenschaft (Feudalherr/Leibeigener) darstellen. Sie bezeichnet das Verh&#228;ltnis der Aneignung der Frauen als &lt;i&gt;sexage&lt;/i&gt; [&#252;bersetzt Sexerei oder Geschlechterei]. Die Individuen der beherrschten Gruppe sind das Eigentum anderer Individuen (sie geh&#246;ren ihnen mit K&#246;rper und Seele, schulden ihnen Gehorsam usw.). Die Frauen werden kollektiv (als Gruppe, im Rahmen der allgemeinen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse) und individuell (im Rahmen der Familienverh&#228;ltnisse, durch die Heirat) angeeignet. Einige denken, dass letztere Aneignung heutzutage in den westlichen L&#228;ndern fakultativ geworden ist, zumal das schrittweise juristische und soziale Eindringen des Staates in den Haushalt sie geschw&#228;cht hat (die Frauen werden nicht mehr als Minderj&#228;hrige unter der Autorit&#228;t ihres Ehemannes betrachtet, die eheliche Vergewaltigung ist juristisch anerkannt usw.). F&#252;r andere wiederum ist die individuelle Aneignung immer noch notwendig zur Kontrolle der Frauen, jedoch komplexer als noch vor f&#252;nfzig Jahren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;ESSENTIALISMUS&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um es kurz zu machen, kann man sagen, dass die Eigenheit der essentialistischen feministischen Str&#246;mungen ist, dass sie denken, es gebe einen &lt;i&gt;Wesens&lt;/i&gt;unterschied zwischen M&#228;nnern und Frauen, der die geschlechtliche Differenzierung erkl&#228;rt und best&#228;tigt. Was dazu f&#252;hrt, dass sich die Kritik h&#228;ufig auf die Ungleichheit von M&#228;nnern und Frauen beschr&#228;nkt, ohne die Organisation der Gesellschaft in zwei Geschlechterrollen in Frage zu stellen, d.h. diese Kategorien nicht als Frucht gesellschaftlicher Verh&#228;ltnisse zu betrachten und ihre Funktion nicht zu erkennen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kurz, der Essentialismus ist zusammen mit dem Pro-Feminismus das schlimmste Produkt des Sexismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;FEMINISMEN&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Feminismus, als kollektive Bewegung der Frauenk&#228;mpfe, kommt als solcher erst in der zweiten H&#228;lfte des 19. Jahrhunderts auf. Er basiert auf der Erkenntnis der Frauen ihrer spezifischen und systematischen Unterdr&#252;ckung (die nicht durch die Natur bedingt ist). Diese Forderung entsteht aus der Diskrepanz zwischen der Behauptung universeller Gleichheit und der Realit&#228;t (Erkl&#228;rung der Menschenrechte, b&#252;rgerliche Demokratie). Er ist zu unterscheiden von Massenbewegungen der Frauen, die nicht direkt die Forderung nach solchen Rechten hervorheben. Der Begriff wird von sozialistischen Frauen der zweiten und dritten Internationalen (wegen seiner b&#252;rgerlichen Konnotation) abgelehnt, obwohl diese als Vorreiter desselben betrachtet werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Gegensatz zur g&#228;ngigen Meinung ist es schwierig, den Begriff im Singular zu gebrauchen, denn die Positionen und Ziele der Feministinnen sind zu verschieden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;FORMELLE/REELLE HERRSCHAFT&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die zwei historischen Phasen der wirtschaftlichen Entwicklung der kapitalistischen Produktion. In der ersten Phase, &#8222;formelle Herrschaft des Kapitals &#252;ber die Arbeit&#8220; genannt, dominiert das Kapital, doch der konkrete Modus der Arbeit wird nicht modifiziert und bleibt global jener der vorhergehenden Produktionsweise.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Phase der reellen Herrschaft werden diese konkrete Arbeit, sowie das ganze Leben, komplett transformiert und der kapitalistischen Produktionsweise angepasst. Die Herrschaft ist effektiv und reell.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die genaue Datierung dieser beiden Perioden ist unm&#246;glich (das &#220;bergehen der einen zur anderen ist progressiv und in jedem Land verschieden) und wird kontrovers diskutiert. Man kann dennoch f&#252;r die westlichen L&#228;nder sagen, dass die Herrschaft am Anfang des 19. Jahrhunderts formell und in der zweiten H&#228;lfte des 20. Jahrhunderts reell ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu diesem Thema siehe Karl Marx, &lt;i&gt;Resultate des unmittelbaren Produktionsprozesses&lt;/i&gt;, 1863-1865.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;FRAU&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Individuum, das in erster Linie durch seinen Platz in der Reproduktion der Bev&#246;lkerung definiert ist (und somit in der privaten Sph&#228;re) und stets in diesen Zustand zur&#252;ck verwiesen wird (wenn n&#246;tig mit Gewalt). In allen Gesellschaften f&#252;hrt ihre &lt;i&gt;mutmassliche&lt;/i&gt; reproduktive F&#228;higkeit dazu, dass ihr K&#246;rper kontrolliert und sie von den M&#228;nnern angeeignet/beherrscht wird. In der kapitalistischen Produktionsweise ger&#228;t diese reproduktive Funktion in Widerspruch zu ihrer Rolle als Proletarierin (oder sogar als B&#252;rgerliche). Die Frauen sind nichts nat&#252;rliches.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;GENDER&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Begriff kommt in Grossbritannien in den 1970er Jahren in den feministischen Milieus auf, um das gesellschaftliche (gesellschaftlich konstruierte) Geschlecht zu bezeichnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Er basiert auf anatomischen Eigenschaften, ohne diese jedoch exakt abzudecken. Abh&#228;ngig von anatomischen Variablen (welche insbesondere eventuelle Zeugungsf&#228;higkeiten gewisser Individuen bestimmen) erlaubt er die Kreation/Unterscheidung der Gruppe der M&#228;nner und jener der Frauen, die als &#8222;nat&#252;rlich&#8220; wahrgenommen werden (und wenn n&#246;tig chirurgisch durchgesetzt werden bei mindestens 2% der Geburten). &#8222;&lt;i&gt;Die Geschlechterrolle konstruiert das Geschlecht.&lt;/i&gt;&#8220; (Christine Delphy)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ausgehend von dieser vermeintlichen Dichotomie konstruieren die menschlichen Gesellschaften zwei gesellschaftliche Gruppen und weisen ihnen verschiedene Funktionen und Rollen zu (die meistens hierarchiesiert sind), die die Gesamtheit der Gesellschaft abdecken (geschlechtliche Differenzierung): Hierarchie, Arbeitsteilung, gesellschaftliche Organisation der Zeugung/Mutterschaft (notwendige Kontrolle der Reproduktion und somit der Frauen), Heterosexualit&#228;t und Familie als Norm usw. Die t&#228;gliche Konstruktion und der Fortbestand dieser Gruppen (dieses Unterschieds/dieser Ungleichheit) erfordert die Einrichtung und das Funktionieren etlicher Dispositive (insbesondere kulturelle, Bildung, Kleidung, Verhalten usw.), welche die Gesellschaft, in welcher wir leben, ausmachen/sind. Diese Bestimmungen variieren je nach Epoche und Gesellschaft, was aufzeigt, dass es sich um eine gesellschaftliche Konstruktion handelt (die nichts nat&#252;rliches an sich hat).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Siehe insbesondere Paola Tabet, Colette Guillaumin, Christine Delphy und Fran&#231;oise H&#233;ritier.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;GESCHLECHTLICHE DIFFERENZIERUNG&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist die Teilung der Aufgaben/Zuweisungen/Machtbefugnisse abh&#228;ngig vom Geschlecht (die erste Arbeitsteilung). Die geschlechtliche Differenzierung existiert in allen bekannten Gesellschaften (in gewissen Urgesellschaften implizierte sie nicht unbedingt eine klare Hierarchiesierung zwischen den Gruppen). Mit dem Aufkommen der Klassengesellschaften hat sich die Herrschaft &#252;ber die Frauen best&#228;tigt, versch&#228;rft und vor allem institutionalisiert, um dem Patriarchat Gestalt zu geben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;KAPITALISMUS&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die kapitalistische Produktionsweise entsteht aus der Aufl&#246;sung der europ&#228;ischen feudalen Ordnung. Ihre prinzipielle Eigenschaft ist das Monopol der Bourgeoisie auf die Produktionsmittel und die Mittel zum Lebensunterhalt (Trennung zwischen Produzenten und Produktionsmittel). Der mittellose Proletarier ist zur Lohnarbeit und zur Produktion von Mehrwert gezwungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kapitalismus passt sich an, entwickelt sich, ver&#228;ndert sich andauernd (was ihn charakterisiert): &#8222;&lt;i&gt;Die Bourgeoisie kann nicht existieren, ohne die Produktionsinstrumente, also die Produktionsverh&#228;ltnisse, also s&#228;mtliche gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse fortw&#228;hrend zu revolutionieren.&lt;/i&gt;&#8220; (Marx und Engels, &lt;i&gt;Manifest der Kommunistischen Partei&lt;/i&gt;, 1848). Er kann funktionieren, indem er sich auf ein diktatorisches oder demokratisches Regime st&#252;tzt, auf liberale Art und Weise oder staatlich geplant, ohne Bosse (UdSSR), ohne Hierarchie (Selbstverwaltung) usw. Um seine Expansion und seine Herrschaft &#252;ber die Jahrhunderte hinweg zu garantieren, hat er sich diverser gesellschaftlichen, politischen, moralischen, wirtschaftlichen und Wertsystemen entledigt, welche f&#252;r ihn zum Hindernis geworden sind. Da kein wirtschaftliches oder gesellschaftliches System unsterblich ist, wird der Kapitalismus auf irgendeine Weise ein Ende haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;KLASSE&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Klassenzugeh&#246;rigkeit (einer Gruppe oder eines Individuums) ist definiert in Bezug auf den Platz, welche man in einer gegebenen Produktionsweise einnimmt &#8211; f&#252;r die kapitalistische Produktionsweise: kapitalistische Klasse/Proletariat (das ist die klassische marxistische Definition, die wir so benutzen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ab den 1970er Jahren wird dieser Begriff benutzt, um die Gruppe der Frauen zu bezeichnen. Sie haben diesen Begriff nicht zuf&#228;llig gew&#228;hlt, sondern weil sie im allgemeinen einen marxistischen Hintergrund haben. Von einer &#8222;Frauenklasse&#8220; zu sprechen bedeutet, dass alle Frauen einen identischen Platz in einer Produktionsweise einnehmen: Die Haushalts- oder patriarchale Produktionsweise wie sie von Christine Delphy theoretisiert wurde. Ihr Platz ist selbstverst&#228;ndlich jener der Ausgebeuteten, im Gegensatz zur &#8222;M&#228;nnerklasse&#8220;, welche jene der Ausbeuter ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Heute benutzen Feministinnen und andere diesen Begriff ohne Bezug zu dieser Theorie, um die Gruppe der Frauen oder jede andere unterdr&#252;ckte, beherrschte oder Minderheitsgruppe zu bezeichnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;KLASSENKAMPF&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Klassenkampf stehen sich Klassen mit widerspr&#252;chlichen Interessen gegen&#252;ber: In der kapitalistischen Produktionsweise die kapitalistische Klasse, welche die Produktionsmittel besitzt, und das Proletariat, welches von ihr ausgebeutet und beherrscht wird. Dieser Kampf ist allt&#228;glich, h&#228;ufig kaum sichtbar (Ausbeutung, Widerstand gegen die Arbeit, Sabotage, Fernbleiben von der Arbeit usw.) oder manchmal sehr greifbar (Restrukturierungen, Streiks, Aufruhr usw.). Von hoher oder tiefer Intensit&#228;t je nach Periode wird er erst mit der Aufhebung der Klassen aufh&#246;ren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;KOMMUNISIERUNG&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den 1970er Jahren haben aus der ultralinken Tradition kommende Gruppen den Begriff &lt;i&gt;Kommunisierung&lt;/i&gt; zur Beschreibung des revolution&#228;ren Prozesses gepr&#228;gt. Zuvor wurde die Revolution gem&#228;ss dem klassischen Schema definiert (das, obwohl in verschiedenen Varianten, f&#252;r die alten Sozialdemokraten, die Leninisten und etliche Anarchisten G&#252;ltigkeit hatte): Aufstieg der Klasse, Machtergreifung, &#220;bergangsphase/Diktatur des Proletariats, Aufbau der Bedingungen des Kommunismus und dann schliesslich der Kommunismus. Aufgrund der Entwicklung des Klassenkampfes haben diese Gruppen dieses Schema f&#252;r inad&#228;quat, um nicht zu sagen f&#252;r komplett hinf&#228;llig befunden. Es geht nicht darum die Revolution &lt;i&gt;f&#252;r&lt;/i&gt; den Kommunismus, sondern &lt;i&gt;durch&lt;/i&gt; den Kommunismus zu machen, daher der Begriff der Kommunisierung. Sollte es eine Revolution geben, m&#252;sste sie &lt;i&gt;gleichzeitig&lt;/i&gt; eine Phase der Zerst&#246;rung der alten Welt und eine Phase des Aufbaus des Kommunismus sein: Beseitigung des Staates, des Eigentums, des Werts, des Geldes, des Tausches, der Lohnarbeit und der Klassen durch die T&#228;tigkeit des Proletariats, und somit Selbstnegation desselben usw. (das hat selbstverst&#228;ndlich nicht viel mit dem Aufbau von Alternativen, &#8222;kleine Inseln&#8220; des Kommunismus mit eingeschlossen, in der gegenw&#228;rtigen Gesellschaft zu tun).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir denken, dass der Prozess der Kommunisierung unvermeidlich die Genderfrage einbeziehen wird und sie wird l&#246;sen m&#252;ssen oder andernfalls in der Konterrevolution versinkt: Die einzige vern&#252;nftige Antwort, die er darauf geben wird, ist zweifellos die Aufhebung dieser widerlichen Kategorien (Selbstnegation der Frauen und der M&#228;nner).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;KOMMUNISMUS&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kommunismus hat selbstverst&#228;ndlich nichts zu tun mit den ungerechtfertigterweise &#8222;kommunistisch&#8220; genannten Diktaturen des 20. Jahrhunderts, welche in Tat und Wahrheit autorit&#228;re Formen von Staatskapitalismus waren. Negativ kann man sagen, dass der Kommunismus das Ende (die Aufhebung, &#220;berwindung) von allen Formen menschlicher Entfremdung, Vermittlung, Herrschaft, die Aufhebung des Staates, der Klassen (und somit des Proletariats), der Geschlechterrollen, der Lohnarbeit, des Geldes, des Werts, des Eigentums, des Rechts, der Moral usw. sein wird, was nicht ohne eine totale und internationale Revolution erreicht werden kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;MANN&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gesellschaftlich konstruierte Kategorie. Im Gegensatz zur Frau ist der Mann in erster Linie durch seinen Platz in der &#246;ffentlichen Sph&#228;re definiert. Die Gruppe der M&#228;nner eignet sich die Gruppe der Frauen an und beherrscht sie. So wird die Kontrolle der K&#246;rper der Frauen und der Reproduktion organisiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;M&#196;NNERHERRSCHAFT&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Begriff wird allgemein als weniger konzeptuell oder theoretisch betrachtet als &#8222;Patriarchat&#8220; (obwohl h&#228;ufig als Synonym gebraucht); denn er beschr&#228;nkt sich auf eine simple Feststellung (die allerdings nicht neutral ist). Wir bevorzugen den Gebrauch dieses Begriffs anstelle jenes des Patriarchats, um eine Gesellschaft zu beschreiben, in welcher die M&#228;nner &lt;i&gt;mehrheitlich&lt;/i&gt; und global die Macht inne haben, die jedoch nicht mehr zu diesem Zweck &lt;i&gt;strukturiert&lt;/i&gt; ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Herrschaftsverh&#228;ltnis kann total, totalisierend sein, sich aber auch entwickeln, erodieren, umgest&#252;rzt oder aufgehoben werden. Es ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, das es erlaubt, Ziele zu erreichen (die Herrschaft &#252;ber die Frauen erlaubt die Kontrolle der Reproduktion; die Herrschaft &#252;ber die Proletarier erlaubt ihre Ausbeutung).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;NATUR&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das existiert nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;NOTWENDIGE ARBEIT/MEHRARBEIT&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die notwendige Arbeit ist jene Arbeit, welche die Proletarier ausf&#252;hren, um die Reproduktion ihrer Arbeitskraft zu garantieren (Nahrung, Wohnung, Kleidung usw., sie entspricht dem Lohn). Die Mehrarbeit ist die zus&#228;tzlich zur notwendigen Arbeit ausgef&#252;hrte Arbeit (sie wird umsonst f&#252;r die Bosse ausgef&#252;hrt und verwandelt sich in Mehrwert).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&#214;FFENTLICHE/PRIVATE, PRODUKTIVE/REPRODUKTIVE SPH&#196;RE&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Begriffe, die die begrenzten Bereiche bezeichnen, in welchen sich die jeweiligen T&#228;tigkeiten, Zuweisungen und Einfl&#252;sse manifestieren und in welchen sie ausge&#252;bt werden. Die private Sph&#228;re besteht global aus dem Haushalt/dem Paar/der Familie, die reproduktiven T&#228;tigkeiten stehen in ihr im Zentrum. Die Frauen sind in erster Linie durch ihre Funktion in dieser Sph&#228;re definiert (der Reproduktion zugewiesen). Die &#246;ffentliche Sph&#228;re umfasst alles, was ausserhalb des Haushalts ist, sie ist der Ort der Produktion, des Politischen, Kulturellen, Milit&#228;rischen usw. Diese Sph&#228;re, die lange als Ort der T&#228;tigkeit der M&#228;nner definiert war, tendiert seit der zweiten H&#228;lfte des 20. Jahrhunderts dazu, sich progressiv zu durchmischen (im Gegensatz zur privaten Sph&#228;re).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist die kapitalistische Produktionsweise, welche diese nie dagewesene Teilung zwischen Ort der Produktion und Ort der Reproduktion produziert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;PATRIARCHAT&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im engeren Sinne handelt es sich um die Macht des Familienoberhaupts. Das Patriarchat wird allgemein als eine Art der gesellschaftlichen Organisation definiert, in welcher die famili&#228;re und politische Autorit&#228;t von den M&#228;nnern ausge&#252;bt wird. Es organisiert durch Gesetze, Institutionen und Br&#228;uche die geschlechtliche Trennung der Arbeit und den Ausschluss der Frauen von T&#228;tigkeiten, durch welche man Macht bekommt (Monopol der Politik, des Gebrauchs von Waffen und den effizientesten Werkzeugen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Begriff wird von den Feministinnen (seit den 1970er Jahren) meistens als Synonym f&#252;r &#8222;M&#228;nnerherrschaft&#8220; gebraucht, als ob diese seit Tausenden von Jahren gleich geblieben w&#228;re (mit Christine Delphy als erw&#228;hnenswerte Ausnahme, die den Begriff nur gebraucht, um die M&#228;nnerherrschaft in den zeitgen&#246;ssischen industriellen Gesellschaften zu bezeichnen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir denken, dass dieser Begriff nicht mehr ad&#228;quat ist, um heutzutage unsere (westliche) Gesellschaft zu bezeichnen, die, obwohl die M&#228;nner &lt;i&gt;mehrheitlich&lt;/i&gt; die Macht innehaben, nicht mehr in diesem Sinne (juristisch, politisch) organisiert ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;PRO-FEMINIST&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Pro-feministische Definition: Ein Mann, welcher sich seiner Rolle als Unterdr&#252;cker in der Gesellschaft und gegen&#252;ber den Frauen bewusst geworden ist und sich die feministische Sache zu eigen macht. Er muss faktisch stets auf seine Dekonstruktion achten und weigert sich, eine Frau in irgendeiner Weise zu kritisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Feministische Definition: Krebsartiger Auswuchs des Feminismus, ein Mann, der den Sexismus besser verstanden hat als die Frauen und der vor allem verstanden hat, dass er sich besser (in der Gesellschaft) etwas klein macht, um Feministinnen zu erobern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Entomologische Notiz: Der Pro-Feminist kann bis zu einer Verehrung/Verherrlichung des Weiblichen gehen, die im Essentialismus endet (oder zumindest in der Dummheit).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;PROLETARIAT&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Proletariat ist die Klasse jener, welche, da sie keine andere Mittel zum &#220;berleben haben, zur Lohnarbeit (zum Verkauf ihrer Arbeitskraft an die Klasse jener, welche die Produktionsmittel besitzen) &lt;i&gt;gezwungen&lt;/i&gt; sind; daher die Ausbeutung und die widerspr&#252;chlichen Interessen dieser beiden Klassen. Es beinhaltet sowohl die Arbeiter, wie auch die Angestellten und die Arbeitslosen und war, da in permanenter Expansion, noch nie so massiv wie heute. Es war nie einheitlich und ist heute gespaltener denn je. Der einzige Moment, wo es sich selbst erkennen und sich als Klasse vereinen k&#246;nnen wird, wird die Revolution sein, w&#228;hrend welcher es sich als solches aufheben wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;QUEER&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Urspr&#252;nglich eine Beleidigung (&#8222;komisch, dubios&#8220;), die die Homosexuellen in den USA bezeichnet und sp&#228;ter beansprucht wird, um &lt;i&gt;anormale&lt;/i&gt; (nicht-heterosexuelle) Verhaltensweisen zu bezeichnen. Die Anfang der 1990er Jahre aufgekommene &lt;i&gt;Queer&lt;/i&gt;-Theorie kritisiert die feministischen und homosexuellen Bewegungen, die zu stark auf Fragen kollektiv konstituierter Identit&#228;ten fixiert sei, welche sie f&#252;r &#252;berholt, normiert, gar essentialistisch h&#228;lt. Es geht also darum, die Geschlechterrolle und die geschlechtlichen Identit&#228;ten zu &#252;berwinden (zu st&#246;ren). &lt;i&gt;Queer&lt;/i&gt; geht einher mit einem Versuch, beide Geschlechterrollen zu &#252;berwinden, doch dieses Konzept scheint eine Vervielfachung der Geschlechterrollen durch die Verweigerung der herrschenden Normen zu beanspruchen, was nicht die Zerst&#246;rung des Rahmens der Unterdr&#252;ckung bedeutet, sondern nur dessen Vergr&#246;sserung: Auferlegte Normen zu verweigern, um andere zu &lt;i&gt;w&#228;hlen&lt;/i&gt;, wie viele es auch immer sein m&#246;gen, bedeutet an die M&#246;glichkeit der Selbstverwaltung seiner eigenen Unterdr&#252;ckung zu glauben oder die Kreation von sehr &#228;sthetischen alternativen Nischen im System zu wollen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;RELATIVER MEHRWERT/ABSOLUTER MEHRWERT&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Mehrwert ist die Differenz zwischen dem vom Arbeiter der urspr&#252;nglichen Ware (durch seine Arbeit) zugef&#252;gten Wert und dem Wert seiner notwendigen Arbeitskraft (&#196;quivalent seines Lohnes). Er repr&#228;sentiert den Wert der Mehrarbeit (des unbezahlten Anteils der Arbeit). Der Mehrwert wird im wesentlichen reinvestiert in den Prozess der Produktion/Verwertung (es ist die Akkumulation von Kapital). Er ist auch das Einkommen der Bosse, individuell sowie kollektiv (Staat, Polizei usw.).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bosse, welche stets den Mehrwert vergr&#246;ssern m&#252;ssen, haben zwei Arten, dies zu tun. Die absolute Art: Indem sie die Arbeitszeit verl&#228;ngern, wie zum Beispiel im 19. Jahrhundert (die zur Reproduktion notwendige Arbeitszeit bleibt gleich, es ist also die Mehrarbeitszeit*, und somit der Mehrwert, die gr&#246;sser werden). Die relative Art: Indem sie den Wert des zur Reproduktion der Arbeitskraft notwendigen Lebensunterhalts durch die Produktivit&#228;tssteigerung verringern (zum Beispiel neue Maschinen, Erh&#246;hung der Tagesleistung usw.).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;REPRODUKTION&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie hat nichts nat&#252;rliches an sich, obwohl sie so wahrgenommen wird. Die Reproduktion ist ein gesellschaftlich organisiertes Ph&#228;nomen (um sich davon zu &#252;berzeugen, reicht es, die sehr variablen Fruchtbarkeitsraten und die verschiedenen dazugeh&#246;rigen Organisationsweisen historisch und geographisch miteinander zu vergleichen). Die Ph&#228;nomene, welche mit ihr assoziiert werden (und sie erlauben) und gesellschaftlich in jedem Moment organisiert und aktualisiert werden, werden ebenfalls als nat&#252;rlich betrachtet: M&#228;nner und Frauen, sexuelle Verh&#228;ltnisse (&lt;i&gt;normalerweise&lt;/i&gt; die Heterosexualit&#228;t, eindringende Sexualit&#228;t (vaginaler Koitus), welche mit der m&#228;nnlichen Ejakulation abgeschlossen wird), die Schwangerschaft, die Mutterschaft...Andere, welche nicht als nat&#252;rlich betrachtet werden k&#246;nnen, werden unter dem Aspekt der staatlichen/medizinischen Begleitung eines nat&#252;rlichen Ph&#228;nomens betrachtet (Verh&#252;tung, Abtreibung, Familienpolitik usw.). Zu diesem Thema siehe insbesondere die Arbeiten von Paola Tabet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;REPRODUKTION DER ARBEITSKRAFT&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;T&#228;gliche&lt;/i&gt; Reproduktion der Arbeitskraft: Die Tatsache, dass der Proletarier f&#228;hig ist, zu &#252;berleben und am n&#228;chsten Tag wieder zur Arbeit zu kommen. Sie bedingt die Befriedigung gewisser Bed&#252;rfnisse (die je nach Epoche und Land variieren), insbesondere Ern&#228;hrung, Kleidung usw. Die Aufgaben, die mit ihr verbunden sind, werden im allgemeinen von den Frauen ausgef&#252;hrt (Hausarbeit) oder manchmal sozialisiert (Kantinen, Schnellimbisse usw.).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Generationsbezogene&lt;/i&gt; Reproduktion: Die Tatsache, dass die Proletarier Kinder &#8222;machen&#8220; und sie grossziehen, d.h. neue Proletarier, die f&#252;nfzehn oder zwanzig Jahre sp&#228;ter ausgebeutet werden k&#246;nnen. Die Aufgaben, die mit ihr verbunden sind werde im allgemeinen ebenfalls von den Frauen ausgef&#252;hrt (Hausarbeit) oder manchmal sozialisiert (Kinderkrippen, Schulen usw.).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;SEXISMUS&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#196;hnlich dem Rassismus eine diskriminierende Haltung gegen&#252;ber einem Geschlecht (in der &#252;blichen Bedeutung und in Wirklichkeit gegen&#252;ber den Frauen). Dieser Begriff verweist auf eine individuelle Haltung, eine geistige Verfassung (die es zu korrigieren g&#228;lte) oder allenfalls auf eine Ideologie. Dennoch umgeht der Begriff jegliche Strukturierung der Gesellschaft, die jedoch seine Existenz erkl&#228;rt, deswegen brauchen wir ihn nur selten (der Sexismus ist f&#252;r uns ein R&#228;dchen und die Konsequenz der M&#228;nnerherrschaft).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gewisse M&#228;nner werden sich der Existenz des Sexismus bewusst, wenn Feministinnen ihnen m&#228;nnerfeindliche Witze erz&#228;hlen, die sie im allgemeinen &#252;berhaupt nicht lustig finden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;ULTRALINKE&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Begriff bezeichnet historisch die &#8222;Linkskommunisten&#8220;, welche Lenin in seiner Brosch&#252;re &lt;i&gt;Der &#8222;Linke Radikalismus&#8220;, die Kinderkrankheit im Kommunismus&lt;/i&gt; (1920) kritisiert: Die deutsch-holl&#228;ndische (Pannekoek, Gorter, R&#252;hle usw.) und die italienische Linke (Bordiga). Man kann global sagen, dass die Gruppen und Theoretiker dieser marxistischen Str&#246;mung den Staat, den Parlamentarismus, die Organisationen (Parteien und Gewerkschaften), die Demokratie, die Diktatur des Proletariats, den Antifaschismus, den Frontismus, die Arbeiterverwaltung usw. in diversen Varianten abgelehnt und kritisiert haben. Im Frankreich der Nachkriegszeit k&#246;nnen Gruppen wie Socialisme ou Barbarie, Informations et Correspondances Ouvri&#232;res (ICO), sowie die situationistische Internationale zu dieser Str&#246;mung gez&#228;hlt werden. In den 1970er Jahren brechen verschiedene kleine Gruppen und Zeitschriften (&lt;i&gt;Le Mouvement communiste&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;N&#233;gation&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;La Guerre sociale&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;La Banquise&lt;/i&gt; usw.) mit der ultralinken &#8222;Ideologie&#8220; (insbesondere mit dem R&#228;tekommunismus); dies geht einher mit der Entwicklung der Thesen zur Kommunisierung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seit einigen Jahren wird dieser Begriff in Blaue hinein von den Journalisten und den Bullen gebraucht, um Gruppen zu bezeichnen, die ausserhalb ihres Verst&#228;ndnisbereiches agieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;UNMITTELBAR GESELLSCHAFTLICHE INDIVIDUEN&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Individuen, welche durch die Revolution und neue (kommunistische) materielle Existenzbedingungen transformiert werden. Sie werden faktisch neue Verh&#228;ltnisse pflegen, befreit von allen Vermittlungen, durch welche wir konstruiert und definiert sind in der kapitalistischen Produktionsweise und durch sie: Klassen, Geschlechterrollen, Ethnien, Herkunft, gesellschaftliche Rollen, Arbeitsstellen, kulturelle Niveaus usw. Sie werden also das Gegenteil der getrennten/atomisierten Individuen sein, die wir heute sind, jenseits von sympathischen Erfahrungen in einem Squat, in einer l&#228;ndlichen Gemeinschaft oder einer Besetzung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://incendo.noblogs.org/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Homepage von Incendo&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://incendo.noblogs.org/genresetclasses/editorial/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Originalversion Vorwort&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://incendo.noblogs.org/genresetclasses/capitalisme-genres-et-communisme/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Originalversion Text&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://incendo.noblogs.org/genresetclasses/petit-lexique/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Originalversion Begriffserkl&#228;rungen&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb8-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Sterne verweisen auf die Begriffserkl&#228;rungen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wir erstellen keine Bilanz der &#8222;Ungleichheiten&#8220; zwischen M&#228;nnern und Frauen in dieser Gesellschaft, eine solche findet man leicht, besonders in der aktivistischen oder b&#252;rgerlichen Presse jedes Jahr im M&#228;rz.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wir sind uns bewusst, dass unsere &#220;berlegungen nur die westliche Gesellschaft, und spezifischer Frankreich, zum Gegenstand haben und dass das ein Problem ist. Unsere Analyse ist also partiell, doch die Revolution wird sowieso nicht auf der ganzen Welt gleich ablaufen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In maximal 140 Zeichen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r dieses Kapitel, siehe Christophe Darmangeat, &lt;i&gt;Le communisme primitif n'est plus ce qu'il &#233;tait&#8230; Aux origines de l'oppression des femmes&lt;/i&gt;, Toulouse, Smolny, 2009.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe zum Beispiel Sabine Melchior-Bonnet et Catherine Salles (Hg.), &lt;i&gt;Histoire du mariage, Paris&lt;/i&gt;, Robert Laffont, 2009.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe in dieser Nummer den Artikel zur Hausarbeit, S. 47.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Philippe Ari&#232;s, &lt;i&gt;L'Enfant et la vie familiale sous l'Ancien R&#233;gime&lt;/i&gt;, Paris, Seuil, 1975.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe zum Beispiel Jacques Le Goff, &#171; Le christianisme a lib&#233;r&#233; les femmes &#187; [sic], &lt;i&gt;L'Histoire&lt;/i&gt;, Nr. 245, Juli-August 2000, S. 34-38.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zu diesem Thema siehe den Artikel zur Reproduktion der Arbeitskraft im 19. Jahrhundert, S. 73.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es gilt zu beachten, dass die &#246;ffentliche Sph&#228;re nicht nur was mit der Produktion zu tun hat abdeckt (zum Beispiel die Politik). Die noch nie zuvor da gewesene Trennung in zwei Sph&#228;ren ist eine notwendige Bedingung f&#252;r den Kapitalismus, der einen &#8222;freien&#8220; Arbeiter braucht (im Gegensatz zum Sklaven).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es ist nur der Einfachheit oder der Faulheit halber, dass wir manchmal schreiben, dass &#8222;der Kapitalismus dies oder das macht&#8220;. Er ist weder ein Monster, das perverse Entscheidungen trifft, noch eine kalte Maschine, die von einem geheimen Komitee gelenkt wird, sondern ein gesellschaftliches Verh&#228;ltnis. Es muss also verstanden werden als &#8222;die Entwicklung des Kapitalismus' f&#252;hrt zu...&#8220; oder &#8222;hat zur Konsequenz&#8220; usw. Dennoch ist der Staat da, um die grunds&#228;tzliche Ausrichtung vorzugeben, die notwendig ist f&#252;r die Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise (manchmal den spezifischen Interessen der Kapitalisten zuwiderlaufend, aber oft den Hinweisen der scharfsinnigsten unter ihnen folgend).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Reproduktion der Arbeitskraft beinhaltet die allt&#228;gliche Reproduktion des Arbeiters (Nahrung, Kleidung, Heizung usw.) und die &#8222;generationsbezogene&#8220; Reproduktion der Arbeiterklasse (Kinder erzeugen und sie grossziehen).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zu diesem Kapitel siehe den Artikel &#252;ber den MLF, S. 93.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;1944, Frauenstimmrecht; 1945, Abschaffung des Begriffs Frauenlohn; 1965, verheiratete Frauen k&#246;nnen beruflich aktiv sein oder ein Bankkonto er&#246;ffnen ohne die Erlaubnis ihres Mannes, usw.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ad&#220;: Der MLF entstand zwischen 1967 und 1970 und bestand grosso modo aus drei Tendenzen: einer klassenk&#228;mpferischen, einer klassisch-feministischen (die ihrerseits eher radikale und eher reformistische Ans&#228;tze beinhaltete) und einer psychoanalytischen Tendenz. Die Hauptfigur letzterer, Antoinette Fouque, liess 1979 ohne das Einverst&#228;ndnis des Rests der Bewegung das Siegel des MLF auf ihren Namen patentieren, was das Ende desselben bedeutete.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ad&#220;: Der MLAC (Mouvement pour la libert&#233; de l'avortement et de la contraception &#8211; Bewegung f&#252;r die freie Abtreibung und Verh&#252;tung) war eine autonome Gruppe, die 1973 gegr&#252;ndet wurde und sich 1975, als die Abreibung in Frankreich legalisiert wurde, aufl&#246;ste. Der MLAC war zusammengesetzt aus Mitgliedern des MLF und anderer feministischer Gruppen, unterst&#252;tzte Frauen, die illegal oder im Ausland abtreiben wollten und setzte sich f&#252;r einen freien Zugang zu Verh&#252;tungsmitteln ein.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe zum Beispiel den Film von Nigel Cole, &lt;i&gt;We Want Sex Equality&lt;/i&gt;, Grossbritannien, 2010.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe den Artikel zu den Frauen in den K&#228;mpfen, S. 147.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Sie erlaubt dem Staat unter anderem, die Kosten f&#252;r die kollektive Ausstattung zu beschr&#228;nken, indem sie f&#252;r einen Teil der Reproduktion der Arbeitskraft sorgt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Sehr bezeichnendes Beispiel. In diesem Sektor wird den Frauen der Unterhalt des Inneren der Geb&#228;ude zugewiesen, w&#228;hrend die M&#228;nner draussen arbeiten.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zur Aneignung siehe Paola Tabet, &lt;i&gt;La Construction sociale de l'in&#233;galit&#233; des sexes. Des outils et des corps&lt;/i&gt;, Paris-Montr&#233;al, L'Harmattan, 1998.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-23&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-23&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;23&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zu diesem Kapitel siehe den Artikel zur Familie heute, S. 59.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-24&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-24&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-24&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;24&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ein einziger Lohn reicht kaum mit einem Kind. Im Vergleich zu den 1960er und 1970er Jahren ist der Lohn der Frauen nicht mehr ein Unterst&#252;tzungslohn, sondern der n&#246;tige zweite Lohn, im allgemeinen niedriger als jener der M&#228;nner.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-25&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-25&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-25&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;25&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;1970 f&#252;hrte der Staat die ersten finanziellen Unterst&#252;tzungen f&#252;r alleinerziehende Frauen ein. Diese Massnahmen haben sich nachher mit dem Anwachsen alleinerziehender Eltern entwickelt. Der Staat nimmt gewissermassen teilweise den Platz des fehlenden Elternteils ein (im allgemeinen des Vaters).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-26&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-26&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-26&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;26&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Frankreich ist diesbez&#252;glich noch nicht sehr weit. Die amerikanischen Truppen in Irak und Afghanistan z&#228;hlten 12 % Frauen. In diesen beiden L&#228;ndern testen die Marines seit einigen Jahren eine Kampfeinheit, welche nur aus Frauen besteht, deren Resultate werden von ihrem Oberkommando sehr gesch&#228;tzt. Die geschlechtliche Differenzierung ist noch nicht verschwunden...&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-27&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-27&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-27&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;27&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die (vollst&#228;ndig) m&#228;nnlichen Sektoren tendieren dazu, sich auf einige Bastionen von Posten mit sehr hoher Verantwortung zu beschr&#228;nken, was durch die Kooptation und die Furcht vor der Konkurrenz erkl&#228;rt werden kann (die Anzahl Pl&#228;tze sind nicht erweiterbar, die alten Haie der Hochfinanz sehen es nicht gerne, wenn junge weibliche Haie neben ihnen schwimmen...) Die Langsamkeit der Feminisierung der Macht- oder Prestigeposten kann auch mit einem Prozess des Generationenwechsels erkl&#228;rt werden: Die Frauen sind heute in etlichen Schulen in der Mehrheit und das ber&#252;hmte Beispiel vom Antagonismus zwischen m&#228;nnlichen Chirurgen und weiblichen Krankenschwestern wird bald nicht mehr aktuell sein. Die Frauen repr&#228;sentierten n&#228;mlich 1995 16 % der unter 35-j&#228;hrigen Chirurgen, 36.6 % 2006, doch auch 60 % der Abschl&#252;sse in Chirurgie 2006. Bei den Richtern wurde die Parit&#228;t 2001 erreicht, doch 2005 waren 82 % aller zuk&#252;nftigen Richter Frauen. Zu diesen Fragen siehe besonders Sylvie Schweitzer, &lt;i&gt;Femmes de pouvoir. Une histoire de l'&#233;galit&#233; professionnelle en Europe (XIXe-XXIe si&#232;cle)&lt;/i&gt;, Paris, Payot, 2010.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-28&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-28&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-28&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;28&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe zum Beispiel &#171; Plus de femmes, plus de profits &#187;, &lt;i&gt;Lib&#233;ration&lt;/i&gt;, 04/03/2004. Das Quotengesetz von 2010 f&#252;r die Verwaltungsr&#228;te grosser Unternehmen hat nicht ethische sondern wirtschaftliche Gr&#252;nde. Um F&#252;hrungsstellen zu erreichen m&#252;ssen die Frauen viel mehr Kompetenzen zeigen als die M&#228;nner. Das eine erkl&#228;rt vielleicht das andere.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-29&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-29&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-29&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;29&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Was die Chefs von Unternehmen f&#252;r ihre Frauen akzeptierten, tolerieren sie nicht mehr f&#252;r ihre T&#246;chter&#8220;, siehe Christine Ducros, Marie-Am&#233;lie Lombard, &#171; Ces femmes &#224; la conqu&#234;te des conseils d'administration &#187;, 14/10/2010, lefigaro.fr.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-30&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-30&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-30&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;30&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wenn es auch Beispiele von Ehem&#228;nnern gibt, die zu Hause bleiben, um sich um die Kinder zu k&#252;mmern, da sie weniger als ihre Frau verdienen, so bleibt es doch eine seltene Ausnahme. Wie die soziale Durchmischung eben so ist, sieht man h&#228;ufiger ein Paar hoher Kader aus Paris eine afrikanische Tagesmutter die Arbeit machen zu lassen (das Gleiche gilt f&#252;r das b&#252;rgerliche Paar aus Shanghai und ihr philippinisches Dienstm&#228;dchen).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-31&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-31&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-31&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;31&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wie eine Studie gezeigt hat, gibt es auch extreme F&#228;lle wie die Deutschen mit Universit&#228;tsabschluss, die sich entscheiden, keine Kinder mehr zu zeugen; zwischen 60 bis 80 %, je nach Bundesland. Siehe Sylvie Schweitzer, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 170. Wollen die kapitalistischen Frauen ihre reproduktive Funktion nicht mehr wahrnehmen?&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-32&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-32&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-32&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;32&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In den 1970er Jahren proklamierte der FHAR (Front homosexuel d'action r&#233;volutionnaire &#8211; Homosexuelle Front der revolution&#228;ren Aktion), die Homosexuellen erhalten das Verm&#246;gen der Bourgeoisie nicht (&#8222;das Erbe kannst mit uns vergessen, das gibt es nicht mehr!&#8220;) und sind somit revolution&#228;r. Heute sind die Schwulen und Lesben der b&#252;rgerlichen Klasse mit diesem Problem konfrontiert, was die aktuellen Entwicklungen der Gesetze zur Adoption und Heirat f&#252;r Homosexuelle erkl&#228;rt. In den b&#252;rgerlichen Klassen sind die M&#246;glichkeiten gegen die gesellschaftlichen Normen zu verstossen gr&#246;sser.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-33&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-33&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-33&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;33&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es gibt keine Definition dieses Begriffs. Jede feministische Gruppe braucht ihn ein bisschen nach ihrem Belieben, h&#228;ufig als Pendant f&#252;r &#8222;M&#228;nnerherrschaft&#8220;. Daher die Notwendigkeit, ihn zu definieren, wenn man ihn verwendet (siehe Begriffserkl&#228;rungen, S. 197).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-34&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-34&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-34&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;34&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;OECD, Assurer le bien-&#234;tre des familles, 2011.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-35&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-35&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-35&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;35&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die proletarischen Frauen k&#246;nnen allerdings streiken f&#252;r Arbeitsbedingungen, die mit ihrer Funktion als Mutter vereinbar sind (zum Beispiel k&#252;rzere Arbeitszeiten).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-36&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-36&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-36&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;36&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ad&#220;: Die Chiennes de garde (Wachh&#252;ndinnen) wurden 1999 von Florence Montreynaud und Isabelle Alonso gegr&#252;ndent. Es handelt sich um eine reformistische feministische Organisation, die gegen &#8222;symbolische sexistische Gewalt im &#246;ffentlichen Raum&#8220; k&#228;mpft.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-37&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-37&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-37&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;37&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ad&#220;: Ni putes ni soumises (Weder Huren noch gef&#252;gig) ist eine reformistische feministische Organisation, die 2003 von Fadela Amara gegr&#252;ndet wurde. Sie hat den Anspruch, die Frauen aus den armen Quartieren zu vertreten. Amara ist Mitglied des Parti socialiste und war zwischen 2007 und 2010 Staatssekret&#228;rin unter Sarkozy.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-38&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-38&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-38&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;38&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ad&#220;: Die Marche mondiale des femmes (Weltmarsch der Frauen) entstand 1995 in Qu&#233;bec. Sie k&#228;mpft gegen &#8222;die Armut und Gewalt an Frauen&#8220; und steht der Anti-Globalisierungs-Bewegung nahe.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-39&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-39&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-39&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;39&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es ist Euch &#252;berlassen, zu erraten, wer wen ausbeutet.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-40&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-40&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-40&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;40&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zum Beispiel die Sendung Le Complot des cagoles &#252;ber den Streik der Kassiererinnen von Carrefour in Marseille 2008, die man auf der Homepage von Basse intensit&#233; anh&#246;ren kann.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-41&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-41&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-41&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;41&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ad&#220;: Der FHAR war eine revolution&#228;re Organisation feministischer Lesben und schwuler Aktivisten, die von 1970 bis 1974 existierte.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-42&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-42&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-42&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;42&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wir kritisieren den ideologischen Charakter und nicht die Tatsache, diese alten Techniken zu erkunden, die in unserem allt&#228;glichen Leben durchaus n&#252;tzlich sein k&#246;nnen (und die uns nach der Revolution sehr n&#252;tzlich sein werden).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-43&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-43&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-43&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;43&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Dieses Konzept haben die Feministinnen als Gegenpart zur m&#228;nnlichen Br&#252;derlichkeit entwickelt. Alle Frauen sind Schwestern und m&#252;ssen Verh&#228;ltnisse tiefer Solidarit&#228;t entwickeln.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-44&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-44&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-44&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;44&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diese Idee wird h&#228;ufig auch von Pro-Feministen* vertreten.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-45&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-45&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-45&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;45&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Rote Zora, &#8222;Jedes Herz ist eine Zeitbombe&#8220; in: Anonym, &lt;i&gt;En Catimini&#8230; histoire et communiqu&#233;s des Rote Zora&lt;/i&gt;, 2009, S. 72. Der Text ist urspr&#252;nglich in &lt;i&gt;Revolution&#228;rer Zorn&lt;/i&gt;, Nr. 6, Januar 1981 erschienen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-46&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-46&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-46&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;46&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Sogar wenn der dekonstruierte Mann in seinen Kreisen nicht mehr Unterdr&#252;cker w&#228;re, so w&#252;rde er vom System doch immer noch als solcher betrachtet und diese Position als 'Standardeinstellung' ihn weiterhin im Verh&#228;ltnis zu anderen bestimmen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-47&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-47&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-47&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;47&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Man ist versucht, diese Ideologie mit dem politischen Lesbianismus &#224; la Wittig zu vergleichen. Sie sagt, dass 'die Lesben keine Frauen sind', denn sie entwischen der M&#228;nnerherrschaft in der privaten Sph&#228;re ('La pens&#233;e straight', Monique Wittig, &lt;i&gt;Questions f&#233;ministes&lt;/i&gt;, Nr. 7, Februar 1980). In Wirklichkeit k&#246;nnen die Lesben der individuellen Aneignung entwischen, doch nicht der kollektiven.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-48&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-48&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-48&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;48&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Man kann sehr gut Queer sein und an einer grossen Universit&#228;t unterrichten oder das Odeon leiten usw., ohne dass die Institutionen davon ersch&#252;ttert werden. Es ist jedoch schwieriger, Queer und Maurer zu sein...&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-49&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-49&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-49&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;49&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Anhang.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-50&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-50&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-50&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;50&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diese Ver&#228;nderung der Verhaltensweisen und der Beziehungen zwischen M&#228;nnern und Frauen w&#228;hrend der ersten Zeit der russischen Revolution wird zum Beispiel von Alexandra Kollontai (&lt;i&gt;Marxisme et r&#233;volution sexuelle&lt;/i&gt;, Paris, Masp&#233;ro, 1973) und Clara Zetkin (&lt;i&gt;Batailles pour les femmes&lt;/i&gt;, Paris, Editions sociales, 1980) betont.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-51&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-51&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-51&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;51&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ad&#220;: Die Milieux libres (Freie Milieus) sind ein &#220;berbegriff f&#252;r diverse Formen kollektiven libert&#228;ren Zusammenlebens w&#228;hrend der Belle &#201;poque (Ende des 19. Jahrhunderts bis 1914).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-52&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-52&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-52&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;52&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Sogar &lt;i&gt;Barricata !&lt;/i&gt; (Kulturmagazin der Pariser Redskins). Spezielle Widmung f&#252;r ihre Nr. 21 im Sommer 2010.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-53&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-53&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-53&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;53&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wie zum Beispiel die &#8222;antipatriarchale Motion&#8220;, welche von der Koordination der anarchistischen Gruppen [Ad&#220;: CGA &#8211; Abspaltung der F&#233;d&#233;ration anarchiste 2002] im November 2011 (zum Preis von Spaltungen) angenommen worden ist, die Geschlechterrollen als System gesellschaftlicher Kategorien pr&#228;sentiert und den Essentialismus deutlich kritisiert. Die Feststellung ist zwar treffend, die vorgeschlagenen L&#246;sungen jedoch etwas gar brav.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-54&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-54&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-54&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;54&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wie zum Beispiel die Gruppen/Zeitschriften &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;SIC&lt;/i&gt; (siehe Bibliographie, S. 202). In der ultralinken Szene sind sie beinahe die einzigen, welche eine Analyse der Geschlechterrollen wagen und vor allem bekr&#228;ftigen, dass diese notwendig ist (man muss sich selbstverst&#228;ndlich zuerst an ihren sehr speziellen literarischen Stil gew&#246;hnen). Wir sprechen hier von Frankreich, denn die Reflexionen &#252;ber Genderfragen scheinen in anderen L&#228;ndern weniger tabu zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-55&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-55&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-55&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;55&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Marin Karmitz, &lt;i&gt;Coup pour coup&lt;/i&gt;, Frankreich, 1972.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-56&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-56&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-56&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;56&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe den Artikel &#252;ber die Frauen in den K&#228;mpfen, S. 147.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-57&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-57&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-57&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;57&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Je nach Land und seinem Entwicklungsstadium organisiert sich das Kapital anders. Gesellschaften, welche man zurecht als &#8222;patriarchal&#8220; qualifizieren kann, gibt es immer noch viele (Maghreb, Asien usw.). Dennoch f&#252;hrt die Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise (speziell durch den Eintritt der Frauen in den Arbeitsmarkt) zu einer unvermeidlichen Entwicklung der geschlechtlichen Differenzierung und zum Auftauchen des &#8222;Frauenproblems&#8220; (siehe in China, Nahost, Argentinien usw.). Der Westen kann nicht geographisch abgegrenzt werden; seine Kategorien werden dem Planeten durch die Ausbreitung und Vertiefung der kapitalistischen Produktionsweise aufgedr&#228;ngt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-58&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-58&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-58&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;58&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Was nat&#252;rlich nicht bedeutet, dass die schwarzen, arabischen oder weiblichen Proletarier nicht mehr Diskriminierung und Ausbeutung erdulden m&#252;ssen. Jedes Land braucht &#252;berausgebeutete und unterbezahlte Arbeiter, sie variieren je nach Region.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-59&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-59&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-59&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;59&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Der Staat kann sich jedoch nicht vollst&#228;ndig um die Reproduktion der Arbeitskraft k&#252;mmern, denn das w&#252;rde bedeuten, dass der Arbeiter nicht mehr arbeiten gehen m&#252;sste.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-60&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-60&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-60&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;60&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe, f&#252;r jene, die mutig genug sind, &#8222;Distinction de genres, programmatisme et communisation&#8220;, &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;, Nr. 23, Mai 2010, S. 99-128.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-61&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-61&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-61&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;61&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die jungen Proletarier, welche in den Arbeitsmarkt eintreten, haben nicht alle den gleichen &#8222;Wert&#8220;, er ist abh&#228;ngig vom Studium und der Ausbildung, welche vom Staat zur Verf&#252;gung gestellt werden (und auch vom kulturellen Kapital der Eltern, das nicht viel mit der Hausarbeit zu tun hat). Der Haushalt ist keine Arbeitskraftfabrik.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-62&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-62&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-62&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;62&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Von der Hausarbeit der alleinstehenden M&#252;tter profitiert einzig und allein das Kapital.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-63&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-63&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-63&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;63&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;OECD, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-64&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-64&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-64&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;64&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In Frankreich sind die Frauen zum Beispiel besser ausgebildet als die M&#228;nner. Bildung und Weiterbildung sind eine Investition. Die Mutterschaft schm&#228;lert also die Rendite - f&#252;r die Oberschicht.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-65&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-65&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-65&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;65&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Da ihre Interessen im Widerspruch zu jenen der Kapitalisten sind, k&#246;nnen nur die Proletarier die Revolution &#8222;ausl&#246;sen&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-66&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-66&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-66&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;66&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Das Konzept der Kommunisierung st&#246;sst seit einigen Jahre international auf ein gewisses Echo. Siehe Bibliographie, S. 193.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-67&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-67&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-67&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;67&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Quatre millions de jeunes travailleurs, &lt;i&gt;Pour un monde sans argent : le communisme&lt;/i&gt;, 1975.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-68&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-68&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-68&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;68&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Im Laufe des revolution&#228;ren Kampfes sind die Aufhebung des Staates, des Tausches, der Arbeitsteilung, jeglicher Form des Eigentums, die Ausdehnung der Unentgeltlichkeit zur Vereinigung der menschlichen T&#228;tigkeit, d.h. die Aufhebung der Klassen, der privaten und &#246;ffentlichen Sph&#228;re, &#8222;Massnahmen&#8220;, welche das Kapital aufheben und uns von den Notwendigkeiten selbst des Kampfes gegen die kapitalistische Klasse aufgezwungen werden. Die Revolution ist Kommunisierung, der Kommunismus ist nicht ihr Projekt und Resultat. Man hebt den Kapitalismus nicht f&#252;r, sondern durch den Kommunismus auf, pr&#228;ziser ausgedr&#252;ckt durch seine Hervorbringung.&#8220; &#8222;Editorial&#8220;, &lt;i&gt;SIC&lt;/i&gt;, Nr. 1, November 2011, S. 6.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-69&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-69&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-69&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;69&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diese Revolution kann nicht &#8222;antikapitalistisch&#8220; sein. Der Staat ist zum Beispiel nicht an sich kapitalistisch, er ist nur ein Werkzeug im Dienste der herrschenden Klasse. Siehe Bernard Lyon, &#8222;Nous ne sommes pas Anti&#8220;, &lt;i&gt;Meeting&lt;/i&gt;, Nr. 2, September 2005, S. 4-6.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-70&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-70&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-70&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;70&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Gruppe Rage Against the Kebab singt es melodi&#246;s: &#8222;Kommunisieren bedeutet zerst&#246;ren&#8220;, doch nicht nur.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-71&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-71&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-71&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;71&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In einen Kampf k&#246;nnen sich der spiessigste Prolet und der idiotischste sozialdemokratische Student ver&#228;ndern. Jene, welche aktiv an K&#228;mpfen mit einem gewissen Ausmass (Mai 68 bis zum CPE) teilgenommen haben, haben das wahrscheinlich gemerkt. Sonst gibt es Hunderte von B&#252;chern zur Geschichte der Klassenk&#228;mpfe, die das zeigen. Selbstverst&#228;ndlich haben die Kapitalisten, die nicht im gleichen Lager sind, nicht den Vorteil dieser Ver&#228;nderung...Was die Spezialbehandlung erkl&#228;rt, welche sie haben werden. Jene, welche in den Proletariern nur unverbesserliche (von Natur aus?) niedertr&#228;chtige, individualistische und egoistische Wesen sehen, verweisen wir auf die vielen Studien zu den Reaktionen der Opfer grosser &#8222;Natur&#8220;katastrophen, wenn der Staat sich nicht einmischt. Sie zum Beispiel in Echanges Nr. 134 (Herbst 2010, S. 70-73) eine Lesenotiz zum Buch von Rebecca Solnit, &lt;i&gt;A Paradise Built in Hell : The Extraordinary Communities That Arise in Disaster&lt;/i&gt; (Penguin Group, 2009).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-72&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-72&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-72&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;72&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es w&#228;re notwendig, die Teilnahme von Frauen an den zeitgen&#246;ssischen K&#228;mpfen spezifisch zu analysieren (2001 in Argentinien oder heute an den Streiks in Bangladesch, China, Frankreich usw.).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-73&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-73&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-73&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;73&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Das wirft eine wohl grundlegende Frage auf, auf die wir nicht wirklich eingegangen sind: Was wird die Reaktion der b&#252;rgerlichen Frauen w&#228;hrend der Revolution sein? Werden sie nur als B&#252;rgerliche intervenieren (Verteidigung ihrer Klasseninteressen) oder ist es vorstellbar, dass sie auch als Frauen intervenieren w&#252;rden? Welche Formen k&#246;nnte dies annehmen? Obwohl es unwahrscheinlich erscheint, ist Solidarit&#228;t zwischen Frauen jenseits der Klassen vorstellbar? In beide Richtungen? Das wirft eine nicht minder knifflige und genauso grundlegende Frage auf: Gibt es einen Genderwiderspruch? Anders gesagt, gibt es einen doppelten Widerspruch (Klassen- und Genderwiderspruch)? Eine grosse Debatte innerhalb unseres kleinen Teams...&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-74&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-74&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-74&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;74&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Kollontai zeigt zum Beispiel, dass die neuen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedingungen zu Beginn der Revolution zu einer Aufl&#246;sung der Kernfamilie f&#252;hren (kollektive Kantinen usw.) und dass &#8222;der kommunistische Staat darauf keinen Einfluss hat&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 211.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-75&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-75&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-75&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;75&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Brosch&#252;re von Michael Seidman &lt;i&gt;L'Individualisme subversif des femmes &#224; Barcelone dans les ann&#233;es 1930&lt;/i&gt; zeigt den Widerstand der Frauen (Streiks, Ablehnung der Arbeit) gegen das Andauern der alten Welt (in diesem Fall die Beh&#246;rden der CNT-UGT, welche versuchen, die Ausbeutung zu rationalisieren und welche &#252;brigens die Fragen der Reproduktion &#252;berhaupt nicht ber&#252;cksichtigen).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-76&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-76&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-76&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;76&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die M&#228;nner werden also ihre &#196;rmel hochkrempeln m&#252;ssen (und somit faktisch einen Beitrag zum Ende der geschlechtlichen Differenzierung leisten) oder sie werden es nicht tun (und somit faktisch den revolution&#228;ren Prozess hemmen).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-77&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-77&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-77&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;77&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ein von einigen vorgebrachtes Beispiel ist die Gr&#252;ndung des Movimiento de Mujeres Desocupadas 2005, eine Abspaltung der dominanten Bewegung der &lt;i&gt;piqueteros&lt;/i&gt;. Siehe Bruno Astarian, &lt;i&gt;Le Mouvement des piqueteros. Argentine 1994-2006&lt;/i&gt;, Paris, Echanges et Mouvement, 2007, S. 42-43.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-78&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-78&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-78&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;78&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es wird wohl immer noch einige Hinterw&#228;ldler geben, die heiraten m&#246;chten, um zum Beispiel &#8222;ihre Liebe zu beweisen&#8220;, doch es wird keinen B&#252;rgermeister mehr geben, um es zu tun, kein Zivilstandsregister, um ihn einzutragen, kein Gesetz, um die Rahmenbedingungen zu definieren usw. (schade f&#252;r die Homosexuellen, die ihr neues Recht verlieren werden!) Es wird wohl auch einige andere geben, die Autorit&#228;t, Disziplin &#8222;brauchen&#8220; oder Machtgel&#252;ste haben - doch es wird, im Gegensatz zur aktuellen Welt, nichts mehr geben, um derartige &#8222;Macken&#8220; auszuleben...&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-79&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-79&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-79&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;79&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Im Vergleich zu kapitalistischen Kriterien wird der kommunistische &#220;berfluss wom&#246;glich ziemlich einfach und d&#252;rftig sein.&#8220; Collectif, &lt;i&gt;Histoire critique de l'ultragauche&lt;/i&gt;, Marseille, Senonevero, 2009, S. 205.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-80&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-80&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-80&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;80&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In den russischen und spanischen Episoden findet man h&#228;ufig die Figur des Revolution&#228;rs, der nach seinem Tag der Militanz nach Hause geht, wo die M&#228;nnerherrschaft weitergeht und wo er sich also als Ehemann und seine Frau als M&#228;dchen f&#252;r alles verh&#228;lt...Doch in diesem Fall nehmen die Frauen nicht am Kampf teil und der revolution&#228;re Prozess ist schon gehemmt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-81&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-81&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-81&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;81&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Paola Tabet, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.: Um die niedrige Fruchtbarkeit der menschlichen Spezies zu kompensieren, ist es n&#246;tig, dass die Frauen auf optimale Art und Weise dem Koitus, und somit dem Schwangerschaftsrisiko ausgesetzt sind. Die beste Technik ist die Heirat (oder das Paar). Dadurch sind die Frauen zwar nicht &#8222;immer empf&#228;nglich&#8220;, doch sie sind &#8222;immer begattbar&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-82&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-82&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-82&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;82&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ein Genosse denkt, dass wir im Kommunismus &#8222;keine Kinder mehr haben, doch &#252;berall Kinder sein werden&#8220;. Ein anderer denkt, dass &#8222;wir &#252;berhaupt keine mehr machen werden&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8-83&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8-83&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8-83&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;83&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wenn uns etwas bewusst werden sollte, so sind es vor allem unsere Grenzen und die Bescheidenheit unserer Aktionen und F&#228;higkeiten. Wie es der Volksmund so sch&#246;n sagt: &#8222;Es sind nicht die Revolution&#228;re, welche die Revolution machen werden, sondern die Revolution, welche die Revolution&#228;re machen wird&#8220;. Wir sind eben ziemlich unbedeutend...&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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