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		<title>Tristan Leoni &#8211; Anarchisten in Uniform in der Ukraine?</title>
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		<dc:subject>Bericht/Analyse</dc:subject>
		<dc:subject>Ukraine-Krieg</dc:subject>
		<dc:subject>Tristan Leoni</dc:subject>
		<dc:subject>Anarchismus</dc:subject>

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&lt;p&gt;&#8222;Es ist traurig, aber lehrreich, sich daran zu erinnern, dass die Arbeiterwelt sich, wie die anderen, w&#228;hrend den letzten beiden Weltkriegen in ihrer Mehrheit auf beiden Seiten hinter die Flagge ihrer eigenen Ausbeuter gestellt hat, trotz des heroischen Kampfes einer Handvoll revolution&#228;rer Arbeiter und Intellektueller.&#8220; &lt;br class='autobr' /&gt;
Ngo Van &lt;br class='autobr' /&gt;
&#8222;Anarchistische Brigaden&#8220;, &#8222;libert&#228;re Milizen&#8220;, &#8222;antiautorit&#228;re Regimente&#8220;, &#8222;linksradikale K&#228;mpfer&#8220;, &#8222;Antifas&#8220;, &#8222;Libert&#228;re&#8220; usw., die Wortwahl ist ziemlich (...)&lt;/p&gt;


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 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/en-ukraine-des-anarchistes-1-768x432.jpg?1716755750' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='84' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;&#8222;Es ist traurig, aber lehrreich, sich daran zu erinnern, dass die Arbeiterwelt sich, wie die anderen, w&#228;hrend den letzten beiden Weltkriegen in ihrer Mehrheit auf beiden Seiten hinter die Flagge ihrer eigenen Ausbeuter gestellt hat, trotz des heroischen Kampfes einer Handvoll revolution&#228;rer Arbeiter und Intellektueller.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ngo Van&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Anarchistische Brigaden&#8220;, &#8222;libert&#228;re Milizen&#8220;, &#8222;antiautorit&#228;re Regimente&#8220;, &#8222;linksradikale K&#228;mpfer&#8220;, &#8222;Antifas&#8220;, &#8222;Libert&#228;re&#8220; usw., die Wortwahl ist ziemlich wirr und reflektiert die schwierige Einordnung des Ph&#228;nomens. Trotzdem haben die meisten grossen westlichen Medien diesem anscheinend exotischen Aspekt des Krieges in der Ukraine einige Zeilen oder Minuten gewidmet: Die Pr&#228;senz von anarchistischen und linksradikalen Aktivisten in den Reihen jener, welche gegen die russische Armee k&#228;mpfen. Das ist eher ungew&#246;hnlich!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seit dem Fr&#252;hling 2022 wurde der Diskurs dieser K&#228;mpfer im Westen innerhalb der anarchistischen, libert&#228;ren, Antifa-, Hausbesetzer- und sogar autonomen Milieus aufgegriffen; ganz und gar nicht orientierungslos richten sich diese Ukrainer an &#8222;uns&#8220;, sie pr&#228;sentieren ihre Handlungen als vorbildliches politisches Modell und bitten uns um finanzielle Unterst&#252;tzung; es ist also durchaus von Interesse und angebracht, sich mit dem, was sie uns sagen, aber auch mit ihren meist nur knapp und in vagen und verwirrenden Worten beschriebenen Praktiken zu befassen, auch auf kritische Art und Weise. Auf diese Weise kann ein Bild des zeitgen&#246;ssischen europ&#228;ischen revolution&#228;ren Aktivismus, seiner Einfl&#252;sse und seiner Grenzen skizziert werden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Dieser Artikel muss als zweiter Teil betrachtet werden. Im Mai 2022 (...)&#034; id=&#034;nh1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was tun in Anbetracht des Krieges?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Zun&#228;chst einmal, sich nicht von der Unmittelbarkeit der Ereignisse, von der Propaganda, von allzu bequemen Vereinfachungen, mitrei&#223;en zu lassen. Es gibt Zeiten, da hat man keinerlei Einflu&#223; auf den Lauf der Dinge. Es ist besser, sich dessen bewu&#223;t zu sein und nicht die eigene Ohnmacht hinter wildem Herumgefuchtel zu verbergen oder, schlimmer noch, auf einen Zug zu springen, der nicht der unsere ist.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Louis Mercier-Vega&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Innerhalb der anarchistischen Bewegung in der Ukraine gehen die Diskussionen &#252;ber den Krieg mindestens bis auf 2014 zur&#252;ck; damals, als die K&#228;mpfe beginnen, schliessen sich gewisse Aktivisten freiwillig milit&#228;rischen Formationen im Donbass an. In den Tagen vor der russischen Invasion am 24. Februar 2022, als diese unmittelbar bevorzustehen scheint, versammeln sich die Anarchisten, Libert&#228;ren und ihnen nahestehende Aktivisten in der Region von Kiew (mehrere Dutzend Leute), um &#252;ber die Situation zu sprechen und ihre Vorgehensweise zu entscheiden. Die seit Jahren wiederkehrende Debatte wird pl&#246;tzlich auf neue Art und Weise zentral: Soll man sich den russischen Truppen bewaffnet entgegenstellen, wenn sie die Grenze &#252;berqueren, oder aber allen Widrigkeiten zum Trotz antimilitaristische, antistaatliche, revolution&#228;re und internationalistische Positionen beibehalten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wir benutzen diesen Begriff in seiner klassischen Bedeutung, die im (...)&#034; id=&#034;nh2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Obwohl eine &#8211; wohl sehr grosse &#8211; Mehrheit die erste der beiden Positionen verteidigt, wird sie trotzdem nicht von der Gesamtheit der anarchistischen Bewegung in der Ukraine geteilt (einige entscheiden sich z.B. f&#252;r humanit&#228;re Aktionen zur Unterst&#252;tzung der Fl&#252;chtlinge oder Verletzten, wir werden darauf zur&#252;ckkommen); diese Tendenz ist hingegen zur sichtbarsten, am st&#228;rksten mediatisierten und, w&#228;hrend etlicher langer Monate, zu fast der einzigen geworden, deren Diskurs in Europa in den aktivistischen Medien aufgegriffen wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jene, welche sich f&#252;r den bewaffneten Kampf entschieden haben, pr&#228;sentieren ihn h&#228;ufig in erster Linie als Notl&#246;sung, eine Notwendigkeit, um einen demokratischen Rahmen zu erhalten, der f&#252;r den k&#252;nftigen Aktivismus als g&#252;nstiger wahrgenommen wird &#8211; die sehr autorit&#228;re Demokratie Kiews, statt die sehr, sehr autorit&#228;re Demokratie Moskaus &#8211;; die Pr&#228;senz in der Ukraine etlicher russischer und weissrussischer Aktivisten, die der Repression in Russland entkommen mussten, beg&#252;nstigt wahrscheinlich diese Einsch&#228;tzung. Es handelt sich jedoch nicht um eine einfache Frage der individuellen Sicherheit, denn es ist viel riskanter, in den Kampf zu ziehen, als, zum Beispiel, ins Ausland zu fliehen; die vorherrschende ideologische Positionierung ist in Tat und Wahrheit eine antifaschistische&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es ist vielleicht angebracht, daran zu erinnern, dass der Antifaschismus (...)&#034; id=&#034;nh3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Doch die Aktivisten betonen auch h&#228;ufig die Tatsache, dass die Teilnahme an der Landesverteidigung eine Gelegenheit sei, um antiautorit&#228;re Ideen in der Bev&#246;lkerung und besonders unter den Soldaten zu verbreiten, womit man einen Einfluss auf die laufenden Ereignisse und die k&#252;nftige politische B&#252;hne der Ukraine habe; das h&#228;ufig bereitwillig eingestandene Modell ist jenes der rechtsextremen Gruppen, die aufgrund ihrer Teilnahme am Krieg im Donbass an Prestige und Einfluss innerhalb der Gesellschaft gewonnen haben (ist dies allerdings die einzige Erkl&#228;rung f&#252;r ihren Erfolg?)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe z.B. Miriam Gonz&#225;lez, &#8222;Os combatentes anarquistas na guerra de (...)&#034; id=&#034;nh4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie muss man also konkret zu Werke gehen, um aufzubrechen und sich den russischen Truppen entgegenzustellen? Es gibt in Wirklichkeit nur eine M&#246;glichkeit: sich der Armee anschliessen. Ein Aktivist erinnert sich: &#8222;K&#246;nnten wir uns der Invasion bewaffnet unabh&#228;ngig von der staatlichen Armee unter den gegenw&#228;rtigen Bedingungen entgegenstellen? Die Antwort ist definitiv nein [&#8230;] Zuerst einmal gibt es auf unserer Seite im Moment nicht gen&#252;gend Struktur oder Ressourcen, um ernsthaft den Anspruch zu haben, eine unabh&#228;ngige bewaffnete Kraft zu bilden. Gleichzeitig hat der ukrainische Staat genug Macht und den Willen, jegliche vollst&#228;ndig autonome Kraft zu unterbinden. In dieser Situation ist Guerillakampf unabh&#228;ngig vom Staat nur in den von der russischen Armee besetzten Gebieten m&#246;glich.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ilya Leshiy, &#8222; Four Months in an Anti-Authoritarian Platoon in Ukraine&#8220;, (...)&#034; id=&#034;nh5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die schon seit einigen Jahren von einigen Aktivisten empfohlene L&#246;sung ist also einfach: das Engagement innerhalb der Einheiten der Territorialverteidigung (TV), die von Berufsmilit&#228;rs umrahmte Einheiten b&#252;ndelt, die jedoch aus freiwilligen Reservisten (mit einer regionalen Rekrutierung) und gegebenenfalls aus mobilisierten B&#252;rgern besteht. Es handelt sich keinesfalls um &#8222;bewaffnete Zivilisten&#8220;, wie es einige behauptet haben, sondern um Reserveeinheiten wie man sie in allen Armeen der Welt findet, sogenannte Einheiten zweiten Ranges, die untergeordnete Aufgaben erledigen und somit die k&#228;mpfenden Einheiten an der Front unterst&#252;tzen, letztere bestehen allen voran aus Berufssoldaten (was sich im Verlauf des Konflikts &#228;ndern wird).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r jene Aktivisten, welche sich freiwillig melden, muss der Antimilitarismus und die Staatskritik also auf Eis gelegt werden, solange der Konflikt andauert; das ist das Prinzip des Burgfriedens, alle haben w&#228;hrend einer gewissen Zeit gemeinsame Ziele. Somit ist man zu semantischen Verdrehungen verdammt, man spielt also mit den Worten, um sich selbst davon zu &#252;berzeugen, dass man weder den Staat noch die Interessen der nationalen Bourgeoisie verteidigt, sondern nur &#8222;das Volk&#8220;, diese etwas vage, aber klar klassen&#252;bergreifende Einheit: &#8222;[D]ie Interessen der ukrainischen Gesellschaft und des ukrainischen Staates sind gegenw&#228;rtig in einem Punkt deckungsgleich, der Zur&#252;ckschlagung der brutalen Invasion, obwohl sie sich in etlichen anderen Punkten voneinander unterscheiden. Deswegen scheint jeglicher Versuch, getrennt Widerstand zu organisieren, im Moment im Volk Unverst&#228;ndnis auszul&#246;sen. Doch wir k&#246;nnen feststellen, dass die gegenw&#228;rtige Situation in den bewaffneten Streitkr&#228;ften der Ukraine immer noch viel Raum l&#228;sst f&#252;r politische Gruppen, welche die Besatzer bek&#228;mpfen wollen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der letzte Satz bezieht sich offensichtlich auf die verschiedenen rechtsextremen Bewegungen, die &#252;ber identifizierbare spezifische Einheiten verf&#252;gen, sie sind anerkannt, respektiert und vollst&#228;ndig in das Organigramm der bewaffneten Streitkr&#228;fte der Ukraine integriert; die ber&#252;hmteste von ihnen ist die Brigade Asow. Gewisse Anarchisten hoffen also, dass sie auch legal eine Einheit dieser Art aufbauen, &#252;ber eine gewisse Autonomie verf&#252;gen und ein Minimum an Propagandaarbeit innerhalb der Armee betreiben k&#246;nnen; doch daf&#252;r muss man sich organisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Widerstand?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Februar 2022 rufen diese Aktivisten eine Struktur ins Leben, die zum Ziel hat, die verschiedenen Initiativen, die versuchen, sich der russischen Invasion entgegenzustellen, zu koordinieren und logistisch zu unterst&#252;tzen: das Widerstandskomitee, das manchmal als Schwarzes Hauptquartier bezeichnet wird. Die daran beteiligten Gruppen pr&#228;sentieren sich als anarchistisch, wie z.B. RevDia oder Black Flag Ukraine, doch man findet darin auch kleine linksradikale oder antifaschistische Gruppen oder Individuen, z.B. die antifaschistischen Fussballfans des Ex-Klubs Arsenal Kiew &#8211; der Hoods Hoods Klan &#8211; die Strassenk&#228;mpfe gew&#246;hnt sind&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Tom Lord, &#8222;&#8216;Defensive War as an Act of Popular Resistance&#8230;&#8216;: Exclusive (...)&#034; id=&#034;nh7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; einige schliessen sich dem Komitee an, aber behalten eine gewisse Autonomie (z.B. betreffend der Mittelbeschaffung), das gilt f&#252;r eine Gruppe von &#214;ko-Anarchisten aus Lwiw, Ecological Platform&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diese antispezistische Gruppe k&#228;mpfte davor in den Karpaten gegen die (...)&#034; id=&#034;nh8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Widerstandskomitee versieht sich im Mai 2022 mit einem &#8222;Manifest&#8220;, das eine Vorstellung davon gibt, was die Aktivisten zusammenbringt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Anarchist*innen in der Ukraine ver&#246;ffentlichen Manifest&#8220;, Mai 2022.&#034; id=&#034;nh9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Was zuerst &#252;berraschen mag, ist die Tatsache, dass der Krieg &#252;berhaupt nicht in einen gr&#246;sseren Zusammenhang gestellt wird, sei es nur jener der wirtschaftlichen und geostrategischen Rivalit&#228;ten oder jener der Krise des Kapitalismus. Die ganze Sache beschr&#228;nkt sich also vermeintlich auf Russland und die Ukraine, aber jenseits des banalen Streits um Territorium sei eine ganz andere Dimension zentral: jene der offensichtlichen Konfrontation zwischen Freiheit und Autorit&#228;t &#8211; zwischen dem Guten und dem B&#246;sen, ist man versucht, zu verstehen. Die Ukraine wird darin &#252;brigens als ein Land dargestellt, wo seit Jahrhunderten die dem Despotismus ausgesetzten &#8222;Freigeister&#8220; zusammenstr&#246;men, die Opryschky-Aufst&#228;ndischen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Aufst&#228;ndische und gesetzlose Bauern der bergigen Regionen Galiziens, (...)&#034; id=&#034;nh10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; oder die Makhnowisten. Der Imperialismus Putins, der Putinismus oder auch die imperiale russische Herrschaft werden als einzige Verantwortliche f&#252;r den Krieg wahrgenommen, es geht also nun darum, die V&#246;lker von jeglichem Autoritarismus zu befreien &#8211; ein Kampf, der in der Ukraine von einer Massenbewegung des Volkes angef&#252;hrt werden wird:&lt;br class='manualbr' /&gt;&#8222;Wir glauben, dass die Ukraine und ganz Osteuropa frei von Diktatur sein sollten. Freiheit, Solidarit&#228;t und Gleichheit sollten die Hauptprinzipien der sozialen Organisation in der Region werden [&#8230;] Wir streben danach, die Zukunft der Ukraine und der gesamten Region zu beeinflussen, die bereits bestehenden Freiheiten zu sch&#252;tzen und zu ihrer Erweiterung beizutragen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Daf&#252;r geht es darum, &#8222;die Bem&#252;hungen der K&#228;mpfer gegen den Autoritarismus zu vereinen, um einen wirksamen Kampf f&#252;r unsere Ideale und Werte zu f&#252;hren&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die gleichen Autoren legen Wert darauf, zu pr&#228;zisieren, dass sie &#8222;das Ungleichgewicht von Macht und Reichtum in der Gesellschaft&#8220; verurteilen und &#8222;die Gleichstellung der Geschlechter, den Schutz der Umwelt und die &#220;berwindung jeglicher Art von Diskriminierung&#8220; bef&#252;rworten: &#8222;[W]ir sind gegen alle Formen der Unterdr&#252;ckung unter den Menschen, gegen das Verh&#228;ltnis von Herrschaft und Unterwerfung, gegen soziale Ungleichheit. Alle Unterdr&#252;cker m&#252;ssen besiegt werden. An die Stelle der Tyrannei soll die freie und gleichberechtigte Zusammenarbeit aller in der Gesellschaft treten.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jenseits seines diskursiven Aspekts gibt sich das &#8222;Manifest&#8220; pragmatisch und skizziert einige Vorschl&#228;ge f&#252;r Reformen, die f&#252;r die k&#252;nftige ukrainische Gesellschaft notwendig sind: Annullierung der Auslandsschulden der Ukraine, Annullierung der Kredite der Ukrainer mit geringem oder durchschnittlichem Einkommen, Einf&#252;hrung eines Systems selbstverwalteter Versammlungen auf lokaler und Berufsebene, vereinfachter Zugang zu Wohnraum und Wohneigentum, Unentgeltlichkeit der Gesundheitsdienste und des &#246;ffentlichen Verkehrs, Gew&#228;hrung von Sozialhilfe f&#252;r Personen mit geringem Einkommen, Schaffung von autonomen Frauenstrukturen in allen Gemeindeorganen des Landes, Schaffung von Frauenverteidigungskr&#228;ften (gegen die Gewalt an Frauen), Sensibilisierung f&#252;r den Umweltschutz (zum Beispiel, indem die Entwicklung erneuerbarer Energien vorangetrieben wird) usw.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine Reihe von Vorschl&#228;gen betrifft spezifisch Fragen der Verteidigung: Ausweitung der lokalen Selbstverteidigung, Recht auf Zugang zu Waffen und Waffenbesitz, Gew&#228;hrung der ukrainischen Staatsb&#252;rgerschaft f&#252;r die freiwilligen ausl&#228;ndischen K&#228;mpfer, Schaffung von Fraueneinheiten innerhalb der regul&#228;ren Armee, Ann&#228;herung des Bildungssystems und der Milit&#228;rindustrie betreffend Spitzentechnologien und der Ausbildung von Spezialisten, M&#246;glichkeit der milit&#228;rischen Ausbildung in den Reihen der TV, Reduzierung der B&#252;rokratie oder auch die Einf&#252;hrung spezifischer Mahlzeiten f&#252;r die veganen Soldaten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie immer in solchen Texten geben sich die Autoren, da sie die ins Auge springenden Widerspr&#252;che nicht kaschieren k&#246;nnen, gef&#228;hrlicher argumentativer Akrobatik hin; bez&#252;glich des Verh&#228;ltnisses zum Staat und der Regierung im Amt wird z.B. pr&#228;zisiert, dass, &#8222;[w]enn sich der ukrainische Staat heute an diesem Kampf beteiligt, [&#8230;] das nicht [bedeutet], dass wir seine Unterst&#252;tzer geworden sind&#8220;&#8230; Der Staat und die Anarchisten seien am Widerstand beteiligt, jeder auf seiner Ebene und abh&#228;ngig von seinen Mitteln und de facto verteidigten die antiautorit&#228;ren nicht den Staat, das Land oder die Nation, sondern nur &#8222;das Volk&#8220;&#8230; Im Juli 2022 ver&#246;ffentlicht die gleiche Gruppe, die sich nun Solidarity Collectives nennt, einen neuen Text, der k&#252;rzer, pragmatischer und weniger politisch ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Manifest auf Englisch verf&#252;gbar auf der Homepage.&#034; id=&#034;nh11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Auf der Grundlage unserer antiautorit&#228;ren Werte haben wir uns entschieden, aktiv gegen die russische Aggression Widerstand zu leisten. Wir unterst&#252;tzen das Recht des ukrainischen Volkes auf Selbstverteidigung und betrachten die russische Invasion als imperialistischen Akt. Trotz der Multidimensionalit&#228;t jedes globalen Ereignisses sind die Hauptgr&#252;nde dieses Krieges die imperiale Politik der Russischen F&#246;deration, der Glaube der russischen Eliten an ihre historische Mission und ein Versuch, Kontrolle &#252;ber das zu erlangen, was sie als ihre Einflusssph&#228;re betrachten. Die Gr&#252;nde sollten weder in den wirtschaftlichen Interessen der russischen Oligarchie noch in den &#8218;russischen Sicherheitsbedenken&#8216; und besonders nicht in den Machenschaften der NATO gesucht werden.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Unser Ziel ist eine freie und gerechte Gesellschaft, unsere zentralen Werte sind gesellschaftliche, wirtschaftliche und Geschlechtergleichheit.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;[D]er [&#8230;] Wiederaufbau [des Landes] sollte dem Volk zugutekommen. Er sollte nicht auf neoliberale Dogmen gegr&#252;ndet werden [...]&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Wir unterst&#252;tzen antiautorit&#228;re und antikoloniale Bewegungen weltweit. Heute sammeln antiautorit&#228;re Aktivisten in der Ukraine Erfahrungen, die n&#252;tzlich sein k&#246;nnten, um Diktatoren und autorit&#228;re Regimes sowohl in postsowjetischen L&#228;ndern als auch in anderen Regionen (Iran zum Beispiel&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Obwohl im Mittleren Osten kein Mangel an autorit&#228;ren Regimen herrscht, ist (...)&#034; id=&#034;nh12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) zu st&#252;rzen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man sieht es, diese zentralen Texte, welche die &#8222;autorit&#228;ren Tendenzen unserer Gesellschaft&#8220; anprangern und die Verteidigung der Tiere und den Kampf gegen den Klimawandel betonen, scheren sich nicht um irgendwelche Mantras einer klassischen anarchistischen Prosa gegen den Kapitalismus, die Armee oder den Staat (noch weniger gegen die Demokratie); es herrscht darin eine sehr pragmatische Sichtweise des gesellschaftlichen Wandels vor, die man als sozialdemokratisch bezeichnen k&#246;nnte, geschm&#252;ckt mit politischen Themen, die gerade in Mode sind. Das Heraufbeschw&#246;ren &#8222;antiautorit&#228;rer Werte&#8220; ist vage genug, um heutzutage etlichen Aktivisten und Sympathisanten der &#228;usseren Linken, der Bewegung gegen die Globalisierung oder f&#252;r den Umweltschutz zu gefallen. In Wirklichkeit zeigen die Positionierungen der Gruppe, die Texte und die Zeugenberichte oder auch das Profil der K&#228;mpfer, jenseits der anscheinenden ideologischen Verschwommenheit, dass, wenn es darin eine politische Koh&#228;renz gibt, es nicht jene des Anarchismus ist, sondern eher, banaler, jene des Antifaschismus, dieses Willens, sich an einer klassen- und partei&#252;bergreifenden Front zur Verteidigung der ukrainischen Demokratie gegen die autorit&#228;re russische Gefahr&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Eine antifaschistische Front, wovon paradoxerweise eine grosse Anzahl an (...)&#034; id=&#034;nh13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; zu beteiligen &#8211; ein Burgfrieden, der jeglichen anderen Kampf auf eine unbestimmte Zeit (den Frieden) verschiebt &#8211; w&#228;hrend die Regierung ihrerseits vom Konflikt profitiert, um die Gewerkschaften anzugreifen und den Sozialabbau zu beschleunigen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zum Beispiel die &#8222;Dekommunisierung der Sozialversicherung&#8220;, um sie dem (...)&#034; id=&#034;nh14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Krieg wird nur als ideologische und moralische Konfrontation wahrgenommen, die Tatsache, dass die Ukraine ein Kampffeld um wichtige wirtschaftliche Streitgegenst&#228;nde zwischen Russland, der Europ&#228;ischen Union und den USA ist, oder auch, dass die russischen und ukrainischen Proletarier nicht die gleichen Interessen haben wie ihre jeweiligen Bourgeoisien, scheint f&#252;r die Autoren schlichtweg undenkbar; es ist wahr, dass es sich manchmal als st&#246;rend erweisen kann, etwas Abstand zu gewinnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#8222;libert&#228;re&#8220; Beteiligung am Widerstand entwickelt sich sehr schnell in Richtung zweier Strukturen &#8211; eine milit&#228;risch, die andere zivil &#8211; letztere k&#252;mmert sich um die logistische und mediale Unterst&#252;tzung ersterer. Von nun an steht, jenseits der urspr&#252;nglichen politischen Entscheidung, das Leben der Aktivisten an der Front auf dem Spiel, es muss also &lt;i&gt;alles&lt;/i&gt; ihrer Unterst&#252;tzung untergeordnet werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eine zivile materielle Unterst&#252;tzung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie h&#228;ufig in Kriegen sind die Soldaten nicht gen&#252;gend ausger&#252;stet und m&#252;ssen gewisse ben&#246;tigte oder angenehme Dinge selber kaufen, in der Regel ist das sehr teuer. Trotz der ausgesch&#252;tteten Milliarden von Dollars und Euros vom Westen befindet sich der ukrainische Soldat in dieser Situation &#8211; tats&#228;chlich ist das Land eines der korruptesten der Welt. Die zivilen Aktivisten haben sich die Ausr&#252;stung der Soldaten zur Aufgabe gemacht, erstere bevorzugen es, hinter der Front zu arbeiten. Das erweist sich als sehr kostspielig und die Finanzierung beruht einzig auf den Spenden der westlichen Sympathisanten, daher schenkt man der Propaganda viel Aufmerksamkeit: Die Entwicklung einer passenden politischen Erz&#228;hlung ist unerl&#228;sslich, denn die alleinige Beschreibung der milit&#228;rischen Praktiken auf dem Terrain w&#228;re dem Risiko ausgesetzt, zur Zeichnung eines &#8222;antiautorit&#228;ren&#8220; Bildes der K&#228;mpfer mangelhaft zu sein, sie w&#252;rden somit jegliche Besonderheit verlieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige Aktivisten gr&#252;nden also in Kiew im Februar 2022 eine Ad-Hoc-Struktur, Operation Solidarity, deren Hauptziel es ist, die Bed&#252;rfnisse (bez&#252;glich Ausr&#252;stung) der &#8222;K&#228;mpfer (in erster Linie die antiautorit&#228;ren und linken Aktivisten)&#8220; zu erfassen, die Eink&#228;ufe in der Ukraine oder im Ausland zu t&#228;tigen und dann die Lieferung zu organisieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;L'organisation des anarchistes sur le front ukrainien. Entretien avec le (...)&#034; id=&#034;nh15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es kann sich um Kleidung, leichte Ausr&#252;stung, medizinisches Material, Nachtsichtger&#228;te, zivile Drohnen oder manchmal gar Fahrzeuge handeln: alle Art von Ausr&#252;stung ausser Waffen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Impact, &#8222;Ukraine : ces anarchistes s'organisent face &#224; la guerre&#8220;, 5. (...)&#034; id=&#034;nh16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Um sich ein Bild davon zu machen, zwischen Februar 2022 und September 2022 seien den K&#228;mpfern &#8222;5 Fahrzeuge, 20 Helme, 30 schusssichere Westen, 50 Erste-Hilfe-Sets, 5 Drohnen, 30 Walkie-Talkies, mehr als 100 Kleidungsst&#252;cke, optische Visiere, Ausr&#252;stungsgegenst&#228;nde, milit&#228;rische L&#228;rmschutzhelme&#8220; geliefert worden, ohne die angemessene Nahrung f&#252;r vegane Soldaten zu vergessen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Auf der Homepage.&#034; id=&#034;nh17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In einem auf Telegram ver&#246;ffentlichten Aktivit&#228;tsbericht f&#252;r die Monate Mai und Juni 2023 verk&#252;ndet die Gruppe, dass sie 2 Mavic-Drohnen, 1 Paar Nachtsichtbrillen (vielbegehrt, aber sehr teuer), Visiere, 1 Schalld&#228;mpfer, 3 Tablets, 4 Generatoren, 1 GPS-Uhr, 8 zivile Motorola-Funkger&#228;te, 2 digitale Baofengs-Walkie-Talkies, 13 externe Batterien, Speicherkarten, 1 Laptop f&#252;r einen Drohnenoperator, 1 Helm und sein Zubeh&#246;r, 1 Splitterschutzanzug, Taschen, Sitzteppiche, 2 ballistische Schutzwesten und 6 Plattentr&#228;ger (eine Art schusssichere Westen), 2 Schutzplatten, 3 taktische Kopfh&#246;rer, 2 Feldstecher, 2 Monokulare f&#252;r Gewehre, 18 Gasflaschen, 51 CAT-Stauschl&#228;uche, 16 Brustkorb-Pflaster, 10 IFAK-Erste-Hilfe-Sets, 42 Israelische Verb&#228;nde, 11 blutstillende Verb&#228;nde, 100 Thermodecken usw. geliefert hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist festzuhalten, dass das Kollektiv auch gefl&#252;chteten/deplatzierten Personen oder Opfern von Bombenangriffen hilft (mit Ausr&#252;stung, medizinischem Material, Nahrung usw.) und gelegentlich Ausr&#252;stung an gewisse Spit&#228;ler, Schulen oder Tierasyle spendet. Etwas weniger als ein Drittel der gesammelten Summen des Kollektivs werden daf&#252;r eingesetzt &#8211; schwierig, zu sagen, ob dieser Prozentsatz sich mit der Zeit ge&#228;ndert hat&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Gem&#228;ss der Homepage der Organisation sind von den zwischen Februar und (...)&#034; id=&#034;nh18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Finanzbedarf ist also betr&#228;chtlich, daher die st&#228;ndigen Spendenaufrufe an Aktivisten und Sympathisanten der westlichen L&#228;nder; die prinzipielle Zwischenstation in Westeuropa scheint die Gruppe ABC Dresden zu sein&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Das Anarchist Black Cross ist ein internationales anarchistisches (...)&#034; id=&#034;nh19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; die sehr vage Botschaft findet in Frankreich in den anarchistischen und linksradikalen Milieus ein Echo, auch in der NPA und bis hin zu den Autonomen. Mitglieder der ukrainischen Gruppe touren manchmal durch Europa, um ihre Aktion zu pr&#228;sentieren; sie waren zum Beispiel pr&#228;sent im Juli 2023 am Internationalen Antiautorit&#228;ren Treffen (sic!) in Saint-Imier. Die Kommunikation, besonders auf den sozialen Medien, ist in diesem Dispositiv zentral und die Soldaten an der Front verf&#252;gen sogar &#252;ber ein Medienkomitee, um die Kontrolle &#252;ber die produzierten Videos und Texte zu garantieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Voices from the front : Russian anarchist fights for Ukraine&#8220;, 31. M&#228;rz 2023.&#034; id=&#034;nh20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Situation mag in Anbetracht der an die Ukraine gespendeten Milliarden von Dollars und Euros von den L&#228;ndern der NATO paradox erscheinen, aber in fast allen Kriegen entstehen solche Initiativen und es gibt in Kiew und auf der ganzen Welt etliche Nichtregierungsorganisationen und karitative Stiftungen, welche die ukrainischen K&#228;mpfer unterst&#252;tzen und ihnen diese Art von Material liefern; die m&#228;chtigste davon ist Come Back Alive. Etliche Einheiten der Armee, und besonders jene, welche sich aufgrund von &#8211; in der Regel rechtsextremer &#8211; politischer Affinit&#228;t zusammengeschlossen haben, nehmen solche Spendenaktionen in Anspruch, um die Ausr&#252;stung und den Komfort ihrer K&#228;mpfer zu verbessern (zum Beispiel Support Azov), daher kommt die Notwendigkeit einer angepassten Kommunikation. Die sozialen Netzwerke werden massiv benutzt und w&#228;hrend die Strukturen ihren Ideenreichtum unter Beweis stellen m&#252;ssen, um die Spender zu gewinnen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Der Gr&#252;nder der NGO Frontline Care erkl&#228;rt: &#8222;Der schwierigste Teil unserer (...)&#034; id=&#034;nh21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, m&#252;ssen die Soldaten ihrerseits als so cool und k&#252;hn wie m&#246;glich erscheinen &#8211; zumindest auf TikTok&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Der Influencer Xavier Tytelman wirbt zum Beispiel f&#252;r Einheiten wie das (...)&#034; id=&#034;nh22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das zivile Unterst&#252;tzungskomitee f&#252;r die antiautorit&#228;ren K&#228;mpfer ist jedoch nach einigen Monaten mit Schwierigkeiten konfrontiert. Die Aktivit&#228;t von Operation Solidarity muss sogar im Juli 2022 aufgrund der &#8222;M&#252;digkeit&#8220; der Mitglieder der Gruppe unterbrochen werden, aber auch wegen internen Unstimmigkeiten, wovon einige ganz banal mit Macht- und Geldfragen zusammenh&#228;ngen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb23&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Solidarity Collectives Statement&#8220;, 4. Juli 2022.&#034; id=&#034;nh23&#034;&gt;23&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&#8230; Die Gruppe legt sehr schnell mit einigen Individuen weniger, einem neuen Namen, Solidarity Collectives, und wahrscheinlich auch mit einer neuen administrativen Struktur wieder los.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Gruppe versieht sich mit einem neuen Pr&#228;sentationstext und k&#252;ndigt nun an, sie unterst&#252;tze &#8222;anarchistische&#8220; K&#228;mpfer, &#8222;Verteidiger der Menschenrechte, Gewerkschafter, &#214;ko-Anarchisten, Anarchafeministinnen, Punkrocker, politische Fl&#252;chtlinge aus Weissrussland und Russland&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb24&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Auf der Homepage.&#034; id=&#034;nh24&#034;&gt;24&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&#8230; Das Zielpublikum tendiert mit der Zeit dazu, ausgeweitet zu werden, um &#252;ber jenes der alleinigen anarchistischen Aktivisten hinauszugehen, was nicht erstaunlich ist. Die sehr klassische Organisationslogik dr&#228;ngt die Aktivisten sowieso schon dazu, ihre Aktivit&#228;t und die Summe der gesammelten Spenden stets aufrechtzuerhalten oder zu steigern &#8211; wie gross auch immer die Anzahl der uniformierten Anarchisten entlang der Front sein mag; und diesbez&#252;glich deutet eben genau nichts darauf hin, dass die Anzahl der k&#228;mpfenden Aktivisten sich im Verlauf der Monate vergr&#246;ssert, im Gegenteil: Mindestens etwa 15 von ihnen wurden im Gefecht get&#246;tet &#8211; sie werden h&#228;ufig von der Aktivistenpropaganda als &#8222;M&#228;rtyrer&#8220; dargestellt, ein typisches Vokabular aus dem Nahen Osten, das von Ehemaligen aus Rojava importiert worden ist &#8211; und man weiss nichts &#252;ber die Verletzten und jene, welche aufgegeben haben. Es ist &#252;brigens sehr wahrscheinlich, dass der geringe Zustrom von (ukrainischen oder westlichen) Freiwilligen nach der russischen Invasion mit der Zeit abgenommen hat: Zuerst einmal, weil die ukrainische Armee mittlerweile vollst&#228;ndig gem&#228;ss den Standards der NATO strukturiert ist und der Improvisation immer weniger Platz l&#228;sst, aber vor allem, weil die K&#228;mpfe immer grausamer und t&#246;dlicher werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt allerdings eine rote Linie, die das Kollektiv nicht bereit ist, zu &#252;berschreiten, jene der Unterst&#252;tzung f&#252;r antiautorit&#228;re Aktivisten, die in wenig politisch korrekten Einheiten k&#228;mpfen: Es zirkulieren viele Informationen auf den sozialen Netzwerken &#252;ber Aktivisten, die aus Gr&#252;nden der Effizienz in den rechtsextremen Einheiten k&#228;mpfen (es handelt sich in der Regel um Eliteeinheiten, die vom F&#252;hrungsstab regelm&#228;ssig herangezogen werden und sehr gut ausgestattet und trainiert sind); Solidarity Collectives gesteht ein, dass mindestens einem Anarchisten, der in der Brigade Asow k&#228;mpft, die Unterst&#252;tzung verweigert wurde, aber dass mindestens vier andere, die Teil des (aus weissrussischen Freiwilligen in der ukrainischen Armee bestehenden) nationalistischen Kastus-Kalinouski-Regiments unterst&#252;tzt worden sind, obwohl diese Entscheidung unter den Mitgliedern des Kollektivs umstritten war&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb25&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Tatsache, dass sich unter diesen vier Personen routinierte Aktivisten (...)&#034; id=&#034;nh25&#034;&gt;25&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Obwohl das Tragen der Uniform nicht zwingend bedeutet, dass man k&#228;mpft, denn man kann zum Beispiel in einer medizinischen Einheit aktiv sein &#8211; sei es in der N&#228;he der K&#228;mpfe oder weiter hinten &#8211;, in dem Medien am prominentesten vertreten sind nat&#252;rlich jene &#8222;antiautorit&#228;ren&#8220; Freiwilligen, die mit den Waffen hantieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Anarchistische Soldaten?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Ich hasse alle Offiziere [&#8230;] K&#246;nnen sie sich vorstellen, wie sehr ich diese Uniform und alles, was sie repr&#228;sentiert, hasse?&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sam Peckinpah, Steiner &#8211; Das Eiserne Kreuz, 1977&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Aktivisten, die f&#252;r ein Engagement bei der Armee unterschrieben haben, sind meistens im ganzen Land zerstreut; entweder, f&#252;r die erfahrensten unter ihnen, in den klassischen Brigaden; oder, f&#252;r die anderen, in der TV. Es soll daran erinnert werden, dass letztere leichte, lokal rekrutierte, aus freiwilligen Reservisten bestehende Infanterieeinheiten zusammenbringt und von Berufssoldaten umrahmt ist. Man sollte sie nicht untersch&#228;tzen, obwohl sie f&#252;r anscheinend untergeordnete, undankbare und kaum prestigetr&#228;chtige Aufgaben verantwortlich sind, sind diese strikt milit&#228;risch betrachtet sehr n&#252;tzlich. Als im Januar 2023 ein begeisterter franz&#246;sischer Journalist bez&#252;glich des Konflikts die &#8222;F&#252;lle an kleinen, mehrheitlich anarchistischen bewaffneten Gruppen&#8220; anspricht, ist ein Mitglied des Widerstandskomitees gezwungen, seinen Enthusiasmus zu d&#228;mpfen: &#8222;Man kann eher von kleinen, in die Verteidigungskr&#228;ften integrierten Gruppen anarchistischer Genossen sprechen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb26&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;L'organisation des anarchistes sur le front ukrainien. Entretien avec le (...)&#034; id=&#034;nh26&#034;&gt;26&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&#8220; Obwohl diese Eingliederung manchmal kleine Gruppen betrifft, ist sie in Wirklichkeit in den meisten F&#228;llen individuell&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb27&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wenn man sich der Armee anschliesst, w&#228;hlt man seine Einheit oder den (...)&#034; id=&#034;nh27&#034;&gt;27&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das einzige wirkliche Gegenbeispiel, rund um welches im Westen viel phantasiert werden wird, ist jene Gruppe, welche den Namen antiautorit&#228;rer Zug annehmen wird&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb28&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Eine Brigade der Territorialverteidigung (ungef&#228;hr 3&#8216;500 Personen) besteht (...)&#034; id=&#034;nh28&#034;&gt;28&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Phantasien, die bez&#252;glich der materiellen Realit&#228;t dieser Gruppe auf sehr vagen Vorstellungen beruhen und etliche Interviewer und Journalisten nicht zu zerstreuen versuchen: Man k&#246;nnte sich allerdings legitimerweise die Frage stellen, was seine Mitgliederzahl ist. Von welcher Einheit ist er Teil? Auf welche Art und Weise? Was ist seine administrative Realit&#228;t? An welchen Schlachten war er beteiligt? Was sind seine allt&#228;glichen Aktivit&#228;ten? &#220;ber welche Waffen verf&#252;gt er? Man muss die Gesamtheit der verf&#252;gbaren Texte miteinander vergleichen, um zu versuchen, darauf eine Antwort zu finden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Zug entsteht scheinbar aus der Initiative eines Antifa-Aktivisten, der sich 2014 freiwillig gemeldet hat und im Verlauf der Jahre Offizier und sp&#228;ter Hauptmann in einer der Brigaden der TV des Oblasts von Kiew geworden ist (er stirbt im Gefecht im September 2022&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb29&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Apr&#232;s la fin du bataillon anti-autoritaire, la suite de la r&#233;sistance (...)&#034; id=&#034;nh29&#034;&gt;29&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) und an den Treffen der Anarchisten vor und nach der russischen Invasion teilnahm. Es ist wahrscheinlich ihm zu verdanken, dass die anarchistischen und antifaschistischen Freiwilligen aus der Region Kiew in einem gleichen Zug zusammengeschlossen sind. Erpicht auf Aktion und Autonomie tauchen sie in einen milit&#228;rischen Rahmen ein, der naturgem&#228;ss aus administrativer Schwerf&#228;lligkeit und strenger Hierarchie besteht. Die Einheit ist zum Beispiel nicht frei, was die Rekrutierung anbelangt, und muss manchmal ank&#252;ndigen, dass keine Pl&#228;tze mehr frei sind (Nachricht auf Telegram im April 2022 im Kanal RevDia) &#8211; das ist umso komplizierter f&#252;r die ausl&#228;ndischen Freiwilligen, als sie sich theoretisch Ah-Hoc-Einheiten anschliessen sollten (besonders der Internationalen Legion). Sie ist auch bez&#252;glich der Ausbildung nicht frei und nat&#252;rlich auch nicht bez&#252;glich der Auswahl ihrer Missionen. In einem Interview, das vom Medienkomitee des Zuges gr&#252;nes Licht bekommen hat, bringt ein Anarchist einige Ideen zur Umgehung dieser B&#252;rokratie vor: &#8222;Die Lehre dieser Geschichte ist, dass, je mehr Kontakte und Verbindungen man in den betreffenden Institutionen hat, desto gr&#246;sser werden die Chancen sein, die B&#252;rokratie zu &#252;berwinden oder zu umgehen. Im Verlauf dieser letzten Monate bin ich zum Schluss gekommen, dass wir als Revolution&#228;re nicht z&#246;gern sollten, Kontakte innerhalb der staatlichen Institutionen zu kn&#252;pfen. Solange wir in Bezug auf unsere politischen Ziele klar sind, ist es eher gerechtfertigt, Risiken einzugehen, um diese Ziele zu erreichen, als darauf zu verzichten, jene Werkzeuge zu benutzen, welche der Bewegung helfen k&#246;nnten, an Terrain zu gewinnen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb30&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ilya Leshiy, op. cit.&#034; id=&#034;nh30&#034;&gt;30&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Die Beschreibung dieses Zuges als &#252;ber eine &#8222;gewisse Autonomie&#8220; verf&#252;gend, wie es gewisse franz&#246;sische Autoren getan haben, ist also im besten Falle Science Fiction.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wie viele sind es?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Online-Portal &lt;i&gt;Mediapart&lt;/i&gt; spricht im Juni 2022 von 100 bis 150 Anarchisten und Antifaschisten, die in verschiedenen Einheiten der Armee zerstreut sind; Zahlen, die Leute miteinschliessen, die nicht k&#228;mpfen und als medizinisches Personal dienen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb31&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Laurent Geslin, &#8222;En Ukraine, des anarchistes montent au front pour (...)&#034; id=&#034;nh31&#034;&gt;31&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die meisten davon sind ukrainische Aktivisten, denen sich einige Russen und Weissrussen, aber auch eine geringe Anzahl Westeurop&#228;er angeschlossen haben, wovon einige in den kurdischen Kr&#228;ften der YPG w&#228;hrend des B&#252;rgerkrieges in Syrien gedient haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber wie sieht es spezifischer mit dem in den Medien sehr pr&#228;senten antiautorit&#228;ren Zug aus? Obwohl er oft erw&#228;hnt wird, bleiben die Aktivisten und die Sprecher sehr vage bez&#252;glich seiner Zusammensetzung und seiner Mitgliederzahl&#8230; Halten wir zuerst einmal fest, dass, w&#228;hrend die meisten Kommentatoren ihn unterschiedslos als Brigade, Bataillon usw. bezeichnen, mit einer reflexartigen Reaktion auf die Worte &lt;i&gt;Brigaden&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;Milizen&lt;/i&gt; (die nach Spanien 1936 t&#246;nen), h&#228;ufig im Plural und als ob es Synonyme w&#228;ren, die mit der Kommunikation beauftragten Personen innerhalb dieser Gruppe das Wort &lt;i&gt;Zug&lt;/i&gt; benutzen. Aber diese Bezeichnung ist nicht unbedeutend und sie haben allen Grund, das zu wissen; ein Zug (&lt;i&gt;platoon&lt;/i&gt; auf Englisch) beschreibt in den westlichen Armeen eine sehr kleine Kampfeinheit, 20 bis 50 M&#228;nner&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb32&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In unserem Artikel vom Mai 2022 schrieben wir folgendes in einer Fussnote: (...)&#034; id=&#034;nh32&#034;&gt;32&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Im Mai 2022 spricht ein Mitglied der Gruppe w&#228;hrend einem Interview von 50 K&#228;mpfern&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb33&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Tom Lord, op. cit.&#034; id=&#034;nh33&#034;&gt;33&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; Operation Solidarity behauptet, zwischen Februar und Juni 2022 mehr als 200 K&#228;mpfer in der ganzen Ukraine unterst&#252;tzt zu haben, und pr&#228;zisiert, dass der Zug nur einen Drittel davon repr&#228;sentiere&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb34&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe ihre Homepage.&#034; id=&#034;nh34&#034;&gt;34&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Was die von den uniformiert und bewaffnet rund um eine schwarze Fahne posierenden Aktivisten sehr gesch&#228;tzten Fotos betrifft, sieht man darauf nie mehr als 25 Personen versammelt. Wenn man die Neigung der Aktivisten zur Besch&#246;nigung gewisser Zahlen kennt, kommt man zum Schluss, dass mehrere Dutzend M&#228;nner (Anarchisten, Hooligans, Antifas&#8230;) Teil des antiautorit&#228;ren Zuges waren, wahrscheinlich etwa 50 zu gewissen Zeiten, auf jeden Fall sieht man, dass die Mitgliederzahl sehr gering ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb35&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Obwohl es besonders unpassend ist, z&#246;gern einige nicht, den Konflikt mit (...)&#034; id=&#034;nh35&#034;&gt;35&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Um sich bewusst zu sein, was das repr&#228;sentiert, muss man wissen, dass die ukrainische Armee im Februar 2022 aus 250&#8216;000 M&#228;nnern bestand, davon 70&#8216;000 K&#228;mpfer der TV; Ende 2023 tragen etwa eine Million M&#228;nner die Uniform (davon sind etwa 15&#8216;000 keine ukrainischen Staatsb&#252;rger&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb36&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Im Fr&#252;hling 2022 z&#228;hlt das Asow-Regiment &#8211; die ber&#252;hmteste der Einheiten (...)&#034; id=&#034;nh36&#034;&gt;36&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was ist die Aktivit&#228;t dieser Gruppe?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Den meisten dieser freiwilligen Aktivisten mangelt es nicht an k&#246;rperlichem Mut und sie m&#246;chten so schnell wie m&#246;glich an K&#228;mpfen teilnehmen. Einige haben sich in Einheiten der ersten Linie engagiert, oder sie sind es geworden, was nicht f&#252;r den antiautorit&#228;ren Zug gilt, besonders aufgrund der Tatsache, dass sich die Front nach dem russischen R&#252;ckzug im April 2022 von Kiew entfernt hat. Bis zu ihrer Aufl&#246;sung im Sommer 2022 ist die Gruppe also nicht an der Front. Die Brigade, zu welcher der Zug geh&#246;rt, ist eine leichte Infanterieeinheit, die &#252;ber kein schweres Material verf&#252;gt (die Aktivisten h&#228;tten die Gelegenheit &#252;brigens bestimmt nicht verpasst, sich davor fotografieren zu lassen), und der F&#252;hrungsstab gibt ihr Aufgaben, welche viele als untergeordnet, repetitiv und langweilig betrachten, jedoch jene sind, f&#252;r welche die am weitesten von der Front entfernten Einheiten der TV verantwortlich sind. Der Zug beteiligt sich also an Unterst&#252;tzungsaktionen f&#252;r Zivilisten, die Opfer von K&#228;mpfen oder Bombenangriffen geworden sind; er beteiligt sich auch an martialischeren Aktionen wie die Jagd auf infiltrierte Russen, Spione und prorussische Aktivisten (eine Aktivit&#228;t, die in den ersten Monaten des Konflikts Paranoia in der Bev&#246;lkerung ausgel&#246;st und zu etlichen Denunzierungen gef&#252;hrt hat); es handelt sich um eine Arbeit an Checkpoints, auf Patrouille und der Kontrolle, die eher undankbar ist und nicht die tugendhaften Aspekte der Individuen stimuliert&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb37&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe unseren Artikel vom Mai 2022 bez&#252;glich dieser Periode der Paranoia (...)&#034; id=&#034;nh37&#034;&gt;37&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Wenn sie ihre Aktivit&#228;ten beschreiben, sprechen die antiautorit&#228;ren davon, &#8222;feindliche Eindringlinge auf[zu]decken und [zu] beseitigen&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb38&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Joshua Askew, &#8222;Meet the motley crew of anarchists and anti-fascists (...)&#034; id=&#034;nh38&#034;&gt;38&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, &#8222;die Berichte der Ortsbewohner &#252;ber Saboteure und Spione&#8220; zu &#252;berpr&#252;fen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb39&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Voices from the front : Russian anarchist fights for Ukraine&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh39&#034;&gt;39&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; &#8222;wir k&#228;mpften gegen die Saboteure, die Fallschirmj&#228;ger, bewachten die kritischen Punkte, bauten Strassensperren auf&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb40&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;The media committee of the platoon, &#8222;Anti-authoritarian Platoon of Ukraine (...)&#034; id=&#034;nh40&#034;&gt;40&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Obwohl diese Operationen kaum prestigetr&#228;chtig sind, sind sie nicht immer frei von Gefahr. Gewisse Mitglieder des Zuges beteiligen sich aber auch an einigen Operationen in der N&#228;he der Kampfgebiete, zum Beispiel um &#8222;den Einheiten der ukrainischen Streitkr&#228;fte&#8220; zu helfen, &#8222;Erkundungsmissionen in Quadrocoptern auszuf&#252;hren&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb41&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh41&#034;&gt;41&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In einem im Mai 2022 ver&#246;ffentlichten Interview erz&#228;hlt ein Mitglied des Zuges: &#8222;Als Einheit sind wir noch nicht an direkten K&#228;mpfen beteiligt gewesen. Zu Beginn des Krieges patrouillierten wir allerdings in Gebieten, wo die Pr&#228;senz von feindlichen Ablenkungsgruppen vermutet wurde. Die Mitglieder der Einheit unterst&#252;tzten auch die Einheiten in der ersten Linie durch die Beteiligung an der Logistik oder mit Informationen (durch die Benutzung von Drohnen). Sie schafften es, eine der feindlichen Positionen aufzudecken, die danach von der Artillerie getroffen wurde. Und sie halfen bei der Evakuierung von Zivilisten aus dem Kampfgebiet. Im Verlauf dieser Aktivit&#228;ten wurden unsere Genossen unter M&#246;rserfeuer genommen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb42&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Tom Lord, op. cit.&#034; id=&#034;nh42&#034;&gt;42&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Anfang Juli ist die Stimmung der M&#228;nner im Zug ziemlich schlecht, denn sie waren immer noch &#8222;an fast keiner Aktion beteiligt&#8220;. Die erfahrensten unter ihnen (da ehemalige K&#228;mpfer im Donbass oder in Syrien) beruhigen sie und erkl&#228;ren ihnen, absolut zu Recht, dass &#8222;der Krieg aus sehr verschiedenen Phasen und Situationen besteht. Die Kampfsituationen selbst machen nur 1% oder weniger der gesamten Zeit aus. Die F&#228;higkeit, zu warten, geduldig zu sein und mit der &#8218;toten Zeit&#8216; umzugehen ist eine n&#252;tzliche Kompetenz, die jeder Partisan entwickeln und verinnerlichen sollte.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb43&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ilya Leshiy, op. cit.&#034; id=&#034;nh43&#034;&gt;43&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Pech gehabt &#8211; denn aufgrund des Eintreffens der von der NATO gelieferten Ausr&#252;stung sind es andere Einheiten der TV, die, nachdem sie &#8222;aufger&#252;stet&#8220; worden sind, im Verlauf des Jahres 2022 an die Front geschickt werden &#8211; was manchmal ihre Mitglieder verzweifeln l&#228;sst, denn sie meldeten sich freiwillig, besonders in den westlichen Oblasten, weil sie glaubten, dass sie in sicherer Entfernung von den K&#228;mpfen sein w&#252;rden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wie steht es mit der Hierarchie in der Gruppe?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie h&#228;ufig bez&#252;glich des antiautorit&#228;ren Zuges verf&#252;gen wir nicht &#252;ber pr&#228;zise und synthetische Informationen &#252;ber die Funktionsweise der Gruppe, nur &#252;ber zerstreute Bruchst&#252;cke aus Interviews (und die verschiedenen &#220;bersetzungen sind dem Verst&#228;ndnis nicht immer zutr&#228;glich). Gem&#228;ss den Standards der NATO ist ein Zug die kleinste Einheit, die von einem Offizier befehligt werden kann, in der Regel ein Oberleutnant sekundiert von Unteroffizieren (darunter spricht man von Gruppen oder Trupps). Der Offizier, der den antiautorit&#228;ren Zug befehligen muss, wird von der milit&#228;rischen Befehlsgewalt designiert (aufgezwungen, es ist alles andere als sicher, dass es sich um den Antifa-Offizier am Ursprung dieses Abenteuers handelt), genau wie die Unteroffiziere (vielleicht in seinen Reihen unter den erfahrensten Mitgliedern ausgew&#228;hlt). Um das hierarchische Verh&#228;ltnis ertr&#228;glicher zu machen, w&#228;hlen die Mitglieder des Zuges jedoch eine Art Stellvertreter (ohne Dienstgrad), die als Vermittler zwischen den M&#228;nnern der Truppen und ihren Vorgesetzten dienen, sie k&#246;nnen zum Beispiel Kritiken oder Beschwerden weiterleiten. Ein Aktivist berichtet: &#8222;Wir haben keine spezifischen Bedingungen, die uns von jeder anderen Unterdivision der TV unterscheiden w&#252;rde. Wir haben jedoch einen ziemlich freien Raum, um unser internes Leben zu organisieren, und dieser ist auf ziemlich demokratische Art und Weise organisiert, wenn er auch den Anforderungen einer gewissen milit&#228;rischen Hierarchie entspricht.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb44&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Tom Lord, op. cit.&#034; id=&#034;nh44&#034;&gt;44&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein anderer: &#8222;Die milit&#228;rische F&#252;hrung hat sich kaum in unsere innere Ordnung eingemischt. Wir haben unsere Struktur nicht gem&#228;ss dem idyllischen Bild einer perfekt anarchistischen Miliz organisiert, wo alle Stellen gew&#228;hlt und der Generalversammlung unterstellt sind. Zumindest teilweise ist der Grund daf&#252;r, dass die Einheit aus vielen verschiedenen Personen besteht, die nicht alle Anarchisten sind.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb45&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ilya Leshiy, op. cit.&#034; id=&#034;nh45&#034;&gt;45&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die einzige erw&#228;hnenswerte Besonderheit ist die t&#228;gliche Praxis des &lt;i&gt;tekmil&lt;/i&gt; auf der Ebene der Gruppe, es handelt sich um eine wahrhafte &#8222;Sitzung zur Kritik und Selbstkritik, w&#228;hrend welcher die Entscheidungen der milit&#228;rischen F&#252;hrung und der Ausbildungsprozess diskutiert [werden]&#8220;. Es handelt sich auch hier um den Import von Praktiken der PKK und der YPG&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb46&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Voices from the Front: Russian Anarchist Fights for Ukraine&#8220;, op. cit., (...)&#034; id=&#034;nh46&#034;&gt;46&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotz den zur Schau getragenen libert&#228;ren Idealen kann sich die Gruppe dem Aufkommen von &#8222;versteckten Machtk&#228;mpfen, konkurrierenden Machtambitionen und pers&#246;nlichen Konflikten im Allgemeinen&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb47&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ilya Leshiy, op. cit.&#034; id=&#034;nh47&#034;&gt;47&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; nat&#252;rlich nicht entziehen. Die angetroffenen Schwierigkeiten beleben auch die Rivalit&#228;ten zwischen politischen Gruppen (oder Mitgliedern von Gruppen) neu und lassen die Meinungsverschiedenheiten wieder hervortreten, die vom urspr&#252;nglichen Enthusiasmus in den Hintergrund gedr&#228;ngt worden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist nicht erstaunlich, dass die ukrainische Armee anfangs spezifische Organisationsweisen und etwas Flexibilit&#228;t erlaubt, solange es nicht st&#246;rt, sondern die Befehlskette oder die Erledigung von Aufgaben effizienter macht. Zu Beginn des Konflikts wurden viele Einheiten aufgrund von spezifischen Grundlagen gebildet, seien sie ethnisch, national (Tschetschenen, Weissrussen, Russen, Georgier), politisch (von rechts bis zu allen Spielarten des ukrainischen Rechtsextremismus) oder hinsichtlich der W&#252;nsche von Oligarchen oder Chefs von Unternehmen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb48&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Das 206. Bataillon der 112. Brigade der TV, das f&#252;r die Verteidigung Kiews (...)&#034; id=&#034;nh48&#034;&gt;48&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, und sie rivalisieren im Streben nach Prestige und finanzieller Unterst&#252;tzung; im Notfall werden vern&#252;nftige Zugest&#228;ndnisse also akzeptiert. Es ist klar, dass in dieser Umgebung das Bataillon, das sich dadurch auszeichnet, &#252;ber einen Zug von anarchistischen Aktivisten zu verf&#252;gen, wenig Chancen hat, eine prestigetr&#228;chtige Aufgabe zu erhalten&#8230; Es handelt sich dennoch nicht um eine Bestrafung, denn es w&#252;rde gen&#252;gen, diesen Zug in den t&#246;dlichsten Sektor der Front zu schicken um sich des Problems definitiv zu entledigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der ukrainische F&#252;hrungsstab, der seit Jahren versucht, ein bisschen Ordnung in all das zu bringen (besonders in all die 2014 gebildeten Einheiten nationalistischer Freiwilliger) und den Standards der NATO zu entsprechen, ist mit der russischen Invasion vor eine kompliziertere Aufgabe gestellt, aber im Verlauf der Monate nimmt die milit&#228;rische Hierarchie die Dinge wieder in die Hand.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ende und Fortsetzungen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Juli 2022 h&#246;rt der antiautorit&#228;re Zug aufgrund dieser Schwierigkeiten, der administrativen und b&#252;rokratischen Last und der schwachen Truppenmoral auf, als solcher zu existieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb49&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ilya Leshiy, op. cit.&#034; id=&#034;nh49&#034;&gt;49&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; die ihn bildenden Elemente l&#246;sen sich auf im Rest der Truppen oder werden auf die verschiedenen Einheiten der Armee verteilt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb50&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;L'organisation des anarchistes sur le front ukrainien. Entretien avec le (...)&#034; id=&#034;nh50&#034;&gt;50&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; einige, besonders die ausl&#228;ndischen Freiwilligen, haben es in der Zwischenzeit bereits geschafft, den Zug zu verlassen und an die Front zu kommen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb51&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Apr&#232;s la fin du bataillon anti-autoritaire, la suite de la r&#233;sistance (...)&#034; id=&#034;nh51&#034;&gt;51&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Telegram-Kan&#228;le zeigen, dass gewisse Aktivisten nun an verschiedenen Orten der Front pr&#228;sent sind; so beteiligen sich etwa 30 an der Offensive im September 2022 im Osten Charkiws&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb52&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Telegram-Kan&#228;le von Solidarity Collectives und Pramen, op. cit.&#034; id=&#034;nh52&#034;&gt;52&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, doch seither sind etwa 15 im Gefecht get&#246;tet worden. Im Oktober 2022 behauptet Solidarity Collectives, es w&#252;rden immer noch ungef&#228;hr 70 Antiautorit&#228;re unterst&#252;tzt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb53&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Impact, &#8222;Ukraine : ces anarchistes s'organisent face &#224; la guerre&#8220;, 5. (...)&#034; id=&#034;nh53&#034;&gt;53&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; sie sind jetzt alleine oder in kleinen Gruppen zwischen verschiedensten Einheiten und Aktivit&#228;ten zerstreut, inmitten Hunderttausender Soldaten auf einer mehr als 1&#8216;000 km langen Frontlinie und berichten von ihrem allt&#228;glichen Leben auf den sozialen Medien: Vier sind Mitglieder der Spezialkr&#228;fte (wahrscheinlich im 23. Bataillon der Pr&#228;sidentenbrigade Hetman Bohdan Chmelnyzkyj); ein anderer ist Scharfsch&#252;tze geworden; sechs (davon f&#252;nf des ehemaligen Zuges) dienen in der M&#246;rsereinheit der TV; f&#252;nf oder sechs andere sind scheinbar Teil einer Sektion der Luftaufkl&#228;rung (Drohnen, die Ziele f&#252;r die Artillerie bestimmen) der 92. mechanisierten Brigade, eine von einer Unteroffizierin angef&#252;hrte Gruppe, eine Frau namens Swallow, die sich als Anarchafeministin pr&#228;sentiert und behauptet, horizontale Praktiken (Wahl von Verantwortlichen, Kooperation auf Basisebene, Ablehnung der Hierarchie usw.) zu f&#246;rdern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Alle dienen in Einheiten, in denen eine patriotische Politikverdrossenheit oder diverse Formen des Nationalismus, oder gar noch Schlimmeres, die vorherrschenden Meinungen sind. Die Anarchisten und Antifas, die h&#228;ufig &#252;ber ihren Umgang befragt werden, beschreiben allerdings in der Regel ihre neuen Kollegen als sehr inklusiv, tolerant und br&#252;derlich und vor allem damit besch&#228;ftigt, einer gemeinsamen Sache zu dienen (die Russen zu besiegen). Ein weissrussischer Aktivist erkl&#228;rt: &#8222;In einem Sch&#252;tzengraben, wenn Drohnen &#252;ber dich hinwegfliegen, ein Scharfsch&#252;tze dich im Visier hat oder ununterbrochen Sch&#252;sse &#252;ber deinen Kopf pfeifen, in diesem Sch&#252;tzengraben kann irgendjemand dein bester Freund sein, es k&#246;nnte ein Fascho, es k&#246;nnte irgendjemand sein, das hat nicht die geringste Bedeutung.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb54&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh54&#034;&gt;54&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Ein anderer &#8222;Antiautorit&#228;rer&#8220;, der in einer nationalistischen Einheit k&#228;mpft, betont sogar, dass sich die &#8222;Faschos&#8220; in den Sch&#252;tzengr&#228;ben und im Kasernenbereich ver&#228;ndern und weniger sektiererisch und offener werden, weil sie letztendlich verstehen, dass ihre politischen Feinde von gestern schlichtweg &#8222;Leute wie alle anderen auch&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb55&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Apr&#232;s la fin du bataillon anti-autoritaire, la suite de la r&#233;sistance (...)&#034; id=&#034;nh55&#034;&gt;55&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; sind&#8230; Ein psychologisches Ph&#228;nomen, gegen welches, man wird es verstanden haben, die linken Aktivisten glauben, auf wundersame Weise immun zu sein; wir k&#246;nnen also beruhigt sein. Diese Art von Reaktion ist in Tat und Wahrheit ziemlich klassisch: Es handelt sich um nichts Geringeres als um diese Waffenbr&#252;derschaft, die im Gefecht Menschen vereint, die im Vornhinein alles h&#228;tte trennen sollen, ohne sie ist das &#220;berleben unm&#246;glich &#8211; ein Mechanismus, der in Tausenden von B&#252;chern &#252;ber die Kriege des 20. Jahrhunderts beschrieben wird. Eine virile Kameradschaft und ein Respekt, der f&#252;r die Zivilisten und die Dr&#252;ckeberger unerreichbar ist, und sie &#252;berdauern h&#228;ufig den Konflikt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb56&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ohne diese Tatsache w&#228;re es zum Beispiel unm&#246;glich, die politischen und (...)&#034; id=&#034;nh56&#034;&gt;56&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Roger Caillois beschreibt es treffend in &lt;i&gt;Der Mensch und das Heilige&lt;/i&gt;: &#8222;Der Feuertaufe wird h&#246;chste Wirksamkeit zugeschrieben. Durch sie wird der Mensch angeblich zum furchtlosen Offizianten eines tragischen Kultes, zum Erw&#228;hlten eines eifers&#252;chtigen Gottes. Zwischen denen, die gemeinsam diese Weihe empfangen oder Seite an Seite die Gefahren der Schlacht teilen, herrscht Waffenbr&#252;derschaft. Die K&#228;mpfer sind durch dauerhafte Bindungen und ein Gef&#252;hl der &#220;berlegenheit und des Zusammenhalts im Hinblick auf diejenigen vereint, die nicht in Gefahr waren oder im Kampf keine aktive Rolle spielten. Es gen&#252;gt n&#228;mlich nicht, sich der Gefahr ausgesetzt zu haben, man mu&#223; den Gegner auch getroffen haben. Es handelt sich um eine zweifache Weihe. Sie beinhaltet nicht nur, da&#223; man zu sterben, sondern auch, da&#223; man zu t&#246;ten wagt. Ein Sanit&#228;ter hat kein Prestige [&#8230;] Man kann hier Spuren der charakteristischen Situation jener M&#228;nnerb&#252;nde primitiver Zivilisationen wiederentdecken, in die man nach schmerzhaften Pr&#252;fungen eintritt und deren Mitglieder in der Gemeinschaft besondere Rechte genie&#223;en.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb57&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Roger Caillois, Der Mensch und das Heilige (1939), M&#252;nchen, Hanser, 1988.&#034; id=&#034;nh57&#034;&gt;57&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist mehr als wahrscheinlich, dass die Anzahl der in der Armee pr&#228;senten Antiautorit&#228;ren schwindet, sei es nur, wir haben es gesehen, aufgrund der Toten und Verletzten; in Anbetracht der Entwicklung der K&#228;mpfe sind jene Freiwilligen, welche bereit sind, sie zu ersetzen, wohl immer seltener &#8211; die ersten Kriegswochen, die scheinbar aus Guerilla-Aktionen und romantischen Hinterhalten gegen idiotische Russen bestanden, haben nun schrecklichen Sch&#252;tzengr&#228;benk&#228;mpfen und Artillerieduellen Platz gemacht. In der gesamten ukrainischen Gesellschaft sind der Enthusiasmus und der Patriotismus der ersten Tage des Krieges von der Angst vor der Mobilisierung in den Hintergrund gedr&#228;ngt worden; die Folge davon ist eine enorme Fluchtbewegung und eine Welle von Desertionen und Ungehorsam, die sich 2023 entwickeln und die Regierung nur mit M&#252;he in Schranken halten kann. Man erf&#228;hrt beil&#228;ufig in einer Nachricht auf Telegram, dass Solidarity Collectives inzwischen auch Gewerkschafter unterst&#252;tzt, die sich freiwillig der Armee angeschlossen haben, aber auch Mobilisierte &#8211; die definitionsgem&#228;ss keine Freiwillige sind! Man kann sich &#252;brigens durchaus die Frage stellen, wie gewisse Aktivisten, die nicht m&#252;de wurden, die Vorz&#252;ge des Kampfes an vorderster Front anzupreisen, sich jedoch dahinter als n&#252;tzlicher betrachteten, heute reagieren, konfrontiert mit einer immer zwingenderen Wehrpflicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Vorstellung anarchistischer Brigaden, die totalit&#228;re russische Horden zur&#252;ckdr&#228;ngen, hat im Westen zu vielen Tr&#228;umereien gef&#252;hrt, doch die Realit&#228;t, mit welcher man konfrontiert ist, jene des antiautorit&#228;ren Zuges oder einiger zu Soldaten gewordener Individuen, ist weit weniger verz&#252;ckend. Man muss eingestehen, dass es seit Anfang des Krieges nie eine anarchistische milit&#228;rische Einheit gab, allenfalls eine Einheit der Armee, in welcher ein Teil der libert&#228;ren und antifaschistischen Freiwilligen zusammengekommen sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wieso dieses &#8222;Scheitern&#8220;? Mehrere Aktivisten meinen, sie h&#228;tten einfach nur Pech gehabt, besonders als der Kommandant ihres Bataillons im Fr&#252;hling 2022 ersetzt wurde: Der neue Offizier, viel weniger sympathisch als der vorherige, habe den vollst&#228;ndigen Ausdruck der libert&#228;ren M&#246;glichkeiten seiner M&#228;nner nicht erlaubt, allen voran, weil er ihnen keine Kampfmissionen gab&#8230; Andere glauben, dass zuvor viel zu viel Zeit und Energie mit antimilitaristischen Ideen verschwendet worden waren, was zu einem flagranten Mangel an Vorbereitung und Organisation gef&#252;hrt habe &#8211; eine Erkl&#228;rung, die ihnen offensichtlich scheint, wenn sie sich mit den zahlreichen rechtsextremen Einheiten vergleichen, die gut ausger&#252;stet sind und viel rekrutieren, effizient, sehr pr&#228;sent in den Medien und popul&#228;r sind &#8211; und es dann bereuen, dass die Anarchisten ab 2014 ihrem Beispiel hinsichtlich Organisation nicht gefolgt sind!&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb58&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Un lundi soir &#224; Kharkiv et Kramatorsk : clarifications strat&#233;giques et (...)&#034; id=&#034;nh58&#034;&gt;58&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Das erinnert an die Lehren bez&#252;glich der Frage des Zwecks und der Mittel, diesem immerw&#228;hrenden Mangel an Organisation der Libert&#228;ren gegen&#252;ber ihren Widersachern, die Nestor Makhno aus dem russischen B&#252;rgerkrieg ziehen wollte&#8230;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb59&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Nestor Makhno, dessen Bewegung von den Bolschewiken zerschlagen wurde, sah (...)&#034; id=&#034;nh59&#034;&gt;59&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Ja, klar, wenn die Anarchisten am besten strukturiert, milit&#228;risch am besten organisiert, besser ausger&#252;stet, besser trainiert und effizienter w&#228;ren, w&#252;rden sie vielleicht auf den Schlachtfeldern gewinnen. Aber w&#228;ren sie dann noch Anarchisten? Die Revolution wird kein Gala-Diner sein, ganz bestimmt nicht. Doch sie wird auch keine milit&#228;rische Konfrontation, keine Aneinanderreihung von Siegen der Armee der Proletarier/Aktivisten &#252;ber jene der Kapitalisten sein und dabei die radikalen Transformationen der Gesellschaft auf den Sankt-Nimmerleinstag verschieben. Sie wird &lt;i&gt;faktisch&lt;/i&gt; die Abschaffung des Staates, des Werts, der Lohnarbeit, der Klassen (und somit des Proletariats), der Geschlechterrollen usw. sein, die Abschaffung der bestehenden gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse und die Schaffung neuer &#8211; ein Prozess, der manchmal mit dem Begriff der &lt;i&gt;Kommunisierung&lt;/i&gt; beschrieben wird.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb60&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zu diesen Fragen, siehe Bruno Astarian, &#8222;Activit&#233; de crise et (...)&#034; id=&#034;nh60&#034;&gt;60&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Schlussfolgerung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Von einem anarchistischen Standpunkt aus und ohne falsche Prinzipientreue oder opportunistische Betrachtungen, sondern mit Bescheidenheit und Verst&#228;ndnis, sollten wir versuchen, aus der spanischen Revolution Lehren zu ziehen. Ich bin &#252;berzeugt, dass eine blinde Bewunderung ohne jegliche Kritik unsere Bewegung weit mehr als eine ehrliche Einr&#228;umung der vergangenen Fehler schw&#228;chen wird.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Maria Luisa Berneri&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;[I]ch sammle W&#246;rter. Es gibt viele lange Wintertage &#8211; und dann wissen wir nicht mehr, wor&#252;ber wir sprechen sollen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Leo Linni&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben hier die Aktionen seit Februar 2022 von gewissen Individuen er&#246;rtert, die sich als Anarchisten, Antiautorit&#228;re und Antifas bezeichnen; es sollte daran erinnert werden, dass sie deswegen nicht repr&#228;sentativ f&#252;r die Gesamtheit der Aktivisten dieser Str&#246;mungen im Land sind. In etlichen L&#228;ndern kommen, nach einer mehr oder weniger langen Periode, wo eine herablassende Milde gepaart mit viel Unbehagen vorherrschte, die Debatte und Kritik in den aktivistischen Medien auf. Sogar in der Ukraine selbst sehen einige nicht wirklich, in welcher revolution&#228;ren Tradition diese Freiwilligen in Uniform stehen k&#246;nnten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb61&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe zum Beispiel Alex Adler, &#8222;L'anarchisme britannique succombe &#224; la (...)&#034; id=&#034;nh61&#034;&gt;61&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Mehrheit der ukrainischen Anarchisten entschied sich wahrscheinlich daf&#252;r, die Kriegsanstrengungen gegen die russische Invasion zu unterst&#252;tzen, doch es gab eine Debatte und antimilitaristische und internationalistische Positionen kamen darin vor. In Anbetracht der autorit&#228;ren Ausw&#252;chse des ukrainischen Machtapparats riskieren jene, welche den Burgfrieden, den Krieg, alle Armeen (und somit die Wehrpflicht), alle Staaten und den Kapitalismus verurteilen wollen, scharfe Repression unter dem Kriegsrecht. Sie k&#246;nnen also keine Lokale oder Homepages haben, nicht zu Unterst&#252;tzung aufrufen oder Aktionen durchf&#252;hren und sind somit dazu verurteilt, in andere L&#228;nder zu fl&#252;chten oder sich in eine sehr gef&#228;hrliche Klandestinit&#228;t zu begeben. Einige Individuen versuchen noch, einen klassischen und wenig spektakul&#228;ren Aktivismus zu betreiben, d.h. mit grosser Vorsicht&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb62&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In Frankreich wurden im August 1914 die wenigen revolution&#228;ren Aktivisten, (...)&#034; id=&#034;nh62&#034;&gt;62&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Das gilt zum Beispiel f&#252;r die Gruppe Assembleia in Charkiw, die jene Bev&#246;lkerungen humanit&#228;r unterst&#252;tzt, welche Opfer vom Konflikt geworden sind, weiterhin, allen voran von einem lokalen Standpunkt aus, &#252;ber soziale Fragen (Urbanismus, &#214;kologie und Korruption) spricht und auf ihrer Ebene am Informationsaustausch zur Umgehung der Wehrpflicht auf Telegram teilnimmt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb63&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Entretien avec le groupe anarchiste Assembly &#224; Kharkiv&#8220; in Le Monde (...)&#034; id=&#034;nh63&#034;&gt;63&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Wir werden detaillierter auf die ukrainischen Gegner des Krieges und der Armee in einem sp&#228;teren Artikel zur&#252;ckkommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Somit k&#246;nnte man sich die Frage stellen, was die Aktivit&#228;t von etwa 50 Aktivisten ohne den geringsten Einfluss auf den Verlauf der Ereignisse inmitten von fast einer Million Uniformierter n&#252;tzt. Wenn diese Aktivit&#228;t tats&#228;chlich eine Auswirkung hat, dann wahrscheinlich auf das Milieu mit revolution&#228;rem Anspruch im Westen. &#220;ber die sozialen Medien adressieren sich die ukrainischen Antiautorit&#228;ren regelm&#228;ssig an ebendiese linksradikalen Aktivisten, Antifas, Anarchisten und sogar Autonomen, um eine finanzielle Unterst&#252;tzung und ein mediales Echo zu bekommen; so werden Konzerte, Unterst&#252;tzungsabende oder T-Shirt-Verk&#228;ufe in den Lokalen der Aktivisten organisiert. Man verbreitet dort, ohne es zu wagen, ihn zu kritisieren, den Diskurs der die nationale Verteidigung gutheissenden ukrainischen Aktivisten, der, vergessen wir es nicht, als innovativ und pragmatisch dargestellt wird und von dem gesagt wird, dass er die westlichen Revolution&#228;re betreffend der Vorbereitung des kommenden Krieges inspirieren soll. Aber was w&#252;rde das bedeuten? Sollte man sich, um konsequent sein, dem &#196;quivalent der TV anschliessen, d.h., in Frankreich, dieser Nationalgarde, deren Formation 2016 von den Aktivisten als Zeichen einer abscheulichen Militarisierung der Gesellschaft und ihr faschistischer Auswuchs denunziert wurde?&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb64&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es handelte sich in Wirklichkeit um einen administrativen Verbund, der die (...)&#034; id=&#034;nh64&#034;&gt;64&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Wenn man gewissen ukrainischen Antifas zuh&#246;rt, w&#228;re es jedoch von gr&#246;sstem Interesse f&#252;r einen jungen franz&#246;sischen Aktivisten, sich dieser Nationalgarde anzuschliessen und dort, auf die Gefahr hin, auf &#8222;Faschos&#8220; zu treffen (die, wir haben es weiter oben gesehen, sich im Alltag als sympathische Typen herausgestellt haben), den Umgang mit Waffen und den Kampf zu lernen&#8230; In diesem Fall sollte man sich jedoch vielleicht, und besonders, wenn man w&#252;nscht, dass das &#8222;franz&#246;sische Volk&#8220;, genau wie das &#8222;ukrainische Volk&#8220;, auch f&#228;hig ist, &#8222;sich zu verteidigen&#8220;, dass die Mittel und die Mitgliederzahl dieser Garde vergr&#246;ssert werden oder sogar, dass der obligatorische Wehrdienst wieder eingef&#252;hrt wird!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was sollte man sonst noch von diesen ukrainischen Aktivisten lernen? Den notwendigen Pragmatismus? Die Notwendigkeit einer verst&#228;rkten Organisation f&#252;r mehr Effizienz? Das Primat der Aktion &#252;ber das Nachdenken und des Milit&#228;rischen &#252;ber das Politische? Die positiven Aspekte des Nationalismus (der &#8222;befreiend und kreativ&#8220; sein k&#246;nne, wie es uns schon Rojava gezeigt habe)?&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb65&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Ich w&#252;rde nat&#252;rlich gerne eher im Namen der Anarchie als im Namen der (...)&#034; id=&#034;nh65&#034;&gt;65&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Die Hinf&#228;lligkeit des Antimilitarismus und des Internationalismus in Kriegszeiten? Die Hinf&#228;lligkeit des Antifaschismus, sobald man Seite an Seite mit den Faschisten f&#252;r ein gemeinsames Ziel (die Verteidigung der Demokratie) k&#228;mpft? Die notwendige Pausierung jeglicher sozialer Kritik im Falle eines Krieges (w&#228;hrend man auf die R&#252;ckkehr des Friedens und den Sieg des Guten &#252;ber das B&#246;se wartet)? Die Idee, das R&#228;derwerk des Staates zu benutzen, wenn man nicht stark genug ist, um ihn zu vernichten? Eine Reihe von Ideen, denen wir schon w&#228;hrend den schlimmsten Momenten der Geschichte der Arbeiterbewegung begegnet sind. Um nur auf zwei Punkte einzugehen: Es ist ziemlich &#252;berraschend, eine politische Meinung auszuklammern, sobald es zu einer Krise kommt, da sie eben genau in solchen Situationen von Interesse ist!&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb66&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diesbez&#252;glich sieht man, dass die Debatten zwischen Anarchisten w&#228;hrend (...)&#034; id=&#034;nh66&#034;&gt;66&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Die Notwendigkeit ihrerseits, bei jeder Gelegenheit &#8222;etwas zu tun&#8220;, geh&#246;rt eher zu den pers&#246;nlichen existenziellen Fragen und den aktivistischen Reflexen als zu irgendeiner moralischen Verpflichtung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Europa haben sehr wenige Gruppen und Organisationen klassische revolution&#228;re Positionen eingenommen, die meisten haben f&#252;r eine Verurteilung des Krieges gepaart mit einer scheuen Unterst&#252;tzung f&#252;r den &#8222;ukrainischen Widerstand&#8220; optiert; gewisse Linksradikale, Anarchisten und Autonome haben sich sogar daf&#252;r entschieden, eine Initiative zu unterst&#252;tzen, die grunds&#228;tzlich von militaristischer Art und offensichtlich patriotisch gepr&#228;gt ist&#8230; Die ukrainischen Deserteure, Verweigerer und Antimilitaristen, die sich weigern, geschlachtet zu werden, sind meistens vergessen gegangen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb67&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Bez&#252;glich Frankreich sollte man besonders die Initiative Olga Taratuta (...)&#034; id=&#034;nh67&#034;&gt;67&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; obwohl es wahr ist, dass letztere sich nicht medial in Szene setzen konnten, war es vom ersten Tag der Invasion an unm&#246;glich, ihre Existenz zu &#252;bersehen. Das zeigt einmal mehr, inwieweit, sogar &#8222;links&#8220;, eine Uniform, ein Sturmgewehr und/oder eine Kampferfahrung &#8211; Virilit&#228;t in hohen Dosen &#8211; faszinieren und eine scheinbare politische Glaubw&#252;rdigkeit verschaffen k&#246;nnen. Eine &#8211; meist virtuelle &#8211; Unterst&#252;tzung, die in der Regel nicht von einem Bruch oder einer Abweichung gegen&#252;ber einem allt&#228;glichen Aktivismus zeugt, sondern eher von einer banalen Kontinuit&#228;t&#8230;&lt;i&gt; &lt;/i&gt;Wir greifen hier einige S&#228;tze unseres Artikels vom Mai 2022 wieder auf, es ging darin schon kurz um die Aktivisten, welche die nationale Verteidigung gutheissen: &#8222;Wir wiederholen es, es geht hier f&#252;r uns nicht darum, die Art und Weise zu kritisieren, wie Leute auf die Bombardierung ihrer Stadt oder ihres Landes reagieren, sondern gegebenenfalls um die an uns gerichteten Diskurse und v.a. jene &#252;ber sie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/i&gt;Die Bereitschaft ist mittlerweile im Aktivistenmilieu solide verankert, &#252;berall revolution&#228;res &#8222;Potenzial&#8220; zu sehen, v.a. wenn die Region weit weg und exotisch ist &#8211; ein Standpunkt, der hier besonders an den Haaren herbeigezogen ist. Doch jenseits dieses Reflexes sind die Gespenster, welche die ukrainische Frage auf sehr verf&#252;hrerische Art und Weise und vielleicht offener als andere &#8222;Operationsfelder&#8220; heimsuchen, nichts anderes als der Militarismus, der Nationalismus und das Konzept des Burgfriedens, morbide Varianten des Interklassismus. Ideologien, von denen sogar die erfahrensten und theoretisch bewandertsten Aktivisten mitgerissen werden k&#246;nnen, wenn die Umst&#228;nde passen, die Geschichte hat es auf traurige Art und Weise gezeigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist aber so, dass wir keine Bombenangriffe erdulden m&#252;ssen, dass in unseren Strassen keine K&#228;mpfe stattfinden und dass wir nicht Gefahr laufen, jede Minute get&#246;tet zu werden. Wir haben also keine Entschuldigung, keine Entschuldigung, um den Kopf zu verlieren. Wir k&#246;nnen von relativ komfortablen Rahmenbedingungen profitieren, um ruhig &#252;ber die laufenden Ereignisse nachzudenken. Es w&#228;re falsch, sie nicht zu missbrauchen, denn diese Rahmenbedingungen verschwinden vielleicht schneller als wir glauben.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb68&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Tristan Leoni, &#8222;Adieu Leben, Adieu Liebe &#8230; Ukraine, Krieg und (...)&#034; id=&#034;nh68&#034;&gt;68&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Denn wie wird Europa in zehn, f&#252;nfzehn oder zwanzig Jahren aussehen? Wie wird es um das deutsch-franz&#246;sische Verh&#228;ltnis oder den russischen Einfluss stehen? Wer weiss es? Alles, was man beobachten kann, sind eine allgemeine Remilitarisierung und einige L&#228;nder (Deutschland, Polen und die Ukraine), die versuchen, die m&#228;chtigste Armee des Kontinents aufzubauen. Viele verstehen endlich, dass die Beteiligung Frankreichs an einem Konflikt mit hoher Intensit&#228;t, der sich &lt;i&gt;auch&lt;/i&gt; bis auf seinen eigenen Boden ausdehnen kann, nicht nur ein dystopisches Szenario darstellt&#8230; Doch im Gegensatz zu dem, was nun viele zu glauben scheinen, wird der Krieg, der den Kern Europas heimsuchen wird, wom&#246;glich nicht ein Krieg zwischen der NATO und Russland sein. Auf alle F&#228;lle wird, sollte eine solche Katastrophe eintreten, das offizielle und mediale Narrativ zwingend jenes des Guten (&#8222;wir&#8220;) gegen das B&#246;se (&#8222;unsere&#8220; Feinde) sein&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb69&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Man kann beobachten, dass, wenn w&#228;hrend einem Konflikt die Aktivisten das (...)&#034; id=&#034;nh69&#034;&gt;69&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; doch wie werden wir dann reagieren?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Stellt euch vor, dass ihr in einer nicht so fernen Zukunft in einem Frankreich, das nun im Krieg ist, alte Genossen trefft, die euch erkl&#228;ren, dass man die franz&#246;sische Armee unterst&#252;tzen muss, dass junge und mutige Aktivisten sich freiwillig engagiert haben, dass man die Regierung in diesem schwierigen Moment nicht kritisieren soll, dass die Streikenden wirklich verantwortungslos sind usw., denn heutzutage &#8222;ist es nicht mehr wie fr&#252;her&#8220; &#8211; obwohl es eben genau immer noch genau gleich ist, immer noch zwei Bourgeoisien, die einander entgegenstehen und ihre jeweiligen Proletarier in den Tod schicken. Angesichts der Geschichte der Arbeiterbewegung&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb70&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zu den Meinungs&#228;nderungen in letzter Minute innerhalb der franz&#246;sischen (...)&#034; id=&#034;nh70&#034;&gt;70&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und gewissen gegenw&#228;rtigen Positionsbez&#252;gen w&#228;re eine solche Szene alles andere als erstaunlich; viele werden sich selbst verleugnen und sehr wenige werden dazu stehen (die Verurteilung dieser Tatsache heute sagt nichts &#252;ber unsere morgigen Entscheidungen aus). Ist es dennoch notwendig, schon heute damit zu beginnen? K&#246;nnen wir nicht im Gegenteil vom &#8222;Luxus&#8220; des Friedens profitieren, solange wir ihn noch geniessen k&#246;nnen, um zu &#252;berlegen, bevor wir Position beziehen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die dreckigen Zugest&#228;ndnisse von 1914 erlaubten zumindest (f&#252;r eine gewisse Zeit) die Definition von klaren politischen Trennlinien und das Auftauchen von (anf&#228;nglich minorit&#228;ren) Gruppen von Revolution&#228;ren, als ein in diesem Ausmass noch nie gesehener proletarischer Angriff das alte Europa erzittern liess. Die gegenw&#228;rtige Periode best&#228;tigt, dass sich die Dinge jenseits der Minderheiten mit revolution&#228;rem Anspruch abspielen werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir werden in einem n&#228;chsten Artikel auf hoffnungsvollere Tatsachen zur&#252;ckkommen und von der Art und Weise sprechen, wie die Proletarier im Alltag und ohne Ideologie dem laufenden Gemetzel im Osten und S&#252;den der Ukraine zu entfliehen suchen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Tristan Leoni, &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;J&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;an&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;uar&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; 2024&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=3572&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Dieser Artikel muss als zweiter Teil betrachtet werden. Im Mai 2022 er&#246;rterten wir den die Ukraine heimsuchenden Konflikt in einem langen Artikel, &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Tristan-Leoni-Adieu-Leben-Adieu-Liebe-Ukraine-Krieg-und-Selbstorganisation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;&lt;/a&gt;&lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Tristan-Leoni-Adieu-Leben-Adieu-Liebe-Ukraine-Krieg-und-Selbstorganisation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Adieu Leben, Adieu Liebe &#8230; Ukraine, Krieg&lt;/a&gt;&lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Tristan-Leoni-Adieu-Leben-Adieu-Liebe-Ukraine-Krieg-und-Selbstorganisation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;und Selbstorganisation&lt;/a&gt;&lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Tristan-Leoni-Adieu-Leben-Adieu-Liebe-Ukraine-Krieg-und-Selbstorganisation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8220;&lt;/a&gt;, der auf dem Blog &lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;DDT21&lt;/a&gt; ver&#246;ffentlicht und &lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=3460&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;in verschiedene Sprachen &#252;bersetzt&lt;/a&gt; worden ist. Man findet dort einige erste &#220;berlegungen zu den anarchistischen K&#228;mpfern, &#252;ber die man damals nur sehr wenige Informationen hatte. Seither sind ihnen in der aktivistischen Presse etliche Artikel, Interviews und Dokumentationen gewidmet worden, sie sind jedoch stets partiell und knapp, sowie h&#228;ufig hagiographisch. Soweit wir wissen, hat niemand (und besonders nicht ihre eifrigsten Bewunderer) versucht, die Geschichte und die Aktivit&#228;ten dieser Aktivisten auf einfache und synthetische Art und Weise zu pr&#228;sentieren. Wir begn&#252;gen uns hier damit, die zerstreuten Informationen zusammenzubringen, die in den verschiedenen Dokumenten verf&#252;gbar sind, einige Teile dessen zusammenzulegen, was ein endg&#252;ltiges Bild davon sein soll.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wir benutzen diesen Begriff in seiner klassischen Bedeutung, die im Kriegsfall die Weigerung beschreibt, ein Lager gegen ein anderes zu verteidigen (da beide definitionsgem&#228;ss kapitalistisch sind), den Antimilitarismus, den revolution&#228;ren Def&#228;tismus und den Aufruf zur Verbr&#252;derung zwischen den beteiligten Proletariern (gegen ihre Hierarchien und ihre jeweiligen Bourgeoisien).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es ist vielleicht angebracht, daran zu erinnern, dass der Antifaschismus bloss eine politische Strategie ist und dass diese logischerweise keine Selbstverst&#228;ndlichkeit ist; sie ist &#252;brigens heftig kritisiert worden, vor allem im Italien der 1920er Jahre von der kommunistischen Linken, welche die Einreihung des Proletariats in die Verteidigung einer naturgem&#228;ss b&#252;rgerlichen Demokratie denunzierte (was die Aktivisten nicht daran hinderte, die Faschisten k&#246;rperlich anzugreifen). Die Formel des zentralen Theoretikers dieser Str&#246;mung, Amadeo Bordiga (1889-1970), hat es zu einer gewissen Ber&#252;hmtheit gebracht: &#8222;Antifaschismus ist das schlimmste Produkt des Faschismus.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe z.B. Miriam Gonz&#225;lez, &lt;a href=&#034;https://www.galiciaconfidencial.com/noticia/239242-combatentes-anarquistas-guerra-ucraina-loitamos-imperialismo-ruso&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Os combatentes anarquistas na guerra de Ucra&#237;na: &#8218;Loitamos contra o imperialismo ruso&#8216;&#8220;&lt;/a&gt;, 28. August 2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ilya Leshiy, &#8222; &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/four-months-anti-authoritarian-platoon-ukraine&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Four Months in an Anti-Authoritarian Platoon in Ukraine&lt;/a&gt;&#8220;, September 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Tom Lord, &lt;a href=&#034;https://www.militantwire.com/p/defensive-war-as-an-act-of-popular&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;&#8216;Defensive War as an Act of Popular Resistance&#8230;&#8216;: Exclusive Interview with an Anarchist Fighter of the Territorial Defense Forces of Ukraine&#8220;&lt;/a&gt;, 31. Mai 2022. Zum Hoods Hoods Klan, siehe Laurent Gueslin, &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.lalibre.be/international/2012/06/07/ukraine-hooligans-dextreme-gauche-SVCTZXIQUJAIBL6KINCE4ATP6Y&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Ukraine : hooligans d'extr&#234;me gauche&lt;/a&gt;&#8220;, 7. Juni 2012; ein Dokumentarfilm von Popular Front vom Juni 2022, &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.youtube.com/watch?v=nsodbPkjO3c&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Frontline Hooligan: Ukraine's Anti-Fascist Football Ultras Fighting Russian Invasion&lt;/a&gt;&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diese antispezistische Gruppe k&#228;mpfte davor in den Karpaten gegen die Entwaldung, den Bau von Windr&#228;dern und andere Baustellen. Siehe Pramen, &#8222;&lt;a href=&#034;https://pramen.io/en/2022/12/a-conversation-with-anarchists-from-ecoplatform-fighting-in-ukraine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;A conversation with anarchists from Ecoplatform fighting in Ukraine&lt;/a&gt;&#8220;, 27. Dezember 2022. Es ist zumindest eigenartig, dass Aktivisten, die so viel Respekt vor lebenden Wesen zeigen, sich in der Armee engagieren mit dem Projekt, russische Soldaten zu t&#246;ten&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://la-presse.org/anarchist-manifest-ukraine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Anarchist*innen in der Ukraine ver&#246;ffentlichen Manifest&#8220;&lt;/a&gt;, Mai 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Aufst&#228;ndische und gesetzlose Bauern der bergigen Regionen Galiziens, Transkarpatiens und der Bukowina im 18. Jahrhundert, ihr Anf&#252;hrer war Oleksa Dowbusch.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Manifest auf Englisch verf&#252;gbar auf &lt;a href=&#034;https://www.solidaritycollectives.org/en/manifesto-en/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;der Homepage&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Obwohl im Mittleren Osten kein Mangel an autorit&#228;ren Regimen herrscht, ist es nicht unbedeutend, dass den Autoren nur dieses Beispiel in den Sinn kommt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Eine antifaschistische Front, wovon paradoxerweise eine grosse Anzahl an rechtsextremen Organisationen und Aktivisten teil sind, die bis im Februar 2022 von den Antiautorit&#228;ren als &#8222;Faschisten&#8220; bezeichnet und als solche bek&#228;mpft wurden&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zum Beispiel die &#8222;Dekommunisierung der Sozialversicherung&#8220;, um sie dem Privatsektor zu offerieren. Siehe H&#233;l&#232;ne Richard, &lt;a href=&#034;https://monde-diplomatique.de/artikel/!5970155&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Arbeiten, k&#228;mpfen, durchhalten&#8220;&lt;/a&gt;, November 2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://lundi.am/L-organisation-des-anarchistes-sur-le-front-ukrainien&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;L'organisation des anarchistes sur le front ukrainien. Entretien avec le Resistance Committee&lt;/a&gt;&#8220;, 9. Januar 2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Impact, &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.youtube.com/watch?v=B6qnqmSeCWM&amp;t=106s&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Ukraine : ces anarchistes s'organisent face &#224; la guerre&lt;/a&gt;&#8220;, 5. Dezember 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Auf der &lt;a href=&#034;https://www.solidaritycollectives.org/en/manifesto-en/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Homepage&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Gem&#228;ss der Homepage der Organisation sind von den zwischen Februar und Juni 2022 von Operation Solidarity aufgewendeten 59&#8216;680 &#8364; 41&#8216;404 &#8364; f&#252;r &#8222;milit&#228;rische Anliegen&#8220; ausgegeben worden.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Das Anarchist Black Cross ist ein internationales anarchistisches Netzwerk, das 1907 gegr&#252;ndet worden ist und theoretisch die Unterst&#252;tzung von politischen und sozialen Gefangenen zum Ziel hat. Die Gruppe aus Dresden hat scheinbar f&#252;r eine etwas originellere Positionierung optiert.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://freedomnews.org.uk/2023/03/31/voices-from-the-front-russian-anarchist-fights-for-ukraine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Voices from the front : Russian anarchist fights for Ukraine&lt;/a&gt;&#8220;, 31. M&#228;rz 2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Der Gr&#252;nder der NGO Frontline Care erkl&#228;rt: &#8222;Der schwierigste Teil unserer Arbeit ist die Kreativit&#228;t und die Aufrechterhaltung der Aufmerksamkeit, nicht der Kauf (von Ausr&#252;stung) selbst und auch nicht die Interaktion mit den Einheiten.&#8220; Daria Shulzhenko, &#8222;&lt;a href=&#034;https://kyivindependent.com/donations-on-decline-volunteers-get-creative-to-keep-raising-funds-for-military/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Donations on decline: Volunteers get creative to keep raising funds for military&lt;/a&gt;&#8220;, 1. November 2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Der Influencer Xavier Tytelman wirbt zum Beispiel f&#252;r Einheiten wie das Team Berlioz oder die Task Force Baguette, in welchen franz&#246;sischsprachige Freiwillige dienen. Diese Verpflichtung, f&#252;r die M&#228;zene ein verf&#252;hrerisches Bild zu zeichnen, existiert auch auf einem ganz anderen Niveau: Der Forscher C&#233;dric Mas h&#228;lt fest, dass &#8222;es eine gewisse Anzahl milit&#228;rischer Operationen gibt, in denen Menschen sterben, verletzt werden oder Glieder verlieren, die nur ausgef&#252;hrt werden, um Videos herauszugeben und danach eine Informationsaktion durchzuf&#252;hren&#8220;; geh&#246;rt im Podcast &#8222;&lt;a href=&#034;https://soundcloud.com/le-collimateur/dune-guerre-a-lautre-comprendre-et-interpreter-loffensive-ukrainienne&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;D'une guerre &#224; l'autre. Comprendre et interpr&#233;ter l'offensive ukrainienne&lt;/a&gt;&#8220;, &lt;i&gt;Le Collimateur&lt;/i&gt;, Oktober 2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb23&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh23&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 23&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;23&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://telegra.ph/Solidarity-Collectives-Statement-07-04&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Solidarity Collectives Statement&lt;/a&gt;&#8220;, 4. Juli 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb24&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh24&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 24&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;24&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Auf der &lt;a href=&#034;https://www.solidaritycollectives.org/en/main-page-english/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Homepage&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb25&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh25&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 25&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;25&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Tatsache, dass sich unter diesen vier Personen routinierte Aktivisten befinden, die &#252;ber eine mediale Aura und ein gewisses Prestige verf&#252;gen (im Gegensatz zum Anarchisten bei Asow?), hat sich wom&#246;glich zu ihren Gunsten ausgewirkt. Zur Beteiligung von libert&#228;ren Aktivisten an rechtsextremen Einheiten, siehe &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.youtube.com/watch?v=KCynPQwZU9I&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Un lundi soir &#224; Kharkiv et Kramatorsk: clarifications strat&#233;giques et perspectives politiques&lt;/a&gt;&#8220;, Juni 2023, oder auch Perrine Poupin, &#8222;&lt;a href=&#034;https://mouvements.info/leruption-de-la-russie-en-ukraine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;L'irruption de la Russie en Ukraine. Entretien avec un volontaire de la d&#233;fense territoriale de Kiev&lt;/a&gt;&#8220;, 29. M&#228;rz 2022. Zum Kastus-Kalinouski-Regiment, siehe Pierre-Yves Baillet, &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.frogofwar.info/entretien-avec-denys-kit-prokhorov-commandant-du-regiment-kastus-kalinouski-2/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Entretien avec Denys &#8218;KIT&#8216; Prokhorov, commandant du r&#233;giment Kastu&#347; Kalino&#365;ski&lt;/a&gt;&#8220;, 8. Dezember 2022.&lt;br class='manualbr' /&gt;Es muss auch betont werden, dass es auf den sozialen Medien nur so von Informationen, Ger&#252;chten und wahrscheinlich auch schlichten Verleumdungen hinsichtlich vergangener oder gegenw&#228;rtiger geheimer Zusammenarbeit gewisser sehr prominenter ukrainischer Anarchisten mit rechtsextremen Milieus wimmelt. Aus der Distanz und aufgrund der Grenzen automatischer &#220;bersetzung ist es schwierig, herauszufinden, was stimmt und was nicht. Ruhe und Gelassenheit stehen in diesem Milieu auf jeden Fall nicht auf der Tagesordnung.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb26&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh26&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 26&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;26&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;L'organisation des anarchistes sur le front ukrainien. Entretien avec le Resistance Committee&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb27&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh27&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 27&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;27&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wenn man sich der Armee anschliesst, w&#228;hlt man seine Einheit oder den zugeschriebenen Ort nicht so einfach wie bei der Anmeldung im Schachclub oder im Boxstudio, doch der Mangel an Organisation w&#228;hrend den ersten Tagen der Invasion hat wahrscheinlich etwas Flexibilit&#228;t m&#246;glich gemacht.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb28&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh28&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 28&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;28&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Eine Brigade der Territorialverteidigung (ungef&#228;hr 3&#8216;500 Personen) besteht aus einer variablen Anzahl Bataillone (die ihrerseits aus Kompanien bestehen, diese werden aus Z&#252;gen gebildet, letztere bestehen aus Gruppen). Die TV des Oblasts von Kiew enth&#228;lt die 112. und die 241. Brigade.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb29&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh29&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 29&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;29&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://danslabrume.noblogs.org/post/2023/08/22/apres-le-bataillon-anti-autoritaire-suite-de-la-resistance/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Apr&#232;s la fin du bataillon anti-autoritaire, la suite de la r&#233;sistance anarchiste en Ukraine (entretien avec Salam)&lt;/a&gt;&#8220;, August 2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb30&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh30&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 30&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;30&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ilya Leshiy, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb31&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh31&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 31&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;31&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Laurent Geslin, &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.mediapart.fr/journal/international/260622/en-ukraine-des-anarchistes-montent-au-front-pour-combattre-l-invasion-russe&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;En Ukraine, des anarchistes montent au front pour combattre l'invasion russe&lt;/a&gt;&#8220;, 6. Juni 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb32&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh32&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 32&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;32&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Tristan-Leoni-Adieu-Leben-Adieu-Liebe-Ukraine-Krieg-und-Selbstorganisation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;unserem Artikel vom Mai 2022&lt;/a&gt; schrieben wir folgendes in einer Fussnote: &#8222;Wir benutzen das Wort M&#228;nner als &#252;berholtes Synonym f&#252;r Soldaten, denn die streitenden Kr&#228;fte scheinen f&#252;r die j&#252;ngsten westlichen Entwicklungen hinsichtlich der Geschlechterrollen kaum empf&#228;nglich zu sein. Hier, obwohl wir in Europa sind, ist das Schema viel klassischer: Jene, welche k&#228;mpfen, sind M&#228;nner (ausser vielleicht einige wenige Ausnahmen in der TV) und jene, welche fliehen, sind Frauen, Kinder und Alte.&#8220; Ende 2023 entwickelt sich die Situation aufgrund der Verknappung von Freiwilligen und die Frauen werden immer mehr herangezogen. Wir werden in einem n&#228;chsten Artikel auf diese Frage zur&#252;ckkommen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb33&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh33&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 33&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;33&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Tom Lord, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb34&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh34&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 34&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;34&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &lt;a href=&#034;https://operation-solidarity.org/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;ihre Homepage&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb35&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh35&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 35&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;35&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Obwohl es besonders unpassend ist, z&#246;gern einige nicht, den Konflikt mit dem Spanienkrieg zu vergleichen; betonen wir also, dass die Milizen der CNT und der FAI zwischen 1936 und 1937 ungef&#228;hr 50&#8216;000 K&#228;mpfer z&#228;hlen (auf eine Bev&#246;lkerung von 25 Millionen Einwohnern in Spanien 1936 gegen 43 Millionen in der Ukraine 2021). Die Revolution&#228;re aufst&#228;ndische Armee Nestor Makhnos ihrerseits z&#228;hlte 1919 mehr als 100&#8216;000 M&#228;nner.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb36&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh36&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 36&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;36&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Im Fr&#252;hling 2022 z&#228;hlt das Asow-Regiment &#8211; die ber&#252;hmteste der Einheiten der ukrainischen Armee unter jenen, welche offen eine rechtsextreme Ideologie zur Schau tragen &#8211; zwischen 3&#8216;500 und 5&#8216;000 M&#228;nner. Trotz seiner schweren Verluste, besonders w&#228;hrend der Schlacht von Mariupol, scheint der Zustrom an Freiwilligen, die sich ihm anschliessen wollen, nicht abzunehmen und das Regiment wird sogar im Februar 2023 offiziell zur Brigade &#8222;aufgewertet&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb37&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh37&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 37&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;37&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Tristan-Leoni-Adieu-Leben-Adieu-Liebe-Ukraine-Krieg-und-Selbstorganisation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;unseren Artikel vom Mai 2022&lt;/a&gt; bez&#252;glich dieser Periode der Paranoia und der daraus folgenden unvermeidlichen Ausw&#252;chse und &#220;bergriffe.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb38&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh38&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 38&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;38&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Joshua Askew, &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.euronews.com/my-europe/2022/06/09/meet-the-motley-crew-of-anarchists-and-anti-fascists-fighting-russia-in-ukraine&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Meet the motley crew of anarchists and anti-fascists fighting Russia in Ukraine&lt;/a&gt;&#8220;, 10. Juni 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb39&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh39&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 39&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;39&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Voices from the front : Russian anarchist fights for Ukraine&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb40&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh40&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 40&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;40&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;The media committee of the platoon, &#8222;&lt;a href=&#034;https://mtlcounterinfo.org/anti-authoritarian-platoon-of-ukraine-are-we-anarchists-and-what-we-do/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Anti-authoritarian Platoon of Ukraine : Are We Anarchists and What We Do&lt;/a&gt;&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb41&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh41&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 41&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;41&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb42&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh42&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 42&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;42&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Tom Lord, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb43&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh43&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 43&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;43&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ilya Leshiy, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb44&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh44&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 44&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;44&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Tom Lord, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb45&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh45&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 45&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;45&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ilya Leshiy, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb46&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh46&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 46&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;46&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Voices from the Front: Russian Anarchist Fights for Ukraine&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., Tom Lord, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb47&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh47&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 47&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;47&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ilya Leshiy, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb48&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh48&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 48&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;48&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Das 206. Bataillon der 112. Brigade der TV, das f&#252;r die Verteidigung Kiews kreiert worden ist, wird zum Beispiel von ehemaligen Pr&#228;sidenten Petro Poroschenko ausger&#252;stet und finanziert.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb49&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh49&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 49&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;49&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ilya Leshiy, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb50&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh50&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 50&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;50&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;L'organisation des anarchistes sur le front ukrainien. Entretien avec le Resistance Committee&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb51&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh51&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 51&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;51&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Apr&#232;s la fin du bataillon anti-autoritaire, la suite de la r&#233;sistance anarchiste en Ukraine (entretien avec Salam)&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb52&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh52&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 52&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;52&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Telegram-Kan&#228;le von Solidarity Collectives und Pramen, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb53&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh53&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 53&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;53&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Impact, &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.youtube.com/watch?v=B6qnqmSeCWM&amp;t=106s&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Ukraine : ces anarchistes s'organisent face &#224; la guerre&lt;/a&gt;&#8220;, 5. Dezember 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb54&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh54&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 54&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;54&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb55&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh55&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 55&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;55&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Apr&#232;s la fin du bataillon anti-autoritaire, la suite de la r&#233;sistance anarchiste en Ukraine (entretien avec Salam)&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb56&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh56&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 56&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;56&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ohne diese Tatsache w&#228;re es zum Beispiel unm&#246;glich, die politischen und intellektuellen Wallungen der Zwischenkriegszeit in Europa oder, in Italien, die abenteuerliche Episode von Fiume (1919-1924), an welcher unklassifizierbare Aktivisten, Protofaschisten, Royalisten und Anarchisten gemeinsam beteiligt waren, zu verstehen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb57&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh57&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 57&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;57&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Roger Caillois, &lt;i&gt;Der Mensch und das Heilige&lt;/i&gt; (1939), M&#252;nchen, Hanser, 1988.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb58&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh58&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 58&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;58&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Un lundi soir &#224; Kharkiv et Kramatorsk : clarifications strat&#233;giques et perspectives politiques&#8220;, &lt;i&gt;op. cit.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb59&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh59&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 59&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;59&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Nestor Makhno, dessen Bewegung von den Bolschewiken zerschlagen wurde, sah als einzige L&#246;sung f&#252;r die k&#252;nftigen K&#228;mpfe, sich von ihrer Organisationsweise zu inspirieren. Diese Ideen werden besonders in einem Text von 1926 entwickelt, &#8222;Organisationsplattform der Allgemeinen Anarchistischen Union&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb60&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh60&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 60&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;60&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zu diesen Fragen, siehe Bruno Astarian, &lt;a href=&#034;http://www.hicsalta-communisation.com/textes/activite-de-crise-et-communisation-5&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Activit&#233; de crise et communisation&#8220;&lt;/a&gt;, 2010, und Gilles Dauv&#233;, &lt;a href=&#034;https://entremonde.net/IMG/pdf/21rupture-livre.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;De la crise &#224; la communisation&lt;/a&gt;, Genf/Paris, Entremonde, 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb61&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh61&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 61&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;61&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe zum Beispiel Alex Adler, &#8222;&lt;a href=&#034;https://cras31.info/IMG/pdf/olga_taratuta_n4_2023-05.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;L'anarchisme britannique succombe &#224; la fi&#232;vre de la guerre&lt;/a&gt;&#8220; in &lt;i&gt;Initiative de solidarit&#233; Olga Taratuta&lt;/i&gt;, Nr. 4, Mai 2023, S. 7-19.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann sich entwickeln, seine Meinung &#228;ndern. Aber &#246;ffentlich einer Sache absagen, f&#252;r die man w&#228;hrend Jahren gek&#228;mpft hat, ist nicht einfach, umso mehr, weil man Gefahr l&#228;uft, dabei seine Freunde, seine Beziehungen zu verlieren. Man zieht es vor, sich vor sich selbst zu verstecken, zu behaupten, die Welt habe sich ge&#228;ndert, dass unsere Ideale modernisiert werden m&#252;ssen und man pragmatisch sein m&#252;sse.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb62&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh62&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 62&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;62&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In Frankreich wurden im August 1914 die wenigen revolution&#228;ren Aktivisten, die sich weigerten, ihre Ansichten zu verleugnen und sich dem Burgfrieden anzuschliessen, und weiterhin den Antimilitarismus, den Internationalismus und revolution&#228;ren Def&#228;tismus verteidigten, schnell an die vorderste Front geschickt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb63&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh63&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 63&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;63&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://monde-libertaire.net/index.php?articlen=6711&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Entretien avec le groupe anarchiste Assembly &#224; Kharkiv&lt;/a&gt;&#8220; in &lt;i&gt;Le Monde libertaire&lt;/i&gt;, 4. September 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb64&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh64&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 64&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;64&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es handelte sich in Wirklichkeit um einen administrativen Verbund, der die verschiedenen vorhandenen Reserven zusammenbrachte. Siehe Tristan Leoni, &lt;a href=&#034;http://www.lemondealenvers.lautre.net/livres/manu_militari.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Manu Militari ? Radiographie critique de l'arm&#233;e&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Le Monde &#224; l'envers, 2018, S. 65-66.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb65&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh65&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 65&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;65&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Ich w&#252;rde nat&#252;rlich gerne eher im Namen der Anarchie als im Namen der Nation k&#228;mpfen, doch es handelt sich nur um Symbole und Worte, die am wirklichen Wesen der die Ukraine durchdringenden Bewegung nichts &#228;ndern. Wenn ich auf jeden Fall im Moment zwischen &#8218;Es lebe der K&#246;nig&#8216; und &#8218;Es lebe die Nation&#8216; w&#228;hlen muss, entscheide ich mich ohne zu z&#246;gern f&#252;r die Nation!&#8220; Perrine Poupin, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb66&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh66&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 66&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;66&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diesbez&#252;glich sieht man, dass die Debatten zwischen Anarchisten w&#228;hrend des Ersten Weltkrieges alles andere als verstaubt sind; sie sind im Gegenteil besonders aktuell. Siehe die Brosch&#252;re &lt;a href=&#034;https://quatre.zone/2022/04/01/les-anarchistes-contre-la-guerre/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Les anarchistes contre la guerre, de 1914 &#224; 2022&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb67&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh67&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 67&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;67&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Bez&#252;glich Frankreich sollte man besonders die Initiative Olga Taratuta erw&#228;hnen und begr&#252;ssen, eine Gruppe, die Fl&#252;chtlinge, Deserteure und Pazifisten unterst&#252;tzt, egal, ob sie aus Russland, Weissrussland oder der Ukraine kommen. Mehr Infos auf ihrer &lt;a href=&#034;https://nowar.solidarite.online/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Homepage&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb68&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh68&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 68&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;68&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Tristan Leoni, &#8222;Adieu Leben, Adieu Liebe &#8230; Ukraine, Krieg und Selbstorganisation&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb69&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh69&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 69&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;69&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Man kann beobachten, dass, wenn w&#228;hrend einem Konflikt die Aktivisten das Lager des Guten w&#228;hlen, es meistens jenes ist, welches von den herrschenden b&#252;rgerlichen Medien als solches designiert wird (Pal&#228;stina ist hierf&#252;r die Ausnahme); siehe diesbez&#252;glich Claude Guillon, &lt;a href=&#034;http://www.insomniaqueediteur.com/publications/dommages-de-guerre&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Dommages de guerre : Paris-Pristina-Belgrade 1999&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, L'Insomniaque, 2000. Man entscheidet sich in der Regel nicht f&#252;r ein Lager, wenn der Konflikt nicht prominent in den Medien vertreten ist; die Kriege, die seit Jahren im Jemen, im Kongo oder im Sudan w&#252;ten, sind gute Beispiele daf&#252;r.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb70&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh70&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 70&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;70&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zu den Meinungs&#228;nderungen in letzter Minute innerhalb der franz&#246;sischen Arbeiterbewegung im Sommer 1914 sollte man unbedingt das Werk von Jean-Claude Lamoureux lesen: &lt;a href=&#034;https://lesnuitsrouges.com/produit/les-nuits-rouges/disponibles/les-10-derniers-jours/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Les Dix Derniers Jours&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Les Nuits rouges, 2013.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Gegen die Partei des Aufstands. Ein Blick auf den Appellismus in den USA</title>
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		<dc:subject>Bericht/Analyse</dc:subject>
		<dc:subject>Frankreich</dc:subject>
		<dc:subject>Appellismus</dc:subject>
		<dc:subject>USA</dc:subject>

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&lt;p&gt;Der Appellismus ist eine informelle Str&#246;mung des autorit&#228;ren Kommunismus, der auf diesem Kontinent ungef&#228;hr im letzten Jahrzehnt an Boden gewonnen hat. Indem sie Elemente sowohl der revolution&#228;ren Parteistruktur als auch des aufst&#228;ndischen Anarchismus aufnimmt, erfindet diese Tendenz den autorit&#228;ren Kommunismus als etwas neu, das wie informelle Netzwerke aussieht, aber wie eine Partei handelt. &lt;br class='autobr' /&gt;
Appellisten stellen sich in der Regel nicht als Appellisten vor. Der Begriff bezieht sich auf (...)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

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&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Bericht-Analyse" rel="tag"&gt;Bericht/Analyse&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Frankreich" rel="tag"&gt;Frankreich&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Appellismus" rel="tag"&gt;Appellismus&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/USA" rel="tag"&gt;USA&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/tarnac_-_eglise_saint-georges.jpg?1714160448' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='113' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Der Appellismus ist eine informelle Str&#246;mung des autorit&#228;ren Kommunismus, der auf diesem Kontinent ungef&#228;hr im letzten Jahrzehnt an Boden gewonnen hat. Indem sie Elemente sowohl der revolution&#228;ren Parteistruktur als auch des aufst&#228;ndischen Anarchismus aufnimmt, erfindet diese Tendenz den autorit&#228;ren Kommunismus als etwas neu, das wie informelle Netzwerke aussieht, aber wie eine Partei handelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Appellisten stellen sich in der Regel nicht als Appellisten vor. Der Begriff bezieht sich auf den &lt;i&gt;Aufruf&lt;/i&gt; (&lt;i&gt;Appel&lt;/i&gt; in der franz&#246;sischen Originalversion) vom Unsichtbaren Komitee, der von einigen der gleichen Autoren wie die Zeitschrift &lt;i&gt;Tiqqun&lt;/i&gt; 1999 geschrieben worden ist. Deshalb werden &#8222;Appellisten&#8220; manchmal auch &#8222;Tiqqunisten&#8220; genannt. Beides sind Begriffe, die von Anarchisten bekannt gemacht worden sind, um der appellistischen Behauptung entgegenzuwirken, sie h&#228;tten keine Ideologie oder kein etabliertes politisches Netzwerk.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die appellistische Verlogenheit diesbez&#252;glich ist Teil einer breiteren Strategie, zu versuchen, nicht mehr als unterscheidbare Gruppe oder unterscheidbares Milieu sichtbar zu sein (sie nennen das &#8222;Undurchsichtigkeit&#8220;). Sie versuchen sodann, unsichtbar verschiedene Aspekte des allt&#228;glichen Lebens in Richtung einer Form des Kommunismus zu organisieren, mit einem Schwerpunkt auf dem Aufbau von Infrastruktur und der Kontrolle dar&#252;ber. Dies geht einher mit der Bem&#252;hung, entscheidend in Momenten des sozialen Konfliktes zu intervenieren, um diese Situationen eskalieren zu lassen, damit die K&#228;mpfe an Territorium gewinnen und die Leute in ihre Infrastruktur hineingezogen werden. Appellisten werden sich typischerweise als Partisanen, Autonome oder Kommunisten bezeichnen, falls sie sich &#252;berhaupt als irgendetwas bezeichnen, obwohl es in Nordamerika g&#228;ngiger ist, dass sie sich auch selektiv als Anarchisten bezeichnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die bekanntesten Ausdr&#252;cke des Appellismus kommen aus Frankreich und sind Werke des Unsichtbaren Komitees, besonders &lt;i&gt;Der kommende Aufstand&lt;/i&gt; (2007) und &lt;i&gt;An unsere Freunde&lt;/i&gt; (2014).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den USA sind die Hauptvertreter des Appellismus die Infoportale &lt;i&gt;Ill Will Edition&lt;/i&gt;&lt;i&gt;s&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;Inhabit&lt;/i&gt;, sowie Konten auf den sozialen Medien wie &lt;i&gt;Vitalist International&lt;/i&gt;. Neben der Promotion ihrer amerikanischen Version des Appellismus ver&#246;ffentlichen diese Projekte auch &#220;bersetzungen von &lt;i&gt;Lundi matin&lt;/i&gt;, der zentralen appellistischen Plattform in Frankreich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aus der Ferne hat die &#8222;Partei des Aufstands&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Formulierung &#8222;Partei des Aufstands&#8220; wird im Vorschlag 14 des Comit&#233; (...)&#034; id=&#034;nh1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; eine verwirrende &#196;hnlichkeit mit den Ideen und Aktivit&#228;ten vieler Anarchisten, denn sie &#252;bernimmt einige zentrale Konzepte des aufst&#228;ndischen Anarchismus wie die Autonomie und die informelle Organisation. Unterschiede zeigen sich typischerweise, wenn wir versuchen gewisse Prinzipien anzusprechen oder wenn ihre Perspektiven zur gesellschaftlichen Stellung und zu gesellschaftlichen Praktiken rund um Macht und Avantgardismus im Verlauf von K&#228;mpfen vor Ort Bedeutung erlangen. Appellisten bewirtschaften diese Art der Verwirrung, denn Ehrlichkeit hinsichtlich ihrer Ideen ist ihrer Strategie nicht zutr&#228;glich, diese setzt voraus, dass sie ihre Perspektiven und Prinzipien je nach Gespr&#228;chspartner &#228;ndern. Klare Positionen beeintr&#228;chtigen die Rekrutierung, da sie weniger Leute ansprechen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Ziele und Methoden der Appellisten sind, eher als eine &#228;hnliche Sichtweise mit einer anderen Art des Kampfes, in Wirklichkeit inkompatibel mit anarchistischen Zielen und unterminieren hierarchiefreie Selbstorganisation. Darum dieser Text, in welchem wir versuchen, die f&#252;r den antiautorit&#228;ren Kampf sch&#228;dlichen Methoden zu identifizieren und zu einer Kultur der Ehrlichkeit und internen Kritik zu ermutigen, was uns helfen kann, besser zu verstehen, wof&#252;r wir jeweils k&#228;mpfen und auch, mit wem und wie wir uns entscheiden, zu k&#228;mpfen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In diesem Text werden wir gr&#246;sstenteils unsere Ideen &#252;ber den Appellismus im Verh&#228;ltnis zu appellistischer Theorie darlegen, um zu zeigen, wie unsere Beobachtungen &#252;ber das Milieu durch die Ideologie untermauert werden und ihr inh&#228;rent sind. In Tat und Wahrheit sind jedoch die meisten Leute im appellistischen Milieu keine Theoretiker und die Darlegung der Probleme des Appellismus gest&#252;tzt auf die Theorie wird der H&#228;sslichkeit des appellistischen Verhaltens, der wir im realen Leben begegnet sind, nicht gerecht. Unsere tiefsten Probleme mit der Tendenz kommen wohl oder &#252;bel von pers&#246;nlicher Erfahrung und sind nur insofern verifizierbar, als sie Teil von akkumulierten Erfahrungen diverser Anarchisten sind, denen Appellisten &#252;ber die Jahre auf diesem Kontinent begegnet sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zus&#228;tzlich zu den spezifischen Projekten, die wir mit dieser Tendenz identifizieren k&#246;nnen, gibt es etliche Leute in den USA, die von appellistischen Strategien inspiriert worden sind und versuchen, sie in ihren Netzwerken zur Anwendung zu bringen. Da sich diese Individuen selbst nicht Appellisten nennen und h&#228;ufig die Existenz einer solchen Tendenz bestreiten, ist es verwirrend, von &#8222;Appellisten&#8220; zu sprechen, zumindest im gleichen Sinne, wie wir von &#8222;Anarchisten&#8220; sprechen w&#252;rden, denn letztere identifizieren sich selbst als solche. Zumindest teilweise aufgrund dieser Ambivalenz denken wir, dass es n&#252;tzlicher ist, den Fokus auf das Verst&#228;ndnis der Dynamiken und Methoden des Appellismus und die Kritik jener Projekte, welche appellistische Strategie vorantreiben, zu richten, als zu versuchen, endg&#252;ltig zu identifizieren, wer ein Appellist ist oder nicht. Es gibt viele Leute, die rund um die appellistische Welt kreisen, weil sie in den gleichen gr&#246;sseren K&#228;mpfen engagiert sind oder aufgrund gesellschaftlicher N&#228;he, mehr denn aus ideologischer Hingabe zum Appellismus. Unsere Diskussion des Appellismus in diesem Text soll nicht dazu dienen, diese Leute vor den Kopf zu stossen, sondern einen gewissen Kontext und Bezugsrahmen anzubieten, um sie dabei zu unterst&#252;tzen, ihre eigenen bewussten Entscheidungen zu treffen und nicht manipuliert zu werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Viele der in diesem Text diskutierten Probleme sind &#252;berhaupt nicht auf den Appellismus beschr&#228;nkt. Informelle Hierarchien, schreckliche Analysen, entsetzliche Rassismuspolitik, Frauenfeindlichkeit, Missbrauch, Alibipolitik und die Instrumentalisierung der K&#228;mpfe anderer Leute sind auch in den meisten anarchistischen Szenen in den USA weit verbreitet; wir sind ihnen alle begegnet. Was den Appellismus davon unterscheidet und wir in diesem Text aufzeigen m&#246;chten, ist die Tatsache, dass die angesprochenen Probleme durch die Ideen selbst ausgel&#246;st und gerechtfertigt werden, statt im Widerspruch zu ihnen zu stehen &#8211; sie sind seit langer Zeit und konsistent in den appellistischen Schriften und der appellistischen Organisationsweise vorhanden. Die Konfrontation mit diesen Ideen und ihren Anh&#228;ngern sollten nicht zulasten der Konfrontation mit hierarchischem Verhalten und derartigen Einfl&#252;ssen aus anderen Richtungen gehen, sondern stattdessen unsere F&#228;higkeit zur Kritik im weiten Sinne verbessern und uns helfen, die Verankerung in unsere geteilten Prinzipien zu vertiefen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Das Programm: Territorium und Macht&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das &#8222;Kleine orange Buch&#8220; von Inhabit ist die klarste Darstellung der appellistischen Strategie in den USA, deshalb beginnen wir damit. Inhabit bietet ein Programm an, das aus einigen wenigen einfachen Schritten besteht und damit beginnt: 1) &#8222;Sich finden&#8220; und 2) autonome Infrastruktur oder &#8222;Hubs&#8220; (gew&#246;hnlich rurale Landprojekte oder andere R&#228;ume, wo sie &#8222;die Kommune aufbauen&#8220;) erschaffen. In diesem Prozess des massenhaften &#8222;Ausstiegs&#8220; und des schrittweisen &#8222;Abzugs von Territorium von der Wirtschaft&#8220; erreichen wir schliesslich die Schritte 8 und 9, wo die Infrastruktur &#8222;destituiert&#8220; wird und wir &#8222;unregierbar werden&#8220;, weil wir gen&#252;gend Autonomie aufgebaut haben, um die Regierung und die Wirtschaft &#252;berfl&#252;ssig zu machen. Wenn diese dann verschwinden, werden sie durch die von den Appellisten aufgebauten Kommunen und ihrer Infrastruktur ersetzt: &#8222;Die Macht ergreifen, ohne zu regieren.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Erschaffung autonomer Infrastruktur war von kritischer Bedeutung f&#252;r viele radikalen Bewegungen rund um die Welt und durch die Geschichte hindurch, von konfliktreichen Besetzungen und selbstorganisierten sozialen Zentren in Europa bis zu befreitem Land in Lateinamerika. Die von Inhabit hinsichtlich der Autonomie vorgebrachten Vorschl&#228;ge enthalten jedoch bedeutende Probleme:&lt;/p&gt;
&lt;ul class=&#034;spip&#034;&gt;&lt;li&gt;Es wird nicht pr&#228;zisiert, wen wir genau finden, wenn wir uns finden. Dies erlaubt verschiedenste B&#252;ndnisse, auch problematische, zum Beispiel mit Politikern oder Leuten, die zu rechtem Libertarismus tendieren. Es ist auch sehr schwierig, trotz der ausf&#252;hrlichen Aufmerksamkeit von Inhabit f&#252;r die Bildsprache der K&#228;mpfe und Vorschl&#228;ge f&#252;r die Zukunft, klar zu verstehen, gegen wen und was das &#8222;Wir&#8220; von Inhabit eigentlich gerichtet ist.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Siedler in den USA oder Kanada, die Land kaufen und ein Landprojekt starten oder Gesch&#228;fte er&#246;ffnen in Quartieren, die gerade gentrifiziert werden, stellen typischerweise keine emanzipatorischen Projekte dar, sondern reproduzieren Siedlungspolitik als Schl&#252;sselaspekt der Funktionsweise unserer Feinde &#8211; koloniale Siedlerstaaten wie die USA und Kanada. Inhabit &#252;bergeht dieses Problem komplett und diskutiert Siedlerkolonialismus nicht.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Indigen angef&#252;hrte K&#228;mpfe werden als inspirierende Beispiele genannt, doch Rasse oder Gender werden genau wie Kolonialisierung nie als ethische oder nicht einmal strategische Anliegen auf dem Weg zur Destitution erw&#228;hnt. Die vollst&#228;ndige &#220;bergehung von Rasse in einem in den USA stattfindenden Kampf &#8211; oder in der Tat &#252;berall &#8211; ist gleichbedeutend mit einer Art farbenblindem Rassismus. Das Vorbeirauschen an jeglicher Diskussion &#252;ber Geschlechterrollen in der &#8222;Kommune&#8220; ist ein weiterer Preis f&#252;r die unnachgiebige Betonung von Inhabit dessen, was wir gemeinsam haben. &#8222;Die Kommune&#8220; wird zu einer mythischen h&#246;heren Entit&#228;t, mit welcher Individuen mit all ihren chaotischen Unterschieden und verschiedenen Erfahrungen systematischer Unterdr&#252;ckung f&#252;r das Gemeinwohl verschmelzen sollen.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Das Konzept der &#8222;Destitution&#8220;, das darauf hinausl&#228;uft, dass die Anh&#228;nger davon die Wirtschaft &#8222;verhungern lassen&#8220;, indem sie sich nicht an ihr beteiligen, basiert auf der Annahme, dass der Kapitalismus und die damit verbundene staatliche Macht allm&#228;hlich verschwinden, wenn genug Leute sich ihres Zugriffs entziehen. Diese Idee ist historisch betrachtet hoffnungslos falsch und sie scheint uns zu ermuntern, weniger konfliktreiche K&#228;mpfe zu f&#252;hren, obwohl in Wirklichkeit der Konflikt ein wesentlicher Bestandteil jedes Kampfes gegen den Staat ist.&lt;br class='autobr' /&gt;
Die Einfachheit dieses Programm ist eine Marketingstrategie, die daf&#252;r konzipiert ist, so viele Leute wie m&#246;glich anzusprechen und genau aus diesem Ansatz entstehen viele Probleme. Mit wem wir uns organisieren und leben, mit wem wir uns verb&#252;nden, unsere Komplizit&#228;t mit dem Kapitalismus und anderen Formen der Unterdr&#252;ckung, die Notwendigkeit, Risiken einzugehen und Gewalt anzuwenden, das Verh&#228;ltnis zwischen unseren pers&#246;nlichen W&#252;nschen und unseren Verantwortlichkeiten f&#252;r andere &#8211; all das sind komplexe Fragen, durch die wir konstant navigieren, w&#228;hrend wir uns aus dieser Welt in Richtung Anarchie bewegen. Kein kleines oranges Pamphlet, das ein nett t&#246;nendes &#8222;gemeinsames Leben&#8220; bewirbt und die harschen Realit&#228;ten von Rassismus, Gender und Siedlerkolonialismus vertuscht, kann die Antworten darauf liefern.&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Wir haben Appellisten h&#228;ufig dabei beobachtet, wie sie falsche Parallelen zwischen ihren Landprojekten und indigenen Versuchen zur Verteidigung und/oder Wiedererlangung von angestammtem Territorium und traditioneller Lebensweise ziehen. Das ist f&#252;r den Erfolg letzterer konterproduktiv. Wie die Autoren von &#8222;Another Word for Settle&#8220; schreiben, diese Art der &#8222;&#8216;Zur&#252;ck-aufs-Land-Politik' [&#8230;] bereitet im schlimmsten Fall die B&#252;hne f&#252;r die Entwicklung von verdrehten Anspr&#252;chen von Siedlern auf indigenes Land vor&#8220;, behauptet, &#8222;dass die Beziehungen, die wir mit antikolonialen indigenen Verb&#252;ndeten anstreben sollten, sich aufl&#246;sen werden, und l&#228;uft damit Gefahr, dass reaktion&#228;re Siedlertendenzen, die wir bek&#228;mpfen sollten, gest&#228;rkt werden&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Die territoriale Autonomie, wenn sie als Strategie f&#252;r die Zerst&#246;rung des (...)&#034; id=&#034;nh2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Anweisung, Eigentum zu akkumulieren, taucht im nicht minder programmatischen Text &#8222;How to Start a Fire&#8220; wieder auf, er ist keine Anleitung zur Brandstiftung, sondern gibt den l&#228;cherlich weltfernen Rat, sich zu &#8222;organisieren, um so bald wie m&#246;glich Wohneigentum zu kaufen&#8220; und &#8222;Raum zu mieten. Noch besser aber ist es, Geb&#228;ude zu kaufen, Eigentum zu erwerben.&#8220; Ein grosser Teil ihrer Beschreibung davon, wie man etwas gemeinsam aufbaut, w&#228;hrend man sich nicht &#8222;obsessiv mit der Moral oder &#8218;internen Dynamiken&#8216; solcher Projekte befassen [soll]&#8220; k&#246;nnte problemlos jede Art der Kollektivit&#228;t beschreiben &#8211; einen Hauseigent&#252;merverband zum Beispiel. Die Momente in ihren Schriften, wenn sie ausf&#252;hren, wie ihre Vision einer territorialen Autonomie eigentlich aussehen k&#246;nnte &#8211; zum Beispiel ihr Fokus auf die Lancierung von Gesch&#228;ftst&#228;tigkeiten als Teil ihres revolution&#228;ren Projekts &#8211; zeigen, dass ihre Utopie f&#252;rchterlich langweilig, sorgf&#228;ltig verwaltet und (basierend auf unserer Erfahrung) sehr wahrscheinlich auf Familienverm&#246;gen aufgebaut ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Aus Der kommende Aufstand (2007): &#8222;Sogar in den endlosen Subventionen, die (...)&#034; id=&#034;nh3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Perspektiven: Die Zusammensetzung der Partei&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Appellismus ist nicht die einzige radikale Tendenz, die autorit&#228;re Ans&#228;tze f&#252;r den Kampf vorschl&#228;gt, nur eine, die Anarchisten unter Umst&#228;nden weniger bemerken. Er nimmt etliche Elemente von kommunistischen und anderen linken&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Der Begriff &#8222;links&#8220; kommt von der parlamentarischen Unterteilung (in (...)&#034; id=&#034;nh4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Traditionen auf, aber kleidet alte Ideen in angesagte neue Sprache und &#196;sthetik, womit sie sich &#252;ber Umwege wieder unbemerkt einschleichen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Anarchistische Theoretiker im Ausland haben darauf hingewiesen, dass der Appellismus spezifischer ein Nachkomme des Blanquismus ist. Diese Ideologie ist eine autorit&#228;re kommunistische Str&#246;mung des Insurrektionalismus, die auf Louis Auguste Blanquis Idee basiert, dass die Revolution von einer relativ kleinen Avantgarde h&#246;chst organisierter Verschw&#246;rer in einer geheimen Parteistruktur, die so positioniert ist, dass sie Aufst&#228;ndische mithilfe einer einheitlichen Strategie anf&#252;hren kann, durchgef&#252;hrt werden sollte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Autoren von &lt;a href=&#034;https://anarchistischebibliothek.org/library/finimondo-blanqui-oder-die-staatliche-insurrektion&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Blanqui oder die staatliche Insurrektion&#8220;&lt;/a&gt; schreiben: &#8222;[Blanquis] Konzeption der Insurrektion als Resultat eines strategischen Zuges, und nicht als soziales Ereignis, brachte ihn zur Schlussfolgerung, dass der Zweck alle Mittel heiligt. F&#252;r ihn z&#228;hlte nicht die Art und Weise, sondern das Resultat, mit anderen Worten, die effektive Eroberung der politischen Macht.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weiter: &#8222;Wenn die Insurrektion trotz des Mutes und des Enthusiasmus derjenigen, die sich an ihr beteiligen, niedergeschlagen wird, dann liegt das daran, dass es &#8218;an Organisation mangelt. Ohne Organisation, keine Chance auf Erfolg.&#8216; Das wird auch stimmen, aber wie erlangt man diese Organisation, diese Koordination, diese Abmachung unter den Aufst&#228;ndischen? Durch die horizontale, im Voraus stattfindende und m&#246;glichst weite Verbreitung eines Bewusstseins, einer Aufmerksamkeit, einer Intelligenz gegen&#252;ber den Erfordernissen des Moments (libert&#228;re Hypothese), oder durch die vertikale Einrichtung eines einheitlichen Kommandos, welches die Gehorsamkeit von allen verlangt, jenen allen, die bis anhin in Unwissenheit gehalten wurden (autorit&#228;re Hypothese)?&#8220; Diese autorit&#228;re Theorie des Aufstands wird angereichert mit dem Einfluss der italienischen Kommunisten der Autonomia der 1970er Jahre mit ihrem betont lyrischen Stil und ihrem Fokus auf die Bildung von Netzwerken autonomer R&#228;ume und der Situationisten mit ihrer selbsternannten Stellung als intellektuelle Avantgarde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Appellismus nimmt auch die traditionellere kommunistische Idee wieder auf, dass die internationale Arbeiterklasse der Hauptcharakter des antikapitalistischen Kampfes ist, doch die Idee wird als &#8222;Imagin&#228;re Partei&#8220; der Aufst&#228;ndischen gegen das Kapital neu verpackt. Wenn sie als informell neu gedacht wird, brauchen Individuen &#252;berall auf der Welt keine Mitgliederkarte zu erwerben, um in der Partei zu sein, und in Wirklichkeit sind sie selten damit einverstanden (oder werden danach gefragt), Teil der appellistischen Strategie zu sein. Sie unterscheidet sich stark von einem anarchistischen Bezugsrahmen zum Internationalismus in jenem Sinne, dass sie tats&#228;chlich diverse K&#228;mpfe einschliesst und die Vorstellung erzeugt, dass alle zu einem grossen Plan beitragen, der von Anderen bereits in die Wege geleitet worden ist, statt diese K&#228;mpfe in ihren eigenen Begriffen anzuerkennen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zusammen mit anderen Spielarten des autorit&#228;ren Kommunismus und der breiteren Linken fordert uns der Appellismus dazu auf, uns unter irgendeiner (imagin&#228;ren oder anderen) Fahne zu vereinen, unter ihr werden individuelle Meinungsverschiedenheiten oder interner Konflikt als spalterisch oder konterproduktiv hinsichtlich des vage ausgesprochenen gemeinsamen Zieles betrachtet. Im appellistischen Diskurs zeigt sich das weitgehend rund um die Idee der &#8222;Zusammensetzung&#8220; und das vage geteilte Ziel einer internationalen &#8222;Imagin&#228;ren Partei&#8220;. Das bedeutet, dass ihre Politik auf einer neu verpackten Version der Einreihung von oben nach unten basiert, in welcher Unterscheidungen zwischen links und rechts innerhalb des Proletariats weniger wichtig als unser gemeinsamer Kampf gegen die &#8222;Elite&#8220; ist. Zusammensetzung ist ihre Theorie dar&#252;ber, wie diese verschiedenen Interessen, von den guten B&#252;rgern bis zu jenen, welche sie als &#8222;schwarze Proletarier&#8220; betrachten, sich als &#8222;historische Kraft&#8220; vereinen k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Durch Zusammensetzung wird versucht, verschiedene Sektoren eines Kampfes oder einer Bewegung in die gleiche Richtung zu lenken (in Richtung der appellistischen Vision eines Sieges), indem Konsens &#252;ber die Zwecke und Mittel hergestellt (und erzwungen) wird und widerspr&#252;chliche oder abweichende Stimmen zum Schweigen gebracht werden. Zusammensetzung, die oft als Rahmen f&#252;r die Zusammenbringung verschiedener, f&#252;r ein gemeinsames Ziel k&#228;mpfender Ans&#228;tze pr&#228;sentiert wird, soll dazu dienen, ganz verschiedene Elemente in einer gemeinsamen Strategie zu vereinen, wobei grundlegende Meinungsverschiedenheiten, die &#8222;so zentral&#8220; sind, &#8222;wie zum Beispiel das Verh&#228;ltnis zu Legalit&#228;t und Institutionen (Parteien, Gewerkschaften, Medien usw.), dem Einsatz von Gewalt und der Offenheit gegen&#252;ber Verhandlungen&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Decisions, Compositions, Negotiations&#8220;, 2023.&#034; id=&#034;nh5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, verschleiert werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Text &#8222;The Strategy of Composition&#8220;, der von &lt;i&gt;Ill Will&lt;/i&gt; Anfang 2023 ver&#246;ffentlicht worden ist, kreiert ein falsches Dilemma, indem er Autonomie und Dezentralisierung als in einem &#8222;Non-Verh&#228;ltnis (tolerante Trennung)&#8220; resultierend pr&#228;sentiert, w&#228;hrend Zusammensetzung, &#8222;falls wir wieder einen Sieg am Horizont sehen wollen [&#8230;] unvermeidbar bedeutet, Kompromisse zu akzeptieren&#8220;. Zusammensetzung legt den Grundstein f&#252;r die altbekannte vollst&#228;ndige autorit&#228;re Macht. Wenn die Autonomie einer Gruppe den Kompromissen der dominanten Gruppe im Weg steht, m&#252;ssen die widerspenstigen Akteure auf Linie gebracht werden, sonst droht der &#8222;Zerfall&#8220; der Bewegung. Dieser Rahmen dient als Methode, um unkontrollierbare Situationen zu befrieden, indem die klassische &#8222;Einheitsfront&#8220; vorgeschoben wird, um Konflikte und Widerspr&#252;che zum Verschwinden zu bringen, ohne dass es daf&#252;r notwendig ist, die altmodischen &#8222;Massen&#8220; heraufzubeschw&#246;ren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist zweckdienlich, die Imagin&#228;re Partei, das also, was sie durch Zusammensetzung zu bilden suchen, von den eingeweihten Appellisten zu unterscheiden, letztere arbeiten jene Strategien aus, welche sie breiteren Bewegungen aufzwingen wollen. Zusammensetzung betont die entfernte Vogelperspektive des Experten (der Zusammensetzer, wenn man so will), der beaufsichtigt, wo jeder hineinpasst, und somit gut platziert ist, um jenen Gruppen und Individuen, welche eigentlich aus ihren eigenen Gr&#252;nden und auf ihre eigene Art und Weise k&#228;mpfen, ihre Strategie aufzuzwingen. Im Gegensatz dazu beinhaltet ein anarchistischer Ansatz nicht tolerante Trennung, sondern eher Koordination und frei Assoziation zwischen selbstorganisierten autonomen Netzwerken, die unter Umst&#228;nden verschiedene Strategien und Taktiken haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Appellistische Autoren konstruieren ihre Argumente h&#228;ufig rund um ein &#8222;Wir&#8220;, das sich nicht nur auf sie selbst bezieht, sondern auch voraussetzt, f&#252;r die Gef&#252;hle und Erfahrungen eines breiteren &#8222;Wir&#8220;, zu dem auch der Leser geh&#246;rt, zu sprechen. Sie sagen uns, wie &#8222;wir&#8220; uns f&#252;hlen und der Leser wird mitgerissen in die Schlussfolgerungen des Autors und er f&#252;hlt sich dabei, als w&#228;re er selbst darauf gekommen. Wenn der Leser einen gewissen Widerstand dagegen versp&#252;rt oder z&#246;gert, wird er dazu gezwungen, komplett auszusteigen und eine Position ausserhalb dieser romantischen Kollektivit&#228;t einzunehmen, ausserhalb dieser &#8222;historischen Kraft&#8220;, was nicht unbedingt einfach ist. So wirst du, der Leser, faktisch in ihre Partei (oder Kraft, Kommune usw.) hineingezogen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Theorie der &#8222;Undurchsichtigkeit&#8220;, die festh&#228;lt, dass ihre Partei und ihre Netzwerke f&#252;r die Aussenwelt unsichtbar sein sollen, wird benutzt, um den Widerwillen der Appellisten, die Existenz des Appellismus ausserhalb ihrer Kreise einzur&#228;umen, zu rechtfertigen. Es handelt sich um eine Entstellung der anarchistischen Konzeptionen der Informalit&#228;t und der Sicherheitskultur, um es schwierig zu machen, hierarchische Strukturen und autorit&#228;re Ambitionen zu identifizieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Perspektiven zu Rasse und gesellschaftlicher Stellung: Auskopplung und L&#246;schung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Titel &lt;i&gt;Der kommende Aufstand&lt;/i&gt; ist eine Hommage an &lt;i&gt;Die kommende Gemeinschaft&lt;/i&gt; (1990), ein einflussreiches Werk des italienischen Philosophen Giorgio Agamben, der mit den Herausgebern von &lt;i&gt;Tiqqun&lt;/i&gt; verbunden war. In diesem Buch behauptet Agamben, dass die gr&#246;sste Bedrohung f&#252;r den Staat eine Gemeinschaft sei, die von Individuen, die mit den uns auferlegten partikularen Identit&#228;ten gebrochen haben, gebildet worden ist, eine Gemeinschaft, die schlichtweg das Zusammensein ohne &#8222;Pr&#228;dikate&#8220; oder Zugeh&#246;rigkeitsbedingungen geniesst&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;[W]as der Staat keinesfalls dulden kann [ist], dass Singularit&#228;ten eine (...)&#034; id=&#034;nh6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Agamben und &lt;i&gt;Tiqqun&lt;/i&gt; behaupten (richtigerweise), dass uns Identit&#228;ten wie Rasse, Gender und Nationalit&#228;t zum Zwecke der sozialen Kontrolle auferlegt werden. Es ist wichtig, die Auferzwingung der Identifikation mit gesellschaftlich konstruierten Identit&#228;ten durch den Staat zu bek&#228;mpfen, obwohl sie wesentliche Teile unserer individuellen Pers&#246;nlichkeiten sind. Die Autoren gehen in eine falsche Richtung, als das sie dazu bringt, &#8222;auf jede Identit&#228;t [zu verzichten]&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 80.&#034; id=&#034;nh7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Zwar streben wir auch danach, alle gesellschaftlich konstruierten Identit&#228;ten zu beenden, doch dies ist nicht m&#246;glich, wenn jene institutionellen M&#228;chte, welche sie erschaffen haben und aufrechterhalten, immer noch intakt sind. Die Weigerung, zu ber&#252;cksichtigen, wie unsere jeweiligen gesellschaftlichen Stellungen uns unter Umst&#228;nden, unbeabsichtigt oder nicht, dazu bringen, Aspekte struktureller Herrschaft, die wir vermeintlich bek&#228;mpfen, zu reproduzieren, hilft uns nicht dabei, sie zu &#252;berwinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Haltungen von Appellisten gegen&#252;ber Identit&#228;ten wie Rasse und Gender sind sehr verschieden. Viele Appellisten und ihnen nahestehende Theoretiker &#252;bergehen Rasse &#252;berhaupt nicht und sind in der Tat sehr lautstark bez&#252;glich ihrer Wichtigkeit &#8211; aber auf eine Art und Weise, die rassialisierte Bev&#246;lkerungen, &#252;ber die sie diskutieren, f&#252;r ihre eigenen Zwecke benutzt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe zum Beispiel Shemon Salams Werk, diskutiert in Fussnote 11.&#034; id=&#034;nh8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es gibt auch den Fall von Inhabit, sie vermeiden es Rasse und Gender zu ber&#252;cksichtigen, aber pochen auf Klasse als Bezugsrahmen, wie wir es weiter unten in dieser Sektion diskutieren werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Ill Will Editions&lt;/i&gt;, ein Blog aus den USA mit mehreren Konten auf den sozialen Medien, ver&#246;ffentlicht Essays von einer breiten Auswahl an Autoren, die diese verschiedenen und manchmal widerspr&#252;chlichen Standpunkte zu Rasse und gesellschaftlicher Stellung aufzeigen. Eine Gemeinsamkeit, die man jedoch in vielen dieser Essays und ihrer Posts in den sozialen Medien beobachten kann, ist die Tendenz, K&#228;mpfe anderer Leute zu romantisieren und ihren politischen Bezugsrahmen auf sie zu projizieren. H&#228;ufig nimmt man auch das Verlangen nach einer &#220;berwindung von Rasse entlang der Linien von Agambens (weiter oben beschriebenem) Ansatz wahr, trotz der Realit&#228;t ihrer kontinuierlichen Existenz als zentrale formgebende Kraft in den USA.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Romantisierung und Projektion ist offensichtlich in den Kommentaren zu Aktivit&#228;ten von Subkulturen, wovon der Autor klar nicht Teil ist (zum Beispiel den Essay, den &lt;i&gt;Ill Will&lt;/i&gt; zu Auto-Rowdies ver&#246;ffentlichte). Sie behandelt die Beteiligten oft wie heroische Erneuerer, welche die neuesten Taktiken f&#252;r den kommenden Aufstand entwickeln. Diese Kommentare sind anmassend und f&#252;hlen sich stark wie anthropologische Studien an. W&#228;hrend die Appellisten eine Identit&#228;t (jene des Partisanen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Partisan: Angeh&#246;riger oder Sympathisant einer Partei oder Fraktion.&#034; id=&#034;nh9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) auf anonyme Gesetzesbrecher projizieren, k&#246;nnen Anarchisten von anderen Rebellen lernen, ohne es n&#246;tig zu haben, sie zu etikettieren oder ihre Aktionen innerhalb unserer eigenen Strategie lesbar zu machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Verlangen nach Herabsetzung der Wichtigkeit von Unterschieden bez&#252;glich Rasse in den verschiedenen K&#228;mpfen kann in der Tendenz vieler appellistischen Autoren zur Unterordnung von Rasse unter Klasse in einem Argument f&#252;r Einheit erkannt werden. Es ist offensichtlich im Essay von Inhabit &#8222;Kenosha, I Do Mind Dying&#8220;, ver&#246;ffentlicht auf &lt;i&gt;Ill Will&lt;/i&gt; 2021. Der Autor versucht w&#228;hrend des gesamten Textes, die Krawalle 2020 f&#252;r schwarze Leben auf den Klassenkampf zur&#252;ckzuf&#252;hren, er ordnet die Bedeutung von Rasse jener von Klasse immer wieder unter, doch den Kern davon erreichen wir mit der Diskussion &#252;ber Kyle Rittenhouse und dem Begriff von &#8222;Brudermord&#8220; des Autors.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;In uns allen schlummert eine erschreckende Wut, eine F&#228;higkeit zur Gewalt, die sowohl durch &#8218;legitime&#8216; Kan&#228;le wie Bullen und Milit&#228;r als auch durch illegale wie Gangs und Milizen zum Ausdruck kommt. Es ist kein Zufall, dass die andere Seite dieser F&#228;higkeit zur Gewalt das br&#252;derliche Prinzip ist, auf ihm basieren all diese Organisationen. Der Wunsch nach Zugeh&#246;rigkeit und Gemeinschaft ist im Kern der wahre Treiber dieser Gewalt: Leute sind bereit, zu t&#246;ten, um sich zugeh&#246;rig zu f&#252;hlen [&#8230;] Kyle Rittenhouse repr&#228;sentiert den Ausdruck dieser suburbanen Verzweiflung durch die widerw&#228;rtige Fiktion des Kulturkampfes.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#220;berh&#246;hung kultureller Unterschiede als politisch &#8211; oder gar ethnisch &#8211; ist vorteilhaft f&#252;r die Eliten, denn, sollte Amerika mit dem durch sie ausgel&#246;sten Verderben zurechtkommen, k&#246;nnten diese Hunderte von Millionen Schusswaffen wom&#246;glich neue Ziele finden. Sie w&#252;rden es bevorzugen, dass wir einen Brudermord begehen, denn ein B&#252;rgerkrieg zwischen links und rechts ist viel einfacher zu verwalten als die M&#246;glichkeit, dass wir unter Umst&#228;nden ihre Zivilisation im Endstadium verlassen k&#246;nnten und unsere Arbeit gleich mitnehmen w&#252;rden.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hier &#252;bersieht der Autor einige zentrale strukturelle Dynamiken, scheinbar um zugunsten einer Art Einheit mit Leuten auf der Rechten mit einer &#228;hnlichen Klassenposition zu argumentieren. Im ersten Absatz diskutiert der Autor die Exekutionen von Schwarzen durch die Polizei sowie den Mord an Black-Lives-Matter-Demonstranten durch Rittenhouse so, als ob sie das Gleiche w&#228;ren wie die Gewalt von Gangs unter den &#228;rmsten und rassistisch am meisten unterdr&#252;ckten Bev&#246;lkerungen im Land. All diese Beispiele von Gewalt, so deutet es der Autor an, seien schlichtweg durch einen Wunsch nach &#8222;Zugeh&#246;rigkeit und Gemeinschaft&#8220; motiviert. Das bedingt, dass er die komplett verschiedenen Umst&#228;nde diesbez&#252;glich &#252;bersieht, zum Beispiel, dass die Polizei (und die Polizeigewalt) zum Schutze der staatlichen Kontrolle &#252;ber seine Bev&#246;lkerung existieren und, genau wie Rittenhouses Morde, zur Aufrechterhaltung eines Regimes sowohl rassistischer als auch wirtschaftlicher Unterordnung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Am Ende des Tages, so wird angedeutet, seien wir alle Br&#252;der und unser B&#252;rgerkrieg zwischen links und rechts ist etwas, dass wir &#252;berwinden sollten, damit wir gemeinsam den Kapitalismus zu Fall bringen k&#246;nnen. Dieser Essay artikuliert eine Vision einer Einheit zwischen links und rechts, die in appellistischen Medien h&#228;ufig wiederkehrt; jemand aus dem Umfeld der Vitalist International stellte zum Beispiel beil&#228;ufig eine Gadsden-Flagge in einem sehr kuriosen Solidarit&#228;tsvideo zur Schau, das an jene gerichtet war, welche in Hongkong k&#228;mpften. Die VI tweetete auch Folgendes &#252;ber einen von Patriot Prayer am Kapitol von Oregon State in den Wochen vor dem 6. Januar 2021: &#8222;Da Demonstranten sich Scharm&#252;tzel mit der Polizei liefern, um am Kapitol eine autonome Zone zu errichten, k&#246;nnte die Polarisierung von links und rechts hin zu oben und unten umschwenken [&#8230;] K&#246;nnen &#8218;Patrioten&#8216; die Identit&#228;tspolitik hinter sich lassen und gemeinsame Sache mit anderen ausgebeuteten Leuten machen?&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist interessant, hier den Gebrauch des Begriffes &#8222;Identit&#228;tspolitik&#8220; zu unterstreichen. Es k&#246;nnte auch ein Zitat vom Anf&#252;hrer von Patriot Prayer Joey Gibson sein, der 2018, als er danach gefragt wurde, sein Verh&#228;ltnis zu weissen Nationalisten zu erkl&#228;ren, sagte: &#8222;Ich w&#252;rde das Gleiche zu ihnen sagen wie zu jeglicher schwarzen oder mexikanischen nationalistischen Gruppe, wir m&#252;ssen die politische Identit&#228;t hinter uns lassen und uns auf den Kern konzentrieren.&#8220; Argumentiert die VI wie Gibson, dass weisser Nationalismus nur eine weitere Spielart von Identit&#228;tspolitik ist? Gewisses linkes Engagement mit Fragen der Identit&#228;t muss aus anarchistischer Sicht nat&#252;rlich heftig kritisiert werden, aber wenn man keinen Unterschied zwischen weissem Nationalismus und linker Identit&#228;tspolitik erkennen kann, hat man definitiv einige wichtige Details zur Funktionsweise von Rasse und Macht in Amerika &#252;bersehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vielleicht ist die VI tats&#228;chlich verwirrt aufgrund von Gibsons Behauptungen, Patriot Prayer sei bloss eine Gruppe, die sich f&#252;r &#8222;Liebe und Frieden&#8220;, &#8222;Freiheit&#8220; und Jesus einsetze, doch die Verbindungen zwischen Patriot Prayer und expliziter faschistischen Gruppen ist alles andere als ein Geheimnis. Lange vor der Kundgebung 2020 vor dem Kapitol von Oregon State haben Antifaschisten ausf&#252;hrlich dokumentiert, wie Patriot Prayer Anh&#228;nger der weissen Vorherrschaft und Neonazis in ihren R&#228;ngen willkommen heisst. Hinzu kommt, dass das appellistische Bed&#252;rfnis, jedem gesellschaftlichen Konflikt ihre eigenen Ideen aufzudr&#252;cken (z.B. die Beschreibung des Krawalls am Kapitol von Oregon State als &#8222;eine autonome Zone am Kapitol&#8220;) zu einigen st&#246;renden Auslassungen hinsichtlich der tats&#228;chlichen Dynamiken vor Ort f&#252;hrt. Weit davon entfernt, antistaatliche Rebellen zu sein, sind Gibson und seine Gruppe Patriot Prayer eher regelm&#228;ssige Kollaborateure lokaler Polizeibeh&#246;rden. Sie sind bekannt daf&#252;r, Informationen &#252;ber Antifaschisten der Polizei von Portland zukommen zu lassen und Antifaschisten physisch den Bullen der Aufstandsbek&#228;mpfung w&#228;hrend Kundgebungen von Patriot Prayer zu &#252;bergeben. Dass &#8222;Patrioten&#8220; und die Polizei auch wiederholt aneinandergeraten sind, &#228;ndert nichts an der Tatsache, dass das Projekt ersterer schlichtweg die Verteidigung einer anderen (faschistischeren) Vision des Staates ist, und nicht eine Infragestellung der Staatsgewalt. W&#228;hrend der blutigen Geschichte des 20. Jahrhunderts k&#228;mpften die Faschisten auf der Strasse h&#228;ufig gegen die Polizei. Das hat aus ihnen nie unsere Freunde gemacht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Anderswo bezogen sich Appellisten auf Gef&#252;hle, die, falls nichts rechtsaussen, so zumindest Markenzeichen des amerikanischen Patriotismus sind. In Ill Wills &#8222;The Next Eclipse&#8220; steht, dass &#8222;Amerika &#8211; obwohl voller M&#228;ngel und unvollst&#228;ndig verwirklicht &#8211; untrennbar von einer inspirierenden Vision menschlichen Fortschritts war&#8220;. Mitglieder des Kollektivs Woodbine hielten es 2012 f&#252;r angebracht, amerikanische Flaggen an einen Protest nach dem Mord an Trayvon Martin mitzubringen. Woodbine flirtete auch mit dem Dritten Weg in ihrem Text &#8222;Nomos of the Earth&#8220; (2014), wo sie die Theorien des Nazijuristen Carl Schmitt als zentralen Bezugspunkt ohne jegliche kritische Distanz benutzten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend der Kapitalismus freilich von rassistischen und kulturellen Spaltungen innerhalb wirtschaftlich unterdr&#252;ckter Klassen profitiert, ist die Idee, dass Rassismus &lt;i&gt;nur&lt;/i&gt; als Werkzeug des Kapitalismus existiert, heutzutage weitgehend &#252;berholt und anst&#246;ssig. Kommen wir zur&#252;ck auf &#8222;Kenosha, I Do Mind Dying&#8220;, der Autor dieses Texts vermeidet es von Klasse im traditionell kommunistischen Sinne zu sprechen, stattdessen benutzt er den Begriff &#8222;die Eliten&#8220;, womit letztendlich eine alte Idee wieder aufgew&#228;rmt wird. Die Weigerung jener von uns, welche gegen alle Unterdr&#252;ckung und f&#252;r totale Befreiung k&#228;mpfen, Leute wie Rittenhouse als &#8222;Br&#252;der&#8220; zu betrachten, ist nicht nur ein historischer Fehler, der die potenzielle Vereinigung der Arbeiterklasse vereitelt hat. Wir sollten aus Prinzip nicht mit Rassisten sympathisieren, doch sogar, wenn wir strategisch denken, waren rassistische B&#252;rgerwehren stets ein fester Bestandteil der Aufrechterhaltung dieses Landes, das wir zu zerst&#246;ren versuchen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Appellismus hat einige sehr starke populistische Untert&#246;ne; wie wir gesehen haben, ist seine Obsession, zu &#8222;normalen&#8220; Leuten zu sprechen, gleichbedeutend mit der &#220;bernahme der Sprache des Liberalismus, des Patriotismus oder der reaktion&#228;ren Rechten. Gleichzeitig k&#246;nnen fast alle und alles Teil der Imagin&#228;ren Partei sein. Dies f&#252;hrt zu einer unkritischen Unterst&#252;tzung f&#252;r eine Reihe von populistischen Bewegungen, w&#228;hrend ihre reaktion&#228;ren Elemente sch&#246;ngeredet werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man betrachte zum Beispiel einen anderen Text von Woodbine &#252;ber die Maidan-Bewegung in der Ukraine 2014:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;In seiner sonderlichen tarngrau und eisblau gef&#228;rbten Tonalit&#228;t ist der Maidan bloss die j&#252;ngste Ausf&#252;hrung dessen, was wir in den letzten Jahre gesehen und wovon wir Teil waren, es manifestiert sich in verschiedenen Sprachen, an verschiedenen Orten [&#8230;] In Anbetracht dieser unglaublich Sequenz von Aufst&#228;nden verfehlt die Frage &#8218;Wer sind die Aufst&#228;ndischen? Sind es die Arbeiter, nein, es ist die Mittelklasse, die Armen, halt, wo sind die Armen? Die Weissen, die Schwarzen, nein, halt, wo sind die schwarzen Leute?&#8216; das Thema g&#228;nzlich, sie behandelt eine Situation als ein Objekt, das beurteilt werden muss, lebendige Wesen als eine Masse von Subjekten [&#8230;]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was sich heute weltweit entfaltet &#8211; was man in den Augen des jungen Mannes sieht, der gerade vom Maidan zur&#252;ckgekommen ist, im Grinsen mitten im Tr&#228;nengas, das den Taksim-Platz Nacht f&#252;r Nacht gef&#252;llt hat, in den Fussballvereinen, die Kairo verteidigen, in dir oder mir im Zucotti Park um vier Uhr morgens, im Jugendlichen, den wir dort, da er es auf Reddit gesehen hat und einfach gehen musste, auf dem Weg zur Verteidigung des Parks getroffen haben, in diesen Frauen, die dem Begriff Cocktailparty eine g&#228;nzlich neue Bedeutung geben &#8211; das ist absolut einzigartig. Somit historisch. Somit allt&#228;glich.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Woodbine, &#8222;The Anthropocene&#8220; in Short Circuit. A Counterlogistics Reader, 2015.&#034; id=&#034;nh10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sowohl der Maidan als auch Occupy waren komplizierte und h&#228;ufig widerspr&#252;chliche Momente gesellschaftlicher Aufruhr. Jede Bewegung erhielt mehr oder weniger sowohl emanzipatorische als auch reaktion&#228;re Interventionen und Einfl&#252;sse. Wir k&#246;nnen begeistert sein vom heftigen Widerstand der Demonstranten auf dem Maidan gegen massive staatliche Gewalt oder von den neuen M&#246;glichkeiten f&#252;r die Selbstorganisation und den Angriff, die in einigen Gefilden der amerikanischen Occupy-Bewegung ausgearbeitet worden sind, doch es w&#228;re verantwortungslos, nicht auch die in beiden Bewegungen pr&#228;senten reaktion&#228;ren Elemente zu untersuchen. Die Beteiligung der Neonazis an der Maidan-Bewegung oder die tendenziell nebul&#246;se Rhetorik Occupys gegen die Eliten, um &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/right-hand-occupy-wall-street-libertarians-nazis-fact-and-fiction-right-wing-involvement&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Elemente der Reaktion und der &#228;usseren Rechten&lt;/a&gt; anzuziehen, sollten nicht nur st&#246;rend sein, sondern uns auch dazu motivieren, anarchistische Visionen der Freiheit, die solchen Feinden keinen Platz lassen, zu artikulieren und gem&#228;ss ihnen zu handeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Leider scheinen die Appellisten selten an dieser Art der kritischen Beteiligung an gesellschaftlichen K&#228;mpfen interessiert zu sein. F&#252;r sie &#8222;verfehlt&#8220; so etwas &#8222;das Thema g&#228;nzlich&#8220;. Der gleiche populistische Impuls, alles und alle unter ihre Commons, ihrer wie auch immer gearteten Singularit&#228;t oder ihrer Partei zu subsumieren, f&#252;hrt nicht nur zu einer Ausl&#246;schung der gesellschaftlichen Stellung, sondern auch einer Gleichg&#252;ltigkeit gegen&#252;ber bedeutenden politischen Unterschieden. Jene von uns, welche den rassischen Kapitalismus und die Klassengesellschaft vollst&#228;ndig zerst&#246;ren wollen, und die Faschisten, welche uns lieber tot sehen m&#246;chten, haben nichts gemeinsam.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein weiteres Beispiel der unbefriedigenden Art und Weise, wie sich Appellisten und viele ihrer kommunistischen Gef&#228;hrten auf die gesellschaftliche Stellung in den USA beziehen, ist der Begriff der &#8222;Partei von George Floyd &#8211; die Zusammensetzung, die sich im Aufstand 2020 manifestierte&#8220;, der die Organisation Spirit of May 28 j&#252;ngst popul&#228;r zu machen versuchte. Die Organisation, die sich in der Zwischenzeit aufgel&#246;st hat, benutzte den Namen eines schwarzen Mannes, der von der Polizei ermordet worden ist, als Markenzeichen ihrer Partei und etikettierte den darauf folgenden Aufstand als ein Beispiel ihres eigenen pr&#228;existierenden Bezugsrahmens, statt zu versuchen, die Bewegung f&#252;r schwarze Leben und gegen die Polizei in ihren eigenen Begriffen zu verstehen. Die Schriften der Organisation suggerieren, dass ihre Mitglieder von armen und schwarzen Bev&#246;lkerungen erwarten, in den USA eine neue &#8222;revolution&#228;re &#214;ffnung&#8220; anzubieten, eine Erwartung, die daf&#252;r bestimmt ist, noch mehr rassistisch aufgeladenes Ressentiment und Entt&#228;uschung zu verursachen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Mitbegr&#252;nder Shemon Salam ver&#246;ffentlichte j&#252;ngst einen &#246;ffentlichen (...)&#034; id=&#034;nh11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Praxis: Zwischen Vereinnahmung und Autoritarismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Appellisten sind h&#228;ufig in die gleichen K&#228;mpfe oder Szenen involviert wie Anarchisten, aber ihre Praktiken sind inkompatibel mit dem Anarchismus. Es ist nicht unser Ziel, alle, die unter Umst&#228;nden von ihren Ideen beeinflusst sein k&#246;nnten, als Appellisten zu etikettieren, sondern eher jene zu kritisieren, welche wie verdeckte Politiker agieren und gem&#228;ss der uralten Logik operieren, wonach der Zweck die Mittel heiligt. Wir beziehen uns hier auf jene, welche einem das erz&#228;hlen, was sie glauben, dass man es h&#246;ren will, dann weitergehen oder sehr vage werden, wenn die Diskussion beginnt, zu stark anarchistische Ideen zu ber&#252;hren, womit ihre Entfernung von anarchistischen Prinzipien f&#252;r viele Leute zuerst nicht leicht bemerkbar ist. Basierend auf unserer Erfahrung betrachten die Appellisten Anarchisten in den meisten F&#228;llen ver&#228;chtlich als naiv und schauen auf sie herab&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wie es ein Interviewter von SM28 formulierte: &#8222;Ich denke, der Anarchismus (...)&#034; id=&#034;nh12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, sie bezeichnen die Zusammenarbeit mit ihnen als eine ihrer vielen &#8222;unheiligen Allianzen&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Anarchismus ist f&#252;r den appellistischen Mythos zentral. Der Appellismus pr&#228;sentiert sich selbst als die logische Entwicklung des Anarchismus, den sie als jugendliches Sprungbrett f&#252;r ihre reiferen strategischen Schlussfolgerungen betrachten. Die Geschichte geht etwa so: Wir versuchten den Anarchismus, bis es klar wurde, dass er nicht &#8222;funktioniert&#8220;, d.h. uns nicht zu jener Art von Sieg f&#252;hrt, welche sich die Appellisten zu eigen gemacht haben. Dieses Narrativ zieht Leute an, h&#228;ufig mit akademischem und aktivistischem Hintergrund, die bereit sind, Kompromisse einzugehen, um Resultate zu erzielen. Im Text &#8222;How to Start a Fire&#8220; erkl&#228;ren die Autoren, dass sie, nach vier Jahren gemeinsamem &#8222;Machtaufbau&#8220;, erkannt haben, dass &#8222;die uns angebotenen politischen Identit&#228;ten &#8211; Anarchist, Umweltaktivist, Marxist, Sozialist &#8211; f&#252;r einen &#252;berholten historischen Moment konstruiert worden sind. W&#228;hrend Jahrzehnten haben sie sich nicht die Mittel gegeben, um tats&#228;chlich zu k&#228;mpfen. Wir lassen jenen Tross, welcher uns geschw&#228;cht hat und eine B&#252;rde war, hinter uns, aber halten an dem fest, was uns Kraft gegeben hat.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Appellisten reduzieren den Anarchismus, manchmal explizit und manchmal eher subtil, auf eine blosse zus&#228;tzliche beschwerliche &#8222;Identit&#228;t&#8220;, die nur zu &#8222;Ohnmacht&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ein Zitat von &#8222;&#8218;Gegen&#8216; den Anarchismus: Ein Beitrag zur Debatte &#252;ber (...)&#034; id=&#034;nh13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und &#8222;Purismus&#8220; f&#252;hren kann, ein Hindernis f&#252;r eine wirksame Strategie. Diese theoretische Gymnastik ist notwendig, um die f&#252;r anarchistische Perspektiven grundlegende Ethik hinter sich zu lassen. Ohne den &#8222;Tross&#8220; einer &#8222;Identit&#228;t&#8220; sind sie frei, mit den Massenmedien zu sprechen, als Protestordner (Atlanta) zu agieren, die Spitze der Gentrifizierung von Ridgewood (NY) mit einem Yuppie-Kaffelokal zu bilden, konfrontative K&#228;mpfe in Verhandlungen mit dem Staat zu kanalisieren, sich hierarchisch zu organisieren oder f&#252;r den Stadtrat zu kandidieren wie der Autor von Ill Will Nicholas Smaligo&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Bloss einige abscheuliche Dinge, welche die Autoren bei Appellisten in (...)&#034; id=&#034;nh14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Man weiss auch von Anarchisten, die einige solche Dinge getan haben, deshalb geht es in diesem Text nicht nur um Appellismus, sondern auch um die Entwicklung ehrlicherer und koh&#228;renterer Praktiken als Anarchisten. Es gibt einen grossen Unterschied zwischen dem vehementen Festhalten an der M&#246;glichkeit der Autonomie und dem Schwenken des Anarchismus als eine &#8222;identit&#228;re Fahne im Markt der revolution&#228;ren Prozesse&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;&#8218;Gegen&#8216; den Anarchismus: Ein Beitrag zur Debatte &#252;ber Identit&#228;ten&#8220;.&#034; id=&#034;nh15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Wirklichkeit sind die einzigen wertvollen Erkenntnisse, die in den appellistischen Schriften zerstreut sind, wie das Blut der Vampire von der anarchistischen Tradition ausgesaugt: informelle Organisation, Autonomie, Betonung auf der Logistik und den Infrastrukturen der Herrschaft usw. Im ersten Teil diskutierten wir dar&#252;ber, wie der appellistische Fokus auf dem Aufbau von Infrastruktur, etwas, das auf den ersten Blick scheinbar unseren Zielen &#228;hnelt, in Tat und Wahrheit dazu tendiert, bestehende, f&#252;r das kontinuierliche Funktionieren des Staates grundlegende rassistische und koloniale Beziehungen zu Land und Orten zu st&#228;rken. Dar&#252;ber hinaus tendiert der appellistische Ansatz dazu, sich vom Horizontalismus anarchistischer Praktiken wie gegenseitiger Hilfe zu entfernen. W&#228;hrend Projekte gegenseitiger Hilfe zum Ziel haben, Ressourcen als Teil des Aufbaus vertrauensvoller Beziehungen im Verlauf eines gemeinsamen Kampfes zu teilen, tendieren Appellisten dazu, materielle Ressourcen und den Zugang zu ihnen in den H&#228;nden eines Individuums oder einer Gruppe zu konzentrieren. Damit verschaffen sie sich eine Position als T&#252;rh&#252;ter materieller Ressourcen, um ihre eigene dominante Stellung in Schl&#252;sselmomenten gesellschaftlicher K&#228;mpfe zu garantieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Appellisten streben auch nach Macht und Kontrolle durch die Identifikation von Anf&#252;hrern und jenen in Machtpositionen in liberalen Nichtregierungs- und legalistischen Organisationen und der unsichtbaren Organisation mit ihnen, d.h. unter Anf&#252;hrern (eine Methode, die durch die Theorie der Zusammensetzung gerechtfertigt wird). Indem sie diese Verbindungen auf R&#228;ume beschr&#228;nken, wo sie die gesellschaftliche, politische und Entscheidungsmacht innehaben, benutzen Appellisten diese R&#228;ume scheinbar horizontaler Begegnung, um ihr Programm zu best&#228;tigen und ihre Macht zu vergr&#246;ssern, w&#228;hrend sie jegliche R&#228;ume der Entscheidungsfindung delegitimieren, wo sie nicht die Macht haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieses Streben nach Macht bedeutet auch, dass viele ihrer Praktiken von optischer Symbolik angetrieben werden, einem Bed&#252;rfnis, den Kampf den Medien und &#8222;der &#214;ffentlichkeit&#8220; als legitim und/oder spektakul&#228;r zu pr&#228;sentieren. Das ist teilweise der Tatsache geschuldet, dass die Strategie der Zusammensetzung die Rekrutierung einer grossen Anzahl Leute impliziert, doch es suggeriert uns auch, dass ihr Verlangen nach Macht dazu f&#252;hrt, dass sie bez&#252;glich gewisser Prinzipien &#252;berm&#228;ssig kompromissbereit sind. Dieses Interesse an optischer Symbolik und &#246;ffentlicher Legitimit&#228;t f&#252;hrt h&#228;ufig dazu, dass sie sich weit vom Projekt des Aufbaus von Autonomie gegen&#252;ber den gesellschaftlichen Herrschaftsinstrumenten (wozu die Medien und die Spektakularisierung von K&#228;mpfen geh&#246;ren) entfernen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Frankreich spitzte sich diese Inkompatibilit&#228;t zwischen dem anarchistischen Streben nach Autonomie und dem appellistischen Verlangen nach Macht und Legitimit&#228;t w&#228;hrend einem kritischen Moment im Kampf um die Verteidigung des als ZAD (&#8222;zu verteidigende Zone&#8220;) von Notre-Dame-des-Landes bekannten Territoriums zu. In diesem Fall agierten die Appellisten hinter dem R&#252;cken anderer Verteidiger der ZAD, dr&#228;ngten auf einem Deal mit dem Staat, um legal Land zu erwerben, und machten die Arbeit der Bullen an seiner Stelle, indem sie die Verteidigungseinrichtungen der Zone selbst als eine Geste des Vertrauens abbauten, um den Weg f&#252;r Verhandlungen zu &#246;ffnen (und gleichzeitig f&#252;r die Polizei die Strasse freizumachen, damit sie das Territorium &#252;berfallen konnte, was sie auch in den folgenden Tagen tat). Wie wird es in den USA aussehen, jetzt, wo die Appellisten, welche den Ausgang der ZAD als &#8222;Sieg&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Hugh Farrell, &#8222;The Strategy of Composition&#8220;, 2023. Wir wollen nicht zu den (...)&#034; id=&#034;nh16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; verk&#252;nden, bekanntermassen pr&#228;sent sind in einigen bedeutenden, breiten K&#228;mpfen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie wir in diesem Teil diskutiert haben, werden appellistische Ideen implementiert durch ein breites Spektrum an autorit&#228;ren Verhaltensweisen und verdeckt hierarchischen gesellschaftlichen Abmachungen, die sie vor Kritik sch&#252;tzen und die ideologische Grundlage verschleiern, auf welcher sie operieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Einige dieser Verhaltensweisen werden sehr gut in einem Interview mit dem (...)&#034; id=&#034;nh17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Idee der &#8222;Undurchsichtigkeit&#8220; wird typischerweise als eine Fetischisierung der Normativit&#228;t und Respektabilit&#228;t umgesetzt, das Resultat davon sind R&#228;ume, wo gesellschaftliche Normen wie Frauenfeindlichkeit und Missbrauch ungehindert fortbestehen k&#246;nnen. Diese Verhaltensweisen beschr&#228;nken sich nicht auf Appellisten, sondern sie werden von Manipulatoren und Managern aller Couleur reproduziert. Das spezifische Wesen des appellistischen Autoritarismus, der nach aussen subtil ist, aber explizit entwickelt wird, macht sie jedoch besonders erfolgreich im Einschmuggeln solcher Verhaltensweisen und Abmachungen in antiautorit&#228;re R&#228;ume.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der relative Mangel an (j&#252;ngerer) anarchistischer Analyse in den USA hat eine L&#252;cke ge&#246;ffnet, welche die Appellisten schnell gef&#252;llt haben. Wir denken, dass es wichtig f&#252;r uns ist, keine appellistischen Schriften neu zu ver&#246;ffentlichen oder zu verteilen (ausser mit der Absicht, sie kritisch zu analysieren) oder zu ihren Projekten beizutragen, damit ihnen keine zus&#228;tzliche Legitimit&#228;t gegeben wird oder sie nicht weiterhin in anarchistischen R&#228;umen rekrutieren k&#246;nnen. H&#228;ufig scheinen Leute, mit denen wir gesprochen haben und die appellistische Texte verteilen oder lesen, die Theorie zu sch&#228;tzen, ohne notwendigerweise die damit verbundenen Praktiken zu bef&#252;rworten. Wir m&#246;chten die Leute dazu ermutigen, die von Autoren aus Analysen gegenw&#228;rtiger Situationen gezogenen Schlussfolgerungen und die praktischen Implikationen derselben aufmerksam zu betrachten. Man braucht keine gl&#228;nzende Homepage, um Schriften zu ver&#246;ffentlichen, und Anarchisten sollten ihre eigene Infrastruktur f&#252;r Druck und Vertrieb aufbauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Stattdessen...&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Anarchistische Ideen k&#246;nnen nicht durch ein einfaches Programm in die Praxis umgesetzt werden, doch das ist Teil dessen, was wichtig ist bez&#252;glich Anarchie. Anarchie ist eher eine Reihe von Fragen, die wir durch unsere allt&#228;gliche Leben und unsere K&#228;mpfe gegen Autorit&#228;t und Unterdr&#252;ckung tragen &#8211; das wird h&#228;ufig &#8222;Projektualit&#228;t&#8220; genannt, im Gegensatz zu &#8222;Strategie&#8220;, denn Strategie ist ein Begriff, auf den man sich h&#228;ufig beruft, um die Notwendigkeit zu bezeichnen, die Mittel f&#252;r den Zweck zu opfern oder die Aktionen anderer Leute zu manipulieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Der wesentliche Unterschied zwischen einer Einfluss nehmenden, aufst&#228;ndischen Minderheit und einer Avantgarde- oder populistischen Gruppe ist, dass die erstere ihre Prinzipien und horizontalen Beziehungen zur Gesellschaft wertsch&#228;tzt und versucht, ihre Prinzipien und Modelle zu verbreiten, ohne sie als Besitzstand zu wahren. Eine Avantgarde hingegen versucht, diese zu kontrollieren &#8211; sei es durch Zwang, Charisma oder das Verbergen ihrer wahren Ziele. Eine populistische Gruppe bietet einfache L&#246;sungen und n&#228;hrt aus Angst vor Isolation die Vorurteile der Massen [&#8230;] Die Einfluss nehmende Minderheit wirkt durch Resonanz, nicht durch Kontrollen. Sie nimmt Risiken auf sich, um inspirierende Modelle und neue M&#246;glichkeiten zu schaffen und um bequeme L&#252;gen zu kritisieren. Sie genie&#223;t keine wesenhafte &#220;berlegenheit, und auf die Annahme einer solchen zur&#252;ckzufallen, w&#252;rde zu ihrer Isolation und Irrelevanz f&#252;hren. Wenn ihre Sch&#246;pfungen oder Kritiken niemand inspirieren, wird sie keinen Einfluss haben. Ihr Zweck ist nicht, Anh&#228;nger zu gewinnen, sondern soziale Gaben zu schaffen, die andere Menschen frei nutzen k&#246;nnen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Die Feuerrose ist zur&#252;ckgekehrt! Der Kampf um die Strassen von (...)&#034; id=&#034;nh18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine derartige Betrachtung unserer Projekte ist viel schwieriger, aber sie gibt uns die Werkzeuge, um kritisch zu denken und f&#252;r uns selbst zu handeln. Individuen und Kollektive, die sich auf diese Art und Weise selbst erm&#228;chtigen, sind zentral f&#252;r den letztendlichen Erfolg des anarchistischen Projekts, das von der F&#228;higkeit der Leute abh&#228;ngt, nuanciert und kritisch zu denken. Es erlaubt eine pr&#228;zisere Einsch&#228;tzung der Welt um uns herum und unserer Rolle darin, was viel wirksamer ist, als die Besch&#246;nigung gewisser Realit&#228;ten, um die Welt weniger verwirrend zu machen und einfachere Handlungsm&#246;glichkeiten zu finden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige Fragen, die wir uns selbst stellen k&#246;nnten, w&#228;hrend wir unsere Opposition gegen Autorit&#228;t in all ihren Formen im Ged&#228;chtnis behalten, sind folgende:&lt;/p&gt;
&lt;ul class=&#034;spip&#034;&gt;&lt;li&gt;Wie stellen wir uns die potenzielle Wirkung unserer Projekte vor? Inwiefern bewegt sich mein bestimmtes Projekt in Richtung Anarchie, Aufstand und kollektiver Befreiung?&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Wie k&#246;nnen wir Praktiken der F&#252;rsorge, Beziehungen und Kollektive entwickeln, die uns St&#228;rke in unseren Differenzen finden lassen, statt nach Gemeinsamkeit durch falsche Homogenit&#228;t zu streben?&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Welche Projekte und Beziehungen k&#246;nnen wir aufbauen, die rassialisierte und subkulturelle Spaltungen zwischen verschiedenen aufst&#228;ndischen Gruppen unterminieren, w&#228;hrend wir trotzdem rassistische und andere fortbestehende unterdr&#252;ckende Dynamiken ber&#252;cksichtigen?&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Wie sieht es aus, wenn man auf Momente jenseits des Aufstands ausgerichtet ist, wenn es nicht mehr um die Verteidigung der Barrikade, sondern um ihren Nachschub geht? Wie beeinflusst die Vorbereitung auf diese Phase unseren Ansatz in der Gegenwart?&lt;br class='autobr' /&gt;
Die Struktur als &#8222;Imagin&#228;re Partei&#8220; der Appellisten bedeutet, dass jenen unten, welche die Anf&#252;hrer in dem, was sie tun, unterst&#252;tzen, faktisch nicht die gesamte Strategie anvertraut wird. W&#228;hrend diese Anf&#252;hrer unter Umst&#228;nden Respekt einfl&#246;ssendes Charisma und einen Sinn f&#252;r Organisation ausstrahlen, werden viele in ihrem Milieu auch den gleichen Frustrationen begegnen, wie sie in traditionell linken Organisationsr&#228;umen pr&#228;sent sind: Hierarchie, Mangel an Handlungsf&#228;higkeit, befremdende Normalit&#228;t, sexuelle Gewalt und andere Formen der Unterdr&#252;ckung. Genau wie Anarchisten oft versuchen, in linke Rekrutierungsanstrengungen durch die Vermittlung von Kritik an die Basis und das Aufzeigen einer Alternative durch unsere eigenen Projekte zu intervenieren, k&#246;nnen wir das gleiche mit jenen tun, welche in die Imagin&#228;re Partei eingeweiht werden. W&#228;hrend wir dazu ermutigen, autorit&#228;re Praktiken und die Macker des appellistischen Milieus abzulehnen, lassen wir es die Leser entscheiden, wie sie mit dem Rest dieser Netzwerke umgehen wollen.&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Indem wir jene Prinzipien identifizieren, die f&#252;r eine anarchistische Ethik grundlegend sind und auf dieser Grundlage mit anderen zusammenarbeiten, k&#246;nnen wir unsere K&#228;mpfe f&#252;r jene mit autorit&#228;ren Ambitionen unwirtlich machen, seien es Appellisten, Tankies oder Liberale der DSA.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Literaturverzeichnis&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://mtlcounterinfo.org/another-word-for-settle-a-response-to-rattachements-and-inhabit/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;&lt;/a&gt;&lt;a href=&#034;https://mtlcounterinfo.org/another-word-for-settle-a-response-to-rattachements-and-inhabit/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Another Word for Settle: A Response to &#8218;Rattachements&#8216; and &#8218;Inhabit&#8216;&#8220;&lt;/a&gt;, 2021 (zur appellistischen Strategie als Ausl&#228;ufer des Siedlerkolonialismus).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Decisions, Compositions, Negotiations&#8220; in &lt;a href=&#034;https://ungratefulhyenas.noblogs.org/post/2023/02/21/decomposition-for-insurrection-without-vanguards/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Decomposition: For Insurrection Without Vanguards&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, 2023 (f&#252;r einen genaueren Blick auf die Logik und die Praxis der Zusammensetzung).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://scenes.noblogs.org/post/2023/07/02/breaking-ranks-subverting-the-hierarchy-and-manipulation-behind-earth-uprisings/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Breaking Ranks: Subverting the Hierarchy and Manipulation Behind Earth Uprisings&lt;/a&gt;, 2023 (f&#252;r eine weiterf&#252;hrende Diskussion &#252;ber manipulative und avantgardistische Praktiken, die Spektakularisierung des Kampfes und die Benutzung Radikaler als Schocktruppen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://anarchistischebibliothek.org/library/finimondo-blanqui-oder-die-staatliche-insurrektion&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Blanqui oder die staatliche Insurrektion&#8220;&lt;/a&gt;, 2011 (zur Zur&#252;ckf&#252;hrung der Perspektive des autorit&#228;ren Insurrektionalismus auf ihren Ursprung).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Englischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://theanarchistlibrary.org/library/against-the-party-of-insurrection-a-look-at-appelism-in-the-us&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Formulierung &#8222;Partei des Aufstands&#8220; wird im Vorschlag 14 des Comit&#233; d'occupation de la Sorbonne en exil (2006), in &lt;i&gt;Les mouvements sont faits pour mourir&lt;/i&gt; (2007), &#8222;The Kazakh Insurrection&#8220; (Ill Will Editions, 2022), &#8222;Civil War, Dialectics, and the Possibility of Revolution&#8220; (Spirit of May 28, 2023) und &#8222;On Destituent Power&#8220; (Tronti, Ill Will Editions, 2022) benutzt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Die territoriale Autonomie, wenn sie als Strategie f&#252;r die Zerst&#246;rung des Kapitalismus und des Staates betrachtet wird, beinhaltet die langfristige Arbeit der Entwicklung von Zonen, wo Bullen nicht hingehen k&#246;nnen, wo man die Mittel zur Erhaltung und Reproduktion der dort Lebenden finden kann, wo eine grosse Gruppe engagierter und miteinander verbundener Leute jeden Alters die Mittel und das Bed&#252;rfnis hat, dieses Territorium zu verteidigen, &#252;ber Generationen hinweg. Wir k&#246;nnen dorthin schauen, wo dies schon w&#228;hrend Hunderten von Jahren gemacht worden ist, um Beispiele zu sehen: das Territorium der Wet'suwet'en, Elsipogtog, Barriere Lake, Six Nations, Tyendinaga, Kahnaw&#225;:ke und Kanehsat&#224;:ke. Nicht-indigene Gemeinschaften haben das nicht w&#228;hrend Hunderten von Jahren gemacht und bei weitem nicht &#8211; wir beginnen bei null und auch wenn die Priorisierung unserer eigenen territorialen Autonomie als ethisch erscheinen mag, w&#228;re es wahrscheinlich nicht von strategischer Bedeutung, denn Siedlergemeinschaften in einer Siedlergesellschaft stehen viel weniger in strukturellem Konflikt mit dem kolonialen System. Es macht uns nicht schw&#228;cher, den Kampf f&#252;r die territoriale Autonomie von Gemeinschaften, von denen wir nicht Teil sind, zu priorisieren. Es macht uns st&#228;rker, wenn wir dadurch Beziehungen aufbauen, die zu revolution&#228;ren Zusammenh&#228;ngen beitragen, in welchen die Ziele revolution&#228;rer Netzwerke der Siedler mit jenen antikolonialer indigener Gruppen konvergieren.&#8220; &#8222;Another Word for Settle: A Response to &#8218;Rapprochements&#8216; and &#8218;Inhabit&#8216;&#8220;, 2021.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Aus &lt;i&gt;Der kommende Aufstand&lt;/i&gt; (2007): &#8222;Sogar in den endlosen Subventionen, die viele Eltern ihrem proletarisierten Nachwuchs zu zahlen gezwungen sind, gibt es nichts, was nicht zu einer Art M&#228;zenentum f&#252;r die soziale Subversion werden k&#246;nnte.&#8220; Aus &#8222;The Next Eclipse&#8220; (2018): &#8222;Eine Kleinbrauerei oder eine Eisbude mit eigener lokaler Produktion k&#246;nnen Partisanenprojekte sein.&#8220;Aus &#8222;How to Start a Fire&#8220; (2017): &#8222;Erwerbt Eigentum. Macht ein Piratenradio. Stellt Kochherde her. Lernt kochen. Lernt Sprachen. Erwerbt Waffen. Er&#246;ffnet Food Trucks und Gesch&#228;fte. Besetzt H&#228;user. Er&#246;ffnet Caf&#233;s. Imbisse. Restaurants. Pizzabuden. Buchhandlungen [&#8230;] Das Familienhaus am See kann daf&#252;r genutzt werden, dass Hunderte f&#252;r ein sommerliches Strategietreffen dort schlafen. Langsam w&#228;chst etwas.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Der Begriff &#8222;links&#8220; kommt von der parlamentarischen Unterteilung (in europ&#228;ischen und anderen L&#228;ndern) zwischen rechts und links unter den gew&#228;hlten politischen Repr&#228;sentanten. Die Linke in den USA ist in &#228;hnlicher Weise in die Mechanismen und Perspektiven eines radikalen Fl&#252;gels einer solche Repr&#228;sentanten mit einschliessenden politischen Tendenz eingebettet. Als solche beinhaltet die Linke h&#228;ufig Allerweltsorganisationsans&#228;tze, sowie eine Tendenz, K&#228;mpfe verwalten und kontrollieren zu wollen, was letztendlich gew&#246;hnlich zu Konflikten mit den emanzipatorischeren Prinzipien des Anarchismus f&#252;hrt. Wir lehnen die Einschliessung des Anarchismus in die Linke ab, um uns klar von dieser Art von kompromittierten und verwaltenden Tendenzen zu unterscheiden.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Decisions, Compositions, Negotiations&#8220;, 2023.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;[W]as der Staat keinesfalls dulden kann [ist], dass Singularit&#228;ten eine Gemeinschaft bilden, ohne eine Identit&#228;t einzufordern, dass Menschen mit-angeh&#246;ren ohne eine darstellbare Bedingung der Zugeh&#246;rigkeit [&#8230;]&#8220; Giorgio Agamben, &lt;i&gt;Die kommende Gemeinschaft&lt;/i&gt; (1990), Berlin, Merve, 2003, S. 79.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 80.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe zum Beispiel Shemon Salams Werk, diskutiert in Fussnote 11.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Partisan: Angeh&#246;riger oder Sympathisant einer Partei oder Fraktion.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Woodbine, &#8222;The Anthropocene&#8220; in &lt;i&gt;Short Circuit. A Counterlogistics Reader&lt;/i&gt;, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Mitbegr&#252;nder Shemon Salam ver&#246;ffentlichte j&#252;ngst einen &#246;ffentlichen Wutanfall in Form eines Essays, &#8222;Lost in the American Wasteland&#8220;, der von der antistaatlichen kommunistischen Zeitschrift &lt;i&gt;Endnotes&lt;/i&gt; ver&#246;ffentlicht worden ist und in dem die schwarze radikale Tradition desavouiert wird, weil sie die Revolution f&#252;r ihn noch nicht gemacht hat. Siehe auch den Text von SM28 (geschrieben von Shemon und anderen) &#8222;Akron, Jayland Walker, and the Class War&#8220;, in welchem die Autoren Akron besichtigen, nachdem ein schwarzer Mann erschossen wurde, und sich dar&#252;ber beklagen, dass danach nicht mehr Leute Krawall gemacht haben.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wie es ein Interviewter von SM28 formulierte: &#8222;Ich denke, der Anarchismus ist heutzutage total verwirrt und sollte aufgegeben werden [&#8230;] Anarchismus ist hoffnungslos liberal.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ein Zitat von &#8222;&#8218;Gegen&#8216; den Anarchismus: Ein Beitrag zur Debatte &#252;ber Identit&#228;ten&#8220; (2018), ver&#246;ffentlicht auf &lt;i&gt;Lundi &lt;/i&gt;&lt;i&gt;m&lt;/i&gt;&lt;i&gt;atin&lt;/i&gt;, die Hauptplattform des Appellismus in Frankreich, dessen Inhalt von &lt;i&gt;Ill Will&lt;/i&gt; regelm&#228;ssig &#252;bersetzt und ver&#246;ffentlicht wird. Der Text theoretisiert: &#8222;Sich selbst Anarchist zu nennen oder jede andere revolution&#228;re Identit&#228;t hilft uns &#252;berhaupt nicht, es vergr&#246;ssert unser revolution&#228;res Potenzial nicht und hilft uns nicht, uns zu organisieren. Ausserdem isoliert es uns und macht uns zu einem einfachen Ziel f&#252;r Repression. Ideologische Identit&#228;ten sind S&#228;ulen, auf die sich der Feind st&#252;tzt, und es h&#228;ngt von uns ab, sie hinter uns zu lassen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Bloss einige abscheuliche Dinge, welche die Autoren bei Appellisten in Nordamerika beobachten konnten.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;&#8218;Gegen&#8216; den Anarchismus: Ein Beitrag zur Debatte &#252;ber Identit&#228;ten&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Hugh Farrell, &#8222;The Strategy of Composition&#8220;, 2023. Wir wollen nicht zu den aufgeblasenen appellistischen Ideen dar&#252;ber beitragen, welchen Einfluss ihre Theorien in K&#228;mpfen wie Stop Cop City gehabt haben sollen, deren Dynamiken vor Ort &#252;bersteigen die Intelligentsia der Zusammensetzung und k&#246;nnen nicht von ihr eingefangen werden. Wir wollen auch nicht nur das zitieren, was sie &#252;ber sich selbst sagen, da es ihrem Tun eine &#252;bertriebene Bedeutung gibt. Spirit of May 28 ist zum Beispiel gr&#246;ssenwahnsinnig bez&#252;glich des George-Floyd-Aufstands: &#8222;Keine andere politische Tendenz war f&#228;hig, im Kampf Fuss zu fassen, oder hatte viel Interessantes dar&#252;ber zu sagen. In der Vergangenheit hatten wir zum Ziel, Begegnungsr&#228;ume f&#252;r verschieden Tendenzen aufzubauen. Aber heutzutage ist es klar, dass unsere Partei alleine dasteht.&#8220; &#8222;Among Friends: Reflections After the George Floyd Uprising&#8220;, 2021.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Einige dieser Verhaltensweisen werden sehr gut in einem Interview mit dem Titel &#8222;Conflict in Movement&#8220; auf dem Final Straw Radio zusammengefasst.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Die Feuerrose ist zur&#252;ckgekehrt! Der Kampf um die Strassen von Barcelona&#8220;, 2012.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Emilio Minassian - Gaza: &#8222;Eine extreme Militarisierung des Klassenkrieges in Israel-Pal&#228;stina&#8220;</title>
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&lt;p&gt;&#8222;Auf dieser Eskalationsstufe ist das Ziel des Krieges, die &#252;bersch&#252;ssigen Proletarier im Gazastreifen im Bombenhagel zu ertr&#228;nken, ohne einen anderen Zweck, als sie zu &#8218;beruhigen&#8216;, die Hierarchie, welche die menschlichen Gruppen in dieser Region der Welt trennt, in Erinnerung zu rufen. Ein Hund beisst, man schlachtet das Rudel.&#8220; &lt;br class='autobr' /&gt;
Interview mit Emilio Minassian, 30. Oktober 2023. &lt;br class='autobr' /&gt;
1. &lt;br class='autobr' /&gt;
Du interessierst dich schon lange f&#252;r das, was in Pal&#228;stina geschieht, ohne jedoch ein (...)&lt;/p&gt;


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 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/the_battle_of_gaza_312_bce.webp?1708104027' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='101' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;&#8222;Auf dieser Eskalationsstufe ist das Ziel des Krieges, die &#252;bersch&#252;ssigen Proletarier im Gazastreifen im Bombenhagel zu ertr&#228;nken, ohne einen anderen Zweck, als sie zu &#8218;beruhigen&#8216;, die Hierarchie, welche die menschlichen Gruppen in dieser Region der Welt trennt, in Erinnerung zu rufen. Ein Hund beisst, man schlachtet das Rudel.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Interview mit Emilio Minassian, 30. Oktober 2023.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Du interessierst dich schon lange f&#252;r das, was in Pal&#228;stina geschieht, ohne jedoch ein propal&#228;stinensischer Aktivist zu sein. Was hat eine an der Revolution orientierte Kritik zu dem, worum es dort geht, zu sagen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Erstens w&#252;rde ich sagen, dass man sich bewusst sein sollte, dass es nicht zwei Lager gibt, ein pal&#228;stinensisches und ein israelisches. Diese Leute leben in ein und demselben Staat und sind Teil einer gleichen Volkswirtschaft. Innerhalb dieses gleichen, sagen wir israelisch-pal&#228;stinensischen Ganzen &#8211; das jedoch vollst&#228;ndig von Israel abh&#228;ngig ist &#8211; stehen die gesellschaftlichen Klassen nicht nur in Zusammenhang mit Unterschieden des rechtlichen Status auf der Grundlage ethnisch-religi&#246;ser Kriterien, sondern sie sind &#8222;in Zonen eingeteilt&#8220;. Der Gazastreifen hat sich zunehmend in ein &#8222;Reservat-Gef&#228;ngnis&#8220; verwandelt, wo zwei Millionen Proletarier eingepfercht und an den Rand des israelischen Kapitals gedr&#228;ngt worden sind. Doch letzteres bleibt in letzter Instanz ihr Meister. Die Bewohner des Gazastreifens benutzen die israelische W&#228;hrung, konsumieren israelische Waren und haben Identit&#228;tskarten, die von Israel ausgestellt worden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der gegenw&#228;rtige &#8222;Krieg&#8220; entspricht in Tat und Wahrheit einer extremen Militarisierung des Klassenkrieges.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein &#8222;Land f&#252;r zwei V&#246;lker&#8220;, diese Sichtweise auf die Situation in Israel-Pal&#228;stina ist abwegig. Nirgends auf der Welt geh&#246;rt das Land den V&#246;lkern. Es geh&#246;rt den Eigent&#252;mern. All das mag sehr theoretisch erscheinen, aber die blosse Existenz der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse verweist diese Idee der &#8222;Lager&#8220; an jene, welchen sie zugeh&#246;rt: die Anf&#252;hrer.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Fl&#252;chtlingslager im Westjordanland, die man als das schlagende Herz &#8222;Pal&#228;stinas&#8220; betrachten k&#246;nnte, sind weiterhin die Vorst&#228;dte Tel Avivs. W&#228;hrend ganzen Abenden h&#246;rte ich Tagesarbeitern eines der Lager zu, wie sie davon erz&#228;hlten, wie sich die Ethnisierung der Arbeitskraft auf den Baustellen der israelischen Hauptstadt ausbreitete: die j&#252;disch-aschkenasischen Bautr&#228;ger, die pal&#228;stinensischen Anbieter von 1948 f&#252;r den Durchgang der Arbeitskraft der besetzten Gebiete, die ebenfalls arabischsprachigen j&#252;disch-sephardischen Vorarbeiter usw. Und dann all die anderen importierten Proletarier: die Thail&#228;nder, die Chinesen und die Afrikaner, deren Situation, ohne Papiere, in Wirklichkeit am schlimmsten ist. All das kann sich nicht durchmischen, denn jede Gruppe hat einen unterschiedlichen Status und eine unterschiedliche Stellung in den Produktionsverh&#228;ltnissen. Doch diese Welten sind nicht por&#246;s, sie sind ineinander verschachtelt, sie schauen sich an, kennen sich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dutzende Thail&#228;nder, die rund um den Gazastreifen in der Landwirtschaft ausgebeutet werden, sind von der Hamas get&#246;tet und entf&#252;hrt worden. Anderen wird nun von den israelischen Chefs ihre L&#246;hne zur&#252;ckbehalten, um sie zu zwingen, in einem Kriegsgebiet zu arbeiten. Jede einigermassen konsequente Sozialkritik muss, wenn es um die Geschehnisse in Israel-Pal&#228;stina geht, auch den Standpunkt der thail&#228;ndischen Arbeiter ber&#252;cksichtigen. Dieses Land ist nicht minder daf&#252;r bestimmt, den thail&#228;ndischen Arbeiter zu geh&#246;ren als den pal&#228;stinensischen Proletariern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;L&#228;uft es nicht ein bisschen darauf hinaus, eine Schwierigkeit zu umgehen, wenn man versucht, die &#8222;nationale Frage&#8220; in Israel-Pal&#228;stina aussen vor zu lassen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Israel hat es geschafft, eine einmalige Situation in der Welt hervorzubringen: die Integration eines seinerseits ethnisierten (&#8222;j&#252;dischen&#8220;) Proletariats in den Staat gegen den Rest des Proletariats, ebenfalls ethnisiert (&#8222;arabisch&#8220;). Der israelische Staat hat die Akkumulation des &#8222;nationalen&#8220; Kapitals in einer Rekordzeit und den Import des &#8222;nationalen&#8220; Proletariats organisiert, er hat sich zum W&#228;chter &#252;ber die Existenz und die Reproduktion desselben erhoben, da es in seiner Existenz selbst durch eine andere proletarische (&#8222;pal&#228;stinensische&#8220;) Randgruppe bedroht sei. Doch wenn man die Brille des Trugbildes des &#8222;Staates als Garant der Existenz der Leute&#8220; absetzt, zeigt sich, dass das j&#252;dische Proletariat Israels eine Art Kriegsbeute in den H&#228;nden desselben darstellt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das gilt nicht aufseiten des pal&#228;stinensischen Proletariats, innerhalb welchem die Kampfdynamiken eine gewisse Autonomie bewahrt haben und auf komplexe Art und Weise mit den instrumentalen Logiken seiner nationalistischen politischen Umrahmung koexistieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es mag der Intuition widersprechen, aber ich denke, dass man die Hamas als Subunternehmer f&#252;r die Verwaltung des Proletariats im Gazastreifen betrachten muss. Wie ich es gesagt habe, letzteres ist, in letzter Instanz, vom israelischen Nationalkapital &#8222;abh&#228;ngig&#8220;. Solange dieses nicht die Entscheidung getroffen hat, die Entwicklung einer &#8222;pal&#228;stinensischen&#8220; kapitalistischen Entit&#228;t an seiner Seite zu erlauben, ist das Proletariat des Gazastreifens, sogar eingepfercht, Teil seiner Kreisl&#228;ufe. Doch diese Situation kann nicht ohne die Herausbildung einer externalisierten gesellschaftlichen Formation auskommen, die mit der Regulierung der Eingesperrten beauftragt ist &#8211; es gibt kein Gef&#228;ngnis ohne W&#228;rter.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was geschieht, ist kein interimperialistischer Krieg. Es handelt sich im Wesentlichen um eine &#8222;innere Angelegenheit&#8220;, innerhalb welcher die &#8222;nationalen&#8220; Lager eine Ablenkung darstellen. In den gegenw&#228;rtigen Ereignissen gibt es keinen proletarischen Kampf. Die gemeinsam durch die Hamas und die israelische F&#252;hrungsschicht hervorgebrachte Militarisierung der Antagonismen bringt einen &#8222;Widerstand&#8220; hervor, der nicht die geringste Logik des autonomen proletarischen Kampfes enth&#228;lt, nicht einmal ansatzweise.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist nicht ein Krieg, sondern eine Verwaltung des &#252;bersch&#252;ssigen Proletariats mit den milit&#228;rischen Mitteln des totalen Krieges seitens eines demokratischen und zivilisierten Staates, der zum zentralen Block der Akkumulation geh&#246;rt. Diese Tausenden von Toten dort scheinen meines Erachtens eine besondere Bedeutung zu haben. Sie skizzieren ein erschreckendes Bild der Zukunft &#8211; der kommenden Krisen des Kapitalismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber eine Verwaltung des &#252;bersch&#252;ssigen Proletariats durch Bombenteppiche macht das, was gegenw&#228;rtig geschieht, durch die Art und Weise, wie sie durch die Gesamtheit der zentralen Staaten der kapitalistischen Landkarte als legitim betrachtet wird, zum Teil einer globalen Offensive. In Frankreich ist dieser globale Charakter besonders auff&#228;llig: Wir sind in eine Phase eingetreten, wo sogar politische Formulierungen hinter humanistischen Losungen niedergehalten werden &#8211; sobald sie auf eine Strassenaktivit&#228;t der gef&#228;hrlichen Klassen treffen k&#246;nnten. Es gibt keinen &#8222;Import&#8220; des Konflikts. Es ist eine globale Offensive. In diesem Sinne findet der Kampf f&#252;r uns in Frankreich sehr wohl hier statt, gegen Frankreich. Wir m&#252;ssen stets unsere eigene Nation verraten, sobald es m&#246;glich ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was hat die Hamas in einer solchen Situation zu gewinnen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vor dem 7. Oktober war meine Auffassung der Situation die folgende. Einerseits eine Offensive der kolonialen &#228;usseren Rechten, zugleich um das Westjordanland zu annektieren und die Hebel der Macht des israelischen Staates an sich zu reissen. Andererseits zwei pal&#228;stinensische Staatsapparate, die nur von Renten leben und deren einziges Interesse ihre eigene Reproduktion als solche ist. Ich dachte, dass sich diese M&#228;chte in einem Verteidigungskampf bef&#228;nden und sich allen voran auf eine Konfrontation mit einem Kontrollverlust &#252;ber die von ihnen verwalteten Bev&#246;lkerungen vorbereiten w&#252;rden, sowohl im Gazastreifen als auch im Westjordanland.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;All meine Gespr&#228;chspartner im Westjordanland, seien sie linke Akademiker oder bewaffnete Subproletarier, sagten mir vor einigen Monaten: &#8222;Die Hamas unterst&#252;tzt den Widerstand vor Ort nicht. Sie denkt nur an ihre eigenen Interessen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und tats&#228;chlich verhielt sich die Hamas nicht wie eine Kampforganisation, sondern wie eine milit&#228;rische Struktur, wie ein Staat. Doch was ihre Operation besonders macht, ist die Tatsache, dass sie notwendigerweise die Perspektive einer israelischen Antwort enthielt, gegen&#252;ber welcher sie in einer Situation gewaltiger Unterlegenheit sein w&#252;rde. Die Hamas verh&#228;lt sich wie ein Staat, aber ohne die Mittel eines Staates, und sie opfert einen Teil der Interessen eines Teils ihres Apparats und ihrer gesellschaftlichen Basis im Gazastreifen in der Hoffnung, in der Zukunft mehr daf&#252;r zu erhalten. Viele Anf&#252;hrer werden ausserdem in dieser Geschichte ihr Leben verlieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Operation am 7. Oktober stellt seitens einer herrschenden Klasse ein erstaunliches Verhalten dar, das sich jedoch meines Erachtens in erster Linie durch die Widerspr&#252;che innerhalb der Hamas selbst erkl&#228;ren l&#228;sst. Es ist eine Hypothese, aber es ist nicht undenkbar, dass die Operation am 7. Oktober durch den bewaffneten Fl&#252;gel der Hamas ohne grosse Absprache mit der politischen F&#252;hrung konzipiert worden ist. (Man kann sich auch vorstellen, dass die Gr&#246;sse der &#214;ffnung in der Mauer die Planer des Angriffs selbst &#252;berrascht hat, die vielleicht urspr&#252;nglich versuchten, eine Art Selbstmordangriff auszuf&#252;hren, ohne mit einem derartigen milit&#228;rischen Zusammenbruch Israels zu rechnen, der den Weg f&#252;r umfangreiche Massaker geebnet hat.)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Operation der Hamas ist &#252;berhaupt nicht aus einem fanatischen millenaristischen Wahn entstanden. Es ist eine riskante Wette, die jedoch Fr&#252;chte tragen kann. Die f&#252;r Israel verf&#252;gbaren Optionen sind begrenzt. Es gibt den Verhandlungsweg, jenen des regionalen Krieges und nicht viel dazwischen. Doch es bleibt eine Herausforderung, denn es ist nicht sicher, dass sich der israelische Staat und das israelische Kapital f&#252;r eine Stabilisierung entscheiden werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf jeden Fall ist die Etappe &#8222;Massaker&#8220; durch Bombenteppich unvermeidbar, aber das ist eine andere Frage, f&#252;r die Anf&#252;hrer ist es selbstverst&#228;ndlich die geringste ihrer Sorgen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Du sagst, dass sich die Hamas wie ein Staat verh&#228;lt, aber ohne die Mittel dazu zu haben. Du sagst auch, dass sie gewisse ihrer Interessen opfert, um danach mehr zu haben. Kannst du das pr&#228;zisieren?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schlicht und einfach die Anerkennung im Rahmen der Verhandlungen. Wohl kaum f&#252;r ein Friedensabkommen, soweit sind wir nicht und in Wirklichkeit denke ich, dass weder die Hamas noch Israel an einem umfassenden solchen Abkommen interessiert sind. Doch die Vernichtung der Hamas ist vom israelischen Standpunkt aus nicht ernsthaft vorstellbar. Indem sie ihre milit&#228;rische Kapazit&#228;t zeigt, versucht die Hamas, sich als unumg&#228;nglich im regionalen Kr&#228;fteverh&#228;ltnis zu zeigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Scheitern der Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA die letzten Jahre zeigt, dass wir uns nicht in einer Zeit der &#8222;L&#246;sungen&#8220; befinden. F&#252;r die Hamas geht es darum, das sagen alle, die amerikanische L&#246;sung eines israelisch-saudischen Abkommens zu blockieren. Was sie dabei gewinnen kann, ist erst einmal, dass sie sich als Gespr&#228;chspartner f&#252;r die arabischen L&#228;nder in der Region aufdr&#228;ngt und die PLO [Pal&#228;stinensische Befreiungsorganisation, wovon die Fatah Teil ist, aber auch die Volksfront zur Befreiung Pal&#228;stinas (PFLP)] im Westjordanland und im Libanon weiter marginalisiert. Somit gewinnt sie kleine Marktanteile der pal&#228;stinensischen Repr&#228;sentation zulasten ihres Konkurrenten, der PLO.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Sind die auf dem Spiel stehenden Interessen tats&#228;chlich so eng begrenzt?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich weiss nicht wirklich, wie ich auf diese Frage antworten soll. Selbstverst&#228;ndlich muss diese Milit&#228;roperation und der dadurch ausgel&#246;ste Krieg auch vor dem Hintergrund eines globalen Kontexts betrachtet werden, wo die kapitalistischen Regulationskan&#228;le dabei sind, vor die Hunde zu gehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Krieg ist meiner Ansicht nach immer ein Versuch, die kapitalistische Verwertungskrise als Operation der Desakkumulation zu l&#246;sen. Doch er ist auch Ausdruck der Umw&#228;lzung des Gleichgewichts des Verh&#228;ltnisses zwischen Staat und Kapital. Er ist ein Krisenmoment, wo die Kontrolle des Kapitals, des globalen Kapitals, &#252;ber den Staat sich lockert zugunsten einer Aneignung gewisser besonderer kapitalistischer Sektoren durch den Staat, oder sogar durch Familienclans oder einzelne Politiker. Der Krieg zwischen Kapitalisten ist nicht nur ein Krieg zwischen Imperialismen. Er l&#228;sst diverse Akteure aneinandergeraten, die, da es keine Garantien mehr gibt, manchmal riskante Wetten eingehen, eine Karte spielen, um zu versuchen, von der Umw&#228;lzung der vorhandenen Kr&#228;fte zu profitieren. Wir k&#246;nnen eine solche Verkettung seit dem Krieg in der Ukraine beobachten. Die eingefrorenen Fronten erwachen: Wir hatten Bergkarabach, jetzt ist es Gaza.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Generalst&#228;be schreiten voran, versuchen Pl&#228;ne, testen die Widerst&#228;nde, springen ins kalte Wasser. Das ist es, was sie spontan tun m&#246;chten, die ganze Zeit. Was uns seit zwei Jahren &#252;berrascht, ist die Tatsache, dass die sie zuvor zur&#252;ckhaltenden Schutzmechanismen nicht mehr zu greifen scheinen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was ist das Wesen der Herrschaft der Hamas &#252;ber die Leute in Gaza? Wie sichert sie ihre Macht, was haben ihre Anf&#252;hrer davon, welche (offenen oder nicht offenen) Verbindungen unterh&#228;lt sie zu Israel?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Hamas ist aus der Bewegung der Muslimbr&#252;der entstanden. Wie ein bisschen &#252;berall in der arabischen Welt entwickelt sie sich vor Ort und in der Diaspora innerhalb des pal&#228;stinensischen Kleinb&#252;rgertums. Seit ihrem Einstieg in den Kampf gegen Israel, beg&#252;nstigt von der Ersten Intifada, hat sich ihre soziale Basis auf proletarischere Segmente erweitert, bevor die Kontrolle &#252;ber das Territorium Gazas und ihre Militarisierung ihr Wesen zutiefst ver&#228;ndern. Sie war pl&#246;tzlich, wie wir es gesagt haben, in der Position eines Staatsapparats, mit der Notwendigkeit, viele verschiedene und antagonistische Interessen diverser Gruppen zu integrieren, mit ihnen zu jonglieren und Schiedsrichter &#252;ber sie zu sein. Und, parallel dazu, da Gaza nicht ein richtiger Staat ist, hat sich die Hamas auch in eine Milizpartei verwandelt, vergleichbar mit der Hisbollah im Libanon.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese doppelte Entwicklung hat eine widerspr&#252;chliche Dimension. Ich stelle die Hypothese auf, dass der gegenw&#228;rtige Krieg gewissermassen den Sieg der zweiten Logik &#252;ber die erste darstellt. Der bewaffnete Arm hat den Staatsapparat und die milit&#228;rischen Rentenkreisl&#228;ufe (aus dem Iran) haben die zivilen Rentenkreisl&#228;ufe (aus Katar) verdr&#228;ngt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Hamas ist eine interklassistische Bewegung, was ihr erratisches Handeln erkl&#228;rt. Die Handelsbourgeoisie im Westjordanland hat sich Mitte der 2000er Jahre massiv zu ihr bekannt; die Bewegung hat die Parlamentswahlen 2006 als Partei der Ordnung gewonnen; sie versprach, die chaotische Sicherheitslage unter Kontrolle zu bringen, und sie garantierte die herrschende Ordnung mit einer auf der Wohlt&#228;tigkeit basierenden Umverteilung. Sie erschien paradoxerweise als Gegnerin der Intifada und die Mehrheit der Notabeln der beiden wirtschaftlichen Zentren des Westjordanlands, Nablus und Hebron, unterst&#252;tzten sie damals, w&#228;hrend sie mit jordanischen Wirtschaftsinteressen verbunden blieben. Die Hamas hat die gleichen Parlamentswahlen in Gaza gewonnen, aber indem sie Widerstandsparolen hervorhob und zur milit&#228;rischen Einreihung aufrief und somit das Lumpenproletariat der Fl&#252;chtlingslager ansprach. Nicht in einer Logik des Aufstands oder der sozialen Bewegung, sondern in einer des milit&#228;rischen Klientelismus. Im Gegensatz zum Westjordanland gibt es im Gazastreifen keine urbane Handelsbourgeoisie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Interklassismus ist seither weitergegangen. Die Hamas hantiert weiterhin mit widerspr&#252;chlichen Logiken der Mobilisierung. Der Anf&#252;hrer ihres bewaffneten Arms, Mohammed Deif, ist eine Art mythische Ikone, ein &#220;berlebender etlicher gezielter Mordversuche. Er wird zum James Bond erhoben, um zu den Teenagern in den Fl&#252;chtlingslagern zu sprechen, w&#228;hrend die Anf&#252;hrer in Anzug und Krawatte ihre Zeit in den F&#252;nfsternehotels in Katar vertreiben und sich mit Ministern und Kapitalisten der arabischen und t&#252;rkischen Welt fein verk&#246;stigen. Und wenn die Fraktion um Mohammed Deif eine Operation wie jene am 7. Oktober lanciert, l&#228;sst sie die Anzug- und Krawattenfraktion machen, denn sie hofft im Geheimen, dass sie in den diplomatischen Verhandlungszimmern die Fr&#252;chte davon ernten kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich bin vorsichtiger betreffend dessen, was die Kompradorenbourgeoisie von Gaza-Stadt davon h&#228;lt, w&#228;hrend ihre Villen von den Bomben zerst&#246;rt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was sind die Eigenschaften der Ausbeutung der Proletarier im Gazastreifen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich habe ziemlich viel Zeit im Westjordanland verbracht, aber ich kenne den Gazastreifen nicht direkt. Aufgrund seiner politischen und geographischen Situation gleich neben einem Raum intensiver kapitalistischer Akkumulation k&#246;nnte man sagen, dass der Gazastreifen ein grosser &#8222;M&#252;lleimer&#8220; Israels ist. Doch sogar in den M&#252;lleimern der Kapitalisten gibt es gesellschaftliche Spaltungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ist es unter dem Strich eine Art Ghetto? Konkret, haben die Proletarier im Gazastreifen Arbeit (formell oder auch nicht) oder m&#252;ssen sie mehrheitlich als &#252;bersch&#252;ssig betrachtet werden?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&#220;bersch&#252;ssig&#8220; in dem Sinne, dass die Arbeit im Gazastreifen fast nirgends kapitalistische Akkumulation erlaubt. Die Kapitale, die dort zirkulieren, kommen im Wesentlichen aus Renten (und zwar aus sehr kleinen Renten): Rente der Aussenhilfe (Iran und Katar), Renten aus Monopolsituationen (die Tunnels). Die generierten Profite sind nicht das Resultat der Ausbeutung von Arbeit durch Kapitalisten. Reproduktion der Proletarier und Verwertung sind zwei unterschiedliche Prozesse, wie der b&#228;rtige Alte sagen w&#252;rde. Die Chefs sind grossmehrheitlich kleine Chefs und der Staat reguliert nichts.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Gazastreifen ist ein Raum, der in Bezug auf die Kreisl&#228;ufe der kapitalistischen Verwertung komplett abseits steht, wie viele andere Peripherien der Welt. Es gibt keine &#8222;nationale Bourgeoisie&#8220;, denn es gibt keine Kapitale aus dem Gazastreifen. Es gibt auch keine &#8222;traditionelle Bourgeoisie&#8220;, wie im Westjordanland oder Jerusalem &#8211; diese alten Familien, die auf einem verstaubten alten Handels- und Bodenkapital sitzen, das jedoch in den gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen noch wirksam ist. Im Gazastreifen gibt es hingegen sehr wohl eine neue Form der &#8222;Kompradorenbourgeoisie&#8220;, die auf Zirkulationsrenten sitzt. Sie ist jedoch keine Klasse im engen Sinne, sie ist eine gesellschaftliche Gruppe, die ein enormes Einkommen aus ihrer Stellung als Zwischenh&#228;ndlerin im Handel mit den ausl&#228;ndischen Kapitalisten zieht (im Gegensatz zu einer Bourgeoisie, die ein Interesse an der Entwicklung einer National&#246;konomie hat).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Teil dieser Bourgeoisie ist deckungsgleich mit dem politischen Apparat der Hamas, denn die zirkulierenden Kapitale kommen zu einem grossen Teil von einer geopolitischen Rente, sie kommen von Staaten wie Katar und dem Iran. Doch es gibt auch andere Renten, zum Beispiel jene, die mit der Grenzzirkulation mit &#196;gypten zusammenh&#228;ngen. Aus den Schmuggeltunneln sind Verm&#246;gen entstanden und hier handelt es sich eher um die Figur des globalisierten Feudalherren &#8211; typischerweise ein Verh&#228;ltnis zwischen Chef und Arbeiter. Es kam 2007 zu heftigen bewaffneten Konfrontationen zwischen gesellschaftlichen Clanstrukturen und dem politisch-milit&#228;rischen Apparat der Hamas in Rafah, im S&#252;den des Gazastreifens, es ging um die Besteuerung der Warenzirkulation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Hamas ist, im Gegensatz zur Pal&#228;stinensischen Autonomiebeh&#246;rde (PA), nicht verantwortlich f&#252;r die &#246;ffentlichen Dienste, sie zahlt die L&#246;hne nicht: Diese werden immer noch von der PA gezahlt. Das ist &#252;brigens Gegenstand permanenter Erpressung: Die PA friert die L&#246;hne der Funktion&#228;re in Gaza regelm&#228;ssig ein oder reduziert sie, um die Hamas zu schw&#228;chen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es kommt auch regelm&#228;ssig, und wahrscheinlich zumindest teilweise als Folge davon, zu &#8222;sozialen&#8220; Mobilisierungen, die W&#252;rde fordern &#8211; typischerweise Wasser, Elektrizit&#228;t und die L&#246;hne. Die Hamas schl&#228;gt sie nieder, auf mehr oder weniger heftige Art und Weise, aber immer mit einer gewissen Zur&#252;ckhaltung, die einem zum Schluss kommen l&#228;sst, dass sie kein &#214;l ins Feuer giessen will. Die gegenw&#228;rtige milit&#228;rische Offensive folgt auf eine Episode dieser Art, die sich diesen Sommer abgespielt hat. Es ist leicht vorstellbar, dass es eine Verbindung zwischen diesen beiden Arten von Ereignissen gibt oder dass sie zumindest einer gewissen Logik unterliegen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Protest gegen die verwaltende Hamas und die Unterst&#252;tzung f&#252;r die k&#228;mpfende Hamas sind &#252;berhaupt keine Gegens&#228;tze. Erstere greift deine W&#252;rde an, w&#228;hrend letztere sie r&#228;cht. Ohne die k&#228;mpfende Hamas w&#228;re die verwaltende Hamas im Gazastreifen wahrscheinlich mit bedeutenderen Protesten konfrontiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Du sagst, dass du das Westjordanland besser &#8222;kennst&#8220; als den Gazastreifen. Gibt es zwischen diesen beiden Territorien bedeutende Unterschiede oder handelt es sich im Gegenteil um zwei Varianten einer gleichen Logik?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Gazastreifen ist seit Langem dieser &#8222;M&#252;lleimer&#8220; f&#252;r &#220;bersch&#252;ssige, den ich vorher angesprochen habe. Ein winziges Territorium, in das 1947-1948 ein Fl&#252;chtlingsstrom gedr&#228;ngt wurde, der die lokale, haupts&#228;chlich b&#228;uerliche Bev&#246;lkerung &#252;berschwemmt hat. Es gibt dort &#252;berhaupt keine Rohstoffe. Im Westjordanland ist die Klassenbildung anders, mit St&#228;dten und Notabeln. Und es gibt landwirtschaftliche und hydraulische Ressourcen, die Israel sich aneignet. Die L&#246;hne sind doppelt so hoch, es gibt einige Industrien, die auf der relativen Integration der Kompradorenklasse der PA in das israelische Kapital basieren. Die Fatah, welche die St&#228;dte regiert, ist eine Partei, die keine gesellschaftliche Koh&#228;renz mehr hat. Sie hat 2006 die Wahlen gegen die Hamas verloren. Durch einen von Israel und den USA unterst&#252;tzten Gewaltstreich 2007 konnte sie die Hebel der &#246;ffentlichen Macht in den St&#228;dten des Westjordanlands behalten, indem sie den Gazastreifen der Hamas &#8222;&#252;berliess&#8220;. Seither hat sie keine auch nur irgendwie auf eine demokratische Prozedur gr&#252;ndende Legitimit&#228;t mehr. Ihre Macht basiert auf der Zusammenarbeit mit Israel, die hinter einem hohl t&#246;nenden nationalistischen Diskurs verschleiert wird. Sie regiert Enklaven, die voneinander getrennt und immer mehr von der Kolonialisierung umzingelt sind, die israelische Armee dringt regelm&#228;ssig in sie ein. Was das Proletariat des Westjordanlands betrifft, ist es st&#228;rker ins Kapital Israels integriert als jenes des Gazastreifens. Viele pal&#228;stinensische Arbeiter malochen, legal oder illegal, im israelischen Territorium oder in den Kolonien. Sie unterhalten wirtschaftliche Beziehungen zu den Pal&#228;stinensern von 1948, welche die israelische Staatsb&#252;rgerschaft haben, und sprechen h&#228;ufig hebr&#228;isch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was geschieht aktuell im Westjordanland? Was macht die Fatah? Gibt es gesellschaftliche oder politische Kr&#228;fte, die einen mehr oder weniger proletarischen Charakter haben und im Moment der Krise gest&#228;rkt daraus hervorgehen k&#246;nnten?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Gazastreifen scheint mir im Moment hinsichtlich der M&#246;glichkeiten einer proletarischen Aktivit&#228;t verloren. Das Gleiche gilt nicht f&#252;r die St&#228;dte des Westjordanlands, wo der innerpal&#228;stinensische Kampf um die politische Kontrolle seit Jahren mit autonomen Manifestationen des Klassenkampfes einhergeht. Die soziale Kontrolle wird gemeinsam durch einen von Israel abh&#228;ngigen Kompradorenkapitalisten gehaltenen Sicherheitsapparat und urbanen, mit Jordanien verbundenen Baronien garantiert. Die Koh&#228;renz dieser Klasse l&#246;st sich immer mehr auf, die Fatah reguliert &#252;berhaupt nichts mehr und alle versuchen, ihre Hochburgen zulasten anderer zu verteidigen. Das erwartete Ereignis, welches all das regeln sollte, war der Tod des paranoiden Dinosauriers Mahmud Abbas, aber jetzt wird notwendigerweise alles schneller gehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Hamas ist im Westjordanland seit 15 Jahren im Stand-by-Betrieb. Nicht die geringste direkte &#246;ffentliche oder milit&#228;rische Aktivit&#228;t. Sie unterh&#228;lt Loyalit&#228;ten, aber diskret. Die bewaffneten Gruppen, die im Norden (Nablus, Jenin, Tulkarem) aufgetaucht sind, sind nicht mit ihr verbunden. Diese Passivit&#228;t erweckte den Eindruck, dass die Hamas die Situation akzeptiert hat und den Status Quo nicht zerst&#246;ren wollte. Innerhalb der bewaffneten Gruppen in den Fl&#252;chtlingslagern verschaffte ihr das einen schlechten Ruf: Sie sei die Kehrseite der Fatah, eine grosse Klappe, nichts dahinter, andere politische Interessen als jene des Volkes. Und dann diese Operation: Sie &#228;ndert eindeutig die Voraussetzungen hinsichtlich der Wahrnehmung. Ihr Image, ob man das will oder nicht, wird davon betr&#228;chtlich aufpoliert sein. Jetzt schon sieht man die Fahne der Hamas ziemlich &#252;berall an den Demos wehen, was vor einem Monat unvorstellbar gewesen w&#228;re. Wird die Hamas direkt die Macht der PA im Westjordanland infrage stellen? Das ist wenig wahrscheinlich, weil ihre Aktivit&#228;ten nicht nur von der PA strikt &#252;berwacht werden, sondern auch von Israel, und die pal&#228;stinensischen Enklaven im Westjordanland kein koh&#228;rentes Territorium bilden, es kann nicht milit&#228;risch gehalten werden, ohne das mit der israelischen Armee zu verhandeln. Doch sie kann ihre Strategie &#228;ndern und die Aktivit&#228;ten der bewaffneten Gruppen auf die eine oder andere Art und Weise unterst&#252;tzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was auch immer geschehen mag, die Dinge werden sich notwendigerweise ver&#228;ndern. Die PA wird M&#252;he haben, bez&#252;glich der Sicherheit die Kontrolle zu behalten. Die Koh&#228;renz der politischen Klasse der Sicherheitspolitik wird einer schweren Belastung ausgesetzt sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Armee und die Siedler haben parallel zur Offensive im Gazastreifen eine Reihe von Angriffen im Westjordanland lanciert. Diese Offensive wird an Intensit&#228;t gewinnen und von diversen Massakern begleitet sein, sie werden &#246;rtlich begrenzter, aber wahrscheinlich auch st&#228;rker &#8222;selbstorganisiert&#8220; als im Gazastreifen sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt also etliche Gr&#252;nde, beunruhigt zu sein. Aber ich hoffe irgendwie auch, dass sich ein Raum f&#252;r autonome K&#228;mpfe er&#246;ffnet und die durch die PA in den letzten 15-20 Jahren hervorgebrachte Ohnmacht der Repression und des Klientelismus beendet &#8211; dass ein Zusammenbruch der pal&#228;stinensischen Sicherheitskr&#228;fte die seit Jahren erwartete soziale Explosion erm&#246;glicht. Die Klassenverh&#228;ltnisse im Westjordanland sind von einer aussergew&#246;hnlichen Gewalt gepr&#228;gt. Die dortige Bourgeoisie hat lange von der Situation der Zusammenarbeit mit Israel profitiert, sie hat sich die Taschen gef&#252;llt, es w&#228;re angebracht, dass sie ein bisschen beginnt zu zittern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Seit einer Weile gibt es einen sozialen Protest in Israel gegen Netanjahu und besonders gegen seine Justizreform. Welche Folgen haben diese K&#228;mpfe (falls &#252;berhaupt) in der aktuellen Situation? Inwiefern dr&#252;ckt der &#8222;zivile&#8220; Widerstand der israelischen Bev&#246;lkerung (zum Beispiel die j&#252;ngsten K&#228;mpfe gegen die Justizreform) einen solchen Anspruch aus?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Krieg scheint mir auch Ausdruck eines Verlusts der Koh&#228;renz der kapitalistischen Klasse zu sein; und gleichzeitig kaschiert die milit&#228;rische Einheit denselben. Der milit&#228;rische Zusammenbruch Israels am 7. Oktober scheint weitgehend eine Folge des Kampfes innerhalb der kapitalistischen Klasse Israels zu sein, ein Kampf, der zum ersten Mal auch die milit&#228;rische Institution erreicht hat. In den letzten Monaten war der Kampf sehr intensiv und er hat sich auf der Strasse ausgedr&#252;ckt. Das alte Israel, aschkenasisch, b&#252;rgerlich, laizistisch und milit&#228;risch, das in Tel Aviv vertikal akkumuliert, ist mit der &#228;usseren Rechten an der Macht konfrontiert gewesen, letztere ist sephardisch, revanchistisch und akkumuliert horizontal in den H&#252;geln des Westjordanlands. Aber in diesen Demos ist nie etwas Proletarisches &#252;ber die Ufer getreten. Schlimmer: Nichts Demokratisches, im Sinne von &#8222;zivil&#8220;, wie du es formulierst. Das Proletariat in Israel, das zwar ein hohes Niveau der Ausbeutung erdulden muss, ist durch seine existenzielle Integration in den Milit&#228;rstaat mundtot gemacht worden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die kriegerische nationale Einheit kehrt diesen Kampf innerhalb der herrschenden Klasse provisorisch unter den Teppich: Alle sind einverstanden mit einem Bombenteppich im Gazastreifen; und auch mit der Durchsetzung einer rigiden Sicherheitspolitik. Seit der Generalmobilmachung ist die Jagd auf den inneren Feind er&#246;ffnet. Sie betrifft die wenigen Linken, die noch &#252;brig geblieben sind, aber auch und zuallererst das muslimische Proletariat (die Pal&#228;stinenser von 1948), deren kleinste Solidarit&#228;tsbekundung mit den Opfern der wahllosen Bombenangriffe verfolgt wird. Was wird in einigen Monaten geschehen? Wird der Krieg dazu f&#252;hren, dass die herrschende Klasse auf die Linie der Partei der Siedler einschwenkt? Letztere ist, obwohl sie von der Mehrheit der Bourgeoisie f&#252;r ihre religi&#246;se R&#252;ckst&#228;ndigkeit verachtet wird, nichtsdestotrotz am ehesten im Einklang mit einer auf eine auf die Jagd auf Araber ausgerichteten Mobilisierung, die wohl nicht so schnell aufh&#246;ren wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Denkst du, dass die rein koloniale Lesart stichhaltig ist, um die Beziehungen zwischen Israel und dem pal&#228;stinensischen Proletariat zu definieren?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ja und nein, nat&#252;rlich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sind in einer Situation, wo das, was auf dem Spiel steht, weniger die Ausbeutung einer eingeborenen Arbeitskraft als die Verwaltung einer &#252;bersch&#252;ssigen proletarischen Bev&#246;lkerung ist, in Verh&#228;ltnissen, die innerhalb der Zentren der kapitalistischen Akkumulation einmalig sind. F&#252;r jeden Arbeiter mit einem Arbeitsvertrag in Israel gibt es einen anderen, der in den grossen geschlossenen Vorst&#228;dten festsitzt, welche die Bev&#246;lkerungszentren unter pal&#228;stinensischer Gesetzgebung darstellen: der Gazastreifen und die St&#228;dte des Westjordanlands. Das macht fast f&#252;nf Millionen Proletarier, die einige Kilometer von Tel Aviv entfernt eingepfercht sind, sie sind unsichtbar, leben vom Verkauf ihrer Arbeitskraft von einem Tag auf den anderen und werden von Soldaten bewacht, damit sie ihre K&#228;fige nicht verlassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese grosse Einsperrung, diese Operation der Trennung zwischen n&#252;tzlichen und &#252;bersch&#252;ssigen Proletariern auf einer ethnisch-religi&#246;sen Grundlage beginnt zeitgleich mit dem Friedensprozess, der in Wirklichkeit ein Prozess der Externalisierung der sozialen Kontrolle der &#220;bersch&#252;ssigen ist. Zuvor, in den 1970er-1980er Jahren, waren die Pal&#228;stinenser massiv vom israelischen Kapital angestellt worden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In diesem Sinne ist der Begriff &#8222;kolonial&#8220; irgendwie unpassend, um das gesellschaftliche Verh&#228;ltnis zu beschreiben, das seit dem Beginn der 1990er Jahre in Israel-Pal&#228;stina vorherrscht. Er hat zudem den Nachteil, dass er einen Gegensatz zwischen zwei nationalen Gebilden annimmt, die in Wirklichkeit zusammen hervorgebracht und reproduziert werden. Pal&#228;stinensische und israelische Proletarier sind Segmentierungen eines gleichen Ganzen. Was sich seit dem 7. Oktober abspielt, muss als eine Verhandlung durch Gewalt zwischen dem Subunternehmer aus dem Gazastreifen und seinem israelischen Arbeitgeber betrachtet werden. Dieser Aspekt muss in diesem Sinne klar von der Aktivit&#228;t des Kampfes der pal&#228;stinensischen Proletarier unterschieden werden, ihnen stehen in erster Linie die Subunternehmer der Hamas und der PA gegen&#252;ber. Dieser Kampf hat nie aufgeh&#246;rt, aber die nationale Einreihung wird ihm einen harten Schlag versetzen, zumindest im Gazastreifen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jenseits jeglicher moralischen Betrachtung scheint mir der Begriff &#8222;Widerstand&#8220;, der auf die koloniale Vorstellungswelt verweist, unangebracht, um die Milit&#228;roperation am 7. Oktober zu beschreiben: Die Interessen der Hamas sind nicht jene der Proletarier, sind nicht jene &#8211; um das geltende Vokabular zu &#252;bernehmen &#8211; des &#8222;pal&#228;stinensischen Volkes&#8220;. Die Proletarier im Gazastreifen, was auch immer das Resultat dieser Verhandlung sein mag, werden im Wesentlichen jene sein, welche geopfert werden &#8211; sie werden es schon jetzt. Falls sich Israel gegenw&#228;rtig dermassen im Aufwind f&#252;hlen w&#252;rde, um sich seines Subunternehmers zu entledigen, w&#252;rde das bedeuten, dass es bereit w&#228;re, sich der &#252;bersch&#252;ssigen Proletarier im Gazastreifen zu entledigen. Das Eine geht nicht ohne das Andere.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Andererseits denke ich jedoch, dass man nicht ohne eine koloniale Lesart auskommen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Israel hat diese europ&#228;ische Logik geerbt, die darin besteht, die Arbeitskraft auf der Grundlage rassischer Kriterien zu &#8222;vertieren&#8220;, eine Grenze zwischen zivilisierter und pr&#228;zivilisierter Welt zu ziehen. Dieses Paradigma l&#228;uft in Israel auf Hochtouren und auf eingestandene Art und Weise. Gegenw&#228;rtig massakriert man die Bewohner des Gazastreifens gem&#228;ss dieser Logik: Man ertr&#228;nkt sie im Bombenhagel ohne ein anderes politisches Ziel, als sie zu &#8222;beruhigen&#8220;, die Hierarchie, welche die menschlichen Gruppen in dieser Region der Welt trennt, in Erinnerung zu rufen. Ein Hund beisst, man schlachtet das Rudel.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es muss daran erinnert werden, das die Grenzen zwischen dem Zivilisierten und dem Tierischen unbest&#228;ndig sind. Sie galten und gelten immer noch innerhalb der j&#252;disch-israelischen Staatsb&#252;rgerschaft. Die arabischen (Mizrachim) und die &#228;thiopischen (Falascha) Juden waren lange auf der schlechten Seite der Grenze und stellen eine Art eingeborene Hilfskr&#228;fte zur Beruhigung anderer Eingeborener dar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Koloniale, als Erbe der kolonialen Periode im eigentlichen Sinne, erzeugt eine Art &#8222;Trieb&#246;konomie&#8220;, rund um welche sich die Konstruktion gesellschaftlicher Kategorien verknotet &#8211; und das ist &#252;brigens nur das vergr&#246;sserte Bild dessen, was in der Gesamtheit der aus den zentralen L&#228;ndern der kapitalistischen Akkumulation bestehenden &#8222;Festung&#8220; geschieht, man sieht es mit dem unmittelbaren Transfer des &#8222;Krieges der Zivilisationen&#8220; nach Frankreich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die aktuelle Dynamik und ihre Logik der Zur&#252;cklegung der &#252;bersch&#252;ssigen Proletarier f&#252;hren eine Menge an auf Erniedrigung basierender Affekte mit sich. In Anbetracht der Unm&#246;glichkeit, das gesellschaftliche Verh&#228;ltnis kollektiv zu beeinflussen, bringt die Ohnmacht eine doppelte Logik des Ressentiments hervor: Streben nach Anerkennung einerseits, nach Rache andererseits.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da sie keine Bourgeoisie haben, auf die sie sich st&#252;tzen, und kein Proletariat, das sie selber ausbeuten, sind Politiker wie jene der Hamas dazu veranlasst, sich auf die Ausbeutung dieser Affekte zu st&#252;tzen, sie werden &#8211; wohl oder &#252;bel &#8211; zur Inkarnation davon.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Um auf Israel zur&#252;ckzukommen, wenn man davon ausgeht, dass die kapitalistische Akkumulation weitgehend auf der permanenten &#8222;Kriegswirtschaft&#8220;, der Aneignung von Boden und der Ausbeutung des mehr oder weniger formellen pal&#228;stinensischen Proletariats gr&#252;ndet, muss dann jegliche &#8222;L&#246;sung&#8220; (z.B. die &#8222;Zweistaatenl&#246;sung&#8220;) als absolut unm&#246;glich betrachtet werden?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ab den 1990er Jahren, als Israel sich der Verwaltung der pal&#228;stinensischen Arbeitskraft in den besetzten Gebieten entledigen will, wird sie einem Subunternehmer &#252;berlassen, der Pal&#228;stinensischen Autonomiebeh&#246;rde. Doch Israel respektiert jenen Vertrag nicht, welcher zu einer Form symbolischer Souver&#228;nit&#228;t h&#228;tte f&#252;hren sollen. Es behandelt seinen Subunternehmer schlecht. Dieser revoltiert also: Es ist die Zweite Intifada, wo sich der Kampf der PA gegen ihren Arbeitgeber und ein umfassender proletarischer Kampf gegen Israel und den Subunternehmer vermischen, letzterer wird jedoch durch die Einklemmung erstickt. Am Ende dieser historischen Sequenz spaltet sich das Subunternehmertum der PA. Ein schlecht behandelter, aber unterw&#252;rfiger Subunternehmer im Westjordanland; ein anderer schlecht behandelter und aufm&#252;pfiger im Gazastreifen. Die Hamas kann zwar als Feind behandelt werden, es ist aber offensichtlich, dass Israel in diesem Zusammenhang nicht ohne Subunternehmer auskommen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kommen wir kurz auf diesen Prozess und sein Scheitern zur&#252;ck. Warum haben die Kapitalisten die M&#246;glichkeit zum &#8222;Frieden&#8220;, die darin bestand, einen &#8222;nationalen Prozess&#8220; f&#252;r Pal&#228;stina im Gazastreifen und im Westjordanland zu unterst&#252;tzen, nicht genutzt? Was sie damals h&#228;tten bekommen k&#246;nnen, w&#228;re die &#214;ffnung eines regionalen Marktes mit den umliegenden L&#228;ndern und die M&#246;glichkeit f&#252;r Investitionen in L&#228;ndern mit billiger Arbeitskraft gewesen. Es h&#228;tte gereicht, der Autonomiebeh&#246;rde die Attribute eines Rumpfstaates zu &#252;berlassen, der mit ausgestreckten Armen von &#228;usseren Spendern unterst&#252;tzt worden und ein interner Markt geblieben w&#228;re. Die Antwort auf diese Frage ist meines Erachtens alles andere als klar. Ich stelle zwei Hypothesen auf. Die erste ist jene des Gewichts des &#8222;milit&#228;rischen&#8220; Kapitals, das durch die von den USA an Israel ausgezahlte milit&#228;rische Rente unterst&#252;tzt wird. Dieser milit&#228;rische Kapitalismus, der mit dem Sektor der Spitzentechnologie verbunden ist, ist &#252;ber die K&#246;pfe des regionalen Marktes hinweg international. Die zweite Hypothese stellt das Scheitern des Friedensprozesses in Zusammenhang mit dieser grossen Katastrophe, die der durch die USA in den 2000er Jahren unternommene Versuch der Umgestaltung des Mittleren Ostens darstellte. Somit h&#228;tte sich Israel in Erwartung der Verfl&#252;ssigung der Zirkulation der Kapitale in der Region auf milit&#228;rischem Wege gehalten, womit die Vorstellung einherging, dass es m&#246;glich sei, das Subunternehmertum zu haben, ohne gegen&#252;ber den bestehenden Beh&#246;rden in den pal&#228;stinensischen Reservaten auch nur irgendwie einzulenken. Das hat fast 20 Jahre lang funktioniert. In diesem Zusammenhang er&#246;ffnete sich sogar die Perspektive der &#214;ffnung neuer M&#228;rkte in der arabischen Welt (die sogenannten Abraham-Abkommen und die neuen Perspektiven einer Pax Americana mit Saudi-Arabien) und diese Situation ist nun wahrscheinlich geplatzt. Was sich am 7. Oktober gezeigt hat, ist, dass die Gleichung, alles haben zu wollen, nicht haltbar ist: Es wird n&#246;tig sein, mit den pal&#228;stinensischen Gef&#228;ngnisw&#228;chtern der pal&#228;stinensischen Reservate zu verhandeln, um die als Ghettos fungierenden Reservate auf ihrem Territorium zu z&#252;geln, oder sich ihnen zu entledigen, was eindeutig ein neues Kapitel in der Geschichte der kapitalistischen Gewalt in den L&#228;ndern des Blockes der zentralen Akkumulation er&#246;ffnen w&#252;rde. Das ist nicht unm&#246;glich. Es l&#228;sst einem erschaudern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ist die Idee eines &#8222;pal&#228;stinensischen Volkes&#8220; zur Umgehung der gesellschaftlichen Trennungen nicht trotzdem operativ, auch innerhalb der beherrschten Klassen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Gesellschaftskritik ist meines Erachtens vor allen Dingen die Hervorbringung von Kategorien, die es erlauben, die Gegens&#228;tze in Begriffen der gesellschaftlichen Widerspr&#252;che zu denken. In einem Kontext wie jenem von Israel-Pal&#228;stina kann das scheinbar eine Operation sein, welche die zirkulierenden subjektiven Kategorien verbiegt, auf welchen sich die Affekte des Kampfes aufbauen, auf dem, was als Identit&#228;t wahrgenommen wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Idee eines &#8222;pal&#228;stinensischen Volkes&#8220; als eine Israel entgegengesetzte Kategorie wirkt nat&#252;rlich in etlichen Bereichen: auf den Ausweispapieren und in dem meisten K&#246;pfen, auch als Art der Legitimierung der proletarischen K&#228;mpfe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber die Ethnisierung der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse hat eine Geschichte, die prim&#228;r jene der herrschenden Klassen ist: Es ist die Geschichte der Herausbildung einer kapitalistischen j&#252;dischen Bourgeoisie, die eine arabische feudale Handelsbourgeoisie vernichtet hat; die Fusion dieser Bourgeoisie mit einem Milit&#228;rstaat usw. Die Proletarier sind zwangsl&#228;ufig Teil dieser Ethnisierung der Gegens&#228;tze innerhalb der herrschenden Klasse.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man darf nie vergessen, dass der &#8222;pal&#228;stinensische Kampf&#8220;, auch jener unter der Flagge der Hamas, vorrangig als von den herrschenden arabischen Klassen &#8211; oder jenen, die Teil davon wollen &#8211; gef&#252;hrter Kampf um ihre Integration ins israelische Kapital gelesen werden muss. Die Interessen der Proletarier, die sich manchmal unter dem Banner des nationalen Kampfes wiederfinden, sind in letzter Instanz im Widerspruch zu jenen ihrer Bourgeoisie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich denke, dass man nicht mit dem &#8222;pal&#228;stinensischen Widerstand&#8220; solidarisch sein sollte, sondern mit den von Proletariern gegen die ihnen auferlegten Existenzbedingungen gef&#252;hrten K&#228;mpfen. Doch die Proletarier k&#228;mpfen unter jenen Flaggen, die sich ihnen anbieten. Man sollte nicht die Flagge anschauen, sondern die K&#228;mpfe selbst. Eine pal&#228;stinensische Fahne, oder sogar eine der Fatah oder der Hamas, sie alle sind potenziell Fahnen des Kampfes, die, je nach Kontext, den politischen Verwaltern entwischen. Im &#220;brigen ist es nicht, weil die Hamas islamistisch ist, dass man auf sie scheissen sollte, sondern weil sie ein Kontrollapparat &#252;ber das Proletariat ist, ein im Entstehen begriffener Staat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotzdem mag diese Sozialkritik manchmal als unglaublich kalt und weit entfernt vom Erleben der K&#228;mpfe erscheinen, da werden andere Kategorien mobilisiert. Meine Rolle, wenn ich kalt von dialektischem Materialismus spreche, ist nicht die gleiche, wie jene, wenn die Situation sich vor meinen Augen abspielt, mit ihrer Gewalt, ihren K&#228;mpfen, ihren Subjektivit&#228;ten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;L&#228;uft eine materialistische Kritik, in einem Kontext, der dermassen von Begriffen der Identifikation gen&#228;hrt ist, nicht Gefahr, als zu herausgel&#246;st zu erscheinen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es scheint mir, dass es in einem solchen Kontext nicht um eine Position geht, sondern um einen Standpunkt, eine Methode. Ein revolution&#228;rer Blick besteht in erster Linie darin, sich nicht blenden zu lassen von der Autonomisierung der durch die Linke gehandhabten Kategorien. Ich nehme zwei davon wahr, die im Moment in den Diskussionen ein der Dialektik zugewandtes Denken konstant zu erschlagen drohen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die erste ist der Reflex der Wehklage &#252;ber das Thema &#8222;das Proletariat ist nicht, wie wir es gerne h&#228;tten&#8220;: antisemitische muslimische Proletarier, rassistische j&#252;dische Proletarier. Abgesehen von der Tatsache, dass dieses Denken &#8211; das darin besteht, das Innere des Proletariers von einer intellektuellen Position aus zu betrachten &#8211; in ihrem Wesen b&#252;rgerlich ist, ist es besonders unangebracht in einer Situation eines Gegensatzes, wo sich nicht die geringste Form proletarischer Autonomie manifestiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was sich im Moment abspielt, ist einerseits eine Logik der Einreihung des Proletariats und andererseits ein pures Massaker &#252;bersch&#252;ssiger Proletarier. Gewisse werden also die gute alte Zeit zur&#252;ckw&#252;nschen, wo die politischen Formationen in Pal&#228;stina (und deshalb, so mutmasst man, das Volk selbst) links waren. Das scheint mir idiotisch. Die Ideologie der politischen Gruppen, sobald man davon ausgeht, dass diese insbesondere k&#228;mpfen, damit ihre Anf&#252;hrer sich als herrschende Klasse aufspielen und als solche reproduzieren, ist sekund&#228;r. Betreffend der Methoden m&#246;chte ich einfach daran erinnern, dass es ein Kommando der DFLP [Demokratische Front zur Befreiung Pal&#228;stinas] war, eine ideologisch extrem linke pal&#228;stinensische Formation (die mit Elementen der &#228;usseren Linken Israels verbunden war), die das Massaker an 22 Kindern in einer Schule in Ma'alot 1974 beging.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein zweiter problematischer Denkreflex besteht darin, die Metaphysik sich in die Analyse einschleichen zu lassen. Dieses metaphysische Denken ist in der Idee der erstarrenden und verbl&#252;ffenden Wiederholung enthalten. Sie ist in den Ausf&#252;hrungen &#252;ber die &#8222;Massaker an den Juden&#8220; am Werk; aber auch in jenen rund um die &#8222;pal&#228;stinensische Trag&#246;die&#8220;. Diese Ausf&#252;hrungen, die wom&#246;glich auf autonome Art und Weise im Innersten der Psyche entstehen, sind nichtsdestotrotz reine Produkte der Art und Weise, wie das b&#252;rgerliche Denken die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse in den Himmel der Ideen aussiedelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vergessen wir die Geschichten, sowohl die Farce als auch die Trag&#246;die. Die Geschichte wiederholt sich nicht: Die sich ausbreitenden Gegens&#228;tze sind &#252;berwiegend gegenw&#228;rtige Gegens&#228;tze.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://leserpentdemer.wordpress.com/2023/10/30/gaza-une-militarisation-extreme-de-la-guerre-de-classe-en-israel-palestine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Roland Simon - Statistiken und Gef&#252;hle (zu den Krawallen im Juni 2023)</title>
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&lt;p&gt;&#8222;Wenn die Statistik die Massen ergreift, wird das Gef&#252;hl zur materiellen Gewalt&#8220; (Anonym) &lt;br class='autobr' /&gt;
Es wird keine Statistiken geben. &lt;br class='autobr' /&gt;
Die Vervielfachung der Statistiken, um wie die &#8222;lokalen Volksvertreter&#8220;, die &#8222;sozialen Schlichter&#8220; zu sagen: &#8222;Wir hatten euch gewarnt, es wird knallen&#8220;, erkl&#228;rt nichts und schafft nicht die geringste Klarheit bez&#252;glich der Ereignisse: Es erkl&#228;rt weder ihre Form oder den Moment, noch ihren Inhalt oder die Ziele. Im Feuer der Aktion existieren alle objektiven und (...)&lt;/p&gt;


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		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;&#8222;Wenn die Statistik die Massen ergreift, wird das Gef&#252;hl zur materiellen Gewalt&#8220; (Anonym)&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Es wird keine Statistiken geben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Vervielfachung der Statistiken, um wie die &#8222;lokalen Volksvertreter&#8220;, die &#8222;sozialen Schlichter&#8220; zu sagen: &#8222;Wir hatten euch gewarnt, es wird knallen&#8220;, erkl&#228;rt nichts und schafft nicht die geringste Klarheit bez&#252;glich der Ereignisse: Es erkl&#228;rt weder ihre Form oder den Moment, noch ihren Inhalt oder die Ziele. Im Feuer der Aktion existieren alle objektiven und &#8222;erkl&#228;renden&#8220; Gegebenheiten als Gef&#252;hle, werden zu Gef&#252;hlen: vom Hass und der Rache bis zum Spiel, bis hin zum Fest und der imagin&#228;ren Selbstprojektion, dass man einen Moment lang die Kontrolle &#252;ber sein Leben zur&#252;ckerlangt. Die Videospiele, wieso nicht? Alle agieren im Wald der Referenzen und Symbole, die Statistiken treiben nie jemanden auf die Strasse, ausser umgewandelt durch die Modalit&#228;ten des Erlebten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jegliche Praxis verf&#228;hrt unter einer Ideologie, das Gef&#252;hl (Rache und Hass in Anbetracht der Geringsch&#228;tzung, Lust an der verbotenen Ware) ist eine davon. Das Gef&#252;hl ist ein Verh&#228;ltnis zu den Produktionsverh&#228;ltnissen, es ist sogar die offensichtlichste Form davon, die unmittelbarste der Anrufung der konkreten Individuen als Subjekte. Aber &#8222;das konkrete Individuum&#8220; ist kein prim&#228;res Substrat, es wird selbst in der Reproduktion der Produktionsweise in all seinen Erscheinungsformen und all seinem Fetischismus hervorgebracht. Es ist das konkrete Individuum, das sich selbst als Subjekt anruft. Die rassialisierten Teenager haben sich selbst als Subjekte angerufen, offensichtlich nicht unter der gleichen Ideologie wie ein Arbeiter oder ein Rentner. Das Gef&#252;hl: Hass, Rache, Lust, nicht nur Produkte von Aldi oder Lidl zu konsumieren, sondern auch moderne Telefone und Flachbildschirme, Spiel und Selbstbest&#228;tigung. Gegen ihre konstante Versagung ist die spezifische Ideologie der jungen Aufr&#252;hrer eben genau, das &#8222;Menschsein&#8220; f&#252;r sich in Anspruch zu nehmen, die W&#252;rde ist die reinste Form des Subjekts. Das Gef&#252;hl repr&#228;sentiert nicht ihre wirklichen Existenzbedingungen, sondern ihr Verh&#228;ltnis zu denselben, in diesem Verh&#228;ltnis konstituieren sie sich als Subjekte und als solche agieren und k&#228;mpfen sie gem&#228;ss ihrer wirklichen Existenz, so wie sie in einer besonderen sozialen und politischen Situation definiert ist und besteht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nachdem sie sich in den 1970er Jahren global gegen Keynes und Ford restrukturiert hat, indem sie die Kapitalverwertung von der Reproduktion der Arbeitskraft entkoppelt hat, ist die Produktionsweise nun durch einen R&#252;ckschlag dessen unterminiert, was die Dynamik dieser letzten dreissig oder vierzig Jahre war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gab die Gelbwesten, die das allt&#228;gliche Leben in all seinen Unw&#228;gbarkeiten, seinen guten und schlechten Seiten ins Zentrum des Klassenkampfes stellten und den Staat als Verantwortlichen der Distribution, des Einkommens, des Reichtums der Einen und der Armut der Anderen anriefen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gab die lange Episode in Bezug auf die Rentenreform, wo der Zusammenschluss der Gewerkschaften es die ganze Zeit schaffte, der Bewegung den Rahmen zu geben, denn als tot geborene Bewegung war ihr Ziel nur die Niederlage und der Zusammenschluss der Gewerkschaften war die angemessene Form daf&#252;r. Eine Reform, die, artikuliert mit jenen der Arbeitslosenversicherung, der Lehre und der Ausbildung, der Berufsgymnasien und ihrer Finanzierung den gesamten Verlauf des Arbeitslebens modifiziert. Aber in ihrer angek&#252;ndigten Niederlage zeigte sich die Offensichtlichkeit der Krise der repr&#228;sentativen Demokratie in der Akkumulation aller Notn&#228;gel der Verfassung, um eine schon vor jeglicher &#8222;Diskussion&#8220; getroffene Entscheidung durchzusetzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gab die Covid-Periode mit ihren Lockdowns und der territorial gezielten Repression gegen jene, welche sich nicht daran hielten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gab die &#246;kologische Radikalit&#228;t gegen die grossen Baustellen des Kapitals. Eine sympathische Bewegung, wenn man darin nicht zwischen den Zeilen die Nostalgie des Bauern, des Kleinhandels und der kleinen Warenproduktion wiederfinden w&#252;rde: die Mittelm&#228;ssigkeit in allem.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gab die Inflation, dieses magische Ph&#228;nomen, das wie von einem anderen Planeten gekommen ist, um die g&#228;ngigsten Konsumg&#252;ter hart zu treffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und jedes Mal gibt es den Staat und seine verschiedenen bewaffneten Banden. Der Staat, das ist der Kn&#252;ppel. Hinter jedem seiner Apparate, seiner &#8222;Dienste&#8220;, steht die Gewalt. Er ist eine Maschine, welche die gegenseitige Gewalt, die alle Facetten des Klassenkampfes s&#228;umt, in die einzig legitime Gewalt verwandelt, jene der Reproduktion der kapitalistischen Produktionsweise. Mit dem Zerfall der &#8222;Arbeiterbewegung&#8220;, ihrer Instanzen und Institutionen, bricht die repr&#228;sentative Demokratie gleichzeitig mit der Politik, welche das wechselseitige Verh&#228;ltnis des Staates mit der Zivilgesellschaft (die Transkription der Produktionsverh&#228;ltnisse in staatliche Begriffe) darstellt, zusammen. Die Neofaschisten werden zu Liberalen, verfolgen eine Sparpolitik, schliessen sich der EU und der NATO an, w&#228;hrend sich die Linke und die Rechte mit &#8222;Reformen&#8220; des Arbeitsrechts und der Altersvorsorge &#252;berbieten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die befriedete Repr&#228;sentation als &#8222;Gemeinwille&#8220; einer als notwendigerweise als konfliktreich anerkannten Gesellschaft (hier liegt die gesamte Kraft der Demokratie) ist eine Arbeit und nicht ein Widerschein. Das heisst, dass in der demokratischen Funktionsweise des Staates die Verdinglichung und der Fetischismus T&#228;tigkeiten sind, es ist die Politik als Parteien, Debatten, Beratungen, Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse in der spezifischen Sph&#228;re der Zivilgesellschaft, Entscheidungen. All das ist verschwunden. Das Problem der Demokratie ist aktuell, dass sie nur noch eine Besonderheit der gesellschaftlichen Totalit&#228;t kennt, die f&#228;hig ist, am Wettbewerb teilzunehmen, das Verschwinden der Arbeiteridentit&#228;t und ihrer Repr&#228;sentation hat alle anderen in ihrem Untergang mitgerissen, auch die Vereine, die Fronten oder Bewegungen der &#8222;Vorst&#228;dte&#8220; oder &#8222;Quartiere der einfachen Leute&#8220;. Doch alleine, als politische Besonderheit, ist die herrschende Klasse nichts, sie bewirtschaftet das Universelle nicht mehr. Im Verschwinden des demokratischen Spiels geht es f&#252;r die Bourgeoisie um ihre Universalit&#228;t. Es besteht ein grundlegendes Unbehagen in der politischen Repr&#228;sentation. &#220;berall br&#246;ckeln die Vermittlungen der Gewalt der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist die Repr&#228;sentationsarbeit, welche in der Krise ist. &#220;berall ist es das Verschwinden der Arbeiteridentit&#228;t und dadurch ihrer sozialdemokratischen und/oder kommunistischen Repr&#228;sentation, die das politische Fundament des demokratischen Staates destabilisiert. Dieses ist gleichbedeutend mit der Befriedung einer gesellschaftlichen Kluft, welche die Demokratie vom Moment an, wo sie davon die Repr&#228;sentation als Auseinandersetzung zwischen B&#252;rgern ist, als wirklich anerkennt. Die Demokratie ist die Anerkennung des auf un&#252;berwindbare Art und Weise konfliktreichen Charakters der &#8222;nationalen Gemeinschaft&#8220;, von diesem Standpunkt aus war die Anerkennung der Arbeiterklasse historisch im Zentrum des Aufbaus der Demokratie, sie war der Motor und das Kriterium davon. In den gegenw&#228;rtigen politischen Formen des Verlaufs der Krise kann man eine Krise der Hegemonie der kapitalistischen Klasse feststellen. Herrschaft und Hegemonie sind nicht identisch, es kann Herrschaft ohne Hegemonie geben. Die Hegemonie besteht darin, den unumg&#228;nglichen Rahmen der Debatten und Oppositionen hervorzubringen, sie bedeutet, dem Anderen die Begriffe selbst seiner Opposition aufzuerlegen. Wenn das zusammenbricht, bleibt f&#252;r jene, welche im Spiel am schlechtesten platziert sind, nur der Kn&#252;ppel &#252;brig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man muss eine englische Zeitung (&lt;i&gt;The Guardian&lt;/i&gt;, 29. Juni) lesen, um den aussagekr&#228;ftigsten Zeugenbericht bez&#252;glich der Krawalle Ende Juni 2023 zu finden: &#8222;Es war Krieg, ich denke wirklich, dass die Jugendlichen hier der Ansicht sind, dass sie im Krieg sind. Sie sehen darin einen Krieg gegen das System. Er ist nicht nur gegen die Polizei gerichtet, es geht viel weiter, sonst w&#252;rden wir das nicht in ganz Frankreich sehen. Es ist nicht nur die Polizei, die angegriffen wird, sondern auch die Rath&#228;user und &#246;ffentlichen Geb&#228;ude, die im Visier sind. Der Tod dieses Teenagers hat etwas ausgel&#246;st. Es gibt viel Wut, aber es ist mehr als das, es gibt eine politische Dimension, ein Gef&#252;hl, dass das System nicht funktioniert. Die Jugendlichen haben das Gef&#252;hl, dass sie diskriminiert sind und ignoriert werden.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Bezug auf die Verbannung in Quartiere, die von den &#246;ffentlichen Diensten verlassen worden sind und wo die einzige Pr&#228;senz des Staates die Polizei ist, die sich wie eine rivalisierende Bande verh&#228;lt, wo Arbeit eine Schim&#228;re ist, die Armut eine Banalit&#228;t und die allt&#228;gliche Gewalt aller m&#246;glichen Arten des Handels die Realit&#228;t, geht es darum, sich nicht nur f&#252;r die objektiven materiellen Bedingungen zu interessieren, sondern auch f&#252;r den Prozess der Subjektwerdung, d.h. die Art und Weise, wie die Individuen von Tag zu Tag ihre Stellung in den Produktionsverh&#228;ltnissen empfinden. Die Akzeptierung eines &#8222;Systems&#8220; in seiner Selbstvoraussetzung wird auch von normativen Prinzipien, Werten und Verpflichtungen reguliert. Die Revolte ereignet sich pl&#246;tzlich, wenn die Werturteile, die Gef&#252;hle, gegen&#252;ber der Funktionsweise der Gesellschaft als &#252;bertreten geworden erscheinen, wenn das &#8222;System&#8220; die M&#246;glichkeit des materiellen &#220;berlebens darin nicht mehr erlaubt, wenn die Normen und &#8222;moralischen Prinzipien&#8220;, die den &#8222;gew&#246;hnlichen Rassismus&#8220; von Tag zu Tag kontrollieren und bestimmen, &#252;bertreten werden. F&#252;r die Jugend der &#8222;Quartiere&#8220; war die Tatsache, das &#8222;Frankreich unter dem Frankreich von unten&#8220; zu sein, die Norm, doch die Ermordung, der gesundheitlich-polizeiliche Lockdown und die Inflation haben diese Norm ersch&#252;ttert, der &#8222;Vertrag&#8220; ist gebrochen, der Angriff gegen die &#8222;rivalisierende Bande&#8220; (den Staat), das notwendige oder nicht notwendige Pl&#252;ndern (aber wer kann schon &#8222;Notwendigkeit&#8220; definieren?) werden notwendig f&#252;r das konkrete, als Subjekt angerufene Individuum.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gelbwesten, Demonstranten gegen die Rentenreform, radikale Umweltsch&#252;tzer von Sainte-Soline, rassialisierte Teenager in den &#8222;Quartieren der einfachen Leute&#8220;, all das wird sich nicht begegnen, nicht &#8222;konvergieren&#8220;, solange jeder bleiben wird, was er ist. Nichts ist pathetischer und erb&#228;rmlicher als die Aufrufe an die &#8222;Arbeiterbewegung&#8220;, die Revolte der Jugendlichen der Vorst&#228;dte zu unterst&#252;tzen. Marine Le Pen, Giorgia Meloni, Vox, AFD und Konsorten in Europa, Trump und Bolsonaro anderswo, sind f&#252;r die Demokratie in Reserve als m&#246;gliches Gegenfeuer f&#252;r ein eventuelles konjunkturelles Ereignis, das zu einer Osmose nicht dessen wird, was die Gelbwesten, der Widerstand gegen die Rentenreform, die radikalen &#246;kologischen K&#228;mpfe, die Revolte der rassialisierten Armen (was auch immer in den Ecken der Welt ihre Existenzformen sein m&#246;gen) waren, sondern dessen, was sie ausmachte. Diese seltsame Klasse, die man &#8222;Proletariat&#8220; nennt, konstituiert sich nur in der Infragestellung durch alle Unterdr&#252;ckten/Ausgebeuteten dessen, was sie definiert, und nicht in ihren Forderungen als solche.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;R.S.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;02.07.23&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Kommentar zum Artikel:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Ich m&#246;chte auf die paar Zeilen des Absatzes bez&#252;glich des Kampfes gegen die Rentenreform zur&#252;ckkommen. Ich denke, dass die Aussage &#034;ihr Ziel war nur die Niederlage&#034; nicht nur falsch ist, sondern auch geringsch&#228;tzend gegen&#252;ber den Millionen von Leuten, die auf den Strassen waren und manchmal streikten. Man kann vielleicht sagen, dass ihr Horizont die Niederlage war, und ich denke, dass es diesbez&#252;glich kaum Illusionen gab, doch der Horizont ist nicht das Ziel. Ein Kampf und sogar eine Demo, wie kontrolliert sie auch immer sein mag, ist immer ein Daseinsmoment einer Gruppe, wenn nicht einer Klasse, in all den Unw&#228;gbarkeiten ihrer Diversit&#228;t und ihrer Existenz. Wie scharfsinnig man auch immer sein mag, man kann immer hoffen, dass man den Dingen eine andere Richtung geben oder sie aufschieben kann. Und sowieso gibt es das Gl&#252;ck und die Notwendigkeit, da zu sein, mit oder ohne Illusionen.&lt;/div&gt;
&lt;div&gt; &lt;/div&gt;
&lt;div&gt;R.S., 06.07.23&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=20989&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://haters.noblogs.org/post/2023/07/07/translation-statistics-and-sentiments-on-the-riots-of-june-2023-by-r-s/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Englische &#220;bersetzung&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://necplusultra.noblogs.org/post/2023/07/04/180/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Spanische &#220;bersetzung&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Wellen und Wogen: Anmerkungen zur Ukraine in der langen Krise</title>
		<link>https://www.kommunisierung.net/Wellen-und-Wogen-Anmerkungen-zur-Ukraine-in-der-langen-Krise</link>
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		<dc:date>2023-04-10T08:57:00Z</dc:date>
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		<dc:subject>Bericht/Analyse</dc:subject>
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		<dc:subject>Ukraine-Krieg</dc:subject>

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&lt;p&gt;Es hindert uns also nichts, unsre Kritik an die Kritik der Politik, an die Partheinahme in der Politik, also an wirkliche K&#228;mpfe anzukn&#252;pfen und mit ihnen zu identificieren. Wir treten dann nicht der Welt doctrin&#228;r mit einem neuen Princip entgegen: Hier ist die Wahrheit, hier kniee nieder! Wir entwickeln der Welt aus den Principien der Welt neue Principien. Wir sagen ihr nicht: lass ab von deinen K&#228;mpfen, sie sind dummes Zeug; wir wollen dir die wahre Parole des Kampfes zuschrein. Wir (...)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Ukraine-Krieg" rel="tag"&gt;Ukraine-Krieg&lt;/a&gt;

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 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/wellenundwogen.jpg?1689067455' class='spip_logo spip_logo_right' width='125' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Es hindert uns also nichts, unsre Kritik an die Kritik der Politik, an die Partheinahme in der Politik, also an &lt;i&gt;wirkliche&lt;/i&gt; K&#228;mpfe anzukn&#252;pfen und mit ihnen zu identificieren. Wir treten dann nicht der Welt doctrin&#228;r mit einem neuen Princip entgegen: Hier ist die Wahrheit, hier kniee nieder! Wir entwickeln der Welt aus den Principien der Welt neue Principien. Wir sagen ihr nicht: lass ab von deinen K&#228;mpfen, sie sind dummes Zeug; wir wollen dir die wahre Parole des Kampfes zuschrein. Wir zeigen ihr nur, warum sie eigentlich k&#228;mpft, und das Bewusstsein ist eine Sache, die sie sich aneignen &lt;i&gt;muss&lt;/i&gt;, wenn sie auch nicht will. [&#8230;] Unser Wahlspruch muss also sein: Reform des Bewusstseins nicht durch Dogmen, sondern durch Analysirung des mystischen sich selbst unklaren Bewusstseins, trete es nun religi&#246;s oder politisch auf.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Marx an Ruge, &#8222;Ein Briefwechsel von 1843&#8220; in Deutsch-franz&#246;sische (...)&#034; id=&#034;nh1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die D&#252;rftigkeit der Geopolitik&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unmittelbar vor der Ank&#252;ndigung der russischen Regierung, dass sie &#8222;milit&#228;rische Spezialoperationen&#8220; in der Ukraine mit dem festgelegten Ziel der Demilitarisierung und der &#8222;Entnazifizierung&#8220; durchf&#252;hren werde, war die sogenannte &#8222;Linke&#8220; entlang vertrauten parteiinternen Linien gespalten. In einer Darbietung dessen, was Leila Al-Shami den &#8222;&#8218;Antiimperialismus&#8216; der Idioten&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Leila Al-Shami, &#8222;Der &#8218;Antiimperialismus&#8216; der Idioten&#8220;, 2018. Leila (...)&#034; id=&#034;nh2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; genannt hat, plapperten viele westliche angeblich &#8222;sozialistische&#8220; Organisationen und angebliche &#8222;Kommunisten&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Z.B. die Position der Partei f&#252;r Sozialismus und Befreiung (PSL) oder der (...)&#034; id=&#034;nh3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; in den sozialen Medien eine Analyse nach, in welcher die USA der einzige imperiale Akteur in einer polaren Welt ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Z.B. Branko Marcetic, &#8222;With Putin's Ukraine Incursion, Hawks in Washington (...)&#034; id=&#034;nh4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Gem&#228;ss dieser Geschichte ist das russische Handeln in der Region seither, da die USA die Maidan-Revolution 2014 mit ihren rechtsextremen ukrainischen Nationalisten und Neonazi-Regimenten unterst&#252;tzten, in seinem Wesen allen voran &#8222;antifaschistisch&#8220; und &#8222;antiimperialistisch&#8220; gewesen. Auf diese Weise dargestellt, sind die USA und die NATO inhaltsgleich mit &#8222;Imperialismus&#8220; als solchem, w&#228;hrend ihre geopolitischen Konkurrenten einen ungleichm&#228;ssigen aber strategischen &#8222;Pol&#8220; gegen diesen &#8222;westlichen Imperialismus&#8220; bilden, eine Formulierung, die, in dieser Darstellung, &#252;berfl&#252;ssig wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Viel anarchistische Analyse im Angebot ist, in der englischsprachigen Welt zumindest, kaum besser als die ihrer Kontrastfiguren in der &#8222;antiimperialistischen&#8220; Partei der Ordnung. Wenn es auch der Intuition widersprechen mag, die Szene ist hier bemerkenswert &#228;hnlich: Staatliche Autorit&#228;t und geopolitische Interessen sind die fundamentalen Organisationsprinzipien der globalen Machtverteilung. Ihrer historischen Spezifizit&#228;t und ihres gesellschaftlichen Inhalts beraubt, f&#228;llt die Form mit dem Inhalt zusammen und der Staat nimmt einen Fetischcharakter an und wird reduktiv zu einem Objekt der Emp&#246;rung. In der Ukraine wurde eine verallgemeinerte Konfrontation mit dem Staat durch die Pr&#228;senz von Faschisten und &#8222;Antifaschisten&#8220; auf &#8222;beiden Seiten&#8220; erschwert. F&#252;r den reduktiven Anarchisten ist es, als ob die Ukrainer &#8222;zwischen zwei Fronten&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;CrimethInc, &#8222;Ukraine: Zwischen zwei Fronten. Anarchist*innen in der Region (...)&#034; id=&#034;nh5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; gefangen w&#228;ren, die bez&#252;glich ihrer Urspr&#252;nge als unabh&#228;ngig erscheinen, jedoch in ihrer Wirkung gleich gef&#228;hrlich sind. Jeder Weg aus diesem Morast ist vernebelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Orientierungslosigkeit hat zur irritierenden Suche nach einer &#8222;anarchistischen Position&#8220; innerhalb des Krieges selbst beigetragen. Dieser Strang anarchistischer Geopolitik macht Staaten und staatliche Macht nicht nur undurchl&#228;ssig f&#252;r historische Analyse und Kritik, er verwechselt auch seine eigene utopische Staatsfeindlichkeit mit einer materiellen gesellschaftlichen Position. &#8222;Anarchistischer Kampf&#8220; oder &#8222;anarchistische Intervention&#8220; gegen den Staat ersetzen schlicht und einfach Klassen-, Rassen-, Geschlechter- und koloniale Verh&#228;ltnisse in der systematischen Dialektik des Kapitals. Was Kriegssituationen allen voran aufzeigen, ist die Tatsache, dass &#8222;radikale&#8220; Positionen kaum, wenn &#252;berhaupt von Bedeutung sind. Wenn die Moral f&#252;r grundlegende Analyse einspringt, kann sich die politische Theorie nur noch an Strohhalme klammern&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe z.B.: &#8222;[E]ine anarchistische Positionalit&#228;t bedeutet, sich seinen (...)&#034; id=&#034;nh6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was hat kommunistische Theorie zur gegenw&#228;rtigen Krise und zum Krieg anzubieten? Weiter unten skizzieren wir einige Betrachtungen, in welchen das geopolitische Narrativ mit den zentralen Akteuren NATO und Putin zugunsten einer Betrachtung des Kapitalismus in seiner globalen Totalit&#228;t in den Schatten tritt: Eine gnadenlose Hydra, deren zahlreiche K&#246;pfe dazu verdammt sind, sich in einem endlosen Zyklus der Selbstzerfleischung gegenseitig zu bek&#228;mpfen. Innere Fragmentierung und Konflikt sind langanhaltende Tendenzen des Kapitals in seinem Kampf um die Verwaltung gesellschaftlicher und &#246;kologischer Krise und der &#220;berwindung proletarischer Revolten. Die sich entfaltende Situation in der Ukraine l&#246;st Welleneffekte in der ganzen kapitalistischen Welt aus. Das bietet ein Fenster in diesen inneren Nischen des Chaos und gibt uns die Gelegenheit, diese Krise als Kommunisten zu analysieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was gemeinhin &#8222;die Wirtschaft&#8220; genannt wird, ist eine abstrakte Logik, eine Reihe von unpers&#246;nlichen, leidenschaftslosen Beziehungen, die durch die konkrete Realit&#228;t der Fragmentierung, des Elends und der Feindseligkeit operieren. Wenn man von &#8222;L&#228;ndern&#8220;, &#8222;Staaten&#8220;, &#8222;nationalen Interessen&#8220;, &#8222;Regimes&#8220; oder den Machenschaften der Realpolitik spricht, muss man verstehen, dass sie kaum mehr als manich&#228;ische Formen, innere Spaltungen und Spannungen in der Struktur der kapitalistischen Produktionsverh&#228;ltnisse sind. Das Wertgesetz ist weltumspannend und totalisierend, doch sein Fluss wird durch Trennung und Differenzierung vollendet. Die Totalit&#228;t der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse nimmt personalisierte und antagonistische Formen wie Unternehmen, aber auch Klasse, Rasse, Gender und Nation an&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zu Klasse als eine Abstraktion, die durch konkrete rassialisierte und (...)&#034; id=&#034;nh7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Sie nimmt die Formen von Kartellen, Monopolen, vertikal integrierten Wertsch&#246;pfungsketten, Lieferketten, nationalen Grenzen und W&#228;hrungen an. Sie nimmt die Form von Staaten an.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die h&#228;ufig heftige Konfrontation, die Repression und der Zwang, die solche Verh&#228;ltnisse regulieren, liegen nicht ausserhalb des Kapitals, sondern sie sind seinen Reproduktionsgesetzen immanent&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Marx betonte, dass die &#228;ussere Kraft der Konkurrenz den Gesetzen der (...)&#034; id=&#034;nh8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Im Kampf zwischen Staaten und Territorialit&#228;t nimmt der prozessierende Widerspruch&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Das Kapital ist selbst der prozessierende Widerspruch [dadurch], da&#223; es (...)&#034; id=&#034;nh9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; des Kapitals eine politische Form an&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In Bezug auf den laufenden Ukraine-Krieg hat Roland Simon beobachtet, wie (...)&#034; id=&#034;nh10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Geopolitik ist dann im besten Falle eine Spur der strengen Verwertungslogik&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wie Chuang es formuliert: &#8222;Vertraue nie jemandem, der von der Welt in rein (...)&#034; id=&#034;nh11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Besonders in Krisenzeiten ist ihr analytischer Gehalt knapp und ihre ann&#228;hernden Berechnungen k&#246;nnen zu verheerenden politischen Schl&#252;ssen f&#252;hren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Vor kurzem haben Antithesi und Cognord die als staatliche Politik (...)&#034; id=&#034;nh12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Da sie unf&#228;hig ist, die Verallgemeinerung der Krise, den Niedergang und das Auftauchen politischer Irrationalit&#228;t im Chaos des Krieges zu erkl&#228;ren, r&#252;ckt die geopolitische Analyse immer n&#228;her an Verschw&#246;rungstheorien, ges&#228;ttigt mit Klagen &#252;ber &#8222;Massenpsychose&#8220; und neurokognitiver Manipulation, die nicht viel mehr tun, als die wirklichen historischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse, welche die materielle Wirklichkeit konstituieren, zu psychopathologisieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Z.B. Franco &#8222;Bifo&#8220; Berardi, &#8222;The Precipice &#8211; Ukraine's Inter-White War Is (...)&#034; id=&#034;nh13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Kommunisten w&#252;rden diesen Fetisch besser Kolumnisten, Experten, Exzentrikern unter dem Niveau von Reddit und Diskursen in der Kleinbrauerei &#252;berlassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Das Periodisierungsproblem&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Der Sieg der Bourgeoisie ist der Sieg der &lt;i&gt;zutiefst geschichtlichen&lt;/i&gt; Zeit, weil sie die Zeit der wirtschaftlichen Produktion ist, die die Gesellschaft fortw&#228;hrend und von Grund auf ver&#228;ndert [&#8230;] Die Geschichte [&#8230;] wird jetzt als die &lt;i&gt;allgemeine Bewegung&lt;/i&gt; begriffen, und in dieser strengen Bewegung werden die Individuen aufgeopfert.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Guy Debord, Die Gesellschaft des Spektakels, 1967, These 141.&#034; id=&#034;nh14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ob sich der gegenw&#228;rtige Moment als Trag&#246;die oder als Farce entfaltet, kann wom&#246;glich nur als blosse ideologische Unterscheidung gekl&#228;rt werden. Auf jeden Fall scheint es viel klarer, dass wir uns, wenn wir jegliche Hoffnung haben, die Verw&#252;stung, Zerst&#246;rung und Fehltritte zu begreifen, mit den toten Generationen, deren akkumulierte soziale Praxis jenen Boden durchdrungen hat, aus welchem die Lebenden ihre Entschlossenheit und Handlungsf&#228;higkeit beziehen, konfrontieren m&#252;ssen. Das Problem historischer Bedingungen, die so, wie sie sind, von der Vergangenheit &#252;bermittelt werden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Hegel bemerkte irgendwo, da&#223; alle gro&#223;en weltgeschichtlichen Tatsachen (...)&#034; id=&#034;nh15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, und die Zw&#228;nge, die sie den sie begleitenden Kampfzyklen auferlegen, stellen das Problem der Periodisierung dar&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Roland Simon, &#8222;The Concept of the Cycles of Struggle&#8220;, 2008.&#034; id=&#034;nh16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Wer auch immer nahelegt, dass der russisch-ukrainische Krieg seine Wurzeln im Jahr 2014 oder im postsowjetischen Expansionismus der Nato habe, ist entweder ein Narr oder ein Schwindler. Jene, welche die Situation andererseits nur als j&#252;ngstes Aufflackern einer fast schon transhistorischen br&#252;derlichen Rivalit&#228;t zwischen der Ukraine und Russland pr&#228;sentieren, handeln in einer &#228;hnlich albernen und heuchlerischen Sph&#228;re. Die Anpassungen des Kapitals in seiner &lt;i&gt;longue dur&#233;e&lt;/i&gt; sind viel dynamischer und dissonanter als es diese monotonen T&#246;ne erlauben w&#252;rden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seit der Aufl&#246;sung der Sowjetunion ist es Russland weit besser als der Ukraine ergangen, doch es konnte der Entstellung durch die lange Krise des Kapitalismus nicht entfliehen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die &#8222;lange Krise&#8220;, der &#8222;lange Abschwung&#8220; oder die &#8222;lange Depression&#8220; (...)&#034; id=&#034;nh17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Um seine gegenw&#228;rtige Stellung in der Weltwirtschaft zu verstehen, ist es wichtig, die l&#228;ngere Geschichte der UdSSR und ihr industrielles Entwicklungsprogramm zu betrachten. Die gescheiterte &#8222;Modernisierung&#8220; (z.B. die Industrialisierung) im Entwicklungsverlauf und das Tempo der europ&#228;ischen Nationen, mit welchen Russland zunehmend im Wettbewerb um Rohstoffe, Energie und M&#228;rkte stand, setzten das sp&#228;te Zarenreich betr&#228;chtlich unter Druck und trugen zu seiner Unf&#228;higkeit, die st&#228;dtische Bev&#246;lkerung zu ern&#228;hren, und zu weit verbreiteten Unruhen und dem Aufruhr von 1905 und den anschliessenden Revolutionen im Februar und Oktober 1917 bei&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Beschaffung und Verteilung von Lebensmitteln war eine wiederkehrende (...)&#034; id=&#034;nh18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Das Ausmass, in welchem die bolschewistische Revolution, der Russische B&#252;rgerkrieg, die Neue &#214;konomische Politik und die Gr&#252;ndung der UdSSR die Form eines b&#252;rokratischen &#8222;Staatskapitalismus&#8220; oder eines &#8222;degenerierten Arbeiterstaates&#8220; annahm, verursachte viele Kontroversen unter Anarchisten, Kommunisten, Theoretikern und Geschichtsschreibern&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r eine &#220;bersicht &#252;ber diese Debatten, prim&#228;r innerhalb der (...)&#034; id=&#034;nh19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Da sie dadurch moralisch beurteilt wurden, erschienen die proletarischen Aufst&#228;nde und b&#228;uerlichen Revolten von 1905 und 1917 als Misserfolge der kommunistischen Bewegung, blosse b&#252;rgerliche Konterrevolutionen, eingeh&#252;llt im Dogma und der Rhetorik des Marxismus und im revolution&#228;ren Kult rund um Lenin, Trotzki und Stalin.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl die Reaktion und die Repression von Revolte tats&#228;chlich w&#228;hrend dem bolschewistischen Aufstieg vorherrschend waren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Z.B. Ida Mett, The Kronstadt Uprising of 1921, 1948.&#034; id=&#034;nh20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, w&#252;rden wir durch die &#220;bernahme eines unbeirrbaren Narrativs des Scheiterns Gefahr laufen, historische Analyse gegen moralischen Aphorismus und Tautologie einzutauschen. Wenn wir hingegen die Begriffe der Revolution 1917 und die innere Entwicklung der UdSSR historisieren, kommen wir zu einer anderen Beurteilung. Die historischen Eigenschaften des proletarischen Kampfes gegen das Reich und die Republik &#8211; die Gr&#252;ndung der Sowjets, der R&#228;te und der Arbeiterselbstverwaltung &#8211; entsprechen dem, was Th&#233;orie communiste (TC) als die Periode des Programmatismus bezeichnet hat&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Th&#233;orie communiste, &#8222;Much Ado about Nothing&#8220;, 2008.&#034; id=&#034;nh21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In dieser &#196;ra wird die kommunistische Bewegung als Programm ausgedr&#252;ckt &#8211; die Befreiung der Arbeit vom Kapital &#8211;, das durch die Affirmation des Proletariats als Klasse erreicht werden soll. Die proletarische Aktivit&#228;t w&#228;hrend dieser Periode nahm die Form von Arbeiterselbstverwaltung, parlamentarischer Politik, der Avantgardepartei und der klassischen Arbeiterbewegung an&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Endnotes, &#8222;A History of Separation&#8220;, 2015. Die anarchistische (...)&#034; id=&#034;nh22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die von TC angebotene Periodisierung ist durch ihre Analyse der formellen und der reellen Subsumtion strukturiert&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb23&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Formelle Subsumtion, manchmal als formelle Herrschaft &#252;bersetzt, ist die (...)&#034; id=&#034;nh23&#034;&gt;23&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Sowohl f&#252;r TC als auch f&#252;r den (ehemaligen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb24&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ein fr&#252;her und einflussreicher Theoretiker der franz&#246;sischen und (...)&#034; id=&#034;nh24&#034;&gt;24&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) kommunistischen Theoretiker Jacques Camatte kann formelle und reelle Subsumtion &#252;ber den unmittelbaren Produktionsprozess hinaus projiziert werden, um das Verh&#228;ltnis zwischen Kapital und Arbeit im weiten Sinne (TC) oder die Gesellschaft in ihrer Totalit&#228;t (Camatte) zu erkl&#228;ren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb25&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r eine Analyse und Kritik dieser Periodisierung sowie der unver&#246;ffentlichten&#034; id=&#034;nh25&#034;&gt;25&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Im historischen Schema von TC wird die Periode der formellen Subsumtion durch einen programmatistischen Kampfzyklus definiert. In der Periode der reellen Subsumtion ist der Kampfzyklus einer der Kommunisierung &#8211; der Selbstnegation des Proletariats als unmittelbare Hervorbringung von Kommunismus. Formelle und reelle Subsumtion sind jedoch nicht zwei abgesonderte Perioden. Sie sind eher sich kontinuierlich entfaltende Prozesse absoluter und relativer Mehrwertproduktion, die nebeneinander auftreten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb26&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Daher Marx&#8216; Kapitel zur Produktion des absoluten und relativen Mehrwerts (...)&#034; id=&#034;nh26&#034;&gt;26&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Trotzdem offeriert dieses Schema der Periodisierung einen wichtigen Kern analytischer Wahrheit: Der Inhalt und die Form des proletarischen Kampfes haben historische Grundlagen und Grenzen, die den inneren Dynamiken und der Bewegungsbahn des Kapitals entsprechen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eher denn als formelle und reelle Subsumtion k&#246;nnen diese Dynamiken passender durch eine Periodisierung &#220;bergang, Entwicklung der Produktivkr&#228;fte, Krise und Stagnation charakterisiert werden. Formelle Subsumtion im Allgemeinen beschreibt den ungleichm&#228;ssigen &#220;bergang zum Kapitalismus. Die Eigenschaften der programmatistischen Periode gelten, da das &#8211; enteignete und vom Markt abh&#228;ngige &#8211; Proletariat k&#228;mpft, um sich selbst als Klasse gegen die alten Regime, Klassen- und Eigentumsstrukturen durch die Aktivit&#228;t der Arbeiterbewegung zu verwirklichen. Darin findet es im Kapital einen Verb&#252;ndeten und zusammen bilden sie die beiden Pole der systematischen Dialektik des Kapitals&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb27&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Chris Arthur, The New Dialectic and Marx's Capital, Brill, 2003. Siehe (...)&#034; id=&#034;nh27&#034;&gt;27&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie wir sehen werden, entfaltete sich das spezifische Wesen des sozialistischen Wirtschaftsprogramms als besch&#228;digter &#220;bergang und industrielle Entwicklungsb&#252;rokratie, das in wiederkehrenden Krisen, anhaltender Stagnation und dem schliesslichen Niedergang und der Aufl&#246;sung der UdSSR m&#252;ndete. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, ist die UdSSR nicht so sehr ein moralisches Scheitern, sondern das prim&#228;re Produkt der Kampfperiode, in welcher sie entstanden ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Brot, Energie und der russische Weg&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend des gesamten 19. Jahrhunderts blieb das Russische Reich weit hinter seinen internationalen Konkurrenten in Europa zur&#252;ck. Die kapitalistische Entwicklung in diesen Regionen setzte die Produzenten im russischen Orbit unter Druck, doch dort existierte weder eine materielle Grundlage f&#252;r einen &#8222;inneren&#8220; kapitalistischen &#8222;&#220;bergang&#8220;, noch seine historische Unvermeidbarkeit&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb28&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Endnotes, &#8222;A History of Separation: The Construction of the Workers&#8216; (...)&#034; id=&#034;nh28&#034;&gt;28&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Trotzdem mussten sich, da die globalen M&#228;rkte mit Waren von kapitalistischen Produzenten &#252;berflutet wurden, die sogenannten &#8222;nichtkapitalistischen&#8220; Regionen einer ver&#228;nderten politisch-&#246;konomischen Realit&#228;t anpassen &#8211; und zwar schnell. Diese &#8222;sp&#228;ten &#220;berg&#228;nge&#8220; brauchten die durch protektionistische Staaten zur Verf&#252;gung gestellte Brutzeit, um eine schnelle Industrialisierung auszul&#246;sen. In der zweiten H&#228;lfte des 19. Jahrhunderts kam es zu einer dramatischen Kaskade rassialisierter Klassenk&#228;mpfe, innerer Streitigkeiten und nationalstaatlicher Konsolidierung, die in einer Rekonfiguration der globalen Kapitalakkumulation resultierte. Die Vereinigung Deutschlands und Italiens, der Amerikanische B&#252;rgerkrieg, der Schwarze Wiederaufbau und seine Konterrevolution, indigene Enteignung und landwirtschaftliche Expansion westw&#228;rts in die Grossen Ebenen, die Abschaffung der Leibeigenschaft in Russland, die Meiji-Restauration in Japan und die Opiumkriege und die Gr&#252;ndung von Hafenst&#228;dten mit Manufakturen in China &#8211; das sind alles Beispiele f&#252;r diese allgemeine Tendenz eines staatsgeleiteten &#220;bergangs.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der imperialen Sph&#228;re Russlands k&#246;nnen 1905, 1917 und 1922 allesamt als Fortsetzung dieses Prozesses verstanden werden. W&#228;hrend dieser Periode und w&#228;hrend einem grossen Teil des 20. Jahrhunderts funktionierte die UdSSR prim&#228;r als &#8222;sozialistisches Entwicklungsregime&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb29&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Chuang benutzte zuerst die Bezeichnungsweise &#8222;sozialistisches (...)&#034; id=&#034;nh29&#034;&gt;29&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Wie ihr imperialer deutscher Vorg&#228;nger offerierte sie einen starken Schutz gegen M&#228;rkte, die von Grossbritannien und zunehmend den USA beherrscht wurden, um den zerbrechlichen Prozess des grossangelegten industriellen &#220;bergangs, der landwirtschaftlichen Transformation und der Proletarisierung zu n&#228;hren. Das erreichte der Entwicklungsstaat durch besondere b&#252;rokratische Kontrollen &#252;ber die Produktion und die Distribution der G&#252;ter. Er schr&#228;nkte Marktbeziehungen und Warenaustausch aktiv ein und betrieb stattdessen die Distribution von Konsumg&#252;tern und Rohmaterialien f&#252;r die Schwerindustrie durch die Planung der Produktivit&#228;t und die Beschr&#228;nkung des Geldes auf seine Funktion als Zirkulationsmittel. Der Produktionsprozess wurde allerdings immer noch durch entfremdete abstrakte Arbeit determiniert. Als solche waren seine Resultate Werte und auch Gebrauchswerte. Trotzdem, und wegen der b&#252;rokratischen Planungsmechanismen, konnten diese zirkulierenden Warenwerte nicht angemessen in der Geldform als Preise ausgedr&#252;ckt werden. Das Resultat waren angeborene Ineffizienz und Verschwendung und es kalzifizierte im wirtschaftlichen Apparat der staatlich verwalteten Produktion und Distribution&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb30&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r eine gr&#252;ndlichere Ausarbeitung dieser theoretischen und historischen (...)&#034; id=&#034;nh30&#034;&gt;30&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das war vielleicht nirgends konsequenter als in der sowjetischen Beschaffung und Distribution von Getreide&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb31&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wengle, op. cit.&#034; id=&#034;nh31&#034;&gt;31&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Vor dem Ersten Weltkrieg, der revolution&#228;ren Periode und dem B&#252;rgerkrieg hatte das imperiale Russland den Status als &#8222;Brotkorb der Welt&#8220; erreicht. Getreideexporte, mehrheitlich aus der Ukraine, dem Nordkaukasus und dem Wolgabecken, n&#228;hrten st&#228;dtische Arbeiter im sich industrialisierenden Westeuropa, besonders in Grossbritannien, Deutschland und den Niederlanden. Russische Einwanderer und Siedler brachten Weizenst&#228;mme in die Ebenen der USA und Kanada und trugen zur Einf&#252;hrung der landwirtschaftlichen Produktion in diesen Regionen bei. Ab der zweiten H&#228;lfte des 19. Jahrhunderts repr&#228;sentierte russischer Weizen ungef&#228;hr zwischen einem Viertel und einem Drittel des Welthandels. Das Reich tauschte diese Weizen&#252;bersch&#252;sse gegen landwirtschaftliche Maschinerie und andere industrielle Produkte. Mit dem Ausbruch des Krieges wurden die internationalen Beziehungen abgebrochen und die Weizenexporte brachen ein. Das blieb w&#228;hrend mehr als einem Jahrzehnt so&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb32&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 62.&#034; id=&#034;nh32&#034;&gt;32&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#8222;Brotfrage&#8220; und das &#8222;Weizenproblem&#8220; waren eine anhaltende Quelle des &#196;rgers f&#252;r sowjetische Planer. Der landwirtschaftliche &#220;bergang und eine Revolution in den l&#228;ndlichen Klassenstrukturen wurden zu zentralen Anliegen der Bolschewisten. Das Problem hatte zwei bedeutende Aspekte. Erstens mussten sie die Rote Armee w&#228;hrend dem B&#252;rgerkrieg ern&#228;hren. Zweitens mussten sie jenes st&#228;dtische Proletariat, welches die ideologische Grundlage der Revolution darstellte, mit g&#252;nstigen Lebensmitteln versorgen. Obwohl die bolschewistische Partei aus Angeh&#246;rigen der st&#228;dtischen Intelligenz, der Sowjets und industriellen Arbeitern zusammengesetzt war, war die grosse Mehrheit der Bev&#246;lkerung des russischen Reiches landwirtschaftlich. Es ist &#252;berfl&#252;ssig, diese Geschichte hier noch einmal aufzurollen. Es gen&#252;gt, zu unterstreichen, dass die Abh&#228;ngigkeit von der arbeitsintensiven Landwirtschaft und eine widerspenstige Landbev&#246;lkerung f&#252;r Lenin, Bucharin, Tschajanow und die sowjetischen Agronomen politisch-&#246;konomische Anliegen waren. Als Bauern revoltierten und Land in Besitz nahmen, hatte Lenin kaum eine andere Wahl als diese &#8222;Schwarze Umverteilung&#8220; zu erlauben, das Privateigentum abzuschaffen und das Land unter der Bauernschaft durch das Dekret &#252;ber Grund und Boden 1917 umzuverteilen. Das war nicht nur entscheidend f&#252;r den Erfolg der Revolution, sondern es war es auch danach, um ein wachsendes Proletariat w&#228;hrend dem industriellen &#220;bergang stets zu ern&#228;hren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb33&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 38-48.&#034; id=&#034;nh33&#034;&gt;33&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die kommunalen Strukturen der russischen Bauernschaft wurden in den ersten Jahren nach der Revolution weitgehend intakt gehalten. Dennoch war die Produktivit&#228;t viel niedriger als in der vorrevolution&#228;ren Periode. Russland war nicht mehr der Brotkorb einer sich schnell industrialisierenden Welt. Die Planer strebten nach dieser Stellung. Ihre Absicht war es, Weizenexporte wie in der sp&#228;ten imperialen &#196;ra zum Treiber der Industrialisierung durch Technologie- und Kapitalimporte zu machen. Die Neue &#214;konomische Politik f&#252;hrte neue Anbaumethoden und Technologien ein und ersetzte Kulturen zum Eigenbedarf durch f&#252;r den Verkauf und die Industrie bestimmte wie Getreide, R&#252;ben und &#214;lsamen. Die sowjetische Planung priorisierte den Beschaffungspreis vor allem anderen. Das bedeutete in Anbetracht der Zentralit&#228;t schneller Industrialisierung g&#252;nstiges Getreide, nahm den b&#228;uerlichen Produzenten hingegen jegliche Anreize und verschaffte ihnen nicht die Kapazit&#228;t, arbeitssparende Technologien einzuf&#252;hren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb34&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh34&#034;&gt;34&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sowjetische Offizielle sahen das als &#8222;R&#252;ckst&#228;ndigkeit&#8220; und &#8222;konterrevolution&#228;re&#8220; Aufs&#228;ssigkeit unter der Bauernschaft. Stalin systematisierte lediglich diese zunehmende Animosit&#228;t im ersten F&#252;nfjahresplan in Form der Kollektivierung. Darauf folgte Elend und Hungersnot &#8211; bekannt als der &#8222;Holodomor&#8220; in der Ukraine &#8211; und die verh&#228;ngnisvollen Auswirkungen davon auf dem Land sind allseits bekannt. Trotzdem gelang es mit dem Kollektivierungsprozess bis 1937, 93% des bebaubaren Landes zu konsolidieren. Die gesteigerte Produktivit&#228;t erlaubte niedrigere Beschaffungspreise, was das r&#252;cksichtslose und kurzsichtige Ziel des Industrialisierungsplans war&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb35&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 48-50.&#034; id=&#034;nh35&#034;&gt;35&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Sozialismus in einem Land&#8220; f&#252;hrte zu einer schnellen Industrialisierung zum Preis einer globalen Isolation. Als Teil der Entstalinisierung lockerte Chruschtschow die Kontrollen &#252;ber landwirtschaftliche Arbeit, f&#252;hrte Preis- und Lohnanreize ein und beaufsichtigte den &#252;bergeordneten wirtschaftlichen Handel. Die Chruschtschow-Periode sah auch eine massive Ausweitung bebauten Landes mit der Neulandkampagne. Verbunden mit der Einf&#252;hrung des Maisanbaus weitete die Neulandkampagne neu bebautes Land um &#252;ber 20% aus, allen voran in den zentralasiatischen Territorien. Doch &#246;kologische und klimatische Grenzen liessen das Projekt letztendlich scheitern, denn die Ernte fiel aus und die B&#246;den erodierten langfristig. Getreide setzte dem sozialistischen Entwicklungsregime weiterhin Grenzen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb36&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 38-62.&#034; id=&#034;nh36&#034;&gt;36&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die UdSSR war nicht nur chronisch stagnierend, sie war auch strukturell unbelehrbar. Ab den 1970er Jahren l&#228;utete die Totenglocke f&#252;r diese Unbiegsamkeit im Kampf gegen die fr&#252;hen Stadien der langen Krise des Kapitalismus. Wirtschaftliche Stagnation und Korruption erreichten ihren H&#246;hepunkt unter Leonid Breschnew in den 1970er Jahren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb37&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Michael Roberts, 2017, &#8222;The Russion Revolution: Some Economic Notes&#8220;, 2017.&#034; id=&#034;nh37&#034;&gt;37&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es gab jedoch zentrale Ausnahmen zum allgemeinen R&#252;ckstand der Periode &#8211; Getreide- und &#214;lm&#228;rkte &#8211;, die zu Vorboten der gegenw&#228;rtigen Krise geworden sind&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb38&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Fleischman liefert eine gr&#252;ndliche Darstellung der landwirtschaftlichen (...)&#034; id=&#034;nh38&#034;&gt;38&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Nixon-Administration, die mit zunehmendem Wettbewerb in der Produktion gegen ihre europ&#228;ischen und asiatischen Verb&#252;ndeten, einem zunehmenden, in einem Handelsdefizit resultierenden Defizit aufgrund der Ausgaben f&#252;r den Vietnamkrieg, einer Preissteigerung des Dollars und einem Ansturm auf die US-Goldreserven konfrontiert war, gab 1971 unilateral das Bretton-Woods-System und den festen Dollar-Gold-Wechselkurs auf. Die anschliessende Abwertung des Dollars vollbrachte das, was Nixon sich erhoffte: gesteigerte Wettbewerbsf&#228;higkeit der US-Hersteller. Doch die Auswirkungen beschr&#228;nkten sich nicht darauf. Die Aufgabe der festen Wechselkurse f&#252;hrte zu vermehrter W&#228;hrungsspekulation und einem Ende der Preiskontrollen. Die sowjetischen Planer und die Nixon-Administration traten 1972 in ein noch nie dagewesenes Handelsabkommen ein. Zehn Millionen Tonnen Getreide (haupts&#228;chlich Weizen und Mais) sollte die UdSSR von den USA und Kanada zu subventionierten Preisen erwerben. Die Nixon-Administration sah das als humanit&#228;re Hilfe f&#252;r das von Hungersn&#246;ten gebeutelte sowjetische Landwirtschaftssystem. Verst&#228;rkte Animosit&#228;t gegen&#252;ber Westeuropa, das damit anfing, amerikanische G&#252;ter zu meiden, brachten Nixon und Kissinger dazu, nach neuen aufstrebenden M&#228;rkten zu suchen. Unbeachtet von den USA hatten die sowjetischen Planer 1972 tats&#228;chlich die Landwirtschaft industrialisiert und den Ertrag vergr&#246;ssert. Obwohl Chruschtschow aufgrund seiner Neulandkampagne unbeliebt wurde, verzeichnete die Sowjetunion 1966, 1967 und 1968 Rekordernten. Das wurde durch Breschnews Einf&#252;hrung von importiertem landwirtschaftlichem Material und importierten Technologien und Subventionen zu deren Inkraftsetzung unterst&#252;tzt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb39&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wengle, op. cit., S. 52-54.&#034; id=&#034;nh39&#034;&gt;39&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Import von Getreide war nicht durch die Furcht vor Hungersn&#246;ten getrieben, sondern durch gesteigerte industrielle Viehproduktion, die gleichbedeutend mit einer historischen Restrukturierung des Sowjetsystems war. Nach dem Aufstand 1970 in Polen, der durch die Inflation der Lebensmittelpreise ausgel&#246;st worden war, f&#252;hrte die allgemeine Furcht vor Aufruhr zu einer Politik gesteigerter Fleischproduktion&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb40&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 63.&#034; id=&#034;nh40&#034;&gt;40&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der an Wert verlierende Dollar und das an Wert gewinnende Gold erlaubten es den Sowjets, ihren Kredit unter extrem g&#252;nstigen Umst&#228;nden zur&#252;ckzuzahlen. In den USA war der Getreidedeal ein logistischer Albtraum f&#252;r Getreideproduzenten, Eisenbahnen und H&#228;fen. Er dezimierte die Getreidereserven. Die Nixon-Administration hatte nicht realisiert, dass die globalen Getreidem&#228;rkte &#8211; und nicht nur der sowjetische &#8211; mit Engp&#228;ssen zu k&#228;mpfen hatten. Als Resultat davon stiegen Lebensmittelpreise um 30 Prozent an, da die UdSSR den globalen Getreidemarkt in die Ecke trieb, was dazu f&#252;hrte, dass der Deal fortan &#8222;Der grosse Getreideraub&#8220; genannt wurde&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb41&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r eine detaillierte Geschichte, siehe James Trager, Amber Waves of (...)&#034; id=&#034;nh41&#034;&gt;41&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Drei Jahre sp&#228;ter antworteten die USA mit einem zweiten Getreidedeal. Um in den amerikanischen und globalen Getreidem&#228;rkten Vorhersehbarkeit zu garantieren, verhandelten die USA 1975 einen Deal, in welchem sich die Sowjetunion verpflichtet, eine festgelegte Menge (6 bis 8 Millionen Tonnen) an Getreide oder Mais w&#228;hrend f&#252;nf Jahren zu erwerben. Im Gegenzug verpflichteten sich die USA, 200&#8216;000 F&#228;sser an sowjetischem Roh&#246;l zu kaufen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb42&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wengle, op. cit., S. 63-64.&#034; id=&#034;nh42&#034;&gt;42&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kollaps von Bretton Woods und dem sowjetischen Getreidedeal waren zeitgleich mit einem dritten grossen Schock f&#252;r die Weltwirtschaft: dem &#214;lembargo der OPEC 1973. Da die OPEC-Produzenten das Angebot als Antwort auf den Jom-Kippur-Krieg verknappten, stiegen die &#214;lpreise in Westeuropa und den USA sprunghaft an. Das verschaffte sowjetischen Planern und Ostblockl&#228;ndern, die das meiste ihres Roh&#246;ls aus der UdSSR importierten, einen substanziellen Wettbewerbsvorteil, nicht nur in &#214;lm&#228;rkten, sondern auch in von Treibstoff abh&#228;ngigen Industrien. Der steigende &#214;lpreis war gleichbedeutend mit einem Fluss an Petrodollars in die Truhen der OPEC-Produzenten. OPEC-L&#228;nder hatten keinen gut entwickelten Finanzsektor und darum flossen diese Petrodollars zur&#252;ck in europ&#228;ische und amerikanische Finanzinstitute. Stagnierende Profite in der Herstellung begrenzten dort die M&#246;glichkeiten f&#252;r finanzielle Investitionen. Kapital floss in aufstrebende Volkswirtschaften in Lateinamerika, dem globalen S&#252;den entlang und nach Osteuropa. Die in dieser Periode resultierende Stagflation&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb43&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Das wird weiter unten detaillierter untersucht.&#034; id=&#034;nh43&#034;&gt;43&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; minderte den Geldpreis, da die Zinss&#228;tze tats&#228;chlich null waren. Diese Auswirkungen kombinierten sich und multiplizierten die Kreditaufnahmen zur Entwicklung, auch in der Sowjetunion und im Ostblock&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb44&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Fleischman, op. cit.&#034; id=&#034;nh44&#034;&gt;44&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Mit hohen Warenpreisen verwandelten sich sowjetische &#214;lexporte in gesteigertes Fremdw&#228;hrungseinkommen. Diese Brennstoffertr&#228;ge finanzierten weitere Landwirtschaftssubventionen und wurden gegen gr&#246;ssere Mengen an Tierfutter getauscht&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb45&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wengle, op. cit., S. 54.&#034; id=&#034;nh45&#034;&gt;45&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Konjunkturkrise der 1970er Jahre restrukturierte die globale kapitalistische Wirtschaftsordnung. Als Resultat davon wurde die Sowjetunion in globale Getreide-, Energie- und Kapitalm&#228;rkte hineingezogen. Der Ostblock industrialisierte sich dank des Versprechens billigen Geldes. Obwohl diese Transformationen im globalen wirtschaftlichen Tagesgeschehen nebens&#228;chlich waren, erscheinen sie im Nachhinein als fr&#252;he Zeichen der Zerst&#246;rung. Als die Fed einige Jahre sp&#228;ter die Zinss&#228;tze erh&#246;hte (der sogenannte &#8222;Volcker-Schock&#8220;, der weiter unten erkl&#228;rt wird), wurden die M&#228;rkte illiquide und Investoren k&#252;ndigten substanzielle Teile ihrer Darlehen. Viele osteurop&#228;ische L&#228;nder wurden zahlungsunf&#228;hig. Die Regierungen versuchten, die Steuerkrise durch Sparpolitik und gesteigerte Lebensmittelpreise zu verwalten, das f&#252;hrte zu aufst&#228;ndischen Wellen w&#228;hrend den ganzen 1980er Jahren und schliesslich zu den Revolutionen 1989. Obwohl er gegen die Breschnew-Periode polemisierte, weitete Gorbatschow, als er 1985 die Macht &#252;bernahm, die Dezentralisierung, die Deregulierung und die Marktliberalisierung aus. Diese Paradigmen nahmen in den 1970er Jahren Form an, w&#228;hrend dieser Zeit wurde die sowjetische Wirtschaft durch Marktimperative unter Kontrolle gebracht, allen voran bez&#252;glich Getreide und &#214;l. Gorbatschows Restrukturierung wurde unternommen, um die wirtschaftliche Effizienz in den nicht produktiven Sektoren zu steigern, doch sie trug zur Verursachung des Kollapses der Sowjetunion 1991 bei und kulminierte schliesslich in einer verh&#228;ngnisvollen Wirtschaftskrise&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb46&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Fleischman, op. cit.&#034; id=&#034;nh46&#034;&gt;46&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Staatliche Kapitalanlagen wurden privatisiert und von ehemaligen sowjetischen Regierungsbeamten und B&#252;rokraten erworben, was zur Bildung jener sogenannten &#8222;russischen Oligarchen&#8220; beitrug, f&#252;r welche die amerikanischen Medien eine Obsession haben. Sie sind nichts anderes als die Nutzniesser der Konsolidierung und der Konzentration des Kapitals, die von Bedingungen der Krise und des Elends, einem langen, turbulenten &#220;bergang zum Kapitalismus und von zwei wesentlichen Faktoren der kapitalistischen Produktion &#8211; billiger Nahrung und billiger Energie &#8211; beg&#252;nstigt worden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Krisen der postsowjetischen &#196;ra&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Restrukturierung in den 1970er und 1980er Jahren f&#252;hrte zu gr&#246;sserer Marktabh&#228;ngigkeit. Die Integration in globale Lebensmittelm&#228;rkte verst&#228;rkte sich im Vorfeld des Kollapses von 1991 und die Unruhe nach dem Markt&#252;bergang f&#252;hrte zu weit verbreiteter Lebensmittelknappheit und Inflation. Im Glauben, es w&#252;rde die Produktivit&#228;t steigern, fuhr die Jelzin-Administration mit der Privatisierung landwirtschaftlich nutzbarer Fl&#228;chen fort. Die Bauern waren allerdings mit einem Problem der &#8222;Preisschere&#8220; konfrontiert, einem zunehmenden Missverh&#228;ltnis zwischen landwirtschaftlichem Aufwand und Produktpreisen. Das Ergebnis der landwirtschaftlichen Privatisierung war die starke Vermehrung kleiner Bauern mit wenig Kapital. Sie hatten schlichtweg nicht die Kapazit&#228;t, zur Steigerung der Produktivit&#228;t in neue Technologien zu investieren. Umfassend betrachtet, l&#246;ste die allgemeine Konsolidierung und Zentralisierung der landwirtschaftlich nutzbaren Fl&#228;chen w&#228;hrend den 1990er Jahren f&#252;r kleine Bauern eine Krise aus. W&#228;hrend den gesamten 1990er Jahren waren l&#228;ndliche Russen mit Zahlungsunf&#228;higkeit und Armut konfrontiert. Sogar nach fast 80 Jahren gab es noch keine Antwort auf die &#8222;Brotfrage&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb47&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wengle, op. cit., S. 64-69.&#034; id=&#034;nh47&#034;&gt;47&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die finanzielle Restrukturierung der postsowjetischen Republiken hing vom Gambit der &#8222;Schocktherapie&#8220;-Reformen ab. Angef&#252;hrt von der Jelzin-Administration, dem Internationalen W&#228;hrungsfonds (IWF), der US-Regierung und ausl&#228;ndischen Finanzberatern &#252;bernahm das Programm politische Konzepte, die von der Chicagoer Wirtschaftsschule beeinflusst waren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb48&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Abraham Song, &#8222;Four Reformers in Russia's Shock Therapy&#8220;, 2016.&#034; id=&#034;nh48&#034;&gt;48&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Aufgrund einer Empfehlung des IWF brachte die Restrukturierung mit sich, dass Russland ausl&#228;ndische Kredite zur Finanzierung des Defizits aufnahm. Das integrierte die ehemals isolierte russische Wirtschaft schnell in ausl&#228;ndische Finanzm&#228;rkte. Da Russland immer noch in der &#196;ra der Stagnation und des Taumels aufgrund des Kollapses der Produktion nach dem Niedergang der Sowjetunion feststeckte, vermochte die Finanzierung des Defizits kaum Wachstum zu stimulieren. Was sie jedoch vermochte, war, Russland dazu zu bringen, im Falle einer Finanzkrise anf&#228;llig f&#252;r Zahlungsunf&#228;higkeit zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Krise kam 1998&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb49&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Ben Aris, &#8222;Remembering Russia's 1998 Financial Crisis: The Whole (...)&#034; id=&#034;nh49&#034;&gt;49&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Ihre Wurzeln k&#246;nnen bis zur ostasiatischen Finanzkrise von 1997 zur&#252;ckverfolgt werden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb50&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Ostasienkrise hat selbst vorausgehende Urspr&#252;nge und Vorbedingungen. (...)&#034; id=&#034;nh50&#034;&gt;50&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. W&#228;hrend zwei Dekaden war diese Region die Hochburg der produktionsbasierten Expansion und der &#246;konomischen Dynamik. Diese Periode endete 1997 und die verarbeitende Industrie brach ein. Der Einbruch der Anlagem&#228;rkte und Kapitalflucht folgten. Er breitete sich in der ganzen asiatischen Versorgungskette und der Weltwirtschaft aus, da Finanzinstitute, Banken und Unternehmen aktiv in der Verm&#246;gensverwaltung alle Anlagen in Yen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb51&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Da Japan die vorherrschende Volkswirtschaft in der Region war, hatten (...)&#034; id=&#034;nh51&#034;&gt;51&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; hatten und/oder mit der Preiseinsch&#228;tzung asiatischer Firmen verkettet waren. Die unmittelbaren Konsequenzen des Zusammenbruches waren ein Sturz der globalen Profite, der Warenpreise und des &#214;l- und Gaspreises. Russland und &#8222;aufstrebende Volkswirtschaften&#8220; wie Brasilien und Argentinien wurden in die Krise hineingestossen. Als Waren- und Energieexporteur hatte Russland deswegen schnell keine Fremdw&#228;hrungsreserven mehr, seine W&#228;hrung wurde entwertet, seine Aktien- und Obligationenm&#228;rkte brachen zusammen, was dazu f&#252;hrte, dass es seinen Zahlungsverpflichtungen aufgrund der Staatsverschuldung nicht mehr nachkommen konnte&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb52&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es ist ber&#252;hmt und ber&#252;chtigt, dass das wiederum zum Kollaps des (...)&#034; id=&#034;nh52&#034;&gt;52&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb53&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r eine ausf&#252;hrlichere Darstellung dieser Geschichte, siehe Giovanni (...)&#034; id=&#034;nh53&#034;&gt;53&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl das unmittelbare Resultat inl&#228;ndische Inflation war, machte die schnelle Entwertung des Rubels die Region kompetitiver in der Produktion und den Exporten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb54&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Aris, op. cit.&#034; id=&#034;nh54&#034;&gt;54&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Das, zusammen mit einer darauffolgenden Steigerung der Waren- und Energiepreise, brachte zum ersten Mal seit dem Kollaps der Sowjetunion eine Periode anhaltenden Wirtschaftswachstums. Diese Periode, grob zwischen 1999 und 2010, war jene, wo Putin die Macht und Unterst&#252;tzung im Volk konsolidieren konnte. Der Erfolg seiner &#8222;Agenda zur Ern&#228;hrungssouver&#228;nit&#228;t&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb55&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wengle, op. cit., S. 69.&#034; id=&#034;nh55&#034;&gt;55&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, von der wir weiter unten sprechen werden, gab seinem politischen Aufstieg einen betr&#228;chtlichen Antrieb. Die Flitterwochen waren letztendlich kurz. Ab den 2010er Jahren f&#252;hlten die Regierungen den Druck von frustrierten und widerspenstigen Bev&#246;lkerungen. Nach der Finanzkrise und der Rezession 2008 begann die sogenannte &#8222;Bewegung der Pl&#228;tze&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb56&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Endnotes, &#8222;The Holding Pattern: The Ongoing Crisis and Class Struggles of (...)&#034; id=&#034;nh56&#034;&gt;56&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, Form anzunehmen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb57&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In den meisten Berichten beginnt diese Sequenz der Platzbesetzungen in (...)&#034; id=&#034;nh57&#034;&gt;57&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In Russland ergriff die breiteste Protestbewegung in der postsowjetischen &#196;ra, die Schneerevolution, das Land von 2011 bis 2013, w&#228;hrend die Raten des Reallohnwachstums und jene des BIP per Kopf sich nun in die andere Richtung entwickelten als w&#228;hrend der vorhergehenden Dekade. Ab 2014 war die russische Wirtschaft wieder hinabgezogen in das Muster der globalen Stagnation. Das bringt uns zur Ukraine zur&#252;ck.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der lange Winter&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist wesentlich, die lange wirtschaftliche Depression in der Ukraine zu verstehen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb58&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Michael Roberts, &#8222;Ukraine: Trapped in a War Zone&#8220;, 2022.&#034; id=&#034;nh58&#034;&gt;58&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Von allen Nationalstaaten des ehemaligen sowjetischen Blockes hat sie den tiefgehendsten Niedergang seit 1991 erlebt. W&#228;hrend der sowjetischen &#196;ra basierte ihre wirtschaftliche Entwicklung auf Metallabbau und in erster Linie der Herstellung von Eisen und Stahl. In der Zwischenzeit haben die globale Produktionskrise der 1970er Jahre, der Wettbewerb, das &#220;berangebot auf dem Markt und die Desindustrialisierung diese Sektoren zerst&#246;rt. Am deutlichsten trat dies seit der Aufl&#246;sung der Sowjetunion hervor, was zu einer massiven Depression in den gesamten 1990er Jahren f&#252;hrte. Das Wachstum der Arbeitsproduktivit&#228;t war in der Ukraine besonders stockend&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb59&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;CEIC Data, &#8222;Ukraine Labour Productivity Growth&#8220;.&#034; id=&#034;nh59&#034;&gt;59&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Verglichen mit &#228;hnlichen europ&#228;ischen Staaten in der Region hat sie die tiefsten L&#246;hne&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb60&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Tom Coup&#233;, &#8222;Ukraine's Labor Force: Producing Little, with Lots of (...)&#034; id=&#034;nh60&#034;&gt;60&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Auf globaler Ebene hat das Land die f&#252;nftniedrigste Wachstumsrate des BIP pro Kopf&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb61&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Roberts, &#8222;Ukraine: Trapped in a War Zone&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh61&#034;&gt;61&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es hat sich nie erholt und das Niveau vor dem Niedergang nie mehr erreicht&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb62&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Adam Tooze, &#8222;Putin's Challenge to Western Hegemony &#8211; the 2022 Edition&#8220;, 2022.&#034; id=&#034;nh62&#034;&gt;62&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Diese unnachgiebige Stagnation hat Wunden in der ukrainischen Wirtschaft hinterlassen, was sie Finanzkrisen und ausl&#228;ndischer Konkurrenz &#252;ber Kapitalinvestitionen aussetzt. Niedrige Produktivit&#228;tsraten und eine &#220;berkapazit&#228;t in der Produktion ergeben kombiniert niedrige Profitraten. Mit der niedrigen Profitabilit&#228;t auf versunkenes Kapital gingen neue Investitionen zur&#252;ck. Jegliches Wirtschaftswachstum in der postsowjetischen Periode ist gering, sporadisch und zuerst von der grossen Rezession 2008, danach von den Unruhen 2013-2014 (der sogenannten Maidan-Revolution), der russischen Annexion der Krim und j&#252;ngst der Covid-19-Pandemie einged&#228;mmt worden. Dass die stagnierende Schwerindustrie allen voran im &#246;stlichen Donbass konzentriert ist, hat zur weit verbreiteten Unzufriedenheit in der Region beigetragen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Bedingungen spitzten sich nach der Finanzkrise von 2008 zu&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb63&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh63&#034;&gt;63&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Sogar vor der Krise hatte die Ukraine eine der niedrigsten Wirtschaftswachstumsraten weltweit. Weil das Land so stark von Warenexporten und Exporten aus der Schwerindustrie abh&#228;ngt, erlebte es 2008, nachdem die Preise gesunken waren, eine tiefe Krise. Die Regierung bat den IWF, die EU und Russland um Darlehen. Darlehen von den westlichen Machtbl&#246;cken kamen mit der Bedingung der &#8222;strukturellen Anpassungen&#8220;, d.h. strenger Sparpolitik. Anf&#228;nglich sicherte sich die Ukraine nach allen Seiten ab und wandte sich an Russland, da seine angebotenen Darlehen weniger streng und restriktiv waren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Neuausrichtung hin zur russischen Sph&#228;re war ein Ausl&#246;ser f&#252;r die Maidan-Bewegung (Maidan bedeutet &#8222;Platz&#8220;) w&#228;hrend dem Winter 2013 und 2014 und f&#252;r das Wiedererwachen des ukrainischen Nationalismus, der Rechtsaussenparteien und Neonazis. Wie die breitere Pl&#228;tzebewegung in diesem Kampfzyklus&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb64&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Endnotes, &#8222;The Holding Pattern&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh64&#034;&gt;64&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; bestanden die Maidan-Proteste aus einer bunt gemischten Masse von prowestlichen liberalen Reformern und Universit&#228;tsstudenten, die von der ukrainischen Politik und der Administration Viktor Janukowitschs, der die wirtschaftlichen Verbindungen zu Russland verst&#228;rkt hatte, irritiert waren. Doch diese Welle ermunterte auch linke Unzufriedenheit mit &#8222;neoliberalen&#8220; politischen Programmen und Reformen im Staat nach der Krise. Die sich verallgemeinernde Unruhe und hohe Arbeitslosenraten waren die Ursachen f&#252;r die Aktivit&#228;t von verarmten Arbeitern und &#252;bersch&#252;ssigen Bev&#246;lkerungen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb65&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Die Maidan-Proteste in der Ukraine, angezettelt von pro-europ&#228;ischen (...)&#034; id=&#034;nh65&#034;&gt;65&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die involvierte Spontaneit&#228;t und die Erscheinung von Einheit haben einige&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb66&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Crimethinc, &#8222;Between Two Fires&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh66&#034;&gt;66&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; zur positiven moralischen Beurteilung gebracht, dass die &#8222;Revolution der W&#252;rde&#8220; (der offizielle Name f&#252;r die Bewegung im Winter 2013-2014) in ihrer Essenz ein &#8222;authentischer Volksaufstand&#8220; gewesen sei. Andere&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb67&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r eine kritischere Einsch&#228;tzung des Winteraufstands und der Grenzen des (...)&#034; id=&#034;nh67&#034;&gt;67&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; haben Zweifel an den Grenzen einer solchen Entwicklung aufkommen lassen. Wenn das Kapital zu einer materiellen Gemeinschaft geworden ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb68&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Camatte, Capital and Community, op. cit.&#034; id=&#034;nh68&#034;&gt;68&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, was ist dann der Inhalt eines Kampfes des &#8222;Volkes&#8220;? Tats&#228;chlich lieferte das Problem der Zusammensetzung des im Volk verbreiteten Antagonismus gegen die Regierung die H&#252;lle f&#252;r Euronationalismus und Neonazi-Militanz. Organisatorisch und stillschweigend lieferte er den Spiegel f&#252;r die Bewegung des &#8222;Anti-Maidan&#8220; auf der Krim und im Donbass als die sich entwickelnde Erscheinung einer Revolte im Volk. Da der Zerfall der Bewegung den Weg freimachte f&#252;r Annexion, B&#252;rgerkrieg und rassialisierte und nationalistische Gewalt, st&#252;tzten sich sowohl die prowestlichen als auch die prorussischen Kr&#228;fte auf die Rhetorik des &#8222;antifaschistischen&#8220; Kampfes und den Aufruf zu einer vereinigten demokratischen Front&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb69&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r eine breitere historische Kritik des Antifaschismus und der (...)&#034; id=&#034;nh69&#034;&gt;69&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Episode, der sogenannte &#8222;Russische Fr&#252;hling&#8220;, zeigte die Grenzen eines formellen Antagonismus gegen den Staat auf, wenn er seines wirklichen sozialen Inhalts entleert ist. Ein Aufstand, bemerkt Th&#233;orie communiste, ist nicht bloss durch die taktische Entwicklung, die milit&#228;rische Konfrontation oder die politische Organisation begrenzt. TC legt dar, dass letztendlich die Welle der Erhebungen in den letzten Jahrzehnten durch die Trennung der Sph&#228;ren der Produktion und der Reproduktion begrenzt worden ist. Sie sind unf&#228;hig gewesen, den &#8222;Glasboden&#8220; zur versteckten Produktionsst&#228;tte zum Bersten zu bringen und sich dem zu stellen, was es zum Leben und &#220;berleben braucht. Diese F&#228;higkeit wird teilweise durch die Zusammensetzung und Neuzusammensetzung des Kampfes determiniert. Im Kontext der langen Krise hat die zunehmende Pr&#228;senz von permanenten (rassialisierten) &#252;bersch&#252;ssigen Bev&#246;lkerungen, die vom Produktionsprozess verdr&#228;ngt worden sind, zu K&#228;mpfen &#252;ber die Zirkulation und die Reproduktion gef&#252;hrt. Diese Einheit in der Enteignung dr&#252;ckt den Zerfall und die Fragmentierung des Proletariats aus und erscheint als &#228;usserer Zwang&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb70&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;TC wendet dieses Argument ausdr&#252;cklich auf die griechischen Ausschreitungen im&#034; id=&#034;nh70&#034;&gt;70&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Das Problem der Zusammensetzung kann nicht durch eine Koalition gegen diesen oder jenen staatlichen Akteur verdr&#228;ngt werden. Es ist in Wirklichkeit elementar f&#252;r die Revolution als einen sozialen, eher als einen politischen Prozess.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die sich im Winter 2014 entfaltenden Ereignisse best&#228;tigen diese Lesart. Die USA, die NATO und die EU unterst&#252;tzten die Nationalisten. Russland antwortete durch die Annexion der Krim und die Einschr&#228;nkung seiner Verluste. Die daraus resultierende Regierung, die eher nach der EU, der NATO und den USA ausgerichtet war, erhielt Darlehen vom IWF und nahm sich die Aufgabe einer sparpolitischen Restrukturierung vor, wodurch staatliche Dienste und die &#246;ffentliche Unterst&#252;tzung verschwanden. Sie hielt auch die Bedingungen ihrer Darlehen von Russland nicht ein. Das hielt die ukrainische Wirtschaft gerade noch liquide.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Schwarze Erde und tiefe Wasser&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ab 2010 schien Putins Ern&#228;hrungssicherheitsplan die &#8222;Brotfrage&#8220;, welche die sowjetischen Planer und Parteib&#252;rokraten lange gequ&#228;lt hatte, beantwortet zu haben. Zum ersten Mal seit fast einem Jahrhundert war Getreide zu einem wichtigen russischen Exportartikel geworden. Das war Teil einer breiteren Verlagerung hin zum Wirtschaftsnationalismus und zu staatlich gelenkten Akkumulationsregimen. Die Steigerung der Warenpreise Anfang der 2000er Jahre verschaffte dem Staat die n&#246;tigen &#214;leinkommen und Renten, um die landwirtschaftliche Konsolidierung und Zentralisierung und die technologische Modernisierung zu finanzieren &#8211; der Aufstieg der &#8222;Agroholdings&#8220;. Der Staat offerierte Darlehen und Subventionen, um Investitionen ins Kapital und in die Technologie zu unterst&#252;tzen. Nach der Preissteigerung f&#252;hrten sinkende Preise zu Handelsstreiten &#252;ber landwirtschaftliche G&#252;ter. Putins Regierung f&#252;hrte Zollgeb&#252;hren und Importverbote ein, sogar nach dem Beitritt Russlands zur Welthandelsorganisation. Im Kontext globaler Stagnation konnte &#8222;Ern&#228;hrungssouver&#228;nit&#228;t&#8220; nur durch Importsubstitution erreicht werden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb71&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Wengle, op. cit., S. 69-80.&#034; id=&#034;nh71&#034;&gt;71&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dennoch forderte Russland seinen Status als Brotkorb der Welt erst im Verlauf der letzten zwei Jahrzehnte wieder ein. Russland ist nun der gr&#246;sste Getreideexporteur der Weltwirtschaft. Dadurch wurde die mit der Putin-&#196;ra verbundene Wahrnehmung des Wohlstands tendenziell garantiert. Doch solche Beurteilungen klingen hohl. Die Resultate der Krisen der 1990er Jahre und des Aufstiegs der &#8222;Agroholdings&#8220; in den 2000er Jahren waren l&#228;ndliche Enteignung, sinkende Mobilisierung landwirtschaftlicher Arbeitskraft und transformierte Erntezyklen. Das hat zu einer Abwanderung der Bev&#246;lkerung und zum Zustrom, allen voran aus Zentralasien, der T&#252;rkei, Korea und China, aber auch Weissrussland und der Ukraine&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb72&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 113-129.&#034; id=&#034;nh72&#034;&gt;72&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, saisonaler migrantischer Arbeitskr&#228;fte gef&#252;hrt. Diese gesteigerte rassialisierte Arbeitsprekarit&#228;t war durchaus profitabel f&#252;r die landwirtschaftlichen Holdings. Die Steigerung der Warenpreise w&#228;hrend den 2000er Jahren f&#252;hrte zu einem globalen Ansturm auf verf&#252;gbares Land. Diese Vorliebe f&#252;r landwirtschaftliche Anlagen wurde durch die Finanzkrise 2008 gest&#228;rkt, daraus resultierte eine Kapitalflucht von hypothekarisch gesicherten Wertpapieren. Das Einstr&#246;men von Kapital in landwirtschaftliches Land und landwirtschaftliche Holdings ist also Teil einer globalen Tendenz von Kapital auf der Suche nach Rente unter Krisen- und Stagnationsbedingungen, nicht ein Zeichen f&#252;r Wohlstand oder Wachstum. In Russland sind diese &#8222;Agroholdings&#8220; im Wesentlichen in der Region der &#8222;Schwarzerde&#8220; (Chernozem) konzentriert. Russlands zentrale Schwarzerde-Region ist Teil eines ausgedehnteren Schwarzerde-G&#252;rtels, der sich &#252;ber die zentrale eurasische Steppe erstreckt. Schwarzerde ist f&#252;r ihre Fruchtbarkeit bekannt, ein Segen f&#252;r ein Kapital, das verzweifelt nach Renten sucht&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb73&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 110-115.&#034; id=&#034;nh73&#034;&gt;73&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Vorherrschaft Russlands in den globalen Getreidem&#228;rkten hat Konflikte mit anderen grossen Nahrungsexporteuren zur Folge. Nach der Invasion und Annexion der Krim 2014 antwortete Russland auf die internationalen Sanktionen mit einem Embargo auf landwirtschaftliche Produkte gegen die USA, die EU, Kanada, Norwegen und Australien. Es war in Tat und Wahrheit eine Weiterf&#252;hrung und Ausweitung der Politik der Importsubstitution zur F&#246;rderung heimischer landwirtschaftlicher Produktion. Ab den 2010er Jahren hatte der wachsende Marktanteil des russischen Getreides Putin dazu gebracht, Getreidepreise als Instrument der Aussenpolitik zu instrumentalisieren. Die Administration strebte danach, ein globales Getreidekartell &#8211; nach dem Vorbild der OPEC &#8211; zu organisieren, passend zu Russlands Abgleiten in den Status eines Rentierstaates&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb74&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Roland Simon hat j&#252;ngst argumentiert, dass Russlands Renten extrahierende (...)&#034; id=&#034;nh74&#034;&gt;74&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Grund f&#252;r die Aufgabe dieser Pl&#228;ne durch die Beamten ist nah verwandt mit der gegenw&#228;rtigen Krise: ein Territorialkonflikt mit der Ukraine&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb75&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Regierungsbeamte stellten sogar die Idee eines globalen Getreidekartells (...)&#034; id=&#034;nh75&#034;&gt;75&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Territorial betrachtet, ist die Ukraine mit dem Joch des Wohlstands nat&#252;rlicher Rohstoffe konfrontiert&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb76&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Michael Roberts, &#8222;Russia: From Sanctions to Slump?&#8220;, 2022.&#034; id=&#034;nh76&#034;&gt;76&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Sie besitzt einen F&#252;nftel des weltweiten Eisenerzes handels&#252;blicher Qualit&#228;t und massive unangezapfte Gasreserven. Doch tiefe Produktivit&#228;ts-, Profit- und Investitionsraten haben viel Land und Kapital ungenutzt gelassen, was ein weiteres grosses Hindernis f&#252;r Wirtschaftswachstum im Land war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist vielleicht nirgends offensichtlicher als auf dem ukrainischen Land. Die Ukraine ist einer der gr&#246;ssten Getreideproduzenten und der gr&#246;sste Exporteur von Pflanzen&#246;l weltweit. Sie hat ihren Status als &#8222;Goldl&#246;ckchen&#8220; erhalten, jener einer landwirtschaftlichen Region, der Wirtschaftswachstum f&#252;r Jahrhunderte garantiert&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb77&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Scott Reynolds Nelson, &#8222;Wheat and Deep Ports: The Long History of Putin&#8216;s (...)&#034; id=&#034;nh77&#034;&gt;77&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. &#220;ber ein Viertel der weltweit vorkommenden Schwarzerde ist in ihrem Besitz, der gr&#246;sste Teil davon ist im Osten konzentriert, auch in der umk&#228;mpften Donbass-Region. In der Ukraine ist die Region, im Gegensatz zu Russland, dank warmem Wetter und flachem Terrain besonders g&#252;nstig f&#252;r Getreideproduktion. Trotzdem ist die landwirtschaftliche Arbeitsproduktivit&#228;t tief, da weite Teile der Bev&#246;lkerung durch traditionelle b&#228;uerliche Vereinbarungen &#252;ber Grundbesitz ans Land gekettet sind. Als Resultat davon ist die Wertsch&#246;pfung pro Hektar viel tiefer als jene anderer europ&#228;ischer Konkurrenten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb78&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Roberts, &#8222;Ukraine: Trapped in a War Zone&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh78&#034;&gt;78&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend der Kampf um die Kontrolle &#252;ber die landwirtschaftliche Produktion in dieser Region &#252;ber Jahrhunderte gleich geblieben ist, hat er im Verlauf des letzten Jahrzehnts eine besondere historische Form angenommen. Die USA und die EU, zusammen mit anderen Machtbl&#246;cken des globalen Kapitals, stellen sich f&#252;r die Zukunft eine historische investitionsinduzierte Agrarrevolution auf einem der fruchtbarsten B&#246;den der Erde vor&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb79&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Adam Tooze, &#8222;Permanent Crisis or Black Earth Agro-Giant? Alternative (...)&#034; id=&#034;nh79&#034;&gt;79&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Als Teil ihrer nach Westen hin orientierten Restrukturierung seit dem Maidan hat sich die Ukraine darauf vorbereitet, staatlich kontrolliertes Land auf einem Gebiet so gross wie Kalifornien f&#252;r ausl&#228;ndische Investitionen zu verschachern, was den Grundbesitz konsolidieren, die Landwirtschaft mechanisieren und die Arbeitsproduktivit&#228;t stark steigern w&#252;rde (d.h. es w&#252;rde l&#228;ndliche Bev&#246;lkerungen enteignen). Die M&#246;glichkeiten f&#252;r profitable Renditen sind ziemlich lukrativ.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ausl&#228;ndische Investitionsinteresse in der Region beschr&#228;nkt sich allerdings nicht auf den &#8222;Westen&#8220;. Weltweit treibt eine gewisse Anzahl konvergierender Krisen die Nahrungsmittelpreise in die H&#246;he, haupts&#228;chlich jene von Getreide. Die Tendenz ist besonders auffallend in Russland; vor der gegenw&#228;rtigen Grenzkrise und Invasion trugen der Klimawandel, die Wildfeuer in den russischen Grasl&#228;ndern (eine Folge des landwirtschaftlichen Entwicklungsschubs w&#228;hrend der Sowjet-&#196;ra), regionale Unruhen und Mangel an Arbeitskr&#228;ften zu einem relativen Anstieg der Nahrungsmittelpreise im Verh&#228;ltnis zum Preis von &#214;l und Gas bei. Dadurch hat die potenzielle wirtschaftliche Bedeutung der Ukraine zugenommen, besonders f&#252;r Russland, dessen Wirtschaft von einer Kombination von Energie-, Waren- und Nahrungsmittelexporten abh&#228;ngt. Die M&#246;glichkeit der Privatisierung dieses Landes durch Kapital aus der USA und der EU w&#252;rde verhindern, dass das russische Kapital Renten, Zinsen und Profite von den konsolidierten und mechanisierten &#8222;Agroholdings&#8220; extrahieren und die damit verbunden Distributionsnetzwerke, Lieferketten und Eisenbahnkorridore kontrollieren k&#246;nnte, was die politischen und wirtschaftlichen Spannungen nur vergr&#246;ssert hat&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb80&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Nelson, &#8222;Wheat and Deep Ports&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh80&#034;&gt;80&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Schl&#252;sselaspekt der wirtschaftlichen Vorherrschaft in der Region ist die Kontrolle &#252;ber die Transportinfrastruktur und der Zugang zum Weltmarkt. Historisch war letzterer stets das Baltische oder das Schwarze Meer&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb81&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh81&#034;&gt;81&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die moderne Russische F&#246;deration, die dermassen von Exporten abh&#228;ngig ist, muss einen geregelten Zugang zu Tiefwasserh&#228;fen f&#252;r Containerschiffe aufrechterhalten, um Fracht in die EU zu transportieren, Russlands wichtigster Handelspartner. Dies erfordert Warmwasserh&#228;fen. Russland hat versucht, die Grenzen des Handels &#252;ber das Baltische Meer durch die Entwicklung des N&#246;rdlichen Seeweges&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb82&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Peter Danilov, &#8222;Russia is Planning for Year-Round Shipping on the Northern (...)&#034; id=&#034;nh82&#034;&gt;82&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; zu &#252;berwinden, wof&#252;r Eisbrecher benutzt w&#252;rden, um ihn f&#252;r ganzj&#228;hrige Navigation tauglich zu machen. Obwohl das Schmelzen der polaren Eiskappen den Prozess beschleunigt, bleibt der Plan ausgesprochen ambiti&#246;s.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Damit bleibt das Schwarze Meer &#252;brig. Vor 2014 enthielt das russische Territorium im Schwarzen Meer keine nat&#252;rlichen Tiefwasserh&#228;fen. Das &#228;nderte sich mit der Annexion der Krim und des Hafens von Sewastopol&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb83&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Kathrin Hille, &#8222;Ukranian Port Is Key to Russia's Naval Power&#8220;, 2014.&#034; id=&#034;nh83&#034;&gt;83&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die ukrainischen K&#252;stenlinien am Schwarzen und am Asowschen Meer besitzen das gr&#246;sste Potenzial f&#252;r Tiefwasserh&#228;fen in der Region. Es sollte unterstrichen werden, dass die s&#252;dliche Front der russischen Milit&#228;rinvasion zu einer ausgedehnten Besetzung der ukrainischen S&#252;dk&#252;ste gef&#252;hrt hat, wichtige Hafenst&#228;dte eingeschlossen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb84&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe &#8222;Maps: Tracking the Russian Invasion of Ukraine&#8220;, 2022.&#034; id=&#034;nh84&#034;&gt;84&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schwarzerde und Tiefwasser zeigen sich als entscheidende Komponenten der regionalen politischen &#214;konomie, ihrer Integration ins globale Kapital und ihres Wachstums gegen&#252;ber internationalen Konkurrenten. Die langanhaltende Krise des Kapitalismus hat die Klimakrise und eine globale Pandemie sowohl hervorgebracht als auch beide aufeinander abgestimmt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb85&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wie Chuang betont hat, sind solche Krisen nicht selbst exogen, obwohl sie (...)&#034; id=&#034;nh85&#034;&gt;85&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, was aus diesem Szenario eine gewaltsame Konfrontation macht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Konvergierende Krisen&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb86&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r einen &#220;berblick &#252;ber die politisch-&#246;konomischen Vorbedingungen des (...)&#034; id=&#034;nh86&#034;&gt;86&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Covid-Pandemie hat zu einer weitgehenden wirtschaftlichen Stilllegung, Unterbrechungen der Lieferketten und als Resultat davon zu globaler Inflation gef&#252;hrt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb87&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r eine historische Analyse von Inflation und Krisen, siehe Paul Mattick (...)&#034; id=&#034;nh87&#034;&gt;87&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Kapitalismus tendiert langfristig zur Deflation, da die Warenpreise durch kontinuierliche, die Arbeitsproduktivit&#228;t steigernde Revolutionen im Produktionsprozess zunehmend reduziert werden. Dennoch begannen die Profitraten in der Produktion ab den 1960er Jahren und Anfang der 1970er Jahre zu fallen, Produktivit&#228;tssteigerungen stagnierten und es kam nach dem &#214;lembargo der OPEC 1973 zur Rezession. Der &#8222;&#214;lschock&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb88&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r eine politisch-&#246;konomische Geschichte der &#214;l produzierenden Regionen (...)&#034; id=&#034;nh88&#034;&gt;88&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; trug dazu bei, eine merkw&#252;rdige Kombination von Inflation und Stagnation zu verursachen, die seither &#8222;Stagflation&#8220; genannt wird. Ab Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre wurde die Inflation durch die Federal Reserve mit Paul Volcker an der Spitze einged&#228;mmt. Die Fed erh&#246;hte die Zinss&#228;tze drastisch, was das Geldangebot verringerte und die Inflation eind&#228;mmte. Obwohl das unmittelbar zu einer Rezession f&#252;hrte, wird dem sogenannten &#8222;Volcker-Schock&#8220; angerechnet, dass er eine &#196;ra mit wenig oder keiner Inflation f&#252;r den globalen Kapitalismus einl&#228;utete. Ab den 1990er Jahren und zu Beginn der 2000er Jahre wandten sich die Fed und andere grosse Zentralbanken hin zu einer Politik des &#8222;einfachen Geldes&#8220;, indem die Zinss&#228;tze kontinuierlich gesenkt wurden. Die Inflation konnte immer noch aufgeschoben werden, indem der Planet nach billigen Rohstoffen und Nachschub an rassialisierter, prek&#228;rer Arbeit durchk&#228;mmt wurde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Verwaltung der Krise 2008 war im Wesentlichen eine weitere Runde dieses Rezepts. Jene der Verm&#246;genswerte (aufgrund niedriger Zinss&#228;tze), nicht jene der Waren, war die einzige bedeutende Inflation der letzten paar Jahrzehnte und dies half, um den Aktienmarkt gegen einen sonst langen wirtschaftlichen Niedergang (realwirtschaftliche Wachstumsraten waren abyssal) zu wappnen. Dennoch ist der Nachschub an Rohstoffen und Arbeitskraft (z.B. die &#8222;grosse Resignation&#8220; oder &#8222;grosse Verweigerung&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb89&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r eine Analyse der grossen Resignation innerhalb des j&#252;ngsten (...)&#034; id=&#034;nh89&#034;&gt;89&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) gegenw&#228;rtig mit der Pandemie, welche die Wirtschaft immer noch umklammert, schwieriger geworden. Die Inflation ist wieder aufgetaucht. &#220;ber Monate hinweg hat die globale wirtschaftliche Unsicherheit die Finanzm&#228;rkte geplagt, w&#228;hrend die Zentralbanken vor sich abzeichnenden Erh&#246;hungen der Zinss&#228;tze zur Bek&#228;mpfung inflation&#228;rer Tendenzen warnen. Das &#220;berleben liegt in den H&#228;nden des janusk&#246;pfigen Gottes des Kapitals, der zwischen seinen kurzfristigen Interessen und langfristiger Stabilit&#228;t hin- und hergerissen ist. Krisen er&#246;ffnen die M&#246;glichkeit f&#252;r staatliche Konflikte, da dies die politische Form des dem Kapital eigenen internen Wettbewerbs ist. Im Kontext einer globalen Inflationspanik sitzt die Ukraine auf einem strategischen Brotkorb und einem nicht minder strategischen Transportkorridor, die es in einer &#196;ra steigender Nahrungsmittel- und Energiepreise zu kontrollieren gilt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Derweil hat Russland versucht, sein politisch-&#246;konomisches Portfolio zu restrukturieren, damit es weniger anf&#228;llig f&#252;r Sanktionen als 2014 ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb90&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Tooze, &#8222;Putin&#8216;s Challenge&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh90&#034;&gt;90&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Besonders die EU ist ausgesprochen angewiesen auf russische &#214;l- und Naturgasexporte. Deutschland, das industrielle Machtzentrum Europas, ist wom&#246;glich am st&#228;rksten abh&#228;ngig von russischer Energie. Es hat die Pipeline Nord Stream 2 aufgrund der Ukraine-Krise halbherzig suspendiert, doch es bleibt abzuwarten, ob es all das ins Projekt investierte Kapital (mehr als 11 Milliarden Dollar) permanent in den Sand setzen wird&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb91&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Adam Tooze, &#8222;The Nord Stream 2 Saga Is not Over&#8220;, 2022.&#034; id=&#034;nh91&#034;&gt;91&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Vielleicht wird es sich tempor&#228;r inmitten steigender US/EU-Sanktionen nach allen Seiten absichern. Bedenken &#252;ber Unterbrechungen von Energiem&#228;rkten und Zahlungen dr&#228;ngten Deutschland, Italien, Ungarn und Zypern anf&#228;nglich dazu, den Ausschluss Russlands aus den SWIFT-Transaktionen zu blockieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb92&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Alberto Nardelli, Arne Delfs, &#8222;Germany Sought Energy Exception in Russia (...)&#034; id=&#034;nh92&#034;&gt;92&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Dies wurde unmittelbar verurteilt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb93&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;David Meyer, &#8222;Anger Explodes at Germany, Italy, and Hungary over Europe's (...)&#034; id=&#034;nh93&#034;&gt;93&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Obwohl sich die EU letztendlich dem Druck beugte, wurden die f&#252;r den Ausschluss bestimmten Banken so ausgew&#228;hlt, dass die Auswirkung auf die Energiem&#228;rkte minimiert wurde&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb94&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Timothy Puko, Lindsay Wise, &#8222;Biden Caught Between Inflation and Calls to (...)&#034; id=&#034;nh94&#034;&gt;94&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, gleichzeitig enthalten die gegen die beiden gr&#246;ssten russischen Banken &#8211; Sberbank und VTB &#8211; ausgesprochenen Sanktionen viele Ausnahmen f&#252;r Transaktionen, welche den Energiesektor betreffen. Obwohl das Sanktionsregime ziemlich streng ist, untergraben Ausnahmen f&#252;r den Energiesektor immer noch dessen Effizienz gegen die russische Wirtschaft&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb95&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Adam Tooze, &#8222;Russia's $720m per Day Gas Windfall &#8211; the Lopsided Economic (...)&#034; id=&#034;nh95&#034;&gt;95&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Ihrerseits haben die USA und das Vereinigte K&#246;nigreich ein Verbot f&#252;r russische Energieimporte angek&#252;ndigt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb96&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;James Politi, Myles McCormick, Jim Pickard, Andy Bounds, &#8222;US and UK Ban (...)&#034; id=&#034;nh96&#034;&gt;96&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, doch die EU hat sich nur dazu verpflichtet, seine Importe innerhalb des n&#228;chsten Jahres zu verringern. Mit jedem vergehenden Tag erscheinen mehr strategische Verschachtelungen bez&#252;glich wirtschaftlicher Sicherheitsbedenken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da es sich seiner Abh&#228;ngigkeit von der westlichen Finanzarchitektur bewusst ist, hat Russland seinen Blick vermehrt in Richtung seines zweitwichtigsten Handelspartners &#8211; China &#8211; gerichtet. Im Verlauf des letzten Jahrzehnts ist der hegemonische Pakt des US- und EU-Kapitals zunehmend in einen intensivierten Konflikt niedriger Intensit&#228;t mit China gezogen worden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb97&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zur scheinbaren Widerspenstigkeit der &#8222;China-Frage&#8220; in der politischen (...)&#034; id=&#034;nh97&#034;&gt;97&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, da sich die protektionistischen Schutzmassnahmen und die billigen Arbeitsm&#228;rkte der &#220;bergangsperiode aufl&#246;sen. Chinas wirtschaftlicher Pakt mit den USA, der EU und Japan, der mittlerweile mehr eine Bedrohung als eine Ressource ist, hat sich aufgel&#246;st&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb98&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Chuang, &#8222;The Divided God&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh98&#034;&gt;98&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Seit 2013 und 2014 haben China und Russland versucht, alternative Zahlungsmechanismen zum internationalen SWIFT-Nachrichtensystem, das die USA beherrschen und zur Durchsetzung internationaler Sanktionen instrumentalisieren, zu entwickeln. Obwohl die USA und die EU gewiss nicht wollen, dass Russland und China n&#228;her zueinanderr&#252;cken, ist die F&#228;higkeit des chinesischen Cross-Border Inter-Bank Payments System (CIPS), einen Ausgleich f&#252;r das Clearing von auf Dollar lautenden Transaktionen zu schaffen, stark &#252;bertrieben worden. CIPS ist immer noch schlecht mit internationalen Banken verbunden. Obwohl China und Russland wichtige Handelspartner sind, ist der auf Yuan laufende Handel zwischen den beiden schlichtweg zu beschr&#228;nkt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb99&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Russia Looks to Chinese Financial Plumbing to Keep Money Flowing&#8220;, 2022.&#034; id=&#034;nh99&#034;&gt;99&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Aufgrund ihrer geteilten Anf&#228;lligkeiten f&#252;r amerikanische Strafmassnahmen auf finanzieller Ebene, &#8222;Handelskrieg&#8220; oder eine Kombination von beidem haben Russland und China eintr&#228;chtige Interessen bez&#252;glich der Entdollarisierung ihrer internationalen Schlussrechnungen. Seit 2014 hat es Russland geschafft, den Prozentsatz seiner auf Dollar laufenden Exporte betr&#228;chtlich zu reduzieren. Dennoch wurde diese Entdollarisierung nicht durch einen Umstieg auf Rubel oder Yuan erreicht, sondern auf Euros, was den Handel anf&#228;llig macht f&#252;r EU-Sanktionen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb100&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Mrugank Bhusari, Maia Nikoladze, &#8222;Russia and China: Partners in (...)&#034; id=&#034;nh100&#034;&gt;100&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist zu fr&#252;h, um zu eruieren, welche Herausforderung das f&#252;r den EU/US-Block des globalen Kapitals bedeutet. Wir m&#252;ssen uns davor h&#252;ten, die Bedrohung eines russisch-chinesischen Pakts &#252;berzubewerten oder seine Bedeutung f&#252;r die globale Wirtschaftsordnung zu &#252;bertreiben&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb101&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Gelderloos macht diesen Fehler wiederholt, er gr&#252;ndet seine Behauptungen (...)&#034; id=&#034;nh101&#034;&gt;101&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die kapitalistische Produktionsweise ist viel turbulenter, als es dieses Bild suggeriert. Trotz des viel gepriesenen Aufstiegs der BRICS-L&#228;nder (Brasilien, Russland, Indien, China und S&#252;dafrika), hat die globale Profitabilit&#228;tskrise und die andauernde Stagnation des globalen Kapitals diese &#8222;aufstrebenden Volkswirtschaften&#8220; nicht verschont. Seit 2008 haben abnehmendes Wirtschaftswachstum, hohe Niveaus an Unternehmensverschuldung&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb102&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ilya Matveev, Rafael Khachaturian, &#8222;The Putin Regime Is Straining Under (...)&#034; id=&#034;nh102&#034;&gt;102&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und stagnierende Produktivit&#228;tssteigerungen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb103&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Andrei Kolesnivok, Denis Volkov, &#8222;The Coming Deluge: Russia's Looming Lost (...)&#034; id=&#034;nh103&#034;&gt;103&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; die russischen Kapitalgeber und Produzenten zusammen mit Putins Administration gequ&#228;lt. Als das Coronavirus 2020 die B&#252;hne betrat, verwaltete Russland, wie viele seiner westlichen Gegen&#252;ber, die Krise mithilfe strenger Sparpolitik, w&#228;hrend die Reall&#246;hne weiterhin sanken&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb104&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh104&#034;&gt;104&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Das sogenannte &#8222;chinesische Wunder&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb105&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Chuang, &#8222;Red Dust: The Transition to Capitalism in China&#8220;, 2019.&#034; id=&#034;nh105&#034;&gt;105&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; hat ein &#228;hnliches Ende gefunden, da Profitabilit&#228;tsraten seit mindestens 2010 sinken, w&#228;hrend die Investitionsraten in fixes Kapital seit 2015 sinken&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb106&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Phillip Neel, Global China, Global Crisis: Falling Profitability, Rising (...)&#034; id=&#034;nh106&#034;&gt;106&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch die sich entwickelnde Situation weist darauf hin, dass die USA und die EU zur Aufrechterhaltung der Kapazit&#228;t f&#252;r direkte globale Kapitalakkumulation und Wertfl&#252;sse mit gewissen Schwierigkeiten konfrontiert sind. Das ist weniger das Resultat des direkten Wettbewerbs durch aufstrebende Herausforderer wie Russland und China und eher die Folge der langfristigen Stagnation und der globalen Krise. Da das Produktionswachstum und die Produktivit&#228;t ausgeh&#246;hlt worden sind&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb107&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Karl Marx, Das Kapital, Bd. 3 in MEW, Bd. 25, 1983, S. 260: &#8222;Die wahre (...)&#034; id=&#034;nh107&#034;&gt;107&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, ist der Umsatz des kapitalistischen Systems durch Spekulation auf Verm&#246;genswerte, Handelskriege, W&#228;hrungspolitik und wirtschaftlichen Nationalismus &#252;ber Wasser gehalten worden. In diesem Kartenhaus hat jeder &#8222;Schock&#8220;, wie scheinbar lokalisiert er auch sein mag, weitgehende systemische Auswirkungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unmittelbar nach der russischen Milit&#228;rinvasion brachen die B&#246;rsenindizes inmitten von Angst vor Sanktionen, Wirtschaftskrisen und gesellschaftlicher Unruhe schnell zusammen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb108&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Jeff Sommer, Kevin Granville, &#8222;Stocks and Energy Markets Whipsaw After (...)&#034; id=&#034;nh108&#034;&gt;108&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Sie erholten sich schnell&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb109&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Mark DeCambre, &#8222;Nasdaq Composite Turns a 3.5% Loss into 3.3% Gain as Stock (...)&#034; id=&#034;nh109&#034;&gt;109&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; nach fr&#252;hen Ank&#252;ndigungen, welche die Grenzen der vorgeschlagenen Sanktionspakete unterstrichen, obwohl das nicht f&#252;r alle gleichermassen gegolten hat, da die wirtschaftliche Situation weiterhin unsicher ist. Getreidepreise stiegen in die H&#246;he&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb110&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Ukraine/Food Prices: War Is a Punch in the Breadbasket for Poor (...)&#034; id=&#034;nh110&#034;&gt;110&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, genau wie &#214;l- und Naturgas-Futures (dazu mehr weiter unten). Saudi-Arabien ist auf amerikanische Appelle f&#252;r die Steigerung seiner &#214;lproduktion wiederholt nicht eingegangen, was die Biden-Administration veranlasst hat, beispiellose Str&#246;me an Roh&#246;l aus der strategischen &#214;lreserve der USA&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb111&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ken Klippenstein, &#8222;Saudi-Russia Collusion Is Driving Up Gas Prices &#8212; And (...)&#034; id=&#034;nh111&#034;&gt;111&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; freizugeben, um die Inflation des Benzinpreises abzuschw&#228;chen und Putins Kapazit&#228;t zu unterminieren, davon zu profitieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb112&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Tooze, &#8222;Russia's $720m&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh112&#034;&gt;112&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Das Ziel davon ist, die Wirkung milder Sanktionen gegen den russischen Energiesektor zu st&#228;rken. China ist der gr&#246;sste &#214;limporteur und wichtiger Importeur landwirtschaftlicher G&#252;ter und seine Volkswirtschaft ist dem durch den Krieg und die Sanktionen ausgel&#246;sten Markttumult stark ausgesetzt. Dennoch hat die protektionistische Haltung der USA gegen&#252;ber China in wirtschaftlichen Fragen im letzten Jahrzehnt die zweitgr&#246;sste Volkswirtschaft der Welt in eine strategische Partnerschaft mit Russland gedr&#228;ngt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb113&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Tom Mitchell, Demetri Sevastopulo, Sun Yu, James Kynge, &#8222;The Rising Costs (...)&#034; id=&#034;nh113&#034;&gt;113&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Da globale Getreidem&#228;rkte von Panik ergriffen worden sind, hat sich China, einer der weltweit gr&#246;ssten Getreideimporteure, einverstanden erkl&#228;rt, zum ersten Mal russischen Weizen zu importieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb114&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ana Swanson, &#8222;Ukraine Invasion Threatens Global Wheat Supply&#8220;, 2022.&#034; id=&#034;nh114&#034;&gt;114&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In Anbetracht seines schlechtesten winterlichen Weizenertrags in der Geschichte hatte China kaum Alternativen. Saudi-Arabien hat Gespr&#228;che mit China wieder aufgenommen, um gewisse seiner &#214;lverk&#228;ufe in Yuan abzurechnen, doch die Perspektiven bleiben unsicher. Die W&#228;hrung ist nach wie vor schlecht in internationale M&#228;rkte integriert&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb115&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Summer Said, Stephen Kalin, &#8222;Saudi Arabia Considers Accepting Yuan Instead (...)&#034; id=&#034;nh115&#034;&gt;115&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Auch wenn diese Integration erreicht w&#252;rde, sind die &#214;lpreise im gr&#246;ssten Importland von Roh&#246;l stark gesunken, nachdem China neue Covid-Lockdownmassnahmen durchsetzte&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb116&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Coral Murphy Marcos, &#8222;Oil Prices Fall Below $100 a Barrel as China's (...)&#034; id=&#034;nh116&#034;&gt;116&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Indien, getrieben von seinen eigenen Bedenken &#252;ber die Auswirkung der westlichen Sanktionen im Inland, war gem&#228;ss Berichten dabei, einen Mechanismus f&#252;r in Rupien abgerechnete Transaktionen mit Russland aufzubauen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb117&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Rajendra Jadhav, Nupur Anand, Aftab Ahmed, &#8222;India Explores Setting Up (...)&#034; id=&#034;nh117&#034;&gt;117&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Doch auch wenn die gegenw&#228;rtige Krise in der Ukraine die globale Vorherrschaft des US-Dollars, der sich in einem langsamen, relativen Niedergang befindet&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb118&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Der Dollar ist immer noch vorherrschend f&#252;r internationale Zahlungen und (...)&#034; id=&#034;nh118&#034;&gt;118&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, leicht d&#228;mpfen w&#252;rde&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb119&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Das ist freilich eine tr&#252;gerische Behauptung. Siehe weiter oben.&#034; id=&#034;nh119&#034;&gt;119&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, gibt es bedeutende strukturelle Grenzen gegen&#252;ber einer freien Konvertibilit&#228;t miteinander konkurrierender W&#228;hrungen, so wie der &#252;berm&#228;ssig angepriesene chinesische Renminbi (Yuan)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb120&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Russland schielt auf chinesische Finanzbastelei, um den Geldfluss (...)&#034; id=&#034;nh120&#034;&gt;120&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Bez&#252;glich Transaktionen auf globalen M&#228;rkten herrscht der US-Dollar immer noch weitgehend unangefochten. Doch diese Vormachtstellung wirft ihrerseits Probleme auf.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die unmittelbare Antwort auf die gegenw&#228;rtige russische Milit&#228;rinvasion schien den 2014 ergriffenen Massnahmen zu &#228;hneln. Als die Grenzen dieser Massnahmen offensichtlich wurden, optierten die US-amerikanische und die europ&#228;ischen Regierungen daf&#252;r, Russland aus dem internationalen SWIFT-Transaktionssystem auszuschliessen, den russischen Banken entsprechende Bankverbindungen zu verweigern&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb121&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Adam Tooze, &#8222;About those Sanctions: SWIFT, Correspondent Banking, and the (...)&#034; id=&#034;nh121&#034;&gt;121&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und die Verm&#246;genswerte der russischen Zentralbank einzufrieren. Das waren beispiellose Massnahmen gegen eine G20-Volkswirtschaft und ein bedeutendes Exportland fossiler Energiestoffe. Sie f&#252;hrten tats&#228;chlich zum Kollaps des Rubels in ausl&#228;ndischen Devisenm&#228;rkten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb122&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Adam Tooze, &#8222;Russia's Financial Meltdown and the Global Dollar System&#8220;, 2022.&#034; id=&#034;nh122&#034;&gt;122&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die russische Zentralbank antwortete darauf mit einer scharfen Erh&#246;hung der Zinss&#228;tze, was f&#252;r die russische Bev&#246;lkerung verheerende Auswirkungen haben&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb123&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Pavlos Roufos, &#8222;Solidarity With Ukraine Doesn't Mean Calling for More (...)&#034; id=&#034;nh123&#034;&gt;123&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und die Wirtschaft n&#228;her an eine erwartete Rezession bringen wird&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb124&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Roberts, &#8222;Russia: From Sanctions to Slump?&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh124&#034;&gt;124&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Ohne Zugang zu seinen Reserven im Ausland, die sonst dazu beitragen w&#252;rden, die Entwertung seiner W&#228;hrung auszugleichen, scheint die russische Regierung den Ausstieg ausl&#228;ndischer Investoren zu blockieren und sie dazu zu zwingen, Rubel zu kaufen. Mittlerweile scheint ein russischer Staatsbankrott zum ersten Mal seit 1998 unmittelbar bevorstehend&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb125&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Maria Elena Vizcaino, &#8222;Morgan Stanley Says Russia's Set for Venezuela-Style&#034; id=&#034;nh125&#034;&gt;125&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Putin stieg aus der Asche der letzten Schuldenkrise. Wie er diese &#252;berstehen wird, bleibt eine offene Frage.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unabh&#228;ngig davon, welche Entsch&#228;rfung die Regierung und die Zentralbank aufbringen k&#246;nnen, sollten die katastrophalen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft nicht &#252;bersehen werden. In Anbetracht der Tatsache, dass die Mehrheit der russischen Exporteinkommen von &#214;l und Gas kommen, sind die meisten seiner ausl&#228;ndischen Reserven Petrodollars, die in hohem Masse in Finanzm&#228;rkte und -dienstleistungen integriert sind&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb126&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Tooze, &#8222;Russia's Financial Meltdown&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh126&#034;&gt;126&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Sanktionen gegen die russische Zentralbank drohen m&#246;glicherweise, eine globale Kettenreaktion auszul&#246;sen, besonders f&#252;r europ&#228;ische Banken, die nun von den Sanktionen abh&#228;ngige Petrodollars besitzen. All das bedeutet, dass der Dollar, eben genau, weil er als Weltw&#228;hrung unangefochten bleibt, mittlerweile unter hohem Nachfragedruck steht. Es ist ein wiederkehrendes Thema w&#228;hrend fast allen Wirtschaftskrisen im letzten Jahrhundert: Der Dollar gewinnt an St&#228;rke als sicherer Hafen der Leitw&#228;hrungen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb127&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Roberts, &#8222;The End of Dollar Dominance?&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh127&#034;&gt;127&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;All das geschieht zu einer Zeit, wo die Federal Reserve &#8211; die einzige souver&#228;ne Herausgeberin von US-Dollars &#8211; plant, das W&#228;hrungsangebot durch Zinserh&#246;hungen zu verknappen. Die aufgrund der Pandemie durch die Lieferkette und den Arbeitskr&#228;ftemangel ausgel&#246;ste Inflation hat der Fed kaum andere Optionen als die Verknappung der Dollar-Zirkulation offengelassen. Mit der gegenw&#228;rtigen Krise in der Ukraine scheint die Nachfrage nach Dollars Hand in Hand mit der sich verschlechternden Inflation zu gehen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb128&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Nick Timiraos, &#8222;Russia-Ukraine War Risks Putting Fed in Bigger Bind&#8220;, 2022.&#034; id=&#034;nh128&#034;&gt;128&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Auf der Angebotsseite richtet der Krieg auch verheerenden Schaden bez&#252;glich der prek&#228;ren Erholung der Schifffahrtsindustrie an, was die Lieferketten zus&#228;tzlich unterbricht und den Personalaufwand weiter erh&#246;ht, da ukrainische und russische Seefahrer einen betr&#228;chtlichen Anteil der Arbeitskraft und der Schiffsbesatzungen ausmachen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb129&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;K Oanh Ha, Ann Koh, Devika Krishna Kumar, Verity Ratcliffe, &#8222;War in (...)&#034; id=&#034;nh129&#034;&gt;129&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es ist unklar, wie die Fed aus dieser Zwickm&#252;hle kommen will&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb130&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Tooze, &#8222;Russia's Financial Meltdown&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh130&#034;&gt;130&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Eine Auswirkung der gegenw&#228;rtigen Grenzen k&#246;nnte wom&#246;glich die gr&#246;ssere Spekulation mit Kryptow&#228;hrungen als Reservew&#228;hrungen und f&#252;r den Gebrauch f&#252;r internationale Transaktionen sein&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb131&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Tanya Machael, &#8222;Bitcoin Jumps 10% after Treasury Imposes New Sanctions (...)&#034; id=&#034;nh131&#034;&gt;131&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Kryptow&#228;hrungen, genau wie andere spekulative Instrumente, sind h&#246;chst volatil&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb132&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Michael Roberts, &#8222;Financial Fiction Part Two: The New Ones (SPACs, NFTs, (...)&#034; id=&#034;nh132&#034;&gt;132&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Egal welche &#8222;Erleichterung&#8220; das dem auf Dollar laufenden internationalen W&#228;hrungssystem verschaffen mag, sie wird wahrscheinlich unbedeutend sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Inflationsk&#228;mpfe&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r die vielen importabh&#228;ngigen afrikanischen, nah&#246;stlichen und zentralasiatischen L&#228;nder&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb133&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Adam Tooze, &#8222;&#8218;So like us&#8216; &#8211; Africa and the Russo-Ukrainian War&#8220;, 2022.&#034; id=&#034;nh133&#034;&gt;133&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; ist der Inflationsdruck besonders gravierend. Kombiniert sind die russischen und ukrainischen Getreideexporte unerl&#228;sslich f&#252;r die Getreidebest&#228;nde und die Stabilit&#228;t der Lebensmittelpreise in diesen Regionen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb134&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Emiko Terazono, &#8222;Food Crisis Looms as Ukrainian Wheat Shipments Grind to (...)&#034; id=&#034;nh134&#034;&gt;134&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, w&#228;hrend der Getreidepreis ein Rekordhoch erreicht. Sogar vor der Pandemie ist ein grosser Teil des subsaharischen Afrikas, des Mittleren Ostens, Zentral- und S&#252;dasiens, S&#252;damerikas und der &#196;quatorregion inflation&#228;ren Lebensmittelpreisen ausgesetzt gewesen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb135&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Arab Reform Initiative, &#8222;The Impact of the Ukraine War on the Arab Region: (...)&#034; id=&#034;nh135&#034;&gt;135&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Ein zunehmender Anteil der Enteigneten, die schon seit Jahrzehnten unter dem kombinierten Druck der Entbauerung und der Deindustrialisierung verelendet sind, sind von jener Membran eingeklemmt geworden, welche die formelle Wirtschaft vom Land trennt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb136&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Marx nannte diese Tendenz hin zur Verelendung und einer wachsenden (...)&#034; id=&#034;nh136&#034;&gt;136&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der industrielle Arbeitsmarkt, der durch stagnierende Investitionen und eine hohe organische Zusammensetzung des Kapitals erstickt worden ist, ist unf&#228;hig gewesen, diese Massenproletarisierung zu absorbieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb137&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die wachsenden relativen &#252;bersch&#252;ssigen Bev&#246;lkerungen sind ein weiteres (...)&#034; id=&#034;nh137&#034;&gt;137&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Um zu &#252;berleben, wird die expandierende &#220;berschussbev&#246;lkerung in die &#8222;informelle Wirtschaft&#8220; gedr&#228;ngt, sie repr&#228;sentiert &#252;ber 60 % der globalen Arbeitskraft&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb138&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Corinne Del&#233;chat, Leandro Medina, &#8222;What Is the Informal Economy?&#8220;, 2020.&#034; id=&#034;nh138&#034;&gt;138&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Struktur der Informalit&#228;t &#8211; unregelm&#228;ssig, ungeregelt und h&#228;ufig illegal, unbezahlt und direkt unter Zwang &#8211; verspricht ein Leben blosser Subsistenz &#8211; ein Leben ohne Lohn&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb139&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Michael Denning, &#8222;Wageless Life&#8220; in New Left Review, Nr. 66, 2010, S. 79-97.&#034; id=&#034;nh139&#034;&gt;139&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; &#8211; f&#252;r diese ungef&#228;hr zwei Milliarden Arbeiter. Diese abnehmende Kaufkraft, verbunden mit andauernden sozialen, &#246;kologischen und klimatischen Krisen innerhalb des letzten Jahrzehnts &#8211; die alle kapitalistischen Produktionsverh&#228;ltnissen endogen sind &#8211; haben effektiv zu einer Rassialisierung von Inflation, Hunger und Hungersterben &#252;berall auf der Welt gef&#252;hrt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb140&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r eine detaillierte Erkl&#228;rung des Widerspruchs zwischen steigender (...)&#034; id=&#034;nh140&#034;&gt;140&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die globale Inflation f&#252;r notwendige G&#252;ter hat schon zu einer Welle von Rebellionen gef&#252;hrt. Diese Zirkulationsk&#228;mpfe drehen sich um Preise&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb141&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r eine gute &#220;bersicht im Kontext der Klimakrise, siehe Prole Wave, (...)&#034; id=&#034;nh141&#034;&gt;141&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Aufstand 2020 in Weissrussland, der durch die umstrittene Wiederwahl Alexander Lukaschenkos ausgel&#246;st worden war, ereignete sich im Kontext eines Jahrzehnts staatlicher Sparpolitik, stagnierender L&#246;hne und der Inflation f&#252;r lebensnotwendige G&#252;ter&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb142&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Katherine Booska, &#8222;Trauma Such as This in Peacetime: The Story of the 2020 (...)&#034; id=&#034;nh142&#034;&gt;142&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Diese strenge Verwaltung der Wirtschaftskrise wurde 2020 erschwert, da die steigenden Kosten der medizinischen Dienstleistungen mitten in der Covid-Pandemie den Antagonismus gegen&#252;ber dem Staat vergr&#246;sserten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb143&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;ABC Belarus, &#8222;How Did the Belarusians Come to Rebellion against the (...)&#034; id=&#034;nh143&#034;&gt;143&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Lukaschenkos zusammenfallende Regierung wurde durch die Unterst&#252;tzung der russischen Intervention und allgegenw&#228;rtiger Repression zusammengehalten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb144&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Pramen, &#8222;If only there Was no War&#8220;, 2022.&#034; id=&#034;nh144&#034;&gt;144&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Erst vor einigen Monaten wurden in Kasachstan eine Revolte und ein Massenstreik aufgrund der Verdoppelung der Treibstoffpreise durch die Regierung ausgel&#246;st&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb145&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Communia, &#8222;Protests In Kazakhstan: 5 Clues To Understand What's Going On&#8220;, 2022.&#034; id=&#034;nh145&#034;&gt;145&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; &#8211; f&#252;r die Proletarier war das gleichbedeutend mit einem allgemeinen Anstieg der Lebenskosten. Die Proteste begannen in Schanga&#246;sen, im Zentrum der kasachischen &#214;lfelder und Rohstoffindustrie, bevor sie sich auf Aktau und die Hauptstadt Almaty ausweiteten. Russland und Kasachstan sind wichtige Handelspartner und betreiben gemeinsam Infrastruktur zur Gewinnung von &#214;l und Naturgas in der Region des Kaspischen Meeres. Ein grosser Teil des kasachischen &#214;ls und Naturgases wird nach Russland exportiert, dort raffiniert und/oder &#252;ber Russland vertrieben&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb146&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;EIA, &#8222;Background Reference: Kazakhstan&#8220;, 2019.&#034; id=&#034;nh146&#034;&gt;146&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es war somit f&#252;r Russland &#228;usserst wichtig, die Ordnung in der Region aufrechtzuerhalten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb147&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Pramen, &#8222;Colonialism of the Twenty-First Century&#8220;, 2022.&#034; id=&#034;nh147&#034;&gt;147&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es wird nun gemeinhin gesagt, dass steigende Lebensmittelpreise ein zentraler Ausl&#246;ser f&#252;r den Arabischen Fr&#252;hling waren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb148&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Asef Bayat, &#8222;Plebeians of the Arab Spring&#8220; in Current Anthropology, Nr. 56 (...)&#034; id=&#034;nh148&#034;&gt;148&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Schwere D&#252;rren verringerten 2010 die Getreideernten in Russland und der Ukraine, was die G&#252;terpreise weltweit hochtrieb. Regional geh&#246;ren Nordafrika und der Mittlere Osten zu den wichtigsten Lebensmittelimporteuren und sind sehr anf&#228;llig f&#252;r Preisschwankungen. Zw&#246;lf Jahre sp&#228;ter, als der Lebensmittelpreisindex der UNO-Organisation Ern&#228;hrungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) Rekordniveaus erreicht, sind sich Regierungen und internationale Organisationen des explosiven Potenzials f&#252;r Unruhe vollst&#228;ndig bewusst, sie berufen sich auf den Geist von &#8222;Hungerkrawallen&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb149&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Der UNO-Generalsekret&#228;r Ant&#243;nio Guterres hat besonders unterstrichen, dass (...)&#034; id=&#034;nh149&#034;&gt;149&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; oder einer kommenden &#8222;Brotintifada&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb150&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die Brotkrawalle oder &#8222;Brotintifada&#8220; 1977 brachen in den grossen St&#228;dten (...)&#034; id=&#034;nh150&#034;&gt;150&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Das ist nicht unbegr&#252;ndet. Inflationsk&#228;mpfe haben sich in den letzten Wochen weltweit ausgebreitet. Im Jemen, wo Millionen fast ohne nachhaltige internationale Besorgnis gegen Hungersn&#246;te k&#228;mpfen, zeigt sich der Rassencharakter des kapitalistischen Widerspruchs. Es gab Massenproteste gegen die Treibstoff-, Lebensmittel- und medizinische Krise, Produkte der von Saudi-Arabien angef&#252;hrten Blockade und des Krieges, die nun durch den Krieg in der Ukraine verschlimmert worden sind&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb151&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Thousands Protest across Yemen Denouncing Fuel Crisis Induced by (...)&#034; id=&#034;nh151&#034;&gt;151&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Lastwagenfahrer, Bauern und Fischer in ganz Europa protestierten gegen steigende Treibstoffpreise, z.B. in Argentinien [sic!], Portugal, der T&#252;rkei, Spanien, Italien, Griechenland, Frankreich, Deutschland, der Tschechischen Republik und dem Vereinigten K&#246;nigreich. In einigen F&#228;llen errichteten sie Barrikaden, um Strassen zu blockieren und die G&#252;terverteilung zu unterbrechen. Spanien bot 23&#8216;000 Polizisten auf, um die Streiks im Zaum zu halten. Gewerkschaften in Panama, ein Nettoimporteur von Treibstoff, gingen auf die Strasse, um Lohnerh&#246;hungen zur Kompensation der Inflation zu verlangen. Studentenproteste brachen in Indonesien inmitten von Ger&#252;chten um eine verschobene Pr&#228;sidentschaftswahl und steigenden Preisen von Speise&#246;l aus. In Albanien kam es zu Massenprotesten gegen die Regierung, obwohl sie versprach, die Preise zu kontrollieren und die Steuern zu senken. In Pakistan st&#252;rzten eine Inflation auf hohem und dr&#252;ckendem Niveau und wirtschaftliche Schwierigkeiten den Premierminister Imran Khan. Ein grosser Teil des Mittleren Ostens und Nordafrikas h&#228;ngen von Importen von russischem und ukrainischem Getreide und Speise&#246;l ab. Im Irak, im Sudan und in Tunesien sind wirtschaftspolitische Krisen ausgebrochen, da die L&#228;nder mit Lebensmittelknappheit und weit verbreitetem Hunger konfrontiert sind. &#220;berall auf der Welt brechen wegen des steigenden Brotpreises Proteste aus. F&#252;r das managerhafte Regime des Kapitals scheint jeder Tag gr&#246;sseres Grauen und d&#252;stere Vorahnungen eines &#8222;neuen Arabischen Fr&#252;hlings&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb152&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Truckers in Argentina End Protest that Threatened Grains Transport&#8220;, (...)&#034; id=&#034;nh152&#034;&gt;152&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; zu bringen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die entscheidensten Schulbeispiele haben sich in Sri Lanka und Peru materialisiert&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb153&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Coprifuoco in Sri Lanka e Per&#249;&#8220;, 2022.&#034; id=&#034;nh153&#034;&gt;153&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In Sri Lanka k&#252;ndigte die Regierung 2019 bedeutende Steuerreformen an, welche die Steuerbemessungsgrundlage und die Mehrwertsteuer reduzierten, was den Staat bez&#252;glich der Abzahlung der Staatsschulden in eine prek&#228;re Position brachte. Als stark von Importen abh&#228;ngiges Land generiert Sri Lanka einen grossen Teil seiner Ertr&#228;ge vom Tourismus, einem Markt, der durch die Covid-Lockdowns und die Reisebeschr&#228;nkungen bedeutungslos geworden war. Die Regierung hatte versucht, die geplanten Anleiher&#252;ckzahlungen in Dollar zu leisten, obwohl seine Kapazit&#228;t, Einkommen zu generieren, sehr beschr&#228;nkt war. Das dezimierte seine Devisenreserven schnell. Sri Lanka war monatelang am Rande einer Zahlungsunf&#228;higkeit und stellte die Zahlungen schliesslich am 12. April ein. Mit steigenden Lebensmittel- und Treibstoffpreisen ist die Regierung nun unf&#228;hig, f&#252;r grundlegende Importe zu bezahlen. Akuter Treibstoffmangel hat zu explodierenden Preisen und regelm&#228;ssigen Stromausf&#228;llen gef&#252;hrt, was das Land in seine schlimmste Wirtschaftskrise in 73 Jahren gest&#252;rzt hat. Die Bev&#246;lkerung wurde sich selbst ohne Zugang zu Grundversorgung, Medizin und Brennmaterial zum Kochen &#252;berlassen. Unzufriedenheit und Unruhe wuchsen. Aufst&#228;ndische versuchten, die Residenz von Pr&#228;sident Gotabaya Rajapaksa zu st&#252;rmen, sie z&#252;ndeten nahe gelegene Polizei- und Milit&#228;rfahrzeuge an, was heftige Polizeirepression und eine Ausgangssperre ausl&#246;ste. China und Indien, Sri Lankas wichtigste Importpartner und Kreditgeber, haben ihren Kreditrahmen in einem gescheiterten Versuch ausgeweitet, das zu st&#252;tzen, was f&#252;r sie ein bedeutender &#8222;aufstrebender Markt&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb154&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Chloe Cornish, &#8222;Police Fire Tear Gas at Sri Lankans Protesting over (...)&#034; id=&#034;nh154&#034;&gt;154&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Politische Anf&#252;hrer der &#8222;neuen rosa Welle&#8220;, repr&#228;sentiert durch die j&#252;ngsten &#8222;linken&#8220; Wahlsiege in Mexiko, Zentral- und S&#252;damerika, haben schnell ihre Unf&#228;higkeit zur Krisenverwaltung offenbart. Der sozialdemokratische Pr&#228;sident Chiles Gabriel Boric, selbst ein ehemaliger Studentenf&#252;hrer, liess die Aufstandsbek&#228;mpfungspolizei in Santiago los, um Studentenproteste niederzuschlagen, die h&#246;here Verpflegungspauschalen forderten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb155&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Alexander Villegas, &#8222;Chilean Students Protest in Capital in Early Test for (...)&#034; id=&#034;nh155&#034;&gt;155&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. F&#252;r die Regierung Perus ist die Lage noch d&#252;sterer. Die Regierung Pedro Castillos, ein ehemaliger Lehrer, Gewerkschaftsf&#252;hrer und Kandidat der &#8222;marxistischen&#8220; Partei Freies Peru, hatte M&#252;he, Massenproteste wegen steigenden Treibstoff-, D&#252;nger- und Nahrungsmittelkosten im Zaum zu halten. Trotz Ausgangssperren und prosaischen Darstellungen von Polizeigewalt hat die Verallgemeinerung der Revolte, der Zerst&#246;rung von Eigentum, der Blockaden und des Pl&#252;nderns die Situation tempor&#228;r unregierbar gemacht&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb156&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Dan Collyns, &#8222;Peru President at Bay as Fuel and Fertiliser Prices Detonate (...)&#034; id=&#034;nh156&#034;&gt;156&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Dies hat wiederum die Feindschaft der &#228;usseren Rechten und gegen Indigene gerichtete Verschw&#246;rungstheorien entfacht&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb157&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Mitra Taj, &#8222;Peru Lifts Curfew That Shut Down Capital to Curb Protests Over (...)&#034; id=&#034;nh157&#034;&gt;157&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. W&#228;hrend dem andauernden Streik der Lastwagenfahrer im Land blockierten Dorfbewohner von Villacuri die Panamericana, ein wesentlicher Handelskorridor in S&#252;damerika, und sie versuchten, einen Polizeiposten einzunehmen, was die Regierung dazu bewegte, das Milit&#228;r einzusetzen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb158&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Deadly Protests in Peru as People Take to Streets over High Costs, (...)&#034; id=&#034;nh158&#034;&gt;158&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die peruanische Wirtschaft basiert auf Bergbau und Mineralienexporten. Da das extraktive und Renten suchende Kapital von aktuell hohen Marktpreisen profitiert, haben der inflation&#228;re Druck und die Umweltzerst&#246;rung die umliegenden andinen Gemeinschaften dazu bewegt, die Kupferproduktion des Landes lahmzulegen, sein wichtigstes Exportgut. Blockaden hatten Auswirkungen auf den Tourismus und landwirtschaftliche Streiks bedrohen die Agrarproduktion, Perus zweitwichtigstes Exportgut. Die aufgrund des wirtschaftlichen Stillstands taumelnde linke Regierung hat einen weiteren Ausnahmezustand ausgerufen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb159&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Marcelo Rochabrun, Carolina Pulice, &#8222;Peru Declares State of Emergency to (...)&#034; id=&#034;nh159&#034;&gt;159&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die mittlerweile banale und allgegenw&#228;rtige Unf&#228;higkeit, eine Antwort auf Krisen, w&#228;hrend welchen repressive und Strafmassnahmen im Mittelpunkt stehen, w&#228;hrend die produktive wirtschaftliche Aktivit&#228;t zur&#252;ckgeht, zu verwalten und zu koordinieren, l&#228;sst die grundlegende Schw&#228;che des Staates und seine feindselige Abh&#228;ngigkeit von rassialisierter kapitalistischer Reproduktion erkennen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb160&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Bez&#252;glich der fr&#252;hen Verwaltung der Pandemie schreibt Chuang: &#8222;Das (...)&#034; id=&#034;nh160&#034;&gt;160&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gegenw&#228;rtig sind viele der eingesetzten Taktiken g&#228;ngige Formen von Zirkulationsk&#228;mpfen. Das zeigt bloss den stummen Zwang einer politischen &#214;konomie in chronischem Niedergang, das Kapital wendet sich der Zirkulationssph&#228;re zu, um die Profitabilit&#228;t und den Umsatz aufrechtzuerhalten. Es sagt selten viel &#252;ber die gesellschaftliche oder politische Konstitution eines Kampfes aus&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb161&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Dies machen die j&#252;ngsten sogenannten &#8222;Freiheitskonvois&#8220; augenscheinlich.&#034; id=&#034;nh161&#034;&gt;161&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, trotz der Neigung einiger, solch voreingenommene Schlussfolgerungen aufgrund einer schieren Obsession f&#252;r Stil und Form zu ziehen, als ob soziale Revolte schlichtweg eine Sache der Nachahmung oder Ansteckung w&#228;re&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb162&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die hier betonte Tendenz ist bei den Str&#246;mungen der mit dem &#8222;Unsichtbaren (...)&#034; id=&#034;nh162&#034;&gt;162&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Blockaden, Krawalle, Besetzungen: Das sind fl&#252;chtige Eindr&#252;cke der tektonischen und sintflutartigen Bewegungen des Kapitals &#8211; der Ausstieg aus Industrien, logistische Weite, Umweltzerst&#246;rung, Neuzusammensetzung und Fragmentierung der Klasse, Informalit&#228;t und Kriminalit&#228;t, Verwaltung &#252;bersch&#252;ssiger Bev&#246;lkerungen und rassialisierte und geschlechtsspezifische Gewalt. Losgel&#246;st von diesen rudiment&#228;ren Bedingungen kann Theorie &#8211; sei sie aufst&#228;ndisch, anarchistisch oder kommunistisch &#8211; nicht viel mehr tun, als den kommenden Aufstand zu vergegenst&#228;ndlichen. Sie kann keine materielle Entlastung bieten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Zerfall und kommunistische Massnahmen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Am Rande solch globaler wirtschaftlicher Not ist es entscheidend, nicht vor lauter B&#228;umen den Wald nicht zu sehen. In letzter Instanz sind Sanktionen eine Form der Staatskunst, deren Regie das globale Kapital f&#252;hrt. Die Verelendung und Erb&#228;rmlichkeit ganzer Bev&#246;lkerungen, allen voran rassialisierter Proletarier, sind die Kosten f&#252;r den Wettbewerb um die Kontrolle von Wertfl&#252;ssen auf dem &#8222;geopolitischen&#8220; Terrain&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb163&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Roufos, &#8222;Solidarity with Ukraine&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh163&#034;&gt;163&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Sei es in Russland oder der Ukraine, der wirtschaftliche Kollaps fragmentiert Klassenverh&#228;ltnisse noch mehr und sch&#252;rt rassistischen und nationalistischen Hass, der paradoxerweise eine Form des &#8222;antifaschistischen Kampfes&#8220; und der &#8222;Entnazifizierung&#8220; mobilisiert&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb164&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Liaisons, &#8222;A Very Long Winter&#8220;, op. cit.; siehe auch Lev Golinkin, (...)&#034; id=&#034;nh164&#034;&gt;164&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie schon weiter oben angesprochen, waren die wirtschaftlichen Perspektiven der ukrainischen Industrie schon seit Jahrzehnten d&#252;ster. Russland, dessen wirtschaftliche Fundamente viel st&#228;rker sind, k&#228;mpfte sich auf &#228;hnliche Art und Weise durch ein Jahrzehnt der Stagnation vor dem Krieg. In diesem Kontext kann die Konstruktion und Affirmation angestrebter Klassenidentit&#228;t, sei sie Mittel- oder &#8222;Arbeiterklasse&#8220;, nur durch die Negation der &#8222;gef&#228;hrlichen&#8220; Elemente&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb165&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Endnotes, &#8222;The Construction of the Workers' Movement&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh165&#034;&gt;165&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; des Proletariats und der &#252;bersch&#252;ssigen Bev&#246;lkerung, die notwendigerweise Teil davon sind &#8211; des sogenannten &#8222;Lumpenproletariats&#8220;, das die Arbeiterklasse verfolgt und als konterrevolution&#228;re Kraft wahrgenommen wird &#8211; erreicht werden. Einerseits dr&#228;ngt die langanhaltende Krisentendenz des Kapitalismus immer weitere Teile der Bev&#246;lkerung in die &#8222;Lumpenproletarisierung&#8220;. Andererseits ist die Klasse als Ganzes dem Zerfall ausgesetzt. Das Resultat davon ist, dass, w&#228;hrend die Verelendung sich ausweitet und vertieft, der Niedergang der Klasse auf abstrakter Ebene als gr&#246;ssere Fragmentierung derselben auf konkreter Ebene ausgedr&#252;ckt wird. Die Konstruktion einer nationalen Klassenidentit&#228;t gegen diesen Niedergang ist gleichbedeutend mit der Verwerfung der Lumpenproletarier in ihren rassialisierten und geschlechtsspezifischen Formen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Auswirkungen davon sehen wir in der rassialisierten und geschlechtsspezifischen Gewalt, die den ukrainischen und russischen Populismus durchdringt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb166&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Liaisons, &#8222;A Very Long Winter&#8220;, op. cit.; Praleski, &#8222;Addressing Russian (...)&#034; id=&#034;nh166&#034;&gt;166&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, und in der wachsenden Grenz- und Fl&#252;chtlingskrise. Verglichen mit dem Rest Europas ist die ukrainische Wirtschaft unbedeutend und schwerf&#228;llig. Deshalb ist universit&#228;re Bildung relativ erschwinglich und zug&#228;nglich f&#252;r nichteurop&#228;ische Studenten, die in europ&#228;ische Arbeitsm&#228;rkte eintreten m&#246;chten, besonders afrikanische und indische Migranten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb167&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Soraya Ali, &#8222;Ukraine: Why so Many African and Indian Students Were in the (...)&#034; id=&#034;nh167&#034;&gt;167&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. W&#228;hrend wir diesen Text schreiben, sind fast f&#252;nf Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb168&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;UNHCR, &#8222;Refugees Fleeing Ukraine (since 24 February 2022)&#8220;, 2022. Es (...)&#034; id=&#034;nh168&#034;&gt;168&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; oder sind dabei, es zu tun. Afrikanische und asiatische Fl&#252;chtlinge, die aus dem weissen Rahmen der &#8222;Verdienstlichkeit&#8220; fallen, sind an der Grenze rassialisierter Gewalt ausgesetzt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb169&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Paul Waldie, Geoffrey York, &#8222;Africans and Asians Fleeing Ukraine Subjected (...)&#034; id=&#034;nh169&#034;&gt;169&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn &#252;berhaupt, dann hilft das, aufzuzeigen, dass unter den Bedingungen der langfristigen Abw&#228;rtsbewegung der Akkumulation, w&#228;hrend die systemische Reproduktion des Kapitals von der Reproduktion der Arbeitskraft entkoppelt worden ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb170&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r eine Erkl&#228;rung dieses Prozesses, siehe Endnotes, &#8222;Crisis in the Class (...)&#034; id=&#034;nh170&#034;&gt;170&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, der Kampf gegen das Kapital nur die Form eines Kampfes gegen die Reproduktion der proletarischen Bedingung annehmen kann &#8211; in anderen Worten, der Selbstaufhebung des Proletariats&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb171&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Proletarios Revolucionarios, &#8222;The Self-Abolition of the Proletariat as the (...)&#034; id=&#034;nh171&#034;&gt;171&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Das scheint eine Grenze darzustellen, welche den wiederholten nationalistischen Populismus daran hindert, sich in einen ausgedehnten Aufstand zu verwandeln&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb172&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Die davon unter radikalen Sektoren ausgel&#246;ste Verwirrung kann nicht (...)&#034; id=&#034;nh172&#034;&gt;172&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf internationaler Ebene scheinen Proteste gegen die Invasion, auch innerhalb Russlands, gegenw&#228;rtig durch die Massentaktik gewaltfreier Demonstration begrenzt zu sein, was die liberale Positionierung gegen Putins Regierung gest&#228;rkt hat&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb173&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Russia's Navalny Calls Putin Insane and Urges Anti-War Protests&#8220;, 2022.&#034; id=&#034;nh173&#034;&gt;173&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es gab einige wenige verstreute Berichte &#252;ber russische Brandstiftung und Sabotage&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb174&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es gab einige Berichte &#252;ber Brandstiftung und Sabotage gegen milit&#228;rische (...)&#034; id=&#034;nh174&#034;&gt;174&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und einige F&#228;lle von Hafenarbeitern, wie z.B. im Vereinigten K&#246;nigreich, den USA, Kanada, Neuseeland, Australien, Schweden und Italien, die sich weigerten, russische Frachten zu entladen oder milit&#228;rische Lieferungen f&#252;r die Ukraine zu verladen. Ein relevanteres Modell scheint in Weissrussland aufgetaucht zu sein, wo Bahnarbeiter &lt;a href=&#034;https://twitter.com/HannaLiubakova/status/1505972610177421316&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;gem&#228;ss Berichten Ausr&#252;stung und die Ukraine mit Russland verbindende Eisenbahnlinien blockiert und sabotiert haben&lt;/a&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb175&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Anna Jikhareva, &#8222;Sanktionen von unten&#8220;, 2022.&#034; id=&#034;nh175&#034;&gt;175&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der ukrainische Widerstand, obwohl er weit verbreitet ist, scheint mit den gleichen Grenzen in seiner Zusammensetzung und T&#228;tigkeit wie 2014 konfrontiert zu sein&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb176&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Andrew, &#8222;Ukraine-Korrespondenzen&#8220;, Teil 1 und 2 und Teil 3, 2022; (...)&#034; id=&#034;nh176&#034;&gt;176&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Unzufriedenheit, Aufruhr und Desertion&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb177&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Sanderr, &#8222;Don't Fight For &#8218;Your&#8216; Country!&#8220;, 2022.&#034; id=&#034;nh177&#034;&gt;177&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; werden marginalisiert hinter einem Banner der von nationalistischem Hass und milit&#228;risch gepr&#228;gten Volksfront. Diese gesellschaftliche Aufl&#246;sung ist eben genau das, was politische &#8222;Einheit&#8220; garantiert. Es ist unklar, wie dieses Zusammenlaufen von Polizeirepression, Wirtschaftskrise und zunehmender Mutlosigkeit diese Bewegungen &#252;ber die gegenw&#228;rtigen Grenzen hinweg ins Gefilde des offenen Antagonismus gegen Staat und Kapital treiben k&#246;nnte, da die Leute dazu gezwungen sein werden, drastischere Massnahmen zu ergreifen, um das kontinuierliche &#220;berleben zu gew&#228;hrleisten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf diesem Terrain, jenem der Ausbreitung und Verallgemeinerung kommunistischer Massnahmen, haben die Formen und Mittel des Kampfes die unmittelbare Hervorbringung des Kommunismus als ihren potenziellen historischen Inhalt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb178&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Leon de Mattis, &#8222;Communist Measures: Thinking a Communist Horizon&#8220;, 2014.&#034; id=&#034;nh178&#034;&gt;178&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der &#220;bergang bedeutet hier die Konfrontation mit dem Problem der Zusammensetzung, das konkret ein Problem des Zerfalls, der Fragmentierung und des rassialisierten Klassenantagonismus ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb179&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es sollte betont werden, dass dieser Antagonismus zutiefst asymmetrisch (...)&#034; id=&#034;nh179&#034;&gt;179&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vieles bleibt ungewiss. In der unmittelbaren Zukunft wird allerdings die Ukraine-Krise weiterhin steigende Energie- und Nahrungsmittelpreise zur Folge haben. Die Ausbreitung der Krise hat schon die Weltwirtschaft durchdrungen. Wenn diese Wellen zu Wogen werden, k&#246;nnen wir damit rechnen, dass Aufruhr, Revolte und K&#228;mpfe um die Mittel des &#220;berlebens wie die Kosten wesentlicher Waren sich weiterhin ausbreiten und intensivieren. Gleichzeitig zerrt der Massenr&#252;ckzug vom Arbeitsmarkt immer noch an Wertsch&#246;pfungsketten weit und breit. W&#228;hrend die schwerf&#228;lligen Bewegungen des Kapitals uns tiefer ins Reich der Umweltkatastrophe treiben, sind die j&#252;ngsten Krisen und ihre dazugeh&#246;rigen Kampfzyklen wom&#246;glich bloss Generalproben f&#252;r die kommenden Schocks und Katastrophen. Wir w&#228;ren weise, wenn wir im Kopf behalten, dass die kommunistischen Perspektiven sowohl am Inhalt als auch an der Form dieser K&#228;mpfe gemessen werden sollten. Revolution kann nicht auf Krieg reduziert werden. In Tat und Wahrheit dr&#252;ckt der Ausbruch eines Krieges oft den Endpunkt oder das Scheitern der sozialen Revolution aus und er verschlingt mit ihr die Bedingungen ihrer M&#246;glichkeit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Macht kommt genausowenig aus den Gewehrl&#228;ufen wie aus der Urne. Keine Revolution ist friedlich, aber die milit&#228;rische Ebene ist nicht zentral. Das Problem ist nicht, da&#223; die Prolos endlich beschlie&#223;en, die Waffenlager zu pl&#252;ndern, sondern da&#223; sie das umsetzen, was sie sind: als Ware behandelte Wesen, die nicht mehr als Ware existieren k&#246;nnen noch wollen, und deren Revolte die kapitalistische Logik zum Platzen bringt. Von dieser &#8218;Waffe&#8216; leiten sich Barrikaden und Maschinengewehre ab. Die gesellschaftliche Vitalit&#228;t wird gr&#246;&#223;er, der tats&#228;chliche Gebrauch von Gewehren und die Anzahl der Toten geringer sein. Die kommunistische Revolution wird niemals einem Gemetzel gleichen: nicht wegen eines Prinzips der Gewaltfreiheit, sondern weil sie nur dann eine Revolution ist, wenn sie die professionellen Milit&#228;rs eher zersetzt, als da&#223; sie sie vernichtet.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb180&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Dauv&#233;, &#8222;Wenn die Aufst&#228;nde sterben&#8220;, op. cit.&#034; id=&#034;nh180&#034;&gt;180&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Irgendeine kommunistische Studiengruppe&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Englischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://haters.noblogs.org/post/2022/05/11/ripples-and-waves-notes-on-ukraine-in-the-long-crisis/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Marx an Ruge, &#8222;Ein Briefwechsel von 1843&#8220; in &lt;i&gt;Deutsch-franz&#246;sische Jahrb&#252;cher&lt;/i&gt;, 1844, S. 39.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Leila Al-Shami, &lt;a href=&#034;https://www.dagmarschatz.com/2018/04/17/der-antiimperialismus-der-idioten/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Der &#8218;Antiimperialismus&#8216; der Idioten&#8220;&lt;/a&gt;, 2018. Leila Al-Shamis Analyse hat gewiss Grenzen. Trotzdem ist sie eine n&#252;tzliche und bissige Benennung und kann leider ohne weiteres auf andere Kontexte angewandt werden. Al-Shami polemisiert gegen &#8222;linke&#8220; und &#8222;antiimperialistische&#8220; Proteste und Antikriegsbewegungen, die &#252;ber de ganzen syrischen B&#252;rgerkrieg hinweg die Assad-Regierung und das syrisch-russisch-iranische B&#252;ndnis verteidigt haben. In Anbetracht der Tatsache, dass Syrien zu einer Art Kennzeichen f&#252;r viele Beteiligte am linken Diskurs &#252;ber die Ukraine geworden ist, lohnt es sich, auf die von ihr aufgeworfenen Fragen zur&#252;ckzukommen. Sie erkl&#228;rt:&lt;br class='manualbr' /&gt;&#8222;F&#252;r diese autorit&#228;re Linke erstreckt sich Unterst&#252;tzung im Namen des &#8218;Antiimperialismus&#8216; auf das Assad-Regime. Assad wird als Teil der &#8218;Achse des Widerstandes&#8216; gegen sowohl das US-Regime als auch den Zionismus gesehen. Dabei z&#228;hlt es wenig, da&#223; das Assad-Regime selbst den ersten Golfkriege unterst&#252;tzt hat oder am illegalen US-&#220;berstellungsprogramm teilnahm, im Rahmen dessen Terrorverd&#228;chtige in Syrien im Auftrag der CIA gefoltert wurden. Die Tatsache, dass dieses Regime wahrscheinlich den zweifelhaften Vorzug hat, mehr Pal&#228;stinenser abzuschlachten als der israelische Staat, wird st&#228;ndig &#252;bersehen, ebenso wie die Tatsache, dass es eher darauf bedacht ist, seine Streitkr&#228;fte zu benutzen, um den internen Dissens zu unterdr&#252;cken, als den von Israel besetzten Golan zu befreien. Dieser &#8218;Antiimperialismus&#8216; der Idioten ist einer, der Imperialismus allein mit den Aktionen der USA gleichsetzt.&#8220;&lt;br class='manualbr' /&gt;Zum Problem der abstrakten Analogie zwischen der Ukraine und Syrien, die ihrer konkreten rassialisierten Differenzierungen in der globalen gesellschaftlichen Arbeitsteilung entledigt worden ist, siehe &lt;a href=&#034;https://abolitionmedia.noblogs.org/post/2022/04/18/anarchist-who-fought-in-rojava-response-to-no-war-but-class-war-debate/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Anarchist who Fought in Rojava Response to &#8218;No War But Class War&#8216; Debate&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Z.B. die Position der Partei f&#252;r Sozialismus und Befreiung (PSL) oder der Demokratischen Sozialisten Amerikas &#8211; Internationales Komitee (DSA-IC). Siehe Kenya Elliott, &lt;a href=&#034;https://www.liberationnews.org/ukraine-crisis-escalates-after-u-s-swats-away-russian-olive-branch/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Ukraine Crisis Escalates after U.S. Swats away Russian Olive Branch&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Liberation: Newspaper for the Party of Socialism and Liberation&lt;/i&gt;, 2022, und DSA-IC, &lt;a href=&#034;https://international.dsausa.org/statements/no-war-with-russia/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;DSA IC Opposes US Militarization and Interventionism in Ukraine and Eastern Europe and Calls for an End to NATO Expansionism&#8220;&lt;/a&gt;, 2022. In den letzten Monaten ist der inkoh&#228;rente Internationalismus der DSA zutage getreten, nachdem sie die Arbeitsgruppe f&#252;r Pal&#228;stina-Solidarit&#228;t aufgel&#246;st haben.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Z.B. Branko Marcetic, &lt;a href=&#034;https://jacobin.com/2022/02/with-putins-ukraine-incursion-hawks-in-washington-got-exactly-what-they-wanted&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;With Putin's Ukraine Incursion, Hawks in Washington Got Exactly What They Wanted&#8220;,&lt;/a&gt; 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;CrimethInc, &lt;a href=&#034;https://de.crimethinc.com/2022/02/03/ukraine-zwischen-zwei-fronten-anarchistinnen-in-der-region-uber-die-kriegsgefahr&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Ukraine: Zwischen zwei Fronten. Anarchist*innen in der Region &#252;ber die Kriegsgefahr&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe z.B.: &#8222;[E]ine anarchistische Positionalit&#228;t bedeutet, sich seinen Platz zu schaffen, mit staatlichen Kr&#228;ften zu k&#228;mpfen, die uns ein B&#252;ndnis anbieten gegen andere staatliche Kr&#228;fte, die uns sofort vernichten w&#252;rden.&#8220; Peter Gelderloos, &lt;a href=&#034;https://itsgoingdown.org/the-invasion-of-ukraine-anarchist-interventions-and-geopolitical-changes/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Invasion of Ukraine: Anarchist Interventions and Geopolitical Changes&#8220;&lt;/a&gt;, 2022. Es gab einige Kritik sowohl gegen die eine als auch gegen die andere Seite bez&#252;glich der Frage der anarchistischen Beteiligung am &#8222;Widerstandskomitee&#8220;, eine angeblich &#8222;anti-autorit&#228;re&#8220; Einheit, die innerhalb der zu den ukrainischen Streitkr&#228;ften geh&#246;renden Territorialverteidigung organisiert ist. F&#252;r die verbreitesten Beispiele dieser Art, siehe Sasa Kalazu, &lt;a href=&#034;https://enough-is-enough14.org/2022/03/07/anarchistische-organisierung-in-zeiten-von-krieg-und-krise-ukraine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Anarchistische Organisierung in Zeiten von Krieg und Krise [Ukraine]&#8220;&lt;/a&gt;, 2022, &lt;a href=&#034;https://itsgoingdown.org/no-war-but-class-war-against-state-nationalism-and-inter-imperialist-war-in-ukraine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;No War But Class War: Against State Nationalism and Inter-Imperialist War in Ukraine&#8220;&lt;/a&gt;, 2022, und die Antwort darauf, &lt;a href=&#034;https://itsgoingdown.org/a-response-on-ukraine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;A Response On Ukraine And &#8218;No War But Class War&#8216;&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;br class='manualbr' /&gt;Von dieser letzteren &#8222;Antwort&#8220; schreibt Mike Gouldhawke, dass der anonyme Autor &#8222;vom kritischen Denken rund um den Staatsnationalismus, besonders dem europ&#228;ischen und den erg&#228;nzenden kolonialen Siedlernationalismen entt&#228;uscht&#8220; zu sein scheint. Obwohl er sich mit dem Projekt der internationalen Solidarit&#228;t besch&#228;ftigt, kritisiert Gouldhawke das Konzept einer abstrakten anarchistischen Positionalit&#228;t, so wie sie getrieben ist von einem Sinn f&#252;r atomisierte moralische Verpflichtung: &#8222;[S]ympathie ist nicht das Problem [&#8230;] Das Problem ist der Staat selbst, sein Militarismus und Nationalismus, das Verh&#228;ltnis zwischen faschistischen oder nationalistischen Bewegungen und dem Staat und letztendlich wie Anarchisten in Nordamerika ihre eigene Situation analysieren, um &#252;berhaupt erst f&#228;hig zu Solidarit&#228;t zu sein.&#8220; Siehe Mike Gouldhawke, &lt;a href=&#034;https://itsgoingdown.org/a-response-to-a-response-about-militarism-nationalism-and-war/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;A Response to a Response about Militarism, Nationalism and War&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;br class='manualbr' /&gt;Abolition Media hat vor kurzem eine scharfe Kritik des die westliche Verteidigung des ukrainischen Widerstandes durchdringenden rassialisierten Exzeptionalismus ver&#246;ffentlicht. Der Autor, ein Anarchist, der in Rojava k&#228;mpfte, argumentiert, dass die westlichen Anarchisten, die den ukrainischen Widerstand verehren, den B&#252;rgerkrieg in Syrien und Rojava unredlich als ideologische Grundlage, ausgehend von welcher sie sich positionieren k&#246;nnen, benutzt haben, w&#228;hrend sie keine substanzielle Anstrengung unternehmen, um Unterschiede bez&#252;glich dem regionalen historischen Kontext und der konkreten ortsgebundenen gesellschaftlichen Bedingungen zu analysieren. Er kommt zum Schluss, dass die scheinbar aus dem Nichts kommende und &#252;ber alle Kritik erhabene, nahezu unmittelbare und weitgehende materielle und politische Unterst&#252;tzung westlicher Anarchisten, die sie dem ukrainischen Widerstand anbieten, die &#8222;latente weisse Vorherrschaft innerhalb der anarchistischen Szene&#8220; entlarvt, w&#228;hrend &#8222;das radikale Milieu Rojava weitgehend vergessen hat&#8220;. Ausser nat&#252;rlich, wenn es situationsbedingt als Mittel der Sophisterei zweckdienlich wird. Siehe &#8222;Anarchist who Fought in Rojava Response to &#8216;No War But Class War' Debate&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zu Klasse als eine Abstraktion, die durch konkrete rassialisierte und geschlechtsspezifische Segmentierung und Fragmentierung verwirklicht wird, siehe Ediciones In&#233;ditas, &lt;a href=&#034;https://prolewave.noblogs.org/files/2019/12/In&#233;ditas-Anthology.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Ediciones In&#233;ditas Anthology&#8220;&lt;/a&gt;; Th&#233;orie communiste, &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/classsegmentationracialization-notes-theorie-communiste&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Class / Segmentation / Racialisation. Reading Notes&#8220;&lt;/a&gt;, 2016, Agitations, &lt;a href=&#034;https://haters.noblogs.org/files/2021/01/Program-or-Communization.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Revolution: Program or Communization&#8220;&lt;/a&gt;; Chris Chen, &lt;a href=&#034;https://endnotes.org.uk/translations/chris-chen-the-limit-point-of-capitalist-equality&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Limit Point Of Capitalist Equality: Notes Toward An Abolitionist Antiracism&#8220;&lt;/a&gt;, 2013; R.L., &lt;a href=&#034;https://www.metamute.org/editorial/articles/inextinguishable-fire-ferguson-and-beyond&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Inextinguishable Fire: Ferguson and Beyond&#8220;&lt;/a&gt;, 17. November 2014; K. Aarons, &lt;a href=&#034;https://www.metamute.org/editorial/articles/no-selves-to-abolish-afropessimism-anti-politics-and-end-world&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;No Selves to Abolish: Afropessimism, Anti-Politics, and the End of the World&#8220;&lt;/a&gt;, 2016; Heath Schultz, &#8222;Debord in Watts: Race and Class Antagonisms Under Spectacle&#8220; in &lt;i&gt;Marxism and Cultural Studies&lt;/i&gt;, Nr. 7.1, 2018; Stuart Hall, &#8222;Race, Articulation, and Societies Structured in Dominance&#8220;, 1980 &lt;i&gt;in&lt;/i&gt; Stuart Hall, &lt;i&gt;Selected Writings: Essential Essays&lt;/i&gt;, Bd. 1: &lt;i&gt;Foundations of Cultural Studies&lt;/i&gt;, Duke University Press; Endnotes, &lt;a href=&#034;https://endnotes.org.uk/articles/the-logic-of-gender&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Logic of Gender: On the Separation of Spheres and the Process of Abjection&#8220;&lt;/a&gt;, 2013; Leopoldina Fortunati, &lt;i&gt;The Arcane of Reproduction: Housework, Prostitution, Labor and Capital&lt;/i&gt;, Autonomedia, 1995 (1981); Jackie Wang, &#8222;Against Innocence: Race, Gender, and the Politics of Safety&#8220; in &lt;i&gt;Lies: A Journal of Materialist Feminism&lt;/i&gt;, 2012.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Marx betonte, dass die &#228;ussere Kraft der Konkurrenz den Gesetzen der kapitalistischen Produktion immanent ist. Siehe Karl Marx, &lt;i&gt;Das Kapital. Kritik der politischen &#214;konomie&lt;/i&gt;, Bd. 1, 1865 in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 23, 1968: &#8222;Die freie Konkurrenz macht die immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktion dem einzelnen Kapitalisten gegen&#252;ber als &#228;u&#223;erliches Zwangsgesetz geltend.&#8220; (S. 286); &#8222;Au&#223;erdem macht die Entwicklung der kapitalistischen Produktion eine fortw&#228;hrende Steigerung des in einem industriellen Unternehmen angelegten Kapitals zur Notwendigkeit, und die Konkurrenz herrscht jedem individuellen Kapitalisten die immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise als &#228;u&#223;ere Zwangsgesetze auf. Sie zwingt ihn, sein Kapital fortw&#228;hrend auszudehnen, um es zu erhalten, und ausdehnen kann er es nur vermittelst progressiver Akkumulation.&#8220; (S. 618); siehe auch Karl Marx, &lt;i&gt;Grundrisse der Kritik der politischen &#214;konomie&lt;/i&gt;, 1857-1858 in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 42, 1983, S. 327: &#8222;In der &lt;i&gt;Konkurrenz&lt;/i&gt; erscheint diese innre Tendenz des Kapitals als ein Zwang, der ihm von &lt;i&gt;fremdem&lt;/i&gt; Kapital angetan wird und der es vorantreibt &#252;ber die richtige Proportion mit best&#228;ndigem &lt;i&gt;Marche, marche!&lt;/i&gt; [&#8230;] Begrifflich ist die Konkurrenz nichts als die innre Natur des Kapitals, seine wesentliche Bestimmung, erscheinend und realisiert als Wechselwirkung der vielen Kapitalien aufeinander, die innre Tendenz als &#228;u&#223;erliche Notwendigkeit.[&#8230;] Kapital existiert und kann nur existieren als viele Kapitalien, und seine Selbstbestimmung erscheint daher als Wechselwirkung derselben aufeinander.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Das Kapital ist selbst der prozessierende Widerspruch [dadurch], da&#223; es die Arbeitszeit auf ein Minimum zu reduzieren strebt, w&#228;hrend es andrerseits die Arbeitszeit als einziges Ma&#223; und Quelle des Reichtums setzt. Es vermindert die Arbeitszeit daher in der Form der notwendigen, um sie zu vermehren in der Form der &#252;berfl&#252;ssigen; setzt daher die &#252;berfl&#252;ssige in wachsendem Ma&#223; als Bedingung &#8212; question de vie et de mort &#8212; f&#252;r die notwendige.&#8220; Marx, &lt;i&gt;Grundrisse&lt;/i&gt;, S. 601-602.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In Bezug auf den laufenden Ukraine-Krieg hat Roland Simon beobachtet, wie sich die geopolitische Konfrontation zwischen Nationalstaaten aus den Widerspr&#252;chen in der globalen Reproduktion des kapitalistischen Klassenverh&#228;ltnisses herauskristallisiert hat &#8211; eine Panne der kapitalistischen Restrukturierung seit den Krisen der 1970er Jahre &#8211; die besonders seit der Krise und der Rezession 2008 deutlich hervorgetreten ist. Siehe Roland Simon, &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Roland-Simon-Ukraine-2022&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Ukraine 2022&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; chilenische Genossen von Vamos Hacia La Vida haben &#228;hnliche Schl&#252;sse gezogen: &#8222;Was sie &#8218;geopolitische Neugestaltung&#8216; nennen, ist nichts anderes als der alte innerb&#252;rgerliche Streit, verschlimmert durch die tiefe Verwertungskrise, die uns seit 2008 heimsucht [&#8230;] Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine ist eine direkte Folge dieser Krise, welche die Kapitale und ihre Staaten dazu zwingt, die schon klassischen Konflikte um Rohstoffe, M&#228;rkte und Territorien auszutragen, aber mit einem nie dagewesenem Ausmass zerst&#246;rerischer Kraft.&#8220; Siehe Vamos Hacia La Vida, &lt;a href=&#034;https://malcontent.noblogs.org/post/2022/03/28/reflections-on-the-ongoing-capitalist-butchery-russia-ukraine-vamos-hacia-la-vida/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Reflections on the ongoing capitalist butchery (Russia/Ukraine)&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wie Chuang es formuliert: &#8222;Vertraue nie jemandem, der von der Welt in rein geopolitischen Begriffen spricht, als ob es schlichtweg &#8218;Nationen&#8216; mit &#8218;Interessen&#8216; g&#228;be, die manchmal im Konflikt miteinander sind. Geopolitik ist ein Hologramm, das &#252;ber die raue Realit&#228;t der Wirtschaft projiziert ist und ihr weltumspannendes Gleichgewicht des Schreckens mit dem Melodrama politischer Anf&#252;hrer und &#246;ffentlicher Empfindung verschleiert.&#8220; Siehe Chuang, &lt;a href=&#034;https://chuangcn.org/2020/01/the-divided-god/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Divided God: A Letter to Hong Kong&#8220;&lt;/a&gt;, 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Vor kurzem haben Antithesi und Cognord die als staatliche Politik verzeichneten Widerspr&#252;che der kapitalistischen Reproduktion und die ungleichm&#228;ssige und konfliktreiche Verwaltung der Pandemie eloquent behandelt. Ihre Kritik an der beunruhigenden Opposition gegen staatliche Massnahmen weist eine gewisse &#196;hnlichkeit mit der folgenden Analyse auf. In beiden F&#228;llen haben linke und anarchistische Milieus Feindschaft gegen&#252;ber dem Staatsapparat in der einen oder anderen Form fetischisiert, aber scheitern daran, ihren historischen Inhalt zu erkl&#228;ren. Siehe Antithesi/Cognord, &lt;a href=&#034;https://communaut.org/de/das-leugnen-der-realitaet-und-die-realitaet-des-leugnens#footnote12_pt20lz0&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Das Leugnen der Realit&#228;t und die Realit&#228;t des Leugnens&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Z.B. Franco &#8222;Bifo&#8220; Berardi, &lt;a href=&#034;https://networkcultures.org/blog/2022/04/15/the-precipice/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Precipice &#8211; Ukraine's Inter-White War Is Just the Beginning: Welcome to the Geopolitics of Chaos&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Guy Debord, &lt;i&gt;Die Gesellschaft des Spektakels&lt;/i&gt;, 1967, These 141.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Hegel bemerkte irgendwo, da&#223; alle gro&#223;en weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sich sozusagen zweimal ereignen. Er hat vergessen, hinzuzuf&#252;gen: das eine Mal als Trag&#246;die, das andere Mal als Farce [&#8230;] Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien St&#252;cken, nicht unter selbstgew&#228;hlten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und &#252;berlieferten Umst&#228;nden. Die Tradition aller toten Geschlechter lastet wie ein Alp auf dem Gehirne der Lebenden.&#8220; Karl Marx, &#8222;Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte&#8220;, 1852 in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 8, 1972, S. 115.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Roland Simon, &lt;a href=&#034;https://libcom.org/library/concept-cycle-struggles-roland-simon&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Concept of the Cycles of Struggle&#8220;&lt;/a&gt;, 2008.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die &#8222;lange Krise&#8220;, der &#8222;lange Abschwung&#8220; oder die &#8222;lange Depression&#8220; beziehen sich auf die Periode der globalen wirtschaftlichen Restrukturierung nach der &#214;lkrise 1973, die jedoch mit einem R&#252;ckgang der Profitraten in der Produktion in den 1960er Jahren begann. Diese &#196;ra war von einem allgemeinen R&#252;ckgang des Wirtschaftswachstums, Stagnation und Schweinezyklen, prim&#228;r bez&#252;glich der Preise von Finanzanlagen wie Immobilien, gepr&#228;gt. Siehe Paul Mattick Jr., &lt;i&gt;Business as Usual: The Economic Crisis and the Failure of Capitalism&lt;/i&gt;, Reaktion, 2011; Paul Mattick Jr., &lt;i&gt;Theory as Critique: Essays on Capital&lt;/i&gt;, Haymarket, 2018; Robert Brenner, &lt;i&gt;Boom &amp; Bubble. Die USA in der Weltwirtschaft&lt;/i&gt;, VSA, 2002; Robert Brenner, &lt;i&gt;The Economics of Global Turbulence: The Advanced Capitalist Economies from Long Boom to Long Downturn, 1945-2005&lt;/i&gt;, Verso, 2006; Endnotes, &lt;a href=&#034;https://kosmoprolet.org/de/elend-und-schulden-zur-logik-und-geschichte-von-ueberschussbevoelkerungen-und-ueberschuessigem&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Elend und Schulden. Zur Logik und Geschichte von &#220;berschussbev&#246;lkerungen und &#252;bersch&#252;ssigem Kapital&#8220;&lt;/a&gt;, 2010: Michael Roberts, &lt;i&gt;The Long Depression: How It Happened, Why It Happened, and What Happens Next&lt;/i&gt;, Haymarket, 2016; Jonathan Levy, &lt;i&gt;Ages of American Capitalism: A History of the United States&lt;/i&gt;, Random House, 2021.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Beschaffung und Verteilung von Lebensmitteln war eine wiederkehrende Besorgnis der Regierungsf&#252;hrung &#252;ber das ganze lange 20. Jahrhundert hinweg. Siehe Susanne A. Wengle, &lt;i&gt;Black Earth, White Bread: A Technopolitical History of Russian Agriculture and Food&lt;/i&gt;, University of Wisconsin Press, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r eine &#220;bersicht &#252;ber diese Debatten, prim&#228;r innerhalb der trotzkistischen Tradition und ihren Abtr&#252;nnigen, besonders der Johnson-Forest-Tendenz, siehe die Serie von Aufheben &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/what-was-ussr-aufheben&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;What Was the USSR&#8220;&lt;/a&gt;. Siehe auch &lt;i&gt;State Capitalism and World Revolution&lt;/i&gt; von C.L.R. James, Raya Dunayevskaya und Grace Lee.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Z.B. Ida Mett, &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/kronstadt-uprising-1921-ida-mett&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;The Kronstadt Uprising of 1921&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, 1948.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Th&#233;orie communiste, &lt;a href=&#034;https://endnotes.org.uk/articles/much-ado-about-nothing&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Much Ado about Nothing&#8220;&lt;/a&gt;, 2008.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Endnotes, &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/history-separation-endnotes-4&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;A History of Separation&#8220;&lt;/a&gt;, 2015. Die anarchistische argentinische Zeitschrift &lt;i&gt;Cuadernos de Negaci&#243;n&lt;/i&gt; hat eine Kritik der Arbeiterselbstverwaltung nach der j&#252;ngeren Geschichte der argentinischen Aufst&#228;nde 2001 vorgelegt. Siehe &lt;i&gt;Cuadernos de Negaci&#243;n&lt;/i&gt;, Nr. 12, &lt;a href=&#034;https://cuadernosdenegacion.blogspot.com/p/blog-page.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Critique of Self-Management&#8220;&lt;/a&gt;, siehe auch Gilles Dauv&#233; und Fran&#231;ois Martin, &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/eclipse-and-re-emergence-communist-movement-gilles-dauve-and-francois-martin&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Eclipse and Re-Emergence of the Communist Movement&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, PM Press, 2014 (1974).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb23&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh23&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 23&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;23&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Formelle Subsumtion, manchmal als formelle Herrschaft &#252;bersetzt, ist die Aneignung des Arbeitsprozesses durch das Kapital. Sie ist eine sowohl notwendige als auch hinreichende Bedingung f&#252;r die Produktion von Mehrwert durch die Ausweitung des Arbeitstages &#252;ber die f&#252;r die Reproduktion des Lebenserhalts des Arbeiters notwendige Arbeitszeit hinaus. Reelle Subsumtion, oder reelle Herrschaft, dr&#252;ckt die kontinuierlichen, die Arbeitsproduktivit&#228;t steigernden technischen, technologischen und organisatorischen Revolutionen im Arbeitsprozess aus. Dies verweist auf die Produktion von relativem Mehrwert durch die Reduzierung der notwendigen Arbeitszeit, d.h. die Verringerung der Kosten f&#252;r Lebensmittel. Formelle Subsumtion bleibt eine notwendige Bedingung f&#252;r die Produktion von relativem Mehrwert, aber blosse Aneignung von Arbeit durch das Kapital ist nicht ausreichend. Wettbewerb zwischen individuellen Kapitalen garantiert eine inh&#228;rente Dynamik und Zielgerichtetheit der kapitalistischen Entwicklung. Er gibt ihr historische Form. Das ist es, was Marx als spezifisch kapitalistische Produktionsweise bezeichnete. Reelle Subsumtion beschreibt diesen Prozess des best&#228;ndigen Werdens. Siehe Marx, &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Bd.1 und besonders den Anhang &#8222;Resultate des unmittelbaren Produktionsprozesses&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb24&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh24&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 24&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;24&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ein fr&#252;her und einflussreicher Theoretiker der franz&#246;sischen und italienischen Ultralinken, seit den sp&#228;ten 1970er Jahren ist Camatte zu einem ziemlich undurchsichtigen und esoterischen Denker geworden, dessen heutige Analyse anf&#228;llig ist f&#252;r naturalistische Trugschl&#252;sse, humanistischen Fetisch in umgekehrter Form und eine Berufung auf den Vitalismus. Dies ist in seinen &lt;a href=&#034;https://revueinvariance.pagesperso-orange.fr/situation.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;j&#252;ngsten Mitteilungen&lt;/a&gt; zur Covid-Pandemie, Gattungsfeindschaft und Ausl&#246;schung, die Spuren von ahistorischem Negationismus enthalten, auf verst&#246;rende Art und Weise offensichtlich geworden.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb25&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh25&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 25&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;25&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r eine Analyse und Kritik dieser Periodisierung sowie der unver&#246;ffentlichten &#8222;Resultate des unmittelbaren Produktionsprozesses&#8220; von Marx, siehe Endnotes, &lt;a href=&#034;https://endnotes.org.uk/articles/the-history-of-subsumption&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The History of Subsumtion&#8220;&lt;/a&gt;. Die Lesart Camattes enth&#228;lt Spuren von Debords Theorie des Kapitals als Spektakel. Mit der reellen Subsumtion wird das Kapital autonom, es wird zu einer materiellen Gemeinschaft, die alle unmittelbaren menschlichen Beziehungen ersetzt und ihre eigene Form der Vermittlung aufzwingt. Siehe Jacques Camatte, &lt;a href=&#034;https://www.marxists.org/archive/camatte/capcom/index.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Capital and Community: The Results of the Immediate Process of Production and the Economic Work of Marx&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, 1976; Guy Debord, &lt;i&gt;Die Gesellschaft des Spektakels&lt;/i&gt;, 1967.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb26&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh26&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 26&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;26&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Daher Marx&#8216; Kapitel zur Produktion des absoluten und relativen Mehrwerts und zum Verh&#228;ltnis der beiden und das Fehlen der &#8222;Resultate&#8220; in der finalen &#220;berarbeitung des &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb27&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh27&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 27&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;27&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Chris Arthur, &lt;i&gt;The New Dialectic and Marx's Capital&lt;/i&gt;, Brill, 2003. Siehe auch Endnotes, &lt;a href=&#034;https://endnotes.org.uk/articles/the-moving-contradiction&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Moving Contradiction: The Systematic Dialectic of Capital as Dialectic of Class Struggle&#8220;&lt;/a&gt;, 2010.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb28&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh28&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 28&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;28&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Endnotes, &lt;a href=&#034;https://endnotes.org.uk/articles/the-construction-of-the-workers-movement&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;A History of Separation: The Construction of the Workers&#8216; Movement&#8220;&lt;/a&gt;, 2015; Teodor Shanin, &#8222;Late Marx and the Russian Road: Marx and the &#8218;Peripheries of Capitalism&#8216;&#8220;, &lt;i&gt;Monthly Review Press&lt;/i&gt;, 1983.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb29&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh29&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 29&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;29&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Chuang benutzte zuerst die Bezeichnungsweise &#8222;sozialistisches Entwicklungsregime&#8220;, um den industriellen &#220;bergang in China nach der kommunistischen Revolution zu beschreiben. Siehe &lt;a href=&#034;https://chuangcn.org/journal/one/sorghum-and-steel/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Sorghum &amp; Steel: The Socialist Developmental Regime and the Forging of China&#8220;&lt;/a&gt;. Chuang bemerkt allerdings sowohl bedeutende Parallelen als auch Unterschiede zwischen dem russischen und dem chinesischen Entwicklungsregime und gibt acht, letzteres nicht auf die polemischen Darstellungen des ersteren zu reduzieren.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb30&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh30&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 30&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;30&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r eine gr&#252;ndlichere Ausarbeitung dieser theoretischen und historischen Debatte, siehe Aufheben, &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/what-was-ussr-part-ii-russia-non-mode-production&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Russia as a Non-Mode of Production&#8220;&lt;/a&gt; und &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/what-was-ussr-part-iv-towards-theory-deformation-value&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Towards a Theory of the Deformation of Value&#8220;&lt;/a&gt; in &#8222;What Was the USSR&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb31&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh31&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 31&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;31&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wengle, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb32&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh32&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 32&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;32&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 62.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb33&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh33&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 33&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;33&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 38-48.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb34&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh34&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 34&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;34&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb35&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh35&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 35&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;35&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 48-50.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb36&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh36&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 36&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;36&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 38-62.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb37&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh37&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 37&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;37&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Michael Roberts, 2017, &lt;a href=&#034;https://thenextrecession.wordpress.com/2017/11/08/the-russian-revolution-some-economic-notes/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Russion Revolution: Some Economic Notes&#8220;&lt;/a&gt;, 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb38&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh38&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 38&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;38&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Fleischman liefert eine gr&#252;ndliche Darstellung der landwirtschaftlichen und industriellen Revolution in der Sowjetunion und im Ostblock als Antwort auf die Energie-, Ern&#228;hrungs- und Finanzkrise der 1970er Jahre. Siehe Thomas Fleischman, &lt;i&gt;Communist Pigs: An Animal History of East Germany's Rise and Fall&lt;/i&gt;, University of Washington Press, 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb39&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh39&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 39&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;39&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wengle, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 52-54.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb40&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh40&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 40&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;40&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 63.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb41&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh41&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 41&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;41&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r eine detaillierte Geschichte, siehe James Trager, &lt;i&gt;Amber Waves of Grain: The Secret Russian Wheat Sales That Sent American Food Prices Soaring&lt;/i&gt;, Arthur Field Books, 1973. Siehe auch Harry Cleaver, &#8222;Food, Famine and the International Crisis&#8220; in &lt;i&gt;Zerowork&lt;/i&gt;, Nr. 2(1), S. 70; Wengle, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 63-64.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb42&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh42&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 42&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;42&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wengle, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 63-64.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb43&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh43&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 43&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;43&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Das wird weiter unten detaillierter untersucht.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb44&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh44&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 44&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;44&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Fleischman, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb45&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh45&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 45&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;45&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wengle, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 54.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb46&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh46&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 46&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;46&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Fleischman, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb47&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh47&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 47&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;47&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wengle, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 64-69.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb48&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh48&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 48&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;48&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Abraham Song, &lt;a href=&#034;https://geohistory.today/russia-shock-therapy/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Four Reformers in Russia's Shock Therapy&#8220;&lt;/a&gt;, 2016.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb49&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh49&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 49&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;49&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Ben Aris, &lt;a href=&#034;https://www.themoscowtimes.com/2018/08/22/remembering-russias-1998-financial-crash-op-ed-a62595&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Remembering Russia's 1998 Financial Crisis: The Whole Economy Fell to Pieces at Once&#8220;&lt;/a&gt;, 2018.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb50&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh50&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 50&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;50&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Ostasienkrise hat selbst vorausgehende Urspr&#252;nge und Vorbedingungen. Um die inflation&#228;re Periode der 1970er Jahre zu unterbrechen, erh&#246;hte die Fed unter Paul Volcker die Zinss&#228;tze und wertete den US-Dollar auf. Obwohl sie erfolgreich war, war das Nebenprodukt der Aufwertung, dass die US-amerikanische Produktion international weniger kompetitiv war, besonders im Verh&#228;ltnis zu den aufsteigenden wirtschaftlichen Bedrohungen Japan und Deutschland. Die USA, Japan, Deutschland, Frankreich und das Vereinigte K&#246;nigreich unterzeichneten 1985 das Plaza-Abkommen, das zum Ziel hatte, den US-Dollar im Verh&#228;ltnis zu den W&#228;hrungen dieser L&#228;nder abzuwerten, was den US-amerikanischen Firmen neuen Schwung verschaffte. In Japan f&#252;hrte die relative Aufwertung des Yen zu vermehrter Spekulation und einer Immobilienblase. Als die Blase platzte, trat die japanische Wirtschaft in die Stagnation ein und begann ihre &#8222;verlorene Dekade&#8220;. Nachdem sich die USA, Deutschland und Japan 1995 auf ein &#8222;umgekehrtes Plaza-Abkommen&#8220; einigten, um diesen Druck zu verringern, senkte Japan seinen Zinssatz f&#252;r kurzfristige Anleihen, um Kreditgew&#228;hrung, Ausgabeverhalten und Investitionen anzuregen. Diese tiefen Zinss&#228;tze f&#252;hrten zu einem globalen Anstieg von Anleihen in Yen. Dies erlaubte es Japan, die finanzielle Vorherrschaft &#252;ber aufstrebende Regionen in Ost- und S&#252;dostasien zu erlangen, wodurch die Investitionen in den exportorientierten Niedriglohnsektor zunahmen. Yen floss in Geld- und Kapitalm&#228;rkte und ins Transportgewerbe. W&#228;hrend der ersten H&#228;lfte der 1990er Jahre war der Ostasien-Boom ein dynamischer Gl&#252;cksfall f&#252;r das globale Kapital. Ab 1997 verwandelte er sich in eine Finanzkrise mit globalen Auswirkungen. Die Krise begann in Thailand. Der thail&#228;ndische Baht war an den Dollar gekoppelt gewesen, um Vertrauen f&#252;r ausl&#228;ndische Investitionen zu schaffen, doch das umgekehrte Plaza-Abkommen, das den US-Dollar st&#228;rkte, untergrub die Wettbewerbsf&#228;higkeit der Produktion. Dies sch&#252;rte Bef&#252;rchtungen, dass Thailand wom&#246;glich seine W&#228;hrung abwerten k&#246;nnte, deshalb kauften Spekulanten thail&#228;ndischen Baht, was Thailand dazu zwang, den Baht vom US-Dollar zu entkoppeln und den Baht in offenen M&#228;rkten in Umlauf zu setzen. Thail&#228;ndische Aktien fielen zusammen mit der Produktion und der Besch&#228;ftigung. Das dehnte sich auf die ganze Lieferkette aus.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb51&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh51&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 51&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;51&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Da Japan die vorherrschende Volkswirtschaft in der Region war, hatten andere asiatische L&#228;nder in der Regel ein Handelsdefizit mit Japan. Asiatische Produzenten machten auch Anleihen in Yen, um die Produktion und die Ausweitung des Handels zu finanzieren. Als erste Fremdw&#228;hrung f&#252;r Anleihen verlor der Yen, als die Lieferkette in der Produktion von der Krise unterbrochen wurde, an Wert, konnte sich jedoch schnell erholen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb52&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh52&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 52&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;52&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es ist ber&#252;hmt und ber&#252;chtigt, dass das wiederum zum Kollaps des Hedgefonds Long-Term Capital Management (LTCM) f&#252;hrte. Die von LTCM verwalteten Wertpapiere basierten auf dem &#8222;Black-Scholes-Modell&#8220;, das Liquidit&#228;t basierend auf historischen Daten voraussetzte. Da LTCM grosse Mengen von russischen Schuldpapieren enthielt, war die Kettenreaktion gleichbedeutend mit Insolvenz. F&#252;r eine detaillierte Darstellung von LTCM, Finanzmodellen und der russischen Schuldenkrise, siehe Donald MacKenzie, &lt;i&gt;An Engine, Not a Camera: How Financial Models Shape Markets&lt;/i&gt;, MIT Press, 2008.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb53&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh53&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 53&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;53&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r eine ausf&#252;hrlichere Darstellung dieser Geschichte, siehe Giovanni Arrighi, &lt;i&gt;The Long Twentieth Century: Money, Power, and the Origins of Our Times&lt;/i&gt;, Verso, 1994; Brenner, &lt;i&gt;Boom &amp; Bubble, Die USA in der Weltwirtschaft&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.; Brenner, &lt;i&gt;The Economics of Global Turbulence&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.; Robert Brenner, &#8222;What Is Good for Goldman Sachs Is Good for America: The Origins of the Present Crisis&#8220;, 2009; Mattick, &lt;i&gt;Business as Usual&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.; Levy, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb54&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh54&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 54&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;54&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Aris, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb55&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh55&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 55&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;55&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wengle, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 69.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb56&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh56&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 56&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;56&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Endnotes, &lt;a href=&#034;https://endnotes.org.uk/translations/endnotes-the-holding-pattern&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Holding Pattern: The Ongoing Crisis and Class Struggles of 2011-2013&#8220;&lt;/a&gt;, 2013.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb57&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh57&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 57&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;57&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In den meisten Berichten beginnt diese Sequenz der Platzbesetzungen in Tunesien, bevor sie sich in den weiteren Arabischen Fr&#252;hling im Mittleren Osten und Nordafrika ausbreitet. Die Krawalle 2008, ausgel&#246;st durch die Erschiessung von Alexandros Grigoropoulos durch die Polizei, ersch&#252;tterten jedoch Griechenland in der Zeit nach der grossen Rezession, einem wirtschaftlichem und sozialem Malaise und einer steigenden Jugendarbeitslosigkeit. Etwas mehr als ein Jahr sp&#228;ter breiteten sich Krawalle auf der anderen Seite der Welt in Oakland, Kalifornien, als Antwort auf die T&#246;tung von Oscar Grant, ein junger schwarzer Mann, durch die Polizei aus, es war der Auftakt einer kommenden Welle schwarzer Revolten. Der Tanz der Krawalle, Konfrontationen mit der Polizei, Blockaden und Platzbesetzungen wird den Kampfzyklen dieser Periode eine Form geben. Andere Knotenpunkte dieser Sequenz sind u.a.: die Bewegung der Emp&#246;rten und gegen die Sparpolitik in Europa und in Mexiko, indigene Aufst&#228;nde gegen den wirtschaftlichen Entwicklungsplan der &#8222;rosa Welle&#8220; in Bolivien und Ecuador, die Occupy-Bewegung in den USA, Idle No More und indigene Blockaden von Energieinfrastruktur in Kanada und sp&#228;ter die &#8222;Fr&#252;hlinge&#8220; in Brasilien und Bosnien und Herzegowina und die Gezi-Park-Bewegung in der T&#252;rkei.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb58&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh58&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 58&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;58&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Michael Roberts, &lt;a href=&#034;https://thenextrecession.wordpress.com/2022/02/14/ukraine-trapped-in-a-war-zone/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Ukraine: Trapped in a War Zone&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb59&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh59&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 59&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;59&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;CEIC Data, &lt;a href=&#034;https://www.ceicdata.com/en/indicator/ukraine/labour-productivity-growth&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Ukraine Labour Productivity Growth&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb60&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh60&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 60&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;60&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Tom Coup&#233;, &lt;a href=&#034;https://voxukraine.org/en/ukraines-labor-force-producing-little-with-lots-of-education-or-why-comprehensive-reforms-are-needed-eng/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Ukraine's Labor Force: Producing Little, with Lots of Education&#8220;&lt;/a&gt;, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb61&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh61&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 61&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;61&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Roberts, &#8222;Ukraine: Trapped in a War Zone&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb62&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh62&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 62&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;62&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Adam Tooze, &lt;a href=&#034;https://adamtooze.substack.com/p/chartbook-68-putins-challenge-to?s=r&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Putin's Challenge to Western Hegemony &#8211; the 2022 Edition&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb63&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh63&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 63&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;63&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb64&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh64&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 64&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;64&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Endnotes, &#8222;The Holding Pattern&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb65&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh65&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 65&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;65&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Die Maidan-Proteste in der Ukraine, angezettelt von pro-europ&#228;ischen Liberalen und Nationalisten, verwandelten sich in Lager von besitzlosen Arbeitern.&#8220; Zu dieser Dynamik, siehe Endnotes, &lt;a href=&#034;https://endnotes.org.uk/articles/brown-v-ferguson&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Brown v Ferguson&#8220;&lt;/a&gt;, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb66&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh66&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 66&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;66&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Crimethinc, &#8222;Between Two Fires&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb67&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh67&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 67&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;67&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r eine kritischere Einsch&#228;tzung des Winteraufstands und der Grenzen des &#8222;Antifaschismus&#8220;, siehe Liaisons, &lt;a href=&#034;https://thenewinquiry.com/blog/a-very-long-winter/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;A Very Long Winter&#8220;&lt;/a&gt;, 2014; f&#252;r eine breite soziologische Untersuchung und eine historische Analyse der ukrainischen Linken und ihrer Grenzen vor und nach dem Maidan, siehe Volodymyr Ishchenko, &lt;a href=&#034;https://www.cslr.org.ua/wp-content/uploads/2016/01/The_Ukrainian_Left_during_and_after_the.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Ukrainian Left during and after the Maidan Protests&#8220;&lt;/a&gt;, 2016. Ishchenko argumentiert, dass nach dem Euromaidan &#8222;die wichtigste Lehre, die aus der Krise der Ukraine gezogen werden kann, ist, wie einfach die Linke von den Dynamiken konkurrierender imperialistischer und nationalistischer Lager genau in dem Moment &#252;berholt werden kann, wo eine linke Alternative zu beiden davon notwendig ist&#8220; (S. 94).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb68&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh68&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 68&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;68&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Camatte, &lt;i&gt;Capital and Community&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb69&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh69&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 69&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;69&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r eine breitere historische Kritik des Antifaschismus und der Demokratie, siehe Gilles Dauv&#233;, &lt;a href=&#034;https://www.wildcat-www.de/zirkular/50/z50dauve.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;1917-1937: Wenn die Aufst&#228;nde sterben&#8220;&lt;/a&gt;; siehe auch Vamos Hacia la Vida, &#8222;Reflections on the Ongoing Capitalist Butchery (Russia/Ukraine)&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb70&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh70&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 70&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;70&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;TC wendet dieses Argument ausdr&#252;cklich auf die griechischen Ausschreitungen im Dezember 2009 an. Siehe Th&#233;orie communiste, &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/glass-floor-theo-cosme&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Glass Floor&#8220;&lt;/a&gt;, 2009.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb71&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh71&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 71&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;71&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Wengle, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 69-80.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb72&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh72&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 72&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;72&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 113-129.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb73&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh73&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 73&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;73&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 110-115.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb74&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh74&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 74&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;74&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Roland Simon hat j&#252;ngst argumentiert, dass Russlands Renten extrahierende Aktivit&#228;ten in seinen Territorien, Grenzregionen und den ehemaligen Sowjetrepubliken und Ostblockl&#228;ndern auf den Zerfall der Zwickm&#252;hle des Kapitals hinweist: Die Kapitalverwertung ist von der Reproduktion der Arbeitskraft entkoppelt worden. Siehe Simon, &#8222;Ukraine 2022&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;. J&#252;ngste Wellen der Revolten an diesen Rohstoffgrenzen (z.B. Kasachstan) haben die Unf&#228;higkeit des Staates gezeigt, die Krise zu verwalten oder eine L&#246;sung zu finden.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb75&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh75&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 75&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;75&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Regierungsbeamte stellten sogar die Idee eines globalen Getreidekartells nach dem Vorbild der OPEC in den Raum. Diese Vision war nie verwirklicht worden, da sie auf einer engen Kooperation mit der Ukraine gr&#252;ndete.&#8220; Wengle, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 72.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb76&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh76&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 76&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;76&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Michael Roberts, &lt;a href=&#034;https://thenextrecession.wordpress.com/2022/02/27/russia-from-sanctions-to-slump/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Russia: From Sanctions to Slump?&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb77&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh77&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 77&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;77&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Scott Reynolds Nelson, &lt;a href=&#034;https://historynewsnetwork.org/article/182526&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Wheat and Deep Ports: The Long History of Putin&#8216;s Invasion of Ukraine&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb78&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh78&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 78&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;78&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Roberts, &#8222;Ukraine: Trapped in a War Zone&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb79&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh79&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 79&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;79&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Adam Tooze, &lt;a href=&#034;https://adamtooze.substack.com/p/chartbook-81-permanent-crisis-or?utm_source=url&amp;s=r&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Permanent Crisis or Black Earth Agro-Giant? Alternative Futures for Ukraine&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb80&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh80&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 80&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;80&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Nelson, &#8222;Wheat and Deep Ports&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb81&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh81&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 81&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;81&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb82&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh82&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 82&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;82&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Peter Danilov, &lt;a href=&#034;https://www.highnorthnews.com/en/russia-planning-year-round-shipping-northern-sea-route-2022-or-2023&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Russia is Planning for Year-Round Shipping on the Northern Sea Route by 2022 or 2023&#8220;&lt;/a&gt;, 2021.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb83&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh83&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 83&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;83&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Kathrin Hille, &lt;a href=&#034;https://www.ft.com/content/1f749b24-9f8c-11e3-b6c7-00144feab7de&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Ukranian Port Is Key to Russia's Naval Power&#8220;&lt;/a&gt;, 2014.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb84&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh84&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 84&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;84&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &lt;a href=&#034;https://www.nytimes.com/interactive/2022/world/europe/ukraine-maps.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Maps: Tracking the Russian Invasion of Ukraine&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb85&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh85&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 85&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;85&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wie Chuang betont hat, sind solche Krisen nicht selbst exogen, obwohl sie als &#228;usserer Schock f&#252;r den kapitalistischen Zyklus der Reproduktion erscheinen. Siehe Chuang, &lt;a href=&#034;https://www.wildcat-www.de/aktuell/a112_socialcontagion.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Soziale Ansteckung. Mikrobiologischer Klassenkampf in China&#8220;&lt;/a&gt;, 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb86&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh86&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 86&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;86&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r einen &#220;berblick &#252;ber die politisch-&#246;konomischen Vorbedingungen des Krieges und seine negative Auswirkung, siehe Michael Roberts, &lt;a href=&#034;https://brooklynrail.org/2022/03/field-notes/Ukraine-The-Economic-Consequences-of-the-War&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Ukraine: The Economic Consequences of the War&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb87&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh87&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 87&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;87&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r eine historische Analyse von Inflation und Krisen, siehe Paul Mattick jr., &lt;a href=&#034;https://brooklynrail.org/2022/02/field-notes/Sticker-Shock&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Sticker Shock&#8220;&lt;/a&gt;, 2022 und Michael Roberts, &lt;a href=&#034;https://thenextrecession.wordpress.com/2022/03/26/the-war-on-inflation/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The War on Inflation&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; Michael Roberts und Guglielmo Carchedi haben versucht, eine auf der Marxschen Werttheorie basierende Inflationstheorie zu entwickeln. Ein grosser Teil der &#246;konometrischen Daten von Roberts und Carchedi sind n&#252;tzlich, doch wenn sie versuchen, sie in Begriffen der marxistischen Werttheorie zu formulieren, verschmelzen sie unsachgem&#228;ss empirische Daten mit Marx&#8216; eigenen Kategorien. Sie beachten nicht, dass Werttheorie eine historiographische und soziale Analytik und eine Form der Kritik ist, nicht ein einfacher Messwert f&#252;r wirtschaftliche Ph&#228;nomene. Deshalb sollte ihre Analyse immer mit Vorbehalt genutzt werden. Siehe Michael Roberts, &lt;a href=&#034;https://thenextrecession.wordpress.com/2020/08/21/a-marxist-theory-of-inflation/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;A Marxist Theory of Inflation&#8220;&lt;/a&gt;, 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb88&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh88&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 88&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;88&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r eine politisch-&#246;konomische Geschichte der &#214;l produzierenden Regionen und &#8222;Rentierstaaten&#8220; im Schema der kapitalistischen Reproduktion, siehe Timothy Mitchell, &lt;i&gt;Carbon Democracy: Political Power in the Age of Oil&lt;/i&gt;, Verso, 2011. F&#252;r eine Analyse der &#214;lkrise 1973 im weiteren Kontext des Kampfes, siehe Aufheben, &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/behind-21st-century-intifada&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Behind the 21st Century Intifada&#8220;&lt;/a&gt;, 2002.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb89&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh89&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 89&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;89&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r eine Analyse der grossen Resignation innerhalb des j&#252;ngsten Kampfzyklus mit einem besonderen Fokus auf die USA und den George-Floyd-Aufstand, siehe Your Lazy Comrades, &lt;a href=&#034;https://haters.noblogs.org/post/2022/01/07/the-interregnum-the-george-floyd-uprising-the-coronavirus-pandemic-and-the-emerging-social-revolution/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Interregnum: The George Floyd Uprising, the Coronavirus Pandemic, and the Emerging Social Revolution&#8220;&lt;/a&gt;, 2022. Siehe auch Chusma Chusma, &lt;a href=&#034;https://chusmachusma.noblogs.org/post/2022/01/04/specter-of-time-work-abolition-thoughts-on-the-great-resignation/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Specter of Time &amp; Work Abolition: Thoughts on the Great Resignation&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; Gabriel Winant, &lt;a href=&#034;https://newleftreview.org/sidecar/posts/strike-wave&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Strike Wave&#8220;&lt;/a&gt;, 2021; Jason Smith, &lt;a href=&#034;https://brooklynrail.org/2021/12/field-notes/Striketober-and-Labors-Long-Downturn&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Striketober and Labor&#8216;s Long Downturn&#8220;&lt;/a&gt;, 2021.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb90&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh90&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 90&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;90&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Tooze, &#8222;Putin&#8216;s Challenge&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb91&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh91&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 91&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;91&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Adam Tooze, &lt;a href=&#034;https://www.newstatesman.com/world/europe/2022/02/the-nord-stream-2-saga-is-not-over&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Nord Stream 2 Saga Is not Over&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb92&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh92&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 92&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;92&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Alberto Nardelli, Arne Delfs, &lt;a href=&#034;https://www.bloomberg.com/news/articles/2022-01-25/germany-has-sought-energy-exemption-in-russia-finance-sanctions&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Germany Sought Energy Exception in Russia Finance Sanctions&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb93&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh93&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 93&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;93&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;David Meyer, &lt;a href=&#034;https://fortune.com/2022/02/25/ukraine-anger-sanctions-germany-italy-hungary-europe-eu-failure-cut-russia-swift-payment-network/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Anger Explodes at Germany, Italy, and Hungary over Europe's Failure to Cut Russia Off from SWIFT Payment Network&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb94&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh94&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 94&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;94&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Timothy Puko, Lindsay Wise, &lt;a href=&#034;https://www.wsj.com/articles/biden-caught-between-inflation-and-calls-to-ban-russian-oil-11646581830&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Biden Caught Between Inflation and Calls to Ban Russian Oil&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb95&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh95&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 95&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;95&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Adam Tooze, &lt;a href=&#034;https://adamtooze.substack.com/p/chartbook-93-russias-720m-per-day?s=r&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Russia's $720m per Day Gas Windfall &#8211; the Lopsided Economic War&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb96&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh96&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 96&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;96&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;James Politi, Myles McCormick, Jim Pickard, Andy Bounds, &lt;a href=&#034;https://www.ft.com/content/2e0b1d84-e595-4c5a-be4e-928417b9c7cc&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;US and UK Ban Russian Oil and Gas Imports in Drive to Punish Putin&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb97&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh97&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 97&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;97&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zur scheinbaren Widerspenstigkeit der &#8222;China-Frage&#8220; in der politischen Berechnung, siehe Chuang, &lt;a href=&#034;https://chuangcn.org/2022/03/china-faq-introduction/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;China FAQ: Series Introduction&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb98&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh98&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 98&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;98&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Chuang, &#8222;The Divided God&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb99&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh99&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 99&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;99&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://www.economist.com/finance-and-economics/russia-looks-to-chinese-financial-plumbing-to-keep-money-flowing/21808071&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Russia Looks to Chinese Financial Plumbing to Keep Money Flowing&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb100&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh100&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 100&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;100&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Mrugank Bhusari, Maia Nikoladze, &lt;a href=&#034;https://www.atlanticcouncil.org/blogs/econographics/russia-and-china-partners-in-dedollarization/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Russia and China: Partners in Dedollarization&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb101&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh101&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 101&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;101&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Gelderloos macht diesen Fehler wiederholt, er gr&#252;ndet seine Behauptungen auf einem oberfl&#228;chlichen Verst&#228;ndnis der politischen &#214;konomie und hochtrabenden Interpretation einer niedergehenden US-amerikanischen Hegemonie. Siehe Gelderloos, &#8222;The Invasion of Ukraine&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb102&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh102&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 102&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;102&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ilya Matveev, Rafael Khachaturian, &lt;a href=&#034;https://jacobin.com/2022/02/russia-navalny-billionaires-west-democracy-repression&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Putin Regime Is Straining Under Its Own Contradictions: An Interview with Ilya Matveev&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb103&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh103&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 103&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;103&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Andrei Kolesnivok, Denis Volkov, &lt;a href=&#034;https://carnegiemoscow.org/2021/11/24/coming-deluge-russia-s-looming-lost-decade-of-unpaid-bills-and-economic-stagnation-pub-85852&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Coming Deluge: Russia's Looming Lost Decade of Unpaid Bills and Economic Stagnation&#8220;&lt;/a&gt;, 2021.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb104&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh104&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 104&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;104&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb105&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh105&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 105&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;105&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Chuang, &lt;a href=&#034;https://chuangcn.org/journal/two/red-dust/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Red Dust: The Transition to Capitalism in China&#8220;&lt;/a&gt;, 2019.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb106&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh106&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 106&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;106&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Phillip Neel, &lt;i&gt;Global China, Global Crisis: Falling Profitability, Rising Capital Exports and the Formation of New Territorial Industrial Complexes&lt;/i&gt;, Doktorarbeit, University of Washington, 2021; Chuang, &lt;a href=&#034;https://chuangcn.org/2020/06/measuring-profitability/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Measuring the Profitability of Chinese Industry: Data Brief&#8220;&lt;/a&gt;, 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb107&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh107&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 107&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;107&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Karl Marx, &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Bd. 3 in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 25, 1983, S. 260: &#8222;Die &lt;i&gt;wahre Schranke&lt;/i&gt; der kapitalistischen Produktion ist &lt;i&gt;das Kapital selbst&lt;/i&gt;, ist dies: da&#223; das Kapital und seine Selbstverwertung als Ausgangspunkt und Endpunkt, als Motiv und Zweck der Produktion erscheint; da&#223; die Produktion nur Produktion f&#252;r das &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt; ist und nicht umgekehrt die Produktionsmittel blo&#223;e Mittel f&#252;r eine stets sich erweiternde Gestaltung des Lebensprozesses f&#252;r die &lt;i&gt;Gesellschaft&lt;/i&gt; der Produzenten sind. Die Schranken, in denen sich die Erhaltung und Verwertung des Kapitalwerts, die auf der Enteignung und Verarmung der gro&#223;en Masse der Produzenten beruht, allein bewegen kann, diese Schranken treten daher best&#228;ndig in Widerspruch mit den Produktionsmethoden, die das Kapital zu seinem Zweck anwenden mu&#223; und die auf unbeschr&#228;nkte Vermehrung der Produktion, auf die Produktion als Selbstzweck, auf unbedingte Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkr&#228;fte der Arbeit lossteuern. Das Mittel &#8211; unbedingte Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkr&#228;fte &#8211; ger&#228;t in fortw&#228;hrenden Konflikt mit dem beschr&#228;nkten Zweck, der Verwertung des vorhandnen Kapitals. Wenn daher die kapitalistische Produktionsweise ein historisches Mittel ist, um die materielle Produktivkraft zu entwickeln und den ihr entsprechenden Weltmarkt zu schaffen, ist sie zugleich der best&#228;ndige Widerspruch zwischen dieser ihrer historischen Aufgabe und den ihr entsprechenden gesellschaftlichen Produktionsverh&#228;ltnissen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb108&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh108&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 108&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;108&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Jeff Sommer, Kevin Granville, &lt;a href=&#034;https://www.nytimes.com/2022/02/24/business/economy/stock-market-today.html?smtyp=cur&amp;smid=tw-nytimes&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Stocks and Energy Markets Whipsaw After Russian Attack on Ukraine&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb109&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh109&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 109&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;109&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Mark DeCambre, &lt;a href=&#034;https://www.marketwatch.com/story/nasdaq-composite-turns-a-3-5-loss-into-3-3-gain-as-stock-market-stages-epic-turnaround-after-russia-invaded-ukraine-here-are-3-reasons-for-the-rebound-11645739108?mod=home-page&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Nasdaq Composite Turns a 3.5% Loss into 3.3% Gain as Stock Market Stages Epic Turnaround after Russia Invaded Ukraine. Here Are 3 Reasons for the Rebound&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb110&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh110&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 110&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;110&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://www.ft.com/content/b64f002c-8b9b-4f4e-b9ce-c65d8925cd40&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Ukraine/Food Prices: War Is a Punch in the Breadbasket for Poor Importers&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb111&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh111&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 111&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;111&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ken Klippenstein, &lt;a href=&#034;https://theintercept.com/2022/02/23/ukraine-russia-gas-prices-saudi-arabia-biden/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Saudi-Russia Collusion Is Driving Up Gas Prices &#8212; And Worsening Ukraine Crisis&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; Derek Brower, Myles McCormick, &lt;a href=&#034;https://www.ft.com/content/6748e5ae-a8ac-44e4-89e6-1ded3978bbcc&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Joe Biden Raids US Oil Reserve after Failing to Bring Gulf Partners on Side&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb112&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh112&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 112&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;112&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Tooze, &#8222;Russia's $720m&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb113&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh113&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 113&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;113&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Tom Mitchell, Demetri Sevastopulo, Sun Yu, James Kynge, &lt;a href=&#034;https://www.ft.com/content/50aa901a-0b32-438b-aef2-c6a4fc803a11&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Rising Costs of China's Friendship with Russia&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb114&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh114&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 114&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;114&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ana Swanson, &lt;a href=&#034;https://www.nytimes.com/2022/02/24/business/ukraine-russia-wheat-prices.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Ukraine Invasion Threatens Global Wheat Supply&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb115&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh115&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 115&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;115&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Summer Said, Stephen Kalin, &lt;a href=&#034;https://www.wsj.com/articles/saudi-arabia-considers-accepting-yuan-instead-of-dollars-for-chinese-oil-sales-11647351541&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Saudi Arabia Considers Accepting Yuan Instead of Dollars for Chinese Oil Sales&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb116&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh116&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 116&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;116&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Coral Murphy Marcos, &lt;a href=&#034;https://www.nytimes.com/2022/03/15/business/oil-prices-china.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Oil Prices Fall Below $100 a Barrel as China's Covid-19 Outbreak Threatens Demand&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb117&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh117&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 117&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;117&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Rajendra Jadhav, Nupur Anand, Aftab Ahmed, &lt;a href=&#034;https://www.reuters.com/world/india/india-explores-setting-up-rupee-trade-accounts-with-russia-soften-sanctions-blow-2022-02-25/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;India Explores Setting Up Rupee Trade Accounts with Russia to Soften Sanctions Blow&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb118&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh118&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 118&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;118&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Der Dollar ist immer noch vorherrschend f&#252;r internationale Zahlungen und Fiatw&#228;hrungsreserven, doch das weist eher auf eine Fragmentierung des globalen Kapitalismus als auf eine definitive imperiale Hegemonie hin. Michael Roberts, &lt;a href=&#034;https://thenextrecession.wordpress.com/2021/08/17/the-relative-decline-of-us-imperialism/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Relative Decline of US Imperialism&#8220;&lt;/a&gt;, 2021 und Michael Roberts, &lt;a href=&#034;https://thenextrecession.wordpress.com/2022/03/30/the-end-of-dollar-dominance/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The End of Dollar Dominance?&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb119&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh119&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 119&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;119&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Das ist freilich eine tr&#252;gerische Behauptung. Siehe weiter oben.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb120&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh120&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 120&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;120&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Russland schielt auf chinesische Finanzbastelei, um den Geldfluss aufrechtzuerhalten&#8220;; Bhusari und Nikoladze, &#8222;Russia and China: Partners in Dedollarization&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb121&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh121&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 121&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;121&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Adam Tooze, &lt;a href=&#034;https://adamtooze.substack.com/p/chartbook-86-about-those-sanctions?s=r&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;About those Sanctions: SWIFT, Correspondent Banking, and the GL 8 Energy Carve-Out&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb122&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh122&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 122&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;122&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Adam Tooze, &lt;a href=&#034;https://adamtooze.substack.com/p/chartbook-89-russias-financial-meltdown?s=r&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Russia's Financial Meltdown and the Global Dollar System&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb123&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh123&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 123&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;123&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Pavlos Roufos, &lt;a href=&#034;https://jacobin.com/2022/03/solidarity-ukraine-eu-us-warmongering-sanctions-putin-invasion&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Solidarity With Ukraine Doesn't Mean Calling for More War&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb124&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh124&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 124&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;124&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Roberts, &#8222;Russia: From Sanctions to Slump?&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb125&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh125&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 125&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;125&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Maria Elena Vizcaino, &lt;a href=&#034;https://www.bloomberg.com/news/articles/2022-03-07/morgan-stanley-sees-russia-set-for-venezuela-style-debt-default&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Morgan Stanley Says Russia's Set for Venezuela-Style Default&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb126&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh126&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 126&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;126&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Tooze, &#8222;Russia's Financial Meltdown&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb127&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh127&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 127&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;127&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Roberts, &#8222;The End of Dollar Dominance?&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb128&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh128&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 128&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;128&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Nick Timiraos, &lt;a href=&#034;https://www.wsj.com/articles/russia-ukraine-war-risks-putting-fed-in-bigger-bind-11646066724&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Russia-Ukraine War Risks Putting Fed in Bigger Bind&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb129&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh129&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 129&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;129&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;K Oanh Ha, Ann Koh, Devika Krishna Kumar, Verity Ratcliffe, &lt;a href=&#034;https://www.bloomberg.com/news/articles/2022-03-10/war-in-ukraine-puts-shipping-s-tentative-recovery-in-jeopardy&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;War in Ukraine Puts Shipping's Recovery in Jeopardy&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb130&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh130&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 130&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;130&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Tooze, &#8222;Russia's Financial Meltdown&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb131&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh131&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 131&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;131&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Tanya Machael, &lt;a href=&#034;https://www.cnbc.com/2022/02/28/bitcoin-jumps-8percent-after-treasury-imposes-new-sanctions-against-russian-central-bank.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Bitcoin Jumps 10% after Treasury Imposes New Sanctions against Russian Central Bank&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb132&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh132&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 132&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;132&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Michael Roberts, &lt;a href=&#034;https://thenextrecession.wordpress.com/2021/04/09/financial-fiction-part-two-the-new-ones-spacs-nfts-cryptocurrencies/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Financial Fiction Part Two: The New Ones (SPACs, NFTs, Cryptocurrencies)&#8220;&lt;/a&gt;, 2021.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb133&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh133&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 133&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;133&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Adam Tooze, &lt;a href=&#034;https://adamtooze.substack.com/p/chartbook-92-so-like-us-africa-and?s=r&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;&#8218;So like us&#8216; &#8211; Africa and the Russo-Ukrainian War&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb134&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh134&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 134&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;134&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Emiko Terazono, &lt;a href=&#034;https://www.ft.com/content/457ba29e-f29b-4677-b69e-a6e5b973cad6&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Food Crisis Looms as Ukrainian Wheat Shipments Grind to Halt&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb135&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh135&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 135&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;135&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Arab Reform Initiative, &lt;a href=&#034;https://www.arab-reform.net/publication/the-impact-of-the-ukraine-war-on-the-arab-region-food-insecurity-in-an-already-vulnerable-context/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Impact of the Ukraine War on the Arab Region: Food Insecurity in an Already Vulnerable Context&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb136&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh136&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 136&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;136&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Marx nannte diese Tendenz hin zur Verelendung und einer wachsenden &#252;bersch&#252;ssigen Bev&#246;lkerung &#8222;Das allgemeine Gesetz der kapitalistischen Akkumulation&#8220;. Siehe Marx, &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Bd. 1, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 673-675: &#8222;Je gr&#246;&#223;er der gesellschaftliche Reichtum, das funktionierende Kapital, Umfang und Energie seines Wachstums, also auch die absolute Gr&#246;&#223;e des Proletariats und die Produktivkraft seiner Arbeit, desto gr&#246;&#223;er die industrielle Reservearmee. Die disponible Arbeitskraft wird durch dieselben Ursachen entwickelt wie die Expansivkraft des Kapitals. Die verh&#228;ltnism&#228;&#223;ige Gr&#246;&#223;e der industriellen Reservearmee w&#228;chst also mit den Potenzen des Reichtums. Je gr&#246;&#223;er aber diese Reservearmee im Verh&#228;ltnis zur aktiven Arbeiterarmee, desto massenhafter die konsolidierte &#220;berv&#246;lkerung, deren Elend im umgekehrten Verh&#228;ltnis zu ihrer Arbeitsqual steht. Je gr&#246;&#223;er endlich die Lazarusschichte der Arbeiterklasse und die industrielle Reservearmee, desto gr&#246;&#223;er der offizielle Pauperismus. &lt;i&gt;Dies ist das absolute, allgemeine Gesetz der kapitalistischen Akkumulation.&lt;/i&gt; [&#8230;] Die Akkumulation von Reichtum auf dem einen Pol ist also zugleich Akkumulation von Elend, Arbeitsqual, Sklaverei, Unwissenheit, Brutalisierung und moralischer Degradation auf dem Gegenpol [...]&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb137&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh137&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 137&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;137&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die wachsenden relativen &#252;bersch&#252;ssigen Bev&#246;lkerungen sind ein weiteres Resultat der weiter oben besprochenen &#8222;sp&#228;ten &#220;berg&#228;nge&#8220;. Dies ist seit dem Beginn der langen Krise besonders akut gewesen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb138&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh138&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 138&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;138&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Corinne Del&#233;chat, Leandro Medina, &lt;a href=&#034;https://www.imf.org/Publications/fandd/issues/2020/12/what-is-the-informal-economy-basics&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;What Is the Informal Economy?&#8220;&lt;/a&gt;, 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb139&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh139&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 139&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;139&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Michael Denning, &#8222;Wageless Life&#8220; in &lt;i&gt;New Left Review&lt;/i&gt;, Nr. 66, 2010, S. 79-97.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb140&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh140&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 140&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;140&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r eine detaillierte Erkl&#228;rung des Widerspruchs zwischen steigender landwirtschaftlicher Produktivit&#228;t und steigendem Hunger und steigender Ern&#228;hrungsunsicherheit, siehe Nathan Eisenberg, &lt;a href=&#034;https://cosmonautmag.com/2022/01/hunger-regime/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Hunger Regime&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; siehe auch Cleaver, &#8222;Food, Famine, and International Crisis&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb141&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh141&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 141&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;141&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r eine gute &#220;bersicht im Kontext der Klimakrise, siehe Prole Wave, &lt;a href=&#034;https://prolewave.noblogs.org/post/2019/11/27/prole-wave-climate-change-circulation-struggles-the-communist-horizon/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Prole Wave: Climate Change, Circulation Struggles &amp; the Communist Horizon&#8220;&lt;/a&gt;, 2019.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb142&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh142&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 142&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;142&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Katherine Booska, &lt;a href=&#034;https://bpr.berkeley.edu/2021/04/21/trauma-such-as-this-in-peacetime-the-story-of-the-2020-belarusian-protests/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Trauma Such as This in Peacetime: The Story of the 2020 Belarusian Protests&#8220;&lt;/a&gt;, 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb143&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh143&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 143&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;143&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;ABC Belarus, &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/how-did-belarusians-come-rebellion-against-dictatorship&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;How Did the Belarusians Come to Rebellion against the Dictatorship&#8220;&lt;/a&gt;, 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb144&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh144&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 144&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;144&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Pramen, &lt;a href=&#034;https://pramen.io/en/2022/01/if-only-there-was-no-war/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;If only there Was no War&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb145&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh145&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 145&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;145&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Communia, &lt;a href=&#034;https://en.communia.blog/protests-in-kazakhstan/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Protests In Kazakhstan: 5 Clues To Understand What's Going On&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb146&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh146&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 146&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;146&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;EIA, &lt;a href=&#034;https://www.eia.gov/international/content/analysis/countries_long/Kazakhstan/background.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Background Reference: Kazakhstan&#8220;&lt;/a&gt;, 2019.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb147&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh147&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 147&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;147&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Pramen, &lt;a href=&#034;https://pramen.io/en/2022/01/colonialism-of-the-twenty-first-century/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Colonialism of the Twenty-First Century&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb148&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh148&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 148&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;148&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Asef Bayat, &#8222;Plebeians of the Arab Spring&#8220; in &lt;i&gt;Current Anthropology&lt;/i&gt;, Nr. 56 (11), S. 33-43. F&#252;r eine Analyse des Verh&#228;ltnisses zwischen der Erb&#228;rmlichkeit der Armen und der Konstitution von &#8222;Nicht-Bewegungen&#8220; zeitgen&#246;ssischer Revolte, siehe Asef Bayat, &lt;i&gt;Leben als Politik. Wie ganz normale Leute den Nahen Osten ver&#228;ndern&lt;/i&gt;, Assoziation A, 2012 (2010); Asef Bayat, &lt;i&gt;Revolution without Revolutionaries: Making Sense of the Arab Spring&lt;/i&gt;, Stanford University Press, 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb149&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh149&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 149&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;149&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Der UNO-Generalsekret&#228;r Ant&#243;nio Guterres hat besonders unterstrichen, dass &#8222;Getreidepreise schon h&#246;her sind als vor dem Beginn des Arabischen Fr&#252;hlings und den Hungerkrawallen 2007-2008&#8220;. Siehe Matthew Hatcher, &lt;a href=&#034;https://truthout.org/articles/russias-war-on-ukraine-risks-meltdown-of-global-food-system-un-chief-says/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Russia's War on Ukraine Risks &#8218;Meltdown of Global Food System&#8216;, UN Chief Says&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb150&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh150&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 150&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;150&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die Brotkrawalle oder &#8222;Brotintifada&#8220; 1977 brachen in den grossen St&#228;dten &#196;gyptens aus, nachdem auf Anordnung des IWF und der Weltbank die grundlegenden Subventionen f&#252;r Nahrungsmittel gestrichen worden waren. Als Antwort f&#252;hrte die &#228;gyptische Regierung einen fixen Brotpreis ein, um die Unruhen einzud&#228;mmen. &#196;gypten ist als weltweit gr&#246;sster Getreideimporteur der globalen Marktvolatilit&#228;t sehr stark ausgesetzt, besonders nach seiner finanziellen Integration durch die Strukturanpassungsprogramme. In der Folge des aktuellen Ukraine-Krieges hat die Regierung zum ersten Mal seit der &#8222;Brotintifada&#8220; wieder fixe Brotpreise eingef&#252;hrt, da &#196;gypter weiterhin rekordhohe Inflationsniveaus inmitten einer der schlimmsten Wirtschaftskrisen in der Geschichte des Landes erdulden m&#252;ssen. Eine weitere Intifada k&#246;nnte wom&#246;glich unter dem Hunger und dem Elend des allt&#228;glichen Lebens am Reifen sein. Siehe Nihal El Aasar, &lt;a href=&#034;https://www.newarab.com/analysis/bread-freedom-social-justice-egypts-economic-crisis&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;&#8218;Bread, Freedom, Social Justice&#8216;: How Egypt's Economic Crisis Could Trigger Unrest&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb151&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh151&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 151&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;151&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://peoplesdispatch.org/2022/03/09/thousands-protest-across-yemen-denouncing-fuel-crisis-induced-by-saudi-led-blockade/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Thousands Protest across Yemen Denouncing Fuel Crisis Induced by Saudi-Led Blockade&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb152&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh152&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 152&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;152&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://www.reuters.com/world/americas/truckers-argentina-end-protest-that-threatened-grains-transport-ministry-2022-04-15/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Truckers in Argentina End Protest that Threatened Grains Transport&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; Santiago Guillen, Alex Lantier, &lt;a href=&#034;https://www.wsws.org/en/articles/2022/03/15/truc-m15.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Spanish Truckers Mount Nationwide Strike against Rising Fuel Prices&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; Alonso Soto, &lt;a href=&#034;https://www.bloomberg.com/news/articles/2022-03-17/spanish-truckers-disrupt-food-supplies-to-protest-fuel-prices&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Spanish Truckers Disrupt Food Supplies to Protest Fuel Prices&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; &lt;a href=&#034;https://www.seattletimes.com/business/thousands-of-albanians-protest-price-hike-accuse-govt/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Albanian Protesters Blame Government for Price Hikes&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; Bamo Nouri, &lt;a href=&#034;https://theconversation.com/iraq-food-protests-against-spiralling-prices-echo-early-stages-of-the-arab-spring-179145&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Iraq Food Protests against Spiralling Prices Echo Early Stages of the Arab Spring&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; Deutsche Welle, &lt;a href=&#034;https://indianexpress.com/article/world/ukraine-war-bread-prices-middle-east-arab-spring-7825864/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;A New Arab Spring, Thanks to the Ukraine War?&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; &lt;a href=&#034;https://www.theportugalnews.com/news/2022-03-14/drivers-protest-against-fuel-price-hikes/65789&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Drivers Protest against Fuel Price Hikes&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; &lt;a href=&#034;https://www.cbc.ca/news/world/high-energy-prices-protests-unrest-europe-france-greece-spain-1.6390030&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Rising Fuel Prices Spark Unrest in Parts of Europe&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; &lt;a href=&#034;https://www.telesurenglish.net/news/Panamanian-Trade-Unions-Protest-Against-Fuels--Food-Price-Rise-20220318-0013.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Panamanian Trade Unions Protest Against Fuels &amp; Food Price Rise&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; &lt;a href=&#034;https://www.scmp.com/news/asia/southeast-asia/article/3173875/indonesian-police-fire-tear-gas-students-protest-against&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Indonesian Police Fire Tear Gas as Students Protest against Rumoured Delay of 2024 Election&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; &lt;a href=&#034;https://www.wsws.org/en/articles/2022/03/17/wkrs-m17.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Workers Struggles: Europe, Middle East &amp; Africa&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; Costas Kantouris, Derek Gatopoulos, &lt;a href=&#034;https://apnews.com/article/business-lifestyle-europe-greece-prices-38e508732b2d69f9acc8a318b77a2836&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Greek Farm Protests Are a Sign of Europe's Inflation Anxiety&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; Simon Marks, &lt;a href=&#034;https://www.bloomberg.com/news/articles/2022-03-15/ukraine-war-combines-with-coup-to-leave-half-of-sudan-hungry&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Ukraine War Combines With Coup to Leave Half of Sudan Hungry&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; Antony Sguazzin, Gordon Bell, &lt;a href=&#034;https://www.bloomberg.com/news/newsletters/2022-03-18/next-africa-the-continent-pays-the-price-of-a-european-war&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Next Africa: The Continent Pays the Price of a European War&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; Geoffrey York, &lt;a href=&#034;https://www.theglobeandmail.com/world/article-higher-prices-spark-protests-and-instability-in-fallout-from-ukraine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Higher Food Prices Caused by Ukraine War Spark Protests, Instability in some Countries&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; Julia Horowitz, &lt;a href=&#034;https://edition.cnn.com/2022/04/09/business/food-fuel-prices-political-instability/index.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;From Pakistan to Peru, Soaring Food and Fuel Prices Are Tipping Countries over the Edge&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; David J. Lynch, &lt;a href=&#034;https://www.washingtonpost.com/business/2022/04/14/ukraine-war-economic-impact-tunisia/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Tunisia among Countries Seeing Major Economic Consequences from War in Ukraine&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb153&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh153&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 153&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;153&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://www.chicago86.org/lotte-in-corso/americhe/peru/1391-coprifuoco-in-sri-lanka-e-peru&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Coprifuoco in Sri Lanka e Per&#249;&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb154&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh154&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 154&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;154&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Chloe Cornish, &lt;a href=&#034;https://www.ft.com/content/5ea5663c-f304-40c0-a03d-940948af7f3b&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Police Fire Tear Gas at Sri Lankans Protesting over Economic Crisis&#8220;&lt;/a&gt;, 2022;, Tommy Stubbington, Benjamin Parkin, &lt;a href=&#034;https://www.ft.com/content/09e1159f-9c45-4379-b862-98cb5e30a4da&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Sri Lanka on Brink of Sovereign Bond Default, Warn Investors&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; Amrit Dillon, &lt;a href=&#034;https://www.theguardian.com/world/2022/apr/01/sri-lanka-protesters-try-to-storm-presidents-house-as-economic-crisis-deepens&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Sri Lanka: 50 Injured as Protesters Try to Storm President's House amid Economic Crisis&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; Hannah Ellis-Petersen, &lt;a href=&#034;https://www.theguardian.com/world/2022/mar/02/milk-sachets-chicken-fuel-basics-slip-out-of-reach-for-sri-lankans-as-economic-crisis-bites&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Milk Sachets, Chicken, Fuel: Basics Slip out of Reach for Sri Lankans as Economic Crisis Bites&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; &lt;a href=&#034;https://www.economist.com/finance-and-economics/2022/04/16/sri-lankas-default-could-be-the-first-of-many&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Sri Lanka's Default Could Be the First of Many&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb155&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh155&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 155&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;155&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Alexander Villegas, &lt;a href=&#034;https://www.reuters.com/world/americas/chilean-students-protest-capital-early-test-president-boric-2022-03-25/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Chilean Students Protest in Capital in Early Test for President Boric&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb156&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh156&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 156&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;156&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Dan Collyns, &lt;a href=&#034;https://www.theguardian.com/world/2022/apr/06/peru-president-pedro-castillo-fuel-fertiliser-protests&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Peru President at Bay as Fuel and Fertiliser Prices Detonate Political Crisis&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb157&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh157&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 157&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;157&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Mitra Taj, &lt;a href=&#034;https://www.nytimes.com/2022/04/05/world/americas/peru-protests-emergency-curfew.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Peru Lifts Curfew That Shut Down Capital to Curb Protests Over Fuel Prices&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb158&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh158&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 158&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;158&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://www.nbcnews.com/news/latino/deadly-protests-peru-people-take-streets-high-costs-inflation-rcna23591&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Deadly Protests in Peru as People Take to Streets over High Costs, Inflation&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; &lt;a href=&#034;https://gestion.pe/peru/ica-panamericana-sur-reportan-que-manifestantes-intentaron-tomar-comisaria-villacuri-y-retuvieron-a-dos-policias-rmmn-noticia/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Panamericana Sur: manifestantes intentaron tomar comisar&#237;a Villacuri y retuvieron a dos polic&#237;as&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb159&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh159&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 159&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;159&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Marcelo Rochabrun, Carolina Pulice, &lt;a href=&#034;https://www.reuters.com/world/americas/peru-declares-state-emergency-restore-copper-production-cuajone-mine-2022-04-20/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Peru Declares State of Emergency to Restore Copper Production at Cuajone Mine&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; Aleynes Palacios, &lt;a href=&#034;https://www.plenglish.com/news/2022/04/18/region-paralyzed-and-farmers-protest-is-being-prepared-in-peru/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Region Paralyzed and Farmers' Protest Is Being Prepared in Peru&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb160&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh160&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 160&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;160&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Bez&#252;glich der fr&#252;hen Verwaltung der Pandemie schreibt Chuang: &#8222;Das bedeutet zweierlei: einmal zeigt es die Schw&#228;che unterhalb der harten Kanten der Staatsmacht, und zweitens ist es eine Warnung vor unkoordiniertem und irrationalen Verhalten vor Ort, wenn die Staatsmacht &#252;berfordert ist.&#8220; Siehe Chuang, &#8222;Soziale Ansteckung&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb161&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh161&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 161&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;161&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Dies machen die j&#252;ngsten sogenannten &#8222;Freiheitskonvois&#8220; augenscheinlich.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb162&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh162&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 162&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;162&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die hier betonte Tendenz ist bei den Str&#246;mungen der mit dem &#8222;Unsichtbaren Komitee&#8220; assoziierten oder von ihm beeinflussten Str&#246;mungen der &#8222;Ultralinken&#8220; auf misst&#246;nende Art und Weise allgegenw&#228;rtig geworden. In der englischsprachigen Welt ist dies vermutlich in den Publikationen von Ill Will Editions am besten repr&#228;sentiert. Z.B. Adrian Wohlleben, &lt;a href=&#034;https://sunzibingfa.noblogs.org/post/2021/05/31/memes-ohne-ende/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Memes ohne Ende&#8220;&lt;/a&gt;, 2021.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb163&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh163&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 163&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;163&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Roufos, &#8222;Solidarity with Ukraine&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb164&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh164&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 164&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;164&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Liaisons, &#8222;A Very Long Winter&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.; siehe auch Lev Golinkin, &lt;a href=&#034;https://www.thenation.com/article/politics/neo-nazis-far-right-ukraine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Neo-Nazis and the Far Right Are On the March in Ukraine&#8220;&lt;/a&gt;, 2019.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb165&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh165&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 165&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;165&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Endnotes, &#8222;The Construction of the Workers' Movement&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb166&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh166&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 166&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;166&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Liaisons, &#8222;A Very Long Winter&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.; Praleski, &lt;a href=&#034;https://praleski.org/en/blog/addressing-propaganda&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Addressing Russian Propaganda&#8220;&lt;/a&gt;; Golinkin, &#8222;Neo-Nazis&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb167&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh167&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 167&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;167&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Soraya Ali, &lt;a href=&#034;https://www.bbc.com/news/world-africa-60603226&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Ukraine: Why so Many African and Indian Students Were in the Country&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb168&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh168&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 168&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;168&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;UNHCR, &lt;a href=&#034;https://data.unhcr.org/en/situations/ukraine&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Refugees Fleeing Ukraine (since 24 February 2022)&#8220;&lt;/a&gt;, 2022. Es sollte betont werden, dass hier die &#252;ber sieben Millionen Binnenfl&#252;chtlinge in der Ukraine nicht miteingeschlossen sind.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb169&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh169&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 169&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;169&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Paul Waldie, Geoffrey York, &lt;a href=&#034;https://www.theglobeandmail.com/world/article-africans-and-asians-fleeing-ukraine-subjected-to-racial-discrimination/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Africans and Asians Fleeing Ukraine Subjected to Racial Discrimination by Border Guards&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb170&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh170&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 170&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;170&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r eine Erkl&#228;rung dieses Prozesses, siehe Endnotes, &lt;a href=&#034;https://endnotes.org.uk/articles/crisis-in-the-class-relation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Crisis in the Class Relation&#8220;&lt;/a&gt;, 2010.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb171&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh171&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 171&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;171&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Proletarios Revolucionarios, &lt;a href=&#034;https://malcontent.noblogs.org/post/2020/05/02/the-self-abolition-of-the-proletariat-as-the-end-of-the-capitalist-world-proletarios-revolucionarios/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The Self-Abolition of the Proletariat as the End of the Capitalist World&#8220;&lt;/a&gt;, 2020.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb172&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh172&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 172&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;172&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Die davon unter radikalen Sektoren ausgel&#246;ste Verwirrung kann nicht &#252;bersehen werden und in Anbetracht dessen ist es notwendig, die revolution&#228;ren Prinzipien zu verteidigen, indem man auf das Wesen des Krieges im gegenw&#228;rtigen Kontext und den gesellschaftlichen Zerfall in dieser geographischen Zone seit dem Fall der UdSSR hinweist.&#8220; Siehe Vamos Hacia la Vida, &#8222;Reflections on the Ongoing Capitalist Butchery (Russia/Ukraine)&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.; siehe auch Simon, &#8222;Ukraine 2022&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb173&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh173&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 173&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;173&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://www.reuters.com/world/europe/kremlin-critic-navalny-calls-daily-anti-war-protests-russia-2022-03-02/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Russia's Navalny Calls Putin Insane and Urges Anti-War Protests&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb174&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh174&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 174&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;174&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es gab einige Berichte &#252;ber Brandstiftung und Sabotage gegen milit&#228;rische Rekrutierungszentren in Russland. Siehe &lt;a href=&#034;https://abolitionmedia.noblogs.org/post/2022/03/31/the-end-of-peaceful-protest/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;The End of Peaceful Protest&#8220;&lt;/a&gt;, 2022; siehe auch diesen j&#252;ngsten Bericht &#252;ber Brandstiftung gegen Fahrzeuge des F&#246;deralen Dienstes f&#252;r Sicherheit der Russischen F&#246;deration: &lt;a href=&#034;https://darknights.noblogs.org/post/2022/04/12/russia-military-cars-on-fire/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Russia: Military Cars on Fire&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb175&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh175&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 175&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;175&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Anna Jikhareva, &lt;a href=&#034;https://www.woz.ch/blog/der-woz-blog-zum-ukrainekrieg/2022/03/22/sanktionen-von-unten&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Sanktionen von unten&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb176&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh176&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 176&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;176&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Andrew, &#8222;Ukraine-Korrespondenzen&#8220;, &lt;a href=&#034;https://communaut.org/de/ukraine-korrespondenzen-teil-i-und-ii&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Teil 1 und 2&lt;/a&gt; und &lt;a href=&#034;https://communaut.org/de/ukraine-korrespondenzen-teil-iii&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Teil 3&lt;/a&gt;, 2022; Vamos Hacia la Vida, &#8222;Reflections on the Ongoing Capitalist Butchery (Russia/Ukraine)&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb177&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh177&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 177&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;177&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Sanderr, &lt;a href=&#034;https://internationalistperspective.org/dont-fight-for-your-country/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Don't Fight For &#8218;Your&#8216; Country!&#8220;&lt;/a&gt;, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb178&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh178&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 178&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;178&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Leon de Mattis, &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/communist-measures-leon-de-mattis&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Communist Measures: Thinking a Communist Horizon&#8220;&lt;/a&gt;, 2014.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb179&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh179&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 179&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;179&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es sollte betont werden, dass dieser Antagonismus zutiefst asymmetrisch und durch die materiellen Geschichten von rassischen Regimen der Extraktion von Mehrarbeit und Wertproduktion gepr&#228;gt ist. Wie es mit Nachdruck von Cedric Robinson ausgedr&#252;ckt wurde: &#8222;Die Entwicklung, Organisation und Expansion der kapitalistischen Gesellschaft verfolgte im Wesentlichen rassische Richtungen und das Gleiche gilt f&#252;r die gesellschaftliche Ideologie. Somit konnte damit gerechnet werden, dass der Rassialismus als materielle Kraft zwangsl&#228;ufig die aus dem Kapitalismus entstehenden gesellschaftlichen Strukturen durchdringen w&#252;rde.&#8220; Cedric Robinson, &lt;i&gt;Black Marxism: The Making of the Black Radical Tradition&lt;/i&gt;, University of North Carolina Press, 2000, S. 9. Rassialisierung ist die Konkretisierung der abstrakten Reproduktion des Verh&#228;ltnisses zwischen Kapital und Arbeit. Siehe Stuart Hall (et. al.), &lt;i&gt;Policing the Crisis: Mugging, the State, and Law and Order&lt;/i&gt;, MacMillian Press, 1978, S. 394-395: &#8222;Rasse ist die Modalit&#228;t, in der Klasse gelebt wird [&#8230;] Das Kapital reproduziert die Klasse als Ganzes, strukturiert durch Rasse. Es dominiert die geteilte Klasse teilweise durch jene inneren Trennungen, die &#8218;Rassismus&#8216; als eine ihrer Auswirkungen haben. Es grenzt die repr&#228;sentativen Klassenorganisationen ein und schaltet sie aus, indem sie sie teilweise auf Strategien und K&#228;mpfe begrenzt, die rassenspezifisch sind, die ihre Grenzen, ihre Schranken nicht &#252;berwinden. Durch Rasse vereitelt sie kontinuierlich die Versuche, auf politischer Ebene politische Organisationen aufzubauen, die tats&#228;chlich die Klasse als Ganzes repr&#228;sentieren &#8211; d.h., die sie gegen Kapitalismus, gegen Rassismus repr&#228;sentiert.&#8220;&lt;br class='manualbr' /&gt;Siehe auch: &#8222;Rassismus [&#8230;] ist die vom Staat sanktionierte und/oder extralegale Hervorbringung und Ausnutzung nach Gruppen differenzierter Anf&#228;lligkeit f&#252;r vorzeitigen Tod.&#8220; Ruth Wilson Gilmore, &lt;i&gt;Golden Gulag: Prisons, Surplus, Crisis, and Opposition in Globalizing California&lt;/i&gt;, University of California Press, 2007; &lt;a href=&#034;https://issuu.com/racialcapitalism/docs/racial_capitalism___prison_abolition_lr&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Racial Capitalism and Prison Abolition Zine&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb180&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh180&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 180&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;180&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Dauv&#233;, &#8222;Wenn die Aufst&#228;nde sterben&#8220;, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Gilles Dauv&#233; - Frieden ist Krieg</title>
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&lt;p&gt;&#8222;Die kleinen L&#228;nder wie Belgien w&#228;ren gut beraten, sich dem st&#228;rkeren Land anzuschliessen, wenn sie ihre Unabh&#228;ngigkeit wahren wollen.&#8220; &lt;br class='autobr' /&gt;
&#8222;Ein grosser Krieg in den ersten Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts ist unvermeidbar, doch er setzt eine gereifte Wirtschaftskrise, eine ausgedehnte &#220;berproduktion, starke Rentabilit&#228;tsr&#252;ckg&#228;nge, eine Versch&#228;rfung der sozialen Konflikte und der Handelsantagonismen voraus, die gleichzeitig eine neue Aufteilung der Welt und eine Erneuerung des gesamten (...)&lt;/p&gt;


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 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/kazakhstan.jpg?1689158638' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='32' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;&#8222;Die kleinen L&#228;nder wie Belgien w&#228;ren gut beraten, sich dem st&#228;rkeren Land anzuschliessen, wenn sie ihre Unabh&#228;ngigkeit wahren wollen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Der Kaiser Wilhelm II. an den K&#246;nig der Belgier, November 1913.&#034; id=&#034;nh1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt; &lt;/div&gt;
&lt;div&gt;&#8222;Ein grosser Krieg in den ersten Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts ist unvermeidbar, doch er setzt eine gereifte Wirtschaftskrise, eine ausgedehnte &#220;berproduktion, starke Rentabilit&#228;tsr&#252;ckg&#228;nge, eine Versch&#228;rfung der sozialen Konflikte und der Handelsantagonismen voraus, die gleichzeitig eine neue Aufteilung der Welt und eine Erneuerung des gesamten Systems erfordern. [&#8230;] Wie in der Vergangenheit wird kein Reformismus den Marsch in Richtung eines weltweiten oder zumindest mehr als regionalen Konflikts verhindern.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;10 + 1 questions sur la guerre du Kosovo&#8220;, 1999.&#034; id=&#034;nh2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt; &lt;/div&gt;
&lt;div&gt;&#8222;Glaubt der Propaganda nicht. Hier werdet ihr belogen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Marina Owsjannikowa unterbricht die Fernsehnachrichten eines der (...)&#034; id=&#034;nh3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;* * *&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Den Krieg f&#252;r den Frieden&#8220;, &#8222;die Sache des Schwachen gegen den Starken&#8220;, &#8222;mitten in Europa begangene Verbrechen gegen die Menschlichkeit [&#8230;] ein Kampf f&#252;r die Zivilisation&#8220;, &#8222;in der Ukraine ist ein Genozid im Gang&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das erste Zitat ist ein Auszug aus der sozialistischen Zeitung &lt;i&gt;Droit du Peuple&lt;/i&gt; und das zweite aus der b&#252;rgerlichen Zeitung &lt;i&gt;Times&lt;/i&gt; aus London, beide wurden 1914 geschrieben; das dritte stammt vom franz&#246;sischen Premierminister w&#228;hrend dem Kosovokrieg 1999 und das vierte vom ukrainischen Premierminister am 9. M&#228;rz 2022.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die franz&#246;sischen Medien werden nie von der (von Frankreich unterst&#252;tzten) tschadischen Diktatur sprechen, wie sie es von der (von Russland unterst&#252;tzten) weissrussischen tun. Genau wie sie nie auf die gleiche Art und Weise von den Millionen durch die franz&#246;sische und amerikanische Armee w&#228;hrend dem Indochina- und dem Vietnamkrieg get&#246;teten Zivilisten wie den Massakern an Zivilisten durch die russische Armee in der Ukraine sprechen werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nichts Neues bez&#252;glich der Indoktrination, ausser dass die Propaganda sich intensiviert, wenn der Krieg sich dem Kern Europas n&#228;hert. Russland dementiert und verbietet die Begriffe &#8222;Krieg&#8220; und &#8222;Invasion&#8220; (der franz&#246;sische Staat wartete seinerseits bis 1999, um offiziell anzuerkennen, dass er zwischen 1945 und 1962 in Algerien &#8222;Krieg&#8220; gef&#252;hrt und nicht nur &#8222;Operationen&#8220; ausgef&#252;hrt hatte). Die Westm&#228;chte euphemisieren, sie liefern der Ukraine via der &#8222;Europ&#228;ischen Friedensfazilit&#228;t&#8220; Waffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn Worte inflation&#228;r benutzt werden, verlieren sie ihre Bedeutung. Insbesondere &lt;i&gt;Genozid&lt;/i&gt; wird zu einem Synonym f&#252;r Massaker, obwohl das Wort die Vernichtung &lt;i&gt;eines Volkes als Volk&lt;/i&gt; beschreibt: Genau das tat Hitler mit den Juden, aber Stalin hatte zum Beginn der 1930er Jahre nicht die Vernichtung des ukrainischen und sp&#228;ter Pol Pot nicht die Vernichtung des kambodschanischen Volkes zum Ziel. Und Putin nicht jene des ukrainischen Volkes.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch eher als geistig ist die Verwirrung praktisch. Wenn die Ideologien konfus sind, wenn alle sich auf den Sozialismus, den Kommunismus, das Proletariat oder die Revolution (Titel des 2017 vom gegenw&#228;rtigen Pr&#228;sidenten der franz&#246;sischen Republik ver&#246;ffentlichten Buches) haben berufen k&#246;nnen, dann weil die sozialen Bewegungen bis anhin kein Programm umgesetzt haben, das mit der Ordnung der Dinge bricht. Somit ist in der politischen Mythologie und im Diskurs alles erlaubt. Da der Sozialismus 1914 national gewesen war, konnten sich die Nazis auf ihn berufen: Der Nazi ist der Nationalsozialist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn wir durch gescheiterte oder abgelenkte K&#228;mpfe zur Passivit&#228;t verdammt sind, erhalten wir als Zuschauer Informationen und Bilder von einer Realit&#228;t, gegen welche wir provisorisch nicht reagieren k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Unm&#246;gliche Prognose, theoretische Gewissheit&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wer hatte vorhergesehen, dass Russland 2022 eine Operation in diesem weiten Ausmass gegen einen derart grossen Teil des Territoriums der Ukraine lancieren w&#252;rde?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Der Gegensatz zwischen England und Amerika aber ist wirklich zu einem automatischen [&#8230;] Anwachsen des Zusammensto&#223;es von morgen, zu einer automatischen Ann&#228;herung, zu den [sic!] blutigen Zusammensto&#223; von morgen herangewachsen&#8220;, erkl&#228;rt Trotzki am 3. Kongress der Kommunistischen Internationale 1921.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Jahrhundert sp&#228;ter kennen wir die Bruchlinien und die Abgrenzung der an k&#252;nftigen Konflikten beteiligten &#8222;Lager&#8220; nicht. Aber wir wissen, dass die Rivalit&#228;ten zwischen grossen kapitalistischen M&#228;chten &#8211; die heute vorherrschenden USA, China, das wiederauflebende Russland, die bisher zur Konstitution als politische Einheit unf&#228;hige Europ&#228;ische Union &#8211; die Bedingungen f&#252;r regionale und eines Tages Weltkriege akkumulieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Alles wird getan, um uns davon zu &#252;berzeugen, dass die zeitgen&#246;ssischen Staaten aus Motiven auf die milit&#228;rische Gewalt zur&#252;ckgreifen, die ausserhalb des tiefen Wesens eines als friedensstiftend vorausgesetzten kapitalistischen Systems angesiedelt sind. Wenn Russland im 21. Jahrhundert in den Krieg zieht, so sei die Ursache davon die R&#252;ckkehr eines Nationalismus, der im Westen zum Gl&#252;ck &#252;berwunden sei, doch der im Osten durch eine diktatorische Macht mit masslosen Ambitionen neu belebt werde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Wirklichkeit war die Konkurrenz zwischen kapitalistischen Unternehmen nie sanftm&#252;tig und der internationale Handel nie ein Faktor f&#252;r nachhaltigen Frieden. Im Gegensatz zu einer vor 1914 verbreiteten Meinung, die auch von gewissen Sozialisten wie Kautsky &#252;bernommen wurde, hindert die gegenseitige wirtschaftliche Abh&#228;ngigkeit der grossen M&#228;chte sie nicht daran, sich zu bekriegen. Die Dynamik der Industrie und des Handels entwickelt ein Gebiet auf dem R&#252;cken eines anderen und schafft rivalisierende Pole, jeder davon ist auf einem Territorium basiert und st&#252;tzt sich auf eine politische Staatsmacht, die auch eine Milit&#228;rmacht ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Friedlicher Westen, kriegerisches Russland&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der amerikanische Kapitalismus hat es selten n&#246;tig, L&#228;nder zu besetzen: Ihre wirtschaftliche &#220;berlegenheit, ihre h&#246;here Produktivit&#228;t und ihre direkten Auslandsinvestitionen erlauben der USA eine gen&#252;gende Kontrolle &#252;ber weite Teile der Welt, ohne Truppen dorthin zu schicken. In Italien und Frankreich nach 1945 und im Osten Europas nach 1991 st&#252;tzte sich die amerikanische Macht zumindest genauso stark auf die multinationalen Konzerne wie auf die GIs. Deutschland und Japan wurden nur als Folge des Zweiten Weltkrieges besetzt und die Beibehaltung der amerikanischen Truppen hatte allen voran zum Ziel, den russischen Rivalen einzud&#228;mmen. Die USA verzichten nicht auf milit&#228;rische Interventionen an ihren Grenzen, wie in Mexiko 1914, aber nur um dort zu versuchen, ihnen genehme politische F&#252;hrer an der Macht zu halten oder an die Macht zu bringen: Sie brauchen den Rio Grande nicht zu &#252;berqueren, um ihre Investitionen in den &lt;i&gt;maquiladoras&lt;/i&gt; zu f&#246;rdern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl es eine Supermacht ist, st&#252;tzt sich Russland, wie damals die UdSSR, auf eine kapitalistische Dynamik, die geringer ist als jene der USA, Westeuropas (und Chinas) und seine Macht auf dem Weltmarkt kommt im Wesentlichen von Gas- und Erd&#246;lexporten. Es tendiert auch dazu, eine Kontrolle &#252;ber seine Nachbarn wiederzuerlangen, um zu garantieren, dass sie in seinem Machtbereich bleiben. Es macht nicht nur aus seiner Rolle als grosser Rohstoffproduzent, wie die L&#228;nder der OPEC, eine wirtschaftliche und politische Waffe, sondern seine Milit&#228;rmacht erlaubt es ihm auch (bis jetzt), die L&#228;nder Zentralasiens zu unterjochen und eine internationale Rolle zu spielen, die sich wenige L&#228;nder der Welt leisten k&#246;nnen (China ist &#8211; bis jetzt &#8211; dazu unf&#228;hig). Es entbehrt nicht jeglicher Logik, dass die F&#252;hrer eines auf dem Weltmarkt geschw&#228;chten Russlands glauben, sie k&#246;nnten die Macht des Landes (und ihren Machterhalt) garantieren, indem sie direkter Waffengewalt einsetzen als ihre Rivalen. Umso mehr, weil das Russland des 21. Jahrhunderts, im Gegensatz zu jener Epoche, w&#228;hrend welcher der Einfluss der UdSSR weltweit durch stalinistische KPs verbreitet wurde, &#252;ber keine &lt;i&gt;soft power&lt;/i&gt; wie die USA verf&#252;gt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber wieso sich &lt;i&gt;heute&lt;/i&gt; an einem Krieg in Europa beteiligen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach 1945 verf&#252;gte die UdSSR &#252;ber ein Imperium, die USA &#252;ber die H&#228;lfte des Planeten. Das in eine neue &#196;ra der Expansion eingetretene Amerika versp&#252;rte nicht das geringste Bed&#252;rfnis, sich den polnischen oder chinesischen Markt zur&#252;ckzuholen, und Russland konsolidierte seine Kapitalakkumulation, ohne Westeuropa etwas anderes als Ideologie offerieren zu k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Konfrontation fand an der Peripherie statt (Korea, Indochina, Mittlerer Osten, Afrika) und wenn sie sich einem Abgrund n&#228;herten (Raketenkrise in Kuba 1962), ruderten die USA und die UdSSR zur&#252;ck. Jede Supermacht anerkannte die Hegemonie des Gegners &#252;ber sein Gebiet, wo er mehr oder weniger nach Belieben handelte (Guatemala 1954, Ungarn 1956, Berliner Mauer 1961, Tschechoslowakei 1968 usw.). Die zahlreichen Krisen wurden ohne Konfrontation in Europa beigelegt, ohne Waffengewalt w&#228;hrend der Berlin-Blockade zum Beispiel (1948-1949). Zwei Lager standen sich gegen&#252;ber, sie waren mehr oder weniger in der gleichen Situation insofern, als jedes dazu gezwungen war, das Territorium des anderen zu respektieren, aber sie unterschieden sich auf sozio&#246;konomischer Ebene.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der &#8222;b&#252;rokratische&#8220; Kapitalismus hatte es geschafft, die Industrialisierung zu f&#246;rdern und eine m&#228;chtige R&#252;stungsindustrie aufzubauen, doch er erwies sich als unf&#228;hig, Arbeit und Kapital auf produktive Art und Weise zu organisieren. Die Herrschaft einer Klasse, die sowohl das Kapital als auch den Staat kollektiv ihr Eigen nennen konnte, bremste die Konkurrenz &#8211; den Motor des Kapitalismus &#8211; und hatte zum Ergebnis gef&#252;hrt, dass Hochburgen entstanden, deren Kraft nicht von einer besseren industriellen und gewerblichen Produktivit&#228;t, sondern von privilegierten Verbindungen zum Staat kam. Die Krise des russischen &#8222;b&#252;rokratischen&#8220; Kapitalismus l&#246;ste sich letztendlich in einem System auf, in welchem die &#8222;Oligarchen&#8220; nur Besitzer der total von der politischen Macht abh&#228;ngigen Monopole sind. Die russische F&#252;hrungsschicht, die unf&#228;hig ist, auf dem Weltmarkt zu rivalisieren und im Ausland zu investieren (wie es China erfolgreich tut), hat als einzige Kontinuit&#228;tsgarantie nur die Priorit&#228;t milit&#228;rischer Macht. Was man auch immer vom &#8222;Bruttoinlandsprodukt&#8220; halten mag, seine Statistiken geben eine Gr&#246;ssenordnung: In Dollars betr&#228;gt das BIP der USA ungef&#228;hr 20 Billionen, jenes Chinas 13, jenes Deutschlands 4 und jenes Russlands 1.6, was jenem S&#252;dkoreas oder Italiens entspricht. Russland ist nur eine (grosse) Regionalmacht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach 1989 hat letztendlich die gr&#246;ssere Dynamik der USA und Westeuropas den osteurop&#228;ischen Raum, den die UdSSR durch den Krieg 1945 erobert hatte, friedlich von Russland zur&#252;ckerobert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Gleichgewicht des Schreckens war auch ein soziales Gleichgewicht in jedem der beiden Lager gewesen: Das (Wieder-)Auftauchen neuer Konkurrenten (Deutschland, Japan, China&#8230;) hat diesen Status quo unterbrochen und letztendlich die M&#246;glichkeit eines bewaffneten Konflikts im Kern Europas er&#246;ffnet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der sowjetische Riese hatte damals nicht das geringste Interesse, eine Wiedereroberung Westeuropas zu versuchen: Im 21. Jahrhundert entsteht durch die &#8211; relative &#8211; Schw&#228;che Russlands ein Kriegsrisiko in der gesamten europ&#228;ischen Region. Nach den erzwungenen Sezessionen peripherer Regionen (Transnistrien, Abchasien und Ossetien) und der Besetzung der Krim ist die Invasion der Ukraine eine erneute Bem&#252;hung Russlands zur Aufrechterhaltung dessen, was es mehr schlecht als recht zusammenh&#228;lt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist h&#228;ufig die weniger starke Grossmacht, welche die Initiative zur Offensive ergreift. Im 19. Jahrhundert, als England die Welt beherrschte, griff es nur &#8222;unterentwickelte&#8220; L&#228;nder an und f&#252;hrte Kolonialkriege in Indien und Afrika. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stellten andere Imperialismen seine Hegemonie in Frage: Die deutsche Wirtschaftsmacht untergrub das ber&#252;hmte &#8222;europ&#228;ische Gleichgewicht&#8220; und jene Japans bedrohte Asien. Nach 1945 beruhigt sich alles f&#252;r einige Jahrzehnte dank der russisch-amerikanischen Aufteilung der Welt (Indien blieb abseits davon, China ebenfalls). Aber jetzt lastet das Gewicht der Europ&#228;ischen Union auf den russischen Ex-Satelliten und jenes Chinas auf Asien.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die UdSSR war in ihrem Einflussgebiet und an ihren R&#228;ndern imperialistisch und kompensierte ihre gesellschaftliche Schw&#228;che, indem sie hinter als Puffer zwischen zwei zwar getrennten aber nie undurchl&#228;ssigen Bl&#246;cken dienenden Satelliten Schutz suchte: Dieser Spielraum existiert praktisch nicht mehr.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Von Korea &#252;ber Vietnam und Angola bis nach Afghanistan f&#252;hrten die USA und die UdSSR stets Stellvertreterkriege, aber dieses Mal ist die Peripherie sehr nahe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend andere Imperialismen ihrerseits nur im Mittleren Osten und in Afrika Krieg f&#252;hren, hat die NATO sich progressiv in Richtung Osteuropa erweitert und Finnland und Schweden sind dabei, sich dem B&#252;ndnis anzuschliessen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;George Kennan (1904-2005), Diplomat und nach 1945 Architekt der Eind&#228;mmung (&lt;i&gt;containment&lt;/i&gt;) der UdSSR, beurteilte diese Erweiterung als nicht sehr klug: &#8222;Wir haben uns verpflichtet, eine ganze Reihe von L&#228;ndern zu besch&#252;tzen, obwohl wir weder die Ressourcen noch die Absicht haben, es ernsthaft zu tun.&#8220; Zehn Jahre sp&#228;ter warnte ein Bericht der CIA vor dem Eintritt der Ukraine in die NATO: Es w&#228;re gleichbedeutend mit der &#220;berschreitung der schlimmsten roten Linie, nicht nur in den Augen Putins, sondern der gesamten russischen Elite, und w&#252;rde Russland zur Einmischung auf der Krim und in der Ostukraine ermuntern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Prediger der M&#228;ssigung vergessen, dass Eind&#228;mmung und Zur&#252;ckdr&#228;ngung (&lt;i&gt;roll back&lt;/i&gt;) Hand in Hand gehen, wenn die USA es f&#252;r notwendig und m&#246;glich halten, wie es w&#228;hrend ihren Amtszeiten von Truman und Eisenhower praktiziert und anerkannt wurde. Seit mehr als 20 Jahren d&#228;mmt die NATO Russland gleichzeitig ein und dr&#228;ngt es zur&#252;ck. Es ist normal, dass ein Staat oder ein B&#252;ndnis von einem R&#252;ckschlag f&#252;r einen Konkurrenten profitiert, um die eigene Stellung auszubauen (verhinderter Versuch der Erschaffung einer Autonomen Republik Aserbaidschan im Norden Irans 1945, der Ansiedlung in Asien, Afrika&#8230;). Die NATO f&#252;hrt ihrerseits 2022, wie damals die UdSSR als sie Nord-Vietnam bewaffnete, einen Stellvertreterkrieg gegen Russland.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie er auch immer aussehen mag, der russisch-ukrainische Frieden wird eine Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln sein. Auf der Ebene Europas ist die Frage, ob die Europ&#228;ische Union sich auf eine Freihandelszone beschr&#228;nken oder sich mit einer politischen F&#252;hrung rund um die deutsch-franz&#246;sische Achse ausstatten wird, die &#252;ber eine &#8222;europ&#228;ische&#8220; Armee verf&#252;gt &#8211; eine Hypothese, die in Anbetracht der gegenw&#228;rtigen Entwicklung, welche die amerikanische Vorherrschaft &#252;ber Europa festigt, immer weniger wahrscheinlich wird. Der Sieg (oder die Vermeidung einer Niederlage) hat ohnehin nicht die gleiche Bedeutung f&#252;r Russland (eine starke, aber regionale Macht) und die USA, die sich veranlasst sehen, ihre Weltmacht gegen das zu ihrem Hauptgegner werdenden China zu fokussieren. Doch wir werden es vermeiden, Trotzki mit tollk&#252;hnen Vorhersagen zu imitieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Rationalit&#228;t = 600 Millionen Tote&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotzdem &#252;berraschte die russische Invasion. Die Schw&#228;che der Rebellen im Osten des Landes hatte Russland 2014 zur milit&#228;rischen Intervention gedr&#228;ngt, um die Geburt der &#8222;Volksrepubliken&#8220; Donezk und Lugansk zu unterst&#252;tzen. Aber deswegen gleich in einen grossen Teil des Landes einfallen und Kiew belagern&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;War es 1982 &#8222;rational&#8220; f&#252;r Grossbritannien, eine Kriegsflotte ans andere Ende der Welt zu schicken, um ein paar kleine Inseln ohne wirtschaftlichen Wert oder strategische Bedeutung zu behalten?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann rational davon ausgehen, dass Hitler keine Siegeschance gegen die englisch-russisch-amerikanische Koalition hatte, doch er hielt es f&#252;r m&#246;glich, die UdSSR zu besiegen, bevor die USA all ihre industrielle Macht mobilisieren w&#252;rden. Der Krieg ist, man weiss es, &#8222;das Gebiet der Ungewissheit&#8220;. Die F&#252;hrungsst&#228;be glaubten 1914, dass es nach sechs Monaten vorbei sein w&#252;rde. Als sie in Afghanistan einfielen, glaubten die Russen (1979) dann die Amerikaner (2001), dass eine massive Intervention es erlauben w&#252;rde, einen Gegner zu besiegen, der logischerweise milit&#228;risch als sehr unterlegen betrachtet wurde. Durch den Sieg &#252;ber ihn war das wirkliche Ziel die Konsolidierung eines Imperiums &#8211; wirtschaftlich f&#252;r die USA, fast kolonial f&#252;r die UdSSR &#8211; gegen einen Rivalen mit einer Kosteneinsch&#228;tzung, die urspr&#252;nglich als vern&#252;nftig beurteilt worden war. Die beiden Imperialismen konnten sich beruhigen, wenn sie an ihre erfolgreichen Aussenoperationen dachten: Ungarn (1956) und Dominikanische Republik (1965).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch die Sache ist nie wesentlich milit&#228;risch. Die kriegf&#252;hrenden M&#228;chte h&#246;rten 1918 letztendlich auf, weniger weil die L&#228;hmung auf dem Schlachtfeld sie dazu zwang, sondern aufgrund des Zerfalls der Heimatfront, allen voran in Deutschland und &#214;sterreich-Ungarn. Im Gegensatz dazu f&#252;hrte das Naziregime einen &#8222;totalen&#8220; Krieg, weil er in erster Linie f&#252;r die Vorherrschaft des deutschen Volkes ausgel&#246;st worden war und wenn dieses sich f&#252;r das durch die Nazis bestimmte Schicksal als unw&#252;rdig erwies, dann verdiente Deutschland f&#252;r Hitler den Untergang. Normalerweise f&#252;hrt man nicht Krieg, um zu zerst&#246;ren, noch weniger um alles zu zerst&#246;ren, doch die Logik der Nazis akzeptiert die Selbstzerst&#246;rung Deutschlands 1945. Der Krieg setzt zwei M&#228;chte einander entgegen, keine davon entscheidet, was die andere tun wird, und die Gegenseitigkeit des Handelns enth&#228;lt die M&#246;glichkeit der Versch&#228;rfung. Die Selbstbeschr&#228;nkung (verhindern, das zu zerst&#246;ren, was man erobern will) ist ihrerseits mit ihren Grenzen konfrontiert. Es ist eine Sache, ein M&#246;rder zu sein, eine andere, sich selbst zu t&#246;ten, h&#228;ufig schliesst das eine das andere aus, Hitler jedoch tat beides: F&#252;r ihn war das Prinzip der Politik &#8222;Alles oder Nichts&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Putin ist nicht Hitler, aber auch f&#252;r ihn ist die Grenze zwischen einem Teilziel (eine Grenze modifizieren) und einem Vollziel (eine politische Ver&#228;nderung erzwingen, das Land neutralisieren) leicht &#252;berschritten: Manchmal zwingt ihn die politische F&#252;hrung eines Landes, bis zu jenem Punkt und auf eigene Gefahr dar&#252;ber hinauszugehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber was ist eine gewonnener oder verlorener Krieg? Und vor allem, was sind die Folgen davon? Man wiederholt, dass die amerikanischen Interventionen in Irak und Afghanistan letztendlich Niederlagen waren, doch sowohl in Bagdad als auch in Kabul handelte es sich um Polizeioperationen eines grossen Landes gegen ein kleines. Weder die zentralen Interessen der USA und noch weniger ihr &#220;berleben standen auf dem Spiel. Der Sieg ist nicht zwingend &#8211; in Vietnam auf jeden Fall war er das nicht &#8211; gleichbedeutend mit einer Besatzung des Landes, sondern mit der Tatsache, sich nicht mehr von ihm bedroht zu f&#252;hlen: Haben die USA in Vietnam 1975 verloren, w&#228;hrend das Land seit mehr als 20 Jahren offen ist f&#252;r nach niedrigen L&#246;hnen suchende ausl&#228;ndische Kapitale?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was auch immer die Erkenntnis der russisch-ukrainischen Aff&#228;re sein mag, in ihrer Konfrontation mit Russland versuchen die USA &#8211; und mit ihnen die Europ&#228;ische Union &#8211; auch, ihre Machtposition gegen&#252;ber China zu sichern. Es gab zwei nukleare Superm&#228;chte: Sie sind mittlerweile zu dritt (zu viert oder zu f&#252;nft, wenn man Indien und Pakistan mitz&#228;hlt) und, obwohl ein k&#252;nftiger Einsatz von Atomwaffen nicht gewiss ist, w&#228;re es naiv, ihn auszuschliessen, weil er katastrophale Auswirkungen f&#252;r die Menschheit, aber auch f&#252;r die an ihrer Stellung und an ihren Privilegien h&#228;ngenden Meister der Welt haben w&#252;rde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der einzige Richter &#252;ber die &#8222;vitalen Interessen&#8220; eines Landes und die zu seiner Verteidigung gew&#228;hlten Mittel ist weder die Menschheit, noch ein abstrakter Grund oder eine Definition der Souver&#228;nit&#228;t, sondern die Anf&#252;hrer, welche sich an der Spitze des Staates befinden. Wenn er die Atombombe gehabt h&#228;tte, h&#228;tte der Nazi Hitler nicht gez&#246;gert, sie einzusetzen. Der Demokrat Truman z&#246;gerte (das ist einer der Unterschiede zwischen Faschismus und Demokratie) und setzte sie zweimal ein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;nf Jahre sp&#228;ter, in Anbetracht aller in Korea erlittenen R&#252;ckschl&#228;ge, erkl&#228;rt der amerikanische Pr&#228;sident, er ziehe alle M&#246;glichkeiten in Betracht, &#8222;was alle Waffen mit einschliesst, die wir haben&#8220;, auch die Atomwaffe: &#8222;Wir haben ernsthaft daran gedacht.&#8220; Die nukleare Bedrohung wird von Nixon gegen Nordvietnam und von Trump gegen Nordkorea (2017) wiederholt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den 1960er Jahren erw&#228;gt der amerikanische F&#252;hrungsstab, der die UdSSR als unf&#228;hig einsch&#228;tzt, einen ersten Atomschlag zu &#252;berleben und mit bedeutenden Vergeltungsmassnahmen zu antworten, einen Atomangriff gegen die UdSSR und China, der ungef&#228;hr 400 Millionen Tote, mehr als 100 Millionen in den Nachbarl&#228;ndern und ebenso viele in Westeuropa, also gesamthaft 600 Millionen Tote zur Folge h&#228;tte. Das alles ist absurd, wird man sagen, der Preis daf&#252;r w&#228;re zu hoch&#8230; Aber f&#252;r wen? Die Regierenden sind nicht verr&#252;ckt und die Soldaten nicht blutr&#252;nstig. Ihr Wahnsinn hat Methode, w&#252;rde Shakespeare sagen: Ein monstr&#246;ser Gegner verlangt gegen ihn den Einsatz von schrecklicheren Mitteln als seine.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu Beginn des 21. Jahrhundert haben die USA ihre Pl&#228;ne aktualisiert und Russland und China haben ihre eigenen. Die staatliche Rationalit&#228;t ist es, gem&#228;ss dem Interesse des Landes und jenem ihrer Anf&#252;hrer zu handeln, die beiden fallen zusammen. Das Ziel ist der Fortbestand, nicht der Selbstmord, doch Masslosigkeit und Exzess sind Teil der Gleichung. Die Reiche handelten 1914 nicht irrational, genauso wenig wie die Nazis 1939 oder 1941. In Vietnam hatte die Dominotheorie ihre eigene Rationalit&#228;t. Das Gleiche gilt f&#252;r die &#8222;Strategie des Schreckens&#8220;, im Rahmen welcher die USA, um ihre eigene Zerst&#246;rung zu begrenzen (&lt;i&gt;mutually assured destruction&lt;/i&gt;, MAD), regelm&#228;ssig versucht haben, eine &#220;berlegenheit, und somit eine Gewinnchance gegen&#252;ber der UdSSR zu erlangen und zu erhalten. Zum Preis von hunderten Millionen Toten, doch das ist ein Preis, den man bereit ist, zu zahlen, denn, so schlimm er auch sein mag, kann er als besser beurteilt werden als die Knechtung durch &#8222;Feinde des Menschengeschlechts&#8220;, von welchen Schlimmeres zu erwarten ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend dem chinesisch-japanischen Krieg 1938 l&#228;sst die nationalistische Regierung die D&#228;mme des Gelben Flusses zur Verlangsamung des Fortschritts der japanischen Truppen zerst&#246;ren: Das Ziel wird erreicht und die &#220;berschwemmung t&#246;tet 500&#8216;000 Chinesen. Es ist wahrscheinlich das gr&#246;sste Kriegsverbrechen der ganzen Geschichte, besonders an ihm ist, dass es eine Armee ihrer eigenen Bev&#246;lkerung aufgeb&#252;rdet hat. An jenem Tag, wo es eine Regierung, welche auch immer, f&#252;r vern&#252;nftig h&#228;lt, 500 Millionen Menschen zu t&#246;ten, um eine Milliarde zu retten, wird sie es tun.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die USA sollen &#252;ber ungef&#228;hr 1&#8216;350 einsatzbereite Atomsprengk&#246;pfe verf&#252;gen (etwa hundert davon auf St&#252;tzpunkten in Deutschland, Italien, Belgien und den Niederlanden), gegen 1&#8216;400 auf russischer Seite. Auf diesem Niveau der &#8222;&#220;berzerst&#246;rung&#8220; hat der Unterschied in den jeweiligen Kapazit&#228;ten zum &lt;i&gt;overkill&lt;/i&gt; keinen Sinn mehr.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wenn die Nation unvollst&#228;ndig ist&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was man auch immer &#252;ber eine Globalisierung wiederholen mag, die Staaten und Grenzen unter der Herrschaft einer kosmopolitischen Finanzoligarchie und trans- und multinationaler Konzerne absorbiert haben soll, der Planet ist nicht deterritorialisiert. Er ist weiterhin in staatlichen Entit&#228;ten organisiert: Obwohl sie nicht dem amerikanischen &#8222;Schmelztiegel&#8220; &#228;hneln, funktionieren einige davon ziemlich gut als Nationalstaaten, andere nicht, und jene L&#228;nder, welche die Welt beherrschen, geh&#246;ren zur ersten Gruppe. Die USA, China, Russland, Indien sind Nationalstaaten und eine bis jetzt nicht &#252;berwundene Schw&#228;che der Europ&#228;ischen Union ist es, kein nationales Gebilde zu sein &#8211; f&#246;deral oder nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Staat ist eine politische Macht, die f&#228;hig ist, sich auf einem von ihr kontrollierten Territorium durchzusetzen. Was spezifisch ist an einem Nationalstaat, ist die Tatsache, dass er &#8222;h&#228;ufig aufgrund der Sprache, der Herkunft oder der Religion sehr verschiedene Bestandteile dank der M&#246;glichkeit einer selbstzentrierten kapitalistischen Entwicklung innerhalb eines sowohl milit&#228;risch als auch fiskalisch beherrschten Territoriums vereint. [&#8230;] Die Nation setzt diese moderne Sch&#246;pfung namens Individuum voraus, ein Wesen, das seiner von der Geburt abh&#228;ngigen Bindungen entledigt und im Prinzip &#8218;frei&#8216; ist, Bourgeois oder Proletarier zu werden, und sie ist die Antwort auf die Notwendigkeit, diese Individuen in einer neuen Gemeinschaft miteinander zu verbinden, wenn die vorherigen sich aufgel&#246;st haben. [&#8230;] Jenseits der Individuen vereinigt die Nation die Klassen [&#8230;] durch eine fl&#252;ssige Zirkulation sowohl des Kapitals als auch der Arbeit, einem relativen Ausgleich der Produktivit&#228;tsniveaus der Regionen [&#8230;] Ein Markt allein gen&#252;gt nicht: Die Addition der Konsumenten ergibt keine Koh&#228;sion.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;La Nation dans tout son &#233;tat&#8220;, 2019.&#034; id=&#034;nh4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weil sie sich nicht damit begn&#252;gten, Rohstoffe zu exportieren oder ausl&#228;ndische Kapitale zu empfangen, sondern &#252;ber eine kompetitive industrielle Macht verf&#252;gten, waren die USA f&#228;hig, die zwischen 1845 und 1848 von Mexiko eroberten Territorien zu integrieren, was sechs zus&#228;tzliche Staaten im Bund bedeutete. Es ist die Kapazit&#228;t, sich ins globale kapitalistische System einzuf&#252;gen, die es erlaubt, die Gesamtheit der Bev&#246;lkerung einzuschliessen, indem man ihr jenseits der Kriterien der Sprache, der Geburt oder der Religion die Zugeh&#246;rigkeit zu den &#8222;Vereinigten Staaten von Amerika&#8220; gibt. Von diesem Zeitpunkt an ist der Spanischsprachige nicht zuerst oder wesentlich &#8222;spanisch&#8220; oder &#8222;latino&#8220;, er ist &lt;i&gt;amerikanisch&lt;/i&gt;. Wir schreiben &lt;i&gt;die Gesamtheit&lt;/i&gt; der Bev&#246;lkerung, nicht die Totalit&#228;t, und diese Gesamtheit fluktuierte: den neuen Einwanderer gegen&#252;ber feindlich gesinnter &#8222;Nativismus&#8220;, Beschr&#228;nkung der asiatischen Einwanderung, Quoten gegen die Juden in den Eliteuniversit&#228;ten bis in die 1950er Jahre und man ist besser weiss als &lt;i&gt;African American&lt;/i&gt;&#8230; Trotz allem f&#246;rdert der Kapitalismus eine (sehr relative) Gleichstellung, auch an der Spitze (farbige M&#228;nner und Frauen sind Staatssekret&#228;r, Armeechef oder Pr&#228;sident der USA geworden).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dort, wo eine solche sozio&#246;konomische Vereinigung des Landes und somit eine politische Befriedung unm&#246;glich oder unvollendet sind, ermutigen die Entwicklungsunterschiede das politische Zentrum dazu, die unterentwickelten Gebiete zu ignorieren oder sogar zu diskriminieren, was Zentrifugalkr&#228;fte beg&#252;nstigt, die dazu tendieren, sich von einem Zentrum abzutrennen, das seinerseits unf&#228;hig ist, sie zu beherrschen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die im 20. Jahrhundert aus den sukzessive vom Osmanischen Reich abgetrennten Regionen entstandenen L&#228;nder erlebten eine permanente Instabilit&#228;t, besonders Griechenland, und Serbien, wo 1903 die K&#246;nigsfamilie massakriert und durch eine neue Dynastie ersetzt wird. Diese unvollst&#228;ndigen Nationen sind Teil des Spiels jener M&#228;chte, welche st&#228;rker sind als sie, allen voran Frankreich und England. Die Allianzen &#228;ndern sich, Grossbritannien bef&#252;rchtet, dass die Unabh&#228;ngigkeit der neuen slawischen Staaten Russland st&#228;rkt: Im Krimkrieg (1853-1856) &#8211; die Krim war und ist f&#252;r die russische Marine eine Halbinsel von strategischer Bedeutung &#8211; verb&#252;nden sich Frankreich und England mit der T&#252;rkei gegen Russland.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Osten und in der Balkanregion stellen &#8222;Minderheiten&#8220; ein Problem dar. Engels schreibt Bernstein am 22. Februar 1882 folgendes: &#8222;Teilen sich die Serben in 3 Religionen [&#8230;] Bei diesen Leuten geht aber Religion noch vor Nationalit&#228;t und jede Konfession &lt;i&gt;will&lt;/i&gt; herrschen. Solange hier kein Bildungsfortschritt, der wenigstens Toleranz m&#246;glich macht, hei&#223;t Gro&#223;serbien nur B&#252;rgerkrieg.&#8220; Die Annexion Bosniens und Herzegovinas, wo eine Million Serben lebten, durch &#214;sterreich n&#228;hrt einen Gegensatz zwischen dem &#246;sterreichisch-ungarischen Reich und Serbien &#8211; eine explosive Situation, aus welcher der Funke 1914 entsteht und die am Ende des 20. Jahrhunderts erneut brodelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bewegung der &#8222;Nationalit&#228;ten&#8220; damals, dann der nationalen Befreiungsk&#228;mpfe im 20. Jahrhundert, war eine historische Neuheit mit weltweiter Bedeutung, doch die Erschaffung eines nationalen Gebildes ist nur dort m&#246;glich, wo die kapitalistische Entwicklung relativ homogen und koh&#228;rent ist: Sonst &#8222;geht [&#8230;] Religion [oder jedes andere identit&#228;re Kriterium] noch vor Nationalit&#228;t&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Mehrheit der neuen Staaten leidet nicht nur an Zwietracht, sondern, wie es Wilhelm II. gegen&#252;ber dem K&#246;nig der Belgier 1913 bemerkte, es ist zwar h&#228;ufig notwendig f&#252;r ein kleines Land, sich einem Lager anzuschliessen, doch das Spiel ist riskant.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Allgemeinen wird die Unabh&#228;ngigkeit dank einer Grossmacht erlangt und h&#228;ufig danach durch eine andere, mit ersterer rivalisierenden, garantiert. Der entstehende israelische Staat kam 1948 in den Genuss von tschechischen Waffen, die mit dem Einverst&#228;ndnis einer zur Schw&#228;chung der englischen Vorherrschaft &#252;ber die Region gewillten UdSSR geliefert wurden: Danach suchte Israel anderweitig Unterst&#252;tzung. Genauso wurde &#196;gypten von einem, dann vom anderen Lager bewaffnet. Mit der Gefahr einer Kurs&#228;nderung: Die Kurden wurden von den USA in ihrem Kampf gegen den Islamischen Staat unterst&#252;tzt, aber was wird aus Rojava werden, wenn f&#252;r die Amerikaner die T&#252;rkei, eine St&#252;tze der NATO in der Region, zur Priorit&#228;t wird?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Schutz eines &#8222;kleinen&#8220; Landes durch ein &#8222;grosses&#8220; b&#252;rgt nicht notwendigerweise f&#252;r Sicherheit. Die NATO k&#252;ndigt im April 2008 an, sie sei bereit, Georgien und die Ukraine aufzunehmen: Im August greift Russland Georgien an. Die Unterscheidung &lt;i&gt;Angreifer/Angegriffener&lt;/i&gt; deutet auf den Ort, wo der Konflikt ausgebrochen ist, nicht auf seine Ursache oder seine Logik.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Es gibt so viele wirtschaftliche, finanzielle, politische und milit&#228;rische Aspekte, welche die Innen- und Aussenpolitik eines Staates determinieren, dass dieser &#8211; vor allem, wenn er sich in einem geopolitischen Gebiet von grosser Bedeutung f&#252;r die interimperialistischen Rivalit&#228;ten wie Osteuropa befindet &#8211; gezwungen ist, seine &#8218;Unabh&#228;ngigkeit&#8216; und somit sein Territorium, seine Wirtschaft und seine Regierung an einen der imperialistischen Pole zu verkaufen, an jenen, welcher am ehesten die nationalen Interessen beg&#252;nstigen oder ihn zumindest vor den Begehrlichkeiten feindlicher L&#228;nder besch&#252;tzen kann.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Internationale Kommunistische Partei, 24. Februar 2022.&#034; id=&#034;nh5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was ist ein &#8222;Ukrainer&#8220;? Was ist ein &#8222;Russe&#8220;?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Unsere Geschichte ist anders!&#8220;, sagte ein Ukrainer, um zu erkl&#228;ren, dass man die Lenin-Statuen niederreisst, w&#228;hrend das Portrait Stepan Banderas &#252;berall eine Bl&#252;tezeit erlebt. Der bolschewistische Anf&#252;hrer symbolisiere Diktatur und ausl&#228;ndische Herrschaft. Der nationale Aktivist hingegen, was auch immer seine Verantwortung f&#252;r den Tod hunderttausender Juden (und zahlreicher polnischer Zivilisten) sein mag, verk&#246;rpere den ukrainischen Freiheitsdrang. Geboren im Jahr 1909, repr&#228;sentiert er allen voran den allen nationalen Bewegungen inh&#228;renten Zickzackkurs. Bandera, der abwechselnd mit den Deutschen verb&#252;ndet, dann ihr Gegner war, von ihnen 1941 inhaftiert wird, weil sie keine unabh&#228;ngige Ukraine wollen, dann an ihrer Seite k&#228;mpft, daraufhin kurz gegen die Sowjets, nach 1945 mit dem deutschen und dem britischen Geheimdienst zusammenarbeitet, die bis 1955 Widerstandsgruppen in der Ukraine unterst&#252;tzten, stirbt 1959, wahrscheinlich ermordet vom KGB: Zuerst war er Anh&#228;nger eines ethnischen Nationalismus, letztendlich einer gewissen Sozialdemokratie. Den Umst&#228;nden entsprechende Ideologie, Suche nach inkompatiblen Verb&#252;ndeten &#8211; der Nationalismus st&#252;tzt sich auf das, was er finden kann, und wechselt die Unterst&#252;tzer, manchmal mit Erfolg, gegebenenfalls zu seinem Nachteil.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;So wie sie heute existiert, ist die Ukraine nicht die einzige staatliche Realit&#228;t in der Region: Vor 1914 dachte kaum jemand, dass ein weissrussisches Volk existiert, f&#252;r welches es gerechtfertigt w&#228;re, einen unabh&#228;ngigen Staat zu gr&#252;nden, und in Vilnius, der Hauptstadt des aktuellen Litauens, sprachen kaum einige Prozent der Bewohner litauisch. Transkarpatien, (ehemals &#246;sterreichisches) Galizien im Westen, Krim im S&#252;den &#8211; die Bestandteile der Ukraine variierten im Verlauf des 20. Jahrhunderts, genau wie das, was heute den Namen Russland, Ukraine, Polen, Weissrussland und Litauen tr&#228;gt, seit 1917 Grenzen in st&#228;ndigem Wandel hatte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch die aus dem Russischen und dem Osmanischen Reich entstandenen Staaten leiden nicht nur an den h&#228;ufig in Frage gestellten Aussengrenzen, sondern auch oder sogar noch mehr an dem, was man &lt;i&gt;innere&lt;/i&gt; Trennungen nennen k&#246;nnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die kapitalistische Produktionsweise sammelt und vereinigt die Bev&#246;lkerungen dort, wo das Lohnverh&#228;ltnis, eine Zirkulation der Arbeit sowie des Kapitals und die endogene Entwicklung es erlauben. In L&#228;ndern wie Frankreich, Grossbritannien oder den USA existieren verschiedene Sprachen und Religionen nebeneinander, aber eine Sprache herrscht vor, manchmal zwei (Franz&#246;sisch und Deutsch in der Schweiz). Spanisch ist die Muttersprache von 40 Millionen Amerikanern von 330 Millionen und sie bekennen sich in einem mehrheitlich protestantischen Land zur katholischen Religion, ohne dass deswegen ein &#8222;Ethnokonfessionalismus&#8220; entstehen oder eine Gesellschaft gespalten w&#252;rde, welche durch &#8222;diese Variabilit&#228;t [&#8230;] und den Uebergang aus einem Zweig in den andren [&#8230;] [d]ie best&#228;ndige Bildung neuer Arten der Arbeit [&#8230;] daher fortgehende Teilung der Arbeit im Ganzen der Gesellschaft&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Marx, Resultate des unmittelbaren Produktionsprozesses, 1867.&#034; id=&#034;nh6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; charakterisiert ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mangels dieser Bedingungen leiden die nach 1914-1918 entstandenen Staaten in der Zwischenkriegszeit (und, trotz den Bev&#246;lkerungstransfers, immer noch) an einem minorit&#228;ren &#8222;Nationalit&#228;tenproblem&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir werden nicht auf jene Episoden 1918 eingehen, w&#228;hrend welcher sich Bolschewisten, weisse Russen, Polen und diverse Parteien und Regionen dessen einander entgegenstanden, was heute die Ukraine ist, die damals unter dem Einfluss der Gewinner von 1914 bis 1918 stand, besonders Frankreich. Polen, mit der Unterst&#252;tzung eines Teils der lokalen Bev&#246;lkerung, f&#228;llt 1920 mit der Hoffnung ins ukrainische Territorium ein, dort einen Pufferstaat zu kreieren, der es vor Russland besch&#252;tzt. Polen scheitert, aber annektiert die westlichen Regionen des Landes und einen Teil Litauens und Weissrusslands.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die polnische Grenze wird 1945 weiter nach Westen versetzt, was die Umsiedlung von Millionen Einwohnern zur Folge hat: erzwungener Aufbruch der &#8222;Deutschen&#8220; in Richtung Deutschland und der in der Ukraine, in Weissrussland oder Litauen wohnhaften Polen in Richtung Polen, das soeben Ostpreussen, Pommern und Schlesien zugesprochen bekommen hat. Eines der Ziele ist es, Staaten mit einer homogenen Bev&#246;lkerung aufzubauen: &#8222;Alle L&#228;nder werden nach nationalen Prinzipien aufgebaut, nicht nach multinationalen&#8220;, erkl&#228;rt im Mai 1945 Gomulka, der Anf&#252;hrer des neuen Polens.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl die der UdSSR angeh&#246;rige Ukrainische sozialistische Sowjetrepublik einen Drittel der Industrieproduktion der Union lieferte, blieb ihre Wirtschaft zu abh&#228;ngig von Russland f&#252;r eine selbstzentrierte Entwicklung, die eine gesellschaftliche und politische Koh&#228;sion des Landes beg&#252;nstigt h&#228;tte. Nach dem Verschwinden der UdSSR hat die Mehrheit der ukrainischen B&#252;rger eine gute Praxis der russischen Sprache und Millionen von ihnen arbeiten und leben in Russland. Doch wenn sich im Donbass einige Millionen Einwohner &#8222;russisch&#8220; nennen &#8211; im Gegensatz zu jenen Kiews &#8211; und Russland einen separatistischen &#8222;Ethnonationalismus&#8220; manipulieren konnte, dann weil diese Region und ihre Bev&#246;lkerung nur sehr beschr&#228;nkt in den Rest der Ukraine integriert worden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die nationale Unfertigkeit widerspiegelt sich im politischen Leben. Die ber&#252;hmten russischen &#8222;Oligarchen&#8220; haben ihre Pendants in der Ukraine. Eine &#8222;Gasprinzessin&#8220; (Julia Timoschenko) war dort Premierministerin und ein &#8222;Schokoladenk&#246;nig&#8220; (Petro Poroschenko) Pr&#228;sident der Republik. Der ukrainische Parlamentarismus ist weit von den Praktiken Westeuropas entfernt. Obgleich die Ukraine eine bedeutende Milit&#228;rindustrie und eine exportierende Landwirtschaft besitzt, streiten sich Monopole, manchmal gest&#228;rkt durch mediale Imperien, um die wirtschaftlich-politische Macht und teilen sie untereinander auf und es kam vor, dass der Staat direkt einen Oligarchen zum Gouverneur einer Region ernennt. Die Orange Revolution 2004 hat dem keinen Riegel geschoben, Maidan 2014 auch nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vor 20 Jahren schrieb Emmanuel Todd: &#8222;Die kulturellen Unterschiede zu Ru&#223;land sind ausreichend gro&#223;, damit sich die Ukraine als eigenst&#228;ndig definieren kann. Aber mangels einer eigenen Dynamik vermag sie sich dem russischen Einflu&#223; nicht zu entziehen, ohne unter den einer anderen Macht zu geraten. Die amerikanische Sph&#228;re ist zu weit entfernt und materiell zu wenig pr&#228;sent, um das russische Gewicht auszubalancieren. Europa [&#8230;] ist eine reale Wirtschaftsmacht, aber in milit&#228;rischer und politischer Hinsicht nicht dominant. Falls Europa eine einflu&#223;reiche Stellung in der Ukraine anstrebt, liegt es nicht in seinem Interesse, sie zu einem Satelliten zu machen. [&#8230;] Hier k&#246;nnen wir ermessen, wie wenig die Vereinigten Staaten im Herzen Eurasiens wirtschaftlich konkret pr&#228;sent sind: [&#8230;] Vom Export einiger Milit&#228;rg&#252;ter und Computer abgesehen, haben die USA ihr wenig zu bieten. [&#8230;] Amerika kann hier nur die Illusion einer Finanzmacht verbreiten &#8211; und zwar &#252;ber die politische und ideologische Kontrolle des Weltw&#228;hrungsfonds. [&#8230;] Dagegen offenbaren die wirtschaftlichen Verflechtungen der Ukraine deren Abh&#228;ngigkeit von Ru&#223;land, Europa [&#8230;] Die Vereinigten Staaten befinden sich, gelinde gesagt, nicht mehr in einer Situation der &#220;berproduktivit&#228;t wie in der unmittelbaren Nachkriegszeit, weshalb sie denn auch nicht als Geberland eines neuen Marshall-Plans auftreten konnten, wie ihn die im Umbau begriffenen ehemaligen kommunistischen L&#228;nder ben&#246;tigt h&#228;tten.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um nach 1914-1918 ihre Unabh&#228;ngigkeit zu erlangen, st&#252;tzte sich die nationale ukrainische Bewegung aufeinanderfolgend auf Deutschland, die Entente, d.h. die Gewinner des Krieges, dann 1920 auf Polen. Ein Jahrhundert sp&#228;ter hat &#8222;die Ukraine [&#8230;] lange von den Widerspr&#252;chen zwischen Russland und dem Westen profitiert, doch das erwies sich letztendlich als gef&#228;hrliches Spiel. Die Ukraine z&#228;hlte f&#252;r Russland mehr als jedes andere Land.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Richard Sawka.&#034; id=&#034;nh7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Russland hatte 2014 versucht, die Ukraine zu seinem Vorteil zu f&#246;deralisieren: Doch mit der Annexion der Krim &#8222;gelang es nicht, die Unterst&#252;tzung der Russischst&#228;mmigen ausserhalb des direkt von der russischen Armee kontrollierten Gebietes zu mobilisieren&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Kreml erhoffte sich 2022 eine Korrektur dieses Scheiterns, indem er seine Ambitionen &#252;ber den Donbass hinaus ausweitete: Der Fehler dabei war, den nationalen Faktor &#8211; beim Gegner &#8211; untersch&#228;tzt zu haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Volksrepubliken Lugansk und Donezk kamen zu den unter dem bewaffneten Druck Russlands entstandenen Mikrostaaten hinzu: Transnistrien losgel&#246;st von Moldawien, Abchasien und S&#252;dossetien &#252;bernommen von Georgien.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Innerhalb Ex-Jugoslawiens hatte Belgrad sezessionistische Entit&#228;ten erschaffen: in Kroatien die Republik Serbische Krajina (heute verschwunden) und in Bosnien die Republika Srpska, die heute fester Bestandteil des Landes ist, obwohl der Separatismus dort lebendig bleibt. Der 2008 dank des Eingreifens der NATO unabh&#228;ngig gewordene Kosovo ist seinerseits weder von der UNO noch von der Europ&#228;ischen Union als Staat anerkannt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch andere, obwohl diese Marionettenstaaten ihre Existenz dem Krieg verdanken, versuchen, unter dem Druck einer ihnen eine nach Separation dr&#228;ngende Kapazit&#228;t zur Autonomie verleihenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Dynamik zu entstehen: Katalonien, Schottland, Flandern und Padanien (nur die beiden ersteren haben gewisse Erfolgschancen). Die weltweite sozialisierende Macht des Kapitalismus ist auch eine Kraft, die Bev&#246;lkerungszusammensetzungen zersetzt, bildet, auftrennt und neu formiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Krieg in der Ukraine wird wohl mit einem Kompromiss enden, der dem Donbass (wom&#246;glich erg&#228;nzt mit einem Streifen entlang des Schwarzen Meeres) einen mehr oder weniger grossen Grad an Autonomie oder gar die Unabh&#228;ngigkeit zugesteht. Was den ukrainischen &#8222;Burgfrieden&#8220; betrifft, hat er es geschafft, die Bev&#246;lkerung zu &#8222;ukrainisieren&#8220;, die &#8222;Russischsprachigen&#8220; eingeschlossen, ausser im S&#252;dosten, was die geringe Lebensf&#228;higkeit einer ukrainischen Nation, so wie sie in den 1945 gezogenen und 1991 best&#228;tigten Grenzen existierte, unter Beweis stellt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1914 und 2022&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den Jahrzehnten vor 1914 war Engels nicht der einzige, der die M&#246;glichkeit eines europ&#228;ischen Krieges in Betracht zog, wo &#8222;unsre Partei in Deutschland [&#8230;] momentan von der Flut des Chauvinismus &#252;berschwemmt und gesprengt [w&#252;rde], und ebenso ging's in Frankreich&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Brief an Bebel, 22. Dezember 1882 in MEW, Bd. 35, S. 416.&#034; id=&#034;nh9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Dieser Konflikt, &#8222;von einer bisher nie geahnten Ausdehnung und Heftigkeit&#8220;, wo Millionen M&#228;nner k&#228;mpfen werden, wird zu einem Fall der Reiche und &#8222;d[er] allgemeine[n] Ersch&#246;pfung und d[er] Herstellung der Bedingungen des schlie&#223;lichen Siegs der Arbeiterklasse&#8220; f&#252;hren. &#8222;Der Krieg mag uns vielleicht momentan in den Hintergrund dr&#228;ngen, mag uns manche schon eroberte Position entrei&#223;en. Aber [&#8230;] so mag es gehn wie es will: am Schlu&#223; der Trag&#246;die [&#8230;] ist der Sieg des Proletariats entweder schon errungen oder doch unvermeidlich.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Friedrich Engels, &#8222;Einleitung [zu Sigismund Borkheims Brosch&#252;re &#8218;Zur (...)&#034; id=&#034;nh10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Trotz &#8222;eine[r] Versch&#228;rfung des Chauvinismus in allen L&#228;ndern und [&#8230;] eine[r] Periode der Reaktion als Folge der Ersch&#246;pfung aller ausgebluteten V&#246;lker&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Brief an Paul Lafargue, 25. M&#228;rz 1889 in MEW, Bd. 37, S. 171.&#034; id=&#034;nh11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; w&#228;re der Kapitalismus davon dermassen ersch&#252;ttert, dass sein Fortbestand unm&#246;glich wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Anbetracht des Militarismus blieb die sozialistische Arbeiterbewegung nicht passiv. So wie sie im Unternehmen und auf der Strasse (und im Parlament) agierte, versuchte sie, innerhalb der Milit&#228;rinstitution zu intervenieren: Die CGT schickte eine geringe Summe (den &#8222;Soldatengroschen&#8220;) an ihre aufgebotenen Gewerkschaftsmitglieder, um die Verbindung mit der Arbeiterklasse zu wahren. Doch die Parteien und Gewerkschaften zogen keine andere Aktion in Betracht als einen &#8222;Kampf f&#252;r den Frieden&#8220;, der den Krieg unm&#246;glich machen sollte: Nichts war f&#252;r den &#8211; als unwahrscheinlich vorausgesetzten &#8211; Fall geplant, wo er trotzdem eintreten w&#252;rde. Ob man daran geglaubt haben mag oder nicht, die Drohung, einen (pazifistischen f&#252;r die Gem&#228;ssigten, aufst&#228;ndischen f&#252;r die Radikalen) Generalstreik auszul&#246;sen, war genauso wenig in der Wirklichkeit verankert wie die verk&#252;ndete Absicht, die Revolution zu machen &#8211; eines Tages.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bei den meisten k&#252;nftigen Kriegsparteien ist auch der Monat, der den Mord am Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo von der Kriegserkl&#228;rung &#214;sterreich-Ungarns an Serbien trennt, von zahlreichen massiven Demonstrationen gegen den drohenden Krieg gepr&#228;gt: Doch ihr Ziel ist es, Druck auf die b&#252;rgerlichen Regierungen auszu&#252;ben, nicht selbst als Proletariat zu handeln. Das war logisch: Die immense Mehrheit der Sozialisten und Syndikalisten (und ein Teil der Anarchisten) verhielt sich als aus der Arbeiterklasse kommender Gegner &lt;i&gt;und Partner&lt;/i&gt; einer b&#252;rgerlichen Welt. Sie akzeptieren de facto (was man auch immer davon denken oder sagen mag) das Wesentliche der Gesellschaft und bereiten die Akzeptanz f&#252;r grosse von den Anf&#252;hrern getroffene Entscheidungen vor &#8211; besonders den Krieg. Im Sommer 1914 verriet die Zweite Internationale vielleicht ihre Ideologie, aber nicht ihre Praxis.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Anbetracht dessen, was das Proletariat nicht verhindern konnte oder wollte, muss jeder Revolution&#228;r, gem&#228;ss Lenin, die Niederlage seines eigenen Landes herbeiw&#252;nschen und nach M&#246;glichkeit dazu beitragen. In Russland w&#228;re, vom Standpunkt der Arbeiterklasse und der arbeitenden Masse aus, das &#8222;geringere &#220;bel&#8220; die Niederlage der tsaristischen Monarchie. Lenin h&#228;lt kommende Revolten in der Armee wie 1905 f&#252;r m&#246;glich. Realit&#228;tsfremd? Nein, wenn man der Ansicht ist, dass die kapitalistische Welt sich in einer schlimmen Krise befindet, einer Krise, die provisorisch vom Burgfrieden &#252;berwunden worden ist, die jedoch unvermeidlich verschlimmert durch die Fortsetzung des Krieges wieder zutage treten wird. Von der g&#228;ngigen Sichtweise eines Kapitalismus, der Kriege ausl&#246;st, kommt Lenin zu jener eines Kapitalismus als Ursache von Krieg &lt;i&gt;und somit&lt;/i&gt; von Revolution.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nachdem der Krieg einmal begonnen hatte, konnte nur eine kleine Minderheit basierend auf der von Liebknecht ausgedr&#252;ckten &#220;berzeugung vom Feind &lt;i&gt;im eigenen Land&lt;/i&gt; agieren. Denn damit ein &#8222;revolution&#228;rer Def&#228;tismus&#8220; zu einer materiellen Kraft werden konnte, mussten die K&#228;mpfe stecken bleiben, um die milit&#228;rischen und patriotischen Energien zu verschleissen, wie Engels diese M&#246;glichkeit geahnt hatte: &#8222;Es ist eine evidente Tatsache, da&#223; die Desorganisation der Armeen und die g&#228;nzliche L&#246;sung der Disziplin sowohl Bedingung wie Resultat jeder bisher siegreichen Revolution war.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Brief an Marx, 26. September 1851 in MEW, Bd. 27, S. 353.&#034; id=&#034;nh12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; &#8222;Am g&#252;nstigsten w&#228;re eine russische Revolution, die aber nur nach sehr schweren Niederlagen der russischen Armee zu erwarten.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Brief an Bebel, 13. September 1886 in MEW, Bd. 36, S. 526.&#034; id=&#034;nh13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Die bolschewistische Strategie hatte nur auf der durchdachten Gewissheit gegr&#252;ndet einen Sinn, &#8222;dass der Krieg in Europa eine revolution&#228;re Lage schafft&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Lenin, &#8222;Die revolution&#228;ren Marxisten auf der internationalen (...)&#034; id=&#034;nh14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;: Er rief zu einer Abspaltung (die damals von Rosa Luxemburg als voreilig beurteilt wurde) von einer breiten politischen Bewegung auf, die gewiss gescheitert war, doch wovon sich die &#8222;gesunden&#8220; Teile abtrennen sollten, um revolution&#228;re Parteien (wieder-)aufzubauen und von der allgemeinen vom Krieg ausgel&#246;sten Krise zu profitieren, um den Kapitalismus zu st&#252;rzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Situation ist ein Jahrhundert sp&#228;ter nicht die gleiche, besonders aufgrund des Fehlens substantieller radikaler Minderheiten, an welche sich Lenin richtete. Und der Widerstand gegen die imperialistischen Kriege (jener 2003 gegen den Irak z.B.) ist entweder schlichtweg pazifistisch oder unf&#228;hig, die Situation zu beeinflussen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Aufrufe zur Desertion, zum Def&#228;tismus und zur Sabotage des Krieges auf beiden Seiten, die derzeit von zahlreichen Milieus verbreitet werden, sind freilich vom Klassenstandpunkt aus betrachtet die einzig tragf&#228;hige Position. Sie sind also lobenswert und teilbar &#8211; und gewiss einiges w&#252;rdevoller als der unilaterale Anti-Imperialismus jener, welche sich verpflichtet f&#252;hlen, jedes Mal einen &#8218;schw&#228;cheren&#8216; Imperialismus zu unterst&#252;tzen. Das zumindest im Prinzip. Aber solche Aufrufe laufen Gefahr, im Grunde, wenn auch nicht &#8218;ideologisch&#8216;, so doch zumindest vollst&#228;ndig steril zu sein.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Il Lato cattivo, 2. M&#228;rz 2022.&#034; id=&#034;nh15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Revolution&#228;rer Def&#228;tismus?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Und was hat man von einem internationalistischen Prinzip, wenn das eigene Dorf gerade von einem russischen Panzer beschossen wird? Inwieweit geht es nicht einfach darum, dass sich Arbeiter:innen in der Ukraine gegen eine milit&#228;rische Aggression zur Wehr setzen m&#252;ssen? [&#8230;] K&#246;nnten wir Menschen im Warschauer Ghetto, in Srebrenica oder unter Angriffen des Islamischen Staates sagen, sie sollten nicht zu den Waffen greifen, weil diese Waffen vielleicht von Nationalist:innen stammen oder weil ihr Widerstand den Interessen irgendeiner imperialistischen Gro&#223;macht entgegenkommt?&#8220;, fragte ein Teilnehmer an einer Diskussion organisiert von den Angry Workers am 10. M&#228;rz 2022, er antwortete darauf: &#8222;Ich denke, nein.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;(Nebenbei bemerkt, es ist &#252;bertrieben die Ukrainer, die dazu gezwungen sind, Mittel zu finden, um sich gegen die Invasion zu sch&#252;tzen, und die Aufst&#228;ndischen des Warschauer Ghettos 1943 miteinander zu vergleichen. Mit dem R&#252;cken zur Wand, fast ohne &#228;ussere Unterst&#252;tzung und zu einem sicheren Tod verurteilt, bevorzugten es die Juden im Ghetto, bewaffnet zu sterben. Die Ukrainer 2022 haben zum Gl&#252;ck mehr als eine einzige Option.)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sollte die Frage legitim sein, so stellt sie sich auch im Sommer 1914 unter dem Feuer der deutschen Kanonen den Bewohnern der belgischen D&#246;rfer, wo der Invasor tausende Zivilisten erschoss und Millionen dazu zwang, in die nicht besetzten Gebiete Frankreichs zu fl&#252;chten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Darauf an Stelle der Ukrainer zu antworten, w&#228;re unm&#246;glich und zudem fast ohne die geringste praktische Folge. Wir haben keine unmittelbare L&#246;sung f&#252;r die Dringlichkeiten der Welt und die kommunistischen Minderheiten haben nicht die Kapazit&#228;t, mehr zu tun als die Proletarier selbst in den Situationen und L&#228;ndern, in welchen sie sich befinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gegen&#252;ber dem russischen Angreifer ist ein kollektiver Widerstand aufgebaut worden, eine gegenseitige Hilfe zwischen D&#246;rfern und Quartieren mit basisdemokratischen Aspekten, es bilden sich Bataillone Freiwilliger, Milit&#228;r- und Spitalzentren werden er&#246;ffnet, Fl&#252;chtlinge empfangen, manchmal werden die offiziellen Hierarchien umgangen, auch mit Tausch (eines Waffenlagers gegen ein Fahrzeug), ohne Diskontinuit&#228;t zwischen einer &#8222;zivilen&#8220; materiellen Solidarit&#228;t und einer &#8222;bewaffneten&#8220; Selbstverteidigung seiner Stadt und seines Lebens.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine verbreitete Position in den &#8222;radikalen&#8220; Milieus besteht darin, eine Form des revolution&#228;ren Def&#228;tismus zu preisen und zu praktizieren, &lt;i&gt;aber nur in einem der beiden Lager&lt;/i&gt;, in Russland, um seine Kriegsanstrengung zu schw&#228;chen, w&#228;hrenddessen gleichzeitig innerhalb der Ukraine ein mutmasslich autonomer Widerstand unterst&#252;tzt oder sich ihm angeschlossen und versucht wird, ihn auszuweiten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch diese vielgestaltige Reaktion ist parallel zur Milit&#228;rhandlung des Staates, sie komplettiert sie, und sehr wenige Teilnehmer daran haben zum Ziel, sie zu ersetzen. Die Hoffnung, dass sich in der Ukraine eine direkte Demokratie dank der Selbstorganisation des Widerstandes verbreitet, st&#252;tzt sich auf keine konkrete Tatsache. Die Situation ist so, wie sie ist, es ist unm&#246;glich, die Bev&#246;lkerung bewaffnet zu besch&#252;tzen, ohne sich auf den Staat zu st&#252;tzen und ihn, ob man will oder nicht, zu st&#252;tzen. Es gibt kein neben dem Staat k&#228;mpfendes ukrainisches Volk, das nicht von ihm beherrscht oder flankiert w&#228;re. Diesbez&#252;glich ist die Anspielung auf den Spanienkrieg besonders ungl&#252;cklich: Im Sommer 1936 wurden jene Anarchisten, welche den Fortbestand einer b&#252;rgerlichen Regierung unter dem Vorwand akzeptierten, sie h&#228;tte nicht die wirkliche Macht gehabt, die sei in den H&#228;nden der den Krieg gegen Franco mithilfe ihrer autonomen Organisationen f&#252;hrenden Volksmassen gewesen, weniger als ein Jahr sp&#228;ter grausam widerlegt. Mai 1937 zeigte, wer die Macht hatte: Die Republik schlug die Radikalsten nieder, schaltete die Arbeitermilizen gleich, transformierte die aufst&#228;ndische Bewegung definitiv in einen Frontenkrieg und gewann somit die Partie gegen die Proletarier, bevor sie sie gegen Franco verlor.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es war 1914 nicht aus chauvinistischem Bellizismus, dass fast alle sozialistischen Parteien den Burgfrieden akzeptierten, sondern im Namen des Volksinteresses (und somit jenes des Proletariats) und somit seines Rechts, sich gegen den Invasor zu verteidigen. Einige empfehlen 2022, w&#228;hrend sie eingestehen, dass sich in der Ukraine zwei Imperialismen einander entgegenstehen, ein Lager (da demokratisch und angegriffen) gegen das andere (da diktatorisch und Angreifer) zu unterst&#252;tzen. Die Geschichte stottert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sind weder pazifistisch noch gewaltfrei: Der revolution&#228;re Umsturz der Gesellschaft erfordert Waffengewalt. Doch ein bewaffneter Kampf, sogar wenn er selbstorganisiert ist, reicht nicht, um die Grundlagen einer Gesellschaft in Frage zu stellen. Durch sich selbst wird eine Partisanenbewegung zwar, sogar wenn sie sehr zahlreich ist, zur feindlichen Niederlage beitragen, ohne jedoch dadurch eine Revolution auszul&#246;sen. Es ist nicht erstaunlich, dass die Priorit&#228;t f&#252;r gewisse unserer ukrainischen Genossen der R&#252;ckzug des Invasors ist, doch wenn sie sich davon eine tiefe gesellschaftliche Transformation erhoffen, so d&#252;rfte bezweifelt werden, dass die nationale Einheit sie beg&#252;nstigt: &#8222;Das Volk&#8220;, das alle Ukrainer klassenunabh&#228;ngig umfasst (nur die Kollaborateure mit dem Feind sind gegebenenfalls davon ausgeschlossen), wird sich nach dem Krieg nicht gegen die Interessen der Besitzenden wenden. Im besten Falle wird er einige Reformen zur Folge haben, sicher nicht eine breite direkte Demokratie oder Ver&#228;nderungen der Strukturen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es w&#228;re etwas anderes, wenn Gruppen auftauchen w&#252;rden, die sich an die Spitze des Widerstands in Richtung einer Situation der &#8222;Doppelmacht&#8220; setzen und schliesslich nicht nur der (ihrerseits von innen durch Tiefschl&#228;ge geschw&#228;chten oder gar von Meutereien untergrabenen) russischen Armee die Stirn bieten w&#252;rden, sondern auch jener eines ukrainischen Staates, welcher ebenfalls von innen in Frage gestellt wird. So weit sind wir nicht. Es gibt in der Ukraine nicht drei streitende Kr&#228;fte: der russische Invasor, die offizielle Armee und &lt;i&gt;dar&#252;ber hinaus&lt;/i&gt; einen autonomen Volkswiderstand, der in der Lage ist, sich auszuweiten. Er h&#228;tte &#252;brigens, insofern als er sich weder in die regul&#228;ren Truppen noch in die Territorialverteidigung einreiht, weder Zugang zu f&#252;r den Kampfausgang entscheidenden Waffen (z.B. Panzerabwehrraketen), noch zu einer unentbehrlich gewordenen Logistik (Munition, Treibstoff, Nahrung, Evakuierung der Verletzten usw.) und w&#252;rde nur eine Nebenrolle spielen. Der Widerstand und der Maquis trugen zur deutschen Niederlage bei, aber Frankreich wurde von den alliierten Armeen befreit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie jede schlimme Krise setzt ein Krieg die Grundlagen einer Gesellschaft in Bewegung, doch er l&#228;sst Br&#252;che wieder zusammenwachsen, genau wie er Spaltungen vertieft, und alles kann dabei herauskommen unter der Bedingung, dass es als L&#246;sung erscheinen kann: die bolschewistische Partei in Russland 1917, die Faschisten in Italien 1922. Der Schock eines Krieges f&#252;hrt nicht ipso facto zu einer Reaktion gegen den Krieg &#8211; die absolut entgegengesetzte Formen annehmen kann, revolution&#228;r, konservativ oder reaktion&#228;r. Genau vor hundert Jahren behauptete Lenin, der auf dem Gebiet des revolution&#228;ren Def&#228;tismus aus Erfahrung sprach, &#8222;die Vaterlandsfrage&#8220; sei dazu bestimmt, dass &#8222;die gewaltige Mehrheit der Werkt&#228;tigen [sie] unausweichlich zugunsten ihrer Bourgeoisie entscheiden wird&#8220;. Das vergangene Jahrhundert hat ihm eher recht gegeben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist im angreifenden Land, wo die Formel Liebknechts eine praktische Bedeutung hat. Nach 1918 unterbrachen die Hafenarbeiter verschiedener europ&#228;ischer L&#228;nder Waffenlieferungen an die weissen Russen. In kleinerem Massstab fiel 2003 w&#228;hrend des Irakkriegs in Grossbritannien eine Mobilisierung zur Blockade von Milit&#228;rbasen mit der Weigerung der Eisenbahner zusammen, Material f&#252;r die Armee zu transportieren. 2022 zerst&#246;rten russische Anarchisten Rekrutierungszentren der Armee, weissrussische Eisenbahner sabotierten Schienenstr&#228;nge, die den Transport von russischen Truppen und russischem Material in Richtung Ukraine sicherten, und die amerikanischen, schwedischen und britischen Hafenarbeiter leisteten Widerstand gegen die Entladung russischer Schiffe. Wenn diese Bewegungen weitergehen k&#246;nnten und sich in Russland und unter den Invasionstruppen eine Ablehnung eines aufgrund einer blockierten Situation auf dem Schlachtfeld und der R&#252;ckkehr zu vieler &#8222;Zinks&#228;rge&#8220; unbeliebten Krieges ausbreitet, dann w&#252;rden Meutereien oder gar Verbr&#252;derungen m&#246;glich. Bis heute (Juni 2022) ist es (noch?) nicht der Fall.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Otto R&#252;hle schrieb 1940: &#8222;Die Frage, mit der wir heute konfrontiert sind, ist, ob Liebknechts Losung &#8218;Der Hauptfeind steht im eigenen Land!&#8216; heute genauso gilt f&#252;r den Klassenkampf wie 1914.&#8220; Darauf antwortete er: &#8222;Unabh&#228;ngig davon, welchem Lager sich das Proletariat andient, wird es unter den Besiegten sein. Deshalb darf es sich weder auf die Seite der Demokratien noch auf die der Totalit&#228;ren stellen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;G.D., Juni 2022&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://www.troploin.fr/node/104&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;* * *&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Literaturverzeichnis&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r eine pr&#228;zise Analyse der Ausl&#246;sung und des Ablaufs des Krieges: Tristan Leoni, &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Tristan-Leoni-Adieu-Leben-Adieu-Liebe-Ukraine-Krieg-und-Selbstorganisation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;&lt;/a&gt;&lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Tristan-Leoni-Adieu-Leben-Adieu-Liebe-Ukraine-Krieg-und-Selbstorganisation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Adieu Leben, Adieu Liebe &#8230; Ukraine, Krieg und Selbstorganisation&lt;/a&gt;&lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Tristan-Leoni-Adieu-Leben-Adieu-Liebe-Ukraine-Krieg-und-Selbstorganisation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://troploin.fr/node/18&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;L'Appel du vide&lt;/a&gt;&#8220;, 2003.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://troploin.fr/node/26&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Demain, orage. Essai sur une crise qui vient&lt;/a&gt;&#8220;, 2007.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=2158&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;La Nation dans tout son &#233;tat&lt;/a&gt;&#8220;, 2019.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tristan Leoni, &lt;i&gt;Manu militari&lt;/i&gt;, Le Monde &#224; l'envers, 2020 (2018).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://communaut.org/de/ukraine-korrespondenzen-teil-i-und-ii&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Ukraine-Korrespondenz&#8220;, Teil 1&lt;/a&gt;, 18. M&#228;rz 2022.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jean-Numa Ducange, &lt;i&gt;Quand la Gauche pensait la Nation: Nationalit&#233;s et socialismes &#224; la&lt;/i&gt; &lt;i&gt;Belle &#201;poque&lt;/i&gt;, Fayard, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://archivesautonomies.org/spip.php?rubrique367&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Zu den Internationalisten des dritten Lagers, 1940-1952&lt;/a&gt; (&#8222;Gruppen, die sich mit der Verweigerung jeglicher Unterst&#252;tzung f&#252;r irgendein imperialistisches Lager auszeichnen&#8220;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Il Lato cattivo, &lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=19975&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Du moins, si l'on veut &#234;tre mat&#233;rialiste&#8220;&lt;/a&gt;, 2. M&#228;rz 2022.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://pcint.org/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Texte der Internationalen Kommunistischen Partei&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://communaut.org/de/fragmente-zum-krieg&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Krieg in der Ukraine &#8211; Fragmente einer Diskussion bei den Angry Workers&lt;/a&gt;&#8220;, 10. M&#228;rz 2022.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zur Ersten und Zweiten Internationalen in Anbetracht des Krieges 1870 und 1914, siehe Anh&#228;nge I und II von &lt;a href=&#034;https://troploin.fr/node/31&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;10 + 1 questions sur la guerre du Kosovo&#8220;&lt;/a&gt;, 1999-2010.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Karl Liebknecht, &lt;a href=&#034;https://www.marxists.org/deutsch/archiv/liebknechtk/1915/05/feind.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;&lt;/a&gt;&lt;a href=&#034;https://www.marxists.org/deutsch/archiv/liebknechtk/1915/05/feind.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Der Hauptfeind steht im eigenen Land!&#8220;&lt;/a&gt;, Mai 1915.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Friedrich Engels, &lt;a href=&#034;http://www.mlwerke.de/me/me21/me21_346.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;&lt;/a&gt;[Einleitung [zu Sigismund Borkheims Brosch&#252;re &#8218;Zur Erinnerung f&#252;r die deutschen Mordspatrioten. 1806-1807&#8216;]&#8220;-&gt;&lt;a href=&#034;http://www.mlwerke.de/me/me21/me21_346.htm&#034; class=&#034;spip_url spip_out auto&#034; rel=&#034;nofollow external&#034;&gt;http://www.mlwerke.de/me/me21/me21_346.htm&lt;/a&gt;], 1887.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Georges Haupt, &lt;i&gt;L'Historien &lt;/i&gt;&lt;i&gt;et&lt;/i&gt;&lt;i&gt; le &lt;/i&gt;&lt;i&gt;M&lt;/i&gt;&lt;i&gt;ouvement social&lt;/i&gt;, Maspero, 1980. Kapitel 6 und 7.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Rosa Luxemburg, &lt;a href=&#034;https://www.marxists.org/deutsch/archiv/luxemburg/1916/junius/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Die Krise der Sozialdemokratie (&#8222;Junius&#8220;-Brosch&#252;re)&lt;/a&gt;, 1915, Kapitel 8.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Lenin, &lt;a href=&#034;https://www.marxists.org/deutsch/archiv/lenin/1916/10/16-juniu.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;&#220;ber die &#8218;Junius&#8216;-Brosch&#252;re&#8220;&lt;/a&gt;, Juli 1916.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Timothy Snyder, &lt;i&gt;The Reconstruction of Nations. Poland, Ukraine, Lithuania, Belarus 1569-1999&lt;/i&gt;, Yale University Press, 2003.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Serhii Plockty, &lt;i&gt;The Gates of Europe. A History of Ukraine&lt;/i&gt;, Basic Books, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Norman Davies, &lt;i&gt;White Eagle, Red Star: The Polish-Soviet War 1919-20&lt;/i&gt;, Pimlico, 2003.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu Bandera: Stephen Dorril, &lt;i&gt;MI 6. Inside the Covert World of Her Majesty's Secret Service&lt;/i&gt;, Simon &amp; Schuster, 2002, Kapitel 14.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tim Judah, &lt;i&gt;In Wartime. Stories from Ukraine&lt;/i&gt;, Penguin, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Richard Sakwa, &lt;i&gt;Frontline Ukraine: Crisis in the Borderlands&lt;/i&gt;, Tauris, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Emmanuel Todd, &lt;i&gt;Weltmacht USA. Ein Nachruf&lt;/i&gt;, Piper Verlag, 2003 (2002).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Max Hastings, &lt;i&gt;Catastrophe 1914: Europe Goes to War&lt;/i&gt;, W. Collins, 2014. Von den Urspr&#252;ngen des Krieges bis Dezember 1914.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum Deichbruch des Gelben Flusses 1938: Rana Mitter, &lt;i&gt;China's War with Japan 1937-1945&lt;/i&gt;, Penguin, 2014, S. 157-162.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu den Beziehungen zwischen der NATO, Russland und der Ukraine: Tariq Ali, &#8222;Before the War&#8220;, &lt;i&gt;London Review&lt;/i&gt; &lt;i&gt;of Books&lt;/i&gt;, 24. M&#228;rz 2022.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zur milit&#228;rischen Strategie der USA: Jerry Broown, &#8222;Washington's Crackpot Realism&#8220;, &lt;i&gt;New York Review of Books&lt;/i&gt;, 24. M&#228;rz 2022.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zur M&#246;glichkeit eines Atomkrieges: Tom Stevenson, &#8220;A Tiny Sun&#8221;, &lt;i&gt;London Review of&lt;/i&gt; &lt;i&gt;Books&lt;/i&gt;, 24. Februar 2022.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Otto R&#252;hle, &lt;a href=&#034;https://www.marxists.org/archive/ruhle/1940/ruhle01.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Which Side to Take?&#8220;&lt;/a&gt;, 1940.&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Der Kaiser Wilhelm II. an den K&#246;nig der Belgier, November 1913.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;10 + 1 questions sur la guerre du Kosovo&#8220;, 1999.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Marina Owsjannikowa unterbricht die Fernsehnachrichten eines der russischen Hauptsender, 14. M&#228;rz 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;La Nation dans tout son &#233;tat&#8220;, 2019.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Internationale Kommunistische Partei, 24. Februar 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Marx, &lt;i&gt;Resultate des unmittelbaren Produktionsprozesses&lt;/i&gt;, 1867.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Richard Sawka.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Brief an Bebel, 22. Dezember 1882 in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 35, S. 416.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Friedrich Engels, &#8222;Einleitung [zu Sigismund Borkheims Brosch&#252;re &#8218;Zur Erinnerung f&#252;r die deutschen Mordspatrioten. 1806-1807&#8216;]&#8220; in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 21, S. 350-351.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Brief an Paul Lafargue, 25. M&#228;rz 1889 in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 37, S. 171.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Brief an Marx, 26. September 1851 in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 27, S. 353.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Brief an Bebel, 13. September 1886 in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 36, S. 526.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Lenin, &#8222;Die revolution&#228;ren Marxisten auf der internationalen sozialistischen Konferenz vom 5.-8. September 1915&#8220; in &lt;i&gt;Sozialdemokrat&lt;/i&gt;, Nr. 45/46, 11. Oktober 1915. Nach &lt;i&gt;S&#228;mtliche Werke&lt;/i&gt;, Bd. 18, Wien-Berlin 1929, S. 400-404.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Il Lato cattivo, 2. M&#228;rz 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Tristan Leoni - Adieu Leben, Adieu Liebe &#8230; Ukraine, Krieg und Selbstorganisation</title>
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		<dc:subject>Tristan Leoni</dc:subject>

		<description>
&lt;p&gt;So viel gutes Blut hat diese Erde getrunken, Blut von Arbeitern und Blut von Bauern, Weil die Banditen, die Kriege verursachen, Niemals dabei sterben, man t&#246;tet nur die Unschuldigen! &lt;br class='autobr' /&gt;
Um die Ungewissheit des Schlachtfeldes zu evozieren, sprach Clausewitz vom &#8222;Nebel des Krieges&#8220;, der Begriff k&#246;nnte genauso gut auf die mediale Lawine angewandt werden, die wir seit dem 24. Februar 2022 bez&#252;glich der Ukraine erleben. Die beiden Lager liefern sich einen ziemlich klassischen Propaganda- und (...)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Ukraine-Krieg" rel="tag"&gt;Ukraine-Krieg&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Tristan-Leoni" rel="tag"&gt;Tristan Leoni&lt;/a&gt;

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 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/arton82.jpg?1689210820' class='spip_logo spip_logo_right' width='111' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;So viel gutes Blut hat diese Erde getrunken,&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Blut von Arbeitern und Blut von Bauern,&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Weil die Banditen, die Kriege verursachen,&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Niemals dabei sterben, man t&#246;tet nur die Unschuldigen!&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Mont&#233;hus, La Butte rouge, 1923.&#034; id=&#034;nh2-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Um die Ungewissheit des Schlachtfeldes zu evozieren, sprach Clausewitz vom &#8222;Nebel des Krieges&#8220;, der Begriff k&#246;nnte genauso gut auf die mediale Lawine angewandt werden, die wir seit dem 24. Februar 2022 bez&#252;glich der Ukraine erleben. Die beiden Lager liefern sich einen ziemlich klassischen Propaganda- und Bilderkrieg, der auf noch nie dagewesene Art und Weise durch die sozialen Netzwerke verst&#228;rkt wird. Von diesem Standpunkt aus sind die Ukrainer im Vorteil; viele Bilder sind auf ihrer Seite verf&#252;gbar (aufgenommen von Zivilisten oder Journalisten), viel weniger auf russischer Seite (keine Smartphones f&#252;r die Soldaten, keine Zivilisten, kaum Journalisten). Daher kam am Anfang die &#220;berf&#252;lle an zerst&#246;rten russischen Fahrzeugen. Das ist es, was die Abendl&#228;nder (wir) sehen, doch es handelt sich nur &lt;i&gt;um einen Teil&lt;/i&gt; der Realit&#228;t. Umso mehr, weil die Algorithmen unsere jeweiligen kognitiven Verzerrungen verst&#228;rken, sie dr&#228;ngen uns dazu, jene Informationen zu beg&#252;nstigen, welche unsere Meinungen und Vorannahmen best&#228;tigen: Das ist das &#8222;Diagoras-Problem&#8220;, aber in Kriegszeiten wird dieses allt&#228;gliche Los exzessiv, erstickend. Es ist nicht einfach, die notwendige Distanz und einen gen&#252;gend k&#252;hlen Kopf zu bewahren, um zu verstehen, was geschieht, und eventuell dementsprechend zu handeln: Das ist es noch weniger, wenn man in einem kriegf&#252;hrenden oder am Krieg beteiligten Land lebt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Zwei glorreiche Halunken&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Keine Angst, die gehen raus.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ein ukrainischer Soldat, der einen franz&#246;sischen Journalisten bez&#252;glich (...)&#034; id=&#034;nh2-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Russland ist in der Ukraine eingefallen und nicht umgekehrt. Der Unterschied zwischen &#8222;Angreifer&#8220; und &#8222;Angegriffenen&#8220; ist jedoch, so wichtig er auch sein mag, kein hinreichendes Kriterium, um die Situation zu verstehen. Der Demokrat und der Autorit&#228;re, der Nette und der B&#246;se usw.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Am 28. Juli 1914 erkl&#228;rt das m&#228;chtige &#214;sterreich-Ungarn (50 Millionen Einwohner) nach der Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand dem kleinen Serbien (zehnmal weniger Einwohner) den Krieg. In den darauffolgenden Tagen treten alle europ&#228;ischen M&#228;chte durch das B&#252;ndnisspiel in den Krieg ein und eines der Argumente Frankreichs und Englands ist die Verteidigung des Schwachen gegen den Starken. &#8222;Niemand kann in gutem Glauben davon ausgehen, dass wir die Angreifer sind&#8220;, erkl&#228;rt Ren&#233; Viviani, Regierungschef einer sehr demokratischen franz&#246;sischen Republik, der das zwangsl&#228;ufig despotische und grausame Deutschland gerade den Krieg erkl&#228;rt hat. Obwohl die Sozialdemokraten (und sogar einige Anarchisten wie z.B. Kropotkin) aller L&#228;nder grossmehrheitlich diese Erz&#228;hlung und jeweils die Burgfriedenspolitik mittragen, verweigert sich die Sozialistische Partei Serbiens der Landesverteidigung und stimmt gegen die Kriegskredite. Im Jahr 1914 ist es selten, dass Revolution&#228;re nicht der Kriegspropaganda erliegen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Erw&#228;hnen kann man z. B. die Bolschewiken und die Menschewiken in Russland, (...)&#034; id=&#034;nh2-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber man kann die Ursachen des Ersten Weltkrieges nicht mehr auf diese Art und Weise erkl&#228;ren. Der Ausl&#246;ser oder ausl&#246;sende Zwischenfall eines Konflikts ist nur ein Element in einer viel komplexeren Gesamtsituation&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Im September 1939 erkl&#228;ren Grossbritannien und Frankreich Deutschland den (...)&#034; id=&#034;nh2-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Jedes Land kann legitimerweise behaupten, dass es sich verteidigt, das &#252;berfallene gegen den Invasoren nat&#252;rlich, aber auch der Invasor, der interveniert, um einen Dritten daran zu hindern, das &#252;berfallene Land zu besetzen, zu beherrschen oder zu manipulieren. Die UdSSR handelte 1956 in Ungarn so, Grossbritannien und Frankreich in &#196;gypten im gleichen Jahr, die USA in Vietnam, die UdSSR in Afghanistan usw. Die Schwachen existieren nur durch die Starken, die sie gegen andere Starke besch&#252;tzen, und jeder verteidigt sich, um seinen Nachbarn daran zu hindern, ihn anzugreifen oder als Basis daf&#252;r zu dienen.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie so viele vor ihm ist der sich heute auf dem ukrainischen Territorium abspielende Krieg Teil einer breiteren Konfrontation zwischen grossen Bl&#246;cken; und die Charakterisierung der beteiligten Regime (demokratisch oder nicht) ist (wie gewohnt) anekdotisch.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Westen beklagen gute Geister die Tatsache, dass w&#228;hrend dem Zerfall des Warschauer Pakts nach der Aufl&#246;sung der UdSSR 1991 die USA, statt die NATO aufzul&#246;sen, dieses milit&#228;rische B&#252;ndnis progressiv erweitert und sogar die meisten ehemaligen Satellitenstaaten der UdSSR daran beteiligt haben. Wie w&#252;rden die USA reagieren, falls Mexiko oder Kanada sich einem gegen sie gerichteten milit&#228;rischen B&#252;ndnis anschl&#246;ssen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Es gen&#252;gt, zum Zeitpunkt, wo wir diese Zeilen schreiben, die von den USA (...)&#034; id=&#034;nh2-5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;? Im Jahr 2022 hat die russische Invasion den Vorteil, die Ausweitung der NATO zu rechtfertigen und fortzusetzen (Schweden, Finnland).&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Problem liegt nicht hier. Es war selbstverst&#228;ndlich f&#252;r die USA (und ihre Verb&#252;ndeten), von der Gelegenheit des Verschwindens der UdSSR zu profitieren, um ihre Interessen durchzusetzen und die russische Macht zu beschr&#228;nken. Genau wie die UdSSR es in der Vergangenheit auch jedes Mal tat, wenn sie es konnte. Die Ukraine ist strategisch ein viel zu wichtiges Territorium (insbesondere der Osten und der S&#252;den des Landes), als dass das eine oder das andere Lager akzeptierte, es leichtfertig aufzugeben (Bev&#246;lkerungs- und somit proletarische Massen, Industrien, Bew&#228;sserung, etliche bestehende oder potenzielle Rohstoffe auch unter dem Schwarzen Meer, Zugang dazu und Kontrolle dar&#252;ber usw.).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Kein Krieg. Glaubt der Propaganda nicht. Hier werdet ihr belogen.&#8220; Es brauchte Mut f&#252;r Marina Owsjannikowa am 14. M&#228;rz 2022, um es zu wagen, &#246;ffentlich den von ihrem Land gef&#252;hrten Krieg zu verurteilen. Es ist fraglich, ob die Fernsehnachrichten eines grossen franz&#246;sischen Senders eines Tages um 20 Uhr durch eine unangebrachte Hinterfragung der westlichen Kriegspropaganda unterbrochen werden k&#246;nnen. Gibt es vielleicht mehr Pazifisten in Moskau als in Paris?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Rudyard Kipling hat vielleicht nie geschrieben, dass &#8222;die Wahrheit [&#8230;] das erste Opfer des Krieges [ist]&#8220;, &lt;i&gt;aber trotzdem&lt;/i&gt;&#8230; Man konnte freilich damit rechnen, aber es ist erstaunlich, die Geschwindigkeit festzustellen, mit welcher die Medien in jedem Land einen Konsens ausdr&#252;cken, welcher der Politik der Regierenden entspricht&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zu dieser Frage, mit den Beispielen der Kriege im Kosovo, im Irak, in (...)&#034; id=&#034;nh2-6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die mehr oder weniger allgemeine Akzeptanz der staatlichen Verwaltung der Covid-19-Krise seitens der Bev&#246;lkerungen hat minorit&#228;re und trotzdem mit einem gewissen Echo wiederholte Akte des Protestes nicht verhindert. Der Krieg hingegen erschafft nicht nur eine Unterwerfung, sondern eine Zustimmung &#8211; auf jeden Fall so lange sich der Konflikt nicht bis zu einem Punkt in die L&#228;nge zieht, wo die Ziele als immer weniger glaubw&#252;rdig erscheinen. Es ist n&#228;mlich bekannt, dass man 2022 nicht mehr Dutzende Millionen M&#228;nner einberuft: Man mobilisiert hunderte Millionen Zuschauer vor ihren Bildschirmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Paris oder in Marseille sind alle gegen den Krieg &#8211; aber w&#252;nschen sich den Sieg der Ukraine, fordern, dass man ihr mehr Waffen liefert oder sogar, dass man franz&#246;sische Soldaten dorthin schickt. Die &#8222;pazifistischen&#8220; Kundgebungen in den Farben Gelb und Blau sind ziemlich ruhig und &#252;berschaubar im Vergleich zu den heftigen Demonstrationen gegen den Krieg 2003, wo sich, man sollte es nicht vergessen, niemand den Sieg des Iraks w&#252;nschte, niemand schlug vor, Bagdad Waffen zu liefern, damit die amerikanischen Flugzeuge abgeschossen werden k&#246;nnen. Es ist wahr, dass diese sehr spezielle Spezialoperation offiziell zum Ziel hatte, das Land zu entbaathifizieren und zu demilitarisieren, gegen den Terrorismus zu k&#228;mpfen, ein Volk zu befreien und ihm die Demokratie zu bringen. Man verliert sich darin ein bisschen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Aber warum also?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;- Es ist ein Krieg gegen den Faschismus &#8230;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;- Es ist ein Krieg. Mit seinen tieferen Ursachen, seinen historischen Gr&#252;nden, seine Erkl&#228;rungen. Der Nationalismus, der Versailler Vertrag, die Rivalit&#228;ten zwischen expansionistischen Industriem&#228;chten.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Louis Mercier Vega, Reisende ohne Namen, Nautilus, 1997 (1936), S. 78.&#034; id=&#034;nh2-7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Warum also hat Russland diese Operation lanciert, deren Folgen katastrophal sein werden, auch f&#252;r Russland selbst? Was war sein Interesse?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schliessen wir zuerst die psychologisierenden oder pathologisierenden Erkl&#228;rungen aus, die im Moment sehr in Mode sind, sobald es darum geht, von einem Gegner zu sprechen; die Senilit&#228;t oder die geistige Verwirrung irgendeines politischen F&#252;hrers erkl&#228;ren nichts; schliessen wir auch die Personalisierung aus, denn man steht nie allein an der Spitze.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Geschichte zeigt uns, dass die Ausl&#246;sung des Krieges, dieses &#8222;Wahnsinns&#8220;, in Wirklichkeit zu einem gegebenen Zeitpunkt jene Option f&#252;r einen Staat ist, welche als die vern&#252;nftigste erscheint; doch die Interessen der F&#252;hrungsschichten unterscheiden sich stark von jenen der ehrlichen Leute und der Proletarier.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Halten wir zuerst fest, dass, obwohl die Drohung in der Luft lag, die Lancierung dieser Operation und allen voran ihr Ausmass fast die Gesamtheit der Beobachter und Spezialisten &#252;berraschten. Die Invasion der Ukraine war in Betracht gezogen und geplant worden (die F&#252;hrungsst&#228;be machen immer Pl&#228;ne f&#252;r die verschiedensten Situationen) und folgte auf riesige Man&#246;ver in Weissrussland. Aber es ist alles andere als sicher, dass die Operation wirklich &lt;i&gt;gew&#228;hlt&lt;/i&gt; wurde und noch weniger das Datum ihrer Lancierung; sie hat sich vielleicht den russischen Anf&#252;hrern &lt;i&gt;aufgedr&#228;ngt&lt;/i&gt; aufgrund einer komplexen Verkettung von Umst&#228;nden, welche die Konfrontation zwischen der NATO und Russland (vor allem seit 2014) als Rahmen haben und in welcher man folgende Elemente findet:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; die Rivalit&#228;t zwischen den USA und Russland bez&#252;glich der Energieversorgung Europas;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; die verst&#228;rkte Truppenstationierung durch die NATO in der Region in den letzten Jahren (baltische L&#228;nder, Polen und Rum&#228;nien);&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; vermehrte westliche Waffenlieferungen an die Ukraine 2021 und somit das Erstarken der ukrainischen Armee, die k&#252;nftig (aber wann?) stark genug sein k&#246;nnte, um die sezessionistischen Territorien im Donbass zur&#252;ckzuerobern oder zumindest um sich effizient einer erneuten russischen Invasion entgegenzustellen;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; die Entwicklung und das Scheitern der Verhandlungen &#252;ber den Status der Ukraine (Neutralit&#228;t? Demilitarisierung? Beitritt zur NATO?) und des Donbass (Autonomie? Unabh&#228;ngigkeit?), auch in den Wochen vor der Offensive;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; die Erkl&#228;rungen Joe Bidens, der, w&#228;hrend die USA die unmittelbar bevorstehende russische Invasion verurteilen, ank&#252;ndigt, er habe &#8222;nicht die Absicht, amerikanische oder NATO-Truppen in die Ukraine zu entsenden&#8220; (25. Januar 2022) &#8211; was in der Diplomatie als &#8222;genehmigt&#8220; interpretiert werden kann&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Man weiss heute, dass die amerikanische Diplomatie 1990, einige Wochen vor (...)&#034; id=&#034;nh2-8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; europ&#228;ische L&#228;nder, die als schwach, gespalten und zu abh&#228;ngig von Russland erscheinen, um gegen das Land neue Wirtschaftssanktionen zu verh&#228;ngen;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; Elemente, die wir nicht zur Verf&#252;gung haben &#8211; gewisse Experten sprechen von einem m&#246;glichen Sinneswandel Russlands zwischen dem 21. und dem 23. Februar;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; ein Gelegenheitsfenster, das sich zu schliessen scheint: &#8222;Jetzt oder nie!&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Betracht gezogen als M&#246;glichkeit und angedroht im diplomatischen Poker wurde die Invasion der Ukraine wahrscheinlich entschieden und dann verschoben, vielleicht mehrere Male; die finale Entscheidung wurde wahrscheinlich erst im letzten Moment getroffen, mehrere Wochen wurden verloren, was die sehr schlechten Wetterbedingungen w&#228;hrend der Periode der &lt;i&gt;rasputiza&lt;/i&gt; erkl&#228;rt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Verlauf der Operationen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Kein Plan &#252;berlebt die erste Feindber&#252;hrung.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Helmuth Karl Bernhard von Moltke, preussischer Generalfeldmarschall (1800-1891).&#034; id=&#034;nh2-9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Was die &#8222;informierten&#8220; Beobachter besonders &#252;berrascht, ist die Tatsache, dass es vor der russischen Bodenoffensive nur w&#228;hrend einigen Stunden zu Luft- und Raketenangriffen kam, welche Kasernen, Luftst&#252;tzpunkte, Luftabwehrsysteme und ukrainische Radarsysteme zum Ziel hatten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die amerikanische Armee und ihre westlichen Aushilfskr&#228;fte riskieren (...)&#034; id=&#034;nh2-10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der Rest ist die K&#252;hnheit des urspr&#252;nglichen Planes (der einem gewagten W&#252;rfelwurf in einem Kriegsspiel &#228;hnelt). Zu diesem Zeitpunkt ist das Ziel wahrscheinlich eine Kapitulation der Ukraine in einigen Tagen nach einer grossen Hubschrauberoperation gegen einen Flughafen in der Vorstadt Kiews zur &#214;ffnung eines Korridors f&#252;r ein schnelles Eindringen von Panzern, die Eroberung der Hauptstadt und der Sturz der Regierung. Obwohl die Fallschirmj&#228;ger sehr wohl den Flughafen erobern, scheitert die Operation, weil sie durch einen Gegenangriff niedergewalzt werden. Gleichzeitig &#252;berqueren an mehreren Punkten Panzerkolonnen die Grenzen und dringen &#252;berall ins Land ein, aber ohne Vorsicht oder Schutz, ohne taktische Luftunterst&#252;tzung und vor allem, eine andere &#220;berraschung, ohne Vorbereitung oder Artillerieunterst&#252;tzung; trotz der Tatsache, dass &#8222;die russische Armee&#8220; als Erbin der sowjetischen Doktrin &#8222;vorwiegend eine grosse rollende Artillerie und eine glatte Bomben abwerfende Luftschlagkraft ist&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Michel Goya.&#034; id=&#034;nh2-11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es kommt auch weder zur Zerst&#246;rung strategischer Standorte, noch der Infrastruktur zur Stromversorgung oder Kommunikation (in Serbien hatte die NATO 1999 die Kraftwerke und die Br&#252;cken angegriffen). Was auch immer die westlichen Medien sagen m&#246;gen, Russland f&#252;hrt in den ersten zwei Wochen seiner Offensive einen relativ &#8222;zur&#252;ckhaltenden&#8220; Krieg. Das kann durch den medialen Druck, aber auch durch den Willen Russlands erkl&#228;rt werden, die Infrastrukturen und die Schwerindustrie in jenen Gebieten zu erhalten, welche es annektieren m&#246;chte, und vor allem durch die Absicht, eine russischsprachige Bev&#246;lkerung zu schonen, von welcher es sich einen herzlichen Empfang erhofft und die es, so wird es offiziell behauptet, vom Nazijoch befreien will. Doch diese Strategie scheitert letztendlich. Die Analysen des russischen Nachrichtendienstes sind komplett falsch: Die Bev&#246;lkerung erweist sich als feindlich gegen&#252;ber den Soldaten und improvisiert manchmal Akte des bewaffneten Widerstandes (Wurf von Molotowcocktails). Zudem sieht sich die russische Invasion mit einer ukrainischen Armee konfrontiert, deren Widerstand viel hartn&#228;ckiger ist als geplant. Das liegt vorweg an der Tatsache, dass die russische Armee von keinem &#220;berraschungseffekt profitiert; obwohl die wochenlangen Man&#246;ver in Weissrussland offensichtlich Unruhe ausgel&#246;st haben, haben die Ukrainer von den amerikanischen Nachrichtendiensten die pr&#228;zisen Details der bevorstehenden Operation erhalten und sich darauf vorbereitet, besonders indem die Truppen und das Material zur Begrenzung der Effekte der ersten russischen Bombenangriffe zerstreut worden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die russischen Panzer- und Versorgungslastwagenkolonnen, die vorr&#252;cken, als ob das Gebiet bereits erobert gewesen w&#228;re, sind mit einer heftigen Guerilla konfrontiert; sie sind ein erlesenes Ziel, weniger f&#252;r bewaffnete Zivilisten als f&#252;r kleine Gruppen von (besonders mit den gef&#252;rchteten amerikanischen oder schwedischen Panzerabwehrraketen Javelin oder NLAW&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Bis zum 23. Februar 2022 waren Einheiten der amerikanischen, britischen (...)&#034; id=&#034;nh2-12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) schwer ausger&#252;steten Milit&#228;rangeh&#246;rigen oder Kampfdrohnen (t&#252;rkische Bayraktar). Das Fortschreiten wird scheinbar auch durch einen Treibstoff-, Nahrungs- oder gar Munitionsmangel gebremst, d. h. durch eine schwache Logistik und/oder zumindest teilweises unvorbereitetes Handeln. Daher kommt eine relativ tiefe Kampfmoral, v.a. nach wochenlangen erm&#252;denden Man&#246;vern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach zwei Wochen K&#228;mpfen, als das Tauwetter und der Schlamm sich ausbreiten und die Stellungen erstarren, beginnen die Angreifer damit, die Artillerie viel weniger gem&#228;ssigt zu benutzen, besonders gegen die Vororte der belagerten St&#228;dte, wo die ukrainische Infanterie positioniert ist. Die russische Luftwaffe wird weiterhin kaum benutzt, sie scheint &#252;ber nur wenig Pr&#228;zisionsmunition zu verf&#252;gen, sie muss also auf Sicht und bei klarem Wetter schiessen, aber das Wetter ist schlecht und die H&#246;chstgrenze sehr tief, die Flugzeuge sind also in der Reichweite der ukrainischen MANPADS (Flugabwehr-Lenkwaffen), welche ihnen heftige Sch&#228;den zuf&#252;gen. Zudem kommt der ukrainischen Armee sehr schnell eine bedeutende Unterst&#252;tzung der NATO zugute, sei es materiell (massive und zunehmende Lieferungen von Waffen und Ausr&#252;stung), hinsichtlich der Ausbildung (dort oder in westlichen L&#228;ndern), logistisch (dort&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Gewisse amerikanische oder britische Spezialkr&#228;fte tendieren leidigerweise (...)&#034; id=&#034;nh2-13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;), aber auch nachrichtendienstlich&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;W&#228;hrend die westlichen &#220;berwachungssatelliten im Einsatz sind, gilt das (...)&#034; id=&#034;nh2-14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sehr schnell sprach man von einem Scheitern oder einer L&#228;hmung der russischen Armee&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wenn man den franz&#246;sischen Medien glauben m&#246;chte, bombardieren die (...)&#034; id=&#034;nh2-15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, ohne jedoch die urspr&#252;nglichen Ziele des Kremls zu kennen; es existiert &#252;brigens ein Unterschied zwischen den politischen Absichten und den milit&#228;rischen Zielen, die weitgreifender als erstere sein m&#252;ssen, um die Bem&#228;chtigung von Stellungen zu erlauben, welche bei k&#252;nftigen Verhandlungen als Tauschobjekt dienen werden. Die Invasion der gesamten Ukraine ist wahrscheinlich nicht das Projekt des Kremls: zu teuer, zu komplex (besonders um das Territorium zu besetzen), w&#228;hrend es f&#252;r ihn praktischer w&#228;re, eine auf ihren westlichen Teil reduzierte Ukraine aufrechtzuerhalten (sei es nur, um dort die Millionen Fl&#252;chtlinge und die Russland am feindlichsten gesinnten Bev&#246;lkerungen aufzunehmen). Die mehr oder weniger verschleierte Annexionsabsicht neuer Provinzen (&#246;stliches Dnieprufer, ein Teil oder die Gesamtheit der Schwarzmeerk&#252;ste) ist wahrscheinlicher. Auf jeden Fall kann Russland, wenn es die Dem&#252;tigung (gegen&#252;ber der Welt und seiner Bev&#246;lkerung) vermeiden will, seine Operation nicht unterbrechen, bevor es nicht ein Minimum an strategischen Stellungen erobert hat.&lt;i&gt; &lt;/i&gt;&#8222;Putin hat auf ein Pferd gesetzt. Er ist eine Wette eingegangen, er hat sie in der ersten Runde verloren. Bis wann wird er den Einsatz erh&#246;hen, um nicht mit leeren Taschen abziehen zu m&#252;ssen? Genau darum geht es. Und der Westen muss verstehen, dass er nicht mit leeren Taschen abziehen kann, denn wenn er den Eindruck hat, dass er mit leeren Taschen abziehen k&#246;nnte, wird er den Einsatz erh&#246;hen. Das ist die Fata Morgana des Sieges, die alle Anf&#252;hrer ergreift, die sich in einer milit&#228;rischen Operation engagieren.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;General Vincent Desportes zitiert im Artikel &#8222;Guerre en Ukraine : quelle (...)&#034; id=&#034;nh2-16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ende M&#228;rz, als sich die L&#228;hmung best&#228;tigt und ein allzu schm&#228;hliches Scheitern verhindert werden muss, ziehen sich die russischen Truppen aus den rund um Kiew eroberten Gebieten und dem Norden des Landes zur&#252;ck und verschieben sich wieder in den Osten. Von nun an bezeichnet der Kreml als Ziel die Vollendung der Eroberung des Donbass und die Sicherstellung einer territorialen Kontinuit&#228;t zwischen diesem Territorium und der Krim, vielleicht sogar mit Transnistrien. Daf&#252;r kn&#252;pfen die russischen Einheiten wieder an ihre klassische Doktrin an und r&#228;umen der Vorbereitung durch Artillerie und die Bombenangriffe aus der Luft einen grossen Platz ein. Ende April r&#252;cken diese Truppen zwar langsam aber methodisch vor; die sowohl mechanische als auch menschliche Konfrontation ist heftig, umso mehr, weil das Kr&#228;fteverh&#228;ltnis nun relativ ausgeglichen ist. Moskau, mit in diesem Krieg ziemlich wenig mobilisierten M&#228;nnern, ungef&#228;hr 200&#8216;000 (gegen 200&#8216;000 bis 300&#8216;000 auf Seiten Kiews), profitiert von einer gewissen &#220;berlegenheit in der Luft (die von den gegnerischen Flugabwehrraketen beschr&#228;nkt wird) und bez&#252;glich der Artillerie (die von den starken Befestigungen der Verteidiger beschr&#228;nkt wird). Wenn es Moskau nicht schafft, den Widerstand im Donbass zu zerschlagen, wird Russland eine andere L&#246;sung finden m&#252;ssen, um nicht das Gesicht zu verlieren &#8211; umso mehr, weil einige nun schon von der M&#246;glichkeit einer Umkehrung der Situation und ukrainischen Offensiven gegen Transnistrien oder die Krim sprechen. Da scheinbar sehr wenige L&#228;nder auf eine Beruhigung der Lage hinarbeiten &#8211; ganz im Gegenteil &#8211;, ist die Gefahr einer Eskalation heute sehr wohl real.&lt;/p&gt;
&lt;h2 class=&#034;spip&#034;&gt;Die Selbstorganisation der Bev&#246;lkerung&lt;/h2&gt;&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Es gibt nunmehr keine Gr&#252;nde mehr, zu k&#228;mpfen, wir haben keine Armee mehr, weder du noch ich, nur noch verschiedenfarbige Lumpen, die bloss noch Uniformen heissen. Wie sehen wir jetzt aus in diesen Lumpen? Es gibt keine Grenzen mehr, keine Regierungen, keine edlen Sachen, somit keine Gr&#252;nde mehr, zu k&#228;mpfen &#8230;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Montgomery Pittman, &#8222;Tag 1 des Jahres 6&#8220;, erste Episode der dritten (...)&#034; id=&#034;nh2-17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Wir haben es gesehen, Russland hatte einen warmen Empfang in den russischsprachigen Regionen im Osten und im S&#252;den des Landes erwartet, doch das Gegenteil geschah. In den ersten Tagen wurde das Gewicht, sei es in den b&#252;rgerlichen Medien oder in den aktivistischen Netzwerken, auf die Mobilisierung der ukrainischen Bev&#246;lkerung gelegt; diese scheint uns zu zwei verschiedenen Feldern zu geh&#246;ren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zuerst einmal die grundlegende materielle Solidarit&#228;t in Anbetracht des Desasters: Unterst&#252;tzung und Beherbergung f&#252;r Fl&#252;chtlinge, die aus den Kampfgebieten fliehen (sie stehen unten an der T&#252;r und kommen aus der Nachbarstadt), Hilfe f&#252;r Verletzte und Leute, die unter den Tr&#252;mmern eines Hauses versch&#252;ttet sind usw. Man organisiert sich so gut es geht, koordiniert mit den Notdiensten, der lokalen Verwaltung, einer NGO oder schlicht mit Nachbarn. Diese Handlungen wurden manchmal als erste Anzeichen f&#252;r eine bei kontinuierlicher Ausbreitung und St&#228;rkung zwangsl&#228;ufig emanzipatorische Selbstorganisation der Proletarier interpretiert. Das scheint uns sehr &#252;bertrieben, diese Handlungen sind auf die bei menschlichen Wesen ziemlich g&#228;ngigen minimalen Reflexe gegenseitiger Hilfe zur&#252;ckzuf&#252;hren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und es gibt eine Mobilisierung, die man martialisch nennen k&#246;nnte und die Vereitelung der russischen Offensive zum Ziel hat. Auch hier organisiert man sich, so gut es eben geht, w&#228;hrend die staatlichen Dienste komplett &#252;berlastet sind: K&#252;nstler, die eine Werkstatt zur Herstellung von Molotowcocktails ins Leben rufen, Restaurantbesitzer, die eine Kantine zur Ern&#228;hrung der Soldaten er&#246;ffnen, Unternehmen, die auf die Herstellung von Panzersperren umstellen, Frauen, die gemeinsam Tarnnetze n&#228;hen, Rentner, die Sands&#228;cke f&#252;llen, Einwohner, die Barrikaden bauen, usw.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was f&#252;r Leute (uns), die den Krieg nicht gewohnt sind, frappierend ist, sind die Zivilisten, die anstehen, um die Uniform der Territorialverteidigung (TV), eines Zweiges der ukrainischen Armee, der aus Reservisten und Freiwilligen besteht, zu tragen und sich ihr anzuschliessen. Zehntausende Sturmgewehre werden an die Bev&#246;lkerung verteilt, Knackis werden gegen ihre Teilnahme an den K&#228;mpfen freigelassen usw. Sehr schnell mangelt es an Waffen und Material, nicht an Freiwilligen; am Anfang m&#252;ssen jene, welche sich engagieren, gr&#246;sstenteils selbst und auf eigene Kosten in Gesch&#228;ften f&#252;r Milit&#228;rausr&#252;stung einkaufen gehen (Drilch, Canvas, Helm, kugelsichere Weste usw.). Was die folgenden betrifft, besonders jene, welche sich auf Wartelisten gesetzt haben, verlangt die Regierung priorit&#228;r von ihnen, ausser wenn sie milit&#228;rische Erfahrung haben, weiterhin zu arbeiten, eine andere wesentliche Form des Widerstands.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der taktische Nutzen derartig zusammengesetzter Einheiten ist, man wird es verstehen, eher gering, doch die Rolle der TV ist es vorwiegend, den am besten ausgebildeten Soldaten die undankbarsten und zeitaufwendigen Aufgaben abzunehmen: &#220;berwachung hinter der Front (Lagerh&#228;user, Br&#252;cken usw.), Patrouillen in den St&#228;dten, Durchsetzung der Ausgangssperre und Kampf gegen Pl&#252;nderungen. Allen &#8222;Ausw&#252;chsen&#8220; sind T&#252;r und Tor ge&#246;ffnet: Die Checkpoints und Identit&#228;tskontrollen h&#228;ufen sich (unter der Vollmacht eures Nachbarn, Lebensmittelh&#228;ndlers oder Arbeitskollegen), die aufmerksamen B&#252;rger &#252;berwachen und denunzieren, man verfolgt die verd&#228;chtigen Zivilisten (Spione, Saboteure, Prorussen?), die verhaftet und wer weiss wohin transferiert werden f&#252;r die Befragung usw. Da die Gerichte nicht mehr funktionieren, ist es die TV, die manchmal eine Eiljustiz praktiziert, besonders gegen Diebe und Pl&#252;nderer (jene, welche nicht an Ort und Stelle umgebracht werden, werden mitten auf der Strasse mit bis zu den Fusskn&#246;cheln heruntergelassenen Hosen in der eisigen K&#228;lte an einen Pfosten gekn&#252;pft).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ohne einen einf&#228;ltigen Pazifismus verherrlichen zu wollen, scheinen uns die manchmal beobachteten Demonstrationen von Zivilisten mit dem Ziel der Blockierung der Fahrbahnen und Panzerkolonnen durch eine gewaltfreie Aktion interessanter (solche Dinge sah man auch im Iran 1979, in Peking 1989, in Slowenien 1990). Aber einmal mehr, was hier zum Ausdruck kommt, ist nicht eine tief verwurzelte Ablehnung des Krieges, ein etwas naiver Pazifismus, sondern ein tiefgehender Nationalismus; man h&#228;lt dort nicht Friedensfahnen hoch, sondern eben die ukrainische Flagge. Mit dieser Krise beobachten wir wahrscheinlich &#8222;live&#8220; die Vollendung des Aufbaus dieser ukrainischen Nation, die das Produkt eines mit der Unabh&#228;ngigkeit entstandenen Prozesses ist: Eine Bev&#246;lkerung, die sich unabh&#228;ngig von ihrer Sprache pl&#246;tzlich ihrer historischen, kulturellen oder gar religi&#246;sen Besonderheiten bewusst wird (die noch von Moskau abh&#228;ngige orthodoxe Kirche trennt sich heute davon) und die &#252;ber die Klassen hinweg stolz auf sich ist &#8211; auch wenn diese Besonderheiten in Anbetracht der Geschichte sehr k&#252;nstlich erscheinen m&#246;gen und sie bei Gelegenheit frei erfunden werden (wie nach dem Zerfall Jugoslawiens 1990). Es werden sich jene finden lassen, welche das ber&#252;hrend finden. Auf jeden Fall scheint es etliche westliche Humanisten und Sozialdemokraten, die gew&#246;hnlich f&#252;r Nationalismus eher unempf&#228;nglich sind, nicht zu st&#246;ren; ein prachtvolles Beispiel daf&#252;r ist der Filmemacher Mathieu Kassovitz, der einem Journalisten erkl&#228;rt, dass die Ukrainer, die er gut kenne, &#8222;im guten Sinne ultranationalistisch&#8220; seien, &#8222;d. h. sie sind stolz auf ihr Land und wollen es unbedingt besch&#252;tzen&#8220;. Das Gleiche scheint f&#252;r gewisse linksradikale franz&#246;sische Aktivisten zu gelten (f&#252;r welche im Allgemeinen die Tatsache, an einer Demonstration eine Trikolore zu schwenken, ein Zeichen f&#252;r Faschismus ist). Doch es gibt schon ukrainische Anarchosyndikalisten, die einen &#8222;befreienden und kreativen Nationalismus&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Perrine Poupin, &#8222;L'irruption de la Russie en Ukraine. Entretien avec un (...)&#034; id=&#034;nh2-18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; bewerben!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein nationalistisches Empfinden, das logischerweise einhergeht mit der Unterst&#252;tzung der Bev&#246;lkerung f&#252;r ihre Armee, eine leidenschaftliche und schon alte Unterst&#252;tzung, verbunden mit einem Verh&#228;ltnis zur Virilit&#228;t, das anders ist, als jenes, welches wir in Westeuropa kennen, was &#8222;nat&#252;rlich&#8220; diese Bereitschaft erkl&#228;rt, zu den Waffen zu greifen, um &lt;i&gt;sein&lt;/i&gt; Land zu verteidigen, obwohl &#8222;die Ausbildung, der Unterhalt und die Bewaffnung der ukrainischen Armee zusammen mit den Kreditanforderungen des IWF die strukturelle Ursache f&#252;r K&#252;rzungen bei Krankenh&#228;usern, Schulen und Universit&#228;ten sowie f&#252;r die Armutsrenten und die fehlenden Lohnerh&#246;hungen im &#246;ffentlichen Sektor sind&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Ukraine-Korrespondenzen&#8220;, erster Teil.&#034; id=&#034;nh2-19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Denn die Verteidigung seines Landes ist allen voran, erinnern wir daran, gleichbedeutend mit der Verteidigung der Interessen seiner Bourgeoisie gegen jene der Bourgeoisie gegen&#252;ber.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das mit dem Land, dem Blut und der Demokratie verbundene Hochgef&#252;hl hat jedoch einige Grenzen. Seit dem Beginn der Invasion ist die Wehrpflicht angeordnet worden, sie macht die Zwangsrekrutierung aller M&#228;nner zwischen 18 und 60 Jahren m&#246;glich, dazu kommt ein Verbot, das Land zu verlassen &#8211; denn alle Ukrainer wollten sich scheinbar nicht in der Armee oder der TV engagieren. Es gibt tats&#228;chlich Widerspenstige und Deserteure; einige versuchen, sich zu verstecken, falsche Papiere zu erhalten, ins Ausland zu fliehen; die Kontrollen an der Grenze f&#252;r &lt;i&gt;die Ausreise&lt;/i&gt; von Fl&#252;chtlingen sind also kein Zufall. Andere engagieren sich vorsichtig in ihrer lokalen TV, hinter der Front, um nicht unter Zwang in eine Einheit integriert zu werden, die sich an K&#228;mpfen beteiligt. Ihr Ungl&#252;ck ist, dass die Lieferungen der NATO (z.B. zehntausende Helme und kugelsichere Westen) die Ausr&#252;stung einer steigenden Anzahl von Rekruten (und Mitgliedern der TV) und ihren Transfer an die gef&#252;rchtete Ostfront erlauben &#8211; daher kommt ziemlich mechanisch eine steigende Anzahl an Widerspenstigen und vielleicht sogar die ersten Demonstrationen gegen die Wehrpflicht (in Chust, im Westen des Landes).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch die Regierung, obwohl die Ukraine einige Wochen der Unentschlossenheit erlebt hat, hat die Dinge ziemlich schnell in die Hand genommen, vornehmlich, das muss man zugeben, dank der Unterst&#252;tzung ihrer B&#252;rger. Sie haben sich nicht gegen den Staat oder aufgrund seiner Abwesenheit selbst organisiert, sondern um zu verhindern, dass er aufgrund der russischen Offensive zusammenbricht. Das ist eine ziemlich &#8222;normale&#8220; Reaktion in einem Land, das ein starkes Gef&#252;hl der nationalen Einheit kennt und zu diesem Zweck durch eine improvisierte Propaganda formatiert worden ist. Das best&#228;tigt einmal mehr, dass die Selbstorganisation nicht an sich revolution&#228;r ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was tun &#8211; unter den Bomben?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Singend &#246;ffnet uns der Sieg die Schranke;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Die Freiheit lenkt unsere Schritte.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Marie-Joseph Ch&#233;nier, Chant du d&#233;part, 1794.&#034; id=&#034;nh2-20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Wir sind nicht in der Situation der Ukrainer und auch nicht in jener der in der Ukraine lebenden Anarchisten oder Kommunisten; es ist schwierig, zu wissen, was man dort tun sollte, ihr Handeln unmittelbar einzusch&#228;tzen, denn (was auch immer unsere Ideen sein m&#246;gen) wir wissen nicht, wie wir an ihrer Stelle reagieren w&#252;rden; der historische Abstand erlaubt h&#228;ufig diese Art von Urteilen, denn es ist einfach, die Wahrheit zu kennen, wenn man die Fortsetzung und das Ende der Ereignisse kennt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Aber was h&#228;tten wir in Frankreich im August 1914 oder im Juni 1940 (...)&#034; id=&#034;nh2-21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Sollten unsere ukrainischen Genossen nur aufgrund ihrer Situation als &#8222;direkt Betroffene&#8220; dennoch von jeglicher Kritik ausgenommen sein? Zwar geht ihre T&#228;tigkeit nur sie etwas an, aber zumindest der damit verbundene, an uns gerichtete und in Frankreich aufgegriffene Diskurs verdient eine ganz andere Aufmerksamkeit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Reaktionen der &#8222;radikalen&#8220; ukrainischen Aktivisten scheinen sehr verschieden, manchmal widerspr&#252;chlich. Einige antimilitaristische und pazifistische Genossen halten an revolution&#228;r-defaitistischen Positionen fest, aber die Propaganda daf&#252;r scheint in der Ukraine nicht minder riskant zu sein als in Russland. Andere engagieren sich in der Unterst&#252;tzung f&#252;r Fl&#252;chtlinge oder Verletzte&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe besonders den Blog Une autre guerre.&#034; id=&#034;nh2-22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was jedoch in Frankreich f&#252;r viel &#220;berraschung sorgte, ist die Tatsache, dass man durch einige Texte und Zeugenberichte erfuhr, dass ukrainische Anarchisten sich in der Armee oder der TV engagiert haben. Einige Gruppen scheinen dadurch von den Waffenverteilungen profitiert zu haben, um Kampfeinheiten aufzubauen; eine Brosch&#252;re spricht von der Kreation &#8222;zweier Kampfgruppen&#8220;; etwa 20 Aktivisten in Drilchen und mit Kalaschnikows posieren auf einem Foto rund um eine schwarze Fahne mit einem A im Kreis, die Legende des Bildes erw&#228;hnt vorsichtig, dass diese Gruppen &#8222;einen gewissen Grad an Autonomie haben&#8220; innerhalb der TV &#8211; was, man wird es verstanden haben, einen gewissen Grad an Unterordnung bedeutet&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Entre deux feux. Recueil provisoire de textes d'anarchistes d'Ukraine, de (...)&#034; id=&#034;nh2-23&#034;&gt;23&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Sogar nach einer kurzen Periode des Chaos ist es n&#228;mlich offensichtlich, dass die Armee versucht, die Gruppen bewaffneter Zivilisten zu kontrollieren, v.a. wenn sie sich offen auf eine politische Ideologie berufen, die a priori kaum mit staatlicher Autorit&#228;t kompatibel ist. Dennoch bestehen die anarchistischen oder antifaschistischen Milit&#228;reinheiten wahrscheinlich aus nicht mehr als einigen Dutzend lokalen K&#228;mpfern (einige Dutzend aus dem Westen haben sich ihnen vielleicht angeschlossen), in einem Gebiet, wo zwei gigantische Armeen, mehrere hunderttausend M&#228;nner, miteinander konfrontiert sind&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-24&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wir benutzen das Wort M&#228;nner als &#252;berholtes Synonym f&#252;r Soldaten, denn die (...)&#034; id=&#034;nh2-24&#034;&gt;24&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; &#8230; Zur Erinnerung, das ber&#252;hmte Regiment Asow &#8211; einer der milit&#228;rischen Arme der etlichen rechtsextremen ukrainischen Organisationen &#8211; ist eine permanente Einheit der TV, sie besteht aus mehreren tausend K&#228;mpfern und verf&#252;gt &#252;ber Panzer.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die ersten erfolgreichen Hinterhaltsszenen gegen einen russischen Konvoi f&#252;hrten dazu, dass einige glaubten, dass die russische Armee, sollte der ukrainische Staat zusammenbrechen, mit einer breiten und popul&#228;ren Guerilla konfrontiert sein w&#252;rde, bestehend aus lokal agierenden autonomen Gruppen; Gruppen, die gewiss mehrheitlich von einem patriotischen Empfinden getrieben werden, doch inmitten welcher anarchistische Gruppen sich vielleicht geschickt aus der Aff&#228;re ziehen und eine einflussreiche Rolle spielen k&#246;nnten &#8230; Man vergisst dabei, dass ein solcher Widerstand, um effizient zu sein, besonders strukturiert, diszipliniert und finanziert sein und die Unterst&#252;tzung von anderen Staaten erhalten muss.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch nach einigen Tagen, die von spektakul&#228;ren Aktionen einer von kleinen Einheiten (von den Amerikanern f&#252;r diese Art von Aktion ausgebildeter) professioneller Soldaten angef&#252;hrten Technoguerilla gepr&#228;gt waren, hatten die K&#228;mpfe sehr schnell einen eher klassischen Charakter, jenen eines Zusammenstosses zwischen breiten und schwer ausger&#252;steten Einheiten, innerhalb welcher die Koordination, die Bewegung, die Befestigungen, die Artillerieduelle und die Munitions- und Treibstofffl&#252;sse zentral werden. Was ist in diesem Mahlstrom aus den anarchistischen &#8222;Kampfgruppen&#8220; geworden? Es ist kaum wahrscheinlich, dass sich ihre &#8222;Autonomie&#8220; vergr&#246;ssert hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wieso sich also engagieren? In mehreren Texten berichten die ukrainischen Anarchisten und Radikalen, dass sie in den Ereignissen &#8222;ins Gewicht fallen&#8220;, bereit &#8222;f&#252;r den Fall der F&#228;lle&#8220; und nicht abgeschnitten vom Rest der Gesellschaft sein wollen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-25&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Wenn wir abseits der zwischenstaatlichen Konflikte verbleiben, verbleiben (...)&#034; id=&#034;nh2-25&#034;&gt;25&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; sie erkl&#228;ren, dass sie sich an der Verteidigung dieser &#8222;Gesellschaft&#8220; beteiligen, aber nat&#252;rlich nicht an jener des Staates, und wenn &#252;brigens einige erkl&#228;rt haben, dass sie ihren Kampf gegen den Staat auf Eis gelegt haben, dann nur in der Optik, ihn umso heftiger wieder aufzunehmen, wenn der Frieden einmal zur&#252;ckgekommen ist. Zuerst den Krieg gewinnen, danach auf die Revolution hinwirken &#8211; der Refrain ist bekannt. Obwohl sie offensichtlich keine Lehren aus dem russischen B&#252;rgerkrieg oder dem Spanienkrieg ziehen, erw&#228;hnen einige zur Rechtfertigung die Erinnerung an die Kriege vor den russischen Revolutionen 1905 und 1917 &#8211; man kann auch an 1871 denken &#8211; oder auch die mutmassliche Rolle des Afghanistankrieges f&#252;r den Zusammenbruch der UdSSR. Doch es ist, obwohl der Ablauf der Kriege und besonders ihre Folgen eine Revolution ausl&#246;sen k&#246;nnen, notwendig, dass die Situation schon sehr reif ist; das ist alles andere als mechanisch. Und v.a. erkennt man nicht wirklich, inwiefern die Tatsache, sich aktiv durch das Engagement in einer der betreffenden Armeen an einem solchen Konflikt zu beteiligen, irgendetwas &#228;ndert&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-26&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wie viele Proletarier, welche die Uniform einer sehr wenig demokratischen (...)&#034; id=&#034;nh2-26&#034;&gt;26&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Historisch schloss sich die &#252;berw&#228;ltigende Mehrheit der Proletarier bei jedem kriegerischen Konflikt ihrem nationalen Kapital und jener imperialistischen Front an, zu welcher sie geh&#246;rten (w&#228;hrend der Epoche des Imperialismus ist jedes Kapital potenziell imperialistisch, genau wie jeder Krieg definitionsgem&#228;ss imperialistisch ist). Erst wenn der Konflikt sich bis zu einem Punkt verl&#228;ngerte &#8211; &#252;ber die Erwartungen eben dieser Regierungen hinaus, welche ihn unterst&#252;tzt hatten &#8211;, wo die Auswirkungen auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen sich heftig zeigten, stellten sie sich mehr oder weniger entschlossen dagegen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-27&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ein italienischer Genosse von Il lato cattivo, &#8222;Du moins, si l'on veut (...)&#034; id=&#034;nh2-27&#034;&gt;27&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es soll trotzdem daran erinnert werden, dass die Geschichte mit Kriegen gespickt ist und dass in fast allen F&#228;llen ihre Folgen f&#252;r die Proletarier katastrophal sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;K&#246;nnte Russland unter dem Druck eines proletarischen &#220;berdrusses oder einer proletarischen Revolte nach seiner Armee zusammenbrechen? Die schwache Moral der Invasionstruppen liess anfangs einige glauben, es wehe ein Wind der Meutereien &#252;ber der russischen Armee im Einsatz, das war nicht der Fall. Der R&#252;ckzug der Kr&#228;fte rund um Kiew verlief &#252;brigens in bester Ordnung und die im April lancierte Offensive im Donbass zeigt, dass die Irrungen und Fehler der ersten Wochen korrigiert worden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gab freilich pazifistische Demonstrationen in mehreren St&#228;dten Russlands, doch ein grosser Teil der &#246;ffentlichen Meinung (auch gewisse Parteien der Opposition) unterst&#252;tzt dort die laufende Invasion. Man weiss, dass ein &#228;usserer Krieg im Allgemeinen ein gutes Mittel ist, um die B&#252;rger wieder hinter einer Regierung zu vereinen und sie die allt&#228;glichen Probleme unter einem Schwall an Propaganda vergessen zu lassen (siehe z.B. den Krieg in Libyen 2011). Obwohl die Bev&#246;lkerungen in diesem Kontext aufgrund der Wirtschaftssanktionen verarmen, f&#252;hren diese h&#228;ufig dazu, dass das Nationalgef&#252;hl und somit das herrschende Regime gest&#228;rkt wird (Kuba, Irak usw.).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn aufgrund einer Verl&#228;ngerung des Krieges die russische Regierung geschw&#228;cht w&#228;re, sich eine proletarische Revolte abzeichnen w&#252;rde und die Repression ineffizient w&#228;re, w&#252;rde die F&#252;hrungsschicht dennoch versuchen, den Protest zu einer politischen Alternative hinzulenken: entweder extrem (seitens der Falken des Kremls, die finden, dass es der Invasion an Entschiedenheit mangelt) oder demokratisch (ohne jedoch f&#252;r den Ziehsohn des Westens zu optieren).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wahrscheinlichkeit einer Revolte scheint in der Ukraine noch geringer. Wir haben gesagt, was wir &#252;ber die Selbstorganisation der B&#252;rger auf der Grundlage eines Nationalgef&#252;hls denken; der Staat ist davon gest&#228;rkt worden, genau wie die Regierung bis jetzt durch ihre Krisenverwaltung legitimiert ist. Eine grosse Volksbewegung, die das Nationalgef&#252;hl st&#228;rkt, ist von Natur aus interklassistisch und konterrevolution&#228;r.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist schwer, vorauszusagen, ob der Demokratisierungsprozess trotzdem gest&#228;rkt werden wird. Bis jetzt beobachtet man v.a. eine (wahrhafte) Militarisierung der Gesellschaft, die Zensur der Medien, das Verbot der linken Oppositionskr&#228;fte, eine Jagd auf die Widerspenstigen usw.; es sind insbesondere die nationalistischen und reaktion&#228;ren Kr&#228;fte, die R&#252;ckenwind haben, was in der Ukraine nichts Neues ist. W&#228;re Anatole France noch am Leben, w&#252;rde er die Sache wohl so zusammenfassen: &#8222;Man glaubt, f&#252;r die Demokratie zu sterben, man stirbt f&#252;r die Industriellen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man k&#246;nnte sich fragen, wieso so viele Zeilen dieser Frage gewidmet werden, obwohl die Rolle der ukrainischen Anarchisten und Radikalen in diesem Konflikt letztendlich ziemlich unbedeutend ist. Das Interesse eines Themas misst sich erst einmal nicht an der Anzahl beteiligter Personen. Weiter sprechen auch viele b&#252;rgerliche Medien und offensichtlich die sozialen Netzwerke von diesem Engagement; die Aktivisten vor Ort kommunizieren ausgiebig und ihre Prosa trifft auf ein gewisses Echo in Frankreich; es w&#228;re also nicht erstaunlich, wenn die Figur des anarchistischen K&#228;mpfers in der Ukraine nach jener des kurdischen Soldaten in Rojava zur Referenz bez&#252;glich politischer Radikalit&#228;t w&#252;rde. Das w&#228;re unserer Meinung nach &#8211; man wird es verstanden haben &#8211; sehr bedauerlich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was tun &#8211; in Frankreich?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Zun&#228;chst einmal, sich nicht von der Unmittelbarkeit der Ereignisse, von der Propaganda, von allzu bequemen Vereinfachungen, mitrei&#223;en zu lassen. Es gibt Zeiten, da hat man keinerlei Einflu&#223; auf den Lauf der Dinge. Es ist besser, sich dessen bewu&#223;t zu sein und nicht die eigene Ohnmacht hinter wildem Herumgefuchtel zu verbergen oder, schlimmer noch, auf einen Zug zu springen, der nicht der unsere ist.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-28&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Louis Mercier Vega, op. cit., S. 77-78.&#034; id=&#034;nh2-28&#034;&gt;28&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Das Problem ist, dass man konkret nicht viel tun kann. Am klassischsten und am ehesten vereinbar mit den alten Prinzipien des revolution&#228;ren Def&#228;tismus, zumindest wenn man denkt, dass die Proletarier kein Vaterland haben, w&#228;re der Kampf hier gegen unsere eigene Bourgeoisie. Das w&#228;re logisch, denn Frankreich ist praktisch Kriegspartei. W&#228;hrend diese internationalistische revolution&#228;re Position von verschiedenen anarchistischen, ultralinken, linkskommunistischen oder sogar trotzkistischen Gruppen oder Gruppierungen weiterhin verteidigt wird, ist es alles andere als sicher, dass sie unter den Aktivisten und Bewegungsanh&#228;ngern eine Mehrheit hat. Man kennt den aktuellen Zustand des Klassenkampfes in Frankreich; daher einmal mehr ein trostloses Gef&#252;hl der Ohnmacht. Es scheint tats&#228;chlich, dass das Pflichtgef&#252;hl, etwas zu tun, je schlechter die Zeiten sind, umso st&#228;rker ist: Es w&#252;rde darum gehen, effizient zu sein, &#8222;einen Einfluss&#8220; auf das Reale &#8222;zu haben&#8220;, obwohl die revolution&#228;re Bewegung vielleicht noch nie so wenig davon hatte&#8230; Daher kommt diese Anziehung f&#252;r die fernen Kampffelder und die Notwendigkeit, auf die Gefahr hin, Kompromisse zu akzeptieren, ein Lager zu w&#228;hlen, und, ausser bei schlechtem Gewissen, die moralische Verpflichtung, jenen zu helfen, welche eben genau etwas tun, was auch immer. Ein auf Twitter gefundener bissiger Kommentar betreffend des Aufrufs von Genossen, an den letzten Pr&#228;sidentschaftswahlen teilzunehmen (indem man f&#252;r einen linken Kandidaten stimmt) k&#246;nnte ebenfalls auf einen Teil der Positionsbez&#252;ge zum Ukraine-Krieg zutreffen: &#8222;Diese Leute denken wirklich, dass ihr Aufruf [&#8230;] einen Bruch mit ihrem gewohnten Aktivismus darstellt, w&#228;hrend er in Wirklichkeit die logische Folge davon ist.&#8220; Bissig &#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was also tun? Es ist schwierig, zu demonstrieren, wie es gewisse Libert&#228;re f&#252;r Rojava getan hatten, um von der NATO Waffenlieferungen zu verlangen &#8211; es werden bereits tausende Tonnen davon geliefert, begleitet von Milliarden von Dollars. Es ist schwierig, die Entsendung, wie es dennoch einige Humanisten tun, franz&#246;sischer Soldaten vor Ort zu verlangen oder gar die Durchsetzung einer Flugverbotszone oberhalb der Ukraine, Akte, die gleichbedeutend mit einer Kriegserkl&#228;rung an Russland w&#228;ren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Sichtweise vom Lager des Guten, das von jenem des B&#246;sen angegriffen wird (viel weniger subtil als in den Werken Tolkiens), hat die Notwendigkeit zur Folge, &#252;ber &lt;i&gt;gute&lt;/i&gt; Armeen zu verf&#252;gen, jene, welche aufmarschieren, um die Demokratie und &#8222;unsere Werte&#8220; zu verteidigen, und somit die N&#252;tzlichkeit der NATO&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-29&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Da es um Werte und Demokratie geht, ist es immer angemessen, daran zu (...)&#034; id=&#034;nh2-29&#034;&gt;29&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; und die Wichtigkeit konsequenter Verteidigungsbudgets und eines leistungsf&#228;higen und innovativen milit&#228;risch-industriellen Komplexes, der seinen chinesischen und russischen Pendants voraus ist. Man muss wissen, was man will.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Burgfrieden rund um die Figur der Demokratie und allgemeiner um das Lager des Guten ersetzt offensichtlich jenen, welcher damals um das Vaterland geschlossen werden konnte; man pr&#228;sentiert die Patrioten &#8211; die zur Not von den Nationalisten unterschieden werden k&#246;nnen &#8211; besser als Freiheitsk&#228;mpfer, als &lt;i&gt;freedom fighters&lt;/i&gt;. Eine Logik, die mittlerweile auch die radikalsten Aktivistenmilieus erreicht hat&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-30&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Nach dem Krieg gegen Serbien ver&#246;ffentlicht Claude Guillon Dommages de (...)&#034; id=&#034;nh2-30&#034;&gt;30&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; &#8211; es ist festzuhalten, dass auch eine vertraulichere Tendenz existiert, die aus ziemlich prim&#228;rem Antiamerikanismus die Positionen Moskaus verteidigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sollen die Anarchisten und Antifas, die in den Reihen der ukrainischen Armee k&#228;mpfen, (finanziell) unterst&#252;tzt werden? Wenn einige diese Entscheidung treffen und Partys und Konzerte organisieren, so tendieren sie allgemein dazu, den milit&#228;rischen Charakter der Frage kleinzureden, und wagen, wahrscheinlich ein bisschen geniert, ungewisse lexikalische Verrenkungen: Irgendeine Aktivistenzeitschrift, die 2016 den Aufbau einer Nationalgarde der Reservisten in Frankreich verurteilt hatte, r&#252;hmt heute die Verdienste jener, welche in der Ukraine existiert; man spricht &#252;brigens eher von &#8222;Widerstand&#8220;, &#8222;bewaffneten Freiwilligen&#8220; oder, Spanien 1936 evozierend, einer &#8222;Milizstruktur&#8220; (obwohl sich hier zwei nationalistische Lager bek&#228;mpfen), man relativiert das Gewicht der extremen Rechten, die jedoch in der Armee Kiews sehr pr&#228;sent ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-31&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Man relativiert, w&#228;hrend in Frankreich Marine Le Pen oder &#201;ric Zemmour (...)&#034; id=&#034;nh2-31&#034;&gt;31&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; usw. Man &#252;bersetzt und verbreitet Texte, die von der Situation sprechen, mit einem leichten Unbehagen und viel Nachsicht, vielleicht sogar mit einer Spur jener Herablassung, welche sich betreffend der Kurden in Syrien &#228;usserte, mit dem Unterschied, dass es in der Ukraine nicht mal den Anschein einer Illusion einer gesellschaftlichen Ver&#228;nderung gibt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was einmal mehr den Standpunkt und die Analyse verzerrt, ist offensichtlich die Tatsache, dass Menschen die &lt;i&gt;Entscheidung&lt;/i&gt; treffen, zu den Waffen zu greifen, ihr Leben zu riskieren, w&#228;hrend wir &#252;ber sie eingesunken in einem malvenfarbenen Sofa diskutieren. Und das Prestige der Uniform, des K&#228;mpfers, des Typen, der mit einem Sturmgewehr hantiert &#8211; den man m&#252;helos kritisiert, wenn es sich um die extreme Rechte handelt &#8211; kann auch bei den Anh&#228;ngern der gesellschaftlichen Emanzipation existieren (von Spanien bis nach Rojava via Nicaragua).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Deserteure unterst&#252;tzen? Das ist zumindest eine klassische revolution&#228;re T&#228;tigkeit in Zeiten des Krieges (Netzwerke organisieren, um die Grenzen zu &#252;berqueren, falsche Papiere erhalten, Fl&#252;chtige beherbergen), die eher in den angrenzenden L&#228;ndern praktizierbar ist. In Frankreich sieht man freilich Transparente und Unterst&#252;tzungsinitiativen f&#252;r die &#8222;russischen Deserteure, Widerspenstigen und Verweigerer&#8220;, aber nicht, so scheint es, f&#252;r ihre ukrainischen Pendants, deren Anzahl allerdings steigt. Die Situation kann sich entwickeln, aber bis jetzt erinnert sie uns daran, dass jene Kurden im Krieg in Syrien, welche den obligatorischen Milit&#228;rdienst in den YPG verweigerten, im entscheidenden Moment vergessen wurden, obwohl zahlreiche von ihnen in die grossen europ&#228;ischen St&#228;dte fl&#252;chteten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-32&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Was die Deserteure der franz&#246;sischen Armee betrifft, belaufen sie sich auf (...)&#034; id=&#034;nh2-32&#034;&gt;32&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir wiederholen es, es geht hier f&#252;r uns nicht darum, die Art und Weise zu kritisieren, wie Leute auf die Bombardierung ihrer Stadt oder ihres Landes reagieren, sondern gegebenenfalls um die an uns gerichteten Diskurse und v.a. jene &#252;ber sie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bereitschaft ist mittlerweile im Aktivistenmilieu solide verankert, &#252;berall revolution&#228;res &#8222;Potenzial&#8220; zu sehen, v.a. wenn die Region weit weg und exotisch ist &#8211; ein Standpunkt, der hier besonders an den Haaren herbeigezogen ist. Doch jenseits dieses Reflexes sind die Gespenster, welche die ukrainische Frage auf sehr verf&#252;hrerische Art und Weise und vielleicht offener als andere &#8222;Operationsfelder&#8220; heimsuchen, nichts anderes als der Militarismus, der Nationalismus und das Konzept des Burgfriedens, morbide Varianten des Interklassismus. Ideologien, von denen sogar die erfahrensten und theoretisch bewandertsten Aktivisten mitgerissen werden k&#246;nnen, wenn die Umst&#228;nde passen, die Geschichte hat es auf traurige Art und Weise gezeigt. Es ist aber so, dass wir keine Bombenangriffe erdulden m&#252;ssen, dass in unseren Strassen keine K&#228;mpfe stattfinden und dass wir nicht Gefahr laufen, jede Minute get&#246;tet zu werden. Wir haben also keine Entschuldigung, keine Entschuldigung, um den Kopf zu verlieren. Wir k&#246;nnen von relativ komfortablen Rahmenbedingungen profitieren, um ruhig &#252;ber die laufenden Ereignisse nachzudenken. Es w&#228;re falsch, sie nicht zu missbrauchen, denn diese Rahmenbedingungen verschwinden vielleicht schneller als wir glauben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die R&#252;ckkehr des Krieges&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-33&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zu diesen Fragen sei auf unser Buch verwiesen: Manu militari ? (...)&#034; id=&#034;nh2-33&#034;&gt;33&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;&lt;i&gt;He said Son, don't you understand now&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-34&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Bruce Springsteen, Born in the USA, 1984.&#034; id=&#034;nh2-34&#034;&gt;34&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Implizit evoziert die Formel die R&#252;ckkehr des Krieges &lt;i&gt;in Europa&lt;/i&gt;. Doch war er je weg? Der Unterschied ist, dass es 2022 eher das Zentrum Europas betrifft denn seine Peripherie, wie es in den 1990er Jahren in Ex-Jugoslawien bis zur Offensive der NATO gegen Serbien 1999 der Fall war. Wer k&#246;nnte heute an der Tatsache zweifeln, dass diese Kriege letztendlich sowohl f&#252;r die Europ&#228;ische Union (EU) als auch f&#252;r die NATO sehr vorteilhaft waren, sei es nur f&#252;r die Integration neuer Mitglieder&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-35&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Abgesehen vom Jackpot, welcher der Krieg f&#252;r den milit&#228;risch-industriellen (...)&#034; id=&#034;nh2-35&#034;&gt;35&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Sarajevo mag n&#228;her bei Paris liegen als Kiew, aber Serbien hat nie die Vorherrschaft der USA und der EU &#252;ber Europa in Frage gestellt; genau das tut jedoch heute Russland. Im Gegensatz zum Schicksal Bosniens damals ist die Frage der Ukraine zentral, denn sie ber&#252;hrt den Kern Europas, wo sich eines der wichtigsten industriellen, finanziellen und gesch&#228;ftlichen Zentren der Welt befindet. Sie ist zentral, denn ihretwegen sind mit die wichtigsten M&#228;chte, auch Atomm&#228;chte, miteinander konfrontiert, sie mobilisiert betr&#228;chtliche mechanische und menschliche Kr&#228;fte &#8211; falls es eine R&#252;ckkehr geben sollte, dann jene des Krieges hoher Intensit&#228;t &#8211; und sie hat jetzt schon gigantische wirtschaftliche Auswirkungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gegenw&#228;rtig ist der wahrscheinlichste Ablauf und jener, welcher der &#8222;vern&#252;nftigste&#8220; w&#228;re, dass Russland kurzfristig die Eroberung der Oblaste des Donbass vollendet, dass die K&#228;mpfe aufh&#246;ren, dass Verhandlungen beginnen und auf ein Friedensabkommen und die Aufnahme dieser Regionen in die F&#246;deration Russlands hinauslaufen; eine territoriale Anpassung, die 2021 durch Verhandlungen h&#228;tte erreicht werden k&#246;nnen und heute sowohl f&#252;r die Russen als auch die Ukrainer vorteilhaft w&#228;re. Niemand m&#246;chte n&#228;mlich, dass der Krieg sich in die L&#228;nge zieht und Russland wie in Afghanistan steckenbleibt. Niemand, ausser die USA, aber es sind eben genau sie, welche &#252;ber die Fortsetzung der Ereignisse entscheiden werden. Werden sie sich f&#252;r die Gew&#228;hrung eines armseligen Sieges Russlands entscheiden, darauf achten, dass der Konflikt noch ein paar weitere Monate andauert oder k&#228;mpfen bis zum letzten ukrainischen Soldaten?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrenddessen akkumulieren sich die schon vor der Invasion betr&#228;chtlichen milit&#228;rischen Lieferungen der NATO an die Ukraine zu Tausenden von Tonnen Stahl und Milliarden von Dollars. Aber nicht nur. Ein seit schon mehreren Jahren f&#252;hlbarer Prozess beschleunigt sich pl&#246;tzlich. Obwohl Russland gerade seine Schw&#228;chen gezeigt hat, werden wir eine Erh&#246;hung der Milit&#228;rbudgets in den EU- und NATO-L&#228;ndern beobachten k&#246;nnen, sie dr&#228;ngen sich schon, um ihre Bestellungen an die Milit&#228;rindustrie der USA aufzugeben (Panzer, Kampfflugzeuge usw.). Letztere sind &lt;i&gt;bis jetzt&lt;/i&gt; die grossen Gewinner des Krieges. W&#228;hrend das Grab der Milit&#228;rindustrien des alten Kontinents gegraben wird, wird auch die Idee der europ&#228;ischen Verteidigung letztendlich zugunsten einer wieder belebten NATO begraben. Etliche L&#228;nder optieren nunmehr offen f&#252;r ihre Unterjochung unter Washington. Eine freiwillige (und sehr teure) Unterwerfung, die nur unterbrochen werden k&#246;nnte, wenn z. B. eine neue Milit&#228;rmacht in Europa entst&#252;nde, doch das ist eher unwahrscheinlich, denn eine der Funktionen der NATO ist es, eben genau das zu verhindern&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-36&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Gem&#228;ss den Worten ihres ersten Generalsekret&#228;rs, Lord Ismay, besteht die (...)&#034; id=&#034;nh2-36&#034;&gt;36&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Unter den &#252;berraschenden Konsequenzen des Krieges in der Ukraine muss die Remilitarisierung Deutschlands unterstrichen werden, es k&#252;ndigt schon zus&#228;tzliche Mittel von 100 Milliarden Euro f&#252;r das Jahr 2022 an (f&#252;r ein Verteidigungsbudget von ungef&#228;hr 50 Milliarden, jenes Frankreichs betr&#228;gt 40 Milliarden); eine Investition, die sich bis jetzt nur durch Bestellungen amerikanischen Materials konkretisiert. Die Angelegenheit sollte man im Auge behalten &#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige westliche Regierungen w&#228;ren freilich versucht, Russland in der Ukraine festfahren zu lassen und zu ruinieren, doch es sollte vermieden werden, dass die am Rande beteiligten M&#228;chte in eine milit&#228;rische Eskalation hineinschlittern, dass der Konflikt ausartet, sich ausbreitet und letztendlich die NATO, und somit die USA, zu einer direkten Beteiligung verpflichtet; wie im Falle eines Zwischenfalls rund um Kaliningrad und den Suwalki-Korridor (z.B. des Versuches einer Blockade) oder einer Invasion der baltischen Staaten durch ein in &#228;usserste Bedr&#228;ngnis geratenes Russland. Das w&#228;re nicht zwangsl&#228;ufig gleichbedeutend mit einem Atomkrieg, aber vielleicht mit der Tatsache, dass die Amerikaner ihrerseits in Europa steckenbleiben, was nicht sehr zweckm&#228;ssig w&#228;re, denn der Dritte Weltkrieg muss im Pazifik stattfinden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-37&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die gigantischen Waffenlieferungen an die Ukraine, welche die USA planen, (...)&#034; id=&#034;nh2-37&#034;&gt;37&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Frage ist also: Wie weit kann man gehen, ohne zu weit zu gehen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn man von den Toten auf dem Schlachtfeld absieht (was f&#252;r die kapitalistische Klasse nie ein Problem darstellt), ist der prinzipielle Kollateralschaden dieser Geschichte offensichtlich die Anerkennung der Tatsache, dass Russland mit Europa gebrochen hat, um sich nach Asien und besonders nach China hinzuwenden. Schade? Die tr&#252;gerische Idee einer Ann&#228;herung und dann eines B&#252;ndnisses zwischen der EU und Russland (was seine Demokratisierung h&#228;tte beg&#252;nstigen k&#246;nnen) ist vom Tisch. Die Bl&#246;cke konstituieren und formalisieren sich. Dabei besteht das Risiko, dass der Krieg in der Ukraine, trotz all dem Grauen, das er mit sich bringt, nur ein Scharm&#252;tzel ist, das kurz- oder mittelfristig Konflikte in einem anderen Ausmass ank&#252;ndigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Zwischenzeit zahlen immer die gleichen die Zeche, die Proletarier: Vertiefung der Krise, verst&#228;rkter internationaler Wettbewerb und verst&#228;rkte Ausbeutung, Inflation, Erh&#246;hung der Milit&#228;rbudgets, die nichts anderes als Steuererh&#246;hungen und weniger &#246;ffentliche Dienste (Gesundheit, Bildung usw.) bedeuten kann usw. Es wird lokale Revolten geben, besonders in Frankreich, aber nichts bis anhin, was die kapitalistische Ordnung ersch&#252;ttern oder die zwischenstaatlichen Spannungen beilegen k&#246;nnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir k&#246;nnen allerdings wetten, dass die Regierung und die Medien, sollten sich Frankreich und seine Armee in den n&#228;chsten Monaten oder Jahren viel direkter an einem Krieg hoher Intensit&#228;t (so wie jener, welcher die Ukraine erdulden muss) beteiligen, uns erkl&#228;ren werden, dass es um die Verteidigung der Gerechtigkeit, des Rechts und der Demokratie geht, wie 1914! Was werden wir also tun, um koh&#228;rent zu sein?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tristan Leoni, 8. Mai 2022&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=3423&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb2-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Mont&#233;hus, La Butte rouge, 1923.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ein ukrainischer Soldat, der einen franz&#246;sischen Journalisten bez&#252;glich Artilleriefeuer beruhigt, &lt;i&gt;Le Figaro&lt;/i&gt;, 4. M&#228;rz 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Erw&#228;hnen kann man z. B. die Bolschewiken und die Menschewiken in Russland, Karl Liebknecht und dann Otto R&#252;hle in Deutschland. Zu diesem Thema, siehe die Brosch&#252;re &lt;a href=&#034;https://quatre.zone/2022/04/01/les-anarchistes-contre-la-guerre/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Les anarchistes contre la guerre. 1914-2022&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Im September 1939 erkl&#228;ren Grossbritannien und Frankreich Deutschland den Krieg, letzteres ist soeben in Polen eingefallen. Einige Monate sp&#228;ter planen die beiden L&#228;nder eine bedeutende Milit&#228;roperation gegen die prinzipielle Verb&#252;ndete des Dritten Reiches, die UdSSR, die ihrerseits soeben Finnland angegriffen hat. Es handelt sich um die Operation Pike, ein ausgedehntes Programm von Bombenangriffen auf die Erd&#246;lquellen von Baku; die deutsche Offensive vom 10. Mai 1940 f&#252;hrt zur Aufgabe des Projekts.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Es gen&#252;gt, zum Zeitpunkt, wo wir diese Zeilen schreiben, die von den USA an den Tag gelegten Anstrengungen zur Verhinderung der Unterzeichnung eines Verteidigungsabkommens zwischen den Salomon-Inseln und China zu beobachten.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zu dieser Frage, mit den Beispielen der Kriege im Kosovo, im Irak, in Afghanistan und in Libyen, siehe: Serge Halimi, Mathias Reymond (et al.), &lt;a href=&#034;https://agone.org/livres/lopinioncasetravaille&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;L'opinion, &#231;a se travaille&#8230; Les m&#233;dias et les &#8220;guerres justes&#8221;&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Agone, 2006.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Louis Mercier Vega, &lt;i&gt;Reisende ohne Namen&lt;/i&gt;, Nautilus, 1997 (1936), S. 78.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Man weiss heute, dass die amerikanische Diplomatie 1990, einige Wochen vor der Invasion Koweits durch die Truppen Saddam Husseins, ihren irakischen Amtskollegen verstehen liess, dass die USA im Falle einer Milit&#228;roperation dieser Art nicht intervenieren w&#252;rden.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Helmuth Karl Bernhard von Moltke, preussischer Generalfeldmarschall (1800-1891).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die amerikanische Armee und ihre westlichen Aushilfskr&#228;fte riskieren ihrerseits im Allgemeinen keinen Bodeneinsatz, bevor sie nicht die feindlichen Stellungen und St&#228;dte w&#228;hrend Wochen oder Monaten bombardiert haben (Irak 1991, Serbien 1999, Irak 2003, Mossul 2017 usw.). Was die Armeen wirklich voneinander unterscheidet, ist das Verh&#228;ltnis zum Tod, zu jenem ihrer eigenen Soldaten.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Michel Goya.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Bis zum 23. Februar 2022 waren Einheiten der amerikanischen, britischen und kanadischen Spezialkr&#228;fte offiziell in der Ukraine pr&#228;sent, um die Soldaten f&#252;r den Einsatz dieser Waffen auszubilden; sie verlassen das Land einige Stunden vor der russischen Offensive.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Gewisse amerikanische oder britische Spezialkr&#228;fte tendieren leidigerweise dazu, sich verf&#252;gbar zu zeigen und sogleich eine neue Nationalit&#228;t anzunehmen, die ukrainische in diesem Falle. Journalisten haben z.B. gezeigt, dass es die Amerikaner sind, welche das Engagement der ausl&#228;ndischen Freiwilligen in der ukrainischen Armee verwalten und kontrollieren. Siehe R&#233;gis Le Sommier, &#8222;Avec des volontaires fran&#231;ais&#8220; in &lt;i&gt;Le Figaro magazine&lt;/i&gt;, 8. April 2022, S. 55-57.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;W&#228;hrend die westlichen &#220;berwachungssatelliten im Einsatz sind, gilt das gleiche f&#252;r die elektronischen Aufkl&#228;rungsflugzeuge und -drohnen der NATO, die seit dem Beginn der Invasion den ukrainischen Grenzen und den russischen Hoheitsgew&#228;ssern entlangfliegen (man sieht sie manchmal auf der Homepage &lt;a href=&#034;https://www.flightradar24.com/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Flightradar24&lt;/a&gt;) und Kiew in Echtzeit f&#252;r die K&#228;mpfe entscheidende Informationen liefern.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wenn man den franz&#246;sischen Medien glauben m&#246;chte, bombardieren die russischen Truppen nur Schulen, Kinderkrippen, Entbindungsstationen und Krankenh&#228;user &#8211; man kann also verstehen, dass sie M&#252;he haben, den ukrainischen Kr&#228;ften beizukommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geh&#246;rt zu den Eigenschaften der modernen Kriege, dass sie sich in st&#228;dtischem Gebiet abspielen, somit inmitten der Zivilisten, in ihren Wohnungen und Arbeitspl&#228;tzen. Und wenn die ukrainischen Truppen einen Ort von den Russen zur&#252;ckerobern, dann nachdem sie die gleichen Methoden wie sie benutzt haben, fast das gleiche Material (ohne die Luftwaffe) und fast die gleiche Doktrin.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r einen seri&#246;sen und technischen Standpunkt, siehe z. B. Gaston Erlom, &#8222;Force ou faiblesses de l'arm&#233;e russe&#8220; in &lt;i&gt;Raids&lt;/i&gt;, Nr. 430, S. 29-42.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;General Vincent Desportes zitiert im Artikel &#8222;&lt;a href=&#034;https://video.lefigaro.fr/figaro/video/guerre-en-ukraine-quelle-est-la-strategie-militaire-de-poutine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Guerre en Ukraine : quelle est la strat&#233;gie militaire de Poutine ?&lt;/a&gt;&#8220; in &lt;i&gt;Le Figaro&lt;/i&gt;, 3. M&#228;rz 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Montgomery Pittman, &#8222;Tag 1 des Jahres 6&#8220;, erste Episode der dritten Staffel von &lt;i&gt;The Twilight Zone&lt;/i&gt;, 1961.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Perrine Poupin, &#8222;&lt;a href=&#034;https://mouvements.info/leruption-de-la-russie-en-ukraine/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;L'irruption de la Russie en Ukraine. Entretien avec un volontaire de la d&#233;fense territoriale de Kiev&lt;/a&gt;&#8220; in &lt;i&gt;Mouvements&lt;/i&gt;, 29. M&#228;rz 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://communaut.org/de/ukraine-korrespondenzen-teil-i-und-ii&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Ukraine-Korrespondenzen&lt;/a&gt;&#8220;, erster Teil.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Marie-Joseph Ch&#233;nier, &lt;i&gt;Chant du d&#233;part&lt;/i&gt;, 1794.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Aber was h&#228;tten wir in Frankreich im August 1914 oder im Juni 1940 wirklich getan? Zu diesen Fragen sei die Lekt&#252;re des Buches von Louis Mercier Vega, &lt;i&gt;Reisende ohne Namen&lt;/i&gt; oder jenes von Pierre Lanneret, &lt;a href=&#034;https://archivesautonomies.org/spip.php?rubrique367&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Les Internationalistes du &#8222;troisi&#232;me camp&#8220; pendant la Seconde Guerre mondiale&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;&lt;/i&gt; (Acratie, 1995) empfohlen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe besonders den Blog &lt;a href=&#034;https://uneautreguerre.wordpress.com/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Une autre guerre&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-23&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-23&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;23&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Entre deux feux. Recueil provisoire de textes d'anarchistes d'Ukraine, de la Russie et de la Bi&#233;lorussie &#224; propos de la guerre en cours&lt;/i&gt;, 13. M&#228;rz 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-24&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-24&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-24&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;24&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wir benutzen das Wort M&#228;nner als &#252;berholtes Synonym f&#252;r Soldaten, denn die streitenden Kr&#228;fte scheinen f&#252;r die j&#252;ngsten westlichen Entwicklungen hinsichtlich der Geschlechterrollen kaum empf&#228;nglich zu sein. Hier, obwohl wir in Europa sind, ist das Schema viel klassischer: Jene, welche k&#228;mpfen, sind M&#228;nner (ausser vielleicht einige wenige Ausnahmen in der TV) und jene, welche fliehen, sind Frauen, Kinder und Alte.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-25&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-25&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-25&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;25&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Wenn wir abseits der zwischenstaatlichen Konflikte verbleiben, verbleiben wir abseits der wirklichen Politik. Es handelt sich heute um einen der bedeutendsten gesellschaftlichen Konflikte, die in unserer Region stattfinden. Wenn wir uns von diesem Konflikt isolieren, isolieren wir uns vom gegenw&#228;rtigen gesellschaftlichen Prozess. Wir m&#252;ssen uns also auf die eine oder andere Weise daran beteiligen.&#8220; Siehe &#8222;&lt;a href=&#034;https://fr.crimethinc.com/2022/02/03/ukraine-entre-deux-feux-des-anarchistes-de-la-region-a-propos-de-la-menace-de-guerre-imminente&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Entretien : 'Les anarchistes et la guerre en Ukraine'&lt;/a&gt;&#8220;.&lt;br class='manualbr' /&gt;&#8222;[&#8230;] jegliche Kraft, die sich in die kommende politische Entwicklung einbringt, muss hier und jetzt neben den Leuten pr&#228;sent sein. Wir wollen Fortschritte machen, um zu den Leuten eine weitergehende Beziehung aufzubauen, um uns mit ihnen zu organisieren. Unser langfristiges Ziel, unser Traum ist es, eine sichtbare politische Kraft in dieser Gesellschaft zu werden, um eine wirkliche Gelegenheit zu erhalten, eine Botschaft der sozialen Befreiung f&#252;r alle zu bef&#246;rdern.&#8220; Siehe &#8222;&lt;a href=&#034;https://renverse.co/analyses/article/ukraine-et-russie-3441&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Entretien : Comit&#233; de R&#233;sistance, Kyiv&lt;/a&gt;&#8220;, M&#228;rz 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-26&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-26&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-26&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;26&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wie viele Proletarier, welche die Uniform einer sehr wenig demokratischen Reichsarmee trugen, h&#228;tten damit gerechnet, dass sie sich danach (zumindest einige davon) an der Pariser Kommune oder an der deutschen und russischen Revolution beteiligen w&#252;rden?&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-27&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-27&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-27&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;27&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ein italienischer Genosse von Il lato cattivo, &#8222;&lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=19975&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Du moins, si l'on veut &#234;tre mat&#233;rialiste&lt;/a&gt;&#034;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-28&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-28&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-28&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;28&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Louis Mercier Vega, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 77-78.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-29&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-29&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-29&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;29&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Da es um Werte und Demokratie geht, ist es immer angemessen, daran zu erinnern, dass die NATO auf ihren Ruf als LGBTQI+-friendly achtet: &#8222;Die NATO ist der Diversit&#228;t verpflichtet. Die Politik der Organisation verbietet Diskriminierung basierend auf sexueller Orientierung sowie Geschlecht, Ethnie oder ethnischer Herkunft, Religion, Nationalit&#228;t, Behinderung oder Alter. Die NATO war auch weltweit f&#252;hrend in der Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Ehe. Die Organisation weitete die gleichen Eherechte im Juli 2002 auf gleichgeschlechtliche Paare aus, zu einer Zeit, wo nur ein Land in der Welt &#8211; die Niederlande &#8211; die gleichgeschlechtliche Ehe anerkannte.&#8220; &#8222;NATO Headquarters hosts first-ever conference on LGBTQ+ perspectives in the workplace&#8220;, Homepage der NATO, 19. M&#228;rz 2021.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-30&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-30&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-30&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;30&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Nach dem Krieg gegen Serbien ver&#246;ffentlicht Claude Guillon &lt;a href=&#034;http://www.insomniaqueediteur.com/publications/dommages-de-guerre&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Dommages de guerre. Paris-Pristina-Belgrade, 1999&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; (L'Insomniaque, 2000), ein bissiges Buch, das auf das Z&#246;gern und die Zugest&#228;ndnisse eines Teiles der franz&#246;sischen &#8222;Radikalen&#8220; gegen&#252;ber der NATO zur&#252;ckkommt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-31&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-31&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-31&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;31&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Man relativiert, w&#228;hrend in Frankreich Marine Le Pen oder &#201;ric Zemmour Nazis genannt werden; obwohl neben den Mitgliedern des Regiments Asow die Aktivisten des RN wie scheue Sozialdemokraten aussehen w&#252;rden; obwohl abgesehen von der Ukraine in der Welt ziemlich wenige L&#228;nder existieren, wo rechtsextreme Organisationen &#252;ber ihre eigenen in die nationale Armee integrierten milit&#228;rischen Einheiten verf&#252;gen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-32&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-32&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-32&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;32&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Was die Deserteure der franz&#246;sischen Armee betrifft, belaufen sie sich auf ungef&#228;hr 2&#8216;000 jedes Jahr, sie ziehen die Flucht und die Illegalit&#228;t der Fortsetzung ihres Engagements vor; einige enden vor Gericht. Doch das interessiert niemanden. Das k&#246;nnte sich k&#252;nftig &#228;ndern.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-33&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-33&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-33&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;33&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zu diesen Fragen sei auf unser Buch verwiesen: &lt;a href=&#034;http://www.lemondealenvers.lautre.net/livres/manu_militari.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Manu militari ? Radiographie critique de l'arm&#233;e&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Le Monde &#224; l'envers, 2020 (2018).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-34&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-34&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-34&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;34&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Bruce Springsteen, Born in the USA, 1984.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-35&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-35&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-35&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;35&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Abgesehen vom Jackpot, welcher der Krieg f&#252;r den milit&#228;risch-industriellen Komplex der USA und ihre Gasindustrie darstellt und obwohl er wahrscheinlich ein wirtschaftliches Desaster f&#252;r die EU ausl&#246;sen wird, ist er ein Gl&#252;cksfall f&#252;r gewisse Erwerbszweige, besonders aufgrund der Ankunft der ukrainischen Fl&#252;chtlinge; das gilt besonders f&#252;r den Sektor der Prostitution (in Deutschland) oder den industriellen und handwerklichen Sektor in Polen (ein Land, dem es an Arbeitskraft mangelt, da all seine Proletarier in den L&#228;ndern Westeuropas arbeiten gehen).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-36&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-36&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-36&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;36&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Gem&#228;ss den Worten ihres ersten Generalsekret&#228;rs, Lord Ismay, besteht die Rolle der NATO darin, &#8222;die Amerikaner drinnen, die Russen drau&#223;en [zu] halten - und die Deutschen am Boden&#8220;. Siehe Wikipedia.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-37&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-37&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-37&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;37&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die gigantischen Waffenlieferungen an die Ukraine, welche die USA planen, verlangsamen jetzt schon jene, welche f&#252;r Taiwan bestimmt waren. Siehe Laurent Lagneau, &#8222;&lt;a href=&#034;http://www.opex360.com/2022/05/03/taiwan-sinquiete-de-possibles-retards-pour-ses-commandes-dequipements-militaires-americains/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Ta&#239;wan s'inqui&#232;te de possibles retards pour ses commandes d'&#233;quipements militaires am&#233;ricains&lt;/a&gt;&#8220;, &lt;i&gt;Zone militaire&lt;/i&gt;, 3. Mai 2022.&lt;br class='manualbr' /&gt;Die Ukraine hat schon ungef&#228;hr 7&#8216;000 Panzerabwehrraketen Javelin erhalten, was ungef&#228;hr einem Drittel des amerikanischen Bestandes entspricht, die Ersetzungsfrist wird auf drei bis vier Jahre gesch&#228;tzt. Siehe Mat&#237;as Maiello, &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.revolutionpermanente.fr/Quelques-elements-d-analyse-militaire-sur-la-guerre-en-Ukraine&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelques &#233;l&#233;ments d'analyse militaire sur la guerre en Ukraine&lt;/a&gt;&#8220;, &lt;i&gt;R&#233;volution permanente&lt;/i&gt;, 28. April 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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<item xml:lang="de">
		<title>Raffaele Sciortino &#8211; Die Temperatur des Systems. Krieg und Abtauung der globalen Krise</title>
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		<dc:date>2022-05-24T01:28:00Z</dc:date>
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		<dc:subject>Bericht/Analyse</dc:subject>
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		<dc:subject>Ukraine-Krieg</dc:subject>
		<dc:subject>Raffaele Sciortino</dc:subject>

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&lt;p&gt;Ad&#220;: Transkription eines Vortrags gehalten am 2. April in Modena. Raffaele Sciortino ist u.a. der Autor von I dieci anni che sconvolsero il mondo. Crisi globale e geopolitica dei neopopulismi. &lt;br class='autobr' /&gt;
Da ich versuche, nicht zu ausschweifend zu sein, werde ich heute drei Punkte, drei Betrachtungen benennen, und davon substanziell einen vertiefen: Was ist die Temperatur des Weltsystems von einem allen voran wirtschaftlichen, und somit auch geopolitischen und sozialen Standpunkt aus betrachtet? Die (...)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

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&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Bericht-Analyse" rel="tag"&gt;Bericht/Analyse&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Ukraine-Krieg" rel="tag"&gt;Ukraine-Krieg&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Raffaele-Sciortino" rel="tag"&gt;Raffaele Sciortino&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/arton80.jpg?1689211657' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='79' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Ad&#220;: Transkription eines Vortrags gehalten am 2. April in Modena. Raffaele Sciortino ist u.a. der Autor von &lt;a href=&#034;https://www.asterios.it/catalogo/i-dieci-anni-che-sconvolsero-il-mondo&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;I dieci anni che sconvolsero il mondo. Crisi globale e geopolitica dei neopopulismi&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da ich versuche, nicht zu ausschweifend zu sein, werde ich heute drei Punkte, drei Betrachtungen benennen, und davon substanziell einen vertiefen: Was ist die Temperatur des Weltsystems von einem allen voran wirtschaftlichen, und somit auch geopolitischen und sozialen Standpunkt aus betrachtet? Die anderen beiden Betrachtungen sind hingegen die folgenden: Von der ersten gehe ich davon aus, dass sie grundlegend von den anwesenden Personen geteilt wird, es handelt sich um die &#220;berdetermination dieses Konflikts &#8211; in welchem wir offensichtlich Russland und die Ukraine zuvorderst auf der B&#252;hne sehen &#8211; durch die USA. Erlaubt mir also eine kurze Pr&#228;ambel.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Zufall wollte es, dass ich vor kurzem G&#252;nther Anders gelesen habe, seinen Text &lt;i&gt;Die Antiquiertheit des Menschen&lt;/i&gt;. W&#228;hrend er &#252;ber die Verblendung der Menschheit nach dem Zweiten Weltkrieg hinsichtlich der m&#246;glichen Apokalypse, genauer der Bombe und der nuklearen Selbstzerst&#246;rung nachdenkt, &#228;ussert der Autor an einem gewissen Punkt einen Gedanken, der ein bisschen aus dem Nichts kommt. Er sagt, die St&#228;rke einer Idee liege nicht so sehr in den Antworten, die sie gebe, als in den Fragen, die sie ersticke, die sie nicht herauskommen lasse. Wenn wir nun an die Stelle der &#8222;Idee&#8220; die &#8222;amerikanische Soft Power&#8220; setzen &#8211; und somit einer der grundlegenden Effekte der imperialen amerikanischen Hegemonie in den letzten Jahrzehnten &#8211;, so scheint es mir eher, dass etliche Fragen auf widerspr&#252;chliche, sozusagen erstickte Art und Weise aufgeworfen werden. Nicht nur ausserhalb des Westens, wo die Sache ziemlich offensichtlich ist, sondern auch im Westen und unter gew&#246;hnlichen Leuten (man braucht hier nicht von politischer Subjektivit&#228;t zu sprechen). Und die Frage, die man sich stellt, ist folgende: Was ist die Rolle der USA in dem, was geschieht? Und ist diese Rolle vielleicht nicht grundlegend oder gar priorit&#228;r? Das ist die erste Betrachtung, die ich f&#252;r die folgende Diskussion im Raum stehen lasse.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der zweite Punkt ist jener, von welchem ich sprechen werde, n&#228;mlich von der gesamten Temperatur des Weltsystems und somit vom Ernst der aktuellen Lage. Noch einmal, wir k&#246;nnen nicht wissen, inwiefern, doch wir stehen gewiss vor einem Wendepunkt, wie es vorher gesagt wurde. Und eine dritte Frage, die ich euch stelle, ist jene nach der M&#246;glichkeit, eine Bewegung gegen den Krieg aufzubauen, und unter welchen Bedingungen und auf welchen Grundlagen sie aufgebaut werden kann. In anderen Worten, was sind die (auch, aber nicht in erster Linie, subjektiven) Schwierigkeiten, die sich aus der Situation ergeben, die wir gemeinsam in ihrer Gesamtheit zu begreifen versuchen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich will hier mit euch einen Gedankengang &#252;ber die Tatsache vertiefen &#8211; vertiefen ist ein grosses Wort; sagen wir, artikulieren &#8211;, dass der ukrainische Krieg die Folge einer umfassenderen Situation ist, die, wie es vorher festgehalten wurde, zumindest auf den Ausbruch der sogenannten Finanzkrise von 2008 zur&#252;ckgeht. Nun, um so synthetisch wie m&#246;glich und hoffentlich nicht allzu didaktisch zu sein, w&#252;rde ich sagen, dass die 2008 ausgebrochene Krise mit den USA als Epizentrum nur oberfl&#228;chlich betrachtet eine Finanzkrise ist, sie ist in Wirklichkeit eine &lt;i&gt;Systemkrise&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ausgehend von den durch das amerikanische Finanzsystem, durch den amerikanischen Staat und dann kaskadenartig durch alle anderen globalen Akteure darauf gegebenen Antworten ist sie im Wesentlichen eingefroren worden. Eingefroren, aber nicht ohne dass zwei grundlegende Prozesse entfesselt worden sind, von welchen wir heute eine erste starke Auswirkung auf geopolitischer Ebene erleben. Der erste Prozess ist jener, welcher der &lt;i&gt;Economist&lt;/i&gt; (die Bibel des globalen Kapitalismus seit Mitte des 19. Jahrhunderts) die &lt;i&gt;slowbalisation&lt;/i&gt;, von &lt;i&gt;slow&lt;/i&gt;, langsam, genannt hat. Die seit mindestens den letzten dreissig Jahren, aber auch vor dem Fall der Berliner Mauer aufstrebende Globalisierung ist nicht unterbrochen worden, zumindest nicht bez&#252;glich ihrer drei grundlegenden Indikatoren, n&#228;mlich des Welthandels bez&#252;glich des in einem Jahr produzierten globalen Nettoprodukts, des Aufbaus globaler Produktionsketten und klar bez&#252;glich der Logistik und der Auslandsinvestitionen. Es gab und hat bis jetzt keinen wirklichen und eigentlichen Unterbruch gegeben, doch wir beobachten freilich eine Verlangsamung der Wachstumsindikatoren. Somit haben wir es eben gerade mit einer &lt;i&gt;slow-balisation&lt;/i&gt; zu tun, einer sich verlangsamenden Globalisierung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Kontext der produktiven Ebene und allgemeiner auf jener der F&#228;higkeit, die kapitalistische Akkumulation und somit die Profitmaschine wieder zum Laufen zu bringen, k&#246;nnen wir, mit Hochs und Tiefs und in offensichtlich verschiedenen Situationen, wenn wir den Westen betrachten (der Diskurs ist nicht der gleiche bez&#252;glich Ostasien und besonders China), eine substanzielle Stagnation beobachten. Der Begriff ist alles andere als &#228;usserst pr&#228;zis, denn die Situationen sind eben gerade verschieden, einerseits zwischen Europa und den USA, andererseits innerhalb Europas; aber wir k&#246;nnen grundlegend von einem leblosen Wachstum und noch viel mehr von einer grundlegenden Unf&#228;higkeit zur Lancierung der Kapitalakkumulation sprechen. Was, mit einer zur Ursache gewordenen Wirkung, einherging mit einer zunehmenden Verschuldung, die von den Zentralbanken (eigentlich, um die explosiven wirtschaftlichen, und dann sozialen und politischen Auswirkungen zu blockieren) ausgel&#246;st worden ist, besonders der Federal Reserve und kaskadenartig der japanischen, der britischen und schliesslich der von Draghi gef&#252;hrten EZB.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine Verschuldung, die in der Geschichte des Kapitalismus ihresgleichen sucht und die sich w&#228;hrend der Pandemiekrise weiter vergr&#246;ssert hat. Die Bilanzen der Zentralbanken haben unvorstellbare Zahlen erreicht, z.B. eben genau jene der amerikanischen Zentralbank (ich erinnere mich jetzt nicht an die pr&#228;zise Zahl), welche im Bereich zwischen f&#252;nf und sieben Billionen liegt, was mehr oder weniger einem Drittel oder der H&#228;lfte des amerikanischen Bruttoinlandsproduktes entspricht. Was &#8211; und das ist ein Punkt, den wir nicht vertiefen k&#246;nnen &#8211; offensichtlich Auswirkungen hat auf die Inflation, jenes Ph&#228;nomen, welches in den letzten eineinhalb Jahren (der sogenannten postpandemischen &#8222;Erholung&#8220;) zur&#252;ckgekehrt ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nun gut, die einfache Tatsache, diese Makroprozesse zu benennen, zeigt uns, dass das, was die Globalisierung in den letzten dreissig, vierzig Jahren gewesen ist, nicht ohne Risse oder wahrhafte und eigentliche Breschen verlaufen konnte &#8211; auch in Anbetracht der Tatsache, dass in diesen zehn Jahren zwischen 2008 und dem Ausbruch der globalen Krise China zwar nicht um die Weltwirtschaft und den Westen zu retten, aber doch, um als Ablassventil der wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu agieren, interveniert hat. Doch lassen wir es langsam angehen und machen wir einen Schritt zur&#252;ck.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was ist die Globalisierung gewesen? Oder besser, was haben &#8211; auf geopolitischer und sozialer Ebene sowie auf jener des Klassenkampfes, auf strikt &#246;konomischer Ebene &#8211; diese Zusammensetzungen konstituiert, welche die Globalisierung unter amerikanischer F&#252;hrung ergeben haben?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Grundlegend handelt es sich um mindestens drei grosse Prozesse. Der erste ist ein geopolitischer Prozess, der die Vers&#246;hnung zwischen den USA und China beschreibt, sie begann Anfang der 1970er Jahre nach dem &#220;bergang von Mao zu Deng, und zwar zu jenem Zeitpunkt, als die USA mit einer sehr grossen Krise konfrontiert waren, sowohl aufgrund der Niederlage in Vietnam als auch aufgrund der gesellschaftlichen K&#228;mpfe des &#8222;langen 68&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf strikt &#246;konomischer und monet&#228;rer Ebene ist die Abkopplung des Dollars vom Goldstandard 1971 entscheidend, sie hat die Fluktuation der W&#228;hrungen sozusagen ohne physische Grundlage ausgel&#246;st. Kurz zusammengefasst hatte die strikte und fixe Bindung des Dollars ans Gold im Bretton-Woods-System nach dem Zweiten Weltkrieg, die von allen anderen W&#228;hrungen befolgt wurde, aus dem Dollar die globale Reservew&#228;hrung und das internationale Zahlungsmittel gemacht. Ab 1971 verfolgt der Dollar hingegen einen &#8222;Akkordeon-Verlauf&#8220;, eine &#8222;Akkordeon-Dynamik&#8220;: In jenem Sinne, dass die Abkopplung vom Goldstandard es der amerikanischen Zentralbank erlaubt, nach Belieben Geld zu drucken, je nach den geostrategischen Anforderungen der USA, manchmal wird gedruckt, manchmal werden die Z&#252;gel angezogen und es wird abgeklemmt. Im ersten Fall, indem der Dollar gegen die globale Produktion ausgetauscht wurde, erlaubte das eine Kontrolle, eine Steuerung eines grossen Teils des weltweit produzierten Werts; im zweiten Fall hingegen, in ver&#228;nderten Situationen, schloss sich das Akkordeon, um ihn wieder in die USA zur&#252;ckzulenken, statt einem zu inflation&#228;ren Dollar, der Gefahr lief, an Wert zu verlieren (und an Wert verlor). Eine gew&#246;hnliche Taktik bestand z.B. darin, die Zinss&#228;tze anzuheben und somit jene Kapitale wieder in die USA zur&#252;ckzulenken, welche Gefahr liefen, sich in anderen Gefilden anzusiedeln. Selbstverst&#228;ndlich ist das Problem viel komplexer, als ich es hier darstelle, doch es geht nur darum, einen &#220;berblick dar&#252;ber zu geben, wie seit den 1970er Jahren das aufgebaut worden ist, was wir den &lt;i&gt;Finanzimperialismus&lt;/i&gt; des Dollars nennen k&#246;nnen (und der in der Geschichte des globalen Kapitalismus eine noch nie dagewesenes Ph&#228;nomen darstellt).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Regieren durch den Dollar bedeutet auch, &#252;ber die globalen Wertfl&#252;sse durch die Verschuldung zu regieren. Denn ein Dollar in freier Fluktuation, mal inflation&#228;r, mal deflation&#228;r, je nach inneren oder internationalen Ereignissen, hat es den USA erlaubt, ein enormes Haushaltsdefizit und ein nicht minder enormes Aussenhandelsdefizit zu akkumulieren. Kurz zusammengefasst haben wir zum ersten Mal ein herrschendes Subjekt, das die Welt durch die Schulden beherrscht, seine Schulden. Ich m&#246;chte nur daran erinnern, dass die USA nach dem Ersten, und noch mehr nach dem Zweiten Weltkrieg, hingegen die wichtigsten Gl&#228;ubiger der damals starken M&#228;chte waren, der europ&#228;ischen und allen voran der damaligen Hegemonialmacht Grossbritannien.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das dritte Makroph&#228;nomen, das zur Geburt der Globalisierung beigetragen hat, ohne dass es davon, wie soll ich sagen, eine gemeinsame Organisation gegeben h&#228;tte &#8211; was im Kapitalismus unm&#246;glich ist, ausser man will Verschw&#246;rungstheorien vertreten &#8211; war der Kampf des &#8222;langen 68&#8220; und dessen Absorption. Ein Pr&#228;zisierung ist diesbez&#252;glich wichtig. Es war nicht schlichtweg eine Niederlage des Klassenkampfes im Westen, so wie er sich zwischen der 1960er und 1970er Jahre entwickelt hatte. Er wurde allenfalls geschw&#228;cht, und es gab auch bedeutende Niederlagen, aber allen voran eine Absorption der Forderungen von 68 &#8211; jener libert&#228;ren und nach Autonomie strebenden Forderungen, die sich teilweise auch gegen die Abh&#228;ngigkeit von der Lohnarbeit wandten &#8211; welche die aufstrebende Globalisierung gewissermassen erfolgreich absorbiert, sie auf ihre Spielwiese gef&#252;hrt und dort dekliniert hat, n&#228;mlich zugunsten eines erneuten Aufschwungs der kapitalistischen Akkumulation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das erkl&#228;rt nun auch ein anderes Ph&#228;nomen, oder kann es meines Erachtens plausibel erkl&#228;ren. N&#228;mlich die Tatsache, dass die neue Herrschaft, welche die USA zuf&#228;llig nach den 1970er Jahren, nach dem langen 68 &#252;ber die Welt aufgebaut haben &#8211; eine Herrschaft, die, Obacht, notwendigerweise auch China als andere S&#228;ule gehabt hat (offensichtlich auf asymmetrische Art und Weise, sowohl bez&#252;glich der Macht als auch des Profits), d.h. die &#214;ffnung der westlichen M&#228;rkte (der amerikanischen allen voran) f&#252;r den chinesischen Export, was die Internationalisierung der Produktion, die Konstitution globaler Produktionsketten erlaubt hat, das erm&#246;glichte China diesen unglaublichen Aufstieg, in dreissig Jahren alles in allem, f&#252;r welchen die anderen L&#228;nder mit einem reifen Kapitalismus hundert oder hundertf&#252;nfzig Jahre gebraucht haben, aber offensichtlich immer in einer asymmetrischen Position, ohne jegliche chinesische Vorherrschaft &#8211; also, so sagte ich, es ist offensichtlich, dass in dieser Architektur, in dieser globalen Zusammensetzung &#8211; dank der Widerspr&#252;che der sogenannten Finanzialisierung, d.h. der Tatsache, dass die USA ihr produktives Grundger&#252;st nicht komplett desindustrialisiert, es eher auf die &#8222;hohen&#8220; Sektoren der Technologie umgestellt haben, w&#228;hrend das Gewicht der Finanz- und spekulativen Wirtschaft unermesslich anstieg und durch die von uns beschriebene Kontrolle &#252;ber die W&#228;hrung und die Finanz &#8211; es den USA erlaubt hat, einen grossen Teil der globalen Wertfl&#252;sse ab- und einzufangen, indem sie sie auf neue und nie dagewesene Art und Weise unter ihre Kontrolle brachten. Nie dagewesen, weil man in den 1970er Jahren von einem unvermeidlichen Niedergang der USA ausging und es nicht so gekommen ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist also klar, dass diese komplexe Architektur, die ich gerade &#8211; in hoffentlich nicht allzu konfuser Art und Weise &#8211; skizziert habe, ab 2008 Risse bekommen hat, sei es wegen inneren Widerspr&#252;chen, aber auch, weil China ab einem gewissen Punkt dazu gedient hat, diese neue amerikanische Herrschaft aufzubauen, was mit einem wirtschaftlichen Aufstieg und der Tatsache einherging, dass China gewissermassen damit begonnen hat &#8211; sei es mit der Erh&#246;hung der Ertr&#228;ge und L&#246;hne, sei es mit inneren Klassenk&#228;mpfen &#8211;, nach einem h&#246;heren Anteil an den globalen Profiten zu streben, wenn auch nicht unbedingt als Anspruch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was beinhaltete das alles? Auf chinesischer Seite das Bewusstsein innerhalb der Eliten, der F&#252;hrungsriege der Staatspartei, f&#252;r dieses asymmetrische Verh&#228;ltnis, das aus dem Gleichgewicht, zu stark aus dem Gleichgewicht gebracht worden ist, das grunds&#228;tzlich bedeutet und bedeutete, dass sein Aufstieg g&#228;nzlich auf den Exporten in die westlichen M&#228;rkte basiert. Mit der Krise 2008 erwies sich diese Strategie allerdings als prek&#228;re Wette, was die chinesische F&#252;hrungsschicht &#252;berraschte und womit sie gewissermassen sofort konfrontiert war. Um die Krise zu mildern, intervenierte China also mit einer verr&#252;ckten Aktivierung der Notenpresse 2009, womit es auch dem Westen half. Aber sein wirtschaftliches Entwicklungsmodell kann die Schwelle zu einer kontinuierlichen Verschuldung nicht &#252;berschreiten, es w&#252;rde zu einer &#228;hnlichen Blase wie im Westen f&#252;hren, die fr&#252;her oder sp&#228;ter unweigerlich platzen und zu Toten und Verletzten in einem Prozess wie jenem der letzten dreissig Jahre f&#252;hren w&#252;rde, dieser war zwar aussergew&#246;hnlich, aber auch voller wirtschaftlicher, sozialer und politischer Widerspr&#252;che.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;China hat also grosso modo nach der globalen Krise einen Plan aufgegleist, eine Industrie- und Wirtschaftspolitik, die zum Ziel haben, in den Wertsch&#246;pfungsketten wieder hinaufzusteigen. Es geht, um es kurz zu fassen, um einen Wiederausgleich der Binnenwirtschaft und das Verh&#228;ltnis seiner Wirtschaft zum Ausland. In konkreten Begriffen bedeutet das eine geringere Abh&#228;ngigkeit von Exporten, die Stimulierung des eigenen Binnenmarktes, eine Verringerung der Abh&#228;ngigkeit von westlichen Finanzeinsch&#252;ssen und eine Projektion nach aussen mit den sogenannten Seidenstrassen. F&#252;r all das ist es f&#252;r China offensichtlich grundlegend, den Sprung hin zu technologisch fortgeschritteneren Produktionen zu machen, allen voran in einem Feld, wo es entscheidend im R&#252;ckstand ist wie in jenem der Mikrochips. Es sollte pr&#228;zisiert werden, dass der Fokus nicht so sehr und nicht nur auf der digitalen Produktion f&#252;r den Massenkonsum liegt, sondern eher auf dem Design, der Produktion und der Planung von integrierten Schaltkreisen, die ihre Grundlage sind (offensichtlich auch die Grundlage von milit&#228;rischen Technologien).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser chinesische Wiederausgleichsplan, sollte er erfolgreich sein, w&#228;re f&#252;r die amerikanischen und allgemein die westlichen Multinationalen &#8211; und allen voran f&#252;r die amerikanische Kontrolle durch den Dollar &#8211;, ich w&#252;rde nicht sagen, das Ende, denn das ist nicht die Absicht und auch nicht realistisch in Anbetracht der Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse in China, aber doch ein ernsthafter Schlag. Es ist genau diese Hypothese, welche die amerikanische Reaktion ausgel&#246;st hat, die zuerst im Kurs der Obama-Administration skizziert und dann mit dem sogenannten Handelskrieg Trumps lanciert worden ist. Vergessen wir nicht, dass der Handelskrieg nicht so sehr zum Ziel hat, die Handelsbilanz zwischen China und den USA wieder auszugleichen, denn das, wie wir zuvor gesagt haben, ist nicht das Problem. Die USA herrschen in aller Ruhe &#252;ber die Welt, indem sie Schulden machen. Das Problem ist die Aufrechterhaltung der Priorit&#228;t und der Vorherrschaft des Dollars und China daran zu hindern, technologisch h&#246;here Stadien der kapitalistischen Akkumulation zu erreichen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und tats&#228;chlich sehen wir eine perfekte Kontinuit&#228;t zwischen der Trump- und der Biden-Administration. Biden tat nichts anderes, als die Strategie, welche die Form des sogenannten &lt;i&gt;selektiven technologischen decoupling&lt;/i&gt; angenommen hat, zu verfeinern. Unter &lt;i&gt;decoupling&lt;/i&gt; versteht man die Abkopplung Chinas vom Zugang zu gehobenen westlichen Kapitalen und Technologien, in einem internationalen Kontext, in welchem die USA die gleichen Mechanismen auch den L&#228;ndern des Westens und den Verb&#252;ndeten in Asien (Japan und Taiwan) aufzwingen. &#8222;Selektiv&#8220;, denn ein totaler Bruch mit China w&#228;re f&#252;r die USA offensichtlich gleichbedeutend mit der T&#246;tung des Huhns, das goldene Eier legt, was, zumindest gegenw&#228;rtig, weder geplant noch machbar ist. Gegenw&#228;rtig haben sich die USA auf geopolitischer Ebene in Richtung Ostasien neu orientiert und eine Strategie der Umzingelung, der neuen Eind&#228;mmung Chinas initiiert, ihre Schwerpunkte sind das (n&#246;rdliche und s&#252;dliche) Chinesische Meer und Taiwan. Daf&#252;r wollten sie den Mittleren Osten zwar nicht &#8222;aufgeben&#8220;, aber ihre Pr&#228;senz dort zumindest reduzieren, und gleichzeitig Afghanistan sich selbst &#252;berlassen und sich auf diese neue Flanke fokussieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was haben nun Russland, Osteuropa und Zentralasien mit all dem zu tun?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie haben es allen voran, weil gewisse strategische Vorgaben der Seidenstrassen dort durch f&#252;hren, das ist grundlegend f&#252;r China, denn da es bez&#252;glich der Meere eng aussieht (China h&#228;ngt zum Beispiel f&#252;r Gas- und &#214;llieferungen und alle Warenexporte davon ab), versucht China, den Transit via Landweg &#252;ber Zentral- und S&#252;dasien sicherzustellen. Russland ist allein schon deswegen entscheidend und gleichzeitig ist die Ukraine der Voraussicht nach ein grundlegender Knotenpunkt der Seidenstrasse. Aber auch, weil es von einem politischen und geopolitischen Standpunkt aus offensichtlich ist, dass China f&#252;r Russland einen grundlegenden Puffer gegen den Druck der NATO und der USA darstellt; und seinerseits ist Russland f&#252;r China ein geographischer sowie, von einem wirtschaftlichen Standpunkt aus betrachtet, komplement&#228;rer Puffer. Russland exportiert haupts&#228;chlich landwirtschaftliche und mineralische Rohstoffe und China ist die Werkstatt der Welt. Und rund um dieses Verh&#228;ltnis &#8211; das kein B&#252;ndnis ist, aber trotzdem eine strategische Partnerschaft &#8211; k&#246;nnen all diese territorialen Zonen und Gebiete kreisen, welche sich nicht komplett dem Diktat Washingtons unterwerfen wollen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hier und jetzt &#8211; und ich n&#228;here mich der Schlussfolgerung &#8211; entsteht der Widerspruch dieser Phase, der uns offensichtlich f&#252;r einige Jahrzehnte begleiten wird, wenn er nicht zuvor explodiert. &lt;strong&gt;Der Widerspruch dieser Phase entsteht aus der sowohl spiegelbildlichen als auch entgegengesetzten Notwendigkeit f&#252;r China und die USA, die Globalisierung zu erhalten; und gleichzeitig aus der Notwendigkeit, Strategien umzusetzen, welche die gegenw&#228;rtige Globalisierung unterminieren, somit ihre Krise und dann vielleicht sogar ihren R&#252;ckgang, eine Entglobalisierung, beg&#252;nstigen.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was will ich sagen? China braucht die Globalisierung, denn es befindet sich am Scheideweg. Es muss weiterhin Waren exportieren, Rohstoffe aus der H&#228;lfte der Welt importieren, aber allen voran Zugang haben zu Technologien und Kapitalen, die es noch nicht besitzt. Das Problem ist, dass China eine weniger asymmetrische, wir k&#246;nnten sagen, eine multipolarere, multilateralere Globalisierung m&#246;chte. &#8222;Eine andere Globalisierung&#8220;, wie man vor zwanzig Jahren w&#228;hrend der Bewegung gegen die Globalisierung sagte; was hingegen eindeutig eine sehr harte Reaktion seitens der USA hervorbringt, wovon wir jedoch gegenw&#228;rtig nur den Anfang sehen. Die USA sind n&#228;mlich gezwungen, mit dem &lt;i&gt;decoupling&lt;/i&gt; zu antworten, somit versuchen sie, China (mithilfe von Sanktionen, Z&#246;llen und allem, was wir noch sehen werden) vom globalen Kontext abzukoppeln und zu trennen, aber gleichzeitig ist es klar, dass die USA Gefahr laufen, den Ast abzus&#228;gen, auf welchem sie sitzen. Das heisst, jene Fl&#252;sse, jene Wertsch&#246;pfungsketten zu unterbinden und zu unterbrechen, welche substanziell die Quelle der globalen Herrschaft des Dollars und somit ihrer globalen imperialen Hegemonie sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Demzufolge liegt der Widerspruch in der Hervorbringung von Effekten, welche im Widerspruch zu jenen Bedingungen stehen, welche, ich wiederhole es, spiegelbildlich und entgegengesetzt f&#252;r China sind &#8211; eine alternativere und weniger asymmetrische, weniger auf den Westen und den Dollar fokussierte Globalisierung &#8211; und f&#252;r die USA &#8211; eine Unterbrechung der Handelsfl&#252;sse mit China, das allerdings in der Zwischenzeit zur Werkstatt der Welt geworden ist und ohne welche, wie wir es w&#228;hrend der Pandemie gesehen haben, das Risiko besteht, die globalen Wertsch&#246;pfungsketten zu blockieren. In diesem Kontext, und jetzt n&#228;here ich mich wirklich dem Ende, ist das grundlegende Problem auch, dass in der Zwischenzeit parallel zur Krise durch die Verschuldung und andere Mechanismen eine enorme Blase an fiktivem und spekulativem Kapital geschaffen worden ist, aus der, falls die Akkumulation wieder einsetzen soll, irgendwie die Luft herausgelassen werden muss und das auch auf heftige Art und Weise. Und schaut, mit Ph&#228;nomenen wie der Inflation, den Kriegen (mit den damit einhergehenden Zerst&#246;rungen von Kapitalen und offensichtlich menschlichen Wesen) und einer Stagflation (d.h. produktive Stagnation zusammen mit einer Inflation), in welcher wir uns wahrscheinlich befinden, steuern wir erneut auf eine grosse oder zumindest auf eine betr&#228;chtliche Rezession zu.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn man Europa anschaut, ich las diese Tage die Daten &#252;ber Deutschland: Europa ist klar am heftigsten von dieser Ukraine-Krise getroffen worden (aber auch den USA geht es betreffend der Inflation nicht allzu gut), also gut, technisch betrachtet ist fast schon Rezession, vor allem wenn man die Daten mit jenen vor der Pandemie 2019 vergleicht. Wir h&#228;tten also eine grosse Rezession mit Kapitalentwertungen, Unternehmensschliessungen, Entlassungen, Zerst&#246;rungen: Und die Zerst&#246;rung ist die notwendige Bedingung f&#252;r die Wiederaufnahme der globalen Akkumulation. Nur, mit all diesem wird es gleichzeitig zu Krisen und Kriegen kommen, und jeder Akteur, angefangen mit den USA, m&#246;chte die Kosten dieser Entwertung auf andere abw&#228;lzen und wird dies versuchen. Aber wir sehen es schon in der gegenw&#228;rtigen Krise: Wir sehen klar die Haltung der USA &#8211; Fortsetzung des Krieges, die Ukraine muss gewinnen &#8211; und die Sch&#228;den &#8211; sei es auf der Ebene der Energiepreise, aber auch allgemein mit allem, was Europa riskiert &#8211; werden eben genau auf den Verb&#252;ndeten abgew&#228;lzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es kann also sein (die Zukunft, vielleicht sogar die nahe, wird es zeigen), und ich komme zum Ende, dass der Krieg in der Ukraine ein &lt;i&gt;erster Wendepunkt&lt;/i&gt; der Situation ist; ein Entriegelungspunkt, ein &lt;i&gt;Abtaupunkt&lt;/i&gt; der Krise, die ich, vielleicht mehr schlecht als recht, zu beschreiben versuchte. Eine Umkehr des Zyklus, in welcher wir, und das ist kein Zufall, eine Politik der Federal Reserve beobachten k&#246;nnen, die eine Abweichung (bis jetzt nicht um 180 Grad, aber das k&#246;nnte durchaus geschehen) hinsichtlich des &#8222;leichten Geldes&#8220; all dieser Jahre markiert. Sie erh&#246;ht n&#228;mlich die Zinss&#228;tze, um den Dollar zu st&#228;rken und wieder Kapitale in die USA zu locken: Es ist erneut dieser Akkordeon-Effekt des Dollars, von dem wir zuvor sprachen. Gleichfalls schadet die Erh&#246;hung der Energiepreise Europa betr&#228;chtlich, wie das schon w&#228;hrend der Energiekrise 1973 der Fall war; aber solange die Energie in Dollar erworben und gehandelt wird, schadet sie den USA nicht (oder w&#252;rde ihr weniger schaden ohne die Begleiterscheinung der Inflation). Ich wiederhole es, solange der Dollar internationale Leitw&#228;hrung bleibt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und hier, mit dem, was Russland gerade tut (z.B. eine Bezahlung in Rubel f&#252;r den Handel der energetischen Rohstoffe verlangen), und mit dem, was China zum ersten Mal anstrebt (d.h. sich minimal vom Dollar abkoppeln, und so weiter, und so fort), ist, auch wenn die extremen Folgen davon offensichtlich nicht sofort eintreten werden, das Tabu zum ersten Mal benannt, es ist gebrochen. Wenn man an eine Weltwirtschaft denkt, die nicht dem Dollar unterworfen ist, denkt man an Prozesse der &lt;i&gt;Entdollarisierung&lt;/i&gt;. Gegenw&#228;rtig weiss niemand, was dabei herauskommen wird, doch es ist offensichtlich, dass das Material explosiv ist. Zwischen Krisen der Globalisierung und dem m&#246;glichen Beginn der Entglobalisierung, sehr harten Reaktionen der USA, Prozessen (oder auch Absichten, Strategien) der Entdollarisierung ist es offensichtlich &#8211; und dabei werde ich es belassen &#8211;, dass die Ukraine-Krise der Niederschlag eines Klumpens an nunmehr systemischen Widerspr&#252;chen ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Italienischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://kamomodena.noblogs.org/2022/04/13/raffaele-sciortino-la-temperatura-del-sistema-guerra-e-scongelamento-della-crisi-globale/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Roland Simon - Ukraine 2022</title>
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		<dc:subject>Th&#233;orie communiste</dc:subject>
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		<dc:subject>Ukraine-Krieg</dc:subject>
		<dc:subject>Roland Simon</dc:subject>

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&lt;p&gt;Ein Zusammenbruch des Sowjetregimes w&#252;rde unweigerlich einen Zusammenbruch der Planwirtschaft und damit die Abschaffung des staatlichen Eigentums nach sich ziehen. Die Zwangsbindung der Trusts untereinander und zwischen den Fabriken eines Trusts w&#252;rde sich lockern. Die erfolgreichsten Unternehmungen w&#252;rden sich beeilen, selbst&#228;ndige Wege zu gehen. Sie k&#246;nnten sich in Aktiengesellschaften umwandeln oder eine andere transitorische Eigentumsform finden, etwa mit Gewinnbeteiligung der (...)&lt;/p&gt;


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 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/arton79.jpg?1689247013' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='94' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;blockquote class=&#034;spip&#034;&gt;
&lt;p&gt;Ein Zusammenbruch des Sowjetregimes w&#252;rde unweigerlich einen Zusammenbruch der Planwirtschaft und damit die Abschaffung des staatlichen Eigentums nach sich ziehen. Die Zwangsbindung der Trusts untereinander und zwischen den Fabriken eines Trusts w&#252;rde sich lockern. Die erfolgreichsten Unternehmungen w&#252;rden sich beeilen, selbst&#228;ndige Wege zu gehen. Sie k&#246;nnten sich in Aktiengesellschaften umwandeln oder eine andere transitorische Eigentumsform finden, etwa mit Gewinnbeteiligung der Arbeiter, Gleichzeitig und noch leichter w&#252;rden die Kolchosen zerfallen. Der Sturz der heutigen b&#252;rokratischen Diktatur, wenn keine neue sozialistische Macht sie ersetzt, w&#228;re also gleichbedeutend mit einer R&#252;ckkehr zu kapitalistischen Verh&#228;ltnissen bei katastrophalem R&#252;ckgang von Wirtschaft und Kultur.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotzki, &lt;i&gt;Die verratene Revolution&lt;/i&gt;, 1957 (1936)&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Die Invasion der Ukraine durch Russland ist kein Weltkrieg, aber ein Krieg mit weltweiter Bedeutung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;In der Krise ist die Restrukturierung defekt&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jede Phase der kapitalistischen Produktionsweise enth&#228;lt ihre milit&#228;rische Formation, das Ausbeutungsverh&#228;ltnis als Klassenkampf ist sowohl wirtschaftlich als auch politisch und milit&#228;risch. In der reellen Subsumtion der Arbeit unter das Kapital setzen alle Kriege nicht nur zwei antagonistische Ziele verfolgende Feinde einander entgegen, sondern allen voran zwei durch die Polarisierung eines selben Widerspruches konstituierte und konstruierte Feinde, jeder von ihnen repr&#228;sentiert einen Pol und tr&#228;gt in sich selbst die Existenz und die Notwendigkeit des anderen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gegenw&#228;rtig ist, seit der Krise von 2008, die jene der Produktionsweise war, so wie sie in den 1970er-1980er restrukturiert worden war, der weltweit aufzul&#246;sende Widerspruch jener der Entkopplung zwischen der Kapitalverwertung und der Reproduktion der Arbeitskraft, die das Prinzip der Globalisierung selbst war. &lt;i&gt;Es geht darum, weltweit die Kapitalakkumulation und die Reproduktion der globalen Arbeitskraft zu reartikulieren&lt;/i&gt;. Es wird keine R&#252;ckkehr zu nationalen oder nach Bl&#246;cken geordneten Akkumulationsformen geben. In der Konfrontation zwischen den USA, der Europ&#228;ischen Union, China und Russland geht es darum, herauszufinden, welcher Block, durch die Rivalit&#228;ten und B&#252;ndnisse zwischen diesen vier M&#228;chten, ein &lt;i&gt;hierarchisiertes&lt;/i&gt;, aber weltweit f&#252;r die &#8222;Besiegten&#8220; &lt;i&gt;akzeptables&lt;/i&gt; Modell durchsetzen wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Kapital bringt nie durch sich selbst L&#246;sungen f&#252;r seine Widerspr&#252;che hervor und auch nicht in der alleinigen konkurrierenden Konfrontation zwischen den M&#228;chten. Die Grundlage ist immer die Ausbeutung, die dazu f&#252;hrt, dass diese Konfrontation nur durch die Konfrontation mit dem Proletariat einen Sinn bekommt. Es sind der besiegte Kampf der Klasse und die zum Sieg &#252;ber sie notwendigen Modalit&#228;ten und &#8222;gesellschaftlichen Erfindungen&#8220;, welche die Eigenschaften einer Restrukturierung skizzieren. Die reelle Subsumtion ist immer noch im Entstehen begriffen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Mit der realen Subsumtion der Arbeit unter das Kapital findet eine (...)&#034; id=&#034;nh2-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Aber gegenw&#228;rtig repr&#228;sentieren weder die USA noch Russland, China oder Europa eine kommende Restrukturierung, das Spiel, bis hin zum Krieg zwischen den M&#228;chten, ist nur die offensichtliche Existenz des aufzul&#246;senden Widerspruches und der Widerspruch durchdringt sie, er reproduziert seine Pole in jeder von ihnen. F&#252;r alle ist der Widerspruch als Wesen des Staates und Verh&#228;ltnis zwischen der Verwertung und der Reproduktion der Arbeitskraft auf weltweiter Ebene auf dem Tisch. Doch die Restrukturierung ist defekt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Frage stellt sich heute auf solch heftige Art und Weise, weil wir die Grenze aller &#8222;was immer es dazu braucht&#8220; und &#8222;Freigiebigkeiten&#8220; der Zentralbanken erreicht haben. W&#228;hrend der Krise 2008 ist die Entkopplung von der Dynamik der Globalisierung zu ihrer Fessel geworden, die Abteilungen I und II der Reproduktion artikulieren sich nicht mehr, die Krise der &#220;berakkumulation ist mit der Unterkonsumtionskrise identisch geworden, das Gleichgewicht der Unterinvestition, das die Profitrate aufrechterhalten hatte, bricht in der monet&#228;ren Misswirtschaft zusammen und die Inflation verst&#228;rkt die Entkopplung. Wenn wir die Entkopplung als Essenz und Dynamik der Globalisierung dieser letzten dreissig Jahre betrachten, dann ist &lt;i&gt;eine Welt&lt;/i&gt; in eine Krise eingetreten und sie muss sich erneuern. Diese Welt war jene der amerikanischen Globalisierung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Krise der amerikanischen Globalisierung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Welt, aufgrund des Wesens des restrukturierten Kapitals als Fluidit&#228;t der Reproduktion entsprechend der Extraktion von Mehrwert in ihrem relativen Modus, war notwendigerweise Globalisierung. Das wurde 1990 durch den Zusammenbruch der UdSSR und des Ostblocks best&#228;tigt. Die Entnationalisierung der zentralen Staaten und das Ende der Internationalisierung, d.h. der Beziehungen zwischen &#8222;integrierten nationalen Systemen&#8220;, waren auch gleichbedeutend mit dem Ende der Arbeiteridentit&#228;t, deren Repr&#228;sentation die UdSSR staatlich und geopolitisch war: d.h. die Kristallisation einer globalen Struktur des Klassenkampfes (was wir auch immer dar&#252;ber denken m&#246;gen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Indem sie die Kapitalverwertung und -zirkulation von der Reproduktion der Arbeitskraft getrennt hat, hat die Globalisierung koh&#228;rente national und regional voneinander abgegrenzte Reproduktionsbereiche zerschlagen. Dieser Bruch hat eine globale Unordnung kreiert, die kontinuierlich durch Milit&#228;roperationen mit Polizeioperationen assimilierende Gewalt reguliert werden musste. Ab dem Verschwinden der UdSSR war die amerikanische Regulierung der Unordnung ihre permanente Verwaltung, gleichg&#252;ltig gegen&#252;ber einer stabilen Formation des Gesellschaftlichen. Die USA strebten nicht danach, die Welt zu erobern, sondern die Unordnung durch ein anderes System als jenes der Konkurrenz zwischen Staaten zu regulieren. Was h&#228;ufig durch gezielte Massaker als regulierende Akte und dem Ende der Unterscheidung zwischen Krieg und Frieden zum Ausdruck kam, diese Unterscheidung setzte eine &lt;i&gt;lokale&lt;/i&gt; Verwaltung des &#8222;sozialen Friedens&#8220; voraus. Das war der &#8222;globale Krieg gegen den Terrorismus&#8220;: global und, von Natur aus, endlos.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Idealerweise&#8220; sollten die Staaten nur noch einfache Provinzgouverneure sein. Den autonomen lokalen Kriegschefs erlaubte man einige lokale (Wieder-)Eroberungs- oder Balkanisierungskriege (Ex-Jugoslawien, Kaukasus, Naher und Mittlerer Osten &#8211; Israel eingeschlossen &#8211;, Kolumbien, Zentralamerika, Mexiko, Indonesien), gelegentlich im B&#252;ndnis mit diversen mafi&#246;sen Netzwerken, dem einzigen globalen Zweig des Kapitals, der sowohl mit dem Finanzkapital als auch mit permanenter lokaler Gewalt umgehen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Idealerweise&#8220; sollte die Gewalt die Fortsetzung der Wirtschaft mit anderen Mitteln sein, ohne politische Vermittlungen abgesehen von diversen Stufen von Interventionen &#8222;mit dem Holzhammer&#8220;, &#8222;forcierten Friedensmissionen&#8220;, Polizeimissionen, humanit&#228;ren Missionen (welche die Verwurzelung einer Marktwirtschaft beg&#252;nstigen). In allen F&#228;llen ohne Verhandlungen zur Etablierung &#8222;eines akzeptablen Lebens f&#252;r die Besiegten&#8220;. Lokal konnten sich komplexe konfliktreiche Untersysteme (vielf&#228;ltige Gegner) konstituieren, die keine Intervention des &#8222;Anf&#252;hrers&#8220; erfordern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Idealerweise&#8220; ging es darum, im Vornhinein den Globalismus der amerikanischen Interessen zu bekr&#228;ftigen, indem die nationalen Souver&#228;nit&#228;ten und die Logiken territorialer Nachbarschaften dekonstruiert und die produktiven, nationalen, politischen, religi&#246;sen und ideologischen Elemente zu funktionalen transnationalen Zweigen, &#252;ber die sich die &#8222;nat&#252;rliche Leadership&#8220; der USA entfaltet, neu zusammengesetzt worden sind. Zu diesem Zweck ging es darum, die Staaten oder sozialen Bewegungen, feindliche oder den Markt, den Warenfluss, die Kapitale und die &#8222;Befreiung&#8220; der Arbeitskraft blockierende Guerillas zu eliminieren. Einerseits war die wirtschaftliche und milit&#228;rische Globalisierung, reguliert durch die USA ab dem Ende der 1980er Jahre, &#8222;Balkanisierung&#8220; durch die Zerst&#246;rung aller nationalen Souver&#228;nit&#228;ten und Regulierungen und andererseits eine Form der &#8222;Entbalkanisierung&#8220;, der Wiedervereinigung dieser Welt durch den Aufbau von gem&#228;ss nicht souver&#228;nen Logiken vereinigten Wirtschaftsr&#228;umen. Die amerikanische Globalisierung kombinierte zwei Strategien: &#8222;die Clintonsche Erweiterung&#8220; und die &#8222;zivilisatorische Ghettoisierung&#8220; der republikanischen Rechten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r die USA ging es ausserdem darum, &#252;ber B&#252;ndnisse mit definierter Territorialit&#228;t hinauszugehen, es war das Moment der &#8222;Obsoleszenz der NATO&#8220; und der Partnerschaft mit Russland. Die NATO wurde zu einem neuen offensiven B&#252;ndnis gegen wahrscheinliche Unsicherheiten, ohne vorbestimmte Zonen. Es handelte sich nicht um ein B&#252;ndnis der USA mit dem &#8222;souver&#228;nen russischen Staat&#8220;, es waren Russland und seine Umgebung selbst, die zu einer &#8222;Grenze der Erweiterung&#8220; im amerikanischen Sinne der &#8222;Grenze&#8220; geworden waren. In den Begriffen des Abkommens: &#8222;Die NATO unterst&#252;tzt milit&#228;risch die Demokratisierung und die Ausbreitung der liberalen kapitalistischen Wirtschaft in Russland und seiner Peripherie.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bis &#8222;das Ideal&#8220; im Irak und in Afghanistan durch die unvermeidbare Notwendigkeit der Entsendung von Bodentruppen nach den Besatzungen zusammenbricht. In den arabischen L&#228;ndern des Mittelmeerraumes waren die proletarischen und interklassistischen Revolten gleichbedeutend mit dem Scheitern einer kapitalistischen Klasse, die als klientelistische Oligarchie aufgebaut worden war, sie ist eins mit repressiven Apparaten des Staates, der jegliche Produktion oder Dienstleistung in Renten produzierende T&#228;tigkeiten verwandelt, die in den Fluss der globalen Kapitalverwertung eintreten k&#246;nnen. In gesamten Gebieten wie Zentralasien, Zentralamerika oder Afrika teilten die Bourgeoisie, die B&#252;rokratie, Mafias, die Polizei und die Armee Monopole untereinander auf, sie verwalteten die ausl&#228;ndischen Investitionen und T&#228;tigkeiten, die sich mit der globalen Verwertung artikulieren konnten, und erschufen eine konstante Diskrepanz zwischen der Masse an verf&#252;gbarer befreiter Arbeitskraft und deren Absorbierung als solche.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine Ausbeutungsweise der Arbeitskraft auf globalem Niveau und eine Kapitalverwertungsweise sind ausser Atem und brechen in ihrer Ersch&#246;pfung zusammen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#220;bereinstimmung, in der gegenw&#228;rtigen Krise, zwischen &#220;berakkumulations- und Unterkonsumtionskrise bedeutet, dass die Entkopplung zwischen Kapitalverwertung und Reproduktion der Arbeitskraft zu einem Problem geworden ist. In dieser &#220;bereinstimmung der Krise wird die Entkopplung, die w&#228;hrend einer Phase der Produktionsweise funktional war, widerspr&#252;chlich f&#252;r ihren eigenen Fortbestand. Das sowohl auf der Ebene der globalen Architektur der Realisierung, die aus den USA den Konsumenten in letzter Instanz macht, als auch auf der genauso wichtigen und vielleicht k&#252;nftig noch wichtigeren Ebene der &#8222;nationalen&#8220; Entwicklung der &#8222;Schwellenkapitalismen&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Verh&#228;ltnis zwischen Wirtschaft und Gewalt war durch die Erschaffung der Nationalstaaten vom 17. bis ins 19. Jahrhundert und danach durch die Bipolarit&#228;t Ost/West w&#228;hrend der ersten Phase der reellen Subsumtion vereinfacht worden. Die amerikanische Verwaltung der Unordnung der Globalisierung, die darin besteht, die nationalen Souver&#228;nit&#228;ten und Nachbarschaftslogiken zu dekonstruieren, hat zu einer &#252;berbordenden, unkontrollierbaren und entropischen Situation gef&#252;hrt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die gesamte Geographie der globalen Reproduktion des Kapitals und ihre Zonenunterteilung als Bild im Bild zerfallen. Was ein System ausmachte, tut das nicht mehr: Die Sparpolitik und die Lohnsenkung unter den Wert der Arbeitskraft halten die Zuweisungen &#252;ber eine k&#252;nftige Verwertung des sich selbst an der &#8222;Notenpresse&#8220; n&#228;hrenden Finanzkapitals nicht mehr in Gange. Es wird kein Zur&#252;ck geben, aber die Globalisierung kann in eine momentan undefinierbare andere Richtung gehen und diese k&#246;nnte nur eine Funktion der neuen Modalit&#228;ten der Verwertung, d.h. des Ausbeutungsverh&#228;ltnisses, sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Entkopplung war ein globales System. Im Zusammenbruch dieses Systems (eine chaotische Situation, in welcher das Chaos nicht mehr reguliert wird) kommt die Notwendigkeit einer Rekonfiguration des globalen Zyklus des Kapitals an Stelle der gegenw&#228;rtigen Globalisierung zutage. Eine Renationalisierung der Volkswirtschaften, welche die Globalisierung &#252;berwindet oder an ihr festh&#228;lt, eine Entfinanzialisierung des produktiven Kapitals oder neue Modalit&#228;ten der Integration und Reproduktion der Arbeitskraft im eigentlichen Kapitalzyklus sind bis anhin nur Eventualit&#228;ten und Hypothesen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Restrukturierungen der kapitalistischen Produktionsweise folgen nie einem Plan, sondern sie sind ein Resultat der internen Konfrontationen der globalen kapitalistischen Klassen und allen voran der Konfrontation mit dem Proletariat. Die Fraktion der kapitalistischen Klasse, die sich gegen die anderen durchsetzen und eine akzeptable Hierarchie f&#252;r die Gesamtheit der globalen Klasse erschaffen kann, ist jene, welche das Ausbeutungsverh&#228;ltnis kl&#228;rt und rekonfiguriert. Die internen K&#228;mpfe der kapitalistischen Klasse national und global, bis hin zum Krieg, der nur eine Fortsetzung davon darstellt, haben nur den einen Sinn, eine bessere L&#246;sung der Erneuerung der Ausbeutung f&#252;r die Gesamtheit des Kapitals zu finden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Putin ist nicht alleine&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Wenn eine Nation w&#228;hrend Jahrhunderten ihren Willen zu existieren und sich als staatliche Entit&#228;t zu konstituieren unter Beweis stellt, k&#246;nnen alle Versuche, die zum Ziel haben, auf die eine oder andere Weise eine solche Entwicklung zu ersticken, nur zu einer chaotischen Dimension im Gesamtprozess der universellen Geschichte f&#252;hren.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Mykola Chwylowyj, zitiert von Zbigniew Kowalewski, &#8222;L'Ukraine, r&#233;veil (...)&#034; id=&#034;nh2-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Krise der amerikanischen Globalisierung: Diese Krise siedelt sich auf globaler Ebene auf zwei zentralen Zysten an: Russland und China und einer dritten auf regionaler Ebene, dem Iran. Es muss in den drei F&#228;llen betont werden, dass &lt;i&gt;der Staat die Wirtschaft dominiert&lt;/i&gt; und nicht die Existenz eines getrennten Staates erreicht hat. In Russland ist der Staat nicht der Staat der kapitalistischen Klasse, ihre Generaldirektion, sondern es ist die kapitalistische Klasse (die Oligarchen), welche die kapitalistische Klasse &lt;i&gt;des Staates&lt;/i&gt; ist. Die sowjetische B&#252;rokratie hat, sogar nach dem Zusammenbruch der UdSSR, ihren langen Marsch mit dem Ziel, eine gew&#246;hnliche, ihrer revolution&#228;ren Urspr&#252;ngen entledigte kapitalistische Klasse zu sein, noch nicht abgeschlossen. Was die Europ&#228;ische Union betrifft, geht es f&#252;r die USA und Russland nur darum, ihre Spaltungen zu unterhalten, sie ist kein zentraler Streitgegenstand oder potentieller Rivale mehr, auch wenn sie im Krieg in der Ukraine eine bedeutende Rolle spielt. Das zuerst einmal durch die territoriale Kontinuit&#228;t, die sie der Ukraine mit dem Transit der Milit&#228;rhilfe anbietet, aber auch durch die inneren politischen Unstimmigkeiten zwischen Staaten oder innerhalb von Staaten betreffend des Verh&#228;ltnisses zu Russland, die vom Krieg offengelegt worden sind. Der Verlust geopolitischer Zentralit&#228;t h&#228;ngt im gegenw&#228;rtigen Moment mit ihrer Unf&#228;higkeit zusammen, eine einheitliche Macht zu sein, doch die geopolitische Frage zeigt auf, dass sie keinen Pol des zu &#252;berwindenden Widerspruchs darstellt. Weder grosse souver&#228;ne Macht, noch Speerspitze der Globalisierung, weder das eine noch das andere, weil die EU bei der in den 1970er Jahren initiierten Restrukturierung der Ausbeutung auf halbem Weg stecken geblieben ist, trotz aller Anstrengungen Sarkozys, Hollandes, Macrons, Schr&#246;ders, Majors, Johnsons (ohne bis zu Thatcher zur&#252;ckgehen zu m&#252;ssen&#8230;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber wenn diese Krise sich in der Konfrontation des &#8222;Westens&#8220; mit diesen beiden Zysten kristallisiert, dann allen voran, weil die Globalisierung f&#252;r sich selbst kontraproduktiv geworden ist: Ihre Grenzen und Widerspr&#252;che stehen ihr in ihrem Verh&#228;ltnis zu dem gegen&#252;ber, was in der Krise als &lt;i&gt;ihr Anderes&lt;/i&gt; entsteht und sich konstituiert. Der &#8222;Westen&#8220; und Russland hatten nicht die geringste innere Essenz, welche sie dazu gebracht h&#228;tte, sich als Pol eines selben Widerspruchs der existierenden Globalisierung zu definieren, h&#246;chstens gewisse Veranlagungen aufgrund ihrer hierarchischen Stellung im System, es ist das Verh&#228;ltnis zwischen den Polen des Widerspruchs, das graduell ihre Kristallisation hervorbringt und jedem Pol eine nationale Existenz verleiht, durch welche der Widerspruch Geopolitik wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Konfrontation USA (Westen)/Russland, aber auch Iran, T&#252;rkei usw., noch auf einem anderen Niveau, China, werden die m&#246;glichen L&#246;sungen f&#252;r eine globale Rekonfiguration der Ausbeutung entschieden. Kein Staat (kein Protagonist) repr&#228;sentiert einen einzigen Pol, aber in jedem spielt ein Pol die Rolle der Dominanten im Verh&#228;ltnis.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die aktuelle Krise hat die absolute &#220;bereinstimmung zwischen der &#220;berakkumulation des Kapitals und der Unterkonsumtion der Arbeiter als allgemeiner Prozess der Krisen dieser Produktionsweise zutage gebracht. Die Armut ist zu einem Problem geworden. Wenn diese Krise die Form dieser &#220;bereinstimmung annehmen und sie zutage bringen konnte, dann weil die Reproduktion der Arbeitskraft, wie wir es gesagt haben, Gegenstand einer doppelten Entkopplung gewesen war. Einerseits Entkopplung zwischen der Kapitalverwertung und der Reproduktion der Arbeitskraft, andererseits Entkopplung zwischen Konsumtion der Arbeiter und dem Lohn als Einkommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Fragen sind nun auf dem Tisch: das Wesen des Staates; das Verh&#228;ltnis zwischen Kapitalverwertung und Reproduktion der Arbeitskraft; die Mobilisierungsweisen dieser Arbeitskraft durch das Kapital; die Modalit&#228;ten des Lohnverh&#228;ltnisses in den Beziehungen zwischen Anstellung/Arbeitslosigkeit/Prekarit&#228;t; die Beziehungen zwischen Lohn/Einkommen/Kredit. Der Fall der Profitrate ist immer konjunkturell, ausf&#252;hrlich und determiniert, sowohl historisch als auch lokal.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf einem ganz anderen Niveau bez&#252;glich des Ausmasses und der Konfliktualit&#228;t als der laufende Krieg in der Ukraine mit der direkten und globalen Konfrontation der im Scheitern der Globalisierung auf dem Spiel stehenden Pole brachten schon die Klassenk&#228;mpfe in Griechenland nach den Krawallen 2008 in den Griechenland spezifischen Modalit&#228;ten die Widerspr&#252;che und Sackgassen der soeben in die Krise eingetretenen Kapitalverwertungs- und -akkumulationsweise zutage.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Pole des Widerspruchs, die man in Griechenland einerseits als die Rettung des Finanzsystems und andererseits als die Reproduktion der Arbeitskraft durch das Kapital selbst karikieren konnte, waren nur tote Momente, jeder Pol konnte dem anderen nur vorwerfen, zu sein, was er war. Jeder blieb in den Polen selbst der Krise eingesperrt und wiederholte stets seine spezifische Rolle. Das Verh&#228;ltnis von Syriza zu den europ&#228;ischen Institutionen hatte der gegenw&#228;rtigen Krise allerdings eine Form gegeben. &lt;i&gt;Im Namen der kapitalistischen Produktionsweise&lt;/i&gt; hatte Tsipras Draghi gesagt, dass das nicht mehr funktionieren k&#246;nne. Es ist in diesem Sinne und nur in diesem Sinne, dass die sechsmonatige Konfrontation zwischen der &#8222;radikalen populistischen Linken&#8220; und den weisen und ehrw&#252;rdigen Institutionen der Krawattentr&#228;ger in Br&#252;ssel, Frankfurt und Washington eine wirkliche Konfrontation war. Die Widerspr&#252;che waren da, ausgesprochen und polarisiert, aber ohne eine massive Konfrontation mit dem Proletariat sind sie leblos und dazu verdammt, sich selbst zu karikieren. Die Pole waren nur einseitig widerspiegelt, im Kapital, und zeigten nur das Auftauchen des Problems.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im gleichen Sinne bedeutet der Krieg in der Ukraine, dass die Fragen immer noch da sind, aber sie befinden sich nun auf einem anderen Niveau, die Metastasen sind global und bis anhin kann keine kapitalistische L&#246;sung die Aufl&#246;sung der gesetzten Probleme vereinheitlichen. Die Geschichte besteht aus Momenten, Situationen und Ereignissen, die Widerspr&#252;che zu einer Synthese zusammenfassen, welche bis dahin ihr eigenes Dasein f&#252;hrten. Die Widerspr&#252;che verlieren nicht ihre Besonderheiten, doch sie treffen und durchdringen sich. Die russische Invasion der Ukraine ist diese Art von Ereignis. Das Prinzip ist einzigartig, es ist die Globalisierung als grundlegende Krise der Entkopplung, doch die Manifestationen davon sind in ihrer Anordnung, ihren Eigenschaften und ihren eigenen Dimensionen vielf&#228;ltig. Alles gerinnt: Klassenk&#228;mpfe, politische Krise der Politik, geopolitische Konfrontationen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was seit 2008 auf dem Spiel steht, ist eine Rekonfiguration der Globalisierung, welche die Staaten und ihre nationale Organisation zur Existenz und Einflussnahme betrifft. Wir erleben ein notwendiges &#8222;nationales Moment&#8220;, es ist nicht eine &#8222;L&#246;sung&#8220;, es ist ein Moment der Krise und nur ein Hinweis auf die Perspektive. Es wird &#8222;momentan&#8220; (?) nichts an der St&#228;rkung der Staaten oder Staatsbl&#246;cke vorbeif&#252;hren, daher kommt die Bedeutung der Ukraine f&#252;r Russland, ohne sie ist es wirtschaftlich, politisch und ideologisch kein Staat. Ohne die Ukraine existiert Russland nicht als Staat und existierte nie als solcher&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wir werden hier nicht weiter auf die tausendj&#228;hrige Geschichte der stets (...)&#034; id=&#034;nh2-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Um in der Rekonfiguration der Globalisierung, wovon es nun sowohl geopolitisch als auch strukturell (konzeptuell) einen blockierenden Pol darstellt, ein Gewicht zu haben und eine Rolle zu spielen, muss Russland dem Fluch des Rentierstaates entfliehen und dabei im wesentlichen seinen Nachschub an Devisen und die Zufuhr f&#252;r sein Budget aufrechterhalten. Eine schwierige Gleichung, wom&#246;glich unl&#246;sbar, ausser es bringt all sein milit&#228;risches Gewicht ins Spiel (aber, wie Napoleon sagte, man kann &#8222;mit einem Bajonett alles machen, aber [man kann] nicht darauf sitzen&#8220;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist hier notwendig, Thomas Gomart (Direktor des Franz&#246;sischen Instituts f&#252;r internationale Beziehungen IFRI) ausf&#252;hrlich zu zitieren, er skizziert ein stichhaltiges Panorama des von der Gewalt beschleunigten gegenw&#228;rtigen globalen Spiels:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Es ist eine zentrale Krise f&#252;r das internationale System, denn sie prallt auf das Gleichgewicht der Kr&#228;fte, nicht nur auf der Ebene Europas, sondern auch auf jener Eurasiens, die von Brest bis nach Wladiwostok reicht. F&#252;r Russland ist die Ukraine ein Schauplatz unter anderen. Der Zyklus der westlichen Interventionen endete in Kabul im August 2021 mit dem amerikanischen Debakel. Im Sicherheitsrat wird die Handlung Russlands weder von China, noch von Indien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten verurteilt. Halten wir anbei fest, dass diese beiden L&#228;nder die &#8218;strategischen Partner&#8216; Frankreichs in der indopazifischen Region sind. Auf einer tieferen Ebene kann die Ann&#228;herung zwischen China und Russland durch die Umsetzung der westlichen Sanktionen gegen&#252;ber Russland nur beschleunigt werden. Indem es die Ukraine annektieren will, braucht Russland China immer offensichtlicher als wirtschaftliche, finanzielle und technologische Alternative. Die neue Phase wird durch einen traurigerweise klassischen europ&#228;ischen Invasionskrieg er&#246;ffnet, doch sie k&#252;ndigt wahrscheinlich konkurrierende geo&#246;konomische Koalitionen, sowie eine globale Reorganisation der maritimen, finanziellen und Datenfl&#252;sse an.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es kommt zu einer Beschleunigung des Kampfes um die globale Vormacht zwischen den USA und China. Dank Russland kann China Washington dazu zwingen, zwei Fronten offen zu halten: Chinesisches Meer und Schwarzes/Baltisches Meer [&#8230;]. Zur Zeit des Kalten Krieges hatten die Volkswirtschaften des sozialistischen Blocks und der kapitalistischen L&#228;nder kaum Beziehungen zueinander. Heute sind sie zutiefst miteinander verbunden, allen voran mit China, aber auch mit Russland. Daher kommt die Bedeutung der Kontrolle &#252;ber die K&#252;stengebiete dieses zusammengeh&#246;rigen kontinentalen Gebietes. Dort, wo Europa und die an Russland grenzende Zone zwischen dem Baltischen und dem Schwarzen Meer (baltische L&#228;nder, Moldau, Ukraine, Georgien) aufeinandertreffen, kommt es zu den gr&#246;ssten Spannungen. Auf der Seite des Pazifiks sind es das Chinesische Meer, Taiwan, die beiden Koreas und Japan, wo es zu Reibungen kommt [&#8230;]. Die Zank&#228;pfel sind die Beherrschung des globalen Produktionsapparates in einem Kontext der Akzentuierung der &#246;kologischen Zw&#228;nge und die Beschleunigung der Digitalisierung der Welt.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Le Monde vom 3. M&#228;rz 2022.&#034; id=&#034;nh2-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Analyse ist exakt, aber prinzipienlos. Was &#8222;auf das Gleichgewicht der Kr&#228;fte prallt&#8220;, sind die Pole der Blockade der Akkumulation auf globaler Ebene. Alles wird in diesen paar Zeilen auf den Punkt gebracht, ausser der Widerspruch der Globalisierung als Totalit&#228;t, der die Sache existieren l&#228;sst und ihre Pole national gesondert darlegt. Die Pole der Konfrontation existieren nicht sui generis, sie werden durch das Wesen der Totalit&#228;t gesondert dargelegt. Innerhalb der Krise der amerikanischen Globalisierung kommt die westf&#228;lische Realit&#228;t der Beziehungen zwischen Staaten zur&#252;ck, aber &lt;i&gt;nur&lt;/i&gt; als Moment der &lt;i&gt;internen&lt;/i&gt; Krise der Globalisierung. Im Gegensatz zu den westf&#228;lischen Konfrontationen ist es nun die Totalit&#228;t, die an erster Stelle steht und sich national polarisiert, wobei sie jeden der Pole durchdringt. Alles wird neu definiert: Der &#8222;Illiberalismus&#8220; Ungarns unter Orb&#225;n und Polens hat seine Absolution erhalten, es gibt in der Ukraine keine Oligarchen mehr, die &#8222;faschistischen&#8220; Milizen des Maidan 2014 haben sich in heldenhafte patriotische Selbstorganisationen zur Verteidigung verwandelt und der Fernsehnarr in eine Ikone der Demokratie, sogar Israel, der Staat der hemmungslosen Kolonialisierung und der institutionellen Apartheid, jener, der am meisten Verurteilungen durch die UNO kumuliert, wird auf den Rang eines &#8222;Vermittlers&#8220; bef&#246;rdert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ohne dass das Resultat vorbestimmt w&#228;re, aber was als gewiss erscheint, ist die Tatsache, dass jeder Staat, als allgemeiner Repr&#228;sentant seiner kapitalistischen Klasse, der in der kommenden Rekonfiguration der Globalisierung eine Rolle spielen will, sich als souver&#228;ne Grossmacht &#252;ber einen nationalen Raum mit einer relativ koh&#228;renten Reproduktion konstituieren muss, obwohl die Rekonfiguration der Globalisierung nicht die R&#252;ckkehr der Internationalisierung sein k&#246;nnen wird, sondern eine noch unbestimmbare Mischung, welche die Kapitalverwertung und die Reproduktion wieder, nicht notwendigerweise national, miteinander verbinden muss. Seit 2004 und der Erweiterung der NATO an den Grenzen Russlands (die auf die unilaterale Intervention der USA im Irak folgt), dann 2008 mit der Annexion eines Teils von Georgien spielt Russland so um seinen Platz in dieser Rekonfiguration. Um die Terminologie von Clausewitz zu &#252;bernehmen, dieses Spiel besteht aus einer Unzahl von Gefechten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wir &#252;bernehmen in diesem Absatz gewisse Themen des Kapitels &#8222;Das Gefecht (...)&#034; id=&#034;nh2-5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Sei es in Syrien, Libyen, etlichen L&#228;ndern der Sahelzone, der Konfrontation mit der NATO an seinen Grenzen (wir werden nicht versuchen, die Frage zu beantworten, wer zuerst seine Verpflichtungen nicht eingehalten hat), sei es mit der Annexion der Krim, der polizeilichen Intervention in Weissrussland, dann der milit&#228;rischen in Kasachstan, der Anerkennung der separatistischen Republiken im ukrainischen Osten, der Aufrechterhaltung eines schwelendes Krieges im gesamten Donbass und jetzt der Invasion der Ukraine, in der Unzahl von Gefechten ist das letztendliche Ziel ein politisches. Dieses Ziel ist mit einer derartigen Menge an Bedingungen und Betrachtungen verbunden, dass das Ziel nicht durch einen einzigen Akt grossen Ausmasses erreicht werden kann, sondern nur durch eine grosse Anzahl mehr oder weniger bedeutender Akte, &lt;i&gt;die ein Ganzes konstituieren&lt;/i&gt;. Jedes dieser besonderen Gefechte ist Teil einer Gesamtheit und enth&#228;lt ein spezielles Ziel, &lt;i&gt;das es mit dieser Gesamtheit verbindet&lt;/i&gt;. Die besonderen Gefechte k&#246;nnen nur ausgehend von gemeinsamen Ursachen erkennt werden, aus welchen sie entstehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Invasion der Ukraine ist nur ein besonderes Gefecht, das jedoch, um weiterhin wie Clausewitz zu sprechen, den &#8222;Kulminationspunkt des Angriffs&#8220; repr&#228;sentiert. Doch &#8222;der Angriff&#8220; ist eine kontinuierliche Schw&#228;chung des Gegners je mehr er fortschreitet, jedes Vorr&#252;cken entfernt ihn von seinen St&#252;tzpunkten, die &#8222;Form der Verteidigung&#8220; ist ihrerseits st&#228;rker als die &#8222;Form des Angriffs&#8220;, &#8222;die Verteidigung [ist] eine st&#228;rkere Form des Kriegf&#252;hrens&#8220;. Die Invasion der Ukraine ist dieser Kulminationspunkt, dem ersten Anschein nach auf dem milit&#228;rischen Terrain mit dem Getrampel der russischen Armee, aber allen voran und in erster Linie in Bezug auf das politische Ziel. &#8222;Kulminationspunkt des Angriffs&#8220; mithilfe einer &#8222;Unzahl von Gefechten&#8220; im Streben nach einem politischen Ziel: Ein Pol zu sein gegen&#252;ber dem Westen in der Kristallisation der Pole des Widerspruchs, in welche sich die Globalisierung festgefahren hat, und dadurch im grossen Spiel ihrer Rekonfiguration teilzunehmen. Wie es auch immer ausgehen mag, Russland wird verlieren; es wird nur ein zerst&#246;rtes und von einem Viertel seiner Bev&#246;lkerung geleertes Territorium unterjochen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Westen setzte nicht auf die Strategie des taktischen R&#252;ckzuges (Kutusow gegen&#252;ber Napoleon; MacArthur gegen&#252;ber den Russen und dann den Chinesen in Korea; etliche Beispiele zeigen, dass diese Strategie nicht notwendigerweise die Tiefe des russischen Raumes erfordert), sondern auf jene des &#8222;politischen R&#252;ckzuges&#8220;: &lt;i&gt;Laissez-faire&lt;/i&gt;. Mit den vorerst beruhigenden Erkl&#228;rungen Bidens, Macrons und des Generalsekret&#228;rs der NATO hat der Westen Russland in eine nicht &#8222;t&#246;dliche&#8220; (auf keinen Fall), sondern in eine schw&#228;chende und devitalisierende Falle &#8222;gelockt&#8220; (Anf&#252;hrungs- und Schlusszeichen, da es nicht besonders schwierig war, wenn man will, dass jemand f&#228;llt, muss man ihn in jene Richtung stossen, in welche er ohnehin schon neigt)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ende Januar 2022 weigerte sich Deutschland immer noch, der Ukraine Waffen (...)&#034; id=&#034;nh2-6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In allen Parlamenten bekommt Selenski via Videokonferenz stehenden Applaus, man kopiert sogar seine khakifarbenen Kapuzenpullover, doch er weiss, dass er nur ein Bauer ist und es ist ausgesprochen selten, dass der Bauer die K&#246;nigin erreicht, bevor ein L&#228;ufer oder ein Turm, manchmal ein lauerndes Pferd, ihn verspeist. Alle westlichen Anf&#252;hrer machten, bevor sie Beifall spendeten f&#252;r ihren &#8222;Widerstand&#8220; (der sorgf&#228;ltig innerhalb gewisser Grenzen gehalten wird&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Eine konventionelle Luftintervention der NATO &#252;ber der Ukraine h&#228;tte (...)&#034; id=&#034;nh2-7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;), Druck auf die Ukraine, damit sie die Minsker Abkommen (2014) akzeptiert, diese sahen eine Verfassungsrevision und die Repr&#228;sentation der sezessionistischen Regionen vor. Der Westen hat die Verh&#228;ngung einer Art &#8222;Patt&#8220; zum Ziel, das f&#252;r Russland zerm&#252;rbend w&#228;re und eine ungewisse Dauer h&#228;tte, die Ukrainer und Ukrainerinnen hingegen sind dabei zu einer Art Kollateralschaden geworden. Die Erreichung des anf&#228;nglich &#8222;begrenzten&#8220; Ziels (die Ukraine) hat nun f&#252;r Russland nicht die geringste &#8222;Erfolgsaussicht&#8220; ohne es auf die baltischen Staaten und/oder Polen auszuweiten. Je mehr der Feind vorr&#252;ckt, desto mehr verliert er seine St&#252;tzpunkte, desto mehr muss sich sein politisches Ziel ausweiten bis ihn zu Positionen, die nicht seine waren und die er nicht halten oder &#252;bernehmen kann. Russland kann nur noch hoffen und auf den chinesischen Rettungsring warten, aber, wie in jedem B&#252;ndnis, liebt jener, welcher es dominiert, seine Komparsen allen voran, wenn sie geschw&#228;cht sind (China hatte sehr gute Beziehungen mit der Ukraine&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Le Monde vom 1.3.22.&#034; id=&#034;nh2-8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kennt die ber&#252;hmte Formel von Clausewitz: &#8222;Der Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln&#8220;, diese Formel entspricht nicht genau jener des Textes: &#8222;Man wei&#223; freilich, da&#223; der Krieg nur durch den politischen Verkehr der Regierungen und der V&#246;lker hervorgerufen wird [Clausewitz bleibt in einer westf&#228;lischen Konzeption des Krieges gefangen, obwohl er irgendwo beil&#228;ufig bemerkt, dass man die Besatzung einer Nation nur erfolgreich aufrechterhalten kann, wenn die Besatzungsmacht in den inneren Konflikten der besetzten Macht ein Echo findet, AdA]; aber gew&#246;hnlich denkt man sich die Sache so, da&#223; mit ihm jener Verkehr aufh&#246;re und ein ganz anderer Zustand eintrete, welcher nur seinen eigenen Gesetzen unterworfen sei. Wir behaupten dagegen, der Krieg ist nichts als eine Fortsetzung des politischen Verkehrs mit Einmischung anderer Mittel. Wir sagen mit Einmischung anderer Mittel, um damit zugleich zu behaupten, da&#223; dieser politische Verkehr durch den Krieg selbst nicht aufh&#246;rt, nicht in etwas ganz anderes verwandelt wird, sondern da&#223; er in seinem Wesen fortbesteht, wie auch seine Mittel gestaltet sein m&#246;gen, deren er sich bedient, und da&#223; die Hauptlinien, an welchen die kriegerischen Ereignisse fortlaufen und gebunden sind, nur seine Lineamente sind, die sich zwischen den Krieg durch bis zum Frieden fortziehen.&#8220; Die innere Logik der Politik f&#252;r Clausewitz (1780-1831) ist jene der &#220;berwindung, der Resorption der Konflikte, so wie sie durch die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse der &#8222;Zivilgesellschaft&#8220; ausgel&#246;st worden sind, die Politik l&#246;st eine Konfliktsituation auf, wovon sie stets abh&#228;ngig ist. Er ist in jeglicher Hinsicht eine Zeitgenosse Hegels, obwohl die Dialektik zwischen dem &#8222;reinen Begriff des Krieges&#8220; und dem &#8222;wirklichen Kriege&#8220; (die beiden Teile von &lt;i&gt;Vom Kriege&lt;/i&gt;) nichts mit der Hegelschen Selbstverwirklichung des Konzepts zu tun hat, sondern sich eher, mit Machiavelli, auf die den Umst&#228;nden entsprechende Recherche nach einer Verwirklichung der Notwendigkeit in den konjunkturellen Unw&#228;gbarkeiten bezieht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Krieg repr&#228;sentiert den &#228;ussersten Moment der Konflikte, ihren H&#246;hepunkt, ohne sich jedoch im Wesen von ihnen zu unterscheiden: Als entscheidender Moment der Totalit&#228;t der gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und ideologischen Konflikte, auch als &#220;berarbeitung des Klassenkampfes, woraus er entsteht, fasst sie der Krieg im &#8222;Bruchelement&#8220; der &lt;i&gt;organisierten&lt;/i&gt; Gewalt zusammen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Dinge w&#228;ren sehr einfach, wenn die Konflikte und Kriege direkt die in der Kapitalakkumulation und in der Produktionsweise im allgemeinen auf dem Spiel stehenden Widerspr&#252;che ausdr&#252;cken w&#252;rden. Aber all das existiert nur durch alle Vermittlungen der Reproduktion des Kapitals, wovon die nationalen Strukturen und ihre Geschichte ein Teil sind. Die Staaten existieren als notwendig in der kapitalistischen Produktionsweise, w&#228;hrend deren Entstehung sie sich konstituiert haben (17. und 18. Jahrhundert bis England alle Elemente der Entstehung des Kapitals als Produktionsweise synthetisiert&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Karl Marx, Das Kapital, Bd. 1 in MEW, Bd. 23, S. 779.&#034; id=&#034;nh2-9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;). Die Staaten als solche verfolgen ihre eigenen Ziele und diese Verfolgung derselben ist g&#228;nzlich Teil der Reproduktion und der Restrukturierung der kapitalistischen Produktionsweise, die nicht eine Entit&#228;t ist, die sich ohne alle ihre Determinationen reproduziert, sie sind nicht Selbstdeterminationen des Konzepts, sondern sorgen daf&#252;r, dass die Dinge &lt;i&gt;wirklich&lt;/i&gt; existieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann immer sagen, und es ist nicht falsch, dass die Proletarier nicht ihre Ausbeuter w&#228;hlen sollen und sie haben ohnehin keine Wahl. Aber wie alle leben, existieren und werden sie in dieser sie definierenden Produktionsweise hervorgebracht und sie denken und handeln gem&#228;ss der Gesamtheit der sie definierenden gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse. Es ist m&#246;glich, dass sie sich aufgrund der besonderen Situation dieser gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse in einer Konjunktur befinden, die sie dazu bringt, sie abzuschaffen, und dass nur sie sich in dieser Situation befinden. Doch gegenw&#228;rtig, wenn die &#8222;Restrukturierung&#8220; unvermeidlich Klassenkampf bedeutet, so hat das Kapital, im Widerspruch, so wie er sich pr&#228;sentiert, unter der Form der Nation (Souver&#228;nit&#228;t, Populismus, Staatsb&#252;rgerschaft), die &#8222;Politik&#8220; des Proletariats schon vorweggenommen. Die W&#252;rfel sind gezinkt und die P&#233;tanque-Kugeln gef&#252;llt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Krise der Globalisierung verwandelt sich &#252;berall (Zentrum und Peripherie) in eine politische Krise (man kann nicht dar&#252;ber hinwegsehen, indem man sagt, dass das, was z&#228;hlt, die wirtschaftlichen Interessen sind, denn diese haben eine &#8222;Form&#8220;). Im restrukturierten Kapital liegt das Verschwinden der Arbeiteridentit&#228;t dieser Krise zugrunde, sie hat die Gesamtheit der politischen Funktionsweise des demokratischen Staates total destabilisiert, diese ist gleichwesentlich mit der Anerkennung einer gesellschaftlichen Spaltung und ihrer Befriedung. Gegenw&#228;rtig ist der Klassenkampf (zentrale und periphere &#220;bersch&#252;ssige eingeschlossen) gepr&#228;gt von der Teilung zwischen Nation und Globalisierung in Form einer soziopolitischen Spaltung, wovon das Thema der Ungleichheiten und der Legitimit&#228;t des Staates der Kern geworden ist. Die Krise der Globalisierung dr&#252;ckt sich bis anhin durch popul&#228;re Bewegungen aus, die bez&#252;glich der Themen der Einkommensverteilung, der nationalen Souver&#228;nit&#228;t, der Familie, der Werte und der Staatsb&#252;rgerschaft mehr oder weniger nationalistisch sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Pr&#228;ziser betreffend der Ukraine kann man sagen, dass jene, welche den Nationalismus schlichtweg als eine Entgleisung oder eine Manipulation der Arbeiterklasse betrachten, diese nicht als Klasse dieser Produktionsweise betrachten, sondern als wesentlich konform mit ihrem &#8222;Sein-Sollen&#8220;, wenn auch mit kontingenten &#8222;Vernebelungen&#8220;. Ein &#8222;Sein-Sollen&#8220;, wovon sie, das ist ihre Daseinsberechtigung, die permanenten und invarianten Repr&#228;sentanten sind, aber immer frustriert bis zum n&#228;chsten Mal.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Russland hat sich als ideologischer, politischer und kultureller Repr&#228;sentant und in seiner Konfrontation mit dem Westen als Pol der Forderung nach nationaler Souver&#228;nit&#228;t in Anbetracht der westlichen Globalisierung herausgestellt, es hat sogar eine zerbrechliche Reorganisation seiner Produktionen, seiner W&#228;hrungsreserven und seines Zahlungssystems auf unabh&#228;ngige Art und Weise eingeplant und antizipiert. Das f&#252;hrt dazu, dass sich in der gesamten Welt vielf&#228;ltige und verschiedene Freundschaften kristallisieren. &lt;i&gt;Putin ist nicht alleine, er repr&#228;sentiert auf immer unilateralere Art und Weise einen Pol des zu &#252;berwindenden Widerspruchs&lt;/i&gt;. Am 28. Januar versammeln sich die souver&#228;nistischen und rechtsextremen Parteien in Madrid, man findet dort Marine Le Pen, aber auch Viktor Orb&#225;n, den tschechischen und den polnischen Premierminister, letzterer ist der einzige, der sich explizit kritisch gegen&#252;ber Russland zeigt. All die Schmusereien Chev&#232;nements, M&#233;lenchons, Salvinis, Beppe Grillos, Schr&#246;ders, Zemmours, Le Pens (die das russische Darlehen immer noch nicht zur&#252;ckgezahlt hat), der Vox in Spanien, der AFD in Deutschland usw. mit Putin sind allseits bekannt, die Liste muss mit Beispielen aus den USA selbst erg&#228;nzt werden, Trump vor nicht allzu langer Zeit und ein Starmoderator von Fox News. Vor&#252;bergehend werden wir nicht mehr in den Genuss der wunderbaren Ausstellungen der Stiftung Louis Vuitton kommen, mit welchen uns Bernard Arnault, dank seinen oligarchischen Investitionen und seinen Freundschaften vor dem Hintergrund des Ch&#226;teau d&#8216;Yquem, ausgehend von den Reserven der russischen Sammler, verw&#246;hnte. Aber, zum Teufel mit dem Ch&#226;teau d&#8216;Yquem, Macron hat uns gewarnt, dass wir f&#252;r die &#8222;Verteidigung unserer Werte&#8220; k&#252;nftig den G&#252;rtel enger schnallen und Trottinett fahren m&#252;ssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;R. S.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;23. M&#228;rz 2022&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://dndf.org/?p=20016&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://chusmachusma.noblogs.org/post/2022/04/11/ukraine-2022-r-s/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;English&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://hacialavida.noblogs.org/ucrania-2022-roland-simon/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Espa&#241;ol&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb2-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Mit der realen Subsumtion der Arbeit unter das Kapital findet eine v&#246;llige (und sich best&#228;ndig fortsetzende und wiederholende, siehe &lt;i&gt;Das kommunistische Manifest&lt;/i&gt;) Revolution in der Produktionsweise selbst statt, in der Produktivit&#228;t der Arbeit und im Verh&#228;ltnis von Kapitalist und Arbeiter.&#8220; Marx, &lt;i&gt;Resultate des unmittelbaren Produktionsprozesses&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Mykola Chwylowyj, zitiert von Zbigniew Kowalewski, &#8222;L'Ukraine, r&#233;veil d'un peuple, reprise d'une m&#233;moire&#8220; in &lt;i&gt;Revue H&#233;rodote&lt;/i&gt;, &#8222;Les Marches de la Russie&#8220;, 1989. Mykola Chwylowyj war ein Schriftsteller und bolschewistischer Aktivist seit 1917, er begeht 1933 Selbstmord.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wir werden hier nicht weiter auf die tausendj&#228;hrige Geschichte der stets konfliktreichen und verschachtelten Beziehungen zwischen der Ukraine und Russland mit wechselnden Vorherrschaften eingehen. Es ist &#8222;am&#252;sant&#8220;, daran zu erinnern, dass der Begriff Russland aus dem Griechischen (Byzanz) kommt, &lt;i&gt;Rossiia&lt;/i&gt;, so wurde der ruthenische Staat genannt, der sich im 10. Jh. rund um Kiew gebildet hatte. Nach der Eroberung Rutheniens durch Litauen (14. Jh.) eignen sich die F&#252;rsten Moskaus den Begriff an und das ehemalige Ruthenien wird zunehmend Ukraine genannt, was &#8222;Grenzland&#8220; bedeutet. Es muss erg&#228;nzt werden, dass die durch Russland der Ukraine auferlegten Beziehungen w&#228;hrend der gesamten sowjetischen Periode ein starkes gemeinsames nationales Interesse jenseits der Klassenspaltungen pr&#228;gten (siehe Kowalewski, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.). Schliesslich eine kleine Anspielung auf Machno, der, w&#228;hrend seinem Treffen mit Lenin (Juli 1918), bez&#252;glich der &#8222;Anarcho-Kommunisten in der Ukraine&#8220; an Lenin gerichtet anf&#252;gt: &#8222;[O]der in &#8218;S&#252;drussland&#8216;, da ihr, bolschewistische Kommunisten, das Wort Ukraine systematisch vermeidet.&#8220; (Machno, &lt;i&gt;M&#233;moires&lt;/i&gt;, zitiert in &lt;i&gt;Ni Dieu ni ma&#238;tre&lt;/i&gt;, Delphes, S. 460.)&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; vom 3. M&#228;rz 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wir &#252;bernehmen in diesem Absatz gewisse Themen des Kapitels &#8222;Das Gefecht &#252;berhaupt&#8220; in Clausewitz, &lt;i&gt;Vom Kriege&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ende Januar 2022 weigerte sich Deutschland immer noch, der Ukraine Waffen zu liefern.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Eine konventionelle Luftintervention der NATO &#252;ber der Ukraine h&#228;tte Russland die Option des unm&#246;glichen R&#252;ckgriffes auf die Atomwaffe verschafft. Aber das war &#252;berhaupt nicht die westliche Strategie des &lt;i&gt;politischen&lt;/i&gt; &#8222;defensiven R&#252;ckzuges&#8220;. Man k&#246;nnte sagen, dass die Existenz der strategischen Atomwaffen der Clausewitzschen Dialektik zwischen &#8222;reinem Begriff&#8220; des Krieges (Vernichtung des Feindes) und dem &#8222;wirklichen Kriege&#8220; (Fortsetzung der Politik) G&#252;ltigkeit und eine materielle Existenz verleiht.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; vom 1.3.22.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Karl Marx, &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Bd. 1 in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 23, S. 779.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Gilles Dauv&#233; - Kartoffeln gegen Wolkenkratzer. Zur &#214;kologie</title>
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		<dc:subject>Bericht/Analyse</dc:subject>
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		<dc:subject>Gilles Dauv&#233;</dc:subject>
		<dc:subject>&#214;kologie</dc:subject>

		<description>
&lt;p&gt;Episode 01: Eine sowohl alte als auch neue Frage &lt;br class='autobr' /&gt;
Episode 02: Der Kapitalismus wird nicht &#246;kologisch sein &lt;br class='autobr' /&gt;
Episode 03: Die &#214;kologie &#8211; und die Bourgeoisie &lt;br class='autobr' /&gt;
Episode 04: Scheitern der politischen &#214;kologie &lt;br class='autobr' /&gt;
Episode 05: Vom Anthropoz&#228;n zum Kapitaloz&#228;n &lt;br class='autobr' /&gt;
Episode 06: Das Ende der Welt wird nicht stattfinden &lt;br class='autobr' /&gt;
Episode 07: &#214;kologie: Kapitalismus oder Kommunismus? &lt;br class='autobr' /&gt;
Episode 08: Auf verlorenem Posten? &lt;br class='autobr' /&gt;
Episode 01: Eine sowohl alte als auch neue Frage &lt;br class='autobr' /&gt;
&#8222;Man berichtet uns, dass der 8. (...)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

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&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Bericht-Analyse" rel="tag"&gt;Bericht/Analyse&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Gilles-Dauve" rel="tag"&gt;Gilles Dauv&#233;&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Okologie" rel="tag"&gt;&#214;kologie&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/oeko1.jpg?1689248162' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='113' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;#Episode01&#034;&gt;Episode 01: Eine sowohl alte als auch neue Frage&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;#Episode02&#034;&gt;Episode 02: Der Kapitalismus wird nicht &#246;kologisch sein&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;#Episode03&#034;&gt;Episode 03: Die &#214;kologie &#8211; und die Bourgeoisie&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;#Episode04&#034;&gt;Episode 04: Scheitern der politischen &#214;kologie&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;#Episode05&#034;&gt;Episode 05: Vom Anthropoz&#228;n zum Kapitaloz&#228;n&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;#Episode06&#034;&gt;Episode 06: Das Ende der Welt wird nicht stattfinden&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;#Episode07&#034;&gt;Episode 07: &#214;kologie: Kapitalismus oder Kommunismus?&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;#Episode08&#034;&gt;Episode 08: Auf verlorenem Posten?&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h3 id=&#034;Episode01&#034;&gt;Episode 01: Eine sowohl alte als auch neue Frage&lt;/h3&gt;&lt;div class='spip_document_14 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/jpg/oeko1.jpg?1689248187' width='500' height='375' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Man berichtet uns, dass der 8. Internationale Wissenschaftskongress des Pazifiks in Manilla stattgefunden hat [&#8230;], wo Spezialisten der &#214;kologie, der Botanik, der Zoologie, der Hydrologie, der P&#228;dologie [&#8230;] sich mit der Tatsache besch&#228;ftigt haben sollen, dass sich die moderne Menschheit in Richtung &#8218;der Verschwendung der Ressourcen des Planeten&#8216; entwickelt [&#8230;]. Man will herausfinden, ob der Zyklus des Austausches zwischen der nat&#252;rlichen Umwelt mit ihren materiellen und energetischen Reserven und der lebenden Menschheit hin zu einer Harmonie mit einem (theoretisch undefinierten) dynamischen Gleichgewicht oder zunehmend hin zu einem Sturz ins Ungleichgewicht tendiert und somit auf historischer Ebene unverwirklichbar wird, indem er zum R&#252;ckgang und zum Ende der Menschheit f&#252;hrt.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl sie aktuell scheinen, sind diese Zeilen 1954 von Amadeo Bordiga geschrieben worden&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Il programma comunista, Nr. 5, 5.-19. M&#228;rz 1954.&#034; id=&#034;nh2-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1) Problem&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Lebensbedingungen auf der Erde h&#228;ngen besonders von einem Klima ab, dessen mehrtausendj&#228;hrige Entwicklung verschiedene Ursachen hat, wovon die menschliche T&#228;tigkeit ein kleiner oder grosser Teil darstellt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im 16. Jahrhundert verursacht die europ&#228;ische Eroberung S&#252;damerikas durch Massaker und den Export von Krankheiten 50 Millionen Tote in einigen Jahrzehnten und die Reduzierung von Anbaufl&#228;chen, Wiederaufforstung, Verringerung von Kohlenstoff in der Atmosph&#228;re und somit des Treibhauseffekts, womit die &#8222;kleine Eiszeit&#8220; (von der Mitte des 13. Jahrhunderts bis zur Mitte des 19.) akzentuiert wurde. Doch diese Entwicklung transformierte nicht die Gesamtheit der Lebensbedingungen auf der Erde. Seither hat die Industrialisierung Konsequenzen auf einem ganz anderen Niveau, was eine &#8222;grosse Beschleunigung&#8220; ausgel&#246;st hat, die uns einem Schwellenwert n&#228;her bringt:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Mehrere &#246;kologische Grenzen sind schon &#252;berschritten worden (Zerst&#246;rung der Artenvielfalt, Konzentration der Treibhausgase, Entwaldung und Zerst&#246;rung der B&#246;den, diverse Formen der Verschmutzung), bei anderen fehlt nicht viel (&#220;bers&#228;uerung der Meere, Verknappung von S&#252;sswasser). [&#8230;] Zu diesen &#252;berschrittenen Grenzen kommt die Verknappung der nicht erneuerbaren &#8218;nat&#252;rlichen Ressourcen&#8216; hinzu: fossile Energietr&#228;ger (Erd&#246;l, Gas, Kohle) und Mineralien, die mehr oder weniger f&#252;r alle zeitgen&#246;ssischen G&#252;ter und Dienstleistungen genutzt werden (wozu die Produktion von sogenannt erneuerbaren Energietr&#228;gern geh&#246;rt). Wir bewohnen die Erde seit mehreren Hunderttausend Jahren, doch diese &#220;berschreitungen haben erst seit zwei Jahrhunderten (seit der Expansion des Kapitalismus) und besonders seit der zweiten H&#228;lfte des 20. Jahrhunderts stattgefunden &#8211; also vor nicht allzu langer Zeit. [&#8230;] Wir stehen bei einer Erw&#228;rmung von 1&#176; C und k&#246;nnen jetzt schon &#252;berall auf der Welt feststellen, was sie ausl&#246;st. Wir stehen leider erst am Anfang dieser Auswirkungen. Die Ursachen dieser St&#246;rungen werden jedoch weiterhin mehr als je zuvor gef&#246;rdert.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;J&#233;r&#233;mie Cravatte, L'effondrement, parlons-en... - Les limites de la (...)&#034; id=&#034;nh2-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um nur ein Beispiel zu zitieren, auf welches wir zur&#252;ckkommen werden, die stetige Erh&#246;hung des Energieverbrauchs ist den Einsparungen und dem zunehmenden Beitr&#228;gen der &#8222;erneuerbaren Energien&#8220; (Wind, Wasser und Sonne) immer um eine L&#228;nge voraus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl der starke Anstieg der Temperaturen gewiss ist, ist das Ausmass ungewiss, man weiss nur, dass die Auswirkungen sich miteinander koppeln: Methanausstoss, Anstieg des Wasserspiegels, weniger Kohlenstoff absorbiert durch die Meere, verringerte Artenvielfalt (Verschlechterung und Zerst&#246;rung der Lebensr&#228;ume, weniger Nahrungsquellen [Fischerei], invasive Arten), &#220;berschwemmungen, Waldbr&#228;nde, Hurrikans, D&#252;rren, starke Gef&#228;hrdung oder Verschwinden von Arten &#8211; all das f&#252;hrt im Verlauf des 21. Jahrhunderts zu einem wenig &#8222;bewohnbaren&#8220; Planeten, doch f&#252;r wen und welche gesellschaftliche Organisation? Wenn heute alles als &#8222;Krise&#8220; (von 1929, der Werte, der Repr&#228;sentation, der Finanz, des Systems&#8230;) bezeichnet wird, was ist dann gegenw&#228;rtig die Verbindung zwischen der &#8222;Klimakrise&#8220; und der &#8222;sozialen Krise&#8220;?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2) Ziel&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jede Gesellschaft muss ihre Reproduktion vorbereiten, organisieren und dar&#252;ber nachdenken. Das taten auch die kapitalistischen Gesellschaften, sowohl im 19. als auch im 20. Jahrhundert, auf verschiedene und widerspr&#252;chliche Weisen gem&#228;ss ihrer Situation, England, USA, Deutschland, UdSSR&#8230; Wie m&#252;ssen sie heutzutage dieses Problem anders aufgreifen als zuvor (auch Adam Smith hatte eine &#8222;holistische&#8220; Denkweise, aber ohne damals eine Natur zu integrieren, die als unersch&#246;pflich betrachtet wurde)? Und was ist das Verh&#228;ltnis zum Klassenkampf?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Sch&#246;pferische Zerst&#246;rung&#8220;: Die von Schumpeter 1942 popul&#228;r gemachte Formel passt besonders gut zum Thema. Sie beschrieb die kontinuierliche Verlagerung der Investitionen (die zum Verschwinden von Fabriken, Arbeitsorten und Arbeitsstellen f&#252;hrte) von den weniger produktiven Sektoren hin zu den rentabelsten, die Arbeitslosigkeit, Umw&#228;lzung der Berufe, Verschiebung der T&#228;tigkeiten von einer Region oder einem Land in andere und Machttransfers von einer b&#252;rgerlichen Gruppe zu einer anderen ausl&#246;ste. Doch wenn wir es mit nat&#252;rlichen und materiellen Bedingungen zu tun haben, stellt sich die Frage, wie stark der Kapitalismus sie verschlechtern oder zerst&#246;ren kann, um sich auf anderen Grundlagen wieder aufzubauen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3) Methode&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um die russische Revolution, Mai 68 oder den Syndikalismus zu verstehen, reichen einige mit einem Minimum an theoretischer Intelligenz ausgew&#228;hlte Schriften. &#8222;Die &#214;kologie&#8220; ist hingegen das breitm&#246;glichste intellektuelle Thema und der breitm&#246;glichste politische Streitgegenstand, sie schliesst Geschichte, Geologie, Biologie, Chemie, Physik usw. mit ein. Wenn man dar&#252;ber nachdenkt, ist man schon bald obsoleten statistischen Wasserf&#228;llen ausgesetzt, die sogleich mit anderen noch erdr&#252;ckenderen und h&#228;ufig widerspr&#252;chlichen ersetzt werden. Allen voran muss man also dem Rausch des &#220;bermasses dieser Daten und Prozents&#228;tzen widerstehen. Und welche Zahlen? Bis 2014 war es g&#228;ngig (auch im Weltklimarat, Autorit&#228;t in diesem Bereich), &#8222;den Kohlenstoffeffekt&#8220; ausgehend vom Produktionsland zu messen: Der Ausstoss von CO2 von einem in China hergestellten Fernseher wurde China zugeschrieben, auch wenn ein Frachtschiff ihn nach Belgien oder Kanada transportierte, was letzteren L&#228;ndern erlaubte, sich hinsichtlich Verschmutzung als tugendhaft darzustellen. Doch man beruhigt uns: Die Statistiken sind seither korrigiert worden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir spielen nicht die Oberspezialisten und streben nur nach einem theoretischen Minimum. Pr&#228;zise Daten und Referenzen sind gen&#252;gend zug&#228;nglich, wir werden also im Verlauf der Kapitel wenig davon liefern. Wir werden nacheinander folgende Themen behandeln:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;1) Den Platz, der die kommunistische Theorie damals dem einr&#228;umen konnte, was heute &#214;kologie genannt wird, und den Grund, weshalb die &#8222;&#214;konomie&#8220; und die &#8222;&#214;kologie&#8220; beide in diesem Kapitel von uns kritisiert werden m&#252;ssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;2) Inwiefern Kapitalismus und &#214;kologie inkompatibel sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;3) Inwiefern sich die Situation verschlechtert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;4) Das Scheitern der politischen &#214;kologie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;5) Die theoretische Erfindung des Anthropoz&#228;ns, dann jene des Kapitaloz&#228;ns.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;6) Die Zusammenbruchstheorie und die Kollapsologie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;7) Das Wesen des Kapitalismus und seine m&#246;gliche &#220;berwindung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;8) Schliesslich und allen voran: die Tatsache, dass nichts verloren ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sind weder die Ersten, noch die Letzten, die sich mit der Frage besch&#228;ftigen. Zahlreiche existierende Studien zum Thema k&#246;nnen in diesen drei Punkten zusammengefasst werden: 1) Die kapitalistische Produktionsweise ist f&#252;r das Problem verantwortlich; 2) da sie die Ursache ist, wird sie nicht die L&#246;sung sein; aber 3) eine vern&#252;nftig von den Proletariern oder dem Volk verwaltete Wirtschaft k&#246;nnte das Problem l&#246;sen. Die Leserinnen und Leser werden sehen, welche gemeinsamen Punkte und &lt;i&gt;Unterschiede&lt;/i&gt; es zwischen dieser Sichtweise und unserer gibt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;4) Vom 19. bis ins 20. Jahrhundert&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Fourier: ein leidender Planet&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Beginnen wir mit dem Theoretiker der leidenschaftlichen Anziehung, der vor zwei Jahrhunderten eine dramatische Diagnose erstellte:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Berge br&#246;ckeln durch die schlechte Verwaltung der Zivilisierten und Barbaren ab, die Quellen versiegen, die Temperaturexzesse, D&#252;rren und &#220;berschwemmungen, werden immer h&#228;ufiger, die Jahreszeiten geraten immer mehr durcheinander und &#252;berlappen sich andauernd, die am meisten zivilisierten L&#228;nder haben immer tiefere klimatische Mittelwerte, der Olivenbaum ist in Frankreich um ein halbes Grad in Richtung S&#252;den zur&#252;ckgegangen, der Weinbau ist in vielen Regionen fast nicht mehr m&#246;glich, besonders im Burgund, das aufgrund klimatischer Zwischenf&#228;lle sieben Ernten nacheinander verloren hat [&#8230;]&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das schrieb Fourier (1772-1837), wobei er &#8222;die Ursachen der Ver&#228;nderung&#8220; den Gestirnen zuschrieb und eine Abk&#252;hlung diagnostizierte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und in &lt;i&gt;D&#233;t&#233;rioration mat&#233;rielle de la plan&#232;te&lt;/i&gt; behauptete er, dass die &#8222;klimatischen Unordnungen ein der zivilisierten Kultur inh&#228;rentes Laster ist; sie stellt durch ihren Mangel an Proportionen und allgemeinen Methoden, durch den Kampf der individuellen Interessen mit dem kollektiven Interesse alles auf den Kopf [&#8230;] Die zivilisierte und barbarische Landwirtschaft, von deren wundersamen individuellen Eigenschaften man schw&#228;rmt, hat die l&#228;cherliche Eigenschaft der kollektiven Verschlechterung; sie zerst&#246;rt ihren eigenen Boden, statt ihn zu verbessern.&#8220; Daher &#8222;die Dringlichkeit, schnellstm&#246;glich den zivilisierten, barbarischen, wilden Zustand zu verlassen und das materielle Leid des Planeten zu lindern, womit auch das menschliche Elend beendet werden wird&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Deshalb &#8222;ist im industriellen System alles lasterhaft. Es ist in jeglicher Hinsicht nur ein Wettlauf gegen die Zeit.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Marx: der Stoffwechsel Mensch-Natur&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wer Zitate braucht, die bei Marx und Engels &#8222;ein unbestreitbares &#246;kologisches Bewusstsein&#8220; (Henri Pe&#241;a-Ruiz) beweisen &#8211; oder widerlegen &#8211; wird sie leicht finden. Doch es geht nicht darum, eine Zusammenstellung oder eine Auswahl zu erstellen, sondern die Richtschnur oder die Richtschn&#252;re zu finden. Einige etwas l&#228;ngere Zitate werden notwendig sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die kapitalistische Produktion entwickelt daher nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergr&#228;bt: die Erde und den Arbeiter.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Marx, Das Kapital, Bd. 1, 1867 in MEW, Bd. 23, S. 529-530.&#034; id=&#034;nh2-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Schmeicheln wir uns indes nicht zu sehr mit unsern menschlichen Siegen &#252;ber die Natur. F&#252;r jeden solchen Sieg r&#228;cht sie sich an uns. Jeder hat in erster Linie zwar die Folgen, auf die wir gerechnet, aber in zweiter und dritter Linie hat er ganz andre, unvorhergesehene Wirkungen, die nur zu oft jene ersten Folgen wieder aufheben.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Engels, Dialektik der Natur, 1883 in MEW, Bd. 20, S. 452-453.&#034; id=&#034;nh2-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Wenn der einzelne Fabrikant oder Kaufmann die fabrizierte oder eingekaufte Ware nur mit dem &#252;blichen Profitchen verkauft, so ist er zufrieden, und es k&#252;mmert ihn nicht, was nachher aus der Ware und deren K&#228;ufer wird. Ebenso mit den nat&#252;rlichen Wirkungen derselben Handlungen. [&#8230;] Gegen&#252;ber der Natur wie der Gesellschaft kommt bei der heutigen Produktionsweise vorwiegend nur der erste, handgreiflichste Erfolg in Betracht; und dann wundert man sich noch, da&#223; die entfernteren Nachwirkungen der hierauf gerichteten Handlungen ganz andre, meist ganz entgegengesetzte sind [&#8230;] [Wir beherrschen] keineswegs die Natur [&#8230;], wie ein Eroberer ein fremdes Volk beherrscht, wie jemand, der au&#223;er der Natur steht - sondern [&#8230;] wir [geh&#246;ren] mit Fleisch und Blut und Hirn ihr an [&#8230;] und [stehn] mitten in ihr [&#8230;] Je mehr dies aber geschieht, desto mehr werden sich die Menschen wieder als Eins mit der Natur nicht nur f&#252;hlen, sondern auch wissen, und je unm&#246;glicher wird jene widersinnige und widernat&#252;rliche Vorstellung von einem Gegensatz zwischen Geist und Materie, Mensch und Natur, Seele und Leib [&#8230;]&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 453-455.&#034; id=&#034;nh2-5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schliesslich das von Marx in einem Fragment, das h&#228;ufig als Schlussfolgerung des dritten Bandes reproduziert wird:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;[E]s erzeugt dadurch [durch das Grundeigentum] Bedingungen, die einen unheilbaren Ri&#223; hervorrufen in dem Zusammenhang des gesellschaftlichen und durch die Naturgesetze des Lebens vorgeschriebnen Stoffwechsels, infolge wovon die Bodenkraft verschleudert und diese Verschleuderung durch den Handel weit &#252;ber die Grenzen des eignen Landes hinausgetragen wird. [&#8230;] [D]as industrielle System auf dem Land auch die Arbeiter entkr&#228;ftet und Industrie und Handel ihrerseits der Agrikultur die Mittel zur Ersch&#246;pfung des Bodens verschaffen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Marx, Das Kapital, Bd. 3 in MEW, Bd. 25, S. 821.&#034; id=&#034;nh2-6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber was bezeichnet der Begriff des &#8222;Stoffwechsels&#8220;? Die Gesamtheit des Austausches an Materie und Energie, die ein lebendes Wesen oder ein Organismus ben&#246;tigt, um fortzubestehen und sich zu reproduzieren. Im weiteren Sinne ist der gesellschaftliche Stoffwechsel gleichbedeutend mit dem Gleichgewicht, das die Erneuerung jener nat&#252;rlichen Bedingungen erlaubt, welche f&#252;r die menschlichen Produktionen unabdingbar sind. Marx benutzt diesen Begriff allerdings fast immer in seinen Kapiteln &#252;ber die Grundrente, bez&#252;glich des Landeigentums, &#8222;industriell betriebene gro&#223;e Agrikultur&#8220;, die heute zum Agrobusiness geworden ist und dem Boden die N&#228;hrstoffe entzieht &#8211; was heute hinl&#228;nglich best&#228;tigt ist. Die von Engels zitierten Beispiele betreffen ebenfalls die B&#246;den.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sind trotzdem weit vom globalen Ungleichgewicht entfernt, das die Erde und das Menschengeschlecht im 21. Jahrhundert bedroht. Als die USA in den 1930er Jahren mit einem verheerenden, zum Teil durch die &#220;berbeanspruchung der B&#246;den ausgel&#246;sten &lt;i&gt;Dust Bowl&lt;/i&gt; fertig wurden, blieb das Ph&#228;nomen in jenem Rahmen, den man in der Epoche von Marx vorhersehen konnte. Sowohl hinsichtlich ihrer Ursachen als auch ihrer Folgen erreicht der zeitgen&#246;ssische &#8222;Riss des Stoffwechsels&#8220; ein qualitativ anderes Niveau. Marx konnte gewisse zerst&#246;rerische Effekte der kapitalistischen Produktionsweise verstehen und verurteilen, jedoch nicht das Ausmass der von ihr verursachten Umweltverw&#252;stungen im Verlauf des 20. Jahrhunderts. Es ist nutzlos, ihn in einen Vorl&#228;ufer der zeitgen&#246;ssischen &#214;kologie zu verwandeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Pannekoek: &#8222;Naturverw&#252;stung&#8220;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Anton Pannekoek (1873-1960) bekr&#228;ftigt 1909 im Text &#8222;Naturverw&#252;stung&#8220;, dass die Liebe zur Natur nicht der einzige Grund ist, sich mit den W&#228;ldern zu besch&#228;ftigen: Es geht um &#8222;Lebensinteressen f&#252;r die Menschheit [&#8230;] Wir wissen, dass die Menschen nun einmal die Herren der Erde sind und die Natur zu ihren Zwecken v&#246;llig umwandeln. Wir sind zu unseren Leben ganz auf die Naturkr&#228;fte und die Natursch&#228;tze angewiesen; wir m&#252;ssen sie gebrauchen und verbrauchen. Nicht um diese Tatsache handelt es sich hier, sondern nur die Art und Weise, wie der Kapitalismus sie gebraucht. Eine vern&#252;nftige Gesellschaftsordnung wird die ihr zur Verf&#252;gung stehenden Sch&#228;tze der Natur in solcher Weise benutzen m&#252;ssen, dass nicht mehr verbraucht wird, als jeder zugleich neu aufw&#228;chst, so dass die Gesellschaft nie &#228;rmer wird und nur reicher werden kann. [&#8230;] Unter der heutigen Wirtschaftsordnung ist die Natur nicht der Menschheit sondern den Kapital dienstbar [&#8230;] Die Natursch&#228;tze werden ausgebeutet, als w&#228;ren die Vorr&#228;te unendlich und unersch&#246;pflich. In den &#252;blen Folgen der Waldverw&#252;stung f&#252;r die Landwirtschaft, in der Ausrottung n&#252;tzlicher Tiere und Pflanzen tritt die Endlichkeit der Vorr&#228;te als ein Bankrott dieser Wirtschaftsweise zu Tage. Als eine Anerkennung dieses Bankrotts ist es auch zu bezeichnen, wenn Roosevelt [es handelt sich um Theodore Roosevelt, Pr&#228;sident der USA von 1901 bis 1909] eine internationale Konferenz zusammenberufen will, der den Bestand der noch vorhandenen Natursch&#228;tze aufnehmen und Ma&#223;nahmen gegen ihre weitere Verschwendung treffen soll. Nat&#252;rlich ist dieser Plan selbst nur Humbug. Der Staat kann zwar Vieles tun, um die ruchlose Ausrottung seltener Naturwesen zu verhindern. Aber der kapitalistische Staat ist immerhin nur ein trauriger Vertreter der Allgemeinheit der Menschen. [&#8230;] Der Kapitalismus hat [&#8230;] an die Stelle des Lokalbedarfs den Weltbedarf gesetzt und gew&#228;ltige technische Hilfsmittel zur Ausbeutung der Natur geschaffen. Dabei handelt es sich dann sofort von ungeheuren Massen, die mit kolossalen Vernichtungsmitteln in Angriff genommen und mit m&#228;chtigen Transportmitteln weggeschafft werden. Die Gesellschaft unter dem Kapitalismus ist einem mit Riesenkraft ausgestatteten vernunftlosen K&#246;rper zu vergleichen; w&#228;hrend er seine Kraft immer gewaltiger entwickelt, verw&#252;stet er zugleich in sinnloser Weise die Natur, worin und wodurch er lebt.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige Verw&#252;stungen sp&#228;ter bekr&#228;ftigt Pannekoek in &lt;i&gt;Antropogenese&lt;/i&gt;&lt;i&gt;. Een studie over het ontstaan van de mens&lt;/i&gt; (1944): &#8222;Potenziell ist der Mensch Herr &#252;ber die Natur. Doch er ist noch nicht Herr &#252;ber seine eigene Natur. Wie kann er es werden?&#8220; Durch eine Revolution, die eine gemeinschaftliche Produktion wieder einf&#252;hrt, und Pannekoek glaubt an &#8222;einen ununterbrochenen technischen Fortschritt, der kurz davor steht, die Menschheit als organisierte Einheit zu konsolidieren, die Herrin &#252;ber ihr Leben ist&#8220;. Anton Pannekoek ist nicht &#246;kologischer als Marx, ausser man betrachtet jeden Verteidiger der Natur so. Sein Text wurde nach einer Reihe von Niederlagen der Arbeiterklasse verfasst, nach der Krise von 1929, dem Nazismus, dem Weltkrieg und im Kontext einer andauernden Besatzung Hollands durch Deutschland: Trotz dieser niederschmetternden Tatsachen bekr&#228;ftigt Pannekoek, indem er die Evolution des Menschengeschlechts Revue passiert, sein Vertrauen in eine k&#252;nftige Menschheit ohne Klassen und Staat, die endlich mit sich selbst vers&#246;hnt sein w&#252;rde. Die fr&#252;her oder sp&#228;ter selbstzerst&#246;rerische Herrschaft des Kapitals &#252;ber die Natur ist nicht sein Thema.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wernadski: Die Biosph&#228;re&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Russische Revolution beschr&#228;nkt sich nicht auf die Erscheinung einer neuen Form des Kapitalismus, die von einer Klasse &#8211; der B&#252;rokratie &#8211; angef&#252;hrt wurde, welche die gleiche Rolle wie die Bourgeoisie spielte, obwohl ihr Ursprung und ihre Funktionsweise unterschiedlich war. Sie ist auch eine Gesamtheit an widerspr&#252;chlichen, ambivalenten und unvollendeten Bem&#252;hungen zur Erschaffung neuer Lebensformen, Bem&#252;hungen, die durch mangelnde Mittel hintertrieben und dann durch das Regime zerschlagen wurden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist also nicht erstaunlich, dass die &#214;kologie, so wie wir sie heute verstehen, in den 1920er Jahren eine wissenschaftliche und politische Realit&#228;t war, bevor sie mit den Zw&#228;ngen der Staatsgewalt und der Kapitalakkumulation zusammenstiess. Wladimir Wernadski (1863-1945), ber&#252;hmter Mineraloge und Chemiker, &#8222;Vater der Wissenschaft&#8220; in der Sowjetunion, beschreibt die Erde als lebenden Organismus, nicht als leblose Materie, und theoretisiert die &lt;i&gt;Biosph&#228;re&lt;/i&gt; als handelnde geologische Kraft. Er warnt im April 1926: &#8222;Die nat&#252;rlichen Produktivkr&#228;fte [&#8230;] sind in ihrer Zusammensetzung und ihrem &#220;berfluss unabh&#228;ngig vom menschlichen Willen und der menschlichen Vernunft, egal wie zentralisiert und organisiert sie auch sein m&#246;gen. Da diese Kr&#228;fte nicht unersch&#246;pflich sind, wissen wir, dass sie Grenzen haben, [&#8230;] die f&#252;r unsere eigenen Produktionskapazit&#228;ten eine un&#252;berwindbare nat&#252;rliche Grenze darstellen [&#8230;] f&#252;r unser Land sind diese Grenzen ziemlich eng gesteckt und erlauben &#8211; mit dem Risiko einer grausamen Rechnung &#8211; keine Verschwendung im Gebrauch unserer Rohstoffe.&#8220;&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ebenfalls der Zoologe G. A. Koschewnikow 1928: &#8222;Die Entwicklung einer materialistischen Konzeption der Natur ist nicht gleichbedeutend mit der Berechnung, wie viele Kubikmeter Feuerholz man aus einem Wald extrahieren oder wie viel Dollar man mit Eichh&#246;rnchenleder jedes Jahr einnehmen kann [&#8230;]. Die Kontrolle &#252;ber die nat&#252;rlichen Regulationen zu &#252;bernehmen, ist eine extrem schwierige und verantwortungsvolle Sache. [J]egliche Intervention, sogar jene, welche wir als n&#252;tzlich betrachten, [&#8230;] zerst&#246;rt die nat&#252;rlichen Bedingungen der Bioz&#246;nosen. [&#8230;] Aus diesem Lebensgewebe, das sich w&#228;hrend etlichen tausend Jahre dauernden Interaktionen entwickelt hat, kann man nicht einfach schadlos ein Glied herausnehmen [&#8230;]&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch ab 1928 fallen die guten Absichten gegen&#252;ber den Zielen des ersten F&#252;nfjahresplans nicht wirklich ins Gewicht: Der Schutz der Natur wird nur einger&#228;umt, wenn er die Produktivit&#228;t steigert. Was von der &#214;kologie bleibt (Aktionen gegen die Entwaldung und die Bodenerosion, Errichtung von Naturparks, Massnahmen, die auch von den &#8222;b&#252;rgerlichen&#8220; Regimes ergriffen werden, besonders auf der anderen Seite des Atlantiks), zielt darauf ab, die Produktivkr&#228;fte durch ihre exzessive Entwicklung nicht &lt;i&gt;zu&lt;/i&gt; stark aus dem Gleichgewicht zu bringen: Das Ziel des Regimes ist es, die Umwelt im Interesse des industriellen Wachstums zu erhalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schutz und Erhaltung fassen die &#214;kologie nicht zusammen und sind weit von den gegenw&#228;rtigen Problemen entfernt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Bordiga: Die menschliche Gattung und die Erdkruste&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach 1950 n&#228;hert sich Amadeo Bordiga (1889-1970) in einer Artikelreihe, geschrieben nach &#220;berschwemmungen, Unf&#228;llen, chemischen Verschmutzungen, Bodenersch&#246;pfung und der Unf&#228;higkeit der kapitalistischen Produktionsweise, die Menschheit zu ern&#228;hren, der Idee an, dass die Technik kein neutrales Werkzeug ist, das ihr Wesen ver&#228;ndern w&#252;rde, wenn sie von den H&#228;nden und K&#246;pfen der Bourgeois in jene der Proletarier &#252;bergehen w&#252;rde. F&#252;r ihn werden sich die Proletarier w&#228;hrend der Revolution nicht damit begn&#252;gen, sich der Produktionsmittel zu bem&#228;chtigen, sie werden einen Teil davon transformieren und sich des anderen entledigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Obwohl es wahr ist, dass das industrielle und wirtschaftliche Potenzial der kapitalistischen Welt ansteigt und nicht sinkt, ist es genauso wahr, dass sich, je st&#228;rker dieser Anstieg ist, sich umso mehr die Bedingungen der Menschenmasse gegen&#252;ber historischen Naturkatastrophen verschlimmern.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Amadeo Bordiga, &#8222;Piena e rotta della civilt&#224; borghese&#8220;, 1952.&#034; id=&#034;nh2-7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Je &#8222;effizienter&#8220; der Kapitalismus in der Ausbeutung der Arbeit und des Lebens der Menschen ist, desto weniger ist er f&#228;hig, &#8222;die Arbeit der gegenw&#228;rtigen den k&#252;nftigen Generationen zu &#252;bermitteln&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Amadeo Bordiga, &#8222;Specie umana e crosta terrestre&#8220;, 1952.&#034; id=&#034;nh2-8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Der Kapitalismus hat seit langem eine &#8218;technische&#8216; Grundlage aufgebaut, d.h. ein Erbe an Produktivkr&#228;ften, das uns bei weitem gen&#252;gt; die Steigerung des produktiven Potenzials ist also &#8211; im weissen Siedlungsgebiet &#8211; nicht das grosse historische Problem, sondern durch das Verbot ihrer Ausbeutung und Verschwendung die Zerst&#246;rung jener gesellschaftlicher Formen, welche einer korrekten Verteilung und Organisation der n&#252;tzlichen Kr&#228;fte und Energien entgegenstehen. Besser: Der Kapitalismus hat selbst zu viel aufgebaut und erlebt diese historische Alternative: Zerst&#246;rung oder Verschwinden.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Amadeo Bordiga, &#8222;Politica e &#8218;costruzione&#8216;&#8220;, 1952.&#034; id=&#034;nh2-9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Weltrevolution wird sich, statt immer mehr aufzubauen, &#8222;die enorme Extravaganz&#8220; erlauben k&#246;nnen, &#8222;Kartoffeln auf dem vom Wolkenkratzer der Vereinten Nationen besetzten Terrain zu pflanzen&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Il Programma comunista, Nr. 6, 19. M&#228;rz &#8211; 2. April 1954.&#034; id=&#034;nh2-10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In diesen Artikeln wie auch in seiner langen Studie der landwirtschaftlichen Frage bricht Bordiga allerdings nicht explizit mit der Idee, die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen mit jener der Natur zu ersetzten, letztere bleibt sowohl eine Partnerin als auch eine Gegnerin.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Anarchismus, Marx, Marxismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Marx und die Marxisten waren nicht die einzigen, die an eine g&#252;nstige &#8222;Entwicklung der Produktivkr&#228;fte&#8220; glaubten. Mit einem anderen Tonfall waren andere Str&#246;mungen daran beteiligt, besonders anarchistische. In &#8222;L&#8216;Humanisph&#232;re, utopie anarchiste&#8220; stellte sich Joseph D&#233;jacque (1822-1864), der Erfinder des Begriffes &#8222;libert&#228;r&#8220;, 1858-1859 die Welt im Jahr 2858 vor:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Luft, das Feuer und das Wasser, alle Elemente mit zerst&#246;rerischen Instinkten sind bezwungen worden und gehorchen gefangen unter dem Blick des Menschen all seinen Absichten. Der Himmel ist erklommen worden. Die Elektrizit&#228;t tr&#228;gt den Menschen auf ihren Fl&#252;geln und f&#252;hrt ihn in den Wolken spazieren, ihn und seine Luftschiffe. [&#8230;] Ein immenses Bew&#228;sserungsnetz deckt die weiten Pr&#228;rien ab, deren Schranken man abgebrannt hat und worauf zahlreiche Herden grasen, die zur Ern&#228;hrung des Menschen bestimmt sind. Der Mensch thront &#252;ber seine Arbeitsmaschinen, er befruchtet das Feld nicht mehr mit dem Dampf seines K&#246;rpers, sondern mit dem Schweiss der Lokomotive.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Der Mensch [&#8230;] l&#228;sst es nach Belieben regnen oder sch&#246;nes Wetter sein; er bestimmt &#252;ber die Jahreszeiten und die Jahreszeiten verbeugen sich vor ihrem Meister. Die Tropenpflanzen bl&#252;hen unter freiem Himmel in den Polarregionen auf; siedende Lavastr&#246;me schl&#228;ngeln sich durch sie durch; die nat&#252;rliche Arbeit des Planeten und die k&#252;nstliche Arbeit des Menschen haben die Temperatur der Pole transformiert und dort den Fr&#252;hling ausgel&#246;st, wo zuvor der ewige Winter herrschte.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Der Planet [ist] zu einer einheitlichen Siedlung [geworden], die man in weniger als einem Tag erkunden kann. Die Kontinente sind die Quartiere oder Bezirke der universellen Stadt.&#8220; Unter einer kolossalen Kuppel garantieren Zentralheizungen und Ventilatoren den Parisern &#8222;ein stets gem&#228;ssigtes Klima&#8220; und die Beherrschung der Natur weitet sich auf die Tiere aus mit &#8222;L&#246;wen, die zu Haustieren&#8220;, und &#8222;Panthern, die wie Katzen gez&#228;hmt geworden sind&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die allgegenw&#228;rtigen Maschinen (das Wort Roboter wird 1920 vom Schriftsteller Karel &#268;apek kreiert) f&#252;hren fast alle m&#252;hsamen Arbeiten aus und k&#252;mmern sich um die Hausarbeit. Dampf und Elektrizit&#228;t automatisieren die meisten Bewegungen und allt&#228;glichen Handgriffe. Nebenbei &#8222;hat&#8220; als Folge der Harmonisierung der Menschheit &#8222;eine universelle Sprache all diese Jargons der Nationen ersetzt&#8220;.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;D&#233;jacque hatte dermassen Vertrauen in diesen unaufhaltbaren Marsch der Menschheit hin zum technischen &lt;i&gt;und gesellschaftlichen&lt;/i&gt; Fortschritt (die bald dazu aufgerufen waren, ein und dasselbe zu sein), dass die &#8222;&#246;kologische Frage&#8220; f&#252;r ihn im w&#246;rtlichsten Sinne undenkbar war.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach ihm erkannten Marx, Engels, Pannekoek, die russischen Gelehrten der 1920er Jahre und dann Bordiga allen voran ein Problem im Verh&#228;ltnis zwischen der menschlichen Gattung und ihrer nat&#252;rlichen Umwelt aufgrund der Bodenersch&#246;pfung und der Verschwendung. Man ist selten intelligenter, als es die durch seine Epoche aufgeworfenen Probleme erlauben. Man kannte den Treibhauseffekt 1945, aber nicht die Schwere seiner Wirkung auf den Planeten, und man war eher bez&#252;glich eines Atomkrieges beunruhigt.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gab Marx, seine Behauptungen, seine Intuitionen. F&#252;r ihn ist das Menschengeschlecht das Subjekt und die Natur der Gegenstand, ihr Gegenstand, und ihre Interaktion &#228;ndert nichts an einem Verh&#228;ltnis des Vorranges, wovon Marx (und sehr wenige damals) die zerst&#246;rerische Wirkung sowohl auf die Natur als auch auf die Menschheit erkennen konnten.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und es gab den Marxismus, f&#252;r welchen die kapitalistische Produktionsweise durch den Widerspruch Produktivkr&#228;fte/Produktionsverh&#228;ltnisse angetrieben und untergraben wird, erstere haben die Berufung, letztere zerplatzen zu lassen, und die Proletarier erben von den Bourgeois einen immensen technischen und wissenschaftlichen Apparat, den sie an die Bed&#252;rfnisse der Massen anpassen w&#252;rden. In dieser Optik werden die Wissenschaft und die Technik meistens als gesellschaftlich neutral wahrgenommen: Der M&#228;hdrescher und die Schreibmaschine sind Werkzeuge, alles h&#228;ngt davon ab, &lt;i&gt;wie&lt;/i&gt; und, allen voran, von &lt;i&gt;wem&lt;/i&gt; sie benutzt werden. Wenn die Bourgeoisie einmal eliminiert ist, werden die Produktivkr&#228;fte allen zugutekommen. Im Sozialismus, schreibt Lenin, wird es das Taylor-System, heutzutage das Instrument der &#8222;Versklavung des Menschen durch die Maschine&#8220;, das es dem Arbeiter erlauben wird, viermal weniger zu arbeiten und gleichzeitig von einem viermal h&#246;heren Wohlbefinden zu profitieren. Vom Widerspruch zwischen Produktivkr&#228;ften und Produktionsverh&#228;ltnissen haben die Sozialdemokratie und der Stalinismus das ber&#252;cksichtigt, was sie ben&#246;tigten: ein (angeblich) rationales Projekt der Herrschaft &#252;ber die Natur. Sie waren weit von einer Kritik des Kapitalismus entfernt und haben ihn sowohl in der Ausbeutung der Proletarier als auch in der Zerst&#246;rung der nat&#252;rlichen Umwelt begleitet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;5) 20. Jahrhundert. Kritik der &#214;konomie, Kritik der &#214;kologie&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie jedes Gesellschaftssystem muss sich der Kapitalismus nicht nur legitimieren, sondern er muss auch &#252;ber sich selbst und seine Widerspr&#252;che nachdenken: Die Wirtschaftswissenschaften sind eines seiner privilegierten Mittel des Selbstverst&#228;ndnisses.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der griechischen Antike beschrieb die &#8222;&#214;konomie&#8220; die Verwaltung &#8222;des Hauses&#8220;, d.h. des Landgutes, in einer Gesellschaft der Landeigent&#252;mer, die mit anderen manchmal weit entfernten Regionen handelten, in welcher jedoch das Land die wesentliche Quelle des Reichtums blieb.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit der Industriellen Revolution nahm die &#8222;&#214;konomie&#8220; den allgemeinen Sinn der Produktion und des Vertriebs von G&#252;tern und Dienstleistungen an und die &#246;konomische Fachkenntnis hat sich als jene aufgedr&#228;ngt, welche es erlaubt, eine von Fabriken, Frachtschiffen und Waren, d.h. von Kapital und Lohnarbeit ges&#228;ttigte Welt zu verstehen und zu verwalten. W&#228;hrend man 1960 in einem franz&#246;sischen Gymnasium nicht &#8222;die &#214;konomie&#8220; unterrichtete, ist jede politische Diskussion heutzutage von einem Schwall an Statistiken &#252;ber das &#8222;Wachstum&#8220; oder die Besch&#228;ftigung begleitet. Die Allgegenwart der &#8222;&#214;konomie&#8220; ist zu einer Selbstverst&#228;ndlichkeit geworden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Parallel dazu konnte der planetarische Aufstieg des die f&#252;r ihn notwendigen Gleichgewichte auf den Kopf stellenden Kapitalismus zwangsl&#228;ufig &#8222;die Natur&#8220; (im weiteren Sinne, der sowohl den Wald als auch die Temperatur enth&#228;lt) nicht mehr als unendlich verf&#252;gbares und ausbeutbares Gut betrachten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#8222;&#214;konomie&#8220; als Wissen &#8211; und Weltanschauung &#8211; reichte nicht mehr: Es musste &#252;ber die Beziehungen zwischen der (im vorliegenden Fall kapitalistischen) Gesellschaft und dem, was ihre Existenz konditioniert, nachgedacht werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Erfinder des Worts und des Begriffes der &#8222;&#214;kologie&#8220; 1866, der deutsche Biologe Ernst Haeckel, ein anerkannter Gelehrter, popul&#228;rwissenschaftlicher Autor und bekannt daf&#252;r, die Lehre Darwins verbreitet zu haben, interessierte sich mehr f&#252;r die Evolution der Arten als f&#252;r die historische Evolution. Trotzdem zeugte seine Forschung von der Notwendigkeit, eine unumg&#228;ngliche Realit&#228;t zu ber&#252;cksichtigen: die Gesamtheit der materiellen Grundlage, auf welcher die menschliche T&#228;tigkeit basiert. Es war freilich noch kein Bewusstsein f&#252;r eine bedrohte Umwelt. Aber Haeckel hatte schon einen ganz anderen Blick auf die Welt als vor ihm Descartes (&#8222;uns zum Herrscher und Besitzer der Natur zu machen&#8220;) oder Francis Bacon (experimentell Kenntnisse &#252;ber die Natur zu erlangen, um sie in den Dienst des Menschen zu stellen). F&#252;r Haeckel lebt und entwickelt sich die Menschheit innerhalb einer Totalit&#228;t lebender Wesen: Das Feld der &#8222;&#214;kologie&#8220; hat sich danach auf den ganzen Planeten ausgeweitet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#214;konomie und &#214;kologie sind also zwei sehr verschiedene Dinge. Im Gegensatz zur &#214;konomie, die sich die Frage stellt, wie &#8222;das Haus&#8220; produktiv verwaltet werden kann, will die &#214;kologie viel mehr als eine Wissenschaft der Verwaltung sein: Sie bringt die Gesellschaften in ihre globale Umwelt zur&#252;ck, vereinigt &#8222;Humanwissenschaften&#8220; und &#8222;Naturwissenschaften&#8220; und strebt nach der Schnittmenge zwischen Geschichte, Biologie, Geographie, Klimatologie&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber das Wissen der Gelehrten und der &#8222;breiten &#214;ffentlichkeit&#8220; geht nicht &#252;ber das hinaus, was denkbar ist in jener Gesellschaft, welche es hervorruft und unterh&#228;lt. In Tat und Wahrheit denkt die &#214;kologie die Welt, ohne des Pudels Kern seit zwei Jahrhunderten zu ber&#252;cksichtigen: das Verh&#228;ltnis Kapital/Arbeit, die Beziehung Bourgeois/Proletarier. In den Augen jener, welche sich als Umweltsch&#252;tzer pr&#228;sentieren, scheint die Analyse der Gesellschaft in Klassenbegriffen sekund&#228;r, illusorisch oder &#252;berholt. So erkl&#228;rt ein j&#252;ngst erschienenes Buch, das sonst reich und stimulierend ist, die Geschichte der Energietr&#228;ger im Industriezeitalter durch die Herrschaft &#8222;der Technologie&#8220;, &#8222;der technischen [und] produktivistischen Vorstellungskraft&#8220;, eines &#8222;produktivistischen Systems&#8220;, &#8222;eines techno-&#246;konomischen Imperialismus&#8220; und &#8222;der technischen Macht&#8220; (Fran&#231;ois Jarrigue &amp; Alexis Vrignon). Man k&#246;nnte sagen, der Kapitalismus &#8211; der &lt;i&gt;unsichtbar gemacht worden ist.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotz ihrer Ambition, &#8222;die Wissenschaft der Existenzbedingungen&#8220; (Haeckel) bereitzustellen, hat sich die &#214;kologie seit einigen Jahrzehnten als eine Wissenschaft und Technik entwickelt, welche die Exzesse der kapitalistischen Produktionsweise reparieren soll. Genau wie die weitsichtigsten &#214;konomen (Keynes) machen die Umweltsch&#252;tzer auf die Effekte eines Systems aufmerksam, dessen tiefe Ursachen ihnen entgehen. In der Praxis sind die &#8222;&#214;konomie&#8220; und die &#8222;&#214;kologie&#8220; eher komplement&#228;r denn Rivalinnen: Der &#8222;&#246;kologischen &#214;konomie&#8220; geht es gut, die meisten Umweltsch&#252;tzer denken in &#246;konomischen Kategorien und die Debatten drehen sich um die beste oder am wenigsten schlechte Art und Weise, die &#214;konomie durch die &#214;kologie zu kompensieren, indem die negativen Auswirkungen einer Produktion (und eines Konsums) reduziert werden, die sonst ihre eigenen Grundlagen zerst&#246;ren w&#252;rden. Wie? Indem (gem&#228;ss den Denkschulen variable) Dosen &#214;kologie in die &#214;konomie injiziert werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r uns wird es also nicht darum gehen, die &#214;konomie mit der &#214;kologie zu komplettieren oder erstere durch letztere zu korrigieren, sondern sowohl die eine als auch die andere zu kritisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;G. D., Oktober 2020&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Literaturverzeichnis&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;J&#233;r&#233;mie Cravatte, &lt;a href=&#034;http://www.barricade.be/publications/analyses-etudes/effondrement-parlons-limites-collapsologie&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;L'Effondrement, parlons-en&#8230; Les Limites de la collapsologie&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, 2019.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Elizabeth Kolbert, &lt;i&gt;Das sechste Sterben. Wie der Mensch Naturgeschichte schreibt&lt;/i&gt;, Berlin, Suhrkamp, 2015 [2014].&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Charles Fourier, &lt;i&gt;Die Freiheit in der Liebe&lt;/i&gt;, Hamburg, Nautilus, 2017 [1967].&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ren&#233; Sch&#233;rer, &lt;i&gt;L'&lt;/i&gt;&lt;i&gt;&#201;&lt;/i&gt;&lt;i&gt;cosophie de Charles Fourier. Deux textes in&#233;dits&lt;/i&gt;, Economica, 2002 (einer davon ist &#8222;D&#233;t&#233;rioration mat&#233;rielle de la plan&#232;te&#8220;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Marx zum &#8222;Riss des Stoffwechsels&#8220;: &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Bd. 3 in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 25, S. 821.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zur Bedeutung des Grundeigentums: Fragment &#8222;Die Klassen&#8220; in &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Bd. 3 in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 25, S. 892-893.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Theoretiker, die Marx als (pr&#228;-)&#246;kologisch darstellen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;John Bellamy Foster, &lt;i&gt;The Ecological Revolution. Making Peace with the Planet&lt;/i&gt;, New York, The Monthly Review Press, 2009.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Paul Burkett, &lt;i&gt;Marx and Nature: A Red and Green Perspectiv&lt;/i&gt;&lt;i&gt;e&lt;/i&gt;, 1999. Die neue Ausgabe von 2014 enth&#228;lt eine Einleitung von John Bellamy Foster.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir werden im Kapitel 7 auf diesen Autoren zur&#252;ckkommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Anton Pannekoek, &lt;a href=&#034;http://aaap.be/Pages/Pannekoek-de-ZK-1909-Naturverw&#252;stung.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Naturverw&#252;stung&#8220;&lt;/a&gt;, 1909; &lt;a href=&#034;https://www.marxists.org/nederlands/pannekoek/1944/1944antropogenese.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Antropogenese. Een studie over het ontstaan van de mens&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, 1944.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Amadeo Bordiga, &lt;i&gt;Esp&#232;ce humaine et cro&#251;te terrestre&lt;/i&gt;, Payot, 1978. Artikelsammlung, einige davon sind online verf&#252;gbar:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://www.sinistra.net/lib/bas/progra/vaki/vakiqcedoi.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#034;Specie umana e crosta terrestre&#8220;&lt;/a&gt;, &lt;i&gt;Il Programma Comunista&lt;/i&gt;, Nr. 6, Dezember 1952.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://www.sinistra.net/lib/bas/progra/vako/vakoabefai.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Spazio contro cemento&#8220;&lt;/a&gt;, &lt;i&gt;Il Programma Comunista&lt;/i&gt;, Nr. 1, 1953.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://www.sinistra.net/lib/bas/battag/ceke/cekeqgozui.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Piena e rotta della civilt&#224; borghese&#8220;&lt;/a&gt;, &lt;i&gt;Battaglia Comunista&lt;/i&gt;, 8. Dezember 1951.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://www.sinistra.net/lib/bas/promet/veki/vekiibobei.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Politica e &#8218;costruzione&#8216;&#8220;&lt;/a&gt;, Prometeo, zweite Reihe, Nr. 3-4, Juli 1952.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seine &lt;a href=&#034;http://classiques.uqac.ca/classiques/bordiga_amedeo/textes_question_agraire/question_agraire_tdm.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Texte zur Landwirtschaft&lt;/a&gt;, 1954.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jean Batou, &#8222;&lt;a href=&#034;https://www.persee.fr/doc/xxs_0294-1759_1992_num_35_1_2562#xd_co_f=NTQzMDkwMTAtMGU1ZC00YjBjLTllODYtZDJiMWQzOTJlNTdl~&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;R&#233;volution russe et &#233;cologie (1917-1934)&lt;/a&gt;&#8220;, &lt;i&gt;Vingti&#232;me Si&#232;cle&lt;/i&gt;, Nr. 35, Juli-September 1992, S. 16-28.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die bolschewistische Absicht, die Natur zur Entwicklung der Produktivkr&#228;fte auszubeuten, vermeintlich zugunsten aller, ging mit einem biopolitischen Versuch einher, genau so &#8222;rational&#8220; die Gesetze der Geschichte auf die Sitten und Gebr&#228;uche anzuwenden, besonders im Bereich der Sexualit&#228;t. Siehe &lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=2111&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;&#8216;Cher Camarade Staline&#8216;. Homo au pays des soviets&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Joseph D&#233;jacque, &lt;a href=&#034;http://kropot.free.fr/Dejacques-lumanis.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;L'Humanisph&#232;re, utopie anarchiste&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, 1858-1859.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu seinem Projekt geh&#246;ren gemeinsam organisierte Arbeit, die Ersetzung des Geldes durch ein System der Gutscheine, &#8222;eine Bank f&#252;r gegenseitige Kredite&#8220; und &#8222;die Abschaffung jeglicher Form des Wuchers&#8220;. Er ist der erste oder einer der ersten, der von &#8222;&#220;bergangsphase&#8220; spricht. &lt;a href=&#034;https://unsansculotte.wordpress.com/2013/05/20/la-parole-a-joseph-dejacque/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Hier&lt;/a&gt; findet man eine kurze Bibliographie und einige Ausz&#252;ge.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Lenin, &#8222;Das Taylor-System &#8211; die Versklavung des Menschen durch die Maschine&#8220;, 1914.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Fran&#231;ois Jarrigue &amp; Alexis Vrignon, &lt;i&gt;Face &#224; la puissance. Une histoire des &#233;nergies alternatives &#224; l'&#226;ge industriel&lt;/i&gt;, La D&#233;couverte, 2020.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=3025&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h3 id=&#034;Episode02&#034;&gt;Episode 02: Der Kapitalismus wird nicht &#246;kologisch sein&lt;/h3&gt;&lt;div class='spip_document_16 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;a href='https://www.kommunisierung.net/IMG/jpg/02.le-capitalisme-ne-sera-pas-ecologique-2.jpg' class=&#034;spip_doc_lien mediabox&#034; type=&#034;image/jpeg&#034;&gt; &lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/jpg/02.le-capitalisme-ne-sera-pas-ecologique-2.jpg?1689249367' width='500' height='333' alt='' /&gt;&lt;/a&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Im zeitgen&#246;ssischen politischen Diskurs ist die &#214;kologie allgegenw&#228;rtig geworden: Energiewende, gr&#252;ner Kapitalismus, &#246;kofreundlicher Reformismus&#8230; Doch grundlegend &#228;ndert sich nichts, die geringen erreichten Fortschritte verschieben die kommenden Gefahren kaum, denn die Unvereinbarkeit zwischen &#214;kologie und Kapitalismus ergibt sich nicht aus der Blindheit oder der Habgier seiner Anf&#252;hrer: Es ist viel einfacher, sie ergibt sich aus dem Wesen eines solchen Systems.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1) Unvermeidbare Masslosigkeit&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die als industriell oder heute postindustriell bezeichnete moderne Gesellschaft besteht aus Unternehmen, jedes davon ist ein nach Wachstum strebender Wertpol, der sich die Industriesysteme zu Diensten macht. Der Forscher kann sich f&#252;r die Entdeckung eines neuen Produktionsverfahrens begeistern und der Ingenieur mit viel Liebe einen Staudamm bauen, aber ihre Projekte werden nur Wirklichkeit, wenn sie dem Interesse der sie anstellenden Unternehmen entsprechen: ein kompetitives Produkt auf dem Markt verkaufen, Gewinne akkumulieren, sie neu investieren&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Au&#223;erdem macht die Entwicklung der kapitalistischen Produktion eine fortw&#228;hrende Steigerung des in einem industriellen Unternehmen angelegten Kapitals zur Notwendigkeit, und die Konkurrenz herrscht jedem individuellen Kapitalisten die immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise als &#228;u&#223;ere Zwangsgesetze auf. Sie zwingt ihn, sein Kapital fortw&#228;hrend auszudehnen, um es zu erhalten, und ausdehnen kann er es nur vermittelst progressiver Akkumulation. [&#8230;] Akkumulation um der Akkumulation, Produktion um der Produktion willen, in dieser Formel sprach die klassische &#214;konomie den historischen Beruf der Bourgeoisperiode aus.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Karl Marx, Das Kapital, Bd. 1 in MEW, Bd. 23, S. 618-621.&#034; id=&#034;nh2-11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Beweis daf&#252;r, dass wir &lt;i&gt;allen voran&lt;/i&gt; in einer &lt;i&gt;kapitalistischen&lt;/i&gt; und nicht in einer industriellen Welt leben, ist die Tatsache, dass die industrielle Hypertrophie, die alles andere als ein autonomes Ph&#228;nomen ist, den Zw&#228;ngen der Kapitalverwertung unterworfen ist. Es ist unbedeutend, ob eine Autofabrik, eine Mine oder ein Stahlwerk noch in einem funktionalen Zustand ist: Wenn etwas nicht rentabel genug ist, wird es geschlossen. Der Bourgeois darf sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen und ein gleich bleibender Kapitalismus ist ein Zeichen des Niedergangs. Seit zweihundert Jahren erneuert sich &#8222;die Megamaschine&#8220; regelm&#228;ssig durch Aufbau, Selbstzerst&#246;rung, Wiederaufbau&#8230; Man kennt das Schicksal des amerikanischen Rust Belt, das &#252;brigens nicht gleichbedeutend mit dem Ende der Industrie in diesen Regionen ist, es kommen immer noch 40% der Fertigwaren des Landes von dort. Techniken, Produktionssysteme und Fabrikationsstandorte ersetzen andere, die gegen&#252;ber der Konkurrenz weniger leistungsf&#228;hig sind. Schwer aufgrund seines unvermeidlichen materiellen Gewichts ist der Kapitalismus in seinen Tr&#228;umen finanziell, virtuell, digital mit Nullen und Einsen, doch er w&#252;rde nicht ohne Proletarier existieren, die Hunderte von Millionen Tonnen an Erz, Holz, Blei, Zement, Plastik transformieren &#8211; die unverzichtbar f&#252;r die Produktion jener Bildschirme sind, auf welchen die Kreditlinien vorbeihuschen.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Verringerung der Produktionskosten ist eine permanente b&#252;rgerliche Priorit&#228;t: durch die Intensivierung der Arbeit der Proletarier und, falls notwendig, durch die Aufzehrung der materiellen Produktionsgrundlagen. Als unerm&#252;dlicher Erschaffer und Zerst&#246;rer, Verzehrer von Ressourcen und seit jeher Verschmutzer kennt der Kapitalismus die N&#252;chternheit definitionsgem&#228;ss nicht. Schon gegen 1800 ertrugen die Arbeiter und Anwohner die f&#252;r ihre Gesundheit sch&#228;dliche Giftigkeit der Manufakturen. Seither hat sich das Niveau der Sch&#228;dlichkeit ver&#228;ndert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ob sparsam oder verschwenderisch ist der Bourgeois nicht zwingend um seiner selbst willen profitgierig, aber er dient dieser Logik. Der einzige &#8222;vern&#252;nftige&#8220; Profit ist jener, welcher sein Unternehmen beg&#252;nstigt. Die besten sozialen oder &lt;i&gt;&#246;kologischen&lt;/i&gt; Absichten des gutm&#252;tigsten Kapitalisten bleiben sekund&#228;r, wenn die Konkurrenz tobt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Wachstum&#8220; ist der Name, welcher &#8222;der Fortschritt&#8220; annimmt, wenn er auf die &#214;konomie angewandt wird. Von James Watts Dampfmaschine bis zur Elektronik des Silicon Valley ist der Glaube an den Fortschritt f&#252;r die Bourgeoisie und f&#252;r jene, die in ihrem Kielwasser schwimmen, wesentlich und notwendig, doch er wird erst zu einer materiellen Kraft, wenn er eine Einheit mit dem Imperativ der Wertakkumulation bildet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2) Eine Welt der Unternehmen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die kapitalistische Produktionsweise entwickelt nicht nur mit einem unglaublichen Tempo ein zerst&#246;rerisches industrielles System, sondern sie wird sich auch immer dagegen str&#228;uben, f&#252;r ihre Verheerungen die Verantwortung zu &#252;bernehmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die von uns bewohnte Welt kann nicht wie ein einheitliches Unternehmen verwaltet werden, das sich um die Administration der gesamten Erde und einer planetarischen Umwelt k&#252;mmern m&#252;sste, ein einziges, von nun an &#252;ber das Erbe der Menschheit herrschendes Kapital.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese globale Multinationale ist eine Utopie. Nach 1914-1918 ist Bucharin nicht der einzige, der die (gem&#228;ss ihm unwahrscheinliche) Hypothese &#8222;ein[es] vom Standpunkt des Kapitals rationelle[n] Plan[s]&#8220; vorgebracht hat, der von einer vereinigten kapitalistischen Klasse verwirklicht werden w&#252;rde. Was auch die ohnehin un&#252;berwindbaren geopolitischen Hindernisse daf&#252;r sein m&#246;gen, macht die Logik der kapitalistischen Produktionsweise einen solchen einheitlichen &#8222;Trust&#8220; strukturell unm&#246;glich. Wer (Binnen- oder Welt-)Markt sagt, sagt Konkurrenz.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als nach seiner eigenen Verwertung strebender Wertpol ist jedes Unternehmen nur f&#252;r sich selbst und &lt;i&gt;seine&lt;/i&gt; Bilanz verantwortlich. Es funktioniert wie ein Organismus mit einer Innenseite, die sich von der Aussenseite unterscheidet, aber por&#246;s ist, und es lebt von dieser Porosit&#228;t. Es gehen Investition, Rohstoffe, Lohnarbeiter, technische Installationen herein. Und es kommen Waren heraus, die Geld generieren, welches das Unternehmen integriert und akkumuliert. Mit dem Rest der Gesellschaft ist es selbstverst&#228;ndlich in permanentem Kontakt, doch, da es nur f&#252;r seine Inputs und Outputs verantwortlich ist, schuldet es niemandem in seinem Umfeld Rechenschaft. Es muss bloss das Gesetz respektieren (besonders das Arbeitsrecht &#8211; das gab es nicht immer und in vielen L&#228;ndern existiert es nur auf dem Papier) und Steuern zahlen (die es normalerweise auf ein Minimum zu reduzieren versucht). Wenn diese beiden Bedingungen einmal erf&#252;llt sind, geht es den Rest nichts mehr an: &#8222;Ich schulde der &#214;ffentlichkeit nichts&#8220;, proklamierte im 19. Jahrhundert der amerikanische Grossbourgeois J.-P. Morgan. Der Chef sorgt sich nur insofern um die Gesundheit des Lohnarbeiters und seiner Familie und seine Altersvorsorge, als dass es einen Einfluss auf die Produktivit&#228;t und die k&#252;nftige Generation der Arbeiter hat. Das Unternehmen muss sich auch nicht, solange es nicht rechtlich relevant ist, dar&#252;ber sorgen, welche negative Auswirkungen es ausserhalb seiner Mauern hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Damit diese &#8222;externen Kosten&#8220; ber&#252;cksichtigt werden, war es notwendig, dass die kapitalistische Gesellschaft in ihrer Gesamtheit unter den durch jedes Unternehmen an seiner Umwelt verursachten Sch&#228;den zu leiden beginnt. Es wurde zu einer Dringlichkeit, die Kosten der zur Begrenzung der Erw&#228;rmung notwendigen Investitionen mit den eventuellen Kosten der erlittenen Verluste im Falle der Passivit&#228;t zu vergleichen. Doch die Unternehmen streben bloss danach, eine Schwelle der Reduktion der CO2-Emissionen zu erreichen, die, wie es ein Experte einr&#228;umt, &#8222;wirtschaftlich optimal&#8220; ist.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bourgeoisie ist weder monolithisch noch blind und es fehlt ihr nicht an Thinktanks, um ihr in der Konfrontation mit ihren Konflikten und Widerspr&#252;chen beizustehen. Sie hat jedoch &#228;usserst grosse Schwierigkeiten, hinsichtlich eines &lt;i&gt;kollektiven&lt;/i&gt; &#8222;Klasseninteresses&#8220; zu handeln, wie es die M&#252;he zeigt, die Roosevelt hatte, um den New Deal durchzusetzen: Daf&#252;r spielt der Staat eine unverzichtbare Rolle, doch er befiehlt nicht, er reglementiert und reguliert nur. Obwohl drastische Massnahmen im Kampf gegen das Klimaproblem allen Bourgeois zugutek&#228;men, wird sich jedes Unternehmen dagegen str&#228;uben, seine (direkten oder fiskalischen) Produktionskosten f&#252;r einen Nutzen zu erh&#246;hen, der allen voran f&#252;r die Gesamtheit der kapitalistischen Klasse einer w&#228;re. Individueller Profit (das Individuum ist hier erst einmal das Unternehmen) und b&#252;rgerliche Kooperation passen selten gut zueinander: So &#246;kologisch er auch sein mag, ein Chef kann es nicht riskieren, seine Kompetivit&#228;t zu reduzieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3) Finstere Zukunft&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Volumen der internationalen Schiffsfracht multipliziert mit vier bis 2050, Verdoppelung des Luftverkehrs in den n&#228;chsten Jahrzehnten (&#8222;Covid-Effekt&#8220; ausgenommen, aber der ist heute schwierig einzusch&#228;tzen), Explosion des Tourismus, Steigerung von 100% der globalen Kleiderproduktion seit 2000 (um den Preis eines enormen Wasserverbrauches und des massiven Einsatzes von Pestiziden), konstante Zunahme des Plastiks, Verbreitung von 5G, das sehr viel &lt;i&gt;Energie konsumiert &#8211;&lt;/i&gt; die Liste des sch&#228;dlichen Wachstums ist unendlich. Die Digitaltechnik erfordert Metalle, die mittels einer Industrie transformiert werden, die sehr durstig nach Energie ist, ihre Nutzung absorbiert zwischen 7 und 10% der weltweiten Elektrizit&#228;t (die Zahlen variieren, doch die Steigerung beschleunigt sich) und es scheint erwiesen, dass die Informationstechnologien einen nicht geringeren Einfluss auf den Klimawandel haben als der Flugverkehr. &#8222;Hinsichtlich Zerst&#246;rung haben wir noch nichts gesehen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Philippe Bihouix.&#034; id=&#034;nh2-12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Und die Covid-19-Krise wird an dieser Tendenz nichts &#228;ndern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Elektromobilit&#228;t wird zu neuen Komplikationen und keiner Erleichterung in der Ausbeutung der nat&#252;rlichen Ressourcen und ihren Folgen f&#252;hren, sei es nur durch ein zunehmendes Zur&#252;ckgreifen auf seltene Metalle, deren Extraktion und Raffination sehr verschmutzende Prozesse erfordert. Was soll&#8216;s! Das &#8222;Benzin- oder Dieselfahrzeug&#8220; ist obsolet, die Entwicklung hin zum elektrischen Betrieb scheint gesichert und Irland br&#252;stet sich mit der Erreichung der &#8222;Kohlenstoffneutralit&#228;t&#8220; im Jahr 2050 dank ein oder zwei Millionen Elektroautos. Alles h&#228;ngt davon ab, wie man z&#228;hlt: Wenn man die Totalit&#228;t des Ausstosses von Treibhausgasen &lt;i&gt;vor&lt;/i&gt; der Produktion und &lt;i&gt;nach&lt;/i&gt; der Nutzung nicht ber&#252;cksichtigt, ist der Fahrer eines Tesla berechtigt, sich &#246;kologisch zu nennen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Fortbewegung ist eine Notwendigkeit und ein Vergn&#252;gen f&#252;r den Menschen, doch der Kapitalismus macht aus der &lt;i&gt;Mobilit&#228;t&lt;/i&gt; ein spezifisches Bed&#252;rfnis und Konzept. Alles muss zirkulieren, in der Produktion und ausserhalb von ihr, bei der Arbeit und ausserhalb von ihr. Die individuelle Mobilit&#228;t, das bedeutet, &#8222;meine&#8220; Musik jederzeit h&#246;ren zu k&#246;nnen, beim Laufen auf der Strasse, im Bus, beim Warten auf einen Freund &#8211; dank einem tragbaren Apparat, der sich mit mir fortbewegt. Es ist auch die Freiheit, in einem individuellen Fahrzeug zu fahren: Eine Gesellschaft von in &lt;i&gt;Familien&lt;/i&gt; (die sich nat&#252;rlich von jenen damals unterscheiden) organisierten &lt;i&gt;Individuen&lt;/i&gt; privilegiert das individuelle oder Familienfahrzeug. Mit oder ohne &#8222;Nullemissionsbus&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Nachhaltigkeit widerspricht einer Obsoleszenz, die Teil der Funktionsweise und des Gebrauchs der Gegenst&#228;nde ist, besonders der elektronischen. Wiederverwertung, Teilen, Zugang ohne Eigentum, Recycling, Genossenschaftswerkst&#228;tten, Tausch usw. werden von Leuten verteidigt, die in der Regel kein Problem mit der Durchsetzung &#8222;der Glasfaser&#8220; haben. Auf 4G muss ein f&#252;nftes folgen, es ist unerl&#228;sslich f&#252;r die Welle der in Netzwerken miteinander verbundenen Kommunikationsobjekten, des &lt;i&gt;cloud computing&lt;/i&gt;, in der &lt;i&gt;domotisierten&lt;/i&gt; Umwelt einer &#8222;intelligenten&#8220; Stadt. In der Zwischenzeit warten wir auf 6G. Und jene, welche diese Entwicklung kritisieren, tun es allen voran aufgrund ihrer Auswirkungen auf die Gesundheit &lt;i&gt;oder ihrer &#246;kologischen Kosten&lt;/i&gt;, selten wegen der Gr&#252;nde ihres Gebrauchs, des von ihr erf&#252;llten und unterhaltenen Bed&#252;rfnisses: Mit allen jederzeit innerhalb einer Sekunde verbunden zu sein. Eine Technologie, die dem Bed&#252;rfnis der Sozialisierung eines &#8222;modernen Menschen&#8220; entspricht, der so individualisiert ist wie nie zuvor.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Folglich glaubt niemand ernsthaft, dass in den n&#228;chsten Jahrzehnten eine um die H&#228;lfte oder ein Drittel reduzierte Flotte von Containerschiffen f&#252;nf- oder zehnmal weniger iPhones, Corrolas, Playmobil und Nikes als heute transportieren wird. Die vermeintliche oder erwiesene h&#246;here Produktivit&#228;t der Windkraftwerke im Vergleich zu den Atomkraftwerken verhindert die Entwicklung der Infrastrukturen f&#252;r fossile Energie, den Bau neuer Pipelines, Umgehungsstrassen und Autobahnen hier und dort nicht, auch nicht jener von Kohlekraftwerken, genauso wenig wie sie die zunehmende Plastikproduktion bremst, dessen Konsum sich in f&#252;nfzehn Jahren verdoppelt hat und der mehrheitlich ein Produkt der Petrochemie ist. Wenn auch, wie es wahrscheinlich ist, die Sonnen- und Windkraft in einigen Jahren g&#252;nstiger werden als die fossilen Brennstoffe, &#228;ndert der unleugbare Aufstieg des Marktes der erneuerbaren Energien kaum etwas an der Klimasituation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zwischen &#8222;der Eingrenzung&#8220; (die Hoffnung, die Erw&#228;rmung sp&#252;rbar zu bremsen) und der Anpassung an eine Zukunft, auf deren Beeinflussung man verzichtet, ist die zweite Option priorit&#228;r.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die herrschende Klasse ist unf&#228;hig, die Zukunft vorzubereiten &#8211; sogar ihre eigene &#8211;, weder kurz- noch langfristig. Roosevelt fand &#8211; auf seine Art und Weise, aber es gab auch andere &#8211; Antworten auf die Probleme seiner Zeit, im besten Falle mit einem Horizont von zwei Jahrzehnten, doch weder 1932 noch 1944 befasste er sich mit dem Jahr 2000 oder 2050. Die Geschichte des 20. Jahrhunderts, unvorhersehbar f&#252;r Marx 1883 wie auch f&#252;r Rosa Luxemburg 1919, zeigt, dass die Bourgeoisies der verschiedenen L&#228;nder nie die Zukunft antizipierten, weder ihre technischen und gesellschaftlichen Fortschritte, noch ihre Katastrophen. Krieg 1914, Krise 1929, Nazismus, Krieg 1939-1945, Stalinismus &#8211; all das wurde und wird immer noch von herrschenden Denkern vergangenen Irrungen, dem Versagen, Widersinnigkeiten, Krankheiten der Menschheit, gewissermassen, zugeschrieben, und nicht dem mutmasslich stets verbesserungsf&#228;higen Wesen des Kapitalismus. Das gleiche gilt in Anbetracht der Klimakrise.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;4) Welche Krise?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Obwohl der Kapitalismus nach 1980 tats&#228;chlich einen neuen Aufschwung erlebte, war sein Sieg nicht das, was man glaubt.&lt;i&gt; &lt;/i&gt;Die aktuelle Krise zeigt, dass der Boom am Ende des Jahrhunderts keine Antwort auf die Probleme der 1970er Jahre lieferte: &#220;berkapazit&#228;t, &#220;berproduktion, &#220;berakkumulation und Fall der Rentabilit&#228;t. Die Produktivit&#228;tsgewinne stiegen in den 1990er Jahren dank der Digitalisierung, der Eliminierung der wenig rentablen Industriesektoren und der Investition in Fabriken mit tiefen Arbeitskosten in Asien wieder an, besonders in den USA. Aber, obwohl es die Allianz zwischen Computer und Container schafft, die Arbeit zu komprimieren und zu transferieren, ber&#252;hrt sie den Fall der Profite nur oberfl&#228;chlich. Die Schw&#228;chen der 1970er Jahre sind vierzig Jahre sp&#228;ter immer noch pr&#228;sent, sie werden kaschiert durch die Profite einer Minderheit von Firmen (die man fr&#252;her als Monopole oder Oligopole qualifiziert h&#228;tte) und des Finanzsektors.&#8220; Das schrieben wir 2017&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;De la crise &#224; la communisation.&#034; id=&#034;nh2-13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In dieser allgemeinen Situation eines Rentabilit&#228;tsdefizits w&#252;rden die f&#252;r &#8222;die Eingrenzung&#8220; unvermeidlichen Investitionen, wenn man davon ausgeht, dass sie get&#228;tigt werden, die gegenw&#228;rtige Krise verschlimmern, trotz den Gewinnen f&#252;r einen Teil der Bourgeoisie. Die auf dem Spiel stehenden Betr&#228;ge w&#228;ren unvergleichbar mit jenen, welche 2008 zur Unterst&#252;tzung der Banken mobilisiert wurden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Tausend Milliarden f&#252;r das Klima&#8220;, empfehlen Jean Jouzel und Pierre Larrouturou&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Pour &#233;viter le chaos climatique et financier, Seuil, 2017.&#034; id=&#034;nh2-14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, sie wollen aufzeigen, dass eine notwendige gr&#252;ne Politik nicht nur m&#246;glich, sondern sozial g&#252;nstig (eine Million neue Arbeitspl&#228;tze, Verbesserung der &#246;ffentlichen Dienste) und, noch ein Vorteil, gut f&#252;r die Wirtschaft und die Kompetivit&#228;t des Landes &#8211; und Europas &#8211; w&#228;re.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Damit traut man der kapitalistischen Produktionsweise mehr zu, als sie tun will und kann. In naher Zukunft wird es nicht mehr gr&#252;nen denn sozialen Keynesianismus geben. Erwarten wir nicht eine Mobilisierung aller Ressourcen wie jene der USA nach Pearl Harbor, als ein enormer Anteil des Budgets die Aufr&#252;stung finanzierte, der Bundesstaat verwaltete die Produktion von Flugzeugen und Munition, requirierte private G&#252;ter und erlegte dem Kapital und der Arbeit Vertr&#228;ge auf. In weniger als einem Jahr war die Industrie wie nie zuvor umorientiert, Chrysler stellte Flugzeugr&#252;mpfe her, Ford Bombenflugzeuge, General Motors Panzer usw. Die Reduktion von 5 oder 10% der Treibhausgase &lt;i&gt;pro Jahr&lt;/i&gt; w&#252;rde eine unvergleichbare Bem&#252;hung voraussetzen, eine Zentralisierung der Entscheidungsgewalt, ein &#8222;Ministerium f&#252;r einen &#220;bergang hin zu einer Zukunft mit geringer Kohleintensit&#228;t&#8220;, die &#8222;eine Planwirtschaft f&#252;r Energie&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Andreas Malm.&#034; id=&#034;nh2-15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; verwalten w&#252;rde, die, dar&#252;ber hinaus, den nationalen Rahmen &#252;bersteigen w&#252;rde, sonst w&#228;re sie ineffizient. Es gen&#252;gt, diese Bedingungen aufzuz&#228;hlen, um festzustellen, dass sie nicht verwirklichbar sind. Die Alliierten mobilisierten 1941 gegen Deutschland und Japan. Nach Pearl Harbor war es f&#252;r das amerikanische Big Business inakzeptabel, den Japanern die Kontrolle &#252;ber den Pazifik und Territorien mit wertvollen wirtschaftlichen und mineralischen Ressourcen zu &#252;berlassen. Die Bedrohung war pr&#228;zis und ihre Folgen unmittelbar konkret.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Achtzig Jahre sp&#228;ter wird der amerikanische, europ&#228;ische, chinesische oder &#8222;globalisierte&#8220; Kapitalismus dem CO2 nicht den Krieg erkl&#228;ren. Die kapitalistische &#214;konomie funktioniert zur Befriedigung des Kapitalertrags: Der &#8222;Klimanotstand&#8220; ist f&#252;r sie nicht dringender als die Arbeitsbeschaffung f&#252;r Millionen von Arbeitslosen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf der anderen Seite des Atlantiks k&#228;mpft eine Str&#246;mung der Demokratischen Partei, die f&#252;r diverse Nichtregierungsorganisationen spricht, f&#252;r einen Green New Deal und verlangt, dass die USA bis 2030 ein Stromnetz aufbauen, das zu 100% dank erneuerbarer Energien funktioniert, und in grossem Stil gr&#252;ne Infrastrukturen bauen. Dieser &#8222;neue&#8220; New Deal vergisst, dass es den Druck der Krise von 1929 und eine Streikwelle mit Fabrikbesetzungen brauchte, um Roosevelt die Mittel zu geben, der Bourgeoisie gewisse Zw&#228;nge aufzuerlegen: die Beschr&#228;nkung des Gewichts der Finanz und die Akzeptanz gewerkschaftlicher Pr&#228;senz in den Unternehmen. Doch man wird die Kapitalisten nicht dazu zwingen k&#246;nnen, in Anbetracht &lt;i&gt;der Konkurrenz&lt;/i&gt; auf die maximale Produktivit&#228;t zu verzichten, denn hier geht es nicht mehr um das (verhandelbare) Verh&#228;ltnis zwischen Lohn und Profit, sondern um die Grundlage der kapitalistischen Produktionsweise. Eine &#8222;&#214;kologisierung&#8220; der Welt ist politisch unm&#246;glich, weil sie nicht rentabel w&#228;re. Freilich wird in den USA und anderswo ein Teil dieser grossen Programme umgesetzt werden. Aber werden es die Klimabewussten viel besser machen als die Klimaskeptiker &#224; la Trump? Man sucht vergeblich nach der ambiti&#246;sen gr&#252;nen Politik Obamas, der es 2014 &lt;i&gt;begr&#252;sste&lt;/i&gt;, dass sein Land zum weltweiten f&#252;hrenden Erd&#246;lproduzent geworden war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;* * *&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist legitim, die Frage zu stellen, welche b&#252;rgerlichen &#8222;Fraktionen&#8220; ein Interesse an einem gr&#252;nen Kapitalismus haben: Die Erd&#246;lfraktion wiegt immer noch schwer; andere Sektoren, die von einem &#8222;gr&#252;nen Kapitalismus&#8220; abh&#228;ngig sind, befinden sich auf einem aufsteigenden Ast. Die Frage ist jedoch nicht, wann die kapitalistische Produktionsweise damit aufh&#246;ren wird, den nat&#252;rlichen Gleichgewichten zu schaden &#8211; sie ist dazu unf&#228;hig &#8211;, sondern ob sie das &lt;i&gt;f&#252;r den Fortbestand der Bourgeoisie notwendige&lt;/i&gt; gesellschaftliche und politische Gleichgewicht aufrechterhalten oder wieder herstellen wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;G. D., November 2020&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Literaturverzeichnis&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Marx, &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Bd. 1, 22. Kap., &#167; 3.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Andreas Malm, &lt;a href=&#034;http://revueperiode.net/capital-fossile-vers-une-autre-histoire-du-changement-climatique/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Capital fossile: vers une autre histoire du changement climatique&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sehr dokumentierter Artikel. Unsere Episode 05 wird auf Malm und seine These eines &#8222;fossilen Kapitalismus&#8220; zur&#252;ckkommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Philippe Bihouix, &lt;i&gt;Le &lt;/i&gt;&lt;i&gt;B&lt;/i&gt;&lt;i&gt;onheur &#233;tait pour demain&lt;/i&gt;, Seuil, 2019.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=3053&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h3 id=&#034;Episode03&#034;&gt;Episode 03: Die &#214;kologie &#8211; und die Bourgeoisie&lt;/h3&gt;&lt;div class='spip_document_17 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/jpg/oeko3.jpg?1689249655' width='500' height='413' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Obwohl eine Minderheit der politischen Anf&#252;hrer dieser Welt ihre &#8222;Klimaskepsis&#8220; zur Schau tragen, verstehen sich die meisten als &#246;kologisch: in der UNO, im Vatikan, in Davos, an der Universit&#228;t genau wie in den rechten Medien &#8211; und sogar bei einigen Tendenzen der extremen Rechten &#8211; in der extremen Linken &#8211; alle sind sie &#246;kologisch. Die &#214;kologie geh&#246;rt zur herrschenden Ideologie im 21. Jahrhundert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;) Whistleblower und Konsens&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Westeuropa hatte 1961 einen Organismus ins Leben gerufen, der mit der F&#246;rderung des Marktes, der Produktivit&#228;t und des Liberalismus beauftragt war und dem sich danach die USA und Japan angeschlossen haben: die OECD.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der vom Club of Rome in Auftrag gegebene &#8222;Meadows-Bericht&#8220;, der ein breites Spektrum der wirtschaftlichen, politischen und wissenschaftlichen Eliten des Westens repr&#228;sentierte, hob 1972 deutlich die Folgen einer zunehmenden (und unvermeidlichen) Diskrepanz zwischen demographischem Wachstum und Abnahme verf&#252;gbarer Ressourcen hervor. &lt;i&gt;Die Grenzen des Wachstums&lt;/i&gt; war ein weltweiter Bestseller.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Gr&#252;ndung eines &#246;kologischen Reflexionsorgans 1988, des Zwischenstaatlichen Ausschusses f&#252;r Klima&#228;nderungen (IPCC), markiert einen Perspektivenwechsel. Die priorit&#228;re Bef&#252;rchtung ist nicht mehr &lt;i&gt;der Mangel&lt;/i&gt; an (besonders fossilen) Ressourcen, sondern die Tatsache, dass man &lt;i&gt;zu viel&lt;/i&gt; abbaut und die f&#252;r die Natur genau wie f&#252;r den Fortbestand der kapitalistischen Welt notwendigen Gleichgewichte gef&#228;hrdet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nicholas Stern, ehemaliger Vizepr&#228;sident der Weltbank, warnte 2006: &#8222;Wenn die Individuen nicht f&#252;r die Folgen ihrer Handlungen bezahlen, haben wir es mit einem Marktversagen zu tun.&#8220; Es w&#228;re notwendig, dass die Unternehmen und jeder von uns jetzt ein bisschen mehr bezahlen, um nicht bald viel mehr bezahlen zu m&#252;ssen: Stern sch&#228;tzte die Kosten der Passivit&#228;t gegen&#252;ber dem Klimawandel auf zwischen 5 und 20% des j&#228;hrlichen weltweiten BIP, statt nur 1% wenn wir heute reagieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie jene der vorhergehenden Berichte sind die Berechnungen von Stern umstritten, aber die Bourgeoisie hat den Denkzettel zur Kenntnis genommen. Das Big Business ist nicht mehr blind in Anbetracht einer Klimakrise, die es mit einem neuen Wachstum zu regeln hofft, das sich von jenem der &#8222;dreissig glorreichen Jahre&#8220; unterscheidet, da es &#8222;&#246;koverantwortlich&#8220; w&#228;re, die Technologie von morgen soll die Sch&#228;den von jener von gestern beheben. Die Bourgeois geben zu, dass die kapitalistische Produktionsweise ein Problem darstellt &#8211; unter der Bedingung, dass sie auch als die L&#246;sung betrachtet wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2) Kommodifizieren um zu sch&#252;tzen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sterns Argumentation entspricht der kapitalistischen Logik: Die Unternehmen stossen Kohlenstoff aus, weil es sie nichts oder zu wenig kostet, sorgen wir also daf&#252;r, dass sie verh&#228;ltnism&#228;ssig daf&#252;r bezahlen m&#252;ssen, und sie werden viel weniger davon ausstossen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Alles wie gehabt: Wenn die Kommodifizierung der Welt dazu tendiert, alles zu umfassen, kann sich der (heilende oder pr&#228;ventive) Kampf gegen die Verschmutzung ihr nicht entziehen. Der Kapitalismus macht aus fast allem einen Profit: Die Entgiftung ist die Antwort auf ein zahlungskr&#228;ftiges Bed&#252;rfnis, wird zu einer rentablen Aktivit&#228;t und Reformer wie Stern beurteilen es als logisch und vern&#252;nftig, aus dem &#8222;Recht auf Verschmutzung&#8220; eine Ware im Rahmen der &#8222;Kohlenstoffb&#246;rse&#8220; zu machen. In der Praxis erh&#228;lt oder kauft jedes Unternehmen austauschbare Quoten: Wenn es seine Emissionen reduziert, kann es seinen Quoten&#252;berschuss anderen Unternehmen verkaufen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach dem gleichen Modell spielt man mit dem Gedanken, jeden von uns mit einer &#8222;Kohlenstoffkarte&#8220; auszustatten (heute freiwillig, morgen obligatorisch), die jedem eine individuelle j&#228;hrliche Kreditquote einr&#228;umt, von der bei gewissen Eink&#228;ufen abgezogen wird, hier auch mit der M&#246;glichkeit, die ausgegebenen oder eingesparten Kredite zu kaufen oder verkaufen. Die Verschmutzung w&#252;rde monetarisiert werden und ihre negative Auswirkung in &#246;ffentlichen oder privaten Buchhaltungen eingetragen, wie es schon in den Bilanzen der Unternehmen der Fall ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Von Anfang an strebte die kapitalistische Produktionsweise nach jener &#8222;nachhaltigen Entwicklung&#8220;, die ihr entspricht, und ihre nat&#252;rliche Neigung ist es, die Fehler des Marktes durch den Markt selbst zu korrigieren: Heutzutage wird das Unternehmen durch Besteuerung tugendhaft gemacht, wenn es zu viel Kohlenstoff produziert, oder belohnt, wenn es wenig genug davon produziert. Der Kapitalismus ist und wird &#8222;wirtschaftlich&#8220; sein, wie er es immer war. Wenn die Europ&#228;ische Union den Erfolg ihres &#8222;Emissionshandelssystems&#8220; anpreist und f&#252;r 2020 eine Reduktion von 21% der Kohlenstoffemissionen durch die 31 betroffenen L&#228;nder im Vergleich zu 2005 ank&#252;ndigt, ist die Zahl wahrscheinlich anfechtbar, nicht aber die Realit&#228;t eines gewissen &#8222;Fortschrittes&#8220;. Doch wenn sich weltweit betrachtet der Treibhauseffekt &lt;i&gt;verst&#228;rkt&lt;/i&gt;, dann sind diese Fortschritte dem Problem nicht gewachsen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3) Wie viel ist ein Ozean wert?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die systematische Quantifizierung ergibt sich aus dem Produktivit&#228;tsimperativ. F&#252;hrungskr&#228;fte von Google erkl&#228;ren, dass sie ihr Unternehmen &#8222;auf der Wissenschaft der Vermessung&#8220; gegr&#252;ndet haben und sich anstrengen, &#8222;alles zu quantifizieren&#8220;. Was neu daran ist, ist die Tatsache, dass bis anhin vernachl&#228;ssigte Parameter in finanzielle Rentabilit&#228;tsberechnungen einbezogen werden, menschliche, nat&#252;rliche und sogar soziale Faktoren, aber &lt;i&gt;auch sie&lt;/i&gt; reduziert auf Zahlen. Im Kapitalismus ist es logischerweise zu ihrem Schutz das beste Mittel, den Ozeanen einen Marktwert zu geben, indem ihre Ressourcen rational ausgebeutet werden, ohne sie aufzubrauchen. Wenn der World Wildlife Fund die &#8222;ozeanische Schatzkammer&#8220; auf 24&#8216;000 Milliarden Dollar sch&#228;tzt und bekr&#228;ftigt, dass ein Bruttomeeresprodukt, das nach dem Modell der nationalen BIP berechnet wird, aus den Ozeanen die siebte Weltwirtschaft mit einer j&#228;hrlichen Produktion von G&#252;tern und Dienstleistungen von 2&#8216;500 Milliarden machen w&#252;rde (das franz&#246;sische BIP war ungef&#228;hr 2&#8216;800 Milliarden 2018), ist das jene Art von Diskurs, den die Kapitalisten verstehen. Es w&#252;rde gen&#252;gen, die Lagunen, W&#228;lder, Korallenriffe oder Mangroven als Produktionsfaktoren zu z&#228;hlen, und sie in die buchhalterischen Kosten der Unternehmen und Staaten zu integrieren, um ihre Einsparung obligatorisch zu machen. Es bleibt abzuwarten, ob und inwiefern dieser Diskurs Realit&#228;t wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Quantifizierung des Qualitativen, das ist die kapitalistische Produktionsweise und das ist &#8222;der Wert&#8220;: Alles wird auf ein gemeinsames Element, auf eine gemeinsame Angabe reduziert, sie ist messbar da gemeinsam. Was nicht gez&#228;hlt werden kann, z&#228;hlt nicht, und was im Gegenteil gemessen werden kann, verbessert sich, erkl&#228;rt uns ein Berater in einem Artikel, von dem man uns in Kenntnis setzt, dass er in drei Minuten gelesen werden kann. Alles muss also auf ein z&#228;hlbares Verh&#228;ltnis Kosten/Gewinn reduziert werden k&#246;nnen. Bhutan misst das Bruttonationalgl&#252;ck; die UNO die &lt;i&gt;world happiness&lt;/i&gt;; und der Tod misst sich in Dollar. Die Weltbank und die Wiederversicherer sind alarmiert aufgrund der durch den Klimawandel verschlimmerten Naturkatastrophen, die scheinbar zwischen 1980 und 2012 2.5 Millionen Personen &#8222;gekostet&#8220; haben, sprich 3&#8216;8000 Milliarden Dollar (berechnet den Preis eines menschlichen Wesens).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;4) Das Wunder der Technik&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Komplettierung der &#214;konomie mit der &#214;kologie, die Kompensierung der Mangel ersterer mit letzterer, daf&#252;r reicht es, den Planeten mit einer Produktionsmaschine zu vergleichen und ihn wie einen Motoren mit &#220;berdrehzahl zu reparieren. Es mangelt nicht an technologischen &#8222;Tricks&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Durch Spiegel im Weltraum erhoffen sich Geoingenieure eine Regulierung der Menge an Sonnenw&#228;rme, welche die Erde erreicht. Andere glauben, dass sie durch Wasserkatalyse Wasserstoff produzieren k&#246;nnten, durch Brutreaktoren mehr Energie fabrizieren, als sie konsumieren, oder durch Biotreibstoff, jedoch nicht mehr von Randen oder Palm&#246;l, sondern von Algen. Man experimentiert auch mit der Vergrabung und der Lagerung von CO2 in den Tiefen der Erde, eine einfache Art, das Problem zu begraben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der &#214;komodernismus (der auch Post&#246;kologismus genannt wird), das ist z.B. das Breakthrough Institute (das &#8222;Institut des Durchbruches&#8220;, gegr&#252;ndet 2007), F&#246;rderer einer sicheren und g&#252;nstigen Atomenergie und einer industriellen Landwirtschaft, die einzige L&#246;sung, um 10 Milliarden Menschen zu ern&#228;hren. Die &#214;kologie hat ihre pronukleare Randgruppe, sie argumentiert, es handle sich um eine &#8222;saubere&#8220; Energie: Bewaffnet mit Zahlen behaupten ihre Anh&#228;nger, dass die Atomkraftwerke, sogar wenn man Tschernobyl ber&#252;cksichtigt, letztendlich f&#252;r weniger Tote und Kranke verantwortlich sind als die Kohle.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese von milliardenschweren Chefs bezahlten forschenden Zauberlehrlinge machen Lust darauf, den Aufruf der Surrealisten 1959 &#8222;die Labore zu leeren&#8220; wieder aufzugreifen. Nur ein Teil ihrer Vorschl&#228;ge wird das Licht der Welt erblicken, aber ein Teil davon wird verwirklicht werden, sie werden die Wissenschaftsreligion und den Glauben an die technische Allmacht n&#228;hren, sie sind umso beeindruckender, als dass ihre &#8222;Heldentaten&#8220; &#252;ber das Verst&#228;ndnis der Normalsterblichen hinausgehen. Vor einigen Jahrtausenden hatten Zehntausende Fellachen, die jedes Jahr eingezogen wurden, um die Pyramiden zu bauen, ein gewisses Verst&#228;ndnis der Bauvorg&#228;nge. F&#252;r den modernen Menschen ist die &#8222;elektronische Platine&#8220; seines K&#252;hlschrankes ein unzug&#228;ngliches Mysterium.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;5) Energie, das magische Wort&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Anstelle der &lt;i&gt;Energiekrise&lt;/i&gt; suggeriert &#8222;Energiewende&#8220; eine Situation, die man dabei ist, in den Griff zu bekommen. Jede Woche k&#252;ndigt man uns eine neue Technik an, die den Ausstoss von Treibhausgasen ein bisschen reduziert. Weil es an Erd&#246;l (das heute immer noch einen Drittel der weltweiten Energieproduktion garantiert, vor der Kohle) bald mangeln oder es teurer werden wird, bewegen wir uns nun in Richtung Sonnenenergie, Windkraft oder anderer &#8222;erneuerbarer&#8220; Energien.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zuerst einmal schliesst diese &#8222;Energiewende&#8220; nicht endg&#252;ltig mit der Atomkraft ab, sie bleibt unbedeutend in gewissen L&#228;ndern (USA), in anderen ist sie zur&#252;ckgegangen (Deutschland), doch sie bleibt vorherrschend in Frankreich und entwickelt sich in China. Zudem ist es falsch, zu behaupten, dass die Menschheit, nachdem sie vom Holz zur Kohle, dann von der Kohle zum Erd&#246;l und der Atomkraft &#252;bergegangen war, heutzutage graduell auf Brennstoffen zugunsten gr&#252;ner Energie verzichten w&#252;rde. Die Energiequellen summieren und komplettieren sich eher, als dass die einen die anderen ersetzen w&#252;rden. Betreffend der Elektrizit&#228;t kam 2018 64% der weltweiten Produktion von fossilen Brennstoffen, 10% von der Atomkraft und 26% von erneuerbaren Energien.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die nun mit allen Tugenden geschm&#252;ckten erneuerbaren Energien nehmen proportional st&#228;ndig zu, aber in viel zu ungen&#252;gendem Ausmass, um uns schon geschehene und vorhersehbare &#246;kologische Sch&#228;den zu ersparen. Der Durst nach Energie ist dermassen gross, dass man fossile Brennstoffe benutzen muss, um die nur zeitweise funktionierenden erneuerbaren Energien (25% bis 45% der Zeit f&#252;r die Sonnenenergie und die Windkraft) zu komplettieren. Schlimmer noch, die &#8222;Energieeinsparungen&#8220; (Amazon engagiert sich, bis 2040 die &#8222;Kohlenstoffneutralit&#228;t&#8220; zu erreichen) n&#228;hren einen &#8222;Wachstum&#8220;, der verschlimmert, was sie l&#246;sen sollten: industrielle Hypetrophie (die Agroindustrie eingeschlossen), beschleunigte Urbanisierung, gimmickhafter Lebensstil und unaufh&#246;rliche Mobilit&#228;t. Man legt immer die Vorteile und Nachteile von Massnahmen auf die Waage, die unf&#228;hig sind, das Klimadrama substanziell zu l&#246;sen, nur selten hinterfragt man das &lt;i&gt;Bed&#252;rfnis&lt;/i&gt; nach Energie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Elektrizit&#228;t ist durch ihre Fluidit&#228;t eines Gesellschaftssystems bemerkenswert ad&#228;quat, das von der optimalen Produktion und der maximalen Wertzirkulation beherrscht wird, und die Produktion von Elektrizit&#228;t hat sich zwischen 1973 und 2016 mehr als verdreifacht (der Energiekonsum in all seinen verschiedenen Formen hat sich im gleichen Zeitraum verdoppelt). Ausserdem ist es jene Energieform, welche am besten zu einem immer mehr verbreiteten Lebensstil passt, in reichen wie in armen L&#228;ndern und Bev&#246;lkerungen, denn man kann sie lagern und in kleinen Mengen transportieren: Heutzutage ist es in Nairobi genau so schwierig wie in Vilnius ohne Batterien und Akkus zu leben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist nutzlos, das Potenzial der erneuerbaren Energien der technischen Absurdit&#228;t der kapitalistischen Entscheidungen entgegenzustellen, denn die kapitalistische Produktionsweise strebt nicht nach der thermodynamisch (und noch weniger menschlich) effizientesten Technik, sondern der rentabelsten. Wenn ein Unternehmen ein Erdbeerjoghurt 9&#8216;000 km, d.h. dreizehnmal die Distanz zwischen dem Ort der Produktion und des Konsums, transportiert, dann weil es ein Interesse daran hat. Und wenn die produktivistische Landwirtschaft sieben Kalorien investiert, um eine einzige zu erhalten, dann ist das, weil diese Verschwendung f&#252;r das Agrobusiness keine ist, sondern die beste Profitquelle, die es finden konnte. Die Rentabilit&#228;tskriterien sind nicht die gleichen f&#252;r den Energiefachmann und den Chef &#8211; aber letzterer befiehlt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Elektrizit&#228;t ist &#252;brigens keine Energiequelle sondern eine Energieform und man braucht schon viel davon, um sie zu produzieren. Obwohl der Anteil erneuerbarer Energie stetig ansteigt (noch bescheiden: er betr&#228;gt ungef&#228;hr einen Viertel) und die elektrischen Ger&#228;te immer weniger Energie verbrauchen, nimmt die Nutzung von Elektrizit&#228;t mit etlichen Ger&#228;ten stark zu. &#8222;Die Elektrizit&#228;t wird der Energietr&#228;ger des 21. Jahrhunderts sein&#8220;, verk&#252;ndet Total. Die Bildschirme, aber auch die Thermometer, Alarme, Kameras, Rolll&#228;den, Fernbedienungen, diverse Automatismen, &#8222;verbundene H&#228;user&#8220;, ohne zu vergessen, dass Batterien und Akkus geladen werden &#8211; mit Elektrizit&#228;t (auf eine Milliarde Afrikaner besitzt die H&#228;lfte ein Handy, obwohl 700 Millionen keinen Stromanschluss zu Hause haben). Die Energieeffizienz f&#252;hrt zu einem steigenden Konsum: &#8222;Die elektrische Zukunft&#8220;, die man uns verspricht, wird wenig Einfluss auf den Ausstoss von Kohlenstoffen haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;6) Masslosigkeit und halbe Sachen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den Projekten zur Ausweitung von Kohlekraftwerken der &#8222;neuen Generation&#8220;, die wenig verschmutzen, Solarmodulen, Windkraftwerken und Elektroautos wird ein Wort selten erw&#228;hnt: &lt;i&gt;Industrie&lt;/i&gt;, denn es w&#252;rde zu stark daran erinnern, dass all das eine schon steigende industrielle Produktion voraussetzt (und entwickelt). Man ben&#246;tigt Energie, um Metalle zu extrahieren und sie mit Lastwagen oder Z&#252;gen zu transportieren. Die &#8222;Kohlenstoffneutralit&#228;t&#8220; ist eine Utopie in einer Welt, die rastlos Stahl, Zement und Plastik zum Bau von Fabriken, Geb&#228;uden, Strassen, H&#228;fen und Flugh&#228;fen produziert und die dort zirkulierenden Ger&#228;te fabriziert. Da es zum Erhalt der Energie Energie braucht, muss produziert werden, um die Sch&#228;den der Produktion einzuholen. Zur industriellen Verschmutzung kommt die Industrie der Entgiftung hinzu und die Vervielfachung von Abf&#228;llen f&#252;hrt zur T&#228;tigkeit, die sie &#8222;verwertet&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was das Recycling betrifft, das &#252;brigens viel weniger verbreitet ist, als gemeinhin behauptet, ist es mit der Tatsache konfrontiert, dass, je mehr die Fabrikationssysteme, die Transportmittel, die Gegenst&#228;nde oder Dienstleistungen mit technologischem Inhalt bereichert werden (ein zeitgen&#246;ssisches Auto enth&#228;lt mehrere Dutzende elektronische Geh&#228;use), desto schwieriger wird die &#8222;zirkul&#228;re Wirtschaft&#8220;, d.h. das Recycling. Viele f&#252;r die neuen Technologien genutzte Metalle sind nur zu einem kleine Prozentsatz wiederverwertbar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als Kompensation f&#252;r diese denaturierte Welt renaturiert man sie, indem man nat&#252;rliche CO2-Speicher erschafft: Wiederbewaldung, Wiedererschaffung von Grasland, biologischer Anbau, Wiederansiedlung von Hecken und, in der Stadt, Begr&#252;nung von D&#228;chern, Parkpl&#228;tzen und Trottoirs, der haupts&#228;chliche Effekt davon ist die Erheiterung der Stadtbewohner.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Sektoren der aufsteigenden Kraft des &lt;i&gt;green business&lt;/i&gt; agieren manchmal als Rivalen der Interessen des Minen- und Erd&#246;lsektors, manchmal in Symbiose mit ihnen: Total investiert immer mehr in erneuerbare Energien. Schottland bezieht fast 80% seines Stromkonsums vom Wind und den Gezeiten, man hofft, dass sie bis 2030 50% seines gesamten Energiekonsums abdecken. Andere L&#228;nder wie D&#228;nemark entwickeln sich &#228;hnlich. Das sind viele besondere und unumstrittene F&#228;lle, die dazu berufen sind, sich zu entwickeln, doch damit sie die Gesamtheit oder sogar die Mehrheit der Welt erobern, w&#228;re es noch notwendig, dass die f&#252;r die &#8222;Begr&#252;nung&#8220; notwendigen immensen Transformationen der industriellen Infrastrukturen schlichtweg m&#246;glich sind, d.h. &lt;i&gt;rentabel&lt;/i&gt;. Zirkul&#228;re Wirtschaft, &#8222;Reparabilit&#228;t&#8220;, Recycling, regenerative Landwirtschaft, verk&#252;rzte Lieferkette, nachhaltiges und soziales Finanzwesen &#8211; das ganze Arsenal der &#8222;gesellschaftlichen (oder sozialen) Verantwortung der Unternehmung&#8220; (CSR) wird, wie es eine Beratungsfirma f&#252;r CSR gesteht, nur dann eingesetzt, wenn es zu einer Win-win-Situation f&#252;hrt, im Klartext: zu gen&#252;genden Gewinnen f&#252;r die Aktion&#228;re. Lassen wir dem neuen &#246;kologischen B&#252;rgermeister von Lyon das letzte Wort: &#8222;Die Unternehmenswelt interessiert sich heutzutage f&#252;r die &#214;kologie, weil sie erkannt hat, dass sie die Zukunft ist.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;* * *&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie es Bordiga 1954 antizipierte, assimiliert die &#214;kologie alles mit Kapital, sie ist der Meinung, dass ein &#8222;Naturkapital&#8220; existiert und &#8222;behandelt den Planeten als Kapital&#8220; oder als &#8222;Grundeigentum der Aktiengesellschaft&#8220;, welche die menschliche Gattung sei. Es ist ein begrifflicher Widerspruch: Ein Kapital existiert, um verwertet zu werden, und es wird nur insofern gewahrt, als dass es seine Verwertung nicht behindert. Der Bourgeois praktiziert die &#214;kologie wie der Autofahrer, der zugleich auf die Bremse und das Gaspedal tritt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;G. D., Dezember 2020&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Literaturverzeichnis&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Europ&#228;ische Kommission, &lt;a href=&#034;https://ec.europa.eu/clima/eu-action/eu-emissions-trading-system-eu-ets_de&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;EU-Emissionshandelssystem (EU-EHS)&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;WWF, &lt;a href=&#034;https://www.wwf.de/themen-projekte/meere-kuesten&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Meeresschutz - ohne Meer kein Leben&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://www.connaissancedesenergies.org/fiche-pedagogique/chiffres-cles-production-d-energie&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Weltweite Energieproduktion 2012&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://www.mineralinfo.fr/ecomine/production-mondiale-delectricite-empreinte-matiere-en-transition&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;La production mondiale d'&#233;lectricit&#233; : une empreinte-mati&#232;re en transition&#8220;&lt;/a&gt;, 2018.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://www.missionenergie.goodplanet.org/fiche/lenergie-dans-le-monde/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;L'&#233;nergie dans le monde&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Andreas Malm, &lt;i&gt;Fossil Capital. The Rise of Steam Power and the Roots of Global Warming&lt;/i&gt;, Verso, 2016.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Fossile Ressourcen und was nicht extrahiert werden sollte:&lt;br class='manualbr' /&gt;Michael Jakob &amp; J&#233;r&#244;me Hilaire, &lt;a href=&#034;https://www.nature.com/articles/517150a?platform=oscar&amp;draft=collection&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Unburnable Fossil-Fuel Reserves&#8220;&lt;/a&gt;, &lt;i&gt;Nature&lt;/i&gt;, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;ADEME, &lt;a href=&#034;https://www.ademe.fr/face-cachee-numerique&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;La Face cach&#233;e du num&#233;rique&#8220;&lt;/a&gt;, 2018.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;ADEME, &lt;a href=&#034;https://www.ademe.fr/sites/default/files/assets/documents/le-revers-de-mon-look.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Le Revers de mon look&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Beispiel eines reformistischen &#214;kologismus: &lt;a href=&#034;https://negawatt.org/IMG/pdf/synthese_scenario-negawatt_2017-2050.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Sc&#233;nario n&#233;gaWatt 2017-2050. Dossier de synth&#232;se&#8220;&lt;/a&gt;&lt;i&gt;.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Heather Rogers, &lt;i&gt;Green Gone Wrong. Dispatches from the Front Lines of Eco-Capitalism. How Our Economy is Undermining the Environmental Revolution&lt;/i&gt;, Verso, 2013. Was Heather Rogers sehr gut aufzeigt, sie betont die Abwesenheit einer solchen Revolution.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;ber die zeitgen&#246;ssische kapitalistische Krise: &lt;a href=&#034;https://entremonde.net/IMG/pdf/21rupture-livre.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;De la crise &#224; la communisation&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Entremonde, 2017, Kapitel 4.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und die letzten Kapital von Bruno Astarian und Robert Ferro, &lt;a href=&#034;https://editionsasymetrie.org/ouvrage/le-menage-a-trois-de-la-lutte-des-classes/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;M&#233;nage &#224; trois&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Asym&#233;trie, 2019.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=3098&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h3 id=&#034;Episode04&#034;&gt;Episode 04: Scheitern der politischen &#214;kologie&lt;/h3&gt;&lt;div class='spip_document_24 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;a href='https://www.kommunisierung.net/IMG/jpg/04-echec-de-lecologie-politique-1.jpg' class=&#034;spip_doc_lien mediabox&#034; type=&#034;image/jpeg&#034;&gt; &lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/jpg/04-echec-de-lecologie-politique-1.jpg?1689259838' width='500' height='741' alt='' /&gt;&lt;/a&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Obwohl sie vieles trennt, haben regierungstreue Umweltsch&#252;tzer, Umweltsch&#252;tzer der kleinen Schritte, &#214;kosozialisten und radikale Umweltsch&#252;tzer eines gemeinsam. Unabh&#228;ngig davon, ob sie auf einen Ministerposten schielen, eine Genossenschaft f&#252;r solidarische Landwirtschaft gr&#252;nden, das Programm einer k&#252;nftigen &#8222;wahren Linken&#8220; schreiben oder versuchen, aus der &#214;kologie einen Hebel der gesellschaftlichen Umw&#228;lzung zu machen, stellen sie alle die &#8222;&#246;kologische Frage&#8220; ins Zentrum der gegenw&#228;rtigen Welt, als ob sie uns heute dazu verpflichten w&#252;rde, das Wesen des Kapitalismus und seiner notwendigen und m&#246;glichen Transformation neu zu definieren. Sie halten sich auch alle f&#252;r realistisch und br&#252;sten sich damit, zu agieren, ohne sich mit sch&#246;nen Worten abspeisen zu lassen.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch was ist die Bilanz ihrer Aktionen seit nun zwei Jahrzehnten?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1) Der Rad fahrende Liberalismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den USA der 1960er Jahre entwickelte sich ein bunt gemischter &#214;kologismus, beg&#252;nstigt durch den Bestseller von Rachel Carson &lt;i&gt;Der stumme Fr&#252;hling&lt;/i&gt; (1962), der die V&#246;gel t&#246;tenden Pestizide denunzierte. 1970 fand der erste &#8222;Tag der Erde&#8220; statt, eher eine offizielle Feier denn eine aktivistische Aktion. Im Namen des Konsumentenschutzes wird Ralph Nader danach viermal Kandidat f&#252;r die Pr&#228;sidentschaft sein.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Frankreich insistierte Ren&#233; Dumont, der erste Umweltsch&#252;tzer, der 1974 f&#252;r die Pr&#228;sidentschaft kandidierte, auf der Unf&#228;higkeit des kapitalistischen Systems, den Hunger, die &#220;berproduktion und den &#220;berverbrauch von Energie zu eliminieren. Gem&#228;ss ihm verl&#228;uft die gesellschaftliche Trennung nicht zwischen Bourgeois und Proletariern, sondern zwischen Konsumenten der reichen L&#228;nder und benachteiligten Massen in der Dritten Welt, welche die wahrhaften modernen Proletarier verk&#246;rpern.&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im 21. Jahrhundert gilt Dumont als Pionier einer guten Sache: Die &#214;kologie ist eine Selbstverst&#228;ndlichkeit und kann die einander fernsten Positionen vers&#246;hnen. In ihrem Namen kann man sowohl sehr radikale als auch sehr vers&#246;hnliche Reden halten, von links bis rechts (sogar bis zur &#8222;reaktion&#228;ren&#8220; extremen Rechten, die sich als antib&#252;rgerlich proklamiert und f&#252;r eine R&#252;ckkehr zu einer authentischen Natur wirbt, die keine Ware ist) und vom revolution&#228;rsten bis zum gem&#228;ssigsten Anarchismus (Bookchin).&lt;br class='manualbr' /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r die &#246;ffentliche Meinung, die Medien und die politische Klasse wird die &#214;kologie zu einem unerl&#228;sslichen Bestandteil von jedem Diskurs &#252;ber die Welt (aber nicht einhellig: Trump war nicht der einzige Klimaskeptiker an der Spitze eines Staates). Und f&#252;r einen &#8211; sehr minorit&#228;ren &#8211; Teil, der sich als gesellschaftskritisch betrachtet, komplettiert sie einen oberfl&#228;chlichen Antikapitalismus: Man ist f&#252;r die &#214;kologie genau wie man &#8222;gegen die Finanz&#8220; ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die prominentesten &#246;kologischen Organisationen hatten sich um &lt;i&gt;die Liberalen&lt;/i&gt; Bill Clinton und Al Gore geschart, Vertreter eines Welthandels, der f&#252;r den vermehrten Kohlenstoffausstoss verantwortlich ist. Die WTO, das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) und das globalisierende Kapital bekamen die Unterst&#252;tzung von &#8222;Big Green&#8220;, d.h. jene der &#246;kologischen NGOs, finanziert von grossen Unternehmen und die wie sie funktionieren: Geldanlagen, Marketing, Rekrutierung von Managern mit hohen L&#246;hnen&#8230; Die deutschen Gr&#252;nen zeigen ihrerseits den franz&#246;sischen Umweltsch&#252;tzern den Weg: Jenseits des Rheins begleitet der &#8222;&#214;koreformismus&#8220; die sozialliberale Verwaltung des Kapitalismus mithilfe von B&#252;ndnissen die von Mitte-Rechts bis Mitte-Links reichen. Heizung durch Geothermie, R&#252;ckgriff auf wenig verschmutzende Verfahren und Materialien, Zunahme erneuerbarer Energien und Ausbau von Radwegen bringen die gr&#252;nen Abgeordneten dazu, die Einschr&#228;nkung der Arbeitslosengelder, der Renten und der sozialen Ausgaben zu akzeptieren&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2) Lob der M&#228;ssigung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da die Konfrontation mit dem Globalen unm&#246;glich scheint, sollen wir lokal handeln, verk&#252;nden uns die Anh&#228;nger des &lt;i&gt;small is possible&lt;/i&gt; wieder und wieder. F&#252;r sie hat die menschliche Gattung &#252;bertrieben, seien wir nun also weise, in kleinem Massstab, oder gar individuell: Da jeder von uns als verantwortlich f&#252;r die Klimaerw&#228;rmung betrachtet wird, erlaubt ein Online-Rechner, permanent die von unseren allt&#228;glichen Taten und Handgriffen ausgel&#246;sten Treibhausgase zu messen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als ob die Produktion vom Konsum abhinge! Die Zahl von 130 Millionen monatlich verkaufter Smartphones ist beeindruckend. Aber in Frankreich waren die Fahrr&#228;der zwanzig Jahre vor 1900 von 50&#8216;000 auf eine Million angestiegen und w&#228;hrend den &#8222;Dreissig glorreichen Jahren&#8220; die Autos von zehn auf dreissig Millionen. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts l&#246;sen sich Gegenst&#228;nde einander ab, deren Kauf weder durch Zwang noch durch Werbung durchgesetzt wird: Ihr Gebrauch antwortet auf ein durch den von der kapitalistischen Entwicklung der Epoche gebrachten Lebensstil kreiertes und durch die momentanen Produktionsbedingungen m&#246;glich gemachtes Bed&#252;rfnis. Auto und Bildschirm erlauben nicht nur Freiheit und Geschwindigkeit, sie sind auch Mittel der Individualisierung &lt;i&gt;und&lt;/i&gt; der Sozialisation. Die Verknappung von (schon) knappen B&#246;den wird eine Auswirkung auf die gegenw&#228;rtige Omnipr&#228;senz der Touchscreens haben, doch es ist illusorisch, zu glauben, dass die Umweltkrise zu einer Bewusstwerdung f&#252;hren wird, die danach die Verhaltensweisen transformieren wird, als ob ein Schock reichen w&#252;rde, um einen Kranken zu heilen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die sozialen Bewegungen der 1960er und 1970er Jahre beg&#252;nstigten die Theoretisierung einer &#220;berwindung des Kapitalismus in konfusen und vielf&#228;ltigen Formen, aber allgemein mit einer Gemeinsamkeit: Die Machtergreifung der Arbeiter wurde als die L&#246;sung betrachtet. Die Ersch&#246;pfung der K&#228;mpfe dieser Epoche machte ein solches Ziel kaum konzipierbar f&#252;r die folgenden Generationen, da es an geistigen Werkzeugen mangelte, um eine Welt ohne Lohnarbeit und Geld zu denken. Allenfalls bleibt die Abschaffung des Staates in den K&#246;pfen der Radikalsten. F&#252;r viele Autoren und Aktivisten beschr&#228;nkt sich das Ende des Kapitalismus allerdings darauf, die Herrschaft der Oligarchie und der Banken zu beenden, damit wir mit mehr Demokratie und Gleichheit in allen Bereichen besser leben k&#246;nnen. (Man k&#246;nnte sagen, das sei nicht schlimm, da die Proletarier, welche die Revolution machen werden, wenig B&#252;cher lesen und keine Aktivisten sind, aber das gesellschaftliche Vorstellungsverm&#246;gen spielt in dieser Geschichte trotz allem eine Rolle.) Da man also den Kapitalismus nicht zerst&#246;ren kann, versucht man, daraus &lt;i&gt;herauszukommen&lt;/i&gt;, indem man &#8211; sehr partiell &#8211; wieder an das vorindustrielle Zeitalter anschliessen will, indem man das wegl&#228;sst, was am Hypermaschinismus offensichtlich schlecht ist (die verschmutzende Raffinerie), gleichzeitig jedoch das beh&#228;lt, was an ihm gut sei (die Informatik). Dank dem 3D-Drucker, auf Wiedersehen Metallarbeiter. Mit dem Internet braucht man kein Auto mehr. Gegen das Monopol, das Kleineigentum. Gegen die Agroindustrie, der lokale Produzent. Handgemachtes Bier statt Sk&#248;ll. Die gemeinschaftliche Werkstatt gegen die &lt;i&gt;gigafactory&lt;/i&gt; (&lt;i&gt;local is beautiful&lt;/i&gt;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie kann man ernsthaft daran glauben, dass die Zukunft der Welt von einer Vervielfachung individueller Handlungen abh&#228;ngt? Als ob es von jedem von uns als Konsumenten davon abhinge, f&#252;r die &#8222;gl&#252;ckliche N&#252;chternheit&#8220; zu optieren, w&#228;hrend unsere Entscheidungen nach und nicht vor den Produktionen intervenieren, die im Wesentlichen von den Kapitalbewegungen abh&#228;ngen. So sch&#228;tzt man &#8211; ein Beispiel unter anderen &#8211;, dass 70% der zwischen 1988 und 2015 ausgestossenen Treibhausgase von nur 100 Multinationalen verursacht wurden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Utopie ist nicht mehr, was sie einmal war. Die Produktions- und Lebensgenossenschaften der 1840er Jahre waren Ausdruck der Hoffnung, die entstehende Industriegesellschaft von innen zu besiegen, jene der Belle &#201;poque waren h&#228;ufig mit einer kr&#228;ftigen und antib&#252;rgerlichen Arbeiterbewegung verbunden. Fast zwei Jahrhunderte sp&#228;ter koexistieren die sehr rentablen Bio-Verteilketten und die bescheidenen Genossenschaften f&#252;r solidarische Landwirtschaft fast friedlich mit dem Riesen Carrefour: Es geht nur noch darum, so wenig schlecht wie m&#246;glich da zu leben, wo es der Kapitalismus erlaubt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3) &#214;kosozialismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein breites Spektrum an Denkern und Gruppen m&#246;chte, dass die &#214;kologie zu einer Wiederzusammensetzung der politischen Linken beitr&#228;gt, d.h. die Parteien und Gewerkschaften verj&#252;ngt, manchmal sogar in einem marxistischen Duktus, im Sinne einer Analyse der modernen Gesellschaft als kapitalistisch und in Klassen aufgetrennt, obwohl es mehr um Gegensatz denn um Widerspruch geht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Str&#246;mung wirft den Anh&#228;ngern der Regierungs&#246;kologie sowie den Vertretern der &#8222;kleinen Schritte&#8220; ihren Mangel an Koh&#228;renz vor: Da, so sagt sie, die Kapitalisten und die Reichen verantwortlich f&#252;r die Klimakrise sind, sind es sie, die man angreifen muss. &#8222;Das Problem ist das Kapital&#8220;: Doch f&#252;r die &#214;kosozialisten ist &#8222;Kapital&#8220; Synonym f&#252;r grosse industrielle und finanzielle Lobbys. Die Rettung des Planeten impliziert also, dass sie ausgeschaltet werden, damit Schluss ist mit den verschmutzenden Unternehmen, der fossilen Extraktion (oder sie zumindest betr&#228;chtlich reduziert wird), der Expansion des Agrobusiness und der Einkaufszentren, damit die &#246;ffentlichen Dienste (besonders die Transporte) wiederbelebt werden, damit eine zugleich &#8222;gerechte&#8220; als auch &#246;kologische Steuerpolitik eingef&#252;hrt wird, wom&#246;glich durch die Durchsetzung einer &#246;kologischen Rationierung, zum Beispiel durch die Begrenzung der Flugreisen, all das zur &#8222;R&#252;ckgabe des Wortes und der Entscheidungsmacht ans Volk&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Gegensatz zur &#8222;alten&#8220; Arbeiterbewegung setzt der &#214;kosozialismus auf eine Koordination der Kr&#228;fte, die &#252;ber die organisierte Arbeit hinausgeht: In den sogenannt reichen L&#228;ndern die Frauen, die sexuellen und &#8222;rassischen&#8220; Minderheiten, eine &#8222;f&#252;r das Klima&#8220; mobilisierbare Jugend und in jenen L&#228;ndern, welche man die Dritte Welt nannte, die indigenen V&#246;lker, die Bauernorganisationen&#8230; Die Vereinigung aller unterdr&#252;ckten Kategorien w&#252;rde ein Kr&#228;fteverh&#228;ltnis schaffen, das f&#228;hig w&#228;re, eine politische Macht aufzugleisen, die, da von nun an reell und nicht mehr formell demokratisch, einen &#246;ffentlichen Sektor im Dienste der Arbeiter und seiner Nutzer bef&#246;rdern w&#252;rde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das alte sozialistische Programm versprach, &#8222;die Anarchie der Produktion&#8220; mithilfe eines vergesellschafteten und geplanten Kapitalismus zu &#252;berwinden. Im 21. Jahrhundert w&#252;rde diese bez&#228;hmte und wieder in den Dienst aller gestellte Wirtschaft nicht nur von oben gesteuert (vom Staat und dem Parlament), sondern auch durch das Zusammentreffen der Volksvertreter und der B&#252;rgerkollektive (als Adjektiv ersetzt &lt;i&gt;citoyen&lt;/i&gt; h&#228;ufig das heute etwas antiquierte &lt;i&gt;populaire&lt;/i&gt;). Gegen&#252;ber der allzu jakobinischen Parole der &#8222;Nationalisierungen&#8220; bevorzugt man die &#8222;Vergesellschaftung&#8220; der Energie und des Kredits.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Sozialdemokratie ist tot oder sehr krank, weil sie der Verteidigung der Arbeit (der &#8222;kleinen Leute&#8220;, der Armen, jener von &#8222;unten&#8220;) entsagt und das gesamte offen b&#252;rgerliche Programm oder einen (grossen) Teil davon akzeptiert hat. Der Widerspruch des &#214;kosozialismus ist es, dieses Scheitern &#252;berwinden zu wollen (das, vom Standpunkt der herrschenden Klasse und ihrer Sprecher aus betrachtet, &lt;i&gt;ein Erfolg&lt;/i&gt; ist), indem er tiefe &#246;kologische Transformationen verspricht, die noch weniger zug&#228;nglich als die zwar gem&#228;ssigten Reformen sind, welche die verschiedenen &#8222;Linken der Linken&#8220; seit 20 oder 30 Jahren nicht durchsetzen k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;4) Aktivistische &#214;kologie&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine &#246;kologische Randgruppe ist der Ansicht, dass es bereits zu sp&#228;t f&#252;r eine &#8222;nachhaltige Entwicklung&#8220; ist. In Anbetracht der Passivit&#228;t der Regierenden und der Obsoleszenz der Parteien m&#252;sste man sich von der Basis aus organisieren, indem man sich auf die Vision einer verpackten Maschine mit &#252;berhitztem Motor st&#252;tzt, die immer weniger leistungsf&#228;hig, somit immer verh&#228;ngnisvoller ist, aber (zum Gl&#252;ck) auch immer verwundbarer, also empf&#228;nglich f&#252;r einen Zusammenbruch unter dem Druck der extensiv definierten Massen. Daher kommt ein bewusst verteidigter Pragmatismus, Priorit&#228;t hat die Aktion, am besten auf der Strasse, begleitet von symbolischen, manchmal spektakul&#228;ren oder gar illegalen Taten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Vertreter der &#8222;M&#228;rsche f&#252;r das Klima&#8220; halten diese Umz&#252;ge f&#252;r notwendig, sie wissen, dass sie nicht gen&#252;gen und sehen sie allen voran als Mittel zur Mobilisierung und zur Verst&#228;rkung des Drucks. Individuelle und kollektive Praktiken sollen miteinander kombiniert werden, um gesellschaftlich ins Gewicht zu fallen: Die &#8222;Waffe der Brieftasche&#8220; (Kauf von Bioprodukten) schliesst weder den R&#252;ckgriff auf die Urnen (gr&#252;n w&#228;hlen), noch die Erschaffung von &#8222;Basen&#8220; (ZAD) aus, wo ein gesellschaftlich und politisch alternatives Leben skizziert werde, das heute ein schlichtes Mittel zur Verteidigung ist, aber morgen zu einem Werkzeug f&#252;r eine antikapitalistische Offensive werden wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was diese Praktiken festigt, ist die Illusion einer Mobilisierungs- und Vereinigungskraft der &#8211; eingetretenen oder bevorstehenden &#8211; Katastrophe. Im Gegensatz zur kapitalistischen Ausbeutung, zu einem Krieg oder gar Weltkrieg oder einer schlimmen Wirtschaftskrise, ist heute die Gesamtheit der menschlichen Gattung betroffen und nicht eine oder mehrere ihrer Bestandteile (Arbeiter, Bauern, Kolonialisierte, indigene V&#246;lker, Frauen&#8230;). Die Menschheit w&#228;re also fast schon verpflichtet, zum &#8222;Subjekt&#8220; ihrer Geschichte zu werden. Die &#246;kologische Krise habe diesen Vorteil, endlich alle beherrschten Kategorien in einer &#8222;Bewegung der Bewegungen&#8220; zu vereinen (wie in &#8222;der Versammlung der Versammlungen&#8220; scheint die Wiederholung des Wortes sowohl Kraft als auch Diversit&#228;t zu garantieren). Es bliebe also nichts anderes &#252;brig, als daf&#252;r zu sorgen, dass sich die Gesamtheit der Bewohner des Planeten dessen bewusst werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Wirklichkeit gibt es eine Vielzahl an direkten Aktionen gegen die extraktivistischen fossilen Projekte, ohne dass man von einer Konvergenz sprechen k&#246;nnte, und die von Naomi Klein gesch&#228;tzte Blockadia l&#246;st keine internationale Koordination aus. Die Widerst&#228;nde kn&#252;pfen solidarische Verbindungen, erschaffen manchmal provisorisch autonome Zonen, von welchen in der Regel eine auf die andere folgt: Wenn man einmal den Sieg errungen oder sich die Niederlage eingestanden hat, ziehen die Zadisten um in eine andere ZAD und, falls notwendig, erschaffen sie dort eine, wo ein grosses nutzloses Projekt mit viel Beton angek&#252;ndigt wird. Leider ist die Zusammenbringung &lt;i&gt;spezifischer&lt;/i&gt; K&#228;mpfe gleichbedeutend mit der Erschaffung eines Konkurrenzverh&#228;ltnisses zwischen Aktivisten jeder dieser K&#228;mpfe an einem gleichen Ort, der daraufhin zum idealen Spielfeld f&#252;r interne Rivalit&#228;ten wird, manchmal geht sogar das urspr&#252;ngliche Ziel der betreffenden ZAD vergessen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Vermehrung der ZAD wird genauso wenig das &#8222;Globale&#8220; blockieren wie die damals von der organisierten Arbeit (Gesellschaften zur gegenseitigen Unterst&#252;tzung, Vereine, Genossenschaften, Gewerkschaften und Parteien) erreichte Stellung den Kapitalismus zerst&#246;rte. So sehr die ZAD h&#228;ufig ein Ort positiver Konfrontationen sind, so sehr verbreitet der Zadismus die Illusion, dass die &#246;kologischen Fragen ein optimales Terrain f&#252;r eine &#8222;Kampffront&#8220; und ein Kr&#228;ftemessen mit dem Staat bieten, solange man die richtigen Kampfmethoden w&#228;hlt. Man vergisst, dass keine Dringlichkeit in sich selbst eine vereinigende und Ver&#228;nderung tragende Kraft hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;* * *&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die politische &#214;kologie behauptet, sie w&#252;rde Ressourcen, besonders Energie, f&#252;r ein System sparen, das zur &#220;berproduktion und zum &#220;berkonsum verurteilt ist. Doch, obwohl es besser ist, fossile Energiequellen mit erneuerbaren zu ersetzen, haben letztere ihre Grenzen, besonders ihr zeitweiliges Funktionieren. Mit dem der kapitalistischen Welt inh&#228;renten Durst nach Energie muss gebrochen werden, doch dazu ist die &#214;kologie als Wissenschaft und Politik unf&#228;hig. Der Beweis daf&#252;r ist ihre Akzeptanz f&#252;r die Digitalisierung von allem, die eine Omnipr&#228;senz der Elektrizit&#228;t und die Gesamtheit ihrer Konsequenzen voraussetzt. Die politische &#214;kologie liefert ein und demselben System nur andere L&#246;sungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schlussendlich ist die Bilanz, f&#252;r Leute, die sich mit ihrem Realismus br&#252;sten (und uns gerne unseren &#8222;Utopismus&#8220; vorwerfen), mager. Die reformistischen Umweltsch&#252;tzer reformieren kaum etwas und die Radikalen erhalten kaum mehr als die Gem&#228;ssigten. Die Klimasituation wird schlimmer: Der Verbleib unter einer Schwelle von 1.5&#176; oder 2&#176; C der Erw&#228;rmung w&#252;rde bis 2030 und 2050 eine Transformation der Produktionsweise und unserer Lebensweise verlangen, die heute nicht absehbar ist. Im Wettlauf zwischen Verbesserung und Verschlimmerung hat der Planet bis jetzt weitgehend verloren. Nie sprach man jedoch so viel von &#214;kologie. Politisch betrachtet ist das Scheitern offenkundig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;G. D., Januar 2021&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Literaturverzeichnis&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Rachel Carson, &lt;i&gt;Der stumme Fr&#252;hling&lt;/i&gt; (1962), C. H. Beck, 1976.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ren&#233; Dumont, &lt;i&gt;L'Utopie ou la Mort&lt;/i&gt;, Seuil, 1973.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Serge Latouche, &lt;i&gt;Vers une soci&#233;t&#233; d'abondance frugale&lt;/i&gt;, Mille et une nuits, 2011.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Serge Latouche zeigt gut die Grenzen der &#8222;nachhaltigen Entwicklung&#8220; auf, d.h. eines weniger verschmutzenden Kapitalismus, damit er l&#228;nger fortbestehen kann. Aber da Kapitalismus f&#252;r ihn Synonym f&#252;r Grenzenlosigkeit ist, geht es darum, uns Grenzen zu geben. Er bezieht sich besonders auf Beispiele von Tauschsystemen in Afrika und verteidigt einen Warenhandel, der sich nicht an der &#8222;Omnipr&#228;senz des Marktes&#8220; orientieren w&#252;rde. Auf dem Weg der M&#228;ssigung trifft er Castoriadis, den er lobend zitiert: &#8222;Als Werteinheit und Tauschmittel ist das Geld eine grosse Erfindung, eine grosse Kreation der Menschheit&#8220; und es solle nun gen&#252;gen, &#8222;die Wirtschaft wieder im Sozialen zu verankern&#8220;. Es ist eine Lobrede auf eine kleine Warenproduktion, einen Pr&#228;kapitalismus, der unf&#228;hig w&#228;re, den Kapitalismus zu geb&#228;ren, da er unter all unserer Kontrolle verbleiben w&#252;rde. Die Entwicklung des Handels in Athen und die mittelalterlichen Messen und Jahrm&#228;rkte haben allerdings zur B&#246;rse Amsterdams und zu Wall Street gef&#252;hrt. Serge Latouche glaubt, ein Problem durch &#228;hnliche Mittel l&#246;sen zu k&#246;nnen, wie jene, welche es verursacht haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#214;kosozialismus:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In seinen etlichen Varianten pr&#228;sentiert der &#214;kosozialismus zwar eine &#8222;Klassenanalyse&#8220; des &#246;kologischen Problems, seine L&#246;sung ist allerdings transversal und interklassistisch, ein breites B&#252;ndnis, das Arbeiter, gr&#252;ne Aktivisten, Frauen, V&#246;lker des S&#252;dens, Menschenrechtsaktivisten und Unterdr&#252;ckte aller Kategorien miteinander mischt (nur die &#8222;oligarchischen&#8220; 1% sind davon ausgeschlossen). Es ist das ewige Programm einer unm&#246;glichen graduellen Revolution, ausser dass sie heute &#8222;&#246;kodemokratisch&#8220; w&#228;re.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Daniel Tanuro, &lt;i&gt;L'Impossible Capitalisme vert&lt;/i&gt;, La D&#233;couverte , 2012.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Michel Husson, &lt;i&gt;Six milliards sur la plan&#232;te : sommes-nous trop ?&lt;/i&gt;, Textuel, 2000.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Beispiel einer Konvergenz zwischen universit&#228;rem Marxismus und ehemaligen intellektuellen Kadern der KPF: Jean-Marie Harribey, &lt;a href=&#034;http://gesd.free.fr/jmhmeco.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Marxisme &#233;cologique ou &#233;cologie politique marxienne&#8220;&lt;/a&gt;, &lt;i&gt;Dictionnaire Marx contemporain&lt;/i&gt;, PUF, &#8222;Actuel Marx confrontation&#8220;, 2001.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Homepage &lt;a href=&#034;https://climateandcapitalism.com/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Climate &amp; Capitalism&lt;/a&gt; (&#8222;Ecosocialism or barbarism: there is no third way&#8220;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schule des &#8222;Risses des Stoffwechsels&#8220; (von der wir in der Episode 07 erneut sprechen werden):&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Paul Burkett, &lt;i&gt;Marx&#8216;s Vision of Sustainable Human Development&lt;/i&gt;, 2005.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;John Bellamy Foster, Brett Clark und Richard York, &lt;a href=&#034;http://pombo.free.fr/foster2010.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;The Ecological Rift. Capitalism's War on the Earth&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Monthly Review Press, 2010.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu den &lt;a href=&#034;https://www.solidaire.org/articles/john-bellamy-foster-monthly-review-le-capitalisme-ne-pourra-jamais-etre-vert&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;politischen Vorschl&#228;gen Fosters&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Naomi Klein, &lt;i&gt;Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima&lt;/i&gt;, Frankfurt a.M., S. Fischer, 2015 [2014]. Der Titel &#8211; &lt;i&gt;Kapitalismus vs. Klima&lt;/i&gt; &#8211; greift direkt einen Kapitalismus an, dessen Ursachen in den Kapiteln 2 bis 5 beschrieben werden, aber nicht seine tiefe Logik. Obwohl scharfsinnig bez&#252;glich der Grenzen der politischen &#214;kologie und des Greenwashing vertraut Naomi Klein hingegen auf eine &#196;nderung der Haltung der Regierungen und des Big Business, falls die Massen ein bisschen &#252;berall Druck machen: Blockadia wird st&#228;rker sein als das &#8222;Globalia&#8220; der Multinationalen. F&#252;r sie genau wie f&#252;r die &#214;kosozialisten w&#228;re der Kapitalismus nicht mehr kapitalistisch, wenn er von uns allen, dem Volk, kontrolliert w&#228;re.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Linksaussen f&#252;hlt sich mittlerweile jede Partei oder Gruppe verpflichtet, ihrer Zeitung oder ihrem Blog eine &#246;kologische Seite beizuf&#252;gen. Ein Beispiel von Opportunismus unter hunderten: &lt;a href=&#034;http://www.pcint.org/03_LP/534/534_IV-internationale.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;La IVe Internationale victime du r&#233;chauffement climatique&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Le Prol&#233;taire&lt;/i&gt;, September-Oktober 2019.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was &lt;i&gt;Le Prol&#233;taire&lt;/i&gt; erkl&#228;rt, ist kein Standpunkt, der sich auf diese trotzkistische Gruppe beschr&#228;nkt. Ein grosser Teil der &#228;usseren Linken tendiert dazu, den Widerspruch Bourgeoisie/Proletariat als sekund&#228;r gegen&#252;ber jenem zwischen dem &#252;berm&#228;ssigen kapitalistischen Wachstum und den nat&#252;rlichen Grenzen zu betrachten, ein Gegensatz, der den Vorteil hat, dass er fast alle betrifft: Sowohl die Proletarier als auch die Frauen, die sexuellen Minderheiten, die Unterdr&#252;ckten aufgrund ihrer &#8222;Rasse&#8220;, die Jungen und auf allgemeine Art und Weise die V&#246;lker jener L&#228;nder, welche fr&#252;her als Dritte Welt bezeichnet wurden, sie alle sind auf die eine oder andere Weise Opfer des Klimawandels und somit geeignet daf&#252;r, f&#252;r Aktionen &#8222;f&#252;r das Klima&#8220; mobilisiert zu werden. Doch, wie es die Situationisten schrieben, &#8222;[m]an sollte aber noch die Mittel zum eigenen Opportunismus besitzen&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;SI, Nr. 7, 1962.&#034; id=&#034;nh2-16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#8222;Tiefen&#246;kologie&#8220; ist ein Fall f&#252;r sich. Die Anh&#228;nger der &lt;i&gt;deep ecology&lt;/i&gt; werfen der klassischen und der antikapitalistischen &#214;kologie vor, die Gesamtheit des Lebens nur vom Standpunkt der menschlichen Gattung aus zu betrachten und sich nur insofern f&#252;r &#246;kologische Ungleichgewichte (der Verlust der Biodiversit&#228;t z.B.) zu interessieren, als dass sie den Menschen schaden. F&#252;r diese Str&#246;mung darf die Gesamtheit der lebenden Welt nicht als &#8222;Ressource&#8220; behandelt werden: Sie hat einen Wert, der unabh&#228;ngig von ihrer N&#252;tzlichkeit f&#252;r die menschlichen Wesen ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das steht im Verh&#228;ltnis zur Idee, dass die Umweltkrise uns dazu verpflichtet, den &#8222;Gesellschaftsvertrag&#8220; der modernen Demokratie mit einem &#8222;Naturvertrag&#8220; (Michel Serres) zu ersetzen oder ihn damit zu komplettieren, ein &#8222;Parlament der Dinge&#8220; (Bruno Latour) einzusetzen und den nichtmenschlichen Wesen Rechte einzur&#228;umen, was auch ein Thema des Antispeziesmus ist, aber all das w&#252;rde zu weit gehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Damit dieser Text nicht noch schwerf&#228;lliger wird, werden wir hier auch Gruppen wie Deep Green Resistance oder Extinction Rebellion nicht behandeln, sowohl ihre Funktionsweise als auch ihre Theorien w&#252;rden eine Kritik verdienen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=3121&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h3 id=&#034;Episode05&#034;&gt;Episode 05: Vom Anthropoz&#228;n zum Kapitaloz&#228;n&lt;/h3&gt;&lt;div class='spip_document_25 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;a href='https://www.kommunisierung.net/IMG/jpg/oeko5.jpg' class=&#034;spip_doc_lien mediabox&#034; type=&#034;image/jpeg&#034;&gt; &lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/jpg/oeko5.jpg?1689261534' width='500' height='329' alt='' /&gt;&lt;/a&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Die Idee des &lt;i&gt;Anthropoz&#228;ns&lt;/i&gt; sollte die Ankunft einer Epoche ausdr&#252;cken, w&#228;hrend welcher die menschlichen T&#228;tigkeiten nunmehr alles Leben auf der Erde modifizieren. Doch die unbestreitbare Verantwortung des kapitalistischen Systems in der &#246;kologischen Krise zeigte, wie offensichtlich vereinfachend, wenn nicht schlichtweg falsch dieser Begriff war. Daher kommt der Aufstieg einer kritischen Neuheit, des Kapitaloz&#228;ns, das, obwohl es sich explizit auf einen &#8222;Kapitalismus&#8220; bezieht, letztendlich unterschl&#228;gt, was er eigentlich ist, und nur meist fade politische Perspektiven vorschl&#228;gt, die jedenfalls weit von einer sozialen und &#246;kologischen Revolution entfernt sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;* * *&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den 1920er Jahren behauptet Wladimir Wernadski, dem wir schon in der ersten Episode begegnet sind, dass &#8222;mit dem Menschen gewiss eine neue geologische Kraft auf der Erdoberfl&#228;che erschienen ist&#8220;. So wie er sie konzipiert, ist die &lt;i&gt;Biosph&#228;re&lt;/i&gt;, die Einheit der Interaktionen zwischen lebenden Organismen und ihrer Umwelt, positiv, denn Wernadski glaubt, dass das Menschengeschlecht das Leben auf der Erde verbessert, vorausgesetzt, dass es sich selbst dazu in den Stand versetzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Entstehung einer solchen Sichtweise im bolschewistischen Russland ist kein Zufall. Schon davor gab es zahlreiche Projekte eines humanisierten Planeten, von Francis Bacon, der im 17. Jahrhundert die Wissenschaft und das Experimentieren als notwendige Werkzeuge f&#252;r den menschlichen Geist zur Aneignung der Natur betrachtete, bis zu den franz&#246;sischen Enzyklop&#228;disten und vielen anderen danach. Aber die Oktoberrevolution bietet einer Gruppe von Anf&#252;hrern den Eindruck, &#252;ber ein gesamtes Land und seine Bev&#246;lkerung zu herrschen und f&#228;hig zu sein, sowohl den Menschen als auch die Natur umzugestalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Hypothese und das Wort werden damals im Westen kaum oder &#252;berhaupt nicht beachtet, man bevorzugt den Begriff &lt;i&gt;Holoz&#228;n&lt;/i&gt;, vom griechischen &lt;i&gt;holos&lt;/i&gt; (g&#228;nzlich) und &lt;i&gt;kainos&lt;/i&gt; (neu), das vor ungef&#228;hr zw&#246;lf Jahrtausenden nach der letzten grossen Eiszeit beginnt und die gesamte Epoche der menschlichen Zivilisation umfasst, seit der Erfindung der Landwirtschaft und der Entstehung der ersten Siedlungen, d.h. seit der &#8222;neolithischen Revolution&#8220;. Einer, der diesen Begriff eifrig gef&#246;rdert hat, war Gordon Childe (1882-1957), der stark vom Marxismus inspiriert war und insbesondere 1936 &lt;i&gt;Man Makes Himself&lt;/i&gt; geschrieben hat, ein Titel, der aussagekr&#228;ftiger ist als jener der franz&#246;sischen &#220;bersetzung, &lt;i&gt;L&#8216;Invention de la civilisation&lt;/i&gt; (1963).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1) Ein kritisches Konzept&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Idee des Anthropoz&#228;ns verweist ihrerseits auf einen Bruch und unterscheidet eine neue Periode: Jene, w&#228;hrend welcher die Menschen den Planeten zutiefst und in einer qualitativ neuen Art und Weise transformieren. Aber bis zu welchem Punkt? Und mit welchem Ausgangspunkt? Das Ende des Mittelalters und die grossen Entdeckungen oder aber die industrielle Revolution? Wir werden die Probleme der beiden Ans&#228;tze im n&#228;chsten Kapitel sehen. Es geht auf jeden Fall darum, die durch die Erde und die Menschheit konstituierte Gesamtheit als globales System mit Schlingen- und Schwellenwirkung und somit einer m&#246;glichen Gefahr zu denken. Die Gesellschaft stellt sich nunmehr die Frage, wie sie ihre eigenen Missetaten &#8222;reparieren&#8220; kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vom Anthropoz&#228;n zu sprechen, bedeutet, die Geschichte in zwei Teile zu unterteilen: Im ersten wirkte das Menschengeschlecht auf seine Umwelt ein, ohne ihre grundlegenden Gleichgewichte zu ersch&#252;ttern; im zweiten, in welchem wir leben, hat dieses Handeln die Natur derart transformiert, dass die Lebensbedingungen auf der Erde &#8211; vielleicht auf unumkehrbare Art und Weise &#8211; bedroht sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das russische Denken nach 1917 sah ein &#8222;gutes&#8220; Anthropoz&#228;n. Heute sei es das Gegenteil.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Nobelpreistr&#228;ger Paul Josef Crutzen nannte 2002 Anthropoz&#228;n &#8222;die gegenw&#228;rtige geologische Epoche, die von den Menschen beherrscht und auf das Holoz&#228;n gefolgt ist, d.h. die gem&#228;ssigte Periode der letzten zehn oder zw&#246;lf Jahrtausende. Wir schlagen f&#252;r den Beginn des Anthropoz&#228;ns die zweite H&#228;lfte des 18. Jahrhunderts vor: W&#228;hrend dieser Periode zeigen die Daten, die aus glazialen Eisbohrkernen gewonnen wurden, den Beginn einer Zunahme der atmosph&#228;rischen Konzentrationen mehrerer &#8218;Treibhausgase&#8216;, insbesondere CO2 und CH4. Ein derartiges Anfangsdatum f&#228;llt auch zusammen mit der Einf&#252;hrung der Watt'schen Dampfmaschine im Jahre 1784.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie wir es in der letzten Episode gesehen haben, ist das Interesse der Theoretiker und Forscher gegen Mitte des 20. Jahrhunderts auf das Missverh&#228;ltnis zwischen der Rohstoffverknappung und dem demographischen Wachstum (oder gar der demographischen &#8222;Explosion&#8220;) und kaum auf das CO2 und die Erw&#228;rmung gerichtet. Der Gegenstand der Beunruhigung &#228;ndert sich in den 1980er Jahren (1988, Kreation des IPCC): Die Klimaver&#228;nderung wirft Fragen auf und stellt eine globale Bedrohung dar, die den gesamten Planeten betrifft, Grossm&#228;chte genau wie &#8222;Schwellen-&#8220; oder &#8222;periphere&#8220; L&#228;nder, die Regierenden m&#252;ssen sich also darum k&#252;mmern, oder zumindest dar&#252;ber sprechen. Ohne zu vergessen, f&#252;hren die Anh&#228;nger des Anthropoz&#228;ns ins Feld, dass gewisse L&#228;nder mehr Verantwortung tragen als andere. Die Idee kn&#252;pft an eine aufstrebende gr&#252;ne Bewegung an, welche die &#246;kologische Krise auf die Hyperindustrialisierung zur&#252;ckf&#252;hrt, und den &#214;kosozialismus, der darin eine Auswirkung des Kapitalismus sieht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Wort kommt wie gerufen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2) Periodisierung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was wir &#8222;Wissenschaft&#8220; nennen, ist nichts anderes, als jenes Wissen, welches durch eine Epoche nach den Kriterien derselben als wissenschaftlich anerkannt wird. Die wissenschaftliche Welt funktioniert mit Kommissionen, Unterkommissionen, kollegialer Bewertung, sie ist gefangen zwischen korporatistischen (Karrieren, die gef&#246;rdert, Ver&#246;ffentlichungen, die garantiert werden m&#252;ssen, und Finanzierung, die erhalten und erneuert werden muss) und politischen Interessen: Die Klimaskeptiker werfen dem IPCC &#252;brigens vor, ein Produkt der &#220;bereinkunft zwischen Regierenden zu sein und deshalb nach Konsens zu streben. Wenn &#8222;wir&#8220; heute &#8222;offiziell in der Periode des Holoz&#228;ns, im Quart&#228;r leben, so ist das einer Reihe historischer Unf&#228;lle und Abstimmungsprozeduren einer kleinen Anzahl Geologen geschuldet&#8220; (Simon Lewis, Mark Maslin).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In weniger als 20 Jahren ist das Anthropoz&#228;n zu einem Konzept (und einer Formel) geworden, das f&#252;r eine Welt notwendig geworden ist, welche es nicht lassen kann, sich bez&#252;glich der Beschleunigung eines industriellen Wachstums, das die f&#252;r jede Gesellschaft &#8211; auch eine kapitalistische &#8211; notwendigen nat&#252;rlichen Gleichgewichte bedroht, zu hinterfragen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Anthropoz&#228;n wird allerdings auch in einem anthropozentrischen Sinne von den &#214;komodernisten theoretisiert, f&#252;r sie m&#252;ssen wir jetzt in ein &#8222;gutes Anthropoz&#228;n&#8220; eintreten: Dank seiner Technologie wird der Mensch der beste Garant f&#252;r das planetarische Gleichgewicht sein. Die Wissenschaftsgl&#228;ubigkeit tankt in der &#214;kologie neue Energie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Periodisierung wirft weit mehr als nur lexikalische Fragen auf. Je nachdem, ob man einem Holoz&#228;n, der sich &#252;ber ungef&#228;hr 13&#8216;000 Jahre erstreckt, oder einem bloss einige Jahrhunderte altem Anthropoz&#228;n anh&#228;ngt, weichen die Erkl&#228;rungen f&#252;r zeitgen&#246;ssische Ph&#228;nomene voneinander ab. Aber im Rahmen des Anthropoz&#228;ns muss auch der Beginn der historischen Beschleunigung aufgrund des Kapitalismus datiert werden. Und man muss wissen, wann die kapitalistische Produktionsweise beginnt. Mit der Industriellen Revolution, wie es Paul Crutzen vertritt? Oder im 15. und 16. Jahrhundert mit den grossen Entdeckungen und dem Beginn der Kolonialisierung Amerikas durch mehrere europ&#228;ische L&#228;nder? Das Konzept &#8222;Kapital&#8220; kann viele Bedeutungen annehmen, wir werden in der n&#228;chsten Episode darauf zur&#252;ckkommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3) &#8222;Insz&#228;nierung&#8220;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Anthropoz&#228;n bedeutet die &#196;ra des Menschengeschlechts, doch was man als Triumph f&#252;r den Menschen h&#228;tte betrachten k&#246;nnen, erweist sich als seine schlimmste Niederlage. Nach Galileo, Darwin und Freud erleidet die Menschheit eine &#8222;neue narzisstische Kr&#228;nkung&#8220;. Ein sehr n&#252;tzliches Konzept, um die M&#228;ssigung der Regierenden als einzige L&#246;sung zu pr&#228;sentieren und jedem zu empfehlen, sich selbst einzuschr&#228;nken (ihn dabei jedoch zum Konsum zu ermuntern).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was die N&#252;chternheit betrifft, ist sie nicht sprachlich. Es wimmelt von Neologismen. Gross- oder kleingeschrieben: Misanthropoz&#228;n, Sozioz&#228;n, Phagoz&#228;n (geplante Obsoleszenz), Plantationoz&#228;n, Angloz&#228;n, Thanatoz&#228;n, Plastoz&#228;n, &#214;konoz&#228;n, Technoz&#228;n, Thermoz&#228;n, Phronoz&#228;n, Homogenoz&#228;n, Polemoz&#228;n, Imperialismoz&#228;n, Nekroz&#228;n und auf Englisch &lt;i&gt;manthropocene&lt;/i&gt; (zur Betonung der patriarchalen und sexistischen Dimension) und &lt;i&gt;growthocene&lt;/i&gt; (Wachstumszwang), ohne das Chthuluz&#228;n von Donna Haraway zu vergessen (das nicht mit dem schrecklichen Cthulhu von Lovecraft verwechselt werden sollte)&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Ungewissheit dar&#252;ber, was &#8222;das Anthropoz&#228;n&#8220; umfasst, f&#252;hrt dazu, dass die Definitionen sich vervielfachen, eine zieht die andere nach sich, als ob eine entschl&#252;pfende Wirklichkeit mit einem Wort festgehalten werden sollte. Statt dass man die Ursachen der Unangemessenheit des Konzepts versteht, vervielfacht man es, jede Variante theoretisiert einen besonderen Aspekt so, als ob er die Totalit&#228;t kennzeichnen w&#252;rde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist der Widerspruch eines Begriffes, der, obwohl er den Menschen infrage stellt, ihn im Zentrum platziert und so ein vereinigtes Menschengeschlecht gegen&#252;ber der Natur zusammenbringt, eine Doppeldeutigkeit, die auf das Auftauchen der Idee in Russland vor einem Jahrhundert zur&#252;ckgeht: Die zuerst leninistische dann stalinistische UdSSR gab vor, auf dem Weg in eine klassenlose Gesellschaft zu sein, in Richtung einer mit sich selbst und der Natur vers&#246;hnten Menschheit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;4) Kritik des Konzepts&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was das Konzept des Anthropoz&#228;ns ausdr&#252;ckt, ist die Tatsache, dass die menschlichen Aktivit&#228;ten zu einer &#8222;geophysischen Kraft&#8220; mit der F&#228;higkeit geworden sind, den Planeten bis zu einem Punkt der Belastung der Biosph&#228;re zu transformieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber welche menschlichen Aktivit&#228;ten?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Welche Rolle die Anh&#228;nger des Anthropoz&#228;ns dem Kapitalismus auch immer einr&#228;umen m&#246;gen, ihre Wortwahl &lt;i&gt;Anthropo&lt;/i&gt;-z&#228;n setzt die Geschichte mit einer Evolution gleich, welche die Menschheit von der &#8222;Eroberung des Feuers&#8220; vor 500&#8216;000 Jahren zum heutigen W&#228;rmekraftwerk gef&#252;hrt hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn auch die menschlichen Gesellschaften nicht auf die kapitalistische Produktionsweise gewartet haben, um die Ausbeutung, die Klassen, den Staat, die Z&#252;gellosigkeit usw. zu erschaffen und zu erdulden, so gibt der Kapitalismus doch all dem eine neue Qualit&#228;t und es ist kein Zufall, dass er die Industrie, den Extraktivismus und den Produktivismus entwickelt. Er ist viel mehr und etwas anderes als eine (extreme oder letzte) Etappe in einem technologischen Fortschritt, der mit der Landwirtschaft begonnen hat (oder noch fr&#252;her mit der Domestizierung des Feuers, um nicht zu sagen mit dem Schneiden des Feuersteins) und danach mit der industriellen Eskalation verschlimmert worden ist. Das Anthropoz&#228;n macht somit aus der Menschheit einen historischen Agenten jenseits der Klassenteilungen und analysiert die Erde als kybernetische Apparatur, die lange f&#228;hig war sich selbst zu regulieren &#8211; bis sie durch die menschliche Aktivit&#228;t dereguliert worden ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Positionen werden namentlich 2013 im Buch &lt;i&gt;L&#8216;&#201;v&#233;nement Anthropoc&#232;ne&lt;/i&gt; von Christophe Bonneuil und Jean-Baptiste Fressoz ausgef&#252;hrt. Drei Jahre sp&#228;ter zur Neuauflage des Buches legen die Autoren Wert darauf, &#8222;das Manuskript in der Tiefe&#8220; zu &#8222;&#252;berarbeiten&#8220; und sie f&#252;gen ein Kapitel &#252;ber das &#8222;Kapitaloz&#228;n&#8220; hinzu, das &#8222;die sehr ungleiche Aneignung der &#246;kologischen Gebrauchswerte des Planeten und die gemeinsame Dynamik des Kapitalismus und der Transformationen des Erdsystems seit einem Vierteljahrtausend&#8220; untersucht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Autoren haben ihre Analyse also modifiziert. Sie erkl&#228;ren, dass das Konzept des Anthropoz&#228;ns das Menschengeschlecht zu Unrecht als homogenes historisches Subjekt betrachtet. In Wirklichkeit ist der industrielle Aufbruch von einem Handelskapitalismus, der die Menschen und Ressourcen der Welt seit dem 16. Jahrhundert zugunsten der grossen europ&#228;ischen M&#228;chte ausgebeutet hat, vorbereitet worden. Deshalb verlangt das Verst&#228;ndnis dar&#252;ber, wie der menschliche Einfluss auf die Biosph&#228;re letztlich das &#220;berleben der Menschheit bedroht, die Ursache und den prinzipiellen Motor davon anzuerkennen: den Kapitalismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach dem Anthropoz&#228;n ist nun sein Rivale, der Kapitaloz&#228;n, dran, in Mode zu sein, er regt B&#252;cher und Kommentare von immer mehr, stark oder entfernt marxistisch inspirierten Radikalen an. Wir werden uns auf zwei Autoren konzentrieren, die sehr verschieden, aber repr&#228;sentativ sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zuerst Andreas Malm, der 2009 das Wort &lt;i&gt;Kapitaloz&#228;n&lt;/i&gt; zum ersten Mal benutzt haben soll.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;5) Andreas Malm oder das fossile Zeitalter&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da der Kapitalismus nun im Vordergrund steht, welche Rolle spielt er im Begriff des Kapitaloz&#228;ns?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Fossiles Kapital&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aufgrund der Tatsache, dass sich der Kapitalismus mithilfe der Gewinnung fossiler Materialien aufgebaut hat und immer noch darauf basiert, setzt Andreas Malm die beiden gleich. Gewiss, sagt er, jede fossile &#214;konomie ist nicht kapitalistisch: Die UdSSR nutzte Kohle, &#214;l und Gas, war aber, gem&#228;ss ihm, nicht kapitalistisch. Jeglicher Kapitalismus ist hingegen fossil und mit dem Verschwinden der UdSSR &#8222;ist die fossile &#214;konomie inhaltsgleich mit der kapitalistischen Produktionsweise, aber jetzt weltweit&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Andreas Malm, &#8222;The Anthropocene Myth&#8220;.&#034; id=&#034;nh2-17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Andreas Malm ist nicht der erste, der das kapitalistische Wesen der UdSSR verkennt und einige werden darin eine zweitrangige Schw&#228;che in einem obsoleten Streit sehen, da das Land seit fast 30 Jahren nicht mehr existiert. Wir vertreten eher die Meinung, dass eine Unf&#228;higkeit, zu verstehen, dass das Kapital und die Lohnarbeit 1980 sowohl in Charkiw als auch in Pittsburgh &#8211; nat&#252;rlich auf verschiedene Art und Weise &#8211; herrschten, ein schlechtes Vorzeichen ist, um den Kapitalismus im Allgemeinen zu behandeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In &lt;i&gt;L&#8216;Anthropoc&#232;ne contre l&#8216;histoire&lt;/i&gt; definiert Malm die fossile &#214;konomie &#8222;schlichtweg als eine autonome Wachstums&#246;konomie, die auf einem zunehmenden Konsum fossiler Brennstoffe gr&#252;ndet und somit ein anhaltendes Wachstum von Treibhausgasemissionen generiert&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Erschaffung des Konzepts des fossilen Kapitals bei Malm ist widerspr&#252;chlich. Er zeigt auf &#252;berzeugende Art und Weise, inwiefern das Zur&#252;ckgreifen auf Kohle, dann auf Erd&#246;l Klassenverh&#228;ltnissen geschuldet ist, d.h. wie diese fossilen Brennstoffe in den Dienst eines Gesellschaftssystems gestellt worden sind, doch er definiert dieses System nicht ausgehend von seiner Ursache (dem Klassenverh&#228;ltnis), sondern seiner Auswirkung (der Wahl der Rohstoffe). Seine &#8222;Theorie des fossilen Kapitals&#8220; interpretiert alles ausgehend von diesem Aspekt um: &#8222;fossile &#214;konomie&#8220;, &#8222;fossile Zusammensetzung&#8220; (des Kapitals), &#8222;globalisiertes fossiles Kapital&#8220;, &#8222;fossiler Konsum&#8220;, &#8222;fossiles Subjekt&#8220;&#8230; Diese fossile &#214;konomie, ein neues Stadium des Kapitalismus, definiere ihn neu: So wie es fr&#252;her das Kupfer-, Bronze, Eisenzeitalter gegeben habe, w&#252;rden wir nun das fossile Zeitalter erleben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wird das angek&#252;ndigte Ende des Erd&#246;ls in einigen Jahrzehnten eine Theorie des &#8222;nuklearen Kapitals&#8220; hervorbringen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es scheint uns richtiger, die kapitalistische Produktionsweise durch das Verh&#228;ltnis zwischen der Arbeit und dem Kapital, die Unternehmung, die Tendenz, aus allem eine Ware zu machen, und die Akkumulation zu definieren, nicht durch ihre Abh&#228;ngigkeit von einer Energiequelle oder -form, wie wichtig sie auch sein m&#246;gen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&#8222;Die drohende Katastrophe und wie man sie bek&#228;mpfen soll&#8220;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wahl dieses Titels &#8211; jener eines Artikels Lenins, der im September 1917 Geschichte schrieb &#8211; ergibt sich aus der Tatsache, dass Malm seine Inspiration in einem vom &#246;kologischen Lichte neu erhellten Leninismus findet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die im letzten Kapital seines beim Verlag La Fabrique herausgegebenen Buches dargelegte &#8222;revolution&#228;re Strategie&#8220; hat zum Ziel, &#8222;&lt;i&gt;Das Kommunistische Manifest&lt;/i&gt;&#8220; durch die Anf&#252;gung einer Liste von zehn dringend umzusetzenden Massnahmen &#8222;zu aktualisieren&#8220;, namentlich: die Schliessung fossiler Kraftwerke, eine komplett durch erneuerbare Energien gesicherte Energieproduktion, Begrenzung (durch gerechte Rationierung) der mit dem Flugzeug zur&#252;ckgelegten Strecken, Entwicklung kollektiver Transporte, Priorisierung lokaler Lebensmittel, Aussetzen der Entwaldung, Isolierungsplan f&#252;r Geb&#228;ude, Zerschlagung der Fleischindustrie, f&#252;r die Energiewende bestimmte &#246;ffentliche Investitionen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das w&#228;re nur ein Anfang, gibt Andreas Malm zu, der aber, sagt er, wahrscheinlich mit einer Revolution gleichzusetzen w&#228;re, sowohl hinsichtlich der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse als auch der Produktivkr&#228;fte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch in der Logik Andreas Malms ist es der letzte Punkt (die &#246;ffentlichen Investitionen), der die anderen antreibt. Aber wer h&#228;tte diese &#246;ffentliche Macht inne? Von welchem Staat spricht er? Wenn Malm, wie Naomi Klein und viele andere, die Frage der politischen Macht unterschlagen kann, dann, weil er in der &#246;kologischen Frage jene gemeinsame Sache sieht, die es endlich erlauben w&#252;rde, das Gef&#228;lle der Bedingungen und der Konflikte zu &#252;berwinden: &#8222;Der gegenw&#228;rtige Kapitalismus ist dermassen ges&#228;ttigt von fossiler Energie&#8220;, dass heute jede in einer sozialen Bewegung engagierte Gruppe letztendlich objektiv die Klimaerw&#228;rmung bek&#228;mpft. Es w&#252;rde also reichen, &#8222;das breitestm&#246;gliche B&#252;ndnis&#8220; zu realisieren, von den Brasilianern, die kostenlosen &#246;ffentlichen Verkehr verlangen, &#252;ber die europ&#228;ischen Arbeiter des Automobilsektors, die schon bald, so vermutet er, dazu veranlasst sein werden, ihre Werke in Fabriken f&#252;r Windr&#228;der und Busse zu verwandeln, bis zum Ogoni-Volk, das Shell in Nigeria die Stirn bietet &#8211; denn f&#252;r ihn &#8222;sind alle K&#228;mpfe K&#228;mpfe gegen den fossilen Kapitalismus: Die Subjekte m&#252;ssen nur das Bewusstsein daf&#252;r erlangen.&#8220; Damit w&#252;rde sich die politische Frage von alleine l&#246;sen, die Schwere der &#246;kologischen Situation gen&#252;gt, um eine mit einer sozialen Revolution zusammenfallende &#246;kologische Revolution durchzusetzen, beide davon global.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um das zu belegen, zitiert Malm eine Reihe von Erfolgen auf allen Kontinenten, vom R&#252;ckzug der &#214;ltanker in der Arktis &#252;ber die Annullierung von Kohleprojekten bis zu Kampagnen f&#252;r den R&#252;ckzug von Investitionen. Das sind freilich Siege, aber sie sind nicht minder partiell als jene des alten Reformismus der Arbeiter und sie mildern die Auswirkungen, ohne die Ursachen zu erreichen. Den vom Autoren erw&#228;hnten Beispielen k&#246;nnte man hundert andere entgegensetzen, wo die Revolte gegen die Degradierung der Umwelt und der Lebensbedingungen es nicht schafft, die wahrhaften Verantwortlichen zu erreichen, und es kommt ausserdem h&#228;ufig vor, dass die &#246;kologischen Sch&#228;den dergestalt behandelt werden, dass gewisse gesellschaftliche Schichten zufriedengestellt werden, w&#228;hrend die Ausbeutung anderer verschlimmert wird. Wenn Malm schreibt, dass &#8222;die globale Klimabewegung die Bewegung der Bewegungen sein muss&#8220;, wovon spricht er dann? Die &#214;kologie ist nicht der Hebel, der die Gesamtheit der Beherrschten gegen ihren gemeinsamen Feind vereinen wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hinsichtlich der Strategie kommt der Bezug auf 1917 ungelegen. Wenn die bolschewistische Partei Erfolg hatte mit ihrer Revolution, indem sie gen&#252;gend Arbeiter- und Bauernmassen gegen das vereinigt hatte, was tats&#228;chlich eine soziale Katastrophe war, dann, weil das Scheitern der F&#252;hrungsschicht eine L&#252;cke schaffte, die sie erfolgreich f&#252;llen konnte. Ein Jahrhundert sp&#228;ter halten die b&#252;rgerlichen Klassen trotz ihres Leides &#252;berall die Z&#252;gel der Macht in der Hand und es sind sie, welche die gegenw&#228;rtige &#246;kologische Katastrophe (schlecht, aber gem&#228;ss ihrem Interesse) verwalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;6) Jason Moore und die &#8222;cheaps&#8220;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Ambition der Welt&#246;kologie von Jason W. Moore ist alles andere als gering: das Marxsche Konzept des &#8222;Risses des Stoffwechsels&#8220; &#252;berwinden, die Theorie der Akkumulationskrise und die Analyse der Umweltkrise synthetisieren, kurz, die wahrhaftige &#246;kologische Kritik formulieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Natur arbeitet&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was Moore allem &#8222;gr&#252;nen&#8220; Denken, dem &#246;kologischen Marxismus und dem &#214;kosozialismus mit eingeschlossen, vorwirft, ist die Tatsache, dass es sich f&#252;r &#8222;das interessiert, was der Kapitalismus mit der Natur macht&#8220;, ohne zu verstehen, &#8222;wie die Natur f&#252;r den Kapitalismus arbeitet&#8220;. Was wir gew&#246;hnlich &#8222;Arbeit&#8220; nennen, sei nur eine ihrer Manifestierungen, denn f&#252;r Moore ist sie zugleich &#8222;menschlich und tierisch, botanisch und geologisch&#8220;. Die Gesamtheit der menschlichen und nichtmenschlichen Natur bildet das, was Moore &#8222;Lebensnetz&#8220; nennt, worin der Kapitalismus weniger ein gesellschaftliches System als eine Organisation der Natur in der Biosph&#228;re darstellt und der Proletarier nicht der einzige Wertproduzent: &#8222;Die Fl&#252;sse, die Wasserf&#228;lle und die W&#228;lder arbeiten auch&#8220; und schaffen Wert, wenn das Kapital ihre Energie ausbeutet. Moore macht aus der Energie einen Produktionsfaktor, was sie freilich ist, doch er setzt sie mit der Arbeit gleich. Der Kapitalismus beruhe auf der Existenz unbezahlter Arbeit, die &lt;i&gt;gleichermassen&lt;/i&gt; von einer gnadenlos ausgebeuteten &lt;i&gt;Natur&lt;/i&gt; und der Lohnarbeit geliefert werde. Aber wenn man sagt, dass ein Fluss &#8222;arbeitet&#8220;, bedeutet das nur, dass eine zum Damm gebrachte Wassermasse eine Turbine antreibt: Eine auf ein Objekt angewandte Kraft transformiert es. W&#228;hrend er glaubt, die Natur in die Analyse des Kapitals einzubringen, benutzt Moore bloss die Sprache der Physik.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Aneignung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;&#8222;Die Arbeit der Afrikaner und jene der B&#246;den und W&#228;lder ist angeeignet worden.&#8220; (Interview mit Kamil Ahsan)&lt;/div&gt;
&lt;div&gt; &lt;/div&gt;
&lt;div&gt;&#8222;Die angeeignete Natur ist eine Produktivkraft.&#8220; (Kapitalismus im Lebensnetz)&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r Moore h&#228;ngt die kapitalistische Akkumulation von einer immer gr&#246;sseren Masse &#8222;unbezahlter Arbeit/Energie&#8220; ab (die Verbindung der beiden W&#246;rter dient als Konzept), die von der menschlichen und nichtmenschlichen Natur geliefert wird und die unbezahlte, grossmehrheitlich von Frauen geleistete Hausarbeit enth&#228;lt und die Energie der W&#228;lder, B&#246;den, Ozeane und Mineralien. Das l&#228;sst sich in Zahlen ausdr&#252;cken, versichert Moore: Erstere trage 70 bis 80% zum weltweiten Bruttoinlandsprodukt bei, letztere 70 bis 250%. Ja: 250% &#8211; ein unglaublicher Prozentsatz, ausser f&#252;r Moore, der &#252;berzeugt davon ist, dass die &#8222;&#246;kosystemischen Dienste&#8220; so viele aufeinanderfolgende &#8222;Akkumulationswellen&#8220; gen&#228;hrt haben, dass ihr Beitrag &#252;ber die Fassungskraft hinausgeht. In Anbetracht eines solch unerh&#246;rten Ph&#228;nomens f&#252;hrt der Durst nach Erkl&#228;rungen dazu, dass man jeden Unsinn akzeptiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gem&#228;ss Moore ist die produktive Arbeit des Lohnarbeiters oder der Lohnarbeiterin nur eine sekund&#228;re Ursache der Produktion und Reproduktion des Kapitals. Die &lt;i&gt;Aneignung&lt;/i&gt; ist nicht mehr nur eine der offensichtlich notwendigen Bedingungen der Ausbeutung, sie wird selbst zu einer Form davon. Das Kapital bem&#228;chtigt sich eines indonesischen Territoriums, eliminiert dort den Wald, um dort &#214;lpalmen zu pflanzen, und gem&#228;ss Moore gen&#252;gt schon diese Aneignung selbst, um Wert zu schaffen, schon bevor die Arbeit des in der Palm&#246;lplantage angestellten Proletariers das tut.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In einem Interview mit dem Online-Magazin &lt;i&gt;P&#233;riode&lt;/i&gt; definiert der Autor den Kapitalismus als System &#8222;der Aneignung der Frauen, der Natur und der Kolonien&#8220;. Doch diese drei historischen Ph&#228;nomene findet man auch in anderen Herrschaftssystemen. Obwohl sie tats&#228;chlich eine der &lt;i&gt;Existenzbedingungen&lt;/i&gt; der kapitalistischen Produktionsweise sind, ist es die Ausbeutung der Arbeit, die sie &lt;i&gt;definiert&lt;/i&gt; und ihre Besonderheit ausmacht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was Moore betrifft, wird hingegen die Aneignung als &lt;i&gt;zentral&lt;/i&gt; f&#252;r den Kapitalismus theoretisiert. Wie es Jean Parker angemerkt hat, macht Moore in der Dialektik der Produktion (der Ausbeutung) und der Pl&#252;nderung (der Aneignung) die Pl&#252;nderung zum wichtigsten Element: Herrschaft und Enteignung stehen bei ihm im Zentrum.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die politische Konsequenz davon ist (wir werden weiter unten erneut davon sprechen), dass, wenn die Welt auf einem &#8222;mutwilligen und permanenten Diebstahl&#8220; zuungunsten uns aller beruht, wenn der Gegensatz Bourgeois/Proletarier sekund&#228;r oder gar vernachl&#228;ssigbar wird, die L&#246;sung eine R&#252;ckgabe, eine kollektive Wiederaneignung impliziert, die das Werk der Gesamtheit der Enteigneten und Beherrschten unabh&#228;ngig von ihrer Klassenzugh&#246;rigkeit ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Theorie der &#8222;cheaps&#8220;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Moore erkl&#228;rte 2014 den Kapitalismus durch die Tatsache, dass Arbeit (menschliche muss pr&#228;zisiert werden, denn f&#252;r Moore arbeitet nicht nur das menschliche Wesen), Nahrung, Energie und Rohstoffe durch die Aneignung der unbezahlten Arbeit der Frauen, der Natur und der Kolonien billig (&lt;i&gt;cheap&lt;/i&gt;) geworden sind. Drei Jahre sp&#228;ter erz&#228;hlt er in einem mit dem kritischen &#214;konomen Raj Patel geschriebenen und im folgenden Jahr ins Franz&#246;sische &#252;bersetzten Buch &#8222;die Geschichte der Welt als Geschichte sieben billiger Dinge&#8220; und fasst den Gang des Kapitalismus durch die Schaffung dieser &#8222;cheaps&#8220; und ihrer Preisvariationen zusammen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist wahr, dass die Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise besonders auf den geringen Kosten f&#252;r Lebensmittel beruht, die Abschaffung der Getreidegesetze in England im 19. Jahrhundert durch die Niederlage der Grundeigent&#252;mer gegen die Bourgeois, die weniger teures Getreide zur Ern&#228;hrung ihrer Arbeit importieren wollten, ist nur eine Episode davon.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch f&#252;r Moore, der seinem Konzept der sowohl von der Natur als auch vom Proletarier gelieferten Arbeit/Energie treu bleibt, ist die Arbeit nur einer der &#8222;cheaps&#8220;: Gem&#228;ss ihm ist die Arbeit zwar wesentlich f&#252;r das Kapital, aber nicht, weil sie die Schaffung von Wert erlaubt, sondern nur weil sie nicht viel kostet, sie verwerte das Kapital &#252;brigens weniger als zum Beispiel ein unentgeltlich angeeigneter Boden oder Fluss.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dar&#252;ber hinaus erkl&#228;re die &lt;i&gt;cheapisation&lt;/i&gt; nicht nur die f&#252;nf Jahrhunderte der globalen Expansion des Kapitalismus, sondern f&#252;hre auch, wie wir sehen, zu seiner neuzeitlichen Krise.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dead Man Walking&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r Jason Moore ist es ziemlich einfach, die &#8222;&#246;kologische Krise&#8220; in den Zusammenhang der &#8222;allgemeinen Krise&#8220; des neuzeitlichen &#8222;Kapitalismus&#8220; zu stellen: Die kapitalistische Produktionsweise hat bis anhin regelm&#228;ssig ihre Grenzen &#252;berwunden, jetzt k&#246;nne sie es nicht mehr, da sie nun mit der Umwelt mit dem Un&#252;berwindbaren zusammenst&#246;sst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Fr&#252;her konnten die &#8211; unter Druck geratenen &#8211; Bourgeois Lohnerh&#246;hungen zugestehen und die Arbeiter zumindest provisorisch beschwichtigen. Heutzutage geht die Beschleunigung der globalen Kapitalisierung der Natur &#252;ber die M&#246;glichkeiten der Aneignung der &#8222;cheaps&#8220; hinaus, die Produktionskosten f&#252;r Energie und Landwirtschaft steigen kontinuierlich an, die &#246;kologischen Forderungen &#8211; da sie Punkte betreffen, wo die Unternehmen keinen Spielraum haben &#8211; k&#246;nnen nicht mehr befriedigt werden, der Kapitalismus ist unf&#228;hig geworden, jene zu &#8222;kaufen, welche ihn herausfordern&#8220;, das also, was Moore &#8222;&#246;kologischen Mehrwert nennt, geht zur Neige. Die menschliche Emanzipation hat nun eine gewichtige Verb&#252;ndete: die Natur.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kapitalismus stiess regelm&#228;ssig mit einer Grenze zusammen und &#252;berwand sie: Dieses Mal sei das unm&#246;glich. Man kann fast alles mit den Proletariern tun und sie alles tun lassen, den Roboter Ebo, &#8222;den idealen Spielgef&#228;hrten f&#252;r ihre Katze&#8220;, kaufen, sowie mit weniger als einem Dollar pro Tag leben, die menschliche Gesellschaft und die Ausbeutung sind grenzenlos, doch die Natur hingegen kann nicht nach Belieben gestaltet werden und indem er sie aussch&#246;pft, hat der Kapitalismus aus ihr sein entscheidendes Hindernis gemacht. Man kann der &#220;berakkumulation und den Schuldenbergen abhelfen, man bleibt machtlos gegen&#252;ber der &#8222;&#246;kologischen Knappheit&#8220;. Die Natur ist eine Kraft, die nicht bezwungen oder integriert werden kann: Es besteht nicht das geringste Risiko f&#252;r einen reformistischen Syndikalismus oder eine Wahl Trumps oder Macrons seitens des CO2 oder des kolumbianischen Waldes, die &#214;kosysteme machen keine Politik, sie werden nicht besiegt werden k&#246;nnen wie die vom Krieg hinweggeraffte Arbeiterbewegung 1914.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Wir erleben den Zusammenbruch des Kapitalismus.&#8220; (Mediapart 2015)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Nat&#252;rlich geht er weiter. Doch er ist eine wandelnde Leiche.&#8220; (&lt;i&gt;The Capitalocene and the Planetary Justice&lt;/i&gt;)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wenn das gesamte Leben revoltiert&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da f&#252;r Moore die kapitalistische Produktionsweise aus ihrem letzten Loch pfeift, setzt er es, nachdem er ein Panorama der allgemeinen Verschlechterung der Lebensbedingungen f&#252;r die Proletarier und &#8211; was f&#252;r ihn wichtiger ist &#8211; die Natur erstellt hat, als Gewissheit, dass diese Verschlimmerung Bewegungen ausl&#246;sen wird und schon ausl&#246;st, welche die Ursachen des &#220;bels und nicht nur die Auswirkungen angreifen. Der Kapitalismus (aber ist es noch Kapitalismus oder schon eine Kombination von &#8222;Kapitalismus in der Natur&#8220; und &#8222;Natur im Kapitalismus&#8220;?) sei in seiner letzten Krise, wovon f&#252;r Moore weniger eine verallgemeinerte Verarmung als ihr vereinigender Effekt wichtig ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tats&#228;chlich reihten die Opfer des Kapitalismus, da heterogen, zuvor ihre K&#228;mpfe aneinander, eine &#8222;gemeinsame Wurzel&#8220; macht nun ihre Vereinigung m&#246;glich: der Klimanotstand.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bewegung f&#252;r die &#8222;planetarische Gerechtigkeit&#8220;, f&#252;r die Gleichheit der &#8222;Rassen&#8220;, Konsumentenverb&#228;nde, Occupy, Lohnk&#228;mpfe, Forderungen der Hausarbeiter, indigenen V&#246;lker, #MeToo, Migranten &#8211; was sie verbinden wird, ist &#8222;die Welt&#246;kologie&#8220;. Da er das Objekt der kapitalistischen Ausbeutung auf den gesamten Planeten ausgedehnt hat, verf&#252;gt Moore &#252;ber das breitest vorstellbare historische Subjekt: &#8222;Auf einem gewissen Niveau revoltiert das gesamte Leben gegen die Verbindung [nexus] des modernen Werts, der modernen Monokultur, des Bauernhofes mit der Fabrik.&#8220; Das Konzept des &#8222;Lebensnetzes&#8220; dient dazu, alles, &#8222;soziale Momente&#8220; und &#8222;&#246;kologische Momente&#8220;, &#8222;in einer Periode, wo die menschliche und die aussermenschliche Natur immer mehr durchmischt sind&#8220;, zusammenzutragen (Interview mit Mediapart).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die vergangene und gegenw&#228;rtige Erfahrung zeigt eher, dass Arbeiter, Bauern, Frauen, &lt;i&gt;people of colour&lt;/i&gt; und &#246;kologische Opfer des Kapitalismus, Kategorien, die selten &#252;bereinstimmende Interessen haben, sich begegnen, ohne sich zusammenzuschliessen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch f&#252;r Moore sind die Revoltierenden so zahlreich, dass der &#220;bergang in eine andere Gesellschaft aus einfachen Massnahmen bestehen und f&#252;r alle zug&#228;nglich sein wird: &#8222;Neue Arten, sich hervorzubringen und sich umeinander zu k&#252;mmern praktizieren, eine Praxis, die darin besteht, unsere grundlegendsten Beziehungen neu zu erstellen, neu zu denken und neu zu erleben.&#8220; Es braucht &#252;berhaupt keine Konfrontationen, noch weniger Klassenkonfrontationen (wenn das gesamte Leben revoltiert, sind die Bourgeois auch lebendig), und keine Zerst&#246;rung des Staates.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein sehr kompliziertes konzeptuelles System, um zu derart bescheidenen und naiven Vorschl&#228;gen zu kommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;7) Ein Konzept verschlingt ein anderes&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Malm und Moore sind sehr verschieden: Ersterer kommt aus der &#228;usseren Linken Schwedens und bereut es, nicht mehr gen&#252;gend Zeit f&#252;r Aktivismus zu haben, letzterer ist gut eingerichtet in der Universit&#228;t. Doch sie teilen diesen gemeinsamen Punkt: Vom Kapitaloz&#228;n zu sprechen, erlaubt es ihnen, zu sagen, dass die kapitalistische Produktionsweise in der Welt die F&#252;hrungsrolle einnimmt und sie in die Katastrophe f&#252;hrt, welche ihrerseits sehr wahrscheinlich zum Ende des Kapitalismus f&#252;hren wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch f&#252;r sie, genau wie f&#252;r die meisten Theoretiker dieses Konzepts, ist die Tatsache, einen wahrlich wichtigen Aspekt des Kapitalismus ans Licht zu bringen, gleichbedeutend mit dem Gebot, ihn ausgehend von diesem Aspekt (neu) zu definieren. Jede Epoche der kritischen Theorie tendiert dazu, die kapitalistische Produktionsweise ausgehend von dem zu verstehen, was sie in dieser Epoche geworden ist, von ihren sichtbarsten Eigenschaften, aus welchen man also ihren wesentlichen Widerspruch macht, jener, welcher dieses System dynamisiert, &lt;i&gt;ist&lt;/i&gt; auch jener, welcher es zerst&#246;ren k&#246;nnte. Mitte des 19. Jahrhunderts war es das Elend, die Deklassierung, die Arbeiteraufst&#228;nde. Ende des 19. Jahrhunderts: Ein Kapitalismus der Kartelle, der Trusts &#8211; gegen den sich die in grosse Parteien und Gewerkschaften organisierte Arbeit auflehnt. Anfang des 20. Jahrhunderts: Der Kriege ausl&#246;sende Imperialismus f&#252;hre das Proletariat zur Revolution. Jetzt, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, betritt die Klimafrage die B&#252;hne. Jedes Mal wird der Kapitalismus, seine Mechanismen und sein m&#246;glicher, wenn nicht unvermeidbarer Sturz neu definiert: Denn jedes Mal wird das hervorgehobene Merkmal sowohl als wesentlich als auch als auf Dauer, kurz- oder mittelfristig, unhaltbar pr&#228;sentiert. Was die kapitalistische Dynamik ausmache, sei auch und zwingend seine letztendliche Unm&#246;glichkeit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die scharfsinnigste &#246;kologische Kritik hat die Geschichte der kapitalistischen Produktionsweise bei Marx oder bei Autoren entdeckt, die in irgendeiner, teils sehr vagen Weise marxistisch sind (Foster, O&#8216;Connor, Wallerstein, Arrighi, Harvey&#8230;). Was vor allem als ein &#8222;Erdsystem&#8220; analysiert worden war, ist nun Teil von &#8222;technokapitalistischen Weltsystemen&#8220; geworden. Doch die &#8222;grosse Beschleunigung&#8220; ist nicht gleichbedeutend mit dem Auftauchen einer Megamaschine, die dem menschlichen Gr&#246;ssenwahn geschuldet ist, oder einer ungez&#252;gelten technischen Hyperentwicklung (oder den beiden kombiniert). Sie ergibt sich aus dem Aufstieg eines Systems der Ausbeutung der Arbeit durch das Kapital und der peripheren L&#228;nder durch jene des Zentrums: Ein &#8222;Weltsystem&#8220;, das auf einer &#8222;Welt&#246;kologie&#8220; gr&#252;ndet (fr&#252;her sagte man &#8222;Imperialismus&#8220;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gleichzeitig bleiben die politischen Perspektiven unver&#228;ndert. Theoretiker und Akademiker, obwohl sie sich als &#228;usserst innovativ pr&#228;sentieren, haben nur einen einzigen Horizont: Eine immer noch von der Lohnarbeit und der Ware gepr&#228;gte Gesellschaft mit demokratischen Korrektiven, dank welchen die Lohnarbeit und die Ware nichts mehr mit dem zu tun haben, was sie gegenw&#228;rtig sind. Ein Kapitalismus mit wahrhaft menschlichem Antlitz und (neuerdings) in Harmonie mit der Natur.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieses den meisten Autoren gemeinsame Programm erneuert jenes &#8211; veraltete oder tote &#8211; eines Volksstaates, der die &#8222;Produktivkr&#228;fte&#8220; in die Hand nimmt, um es als &#214;kosozialismus neu zu beleben: &#8222;&#214;kologie + Demokratie + gemeinschaftliche Produktion&#8220; durch ein gesellschaftliches Leben, das nicht mehr vertikal, sondern horizontal organisiert ist. Die kommunistische Kritik wird nicht einmal widerlegt, nur verschwiegen: Es geht nicht mehr um die Abschaffung der Klassen (in der Genossenschaft gibt es weder Chefs noch Angestellte), die Zerst&#246;rung des Staates (der &#252;berbordet und dann faktisch in einer seine Funktionen garantierenden F&#246;deration von Kollektiven aufgel&#246;st wird) oder das Verschwinden des Geldes (es wird angeblich reduziert auf ein buchhalterisches Werkzeug). Eine &#246;kologische Planwirtschaft, die durch eine demokratische Verwaltung verwirklicht wird, wie sie in Rojava entworfen werde. Wenn man einen emblematischen Ideologen unserer Zeit nennen m&#252;sste, w&#228;re es offensichtlich weder der Bolschewist Lenin noch Pannekoek oder Bordiga, sondern der (sehr) gem&#228;ssigte Anarchist Murray Bookchin.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Je mehr sich das &#246;kologische Problem einer Welt auferlegt, die unf&#228;hig ist, damit umzugehen, desto st&#228;rker l&#246;st es eine vielseitige, sowohl vage als auch breite Kritik aus, unter anderem in der Universit&#228;t, die als denkender Kopf f&#252;r eine sich auf der Suche nach einer L&#246;sung befindliche b&#252;rgerliche Gesellschaft fungiert. Moore ist ein Symptom. Nie gab es mehr Nummern von Zeitschriften &#252;ber Marx, in welchen eine &#228;hnliche Anzahl paramarxistischer Akademiker &#252;ber den Kapitalismus schreiben, w&#228;hrend sie proklamieren, &lt;i&gt;dagegen&lt;/i&gt; zu sein (sie sind es, aber im doppelten Sinne des Wortes).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Anh&#228;nger des Kapitaloz&#228;ns legen reelle Tatsachen und sogar wichtige Widerspr&#252;che dar: Das Problem daran ist, dass das, was nur halb wahr, vollst&#228;ndig &lt;i&gt;falsch&lt;/i&gt; ist. Denn ist dieses &#8222;Kapitaloz&#228;n&#8220; noch Kapitalismus?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das &#8222;Kapitaloz&#228;n&#8220; wird als eine neue Epoche pr&#228;sentiert, die zutiefst anders sei, da sie auf &lt;i&gt;mehr&lt;/i&gt; beruhe, als auf dem Verh&#228;ltnis Kapital/Lohnarbeit. Nat&#252;rlich pr&#228;zisiert man manchmal, dass dieses Verh&#228;ltnis wesentlich bleibt, doch es sei notwendig, dieser Wesentlichkeit eine andere hinzuzuf&#252;gen, womit es nicht mehr wirklich wesentlich ist. Die politische Konsequenz daraus ist, dass die zeitgen&#246;ssische kapitalistische Produktionsweise, da sie anders sei, andere L&#246;sungen erfordere: Wenn das Klassenverh&#228;ltnis nicht mehr zentral ist, ist es der Kampf Proletarier/Bourgeois auch nicht mehr, die L&#246;sung impliziert also eine Kombination von Bewegungen jenseits der Klassen. Im 21. Jahrhundert ist es, um (auch in den &#8222;Mainstreammedien&#8220;) kommentiert zu werden, nicht schlecht, vom Kapitalismus zu sprechen und sogar ihn zu kritisieren, unter der Bedingung, ein weiterhin als zu st&#246;rend empfundenes Proletariat zu vernachl&#228;ssigen und, in Tat und Wahrheit, nicht die Abschaffung des Kapitalismus in Betracht zu ziehen, sondern seine Humanisierung. W&#228;hrend er scheinbar eine grundlegende Kritik vorbringt, l&#228;uft der &#246;kologisierte Marxismus auf einen Neoreformismus hinaus, wo die Ver&#228;nderung simultan von oben (vom Parlament) und von unten (von Kollektiven, die das allt&#228;gliche Leben ver&#228;ndern) kommen soll.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;* * *&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die unbestreitbare Verantwortung des kapitalistischen Systems in der &#246;kologischen Krise machte die Grenzen des Begriffes des Anthropoz&#228;ns offensichtlich. Daher kommt der Aufstieg einer theoretischen Innovation, des Kapitaloz&#228;ns, das, als &#8222;Globalisierung&#8220; seit den 1990er Jahren, alles f&#252;r alle bedeuten kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Kapitaloz&#228;n&lt;/i&gt;&#8230; Man sollte meinen, dass diverse kritische Geister das Konzept des &#8222;Kapitalismus&#8220; passend f&#252;r das 19. und einen Teil des 20. Jahrhunderts hielten, aber f&#252;r ungen&#252;gend befanden, um das 21. Jahrhundert zu begreifen. Das Wort ist jedoch nicht so alt. Es kommt &#252;brigens im &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt; (1867) nicht vor: Marx und Engels sprachen vom &#8222;kapitalistischen System&#8220; oder von der &#8222;kapitalistischen Produktionsweise&#8220;. Der Begriff &#8222;Kapitalismus&#8220; existierte bereits, doch erst Ende des 19. Jahrhunderts geht er in den g&#228;ngigen Sprachgebrauch &#252;ber, um eine Gesellschaft und eine Welt zu beschreiben, die zutiefst vom Kapital und der Konfrontation zwischen der b&#252;rgerlichen und der proletarischen Klasse durchdrungen sind. Das Wort ist also gen&#252;gend sinntr&#228;chtig, um dazu beizutragen, die moderne Geschichte zu verstehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Erfinder von Neologismen ist immer zufrieden mit seinem Fundst&#252;ck und von seiner Bedeutung &#252;berzeugt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was dieses Feuilleton anbetrifft, geht es nun darum, den &lt;i&gt;Kapitalismus&lt;/i&gt; zu analysieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch zuvor kann ein Kapitel &#252;ber eine andere modische Denkschule, jene des Zusammenbruches, nicht schaden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;G.D., Februar 2021&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Literaturverzeichnis&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Anthropoz&#228;n:&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Christophe Bonneuil, Jean-Baptiste Fressoz, &lt;i&gt;L'&lt;/i&gt;&lt;i&gt;&#201;&lt;/i&gt;&lt;i&gt;v&#233;nement Anthropoc&#232;ne. La Terre, l'&lt;/i&gt;&lt;i&gt;H&lt;/i&gt;&lt;i&gt;istoire et &lt;/i&gt;&lt;i&gt;N&lt;/i&gt;&lt;i&gt;ous&lt;/i&gt;, Paris, Seuil, 2013. &lt;a href=&#034;http://excerpts.numilog.com/books/9782757859599.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Lange Ausz&#252;ge aus dem Buch.&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r eine Kritik dieses Buches: Sylvain Di Manno, &lt;a href=&#034;https://www.contretemps.eu/la-force-geologique-du-capitalisme/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;La force g&#233;ologique du capitalisme&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Contretemps&lt;/i&gt;, 2016.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gordon Childe, &lt;i&gt;Man Makes Himself&lt;/i&gt; , 1936. Franz&#246;sische &#220;bersetzung: &lt;i&gt;L'Invention de la civilisation&lt;/i&gt;, Gonthier, 1963.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Simon L. Lewis, Mark A. Maslin, &lt;i&gt;The Human Planet: How We Created the Anthropocene&lt;/i&gt;, Yale U.P., 2018.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Paul Crutzen, &lt;i&gt;La G&#233;ologie de l&#8216;humanit&#233;&lt;/i&gt;, 2002.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Agn&#232;s Sina&#239;, &lt;a href=&#034;https://www.institutmomentum.org/lentropie-maladie-mortelle-de-lanthropocene/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Quatre avatars de l'Anthropoc&#232;ne&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, 2012.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Kapitaloz&#228;n:&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum Ursprung des Wortes: Donna Haraway, &lt;a href=&#034;https://read.dukeupress.edu/environmental-humanities/article/6/1/159/8110/Anthropocene-Capitalocene-Plantationocene&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Anthropocene, Capitalocene, Plantationocene, Chthulucene: Making Kin&#8220;&lt;/a&gt; in &lt;i&gt;Environmental Humanities&lt;/i&gt;, Bd. 6, Nr. 1, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Donna Haraway hat zum von James Moore herausgegebenen Band beigetragen, Anthropocene or Capitalocene? Nature, History, and the Crisis of Capitalism, PM Press, 2016. Wir sehen davon ab, uns mit einem Denken auseinanderzusetzen, das metaphorisch zu tentakelartig f&#252;r uns ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jean-Baptiste Fressoz hat zur letzten Ausgabe des mit Christophe Bonneuil ver&#246;ffentlichten Buches ein Kapitel hinzugef&#252;gt (L'&#201;v&#233;nement Anthropoc&#232;ne. La Terre, l'Histoire et Nous, Seuil, 2018): &lt;a href=&#034;http://piketty.pse.ens.fr/files/Bonneuil2015.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Capitaloc&#232;ne. Une histoire conjointe du syst&#232;me Terre et des syst&#232;mes-monde&#8220;&lt;/a&gt;. Unter diesem Gesichtspunkt eine n&#252;tzliche Synthese.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Andreas Malm:&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;L'&lt;/i&gt;&lt;i&gt;A&lt;/i&gt;&lt;i&gt;nthropoc&#232;ne contre l'histoire. Le &lt;/i&gt;&lt;i&gt;R&lt;/i&gt;&lt;i&gt;&#233;chauffement climatique &#224; l'&#232;re du capital&lt;/i&gt;, La Fabrique, 2017.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://www.jacobinmag.com/2015/03/anthropocene-capitalism-climate-change/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;The Anthropocene Myth&lt;/a&gt;&#8220;, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit Alf Hornborg: &lt;i&gt;The Geology of Mankind? A Critique of the Anthropocene Narrative&lt;/i&gt;, 2014.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://climateandcapitalism.com/2018/03/17/malm-revolutionary-strategy&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Revolutionary Strategy in a Warming World&#8220;&lt;/a&gt;, 2018 (eine sehr diskutable Strategie, aber ein dokumentierter Artikel &#252;ber Syrien, die &#246;ko-autorit&#228;ren Projekte&#8230;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://revueperiode.net/guide-de-lecture-le-marxisme-ecologique/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Le Marxisme &#233;cologique&lt;/a&gt;&#8220; (synthetische Darstellung seiner Position und kurze Synthese der verschiedenen &#246;kologischen Denkschulen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://revueperiode.net/capital-fossile-vers-une-autre-histoire-du-changement-climatique/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Capital fossile: vers une autre histoire du changement climatique&lt;/a&gt;&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jason W. Moore:&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Kapitalismus im Lebensnetz. &#214;kologie und die Akkumulation des Kapitals&lt;/i&gt;, Matthes &amp; Seitz, 2019.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit Raj Patel: &lt;i&gt;Entwertung. Eine Geschichte der Welt in sieben billigen Dingen&lt;/i&gt;, Rowohlt, 2018.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als Herausgeber: &lt;a href=&#034;http://napoletano.net/cursos/geomarx2018a/textos/Moore2016.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Anthropocene or Capitalocene? Nature, History, and the Crisis of Capitalism&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, PM Press, 2016.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://jasonwmoore.com/wp-content/uploads/2017/08/Moore-The-End-of-the-Road-JAC-2010.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;The End of the Road ? Agricultural Revolutions in the Capitalist World-Ecology, 1450&#8211;2010&lt;/a&gt;&#8220;, 2010.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://jasonwmoore.wordpress.com/2014/04/07/the-origins-of-cheap-nature-from-use-value-to-abstract-social-nature/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;The Origins of Cheap Nature: From Use-Value to Abstract Social Nature&lt;/a&gt;&#8220;, 2014.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://maisondelagreve.boum.org/IMG/pdf/moore.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;La Nature du capital&lt;/a&gt;&#8220;, Interview mit Kamil Ahsan, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;&lt;a href=&#034;https://jasonwmoore.com/wp-content/uploads/2019/07/Moore-The-Capitalocene-and-Planetary-Justice-2019-Maize.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;The Capitalocene and the Planetary Justice&lt;/a&gt;&#8220;, 2017.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Kritik an Moore:&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kamram Nayeri &lt;a href=&#034;https://climateandcapitalism.com/2016/07/19/capitalism-in-the-web-of-life-a-critique/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#252;ber &lt;i&gt;Kapitalismus im Lebensnetz&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ian Angus &lt;a href=&#034;https://climateandcapitalism.com/2018/01/10/do-cheap-things-explain-capitalism&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#252;ber &lt;i&gt;Entwertung&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jean Parker, &#8222;&lt;a href=&#034;http://isj.org.uk/ecology-and-value-theory/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Ecology and Value Theory. A Review of Jason W. Moore, Capitalism in the Web of Life: Ecology and the Accumulation of Capital&lt;/a&gt;&#8220;, 2017.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Zur Methode:&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Moore stellt auf komplizierte Art und Weise einfache Ideen dar, die mit einem die Produktion von wissenschaftlichem Wissen garantierenden kritischen Apparat untermauert werden, auch in einem Buch f&#252;r die &#8222;breite &#214;ffentlichkeit&#8220;: Die englische Ausgabe von &lt;i&gt;Entwertung&lt;/i&gt; enth&#228;lt 210 Seiten Text und 90 Seiten Anmerkungen und Referenzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jean Parker zeigt auf, wie Moore mit Wortballungen und Sinngleiten verf&#228;hrt (eine konstante Praxis des &#8222;Modernismus&#8220; der 1960er Jahre, dann des &#8222;Postmodernismus&#8220;: Man widerlegt Marx nicht, man greift ihn auf und erweitert ihn): &#8222;tendenzieller Fall der &#246;kologischen Mehrwertrate&#8220;, &#8222;ungleichm&#228;ssige und kombinierte Entwicklung&#8220; [der menschlichen Naturen], &#8222;geschlechtsspezifischer Mehrwert&#8220;, &#8222;Praxis der &#228;usseren Natur&#8220;, &#8222;Akkumulation durch Aneignung&#8220;&#8230; Dieser Fluss an Neologismen tr&#228;gt dazu bei, nicht zu erkennen, wie stark Moore von Marx abweicht, w&#228;hrend er glaubt, ihn zu erweitern: Er &#8222;pr&#228;sentiert das, was ihn Wirklichkeit eine grundlegende Ablehnung der Marxschen Vorgehensweise ist, als eine Erweiterung&#8220;, sagt Jean Parker.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Moore wird sehr h&#228;ufig kommentiert: Er hat die Schwere der Ernsthaftigkeit und das Format eines Fabrikanten beliebter Konzepte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=3135&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h3 id=&#034;Episode06&#034;&gt;Episode 06: Das Ende der Welt wird nicht stattfinden&lt;/h3&gt;&lt;div class='spip_document_214 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/jpg/0-aa-1-768x432.jpg?1690843112' width='500' height='281' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;&#8222;Die Apokalypse, von der man euch erz&#228;hlt, ist nicht die wahre.&#8220;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt; &lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Armand Robin, &lt;i&gt;Po&#232;mes ind&#233;sirables&lt;/i&gt;, 1943-1944&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Der Katastrophismus hat R&#252;ckenwind, manchmal ist er marxistisch angehaucht, wie wir es im vorhergehenden Kapital gesehen haben: Eine zusammenbrechende Welt reisst uns mit, Handeln ist dringend &#8211; oder vielleicht nicht, wenn es schon zu sp&#228;t ist. Aber um welchen Zusammenbruch handelt es sich?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1) Zusammengebrochen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Zusammenbruch ist ein frappierendes Bild: Etwas oder jemand bricht ein. Doch die Verk&#252;mmerung oder das Verschwinden von Gesellschaften ist weniger eine Ersch&#252;tterung oder ein Knall als ein im Allgemeinen von einer langen, h&#228;ufig mehrere Jahrhunderte andauernden Transformation begleiteter Niedergang und es ist selten, dass der Zerfall nicht gleichbedeutend mit einer Wiederzusammensetzung ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Nur weil die &#8218;Ressourcen&#8216; knapp werden und (fast) alle T&#228;tigkeiten radikal relokalisiert sein werden, bedeutet das nicht, dass die aktuellen Organisationsstrukturen unserer Gesellschaften verschwinden, der Produktivismus aufh&#246;ren wird.&lt;i&gt; &lt;/i&gt;Es besteht diesbez&#252;glich ein bedeutender Mangel in der Pr&#228;sentation des &#8222;H&#246;hepunkts&#8220; (der eher eine Hochebene ist) der Produktion fossiler Energien. Es wird stillschweigend angenommen, und manchmal explizit vorgelegt, dass die Verknappung dieser Energien den Zusammenbruch des Kapitalismus ausl&#246;sen w&#252;rde. Die Verknappung l&#246;st nicht das Ende der Produktionsverh&#228;ltnisse aus (im Gegenteil). Der Produktivismus wird bis zum Ende, bis zum letzten Tropfen gehen, wenn wir ihn machen lassen. Es [wird] kein mechanisches Ende des Kapitalismus geben [&#8230;], &#8218;nur&#8216; eine Umverteilung der verf&#252;gbaren &#8218;Ressourcen&#8216; [&#8230;] und eine gesteigerte Intensit&#228;t in den Ausbeutungsverh&#228;ltnissen und der Extraktion der Rohstoffe [&#8230;] Die Elektrizit&#228;t wird nicht verschwinden, die Unterbr&#252;che werden sporadisch sein. Das Internet wird nicht von einem Tag auf den anderen zusammenbrechen, ein Teil der Gesellschaft wird mit mehr oder weniger unbezahlbaren Zug&#228;ngen davon getrennt werden.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;J&#233;r&#233;mie Cravatte.&#034; id=&#034;nh2-18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Atomindustrie wird irgendein armes Land finden, um als M&#252;llhalde f&#252;r ihre giftigen Abf&#228;lle zu dienen. Die 3&#8216;800 Toten in Bhopal 1984 bedeuteten weder das Ende der indischen Chemieindustrie, noch von Union Carbide. Arten k&#246;nnen verschwinden und der Aralsee austrocknen, ohne dass die Erde oder das Kapital stillstehen, letzteres hat seine Erneuerungskapazit&#228;ten noch nicht ausgesch&#246;pft. Es scheint, wie es vor 40 Jahren Pierre Souyri schrieb, dass &#8222;die Existenz des Kapitalismus keine anderen Grenzen als die Durchf&#252;hrung von Revolutionen hat&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bis jetzt bleiben die Reformkr&#228;fte im Stile Green New Deal eine ausgesprochene Minderheit, aber den herrschenden Klassen mangelt es nicht an Mitteln, um die Auswirkungen der Erw&#228;rmung notd&#252;rftig zu beheben, mithilfe extrem &#8222;barbarischer&#8220; Methoden, falls notwendig. Das 20. Jahrhundert hatte &#220;berraschungen f&#252;r uns bereit, der Nazismus und der Stalinismus waren nur die auff&#228;lligsten davon.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Katastrophe f&#252;r wen &#252;brigens? Das 1% der Privilegierten wird damit zurechtkommen: &#8222;gesicherte&#8220; Wohnenklaven mit ihren eigenen &#246;ffentlichen Dienstleistungen (private Polizei inbegriffen), ihren Notgeneratoren, ihren hochwassersicheren T&#252;ren&#8230; Das Klima ist nicht &#8222;der grosse Gleichmacher&#8220;. Zudem muss man sich der Tatsache bewusst sein, dass die Vorhersagen der Kollapsologen nur f&#252;r die Bewohner der &#8222;modernsten&#8220; Regionen einen katastrophalen und apokalyptischen Aspekt haben: Mehr als vier von f&#252;nf Menschen m&#252;ssen schon jetzt h&#228;ufig eine erzwungene und wenig gl&#252;ckliche &#8222;M&#228;ssigung&#8220; erdulden&#8230; Im Falle eines &#8222;Zusammenbruches&#8220; oder eines grossen Klimawandels ist es am wahrscheinlichsten, dass es zu einer Verschlechterung der Lebensbedingungen eines Grossteils der Bev&#246;lkerungen ohne Vernichtung des Menschengeschlechts kommt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2) Das System denken&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Kollapsologie versteht sich als neue interdisziplin&#228;re Wissenschaft, als Synthese aller anderen, der Human-, Natur- und Lebenswissenschaften &#8211; ein authentisches systemisches Denken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist wahrscheinlich Joseph Tainter, der durch sein systematisch systemisches Vorgehen in seinem bahnbrechenden Buch &lt;i&gt;The Collapse of Complex Societies&lt;/i&gt; am besten die Grenzen davon illustriert. Es wurde 1988 ver&#246;ffentlicht und 2013 dank der Tatsache, dass der Zusammenbruch in Mode war, auf Franz&#246;sisch &#252;bersetzt. Aus der Studie der R&#246;mer, der Mayas und der Chacoans (der Anasazi-Kultur, im Nordwesten des heutigen New Mexico) zieht er den Schluss, dass eine Gesellschaft das Ungleichgewicht riskiert, wenn einer ihrer grundlegenden Bestandteile sich exzessiv zulasten anderer entwickelt. Doch in Tat und Wahrheit ist f&#252;r ihn die erste Ursache des Ungleichgewichts eine Produktivit&#228;tssenkung, die zu einer ungen&#252;genden Lebensmittelproduktion und somit einem Bruch der gesellschaftlichen Einheit f&#252;hrt, daher Verlust an Dynamik, Zerfall, Invasion.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Grunde genommen vergleicht Tainter die Gesellschaft mit einer Maschine, die eine Funktion erf&#252;llt, jedoch zum Zerfall verurteilt sei. Mit einem neuen Vokabular kn&#252;pft dieses &#8222;komplexe Denken&#8220; an den alten Gegensatz zwischen Rohstoffen und Bed&#252;rfnissen, zwischen Produktion und Konsum an, eine vor zwei Jahrhunderten von Ricardo (abnehmende Ertr&#228;ge von Land und Kapital) oder Malthus (die &#220;berbev&#246;lkerung &#252;bersteigt die Produktion) dargelegte These. In gelehrten Begriffen und mit einer F&#252;lle an Zahlen verk&#252;ndet uns Tainter, dass die soziopolitische Komplexit&#228;t es anfangs erlaubt, die Probleme der Gesellschaft zu l&#246;sen, aber dass sie mit der Zeit dazu tendiert, zuzunehmen, immer kostenintensiver und weniger effizient zu werden: Die grossen Systeme wie das R&#246;mische Reich verlieren allm&#228;hlich die zu ihrem Fortbestand notwendige Energie, der Einsturz wird unvermeidlich, auf ihn folgt eine Neugr&#252;ndung oder auch nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Indem er dieses Modell auf die neuzeitliche Welt anwandte, erstellte Tainter 1988 eine pessimistische Diagnose, ohne eine Behandlung in Erw&#228;gung zu ziehen, denn dieses Mal, dachte er, kann der negative Ertrag (in jeglicher Hinsicht) nicht wettgemacht werden, umso weniger, weil wir im Unterschied zum antiken Rom in einer globalen Gesellschaft leben, der Zusammenbruch wird also allgemein sein und der Autor setzte kaum Hoffnung in ein &#8222;wirtschaftliches Nullwachstum&#8220;:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Zum Zeitpunkt, wo ich dieses Buch schreibe [1988], kann man kaum wissen, ob die industrielle Welt schon den Punkt erreicht hat, wo der Grenzertrag ihres Investitionsmodells beginnt, abzunehmen. Die j&#252;ngste Geschichte zeigt, dass wir abnehmende Ertr&#228;ge betreffend unserer Abh&#228;ngigkeit von fossilen Brennstoffen und einigen Rohstoffen erreicht haben [&#8230;] Wir verf&#252;gen nicht &#252;ber die Option, zu einem schw&#228;cheren wirtschaftlichen Niveau zur&#252;ckzukehren, zumindest nicht als rationale Option. Die Konkurrenz zwischen komplexen Regimen f&#252;hrt zu mehr Komplexit&#228;t und Konsum von Rohstoffen, was immer auch die menschlichen oder &#246;kologischen Kosten daf&#252;r sein m&#246;gen. Der Zusammenbruch, falls und wenn er wieder eintritt, wird dieses Mal global sein.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Geschichte wird uns hier als Missverh&#228;ltnis zwischen Bed&#252;rfnis und Verf&#252;gbarkeit erkl&#228;rt, die Schaffung von Reichtum wird durch seine eigenen Produktionsbedingungen unm&#246;glich gemacht: Je mehr man investiert, desto weniger Wachstum hat man. Wie damals Rom, aber mit der zerst&#246;rerischen Kraft der Industrie und der fossilen Energie. Das systemische Denken Tainters schreibt die b&#252;rgerliche Offensichtlichkeit aller Zeiten und aller Regierungen neu: &#8222;Man kann nicht mehr Geld ausgeben, als man hat&#8220;, ausser dass &#8222;Geld&#8220; mit &#8222;nat&#252;rlichen Rohstoffen&#8220; ersetzt wird (als &#8222;guter Familienvater&#8220; verwalten, ironisierte Bordiga 1954).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;K&#246;nnen wir uns dem entziehen, was Tainter als etwas pr&#228;sentiert, das alle Z&#252;ge eines unvermeidlichen &#8222;Gesetzes der Geschichte&#8220; aufweist? Nein, denn der Systemtheoretiker ist h&#228;ufig ein Pessimist: Einmal mehr war das &#8222;System&#8220; st&#228;rker, es bleibt uns nichts anderes &#252;brig, als darin so wenig schlecht wie m&#246;glich zu leben, indem wir versuchen, uns dem anzupassen, was wir geschaffen haben, aber unf&#228;hig sind, wieder aufzuknoten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3) Gesellschaftsphysik&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Schlimmste mit den Kollapsologen sind nicht die fehlerhaften Vorhersagen, die ihnen h&#228;ufig vorgeworfen werden: In mehreren Bereichen stehen die Chancen leider gut, dass sie best&#228;tigt werden. Das Problem liegt im Vorgehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das 19. Jahrhundert hatte eine Gesellschaftsphysik erfunden, welche die menschlichen Organisationen und die gesellschaftlichen Beziehungen studieren und &lt;i&gt;Gesetze&lt;/i&gt; der Geschichte aufstellen soll und das mit der gleichen Objektivit&#228;t wie der Astronom die Gestirne oder der Biologe die Insekten studiert. Besonders Saint-Simon (1760-1825) war ein Verfechter seiner &lt;i&gt;Gesellschaftsphysiologie&lt;/i&gt;, die Teil einer allgemeinen Physiologie zum Studium der Funktionsweise von Kollektivit&#228;ten war. Aber es ist Auguste Comte, der seine folgendermassen definierte Gesellschaftsphysik &lt;i&gt;Soziologie&lt;/i&gt; nennt:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;[D]ie Wissenschaft, deren Studienobjekt die im gleichen Geiste wie die astronomischen, physikalischen, chemischen und physiologischen Ph&#228;nomene betrachteten gesellschaftlichen Ph&#228;nomene sind, d.h. unver&#228;nderlichen nat&#252;rlichen Gesetzen unterworfen, deren Entdeckung das besondere Ziel dieser Forschungen ist.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Opuscules de philosophie sociale, 1819-1826.&#034; id=&#034;nh2-19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auguste Comte prophezeite eine neue &#196;ra historischen Fortschritts dank der Wissenschaft. Die Kollapsologen des 21. Jahrhunderts, f&#252;r welche die Katastrophe unmittelbar bevorsteht, suchen ebenfalls die &#8222;nat&#252;rlichen Gesetze&#8220; der &#8222;gesellschaftlichen Ph&#228;nomene&#8220; und ihre Methode &#228;hnelt einer Gesellschaftsphysik.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Kollapsologie betrachtet die Welt wie ein Fahrzeug, deren Motor sie demontiert (die &#196;ra der Automatisierung und der Informationstechnologie erfordert den Einsatz von raffinierten mathematischen Modellen, die Auguste Comte nicht kannte). Ihre Analysen haben einen gewissen Verdienst, besonders jenen, dass sie ein grosses Spektrum an Daten zusammenf&#252;hren, aber ihr grundlegender Mangel ist es, konstant von den Naturwissenschaften in die Sozialwissenschaften abzugleiten und B&#246;rsenindizes, Temperaturangaben, Benzinpreise und Extinktionsraten miteinander zu vermischen, als ob die einen die anderen bestimmten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch der Kapitalismus hat sich weder wie eine Maschine gebildet, noch funktioniert er wie eine solche. Man kam nicht zur Kohle, dann zum Erd&#246;l, danach zur Atomenergie gem&#228;ss den Kriterien einer besseren Energieleistung. Die Ingenieure stehen im Dienste der Bourgeois. Die auf die Energie angewandten Produktivit&#228;tsberechnungen (die &#8222;thermodynamische Wand&#8220;) erkl&#228;ren kaum die Zu- und Abfl&#252;sse von Kapital.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da er glaubt, sowohl das Menschliche als auch das Nat&#252;rliche zu ber&#252;cksichtigen, vermischt der Katastrophismus die beiden und naturalisiert die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse. Man kann nicht ernsthaft vom &#8222;Leben&#8220; einer Gesellschaft sprechen, wenn man vergisst, dass es sich um ein &lt;i&gt;Bild&lt;/i&gt; handelt und dass eine Gesellschaft nicht wie eine Rose oder eine Katze lebt, w&#228;chst und stirbt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn man so alles vermischt, verwechselt man das Unumkehrbare und das Umkehrbare. Wie es Cravatte bemerkt, gibt es &#8222;unumkehrbare Ver&#228;nderungen &#8211; sie kann man nur versuchen, zu begrenzen oder vorzubereiten (wie die Zerst&#246;rung der Biodiversit&#228;t und die Klimaderegulierung)&#8220; und &#8222;absolut umkehrbare Ver&#228;nderungen (wie der Aufstieg der Faschismen, der Transhumanismus oder die Finanzialisierung der Welt)&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;4) Resilienz&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Kollapsologen sagen einen unvermeidbaren Umbruch voraus und alles, was wir &lt;i&gt;heute&lt;/i&gt; tun k&#246;nnen, ist, uns auf das vorzubereiten, was uns &lt;i&gt;morgen&lt;/i&gt; erwartet: der Tod, die Barbarei oder, unter der Bedingung, es zu wollen und dazu f&#228;hig zu sein, ein zwangsl&#228;ufig vern&#252;nftiges und menschengerechtes Leben. Und es fehlt nicht an Ideen und Programmen, um das in der Zwischenzeit umzusetzen: Kleinbetriebe, Kleinhandel, Kleinkonsum, Genossenschaft, lokales Leben, d.h. eine R&#252;ckkehr &#8211; die erzwungen ist, aber sowohl uns als auch der Natur zugutekommt &#8211; zu einem vorindustriellen Zeitalter, jedoch gewiss noch ein bisschen &#8222;online&#8220;. Keine Autos, aber Computer. Julien Wosnitza, Kollapsologe, 24 Jahre, empfiehlt &#8222;Leben ohne M&#252;ll und lokales Recycling [&#8230;], zu versuchen, dem Leben und den Tieren rundherum so wenig wie m&#246;glich zu schaden, die Ebene des Lokalen zu erhalten [&#8230;], eigenes Gem&#252;se anzubauen [&#8230;], eine Gemeinschaft mit verschiedenen, unabh&#228;ngigen, zusammenh&#228;ngenden und resilienten Kompetenzen vorzubereiten. Und, ganz wichtig, allen voran die Liebe nicht zu vergessen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Pourquoi tout va s&#8216;effondrer, Les Liens qui lib&#232;rent, 2018.&#034; id=&#034;nh2-20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und vorerst eine Parallelgesellschaft zu organisieren (die aber &lt;i&gt;nicht&lt;/i&gt; antagonistisch zur herrschenden Gesellschaft ist), bestehend aus &#214;kod&#246;rfern und &#8222;verbindenden Arbeitsgruppen&#8220;, Teil &#8222;eines immensen lebenden K&#246;rpers, wovon wir Teil sind&#8220;, der &#8222;schon in der Welt danach&#8220; verortet ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Julien ist nicht der einzige, der uns zur &#8222;Resilienz&#8220; anregt. Ein Wort, das seit einigen Jahren in Mode ist, es hat den Anschein von Neuheit und man vergisst den Ursprung davon: Es wird in der Physik benutzt und sein Gebrauch ist nun g&#228;ngig in der Psychologie und der Psychiatrie f&#252;r Personen, die ein schlimmes Trauma &lt;i&gt;erlitten&lt;/i&gt; haben, Deportierte, die &#252;berlebt haben, Strassenkinder, Waisenkinder, Schwerkranke &#8211; verletzliche Opferkategorien, die unf&#228;hig sind, in Bezug auf den Ursprung des Traumas zu handeln, da es schon stattgefunden hat, sie k&#246;nnen nur seine Auswirkungen beeinflussen und brauchen Spezialisten, um es zu &#252;berwinden. Dieser Begriff ist also alles andere als neutral, wenn er auf Individuen, Gruppen oder Bev&#246;lkerungen angewandt wird, die somit zu einer passiven Rolle bestimmt sind. Ab sofort w&#252;rden uns kleine &#8222;resiliente&#8220; Gemeinschaften daran gew&#246;hnen, das auszuhalten, was wir nicht verhindern k&#246;nnten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zuvor forderte man uns dazu auf, einer durch eine jahrtausendealte Vergangenheit verb&#252;rgten Tradition zu gehorchen. Nun sollten wir uns einer schon pr&#228;senten Zukunft unterordnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zuvor machte man sich &#252;ber die Realit&#228;tsferne lustig, die Revolution f&#252;r m&#246;glich zu halten und somit die Reform abzulehnen. Nun beschreibt man die Welt als unreformierbar. Verglichen mit den politischen Parteien (die Gr&#252;nen eingeschlossen), die von sich behaupten, sie seien f&#228;hig, die Katastrophe zu verhindern, ist die kollapsologische Ambition gering: Uns mit dem Unvermeidbaren abfinden, zumindest f&#252;r jene, welche &#252;berleben werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;5) Gl&#252;ckliche Apokalypse&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Genau wie als neue wissenschaftliche Transdisziplin, versteht sich die Kollapsologie als &#8222;spirituelle&#8220; Vorgehensweise. New Age eines Todes der Welt, einer Religion ohne Gott, k&#252;ndigt sie nichts weniger als eine Apokalypse an. In ihrer griechischen Bedeutung handelt es sich um eine Enth&#252;llung. Die Apokalypse nach Johannes erz&#228;hlt ein Ende der Zeit: &#8222;Da fielen Hagel und Feuer, die mit Blut vermischt waren, auf das Land. Es verbrannte ein Drittel des Landes, ein Drittel der B&#228;ume und alles gr&#252;ne Gras.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Kapitel 8, &#167; 7.&#034; id=&#034;nh2-21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Doch diese Vollendung er&#246;ffnet eine andere Welt: &#8222;Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, auch das Meer ist nicht mehr. Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabkommen [&#8230;]&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Kapitel 21, &#167; 1 und 2.&#034; id=&#034;nh2-22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im dem &#8222;Apostel Johannes&#8220; zugeschriebenen Text war der Tod der Welt gleichbedeutend mit der Wiederauferstehung. Die Kollapsologen st&#252;nden eher in der Tradition der Propheten Israels, die dem j&#252;dischen Volke im Falle des Ungehorsams Unheil versprachen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unabh&#228;ngig davon, ob sie ein Kind des Alten oder Neuen Testaments ist, &#228;hnelt die Kollapsologie einer religi&#246;sen Vision: Weil sie sich dem technologischen Gr&#246;ssenwahn auf Kosten der Natur hingegeben hat, muss das Menschengeschlecht f&#252;r ihre S&#252;nde b&#252;ssen. Wenn die Hybris ein menschliches Verhalten darstellt, das von den G&#246;ttern als Masslosigkeit betrachtet wird, dann verdient es die Menschheit, bestraft zu werden, weil sie der M&#228;ssigung unf&#228;hig war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Urs&#252;nde eines Menschen, der ein williges Opfer seiner Extravaganz ist (alles kennen wollen und glauben, alles tun zu k&#246;nnen), Fall, Abgang aus dem Garten Eden (den man wiederfinden muss, der Zerfall der industriellen Zivilisation zwingt zu einem einfachen, naturnahen Leben), Ende der Welt, Erl&#246;sung, Regeneration durch die (somit heilbringende) Katastrophe, Gr&#252;ndung von Gemeinschaften &#8222;des Wartens&#8220; vor dem J&#252;ngsten Gericht &#252;ber &#246;kologische S&#252;nden, die in Wirklichkeit S&#252;nden des Stolzes sind &#8211; wir sind mitten im religi&#246;sen DIY, das so typisch f&#252;r unsere Zeit ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;6) (Sich) Angst machen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein neues Buch beschreibt &lt;i&gt;Die unbewohnbare Erde&lt;/i&gt;, wo wir sehr bald &#8222;nach der Erderw&#228;rmung&#8220; leben m&#252;ssen. Es ist zu d&#252;ster und &#252;bertrieben pessimistisch f&#252;r die einen, realistisch und heilsam f&#252;r die anderen, auf jeden Fall ist es ein Bestseller. David Wallace-Wells bekennt sich zu seiner Panikmache: Es ist besser, dem Publikum zu stark Angst zu machen als nicht genug. Die Angst ist ein guter Ratgeber, sie erlaube es, eine Dringlichkeit zu setzen, in Anbetracht welcher alles sekund&#228;r wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch das Spektakel der Krise und die Katastrophenszenarien verst&#228;rken den Eindruck der Ohnmacht. Was wir anschauen, spielt sich ausserhalb von uns ab, schl&#228;gt zu und entflieht; wir sind Opfer davon, und die Opfer erdulden, resignieren oder verlangen nach einem Besch&#252;tzer. Je mehr man &#8222;vom Klima&#8220; spricht, desto weniger handelt man, ausser um zu fordern, dass jene handeln, welche die Macht haben. In Anbetracht des Unvermeidbaren verlassen wir uns weiterhin auf andere und wir best&#228;tigen uns in der Unf&#228;higkeit, unsere Leben zu beeinflussen. Die Angst hemmt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;brigens, wenn die F&#228;higkeit der Menschheit, sich selbst zu vernichten, das Kriterium ist, h&#228;tte das Menschengeschlecht seit dem 16. Juli 1945, Datum der ersten atomaren Zerst&#246;rung, nie aufh&#246;ren sollen, zu zittern. G&#252;nther Anders zog eine Linie von Auschwitz zu Hiroshima und einer todbringenden industriellen Modernit&#228;t, die f&#252;r ihn Manifestationen einer eintretenden oder sogar schon eingetretenen &#8222;Antiquiertheit des Menschen&#8220; waren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#196;sthetisch ist der Glaube an ein Ende der Welt eine Quelle von Emotionen, wie jene, die man im Schloss Angers empfinden kann, wenn man den Ende des 14. Jahrhunderts erschaffenen &lt;i&gt;Teppichzyklus der Apokalypse&lt;/i&gt; betrachtet. Politisch versuchte der Millenarismus von Thomas M&#252;ntzer und des Bauernkrieges, die gesellschaftliche Ordnung umzust&#252;rzen, um hier unten ein irdisches Paradies zu erschaffen. Die Apokalyptiker des 21. Jahrhunderts haben nur zum Ziel, uns eine H&#246;lle zu vermeiden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;G.D., M&#228;rz 2021&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Literaturverzeichnis&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Joseph Tainter, &lt;i&gt;The Collapse of Complex Societies&lt;/i&gt;, Cambridge University Press, 1990.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Human Resource Use,&lt;i&gt; &lt;/i&gt;&lt;a href=&#034;http://theoildrum.com/node/5745&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Timing and Implications for Sustainability&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, 2009.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Pablo Servigne, Rapha&#235;l Stevens, &lt;i&gt;Wie alles zusammenbrechen kann&lt;/i&gt;, Mandelbaum, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sehr gute Kritik der Kollapsologie: J&#233;r&#233;mie Cravatte, &lt;a href=&#034;http://www.barricade.be/sites/default/files/publications/pdf/2019_etude_l-effondrement-parlons-en.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;L'Effondrement, parlons-en&#8230; Les limites de la collapsologie&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;. Literaturverzeichnis, detailliertes Glossar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;David Wallace-Wells, &lt;i&gt;Die unbewohnbare Erde. Leben nach der Erderw&#228;rmung&lt;/i&gt;, Verlag Ludwig, 2019.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zur Religion in unserer Zeit: &lt;a href=&#034;https://www.troploin.fr/node/39&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Le Pr&#233;sent d'une illusion&#8220;&lt;/a&gt;, 2006.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kollektiv, &lt;i&gt;Apocalypse. La Tenture de Louis d'Anjou&lt;/i&gt;, Editions du Patrimoine, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum Millenarismus: Guy Debord, &lt;i&gt;Die Gesellschaft des Spektakels&lt;/i&gt;, 1967, These 138.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Yves Delhoysie, Georges Lapierre, &lt;a href=&#034;https://rebellyon.info/IMG/pdf/incendiemillenariste.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;L'Incendie mill&#233;nariste&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Os Cangaceiros, 1987.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=3200&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h3 id=&#034;Episode07&#034;&gt;Episode 07: &#214;kologie: Kapitalismus oder Kommunismus?&lt;/h3&gt;&lt;div class='spip_document_217 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;a href='https://www.kommunisierung.net/IMG/jpg/00-ecologie-capitalisme-ou-communisme-02.jpg' class=&#034;spip_doc_lien mediabox&#034; type=&#034;image/jpeg&#034;&gt; &lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/jpg/00-ecologie-capitalisme-ou-communisme-02.jpg?1697559246' width='500' height='209' alt='' /&gt;&lt;/a&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Die Behauptung mag abrupt erscheinen, sie ist jedoch notwendig: Die einzige L&#246;sung f&#252;r die zeitgen&#246;ssische &#8222;&#246;kologische Krise&#8220; ist eine kommunistische Revolution. Wir m&#252;ssen uns aber im Klaren dar&#252;ber sein, was eine solche Revolution vollbringen w&#252;rde, was voraussetzt, dass wir darauf zur&#252;ckkommen, was der Kapitalismus ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1) Zu viele Definitionen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;B&#252;rokratischer, Staats-, Manager-, liberaler, neoliberaler, Monopol-, Rentier-, postindustrieller, thermo-industrieller, Konsum-, kognitiver, Trieb-, libidin&#246;ser, Spektakel-, patriarchaler, technokapitalistischer, Sp&#228;t- (der Begriff wurde seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts benutzt), pharmapornographischer &#8211; und jetzt fossiler Kapitalismus. In allen F&#228;llen ist die Bezeichnung wichtiger als das Bezeichnete. Was mutmasslich erlauben sollte, die Definition des Kapitalismus zu aktualisieren und zu pr&#228;zisieren, wischt ihn im Gegenteil weg. Als ob die Anf&#252;gung die aufgrund seiner Unreife bisher verborgen gebliebene wahre Natur des Kapitalismus aufdecken w&#252;rde. Jeder f&#252;gt eine Bezeichnung entsprechend seiner Fachgebiete und seiner theoretischen Affinit&#228;ten hinzu und die Liste wird ausgehend von unbestreitbaren, aber von einem Zeitgeist oder einer Mode als wesentlich proklamierten Realit&#228;ten l&#228;nger.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;So hat die &#214;kologie aus den urspr&#252;nglich neutralen oder positiven und in der Industrie g&#228;ngigen Begriffen Produktivismus und Extraktivismus das gemacht, was den Kapitalismus charakterisiere und endlich den Weg f&#252;r seine wahre Kritik &#246;ffne.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Damals hatte die Dekolonialisierung einen Dritte-Welt-Marxismus propagiert, heute interpretiert man den Kapitalismus angesichts der Frage der Geschlechter/Geschlechterrollen und dann der Rasse neu. Der &#246;kologische Notstand ruft neue, auf als Totalit&#228;t gedachten Teilbereichen basierende Theorien der kapitalistischen Produktionsweise ins Leben, denn die gesellschaftliche Realit&#228;t ist heutzutage unf&#228;hig, die Gesamtheit, und somit die Grundlagen davon zu erfassen, was jedoch notwendig ist, um ihn zu transformieren und zu vernichten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2) Klassen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Charakterisierung des Kapitalismus durch die Akkumulation und das Streben nach Profit erzeugt nicht notwendigerweise allzu viel Widerspruch, sogar mit einem Liberalen: Die Debatte f&#228;ngt dort an, wo es um den Mechanismus dieser Akkumulation und dem geht, was mit dem Profit geschieht. Ihn ausgehend vom Verh&#228;ltnis Kapital/Arbeit zu definieren, ist schon weniger akzeptiert. Aber es zu wagen, die Worte &#8222;Bourgeois&#8220; und &#8222;Proletarier&#8220; zu benutzen, gilt als Ideologie, als alter Marxismus, fast schon als &lt;i&gt;Arbeiter&lt;/i&gt;-Marxismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann eine Veranschaulichung davon in einem im &#220;brigen achtbaren Buch lesen: &lt;i&gt;The Human Planet. How We Created the Anthropocene&lt;/i&gt;. Simon Lewis und Mark Maslin beschreiben darin die &#8222;entscheidende Ver&#228;nderung&#8220; von einer l&#228;ndlichen und landwirtschaftlichen Lebensweise hin zu einer &#8222;vom Profit geleiteten&#8220; Gesellschaft. Doch die Einnahme und die Akkumulation von Geld existierte als Praxis schon lange vor der kapitalistischen Produktionsweise. Die von ihr eingef&#252;hrte Neuigkeit ist die Vorherrschaft der Akkumulation von Geld zum Zweck der Investition und nicht einfach, um sein Verm&#246;gen zu geniessen. Das Unternehmen (und nicht nur der individuelle Unternehmer, siehe unsere Episode 2, &#167; 2) investiert, um mehr Profit zu erzielen und beginnt auf einer h&#246;heren Ebene unter dem Anreiz der Konkurrenz erneut damit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch gem&#228;ss Simon Lewis und Mark Maslin seien wir von &#8222;einer von einer f&#252;r den ganzen Planeten eine Bedrohung darstellenden Technologie geleiteten Elite&#8220; beherrscht: Sie erkennen die Existenz von Klassen und &#8222;Klassengrundlagen der aktuellen Lebensweise&#8220; an, aber ziehen daraus nicht den Schluss eines dynamischen Verh&#228;ltnisses, welches das gesellschaftliche System hervorbringt, es sich entwickeln l&#228;sst und zerst&#246;ren k&#246;nnte, denn f&#252;r sie ist der Motor der Geschichte die Kombination von Energie, Technik und Information. Arbeiter und sogar eine &#8222;industrielle Arbeiterklasse&#8220; existieren freilich, aber verschmolzen &#8222;im Volk/in den Leuten&#8220; (&lt;i&gt;people&lt;/i&gt;), was f&#252;r sie der Schl&#252;sselfaktor ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Nachdenken &#252;ber die kapitalistische Produktionsweise ohne die Behandlung der Klassen oder &#252;ber die Klassen ohne die Ber&#252;cksichtigung des Klassenkampfes ist ein R&#252;ckschritt, sei es nur im Verh&#228;ltnis zu den b&#252;rgerlichen Historikern der Franz&#246;sischen Revolution im 19. Jahrhundert (die an das Thema selbstverst&#228;ndlich nicht als Sozialisten oder Kommunisten herangingen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber es reicht auch nicht, den Kapitalismus durch die Ausbeutung der Proletarier durch die Bourgeois zu definieren. Diese Ausbeutung muss auch von jener der Sklaven, der Leibeigenen usw. unterschieden werden (die Sklaven haben ihre Herren nicht gest&#252;rzt, genauso wenig die Leibeigenen). In der kapitalistischen Produktionsweise ist es eben genau die Ausbeutung, in diesem Fall der Widerspruch Kapital/Arbeit, die es m&#246;glich macht, ihr Ende in Betracht zu ziehen. Das ist der Sinn und Zweck des Manifests von 1848, sonst w&#228;ren Marx und Engels zur Verbesserung der Dinge engagierte Soziologen oder Philosophen, wie so viele andere ihrer und unserer Zeitgenossen, ohne Anspruch, zu einer &lt;i&gt;kommunistischen&lt;/i&gt; Theorie beizutragen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht nicht darum, auf den Klassen zu beharren, um einem Dogma treu zu bleiben. Wenn man die Existenz einer Bourgeoisie, deren Interessen &#8222;naturgem&#228;ss&#8220; jenen der Proletarier widersprechen, nicht wahrnimmt, versteht man das zu &#252;berwindende Hindernis nicht und auch nicht, wie man es &#252;berwinden kann. Im besten Falle ruft man zu einer Demokratisierung auf, die &#8222;der Oligarchie&#8220; ihre Macht nehmen oder sie verringern w&#252;rde. Im schlimmsten Falle, weil &#8222;wir alle im gleichen Boot sind&#8220;, verl&#228;sst man sich auf den guten Willen aller.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3) Produktivit&#228;t&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was macht die aussergew&#246;hnliche Kraft der kapitalistischen Produktionsweise aus? Das Streben nach Produktivit&#228;t und sie erkl&#228;rt die Produktion f&#252;r die Produktion. Die Produktion f&#252;r den Profit ist gleichbedeutend mit der Einsparung &#8211; durch ihre systematische Verringerung &#8211; von Arbeit. Was voraussetzt, die Zeit und, ausgehend davon, alles zu z&#228;hlen. Aber wo wird diese Produktion organisiert? In jener nicht minder wesentlichen Realit&#228;t des Kapitalismus, dem Unternehmen: Das Kapital ist eine unpers&#246;nliche Macht, obwohl sie von menschlichen Wesen verwaltet wird, steht sie &#252;ber ihnen. Hier liegt die Grundlage jenes Systems, das es zu vernichten gilt: Es in den Dienst einer anderen Politik, einer anderen Entwicklung oder eines anderen Wachstums zu stellen, wird nur die Oberfl&#228;che davon ver&#228;ndern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Wort Produktivismus f&#252;hrt in die Irre. Dieses System produziert nicht, um zu produzieren, sondern um Wert zu akkumulieren, nicht durch eine Bewegung, die autonom geworden w&#228;re, sondern durch die produktive Arbeit. Nat&#252;rlich zugunsten jener Klasse, welche davon profitiert; doch die Bourgeoisie ist nur der Agent davon, nicht die Ursache. Andererseits, obwohl eine &#8222;Konsumgesellschaft&#8220; sehr wohl existiert (auf einem Niveau, das sich Marx schwer h&#228;tte vorstellen k&#246;nnen), basiert der Kapitalismus auch nicht auf dem Konsum f&#252;r den Konsum. Er ist eine Auswirkung davon.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was in dieser Produktionsweise am sichtbarsten und auch sehr wohl real ist, definiert ihn jedoch nicht &#8211; die Hyperproduktion genauso wenig wie der Hyperkonsum. Sonst w&#252;rde &#8222;Antikapitalismus&#8220; nur bedeuten, gegen seine Exzesse zu k&#228;mpfen und zur M&#228;ssigung anzuregen (die Uneinigkeit betrifft nur die Mittel: Begrenzung des Kapitalismus durch die Wahl, die Strassenaktion oder die Schaffung einer alternativen Wirtschaft, die als gutes Beispiel fungiert).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;4) Zwei Widerspr&#252;che? Oder: Ist die Natur eine historische Kraft?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Verlauf des 20. Jahrhundert kamen einige Ungeduldige, die in Anbetracht eines Kapitalismus, der weiterhin w&#228;chst und die Welt beherrscht, den Widerspruch Kapital/Arbeit als historisch ungen&#252;gend und theoretisch inad&#228;quat beurteilten, zum Schluss, dass man einen anderen finden muss, dessen Anf&#252;gung es endlich erlauben w&#252;rde, die Geheimnisse des Kapitalismus zu verstehen und ihn leichter abzuschaffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf eine ganz andere Weise haben seit den 1980er Jahren diverse Marxisten, besonders James O'Connor, die These eines &#8222;zweiten Widerspruchs des Kapitalismus&#8220; dargelegt: Zu jenem zwischen den Produktivkr&#228;ften und den Produktionsverh&#228;ltnissen f&#252;gen sie einen weiteren hinzu, jenen zwischen der Produktionsweise und ihren materiellen Bedingungen, insbesondere der Natur.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als Marx, um uns auf ihn zu beschr&#228;nken, von &lt;i&gt;Widerspruch&lt;/i&gt; sprach, tat er das, um jene Dynamik zu bezeichnen, welche ein gesellschaftliches System antreibt, sich entwickeln l&#228;sst und es zerst&#246;ren kann, in diesem Fall in der kapitalistischen Produktionsweise der Widerspruch zwischen Produktivkr&#228;ften und Produktionsverh&#228;ltnissen und/oder zwischen Lohnarbeit und Kapital. Dieses &#8222;und/oder&#8220; ist notwendig, denn das Marxsche und sp&#228;ter marxistische Denken hat die beiden Gegens&#228;tze weitgehend miteinander assimiliert, als ob das Proletariat der Tr&#228;ger jener Produktivkr&#228;fte w&#228;re, welche es sich aneignen w&#252;rde, um sie zugunsten aller gegen die Bourgeois als Verteidiger der Produktionsverh&#228;ltnisse im Dienste ihrer Interessen zu entwickeln. Zu Marx und dem Marxismus, siehe unsere Episode 1, &#167; 4.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;O'Connor &#252;bernimmt diesen Widerspruch, aber schliesst die Natur in die Produktivkr&#228;fte mit ein. Marx, erkl&#228;rt er, wusste, dass die kapitalistische Land- und Forstwirtschaft die Natur zerst&#246;ren, doch er hatte nicht verstanden, dass die Zerst&#246;rung der Natur (unendlich viel schlimmer im 20. als im 19. Jahrhundert) ein starker Faktor f&#252;r die Verringerung der Profite und Akkumulationsm&#246;glichkeiten sei, dermassen, gem&#228;ss O'Connor, dass sie einen strukturellen Widerspruch in dieser Produktionsweise darstellt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r Marx handelte es sich tats&#228;chlich nur um zus&#228;tzliche Zw&#228;nge f&#252;r das Kapital. Ricardo hingegen unterstrich die Verringerung des Profits aufgrund der sinkenden landwirtschaftlichen Ertr&#228;ge, da notwendigerweise weniger fruchtbare B&#246;den genutzt werden mussten. Im 19. Jahrhundert (Ricardo starb 1823) blieb die Landwirtschaft, sogar im Land, das die Industrierevolution angetrieben hatte, sehr wichtig. Im &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt; schliesst die kurze Passage &#252;ber die Klassen im Buch III &#8222;die Grundeigent&#252;mer&#8220; in &#8222;die drei gro&#223;en Klassen der modernen [&#8230;] Gesellschaft&#8220; neben den &#8222;Lohnarbeiter[n]&#8220; und den &#8222;Kapitalisten&#8220; mit ein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Alles h&#228;ngt vom Sinn ab, den man &#8222;Widerspruch&#8220; gibt. Jener, welche Bourgeois und Proletarier einander entgegensetzt, strukturiert den Kapitalismus und kann eines Tages zu seiner Zerst&#246;rung f&#252;hren. Wenn der Kapitalismus hingegen seine &#8222;nat&#252;rlichen&#8220; Grundlagen &#8211; die er tats&#228;chlich tendenziell so behandelt, als ob sie fast gratis und unersch&#246;pflich w&#228;ren &#8211; ruiniert, ersch&#252;ttert und bedroht das seine Profite, erschwert die Aktivit&#228;t gewisser Sektoren und wird andere ruinieren, doch stellt nicht seinen Fortbestand als System infrage. Er wird die sozio-&#246;kologische Krise auf seine Weise (zerst&#246;rerisch f&#252;r die Natur und katastrophal f&#252;r die Proletarier) l&#246;sen, ohne sich jedoch selbst zu zerst&#246;ren. Man k&#246;nnte sagen, dass diese Entwicklung &#8222;alles ver&#228;ndert&#8220;, ausser dass es sich nicht um einen Widerspruch handelt, der die Grundlage der Produktionsweise ber&#252;hrt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zudem erweitert James O'Connor den Agenten der gesellschaftlichen Ver&#228;nderung jenseits der Lohnarbeit und sieht eine sich abzeichnende Einheit zwischen &#8222;der Arbeiterbewegung&#8220;, &#8222;dem Feminismus, den Umweltbewegungen&#8220;, &#8222;den neuen sozialen Bewegungen&#8220;, &#8222;der fast universellen Volksbewegung zum Schutz der Produktionsbedingungen&#8220; und zur &#8222;Demokratisierung des Staates&#8220;. Er deutete 1988 an, was seither theoretisiert worden ist: Der &#8222;Klassenwiderspruch&#8220; sei nur einer unter anderen, jener der Geschlechterrollen, der Rasse &#8211; wieso also nicht eine als zur Mobilisierung der Massen vorausgesetzte Bewegung &#8222;f&#252;r das Klima&#8220; hinzuf&#252;gen? Jeder auch nur ein bisschen wichtige Protest, jede Revolte wird nun als strukturierender Widerspruch des Kapitalismus wahrgenommen und aufgrund seiner F&#228;higkeit beurteilt, die Massen auf die Strasse zu bringen. Allem, dem man sich widersetzt, wird zwingend die Definition eines so weit wie m&#246;glich dehnbaren Kapitalismus gegeben, jeder Kampf sei antikapitalistisch. Viele Autoren bem&#252;hen sich &#252;brigens so stark wie m&#246;glich, nicht den Eindruck zu geben, die K&#228;mpfe und somit die daran teilnehmenden &#8222;Leute&#8220; zu hierarchisieren. Es gebe keinen gesellschaftlichen Schwerpunkt mehr: Das Zentrum sei jetzt &#252;berall.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Grunde genommen betrachtet O'Connor die materiellen Produktionsbedingungen als historische Kraft, deren Handlung, genau wie jene der Gesamtheit der Produktivkr&#228;fte, eine Auswirkung auf die kapitalistischen Produktionsverh&#228;ltnisse habe. Doch was &lt;i&gt;tut&lt;/i&gt; die Natur? Die Erde beschr&#228;nkt sich darauf, sich dem anzupassen, was sie &lt;i&gt;erduldet&lt;/i&gt; (mit ein bisschen Fantasie k&#246;nnte man sie &#8222;resilient&#8220; nennen). Eine wie auch immer geartete historische Kraft trifft Entscheidungen, w&#228;hlt zwischen verschiedenen und entgegengesetzten Optionen, sie ist auch f&#228;hig, sich zu t&#228;uschen, sie tut mehr als nur auf sie in eine einzige Richtung dr&#228;ngende Anreize und Zw&#228;nge zu reagieren. Das gilt nicht f&#252;r einen Wald, einen Gletscher oder ein &#214;lfeld. Unter den Produktivkr&#228;ften hat nur das Proletariat eine gesellschaftliche Existenz und kann somit als historisches Subjekt handeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;5) Industriegesellschaft oder kapitalistische Gesellschaft?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Regiert die Technik die Welt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Verf&#252;gt die Bourgeoisie &#252;ber das Monopol &#252;ber die Technologie oder &#252;ber die Produktionsmittel? Gewiss beides, doch ersteres ergibt sich aus zweiterem.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Anders gesagt, ist die kapitalistische Produktionsweise &lt;i&gt;zuerst&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;allen voran&lt;/i&gt; ein Technokapitalismus?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist eine Tatsache, dass &#8222;die Marxisten&#8220; stark dazu tendierten, die Technik als gesellschaftlich neutral zu betrachten, als ein Instrument, dass sich die Proletarier aneignen w&#252;rden, indem sie es weitertreiben und in den Dienst der Menschheit statt einer Minderheit stellen w&#252;rden. Aber es reicht nicht, den marxistischen Mangel ausfindig zu machen. Man muss den Kern dieser Produktionsweise und das betrachten, was seine F&#252;hrungsschicht ausmacht und unterh&#228;lt. Die Bourgeois beherrschen die Technik, weil sie die gesellschaftliche Teilung beherrschen, die sie &#252;ber die Produktionsmittel verf&#252;gen l&#228;sst, und nicht umgekehrt: Die Experten, Ingenieure, Gelehrten, Technokraten usw. regieren die Welt nicht. Der Bourgeois ist nicht ein Modernisator aus Prinzip: Es sind die Konkurrenz mit seinen Rivalen und der Kampf gegen den Widerstand der Lohnarbeiter, die ihn gestern zum Maschinenbetrieb und heute zur Digitalisierung gedr&#228;ngt haben. Die Funktionsweise des MIT ist mit jener von Wall Street verbunden, was nicht bedeutet, dass ersteres im Dienste letzterer steht, und auch nicht, dass, wenn wir uns letzterer entledigen, ersteres endlich dem Gemeinwohl dienen w&#252;rde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;6) Von der kapitalistischen Innovation&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die kapitalistische Produktionsweise definiert sich nicht durch die Arbeit (die schon lange vor ihr existierte), sondern durch die &lt;i&gt;Lohnarbeit&lt;/i&gt;, deren Existenz die Trennung des Arbeiters von den Arbeitsmitteln voraussetzt. Seit einigen Jahrzehnten ist es eine globale Tatsache: Der beschleunigte Niedergang der Selbstversorgung und der Nahrungsproduktion hat mehr als die H&#228;lfte der Menschheit in den St&#228;dten zusammenstr&#246;men lassen, dort hat der &#8222;Reservelose&#8220; keine anderen Ressourcen, um zu leben, als von einem Chef angestellt zu werden, insofern er es kann. In den entwickelt genannten L&#228;ndern oder Regionen betrifft die Lohnarbeit die &#252;berwiegende Mehrheit der Bev&#246;lkerung: Sogar die &#8222;liberalen&#8220; Berufe (die juristischen z.B.) stellen eine bedeutende Menge an entlohntem Personal an und die meisten &#8222;Kleinunternehmer&#8220; werden von einem Chef beherrscht, der ihnen die Rolle des Lohnarbeiters ohne den durch diesen Status garantierten relativen Schutz aufzwingt. Die Arbeitsteilung (die Teilung in Klassen) hat nicht auf den Kapitalismus gewartet, aber nur er entwickelt eine Gesellschaft, wo alle zum Verkauf (f&#252;r die Proletarier) oder zum Kauf (f&#252;r die Bourgeois) von Arbeitskraft tendieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Geld charakterisiert den Kapitalismus auch nicht. Alles ist eine Frage des Ausmasses: Ab welcher Schwelle ist ein Ph&#228;nomen m&#228;chtig genug, um eine Gesellschaft zu strukturieren? Es gab schon fr&#252;her Handelsklassen: Im ersten Band von &lt;i&gt;Die grossen Str&#246;mungen der Weltgeschichte&lt;/i&gt; (1944) machte Jacques Pirenne sogar eine Bourgeoisie im antiken &#196;gypten aus, da das Einkommen einer gesellschaftlichen Gruppe nur vom Handel kam. Ein aus dem Ruder gelaufener Finanzmarkt und die Spekulation sind keine neuen Ph&#228;nomene: Holland erlebte seine &#8222;Tulpenkrise&#8220; im 17. Jahrhundert. Die kapitalistische Neuheit ist die Tatsache, dass die Arbeit eine Ware ist, deshalb tendiert alles dazu, zu einer Ware zu werden, und die Beziehungen tendieren immer mehr dazu, durch Geld vermittelt zu werden. Es ist m&#246;glich, ausserhalb des Stromnetzes (&lt;i&gt;off the grid&lt;/i&gt;), aber fast unm&#246;glich, ausserhalb des Geldnetzes zu leben. Die alternativen Gemeinschaften, die ohne Geld leben wollen, schlagen sich in Tat und Wahrheit mit sehr wenig davon durch (soziale Mindestsicherung, kleine Ersparnisse, von Freunden zur Verf&#252;gung gestelltes oder durch den Verkauf einiger Produkte erworbenes Geld).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Lohnarbeit und Kapital treffen im Unternehmen aufeinander (siehe unsere Episode 2, &#167; 2). Jedes davon ist durch die Konkurrenz gezwungen, seine Produktivit&#228;t zu steigern, um mehr Wert zu akkumulieren als seine Rivalen. Wachstum ist ein Zwang und damit jene Ph&#228;nomene, welche im industriellen Kapitalismus systematisch geworden sind: permanente Innovation, geplante Obsoleszenz, &#220;berproduktion, &#220;berakkumulation &#8211; mit ihren Auswirkungen auf die Proletarier und die Natur.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;7) Ein bisschen Geschichte&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die durch die Kontroverse &#8222;Anthropoz&#228;n oder Kapitaloz&#228;n&#8220; neu lancierte Debatte &#252;ber die Periodisierung der kapitalistischen Produktionsweise dreht sich in Wirklichkeit um ihr Wesen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gem&#228;ss gewissen Anh&#228;ngern des Kapitaloz&#228;ns w&#228;re die Industrielle Revolution (Ende des 18. Jahrhunderts in Europa) ohne den &#8222;Handelskapitalismus&#8220; (seit dem 16. Jahrhundert) unm&#246;glich gewesen, d.h. ohne die koloniale Expansion und die Ausbeutung anderer Kontinente.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist wahr, dass der Kolonialhandel (besonders die Einkommen aus dem Sklavenhandel und der Zuckerproduktion) die Anh&#228;ufung von danach in die Textilindustrie investierten Verm&#246;gen erlaubt und die Nachfrage nach Fertigwaren beg&#252;nstigt hat. Doch man muss in der Geschichte noch weiter zur&#252;ckgehen. Die These der Zentralit&#228;t des transatlantischen Handels in der Industriellen Revolution verkennt die vorherige Notwendigkeit einer &#8222;industriellen&#8220; Kapazit&#228;t (und &#220;berlegenheit) zur Sicherstellung der Beherrschung der Meere. Zuvor war man gezwungen, Verm&#246;gen durch innereurop&#228;ischen Handel zu akkumulieren, von T&#252;chern allen voran, der seinerseits eine h&#246;here Produktivit&#228;t der Landwirtschaft und des Handwerks im Norden Italiens, Flandern, England, Frankreich und Spanien voraussetzte. Zirkulation setzt eine Produktion voraus. Die (enormen) kolonialen Profite reichen nicht aus als Erkl&#228;rung f&#252;r die Tatsache, dass im England Ende des 16. Jahrhunderts die Produktivit&#228;t eines Landarbeiters um 90% im Vergleich zu den zwei vorhergehenden Jahrhunderten oder der Ertrag pro Acker (0.4 Hektare) Getreide zwischen 1600 und 1750 um 50% ansteigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Industriellen Revolution war eine Revolution der &#8222;Arbeitsamkeit&#8220; vorausgegangen, w&#228;hrend welcher mehr oder weniger alles zur Ware wird. Vor der Expansion des Lohnarbeitsmarktes war ein Pachtmarkt errichtet worden: Um das Land zu bearbeiten, l&#228;sst der Grundeigent&#252;mer Landwirte gegeneinander konkurrieren und stellt den produktivsten davon an, letzterer wird seinerseits seine Landarbeiter dazu dr&#228;ngen, einen maximalen Profit zu liefern. Indien und China sind damals auch zu einer ertragreichen Landwirtschaft f&#228;hig, aber nur in gewissen entwickelten Gebieten: Diesen L&#228;ndern mangelt es an einem wettbewerbsf&#228;higen Markt auf einem Territorium, das von einem relativ stabilen und vereinigten Nationalstaat beherrscht wird, der stark genug ist, um eine weiter entwickelte Steuerharmonisierung als seine Rivalen einzuf&#252;hren (Frankreich wird erst nach 1789 ein einheitliches Steuersystem haben). Das Kapital wird auch zur Ware (der erste Aktienmarkt entsteht in Amsterdam am Anfang des 17. Jahrhunderts).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der industrielle Kapitalismus h&#228;tte nicht existiert und sich nicht so entwickelt, wie er es getan hat, ohne den durch den Handelskapitalismus, besonders dank der Profite der Sklaverei, akkumulierten Reichtum. Es war dar&#252;ber hinaus notwendig, diese Sklaven gegen die konkurrierenden L&#228;nder zu holen und zu transportieren, in einer langen milit&#228;rischen und wirtschaftlichen Konfrontation zwischen der britischen, englischen, holl&#228;ndischen, spanischen und franz&#246;sischen Marine, bis England definitiv als Sieger davon hervorgeht. Ein Kriegsschiff der Royal Navy im 17. Jahrhundert ist ein Navigations- und Kampfsystem (z.B. etwa Tausend Rollenverschraubungen, die alle f&#252;nf Jahre gewechselt werden m&#252;ssen), das nur f&#252;r jene L&#228;nder erschwinglich ist, welche zu dem f&#228;hig sind, was man heute eine &#8222;Waffenindustrie&#8220; nennen w&#252;rde (Venedig war die erste Seemacht gewesen, welche die Schiffsteile standardisiert hatte), und mit einer gesellschaftlichen und technischen Kapazit&#228;t zu einer &#8222;Spitzentechnologie&#8220;, wie es heute ein Rafale-Flugzeug oder eine Predator-Drohne sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In einigen Jahrzehnten hat sich die Interpretation der Herausbildung des modernen Kapitalismus ge&#228;ndert. Man mindert die Rolle der Industriellen Revolution (eine Tendenz, die wahrscheinlich mit dem Niedergang der Arbeiterbewegung &lt;i&gt;in den fr&#252;heren kapitalistischen Metropolen&lt;/i&gt; zusammenh&#228;ngt) und man &#252;bersch&#228;tzt jene dessen, was ihr vorausgegangen ist: Entstehung der Bank, koloniale Ausbeutung, Sklaverei, Unterwerfung der Frauen. Die Entstehung des industriellen Kapitalismus wurde von der Sklavenarbeit beg&#252;nstigt, aber seine Expansion ging mit dem Ende des Sklavenhandels und dann der Abschaffung der Sklaverei einher und errichtete sich auf der Grundlage der &#8222;freien&#8220; Arbeit, der Lohnarbeit, welche die ganze Einzigartigkeit dieser Produktionsweise ausmacht. Dar&#252;ber hinaus erkl&#228;rt der Sklavenhandel nicht die industrielle Entwicklung Deutschlands oder die Tatsache, dass die grossen franz&#246;sischen Sklavenh&#228;fen nicht zu industriellen Zentren geworden sind. Ohne den transatlantischen Handel h&#228;tte es freilich keine Ausl&#246;sung der Industriellen Revolution gegeben, aber die strukturelle Grundlage des Kapitalismus ist das Verh&#228;ltnis Kapital/Lohnarbeit, das seit der Renaissance existierte, aber erst mit der Industrialisierung das gegenw&#228;rtige Ausmass erreicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;8) Krise&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie am Ende unserer zweiten Episode erw&#228;hnt, ist die &#246;kologische Krise Teil der Rentabilit&#228;tskrise. Der zeitgen&#246;ssische Kapitalismus tendiert dazu, eine seiner Profitquellen auszutrocknen, n&#228;mlich die Natur. Diese &#8222;abnehmenden Ertr&#228;ge&#8220; evozieren, was Ricardo 1817 darlegte und durch den Zwang zur Bebauung weniger rentabler B&#246;den erkl&#228;rte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch das Ph&#228;nomen unterscheidet sich von jenem, das vor zwei Jahrhunderten theoretisiert worden war. Am Ende des 20., Anfang des 21. Jahrhunderts ist der Preis f&#252;r die aussergew&#246;hnliche Ertragssteigerung pro Hektare (&#8222;die gr&#252;ne Revolution&#8220;) die nicht minder enorme Steigerung der &#8222;Eintr&#228;ge&#8220; (D&#252;nger, Pestizide&#8230;) und die geringere Rentabilit&#228;t des Bodens ist auch einer Verschlechterung der nat&#252;rlichen Gleichgewichte geschuldet, diese war kaum konzipierbar vor zweihundert Jahren, ausser man war Vision&#228;r wie Fourier.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die kapitalistische Produktionsweise &#8211; und somit die Bourgeoisie, die sie verwaltet &#8211; stolpert &#252;ber die Tatsache, dass sie die Arbeit (den &lt;i&gt;menschlichen&lt;/i&gt; Faktor) nicht auf Wert, auf Zeit, auf Fl&#252;sse reduzieren kann, doch das gilt auch f&#252;r die &lt;i&gt;nat&#252;rlichen&lt;/i&gt; Faktoren. Es gibt weder eine Anthropomorphose des Kapitals, noch seine &#8222;Naturalisierung&#8220;, es unterwirft weder die Arbeit, noch die Erde, weder den Menschen, noch die Natur je komplett, genauso wenig, wie die Bourgeois die prometheische und zerst&#246;rerische Extravaganz, deren Agenten und Beg&#252;nstigte sie sind, beherrschen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sind in eine &#8222;globale&#8220; Krise eingetreten, sie ist bedingt durch gesellschaftliche und politische Widerspr&#252;che, die eine Aussch&#246;pfung der Rohstoffe, steigende Kosten f&#252;r Energie, Umweltsch&#228;den, Vertiefung der interimperialistischen Rivalit&#228;ten und verst&#228;rkte geopolitische Destabilisierung verschlimmern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Geschichte lehrt uns, dass gesellschaftliche Explosionen und sogar Klassenk&#228;mpfe in etliche und einander entgegengesetzte Sackgassen und Abstellgleise m&#252;nden k&#246;nnen. Bis jetzt weist nichts darauf hin, dass die gegenw&#228;rtigen defensiven und offensiven proletarischen Handlungen auf allen Kontinenten mechanisch zu einer Infragestellung und einem Sturz des Verh&#228;ltnisses Kapital/Arbeit f&#252;hren. Falls es in dieser Situation zu einer bedeutenden sozio-&#246;kologischen Katastrophe kommen sollte (wie einem neuen Tschernobyl in Europa, einer aussergew&#246;hnlichen Hitzewelle oder einer sehr m&#246;rderischen Pandemie), w&#252;rde der Staat darauf, wie w&#228;hrend dem Hurrikan Katrina, mit sowohl gesundheitlichen als auch repressiven Notl&#246;sungen antworten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;9) Kommunismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir werden uns hier damit begn&#252;gen, schnell die Schl&#252;sse aus der weiter oben und in mehreren vorangehenden Episoden skizzierten Definition der kapitalistischen Produktionsweise zu ziehen. Einige etwas lange Zitate werden notwendig sein, um uns im Verh&#228;ltnis zu einer Perspektive zu situieren, die Marx in dem zusammengefasst hat, was h&#228;ufig als Schlussfolgerung des dritten Bandes betrachtet wird: &#8222;Die Freiheit in diesem Gebiet kann nur darin bestehn, da&#223; der vergesellschaftete Mensch, die assoziierten Produzenten, diesen ihren Stoffwechsel mit der Natur rationell regeln, unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle bringen, statt von ihm als von einer blinden Macht beherrscht zu werden [&#8230;] Die Verk&#252;rzung des Arbeitstags ist die Grundbedingung.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der &#214;kosozialist Paul Burkett fasst eine Marxsche und marxistische Vision gut zusammen, sie wird h&#228;ufig auch auf verschiedene Arten von Anarchisten geteilt: Im Gegensatz zum Kapitalismus, der Produzenten und Produktionsmittel voneinander trennt, wird der Sozialismus/Kommunismus sie vereinen, indem &#8222;er die Arbeitskraft dekommodifiziert [&#8230;] Die kommunistische oder &#8218;assoziierte&#8216; Produktion ist geplant und wird von den Produzenten und Gemeinschaften selbst realisiert, ohne die durch die Klassengesellschaft auferlegten Vermittlungen: Lohnarbeit, Markt und Staat.&#8220; Gemeineigentum und assoziierte Arbeit werden den durch den Kapitalismus unterbrochenen Stoffwechsel der Beziehungen zwischen dem Menschengeschlecht und der Natur wiederherstellen. Zitieren wir auch Michel Husson: &#8222;[D]ie Gefahr grosser planetarer Unordnung ist eigentlich unermesslich [&#8230;] und ihre Kosten unendlich. Das gew&#246;hnliche wirtschaftliche Kalk&#252;l ist nutzlos geworden, sodass ein radikaler Bruch notwendig ist. Wir m&#252;ssen die Sph&#228;re des Kr&#228;merkalk&#252;ls &#252;berwinden.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber das alles, um weiterhin zu &lt;i&gt;berechnen&lt;/i&gt;, wenn auch nicht mehr wie ein Kr&#228;mer?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn die kapitalistische Produktionsweise das leistungsf&#228;higste je erfundene gesellschaftliche System zur Reduzierung der Produktionskosten ist, dann verdankt sie es besonders der methodischen Buchf&#252;hrung &#252;ber die Arbeitszeit, die sich in der modernen Obsession f&#252;r &#8222;gewonnene&#8220; oder &#8222;verlorene&#8220; Zeit widerspiegelt. K&#246;nnte eine vom Kapitalismus befreite Gesellschaft weiterhin eine systematische Berechnung der Produktionszeit als einfaches Instrument der rationalen (und gerechten) Verwaltung praktizieren, ohne &lt;i&gt;genau dadurch&lt;/i&gt; die Produzenten und Produzentinnen, sogar br&#252;derlich und schwesterlich, dazu zu dr&#228;ngen, rentabler zu werden, wie heute, ausser dass sie glauben w&#252;rden, sie t&#228;ten das in ihrem Interesse? Mit der unvermeidbaren Konsequenz, dass sich dieser Druck auch auf die materiellen Bedingungen ihrer Produktion auswirken und zu einer &#220;berausbeutung der Natur f&#252;hren w&#252;rde?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im 19. Jahrhundert ging Engels vielleicht diesbez&#252;glich am weitesten. Er betrachtet die Zeit als &#8222;nat&#252;rliche[s], ad&#228;quate[s], absolute[s] Ma&#223;&#8220; der Arbeit und macht daraus den Regulator einer gemeinschaftlichen Produktion: Wenn jedoch, erkl&#228;rt er, 100 m&#178; Stoff 1&#8216;000 Stunden Arbeit ben&#246;tigten, bedeutet das nicht, &#8222;sie seien tausend Arbeitsstunden wert&#8220;, denn ihre Produktion werde nur durch &#8222;[d]ie Nutzeffekte der verschiednen Gebrauchsgegenst&#228;nde, abgewogen untereinander und gegen&#252;ber den zu ihrer Herstellung n&#246;tigen Arbeitsmengen&#8220; bestimmt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Anti-D&#252;hring, 1878.&#034; id=&#034;nh2-23&#034;&gt;23&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r Engels und die Marxisten, die seine Analyse &#252;bernehmen, h&#228;tte diese Berechnung der Arbeitszeit nichts mehr mit den kapitalistischen Berechnungen zur stetigen Kostenreduzierung, also zur maximalen Senkung der L&#246;hne und der Vernachl&#228;ssigung der Auswirkungen der Produktion auf die Natur, zu tun. Weshalb? Weil es, ihrer Meinung nach, die nun assoziierte und bewusst organisierte Arbeit erlaubt, die n&#246;tigen Arbeitsmengen &lt;i&gt;vor&lt;/i&gt; der Produktion zu kennen, zu messen und vorherzusehen, um die menschlichen und materiellen Mittel zur Befriedigung der gemeinsam durch Kollektive von Produzenten entschiedenen Bed&#252;rfnisse aufzuteilen. So w&#252;rde der Kommunismus die verf&#252;gbaren Ressourcen tangieren, berechnet in Anzahl Ziegelsteine, Kilos Karotten und Metern an Stoff, &lt;i&gt;und auch&lt;/i&gt; in Arbeitsstunden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber kann man &lt;i&gt;zugleich&lt;/i&gt; physische Mengen (den physischen &#8222;Nutzeffekt&#8220;) &lt;i&gt;und&lt;/i&gt; Qualit&#228;t (den in Zeit bewerteten &#8222;Arbeitsaufwand&#8220;) z&#228;hlen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Lange vor dem &lt;i&gt;Anti-D&#252;hring&lt;/i&gt; und 20 Jahre vor dem &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt; bekr&#228;ftigte Marx: &#8222;In einer k&#252;nftigen Gesellschaft, wo der Klassengegensatz verschwunden ist, wo es keine Klassen mehr gibt, w&#252;rde der Gebrauch nicht mehr von dem &lt;i&gt;Minimum &lt;/i&gt;der Produktionszeit abh&#228;ngen, sondern die Produktionszeit, die man den verschiedenen Gegenst&#228;nden widmet, w&#252;rde bestimmt werden durch ihre gesellschaftliche N&#252;tzlichkeit.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-24&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Das Elend der Philosophie.&#034; id=&#034;nh2-24&#034;&gt;24&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mehr als zwei Jahrhunderte, unter einem allgegenw&#228;rtigen Kapitalismus, der aber auch durch neue K&#228;mpfe wie die &#8222;Anti-Arbeit&#8220; der 1970er Jahre infrage gestellt wird, ist es m&#246;glich, die Frage neu zu denken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl es wahr ist, dass jede Gesellschaft messen, vergleichen (und vorhersehen) muss, folgt daraus nicht, dass diese Einsch&#228;tzungen zwingend mit &#196;quivalenzrelationen, wie man sie zwischen Waren im Verlauf des Tausches erstellt, einhergehen m&#252;ssen. Es ist der Kapitalismus, der, um &#252;ber reelle und diversifizierte, geleistete oder vorhergesehene Anstrengungen Rechenschaft abzulegen, alles mit allem vergleichen k&#246;nnen und somit &#252;ber ein allgemeines Mass, die Arbeitszeit, verf&#252;gen, alles in Zeit z&#228;hlen und unter der Herrschaft der Zeit und der Kontrolle der Stunden und Sekunden leben muss. Das Streben nach einem Kriterium, das es erlaubt, jedes Ding mit jedem anderen Ding zu vergleichen, widerspiegelt die Welt des Werts, wo jede Aktivit&#228;t und jedes Objekt entlang einer einheitlichen Berechnungsgrundlage eingereiht werden m&#252;ssen, unabh&#228;ngig von ihrem eigentlichen Wesen und der zu ihrer Hervorbringung spezifischen Anstrengungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Falls man ein Beispiel will, ist die Digitalisierung der Welt eklatantes Anschauungsmaterial daf&#252;r. Unsere Zeitgenossen sind verwirrt aufgrund der stets wachsenden aussergew&#246;hnlichen &#220;berf&#252;lle an zirkulierenden Daten im Cyberspace: Jeden Tag werden fast drei Milliarden Mails verschickt und 700&#8216;000 Stunden Videomaterial auf YouTube hochgeladen. Doch die erste Tatsache, die uns erstaunen sollte, ist, dass alles auf vergleichbare, messbare und transportierbare Einheiten reduziert wird: Das Babyfoto, der Artikel des &lt;i&gt;Guardian&lt;/i&gt;, die Bilder der Demo und der Gesang des Didon werden in Nullen und Einsen verwandelt, nat&#252;rlich virtuell, aber es ist eine Virtualit&#228;t, die immer mehr als so real wie die Realit&#228;t erlebt wird, wenn nicht noch mehr.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was in einer Revolution aus dem Internet werden w&#252;rde, weiss niemand. Vielleicht werden Liebhaber weiterhin Lust und die M&#246;glichkeit haben, sich augenblicklich Nachrichten von einem Kontinent zum anderen zu schicken (unter der Bedingung, dass es genug Elektrizit&#228;t gibt f&#252;r diese Art von Aktivit&#228;t und gen&#252;gend freiwillige Techniker, um ein solches planetares Netzwerk zu unterhalten). Nehmen wir trotzdem an, dass eine andere Menschheit es leid wird, alles &#252;ber alles mit einem Klick zu wissen und ihre Meinung wozu auch immer abzugeben. Wie es auch immer sein mag und insofern es heute m&#246;glich ist, sich davon ein Bild zu machen, wird der Kommunismus nicht danach streben, jede Praxis und jedes Objekt auf das zu reduzieren, was sie mit anderen gemeinsam haben, und darauf, wie sie mit anderen austauschbar sind. Er w&#252;rde sich mit der Befriedigung qualitativ anderer Bed&#252;rfnisse befassen. Er w&#252;rde die verf&#252;gbaren Mittel einsch&#228;tzen und z&#228;hlen, ohne sie daf&#252;r alle (Rohstoffe, Werkzeuge, menschliche F&#228;higkeiten&#8230;) gem&#228;ss einer gemeinsamen Essenz, die aus der zu ihrer Produktion notwendigen, mittleren Arbeitszeit best&#252;nde, zu bemessen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Lewis Mumford zeigte 1934 auf, wie die Zeitmessung dazu gekommen war, unsere Welt zu beherrschen und sah in der mechanischen Uhr, noch mehr als in der Dampfmaschine, die Schl&#252;sselerfindung der Industriellen Revolution: &#8222;Die Uhr ist ein Antriebsmechanismus, dessen &#8218;Produkt&#8216; Sekunden und Minuten sind.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Umweg hat uns nicht von der &#214;kologie entfernt, denn es gibt Arten, die Welt zu betrachten, die einem daran hindern, sie zu verstehen. Es gibt ein logisches und notwendiges Verh&#228;ltnis zwischen der Ausbeutung des Proletariers und der zerst&#246;rerischen &#8222;Verwertung&#8220; Amazoniens. Wenn der Kapitalismus systematisches Streben nach Reduzierung der Kosten und der zur Produktion notwendigen Arbeitszeit ist &#8211; was nicht zu einem geringeren Arbeitsaufwand f&#252;hrt, dieser wird im Gegenteil immer mehr verdichtet &#8211;, geht das mit einer Buchf&#252;hrung der Arbeitszeit einher, die somit nicht eine der Grundlagen des Kommunismus sein kann. Um dem b&#252;rgerlichen Durst nach Profit und seinen zerst&#246;rerischen Konsequenzen f&#252;r den Planeten ein Ende zu bereiten, bricht die Revolution mit der Obsession f&#252;r den Ertrag, dessen Agent der Bourgeois ist. &#214;kologie und Produktivit&#228;t sind inkompatibel.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;G. D., April 2021&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Literaturverzeichnis&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Simon L. Lewis, Mark A. Maslin, &lt;i&gt;The Human Planet. How We Created the Anthropocene&lt;/i&gt;, Pelican, 2018.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Marx und die Klassen&lt;/strong&gt;: Fragment &#8222;Die Klassen&#8220;, &#252;ber die drei &#8222;gro&#223;en Klassen der modernen [&#8230;] Gesellschaft&#8220;, dabei ist festzuhalten, dass das Grundeigentum immer kapitalistischer wird: &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Bd. III in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 25, S. 892-893.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;James O'Connor (1988 mit Barbara Laurence Gr&#252;nder der Zeitschrift &lt;i&gt;Capitalism, Nature and Socialism&lt;/i&gt;): &lt;a href=&#034;http://www.vedegylet.hu/okopolitika/O%27Connor%20-%20Capitalism,%20Nature,%20Socialim.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Capitalism, Nature, Socialism: A Theoretical Introduction&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, 1988.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Zur Arbeit&lt;/strong&gt;: &lt;a href=&#034;https://entremonde.net/de-la-crise-a-la-communisation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;De la Crise &#224; la communisation&lt;/i&gt;, Entremonde,&lt;/a&gt; 2017, Kap. 3, &#167; 2.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und: &lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=1576&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Travail : L'enjeu des 7 erreurs&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, 2017.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Zur gegenw&#228;rtigen kapitalistischen Krise&lt;/strong&gt;:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://entremonde.net/de-la-crise-a-la-communisation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;De la Crise &#224; la Communisation&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Entremonde, 2017, Kap. 4.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und die abschliessenden Kapital von Bruno Astarian &amp; Robert Ferro, &lt;a href=&#034;https://editionsasymetrie.org/ouvrage/le-menage-a-trois-de-la-lutte-des-classes/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;M&#233;nage &#224; trois&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Asym&#233;trie, 2019.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Marx zu den &#8222;assoziierten Produzenten&#8220;: &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Bd. III in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 25, S. 828.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Marx, &lt;i&gt;Das Elend der Philosophie&lt;/i&gt; (1847), Kap. 1, &#167; 2.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Engels, &lt;i&gt;Anti-D&#252;hring&lt;/i&gt;, 1878, dritter Teil, &#8222;Sozialismus&#8220;, Kap. 4.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Lewis Mumford, &lt;i&gt;Technics and Civilization&lt;/i&gt;, 1934.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://www.troploin.fr/node/22&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Communisation&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, 2011.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bruno Astarian, &lt;a href=&#034;http://www.hicsalta-communisation.com/textes/activite-de-crise-et-communisation-5&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Activit&#233; de crise &amp; communisation&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, 2010.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=3214&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h3 id=&#034;Episode08&#034;&gt;Episode 08: Auf verlorenem Posten?&lt;/h3&gt;&lt;div class='spip_document_219 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;a href='https://www.kommunisierung.net/IMG/jpg/08.cause-perdue-1.jpg' class=&#034;spip_doc_lien mediabox&#034; type=&#034;image/jpeg&#034;&gt; &lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/jpg/08.cause-perdue-1.jpg?1702381273' width='500' height='335' alt='' /&gt;&lt;/a&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;The ice age is coming, the sun is zooming in&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;_ Engines stop running, the wheat is growin' thin&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;_ A nuclear error, but I have no fear.&lt;/div&gt;
&lt;div&gt; &lt;/div&gt;
&lt;div&gt;The Clash, &lt;i&gt;London Calling&lt;/i&gt;, 1979&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Ein spanischer Gewerkschaftsaktivist sagte 1922: &#8222;Wenn wir uns doch nur die Produktionsmittel h&#228;tten aneignen k&#246;nnen, als das System jung und schwach war, dann h&#228;tten wir es langsam zu unserem Vorteil entwickeln k&#246;nnen, indem wir aus der Maschine den Sklaven des Menschen gemacht h&#228;tten. Jeder Tag, den wir warten, macht die Sache schwieriger.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hundert Jahre sind vergangen. Ohne schnelle Umkehrung der gegenw&#228;rtigen Tendenzen wird der mittlere Anstieg der Temperaturen 2&#176; C im Verlauf unseres Jahrhunderts betragen, die Folgen davon werden katastrophal sein und die Regierenden darauf mit einer Mischung von Verweigerung, l&#228;ppischer Reform und verschlimmerter Repression antworten. Ist es vielleicht schon zu sp&#228;t?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1) Kein Klimadeterminismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein grosser, nicht allzu weit zur&#252;ckliegender Klimawandel ist allseits bekannt, die &#8222;Kleine Eiszeit&#8220; vom 15. bis zum 19. Jahrhundert, die ihren H&#246;hepunkt zwischen 1570 und 1730 erreicht: Sie war eine Katastrophe f&#252;r die Ernten und habe einen Drittel der Menschheit im 17. Jahrhundert get&#246;tet (600&#8216;000 Tote in Frankreich w&#228;hrend des &#8222;grossen Winters&#8220; 1708-1709).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine Lehre aus dieser schrecklichen Erfahrung ist, dass der entscheidende Faktor nicht das Klima mit seinen Folgen ist, sondern die F&#228;higkeit oder Unf&#228;higkeit der Gesellschaften, damit umzugehen. Japan, ein ab dieser Epoche vereinigter Staat mit einem Steuersystem und Verkehrswegen, die damals ihresgleichen suchten, der auf einem &#8222;Gesellschaftskompromiss&#8220; zwischen dem Adel, der Handelsklasse und den b&#228;uerlichen Eigent&#252;mern beruhte, wollte und konnte Lebensmittelvorr&#228;te anlegen und sie verteilen, den Reisanbau obligatorisch machen, die M&#228;ssigung erzwingen, den Aussenhandel reduzieren und von seiner geographischen Isolation profitieren, um Milit&#228;rausgaben zu vermeiden. Somit konnte er die Auswirkungen der Krise und die dadurch ausgel&#246;sten Unruhen begrenzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das 21. Jahrhundert unterscheidet sich vom 17.: Das kapitalistische System ist zu einer Kraft geworden, die f&#228;hig ist, die f&#252;r die materiellen Bedingungen f&#252;r dieses uns bekannte Leben auf der Erde notwendigen Gleichgewichte zu ersch&#252;ttern und das nicht nur durch einen Atomkrieg, von dem es naiv w&#228;re, zu glauben, dass er nie stattfinden werde. Unsere &#8222;globale Krise&#8220; wird von einem anderen Ausmass sein als jene der &#8222;Kleinen Eiszeit&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dennoch ist der Klimawandel genauso wenig wie im 17. Jahrhundert ein neuer historischer Akteur, der das menschliche Handeln als entscheidenden Faktor ersetzen w&#252;rde. Was wir &#8222;Natur&#8220; nennen, spielt nur in Dynamiken eine Rolle, die aus gesellschaftlichen Situationen und Widerspr&#252;chen bestehen. Weder die Ursachen, noch die L&#246;sungen sind &lt;i&gt;zuerst&lt;/i&gt; physisch oder technisch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2) Welche Grenze f&#252;r die kapitalistische Produktionsweise?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Der Luftkrieg&lt;/i&gt;, ein 1907 ver&#246;ffentlichter Roman von H. G. Wells, erz&#228;hlt von einem Weltkrieg, gef&#252;hrt von den Luftflotten aller L&#228;nder, der die Welt verw&#252;stet und die Menschheit in zwei Jahrzehnten in ein vorindustrielles Zeitalter zur&#252;ckbringt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist das unwahrscheinlichste Szenario. Was auch immer geschehen mag, scheint es sicher, dass die Industriegesellschaft fortbestehen wird, auf andere Art und Weise. Zur Eisenbahn des 19. und der Autobahn des 20. Jahrhunderts werden der Riesendamm, die Bepflanzung zur Bindung von CO2 und Solarparks von 100 km&#178; hinzukommen, dar&#252;ber hinaus die Digitalisierung &#252;berall: Weder heute noch morgen wird die Ausbeutung der Kongolesen zur Extraktion von Coltan aufh&#246;ren. Der Graben zwischen Reichen und Armen wird tiefer werden, die &#8222;&#220;berentwicklung&#8220; hier zur &#8222;R&#252;ckst&#228;ndigkeit&#8220; dort f&#252;hren (Anfang des 21. Jahrhunderts benutzt &#252;brigens einer von drei Menschen fast keine fossile Energie und drei Viertel der Bauern benutzen nur Handwerkzeug). Das Afrika 2050 wird nicht dem aktuellen oder gar dem Europa von 1950 &#228;hneln: Sowohl in Lagos als auch in Dakar werden die Privilegierten von der vierzigsten Etage ihres Hochhauses die ein paar Kilometer weiter entfernt aufgebauten Elendsviertel kaum sehen k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Reproduktion der kapitalistischen Produktionsweise geht mit der Reproduktion des Menschengeschlechts und des Lebens auf der Erde einher und solange sie existiert, wird die kapitalistische Produktionsweise sie reproduzieren, zum Preis von Millionen von Toten heutzutage, vielleicht bald von Hunderten Millionen. Wenn es nur darum geht, die gesamte oder einen Teil der Natur zu zerst&#246;ren, hat das System schon vieles gesehen, es zerst&#246;rt die Lebensbedingungen, massakriert massenweise durch den Krieg, den Kolonialismus und den V&#246;lkermord. Die Verschmutzungen und ihre Verw&#252;stungen wurden schon Anfang des 19. Jahrhunderts angeprangert und im Allgemeinen waren die Bourgeois nicht davon betroffen, sie wohnten weit vom giftigen Rauch entfernt. Die Existenz ist schon unertr&#228;glich f&#252;r Hunderte Millionen, kaum ertr&#228;glich f&#252;r einige Milliarden: Die Tatsache, dass sich diese Situation auf Milliarden weitere ausweitet ist weder mit dem kapitalistischen System, noch mit dem Fortbestand seiner F&#252;hrungsschicht inkompatibel: &#8222;Der Kapitalismus wird keines nat&#252;rlichen Todes sterben.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-25&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Walter Benjamin, Das Passagen-Werk.&#034; id=&#034;nh2-25&#034;&gt;25&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die einzig &lt;i&gt;nachhaltige&lt;/i&gt; kapitalistische Entwicklung ist jene seiner F&#252;hrungsschicht, die, in ihren verschiedenen Formen, immer alles in ihren M&#246;glichkeiten Stehende getan hat, um fortzubestehen, und bis zum heutigen Tage hat sie es geschafft, ohne kollektives Gehirn oder internationales F&#252;hrungszentrum. In den 1920er und 1930er Jahren hat sich der aus dem Erdbeben des Krieges 1914-1918 (und gegen die revolution&#228;re Ersch&#252;tterung) entstandene V&#246;lkerbund als unf&#228;hig erwiesen, eine internationale Ordnung aufrechtzuerhalten, f&#252;r dessen Wiederaufbau es einen Zweiten Weltkrieg brauchte. Der Kapitalismus ist daran nicht gestorben &#8211; ganz im Gegenteil.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bourgeoisie antwortet auf Krisen gem&#228;ss dem Kr&#228;fteverh&#228;ltnis &#8211; d.h. ein Klassenverh&#228;ltnis. Ende des 19. Jahrhunderts hat sie das Verh&#228;ltnis Kapital/Arbeit umgebaut, indem sie damit begann, die Gewerkschaften zu integrieren und die sozialdemokratischen Parteien einzugew&#246;hnen. Nach 1929 und 1939-1945 setzte die organisierte Arbeit einen weiteren Fuss in die Institutionen und die Bourgeoisie hat sich ein bisschen selbst diszipliniert. Gegenw&#228;rtig ist die Aufrechterhaltung der nat&#252;rlichen Bedingungen f&#252;r den Kapitalismus genauso notwendig wie jene der politischen Gleichgewichte im 20. Jahrhundert, aber die F&#252;hrungsschichten k&#246;nnen sowohl im Klimachaos als auch unter Kriegsbedingungen fortbestehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und sogar mitten in der Katastrophe (&#252;ber)leben. Wie wir vor etwa zw&#246;lf Jahren in &lt;i&gt;Demain, orage&lt;/i&gt; bemerkten, werden vielleicht in hundert Jahren nur ein oder zwei Milliarden Menschen &#252;brig bleiben, einige davon gefl&#252;chtet in den Untergrund, wie es &lt;i&gt;THX 1138&lt;/i&gt; zeigte (ein Film von George Lucas von 1971), die sich von synthetischer Nahrung ern&#228;hren, einige &#220;berbleibsel der Menschheit bestehen an der Oberfl&#228;che fort, auf verschiedenen Niveaus der Barbarei oder des gemeinschaftlichen &#220;berlebens. Schon heutzutage erleben wir die Produktion synthetischen Fleisches und die essbaren Insekten erscheinen in den Regalen der grossen Superm&#228;rkte. Die Erde wird schon bald unbewohnbar sein, wie es David Wallace-Wells im Buch mit ebendiesem Titel bekr&#228;ftigt. Aber was heisst schon bewohnbar? &#8222;Man lehrt die Menschen alles&#8220;, schrieb Voltaire, &#8222;Tugend und Glaube&#8220;; wir w&#252;rden die Not, die Enteignung, das Exil, den Verlust der Illusionen oder auch neue t&#246;dliche Ideologien hinzuf&#252;gen...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und vor der Erreichung der Grenzpunkte (die mehr oder weniger den bewusst alarmistischen Vorhersehungen von Wallace-Wells &#228;hneln) wird sich der Prozess &#252;ber Jahrzehnte erstrecken oder beschleunigen. Es bleiben Gas- und &#214;lreserven f&#252;r einige Dutzend Jahre und Kohlereserven f&#252;r mehr als ein Jahrhundert &#252;brig: Ihre Gewinnung ist immer noch rentabel, sie liefern drei Viertel der konsumierten Energie und dieser Anteil wird umso langsamer schwinden, als dass die Multinationalen der &#8222;fossilen Energie&#8220; immer noch zu den m&#228;chtigsten der Welt geh&#246;ren. Wir laufen Gefahr, eine Mischung aus echten und falschen Reformen, eine zunehmende Verk&#252;nstlichung der Lebensweisen und parallel dazu die Entstehung alternativer Daseinsformen (zwangsl&#228;ufige Notl&#246;sungen f&#252;r die Verschlimmerung der sowohl klimatischen als auch gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse) und die Selbstverwaltung des Elends unter der Regie einer Kombination von einem &#8222;&#252;berf&#252;rsorglichen Staat&#8220; (&lt;i&gt;nanny state&lt;/i&gt;), Sozialkrediten und omnipr&#228;senter &#220;berwachung wie in China und nationalen/ethnischen R&#252;ckschritten, zunehmender Identit&#228;tspolitik usw. zu erleben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3) Auf der Corona&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;spur&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gab &#8222;die Welt nach&#8220; dem Mauerfall oder &#8222;die Welt nach&#8220; dem 11. September 2001; heute sei es jene nach der Covid-19-Pandemie, die eine neue &#196;ra ank&#252;ndige, eine gl&#252;ckliche oder eine desastr&#246;se, oder die sogar &#8211; f&#252;r die Radikalsten oder die Optimistischsten &#8211; endlich die t&#246;dliche Realit&#228;t des Kapitalismus ans Licht bringe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber was &#228;ndert sich wirklich, wenn der Tod in einem solch massiven Ausmass zuschl&#228;gt (am 15. Mai 2021 mehr als 3.3 Millionen Menschen gem&#228;ss Worldometers)? Und was zeigt die staatliche, politische, mediale usw. Behandlung davon?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Wirklichkeit bringt diese Pandemie viel ans Licht, das wir schon wussten, und modifiziert wenig dessen, was die Bourgeois (durch ihre Funktion) und die Proletarier (durch ihre gegenw&#228;rtige Zerschlagung) unf&#228;hig sind, zu &#228;ndern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Ungleichheiten werden in Anbetracht einer sie verschlimmernden Katastrophe noch deutlicher. W&#228;hrend dem &#8222;grossen Winter&#8220; 1709 sterben Hunderttausende Arme den K&#228;lte- und Hungertod, w&#228;hrend in Versailles der Hof in seinen Spitzen &#252;berlebt. Drei Jahrhunderte und eine Industrielle Revolution sp&#228;ter zeigt eine Welt, die sich f&#252;r reich h&#228;lt, ihre soziale und menschliche Armut und vor allem ihre tiefe Logik: Das Wesentliche der Wirtschaft und der Produktion, wenn auch verlangsamt, aufrechterhalten und daf&#252;r die Lohnarbeiter weiterhin zur Arbeit schicken, w&#228;hrend elementare gesundheitliche Massnahmen ergriffen werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einige haben die Verantwortung der kapitalistischen Produktionsweise in der Pandemie dargelegt: Wir werden nicht weiter darauf eingehen. Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts ereigneten sich von elf weltweiten Pandemien f&#252;nf im Verlauf der letzten 20 Jahre. Die Lohnarbeits- und Warenzivilisation hat Covid-19 nicht erschaffen, aber seine Ausbreitung durch die vermehrte Zirkulation der Menschen und G&#252;ter, eine ungesunde urbane Konzentration, die Verarmung der entwurzelten ruralen Massen, eine Agroindustrie, welche die &#220;bertragung von Viren beg&#252;nstigt, eine pathogene Lebensweise und Ern&#228;hrung, welche die Wahrscheinlichkeit f&#252;r &#220;bergewicht, Diabetes und Bluthochdruck erh&#246;hen (was in erster Linie die &#196;rmsten betrifft), und den Abbau der Systeme der sozialen Sicherung in den entwickelt genannten L&#228;ndern beg&#252;nstigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kapitalismus ist ebenfalls todkrank.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Antwort der f&#252;hrenden Eliten auf die &#220;bel, zu deren Erschaffung er beitr&#228;gt, entspricht dem, was sie sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Foch verlangte 1916 100&#8216;000 Handgranaten pro Tag f&#252;r Verdun. Ein Jahrhundert sp&#228;ter hat keine Regierung trotz der ihnen zur Verf&#252;gung stehenden Mittel einen grossen Plan zum Bau von Spit&#228;lern (ausser in China, sagt man) oder zur Ausbildung von medizinischem Personal aufgegleist. Gleichzeitig hat nichts den Abschuss in Richtung Mars des Roboters Perserverance gebremst, &#8222;konzipiert, um Biosignaturen von alten Mikroben zu entdecken, die sich wom&#246;glich vor drei Milliarden Jahren auf diesem Planeten tummelten&#8220;, und man er&#246;ffnete riesige Einkaufszentren. Der Unterschied zwischen 1916 und 2020-2021, zwischen einem europ&#228;ischen Konflikt und einer allgemeinen Pseudomobilisierung f&#252;r die Gesundheit ist, dass ein deutscher Sieg im Ersten Weltkrieg die Interessen der franz&#246;sischen Bourgeoisie und die Macht des franz&#246;sischen Staates getroffen h&#228;tte, w&#228;hrend der Ausbruch einer weltweiten Pandemie seit Anfang 2020 keine Bedrohung f&#252;r die F&#252;hrungsschichten darstellt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist nie das Ziel einer Gesellschaft, ein Maximum an menschlichen Leben zu erhalten, sondern ihr Fortbestand. (Wenn &#252;brigens die Rettung von Leben eine Priorit&#228;t w&#228;re, w&#252;rde man gegebenenfalls entgegen der W&#252;nsche der Bev&#246;lkerungen den Tabak, den Alkohol oder sogar den Zucker verbieten.) Die erste Sorge der Bourgeois ist, dass die Wirtschaft weiterhin l&#228;uft. Jene der Staaten ist, dass die Spit&#228;ler nicht &lt;i&gt;allzu offensichtlich&lt;/i&gt; &#252;berfordert sind: &#8222;[D]ie &#220;berzeugung, dass das Niveau des Drucks auf die Gesundheitssysteme &#8211; eher als die absolute Zahl der Todesf&#228;lle oder Ansteckungen &#8211; der entscheidende Faktor f&#252;r die Ergreifung der auf eine Begrenzung der Mobilit&#228;t der Individuen und, mit ihnen, der Ausbreitung des Virus abzielenden Massnahmen durch die Nationalstaaten sein w&#252;rde [&#8230;]&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-26&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Il lato cattivo.&#034; id=&#034;nh2-26&#034;&gt;26&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl die Verwaltung des Virus tats&#228;chlich einer &#8222;Biopolitik&#8220; auf weltweiter Ebene gleichkommt, ist sie untrennbar mit einer sehr kapitalistischen &#8222;Gesundheitswirtschaft&#8220; verbunden, sie vermischt Buchhaltung und Medizin und in ihr folgt die Verwaltung der Fl&#252;sse den Logiken von Angebot und Nachfrage im Pflegebereich. Was die Unternehmen der Big Pharma betrifft, bef&#252;rchten sie nicht im Geringsten, dass sie verstaatlicht oder dass ihre Impfstoffe zu &#8222;Gemeing&#252;tern&#8220; werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was ist das Leben wert? Unsere Episode 3 erinnerte daran, dass der World Wild Fund die &#8222;ozeanische Schatzkammer&#8220; auf 24&#8216;000 Milliarden Dollar sch&#228;tzt, w&#228;hrend die gelehrten Berechnungen die menschlichen Kosten der durch die Klimaerw&#228;rmung verschlimmerten Naturkatastrophen zwischen 1980 und 2012 auf 2.5 Millionen Menschen sch&#228;tzen, was, gem&#228;ss den Statistikern, 3&#8216;800 Milliarden Dollar entspricht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Das Leben hat keinen Preis&#8220;, sagt man. Im Gegenteil: In einer von Geld beherrschten Gesellschaft ist das Leben ein in Geld messbares Gut und in einer von einer systematischen Verringerung der Produktionskosten bestimmten kapitalistischen Gesellschaft wird das Leben gem&#228;ss einem Kosten-Nutzen-Verh&#228;ltnis beurteilt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Jahr in guter Gesundheit sei scheinbar in den Niederlanden 80&#8216;000 Euro wert. Um den finanziellen Wert einer Intervention oder einer Behandlung zu bestimmen, denken Spitalmanager und Versicherer in QALYs (&lt;i&gt;quality-adjusted life year&lt;/i&gt;), d.h. in gem&#228;ss ihrer Qualit&#228;t beurteilten Lebensjahren: Ein Jahr in &#8222;perfekter Gesundheit&#8220; ist 1 QALY wert, Sterben 0 QALY, und die anderen Gesundheitszust&#228;nde befinden sich dazwischen. In Kanada hat zum Beispiel eine Kosten-Nutzen-Analyse von Natalizumab das dank dieses Medikaments gegen die Multiple Sklerose erhaltene QALY auf 68&#8216;600 Dollar gesch&#228;tzt, verglichen mit &#8222;dem Verzicht auf Behandlung&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wieso sollte sich die Medizin mehr als die Schule oder die Autoindustrie der Kommodifizierung und den Geboten der Rentabilit&#228;t entziehen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Pandemie zeigt die Zerbrechlichkeit eines Systems auf, das f&#228;hig ist, sich zu vertiefen und auszuweiten, aber auch seine F&#228;higkeit, anzudauern. F&#252;r die Bourgeois ist die Gesundheitskrise nicht minder ein Problem als eine L&#246;sung: Sie beschleunigt schon bestehende Tendenzen, obwohl sie zu gewissen bescheidenen Konzessionen verpflichtet. So verteilt man also ein bisschen Einkommen: Das Geld, von dem man uns 2019 wiederholte, dass es nicht vom Himmel falle, tut das pl&#246;tzlich in Form von Krediten. Aber es wird genauso wenig einen neuen Keynesianismus geben, wie die Wahl des 46. Pr&#228;sidenten der USA eine Kurskorrektur ank&#252;ndigt. Die herrschenden b&#252;rgerlichen Schichten &#8211; die Banken, die Finanz, die Multinationalen &#8211; behalten die Macht und &#8222;der freie und unverf&#228;lschte Wettbewerb&#8220; bleibt die Regel.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#214;kologisch wird der Planet 2020 allerh&#246;chstens drei Wochen gewonnen haben: Die provisorische Verlangsamung der Produktion hat den &#8222;Tag der &#220;berschreitung&#8220; um etwas weniger als einen Monat verz&#246;gert, das Datum, an welchem die Menschheit alle Ressourcen konsumiert, welche die &#214;kosysteme in einem Jahr produzieren k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine &#8222;aussergew&#246;hnliche Verz&#246;gerung&#8220;, betonen die Scharfsinnigsten. Keine der Ursachen der Klimaerw&#228;rmung wird durch die Behandlung einer Gesundheitskrise, die selbst Teil der Umweltkrise ist, verringert werden. Der Widerspruch zwischen der kapitalistischen Produktionsweise und ihren nat&#252;rlichen Grundlagen verschlimmert sich. Verschmutzung, Verschlechterung der Biodiversit&#228;t, Entwaldung und Monokultur werden weitergehen und die Entstehung neuer Pathologien beg&#252;nstigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es wird weder zu einer Wende noch zu einem &#246;kologischen &#8222;Aufschwung&#8220; kommen. Betr&#252;bte Geister bereuen die verpasste Gelegenheit. Aber warum und wie h&#228;tten wir sie ergreifen k&#246;nnen? Und wer ist dieses &#8222;wir&#8220;?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was hat Fukushima in zehn Jahren ver&#228;ndert? Die Atomenergie existiert weiterhin und macht sogar Fortschritte in gewissen L&#228;ndern, sie ist faktisch von den Gr&#252;nen anerkannt, ihre prinzipielle Verweigerung hat sich in eine einfache Forderung nach strengeren Normen verwandelt. Zunehmend ist man gar der Meinung, die Atomenergie habe den Verdienst, &#8222;emissionsfrei&#8220; zu sein und zur Senkung des CO2-Ausstosses beizutragen. Parallel dazu verst&#228;rken sich das Wachstum einer energieintensiven Digitalisierung und die Entwicklung hin zu einem reinen Elektrobetrieb. Der &#214;kozid ist noch lange nicht vorbei.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der soziale oder politische Protest geht kaum gest&#228;rkt daraus hervor.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;An der Spitze behaupten die reformistischen Parteien, ihre k&#252;nftige &#8222;&#246;kologische Planung&#8220; f&#252;hre zu 100% erneuerbaren Energien 2050 &#8211; aber sie ziehen keine wirkliche Reduzierung der industriellen Produktion oder des Energiekonsums in Betracht. Es geht immer weniger darum, bez&#252;glich der Ursachen des Klimawandels zu handeln, nur darum, seine Auswirkungen zu d&#228;mpfen. Man versucht nicht, Energie zu sparen, nur gleich viel (oder gar mehr), aber anders zu produzieren. Was die vorhersehbaren Umwelt- und Gesundheitskatastrophen betrifft, ist die vorherrschende Forderung jene nach einer Erh&#246;hung der Gesundheitsbudgets. Das ist gleichbedeutend mit der Reduzierung des Problems auf einen Mangel an &#8211; materiellen und menschlichen &#8211; Mitteln, als ob unsere gesundheitliche Bedingung von wiederherstellenden Strukturen abhinge: Die Gesellschaft begn&#252;gt sich damit, das zu heilen, was sie nicht verhindern kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Grunds&#228;tzlich machen die Kritischsten sehr wohl grossmehrheitlich den Kapitalismus f&#252;r die Pandemie verantwortlich, aber f&#252;r sie w&#228;re die Emanzipation davon gleichbedeutend mit einer Vervielfachung gesellschaftlicher Experimente und lokaler Praktiken der Selbst-Selbstregierung, deren Ausweitung die Logik des Kapitals und die Macht des Staates zunehmend unwirksam machen w&#252;rden. Eine Ver&#228;nderung revolution&#228;ren Ausmasses also &#8211; ohne diesen &#8222;alten Zopf&#8220; namens Revolution.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man hat jenen Strassenausbau f&#252;r die Fahrr&#228;der 2020 zur Entlastung der &#246;ffentlichen Transporte und der Beg&#252;nstigung von Sicherheitsabst&#228;nden und gleichzeitig der F&#246;rderung einer nicht verschmutzenden &#8222;Mobilit&#228;t&#8220; &#8222;Coronaspuren&#8220; genannt. Die Umweltsch&#252;tzer k&#228;mpfen nun daf&#252;r, dass die Coronaspuren, die als provisorisch konzipiert waren, aufrechterhalten und ausgeweitet werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;4) Was von uns abh&#228;ngt&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Schlimmste ist nur f&#252;r die Prediger der Resignation gewiss. Yves Cochet (fr&#252;herer Umweltminister, heute prominenter Zusammenbruchstheoretiker) k&#252;ndigt uns &#8222;einen unumkehrbaren Prozess&#8220; an, &#8222;an dessen Ende die Grundbed&#252;rfnisse (Wasser, Ern&#228;hrung, Wohnen, Kleidung, Energie usw.) der Mehrheit der Bev&#246;lkerung nicht mehr durch gesetzlich garantierte Dienstleistungen befriedigt werden&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seit jeher wiederholten die Verteidiger der herrschenden Ordnung, dass die Ausbeutung, die Unterdr&#252;ckung, die Ungleichheit und der Krieg unausweichlich seien und nur abgemildert werden k&#246;nnen. Sie wenden diesen Diskurs heute auf das Klima an. Entweder bestreiten sie die &#246;kologische Katastrophe oder sie erkl&#228;ren unsere Lage f&#252;r ausweglos. Die Idee eines Fortschrittes, einer verbesserungsf&#228;higen Menschheit wird umgekehrt: Die Geschichte h&#228;tte sich in Richtung des bestm&#246;glichen Ausgangs entwickeln sollen, sie entwickle sich nun in Richtung des schlimmstm&#246;glichen. Der b&#252;rgerliche &#8211; &lt;i&gt;und sozialistische&lt;/i&gt; &#8211; Messianismus erliegt den Prophezeiungen des Ungl&#252;cks. Die materielle (und somit intellektuelle, affektive, spirituelle&#8230;) Verbesserung war durch die Gesetze der Geschichte garantiert, nunmehr wird einzig die Katastrophe versprochen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die politische Moral bleibt ihrerseits unver&#228;ndert. Im 19. und dann im 20. Jahrhundert musste man die b&#252;rgerliche Herrschaft im Namen des Optimismus bez&#252;glich Wachstum akzeptieren, denn was auch immer die Probleme sein m&#246;gen, f&#252;r den Kapitalismus ist nichts unm&#246;glich. Im 21. Jahrhundert m&#252;sste man ihn im Namen des Pessimismus hinsichtlich eines m&#246;glichen Zusammenbruches akzeptieren, denn was auch immer die &#220;bel sind, die uns erwarten m&#246;gen, nur der Kapitalismus und seine F&#252;hrer werden sie beseitigen k&#246;nnen, mehr oder weniger gut oder schlecht, aber alles ist besser als Chaos.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r fast die gesamte (b&#252;rgerliche oder proletarische) Bev&#246;lkerung ist heute eine tiefe Zerst&#246;rung der Erde einfacher vorstellbar als ein Bruch mit dem Kapitalismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl das menschliche Handeln wahrscheinlich einer der Hauptfaktoren f&#252;r die klimatische, geologische usw. Entwicklung geworden ist, bedeutet das nicht, dass seine Folgen nunmehr unumkehrbar w&#228;ren. Alles wird von der F&#228;higkeit der Proletarier abh&#228;ngen, zu unterscheiden zwischen dem, was nicht von ihnen, da Produkte vergangener und gegenw&#228;rtiger Niederlagen, und dem, was von ihnen abh&#228;ngt, da es durch ihre Reaktion ver&#228;nderbar ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;5) Revolution&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Tarente in Apulien lief das gr&#246;sste Stahlwerk Europas (der Ilva-Gruppe), es war der erste Arbeitgeber der Stadt und verantwortlich f&#252;r eine aussergew&#246;hnliche Todesrate aufgrund der durch die Hoch&#246;fen verursachte Verschmutzung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vor etwa zehn Jahren f&#252;hrt die weltweite Krise der Stahlindustrie dazu, dass Ilva das immer weniger rentable Werk progressiv schliesst und die Proletarier stehen vor der Alternative, &#8222;an Hunger&#8220; da arbeitslos oder &#8222;an Krebs&#8220; bei der Arbeit &#8222;zu krepieren&#8220;. Am 2. August 2010 wird ein von den Gewerkschaften und den lokalen Beh&#246;rden organisiertes Treffen mit dem Motto &#8222;Retten wir unsere Arbeitspl&#228;tze&#8220; (angeblich die Politik des geringeren &#220;bels) von mehreren Hundert Personen gest&#246;rt, die ein &#8222;Freies und bewusstes B&#252;rger- und Arbeiterkomitee&#8220; ins Leben rufen und zugleich die Schliessung des Stahlwerks und die Kosten&#252;bernahme durch die Ilva f&#252;r die Behebung der durch sie verursachten menschlichen und Umweltsch&#228;den fordern. Das Komitee organisiert sich autonom gegen&#252;ber den gewerkschaftlichen und politischen Apparaten. Gem&#228;ss den Worten einer Einwohnerin von Tarente: &#8222;Es ist, als ob wir unser Schicksal wieder in die eigenen H&#228;nde genommen h&#228;tten.&#8220; Einige Jahre sp&#228;ter spielt Arcelor-Mittal mit dem Gedanken, die Fabrik aufzukaufen (unter der Bedingung, dass der italienische Staat f&#252;r die Sanierung aufkommt), sieht davon ab und das Personal wird nach und nach entlassen. Das Komitee &#252;berlebt und denkt &#252;ber Aktivit&#228;ten nach, die jene der Fabrik ersetzen k&#246;nnten (die Renovation der Altstadt, die Restaurierung der antiken griechischen Ruinen, die Wiederbelebung der Fischerei), Projekte, deren Verwirklichung voraussetzen w&#252;rde, dass anderswo Mobilisierungen einer anderen Art entst&#252;nden, welche die gemeinsame Wurzel der verschiedenen Situationen angehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In vielen F&#228;llen hat die Desertion von abstumpfenden Arbeitspl&#228;tzen die Unterbrechung der sowohl f&#252;r die Ausgebeuteten als auch f&#252;r die Umwelt sch&#228;dlichen Produktionen zur Folge. Im Iran von 1979 hatten die Proletarier selbst, indem sie massiv die menschlich nutzlosen Industrien verliessen, ein so sehr von den radikalen Umweltsch&#252;tzern herbeigew&#252;nschtes &lt;i&gt;Postwachstum&lt;/i&gt; begonnen. Die Streikwelle hatte sogar &#8222;dem Himmel wieder seine Farbe zur&#252;ckgegeben&#8220;, berichtete ein Zeuge, &#8222;durch den Unterbruch der wirtschaftlichen Aktivit&#228;t. Die Revolution war vor&#252;bergehend st&#228;rker als die Verschmutzung.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt und wird immer mehr als &#8222;&#246;kologische&#8220; bezeichnete K&#228;mpfe geben, sie verlieren h&#228;ufig und gewinnen manchmal &#8211; es sind auch &lt;i&gt;sozial&lt;/i&gt;&lt;i&gt;e&lt;/i&gt; K&#228;mpfe gegen die Verschlechterung der Arbeits- und Lebensbedingungen: Widerstand eines &#8222;Waldvolkes&#8220; in Brasilien gegen die Entwaldung des Amazonas, Ecuadorianer, welche die bergbauliche Ausbeutung ihres Territoriums ablehnen, Revolte der birmanischen Landwirte, die wegen des Baus einer Pipeline enteignet worden sind, Mobilisierung eines Dorfes in China gegen eine Fabrik, die ihre Abf&#228;lle ins Meer leitet, Aufstand enteigneter Bauern, &#8222;Durst-Proteste&#8220; in Marokko, Blockierung des Transports nuklearer Abf&#228;lle, Krawalle im Irak f&#252;r den Zugang zu Trinkwasser&#8230; Alles K&#228;mpfe, die dazu tendieren, die Unterscheidung zwischen &#8222;&#246;kologisch&#8220; und &#8222;sozial&#8220; zu &#252;berwinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Akte des Widerstands sind defensiv und versuchen h&#228;ufig, eine Gemeinschaft kleiner Produzenten wiederherzustellen, die durch die neuen zeitgen&#246;ssischen &#8222;enclosures&#8220; enteignet worden sind. Wenn sie mit einer gesellschaftlichen Umstrukturierung begannen, bem&#228;chtigten sich die vergangenen Erfahrungen (die Pariser Kommune und die russische und spanische Revolution sind die bekanntesten davon) der Werkst&#228;tten, Fabriken, Z&#252;ge und des Landes &#8211; um sie in mehr oder weniger kollektiver Verwaltung zu reaktivieren. Aber man zahlte weiterhin (manchmal gleiche) L&#246;hne aus und mass weiterhin den produktiven Beitrag &#8211; die Produktivit&#228;t also &#8211; von jedem, indem seine Arbeitszeit gez&#228;hlt wurde, um die Produktion zu steigern. Das ging einher mit dem Fortbestand der Trennung in &lt;i&gt;Unternehmen&lt;/i&gt;, jedes davon wurde aufgrund seiner buchhalterischen Bilanz evaluiert. Die Aufrechterhaltung der Lohnarbeit und des Unternehmens &#8211; zwei charakteristische kapitalistische Z&#252;ge &#8211; wurde mit der Notwendigkeit einer gegen&#252;ber einer zu allem bereiten Konterrevolution unentbehrlichen produktiven Effizienz gerechtfertigt. Genau das war hingegen die Ursache des Scheiterns: Eine Revolution, die dem Proletarier allen voran eine Rolle als Arbeiter, wenn auch &#8222;assoziiert&#8220;, anbietet, definiert durch seinen Auftrag f&#252;r die Produktion und seinen Beitrag dazu, ist unf&#228;hig, jene breiten Massen anzuziehen, welche f&#252;r ihre Ausweitung und dann ihren Erfolg notwendig (aber nicht hinreichend) sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Heute sind es weder eine autonom gewordene Megamaschine noch eine den Menschen inh&#228;rente Masslosigkeit, die zur &#8222;(maximalen) Entwicklung der Produktivkr&#228;fte&#8220; dr&#228;ngen, es ist die Konkurrenz zwischen Unternehmen. Indem er mit der Messung des individuellen Beitrages und der Existenz rivalisierender Wertpole brechen w&#252;rde, w&#252;rde ein kommunistischer Aufstand faktisch mit einem &#8222;&#246;kologischen &#220;bergang&#8220; beginnen, besonders durch die Einf&#252;hrung neuer Arten der Produktion und der Nutzung der Energie. Der Gedanke, dass, wenn die M&#228;nner und Frauen sich mehr oder weniger &#252;berall ihrer Existenzmittel bem&#228;chtigt haben werden, sie naheliegende Energiequellen und -formen priorisieren w&#252;rden, und nicht weit weg von ihnen produzierte Infrastrukturen, die sie nicht kontrollieren k&#246;nnen, ist alles andere als utopisch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Soweit sind wir noch nicht, doch wir kennen Versuche, nicht nur um ohne Geld zu produzieren und zu leben, sondern f&#252;r eine produktive Aktivit&#228;t, die nicht &lt;i&gt;nur&lt;/i&gt; produktiv ist (das sie in Form von &lt;i&gt;Arbeit&lt;/i&gt; ist und sie definiert). Nach der argentinischen Krise 2001 haben gewisse Piqueteros Produktionen aufgebaut, deren einziges Ziel nicht das Produkt war. In einer B&#228;ckerei waren die Brote, die aus dem Ofen kamen, das Resultat neuer zwischenmenschlicher Beziehungen, deren Aktivit&#228;t, unter anderen, jene einer B&#228;ckerei waren, doch die Produktionsst&#228;tte war gleichzeitig eine Lebenswelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie jener des vorhergehenden Kapitels war dieser theoretische Umweg notwendig. Das Ende des Produktivismus und des Hyperkonsums (von &#8222;Waren, die nur Sklaven brauchen&#8220;, sagte William Morris) ist inkompatibel mit der Existenz einer Welt, in welcher das Unternehmen, die Lohnarbeit, die Ware und die Produktivit&#228;t (auch abgemildert und demokratisiert) fortbestehen w&#252;rden. Die (politische) &#8222;Konvergenz&#8220; der &#8222;K&#228;mpfe&#8220; ihrerseits, die nur eine Gegen&#252;berstellung von Rot und Gr&#252;n w&#228;hrend einer Demo oder eines Wahlprogramms ist, hat nichts mit der die kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse beseitigenden Revolution zu tun.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;6) ...kein Motiv f&#252;r Hoffnungslosigkeit&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Niemand weiss, ob vor dem Ende des Jahrhunderts die Durchschnittstemperatur um 2, 3 oder 5 Grad gestiegen oder wie weit der Meeresspiegel 2049 angestiegen sein wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Verantwortung eines Menschengeschlechts, das seit zwei Jahrhunderten unter dem industriellen Kapitalismus lebt, ist hingegen gewiss.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Genau wie es gewiss ist, dass die Kapitale weiterhin Kohle-, &#214;l- und Gasreserven ausbeuten werden, solange sie wirtschaftlich rentabel bleiben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir wissen vor allem, dass kein gr&#252;ner Kapitalismus, kein heute konzipierbarer &#214;kokapitalismus die Hyperproduktion und somit den Hyperkonsum beenden wird, die f&#252;r dieses Produktionssystem notwendig sind. Was sich abzeichnet &#8211; unter anderem die Tendenz hin zu einem komplett digital verwalteten, reinen Elektrobetrieb &#8211; wird die &#246;kologischen Zerst&#246;rungen etwas abmildern, ohne ihre Ursachen zu beseitigen. Die Frage ist nicht das Mass an Pr&#228;zision der Vorhersagen, sondern die K&#228;mpfe und Praktiken, welche die Proletarier gegen&#252;ber dieser Welt ins Feld f&#252;hren und f&#252;hren werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Heute scheinen die Widerst&#228;nde, die Konfrontationen, die Klassenantagonismen weit davon entfernt, eine g&#252;nstige Situation f&#252;r die revolution&#228;re &#220;berwindung des Kapitalismus zu erschaffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Heute gewiss. Doch es geht uns nicht darum, zu erraten, ob die Chancen auf eine siegreiche Revolution bei 10% oder 1% stehen. Denn es ist wahr, dass &#8222;es etwas L&#228;cherliches dabei gibt, von der Revolution zu sprechen [&#8230;] Noch viel l&#228;cherlicher aber ist ALLES ANDERE, da es sich um das Bestehende handelt und um die verschiedenen Formen seiner Duldung&#8220;, sagten die Situationisten. Die moderne kommunistische Theorie begann in den 1840er Jahren, sich auszudr&#252;cken, das ist schon bald zwei Jahrhunderte her, aber, bekr&#228;ftigte Fourier 1816, &#8222;Versp&#228;tungen sind kein Motiv f&#252;r Hoffnungslosigkeit&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;G. D., Mai 2021&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Artikel ist die letzte Episode in der Reihe &#8222;Kartoffeln gegen Wolkenkratzer. Zur &#214;kologie&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Literaturverzeichnis&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zitat des spanischen Gewerkschafters: Dos Passos, &lt;i&gt;Rosinante to the Road again&lt;/i&gt; (1922), Skomlin, 2011.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zur &#8222;Kleinen Eiszeit&#8220;: &lt;i&gt;Global Crisis. War, Climate Change and Catastrophe in the 17th Century&lt;/i&gt;, Yale University Press, 2013. Eine detaillierte Vergleichsstudie aller betroffenen Regionen auf dem ganzen Planeten. Eine kurze Rezension gibt es &lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=1110&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;hier&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;H. G. Wells, &lt;i&gt;Der Luftkrieg&lt;/i&gt; (1907), Henricus, 2022.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Troploin, &lt;a href=&#034;https://troploin.fr/node/26&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Demain, orage. Essai sur une crise qui vient&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, 2007.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;David Wallace-Wells, &lt;i&gt;Die unbewohnbare Erde: Leben nach der Erderw&#228;rmung&lt;/i&gt;, Ludwig, 2019.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tristan Leoni und C&#233;line Alkamar, &#8222;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=2774&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quoi qu'il en co&#251;te. Le virus, l'&#201;tat et nous&lt;/a&gt;&#8220;, April 2020.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;G. D., &#8222;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=2980&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Virus, le monde aujourd'hui&lt;/a&gt;&#8220;, September 2020.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Il lato cattivo, &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Il-lato-cattivo-Noch-mal-zu-Covid-19-und-daruber-hinaus&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;&lt;/a&gt;&lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Il-lato-cattivo-Noch-mal-zu-Covid-19-und-daruber-hinaus&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Noch mal zu Covid-19 und dar&#252;ber hinaus&lt;/a&gt;&lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Il-lato-cattivo-Noch-mal-zu-Covid-19-und-daruber-hinaus&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8220;&lt;/a&gt;, Februar 2021. Situation und Entwicklung des Kapitalismus in Anbetracht der Pandemie, geopolitische Faktoren &#8211; eine sehr gute Er&#246;rterung. &#8222;Entgegen weit von jeglichem Realit&#228;tsprinzip entfernten hypersubjektivistischen Sichtweisen ist keine Konkretisierung der kommunistischen Perspektive in Europa ohne Bruch der gesellschaftlichen Gleichgewichte in seinem produktiven Kern m&#246;glich.&#8220; Im Zentrum dieses produktiven Kerns, so zeigt es der Text auf, ist Deutschland.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ernest Silva, &#8222;Quelques r&#233;flexions sur la catastrophe en cours&#8220;, April 2021.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r eine Zusammenfassung der verschiedenen zeitgen&#246;ssischen Illusionen, die eine nicht minder totale als friedliche Umw&#228;lzung versprechen: &lt;a href=&#034;http://mouais.org/wp-content/uploads/2020/05/Mouais7-2025-apr&#232;s-la-r&#233;volution-VF3_compressed.pdf&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;2025. Apr&#232;s la r&#233;volution&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Riesendemos, Hungeraufst&#228;nde, Ausweitung autonomer Zonen, B&#246;rsencrash, Zusammenbruch der Banken, Machtlosigkeit der Regierungen in Anbetracht des gesellschaftlichen Drucks &#8211; all das f&#252;hre ohne exzessive Gewalt zu einer direkten Demokratie, einer verallgemeinerten Selbstverwaltung, einem libert&#228;ren Munizipalismus und einem auf den gesamten Mittleren Osten ausgeweiteten Rojava. Die Krise 1929 hatte nicht zum Zusammenbruch des weltweiten Systems gef&#252;hrt: Eine Pandemie wird daf&#252;r ausreichen. Den Autoren fehlt es nicht an Humor, in der Regel unfreiwillig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum Stahlwerk von Tarente: &lt;i&gt;An A to Z of Communisation&lt;/i&gt;, &#167; &#8222;&lt;a href=&#034;https://troploin.fr/node/87&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Ecology&lt;/a&gt;&#8220;, 2015.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum Iran 1979: Tristan Leoni, &lt;a href=&#034;https://entremonde.net/la-revolution-iranienne&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;La R&#233;volution iranienne. Notes sur l'islam, les femmes et le prol&#233;tariat&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Entremonde, 2019.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;William Morris, &lt;a href=&#034;https://williammorristexte.com/2013/03/22/die-gesellschaft-der-zukunft/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Die Gesellschaft der Zukunft&#8220;&lt;/a&gt;, 1887.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu dem, was eine kommunistische Revolution tun w&#252;rde, verweisen wir einmal mehr auf Bruno Astarian, &lt;a href=&#034;http://www.hicsalta-communisation.com/textes/activite-de-crise-et-communisation-5&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Activit&#233; de crise et communisation&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, 2010.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und auf unser &lt;a href=&#034;https://entremonde.net/telechargement197&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;De la crise &#224; la communisation&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Entremonde, 2017, Kapitel &#8222;L'insurrection cr&#233;atrice&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zitat der Situationistischen Internationale aus dem Artikel &#8222;Instruktionen f&#252;r eine Parade&#8220;, Nr. 6, 1961.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Fourier, &lt;i&gt;Aus der neuen Liebeswelt&lt;/i&gt; (1816), Wagenbach, 1967.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzung von &lt;i&gt;London Calling&lt;/i&gt;:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Eiszeit bricht herein, die Sonne kommt n&#228;her,&lt;br class='manualbr' /&gt;Die Maschinen kommen zum Stillstand und die Getreideernte wird schlecht,&lt;br class='manualbr' /&gt;Ein Nuklearunfall, aber ich habe keine Angst.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und falls das sch&#246;ne Venedig unter den Wassern verschwinden w&#252;rde? Vor den Ruinen der bombardierten Kathedrale von Reims sagte Felix Vallotton: &#8222;Wir werden etwas anderes tun, das ist alles, und es wird es wert sein.&#8220; Tagebuch, 10. M&#228;rz 1915.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://ddt21.noblogs.org/?page_id=3254&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb2-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Il programma comunista&lt;/i&gt;, Nr. 5, 5.-19. M&#228;rz 1954.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;J&#233;r&#233;mie Cravatte, &lt;i&gt;L'effondrement, parlons-en... - Les limites de la &#8222;collapsologie&#8220;&lt;/i&gt;, 2019.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Marx, &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Bd. 1, 1867 in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 23, S. 529-530.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Engels, &lt;i&gt;Dialektik der Natur&lt;/i&gt;, 1883 in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 20, S. 452-453.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 453-455.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Marx, &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Bd. 3 in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 25, S. 821.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Amadeo Bordiga, &#8222;Piena e rotta della civilt&#224; borghese&#8220;, 1952.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Amadeo Bordiga, &#8222;Specie umana e crosta terrestre&#8220;, 1952.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Amadeo Bordiga, &#8222;Politica e &#8218;costruzione&#8216;&#8220;, 1952.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Il Programma comunista&lt;/i&gt;, Nr. 6, 19. M&#228;rz &#8211; 2. April 1954.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Karl Marx, &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Bd. 1 in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 23, S. 618-621.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Philippe Bihouix.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;a href=&#034;https://entremonde.net/de-la-crise-a-la-communisation&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;De la crise &#224; la communisation&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Pour &#233;viter le chaos climatique et financier&lt;/i&gt;, Seuil, 2017.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Andreas Malm.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;SI, Nr. 7, 1962.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Andreas Malm, &#8222;The Anthropocene Myth&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;J&#233;r&#233;mie Cravatte.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Opuscules de philosophie sociale&lt;/i&gt;, 1819-1826.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Pourquoi tout va s&#8216;effondrer&lt;/i&gt;, Les Liens qui lib&#232;rent, 2018.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Kapitel 8, &#167; 7.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Kapitel 21, &#167; 1 und 2.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-23&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-23&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;23&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Anti-D&#252;hring&lt;/i&gt;, 1878.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-24&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-24&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-24&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;24&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Das Elend der Philosophie&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-25&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-25&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-25&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;25&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Walter Benjamin, &lt;i&gt;Das Passagen-Werk&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-26&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-26&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-26&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;26&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Il lato cattivo.&lt;/p&gt;
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