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		<title>Roland Simon &#8211; Zur Kommunisierung</title>
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&lt;p&gt;Der Versuch einer Definition der Kommunisierung bedeutet, sich an ein Konzept im Werden heranzuwagen. Eher als um eine Ausarbeitung einer Definition geht es um eine Abgrenzung der Angriffswinkel. &lt;br class='autobr' /&gt;
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		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Der Versuch einer Definition der Kommunisierung bedeutet, sich an ein Konzept im Werden heranzuwagen. Eher als um eine Ausarbeitung einer Definition geht es um eine Abgrenzung der Angriffswinkel.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Programmatismus ist hinf&#228;llig&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mein Ausgangspunkt ist das Konzept des Programmatismus. Der Programmatismus beruht auf einer Praxis und einem Verst&#228;ndnis des Klassenkampfes, wonach eine der Klassen, das Proletariat, in ihrer Situation die Grundlage der &#220;berwindung des Widerspruchs und der gesellschaftlichen Organisation der k&#252;nftigen Gesellschaft findet. Ihre Aktivit&#228;t im Klassenkampf und diese Organisation werden also zu einem zu verwirklichenden &lt;i&gt;Programm&lt;/i&gt;. Im Klassenkampf zwischen dem Proletariat und dem Kapital ist das Proletariat das positive Element, das den Widerspruch aufbrechen l&#228;sst, die Revolution ist also &lt;i&gt;die Affirmation des Proletariats&lt;/i&gt;: Diktatur des Proletariats, Arbeiterr&#228;te, &#220;bergangsphase, absterbender Staat, verallgemeinerte Selbstverwaltung, &#8222;Gesellschaft der assoziierten Produzenten&#8220; usw. Die Aufl&#246;sung des Widerspruchs wird durch einen der Begriffe desselben dargestellt. Das Proletariat ist von einem &lt;i&gt;revolution&#228;ren Wesen&lt;/i&gt; beseelt, das es widerspr&#252;chlich zum Kapital macht, sich je nach mehr oder weniger reifen historischen Bedingungen anpassend und als Elemente eines Programms dekliniert. Der Widerspruch ist also nicht mehr das kapitalistische gesellschaftliche Verh&#228;ltnis selbst, zu deren Abschaffung das Proletariat, aufgrund seiner Situation darin, veranlasst ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Programmatismus ist nicht nur eine Theorie, sondern vor allem die Praxis des Proletariats, die darin besteht, dass die Erstarkung der Klasse in der kapitalistischen Produktionsweise (von der Sozialdemokratie bis zur Ultralinken) auf positive Art und Weise das Trittbrett der Revolution und des Kommunismus ist, letztere sind bloss das Hinauswachsen &#252;ber sich selbst und die Vollendung derselben. Er ist die Praxis des Proletariats vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis Ende der 1960er Jahre. Da er jedoch auf essenzielle Art und Weise mit der formellen Subsumtion der Arbeit unter das Kapital verbunden ist, &#8222;zerf&#228;llt&#8220; er in der ersten Phase der reellen Subsumtion.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die in den 1970er Jahren begonnene Restrukturierung der kapitalistischen Produktionsweise beendet diese Situation und eine neue Struktur sowie ein neuer Inhalt des Widerspruchs, der Ausbeutung, definieren nun den neuen Kampfzyklus. Ich werde also nicht ausgehend von einem unver&#228;nderlichen Wesen der Revolution und des Kommunismus, dem man sich mehr oder weniger kurz und total im Verlauf der Geschichte angen&#228;hert habe, von der Kommunisierung sprechen, sondern ausgehend von dieser neuen Situation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Restrukturierung und neuer Zyklus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf die knappstm&#246;gliche Weise definiere ich das Resultat der Restrukturierung als den Widerspruch zwischen dem Proletariat und dem Kapital als sich auf der Ebene der Reproduktion der Produktionsweise und somit der Reproduktion der Klassen und ihres Verh&#228;ltnisses verknotend. Folglich bringt das Proletariat, im Rahmen der Ausbeutung im Widerspruch zum Kapital stehend, in diesem Verh&#228;ltnis keine Best&#228;tigung seiner selbst gegen&#252;ber dem Kapital mehr hervor. Das &lt;i&gt;Problem&lt;/i&gt; in seinem Kampf als Klasse ist, in seinem Widerspruch zum Kapital, seine eigene Infragestellung, seine eigene Abschaffung. Daraus resultiert eine wahrhaft unglaubliche Situation. Einerseits k&#228;mpft das Proletariat nur t&#228;glich und ist nur eine revolution&#228;re Klasse in seiner strikten Definition als Klasse dieser Produktionsweise; andererseits l&#228;uft die Grenze all seiner gegenw&#228;rtigen K&#228;mpfe immer darauf hinaus, eine Klasse zu sein und als solche zu handeln. Das ist die Dynamik und gleichzeitig die Grenze dieses Kampfzyklus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Dezember 1995 im Kampf der Papierlosen, der Arbeitslosen, der Hafenarbeiter Liverpools, bei Cellatex, Alstom, Lu, Marks and Spencer usw. erscheint diese oder jene Eigenschaft des Kampfes im Verlauf des Kampfes selbst insofern als Grenze, als diese besondere Eigenschaft (&#246;ffentlicher Dienst, Nachfrage nach Arbeit, Verteidigung des Arbeitswerkzeuges, Verweigerung der Delokalisierung, der rein finanziellen Verwaltung usw.), mit welcher die Bewegung zusammenprallt, h&#228;ufig begleitet von Spannungen und inneren Konfrontationen im Rahmen ihres R&#252;ckgangs, immer auf die Tatsache hinausl&#228;uft, eine Klasse zu sein. Wenn in diesem Zyklus die Grenze jedes Kampfes grundlegend die Tatsache ist, als Klasse zu handeln, ist sie somit inh&#228;rent und wird immer notwendigerweise auf je nach Kampf spezifische Weise und gem&#228;ss den Modalit&#228;ten der Reproduktion der kapitalistischen Produktionsweise, dessen Klasse das Proletariat ist, existieren (es verhielt sich nicht so, solange das Proletariat dem Kapital eine Reorganisation der Gesellschaft auf der Grundlage dessen, was es in der Gesellschaft war, entgegensetzen konnte).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn wir t&#228;glich feststellen k&#246;nnen, dass jeder Kampf gegen das st&#246;sst, was ihn als Handlung der Klasse konstituiert, verh&#228;lt es sich anders betreffend der Transformation dieses zur Grenze gewordenen &#8222;Handelns als Klasse&#8220; in die &lt;i&gt;Infragestellung&lt;/i&gt; durch das Proletariat seines eigenen Verh&#228;ltnisses zum Kapital: die Kommunisierung. Das heisst die Transformation von etwas, das sich bis anhin in der Reproduktion des Kapitals aufl&#246;st, in etwas, das aktiv im Kampf der Klasse eine Infragestellung durch das Proletariat seiner eigenen Situation als Klasse ist. Fl&#252;chtige Einblicke gaben uns die &#8222;Bewegung der direkten Aktion&#8220;, der Kampf der Arbeitslosen und Prek&#228;ren, ein Indiz daf&#252;r zeigt sich in den Transformationen der Klassenzusammensetzung des Proletariats, aber die &#8222;Infragestellung&#8220; ist noch weitgehend eine &lt;i&gt;theoretische Ableitung&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Ableitung erfolgt auf folgender Grundlage:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; des Zusammenbruchs jeglicher Perspektive der Erstarkung, Affirmation und Befreiung des Proletariats;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; der gegenw&#228;rtigen Grenze aller K&#228;mpfe in der Tatsache selbst, ein Kampf der Klasse zu sein, eine Grenze, welche die Dynamik dieser K&#228;mpfe darstellt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; der Neuzusammensetzung des Proletariats;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; des Inhalts und der Struktur des Widerspruchs zwischen dem Proletariat und dem restrukturierten Kapital (Widerspruch auf der Ebene der Reproduktion: Im Widerspruch zum Kapital zu stehen, ist gleichbedeutend mit der Tatsache, im Widerspruch zu seiner eigenen Reproduktion als Klasse zu stehen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sobald der Klassenkampf auf der Ebene der Reproduktion situiert ist, kann und will das Proletariat in keinem Kampf mehr bleiben, was es ist. Es handelt sich nicht zwingend um aufsehenerregende Aussagen oder &#8222;radikale&#8220; Aktionen, sondern um alle Praktiken der &#8222;Flucht&#8220; oder Verneinung der Proletarier gegen&#252;ber ihrer eigenen Bedingung, in den selbstm&#246;rderischen K&#228;mpfen der Firma Cellatex, im Streik von Vilvoorde oder vielen anderen, wo sich herausstellt, dass das Proletariat getrennt vom Kapital nichts ist und dass es nicht dieses Nichts bleiben kann (dass es seine Vereinigung mit dem Kapital fordert, bringt den Graben, ge&#246;ffnet durch den Kampf, die Anerkennung und die Verweigerung des Proletariats seiner selbst als diesen Graben, nicht zum Verschwinden). Im gegenw&#228;rtigen Verlauf der K&#228;mpfe ist zwar die Infragestellung nur eine theoretische Ableitung, aber sie ist auch viel mehr als das.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der gegenw&#228;rtige Kampfzyklus ist die Aufl&#246;sung des R&#228;tsels des Kampfes der Klasse: Wie kann eine strikt als Klasse handelnde Klasse die Abschaffung aller Klassen sein? Diese Aufl&#246;sung ist die Kommunisierung, abgeleitet von diesem Kampfzyklus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Revolution ist Unmittelbarkeit des Kommunismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kern des Konzepts der Kommunisierung ist ein einziger Punkt: Die Revolution als Abschaffung des Kapitals ist nicht eine Vorbedingung f&#252;r den Aufbau des Kommunismus, sie kann nur als unmittelbarer Aufbau des Kommunismus erfolgreich sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist wahr, dass es Probleme gibt, die nicht &#8222;von heute auf morgen&#8220; gel&#246;st werden k&#246;nnen, sie sind sehr wohl real. Die Tatsache jedoch, dass der Kommunismus anfangs Probleme l&#246;sen muss, die er vom Kapitalismus geerbt hat (Ungleichheiten in der Entwicklung, qualitative Transformation der Produktionsinstrumente, Eliminierung gef&#228;hrlicher Anlagen, Dekonzentration der Bev&#246;lkerung, Beseitigung in seinen materiellen &#8211; im Raum eingeschriebenen &#8211; Formen des Gegensatzes zwischen Stadt und Land, &#8222;Rehabilitierung&#8220; ehemals landwirtschaftlicher oder &#8222;nat&#252;rlicher&#8220; Fl&#228;chen), erschafft deswegen nicht eine Periode oder Aktivit&#228;ten, im Rahmen welcher er nicht gem&#228;ss dem, was er ist, gem&#228;ss seinem eigenen Wesen &#8222;funktionieren&#8220; k&#246;nnte, bis ein gewisses Entwicklungsstadium erreicht sein w&#252;rde, das ohnehin nicht festgelegt werden kann. Der Kommunismus ist nicht das Ende der Geschichte, er muss Probleme l&#246;sen, die er von der kapitalistischen Produktionsweise, und vielleicht sogar, w&#228;hrend dieses Moments des Bruches mit der ganzen vorhergehenden Geschichte der Entfremdung, solche, die er von vorhergehenden Produktionsweisen geerbt hat (die Frage w&#252;rde es verdienen, gestellt zu werden). Er wird selbst seine eigenen Probleme festlegen, Gegens&#228;tze und Dynamiken erzeugen, diese Probleme und diese Dynamik sind Teil der Spannung hin zur Autonomisierung der Gemeinschaft insoweit, als die gesellschaftliche Unmittelbarkeit des Individuums eine Gesamtheit an Verh&#228;ltnissen und nicht eine jedem Individuum inh&#228;rente Essenz ist. Es ist in diesem Verh&#228;ltnis zwischen der Spannung hin zur Autonomisierung der Gemeinschaft und der Diversit&#228;t, in welchem der Kommunismus existiert und sich als Geschichte abzeichnet. Der Kommunismus ist die menschliche Gemeinschaft in permanentem Aufbau und permanenter Spannung zwischen der Universalit&#228;t und der Diversit&#228;t, denn es gibt f&#252;r sie kein abstraktes Richtmass zwischen den verschiedenen Aktivit&#228;ten (auch diesbez&#252;glich ist der Kommunismus nicht eine x-te Version der &#8222;transparenten Gesellschaft&#8220;). Aber was auch immer diese Probleme sein m&#246;gen, die geerbten oder die eigenen, wird er von Anfang an auf seinen eigenen Grundlagen funktionieren, sonst wird er nicht bestehen k&#246;nnen. Mit der Revolution werden jegliche vorhergehende gesellschaftliche Determinierung als zu reproduzierender Zwang (die Klassenzugeh&#246;rigkeit), jegliche fr&#252;here zu reproduzierende Voraussetzung, den Verh&#228;ltnissen vorausgehend, welche die Individuen als Individuen zwischen ihnen bei gleichzeitiger Definition ihrer Bed&#252;rfnisse definieren, deren Befriedigung und die Modalit&#228;ten derselben abgeschafft. Die Abschaffung der Klassen ist sowohl gleichbedeutend mit der Abschaffung der Aktivit&#228;t als Subjektivit&#228;t als auch ihres Ergebnisses als Objektivit&#228;t ihr gegen&#252;ber, in diesem Zusammenhang ist die Abschaffung der Lohnarbeit jene der Arbeit. Der von der kommunistischen Revolution erschaffene &#220;berfluss ist nicht auf der Ebene des Habens, sondern auf jener des Zusammenseins, der Gemeinschaft. All das wird in der Bewegung der Revolution selbst hervorgebracht, es ist geradezu ihr Inhalt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn man Probleme mit den ersten Etappen des Kommunismus hat und anf&#228;ngt, den &#8222;&#228;ngstlichen Realisten&#8220; mit Ausdr&#252;cken wie &#8222;es geschieht nicht von heute auf morgen&#8220; zu spielen, dann bedeutet das, dass man Probleme hat mit der Konzeption der Revolution, die weiterhin auf der von der objektiven Entwicklung der Produktivkr&#228;fte gelieferten Grundlage, wovon das Proletariat Teil ist, und ihrer Befreiung von der kapitalistischen Kleinlichkeit basiert. Was man meistens als &lt;i&gt;in den ersten Etappen des Kommunismus&lt;/i&gt; zu l&#246;sende Fragen betrachtet, sind in Wirklichkeit in den h&#228;ufigsten F&#228;llen nur kommunistische Massnahmen, welche die Proletarier &lt;i&gt;im Verlauf der Revolution&lt;/i&gt; ergreifen werden m&#252;ssen, dies, weil letztere nicht auf einen Kampf des Kommunismus gegen das Kapital hinausl&#228;uft, sondern &lt;i&gt;die Hervorbringung des Kommunismus vermittelt durch seinen reellen Gegensatz zum Kapital&lt;/i&gt; ist. Pragmatische und taktische Massnahmen im Verlauf der Revolution. Die Abschaffung des Werts oder des Staates, die Erschaffung neuer Verh&#228;ltnisse, deren Inhalt die gesellschaftliche Unmittelbarkeit des Individuums ist, d.h. die Beziehung zwischen Individuen in ihrer Singularit&#228;t, sind taktische Kampfmassnahmen der Proletarier in der Revolution gegen das Kapital.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Unmittelbarkeit ist kein Immediatismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber Obacht, wenn wir mit dem Finger auf der Karte den zu gehenden Weg vorzeichnen, sind wir deswegen noch lange nicht am Ziel angekommen; es ist im Klassenkampf dieses Kampfzyklus, worin das R&#228;tsel auftaucht und gel&#246;st werden muss. Die &lt;i&gt;Unmittelbarkeit&lt;/i&gt; des Kommunismus ist nicht sein &lt;i&gt;Immediatismus&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Immediatismus des Alternativismus oder der &#8222;Bewegung der direkten Aktion&#8220; weiss sehr wohl, dass der Klassenkampf entscheidend ist, aber er erwartet davon, dass die Arbeiter nicht mehr als solche, sondern als Revolution&#228;re handeln. Doch die Kommunisierung der Gesellschaft wird gleichbedeutend sein mit kommunistischen Massnahmen, die von Arbeitern ergriffen werden, weil sie Arbeiter sind, weil sie als solche definiert in allen Determinierungen des Kapitals und gegen sie existieren. Der Immediatismus setzt voraus, dass die Transformation der Gesellschaft nur m&#246;glich w&#228;re, wenn die Proletarier sich einmal ihrer alten proletarischen Kleider entledigt h&#228;tten. Er betrachtet die Kommunisierung als &#8222;langen Marsch&#8220; in der kapitalistischen Produktionsweise. Der Immediatismus kann nur auf die Alternative hinauslaufen. Man entfernt sich vom Konzept der Kommunisierung selbst, wenn man nicht davon ausgeht, dass die Hervorbringung des Kommunismus erfolgt, weil sich die Proletarier, im Kampf gegen das Kapital als solche, in diesem Kampf ihrer alten proletarischen Kleidung entledigen, weil sie eingetaucht sind in die Widerspr&#252;che des Kapitals, die sie als Proletarier konstituieren. Die Abschaffung der proletarischen Bedingung ist die Selbsttransformation des Proletariats in unmittelbar gesellschaftliche Individuen, es ist der Kampf gegen das Kapital, die uns zu solchen machen wird, denn dieser Kampf ist ein Verh&#228;ltnis, das uns mit ihm verstrickt. Die Kommunisierung konstituiert sich nicht als Lebensweise gegen&#252;ber dem Kapital, sondern wird die &#220;berwindung der fordernden K&#228;mpfe im unmittelbaren Rahmen der Arbeit oder der Reproduktion der Arbeitskraft, d.h. im Rahmen der Ausbeutung sein. Die Revolution ist weder die Enth&#252;llung eines immer schon dagewesenen revolution&#228;ren Wesens des Proletariats, noch das Resultat eines Zusammenstosses zweier Welten: jene des Kapitals und jene der sich ihm gegen&#252;ber konstituierenden kommunistischen Alternative. Da die Revolution die &#220;berwindung der kapitalistischen Produktionsweise ist, hervorgebracht durch die historische Entwicklung des Widerspruchs zwischen dem Proletariat und dem Kapital, bedeutet das, dass sie &lt;i&gt;der Entwicklung der Klassenwiderspr&#252;che dieser Gesellschaft, ihrer Geschichte unterworfen&lt;/i&gt; ist. Die Frage der Kommunisierung ist in ihrer absolut konkreten Form jene des Verh&#228;ltnisses zwischen diesem Kampfzyklus und der Revolution.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Vom gegenw&#228;rtigen Kampfzyklus zur Kommunisierung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In jedem Kampfzyklus ist der hervorgebrachte allt&#228;gliche Verlauf des Kampfes der Klasse auf spezifische Weise mit der Revolution verbunden, entweder als Hinauswachsen &#252;ber sich selbst (im Rahmen des Programmatismus) oder als hervorgebrachte &#220;berwindung im gegenw&#228;rtigen Kampfzyklus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In diesem Kampfzyklus formt der allt&#228;gliche Verlauf des Klassenkampfes den Widerspruch, so wie er sich in der Krise und der Revolution entwickelt und strukturiert. Dieser neue Zyklus hat grundlegende Eigenschaften, die ihn radikal vom Programmatismus unterscheiden: das Verschwinden der Arbeiteridentit&#228;t, die Tatsache, dass jeder Kampf in dem, was ihn definiert, mit seiner eigenen Grenze als Reproduktion des Kapitals konfrontiert ist (Grenzen, die diese Reproduktion ihm immer auf spezifische Weise aufzeigt, gem&#228;ss ihren eigenen Eigenschaften), jene, dass die Konfrontation mit dem Kapital gleichbedeutend mit jener mit seiner eigenen Konstitution als Klasse ist. Es ist aufgrund dieser Eigenschaften des allt&#228;glichen Verlaufs selbst, dass die Krise dieses widerspr&#252;chlichen Verh&#228;ltnisses zwischen dem Proletariat und dem Kapital zur Kommunisierung werden kann. Die Kommunisierung ist die Vollendung/&#220;berwindung dieses neuen Kampfzyklus, determiniert durch den Inhalt desselben: dem Widerspruch auf der Ebene der Reproduktion des Verh&#228;ltnisses, dem Zusammenwachsen der Konstitution des Proletariats als Klasse und seines Widerspruchs mit dem Kapital, dem damit einhergehenden Verschwinden jeglicher Arbeiteridentit&#228;t. &lt;i&gt;Der Widerspruch zwischen den Klassen ist zur &#8222;Bedingung&#8220; seiner eigenen Aufl&#246;sung als gesellschaftliche Unmittelbarkeit des Individuums geworden&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben es jedoch nicht mit einem revolution&#228;ren Wesen zu tun, sondern mit dem Verlauf des Widerspruchs zwischen dem Proletariat und dem Kapital, so wie er sich als allt&#228;glicher Verlauf des Klassenkampfs und dynamischer Verlauf der Widerspr&#252;che des Kapitals zeigt. Er konstituiert und ben&#246;tigt die Krise der kapitalistischen Reproduktion als Vermittlung f&#252;r seine &#220;berwindung. Das, weil &lt;i&gt;der Widerspruch notwendigerweise in seinem Prozess &#214;konomie wird&lt;/i&gt;, in einer jedes Mal spezifisch ausgedr&#252;ckten historischen Form. Das Kapital reproduziert sich und somit existiert die &#214;konomie, seine Krise wird nichts anderes als die Wirtschaftskrise sein, aber die Wirtschaftskrise ist gleichbedeutend mit der Krise des gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisses, einer &lt;i&gt;Krise des Verh&#228;ltnisses der gegenseitigen Verstrickung&lt;/i&gt;. Das hat nichts mit der Bekr&#228;ftigung zu tun, die Krise w&#252;rde nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesellschaftlich, politisch usw. sein. Die Krise dieses Kampfzyklus als Krise des kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisses beinhaltet eine Klassenaktivit&#228;t, die zur Kommunisierung werden kann. Es handelt sich nicht um etwas, das von Anfang an gegeben w&#228;re und der Krise ihr Wesen auferlegen w&#252;rde, sondern um die Praxis des Proletariats in dieser Krise.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dem Verh&#228;ltnis zwischen den gegenw&#228;rtigen K&#228;mpfen und der Revolution muss man sich allerdings &lt;i&gt;innerhalb der Klassenaktivit&#228;t&lt;/i&gt; ann&#228;hern. Wir wissen, dass es sich nicht um ein Hinauswachsen &#252;ber sich selbst handelt, aber wenn wir an diese Frage nicht als Klassenaktivit&#228;t herangehen, verleihen wir der Krise eine demiurgische Rolle, indem wir sie nur als die Klassenaktivit&#228;t modifizierende Krise des Kapitals konzipieren, eine Modifikation, die sie also einfach hinnehmen m&#252;sste. Was ist vom Standpunkt aus der Klassenaktivit&#228;t der Inhalt dieses &#220;bergangs, dieser &#220;berwindung?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Kommunisierung ist die hervorgebrachte &#220;berwindung dieses Zyklus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Revolution ist ein Konflikt zwischen Klassen, sie ist die &#228;usserste Determinierung des widerspr&#252;chlichen Prozesses des Kapitals als Widerspruch zwischen dem Proletariat und dem Kapital. Der &#220;berwindungsprozess des fordernden Kampfes zeichnet sich im fordernden Kampf selbst ab, wenn letzterer innerhalb seiner selbst seine Anforderungen stellt, ohne die Reproduktionslogik des Systems zu ber&#252;cksichtigen und dadurch dazu tendiert, die Existenzbedingungen der Ausbeutung selbst infrage zu stellen. Wenn er also schlichtweg im Verlauf des fordernden Kampfes zu allem entschlossen wird, wodurch er seine Koh&#228;renz als fordernder Kampf &#252;berwindet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn man sich in einer Situation befindet, in welcher die Abschaffung jener Gesellschaft, wovon wir selbst Teil sind, zum Ziel der Bewegung wird, zudem in einer gesellschaftlichen Situation, in welcher man sich selbst, sei es als Lohnabh&#228;ngige, Proletarier oder Arbeiter, keine zu befreiende Identit&#228;t gegen diese Gesellschaft, kein Projekt der Reorganisation derselben auf der Grundlage der Lohnarbeit oder der wertschaffenden Arbeit verleihen kann, wenn man sich in dieser Situation befindet und dementsprechend handelt, dann zeichnet sich die Kommunisierung ab. Das bedeutet, dass die Klassenzugeh&#246;rigkeit, die Notwendigkeit, vorherige zu reproduzierende gesellschaftliche Definition war, da sie ihre Reproduktion impliziert, kontingent wird. Jeglicher Streik oder Kampf ist nicht potenziell die Revolution, aber wir werden nie im Vornhinein den Moment definieren k&#246;nnen, wo ein fordernder Kampf seine eigene &#220;berwindung hervorbringt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Diese &#220;berwindung des Widerspruchs zwischen den Klassen ist der Moment, wo der Kampf gegen das Kapital im Verlauf desselben zur Infragestellung &lt;/i&gt;&lt;i&gt;der&lt;/i&gt;&lt;i&gt; eigenen Bedingung als Proletarier wird, diese Bedingung wird im Verlauf des Konflikts als &#228;usserer Zwang hervorgebracht, man k&#228;mpft gleichzeitig als Proletarier gegen das Kapital und bringt simultan dazu neue Verh&#228;ltnisse hervor&lt;/i&gt;. Man kommunisiert die Gesellschaft, d.h. man schafft sie als autonome Substanz des Verh&#228;ltnisses zwischen Individuen ab, letztere beziehen sich daraufhin in ihrer Singularit&#228;t aufeinander. Die vorherigen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse l&#246;sen sich, ohne dass es in einem (inexistenten und unm&#246;glichen) Gesamtplan begr&#252;ndet w&#228;re, in dieser gesellschaftlichen Aktivit&#228;t auf, in ihr kann man nicht unterscheiden zwischen der Aktivit&#228;t der Streikenden und Aufst&#228;ndischen und der Erschaffung neuer Verh&#228;ltnisse zwischen den Individuen, neue Verh&#228;ltnisse, in welchen die Individuen das, was ist, bloss als Moment eines ununterbrochenen Flusses der Hervorbringung menschlichen Lebens betrachten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Davon ausgehend ist diese &#220;berwindung kein innerer Prozess der Klasse, sondern ihr Konflikt mit dem Kapital und die Entwicklung der Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse, also der Ziele und des theoretischen Bewusstseins, die im Kampf bestimmt werden. Die Kommunisierung ist der Geschichte der Kapitalakkumulation und ihrer Krise unterworfen. Was kann aus dieser Krise eine Endkrise machen? Nichts anderes als ihr Verlauf, und nicht die Vollendung einer Bedeutung oder Tendenz. Es ist die Krise der kapitalistischen Produktionsweise in den Begriffen derselben, resultierend aus dem tendenziellen Fall der Profitrate, Widerspruch zwischen den Klassen (diesbez&#252;glich ist die h&#228;ufig gestellte Frage &#8222;Wie tief muss sie fallen?&#8220; sinnlos). Es ist nicht die Irreproduzierbarkeit dieses Widerspruchs, der die Ausbeutung ist, wodurch die Kommunisierung hervorgebracht wird. Es ist die &#220;berwindung dieses spezifischen Kampfzyklus und die daraus resultierende Praxis des Proletariats als Praxis in dieser Krise, die als Kommunisierung definiert werden, was den Widerspruch zwischen dem Proletariat und dem Kapital irreproduzierbar macht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die &#220;berwindung der Situation des Proletariats ist die Definition des Kommunismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die gesellschaftliche Unmittelbarkeit des Individuums bedeutet grundlegend die Abschaffung der Teilung der Gesellschaft in Klassen, eine Spaltung, aufgrund welcher die Gemeinschaft dem Individuum fremd ist. Man kann sich also positiv dem ann&#228;hern, was die unmittelbar gesellschaftlichen Individuen sind, oder eher, was die Beziehungen zwischen unmittelbar gesellschaftlichen Individuen in ihrer Singularit&#228;t sind. Ihre Selbsthervorbringung in ihren gegenseitigen Beziehungen impliziert nie eine Reproduktion in einem Zustand, der eine Partikularisierung der Gemeinschaft w&#228;re, impliziert durch die Arbeitsteilung, das Eigentum und die Klassen. Die unmittelbar gesellschaftlichen Individuen behandeln bewusst jedes Objekt als menschliche Aktivit&#228;t und l&#246;sen die Objektivit&#228;t in einem Fluss von Aktivit&#228;ten auf (&#220;berwindung des Proletariats als Aufl&#246;sung des Eigentums auf der Grundlage des Eigentums); sie behandeln ihre eigene Aktivit&#228;t als konkrete Partikularisierung der menschlichen Aktivit&#228;t (&#220;berwindung des Proletariats als Aufl&#246;sung der Arbeitsteilung auf der Grundlage der Arbeitsteilung); sie betrachten praktisch ihre Produktion und ihr Produkt in ihrem Zusammenfallen als ihren eigenen Zweck an sich und ihre Determinierungen, ihre M&#246;glichkeiten der Durchf&#252;hrung und ihre Finalit&#228;ten beinhaltend (&#220;berwindung des Proletariats als Aufl&#246;sung des Tausches und des Werts) und schliesslich setzen sie die Gesellschaft als etwas, das konstant im Verh&#228;ltnis zwischen Individuen hervorgebracht werden muss und jede Beziehung als Voraussetzung ihrer Transformation (&#220;berwindung des Proletariats als Aufl&#246;sung der Klassen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In alldem finden wir das Proletariat wieder als Aufl&#246;sung der bestehenden Bedingungen auf der Grundlage, in der Bewegung, derselben. Davon ausgehend, &lt;i&gt;in einem besonderen historischen Moment&lt;/i&gt;, finden wir seine Kapazit&#228;t, seine eigene Definition als Klasse als ver&#228;usserlichten Zwang im Kapital gegen es selbst zu behandeln. Alles, was wir von der Kommunisierung (und dem Kommunismus) sagen k&#246;nnen, leitet sich von dem ab, was das Proletariat &lt;i&gt;in seinem Verh&#228;ltnis zum Kapital&lt;/i&gt; ist, dadurch ist sie ein Moment der Geschichte dieses Verh&#228;ltnisses. Wie kann eine strikt als Klasse handelnde Klasse die Klassen abschaffen? Es ist in der Geschichte der kapitalistischen Produktionsweise, als Widerspruch zwischen dem Proletariat und dem Kapital, wo wir bruchst&#252;ckhaft die L&#246;sung des R&#228;tsels suchen m&#252;ssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://libcom.org/library/sur-la-communisation-rs&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Die Ladenschl&#252;ssel [zu den vorgezogenen Parlamentswahlen in Frankreich]</title>
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&lt;p&gt;Dieses Flugblatt, inspiriert vom Text hier, wurde gestern Samstag [06.07.24] in Marseille geschrieben und verteilt. &lt;br class='autobr' /&gt;
Der Hauptfeind? &lt;br class='autobr' /&gt;
Der Rassemblement national (RN) ist die erste Partei f&#252;r Arbeiter, Angestellte und Arbeitslose, wir werden uns ihr dennoch nicht anschliessen und uns noch weniger dar&#252;ber freuen. Aber wir schauen die Dinge an, wie sie sind: Die Proletarier sind weder abgelenkt noch manipuliert worden. &lt;br class='autobr' /&gt;
Der Kampf gegen den &#8222;extremen Rechtsrutsch&#8220; eines grossen Teils der (...)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Stimmen-aus-den-Kampfen" rel="tag"&gt;Stimmen aus den K&#228;mpfen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Gender" rel="tag"&gt;Gender&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Frankreich" rel="tag"&gt;Frankreich&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Gelbwesten" rel="tag"&gt;Gelbwesten&lt;/a&gt;

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 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/souverain-scaled.webp?1720900802' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='84' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Dieses Flugblatt, inspiriert vom Text &lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=21431&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;hier&lt;/a&gt;, wurde gestern Samstag [06.07.24] in Marseille geschrieben und verteilt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Hauptfeind?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Rassemblement national (RN) ist die erste Partei f&#252;r Arbeiter, Angestellte und Arbeitslose, wir werden uns ihr dennoch nicht anschliessen und uns noch weniger dar&#252;ber freuen. Aber wir schauen die Dinge an, wie sie sind: Die Proletarier sind weder abgelenkt noch manipuliert worden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kampf gegen den &#8222;extremen Rechtsrutsch&#8220; eines grossen Teils der Arbeiterklassen &#252;berall in der westlichen Welt und ihren Nationalismus &#252;berall auf der Welt kann nicht im Namen einer Verblendung oder eines &#8222;Irrtums&#8220; gef&#252;hrt werden. Wenn der RN zum Hauptfeind geworden ist, dann nur getragen durch &#8222;gew&#246;hnliche&#8220; Politiken und Massnahmen der Rechten oder Linken, welche die Ausbeutung verst&#228;rkt, die Lage der Arbeitslosen und Rentner angegriffen, die &#8222;Ausl&#228;nder&#8220; egal welcher Nationalit&#228;t &#8222;gek&#228;rchert&#8220; haben. Diese Politiken haben aus dem RN jene Partei gemacht, welche in der Lage ist, eine sowohl ertr&#228;umte als auch nationale &#8222;Arbeiterw&#252;rde&#8220; zu repr&#228;sentieren. Und so ist der RN zum politischen Ausdruck dieser &#8222;W&#252;rde&#8220; geworden, indem er eine effiziente nationale Identit&#228;t propagiert, gen&#228;hrt vom &#8222;Gef&#252;hl des Niedergangs&#8220;, dem Rassismus und der Staatsb&#252;rgerschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Linke?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die linken politischen Kr&#228;fte waren mehrheitlich nicht die Aufnahmebeh&#228;lter f&#252;r diese &#8222;Arbeiterw&#252;rde&#8220;, die &#8222;Deklassierung&#8220;, die &#8222;Unzufriedenheit&#8220; und den mit F&#252;ssen getretenen &#8222;Wert der Arbeit&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um Zugang zur Macht zur erhalten, haben sich diese Kr&#228;fte auf die Mittelklassen mit starkem intellektuellem (universit&#228;rem) Kapital gest&#252;tzt, so sind sie zu den zentralen Ideologen und Akteuren der Globalisierung der Wirtschaft in den 1990er-2000er Jahren geworden. Delors war Pr&#228;sident der Europ&#228;ischen Kommission, Lamy der WTO, Strauss-Kahn des IWF. Diese Kr&#228;fte waren die Agenten aller mit der weltweiten Ausbeutung der Arbeitskraft verbundenen Ungerechtigkeiten, in bester Eintracht mit den gew&#246;hnlichen rechten Parteien.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;berall verst&#228;rkt sich der Protektionismus, auch milit&#228;risch, die neuen Formen der Globalisierung werden allem Anschein nach handfest und holprig sein. Wenn in der gegenw&#228;rtigen Krise der Globalisierung die Nation und die Staatsb&#252;rgerschaft als &#8222;Festung&#8220; und als &#8222;nat&#252;rlicher&#8220; Rahmen f&#252;r die K&#228;mpfe und die &#8222;Unzufriedenheit&#8220; erscheinen, so sind die Rechte und die extreme Rechte insofern viel glaubw&#252;rdiger, als sie das nationale Thema erstarren lassen, indem sie es kulturell ethnisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Ladenschl&#252;ssel &#252;berlassen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zwischen den &#8222;Patrioten&#8220; und den &#8222;Globalisten&#8220; (um die Begriffe des RN zu &#252;bernehmen) sind die &#8222;Globalisten&#8220; unter gewissen Bedingungen bereit, die Ladenschl&#252;ssel den &#8222;Patrioten&#8220; zu &#252;berlassen, insoweit als sie die Krise der Globalisierung verwalten werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nachdem sie all ihre Themen aufgenommen haben, spielen die herrschenden Klassen mit ihren verschiedensten Fraktionen &#8211; die solide verankerte Grossbourgeoisie, die neuen milliardenschweren F&#252;hrer der Tech-Industrie, das Finanzkapital, die Multinationalen der Industrie &#8211; die Karte der extremen Rechten als Instrument einer nationalistischen Politik gegen&#252;ber der Krise der Globalisierung, indem ihr &#8222;Programm&#8220; abgemildert und angepasst wird (siehe Italien, Schweden, Niederlande u.a.). Aber vor allem ist die extreme Rechte der Ausdruck des verwirklichten Monopols auf &#8222;die Volksopposition&#8220;, indem sie &#8222;das Volk&#8220; im Namen der Nation in der Restrukturierung der Globalisierung bindet und mobilisiert. Wenn die Verheerungen dieser Restrukturierung sich zeigen werden, wird sie mutmasslich am besten dazu in der Lage sein, die K&#228;mpfe zu kontrollieren und sie in die schlimmsten Richtungen zu lenken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Nationalstaat betritt wieder die B&#252;hne, sowohl f&#252;r die herrschende Klasse als auch f&#252;r die ausgebeuteten Klassen, die in diesem nationalisierten Kontext in die Politik der herrschenden Klassen selbst verwickelt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Hegemonie und Monopol auf K&#228;mpfe?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit dem Zerfall der &#8222;Arbeiterbewegung&#8220;, ihrer Instanzen und Institutionen ist die repr&#228;sentative Demokratie zusammengebrochen. Die &#8222;Proteststimmen&#8220; des Beginns der 2000er Jahre sind nicht verschwunden, doch sie sind in den 2010er und 2020er Jahren zu einer Zustimmung geworden. Das zeigt sich in Form der &#8222;nationalen Werte&#8220; und der Republik, an welchen sich alle berauschen, indem sie sie alle mit leicht unterschiedlichen Inhalten f&#252;llen, die herrschende Klasse hat eine Art Monopol auf die Klassenwiderspr&#252;che im Zusammenhang mit allen Massnahmen, die sie gegen&#252;ber den beherrschten Klassen (in erster Linie die aktive oder arbeitslose Arbeiterklasse) ergreift, und den damit verbundenen Reformen, indem sie auf der Welle der rassialisierten Arbeitsteilung reitet. Mit der Nation besteht die Hegemonie der herrschenden Klasse darin, den beherrschten Klassen die Begriffe selbst ihrer Opposition aufzuzwingen. Dieser mittlerweile unausweichliche Rahmen, der die nationale Identit&#228;t darstellt, bearbeitet vom Klassenkampf, geht jedoch unterschiedslos von der &#8222;nationalen Souver&#228;nit&#228;t&#8220; zur &#8222;Volkssouver&#228;nit&#228;t&#8220; &#252;ber. Erinnern wir uns an die Gelbwesten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was das Monopol auf den von ihr ausgel&#246;sten Widerspruch f&#252;r die herrschende Klasse untergr&#228;bt, ist die Tatsache, dass das &#8222;souver&#228;ne Volk&#8220; nicht &#8222;eins&#8220; ist. Der materielle Rahmen dieser &#8222;Souver&#228;nit&#228;t&#8220; ist nicht die Politik, sondern das allt&#228;gliche Leben. In ihrer &#8222;Einzigkeit&#8220; wird die Souver&#228;nit&#228;t vom Preis der Joghurts, der Polizeigewalt, dem mit den Ausbeutungsbedingungen gleichbedeutenden Chaos der Spaltungen aufgerieben. Und in seinem allt&#228;glichen Leben, wenn seine Kaufkraft zusammenbricht, hat das &#8222;souver&#228;ne Volk&#8220; Zweifel bez&#252;glich seiner &#8222;Souver&#228;nit&#228;t&#8220;. Was das &#8222;souver&#228;ne Volk&#8220; ebenfalls untergr&#228;bt, ist die Tatsache, dass sich an seinen R&#228;ndern, aber sehr nahe, konstant die rassialisierten und &#252;bersch&#252;ssigen Bev&#246;lkerungen befinden, sie sind die konstante und lebendige Proklamation der &#8222;Unwirklichkeit&#8220; seiner Existenz als &#8222;souver&#228;nes Volk&#8220; und erinnern es daran.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das &#8222;souver&#228;ne Volk&#8220; des Nationalismus der extremen Rechten hat noch ein anderes Problem: Die Heftigkeit seines Antifeminismus und seiner Homophobie schreckt auch vor einem Verbot des Rechts auf Abtreibung nicht zur&#252;ck. Nat&#252;rlich schl&#228;gt der RN leisere T&#246;ne an, aber das gilt nicht f&#252;r die Fratelli d'Italia oder die Liga in Italien, auch nicht f&#252;r die Vox in Spanien oder die AfD in Deutschland. Der Nationalismus mag die Frauen an ihrem Platz und somit den Feminismus nicht. Der Nationalismus muss eine homogene nationale Identit&#228;t hervorbringen, die schwierig in diesen Mechanismus integrierbaren Ausl&#228;nder oder Frauen m&#252;ssen entweder zur&#252;ckgewiesen oder unsichtbar gemacht werden. Es waren die Mobilisierungen der Frauen, die weitgehend dazu beigetragen haben, die Mehrheitsverh&#228;ltnisse in Polen umzudrehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nur gegen den Islam beruft sich der Nationalismus auf die Freiheit der Frauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der RN, eine Falle?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn die Besonderheiten der Politik der extremen Rechten, ihr Rassismus, die physische und materielle Gefahr f&#252;r all jene, welche nicht die richtige Hautfarbe haben, bek&#228;mpft werden m&#252;ssen, dann muss dabei die Tatsache betont werden, dass sie der Ausdruck der Gesamtheit der herrschenden (wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, ideologischen, administrativen und politischen) Klasse sind. Einfach gegen den RN zu sein, bedeutet, in die &#8222;Falle&#8220; des Monopols und der Hegemonie zu geraten. Genau in diesem Monopol k&#246;nnen jedoch schnell die Widerspr&#252;che auftauchen: die im Volk verbreitete Entt&#228;uschung gegen&#252;ber dem von der herrschenden Klasse zur Schau getragenen und praktizierten Nationalismus, der letztendlich zwingend f&#252;r das &#8222;Volk&#8220; eine Dimension der sozialen Katastrophe annehmen wird; das unm&#246;gliche Ausblenden jener, welche als rassisch &#8222;anders&#8220; designiert werden, und die An-/Abwesenheit der Frauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das &#8222;souver&#228;ne Volk&#8220;, das von diesen grundlegenden Widerspr&#252;chen durchdrungen ist, kann explodieren und viele &#220;berraschungen bereithalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mehr dazu: siehe die Homepage &lt;a href=&#034;https://dndf.org/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Des nouvelles du front&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=21431#comment-626485&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Roland Simon - Ukraine 2022</title>
		<link>https://www.kommunisierung.net/Roland-Simon-Ukraine-2022</link>
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		<dc:subject>Th&#233;orie communiste</dc:subject>
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		<dc:subject>&#220;bersetzungen</dc:subject>
		<dc:subject>Ukraine-Krieg</dc:subject>
		<dc:subject>Roland Simon</dc:subject>

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&lt;p&gt;Ein Zusammenbruch des Sowjetregimes w&#252;rde unweigerlich einen Zusammenbruch der Planwirtschaft und damit die Abschaffung des staatlichen Eigentums nach sich ziehen. Die Zwangsbindung der Trusts untereinander und zwischen den Fabriken eines Trusts w&#252;rde sich lockern. Die erfolgreichsten Unternehmungen w&#252;rden sich beeilen, selbst&#228;ndige Wege zu gehen. Sie k&#246;nnten sich in Aktiengesellschaften umwandeln oder eine andere transitorische Eigentumsform finden, etwa mit Gewinnbeteiligung der (...)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Theorie-communiste" rel="tag"&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Bericht-Analyse" rel="tag"&gt;Bericht/Analyse&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Ukraine-Krieg" rel="tag"&gt;Ukraine-Krieg&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Roland-Simon" rel="tag"&gt;Roland Simon&lt;/a&gt;

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 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/arton79.jpg?1689247013' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='94' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;blockquote class=&#034;spip&#034;&gt;
&lt;p&gt;Ein Zusammenbruch des Sowjetregimes w&#252;rde unweigerlich einen Zusammenbruch der Planwirtschaft und damit die Abschaffung des staatlichen Eigentums nach sich ziehen. Die Zwangsbindung der Trusts untereinander und zwischen den Fabriken eines Trusts w&#252;rde sich lockern. Die erfolgreichsten Unternehmungen w&#252;rden sich beeilen, selbst&#228;ndige Wege zu gehen. Sie k&#246;nnten sich in Aktiengesellschaften umwandeln oder eine andere transitorische Eigentumsform finden, etwa mit Gewinnbeteiligung der Arbeiter, Gleichzeitig und noch leichter w&#252;rden die Kolchosen zerfallen. Der Sturz der heutigen b&#252;rokratischen Diktatur, wenn keine neue sozialistische Macht sie ersetzt, w&#228;re also gleichbedeutend mit einer R&#252;ckkehr zu kapitalistischen Verh&#228;ltnissen bei katastrophalem R&#252;ckgang von Wirtschaft und Kultur.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotzki, &lt;i&gt;Die verratene Revolution&lt;/i&gt;, 1957 (1936)&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Die Invasion der Ukraine durch Russland ist kein Weltkrieg, aber ein Krieg mit weltweiter Bedeutung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;In der Krise ist die Restrukturierung defekt&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jede Phase der kapitalistischen Produktionsweise enth&#228;lt ihre milit&#228;rische Formation, das Ausbeutungsverh&#228;ltnis als Klassenkampf ist sowohl wirtschaftlich als auch politisch und milit&#228;risch. In der reellen Subsumtion der Arbeit unter das Kapital setzen alle Kriege nicht nur zwei antagonistische Ziele verfolgende Feinde einander entgegen, sondern allen voran zwei durch die Polarisierung eines selben Widerspruches konstituierte und konstruierte Feinde, jeder von ihnen repr&#228;sentiert einen Pol und tr&#228;gt in sich selbst die Existenz und die Notwendigkeit des anderen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gegenw&#228;rtig ist, seit der Krise von 2008, die jene der Produktionsweise war, so wie sie in den 1970er-1980er restrukturiert worden war, der weltweit aufzul&#246;sende Widerspruch jener der Entkopplung zwischen der Kapitalverwertung und der Reproduktion der Arbeitskraft, die das Prinzip der Globalisierung selbst war. &lt;i&gt;Es geht darum, weltweit die Kapitalakkumulation und die Reproduktion der globalen Arbeitskraft zu reartikulieren&lt;/i&gt;. Es wird keine R&#252;ckkehr zu nationalen oder nach Bl&#246;cken geordneten Akkumulationsformen geben. In der Konfrontation zwischen den USA, der Europ&#228;ischen Union, China und Russland geht es darum, herauszufinden, welcher Block, durch die Rivalit&#228;ten und B&#252;ndnisse zwischen diesen vier M&#228;chten, ein &lt;i&gt;hierarchisiertes&lt;/i&gt;, aber weltweit f&#252;r die &#8222;Besiegten&#8220; &lt;i&gt;akzeptables&lt;/i&gt; Modell durchsetzen wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Kapital bringt nie durch sich selbst L&#246;sungen f&#252;r seine Widerspr&#252;che hervor und auch nicht in der alleinigen konkurrierenden Konfrontation zwischen den M&#228;chten. Die Grundlage ist immer die Ausbeutung, die dazu f&#252;hrt, dass diese Konfrontation nur durch die Konfrontation mit dem Proletariat einen Sinn bekommt. Es sind der besiegte Kampf der Klasse und die zum Sieg &#252;ber sie notwendigen Modalit&#228;ten und &#8222;gesellschaftlichen Erfindungen&#8220;, welche die Eigenschaften einer Restrukturierung skizzieren. Die reelle Subsumtion ist immer noch im Entstehen begriffen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Mit der realen Subsumtion der Arbeit unter das Kapital findet eine (...)&#034; id=&#034;nh1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Aber gegenw&#228;rtig repr&#228;sentieren weder die USA noch Russland, China oder Europa eine kommende Restrukturierung, das Spiel, bis hin zum Krieg zwischen den M&#228;chten, ist nur die offensichtliche Existenz des aufzul&#246;senden Widerspruches und der Widerspruch durchdringt sie, er reproduziert seine Pole in jeder von ihnen. F&#252;r alle ist der Widerspruch als Wesen des Staates und Verh&#228;ltnis zwischen der Verwertung und der Reproduktion der Arbeitskraft auf weltweiter Ebene auf dem Tisch. Doch die Restrukturierung ist defekt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Frage stellt sich heute auf solch heftige Art und Weise, weil wir die Grenze aller &#8222;was immer es dazu braucht&#8220; und &#8222;Freigiebigkeiten&#8220; der Zentralbanken erreicht haben. W&#228;hrend der Krise 2008 ist die Entkopplung von der Dynamik der Globalisierung zu ihrer Fessel geworden, die Abteilungen I und II der Reproduktion artikulieren sich nicht mehr, die Krise der &#220;berakkumulation ist mit der Unterkonsumtionskrise identisch geworden, das Gleichgewicht der Unterinvestition, das die Profitrate aufrechterhalten hatte, bricht in der monet&#228;ren Misswirtschaft zusammen und die Inflation verst&#228;rkt die Entkopplung. Wenn wir die Entkopplung als Essenz und Dynamik der Globalisierung dieser letzten dreissig Jahre betrachten, dann ist &lt;i&gt;eine Welt&lt;/i&gt; in eine Krise eingetreten und sie muss sich erneuern. Diese Welt war jene der amerikanischen Globalisierung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Krise der amerikanischen Globalisierung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Welt, aufgrund des Wesens des restrukturierten Kapitals als Fluidit&#228;t der Reproduktion entsprechend der Extraktion von Mehrwert in ihrem relativen Modus, war notwendigerweise Globalisierung. Das wurde 1990 durch den Zusammenbruch der UdSSR und des Ostblocks best&#228;tigt. Die Entnationalisierung der zentralen Staaten und das Ende der Internationalisierung, d.h. der Beziehungen zwischen &#8222;integrierten nationalen Systemen&#8220;, waren auch gleichbedeutend mit dem Ende der Arbeiteridentit&#228;t, deren Repr&#228;sentation die UdSSR staatlich und geopolitisch war: d.h. die Kristallisation einer globalen Struktur des Klassenkampfes (was wir auch immer dar&#252;ber denken m&#246;gen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Indem sie die Kapitalverwertung und -zirkulation von der Reproduktion der Arbeitskraft getrennt hat, hat die Globalisierung koh&#228;rente national und regional voneinander abgegrenzte Reproduktionsbereiche zerschlagen. Dieser Bruch hat eine globale Unordnung kreiert, die kontinuierlich durch Milit&#228;roperationen mit Polizeioperationen assimilierende Gewalt reguliert werden musste. Ab dem Verschwinden der UdSSR war die amerikanische Regulierung der Unordnung ihre permanente Verwaltung, gleichg&#252;ltig gegen&#252;ber einer stabilen Formation des Gesellschaftlichen. Die USA strebten nicht danach, die Welt zu erobern, sondern die Unordnung durch ein anderes System als jenes der Konkurrenz zwischen Staaten zu regulieren. Was h&#228;ufig durch gezielte Massaker als regulierende Akte und dem Ende der Unterscheidung zwischen Krieg und Frieden zum Ausdruck kam, diese Unterscheidung setzte eine &lt;i&gt;lokale&lt;/i&gt; Verwaltung des &#8222;sozialen Friedens&#8220; voraus. Das war der &#8222;globale Krieg gegen den Terrorismus&#8220;: global und, von Natur aus, endlos.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Idealerweise&#8220; sollten die Staaten nur noch einfache Provinzgouverneure sein. Den autonomen lokalen Kriegschefs erlaubte man einige lokale (Wieder-)Eroberungs- oder Balkanisierungskriege (Ex-Jugoslawien, Kaukasus, Naher und Mittlerer Osten &#8211; Israel eingeschlossen &#8211;, Kolumbien, Zentralamerika, Mexiko, Indonesien), gelegentlich im B&#252;ndnis mit diversen mafi&#246;sen Netzwerken, dem einzigen globalen Zweig des Kapitals, der sowohl mit dem Finanzkapital als auch mit permanenter lokaler Gewalt umgehen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Idealerweise&#8220; sollte die Gewalt die Fortsetzung der Wirtschaft mit anderen Mitteln sein, ohne politische Vermittlungen abgesehen von diversen Stufen von Interventionen &#8222;mit dem Holzhammer&#8220;, &#8222;forcierten Friedensmissionen&#8220;, Polizeimissionen, humanit&#228;ren Missionen (welche die Verwurzelung einer Marktwirtschaft beg&#252;nstigen). In allen F&#228;llen ohne Verhandlungen zur Etablierung &#8222;eines akzeptablen Lebens f&#252;r die Besiegten&#8220;. Lokal konnten sich komplexe konfliktreiche Untersysteme (vielf&#228;ltige Gegner) konstituieren, die keine Intervention des &#8222;Anf&#252;hrers&#8220; erfordern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Idealerweise&#8220; ging es darum, im Vornhinein den Globalismus der amerikanischen Interessen zu bekr&#228;ftigen, indem die nationalen Souver&#228;nit&#228;ten und die Logiken territorialer Nachbarschaften dekonstruiert und die produktiven, nationalen, politischen, religi&#246;sen und ideologischen Elemente zu funktionalen transnationalen Zweigen, &#252;ber die sich die &#8222;nat&#252;rliche Leadership&#8220; der USA entfaltet, neu zusammengesetzt worden sind. Zu diesem Zweck ging es darum, die Staaten oder sozialen Bewegungen, feindliche oder den Markt, den Warenfluss, die Kapitale und die &#8222;Befreiung&#8220; der Arbeitskraft blockierende Guerillas zu eliminieren. Einerseits war die wirtschaftliche und milit&#228;rische Globalisierung, reguliert durch die USA ab dem Ende der 1980er Jahre, &#8222;Balkanisierung&#8220; durch die Zerst&#246;rung aller nationalen Souver&#228;nit&#228;ten und Regulierungen und andererseits eine Form der &#8222;Entbalkanisierung&#8220;, der Wiedervereinigung dieser Welt durch den Aufbau von gem&#228;ss nicht souver&#228;nen Logiken vereinigten Wirtschaftsr&#228;umen. Die amerikanische Globalisierung kombinierte zwei Strategien: &#8222;die Clintonsche Erweiterung&#8220; und die &#8222;zivilisatorische Ghettoisierung&#8220; der republikanischen Rechten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r die USA ging es ausserdem darum, &#252;ber B&#252;ndnisse mit definierter Territorialit&#228;t hinauszugehen, es war das Moment der &#8222;Obsoleszenz der NATO&#8220; und der Partnerschaft mit Russland. Die NATO wurde zu einem neuen offensiven B&#252;ndnis gegen wahrscheinliche Unsicherheiten, ohne vorbestimmte Zonen. Es handelte sich nicht um ein B&#252;ndnis der USA mit dem &#8222;souver&#228;nen russischen Staat&#8220;, es waren Russland und seine Umgebung selbst, die zu einer &#8222;Grenze der Erweiterung&#8220; im amerikanischen Sinne der &#8222;Grenze&#8220; geworden waren. In den Begriffen des Abkommens: &#8222;Die NATO unterst&#252;tzt milit&#228;risch die Demokratisierung und die Ausbreitung der liberalen kapitalistischen Wirtschaft in Russland und seiner Peripherie.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bis &#8222;das Ideal&#8220; im Irak und in Afghanistan durch die unvermeidbare Notwendigkeit der Entsendung von Bodentruppen nach den Besatzungen zusammenbricht. In den arabischen L&#228;ndern des Mittelmeerraumes waren die proletarischen und interklassistischen Revolten gleichbedeutend mit dem Scheitern einer kapitalistischen Klasse, die als klientelistische Oligarchie aufgebaut worden war, sie ist eins mit repressiven Apparaten des Staates, der jegliche Produktion oder Dienstleistung in Renten produzierende T&#228;tigkeiten verwandelt, die in den Fluss der globalen Kapitalverwertung eintreten k&#246;nnen. In gesamten Gebieten wie Zentralasien, Zentralamerika oder Afrika teilten die Bourgeoisie, die B&#252;rokratie, Mafias, die Polizei und die Armee Monopole untereinander auf, sie verwalteten die ausl&#228;ndischen Investitionen und T&#228;tigkeiten, die sich mit der globalen Verwertung artikulieren konnten, und erschufen eine konstante Diskrepanz zwischen der Masse an verf&#252;gbarer befreiter Arbeitskraft und deren Absorbierung als solche.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine Ausbeutungsweise der Arbeitskraft auf globalem Niveau und eine Kapitalverwertungsweise sind ausser Atem und brechen in ihrer Ersch&#246;pfung zusammen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#220;bereinstimmung, in der gegenw&#228;rtigen Krise, zwischen &#220;berakkumulations- und Unterkonsumtionskrise bedeutet, dass die Entkopplung zwischen Kapitalverwertung und Reproduktion der Arbeitskraft zu einem Problem geworden ist. In dieser &#220;bereinstimmung der Krise wird die Entkopplung, die w&#228;hrend einer Phase der Produktionsweise funktional war, widerspr&#252;chlich f&#252;r ihren eigenen Fortbestand. Das sowohl auf der Ebene der globalen Architektur der Realisierung, die aus den USA den Konsumenten in letzter Instanz macht, als auch auf der genauso wichtigen und vielleicht k&#252;nftig noch wichtigeren Ebene der &#8222;nationalen&#8220; Entwicklung der &#8222;Schwellenkapitalismen&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Verh&#228;ltnis zwischen Wirtschaft und Gewalt war durch die Erschaffung der Nationalstaaten vom 17. bis ins 19. Jahrhundert und danach durch die Bipolarit&#228;t Ost/West w&#228;hrend der ersten Phase der reellen Subsumtion vereinfacht worden. Die amerikanische Verwaltung der Unordnung der Globalisierung, die darin besteht, die nationalen Souver&#228;nit&#228;ten und Nachbarschaftslogiken zu dekonstruieren, hat zu einer &#252;berbordenden, unkontrollierbaren und entropischen Situation gef&#252;hrt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die gesamte Geographie der globalen Reproduktion des Kapitals und ihre Zonenunterteilung als Bild im Bild zerfallen. Was ein System ausmachte, tut das nicht mehr: Die Sparpolitik und die Lohnsenkung unter den Wert der Arbeitskraft halten die Zuweisungen &#252;ber eine k&#252;nftige Verwertung des sich selbst an der &#8222;Notenpresse&#8220; n&#228;hrenden Finanzkapitals nicht mehr in Gange. Es wird kein Zur&#252;ck geben, aber die Globalisierung kann in eine momentan undefinierbare andere Richtung gehen und diese k&#246;nnte nur eine Funktion der neuen Modalit&#228;ten der Verwertung, d.h. des Ausbeutungsverh&#228;ltnisses, sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Entkopplung war ein globales System. Im Zusammenbruch dieses Systems (eine chaotische Situation, in welcher das Chaos nicht mehr reguliert wird) kommt die Notwendigkeit einer Rekonfiguration des globalen Zyklus des Kapitals an Stelle der gegenw&#228;rtigen Globalisierung zutage. Eine Renationalisierung der Volkswirtschaften, welche die Globalisierung &#252;berwindet oder an ihr festh&#228;lt, eine Entfinanzialisierung des produktiven Kapitals oder neue Modalit&#228;ten der Integration und Reproduktion der Arbeitskraft im eigentlichen Kapitalzyklus sind bis anhin nur Eventualit&#228;ten und Hypothesen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Restrukturierungen der kapitalistischen Produktionsweise folgen nie einem Plan, sondern sie sind ein Resultat der internen Konfrontationen der globalen kapitalistischen Klassen und allen voran der Konfrontation mit dem Proletariat. Die Fraktion der kapitalistischen Klasse, die sich gegen die anderen durchsetzen und eine akzeptable Hierarchie f&#252;r die Gesamtheit der globalen Klasse erschaffen kann, ist jene, welche das Ausbeutungsverh&#228;ltnis kl&#228;rt und rekonfiguriert. Die internen K&#228;mpfe der kapitalistischen Klasse national und global, bis hin zum Krieg, der nur eine Fortsetzung davon darstellt, haben nur den einen Sinn, eine bessere L&#246;sung der Erneuerung der Ausbeutung f&#252;r die Gesamtheit des Kapitals zu finden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Putin ist nicht alleine&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Wenn eine Nation w&#228;hrend Jahrhunderten ihren Willen zu existieren und sich als staatliche Entit&#228;t zu konstituieren unter Beweis stellt, k&#246;nnen alle Versuche, die zum Ziel haben, auf die eine oder andere Weise eine solche Entwicklung zu ersticken, nur zu einer chaotischen Dimension im Gesamtprozess der universellen Geschichte f&#252;hren.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Mykola Chwylowyj, zitiert von Zbigniew Kowalewski, &#8222;L'Ukraine, r&#233;veil (...)&#034; id=&#034;nh2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Krise der amerikanischen Globalisierung: Diese Krise siedelt sich auf globaler Ebene auf zwei zentralen Zysten an: Russland und China und einer dritten auf regionaler Ebene, dem Iran. Es muss in den drei F&#228;llen betont werden, dass &lt;i&gt;der Staat die Wirtschaft dominiert&lt;/i&gt; und nicht die Existenz eines getrennten Staates erreicht hat. In Russland ist der Staat nicht der Staat der kapitalistischen Klasse, ihre Generaldirektion, sondern es ist die kapitalistische Klasse (die Oligarchen), welche die kapitalistische Klasse &lt;i&gt;des Staates&lt;/i&gt; ist. Die sowjetische B&#252;rokratie hat, sogar nach dem Zusammenbruch der UdSSR, ihren langen Marsch mit dem Ziel, eine gew&#246;hnliche, ihrer revolution&#228;ren Urspr&#252;ngen entledigte kapitalistische Klasse zu sein, noch nicht abgeschlossen. Was die Europ&#228;ische Union betrifft, geht es f&#252;r die USA und Russland nur darum, ihre Spaltungen zu unterhalten, sie ist kein zentraler Streitgegenstand oder potentieller Rivale mehr, auch wenn sie im Krieg in der Ukraine eine bedeutende Rolle spielt. Das zuerst einmal durch die territoriale Kontinuit&#228;t, die sie der Ukraine mit dem Transit der Milit&#228;rhilfe anbietet, aber auch durch die inneren politischen Unstimmigkeiten zwischen Staaten oder innerhalb von Staaten betreffend des Verh&#228;ltnisses zu Russland, die vom Krieg offengelegt worden sind. Der Verlust geopolitischer Zentralit&#228;t h&#228;ngt im gegenw&#228;rtigen Moment mit ihrer Unf&#228;higkeit zusammen, eine einheitliche Macht zu sein, doch die geopolitische Frage zeigt auf, dass sie keinen Pol des zu &#252;berwindenden Widerspruchs darstellt. Weder grosse souver&#228;ne Macht, noch Speerspitze der Globalisierung, weder das eine noch das andere, weil die EU bei der in den 1970er Jahren initiierten Restrukturierung der Ausbeutung auf halbem Weg stecken geblieben ist, trotz aller Anstrengungen Sarkozys, Hollandes, Macrons, Schr&#246;ders, Majors, Johnsons (ohne bis zu Thatcher zur&#252;ckgehen zu m&#252;ssen&#8230;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber wenn diese Krise sich in der Konfrontation des &#8222;Westens&#8220; mit diesen beiden Zysten kristallisiert, dann allen voran, weil die Globalisierung f&#252;r sich selbst kontraproduktiv geworden ist: Ihre Grenzen und Widerspr&#252;che stehen ihr in ihrem Verh&#228;ltnis zu dem gegen&#252;ber, was in der Krise als &lt;i&gt;ihr Anderes&lt;/i&gt; entsteht und sich konstituiert. Der &#8222;Westen&#8220; und Russland hatten nicht die geringste innere Essenz, welche sie dazu gebracht h&#228;tte, sich als Pol eines selben Widerspruchs der existierenden Globalisierung zu definieren, h&#246;chstens gewisse Veranlagungen aufgrund ihrer hierarchischen Stellung im System, es ist das Verh&#228;ltnis zwischen den Polen des Widerspruchs, das graduell ihre Kristallisation hervorbringt und jedem Pol eine nationale Existenz verleiht, durch welche der Widerspruch Geopolitik wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Konfrontation USA (Westen)/Russland, aber auch Iran, T&#252;rkei usw., noch auf einem anderen Niveau, China, werden die m&#246;glichen L&#246;sungen f&#252;r eine globale Rekonfiguration der Ausbeutung entschieden. Kein Staat (kein Protagonist) repr&#228;sentiert einen einzigen Pol, aber in jedem spielt ein Pol die Rolle der Dominanten im Verh&#228;ltnis.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die aktuelle Krise hat die absolute &#220;bereinstimmung zwischen der &#220;berakkumulation des Kapitals und der Unterkonsumtion der Arbeiter als allgemeiner Prozess der Krisen dieser Produktionsweise zutage gebracht. Die Armut ist zu einem Problem geworden. Wenn diese Krise die Form dieser &#220;bereinstimmung annehmen und sie zutage bringen konnte, dann weil die Reproduktion der Arbeitskraft, wie wir es gesagt haben, Gegenstand einer doppelten Entkopplung gewesen war. Einerseits Entkopplung zwischen der Kapitalverwertung und der Reproduktion der Arbeitskraft, andererseits Entkopplung zwischen Konsumtion der Arbeiter und dem Lohn als Einkommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Fragen sind nun auf dem Tisch: das Wesen des Staates; das Verh&#228;ltnis zwischen Kapitalverwertung und Reproduktion der Arbeitskraft; die Mobilisierungsweisen dieser Arbeitskraft durch das Kapital; die Modalit&#228;ten des Lohnverh&#228;ltnisses in den Beziehungen zwischen Anstellung/Arbeitslosigkeit/Prekarit&#228;t; die Beziehungen zwischen Lohn/Einkommen/Kredit. Der Fall der Profitrate ist immer konjunkturell, ausf&#252;hrlich und determiniert, sowohl historisch als auch lokal.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf einem ganz anderen Niveau bez&#252;glich des Ausmasses und der Konfliktualit&#228;t als der laufende Krieg in der Ukraine mit der direkten und globalen Konfrontation der im Scheitern der Globalisierung auf dem Spiel stehenden Pole brachten schon die Klassenk&#228;mpfe in Griechenland nach den Krawallen 2008 in den Griechenland spezifischen Modalit&#228;ten die Widerspr&#252;che und Sackgassen der soeben in die Krise eingetretenen Kapitalverwertungs- und -akkumulationsweise zutage.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Pole des Widerspruchs, die man in Griechenland einerseits als die Rettung des Finanzsystems und andererseits als die Reproduktion der Arbeitskraft durch das Kapital selbst karikieren konnte, waren nur tote Momente, jeder Pol konnte dem anderen nur vorwerfen, zu sein, was er war. Jeder blieb in den Polen selbst der Krise eingesperrt und wiederholte stets seine spezifische Rolle. Das Verh&#228;ltnis von Syriza zu den europ&#228;ischen Institutionen hatte der gegenw&#228;rtigen Krise allerdings eine Form gegeben. &lt;i&gt;Im Namen der kapitalistischen Produktionsweise&lt;/i&gt; hatte Tsipras Draghi gesagt, dass das nicht mehr funktionieren k&#246;nne. Es ist in diesem Sinne und nur in diesem Sinne, dass die sechsmonatige Konfrontation zwischen der &#8222;radikalen populistischen Linken&#8220; und den weisen und ehrw&#252;rdigen Institutionen der Krawattentr&#228;ger in Br&#252;ssel, Frankfurt und Washington eine wirkliche Konfrontation war. Die Widerspr&#252;che waren da, ausgesprochen und polarisiert, aber ohne eine massive Konfrontation mit dem Proletariat sind sie leblos und dazu verdammt, sich selbst zu karikieren. Die Pole waren nur einseitig widerspiegelt, im Kapital, und zeigten nur das Auftauchen des Problems.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im gleichen Sinne bedeutet der Krieg in der Ukraine, dass die Fragen immer noch da sind, aber sie befinden sich nun auf einem anderen Niveau, die Metastasen sind global und bis anhin kann keine kapitalistische L&#246;sung die Aufl&#246;sung der gesetzten Probleme vereinheitlichen. Die Geschichte besteht aus Momenten, Situationen und Ereignissen, die Widerspr&#252;che zu einer Synthese zusammenfassen, welche bis dahin ihr eigenes Dasein f&#252;hrten. Die Widerspr&#252;che verlieren nicht ihre Besonderheiten, doch sie treffen und durchdringen sich. Die russische Invasion der Ukraine ist diese Art von Ereignis. Das Prinzip ist einzigartig, es ist die Globalisierung als grundlegende Krise der Entkopplung, doch die Manifestationen davon sind in ihrer Anordnung, ihren Eigenschaften und ihren eigenen Dimensionen vielf&#228;ltig. Alles gerinnt: Klassenk&#228;mpfe, politische Krise der Politik, geopolitische Konfrontationen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was seit 2008 auf dem Spiel steht, ist eine Rekonfiguration der Globalisierung, welche die Staaten und ihre nationale Organisation zur Existenz und Einflussnahme betrifft. Wir erleben ein notwendiges &#8222;nationales Moment&#8220;, es ist nicht eine &#8222;L&#246;sung&#8220;, es ist ein Moment der Krise und nur ein Hinweis auf die Perspektive. Es wird &#8222;momentan&#8220; (?) nichts an der St&#228;rkung der Staaten oder Staatsbl&#246;cke vorbeif&#252;hren, daher kommt die Bedeutung der Ukraine f&#252;r Russland, ohne sie ist es wirtschaftlich, politisch und ideologisch kein Staat. Ohne die Ukraine existiert Russland nicht als Staat und existierte nie als solcher&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wir werden hier nicht weiter auf die tausendj&#228;hrige Geschichte der stets (...)&#034; id=&#034;nh3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Um in der Rekonfiguration der Globalisierung, wovon es nun sowohl geopolitisch als auch strukturell (konzeptuell) einen blockierenden Pol darstellt, ein Gewicht zu haben und eine Rolle zu spielen, muss Russland dem Fluch des Rentierstaates entfliehen und dabei im wesentlichen seinen Nachschub an Devisen und die Zufuhr f&#252;r sein Budget aufrechterhalten. Eine schwierige Gleichung, wom&#246;glich unl&#246;sbar, ausser es bringt all sein milit&#228;risches Gewicht ins Spiel (aber, wie Napoleon sagte, man kann &#8222;mit einem Bajonett alles machen, aber [man kann] nicht darauf sitzen&#8220;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist hier notwendig, Thomas Gomart (Direktor des Franz&#246;sischen Instituts f&#252;r internationale Beziehungen IFRI) ausf&#252;hrlich zu zitieren, er skizziert ein stichhaltiges Panorama des von der Gewalt beschleunigten gegenw&#228;rtigen globalen Spiels:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Es ist eine zentrale Krise f&#252;r das internationale System, denn sie prallt auf das Gleichgewicht der Kr&#228;fte, nicht nur auf der Ebene Europas, sondern auch auf jener Eurasiens, die von Brest bis nach Wladiwostok reicht. F&#252;r Russland ist die Ukraine ein Schauplatz unter anderen. Der Zyklus der westlichen Interventionen endete in Kabul im August 2021 mit dem amerikanischen Debakel. Im Sicherheitsrat wird die Handlung Russlands weder von China, noch von Indien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten verurteilt. Halten wir anbei fest, dass diese beiden L&#228;nder die &#8218;strategischen Partner&#8216; Frankreichs in der indopazifischen Region sind. Auf einer tieferen Ebene kann die Ann&#228;herung zwischen China und Russland durch die Umsetzung der westlichen Sanktionen gegen&#252;ber Russland nur beschleunigt werden. Indem es die Ukraine annektieren will, braucht Russland China immer offensichtlicher als wirtschaftliche, finanzielle und technologische Alternative. Die neue Phase wird durch einen traurigerweise klassischen europ&#228;ischen Invasionskrieg er&#246;ffnet, doch sie k&#252;ndigt wahrscheinlich konkurrierende geo&#246;konomische Koalitionen, sowie eine globale Reorganisation der maritimen, finanziellen und Datenfl&#252;sse an.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es kommt zu einer Beschleunigung des Kampfes um die globale Vormacht zwischen den USA und China. Dank Russland kann China Washington dazu zwingen, zwei Fronten offen zu halten: Chinesisches Meer und Schwarzes/Baltisches Meer [&#8230;]. Zur Zeit des Kalten Krieges hatten die Volkswirtschaften des sozialistischen Blocks und der kapitalistischen L&#228;nder kaum Beziehungen zueinander. Heute sind sie zutiefst miteinander verbunden, allen voran mit China, aber auch mit Russland. Daher kommt die Bedeutung der Kontrolle &#252;ber die K&#252;stengebiete dieses zusammengeh&#246;rigen kontinentalen Gebietes. Dort, wo Europa und die an Russland grenzende Zone zwischen dem Baltischen und dem Schwarzen Meer (baltische L&#228;nder, Moldau, Ukraine, Georgien) aufeinandertreffen, kommt es zu den gr&#246;ssten Spannungen. Auf der Seite des Pazifiks sind es das Chinesische Meer, Taiwan, die beiden Koreas und Japan, wo es zu Reibungen kommt [&#8230;]. Die Zank&#228;pfel sind die Beherrschung des globalen Produktionsapparates in einem Kontext der Akzentuierung der &#246;kologischen Zw&#228;nge und die Beschleunigung der Digitalisierung der Welt.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Le Monde vom 3. M&#228;rz 2022.&#034; id=&#034;nh4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Analyse ist exakt, aber prinzipienlos. Was &#8222;auf das Gleichgewicht der Kr&#228;fte prallt&#8220;, sind die Pole der Blockade der Akkumulation auf globaler Ebene. Alles wird in diesen paar Zeilen auf den Punkt gebracht, ausser der Widerspruch der Globalisierung als Totalit&#228;t, der die Sache existieren l&#228;sst und ihre Pole national gesondert darlegt. Die Pole der Konfrontation existieren nicht sui generis, sie werden durch das Wesen der Totalit&#228;t gesondert dargelegt. Innerhalb der Krise der amerikanischen Globalisierung kommt die westf&#228;lische Realit&#228;t der Beziehungen zwischen Staaten zur&#252;ck, aber &lt;i&gt;nur&lt;/i&gt; als Moment der &lt;i&gt;internen&lt;/i&gt; Krise der Globalisierung. Im Gegensatz zu den westf&#228;lischen Konfrontationen ist es nun die Totalit&#228;t, die an erster Stelle steht und sich national polarisiert, wobei sie jeden der Pole durchdringt. Alles wird neu definiert: Der &#8222;Illiberalismus&#8220; Ungarns unter Orb&#225;n und Polens hat seine Absolution erhalten, es gibt in der Ukraine keine Oligarchen mehr, die &#8222;faschistischen&#8220; Milizen des Maidan 2014 haben sich in heldenhafte patriotische Selbstorganisationen zur Verteidigung verwandelt und der Fernsehnarr in eine Ikone der Demokratie, sogar Israel, der Staat der hemmungslosen Kolonialisierung und der institutionellen Apartheid, jener, der am meisten Verurteilungen durch die UNO kumuliert, wird auf den Rang eines &#8222;Vermittlers&#8220; bef&#246;rdert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ohne dass das Resultat vorbestimmt w&#228;re, aber was als gewiss erscheint, ist die Tatsache, dass jeder Staat, als allgemeiner Repr&#228;sentant seiner kapitalistischen Klasse, der in der kommenden Rekonfiguration der Globalisierung eine Rolle spielen will, sich als souver&#228;ne Grossmacht &#252;ber einen nationalen Raum mit einer relativ koh&#228;renten Reproduktion konstituieren muss, obwohl die Rekonfiguration der Globalisierung nicht die R&#252;ckkehr der Internationalisierung sein k&#246;nnen wird, sondern eine noch unbestimmbare Mischung, welche die Kapitalverwertung und die Reproduktion wieder, nicht notwendigerweise national, miteinander verbinden muss. Seit 2004 und der Erweiterung der NATO an den Grenzen Russlands (die auf die unilaterale Intervention der USA im Irak folgt), dann 2008 mit der Annexion eines Teils von Georgien spielt Russland so um seinen Platz in dieser Rekonfiguration. Um die Terminologie von Clausewitz zu &#252;bernehmen, dieses Spiel besteht aus einer Unzahl von Gefechten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wir &#252;bernehmen in diesem Absatz gewisse Themen des Kapitels &#8222;Das Gefecht (...)&#034; id=&#034;nh5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Sei es in Syrien, Libyen, etlichen L&#228;ndern der Sahelzone, der Konfrontation mit der NATO an seinen Grenzen (wir werden nicht versuchen, die Frage zu beantworten, wer zuerst seine Verpflichtungen nicht eingehalten hat), sei es mit der Annexion der Krim, der polizeilichen Intervention in Weissrussland, dann der milit&#228;rischen in Kasachstan, der Anerkennung der separatistischen Republiken im ukrainischen Osten, der Aufrechterhaltung eines schwelendes Krieges im gesamten Donbass und jetzt der Invasion der Ukraine, in der Unzahl von Gefechten ist das letztendliche Ziel ein politisches. Dieses Ziel ist mit einer derartigen Menge an Bedingungen und Betrachtungen verbunden, dass das Ziel nicht durch einen einzigen Akt grossen Ausmasses erreicht werden kann, sondern nur durch eine grosse Anzahl mehr oder weniger bedeutender Akte, &lt;i&gt;die ein Ganzes konstituieren&lt;/i&gt;. Jedes dieser besonderen Gefechte ist Teil einer Gesamtheit und enth&#228;lt ein spezielles Ziel, &lt;i&gt;das es mit dieser Gesamtheit verbindet&lt;/i&gt;. Die besonderen Gefechte k&#246;nnen nur ausgehend von gemeinsamen Ursachen erkennt werden, aus welchen sie entstehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Invasion der Ukraine ist nur ein besonderes Gefecht, das jedoch, um weiterhin wie Clausewitz zu sprechen, den &#8222;Kulminationspunkt des Angriffs&#8220; repr&#228;sentiert. Doch &#8222;der Angriff&#8220; ist eine kontinuierliche Schw&#228;chung des Gegners je mehr er fortschreitet, jedes Vorr&#252;cken entfernt ihn von seinen St&#252;tzpunkten, die &#8222;Form der Verteidigung&#8220; ist ihrerseits st&#228;rker als die &#8222;Form des Angriffs&#8220;, &#8222;die Verteidigung [ist] eine st&#228;rkere Form des Kriegf&#252;hrens&#8220;. Die Invasion der Ukraine ist dieser Kulminationspunkt, dem ersten Anschein nach auf dem milit&#228;rischen Terrain mit dem Getrampel der russischen Armee, aber allen voran und in erster Linie in Bezug auf das politische Ziel. &#8222;Kulminationspunkt des Angriffs&#8220; mithilfe einer &#8222;Unzahl von Gefechten&#8220; im Streben nach einem politischen Ziel: Ein Pol zu sein gegen&#252;ber dem Westen in der Kristallisation der Pole des Widerspruchs, in welche sich die Globalisierung festgefahren hat, und dadurch im grossen Spiel ihrer Rekonfiguration teilzunehmen. Wie es auch immer ausgehen mag, Russland wird verlieren; es wird nur ein zerst&#246;rtes und von einem Viertel seiner Bev&#246;lkerung geleertes Territorium unterjochen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Westen setzte nicht auf die Strategie des taktischen R&#252;ckzuges (Kutusow gegen&#252;ber Napoleon; MacArthur gegen&#252;ber den Russen und dann den Chinesen in Korea; etliche Beispiele zeigen, dass diese Strategie nicht notwendigerweise die Tiefe des russischen Raumes erfordert), sondern auf jene des &#8222;politischen R&#252;ckzuges&#8220;: &lt;i&gt;Laissez-faire&lt;/i&gt;. Mit den vorerst beruhigenden Erkl&#228;rungen Bidens, Macrons und des Generalsekret&#228;rs der NATO hat der Westen Russland in eine nicht &#8222;t&#246;dliche&#8220; (auf keinen Fall), sondern in eine schw&#228;chende und devitalisierende Falle &#8222;gelockt&#8220; (Anf&#252;hrungs- und Schlusszeichen, da es nicht besonders schwierig war, wenn man will, dass jemand f&#228;llt, muss man ihn in jene Richtung stossen, in welche er ohnehin schon neigt)&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ende Januar 2022 weigerte sich Deutschland immer noch, der Ukraine Waffen (...)&#034; id=&#034;nh6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. In allen Parlamenten bekommt Selenski via Videokonferenz stehenden Applaus, man kopiert sogar seine khakifarbenen Kapuzenpullover, doch er weiss, dass er nur ein Bauer ist und es ist ausgesprochen selten, dass der Bauer die K&#246;nigin erreicht, bevor ein L&#228;ufer oder ein Turm, manchmal ein lauerndes Pferd, ihn verspeist. Alle westlichen Anf&#252;hrer machten, bevor sie Beifall spendeten f&#252;r ihren &#8222;Widerstand&#8220; (der sorgf&#228;ltig innerhalb gewisser Grenzen gehalten wird&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Eine konventionelle Luftintervention der NATO &#252;ber der Ukraine h&#228;tte (...)&#034; id=&#034;nh7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;), Druck auf die Ukraine, damit sie die Minsker Abkommen (2014) akzeptiert, diese sahen eine Verfassungsrevision und die Repr&#228;sentation der sezessionistischen Regionen vor. Der Westen hat die Verh&#228;ngung einer Art &#8222;Patt&#8220; zum Ziel, das f&#252;r Russland zerm&#252;rbend w&#228;re und eine ungewisse Dauer h&#228;tte, die Ukrainer und Ukrainerinnen hingegen sind dabei zu einer Art Kollateralschaden geworden. Die Erreichung des anf&#228;nglich &#8222;begrenzten&#8220; Ziels (die Ukraine) hat nun f&#252;r Russland nicht die geringste &#8222;Erfolgsaussicht&#8220; ohne es auf die baltischen Staaten und/oder Polen auszuweiten. Je mehr der Feind vorr&#252;ckt, desto mehr verliert er seine St&#252;tzpunkte, desto mehr muss sich sein politisches Ziel ausweiten bis ihn zu Positionen, die nicht seine waren und die er nicht halten oder &#252;bernehmen kann. Russland kann nur noch hoffen und auf den chinesischen Rettungsring warten, aber, wie in jedem B&#252;ndnis, liebt jener, welcher es dominiert, seine Komparsen allen voran, wenn sie geschw&#228;cht sind (China hatte sehr gute Beziehungen mit der Ukraine&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Le Monde vom 1.3.22.&#034; id=&#034;nh8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kennt die ber&#252;hmte Formel von Clausewitz: &#8222;Der Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln&#8220;, diese Formel entspricht nicht genau jener des Textes: &#8222;Man wei&#223; freilich, da&#223; der Krieg nur durch den politischen Verkehr der Regierungen und der V&#246;lker hervorgerufen wird [Clausewitz bleibt in einer westf&#228;lischen Konzeption des Krieges gefangen, obwohl er irgendwo beil&#228;ufig bemerkt, dass man die Besatzung einer Nation nur erfolgreich aufrechterhalten kann, wenn die Besatzungsmacht in den inneren Konflikten der besetzten Macht ein Echo findet, AdA]; aber gew&#246;hnlich denkt man sich die Sache so, da&#223; mit ihm jener Verkehr aufh&#246;re und ein ganz anderer Zustand eintrete, welcher nur seinen eigenen Gesetzen unterworfen sei. Wir behaupten dagegen, der Krieg ist nichts als eine Fortsetzung des politischen Verkehrs mit Einmischung anderer Mittel. Wir sagen mit Einmischung anderer Mittel, um damit zugleich zu behaupten, da&#223; dieser politische Verkehr durch den Krieg selbst nicht aufh&#246;rt, nicht in etwas ganz anderes verwandelt wird, sondern da&#223; er in seinem Wesen fortbesteht, wie auch seine Mittel gestaltet sein m&#246;gen, deren er sich bedient, und da&#223; die Hauptlinien, an welchen die kriegerischen Ereignisse fortlaufen und gebunden sind, nur seine Lineamente sind, die sich zwischen den Krieg durch bis zum Frieden fortziehen.&#8220; Die innere Logik der Politik f&#252;r Clausewitz (1780-1831) ist jene der &#220;berwindung, der Resorption der Konflikte, so wie sie durch die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse der &#8222;Zivilgesellschaft&#8220; ausgel&#246;st worden sind, die Politik l&#246;st eine Konfliktsituation auf, wovon sie stets abh&#228;ngig ist. Er ist in jeglicher Hinsicht eine Zeitgenosse Hegels, obwohl die Dialektik zwischen dem &#8222;reinen Begriff des Krieges&#8220; und dem &#8222;wirklichen Kriege&#8220; (die beiden Teile von &lt;i&gt;Vom Kriege&lt;/i&gt;) nichts mit der Hegelschen Selbstverwirklichung des Konzepts zu tun hat, sondern sich eher, mit Machiavelli, auf die den Umst&#228;nden entsprechende Recherche nach einer Verwirklichung der Notwendigkeit in den konjunkturellen Unw&#228;gbarkeiten bezieht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Krieg repr&#228;sentiert den &#228;ussersten Moment der Konflikte, ihren H&#246;hepunkt, ohne sich jedoch im Wesen von ihnen zu unterscheiden: Als entscheidender Moment der Totalit&#228;t der gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und ideologischen Konflikte, auch als &#220;berarbeitung des Klassenkampfes, woraus er entsteht, fasst sie der Krieg im &#8222;Bruchelement&#8220; der &lt;i&gt;organisierten&lt;/i&gt; Gewalt zusammen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Dinge w&#228;ren sehr einfach, wenn die Konflikte und Kriege direkt die in der Kapitalakkumulation und in der Produktionsweise im allgemeinen auf dem Spiel stehenden Widerspr&#252;che ausdr&#252;cken w&#252;rden. Aber all das existiert nur durch alle Vermittlungen der Reproduktion des Kapitals, wovon die nationalen Strukturen und ihre Geschichte ein Teil sind. Die Staaten existieren als notwendig in der kapitalistischen Produktionsweise, w&#228;hrend deren Entstehung sie sich konstituiert haben (17. und 18. Jahrhundert bis England alle Elemente der Entstehung des Kapitals als Produktionsweise synthetisiert&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Karl Marx, Das Kapital, Bd. 1 in MEW, Bd. 23, S. 779.&#034; id=&#034;nh9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;). Die Staaten als solche verfolgen ihre eigenen Ziele und diese Verfolgung derselben ist g&#228;nzlich Teil der Reproduktion und der Restrukturierung der kapitalistischen Produktionsweise, die nicht eine Entit&#228;t ist, die sich ohne alle ihre Determinationen reproduziert, sie sind nicht Selbstdeterminationen des Konzepts, sondern sorgen daf&#252;r, dass die Dinge &lt;i&gt;wirklich&lt;/i&gt; existieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann immer sagen, und es ist nicht falsch, dass die Proletarier nicht ihre Ausbeuter w&#228;hlen sollen und sie haben ohnehin keine Wahl. Aber wie alle leben, existieren und werden sie in dieser sie definierenden Produktionsweise hervorgebracht und sie denken und handeln gem&#228;ss der Gesamtheit der sie definierenden gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse. Es ist m&#246;glich, dass sie sich aufgrund der besonderen Situation dieser gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse in einer Konjunktur befinden, die sie dazu bringt, sie abzuschaffen, und dass nur sie sich in dieser Situation befinden. Doch gegenw&#228;rtig, wenn die &#8222;Restrukturierung&#8220; unvermeidlich Klassenkampf bedeutet, so hat das Kapital, im Widerspruch, so wie er sich pr&#228;sentiert, unter der Form der Nation (Souver&#228;nit&#228;t, Populismus, Staatsb&#252;rgerschaft), die &#8222;Politik&#8220; des Proletariats schon vorweggenommen. Die W&#252;rfel sind gezinkt und die P&#233;tanque-Kugeln gef&#252;llt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Krise der Globalisierung verwandelt sich &#252;berall (Zentrum und Peripherie) in eine politische Krise (man kann nicht dar&#252;ber hinwegsehen, indem man sagt, dass das, was z&#228;hlt, die wirtschaftlichen Interessen sind, denn diese haben eine &#8222;Form&#8220;). Im restrukturierten Kapital liegt das Verschwinden der Arbeiteridentit&#228;t dieser Krise zugrunde, sie hat die Gesamtheit der politischen Funktionsweise des demokratischen Staates total destabilisiert, diese ist gleichwesentlich mit der Anerkennung einer gesellschaftlichen Spaltung und ihrer Befriedung. Gegenw&#228;rtig ist der Klassenkampf (zentrale und periphere &#220;bersch&#252;ssige eingeschlossen) gepr&#228;gt von der Teilung zwischen Nation und Globalisierung in Form einer soziopolitischen Spaltung, wovon das Thema der Ungleichheiten und der Legitimit&#228;t des Staates der Kern geworden ist. Die Krise der Globalisierung dr&#252;ckt sich bis anhin durch popul&#228;re Bewegungen aus, die bez&#252;glich der Themen der Einkommensverteilung, der nationalen Souver&#228;nit&#228;t, der Familie, der Werte und der Staatsb&#252;rgerschaft mehr oder weniger nationalistisch sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Pr&#228;ziser betreffend der Ukraine kann man sagen, dass jene, welche den Nationalismus schlichtweg als eine Entgleisung oder eine Manipulation der Arbeiterklasse betrachten, diese nicht als Klasse dieser Produktionsweise betrachten, sondern als wesentlich konform mit ihrem &#8222;Sein-Sollen&#8220;, wenn auch mit kontingenten &#8222;Vernebelungen&#8220;. Ein &#8222;Sein-Sollen&#8220;, wovon sie, das ist ihre Daseinsberechtigung, die permanenten und invarianten Repr&#228;sentanten sind, aber immer frustriert bis zum n&#228;chsten Mal.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Russland hat sich als ideologischer, politischer und kultureller Repr&#228;sentant und in seiner Konfrontation mit dem Westen als Pol der Forderung nach nationaler Souver&#228;nit&#228;t in Anbetracht der westlichen Globalisierung herausgestellt, es hat sogar eine zerbrechliche Reorganisation seiner Produktionen, seiner W&#228;hrungsreserven und seines Zahlungssystems auf unabh&#228;ngige Art und Weise eingeplant und antizipiert. Das f&#252;hrt dazu, dass sich in der gesamten Welt vielf&#228;ltige und verschiedene Freundschaften kristallisieren. &lt;i&gt;Putin ist nicht alleine, er repr&#228;sentiert auf immer unilateralere Art und Weise einen Pol des zu &#252;berwindenden Widerspruchs&lt;/i&gt;. Am 28. Januar versammeln sich die souver&#228;nistischen und rechtsextremen Parteien in Madrid, man findet dort Marine Le Pen, aber auch Viktor Orb&#225;n, den tschechischen und den polnischen Premierminister, letzterer ist der einzige, der sich explizit kritisch gegen&#252;ber Russland zeigt. All die Schmusereien Chev&#232;nements, M&#233;lenchons, Salvinis, Beppe Grillos, Schr&#246;ders, Zemmours, Le Pens (die das russische Darlehen immer noch nicht zur&#252;ckgezahlt hat), der Vox in Spanien, der AFD in Deutschland usw. mit Putin sind allseits bekannt, die Liste muss mit Beispielen aus den USA selbst erg&#228;nzt werden, Trump vor nicht allzu langer Zeit und ein Starmoderator von Fox News. Vor&#252;bergehend werden wir nicht mehr in den Genuss der wunderbaren Ausstellungen der Stiftung Louis Vuitton kommen, mit welchen uns Bernard Arnault, dank seinen oligarchischen Investitionen und seinen Freundschaften vor dem Hintergrund des Ch&#226;teau d&#8216;Yquem, ausgehend von den Reserven der russischen Sammler, verw&#246;hnte. Aber, zum Teufel mit dem Ch&#226;teau d&#8216;Yquem, Macron hat uns gewarnt, dass wir f&#252;r die &#8222;Verteidigung unserer Werte&#8220; k&#252;nftig den G&#252;rtel enger schnallen und Trottinett fahren m&#252;ssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;R. S.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;23. M&#228;rz 2022&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://dndf.org/?p=20016&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://chusmachusma.noblogs.org/post/2022/04/11/ukraine-2022-r-s/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;English&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://hacialavida.noblogs.org/ucrania-2022-roland-simon/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Espa&#241;ol&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Mit der realen Subsumtion der Arbeit unter das Kapital findet eine v&#246;llige (und sich best&#228;ndig fortsetzende und wiederholende, siehe &lt;i&gt;Das kommunistische Manifest&lt;/i&gt;) Revolution in der Produktionsweise selbst statt, in der Produktivit&#228;t der Arbeit und im Verh&#228;ltnis von Kapitalist und Arbeiter.&#8220; Marx, &lt;i&gt;Resultate des unmittelbaren Produktionsprozesses&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Mykola Chwylowyj, zitiert von Zbigniew Kowalewski, &#8222;L'Ukraine, r&#233;veil d'un peuple, reprise d'une m&#233;moire&#8220; in &lt;i&gt;Revue H&#233;rodote&lt;/i&gt;, &#8222;Les Marches de la Russie&#8220;, 1989. Mykola Chwylowyj war ein Schriftsteller und bolschewistischer Aktivist seit 1917, er begeht 1933 Selbstmord.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wir werden hier nicht weiter auf die tausendj&#228;hrige Geschichte der stets konfliktreichen und verschachtelten Beziehungen zwischen der Ukraine und Russland mit wechselnden Vorherrschaften eingehen. Es ist &#8222;am&#252;sant&#8220;, daran zu erinnern, dass der Begriff Russland aus dem Griechischen (Byzanz) kommt, &lt;i&gt;Rossiia&lt;/i&gt;, so wurde der ruthenische Staat genannt, der sich im 10. Jh. rund um Kiew gebildet hatte. Nach der Eroberung Rutheniens durch Litauen (14. Jh.) eignen sich die F&#252;rsten Moskaus den Begriff an und das ehemalige Ruthenien wird zunehmend Ukraine genannt, was &#8222;Grenzland&#8220; bedeutet. Es muss erg&#228;nzt werden, dass die durch Russland der Ukraine auferlegten Beziehungen w&#228;hrend der gesamten sowjetischen Periode ein starkes gemeinsames nationales Interesse jenseits der Klassenspaltungen pr&#228;gten (siehe Kowalewski, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;.). Schliesslich eine kleine Anspielung auf Machno, der, w&#228;hrend seinem Treffen mit Lenin (Juli 1918), bez&#252;glich der &#8222;Anarcho-Kommunisten in der Ukraine&#8220; an Lenin gerichtet anf&#252;gt: &#8222;[O]der in &#8218;S&#252;drussland&#8216;, da ihr, bolschewistische Kommunisten, das Wort Ukraine systematisch vermeidet.&#8220; (Machno, &lt;i&gt;M&#233;moires&lt;/i&gt;, zitiert in &lt;i&gt;Ni Dieu ni ma&#238;tre&lt;/i&gt;, Delphes, S. 460.)&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; vom 3. M&#228;rz 2022.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wir &#252;bernehmen in diesem Absatz gewisse Themen des Kapitels &#8222;Das Gefecht &#252;berhaupt&#8220; in Clausewitz, &lt;i&gt;Vom Kriege&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ende Januar 2022 weigerte sich Deutschland immer noch, der Ukraine Waffen zu liefern.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Eine konventionelle Luftintervention der NATO &#252;ber der Ukraine h&#228;tte Russland die Option des unm&#246;glichen R&#252;ckgriffes auf die Atomwaffe verschafft. Aber das war &#252;berhaupt nicht die westliche Strategie des &lt;i&gt;politischen&lt;/i&gt; &#8222;defensiven R&#252;ckzuges&#8220;. Man k&#246;nnte sagen, dass die Existenz der strategischen Atomwaffen der Clausewitzschen Dialektik zwischen &#8222;reinem Begriff&#8220; des Krieges (Vernichtung des Feindes) und dem &#8222;wirklichen Kriege&#8220; (Fortsetzung der Politik) G&#252;ltigkeit und eine materielle Existenz verleiht.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; vom 1.3.22.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Karl Marx, &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Bd. 1 in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 23, S. 779.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Interview mit Roland Simon von Th&#233;orie communiste (2005)</title>
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&lt;p&gt;Ein Interview mit Roland Simon von Th&#233;orie communiste. Erschienen in riff-raff Nr. 8. &lt;br class='autobr' /&gt;
Das Interview wurde in Posen, Polen am 18. August 2005 auf Franz&#246;sisch mit Hilfe von englischen Dolmetschern gef&#252;hrt. &lt;br class='autobr' /&gt;
RR: Roland, du bist Teil der Gruppe Th&#233;orie communiste in Frankreich, die seit Anfang der 1970er Jahre existiert. K&#246;nntest du uns kurz zusammenfassen, was die wesentlichen Gr&#252;nde f&#252;r die Gr&#252;ndung der Gruppe damals waren und wie sie sich allgemein &#252;ber die Jahre entwickelt hat? &lt;br class='autobr' /&gt;
RS: (...)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

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&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Theorie-communiste" rel="tag"&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Roland-Simon" rel="tag"&gt;Roland Simon&lt;/a&gt;, 
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 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/arton74.jpg?1689268812' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='53' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Ein Interview mit Roland Simon von &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;. Erschienen in &lt;a href=&#034;http://libcom.org/library/riff-raff-no-8-communist-theory-beyond-ultra-left&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;riff-raff&lt;/i&gt; Nr. 8&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Interview wurde in Posen, Polen am 18. August 2005 auf Franz&#246;sisch mit Hilfe von englischen Dolmetschern gef&#252;hrt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;RR: Roland, du bist Teil der Gruppe &lt;a href=&#034;https://sites.google.com/site/theoriecommuniste/home&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; in Frankreich, die seit Anfang der 1970er Jahre existiert. K&#246;nntest du uns kurz zusammenfassen, was die wesentlichen Gr&#252;nde f&#252;r die Gr&#252;ndung der Gruppe damals waren und wie sie sich allgemein &#252;ber die Jahre entwickelt hat?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;RS: Diese Frage wird am besten im Text &lt;a href=&#034;https://libcom.org/library/beyond-ultra-left-aufheben-11&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Th&#233;orie Communiste: Background and Perspective&#8220;&lt;/a&gt; beantwortet, er wurde in &lt;i&gt;Aufheben&lt;/i&gt; Nr. 11 ver&#246;ffentlicht. Es ist sinnlos, zu wiederholen, was in diesem Text gesagt worden war, ausser jenen Moment zu pr&#228;zisieren, wo die Problematik von &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; ihren Fokus auf die Frage der Restrukturierung richtete, d.h.: eine zu Ende gehende Periode des Kapitals, der Abschluss eines Kampfzyklus und ein anderes Verh&#228;ltnis zwischen den Klassen, das entsteht. All dies erschien 1979 in der Nr. 3 von &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt;, wo wir uns unmittelbar mit der Schwierigkeit konfrontierten, zu versuchen, die Restrukturierung zu definieren; wir verwendeten verschiedene Ans&#228;tze, verschiedene Arten der Definition.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der erste Ansatz war allzu stark ausschliesslich auf den Arbeitsprozess fokussiert. Das war Ende der 1970er Jahre, als die Computerisierung und die Automatisierung in den Arbeitsprozess eingef&#252;hrt wurden. Wir waren also stark auf diese Transformation fokussiert und wir definierten die Restrukturierung als eine Aneignung gesellschaftlicher Produktivkraft der Arbeit in fixem Kapital, d.h. Arbeitsteilung, Kooperation. Wir sprachen danach von der Restrukturierung in eher formalistischer Art und Weise als Verwertungsprozess, der die Gesamtheit seiner eigenen Bedingungen durchdringt. Wir kamen somit zu etwas, das zunehmend die Gesamtheit des Reproduktionsprozesses umfasste. Wir unterstrichen besonders die Transformation der Modalit&#228;ten der Reproduktion von Arbeitskraft und das Verh&#228;ltnis zwischen dem Produktionsprozess und dem Markt. Die Schwierigkeit, mit welcher wir konfrontiert waren, war die Tatsache, dass wir die Gefahr erkannten, die Besonderheit des Arbeitsprozesses aufzul&#246;sen und alles durcheinanderzubringen. Wir standen an der Schwelle zur Ketzerei...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nun kamen wir schliesslich zur Definition der Restrukturierung als Abschaffung von allem, was ein Hindernis f&#252;r die Selbstvoraussetzung des Kapitals, seiner Fluidit&#228;t, darstellen k&#246;nnte. Mit diesem Ansatz erhielten wir eine Besonderheit des Reproduktionsprozesses der produktiven Arbeitskraft aufrecht, w&#228;hrend wir gleichzeitig die Transformation des gesamten Reproduktionsprozesses im Blick behielten. Ich werde hier nicht im Detail auf die Restrukturierung eingehen, aber sie impliziert, zum Beispiel, die Aufl&#246;sung der Opposition zwischen Arbeit und Arbeitslosigkeit durch die Flexibilisierung; in Bezug auf den Markt gibt es die Theorie der Fl&#252;sse; dazu kommt das Verschwinden der Trennung der Akkumulation in nationale Zonen, das Ende der Unterscheidung zwischen Zentrum und Peripherie, das Verschwinden des Ostblocks.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die haupts&#228;chliche Folge dieser Restrukturierung ist somit die &#220;berwindung des Widerspruchs, welcher den gesamten vorhergehenden Zyklus charakterisiert hatte. Das bedeutet, den Widerspruch zwischen einerseits einer Produktivkraft der Arbeit, die vom Kapital auf immer gesellschaftlichere und kollektivere Art und Weise erschaffen, reproduziert und zum Arbeiten gebracht wird. Und gleichzeitig die Form der Aneignung durch das Kapital dieser gesellschaftlichen/kollektiven Produktivkraft der Arbeit, die ab einem gewissen Punkt als begrenzt erscheint. Sie erscheint zum Beispiel als Hindernis auf der Ebene des Arbeitsprozesses in den Problemen, die in den Produktionslinien entstehen, und auf der Ebene der Reproduktion in der Krise des Wohlfahrtsstaates. Somit hat das Kapital gesellschaftliche Produktivkraft der Arbeit erschaffen, die zu einem Hindernis f&#252;r die Verwertung geworden ist. Das bedeutet, dass, da die Formen dieser gesellschaftlichen Macht starr werden (das k&#246;nnten die Widerstandsformen in der Produktionslinie, die Probleme des Wohlfahrtsstaates sein), die vergesellschaftlichte Reproduktion der Arbeitskraft durch das Kapital ab einem gewissen Punkt zu einem Hindernis f&#252;r seine Verwertung wird. Im vorhergehenden Kampfzyklus manifestierte sich diese antagonistische Situation als eine Arbeiteridentit&#228;t, welche die Grundlage aller Determinierungen des vorhergehenden Zyklus war. Eine Arbeiteridentit&#228;t, die dar&#252;ber hinaus durch die Reproduktion des Kapitals in der Kluft zwischen der vom Kapital erschaffenen gesellschaftlichen Kraft und den Formen, durch welche es sie sich aneignete, best&#228;tigt wurde. Es war diese Situation, welche die Restrukturierung abschaffte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;RR: Gibt es andere theoretische Traditionen, abgesehen von der deutsch-holl&#228;ndischen Linken, die euch inspiriert haben, wie der Operaismus/autonome Marxismus oder vielleicht die Regulationsschule? Und was konnte (oder nicht) bei Bordiga und der italienischen Linken gefunden werden?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;RS: Die haupts&#228;chliche Zugeh&#246;rigkeit von &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; ist die deutsch-holl&#228;ndische Linke. Um noch einmal auf die erste Frage Bezug zu nehmen, die Leute, welche &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; gr&#252;ndeten, kamen von einer r&#228;tekommunistischen Tradition. Wir erkl&#228;rten in &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; Nr. 14 unser Verh&#228;ltnis zur Ultralinken und ich kann die Definition der Ultralinken geben, die wir formulierten:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Wir k&#246;nnen als ultralinks jegliche Praxis, Organisation und Theorie bezeichnen, welche die Revolution als Affirmation des Proletariats setzt. Gleichzeitig wird diese Affirmation als eine Kritik und Negation von allem betrachtet, was das Proletariat in seiner Verstrickung mit dem Kapital und dem Staat definiert, letztere werden nur als integrierende Vermittlungen gesehen. In diesem Sinn ist die Ultralinke ein prozessierender Widerspruch. Weshalb? Weil die Revolution sich mit der St&#228;rke der Klasse selbst als Klasse der kapitalistischen Produktionsweise konfrontieren muss. Als Illustration daf&#252;r: Das ist die Trag&#246;die der deutschen Revolution. Weil diese Affirmation einerseits ihre St&#228;rke in ihrer eigenen Rechtfertigung und Daseinsberechtigung findet. Andererseits ist es dieses gleiche Wesen innerhalb des Kapitals, das ein Wesen f&#252;r das Kapital ist, das seine Autonomie verlangen muss, zu einem Wesen f&#252;r sich werden muss. Das ist der extreme Punkt, wo wir fast die M&#246;glichkeit finden k&#246;nnen, die Revolution als Selbstnegation des Proletariats zu formulieren. Doch auf ihrer eigenen Grundlage kann sie nicht weitergehen. Es ist wie Moses vor dem versprochenen Land.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was die italienische Linke betrifft, dieser Punkt, fast f&#228;hig zu sein, die Revolution als Verschwinden der Klassen zu sehen, ist etwas, das in der deutsch-holl&#228;ndischen Linken sehr wichtig ist, aber in der italienischen Linken fast nicht existiert &#8211; nur in sehr marginalen Texten, die mehr oder weniger klandestin bleiben. Ihr Ansatz ist unf&#228;hig, zu diesem Punkt zu gelangen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Operaismus: Wir haben manchmal gewisse Formulierungen des Operaismus wie zum Beispiel die zentrale Arbeiterfigur und die Klassenzusammensetzung &#252;bernommen. Doch wir brauchen sie als bedeutsame Bilder, nicht als strikte theoretische Kategorien. Vor &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt;, zu Beginn der 1970er Jahre, hatten wir eine Zeitschrift namens &lt;i&gt;Intervention communiste&lt;/i&gt; und einer der ersten Texte war eine Kritik des Konzepts des politischen Lohnes. Somit will ich sagen, dass m.E. der Operaismus nie &#252;ber seine Wurzeln in der italienischen Linken hinausgegangen ist [Linke des Mainstreams, z.B. KP, CGT, Anmerkung von Roland]. Auf polemische Art und Weise k&#246;nnte man den Operaismus als radikalen Syndikalismus definieren, der auf ein politisches Wunder hofft. Ich denke, dass die von ihnen erstrebte &#8222;Entgegenst&#228;ndlichung&#8220; nichts anderes als eine Ver&#228;nderung des Standpunktes war. Nur weil wir etwas nicht mehr von der gleichen Seite betrachten, bedeutet das nicht, dass die Sache selbst sich &#228;ndert. In Bezug auf die gegenseitige Verstrickung des Proletariats und des Kapitals sahen sie diese nie als Totalit&#228;t. F&#252;r sie blieb sie immer eine Interaktion.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Bezug auf die Regulationsschule: Auch hier &#252;bernehmen wir gewisse Begriffe und sogar gewisse Analysen, zum Beispiel den Fordismus, die Krise des Fordismus. Aber obwohl wir den Begriff &#8222;Fordismus&#8220; aufgreifen, sind wir gegen die Idee der Verteilung/des Teilens der Produktivit&#228;tsgewinne. Es geht nicht um ein Teilen der Produktivit&#228;tsgewinne, sondern um eine Transformation innerhalb des Werts der Arbeitskraft, der Wert der Arbeit wird auch historisch definiert und die Transformationen des Kapitals transformieren ihrerseits diesen historischen Charakter des Werts. In der Regulationstheorie gibt es eine methodische Falle: Ein Prinzip des Verst&#228;ndnisses der Wirklichkeit, das im Nachhinein konstruiert wird, wird in ein Prinzip zum Vornhinein verwandelt. Die Regulationstheorie ist nicht auf ein Prinzip der Interpretation der wirtschaftlichen Prozesse beschr&#228;nkt; doch diese Koh&#228;renz, welche ein Prinzip des Verst&#228;ndnisses ist, wird der kapitalistischen Produktionsweise als immanente Wirklichkeit gew&#228;hrt. Diese Kritik der Regulationsschule w&#228;re nicht sehr interessant, wenn sie bloss eine Kritik bliebe, doch wir sehen in zeitgen&#246;ssischen Ausdr&#252;cken die Reproduktion dieser Falle. Anstatt die Restrukturierung als real existierenden Kapitalismus und als konstituierend f&#252;r ihn als System zu betrachten, liegt der Fehler darin, in der Definition der Restrukturierung die bestm&#246;gliche Koh&#228;renz (zwischen den wirtschaftlichen Prozessen) zu suchen. Um es geradeheraus zu sagen, ich denke, dass das der Fehler Dauv&#233;s ist, wenn er die Frage der Restrukturierung aufnimmt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der andere wichtige Einfluss f&#252;r uns war die Situationistische Internationale. Sie geh&#246;rten zu den Ersten, die f&#228;hig waren, von Revolution als Abschaffung aller Klassen zu sprechen. Aber sie taten es inmitten einer ganzen Reihe von Widerspr&#252;chen. Zuerst, indem sie gleichzeitig von Arbeiterr&#228;ten sprachen, aber auch, indem sie durch den Diskurs &#252;ber die Aufhebung und Verwirklichung der Kunst nach einem Ausweg suchten. Ich denke, dass die SI den Programmatismus zu seinem Explosionspunkt gebracht hat. Zum Beispiel in der doppelten Definition, welche die Situationisten vom Proletariat hatten: Sie sahen sich selber tief in der &#8222;alten Arbeiterbewegung&#8220; verwurzelt und waren sogar stolz darauf, dieses Erbe zu beanspruchen, doch gleichzeitig offerierten sie einen alternativen Aspekt der Definition des Proletariats als all jene, welche keine Kontrolle &#252;ber ihr Leben haben und es wissen. Und mit der Theorie des Proletariats und seiner Repr&#228;sentation, die es ihnen erlaubt, alles, was die Existenz der Klasse innerhalb des Kapitals sein k&#246;nnte, in der Kategorie der Repr&#228;sentation zu platzieren, und damit eine Art innerer Widerspruch innerhalb des Proletariats zu kreieren, der erkl&#228;rt, dass es sich selbst als Klasse &#252;berwinden kann. Es ist der am weitesten entfernte Punkt, wohin man innerhalb des Programmatismus der SI gelangen konnte. Dieser Explosionspunkt zeigt sich in der Unm&#246;glichkeit f&#252;r Debord, seine Theorie des Spektakels zusammenzuschn&#252;ren. Er versucht immer, zu sagen, dass das Spektakel keine Maske, keine Illusion ist, es ist Realit&#228;t. Doch woher kann ab diesem Punkt die &#220;berwindung (die Revolution) kommen? Meiner Meinung nach ist das das Problem, mit welchem Debord in der &lt;i&gt;Gesellschaft des Spektakels&lt;/i&gt; durchgehend ringt. Denn innerhalb der Theorie des Spektakels der SI gibt es eine Theorie, die wir vulg&#228;r nennen k&#246;nnen, die Theorie der Illusion. Es ist der von Vaneigem, Theo Frey und Jean Garneau repr&#228;sentierte Ansatz und er entspricht nicht der Theorie des Spektakels, die wir in Debords Buch finden k&#246;nnen. Das ist sein ganzes Problem: Debord will aus dem Spektakel nicht eine Maske oder eine Illusion machen. Aber tats&#228;chlich war die Theorie, mit welcher die SI praktisch funktionierte, die vulg&#228;re Theorie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und im Verh&#228;ltnis zur italienischen Linken&#8230; Wie ich gesagt habe, wir nahmen nicht sehr viel. Ihre Kritik der deutschen Linken nat&#252;rlich; die Kritik der Revolution als Selbstverwaltung und ihr Beharren auf den Inhalt der Revolution als Abschaffung des Werts und der Lohnarbeit. Aber es ist eine Kritik, die leninistisch bleibt in dem Sinne, dass man weiterhin von staatlicher Planung und von einer &#220;bergangsphase spricht. Eine andere wichtige Sache ist die Kritik der Demokratie. Doch es ist eine Kritik, die formal und abstrakt bleibt, d.h. sie kritisiert den B&#252;rger bloss als eine Form, die auf der Existenz des Werts und der Ware gegr&#252;ndet ist &#8211; sie geht nicht bis zum Punkt des Kapitalfetischismus selbst. Denn im Kapitalfetischismus wird dieser Fetischismus des Individuums des Handels, des Werts, der Ware, welches das demokratische Individuum ist, im Fetischismus der Elemente des Produktionsprozesses aufgegriffen, d.h. im Kapitalfetischismus selbst, was erkl&#228;rt, wie wir innerhalb der Demokratie, der Funktionsweise der Demokratie, unter diese fetischisierten Formen, die Klasse wiederentdecken k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der andere Punkt der italienischen Linken w&#228;re die Kritik des Antifaschismus, doch das finden wir auch in der deutschen Linken und auf die fast gleiche Art und Weise.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schliesslich die Theoretiker, die f&#252;r uns wichtig sind:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Luk&#225;cs: Die Theorie der Verdinglichung, die wir manchmal benutzen, um die Selbstvoraussetzung des Kapitals zu definieren, es besteht ein Verh&#228;ltnis zwischen den beiden Konzepten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Korsch: Besonders wenn er den &#220;berblick verliert und Fehltritte macht, dann ist er am interessantesten &#8211; zum Beispiel in den &#8222;Zehn Thesen &#252;ber den Marxismus heute&#8220;. Denn dort sieht er wie einige andere Theoretiker die Grenzen, die Sackgasse des Programmatismus, doch ist gleichzeitig an der Schwelle dazu, jegliche Klassentheorie aufzugeben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und dann ist da noch Mattick mit seinen &#246;konomischen Texten. Sonst, in seinen politischen Texten, bleibt er auf der absolut klassischen Ebene der Ultralinken. Doch seine &#246;konomischen Texte sind wesentlich, allen voran seine Kritik von Rosa Luxemburgs &lt;i&gt;Die Akkumulation des Kapitals&lt;/i&gt;: Dort argumentiert er, dass die Krise gleichbedeutend mit dem tendenziellen Fall der Profitrate ist &#8211; es ist nicht eine Frage der M&#228;rkte; es ist nicht eine Frage der Realisierung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und schliesslich mit viel Vorsicht Althusser mit seiner Kritik des hegelianischen Marxismus und des Humanismus. Ich denke, dass diesbez&#252;glich Althusser, Balibar und manchmal Ranci&#232;re wesentlich sind. Deswegen werden wir nicht seine Theorie des epistemologischen Bruches aufgreifen oder den Marxismus als Wissenschaft behandeln. Aber man kann viel lernen von der Kritik des Humanismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;RR: Wie siehst du das Verh&#228;ltnis zwischen einerseits &#8222;Revolution&#228;ren&#8220;/theoretischen Gruppen, wie eurer, und andererseits der Arbeiterklasse und ihren K&#228;mpfen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;RS: Wir denken, dass Klassenkampf notwendigerweise theoretisch ist. Jeder Kampf produziert Theorie. Nat&#252;rlich m&#252;ssen wir unterscheiden zwischen Theorie im weiten Sinne, wovon ich hier spreche, und Theorie im engen Sinne, die das Produkt von einigen Leuten in einer Gruppe irgendwo ist. Im weiten Sinne ist der Punkt, dass das Proletariat sich immer bewusst ist, was es tut, und ich nenne dieses Bewusstsein theoretisch, denn es kann kein Selbstbewusstsein sein. Und dieses Bewusstsein verl&#228;uft immer &#252;ber eine Kenntnis des Kapitals, die Vermittlung des Kapitals. Eben weil es &#252;ber ein Anderes verl&#228;uft, kann ich es nicht Selbstbewusstsein nennen, deshalb nenne ich es theoretisches Bewusstsein. Dieses theoretische Bewusstsein, das innerhalb der globalen Oppositionsbewegung gegen das Kapital existiert, endet in der Reproduktion des Kapitals. Und zu diesem Zeitpunkt wird Theorie in einem engen Sinn artikuliert. Diese enge Theorie wird zur Kritik der Tatsache, dass das Bewusstsein der Opposition in der Reproduktion, in der Selbstvoraussetzung des Kapitals endet. In diesem Sinne ist Theorieproduktion in all ihrer Vielfalt und in all ihren Verschiedenheiten genauso Teil des Klassenkampfes wie jede andere T&#228;tigkeit, die ihn konstituiert. An diesem Punkt hat die Frage &#8222;Was tun?&#8220; &#252;berhaupt keinen Sinn mehr; wir versuchen nicht mehr, als Theoretiker oder Aktivisten mit einer konstituierten Theorie in K&#228;mpfe zu intervenieren. Das bedeutet, dass, wenn wir selber in einen Konflikt verwickelt sind, wir auf der gleichen Ebene handeln wie alle anderen; und obwohl wir nicht vergessen, was wir sonst tun, ist die Art und Weise, wie wir es nicht vergessen, indem wir anerkennen, dass der Kampf, in den wir verwickelt sind, selbst Theorie neu bearbeitet, umformuliert und produziert. Ich denke, dass wir auf diese Art und Weise in einen Kampf verwickelt sein k&#246;nnen, ohne zu vergessen, was wir sonst tun: F&#228;hig sein, den Kampf selbst als etwas zu sehen, das Theorie produziert. Dazu muss gesagt werden, dass Theorie nie pr&#228;existent als Projekt oder fertiges Verst&#228;ndnis sein kann. Zum Beispiel, w&#228;hrend den Streiks 2003 war ich ziemlich aktiv involviert in einem Streikkomitee an meinem damaligen Arbeitsplatz. Und das gab mir die Gelegenheit, zu sehen, wie die Positionen des B&#252;rgersinns und des radikalen Demokratismus eine notwendige Form war, die der Kampf annahm, und nur wenn man diese Notwendigkeit versteht, kann man sie kritisieren und sich ihr nicht einfach als etwas schlichtweg Falsches entgegensetzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um zum vorhergehenden Punkt zur&#252;ckzukommen: Was ich damit meine, dass das Proletariat nicht ein unmittelbares Selbstbewusstsein ist &#8211; dass es sich selber nicht einfach auf seiner eigenen Grundlage kennt, sondern nur in der Vermittlung des Kapitals und durch sie &#8211;, das k&#246;nnte man von der Bourgeoisie auch sagen. Der Unterschied ist, dass das Kapital Arbeit subsumiert und nicht umgekehrt, was bedeutet, dass in diesem Gegensatz das Selbstbewusstsein der Bourgeoisie wirklich zu einem Selbstbewusstsein werden kann, weil es den Anderen in seinen Pol integriert hat, was in Bezug auf das Proletariat nie geschehen k&#246;nnte und nicht der Fall ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;RR: In den Diskussionen zwischen &lt;i&gt;Aufheben&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; kann man sehen, dass eure historische Periodisierung des Kapitalismus auf der Grundlage der Konzepte formelle/reelle Herrschaft des Kapitals &#252;ber die Arbeit &#8211; besonders die Idee einer zweiten Phase der reellen Subsumtion &#8211; scheinbar ein Hindernis war. Kannst du kurz erkl&#228;ren, auf welchen Grundlagen ihr die verschiedenen Phasen unterteilt und auch welche Kontinuit&#228;ten und Unterschiede zwischen eurem und dem Marxschen Gebrauch dieser Terminologie bestehen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;RS: Diese Frage enth&#228;lt drei Punkte. Der erste ist die Frage der Periodisierung. Der zweite ist, weshalb diese Periodisierung im Verh&#228;ltnis zu &lt;i&gt;Aufheben&lt;/i&gt; zu einem Hindernis geworden ist. Der dritte Punkt ist die Frage des Verh&#228;ltnisses zu den kanonischen Texten von Marx und den Definitionen von formeller und reeller Subsumtion.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;1. Betreffend der Frage der Periodisierung kann ich auf die Diskussion mit &lt;i&gt;Aufheben&lt;/i&gt; verweisen, wo die Restrukturierung, die Ver&#228;nderungen und ihre Gr&#252;nde diskutiert werden. Und ich kann auch auf meine Antwort auf die erste Frage verweisen, wo ich erkl&#228;rte, wie die Restrukturierung zuerst definiert worden war und die Schwierigkeiten, die wir hatten, um sie zu definieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;2. Die Frage der Periodisierung war nicht ein Hindernis; sie war sogar der zentrale Punkt der Diskussion im Verh&#228;ltnis mit &lt;i&gt;Aufheben&lt;/i&gt;. Was, so denke ich, mit &lt;i&gt;Aufheben&lt;/i&gt; geschah, war, dass der zentrale Punkt der Periodisierung einen anderen Punkt traf und das wurde zu einem Hindernis. Dieser versteckte Punkt, dieser andere Punkt war die Definition des laufenden Kampfzyklus, der Autonomie, der Selbstorganisation, um das ging es in Wirklichkeit. Zuzugeben, dass die von uns vorgeschlagene Periodisierung diese politischen Punkte in Frage stellte und nicht nur einige theoretische, allgemeine und abstrakte Fragen zur Periodisierung des Kapitals. Sie stellte auch eine gewisse Konzeption der Revolution als ein zu sich selbst zur&#252;ckkehrendes Subjekt in Frage, als eine gewisse humanistische Konzeption der Revolution. Sie wurde zu einem Hindernis, weil die Frage der Periodisierung alle Fragen der Autonomie auf den Tisch brachte, das zu sich selbst zur&#252;ckkehrende Subjekt, die Selbstorganisation und das kam letztendlich bei den j&#252;ngsten Diskussionen mit &lt;i&gt;Aufheben&lt;/i&gt; heraus und das war der eigentliche Ursprung unserer Austausches.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;3. Es scheint mir, dass die Diskussionen der reellen Subsumtion bei Marx stets ambivalent sind. Reelle Subsumtion basiert auf der Theorie der relativen Mehrwertextraktion. Somit auf der Entwicklung des Maschinenbetriebs, der Steigerung der Produktivit&#228;t. Gleichzeitig kann relativer Mehrwert nur existieren, wenn die Waren, welche f&#252;r die Reproduktion der Arbeitskraft notwendig sind, selbst auf kapitalistische Art und Weise produziert werden. Somit kann in diesem Sinn reelle Subsumtion nicht einfach auf der Grundlage der Transformation des Produktionsprozesses definiert werden. In diesem Sinne, dass der Begriff der reellen Subsumtion das impliziert, was ich eine kapitalistische Gesellschaft nenne (es ist nicht eine exzellente Formulierung); was die Integration der Reproduktion der Arbeitskraft in den Kapitalzyklus selbst und sogar die Transformation des Konflikts zwischen Kapital und Arbeit als Dynamik des Kapitals bedeutet. Und das war nicht historisch mit dem Erscheinen der Maschine gegeben und deshalb scheint es, dass die Definition der reellen Subsumtion in den Texten von Marx h&#246;chst ambivalent ist. Marx war ein Kind seiner Zeit, die Tatsache, dass er diese Ambivalenz schon wahrgenommen hat, ist schon als solche aussergew&#246;hnlich, aber wir k&#246;nnen nicht mehr verlangen. Man kann nicht mehr als sein Letztes geben&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;RR: F&#252;r dieses Sommercamp habt ihr einen Text f&#252;r einen Workshop vorbereitet, &lt;a href=&#034;https://libcom.org/library/self-organisation-is-the-first-act-of-the-revolution-it-then-becomes-an-obstacle-which-the-revolution-has-to-overcome&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Kommunisierung vs. Selbstorganisation&#8220;&lt;/a&gt;. Kannst du uns ein bisschen mehr &#252;ber diesen Text und &#252;ber deine Erwartungen an die Diskussionen des Workshops erz&#228;hlen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;RS: Dieser Text ist etwas ziemlich Neues in der Problematik von &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;. In diesem Text, durch diese Diskussionen hier, ist &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt; dabei, ein bisschen optimistisch zu werden. Das heisst, bis vor kurzem betrachteten wir das, was als Dynamik dieses Kampfzyklus definiert werden kann &#8211; dass das Proletariat sich selbst in seinem Verh&#228;ltnis mit dem Kapital in Frage stellt &#8211;, komplett mit der Frage des Handelns als Klasse, das die Grenze dieses Kampfzyklus ist, verstrickt war. Somit sahen wir das Konzept der Grenze und jenes der Dynamik als fast identisch in unserer Sichtweise auf die K&#228;mpfe bis jetzt. In diesem Text erscheint eine Trennung zwischen dem Konzept der Grenze und jenem der Dynamik. Sie wird in verschiedenen Beispielen unter dem Titel &#8222;Angek&#252;ndigter Bruch&#8220; entwickelt:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Dieser Bruch k&#252;ndigt sich mit der zunehmenden Trennung innerhalb des Klassenkampfes an. Als Klasse zu handeln, als Klasse zu k&#228;mpfen, ist die heutige Grenze des Klassenkampfes, doch diese Handlung ist einerseits die Reproduktion des Kapitals und die Lohnk&#228;mpfe innerhalb der Kategorien des Kapitals und andererseits die Infragestellung seiner eigenen Existenz als Klasse innerhalb des Widerspruchs mit dem Kapital durch das Proletariat. Diese Trennung zwischen den beiden Seiten ist die Trennung zwischen Grenze und Dynamik.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Th&#233;orie communiste, &#034;Self-Organisation Is the First Act of the Revolution; (...)&#034; id=&#034;nh2-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;RR: Die letzte Frage betrifft das Verh&#228;ltnis zwischen deiner Gruppe und Gilles Dauv&#233;. Wir ver&#246;ffentlichten 2004 ein Buch mit schwedischen &#220;bersetzungen von verschiedenen Texten Dauv&#233;s, u.a. &lt;a href=&#034;https://libcom.org/library/capitalism-communism-gilles-dauve&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Kapitalismus und Kommunismus&#8220;&lt;/a&gt;, &lt;a href=&#034;https://libcom.org/library/3-leninism-ultra-left&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Leninismus und die Ultralinke&#8220;&lt;/a&gt; und &lt;a href=&#034;https://www.wildcat-www.de/zirkular/50/z50dauve.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Wenn die Aufst&#228;nde sterben&#8220;&lt;/a&gt;. Zuvor hatten wir auch den Text &lt;a href=&#034;http://troploin0.free.fr/biblio/lovlabuk/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Arbeiten oder nicht arbeiten? Ist das die Frage?&#8220;&lt;/a&gt; &#252;bersetzt, er ist eine implizite Kritik von &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt;. Und in der letzten Ausgabe unserer Zeitschrift ver&#246;ffentlichten wir eine Korrespondenz zwischen Mitgliedern unserer Redaktion und Dauv&#233;, die sich viel um &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; drehte. Nun denken wir, dass es nichts als fair ist, dich &#252;ber deine Sicht zu den Meinungsverschiedenheiten zwischen deiner Gruppe und Dauv&#233; zu befragen.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;RS: Zuerst, wenn wir so viel mit Dauv&#233; streiten, dann weil wir schon so viel gemeinsam haben, z.B. den Begriff Kommunisierung und das Bed&#252;rfnis, zu einem synthetischen Verst&#228;ndnis der Periode zu gelangen, die Frage nach dem Verh&#228;ltnis zwischen der Transformation des Kapitals und dem Klassenkampf zu stellen usw. Es ist, weil wir beide einen Ansatz haben, den ich als theoretisch bezeichnen w&#252;rde, dass wir so viel streiten k&#246;nnen. Nachdem das gesagt ist, die haupts&#228;chliche Meinungsverschiedenheit mit Dauv&#233; ist seine Konzeption der Invarianz des Kommunismus als Streben nach der menschlichen Gemeinschaft. Ich denke, dass diese Konzeption Dauv&#233;s, die Invarianz des Strebens nach der menschlichen Gemeinschaft, in Wirklichkeit das ist, was ich eine Arbeiterrevolution mit menschlichem Antlitz der Periode von Ende der 1960er bis Anfang der 1970er Jahre nennen w&#252;rde. Es ist eine Sichtweise, die einer spezifischen historischen Periode entspricht und die Dauv&#233; als Invarianz des Kommunismus auffasst. Verbunden mit dieser Problematik ist die Frage des Determinismus und die Frage der Revolution als freie T&#228;tigkeit. Wenn Dauv&#233; z.B. sagt, der Kommunismus sei, dass wir unsere Leben in unsere eigenen H&#228;nde nehmen, was w&#228;re eine Revolution wert, zu welcher wir trotz uns selbst gedr&#228;ngt werden? Es ist diese Art von Satz, die f&#252;r mich keinen Sinn hat und mit der Problematik des Kommunismus als mehr oder weniger ewiges Streben nach der menschlichen Gemeinschaft verbunden ist, denn wenn ich als Proletarier gedr&#228;ngt werde, dann nicht trotz mir selbst. Alle Meinungsverschiedenheiten zwischen &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; und Dauv&#233; lassen sich von diesem grundlegenden Punkt ableiten, denn vom Moment an, wo man das als Streben nach Kommunismus definiert, hat die Periodisierung der kapitalistischen Produktionsweise keinen Sinn mehr. Wir k&#246;nnen also sagen, dass gegenw&#228;rtig das Kapital das gleiche ist wie 1860, das ist es, was Dauv&#233; sagt, und es ist m.E. absolut wahr, aber absolut nutzlos, denn von diesem Punkt an wird jegliche Periodisierung des Kapitals zu einer einfachen Aff&#228;re der Verkn&#252;pfung gegebener Momente und jegliche Versuche der Periodisierung des Kapitals werden somit als deterministisch verurteilt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein andere Konsequenz dieser Sichtweise des Kommunismus, die in Wirklichkeit jene des Endes der 1960er und des Anfangs der 1970er Jahre ist, ist die Unm&#246;glichkeit, das Kapital jenseits des Fordismus zu verstehen. Somit, wie ich es in Bezug auf die Regulationsschule gesagt habe, die Unm&#246;glichkeit, die real existierende Restrukturierung als Restrukturierung zu sehen. Es gibt kein Modell der Restrukturierung. Da &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; alle Theorien des Kommunismus als revolution&#228;res Wesen des Proletariats oder als menschliches Streben nach Gemeinschaft aufgeben hat, wird die Frage &#8222;Wie kann es geschehen?&#8220; nur an &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; gerichtet. Es scheint, dass alle anderen Theorieproduktionen davon dispensiert sind, diese Frage zu beantworten. Wir fragen sie nicht, weil sie, ob sie nun an das revolution&#228;re Wesen, das Streben nach der menschlichen Gemeinschaft oder eine Form der eines Tages triumphierenden Selbstorganisation glauben, die L&#246;sung schon haben und somit davon dispensiert sind, die Frage &#8222;Wie kann es geschehen?&#8220;, zu beantworten. Weil sie in ihrem revolution&#228;ren Wesen, in ihrem Streben nach der menschlichen Gemeinschaft oder in ihrem grossen historischen Bogen der Entfremdung, in ihrer Formulierung schon ihre Antwort gegeben haben. Es ist, weil &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; nicht die Antwort schon innerhalb der Frage platziert hat, dass wir uns tats&#228;chlich diese Frage stellen k&#246;nnen und wie immer wir sie auch beantworten m&#246;gen, werden wir immer des Determinismus bezichtigt, weil wir Geschichte ber&#252;cksichtigen. Somit haben wir uns, indem wir all diese Formulierungen aufgegeben haben, das Leben kompliziert gemacht, denn wir haben nichts mehr ausser die Ausbeutung als den Widerspruch zwischen dem Proletariat und dem Kapital, ihre gegenseitige Verstrickung und die Geschichte des Kapitals als Geschichte dieses Widerspruchs. Und nur damit k&#246;nnen wir arbeiten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Somit kann es im Verh&#228;ltnis zur Revolution keine normative Haltung mehr geben. Kommunismus und Revolution sind historische Hervorbringungen. Wenn du eine normative Haltung hast, kannst du in Bezug auf den Prozess des Klassenkampfes sagen, dass da oder dort etwas fehlt &#8211; all die &#8222;sie h&#228;tten das tun sollen&#8220; oder &#8222;sie taten das nicht&#8220;, die man im Text &#8222;Wenn die Aufst&#228;nde sterben&#8220; findet. Was bedeutet, dass du weisst, was die Revolution sein muss. Und das, was du weisst, dass die Revolution sein muss, ist auf jede Epoche anwendbar. Du wirst sagen, dass die Aufst&#228;ndischen im Juni 1848 dieses oder jenes nicht tun konnten, die deutschen Arbeiter 1919/1920 dieses oder jenes h&#228;tten tun sollen, und wenn du versuchst, zu verstehen, was sie unter den gegebenen Bedingungen taten, an und f&#252;r sich, wird du unmittelbar des Determinismus bezichtigt. Ab diesem Punkt scheint das Problem des Determinismus gel&#246;st zu sein, denn wir haben alles getan, um zu verhindern, dass das Problem der Geschichte auf den Tisch gebracht wird. Was bedeutet, dass das Werden, die Geschichte selbst eliminiert wird. Und m.E. ist das der Punkt, wo man zu einer wahrhaft deterministischen Position kommt. Denn wir warten auf nichts anderes, als darauf, dass ein Zufall geschieht. Aller Determinismus wird im revolution&#228;ren Wesen des Proletariats platziert und Geschichte ist von da an nur noch da, um von Zeit zu Zeit eine Trennung zwischen der Wirklichkeit, eines Zeitpunkts oder einer Bewegung und dem Modell zu zeigen. Dann kann man nat&#252;rlich, wie dies Dauv&#233; und Nesic tun, viele Beispiele auff&#252;hren, aber was bemerkenswert ist, wenn man z.B. &#8222;Arbeiten oder nicht arbeiten?&#8220; liest, ist die Tatsache, dass diese Beispiele klar chronologisch geordnet sind, aber wenn sie irgendwie anders geordnet w&#228;ren, w&#252;rde das an der Demonstration &#252;berhaupt nichts &#228;ndern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nur um die Frage zu beenden, es gibt auch ein grosses Missverst&#228;ndnis &#252;ber die Art und Weise, wie wir die M&#246;glichkeit der Kommunisierung pr&#228;sentieren: Wenn wir sagen &#8222;Jetzt zeigt sich die Revolution auf diese Art und Weise&#8220;, sagen wir gewiss nicht &#8222;Schliesslich zeigt sie sich, wie sie sich immer h&#228;tte zeigen sollen&#8220;, wir sagen auch nicht, dass das Kapital die Probleme an Stelle der Proletarier gel&#246;st hat, denn um sich das vorstellen zu k&#246;nnen, w&#228;re es notwendig, dass diese Probleme schon vor der Restrukturierung existierten und die vorhergehende Periode determinierten. Aber z.B. das Problem der Unm&#246;glichkeit des Programmatismus, das von der letzten Restrukturierung auf den Tisch gebracht worden ist, war kein Problem w&#228;hrend der Periode des Programmatismus selbst, wo er der eigentliche Kurs der Revolution war, und wenn das Kapital das Problem des Programmatismus gel&#246;st hat, dann sollte man nicht vergessen, dass es durch eine Restrukturierung geschah, d.h. durch eine Konterrevolution, die L&#246;sung ist gegen die Proletarier hervorgebracht worden und nicht als Geschenk des Kapitals. Und heutzutage impliziert die Problematik der Revolution als Kommunisierung Probleme, die nicht minder furchtbar sind als jene des Programmatismus, denn wenn das Handeln der Klasse zur eigentlichen Grenze des Klassenkampfes wird, und du kannst die Revolution nur mit diesem Handeln und durch dieses Handeln machen, dann hast du einige beschissene Probleme.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Englischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://libcom.org/library/interview-roland-simon&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb2-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Th&#233;orie communiste, &lt;a href=&#034;https://libcom.org/library/self-organisation-is-the-first-act-of-the-revolution-it-then-becomes-an-obstacle-which-the-revolution-has-to-overcome&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#034;Self-Organisation Is the First Act of the Revolution; It then Becomes an Obstacle which the Revolution Has to Overcome&#034;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
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		<title>Th&#233;orie communiste - Verschw&#246;rungstheorien im Allgemeinen und Pandemie im Besonderen</title>
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&lt;p&gt;Man versteckt uns alles, man sagt uns nichts, Je mehr man erf&#228;hrt, desto weniger weiss man, Man informiert uns wirklich &#252;ber nichts, Hatte Adam einen Bauchnabel? Man versteckt uns alles, man sagt uns nichts, [&#8230;] Die Aff&#228;re Dingsda und die Aff&#228;re Dingsbums, Wo man den M&#246;rder nicht findet, Man versteckt uns alles, man sagt uns nichts, Versteckspiel und Suchspiel, Blinde Kuh und Max Muster, Sie sind die K&#246;nige der Information &lt;br class='autobr' /&gt;
(Jacques Dutronc, 1967) &lt;br class='autobr' /&gt;
Stell dir vor, dass man uns bel&#252;gt, (...)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

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&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Theorie-communiste" rel="tag"&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/a&gt;, 
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		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;blockquote class=&#034;spip_poesie&#034;&gt;&lt;div&gt;Man versteckt uns alles, man sagt uns nichts,&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Je mehr man erf&#228;hrt, desto weniger weiss man,&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Man informiert uns wirklich &#252;ber nichts,&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Hatte Adam einen Bauchnabel?&lt;/div&gt;
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&lt;div&gt;Die Aff&#228;re Dingsda und die Aff&#228;re Dingsbums,&lt;/div&gt;
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&lt;div&gt;Man versteckt uns alles, man sagt uns nichts,&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Versteckspiel und Suchspiel,&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Blinde Kuh und Max Muster,&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Sie sind die K&#246;nige der Information&lt;/div&gt;
&lt;div&gt; &lt;/div&gt;
&lt;div&gt;(Jacques Dutronc, 1967)&lt;/div&gt;
&lt;div&gt; &lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Stell dir vor, dass man uns bel&#252;gt, seit etlichen Jahrhunderten / Dass einige gut gestellte Gemeinschaften die Rezepte kennen / Die Geheimnisse des Lebens, nicht jene, welche man uns sehen l&#228;sst&lt;/div&gt;
&lt;div&gt; &lt;/div&gt;
&lt;div&gt;(Keny Arkana)&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Einige vorangehende Betrachtungen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der kapitalistischen Produktionsweise ist die Bev&#246;lkerung nicht eine Tatsache der &#8222;Natur&#8220;, ihre Hervorbringung, Reproduktion, Verwaltung und die sie konstituierenden Kategorien sind Produkte von Klassen- und Genderverh&#228;ltnissen, die deren Formbildung und Entwicklung strukturieren. Diese Bev&#246;lkerung existiert gesellschaftlich und reproduziert sich nur als Funktion des Kapitals. Es gibt kein intaktes oder reines Substrat, das als Vorwegnahme von was auch immer dienen k&#246;nnte, es gibt kein Gl&#252;ck oder Leiden, keine gute Gesundheit oder Krankheit, keine Art, zu leben &lt;i&gt;oder zu sterben&lt;/i&gt;, die anders verstanden werden k&#246;nnten, denn als Ausdruck dieser Klassen- und Genderverh&#228;ltnisse. In Anbetracht des Themas muss man hinzuf&#252;gen, dass dieser stets erneuerte Ausdruck &#8211; da er historische Hervorbringung ist &#8211; des Klassen- und Genderverh&#228;ltnisses im Alltag des Denkens und Handelns f&#252;r alle Klassen existiert, und umso mehr unwissentlich (aber &#8222;aus freien St&#252;cken&#8220;) f&#252;r die Akteure, was die herrschenden oder oberen Klassen betrifft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Reproduktion ist nicht eine ideale und kalte Mechanik der Produktionsverh&#228;ltnisse, die ihre eigenen idealen Materialien in Gang bringt. Die Klassen- und Genderverh&#228;ltnisse zeigen sich nicht klar, sie existieren innerhalb einer Komplexit&#228;t, die konzeptuell als dynamische Entfaltung der Ausbeutungskategorien (das Verh&#228;ltnis Mehrarbeit / notwendige Arbeit) &#252;ber alle Teile der Existenz, welche die kapitalistische Produktionsweise durch ihren totalen Charakter in Gang bringt, verstanden werden kann. So wird die Bev&#246;lkerung nat&#252;rlich in Produktionsverh&#228;ltnissen im eigentlichen Sinne hervorgebracht und existiert darin, doch, genau deshalb, in der allt&#228;glichen Existenz, durch welche sich die Hervorbringung und Reproduktion der Ausbeutungsverh&#228;ltnisse in ihrer Gesamtheit als Existenzbedingungen dieser strikten Produktionsverh&#228;ltnisse konstituieren (durch Ideologien, Gedanken, Affektivit&#228;t, Geselligkeit, Freizeit, Gesundheit, Verh&#228;ltnis zum Wohnraum, Nahrung, Symptome, institutionelle Eintragung, 1 oder 2 auf der Karte der sozialen Sicherheit&#8230;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Aufrechterhaltung dieser scheinbar disparaten und heterogenen Elemente ist nicht die Sache eines Macrons oder einer Lobby, mag sie auch m&#228;chtig sein, und sie ist auch kein Produkt des Zufalls oder frei von Absichten, Willens&#228;usserungen und Entscheidungen. Doch diese Strukturen beherrschen stets die Individuen oder Gruppen von Individuen und ihre Handlungen, Gedanken, Ideologien usw. sind selbst Ausdr&#252;cke dieser Klassen- und Genderverh&#228;ltnisse, die sie hervorbringen und von denen sie reproduziert werden, genau wie sie sie nat&#252;rlich reproduzieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Als Anekdote &#252;ber diese Betrachtungen zur Bev&#246;lkerung, w&#228;hrend diesen (...)&#034; id=&#034;nh3-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Gehen wir von einer einfachen, oder gar grob vereinfachenden Idee aus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kein Staat, keine Bourgeoisie w&#252;rde die (ohnehin schon nicht brillante) Wirtschaft mit dem Ziel der Verst&#228;rkung der &#8222;Kontrolle&#8220; und der &#8222;Knechtung&#8220; der Gesellschaft oder zur Beg&#252;nstigung von Laboratorien oder irgendwelchen GAFA ruinieren. Wenn es wirklich sein muss, kann es eine Gelegenheit darstellen, sie muss jedoch von dieser herrschenden Klasse mit extremer Vorsicht gehandhabt werden, um die negativen Auswirkungen auf die Arbeit, die allgemeine Produktion, die Reproduktion der Arbeitskraft, die Zirkulation, den Konsum und auf globale Art und Weise das die Produktionsweise n&#228;hrende gesellschaftliche Leben zu vermeiden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Gehen wir zu einem etwas besser ausgearbeiteten Niveau &#252;ber in Bezug auf den verschw&#246;rungstheoretischen Diskurs&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &#8226; Nie die Institution, die Macht, das Ziel im Allgemeinen der &#8222;Verschw&#246;rung&#8220; beschuldigen. Den Begriff nicht benutzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &#8226; Sich als aufgekl&#228;rte Avantgarde positionieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &#8226; Sich auf die Wissenschaft und die Vernunft st&#252;tzen (etliche Fussnoten, schwer verst&#228;ndliche universit&#228;re Referenzen, Hypertext-Links, Grafiken, Karten usw.).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &#8226; Immer die Frage stellen: &#8222;Wer profitiert vom Verbrechen?&#8220; Jedes Ereignis einem Verantwortlichen, einer Organisation (einer okkulten Gruppe falls m&#246;glich) und einer einzigen Ursache zuschreiben. So k&#246;nnte man sagen, dass, da die bolschewistische Revolution teilweise durch die Bedingungen des Ersten Weltkrieges m&#246;glich wurde, der serbische Nationalist, der den Erzherzog &#214;sterreichs in Sarajevo ermordete, ein Agent Lenins war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &#8226; &#8222;Verwirrende Details&#8220; akkumulieren, indem man sie miteinander verbindet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &#8226; Den Zufall ablehnen, nur notwendige Korrelationen sehen (&#8222;Wusstet ihr, dass&#8230;?&#8220;; &#8222;Es ist kein Zufall, dass&#8230;&#8220;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &#8226; Sich auf die Geschichte st&#252;tzen und m&#246;glichst bunt zusammengew&#252;rfelte &#228;hnliche Ereignisse finden, die sich &#8222;irgendwie einander gleichen&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &#8226; Davon ausgehen, dass der Feind (okkulte Organisationen, Geheimdienste, Goldman Sachs usw.) nie Fehler macht. Alles, was geschieht, ist gewollt und kann ihm nicht entgangen sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &#8226; Hingegen und gleichzeitig davon ausgehen, dass der Feind Anf&#228;ngerfehler macht (hier geht man zur&#252;ck zu den &#8222;verwirrenden Details&#8220;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &#8226; Den Widerspruch ablehnen und ihn automatisch insofern disqualifizieren, als dass er nur von Quellen kommen kann, deren Interessen mit dem/den Dirigenten zusammenh&#228;ngen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &#8226; Die Welt als &#8222;expressive Totalit&#228;t&#8220; konstruieren (die Totalit&#228;t ist g&#228;nzlich in all ihren Elementen oder in all ihren Teilen pr&#228;sent). Aber leider sind nicht alle Leibniz und wir werden uns mit einigen verdrehten Korrelationen begn&#252;gen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &#8226; Die expressive Totalit&#228;t dr&#252;ckt sich in einer &#8222;Katastrophentheorie&#8220; aus (der Fl&#252;gelschlag des australischen Schmetterlings und der Tornado in Jamaika), aber ohne Entropie, denn alles l&#246;st sich in der Verwirklichung eines reiflich &#252;berlegten einzigen Ziels aus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schliessen wir hier daraus: Das System ist geschlossen, f&#228;lschungssicher und teleologisch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Kommen wir zu den Tatsachen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Pr&#228;ziser enth&#228;lt die verschw&#246;rungstheoretisch inspirierte Wut im Rahmen der gegenw&#228;rtigen Pandemie mehrere Momente:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;1. Die Wut gegen gewisse von den Regierungen getroffene Gesundheitsmassnahmen, die als freiheitsberaubend betrachtet werden. Es sind die folgenden Massnahmen: das Tragen der Maske &#8211; allen voran betreffend der Kinder, die Schliessung der &#8222;nicht wesentlichen&#8220; Gesch&#228;fte, einhergehend mit der schwachen Kritik der Trennung wesentlich / nicht wesentlich, die Mobilit&#228;tsregeln, die &#220;berwachung durch Atteste, der Einf&#252;hrung durch die Regierung der App Stop Covid und anderer Versionen, das Ausbooten von Forschern, die gegen&#252;ber den Strategien der Regierung gegen die Epidemie kritisch eingestellt sind, die Einf&#252;hrung eines Verteidigungsrates und eines Notstandes unter Umgehung der Nationalversammlung, die Ausgangssperren, die Perspektive eines Impfzwanges im Namen der Behandlungsfreiheit, aber gleichzeitig die Kritik der Weigerung der medizinischen Beh&#246;rden, systematisch Hydroxychloroquin und andere manchmal, besonders in den USA benutzte antibiotische Behandlungen zu verschreiben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;2. Diese Wut schafft Ann&#228;herungen mit einer ganzen Reihe an ganz verschiedenen Informationsquellen, Intellektuellen und Forschern, deren gemeinsame Absicht es ist, gegen&#252;ber den Intellektuellen des Mainstreams einen dissonanten aber revanchistischen Standpunkt darzubieten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;3. Die Erkl&#228;rung einer entschiedenen Absicht der Regierung, die Leute durch sogenannt freiheitsberaubende Massnahmen und durch die Angst zu knechten, verbindet all die bunt zusammengew&#252;rfelten Elemente miteinander. Die Angst wird auf allgemeine Art und Weise das am meisten verh&#246;hnte und erniedrigende Gef&#252;hl f&#252;r jene, welche vor Covid keine Angst haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;4. Die Schlussfolgerung daraus ist, dass die Regierung und die Lobby eine &#252;berm&#228;chtige Clique bilden, die es schafft, das Boot einer verdummten Bev&#246;lkerung vor einem kaum existierenden Virus zu lenken, die Zahlen zu manipulieren und die Wirtschaft mit dem einfachen Ziel zu blockieren, eine Bev&#246;lkerung zu knechten, die schlichtweg daf&#252;r gut ist, die Pharmaindustrie fett werden zu lassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Aber&lt;/i&gt;,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; diese Verbundenheit und Promotion dieser individuellen Freiheiten,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; dieser Reflex, die Legitimit&#228;t vom Standpunkt aus und in Bezug auf eine Welt von mehr oder weniger renommierten Intellektuellen zu gr&#252;nden, deren Titel die einen als die anderen prestigetr&#228;chtiger sind,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; diese Hervorhebung der Knechtung aller durch die Angst, die sie beherrscht und von welcher diese aufgekl&#228;rte Avantgarde frei zu sein scheint, um gegen alle mutig die Gefahren des freien und unmaskierten Wortes zu behaupten,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; und letztendlich diese Sichtweise der Bev&#246;lkerung als konsumierende Knetmasse irgendeiner medialen industriellen oder pharmazeutischen Lobby.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;All diese Elemente zeigen klar, inwiefern dieses Denken nur von einer Bev&#246;lkerungskategorie kommen kann, deren Existenz g&#228;nzlich nur in ihrer Eigenschaft besteht, &lt;i&gt;einen Teil&lt;/i&gt; der kapitalistischen Ideologie hervorzubringen und zu reproduzieren, indem sie sie beim Wort nimmt. Das heisst, in einer ihrer Existenz konformen und nicht widerspr&#252;chlichen Version, die auf die eingenommene Stellung in den Produktionsverh&#228;ltnissen verweist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die erlebte Wirklichkeit dieser Kategorie in Bezug auf ihre gesellschaftliche Pr&#228;gung ist folgende:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;* Ein nicht widerspr&#252;chliches Verh&#228;ltnis mit der individuellen Freiheit, die sie geniessen. Ihre Teilhabe an der Gemeinschaft des Kapitals ist derartig, dass ihre Existenz als isoliertes Individuum nicht widerspr&#252;chlich mit der Abh&#228;ngigkeit von dieser Gemeinschaft ist, denn diese Widerspr&#252;chlichkeit existiert nicht allen voran als heftiger Zwang, sondern spontan als beteiligt, als totale Solidarisierung mit ihren Institutionen (siehe weiter unten &#252;ber die Organe des Staatsapparates). Wir haben es hier mit dem isolierten Individuum der Freiheit und der Wahl zu tun, nicht mit dem isolierten Individuum, dessen Wahlfreiheit unmittelbar im schlimmsten Fall als Irrfahrt, Ausschluss und Prekarit&#228;t auf es zur&#252;ckf&#228;llt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;* Eine normative Sichtweise der Gesellschaft betrachtet als Garantin des individuellen Aufbl&#252;hens durch die Bildungsfreiheit, das Recht auf Gesundheit, die Nahrungsfreiheit, die Kunstfreiheit, mit einer, im schlimmsten Fall, auf das Minimum begrenzten Intervention des Staates in jenen Feldern, welche ihnen erlauben, sich als isolierte Individuen der kapitalistischen Ideologie entsprechend zu reproduzieren. Denn es ist eben genau das kapitalistische Ideal, welches die Reproduktion der Arbeiter auf ihre private Betreuung verweist. Ausser dass diese private Betreuung f&#252;r das Proletariat nicht funktioniert, f&#252;r die oberen Klassen auch nicht, doch dort verweist sie auf die M&#246;glichkeit eines wirklich gef&#252;hlten freien Willens. Eben genau wegen dieser bedingungslosen Sicherheit und Homogenit&#228;t der Reproduktion kann dieses Denken die Staatsintervention als totalit&#228;res und l&#252;gnerisches System denunzieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieses freie Aufbl&#252;hen des Individuums in der Gesellschaft steht der Klassenzugeh&#246;rigkeit als verinnerlichter Zwang gegen&#252;ber, der in seiner vertraglichen Grundlage des Kaufs und Verkaufs der freien Arbeitskraft tats&#228;chlich freiheitsberaubend ist. So existiert die Erpressung, die Kinder aus der Schule zu nehmen oder gegen die Gesundheitspolitik zu sein, nur f&#252;r Leute, deren gesellschaftliche Zugeh&#246;rigkeit nicht nur objektiv garantiert ist, sondern auch durch die vollst&#228;ndige Loyalit&#228;t gegen&#252;ber der Ideologie des kapitalistischen Gesellschaftsvertrages und die Funktion, die sie als Bindeglied in der Reproduktion der kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse einnehmen. Einige k&#246;nnen sich die Drohung erlauben, ihre Kinder aus der Schule zu nehmen, w&#228;hrend andere wissen, dass die Festungen gegen&#252;ber einem Ausschluss aus der republikanischen Schule aufgrund mangelnder Mittel, der Kenntnis der &#8222;Schulkarte&#8220; und/oder durch den &#220;bergang der Integrationspolitik hin zu einer gegen &#8222;Radikalisierung&#8220; oder &#8222;Separatismus&#8220; k&#228;mpfenden Politik br&#246;ckeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Sichtweise der Bev&#246;lkerungen als stumpfsinnige Masse von Konsumenten in Gefangenschaft der Lobbys zeigt, wie sehr jene, welche sie vertreten, gleichzeitig ideologisch dominant, produktiv nutzlos und daher dermassen dumm sind, dass sie bisweilen die Tatsache nicht sehen, dass die produktive Arbeit die Grundlage dieser Welt ist, die sie durch ihre Verurteilung indirekt feiern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man muss ein gewisses Verh&#228;ltnis zur Existenz haben, um zu behaupten, die Angst bremse, als ob sie eine Entscheidung w&#228;re. Man d&#252;rfte die mehr oder weniger heftigen und &#8222;t&#252;ckischen&#8220; Windungen der Klassenzugeh&#246;rigkeit nie erlebt haben, um darin nur eine Frage der ideologischen Manipulation zu sehen. Zu guter Letzt muss man ein sorgenfreies Leben f&#252;hren k&#246;nnen, in welchem die Emp&#246;rung als sozialer Kampf durchgehen will, um zu glauben, dass die Angst einem am Denken hindert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Kommen wir zur &#228;usseren Daseinsberechtigung der Verschw&#246;rungsideologie&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Gesellschaft wird in eine Summe von diskreten, getrennten und unabh&#228;ngigen Elementen zerlegt: Arbeit, Bildung, Gesundheit, Lohnarbeit, Konsum, Freizeit, Privatleben, Familie, Liebesbeziehungen, usw., &lt;i&gt;so wie sie gegenw&#228;rtig sind&lt;/i&gt;. Man muss danach davon ausgehen, dass diese Elemente und Funktionen, &lt;i&gt;so wie sie derzeit sind&lt;/i&gt;, nicht so organisiert seien, wie sie sollten, aufgrund der T&#228;tigkeit, den Praktiken, den Absichten, der Manipulation, der Werbung und den b&#246;swilligen Interessen einer gewissen Anzahl Individuen, die eine Kaste bilden, wozu die Banken, die grossen Chefs, die Medien, die pharmazeutischen Labore, die Regierungen, nicht als Staat, sondern als organisierte Bande, geh&#246;ren. In einem Wort: die Eliten. Die spontan von diesen Elementen ausgehende Ordnung ist eine verdorbene Version der notwendigen Ordnung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Verschw&#246;rungstheorien basieren auf einer ziemlich banalen Staatskonzeption, Grundlage der juristischen und demokratischen Ideologie, die jedoch unser t&#228;gliches Schicksal ist. Es gebe einerseits die &lt;i&gt;Staatsmacht&lt;/i&gt;, andererseits den &lt;i&gt;Staatsapparat&lt;/i&gt; oder die &#8222;Staatsmaschinerie&#8220;, wie es Marx formuliert. Das Problem liegt in der Tatsache, dass der Staatsapparat, der in seinen Organen, ihrer Aufspaltung, ihrer Organisation und ihrer Hierarchie, die Staatsmacht einer Klasse (und einer einzigen) materialisiert, zugleich die Organisation der herrschenden Klasse (als &lt;i&gt;Staatsmacht&lt;/i&gt; in der Hand der momentan hegemonialen Fraktion der herrschenden Klasse f&#252;r die Gesamtheit dieser Klasse) und &lt;i&gt;die Organisation der ganzen Gesellschaft unter der Herrschaft dieser Klasse&lt;/i&gt; ist. Doch, obwohl der Staat der kapitalistischen Produktionsweise einerseits komplett die Fusion dieser beiden Funktionen verwirklicht&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diesbez&#252;glich unterscheidet er sich vom feudalen Staat oder dem &#8222;Ancien R&#233;gime&#8220;.&#034; id=&#034;nh3-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, wird er andererseits zur &#8222;nat&#252;rlichen&#8220; Notwendigkeit jeglicher gesellschaftlichen Reproduktion. W&#228;hrend ihre Aufteilung selbst und ihre grundlegende (wirkliche und ideologische) Trennung von den Produktionsverh&#228;ltnissen aus ihnen die Organe eines Staatsapparates machen, der notwendigerweise ein Apparat einer Klasse ist&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Marx, B&#252;rgerkrieg in Frankreich.&#034; id=&#034;nh3-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, erscheinen alle Organe des Staatsapparates (Armee, Polizei, Verwaltung, Gerichte, Parlament, B&#252;rokratie, Bildung, Sozialhilfe, Information, Parteien, Gewerkschaften usw.) nur noch als Instrumente, die dem Willen jener ausgesetzt sind, welche sie kontrollieren. Aus dieser doppelten Funktion des Staatsapparates (nicht zwei Funktionen, sondern eine doppelte Funktion) als Diktatur einer Klasse und Reproduktion der gesamten Gesellschaft entstehen gleichzeitig ihre Fusion und die Neutralit&#228;t der Organe. F&#252;r den Verschw&#246;rungstheoretiker als Echo des spontanen Denkens sind diese Organe neutral und nicht, in ihrer Existenz und ihrer Form selbst, die Organe einer Klassendiktatur. Folglich sind sie, wenn sie nicht so funktionieren &#8222;wie sie sollten&#8220;, als &#8222;&#246;ffentlicher Dienst&#8220;, als &#8222;Gemeingut&#8220;, von einer Clique, einer Kaste unterschlagen, verf&#228;lscht und pervertiert. &lt;i&gt;Der Verschw&#246;rungstheoretiker ist der ideale B&#252;rger&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Beruhend auf dieser &#8222;nat&#252;rlichen&#8220; Konzeption des Staates sind die Verschw&#246;rungstheorien nicht die &#8222;Psychopathologie einiger Verirrter&#8220;, sie sind das &#8222;notwendige Symptom der politischen Enteignung&#8220; und der &#8222;Konfiszierung der &#246;ffentlichen Debatte&#8220;. Sie sind die Antwort auf die &#8222;Monopolisierung der legitimen Meinungs&#228;usserung&#8220; durch die von den &#8222;Experten&#8220; unterst&#252;tzten &#8222;Repr&#228;sentanten&#8220;, jegliche Kritik wird zu einer geistigen St&#246;rung, die unmittelbar als &#8222;verschw&#246;rungstheoretisch&#8220; disqualifiziert wird. Tats&#228;chlich sind die Verschw&#246;rungstheorien zum neuen Indiz f&#252;r Idiotie geworden, weil sie der neue Gemeinplatz der journalistischen Dummheit und etlicher Philosophen und Soziologen sind, die sich trotzdem davor h&#252;ten, einen Pr&#228;sidenten der Republik unter Beschuss zu nehmen, der behauptete, die Gelbwesten seien das Resultat eines Man&#246;vers Moskaus&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Le Point, Februar 2019.&#034; id=&#034;nh3-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Der regelm&#228;ssig das Thema in &lt;i&gt;Le Monde diplomatique&lt;/i&gt; erw&#228;hnende Lordon fasst die Sache zusammen: &#8222;Aber noch mehr als die Enteignung k&#246;nnten die Verschw&#246;rungstheorien, welche die Eliten einer unbelehrbaren Minderheit zuschreiben, das widerspr&#252;chliche Zeichen sein, dass das Volk in Wirklichkeit m&#252;ndig wird, denn es hat es satt, unterw&#252;rfig den Beh&#246;rden zuzuh&#246;ren, und macht sich daran, sich die Welt ohne sie vorzustellen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Le Monde diplomatique, Juni 2015.&#034; id=&#034;nh3-5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Verschw&#246;rungstheorien seien kein System von Antworten mit seinen eigenen gesellschaftlichen Determinierungen, sondern eine einfache, negativ gerechtfertigte Reaktion. Das kann nicht reichen, das Wesen der &#8222;Reaktion&#8220; muss positiv erfasst werden als &lt;i&gt;ein System von Antworten, das dessen ad&#228;quat ist, was es verursacht&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Verschw&#246;rungstheorien erscheinen also als Protest gegen die herrschende Klasse, schon fast als Kampf der Klasse. &lt;i&gt;Doch dem ist nicht so&lt;/i&gt;. Genau wie der Antisemitismus der Sozialismus des dummen Kerls war, sind die Verschw&#246;rungstheorien der Klassenkampf der Experten f&#252;r Gutachten, die nicht einfach irgendwo stehen, weder in der Gesellschaft, noch im politisch-ideologischen Spektrum.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &#8222;verschw&#246;rungstheoretische Antwort&#8220; will genau die gleiche Welt, den gleichen Staat, aber der &#8222;Kaste&#8220; entledigt: sie &#8222;stellt sich die Welt ohne sie vor&#8220;. Es geht schlichtweg darum, an allen Elementen dieser Gesellschaft festzuhalten, indem man sie den Praktiken dieser sie pervertierenden und korrumpierenden &#8222;boshaften&#8220; und &#8222;manipulierenden&#8220; Individuen entzieht. Eine wahre Lohnarbeit, eine wahre Bildung, eine wahre Gesundheitspolitik, eine wahre Demokratie, eine wahre Information, eine wahre Landwirtschaft, ein wahrer Konsum, eine wahre Wirtschaft, ein wahrer Staat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Verschw&#246;rungstheorien kritisieren alles, dabei streben sie danach, dass das Bestehende &#8222;wahr&#8220; wird. Doch indem sie ihr Objekt als &#8222;dunkle Seite&#8220; und d&#228;monische Unterschlagung konzipiert, macht diese Kritik aus diesem Objekt einen einfachen &lt;i&gt;Unfall&lt;/i&gt; ebendieser Welt. Sie best&#228;tigt dadurch, dass sie nur nach der Fortsetzung der Welt, so wie sie ist, strebt. All das, was existiert, k&#246;nnte so sch&#246;n sein, wenn es nicht manipuliert und unterschlagen w&#228;re. Die herrschende Klasse, ihre Reproduktion, ihre Praktiken, die Verfolgung ihrer Interessen, die ideologische Produktion sind nicht mehr das nat&#252;rliche Produkt aller gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse, an welchen der Verschw&#246;rungstheoretiker festhalten will, sondern einer Bande von Ganoven, die versuchen, uns f&#252;r dumm zu verkaufen. Der Verschw&#246;rungstheoretiker ist ein Neunmalkluger und man kann ihm nichts vormachen, er ist Experte f&#252;r alles. Es ist bemerkenswert (es gab einige Studien dazu), dass die Verschw&#246;rungstheorien allen voran eine diplomierte Mittelklasse tangieren, jene, welche ihren &#8222;kritischen Geist&#8220; liebt, damit prahlt und dieses F&#228;hnchen stets hochh&#228;lt. F&#252;r jene, welche t&#228;glich alle Erniedrigungen und das Elend der kapitalistischen Gesellschaftsverh&#228;ltnisse erleben, sind &#8222;Verschw&#246;rungen&#8220;, die zum Ziel haben, uns zu knechten und zu kontrollieren, ziemlich sinnlos. &lt;i&gt;Man muss diese Welt lieben, um nicht zu wollen, dass sie uns bel&#252;gt&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Auf welche Allgemeinheit sich die Verschw&#246;rungstheorien beziehen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Vorangehende ist eine kleine Analyse des verschw&#246;rungstheoretischen Diskurses als kritisches System, der von einem sich als vernachl&#228;ssigt betrachtenden Teil der dominanten Kategorien der Bev&#246;lkerung bez&#252;glich der Staatsverwaltung und allgemeiner der uns umgebenden Welt kommt. Nachdem das einmal gemacht ist, muss man &#252;brigens anerkennen, dass etliche Themen und Eigenschaften des verschw&#246;rungstheoretischen Diskurses auf mehr oder weniger zerstreute Art und Weise weit &#252;ber diese dominanten Kategorien hinaus eingesetzt werden. Die Frage ist also auch, welchen Status diese nicht systematisierte Kritik erlangt, wenn sie von einer bedeutenden Randgruppe der proletarischen Klassen getragen wird. Woher kommt dieser Wille, den kapitalistischen Staat &#8222;retten&#8220; zu wollen und ist er gleichartig wie jener, welcher zuvor beschrieben worden ist? Doch um diese Frage richtig zu stellen, muss sie auch diese isoliert herausgenommenen Themen enthalten, insofern als dass sie einen anderen Sinn haben als jener, welcher das System der Verschw&#246;rungstheorien ihnen eben genau aufgrund der diesem System eigenen Abriegelung gibt und die letztendlich aus dem Verschw&#246;rungstheoretiker den idealen B&#252;rger als Verteidiger des demokratischen Staates und des freien Arbeiters macht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir werden keine Antwort liefern, nur einige Indizien, gewisse davon sind schon in diesen Anmerkungen enthalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt in den Verschw&#246;rungstheorien Bausteine, die an den radikalen Demokratismus erinnern: die Gemeinschaft der B&#252;rger im Staat als konkrete und partizipative Form ihrer Gemeinschaft isolierter Individuen. Aber die Situation hat sich seit dem Beginn der 1990er und dem Beginn der 2000er Jahre ver&#228;ndert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im aus der Restrukturierung der 1970er/1980er Jahre hervorgegangenen Kapitalismus war die Reproduktion der Arbeitskraft der Gegenstand einer &lt;i&gt;doppelten Entkoppelung&lt;/i&gt;. Einerseits Entkoppelung zwischen der Kapitalverwertung und der Reproduktion der Arbeitskraft, einerseits Entkoppelung zwischen dem Konsum und dem Lohn als Einkommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Bruch einer notwendigen Beziehung zwischen Kapitalverwertung und Reproduktion der Arbeitskraft zersplittert die in ihrer nationalen oder gar regionalen Abgrenzung koh&#228;renten Bereiche der Reproduktion. Es geht darum, &lt;i&gt;einerseits die Reproduktion und die Zirkulation des Kapitals und andererseits die Reproduktion und die Zirkulation der Arbeitskraft voneinander zu trennen&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als Zusammenfallen einer &#220;berakkumulations- und einer Unterkonsumptionskrise war die Krise von 2008 eine &lt;i&gt;Krise des Lohnverh&#228;ltnisses&lt;/i&gt;, die zu einer Krise der Lohngesellschaft geworden ist, indem sie alle lohnabh&#228;ngigen Schichten und Klassen in Anschlag gebracht hat. Mit der Lohngesellschaft geht es &#252;berall um &lt;i&gt;Politik&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;Distribution&lt;/i&gt;. Der Lohn, als &lt;i&gt;Preis der Arbeit&lt;/i&gt; (Fetischform), beruft sich auf die Ungerechtigkeit der &lt;i&gt;Distribution&lt;/i&gt;, das ist normal. Die Ungerechtigkeit der Distribution hat einen Verantwortlichen, der &#8222;seine Mission nicht erf&#252;llt hat&#8220;: &lt;i&gt;den Staat&lt;/i&gt;. Der Streitgegenstand ist somit gesetzt, es ist jener der &lt;i&gt;Legitimit&#228;t des Staates&lt;/i&gt; gegen&#252;ber &lt;i&gt;seiner Gesellschaft&lt;/i&gt;. Das Proletariat ist an all dem beteiligt, seine eigene Strukturierung als Klasse bringt es an Bord.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Krise der Lohngesellschaft benennen die K&#228;mpfe rund um die Distribution den Staat als Verantwortlichen der Ungerechtigkeit. Dieser Staat ist &lt;i&gt;der entnationalisierte Staat&lt;/i&gt;, von der Globalisierung durchdrungen und ihr Agens. Im Gegensatz zur &#8222;Entnationalisierung&#8220; war die keynesianische Politik eine Illustration &#8222;des integrierten Nationalen&#8220;: die Kombination nationaler &#214;konomie, nationalen Konsums, nationaler Bildung und Erziehung nationaler Arbeitskraft und Kontrolle &#252;ber das Geld und den Kredit. W&#228;hrend der &#8222;fordistischen Periode&#8220; war der Staat zudem zum &#8222;Schl&#252;ssel des Wohlstands&#8220; geworden, es ist diese Staatsb&#252;rgerschaft, welche sich w&#228;hrend der Restrukturierung der 1970er und 1980er Jahre auf und davon gemacht hat. Obwohl die Staatsb&#252;rgerschaft eine Abstraktion ist, bezieht sie sich auf durchaus konkrete Inhalte: Vollbesch&#228;ftigung, Kernfamilie, Ordnung-N&#228;he-Sicherheit, Heterosexualit&#228;t, Arbeit, Nation. Rund um diese Themen rekonstruieren sich ideologisch die Klassenkonflikte und die Delegitimierung aller offizieller Diskurse in der Krise der Lohngesellschaft. Die Staatsb&#252;rgerschaft wird also zur Ideologie, unter welcher der Klassenkampf gef&#252;hrt wird. Es gibt eine offensichtliche Verbindung zwischen dem Erfolg der Verschw&#246;rungstheorien und beispielsweise eines grossen Teils der Ausdr&#252;cke der Gelbwesten. Man findet, neben den &#196;hnlichkeiten der Formen in den Diskursen, einen Verweis auf die Inkompetenz des Staates, die Kritik der Globalisierung und des entnationalisierten Staates wieder.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf den ersten Blick sind diese Delegitimierung und diese staatsb&#252;rgerliche Ideologie (denn der Verschw&#246;rungstheoretiker ist der Archetyp des guten B&#252;rgers) kritisch, aber nur insofern, als dass sie die Sprache der Forderung im von der Logik der Distribution und der staatlichen Notwendigkeit vorgehaltenen Spiegel sind. Die unter dieser Ideologie operierenden Praktiken sind wirkm&#228;chtig, weil sie den Individuen ein plausibles Bild und eine glaubw&#252;rdige Erkl&#228;rung dessen widerspiegeln, was sie sind und was sie erleben, sie sind konstitutiv f&#252;r die Wirklichkeit ihres Alltagslebens. Diese ideologische Rekonstruktion der Klassenkonflikte wird zum Volk angesichts der Eliten, welche das legitime Wort monopolisieren (was immer der Fall war), aber &lt;i&gt;ein Wort, das sinnlos geworden ist&lt;/i&gt;. Der Konflikt verwandelt sich in einen kulturellen Konflikt, der im Namen von Werten gef&#252;hrt wird: die K&#252;nstlichkeit und die L&#252;ge gegen die Authentizit&#228;t und die Wahrheit (jene, welche man uns versteckt, wie es ironisch schon von Dutronc und d&#252;mmlich heutzutage von Keny Arkana gesungen wurde).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was in den Verschw&#246;rungstheorien auf total perverse Weise als &#8222;Konflikt&#8220; zum Tragen kommt, ist das Verh&#228;ltnis des Staates, all seiner ideologischen Apparate, der herrschenden Klasse in ihrer Gesamtheit zu ihrer Gesellschaft. In der Krise der Staaten und all ihrer Apparate gegen&#252;ber ihrer Gesellschaft verleiht die Diskreditierung, welche dieses Verh&#228;ltnis erfahren hat, den verschw&#246;rungstheoretischen Anprangerungen einen allgemeinen Charakter. Auf total perverse Weise, weil die Funktionsweise der Verschw&#246;rungstheorien selbst voraussetzt, an dieser Gesellschaft, so wie sie ist, festhalten zu wollen. Dies insofern, als dass die herrschende Klasse nur eine parasit&#228;re Elite sei, die sich durch die L&#252;ge behauptet, und nicht, als herrschende Klasse, die Notwendigkeit dieser Gesellschaft selbst und all ihrer Verh&#228;ltnisse.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Tatsache, dass sich die wesentlichen Firmen von Wall Street an die Regulierungsbeh&#246;rde der Kapitalm&#228;rkte in den USA wenden, um die &#196;nderung eines Gesetzes zu erreichen oder irgendeinen Vorteil zu erhalten, ist nicht eine &#8222;Verschw&#246;rung&#8220;, auch wenn die Handlung abgestimmt und verborgen ist. Die Tatsache, dass sich die allgemeinen wirtschaftlichen Vertreter der amerikanischen (und globalen) kapitalistischen Klasse an die allgemeinen Vertreter des Gesetzes der gleichen Klasse wenden, ist nicht eine &#8222;Verschw&#246;rung&#8220;, es ist der Staat. Oder aber man stellt sich vor, dass der Staat &#8222;etwas anderes&#8220; ist oder sein sollte. Anstelle der kapitalistischen Gesellschaftsverh&#228;ltnisse (an denen man festhalten will) gebe es nur eine kleine Anzahl zynischer Menschen, die ihre Herrschaft &#252;ber das &#8222;Volk&#8220; und die Ausbeutung desselben durch eine von ihnen zur Knechtung der Geister ausgedachte verf&#228;lschte Repr&#228;sentation der Welt festigen. Die Verschw&#246;rungstheorien brauchen diese grob vereinfachende Konzeption der Ideologie, der Produktionsweise und des Staates, damit sie sein k&#246;nnen, was sie sind: die Verherrlichung und die Aufrechterhaltung der aktuellen Existenzbedingungen. Leider, oder zum Gl&#252;ck, ist die Ideologie als allt&#228;gliche Praxis etwas anderes: Es ist die Praxis von Subjekten, die als solche glauben k&#246;nnen, get&#228;uscht zu werden, und get&#228;uscht werden k&#246;nnen (was f&#252;r ein Subjekt eine Selbstverst&#228;ndlichkeit ist). Die Produktionsweise ist etwas anderes als das Streben nach &#8222;so viel Kohle wie m&#246;glich&#8220;. Der Staat ist durch seine Apparate etwas anderes als eine &#8222;Clique&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Verschw&#246;rungstheorien sind ein ganzheitlicher Ansatz der Gesellschaft. Als Antwort auf die Frage der Allgemeinheit einiger seiner Eigenschaften pr&#228;sentieren die vorangehenden Entwicklungen einige Indizien, F&#228;hrten und Elemente zum Verst&#228;ndnis, die nur zum Ziel haben, die Frage &#8222;richtig&#8220; zu stellen, ohne bis jetzt eine systematische Antwort formulieren zu k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Schlussfolgerung (provisorisch)&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Man&#246;ver, Intrigen und krummen Gesch&#228;fte existieren, doch sie erkl&#228;ren nichts, sie ben&#246;tigen selbst Erkl&#228;rungen als interstitielle historische Ereignisse. In der Geschichte verstehen sich die Verschw&#246;rungstheorien schlecht mit der &#8222;langen Dauer&#8220;. Davos ist eine entscheidende Arena der Globalisierung, doch es ist die Globalisierung, die Davos gemacht hat und nicht umgekehrt. Wenn &#8222;die Welt&#8220;, entgegen dem, was Marx und Engels uns in den ersten Seiten von &lt;i&gt;Die deutsche Ideologie&lt;/i&gt; sagen, kein &#8222;offenes Buch&#8220; ist, dann ist es so, weil es f&#252;r ihr Verst&#228;ndnis notwendig ist, Konzepte auszuarbeiten, nicht weil sie eine Korporation, eine Kaste von Dirigenten und Illuminati verbirgt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tarona &#8211; R.S.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Januar 2021&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://dndf.org/?p=19292&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb3-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Als Anekdote &#252;ber diese Betrachtungen zur Bev&#246;lkerung, w&#228;hrend diesen Ferien von Allerheiligen 2020 haben zwei bedeutende Ereignisse &#8211; der zweite Lockdown und die Ermordung von Samuel Paty &#8211; zwei grundlegende Akteure in dieser Reproduktion der Kategorien der Bev&#246;lkerung unter den Eltern in Szene gesetzt: Jene, welche sich dar&#252;ber emp&#246;ren, dass man ihre Nachkommenschaft durch das Tragen einer Maske in der Schule ab 6 Jahren knechten und entmenschlichen will, sie drohen damit, ihre Kinder nicht mehr in die Schule zu schicken; andere, f&#252;r welche die Priorit&#228;t war, aus Verzweiflung die Konformit&#228;t ihrer Nachkommenschaft mit der republikanischen Schule zu verteidigen, indem sie ihren Kindern &#8211; sagen wir, aus einer Einwandererfamilie &#8211; mit Dringlichkeit das Verbot vermitteln, am Schulbeginn &#252;ber die Ermordung des Lehrers unter dem Risiko eines Ausschlusses und der institutionellen und finanziellen Bestrafung der betroffenen Familien zu sprechen, auf sie zu reagieren oder sie zu erw&#228;hnen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diesbez&#252;glich unterscheidet er sich vom feudalen Staat oder dem &#8222;Ancien R&#233;gime&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Marx, &lt;i&gt;B&#252;rgerkrieg in Frankreich&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &lt;i&gt;Le Point&lt;/i&gt;, Februar 2019.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3-5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3-5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Le Monde diplomatique&lt;/i&gt;, Juni 2015.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Th&#233;orie communiste &#8211; Zum &#8222;Strukturalismus&#8220;, oder pr&#228;ziser, zum &#8222;Althusserschen Strukturalismus&#8220; von Th&#233;orie communiste</title>
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&lt;p&gt;Die Problematik ist nicht wirklich brandaktuell, doch da das Internet eine grosse, sehr por&#246;se &#8222;Echokammer&#8220; ist, haben die Genossen der Zeitschrift Th&#233;orie communiste Wind von der Tatsache bekommen, dass auf gewissen sozialen Netzwerken die Frage ihres Strukturalismus und besonders ihres vergangenen und gegenw&#228;rtigen Interesses f&#252;r Althusser aufgeworfen wurde. Daher haben sie uns gebeten, diesen kleinen Text zum Thema als Beteiligung an der Debatte zu ver&#246;ffentlichen [Anm. von dndf]. (...)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

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 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/arton66.jpg?1689275359' class='spip_logo spip_logo_right' width='96' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Die Problematik ist nicht wirklich brandaktuell, doch da das Internet eine grosse, sehr por&#246;se &#8222;Echokammer&#8220; ist, haben die Genossen der Zeitschrift &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt; Wind von der Tatsache bekommen, dass auf gewissen sozialen Netzwerken die Frage ihres Strukturalismus und besonders ihres vergangenen und gegenw&#228;rtigen Interesses f&#252;r Althusser aufgeworfen wurde. Daher haben sie uns gebeten, diesen kleinen Text zum Thema als Beteiligung an der Debatte zu ver&#246;ffentlichen [Anm. von dndf].&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dass &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt; &#8222;strukturalistisch&#8220; oder pr&#228;ziser &#8222;althusserisch-strukturalistisch&#8220; sein mag, wo ist das Problem? Falls es nur darum geht, eine konzeptuelle Genealogie zu erstellen, ist das Interesse gering. Gehen wir sogar von einer affirmativen Beantwortung der Frage aus, das heisst eines Strukturalismus von TC, oder gar, welch schrecklicher Gedanke, eines &#8222;Althusserschen Strukturalismus&#8220;. Ist das gut oder nicht gut? Wo liegt das Problem, wo das Streitobjekt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Frage wird erst abh&#228;ngig davon wichtig, wo man sie situiert, wo man sie theoretisch positioniert, was sie politisch bedeutet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es scheint, als ob es nicht &#8222;gut&#8220; w&#228;re, &#8222;strukturalistisch&#8220;, oder noch schlimmer, &#8222;althusserisch-strukturalistisch&#8220; zu sein, es sei irgendwie problematisch. Nie hat jemand auf die gleiche Art und Weise die gleiche Frage bez&#252;glich der von Rubel (Ikone der Ultralinken) geerbten humanistischen Albernheiten gestellt, als ob sie selbstverst&#228;ndlich w&#228;ren, oder bez&#252;glich der grossen Hegelianischen Ausschweifungen betreffend der Arbeit und ihrer Aufhebung, die immer noch als ziemlich chic und &#8222;radikal&#8220; gelten. Sie sind nur l&#228;ssliche S&#252;nden. Was problematisch ist mit dem Strukturalismus, ist die Tatsache, dass man dazu tendiert, den &#8222;Leuten&#8220; nicht mehr einen Spiegel vorzuhalten, in welchem sie sich als &#8222;Personen&#8220; wiedererkennen k&#246;nnen werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es muss zuerst pr&#228;zisiert werden, dass die Frage des Verh&#228;ltnisses zwischen der &#8222;Theorie der Kommunisierung&#8220; und dem &#8222;Strukturalismus&#8220; sich nur f&#252;r TC stellt und nicht im Allgemeinen f&#252;r die &#8222;Theorie der Kommunisierung&#8220;. Astarian besitzt die Arbeit; Dauv&#233; den Menschen und die Permanenz einer Revolution, die, einmal gereinigt von ihren &#8222;Irrt&#252;mern&#8220; und &#8222;M&#228;ngeln&#8220;, vielleicht das n&#228;chste Mal erfolgreich sein wird; Coupat die Praxis. Unter den Produktionsverh&#228;ltnissen und der mit ihr gleichbedeutenden Konfiguration der Ausbeutung haben Dauv&#233;, Astarian, Coupat und vor ihnen Camatte immer ein definiertes Objekt des Wissens, eine sich gem&#228;ss ihrer Sichtweise (d.h. ihrer Problematik) im Bestehenden manifestierende finale und transzendente Quelle, die sie (als Verwirklichung) best&#228;tigt. &#201;changes et mouvement best&#228;tigt sogar in ihren Verneinungen eine Norm des Klassenkampfes und der Revolution. Das sogenannt &#8222;strukturalistische&#8220; Problem von TC ist gleichbedeutend mit der Tatsache, dass nichts unter dem Klassenkampf von hier und jetzt, jenseits oder &#252;berh&#228;ngend von ihm existiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn wir den Text von Camatte &#8222;Contre une trop lente disparition&#8220; (Anhang zur Nr. 2 der dritten Serie, ver&#246;ffentlicht im Februar 1978, der Text selbst ist auf Dezember 1977 datiert) wieder lesen, so geht es darin nie um Strukturalismus und noch weniger um TC (das ist schade). Es war lange danach Christian Charrier, der in &lt;i&gt;La Mat&#233;rielle&lt;/i&gt; die Fragestellungen von Camatte in diesem Text zu Ende gef&#252;hrt hat. Die Kritik Camattes des &#8222;proletarischen Subjekts&#8220; und seines &#8222;zu langsamen Verschwindens&#8220; sei paradoxerweise eigentlich strukturalistisch, wenn sie nicht in einem verr&#252;ckten und &#252;berhistorischen Vitalismus m&#252;ndet. Es war letztendlich Charrier, der Camattes Kritik des &#8222;proletarischen Subjekts&#8220; zu Ende gebracht hat, aber er liess uns in einer Welt, in welcher die Atome niederst&#252;rzen, ohne dass uns ein Clinamen auch nur die geringste Hoffnung lassen w&#252;rde. Er sprach von Pascal, vom leergelassenen Himmel, vom in der Dunkelheit voranschreitenden Klassenkampf und von &lt;i&gt;Moby Dick&lt;/i&gt;, wo Ahab auf Gott b&#246;se ist, weil er nicht existiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die erste Nummer von TC ist auf April 1977 datiert und sie ist noch vom &#8222;Menschen&#8220;, &#8222;dem Gattungswesen&#8220;, dem &#8222;Widerspruch der Arbeit&#8220;, den &#8222;&#214;konomisch-philosophischen Manuskripten von 1844&#8220; und anderen Belanglosigkeiten gepr&#228;gt. In der Entwicklung von TC situiert sich der Schnitt (epistemologisch oder nicht) in den &#8222;Notes de travail 3&#8220; (Mai 1978) und den &#8222;Notes 5&#8220; (September 1978). Diese &#8222;Notes 5&#8220; (&#8222;Individu, soci&#233;t&#233;, praxis&#8220;) k&#246;nnen schon als sehr unschuldig &#8222;althusserisch&#8220; verstanden werden, doch &lt;i&gt;Die Frage war&lt;/i&gt;, obwohl die Beginne von TC vielleicht erst sp&#228;t vom Zeitgeist gepr&#228;gt waren (siehe weiter unten), &lt;i&gt;den Programmatismus theoretisch zu &#252;berwinden&lt;/i&gt;. Daf&#252;r war das erste Moment (siehe den Anhang zu Althusser in TC 21) Rubel, der theoretische Humanismus, &#8222;der junge Marx&#8220;, wie es Christian Charrier formulierte. Doch wir endeten dort in einer absolut unbefriedigenden Hegelianischen Konstruktion der Gesamtgeschichte wie in TC 1. Sechs Monate sp&#228;ter ist die Kritik von TC 1 in der Niederschrift von den &#8222;Notes 3&#8220; theoretisch, wenn auch nicht &#8222;intellektuell&#8220;. In TC 1 war der Klassenkampf als reelle Hervorbringung der Geschichte abwesend, er war nur Verwirklichung, ein Unfall, &#8222;die Enth&#252;llung einer vorher festgelegten Wirklichkeit&#8220; (&#8222;Notes 3&#8220;, S. 38). Es war, wie es der Titel dieser &#8222;Notizen&#8220; zusammenfasst, ein &#8222;unm&#246;glicher Programmatismus&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Geburtsurkunde des &#8222;Strukturalismus&#8220; von TC erscheint auf der R&#252;ckseite der &#8222;Notes 3&#8220;: &#8222;Auf allgemeine Art und Weise kann man sagen, dass der Programmatismus auf einer Praxis und einem Verst&#228;ndnis des Klassenkampfes gr&#252;ndet, in welchen eine der Klassen in ihrer Stellung die Grundlage der Aufhebung des Widerspruches und der Fundamente der k&#252;nftigen gesellschaftlichen Organisation findet, die zu einem zu &lt;i&gt;verwirklichendem Programm&lt;/i&gt; wird. Im Klassenkampf zwischen dem Proletariat und dem Kapital ist das Proletariat in seiner Stellung das positive Element, das den Widerspruch aufhebt und somit die Affirmation des Proletariats hervorbringt. Die Aufhebung des Widerspruchs wird als einer ihrer Begriffe gesetzt. Man sucht im Proletariat das, was es widerspr&#252;chlich zum Kapital macht und setzt somit diesen Widerspruch nicht als kapitalistisches gesellschaftliches Verh&#228;ltnis, welches das Proletariat, durch seine Stellung im Verh&#228;ltnis, abschaffen muss.&#8220; Abgesehen von einigen Details findet man heute immer noch diese vierzigj&#228;hrige Definition in &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kein &#8222;revolution&#228;res Wesen&#8220; des Proletariats mehr, kein an sich revolution&#228;res &lt;i&gt;Subjekt&lt;/i&gt;, sondern eine Stellung in einem allgemeinen Verh&#228;ltnis, der kapitalistischen Produktionsweise. Dort war es, wo der Humanismus des &#8222;jungen Marx&#8220; f&#252;r die &#220;berwindung des Programmatismus obsolet war, wir mussten auf die Produktionsweise zur&#252;ckkommen, &lt;i&gt;so wie sie selbst ist&lt;/i&gt;. All das war polemisch, der Klassenkampf musste als etwas erkannt werden, das wirklich hervorbringend ist, und die Geschichte als konkreter Prozess, nicht als Verwirklichung (was &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; im Gegensatz zu unseren Genossen damals erlaubte, von Restrukturierung zu sprechen). Es war ihre &#220;berwindung des Programmatismus, die &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; dazu brachte, als &#8222;strukturalistisch&#8220; etikettiert zu werden, nicht der &#8222;Althussersche Zeitgeist damals&#8220;; umso mehr, als dass ein anderes Ziel existierte, der ganze haarstr&#228;ubende Dunstkreis des Allt&#228;glich-Begehrenden im Stile von Vaneigem. Das Streitobjekt war eine Positionierung dem Klassenkampf gegen&#252;ber, gegen den &#220;berhang (der Mensch, die Arbeit, das Individuum oder die immer gleiche Revolution, die endlich erfolgreich sein w&#252;rde) oder des &#8222;Daneben&#8220; (die Ideologie der Allt&#228;glichkeit). Es war notwendig, einzutauchen. Es war notwendig, zu wissen, ob das, was wichtig war, dieser Kampf war oder &#8222;tempor&#228;r&#8220; die theoretischen Waisenkinder des Kommunismus zu sein, oder, dar&#252;ber hinaus, eine &#8222;Ziegenalternative in der Ard&#232;che&#8220; aufzubauen. Es gab kein Ausserhalb, weder ausgehend von der sogenannten &#8222;Theorie des Kommunismus&#8220;, noch jedweder Lebensweise. Es ist wahr, dass &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; damals nicht ohne Grund als &#8222;strukturalistisch&#8220; qualifiziert werden konnte, aber, alles in allem, ist das ein Makel? Die &#220;berwindung des Programmatismus ist gleichbedeutend mit keinem &#8222;Ausserhalb&#8220;, keinem &#8222;Darunter&#8220;, alles war da, kein verstecktes Signifikat. Mit einer leichten Ironie auf strukturalistische Art und Weise: die Beziehung zwischen den Signifikanten war ihr Signifikat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das war es, was als &#8222;strukturalistisch&#8220; erschien. Wieso nicht? Niemand sorgt sich hingegen darum, das zu definieren, was als &#8222;strukturalistisch&#8220; verstanden wird, als ob es selbstverst&#228;ndlich w&#228;re.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was bedeutet die Verwandtschaft mit dem Strukturalismus im Falle von &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt;? Jedes Element eines Ganzen hat erst im Verh&#228;ltnis zu den anderen Elementen einen Wert (die Linguistik ist die Geb&#228;rmutter des Strukturalismus). Die Betrachtung der Produktionsweise als eine Totalit&#228;t, in welcher kein Element modifiziert werden kann, ohne dass es zu einer Modifikation aller anderen f&#252;hrt; die &#8222;Prinzipien der Anordnung&#8220;, wie es Foucault damals formulierte (&lt;i&gt;Die Ordnung der Dinge&lt;/i&gt;); oder aber Barthes, &#8222;das Netzwerk, gem&#228;ss welchem sich die Dinge gegenseitig betrachten&#8220; (&lt;i&gt;&#201;l&#233;ments de s&#233;miologie&lt;/i&gt;). Das Ganze ist eine &#8222;logische Maschine&#8220;, ein &#8222;Ordnungsapparat&#8220; (Barthes), jedes Element setzt das ganze System voraus (die Referenzen sind mehr oder weniger zuf&#228;llig). Im Nachhinein scheint es dummerweise, dass &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; in ihrer theoretischen Ausarbeitung Althusser oder L&#233;vi-Strauss (dessen Werke mit einer Werbung f&#252;r blaue Hosen f&#252;r Ethnologen assimiliert wurden) unbeachtet gelassen hatte. Es ist allerdings wahr, dass eine andere Komponente des Strukturalismus, die nicht direkt mit sozialer oder politischer Theorie verbunden war, auf Umwegen eine Rolle spielen konnte. Es handelt sich um die Lekt&#252;re der Zeitschriften &lt;i&gt;Tel quel&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;Cahiers du cin&#233;ma&lt;/i&gt; (Rivette sagt, dass die Geschichte in einem Film die Art und Weise ist, wie die Abfolge der Bilder organisiert wird, das ist das Szenario, es gibt nichts anderes), des &#8222;neuen Romans&#8220;, von Barthes, Jakobson, Todorov, Derrida (1960er Jahre). W&#228;hrend den Diskussionen und Polemiken mit den Genossen von &lt;i&gt;N&#233;gation&lt;/i&gt; vor der Konstitution von &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; konnten hingegen die Religion und v.a. die Kunst mit ihrem &#8222;Bedeutungsexzess&#8220; (Adorno), die Hervorhebung des Surrealismus und seiner &#8222;Revolution&#8220; (nach Camatte) nur auf einen menschlichen Sinn der Geschichte verweisen. &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; sch&#228;tzte nie weder den &#8222;Menschen&#8220;, noch die Gef&#252;hle (ausser wenn man sie auf ihrer Ebene als &#8222;ideologische Wirksamkeiten&#8220; betrachtet). Es ist also wahr, dass &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; in den Strukturalismus eingetaucht war, aber nicht ausgehend von direkt mit sozialen oder politischen Theorien verbundenen Texten, sondern von dem, was man damals in der Literatur und anderswo den &#8222;Formalismus&#8220; nannte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn es also nach gewissem Nachdenken exakt ist, dass gewisse Punkte des Strukturalismus auf Umwegen verf&#252;hrerisch sein konnten, so war das so, weil sie bei der &#220;berwindung des Programmatismus als theoretische Bausteine gebraucht werden konnten. Doch es ist nicht die Verf&#252;hrung durch den Strukturalismus, die zu seiner &#220;berwindung f&#252;hrte. In &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; war die intellektuelle Reflexion stets &#8222;k&#228;mpferisch&#8220;, d.h. von Streitobjekten determiniert. Daher kommt die &#8222;Bastelei&#8220;, damit die Gesamtheit in der Abfolge der Streitobjekte des Moments stets mehr oder weniger koh&#228;rent bleibt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; kann &#8222;strukturalistisch&#8220; genannt werden, weil eine wahrhafte &#220;berwindung des Programmatismus impliziert, dass in der Produktionsweise kein Element sein Verh&#228;ltnis zu den anderen und zum Ganzen &#252;bersteigt, es gibt keinen Metadiskurs und keine Metawirklichkeit. In einem Text im Anhang zu den &#8222;Notes 3&#8220; (Mai 1978) schrieben wir: &#8222;Der Widerspruch des Produktionsverh&#228;ltnisses und des kapitalistischen Produktionsprozesses, der Fall der Profitrate, ist gleichbedeutend mit dem Klassenwiderspruch, der Proletariat und Kapital einander entgegensetzt, die Entwicklung des Kapitals ist nicht seine Verwirklichung, sondern seine wirkliche Geschichte, &lt;i&gt;sie nimmt keine anderen Formen an, denn sie ist nichts anderes als diese Formen, welche die Dynamik ihrer eigenen Transformation darstellen&lt;/i&gt; [im Text unterstrichen].&#8220; Und im gleichen Text wird der Fall der Profitrate dahingehend analysiert, dass er direkt der Widerspruch zwischen Proletariat und Kapital und zwischen dem Proletariat und sich selbst ist. Zwar erscheint das Thema der Restrukturierung erst in &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; 3, doch man muss in diesem Vorschlag sehen, dass ihr m&#246;gliches theoretisches Verst&#228;ndnis offen war, wie das, was Barthes &#8222;semiologische Retusche&#8220; nannte, &#8222;die Umgliederung der Sektoren innerhalb einer in ihrer Gesamtheit unver&#228;ndert gebliebenen Klassifizierung&#8220;; die von den Mutationen &#8222;der Anordnung in ihrem Prinzip&#8220; zu unterscheiden ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist eben genau in &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; 2 (Gr&#252;ndungstext), wo der &#8222;Strukturalismus&#8220; von TC, falls er existiert, eingerichtet, als der Widerspruch zwischen Proletariat und Kapital definiert worden ist (jedes Element eines Ganzen hat nur im Verh&#228;ltnis zu den anderen einen Wert). Dort werden die zentralen und miteinander verbundenen Themen der Ausbeutung als Widerspruch, der gegenseitigen Verstrickung und der Selbstvoraussetzung des Kapitals entwickelt. Der Widerspruch wird als &#8222;gegenseitige Verstrickung&#8220; definiert, doch das reicht nicht: &#8222;[E]s ist notwendig, dass die Bewegung, welche die Ausbeutung darstellt, ein Widerspruch ist f&#252;r die gesellschaftlichen Produktionsverh&#228;ltnisse, deren Bewegung sie ist...&#8220; (&lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; 2, S. 10.) Weiter unten: &#8222;[D]ieses Verh&#228;ltnis des Proletariats zum Kapital tr&#228;gt in sich seine Aufhebung, nicht aufgrund des besonderen Wesens einer Klasse, sondern durch die jeweilige und komplement&#228;re Situation der Arbeit und ihrer Bedingungen in der kapitalistischen Produktionsweise, was durch den Fall der Profitrate ausgedr&#252;ckt wird.&#8220; (S. 13.) Und ab der Einleitung von &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; 2 fassten wir die Sache folgendermassen zusammen: &#8222;Proletariat und Kapital reproduzieren sich gegenseitig, doch ihre gegenseitige Verstrickung ist f&#252;r beide von ihnen ein Widerspruch in Bezug auf das andere und somit in Bezug auf sich selbst.&#8220; (S. X.) Diese Definition des Widerspruches wird dreissig Jahre sp&#228;ter in &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; 22 (Februar 2009) wieder aufgenommen und komplettiert. Doch in der Zwischenzeit (&lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; 8) liegt die Definition der gegenseitigen Rolle der Begriffe des Widerspruches innerhalb desselben. Vom &#8222;Widerspruch, der in sich selbst seine Aufhebung tr&#228;gt&#8220;, sind wir zur &#8222;Aufhebung durch die spezifische Handlung einer seiner Begriffe&#8220; gekommen. All das kulminiert in der Formulierung in &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; 22 auf S. 175: &#8222;Es ist das Objekt als Totalit&#228;t, das &lt;i&gt;im Widerspruch zu sich selbst durch den Widerspruch seiner Elemente&lt;/i&gt; (im Text unterstrichen) ist, dieser Widerspruch in Bezug zum anderen ist f&#252;r jedes Element ein Widerspruch mit sich selbst, insofern als dass das andere &lt;i&gt;sein&lt;/i&gt; Anderes ist.&#8220; Obwohl das immer noch &#8222;strukturalistisch&#8220; aussah, hatte jede &#8222;Endlichkeit&#8220; ihre Identit&#228;t und l&#246;ste sich nicht in &#8222;der Unendlichkeit&#8220; als einfache Selbstdeterminierung des Ganzen auf.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Begriff des &#8222;Strukturalismus&#8220; hat TC (bis heute) als eine mehr oder weniger &#8222;schimpfliche&#8220; Bezeichnung getroffen, denn wir hatten einen unabh&#228;ngig von seinen Varianten allgemein geteilten Glaubensartikel getroffen: Das Proletariat &lt;i&gt;ist&lt;/i&gt; revolution&#228;r oder &#8222;besitzt eine kommunistische Bestimmung&#8220;. Sogar Camatte hatte mit seiner Menschheit &#8222;eine Kraft&#8220;, die &#8222;einkehrt&#8220;, aussenstehend, trotz den &#196;rgernissen der Zeit. Danach musste jeder sich mit der Koinzidenz, der Nicht-Koinzidenz, der &lt;i&gt;notwendigen&lt;/i&gt;, aber behinderten Verwirklichung dieser dem Proletariat im zuf&#228;lligen Verh&#228;ltnis zu den Bedingungen inh&#228;renten Tendenz herumschlagen. Die Ausbeutung &#8222;als solche&#8220; als Widerspruch genommen war eine unumwundene Aggression gegen&#252;ber all jenen, f&#252;r welche er &#8222;Verwirklichung&#8220; und von einem anderen mehr oder weniger wesentlichen oder universellen Widerspruch begleitet war: die &#8222;kommunistische Bestimmung des Proletariats&#8220;, sein &#8222;negatives Wesen&#8220;, diese ber&#252;hmte Klasse, welche &#8222;schon keine Klasse der kapitalistischen Gesellschaft mehr war&#8220;. Das Wesen der Klasse war immer noch da und man sprach zwar von Selbstnegation, Abschaffung der Arbeit, doch nichts hatte sich ge&#228;ndert, es ging immer noch darum, die gleichen Fragen zu beantworten. Wenn &#8222;Strukturalist&#8220; zum Namen der Bestie geworden war, so weil wir &lt;i&gt;Pers&#246;nliches&lt;/i&gt; ber&#252;hrt hatten. Der &#8222;Kommunist&#8220; will zwar durch die Qualen der Geschichte gehen, es st&#246;rt ihn nicht, ein Unverstandener zu sein (er gef&#228;llt sich sogar h&#228;ufig darin), der unmittelbare Verlauf der Dinge interessiert ihn jedoch nur insofern, als dass sie eines Tages gem&#228;ss ihrem Wesen verlaufen werden. Wenn man ihm &#8222;das grundlegende&#8220; und momentan geheime &#8222;Wesen&#8220; beseitigt, wovon sein Dasein als Kommunist abh&#228;ngt, t&#246;tet man ihn. Seit dem Zusammenbruch des Programmatismus und dem Verschwinden der Arbeiteridentit&#228;t (die seine beste und unerl&#228;ssliche Gegenspielerin war) braucht er einen Glaubensartikel.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es scheint also, dass &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; betreffend diverser Aspekte und von Anfang an als strukturalistisch bezeichnet werden kann. Man kann sogar sagen, wenn man sich die Dinge auf seine Weise zurechtlegt, dass es nicht nur das Resultat einer endogenen Entwicklung war und dass, obwohl eine ernsthafte Lekt&#252;re Althussers erst sp&#228;t stattfand, durch die Vermittlung der Linguistik, der Literatur und des Kinos eine gewisse Atmosph&#228;re existierte. Aber dennoch war die erste Bewegung, die Dynamik, welche uns dazu brachte, die Molek&#252;le dieser Atmosph&#228;re zu treffen und zu absorbieren, unsere Besch&#228;ftigung mit der &#220;berwindung des Programmatismus in einer aus nicht immer h&#246;flichen theoretischen Polemiken und Konfrontationen bestehenden historischen Konfiguration.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Neben der &#220;berwindung des Programmatismus muss auch die Kritik des radikalen Demokratismus erw&#228;hnt werden, obwohl sie weniger grundlegend ist. In &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; 17 (September 2001) half uns ein sehr kritischer R&#252;ckgriff auf die &#8222;ideologischen Staatsapparate&#8220; f&#252;r die Analyse des radikalen Demokratismus, unser grosses Anliegen damals. Der Text &#8222;El&#233;ments pour une grille de lecture du d&#233;mocratisme radical&#8220; stellt die &#8222;Apparate&#8220; Althussers die, trotz ihrer Autonomie, immer auf die &#8222;Determination in letzter Instanz&#8220; verweisen, den &#8222;Feldern&#8220; Bourdieus entgegen, das erlaubt es, einen wichtigen Unterschied zwischen Programmatismus und radikalem Demokratismus zu unterstreichen. (&lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; 17, S. 49-51.)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn die Lekt&#252;re von Althusser (und Balibar) f&#252;r die Konstitution des Korpus von &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; bedeutend war, so war das auch, weil wir auf strukturiertere und philosophischer argumentierende Art und Weise gewisse grundlegende Themen von &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; wiederfanden. So werden z.B. in den &lt;i&gt;Fondements critiques d&#8216;une th&#233;orie de la r&#233;volution&lt;/i&gt; einige Seiten des kleinen Buches von Balibar &lt;i&gt;Marx&#8216; Philosophie&lt;/i&gt; zum Humanismus &#252;bernommen. Bez&#252;glich Althusser selbst betrifft die &#220;bernahme (u.a.), neben der Kritik des &#8222;theoretischen&#8220; Humanismus, die radikale Unterscheidung zwischen dem Konzept und dem Konkreten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Unterscheidung ist &#8222;verlockend&#8220; und f&#252;gt sich in die Problematik von &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; ein, wenn man diese radikale Unterscheidung nicht macht, bricht die ganze Kritik des &#8222;Wesens der Klasse&#8220; zusammen oder ist zumindest bedroht. Die Anerkennung der Autonomie, des eigentlichen Denkprozesses und der konzeptuellen Hervorbringung ist &#8222;paradoxerweise&#8220; die Garantie des Materialismus. Zudem schliesst diese Unterscheidung mit allen Metageschichten ab, f&#252;r welche die Abfolge der Produktionsweise gleichbedeutend mit der Verwirklichung eines Prinzips ist: die Trennung von Mensch und Natur bei Camatte, die Arbeit bei Astarian, die menschliche Unbeugsamkeit bei Dauv&#233;, das Leben bei Vaneigem, das Individuum und die Gemeinschaft bei &lt;i&gt;Temps critiques&lt;/i&gt;. Man muss hier anmerken, dass es unm&#246;glich ist, auf diese Art und Weise Debords &lt;i&gt;Die Gesellschaft des Spektakels&lt;/i&gt; zu kritisieren: Die Kritik des Spektakels ist total in sich geschlossen (das ist sogar das Problem, mit welchem der Text entlang der Thesen k&#228;mpft und sich manchmal nicht mehr zurechtfindet). Es gibt auch keine Alternative, keine malerischen ZAD, &#8222;Kommunen&#8220; oder einen &#8222;kommenden Aufstand&#8220;, und auch nicht ihr theoretisch schickeres Alter Ego im Stile der &#8222;Commons&#8220;. Bevor Dardot und Laval ihr erb&#228;rmliches Werk &lt;i&gt;Commun. Essai sur la r&#233;volution au XXIe si&#232;cle&lt;/i&gt; schrieben, mussten sie das Terrain r&#228;umen mit ihrem &lt;i&gt;Marx, pr&#233;nom Karl&lt;/i&gt;, das vollst&#228;ndig der Ausradierung Althussers gewidmet war (man fragt sich h&#228;ufig, ob sie ihn gelesen haben), die Mumie bewegt sich wohl noch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als Althusser das Objekt des &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt; definiert (gegen Foucault: &lt;i&gt;Das Kapital lesen&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;Die Ordnung der Dinge&lt;/i&gt; erscheinen fast gleichzeitig), handelt es sich um &lt;i&gt;die Kombination der verschiedenen Elemente der Produktion untereinander&lt;/i&gt;, deshalb ist der Widerspruch M&#228;nner/Frauen &#8222;methodologisch&#8220; in Bezug zum hier Gesagtem, obwohl er in der Entwicklung von &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; politisch sehr bedeutend war, nur eine zunehmende Komplexit&#228;t der Kombinatorik. F&#252;r Foucault (wenn man etwas vereinfacht und karikiert) schliesst Marx nur die L&#252;cken Ricardos und &#8222;historisiert ihn&#8220;, doch der eine wie der andere beziehen alle Kategorien der politischen &#214;konomie auf eine &#8222;tiefe Tatsache&#8220;: die sie hervorbringende T&#228;tigkeit, die Arbeit und die Bed&#252;rfnisse. Die &lt;i&gt;Kritik&lt;/i&gt; der politischen &#214;konomie bleibt gewissermassen eine mit der Geschichte gekreuzte Anthropologie. Als Althusser das Objekt des &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt; definiert, kritisiert er all das: Die Arbeit ist nicht gegeben, weil das Bed&#252;rfnis nicht gegeben ist, sie sind Teil einer Struktur der Produktion (es gibt die Bed&#252;rfnisse der Produktion, die ihrerseits von dieser Struktur definiert werden; die Natur der verf&#252;gbaren Produkte; das &#8222;Zivilisationsniveau&#8220;; die H&#246;he der Einkommen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf etwas provokative Art und Weise k&#246;nnte man sagen, dass Althusser der wichtigste Theoretiker der Kritik des Programmatismus ist oder, weniger provokativ, seines Endes. Es gibt bei ihm keinen Ausweg aus der gegenseitigen Verstrickung und der Produktionsweise als Kombinatorik ihrer Elemente &lt;i&gt;ohne &#8222;Tiefe&#8220;&lt;/i&gt; (seine Theorie des Konzepts ist seinem Konzept der Produktionsweise ad&#228;quat). Alles ist an der Oberfl&#228;che, eine Oberfl&#228;che ohne Tiefe (siehe &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; 23, &#8222;Fin de meeting&#8220; und &#8222;Autopr&#233;supposition du capital: essence/surface/f&#233;tichisme&#8220;), der Fetischismus maskiert keine Wirklichkeit, er ist ihre einzige Existenz, was, wenn man dar&#252;ber nachdenkt, nicht ohne grossen Konsequenzen sein kann in Bezug auf die Konzeption und die ber&#252;hmte &#8222;Rolle der Theorie&#8220;. Sie enth&#252;llt nichts und die Aktivisten sind abgefeimte Idealisten. Man kann die Hervorbringung der Ideologie bei Althusser kritisieren (obwohl Isabelle Garo, die man in der Regel zitieren kann, ohne sich &#8222;sch&#228;men&#8220; zu m&#252;ssen, nicht weit davon entfernt ist) und die instrumentale Simplifizierung der &#8222;ideologischen Staatsapparate&#8220; (sowie die Trennung zwischen wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Reproduktion, auf welcher sie gr&#252;ndet), doch als Althusser auch die Gewerkschaften und die Arbeiterparteien in diese Kategorie steckt, gibt das zu denken, es ist nicht sehr g&#228;ngig in diesem Milieu. Und dann setzt er das &#8222;Subjekt&#8220; als Grundlage der Ideologie, das macht Freude, sei es nur der Polemik halber.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wo liegt also der &#8222;Fehler&#8220; von Althusser? Wie hat, um ihn zu parodieren, sein &#8222;theoretisches Feld&#8220; das Sichtbare und das Unsichtbare konditioniert? Was ist sein &#8222;Ausgeschlossenes&#8220;, wenn, um seine Begriffe zu &#252;bernehmen, das Ausgeschlossene als ausgeschlossen von der Problematik definiert wird? Man muss auf Althusser seine eigene Methode anwenden, eine &#8222;symptomale Lekt&#252;re&#8220;. Althusser beurkundet, indem er aus Marx die Aufgabe des &#8222;tiefen Konzepts&#8220; der Arbeit herausliest, das Ende des Programmatismus. Wir erkl&#228;ren in einem Anhang zu &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; 21, wie Althusser den Programmatismus beerdigt, ihn aber in guter Gesundheit beerdigt, er &#8222;rettet&#8220; ihn zum Preis seiner T&#246;tung dort, wo er am wesentlichsten ist: seine Verbindung mit der unmittelbarsten praktischen Bewegung der k&#228;mpfenden Klasse. Genau wie Ricardo (gem&#228;ss Althusser) durch den Wert seiner Nahrungs- und Reproduktionsmittel zum Oxymoron des &#8222;Werts der Arbeit&#8220; gelangt, best&#228;tigt Althusser ein revolution&#228;res Wesen des Proletariats &lt;i&gt;in seiner Theorie&lt;/i&gt; und durch seine Trennung von seiner Theorie, all das, ohne dieses &#8222;theoretische Wesen&#8220; ausserhalb der Theorie rechtfertigen und ohne es anders als durch seine Prozeduren legitimieren zu m&#252;ssen. Genau wie Ricardo die Frage des Werts der Arbeitskraft in den Begriffen des &#8222;Werts der Arbeit&#8220; beantwortet hat, ohne sie gestellt zu haben, beantwortet Althusser die Frage der proletarischen Positivit&#228;t, doch indem er das tut, setzt er in seine Antwort etwas ganz anderes ein: die Obsoleszenz des Programmatismus in den Begriffen dieser &#8222;Positivit&#228;t&#8220; selbst. Um ihn selbst zu parodieren: Da er die Frage, welche er in Tat und Wahrheit beantwortet, nicht besitzt, manifestiert Althusser in seiner Antwort die Abwesenheit &lt;i&gt;ihrer&lt;/i&gt; Frage.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann also zahlreiche Bausteine seiner &#8222;Antwort&#8220; &#252;bernehmen, aber indem man ein neues &#8222;Objekt&#8220; definiert, eine neue &#8222;Episteme&#8220;, wie die Strukturalisten sagen w&#252;rden, d.h. indem man die von Althusser nicht formulierte Frage formuliert, seinen &#8222;Fehler&#8220;: &#8222;Wie kann eine Klasse, die strikt als Klasse handelt, die Klassen abschaffen?&#8220; Eine Frage, die (ohne genau verifiziert zu haben) in der &#8222;Introduction&#8220; der Nr. 2 von &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; erscheint. Durch die &#196;nderung des Objekts, welche die &#8222;Bausteine&#8220; als Antworten auf eine Frage situiert, die leider nicht gestellt worden ist, &#228;ndern diese &#8222;Bausteine&#8220; ihre innere Bedeutung und ihren Inhalt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Althusser gelangt &lt;i&gt;theoretisch&lt;/i&gt; ans Ende der Obsoleszenz des Programmatismus, welche nicht ein Ereignis ist, das ein f&#252;r allemal an einem Zeitpunkt der Geschichte situiert werden kann, doch sie ist seit dem Anfang der 1970er Jahre eine strukturelle Komponente des Klassenkampfes und der Theorie (die Grenze des Klassenkampfes ist der Kampf als Klasse). Bei Althusser ist die revolution&#228;re Positivit&#228;t, die immer noch im Proletariat angelegt ist, nur der Effekt seiner Stellung als Element der Produktionsweise. Es handelt sich um eine Definition, die zerst&#246;rt, was sie eigentlich definieren sollte, wie es Althusser richtigerweise von der Definition des &#8222;menschlichen Wesens&#8220; in der sechsten These &#252;ber Feuerbach formuliert. Dieser begriffliche Widerspruch f&#252;hrt zu einer der Hauptformeln in &lt;i&gt;Das Kapital lesen&lt;/i&gt;: Die Gesetze der Dynamik einer Struktur unterscheiden sich radikal von jenen ihrer Aufhebung/Abschaffung. Daher, als Ausweg aus der Sackgasse, die Notwendigkeit einer genialen Partei und eines noch genialeren Anf&#252;hrers, der es versteht, den &lt;i&gt;kairos&lt;/i&gt; zu erfassen (man findet irgendwo in &lt;i&gt;Das Kapital lesen&lt;/i&gt; diese Lobrede auf die bolschewistische Partei und Lenin).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Konzept der Konjunktur bei TC unterscheidet sich davon radikal, denn wir haben &#8222;Die Frage&#8220; gestellt und dadurch hat sich das theoretische Objekt ver&#228;ndert: Es geht nicht mehr um das Verh&#228;ltnis der Klasse zu &#8222;ihrer Theorie&#8220;, sondern um das Verh&#228;ltnis der Klasse zu sich selbst in ihrem Verh&#228;ltnis zum Kapital. Wir &#252;bernehmen all die Begriffe der &#8222;&#220;berdeterminierung&#8220;, &#8222;Determinierung in letzter Instanz&#8220;, &#8222;Dominante&#8220;, &#8222;Organisation der Instanzen&#8220; und die ber&#252;hmte &#8222;einsame Stunde, die nie schl&#228;gt&#8220;. Doch alles ist anders: Die Reproduktion der Regel (Dynamik der Struktur) ist eine Spannung hin zur Abschaffung der Regel; die &#8222;Dynamik der Reproduktion der Struktur&#8220; ist im Widerspruch zu sich selbst im Widerspruch ihrer Elemente. Weshalb also die Revolution als Konjunktur definieren und nicht bei der einfachen Tendenz der kapitalistischen Produktionsweise bleiben, welche ihre Aufhebung in sich tr&#228;gt, um letztendlich zur &#8222;Vernunft in der Geschichte&#8220; zu gelangen? Aus mehreren Gr&#252;nden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Erstens gibt es keine von Natur aus revolution&#228;re Klasse, keine Positivit&#228;t am Werk und keine Befreiung/Affirmation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zudem (und das hat damit zu tun) gibt es keine Einheit der Klasse vor ihrer Abschaffung, die also der Ort aller inneren Konflikte all ihrer Differenzierungen ist; in ihrem Widerspruch zum Kapital wendet sich die Klasse gegen sich selbst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weiter: Die Dynamik des Kampfzyklus ist innerhalb dessen situiert, was ihre Grenze konstituiert: Handeln als Klasse.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und schliesslich, um &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; 26 zu zitieren (S. 308): &#8222;Obwohl die kapitalistische Produktion eine &lt;i&gt;Spannung hin zur Abschaffung ihrer Regel&lt;/i&gt; darstellt, ist die Revolution ein qualitativer Sprung insofern, als dass sie sich gegen das richtet, &lt;i&gt;was sie hervorgebracht hat&lt;/i&gt;, d.h. gegen die &#214;konomie als Grundlage der gesellschaftlichen Reproduktion. Dieser Umschwung ist gleichbedeutend mit der Umw&#228;lzung der Hierarchie der Instanzen der Produktionsweise (von den Strukturen bis zum &#220;berbau, von der &#214;konomie bis zu den Rechten und Ideologien), welche die Mechanik ihrer Selbstvoraussetzung war, diese Umw&#228;lzung definiert eine Konjunktur. [&#8230;] Solange diese Umw&#228;lzung nicht stattgefunden hat, solange das Proletariat innerhalb des Klassenkampfes nicht in der &#214;konomie den notwendigen Fortbestand derselben erkannt hat, kann der Klassenkampf nur auf die Reproduktion der kapitalistischen Produktionsweise hinauslaufen.&#8220; In &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; 25 schrieben wir am Ende des Leitartikels &#8222;Comme un marasme&#8220; (S. 36): &#8222;Das Konzept der &lt;i&gt;Konjunktur&lt;/i&gt; weist darauf hin, wie man auf der einen Seite &#8218;systematisch&#8216; das Verschwinden des &#8218;Sinns der Geschichte&#8216;, der &#8218;Dialektik der Geschichte&#8216;, und, auf der anderen, das Verst&#228;ndnis des Verlaufs des Kapitals und des Klassenkampfes als eine &#8218;Spannung hin zur Abschaffung seiner Regel&#8216; setzen kann. Die &lt;i&gt;Konjunktur&lt;/i&gt; sagt, dass es keine &#8218;Dialektik der Aufhebung&#8216; mehr gibt, sie ist kein Gesetz mehr: &lt;i&gt;Die Revolution in ihrem Prozess ist ein Umschwung gegen das, was sie hervorgebracht hat&lt;/i&gt;.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn der Widerspruch zwischen Proletariat und dem Kapital sich auf der Ebene der Reproduktion situiert, bezeichnet das Konzept der Konjunktur eine Krise der Selbstvoraussetzung der kapitalistischen Produktionsweise. Die wirtschaftliche Determinierung, welche den Klassenkampf strukturiert, ist die Grundlage dieser Krise selbst und ihrem potenziellen Werden als Konjunktur durch das Handeln des Proletariats. Die Revolution verl&#228;sst also den Determinismus der Wiederholung der &#214;konomie als Grundlage der Gesellschaft. Sie schafft den sie hervorbringenden Determinismus ab.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir k&#246;nnen in der Gegenwart die G&#252;ltigkeit dieses Konzepts als Werkzeug zur Analyse der K&#228;mpfe in all ihrer Vielfalt, ihrer Diversit&#228;t sich &#252;berschneidender Ebenen beurteilen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die von ihm eingef&#252;hrte zunehmende Komplexit&#228;t ist motiviert durch das Bed&#252;rfnis, den empirischen Verlauf des Klassenkampfes, in welchem kein Subjekt &#8222;rein&#8220; ist (Klasse, Klassensegment, unternehmerischer oder korporatistischer Patriotismus, Geschlechterrollen, Rasse&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ad&#220;: Es w&#228;re eigentlich offensichtlich, aber da die deutschsprachige Szene (...)&#034; id=&#034;nh4-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, lokale Geschichte, Nachbarschaftsbeziehungen, Religionen, usw.) und wo alle Praktiken unter mehreren ideologischen Verh&#228;ltnissen operieren, ausserhalb der einfachen Feststellung von Umst&#228;nden und Unw&#228;gbarkeiten zu theoretisieren. Diese &#8222;Unw&#228;gbarkeiten&#8220; haben gegenw&#228;rtig einen Sinn im Klassenkampf. Von der Religion bis zur &#8222;authentischen Staatsb&#252;rgerschaft&#8220; k&#246;nnen sie zum gegenw&#228;rtigen Zeitpunkt der Weg jeglicher Barbarei sein, doch wenn die &#246;konomische Determinierung die Grundlage bleibt, k&#252;ndigen sie auch in einem auf der Ebene der &lt;i&gt;Reproduktion&lt;/i&gt; situierten Widerspruch die Infragestellung der determinierenden Hierarchie der Instanzen der Produktionsweise an.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn die ber&#252;hmte &#8222;einsame Stunde&#8220; nie schl&#228;gt, dann ist das umso besser, w&#252;rde sie im Verlauf einer &#8222;revolution&#228;ren Bewegung&#8220; schlagen, w&#228;re das gleichbedeutend mit der Ank&#252;ndigung, dass die Konterrevolution ganz in der N&#228;he der Revolution ihre Zelte aufschl&#228;gt. W&#228;hrend es scheint, dass TC hier ein &#8222;copypaste&#8220; von &lt;i&gt;F&#252;r Marx&lt;/i&gt; gemacht hat, ist es eben genau in dieser Konzeption der Revolution als Konjunktur, wo die Frage des Strukturalismus von TC jetzt situiert werden muss, denn dort ist er problematisch und dort entfernen wir uns am weitesten von ihm. Falls es ein aktuelles Streitobjekt zur Frage des &#8222;Strukturalismus von TC&#8220; gibt, ist es insofern, als dass er gegen den &#8222;Strukturalismus&#8220; an die Konzeption der Revolution als Konjunktur ankn&#252;pft, &#8222;eine Situation, die ihre Ursachen &#252;bersteigt, die sich gegen sie wendet&#8220;; &#8222;der Umschwung, als Klassenkampf und in den K&#228;mpfen, der Gesetze der Reproduktion der Produktionsweise gegen sich selbst&#8220; (&lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; 25, S. 157).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In unserem Milieu kann die Frage des Verh&#228;ltnisses von &lt;i&gt;TC&lt;/i&gt; zum Strukturalismus und Althusser eine wahrhaftige und interessante Frage sein, doch unter zwei Bedingungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Erstens&lt;/i&gt;, auf eine ihrem Objekt innere Art und Weise, unter der Bedingung, dieses Verh&#228;ltnis in den theoretischen Problemen von TC zu situieren und es und sein &#8222;Gebrauch&#8220; in der TC eigenen Problematik und ihren Fragestellungen zu artikulieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Zweitens&lt;/i&gt;, auf &#228;ussere Art und Weise, unter der Bedingung, dass man ausf&#252;hrt, weshalb man sich jetzt diese Frage stellt, inwiefern sie interessant und problematisch ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sonst verwandelt man den &#8222;Strukturalismus&#8220; und &#8222;Althusser&#8220; in Namen irgendeiner Bestie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Oktober 2018&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://dndf.org/?p=17307&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb4-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ad&#220;: Es w&#228;re eigentlich offensichtlich, aber da die deutschsprachige Szene eine Hochburg des Idealismus ist, muss es wohl pr&#228;zisiert werden: TC hat den Begriff nicht von den Nazis &#252;bernommen, sondern gebraucht ihn im Sinne einer gesellschaftlichen Konstruktion wie es im angels&#228;chsischen Raum g&#228;ngig ist.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Th&#233;orie communiste - Normative Geschichte und kommunistische Essenz des Proletariats (2000)</title>
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&lt;p&gt;Kritik von Gilles Dauv&#233;s &#8222;Wenn die Aufst&#228;nde sterben&#8220;. &lt;br class='autobr' /&gt;
Wir haben uns in der Kritik der Brosch&#252;re &#8222;Catastrophe et r&#233;volution&#8220; schon mit der &#8220;normativen&#8220; Konzeption der Geschichte besch&#228;ftigt, im Text von Dauv&#233; haben wir diese Konzeption im Reinzustand. &lt;br class='autobr' /&gt;
Auf der dritten Seite bringt er das Vokabular dieser Problematik in Stellung: &#8222;hat verpasst&#8220;, &#8222;war verpasst worden&#8220;. Der gesamte Text erw&#228;hnt sehr wohl den Faschismus und den Nazismus als Resultate der Grenzen der Klassenk&#228;mpfe der (...)&lt;/p&gt;


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 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/arton74-2.jpg?1689282097' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='53' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Kritik von Gilles Dauv&#233;s &lt;a href=&#034;http://www.wildcat-www.de/zirkular/50/z50dauve.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Wenn die Aufst&#228;nde sterben&#8220;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben uns in der Kritik der Brosch&#252;re &#8222;Catastrophe et r&#233;volution&#8220; schon mit der &#8220;normativen&#8220; Konzeption der Geschichte besch&#228;ftigt, im Text von Dauv&#233; haben wir diese Konzeption im Reinzustand.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf der dritten Seite bringt er das Vokabular dieser Problematik in Stellung: &#8222;hat verpasst&#8220;, &#8222;war verpasst worden&#8220;. Der gesamte Text erw&#228;hnt sehr wohl den Faschismus und den Nazismus als Resultate der Grenzen der Klassenk&#228;mpfe der vorhergehenden Periode, doch diese Grenzen werden im Verh&#228;ltnis zum Kommunismus definiert und nicht in den K&#228;mpfen dieser Periode. Gleichzeitig wird die Geschichte des Kapitals auch auf einen sie &#252;bersteigenden Widerspruch bezogen, einen allgemeinen Widerspruch der Geschichte: die Trennung zwischen dem Menschen und der Gemeinschaft, zwischen menschlicher T&#228;tigkeit und Gesellschaft. &#8222;Die Demokratie [&#8230;] wird niemals das Problem der am meisten gespaltenen Gesellschaft in der Geschichte aufl&#246;sen k&#246;nnen.&#8220; Doch das war auch nie ihre Absicht. Die Individuen sind durch die demokratische Politik nicht isolierter oder st&#228;rker miteinander verbunden, als dass sie im Feudalismus pers&#246;nlich miteinander verbunden waren. Es ist jene Gesellschaft, in welcher die Beziehungen zwischen den Menschen am weitesten entwickelt und am st&#228;rksten sind, welche die Fiktion des isolierten Individuums hervorgebracht hat. Es geht nie darum, zu wissen, wie Individuen, definiert in gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen, die durch eine Produktionsweise determiniert sind, miteinander durch eine politische Form verbunden sind, sondern weshalb diese Verbindung die Form der Politik annimmt. Genau wie das Individuum, so auch die Gemeinschaft; die Individuen bilden eine Gemeinschaft, die genauso beschr&#228;nkt ist wie sie selber. Die Demokratie (der Staat allgemein) ist die Form dieser Gemeinschaft auf politischer Ebene, nicht die Antwort auf eine nicht existierende allgemeine Trennung. Wenn die Antwort der Demokratie auf diese Trennung &#8222;schlecht&#8220; ist, so bedeutet das, dass diese allgemeine Trennung, f&#252;r welche sie eine &#8222;schlechte&#8220; Antwort liefert, die allgemeine Dynamik der Geschichte ist (weitgehend entwickelt in &lt;i&gt;La Banquise&lt;/i&gt;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Demokratie hat die Arbeiter zusammen mit den Parteien und den Gewerkschaften besiegt, doch was waren (in Italien, in Deutschland, in Spanien) die Ziele, der Inhalt der Arbeiterk&#228;mpfe, das bleibt im Text stets ungesagt. Wir sind mitten in der Problematik des &#8222;Verrats&#8220; durch die Parteien und die Gewerkschaften. Die Arbeiter gehorchen den reformistischen Bewegungen, genau das h&#228;tte ausgehend von der Natur dieser Arbeiterk&#228;mpfe selbst erkl&#228;rt werden m&#252;ssen, statt die D&#228;monen der Manipulation und des Betrugs zu evozieren. &#8222;Die Proletarier vertrauen auf die Demokraten&#8220;, diese gleichen Proletarier, welche &#8222;mit diesen Methoden und eigenen Zielen gegen das Kapital handel[n]&#8220;, Handlungen, Methoden und Ziele, die nie pr&#228;zisiert werden. Dauv&#233; wagt die Frage &#8222;Wer hat die proletarische Energie besiegt?&#8220;, doch nie wird irgendetwas &#252;ber den Inhalt, die Formen, die eigenen Grenzen dieser Energie gesagt. Es ist die proletarische Energie und das ist alles. &#8222;Wie kann die Arbeiterklasse beherrscht werden?&#8220;, doch bevor diese Frage gestellt wird, h&#228;tte eine andere gestellt werden m&#252;ssen: &#8222;Was macht die Arbeiterklasse?&#8220; Das scheint immer offensichtlich zu sein, es ist &#8222;die proletarische Energie&#8220;. Wieso war also die Beherrschung 1921 und 1943 (betreffend Italien) erfolgreich? Das sind die Fragen, welche der Text nur auf anekdotische Art und Weise beantwortet; oder aber mit einer &#8222;grundlegenden&#8220; Erkl&#228;rung, wie wir weiter unten sehen werden: Die Arbeiter sind gescheitert und geschlagen worden, weil sie nicht die Revolution gemacht haben, wir sind mitten im Reich der Tautologie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die gleiche Unbestimmtheit der &#8222;revolution&#228;ren Energie&#8220; finden wir in der Analyse der Niederlage der Arbeiter und des Sieges des Nazismus in Deutschland: &#8222;Die deutsche Niederlage von 1918 und der Zerfall des Reichs l&#246;sten einen proletarischen Angriff aus [NdA: Es handelt sich wohl um eine Manifestation der &#8222;proletarischen Energie&#8220;.], der stark genug war, die Gesellschaft zu ersch&#252;ttern, aber nicht stark genug, um sie umzuw&#228;lzen und der die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften zur Grundlage des politischen Gleichgewichts machte.&#8220; Man sagt uns nicht mehr &#252;ber diesen &#8222;proletarischen Angriff&#8220;. Warum ist er nicht stark genug, um die Gesellschaft umzuw&#228;lzen? Das ist n&#228;mlich die Frage, und zwar die einzige. Die Dinge scheinen offensichtlich, es gen&#252;gt, &#8222;Proletariat&#8220; und &#8222;Revolution&#8220; zu sagen. Pl&#246;tzlich liefert der Autor allerdings einen schnellen Hinweis, &#8222;die radikale Bewegung strebte eine Arbeiterwelt an&#8220;, doch diese grundlegende Anmerkung wird nicht entwickelt, sie ist eine Art Detail, die nicht als L&#246;sung f&#252;r das Scheitern fungieren kann, diese Eigenschaft wird sofort mithilfe der Allgemeinheit des &#8222;proletarischen Angriffs&#8220; kleingeredet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Schl&#252;ssel f&#252;r die Gesamtheit der Problematik wird in einer fast schon beil&#228;ufigen Bemerkung gegeben: &#8222;Aber die konservative Revolution nahm auch alte antikapitalistische Tendenzen wieder auf (R&#252;ckkehr zur Natur, Flucht aus den St&#228;dten ...), welche die Arbeiterparteien, auch die extremistischen, geleugnet oder untersch&#228;tzt hatten aufgrund ihrer Unf&#228;higkeit, die nicht-klassenbezogene und gemeinschaftliche Dimension des Proletariats miteinzubeziehen, die &#214;konomie zu kritisieren und sich die zuk&#252;nftige Welt anders vorzustellen denn als eine Verl&#228;ngerung der Gro&#223;industrie.&#8220; Wir werden nichts zum Kampf der Machtstrukturen der Nazis gegen die grosse Industrie sagen, uns interessiert &#8222;die proletarische Energie&#8220;. Diese Energie beruht auf dieser nicht-klassenbezogenen und gemeinschaftlichen Dimension. Gehen wir, wenn diese Dimension einmal proklamiert ist, davon aus, dass alles andere, d.h. die wirkliche Geschichte des Klassenkampfes, nur noch die Aufeinanderfolge gegen&#252;ber dieser Dimension mehr oder weniger minderwertiger Formen sein kann. Die allgemeine Mechanik ist also die folgende: Mensch und Gesellschaft sind getrennt, das ist die Grundlage aller Geschichte, alle historischen Formen menschlicher Gesellschaften gr&#252;nden auf dieser Trennung und versuchen, sie aufzul&#246;sen, aber in den Formen der Entfremdung. Das Kapital ist die Gesellschaft, in welcher die Trennung ihren H&#246;hepunkt erreicht, doch gleichzeitig (m&#246;ge Hegel zu Hilfe eilen!) ist es die Gesellschaft, welche eine Klasse hervorbringt, die eine gemeinschaftliche, eine nicht-klassenbezogene Dimension hat. Das Kapital ist seinerseits gezwungen, auf die gleiche Frage der Trennung zu antworten (die, wiederholen wir es, nur eine Form der gesellschaftlichen Verbindung darstellt), durch den Staat, die Demokratie, die Politik. Das f&#252;hrt zur einfachen Opposition zwischen zwei Antworten auf die gleiche Frage, das Proletariat und das Kapital sind nicht mehr die Begriffe eines Widerspruches innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise, sondern die vom Proletariat getragene menschliche Gemeinschaft und die Politik (der Staat) stehen sich gegen&#252;ber, das einzige, das sie verbindet, ist die Tatsache, zwei verschiedene Antworten auf das transhistorische Problem der Trennung zwischen dem Mensch und der Gesellschaft, dem Individuum und der Gemeinschaft darzustellen. Man findet diese ganze Problematik in &lt;i&gt;La Banquise&lt;/i&gt;, &#8222;Le Roman de nos origines&#8220; (Nr. 2). Diese ganze Problematik verkennt das grundlegende Axiom des Materialismus: Genau wie das Individuum, so auch die Gemeinschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Proletariat hat keine gemeinschaftliche oder nicht-klassenbezogene Dimension, es hat, durch seine Stellung im Widerspruch mit dem Kapital, die F&#228;higkeit, das Kapital und die Klassen abzuschaffen und die Gemeinschaft (die gesellschaftliche Unmittelbarkeit des Individuums) hervorzubringen, doch das ist nicht eine Dimension, die es in sich tr&#228;gt, weder als von seiner Situation in der kapitalistischen Produktionsweise kommende Natur, noch (weniger) als endlich entdeckte historische Figur der allgemeinen Tendenz der Geschichte hin zur Gemeinschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da Dauv&#233; in einer solchen Problematik die Geschichte der Klassenk&#228;mpfe nicht als reale Geschichte ihrer unmittelbaren Formen, ihren besonderen historischen Inhalt nicht als die Totalit&#228;t des Geschehenden aussch&#246;pfend betrachten kann (statt als historische Form von etwas anderem), sagt er uns nie, weshalb die Revolution scheitert oder weshalb die Tatsache, dass die Parteien, sogar die extremistischen, die gemeinschaftliche Dimension vernachl&#228;ssigt haben, zu diesem Scheitern gef&#252;hrt hat, weshalb es jedes Mal funktioniert, wenn der Staat, die Parteien, die Gewerkschaften den revolution&#228;ren Elan zerschlagen wollen. &#8222;Gerade auf dem revolution&#228;ren Terrain siegt die Konter-Revolution, das ist unvermeidlich&#8223;, das stimmt, doch in diesem Text erfahren wir nie, weshalb die Konter-Revolution im Verh&#228;ltnis zu den historischen Eigenschaften der Revolution siegt. Der Autor sagt uns zwar, wie es geschieht, doch dabei bleibt es. In Anbetracht der allgemeinen Problematik ist die einzige Erkl&#228;rung gezwungenermassen tautologisch: Die Revolution scheitert, weil sie nicht weitergegangen ist. Indem man das sagt, hat man nichts &#252;ber das real existierende Scheitern der real existierenden Revolution gesagt. &#8222;Demokratie und Sozialdemokratie sind somit unerl&#228;&#223;lich f&#252;r den deutschen Kapitalismus, um die Arbeiter einzugliedern, den Geist der Revolte in der Wahlkabine zu t&#246;ten, von den Unternehmern eine Reihe von Reformen zu erhalten und die Revolution&#228;re zu zerstreuen.&#8223; Aber man erkl&#228;rt uns nicht das Verh&#228;ltnis dieser T&#228;tigkeit der kapitalistischen Klasse und der Sozialdemokratie mit dem historischen Inhalt der Revolution selbst, nur das w&#252;rde uns erkl&#228;ren, wieso &#8222;es funktioniert&#8223;, es handelt sich um den notwendigen toten Winkel dieser Problematik.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Kapitel &#252;ber Spanien erreichen die Sackgassen dieser Problematik ihren H&#246;hepunkt. Dauv&#233; beschreibt die Konter-Revolution pr&#228;zis (wir sind uns diesbez&#252;glich einig), doch er spricht von der Revolution nur auf der Grundlage von dem, was sie nicht getan hat, im Verh&#228;ltnis zu dem, was sie h&#228;tte tun sollen, und als Abfolge von &#8222;fatalen Irrt&#252;mern&#8223;. &#8222;Nachdem sie die Reaktion in vielen St&#228;dten besiegt haben, haben die Arbeiter die Macht. Aber was sollen sie damit machen? Sie dem republikanischen Staat zur&#252;ckgeben oder sich ihrer bedienen, um weiterzugehen in einem kommunistischen Sinn?&#8223; Wir kennen die Antwort und Dauv&#233; erkl&#228;rt uns ausgiebig den &#8222;fatalen Irrtum&#8223; der spanischen Revolution&#228;re, die nicht die legale Regierung, den Staat angriffen. Doch wieso geschah ihnen dieser Irrtum, war er nicht mit der Natur des &#8222;proletarischen Angriffs&#8223; selbst verbunden (freilich fatal, ein Irrtum, das ist weniger sicher)? Das sind die wirklichen Fragen, mit welchen sich diese Problematik nicht besch&#228;ftigen kann. &#8222;[Im Mai 1937 ist d]ie F&#228;higkeit, sich gegen den Staat [&#8230;] zu erheben, [&#8230;] immer noch vorhanden, aber nicht die, den Kampf zum Bruchpunkt zu f&#252;hren.&#8223; Existierte diese F&#228;higkeit also im Juli 1936? F&#252;r Dauv&#233; werden die Massen &#8222;get&#228;uscht&#8223; von der CNT und der POUM, die Angst haben, den Staat aufzugeben: &#8222;Weil sie die Vermittlung &#8218;repr&#228;sentativer Organisationen&#8216; und den Rat zur M&#228;&#223;igung von seiten der POUM und der CNT akzeptiert haben, weichen dieselben, die im Juli 36 die faschistischen Milit&#228;rs besiegt haben, im Mai 37 kampflos vor den republikanischen Gendarmen zur&#252;ck.&#8223; Wenn wir dieser Interpretation folgen, dann sind die spanischen Proletarier Idioten. Es ist aussergew&#246;hnlich, Ausdr&#252;cke wie &#8222;die Massen vertrauen&#8223;, &#8222;fataler Irrtum&#8223;, &#8222;glauben die meisten Proletarier, da&#223; sie trotz allem die wirkliche Macht behalten k&#246;nnen&#8223;, &#8222;weil sie die Vermittlung [&#8230;] akzeptiert haben&#8223; zu benutzen, ohne auch nur einen Moment zu zweifeln und sich eine Frage der Art zu stellen: Aber wieso funktioniert es? Wieso vertrauen sie? Wieso dieser Irrtum? Wieso dieser Glauben? Obwohl diese Fragen im Text nicht einmal gestreift werden, m&#252;ssen wir uns hingegen fragen, wieso diese Fragen nicht gestellt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In diesem Text ist das Proletariat n&#228;mlich von Natur aus revolution&#228;r oder, noch besser, kommunistisch. Man weiss, dass die Geschichte jene der Trennung zwischen dem Menschen und der Gesellschaft ist, die Proletarier sind &#8222; als Ware behandelte Wesen, die nicht mehr als Ware existieren k&#246;nnen noch wollen, und deren Revolte die kapitalistische Logik zum Platzen bringt&#8223;. Die Proletarier sind in sich selbst widerspr&#252;chliche Wesen und dadurch tragen sie die Gemeinschaft, den Kommunismus in sich. Daraus folgt, dass, wenn sie nicht die Revolution machen, sie sich t&#228;uschen oder get&#228;uscht werden. Damit wird das, was nicht geschehen ist, zur Erkl&#228;rung f&#252;r das, was geschehen ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Als Ware behandelte Wesen&#8223; usw., die Formulierung l&#228;sst h&#246;chst schwierige und determinierende Fragen im Dunkeln. Die Proletarier sind hier der Sitz eines inneren Widerspruches, wovon einer der Begriffe nicht ausgesprochen wird und selbstverst&#228;ndlich zu sein scheint: Ware auf der einen Seite, aber im Namen welches Anderen wollen sie es nicht mehr sein? Grundlegend: Sie sind Menschen. Die gesellschaftliche Definition des Proletariats in einer bestimmten Produktionsweise l&#228;sst Raum f&#252;r eine hybride Definition: Ware und Mensch. Doch was ist also dieser Mensch, der nicht die Gesamtheit dieser gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse ist, durch welche er nur eine Ware ist? Wir verweisen hier auf die Kritik der Positionen von Carlos in der Debatte &#252;ber den &#8222;zerstreuten Fordismus&#8223;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vom Moment an, wo man eine revolution&#228;re Natur des Proletariats wie diese widerspr&#252;chliche Hybridisierung von Mensch und Ware konstruiert, verschwindet die Geschichte der Klassenk&#228;mpfe und pr&#228;ziser jene der Revolution und des Kommunismus. Der Kommunismus ist ein f&#252;r allemal in der Natur des Proletariats eingetragen. Die Tatsache, dass das Proletariat nicht mehr bleiben will und kann, was es ist, ist nicht ein innerer Widerspruch seiner Natur, eine Gegebenheit seines Wesens, sondern Ausdruck seines widerspr&#252;chlichen Verh&#228;ltnisses zum Kapital in einer historisch spezifischen Produktionsweise. Es ist das Verh&#228;ltnis dieser besonderen Ware, welche die Arbeitskraft darstellt, zum Kapital als Ausbeutungsverh&#228;ltnis, welches das revolution&#228;re Verh&#228;ltnis ist. So gesetzt ist es gezwungenermassen eine Geschichte, jene dieses Widerspruches. Der Klassenkampf in Barcelona im Mai 1937 war nicht die Bewegung des Kommunismus im allgemeinen (nicht einmal unter besonderen Bedingungen), welche aus Gr&#252;nden nicht zu Ende gebracht wurde, welche man nie wird hervorbringen k&#246;nnen, sondern die Revolution so wie sie real existierte. D.h. als Affirmation des Proletariats, das die Kraft und den Inhalt seiner Autonomie aus den Bedingungen innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise selbst sch&#246;pfte. Die &#8222;Irrt&#252;mer&#8223; erscheinen dann als das, was sie sind, inh&#228;rente Grenzen in jenem Sinne, als dass die Revolution selbst ihre Konter-Revolution impliziert. Die Affirmation der Autonomie des Proletariats impliziert die Affirmation dessen, was es ist im Kapital, dort findet es seine Macht und die Daseinsberechtigung seines Handelns und gleichzeitig wird die wesentliche Verbindung dieses Handelns mit der Konter-Revolution hervorgebracht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Behauptung eines &#8222;nicht-klassenbezogenen&#8223;, &#8222;gemeinschaftlichen&#8223; Aspekts des Proletariats ist nur das Resultat eines falschen Verst&#228;ndnisses einer Epoche des Klassenkampfes (bis zu den 1840er Jahren) und nicht einer revolution&#228;ren Natur des Proletariats. Sie erlaubt es jedoch, die Proletariat als Figur der Menschheit zu konstruieren, als Repr&#228;sentation eines Widerspruches, der einen weiten Weg hinter sich hat. Der Kommunismus wird auf Anhieb als Spannung vorausgesetzt, welche sich schon in der kapitalistischen Produktionsweise dem Kapital widersetzt und nach seiner Zerst&#246;rung strebt. Was sich von der Behauptung unterscheidet, gem&#228;ss welcher der Kommunismus die Bewegung der Aufhebung der bestehenden Bedingungen ist, d.h. die Bewegung des inneren Widerspruches dieser Bedingungen. Ausserdem ist der historische Prozess des Klassenkampfes, wenn man dem Proletariat diese Dimension verleiht, nicht mehr wirklich notwendig im Verh&#228;ltnis zur Revolution, er ist nur ein Prozess der Verwirklichung, das verursacht das Abgleiten der Analyse hin zu einem Widerspruch zwischen dem Kommunismus und dem Kapital, welcher den Widerspruch zwischen Proletariat und Kapital ersetzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um auf den Spanischen B&#252;rgerkrieg zur&#252;ckzukommen, so wie er im Text dargestellt wird, ist das Frappierende die Benutzung der M&#246;glichkeitsformen: &#8222;H&#228;tten sie die Revolution aus den republikanischen Gebieten hinaustragen wollen, so h&#228;tten sie auch diese Zonen selbst revolutionieren m&#252;ssen.&#8223; Was nicht geschehen ist, ist stets die Erkl&#228;rung f&#252;r das Geschehene: &#8222;Aber selbst Durruti ist sich nicht &#252;ber die Tatsache im klaren, da&#223; der Staat fortbesteht.&#8223; Es ist, als ob ein grosses, bis zur Kommunistischen Revolution (menschliche Gemeinschaft) kalibriertes Thermometer existierte, man taucht es in einen sensiblen Punkt der Ereignisse und man schaut, bis wo das Quecksilber steigt, dann erkl&#228;rt man, dass es nur bis dorthin gestiegen ist, weil es nicht h&#246;her gestiegen ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch &#8222;Durruti und seine Genossen verk&#246;rpern eine Energie, die nicht auf 1936 gewartet hatte, um sich an die Erst&#252;rmung der Welt zu wagen.&#8223; &#8222;Die proletarische Energie&#8223; spielt eine grosse Rolle in dieser Sichtweise der Geschichte, sie ist das, was das Quecksilber im Thermometer steigen l&#228;sst. Sie ist, wie in der alten Physik, eine dieser unnennbaren Kr&#228;fte, die dazu dienen, alle Tautologien zum Abschluss zu bringen. Es soll beil&#228;ufig angemerkt werden, dass &#8222;die Energie&#8223; verk&#246;rpert wird, genau wie &#8222;der Elan&#8223;. Indem Dauv&#233; nicht erkl&#228;rt, weshalb die spanische Revolution nicht weitergeht und was ihr wesentliches Verh&#228;ltnis zur Konter-Revolution ist, akkumuliert Dauv&#233; alle &#8222;wie&#8223;, die absolut zutreffend sind, doch ohne uns je den Beginn einer Erkl&#228;rung zu liefern, ausser im Konjunktiv, was gemacht h&#228;tte werden m&#252;ssen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; &#8222;[D]ie Proklamierung der sofortigen und bedingungslosen Unabh&#228;ngigkeit des spanischen Teils von Marokko [h&#228;tte] zumindest Durcheinander unter den Sto&#223;truppen der Reaktion ges&#228;t.&#8223;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; &#8222;Die gesellschaftlichen Ver&#228;nderungen, ohne die die Revolution ein leeres Wort ist, m&#252;ssen sich, um sich zu konsolidieren und auszuweiten, in ein antagonistisches Verh&#228;ltnis zum Staat setzen, der eindeutig als Gegner bestimmt ist. Nun war aber die Existenz einer &lt;i&gt;Doppelherrschaft&lt;/i&gt; nach Juli 36 nichts als Schein. Die aus dem Aufstand hervorgegangenen proletarischen Organe und die, die danach die Vergesellschaftungen durchf&#252;hrten, tolerierten nicht nur den Staat, sondern sie gestanden ihm auch den Vorrang im antifaschistischen Kampf zu, als ob der Weg, Franco zu besiegen, notwendigerweise taktisch &#252;ber den Staat laufen m&#252;sse.&#8223;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; &#8222;Kommunistische Ma&#223;nahmen h&#228;tten die Grundlagen beider Staaten (des republikanischen und des nationalistischen) unterminieren k&#246;nnen, wenn nur mit der L&#246;sung der Agrarfrage begonnen worden w&#228;re: in den 30er Jahren war mehr als die H&#228;lfte der Bev&#246;lkerung unterern&#228;hrt. Eine subversive Bewegung brach los, allen voran die am meisten Unterdr&#252;ckten, die am meisten vom &#8218;politischen Leben&#8216; Ferngehaltenen (zum Beispiel Frauen), aber sie schaffte es nicht, bis zum &#196;u&#223;ersten zu gehen und die Dinge an der Wurzel zu packen.&#8223;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weshalb? Um diese Frage zu beantworten, muss die Natur der Revolution anders definiert werden denn als &#8222;revolution&#228;rer Elan&#8223;, &#8222;revolution&#228;re Energie&#8223;, &#8222;kommunistisches Potential&#8223;, &#8222;abgetriebene Revolution&#8223;. Man muss den Widerspruch zwischen Proletariat und Kapital als Verh&#228;ltnis der gegenseitigen Verstrickung verstehen und somit die Revolution und den Kommunismus als historische Hervorbringungen und nicht als Einheit, die zur Natur der revolution&#228;ren Klasse geh&#246;ren, welche ein f&#252;r allemal als solche definiert wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r Dauv&#233; zeugen die deutsche, russische oder spanische Revolution von &#8222;einer kommunistischen Bewegung, die die ganze Gesellschaft ver&#228;ndert&#8223;. Doch es ist eben genau die Natur dieser kommunistischen Bewegung zu diesem Zeitpunkt der Geschichte des widerspr&#252;chlichen Verh&#228;ltnisses zwischen Proletariat und Kapital, welche definiert werden muss, wenn man ihre Grenzen und ihre Beziehung zur Konter-Revolution anders, als durch das, was h&#228;tte getan werden m&#252;ssen und nicht getan worden ist, erkennen will. Der Autor liefert jedoch eine Erkl&#228;rung der Grenzen der Revolution, aber er scheint sie selber nicht f&#252;r sehr aussagekr&#228;ftig zu halten: &#8222;Der Krieg in Spanien beweist sowohl die revolution&#228;re Energie der gemeinschaftlichen Formen und Verbindungen, die vom Kapital durchdrungen, aber noch nicht direkt reproduziert werden, als auch ihre Machtlosigkeit, &lt;i&gt;aus sich selbst heraus&lt;/i&gt; eine Revolution zu sichern. Ohne Angriff auf den Staat und die Schaffung anderer Verh&#228;ltnisse auf landesweiter Ebene waren sie zu einer bruchst&#252;ckhaften Selbstverwaltung gezwungen, bei der Wesen und sogar Formen des Kapitalismus weiterbestanden, besonders das Geld und die Aufteilung in Unternehmen.&#8223; Und falls es diese Verbindungen und Formen gewesen w&#228;ren, welche eben genau &#8222;den Angriff&#8223; verhindert hatten? Und falls wir es bloss mit einer besonderen Form der Affirmation des Proletariats zu tun h&#228;tten? Dauv&#233; stellt sich nicht diese Art von Fragen, denn f&#252;r ihn sind die besonderen Bedingungen immer nur Bedingungen im Verh&#228;ltnis zu dem, was die Revolution tun muss, und nicht die Form der Revolution selbst zu einem gegebenen Zeitpunkt. In dieser kurzen, sehr interessanten Passage &#252;berwindet er die Problematik objektive Bedingungen/revolution&#228;re Natur nicht. Diese besonderen Bedingungen, welche er beschreibt, h&#228;tten jene sein sollen, unter welchen allerdings ein Angriff gegen den Staat h&#228;tte stattfinden sollen. Als Konsequenz wird diese Erkl&#228;rung der Grenzen gegeben, doch sie interveniert nicht in das allgemeine R&#228;sonnement. Wenn sie interveniert h&#228;tte, w&#228;re Dauv&#233; gezwungen gewesen, &#8222;die revolution&#228;re Energie&#8223;, den &#8222;revolution&#228;ren Elan&#8223; historisch zu spezifizieren, und h&#228;tte nicht mehr von &#8222;abgetriebener Revolution&#8223; oder &#8222;kommunistischem Potential&#8223; sprechen k&#246;nnen. Er k&#246;nnte nicht mehr das, was getan worden ist, mit dem erkl&#228;ren, was nicht getan worden ist, und all die &#8222;h&#228;tten m&#252;ssen&#8223; h&#228;tten keinen Sinn mehr. Er begn&#252;gt sich damit, eine ahistorische Sichtweise der Revolution und des Kommunismus und die historischen Bedingungen, die ihr Form und Gestalt geben, nebeneinander zu stellen. Die Geschichte des Klassenkampfes ist hier stets doppelt: Einerseits das kommunistische Prinzip, der revolution&#228;re Elan oder die revolution&#228;re Energie, die das Proletariat antreiben, eine transzendente Geschichte; andererseits die begrenzte Manifestation dieser Energie, eine anekdotische Geschichte. Zwischen diesen beiden Aspekten existiert eine Hierarchie. Die transzendente Geschichte ist die &#8222;reale&#8223; Geschichte und die reale Geschichte ist nur die zuf&#228;llige Form ersterer, so dass erstere konstant die Richterin &#252;ber letztere ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann der Bemerkung Dauv&#233;s &#252;ber den Zustand der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse im Spanien der 1930er Jahre nur beipflichten, doch entweder war es m&#246;glich, das zu tun, was er sagt, dass man h&#228;tte tun m&#252;ssen, und somit h&#228;tten diese Bedingungen &#252;berwunden werden k&#246;nnen oder es war nicht m&#246;glich und somit verlieren die Konjunktive Dauv&#233;s jegliche rationelle Bedeutung. Eine solche Situation w&#228;re &#252;berwunden worden, wenn der revolution&#228;re Elan jener gewesen w&#228;re, welcher er f&#252;r seine Analyse voraussetzt. Doch es handelt sich um einen programmatischen Kampf, eine solche Situation (gemeinschaftliche Verbindungen) ist ein Rohstoff, der dieser gem&#228;ss seiner eigenen Natur bearbeitet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann davon ausgehen, dass die Gesamtheit dieses historischen Texts ein Nachdenken dar&#252;ber ist, was die Revolution jetzt sein muss und kann. Doch das Problem Dauv&#233;s ist, dass er das auf ewige und zeitlose Weise pr&#228;sentiert, so dass, wenn wir danach auch mehr wissen, wir bez&#252;glich der wesentlichen Frage nicht wirklich weiter gekommen sind: Wieso k&#246;nnte die Revolution jetzt etwas sein, das sie zuvor nicht war?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man soll uns nicht falsch verstehen, wir sind absolut einverstanden mit der Abfolge der Tatsachen, welche uns Dauv&#233; pr&#228;sentiert, sowohl bez&#252;glich Deutschland als auch bez&#252;glich Spanien (einige Vorbehalte bez&#252;glich Russland). Seine Konzeption der kommunistischen Revolution teilen wir vollst&#228;ndig bez&#252;glich ihrem Inhalt und den kommunistischen Massnahmen, bez&#252;glich ihres Verst&#228;ndnis als Kommunisierung und nicht als Vorbedingung f&#252;r diese Kommunisierung. Wo wir uns hingegen &#252;berhaupt nicht einig sind, ist bez&#252;glich dem Verst&#228;ndnis des Verlaufs des Klassenkampfes als Gegen&#252;berstellung von einem gegebenen, bekannten Prinzip des Kommunismus, das im Wesen des Proletariats verankert ist, und eine Geschichte, die sich damit begn&#252;gt, es auf partielle, konfuse, abgetriebene Weise auszudr&#252;cken. Es ist nicht eine Frage der Analysemethode der Geschichte, es handelt sich nicht um einen Streit zwischen Geschichtsphilosophen. Wie immer steht das Verst&#228;ndnis der gegenw&#228;rtigen Periode auf dem Spiel. Die Methode Dauv&#233;s macht das Verst&#228;ndnis einer &#220;berwindung des Programmatismus, der Revolution als Affirmation des Proletariats unm&#246;glich. Die kommunistische Revolution, so wie wir sie heute konzipieren k&#246;nnen, so wie sie sich in diesem Kampfzyklus pr&#228;sentiert, ist f&#252;r ihn in der russischen, deutschen und spanischen Revolution schon da (beschr&#228;nkt, abgetrieben, mit Irrt&#252;mern, Illusionen usw.). So dass, wenn wir sagen, dass wir einverstanden sind mit der Konzeption der Revolution, die er am Ende seiner Brosch&#252;re pr&#228;sentiert, dann ist das so, weil ihm nicht bewusst ist, dass diese Revolution nicht, nicht mehr das ist, was die russische und die anderen Revolutionen waren. Es waren Revolutionen dieses Kampfzyklus, jener der Affirmation des Proletariats, das ist heute nicht mehr der Fall. Die Verwirrung ist nicht folgenlos bez&#252;glich der Theorie, die man vom Verh&#228;ltnis zwischen Proletariat und Kapital in der gegenw&#228;rtigen Situation machen kann, bez&#252;glich dem Verst&#228;ndnis der gegenw&#228;rtigen K&#228;mpfe und der Revolution als hervorgebrachte &#220;berwindung dieses Kampfzyklus. D.h. bez&#252;glich der Art und Weise, wie man diese K&#228;mpfe als wirklich ihre &#220;berwindung hervorbringend er&#246;rtert (praktisch und theoretisch) und nicht als etwas, das man in Bezug auf diese schon als Norm gesetzte &#220;berwindung beurteilen muss. Die Geschichte des Klassenkampfes ist Hervorbringung, nicht Verwirklichung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von Kommunisierung.net&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Quelle: &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;, Nr. 16, 2000.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/normative-history-and-communist-essence-proletariat-theorie-communiste&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Englische &#220;bersetzung&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=15503&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Spanische &#220;bersetzung&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://illatocattivo.blogspot.com/2018/07/storia-normativa-ed-essenza-comunista.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Italienische &#220;bersetzung&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Th&#233;orie communiste - Das Erd&#246;l, die Geschlechterfrage und die Taliban (2003)</title>
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&lt;p&gt;Um die Ereignisse des 11. Septembers 2001 zu verstehen, muss man von vier Tatsachen ausgehen, die wir in diesem Text als vorausgesetzt betrachten: dem Ende des Kalten Krieges (nat&#252;rlich); dem Verschwinden der autonomen Figur des Rentiers nach dem Golfkrieg; der Aufl&#246;sung des nationalen Rahmens, sowohl was den Verwertungs- und Akkumulationsprozess des Kapitals, als auch was die Reproduktion der Arbeitskraft betrifft; der Globalisierung, nicht als quantitativer geographischer (...)&lt;/p&gt;


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 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/220px-wtcgroundzero.jpg?1689296007' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='113' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Um die Ereignisse des 11. Septembers 2001 zu verstehen, muss man von vier Tatsachen ausgehen, die wir in diesem Text als vorausgesetzt betrachten: dem Ende des Kalten Krieges (nat&#252;rlich); dem Verschwinden der autonomen Figur des Rentiers nach dem Golfkrieg; der Aufl&#246;sung des nationalen Rahmens, sowohl was den Verwertungs- und Akkumulationsprozess des Kapitals, als auch was die Reproduktion der Arbeitskraft betrifft; der Globalisierung, nicht als quantitativer geographischer Expansionsprozess, sondern als Akkumulationsstruktur des restrukturierten Kapitals.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&#8222;Das Imperium des Chaos&#8220; (Alain Joxe)&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann keine historisch-geographische Konfiguration der Reproduktion der kapitalistischen Produktionsweise in nationalen oder gar regionalen Begriffen wie zu Zeiten des &#8222;Fordismus&#8220; analysieren und die Art von hervorgebrachten Verh&#228;ltnissen zwischen Zentrum und Peripherie hat sich ge&#228;ndert. Indem der Rahmen der Konfrontation zwischen den USA und der UdSSR verlassen worden ist, erlangen die in der Dritten Welt entstehenden Konflikte einen neuen Status, sie erlangen eine neue Besonderheit zu einem Zeitpunkt, wo sie keine eigene, autonome, regionale Bedeutung mehr haben k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Invasion Kuwaits durch den Irak war die erste regionale Krise einer neuen Periode. Sie hat die USA dazu gebracht, diese Invasion mit einem sehr hohen Niveau an Konfliktbereitschaft zu behandeln, indem sie schnell alle m&#246;glichen Arrangements und Vermittlungen abgelehnt haben. Es ging darum, aus der L&#246;sung dieser Krise eine wichtige Etappe in der F&#246;rderung einer &#8222;neuen internationalen Ordnung&#8220; zu machen. &#8222;Mit dem Ende des internationalen bipolaren Systems ist die amerikanische Strategie nicht mehr eine Strategie des belagerten (oder erobernden) Imperiums, die sich darin ersch&#246;pfen w&#252;rde, an allen Punkten des Limes pr&#228;sent zu sein. Der Limes ist nun ubiquit&#228;r. Die Grenze ist nicht nur transnational, sondern transkontinental und wahrscheinlich transplanetarisch.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Crise du golfe: les changements strat&#233;giques&#8220;, Fondation pour les &#233;tudes (...)&#034; id=&#034;nh5-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Die ausl&#228;ndischen Interventionen der USA sind nicht mehr betroffen vom &#252;berdeterminierenden Charakter, der darin bestand, &#8222;den Kommunismus einzud&#228;mmen&#8220;. Durch die Transformation des allgemeinen Charakters der Intervention konnte die L&#246;sung der Krise f&#252;r die USA &#252;ber die einfache Weiterf&#252;hrung des Status quo hinausgehen: Aufrechterhaltung der bedingungslosen Unterst&#252;tzung Israels, Weiterf&#252;hrung der Ungleichm&#228;ssigkeiten in der regionalen Entwicklung, Unterst&#252;tzung der &#8222;guten&#8220; arabischen Staaten, Eind&#228;mmung der anderen. Obwohl die USA die Krise nicht provoziert hatten, haben sie auch nichts getan, um sie zu verhindern oder sie durch Kompromisse zu l&#246;sen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Am Ende seines Buches&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Alain Joxe, Le Cycle de la dissuasion. 1945-1990, Paris, La D&#233;couverte, 1990.&#034; id=&#034;nh5-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; beschreibt Alain Joxe durch die amerikanische Politik nach dem Kalten Krieg die Modalit&#228;ten der Globalisierung, die sie implizierenden Konflikte und die Art und Weise ihrer territorialen Organisation und Herrschaft. Alain Joxe tendiert h&#228;ufig dazu, die Restrukturierung des Kapitals als einen amerikanischen Willen oder eine amerikanische Strategie darzustellen, es ist falsch, das einseitig so zu pr&#228;sentieren. Aber es ist genauso falsch, die Akteure immer nur als Agenten zu betrachten. Im ersten der beiden F&#228;lle wird die Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise als ein Spiel von Interessen und Kr&#228;fteverh&#228;ltnissen dargestellt, im zweiten werden die allgemeinen Gesetze des Kapitals hingegen hypostasiert und in ihrer Abstraktion selbst zum Motor der Geschichte, die dann nur noch ihre Verwirklichung ist. In beiden F&#228;llen betrachtet man die Akteure als indeterminiert, im ersten Fall ist das Gesetz nur das zuf&#228;llige Resultat ihres Handelns, im zweiten sind sie nur von vom Gesetz oder Konzept manipulierte Marionetten. Wenn ich sage, &#8222;die USA wollen dies oder das&#8220;, ist mein Subjekt voll mit Determinationen bis einem schlecht wird, nicht Determinationen, welche auf es einwirken, sondern sie sind es schlicht und einfach; man w&#252;rde schon eine Mehrdeutigkeit einf&#252;gen, indem man sagen w&#252;rde, dass sie es definieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die NATO-Mitgliedschaft Europas verpflichtete die USA zu einem Minimum an imperialer Territorialit&#228;t. Indem sie sich davon abwenden, bewegen sie sich in eine Richtung, die sie schon immer angezogen hat: In jene, welche aus ihnen die erste imperiale Weltmacht einer neuen Art machen w&#252;rde; &lt;i&gt;durch die endg&#252;ltige Verwischung der Grenze zwischen Krieg und Frieden und jener zwischen Ordnung und Chaos&lt;/i&gt; [von uns unterstrichen] w&#252;rden sie unverhohlen durch indirekte Strategien &#252;ber ein dereguliertes und delokalisiertes globalistisches Universum herrschen. [&#8230;] Es ist die m&#246;gliche Form eines &#252;ber die ganze Welt herrschenden amerikanischen Imperiums. Es wird sich nicht um ein irdisches Imperium handeln, kein &#8218;Welt-Imperium&#8216;, um die Terminologie Wallersteins zu &#252;bernehmen, sondern um eine neue Form eines universellen &#8218;Meer-Imperiums&#8216;, das aus der Singularit&#228;t der Weltwirtschaft und der kontrollierten, durch die Weltraummacht m&#246;glich gemachten Echtzeitkontrolle entstanden ist. Das Imperium des Chaos ist die absolut rationale Form, welche die Organisation der vom liberalen System des Konkurrenzmarktes beherrschten und mit modernen Waffen- und Kommunikationssystemen ausger&#252;steten Weltgesellschaft annehmen muss. Es bereitet f&#252;r das 21. Jahrhundert eine Welt vor, welche g&#228;nzlich auf der Gew&#246;hnung an Ungleichheiten und Ghettos gebaut ist. [&#8230;] Die Rolle der milit&#228;rischen Macht im Imperium des Chaos ist es, die freie Zirkulation der Fl&#252;sse auf der gesamten Oberfl&#228;che der Erde zu erlauben, die V&#246;lker zu zwingen, nicht in &#8218;die internen Angelegenheiten des Marktes&#8216; zu intervenieren, welcher allein beauftragt ist, die Verbindungsstr&#246;me und die Kerne der aufstrebenden M&#228;chte zu bestimmen, unter der Bedingung, dass diese Kerne eher amerikanisch sind. Die Beherrschung des Planeten wird mithilfe von &#8218;gezielten&#8216; Interventionen durchgesetzt, nicht nur dank der See- und Luftmacht, sondern auch durch die Weltraummacht, die Technologiemacht: Alles in allem die Macht der Niemandsl&#228;nder. Schon jetzt existiert gewissermassen nur inneres Chaos im vereinigten Imperium. [&#8230;] Das Imperium des Chaos ist also eine Welt, wo der Krieg zwischen zentralen M&#228;chten verschwunden sein k&#246;nnte und wo sich die Weltgesellschaft in gewaltt&#228;tigen, verschachtelten oder nebeneinanderliegenden und befestigten Untereinheiten organisieren w&#252;rde, welche sowohl auf Ebene des Planeten als auch des Quartiers Erpressung und Schutzgeldeintreibung praktizieren. Keine der Organisationsebenen des geographischen Raumes (Kontinent, Staat, Region, Stadt, Quartier) h&#228;tte noch einen legitimen Anspruch auf die Herrschaft des Friedens &#8218;im Innern&#8216;. [&#8230;] Um zu &#252;berleben, wird man also zu den Stammessolidarit&#228;ten (Ethnie, Sprache, Religion) und ihren modernen Versionen (Mafias, Strassengangs, Sekten) zur&#252;ckkehren. Diese Entwicklung ist keine Utopie. Sie zeichnet sich sichtbar vor unseren Augen ab, seit langer Zeit, in den s&#252;dlichen Peripherien des kapitalistischen Systems, in unseren Vorst&#228;dten, seit kurzem in China und in der UdSSR. [&#8230;] Doch diese Weigerung, sich am Boden zu engagieren, ist gleichbedeutend mit einem Verzicht auf Ordnung. Die einzige Verbindung zwischen dem milit&#228;rischen Handeln, der Herrschaft und dem Aufbau einer politischen Ordnung ist seit eh und je die Eroberung. Indem sie sich von jeglicher Verpflichtung des Schlachtfeldes, der Besatzung und der Eroberung zur&#252;ckziehen, ziehen sich die USA auch von jeglicher Notwendigkeit zur&#252;ck, ein positives Ordnungsmodell hervorzubringen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 284 und S. 287-290.&#034; id=&#034;nh5-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Grenze der Analyse und der Beschreibung von Alain Joxe liegt in der Tatsache, dass er keine &#8222;Ordnung&#8220; sieht, denn f&#252;r ihn ist Ordnung nicht die Reproduktion der kapitalistischen Produktionsweise, sondern grundlegend die Demokratie, die f&#252;r ihn gleichbedeutend ist mit der Gesellschaft, definiert als Verh&#228;ltnis zwischen B&#252;rgern. Die Ordnung ist das Resultat einer Staatsb&#252;rgerschaft auf einem Territorium, einer kommunitaristisch-politischen Einbringung des Individuums, nicht eines widerspr&#252;chlichen Verh&#228;ltnisses zwischen Klassen. Das Interesse dieser Analyse ist hingegen, dass sie gut aufzeigt, dass, wenn man als Ausgangspunkt den globalen Charakter der internationalen Zirkulation des Kapitals setzt (d.h., wenn man diese Zirkulation nicht als Verh&#228;ltnisse und Summen zwischen vorbestimmten Gebieten setzt), es aussichtslos ist und der Ausgangshypothese widerspricht, eine nationale oder regionale integrierende Reorganisation zu suchen, die in sich selbst koh&#228;rent ist. Man kann nicht von der gegenw&#228;rtigen Restrukturierung des Kapitals verlangen, eine Art der Koh&#228;renz der kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse zu verwirklichen, die einem vergangenen Stadium angeh&#246;rte. Die gegenw&#228;rtige Restrukturierung wird nicht den &#8222;Fordismus&#8220; dort wiederbeleben, wo er existierte, und ihn noch weniger dorthin bringen, wo er nicht existierte. Sie bringt auch keine &#8222;R&#252;ckkehr zu Stammessolidarit&#228;ten&#8220; hervor. Die gegenw&#228;rtige Situation Afghanistans beweist alles andere als das Gegenteil. Es handelt sich nicht um eine R&#252;ckkehr: Die Konturen, der Inhalt des &#8222;Stammes&#8220;, sind eine gegenw&#228;rtige Hervorbringung, nat&#252;rlich kann man die Geschichte von allem und jedem schreiben und somit die Gemeinschaft als Ethnie, Stamm, religi&#246;se Gemeinschaft und, wieso nicht, als Quartier betrachten, wie es Michel Seurat in Bezug auf Tripoli im Libanon versuchte. Schenken wir der Entstaatlichung Afghanistans eine besondere Beachtung, diesbez&#252;glich muss ein bisschen von den Taliban in ihrem Verh&#228;ltnis zur &#8222;ethnischen Spaltung&#8220; Afghanistans gesprochen werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Kurze Geschichte der Ethnien&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts hatte der Paschtune Abdur Rahman Khan Afghanistan unter der Herrschaft der St&#228;mme des S&#252;dens vereinigt. Die &lt;i&gt;kuffar&lt;/i&gt; werden unter Zwang konvertiert, die Hazara niedergeschlagen; Abdur Rahman Khan &#8222;beauftragt die nomadischen Paschtunen mit der Eroberung der L&#228;nder der sesshaften Tadschiken und Usbeken. Diese kontinuierliche Aufzehrung ging w&#228;hrend der gesamten Herrschaftsperiode von Mohammed Zahir Schah weiter. [&#8230;] Wie so viele L&#228;nder der Dritten Welt war Afghanistan zweigeteilt: einerseits das modernisierte und &#228;usseren Einfl&#252;ssen offene Kabul, andererseits l&#228;ndliche Gebiete, die sich seit Jahrhunderten kaum ver&#228;ndert haben und gleich vor den Pforten der Hauptstadt begannen. Weil er sie vergessen hatte, wurde der K&#246;nig Amanullah Khan (1919-1929), der seiner K&#246;nigin den Schleier abgenommen, den Bart, lange Haare und die traditionelle Kleidung in den Strassen Kabuls nach dem Vorbild Atat&#252;rks verboten hatte, von einem einfachen tadschikischen R&#228;uber, &lt;i&gt;Batscha-e Saqqao&lt;/i&gt;, dem &#8218;Sohn des Wassertr&#228;gers&#8216;, von seinem Thron verjagt, dieser wurde danach ebenfalls ermordet. Mohammed Nadir Schah (Vater von Mohammed Zahir Schah) erleidet 1933 das gleiche Schicksal.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Le Monde vom 5. Dezember 2001.&#034; id=&#034;nh5-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Mohammed Zahir Schah zieht daraus den Schluss, dass vorsichtig reformiert werden muss, doch diese Vorsicht &#8222;verst&#228;rkte nur die Wut der Mullahs, Vorg&#228;nger der islamistischsten Anf&#252;hrer der Mudjahedin und der Taliban, ohne die Frustration der urbanen Linken zu bes&#228;nftigen, unterbezahlte Armeeangeh&#246;rige und Funktion&#228;re, arbeitslose Studenten, k&#252;nftige Gegner in gnadenlosen Gefechten&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh5-5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Gegen 1910 schafft der K&#246;nig Habibullah Khan mit dem Ziel der Schw&#228;chung der feudalen Anf&#252;hrer die Leibeigenschaft ab, ohne an den Herrschaftsverh&#228;ltnissen etwas zu &#228;ndern. Die neuen landwirtschaftlichen Arbeiter verdienen nicht genug, um sich zu ern&#228;hren; und ihre unzufriedenen Vorgesetzten erhalten als Kompensation die Anerkennung der Eigentumsurkunden. Doch diese Massnahme hindert die Nomaden an freier Wanderschaft und zerst&#246;rt die saisonale wirtschaftliche Komplementarit&#228;t zwischen Nomaden und Bauern. [&#8230;] Da keine Register existieren, erhebt der Staat willk&#252;rliche Steuern, welche die &#228;rmsten Bauern in den 1950er Jahren nicht mehr bezahlen k&#246;nnen. Die zu 85% rurale afghanische Wirtschaft ger&#228;t aus dem Lot. Die Nahrungsmittelproduktion sinkt, gleichzeitig steigt die urbane Nachfrage. Das Land importiert 1949 pl&#246;tzlich Getreide. In Anbetracht der Unterern&#228;hrung empfehlen die Experten rentablen Anbau, z.B. Baumwolle, um Devisen zu erlangen und Getreide kaufen zu k&#246;nnen, statt es anzubauen. Es war die Epoche der Planwirtschaft und das Land versucht sich darin, immer noch ohne jegliche Daten. Die ausl&#228;ndischen Entwicklungshelfer arbeiten ohne Koordination. Sie werfen dem Volk seinen Traditionalismus vor, doch nur die Tradition erlaubt es, in den Bergen oder der W&#252;ste zu leben. Aber es wird um jeden Preis modernisiert. Nach 75 Jahren Anstrengung waren auf dem Land in den 1980er Jahren weniger als ein Viertel der Transaktionen monetarisiert. Die von den Kommunisten 1978 gewollte Landreform scheitert, da kein Grundbuch existiert. Die blinde Willk&#252;r des Regimes f&#252;hrt zu einer spontanen Rebellion mithilfe von Schaufeln und Hacken. Dann f&#228;llt die UdSSR in Afghanistan ein. Darauf folgt der Krieg und diverse Nichtregierungsorganisationen, die manchmal eine milit&#228;rische Ausbildung zu Verf&#252;gung stellen, aber auf alle F&#228;lle Geld, Medikamente und Macht.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh5-6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Der Autor erw&#228;hnt die grosse Hungersnot von 1971-1972 (mindestens 100&#8216;000 Tote) als Resultat einer &#8222;aus dem Lot geratenen&#8220; Landwirtschaft nicht. Diese grosse Hungersnot zeigt jedoch, dass es nicht die Versuche der &#8222;Modernisierung&#8220; an sich sind, welche dazu f&#252;hren, dass die Landwirtschaft &#8222;aus dem Lot ger&#228;t&#8220;, sondern die widerspr&#252;chliche &#8222;Modernisierung&#8220; zugunsten eines traditionellen gesellschaftlichen Rahmens. W&#228;hrend der Hungersnot wurde die Verteilung von 500&#8216;000 Tonnen Getreide der internationalen Hilfe im Rahmen eines Programms &lt;i&gt;Fronarbeit gegen Nahrung&lt;/i&gt; organisiert, die Abmachung wurde allerdings selten eingehalten, da die &lt;i&gt;arbabs&lt;/i&gt; (Grundherren) und die Funktion&#228;re alles in ihre Taschen gesteckt hatten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Das Land wird brutal mit der Marktwirtschaft konfrontiert. Der Zufluss von Dollars zur Bezahlung der Ausgaben der Nichtregierungsorganisationen ruft neue Bed&#252;rfnisse hervor, welche den Mohnanbau beg&#252;nstigen. S&#246;ldner kaufen das Getreide der Nahrungshilfe, um es den Bauern zu bringen und ihnen denselben zu empfehlen. Die Mohnproduktion steigt von 500 Kilogramm auf 5&#8216;000 Tonnen in 15 Jahren.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Habib Haider, &#8222;Afghanistan, agriculture d&#8216;abord&#8220; in Le Monde.&#034; id=&#034;nh5-7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; In Zentralasien und Afghanistan hat der Zusammenbruch der UdSSR die Zerst&#246;rung der traditionellen gesellschaftlichen Formen beschleunigt, die sowjetische Macht hatte sie bemerkenswert integriert (oder umgekehrt: sie hatten sich bemerkenswert in die sowjetischen politischen und wirtschaftlichen Machtformen integriert). Diese Republiken haben keinen grossen Nationalismus zum Zeitpunkt des &#8222;Zusammenbruchs des Imperiums&#8220; gezeigt (und den Prognosen von Carr&#232;re d&#8216;Encausse somit widersprochen).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jegliches ethnische Gleichgewicht Afghanistans ist durch den Krieg gegen die Sowjets modifiziert worden. Die ethnischen Spaltungen sind relativ neu, w&#228;hrend dem Krieg bilden die Tadschiken, Usbeken und Hazara zum ersten Mal politisch-milit&#228;rische Organisationen. Zuvor definierten sich die Leute im Pandjir-Tal (die Hochburg Massouds) nie als Tadschiken. Der Krieg hat die ethnischen Identit&#228;ten polarisiert und erstarrt. Der Krieg fabriziert Ethnie, eine Ethnie, die ausserhalb ihres Kontexts nicht existiert. &#8222;Die schiitischen Hazara werden im Iran gleich behandelt wie die sunnitischen Paschtunen, d.h. als Ausl&#228;nder, die man loswerden muss. Das gleiche gilt f&#252;r die Usbeken. Die afghanischen Usbeken bekommen fast nie die usbekische Nationalit&#228;t, wenn sie nach Usbekistan ziehen. In Tat und Wahrheit werden diese Afghanen, welche sich in Afghanistan zunehmend bek&#228;mpfen, wieder ihrer afghanischen Identit&#228;t zugewiesen, sobald sie ihr Land verlassen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Olivier Roy in Le Monde vom 3. April 2001.&#034; id=&#034;nh5-8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In seinem Text &#8222;Exil, relations interethniques et identit&#233; dans la crise afghane&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Pierre Centlivres, &#8222;Exil, relations interethniques et identit&#233; dans (...)&#034; id=&#034;nh5-9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; verteidigt Pierre Centlivres die These einer Verschleierung des ethnischen Problems; eine Verschleierung, die vor den 1980er Jahren m&#246;glich war. Doch, obwohl &#8222;die ethnische Pluralit&#228;t ein Tabuthema war&#8220;, betont Centlivres, dass &#8222;die als ethnische Gruppen oder j&#252;ngst als Nationalit&#228;ten bezeichneten Einheiten disparat und heterogen sind&#8220; und dass keine davon definierte territoriale Grundlagen hat. Die ethnische Frage hat sich erst mit dem Versuch gestellt, zur Zeit Abdur Rahman Khans einen Nationalstaat zu konstituieren, &#8222;die von ihm ertr&#228;umte vereinigte Nation ist in Wirklichkeit in diverse Nationalit&#228;ten geteilt&#8220; (ein &#228;hnliches Ph&#228;nomen in Bezug auf Afrika zur Zeit der Kolonialisierung wird im kollektiven, von de Chr&#233;tien und Prunier bei Khartala herausgegebenen Werk &lt;i&gt;Les Ethnies ont une histoire&lt;/i&gt; analysiert). Die &lt;i&gt;Fixierung&lt;/i&gt; auf die Ethnizit&#228;t ist in Afghanistan eine Konstruktion im Rahmen des Versuches, einen Nationalstaat aufzubauen, wobei die &#8222;Paschtunisierung&#8220; des Landes eines der erkl&#228;rten Ziele war. Dieser Versuch hat die ehemals labile und heterogene &#8222;Ethnizit&#228;t&#8220; zugunsten einer fixen Definition im Rahmen der gemeinsamen Beteiligung am &#8222;afghanischen Nationalstaat&#8220; verschleiert. Diese konstituierende Fixierung ist mit dem Zerfall jenes Staates, welche die Bev&#246;lkerung zwingt, sich innerhalb dieses Rahmens zu definieren, zum Inhalt und zum Ziel politischer Aspirationen geworden, nicht nur in Afghanistan selbst, sondern allen voran im Exil, haupts&#228;chlich in den Fl&#252;chtlingslagern. Die im Versuch der Gr&#252;ndung eines Nationalstaates verschleierte Ethnizit&#228;t ist allen voran jene, welche zuvor existierte und verschwindet, und v.a. jene Ethnizit&#228;t, welche dieser Versuch hervorbringt und auf welcher er teilweise beruht. Ethnische Fluidit&#228;t und Interaktion (h&#228;ufig von Konflikten gepr&#228;gt) werden in eine fixe Zuweisung verwandelt und die Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse schliessen die Interaktion aus. Die aus dem Zerfall des Staates resultierende ethnische Zuweisung f&#252;hrt dazu, dass die Afghanen, v.a. im Exil, unter einer doppelten Knute leben: politisch gem&#228;ss dieser Zuweisung (ihrer Stellung im afghanischen &#8222;Staat&#8220;) und allt&#228;glich in Bezug auf das &#220;berleben. &#8222;Im allt&#228;glichen Leben ist der R&#252;ckzug eng mit dem &lt;i&gt;qawm&lt;/i&gt; verbunden, der in der Regel als zuweisend f&#252;r jegliche Zugeh&#246;rigkeitsgruppe definiert wird, im Gegensatz zu dem, was ausserhalb von ihr ist, vom Quartier bis zur Abstammung. [&#8230;] Durch deren Vermittlung kommen die Fl&#252;chtlinge in den grossen St&#228;dten mit dem Arbeitsmarkt und den Arbeitgebern in Kontakt, aber auch durch pers&#246;nliche Netzwerke, die eng mit dem &lt;i&gt;qawm&lt;/i&gt; und dem Quartier verbunden sind. Deshalb sieht man in den Kohleminen rund um Quetta, in den Ziegeleien Peschawars oder den Streichholz- oder Seifenfabriken in Karachi Teams von Arbeitern aus dem gleichen Dorf oder der gleichen ethnischen Unterteilung.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh5-10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Diese Einheit ist infraethnisch in jenem Sinne, als dass die Ethnie nun eine politische Zuweisung darstellt. &#8222;Man sieht also, dass man zwischen der konkreten, auf dem &lt;i&gt;qawm&lt;/i&gt; basierenden Ebene der Praktiken und jener der Referenzen und dem Machtstreben unterscheiden muss.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh5-11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Taliban sind das Ergebnis einer gesellschaftlichen Transformation w&#228;hrend des Krieges gegen die Sowjets. Sie entstammen nicht den Aristokratien der St&#228;mme. Wie der talentierte Motorradfahrer Mullah Omar entstammen sie armen Bauernfamilien, die sich in den Fl&#252;chtlingslagern begegnet sind. Es ist bezeichnend, dass &lt;i&gt;die Hervorbringung ethnischer Identit&#228;ten simultan zur Destrukturierung der alten Gesellschaft stattfindet&lt;/i&gt;. &#8222;Die Taliban stellen eine Herausforderung f&#252;r die traditionellen Stammesstrukturen dar.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh5-12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; In den Verhandlungen mit den Taliban vor dem 11. September war das einzige Ziel der USA die Auslieferung Bin Ladens, denn was die Taliban in Afghanistan repr&#228;sentieren, ist absolut &#8222;modern&#8220;. Deshalb konnte es zu einer Begegnung zwischen Bin Laden und den Taliban kommen. &#8222;Die Taliban verk&#246;rpern einen besonderen Widerspruch: Sie sind weder traditionalistische Stammesangeh&#246;rige, obwohl sie diesen Netzwerken entstammen, noch paschtunische Nationalisten, obwohl sie mehrheitlich dieser die Macht repr&#228;sentierenden Ethnie angeh&#246;ren, oder revolution&#228;re Aktivisten des Islams, sondern Anh&#228;nger einer grotesken Bigotterie mit messianischer Dimension. Bisweilen kommt es zu &#220;berraschungen. Im Namen der heiligen Prinzipien des Islams hat Mullah Omar, w&#228;hrend er gleichzeitig eine beispiellose Repression gegen die Frauen institutionalisierte, Massnahmen getroffen, die es den paschtunischen Ehefrauen erlaubten, nicht mehr vom Paschtunwali abh&#228;ngig zu sein, dem unerbittlichen Ehrenkodex des Stammes. Ein Dekret verbietet nun alte Praktiken wie z.B. die Verpflichtung f&#252;r eine Witwe, einen Schwager zu heiraten, oder die &#8218;Gabe&#8216; von Frauen, um eine lange Vendetta nach einem Mord zu verhindern&#8230; Das gleiche gilt f&#252;r Erbfragen. In Afghanistan erben die Frauen gem&#228;ss Gewohnheitsrecht nichts. Da die Scharia verpflichtet, haben sie nun das Recht auf einen halben Anteil.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Bruno Philip in Le Monde vom 11./12. M&#228;rz 2001.&#034; id=&#034;nh5-13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eine globale Abtrennung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was als regionale oder nationale Destrukturierung (Entstaatlichung) analysiert wird, bekommt ihre Bedeutung durch eine andere globale Koh&#228;renz im Rahmen der allgemeinen Restrukturierung der kapitalistischen Produktionsweise und sie ist definitorisch davon. Das Problem best&#252;nde darin, theoretisch den Status der Schnittstellen zwischen mehr oder weniger dichten produktiven Fokussierungen des globalen Zyklus des Kapitals und dem zu definieren, was man als R&#228;nder, St&#228;mme oder Ghettos, Schattenwirtschaft, diverse Mafias, Kleptokratien, Offshore-Finanzzentren beschreibt. Die Neuheit liegt in der Tatsache, dass es sich nicht mehr um eine Artikulation zwischen der kapitalistischen Produktionsweise und anderen Produktionsweisen handelt, obwohl letztere nur in Bezug auf erstere bedeutend waren, sondern um eine globale hierarchische Verbreitung der kapitalistischen Produktionsweise, die global als Totalit&#228;t gesetzt wird. Der globale Zyklus des Kapitals kann nicht mehr als Artikulation beschrieben werden, eher als Verbreitung. Man kann auch insofern nicht mehr von Enklaven oder Entwicklung je nach Enklaven sprechen, als dass in einer dualistischen Gesellschaft mit Schattenwirtschaften, Ghettos oder Ethnien die gesamte Gesellschaft f&#252;r und durch diese Enklaven funktioniert, mag es auch nur zur Bezahlung irgendeines unproduktiven pharaonischen Projekts sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In dieser Situation der &#220;berwindung der nationalen und regionalen Integrationen verliert die sich mehr oder weniger in einem begrenzten Gebiet abspielende Reproduktion des Kapitals diesen Rahmen der Referenzen und der Koh&#228;renz. Der Staat garantierte ihre Koh&#228;renz in jenem Sinne, als dass er vom herrschenden Pol der gegenseitigen Verstrickung zwischen Proletariat und Kapital ausgeht (jenem, welcher den anderen subsumiert), er war der Garant derselben, man nennt es die Garantie des &#8222;sozialen Kompromisses&#8220;. Das grundlegende konzeptuelle Prinzip dieses Koh&#228;renzverlustes liegt in der &lt;i&gt;Spaltung zwischen dem Verwertungsprozess des Kapitals und der Reproduktion der Arbeitskraft&lt;/i&gt;. Die Begriffe Parallel- oder Schattenwirtschaften sind oberfl&#228;chlich insofern, als dass sie sich nur auf den juristischen Charakter der (deklarierten oder nicht deklarierten) T&#228;tigkeit, auf ihre Gr&#246;sse und ihren unmittelbaren Markt beziehen, sie erkl&#228;ren nicht die Urspr&#252;nge dieses &#8222;Schattens&#8220; und des viel umfassenderen Charakters des Ph&#228;nomens.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Verwertung des Kapitals entwischt &#8222;nach oben&#8220;, in Anteilen oder Segmenten des globalen Zyklus desselben, auf der Ebene der Investitionen, des Produktionsprozesses, der Anleihen, des Marktes, der Zirkulation des Mehrwerts, der Gewinngemeinschaften, des auf der Konkurrenz basierenden Rahmens. Die L&#228;nder des Maghreb werden immer abh&#228;ngiger von der europ&#228;ischen Gesamtheit, der Mittlere Osten hingegen von der amerikanischen oder japanischen, Zentralasien von einem Triumvirat aus den USA, Russland und China bestehend, j&#252;ngst dominiert von ersteren. Xinjiang hat f&#252;r Peking eine vitale Stellung: Reservevorrat an Treibstoffen und dar&#252;ber hinaus geplante Plattform einer &#8222;Seidenstrasse&#8220;, die China zur Garantie einer strategischen Tiefe in Zentralasien wiederbeleben m&#246;chte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Reproduktion der Arbeitskraft entwischt &#8222;nach unten&#8220;: Selbstversorgung, lokale Solidarit&#228;ten, Parallelwirtschaften, was einen Einfluss auf den alten sozialen Zusammenhalt hat, indem dem religi&#246;sen Bereich neue Bedeutungen des Zusammenseins verleiht werden. Parallel dazu zerfallen der zentrale nationale Rahmen und die Rolle des Staates. Die Interventionen, z.B. in den Philippinen, haben u.a. zum Ziel, jegliche nationale oder regionale Verst&#228;ndigung zu torpedieren, wie schon der Golfkrieg. In den Philippinen hatte die Zentralregierung vor kurzem ein Waffenstillstandsabkommen mit der Islamischen Befreiungsfront der Moros in Mindanao unterzeichnet. Sei es mit der Politik der Protektorate (Kosovo, Mazedonien, Osttimor, Kambodscha und jetzt Afghanistan), den Politiken der Renationalisierung (&lt;i&gt;nation building&lt;/i&gt;) oder der Sabotage jeglicher nationalen Wiederverst&#228;ndigung, es geht darum, &lt;i&gt;einerseits die Reproduktion und Zirkulation des Kapitals und andererseits die Reproduktion und Zirkulation der Arbeitskraft voneinander zu trennen&lt;/i&gt;. Die Reproduktion des Kapitals und seine Akkumulation in Pakistan oder den Philippinen sind selbst nicht verbunden mit der Reproduktion der pakistanischen oder philippinischen Arbeitskraft (das ist einer der Gr&#252;nde f&#252;r die &#8222;Deislamisierung&#8220; des pakistanischen Staates). In einer derartigen &#8222;neuen Weltordnung&#8220; ist, wie wir sehen werden, die Frage der Unterscheidung zwischen Kriegs- und Polizeioperationen nicht mehr wirklich relevant.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Niederlage des Rentiers und die Sezession&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r Bin Laden, Al-Qaida und die Taliban resultiert die Opposition gegen die USA aus dem total utopischen Willen, eine riesige, vom globalen Kapital sezessionistische Zone vom Roten Meer bis nach Indonesien zu erschaffen. Das erste bedeutende Al-Qaida zugeschriebene Attentat geschieht, als sich die amerikanische Gaspipeline durch Afghanistan pr&#228;zisiert. &#8222;Die Attentate am 7. August 1998 gegen die amerikanischen Botschaften in Nairobi und Dar-es-Salam waren der Anfang vom Ende der Gaspipeline. Am 21. August verk&#252;ndigte Unocal offiziell, alle Aktivit&#228;ten bez&#252;glich des Projekts der Gaspipeline in Afghanistan einzustellen. Am gleichen Tag bombardierte die amerikanische Luftwaffe mutmasslich terroristische Ziele in Afghanistan und im Sudan. [&#8230;] Das turkmenische Gas wird auf den Frieden warten m&#252;ssen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Le Monde vom 22. Oktober 2001.&#034; id=&#034;nh5-14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Allerdings war im Januar 1998 ein Abkommen mit den 1996 an die Macht gekommenen Taliban unterzeichnet worden, das Regime der Taliban hatte damals noch gute Presse in den USA. Ein Friedensabkommen in Afghanistan h&#228;tte die &#214;ffnung Zentralasiens gegen&#252;ber der Welt erlaubt (und wird sie erlauben), abseits des exklusiven Konfliktes mit Russland.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein solch &#8222;sezessionistischer&#8220; Wille hat nur durch die kapitalistische Entwicklung der letzten 25 Jahre entstehen k&#246;nnen. Die Reicht&#252;mer sollen den Muslimen, den Einheimischen von Nutzen sein! &#8222;Der Zusammenbruch der Sowjetunion haben die USA hochm&#252;tiger gemacht und sie haben angefangen, sich als die Chefs dieser Welt zu betrachten, indem sie das aufbauen, was sie eine neue Weltordnung nennen. [&#8230;] Sie wollen unsere L&#228;nder besetzen, unsere Rohstoffe stehlen, ihre Vertreter als unsere Anf&#252;hrer durchsetzen [&#8230;] und sie wollen, dass wir damit einverstanden sind.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Erkl&#228;rung von Bin Laden in Peter Bergen, Holy War Inc., New York, Free (...)&#034; id=&#034;nh5-15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Ein solches &#8222;Sezessionsprojekt&#8220; hat erst nach dem Krieg in Kuwait einen Sinn bekommen, seine Wurzel ist die saudische Niederlage, welche der Golfkrieg war: Die Bedeutung der Saudi-Araber ist alles andere als konjunkturell und &#252;berschneidet sich sogar mit den Ambivalenzen der offiziellen saudischen Positionen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Tatsache, dass der Jemen bef&#252;rchtet, das n&#228;chste Ziel einer amerikanischen Intervention zu sein (Herkunftsland sehr vieler K&#228;mpfer im Netzwerk Bin Ladens), zeigt (neben den spezifischen, durch die Wiedervereinigung des Jemens aufgeworfenen Fragen), dass das Zentrum von Bin Ladens Aktivit&#228;t nicht Zentralasien oder Afghanistan ist, sondern die Arabische Halbinsel. Nicht, dass es sich um ein &lt;i&gt;nationales&lt;/i&gt; saudisches Ziel handeln w&#252;rde, doch es kann insofern nicht die geringste Glaubw&#252;rdigkeit f&#252;r ein sezessionistisches Projekt existieren, als dass die Finanz- und &#214;lmacht Saudi-Arabiens nicht daran beteiligt ist. Wenn Saudi-Arabien der Kern des Projekts bleibt, so auch als Resultat der Zeit nach dem Golfkrieg, die Zeit der Niederlage der autonomen Figur des Rentiers und die Einf&#252;hrung der Rente in den allgemeinen Ausgleich der Profitrate. Das sezessionistische Projekt ist gr&#246;sstenteils ein Produkt der aktuellen Situation des Landes, es gr&#252;ndet auf seinem inneren Zusammenbruch, seiner Implosion.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Probleme der Renten&#246;konomie sind allseits bekannt: Von Anfang an zirkuliert der Wert als Einkommen und nicht als Kapital; Entwertung produktiver T&#228;tigkeiten; Steigerung der Abh&#228;ngigkeit; jegliche produktive T&#228;tigkeit wird nicht an ihrer F&#228;higkeit zur Mehrwertsch&#246;pfung gemessen, sondern an jener, sich zus&#228;tzlichen, schon bestehenden Wert anzueignen.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Th&#233;orie communiste, Nr. 11, Dezember 2002.&#034; id=&#034;nh5-16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; &#8222;Die Saudi-Araber m&#252;ssen beginnen, zu arbeiten&#8220;, erkl&#228;rt der Prinz Abdallah im Dezember 1998. In 20 Jahren ist das BIP per Einwohner von 16&#8216;500 $ 1981 auf 6000 $ 2000 gefallen. Ein R&#252;ckgang, dessen Ursachen sowohl der tiefe Erd&#246;lpreis als auch das Bev&#246;lkerungswachstum von 9 auf 22 Millionen im gleichen Zeitraum sind. Der Rentierstaat hat den die herrschende Klasse mit ihren Untertanen verbindenden &#8222;Pakt&#8220; gebrochen: die politische Gef&#252;gigkeit im Austausch f&#252;r die Garantien des Sozialstaates. Die meisten saudischen Angestellten sind in der Tat im &#246;ffentlichen Sektor angestellt, wir sprechen hier nicht von der importierten Arbeitskraft. &#8222;Doch der Staat, der sich gegen&#252;ber dem Weltw&#228;hrungsfonds und der WTO bez&#252;glich Reformen engagiert hat, hat nicht mehr die Mittel, um den Neuank&#246;mmlingen im Arbeitsmarkt eine Anstellung zu bieten, das betrifft etwa 100&#8216;000 Hochschulabg&#228;nger pro Jahr. Die weitgehend von Bestellungen des &#246;ffentlichen Sektors abh&#228;ngige Privatwirtschaft hat nicht gen&#252;gend Arbeitspl&#228;tze f&#252;r alle von ihnen. Alles in allem absorbiert die Wirtschaft nur die H&#228;lfte davon. Die auf 25-30% gesch&#228;tzte Arbeitslosigkeit der aktiven m&#228;nnlichen Bev&#246;lkerung ist die Ursache f&#252;r eine Unzufriedenheit, dank welcher der islamische Protest ziemlich problemlos rekrutieren kann; das Ressentiment gegen&#252;ber eingewanderten, in der Regel aus Asien stammenden Arbeitern ist gross, es ist jedoch weit davon entfernt, jene Animosit&#228;t zu erreichen, die gegen&#252;ber Personal aus dem Westen allgemein und Amerikanern im Besonderen gehegt wird, gen&#228;hrt durch die permanente Pr&#228;senz von 20&#8216;000 Amerikanern, wovon mehr als 5&#8216;000 Soldaten sind. Die Ansicht, dass diese Pr&#228;senz ein Sakrileg ist, wird von allen Saudi-Arabern geteilt, bis hinein in die herrschende Familie. Die Unverbl&#252;mtheit, mit welcher die amerikanischen Regierungen Saudi-Arabien wirtschaftlich f&#252;r seine guten Dienste 1991 unter Druck gesetzt haben, wird als Erpressung betrachtet. In Saudi-Arabien ist die Verteilung der Rente ein zentraler Streitgegenstand, doch die Grenzen des Systems zeigen sich mit der immer st&#228;rker werdenden islamistischen Opposition. Diese organisierte Opposition gegen die amerikanische Pr&#228;senz ist verantwortlich f&#252;r zwei Attentate gegen die amerikanischen Truppen 1995 und 1996. Zudem gibt sie der Opposition der St&#228;mme des S&#252;dens gegen die Macht der Saud eine neue Aktualit&#228;t [die St&#228;mme des Nordens teilen sich die Reicht&#252;mer des Landes].&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh5-17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was Bin Laden repr&#228;sentiert, kann man nicht verstehen, wenn man sich nicht auf den Krieg in Kuwait und die Krise der Renten&#246;konomien bezieht: das Verschwinden der autonomen Figur des Rentiers. Den Coup von Saddam wiederholen, aber ohne den Nationalismus. Die Schlacht um Pipelines, wovon die Taliban und Al-Qaida Akteure sind, hat eine ganz andere Dimension denn jene eines einfachen interkapitalistischen Konflikts, sie ist auch und allen voran ein Konflikt, deren Ausgang eine Determinierung eines Stadiums der Geschichte des Kapitalismus darstellt (letztendlich wie alle interkapitalistischen Konflikte): die Erkl&#228;rung der neuen, durch den Golfkrieg geschaffenen Situation f&#252;r rechtsg&#252;ltig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bin Laden ist nicht ein neuer Saddam, sein Ziel und seine Daseinsberechtigung ist nicht der Nationalismus, sondern eine Sezession innerhalb der Globalisierung, die nur zur Stornierung dieser Niederlage f&#252;hren k&#246;nnte. Die Wende Bin Ladens gegen seinen Sch&#246;pfer ist das Produkt des Endes des Kalten Krieges als allgemeiner Rahmen und der Nachkriegszeit in Bezug auf Kuwait als determinierende besondere Situation. Die Begriffe &#8222;Sch&#246;pfer&#8220; und &#8222;Gesch&#246;pf&#8220; kaschieren in Tat und Wahrheit die Wirklichkeit: Die Amerikaner formten eine Kraft in ihrem Dienst, ausgehend von existierendem Material in den bestehenden gesellschaftlichen Bedingungen, die &#8222;Wende&#8220; erinnert somit etwas weniger an &#8222;Frankenstein&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Das Ereignis&lt;/i&gt; des 11. Septembers ist sehr wohl Teil einer Beziehung zwischen Staaten und eines wirtschaftlichen Feilschens. Nachdem George W. Bush an die Macht gekommen ist, werden die Verhandlungen mit den Taliban energisch neu lanciert, um die Erwartungen der amerikanischen &#214;lfirmen nicht zu entt&#228;uschen. Man musste aus dem &#8222;grossen Spiel&#8220; aussteigen, das in Tat und Wahrheit seit dem 19. Jahrhundert ein Nullsummenspiel war, der von den Amerikanern erwartete totale Sieg der Taliban erweist sich ab 1998 als unm&#246;glich. Amerikaner und Pakistaner einerseits, Russen, Iraner und Inder andererseits neutralisieren sich gegenseitig. Um Zentralasien zu &#246;ffnen, m&#252;ssen die Taliban zu Verhandlungen gebracht und die Regierung Afghanistans f&#252;r die Nordallianz ge&#246;ffnet werden, das ist das Ziel des amerikanischen Drucks ab 1998, er intensiviert sich mit der Wiederwahl George W. Bushs. Daf&#252;r m&#252;ssen sich die Taliban von Bin Laden und Al-Qaida lossagen. Die ber&#252;hmte Pipeline konnte nur mit der Vollendung dieser &#214;ffnung und dieser Lossagung Realit&#228;t werden. Etliche Dokumente und Bezeugungen zeigen, dass die Drohungen und Erpressungen gegen&#252;ber den Taliban w&#228;hrend des ganzen Jahres 2001 pr&#228;zis waren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Ben Laden, la v&#233;rit&#233; interdite&#8220;, Zusammenfassung und Ausz&#252;ge in Le Monde (...)&#034; id=&#034;nh5-18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. &#8222;Bin Laden hatte keine Schwierigkeiten, Mullah Omar davon zu &#252;berzeugen, dass er, sollte er ihn fallen lassen, danach auch zermalmt w&#252;rde. Im Sommer 2001 folgerten die Taliban richtiger- oder f&#228;lschlicherweise, dass eine schwere milit&#228;rische Operation gegen sie in Vorbereitung ist. Einmal mehr hatte Bin Laden keine Schwierigkeiten, sie davon zu &#252;berzeugen, dass es unter diesen Umst&#228;nden besser war, zuerst zu schiessen. [&#8230;] Das bleibt eine Spekulation, auf wirklichen Indizien basierend. Sie hat den Vorteil, eine politische Koh&#228;renz f&#252;r jenes R&#228;derwerk zu bieten, das mit dem 11. September im Unvorstellbaren kulminiert ist.&#8220; Es ist nutzlos, die Details der Verhandlungen &#252;ber die ber&#252;hmte Gaspipeline anzusprechen, die das turkmenische Gas via Afghanistan bis zum Indischen Ozean bringen sollte (die ganze Geschichte ist allseits bekannt, Hamid Karzai arbeitete sogar als Berater f&#252;r Unocal). Was dabei interessanter ist, ist die Unnachgiebigkeit der Taliban in denselben gegen&#252;ber der UNO und den USA. Die Weigerung, Bin Laden &#8222;fallen zu lassen&#8220; (sollte das m&#246;glich gewesen sein) war gleichbedeutend mit der Opposition gegen jegliches innere afghanische Abkommen. Pakistan hatte mit einem solchen Abkommen am meisten zu verlieren, die Unnachgiebigkeit der Taliban ergibt sich daraus. F&#252;r Pakistan und die Taliban konnte die amerikanische milit&#228;rische Drohung gegen&#252;ber der Verweigerung jeglichen Abkommens mit der Nordallianz und den Usbeken durchkreuzt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Rahmen dieses Feilschens war das, was im Nachhinein als &#8222;falsches strategisches Kalk&#252;l&#8220; erscheint, nicht im Vorhinein sinnentleert. Die Ermordung Massouds war gleichbedeutend mit der Schw&#228;chung der Nordallianz und sollten sich die USA trotzdem auf sie st&#252;tzen wollen, w&#252;rden sie mit der Opposition Pakistans konfrontiert sein, das eine Zerschlagung der Macht der Taliban nie akzeptieren w&#252;rde. Russland, in Opposition zu den USA bez&#252;glich der unilateralen Ablehnung der Atomabkommen, w&#252;rde nicht zu einer Zusammenarbeit bereit sein. Die USA w&#252;rden dazu verurteilt sein, von weit entfernt ineffizient zu bombardieren. Doch Pakistan hat sich f&#252;r den Kaschmir, die Rivalit&#228;t mit Indien, die Akzeptierung seiner Atombombe, die teilweise Streichung seiner Schuld entschieden und Putin daf&#252;r, eine Kr&#246;te zu schlucken und die Tschetschenen ein bisschen mehr zu massakrieren, danach die Georgier.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Vom Islamismus zu Al-Qaida&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der religi&#246;se Charakter des sezessionistischen Projektes war nicht absolut notwendig, doch er ist eine daf&#252;r verst&#228;ndliche Formgebung und ein verst&#228;ndlicher Inhalt. Das Sezessionsprojekt ist von Natur aus interklassistisch, es mobilisiert &#8222;die Massen&#8220;, die nicht von der intensiven Kapitalisierung profitiert haben, Fraktionen der von der Rente profitierenden &#8222;&#214;laristokratie&#8220; gegen jene, welche sich &#8222;den Ungl&#228;ubigen verkauft haben&#8220;, die von der kapitalistischen Globalisierung niedergewalzten Mittelklassen; es wird gerechtfertigt durch das h&#246;here Interesse der muslimischen Welt, die all ihre Mitglieder und gesellschaftlichen Kategorien umfasst und &#252;bersteigt. Der Islam ersetzt hier den anti-imperialistischen Nationalismus, der mit der allgemeinen Niederlage des ehemaligen Kampfzyklus obsolet geworden ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotz dem Anschein ist die Verwirklichung eines derartigen Projekts in sich selbst eine Disziplinierung der proletarisierten Massen (man kann in den kapitalistischen Produktionsverh&#228;ltnissen in Anbetracht der Modalit&#228;ten des Arbeitszwanges und der Ausbeutung von Disziplinierung sprechen). Sind die Dinge einmal auf den Punkt gebracht, d.h. die Hierarchie der Determinierungen zwischen der globalen Reproduktion des Kapitals und der lokalen Reproduktion der Arbeitskraft (durch Gewalt, falls notwendig), ist es m&#246;glich, zu einer Verst&#228;ndigung zwischen dem Islamismus und &#8222;dem grossen amerikanischen Satan&#8220; zu kommen, man sieht das schon in Pakistan und im Sudan. Der Islamismus entwickelt sich auf der Grundlage eines auf allen Ebenen besiegten Proletariats: in seinen unmittelbaren K&#228;mpfen; in den grossen Krawallen gegen den Weltw&#228;hrungsfonds in den 1980er Jahren und Anfang der 1990er Jahre; in den nationalistischen Programmen selbstzentrierter Entwicklung. Die Islamisierung des Klassenkampfes ist das Resultat eines geschlagenen Proletariats. Die religi&#246;se Form entwickelt sich auf der Grundlage traditioneller Strukturen, die durch das langfristig unertr&#228;gliche Verh&#228;ltnis zwischen den beiden Aspekten des doppelten Lebens des Proletariers in den j&#252;ngst industrialisierten und abh&#228;ngigen (nicht endogenen) Gebieten zerschlagen worden sind: Eine enorme Diskrepanz zwischen der Industrialisierung einerseits und der Lebensweise und der Reproduktion der Arbeitskraft andererseits, die auf absolute Art und Weise nicht als freie Arbeitskraft bezeichnet werden kann. Die Fabrik, wie es Serge Latouche in &lt;i&gt;Die Verwestlichung der Welt&lt;/i&gt; formuliert, scheitert daran, als &#8222;Haus der Kultur&#8220; zu funktionieren. Das Scheitern dieser Strukturen zusammen mit der in den 1980er und 1990er Jahren definitiven Niederlage der K&#228;mpfe lassen dem religi&#246;sen Verh&#228;ltnis diesen Platz: isoliertes Individuum &#8211; Universalit&#228;t. Das Kapital kann in diesem Fall nichts anders tun, als eine andere Gemeinschaft neben der seinen zu akzeptieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach der ersten Phase der &#8222;Muslimbr&#252;der&#8220; ab den 1950er Jahren und w&#228;hrend den 1960er Jahren verschwindet der Islamismus als gesellschaftlich und politisch organisierte Kraft fast vollst&#228;ndig. Die Erhebungen von Hama (1964) und Damaskus (1966) sind weniger sein Werk als die spontane Reaktion der von einigen religi&#246;sen Anf&#252;hrern begleiteten H&#228;ndlern gegen die Massnahmen der Verstaatlichung der wesentlichen wirtschaftlichen T&#228;tigkeiten. Die wiedererstehende islamistische Bewegung zu Beginn der 1970er Jahre hat weder die gleiche Natur, noch die gleichen gesellschaftlichen Ziele. Sie ist allen voran Ausdruck der Krise und des Scheiterns der politischen und wirtschaftlichen Nationalismen, sie rekrutiert zu dieser Zeit innerhalb dieser gleichen Mittelklassen, die bis anhin mit dieser Politik des sozialen Aufstiegs und diversen wirtschaftlichen Privilegien gut gefahren waren: Lehrer, Studenten, niedere Offiziere, Ingenieure&#8230; Es ist auch die Periode des Aufstiegs der &#214;lmonarchien und der auf der Rente basierenden Integration der Region. Diese Bewegung findet in dieser Mutation die Bedingungen ihrer Entwicklung, umso mehr, als dass die herrschenden M&#228;chte, sei es in Syrien, in &#196;gypten (aber auch in Tunesien und Algerien), welche damals weitgehend zur Liquidation ihrer linksnationalistischen Tendenzen und Elemente &#252;bergegangen waren, in ihnen nat&#252;rliche B&#252;ndnispartner entdecken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch das Scheitern der selbstzentrierten wirtschaftlichen Entwicklung und die darauf folgende, &#246;ffnend genannte, liberale Politik haben zur Erscheinung einer enormen Masse an Ausgeschlossenen gef&#252;hrt, die sich ab Ende der 1970er Jahre in den Krawallen der grossen arabischen St&#228;dte zeigt. Und ab diesem Zeitpunkt &#252;berwinden die islamistischen Bewegungen das Stadium einer vertraulichen Existenz oder terroristischer Praktiken. Ab den 1980er Jahren wird der Islamismus zum Ausdruck aller Grenzen dieser Revolten, die er mehr oder weniger erfolgreich umrahmt, gegen eine staatliche Macht, gegen&#252;ber welcher er kein anderes Programm entgegenzusetzen hat, als das, welches sie schon anwendet. Die Islamisten sind das populistische Antlitz der Gesch&#228;fte machenden Bourgeoisie an der Macht, Ausdruck sowohl der Grenzen der Renten&#246;konomie als auch der Demonstrationen des Proletariats, welche diese &#214;konomie und ihre Grenzen hervorrufen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Frage ist nicht, wie Religion, Politik, Wirtschaft Individuen auf ihren einsamen Inseln miteinander verbinden, sondern zu verstehen, weshalb die Verbindungen zwischen besonderen Individuen, die durch eine determinierte Produktionsweise und in derselben definiert werden, die Form von Religion, Politik, Wirtschaft annehmen. Was sind die Grenzen dieser Krawalle, die den Islamismus als ihren synthetischen Ausdruck konstituieren? In der kapitalistischen Konstitution des Ausschlusses erscheinen die Entfremdung des Proletariers gegen&#252;ber der Gesamtheit der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse und seine eigene Reproduktion nicht als Produkt seiner eigenen T&#228;tigkeit und die Entfremdung als widerspr&#252;chliches Verh&#228;ltnis, das er zur Gesamtheit dieser Gesellschaft unterh&#228;lt, sondern als &lt;i&gt;inh&#228;rente&lt;/i&gt; Tatsache seiner Individualit&#228;t, er ist &lt;i&gt;der Arme&lt;/i&gt;. Da sie der Individualit&#228;t inh&#228;rent geworden ist, l&#246;st sich die Trennung mit den anderen Individualit&#228;ten und der Gemeinschaft erst in einem Verh&#228;ltnis auf, das diese Individualit&#228;ten transzendiert und sich ihnen gegen&#252;ber als radikal &#228;usseres setzt. Die historisch-kulturellen Besonderheiten und die gesellschaftlichen Zw&#228;nge der Periode geben diesem Verh&#228;ltnis nur als Religion, Kultur, Nation eine Form. In seinem Widerspruch mit den kapitalistischen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen, innerhalb welchen es als &#8222;ausgeschlossen&#8220; reproduziert wird, bringt das Proletariat die inh&#228;renten Grenzen dieser Bedingungen und Eigenschaften dieses Widerspruchs in Form der Religion hervor.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die islamistischen Bewegungen der 1980er Jahre sind gleichbedeutend mit dem Zusammentreffen dreier gesellschaftlicher Prozesse: der Ratlosigkeit und der Marginalisierung der Mittelklassen gegen&#252;ber dem Liberalismus und der &#214;ffnung aufgrund ihrer gesellschaftlichen Lage, die sie nicht als Kapitalismus kritisieren k&#246;nnen, sondern als &#8222;Verwestlichung&#8220;, als Lebensweise und Kultur; des Scheiterns der Nationalismen und der Einrichtung der Integration durch die Rente mit den Golfl&#228;ndern als Mittelpunkt; &#8222;des sozialen Ausschlusses&#8220; und der Vervielfachung der Armutskrawalle.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Solange die islamistische Bewegung nur Ausdruck des ersten dieser Elemente war, war sie beschr&#228;nkt auf eine terroristische Praxis (eine im Gegensatz zum gegenw&#228;rtigen Terrorismus stets nationalistische Praxis) ohne grosse Perspektive: die Besetzung der Moschee in Mekka 1979, die Ermordung Sadats 1981. Die soziale Herkunft der Beschuldigten in der Aff&#228;re des Angriffs auf die Milit&#228;rakademie von Heliopolis in &#196;gypten ist aussagekr&#228;ftig: 42 Studenten, 17 Sch&#252;ler der Milit&#228;rakademie, 3 Soldaten, 4 technische Ingenieure, 1 Repr&#228;sentant liberaler Berufe, 3 Arbeiter. Die Erhebung der Stadt Hama in Syrien im Februar 1982 erlangte durch die gesellschaftlichen Eigenschaften Syriens eine gr&#246;ssere Bedeutung als die vorhergehenden Ereignisse: Bipolarit&#228;t Syriens (zwischen Aleppo und Hama einerseits, Damaskus andererseits), Begegnung der marginalisierten Mittelklassen mit den K&#228;mpfen der H&#228;ndler. Durch die Zerst&#246;rung der Stadt ist eine gesellschaftliche Struktur zerst&#246;rt worden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ohne sich zu verlieren, konnte diese islamistische Bewegung die Macht der herrschenden Bourgeoisie nicht in Frage stellen. Betrachtet man die islamistische Bewegung sowohl im Maghreb als auch im Nahen Osten als Kritik der herrschenden Ordnung, so verwechselt man einerseits den Ausdruck der Armut, den sie in ihrer Praxis und ihrer religi&#246;sen Sprache auszudr&#252;cken vermag und schon immer auszudr&#252;cken vermochte, und andererseits die Revolte gegen diesen Ausschluss, eine Revolte, welche die islamistische Bewegung stets bek&#228;mpfte und auf deren Grenzen und Scheitern sie floriert als politische und gesellschaftliche Anerkennung derselben. Als Produkt entwerteter Mittelklassen war es die historische Gelegenheit der islamistischen Bewegungen der 1980er Jahre, sich nach dem Scheitern der Staatsstreiche als Produkt und Quintessenz des Zusammenbruches des politischen und wirtschaftlichen arabischen Nationalismus, der Integration durch die Rente der Region mit den Golfstaaten als Mittelpunkt und v.a. des notwendigerweise konfliktreichen Aufbaus einer dualen, &lt;i&gt;spezifisch kapitalistischen&lt;/i&gt; Gesellschaft wiedergefunden zu haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es kommt n&#228;mlich Mitte der 1980er Jahre, nach dem Schnitt Mitte der 1960er Jahre und dem Scheitern des ersten terroristischen Islamismus Mitte derselben 1980er Jahre, zu einer neuen Wende in der Entwicklung der islamistischen Bewegungen. &#8222;Die herrschenden Regime in der muslimischen Welt haben, um den sie bedrohenden Brand der islamistischen Gruppen auszul&#246;schen, andere Feuer angez&#252;ndet, indem sie eine Reislamisierung &#8218;von unten&#8216; beg&#252;nstigt haben. Sie haben die Entwicklung von Bewegungen zugelassen, die alle Freiheit hatten, die strengste Auslegung der Normen des Islams in allen Bereichen des allt&#228;glichen Lebens zu predigen, jedoch eigentlich in politischen Fragen nicht intervenieren sollten. [&#8230;] Diese Reislamisierung von unten, die seit der Mitte der 1980er Jahre ein betr&#228;chtliches Ausmass angenommen hat, ist weitgehend von Saudi-Arabien und Kuwait finanziert worden, sie sahen diesen konservativen, rigoristischen und, so glaubte man, die gesellschaftliche Stabilit&#228;t garantierenden Pietismus mit einem wohlwollenden Auge.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Gilles Kepel in Le Monde vom 11. Januar 1991.&#034; id=&#034;nh5-19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese von Kepel unternommene Analyse setzt diese &#8222;Reislamisierung von unten&#8220; nicht in ein Verh&#228;ltnis zu den st&#228;dtischen Krawallen im Mittleren Osten. F&#252;r ihn haben diese Bewegungen nur zum Ziel, radikale Gruppen auf ihrem eigenen Terrain anzugreifen, als ob sie die haupts&#228;chliche Bedrohung f&#252;r &#8222;die herrschende Ordnung&#8220; dargestellt h&#228;tten, als ob man letztendlich nicht in den F&#252;hrungspositionen dieser radikalen Gruppen und dieser &#8222;Reislamisierung von unten&#8220; die gleichen gesellschaftlichen Gruppen finden w&#252;rde, als jene, welche im Terrorismus engagiert sind. Die Analyse bleibt, indem sie die Gr&#252;nde des Erfolgs der Bewegungen ausser Acht l&#228;sst, machiavellistisch und instrumentalistisch, denn diese k&#246;nnen nicht g&#228;nzlich mit dem aus dem Golf kommenden Geldsegen erkl&#228;rt werden. Ausserdem erkennt die Analyse dieser Reislamisierung von unten ihr einen doppelten Aspekt (rebellisch und konservativ) an, doch nur um es zu konstatieren, diese beiden Aspekte werden nie artikuliert. Das gleiche gilt f&#252;r einen sehr langen, einmal mehr in &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; vom 7. M&#228;rz 1991 ver&#246;ffentlichten Artikel, wo diese Bewegung &#8222;die herrschende Ordnung stabilisiert und kritisiert&#8220;, ohne dass man weiss, wie sich diese beiden Aspekte artikulieren. In diesem Artikel scheint diese Dualit&#228;t sogar das Resultat ihres Erfolges zu sein. In Tat und Wahrheit ist die Idee eines rebellischen Aspektes der islamistischen Bewegungen selbst zweifelhaft. Die islamistischen Bewegungen sind w&#228;hrend den gesamten 1980er Jahren im wesentlichen eine Kraft der Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen Ordnung geblieben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die islamistischen Bewegungen &#252;berfluten die muslimische Welt vom Maghreb bis nach Indonesien, sie sind nicht eine Besonderheit des Mittleren Ostens, obwohl sie von Anfang an von den Golfstaaten politisch und finanziell unterst&#252;tzt wurden, h&#228;ufig mit dem Segen der USA. In diesem ganzen Gebiet hat die Entwicklung des Kapitalismus durch die Kolonialisierung, die Mandatsherrschaft und die Erschaffung des Staates Israel die traditionellen Gesellschaften zerst&#246;rt. Die kapitalistische Modernisierung unter der &#196;gide des Kleinb&#252;rgertums hat im Rahmen des globalen Kapitalismus zur Katastrophe gef&#252;hrt, es ist nie f&#228;hig gewesen, aus dem Kapital die einzige Gemeinschaft zu machen, den demokratischen Treueeid gegen&#252;ber dem Staat zu erschaffen, die Figur des B&#252;rgers hervorzubringen, des ausschliesslich in der Reproduktion des Kapitals atomisierten und integrierten Individuums. Diese Entwicklung basierte sogar teilweise auf der zuvor angesprochenen Dualit&#228;t als doppeltes Leben des Arbeiters. Die regionale Integration durch die Rente in ihrem Scheitern &#252;berl&#228;sst das endlich besondere kapitalistische Individuum seiner Bedingung &#8222;als Ausgeschlossener&#8220;. Seit den 1950er Jahren folgt diese gesamte Region in unterschiedlichen Rhythmen dem selben Lauf. Alles in allem ist religi&#246;se Formalisierung der Klassenk&#228;mpfe nichts, das spezifisch mit der muslimischen Welt assoziiert werden k&#246;nnte; man denke an Indien, an Lateinamerika (Befreiungstheologie, Evangelisten), an Polen in den 1980er Jahren oder an einige Republiken der ehemaligen UdSSR.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der B&#252;rgerkrieg in Algerien, die Unf&#228;higkeit der Hamas, eine politische Perspektive in Pal&#228;stina zu definieren und v.a. die saudische Niederlage, welche der Golfkrieg in Wirklichkeit darstellt (was nicht im Widerspruch zur offensichtlichen irakischen Niederlage steht), sind gleichbedeutend mit dem Scheitern dieses politischen Islamismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine neue globale Ver&#228;nderung zeichnet sich in Wirklichkeit seit Anfang der 1990er Jahre ab: das Verschwinden des Islamismus als nationales Projekt. Der gegenw&#228;rtige Islamismus ist das Resultat der Infragestellung des nationalen Rahmens f&#252;r die Reproduktion der kapitalistischen Akkumulation und der widerspr&#252;chlichen Situation der Reproduktion der Arbeitskraft, die gleichzeitig den Ausbeutungsbedingungen und dem Arbeitszwang unterworfen ist, welche Teil eines globalen Zyklus des Kapitals sind, und, durch diese Tatsache selbst (Aufl&#246;sung des nationalen Rahmens), auf die &#8222;Wiedererschaffung&#8220; der Bedingungen und des Rahmens der &#8222;traditionellen&#8220; Reproduktion verwiesen wird. &lt;i&gt;Eine zuf&#228;llige und explosive Begegnung zwischen einer globalen Integration und Abh&#228;ngigkeit einerseits und andererseits der Wiedererschaffung einer &#8222;traditionellen&#8220; Reproduktion, die jegliche innere (endogene) Finalit&#228;t und Bedeutung verloren hat&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es handelt sich um eine &#8222;Entnationalisierung&#8220; des Islamismus, oder gar um seine &#8222;Deterritorialisierung&#8220;. In Pakistan muss man bis zur Eliminierung von Ali Bhutto (1977) zur&#252;ckgehen, um diesen Prozess der &#8222;Entnationalisierung&#8220; zu verstehen, der gleichbedeutend ist mit seinem Scheitern als politischer und &#8222;populistischer&#8220; Islamismus wie er sich in den 1980er Jahren entwickelt hatte, die Jahre der saudischen Integration durch die Rente. Die von Zia-ul-Haq aufgegleiste Politik der Islamisierung ersetzt die unter Ali Buttho lancierten Entwicklungsprogramme. In den 1980er Jahren hat Pakistan noch Wachstumsraten von ungef&#228;hr 6% und profitiert von den Geldbetr&#228;gen der in die Golfstaaten ausgewanderten pakistanischen Arbeiter. Erst in den 1990er Jahren, d.h. nach dem Golfkrieg, der sowjetischen Niederlage in Afghanistan und dem Ende des Kalten Krieges, wird der Islamismus zu einer bedeutenden politischen Kraft in Afghanistan. Die islamistischen Organisationen f&#252;llen einmal mehr das vom Staat gelassene Machtvakuum. Pakistan widmet nur noch 3.5% seines Budgets der Bildung und der Gesundheit (38% der Verteidigung). &#8222;Millionen von Fl&#252;chtlingen, ein unkontrollierter Drogenhandel, der Kult der Kalaschnikow und die Kultur des Jihad sind das Erbe des Afghanistan-Krieges.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Le Monde.&#034; id=&#034;nh5-20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Pakistan ist mit der Tatsache konfrontiert, dass die Schaffung einer nationalen Unterordnung seiner Verschiedenheit sich als immer schwieriger erweist: eine Vorherrschaft der Punjabis, die besonders von den Sindhis, den Belutschen und den Muhajir von Karachi nur z&#228;hneknirschend hingenommen wird. Es handelt sich um ein Problem interner K&#228;mpfe innerhalb der herrschenden Klasse: Die aus einer unternehmungslustigen kapitalistischen Klasse entstammenden Muhajir mussten sich der Macht des punjabischen Landadels unterordnen und die paschtunischen und belutschischen gesellschaftlichen Stammesstrukturen akzeptieren. Was uns jedoch hier gegenw&#228;rtig interessiert, ist die Tatsache, dass dieses Problem des Staatsaufbaus innerhalb der islamistischen Opposition selbst pr&#228;sent ist, die nationalistische Tendenz wird von den Radikalsten bek&#228;mpft, f&#252;r sie z&#228;hlt die Umma viel mehr als die Nation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was zentral in dieser Bewegung des Zusammenbruches des Staatsaufbaus ist, ist das Verschwinden des staatlichen Nationalismus als Vermittlungsinstanz im &#8222;anti-imperialistischen Kampf&#8220;. Die Transformationen des Islamismus und das Scheitern des politischen Islamismus bezeugen diese Entwicklung (sogar im Sudan ist der Staat dabei, sich des nationalen Islamismus zu entledigen, er ist nun mit einem Islamismus konfrontiert, f&#252;r welchen der nationale Rahmen anekdotenhaft ist, gleichzeitig lokalisiert er sich auf beschr&#228;nkte Art und Weise und mit wechselnden Territorien - &#8222;Kriegsherren&#8220;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Diese neue Form des radikalen Islamismus resultiert aus einer gewissen Anzahl konstanter Akte des Scheiterns: dem Ende der Dritte-Welt-Ideologie, dem Bankrott des arabischen Sozialismus, der Sackgasse des politischen Islams, einhergehend mit der Erkenntnis, dass die offiziellen religi&#246;sen Autorit&#228;ten der arabischen Welt von den herrschenden Regimen &#8218;nationalisiert&#8216; worden sind.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., Januar 2002.&#034; id=&#034;nh5-21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Bin Laden verweigert sich &#8222;dem Islamismus in einem Land&#8220; und hat keine nationale Strategie (die zentrale Stellung Saudi-Arabiens in seiner Strategie ist nicht das Resultat einer nationalen Strategie), seine Netzwerke bestehen aus Aktivisten, die das Scheitern der islamistischen Parteien in verschiedenen L&#228;ndern miterlebt haben. Es handelt sich also um eine innere (fast inh&#228;rente) Opposition gegen die Globalisierung, die sich auf ihrer Ebene und in den gleichen Begriffen wie sie verortet, sie konstituiert sich nicht einmal als Alternative zu ihr. Sie ist nicht ihr Widerspruch, sondern ihr Schatten. Was den &#8222;terroristischen&#8220; Aspekt betrifft, sind die Aktionsformen an die neuen Formen der kapitalistischen Reproduktion als &lt;i&gt;Herrschaft&lt;/i&gt; angepasst (daher kommt zumindest teilweise die religi&#246;se Form). Es handelt sich nicht um eine Guerilla, die ein Territorium kontrolliert, und sogar das hypothetische &#8222;Endziel&#8220; der Sezession existiert nur mangels Alternativen, als Resultat einer Art &#8222;Widerspruch&#8220; (in Wirklichkeit eine Dualit&#228;t) in der Daseinsberechtigung der Bewegung: Deterritorialisierung und Internationalisierung einerseits; &#8222;anti-imperialistische&#8220; Revolte andererseits.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bin Laden repr&#228;sentiert einen &#8222;abstrakten&#8220; (d.h. deterritorialisierten) Islamismus. Seine Netzwerke entwickeln sich nach dem Scheitern des popul&#228;ren und nationalistischen Islamismus im Mittleren Osten, haupts&#228;chlich in &#196;gypten (1997), woher die meisten seiner milit&#228;rischen F&#252;hrungskr&#228;fte und politischen Berater kommen. &#8222;Die Strasse&#8220; ist nicht gegen die amerikanische Intervention in Afghanistan aufgestanden (einzig die Stadt Quetta, nur 200 km von Kandahar entfernt, erlebte am 8. Oktober 2001 eine aufst&#228;ndische Situation). Al-Qaida ist das Gegenteil der Gamma Islamijah (wovon einige ihrer Kader stammen, nach der &#8222;Niederlage&#8220; 1997). Bin Laden ist in Afghanistan, da er am 18. Mai 1996 mit dem Einverst&#228;ndnis der Amerikaner vom Sudan in dieses Land ausgeschafft worden ist. Der Sudan war bereit, ihn in die USA oder nach Saudi-Arabien auszuschaffen, doch erstere konnten seine Verurteilung nicht garantieren, letztere wollten allen voran keinen M&#228;rtyrer. Weiter zu dieser &#8222;Deterritorialisierung&#8220;: Auf die milit&#228;rische Niederlage der Taliban und der Truppen der Al-Qaida folgte keine Bewegung der Guerilla. Eine solche Bewegung entsprach weder der Ideologie noch der Praxis der Taliban und Al-Qaida, weder ihrem gesellschaftlichen R&#252;ckhalt, noch den sozialen Bedingungen in Afghanistan (kleine lokale Machthaber, die naturgem&#228;ss bereit sind, sich mit der momentan herrschenden Macht zu verb&#252;nden).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Ab Beginn des amerikanischen Krieges in Afghanistan wurden diese Gebiete [die &lt;i&gt;Stammesgebiete&lt;/i&gt; in Pakistan] von vielen als Orte betrachtet, die den &#8218;verlorenen Soldaten&#8216; Bin Ladens zum Zeitpunkt der Niederlage ein ideales Refugium bieten k&#246;nnten. Besonders weil das Ph&#228;nomen der relativen Talibanisierung der Grenzprovinz im pakistanischen Nordosten gewisse Paschtunen dazu h&#228;tte bringen k&#246;nnen, sich solidarisch mit den Anh&#228;ngern Al-Qaidas zu zeigen. Die Realit&#228;t ist allerdings etwas nuancierter, denn der nach dem 11. September vorherrschende Kontext hat die Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse ver&#228;ndert. &#8218;Ich dachte, die St&#228;mme w&#252;rden nicht auf die Avancen der Regierung eingehen. Aber nein, sie arbeiten mit den Beh&#246;rden zusammen. Die Stammesf&#252;hrer haben verstanden, dass es nach der Niederlage der Taliban und Al-Qaida nutzlos f&#252;r sie war, von der amerikanischen Macht besiegte Leute zu unterst&#252;tzten. Sie haben nicht das geringste Bed&#252;rfnis, dass der Krieg zu ihnen kommt&#8216;, sagt Pareshan Khattak, ehemaliger Rektor der Universit&#228;t von Peschawar und Anthropologe. Das bedeutet nicht, dass die St&#228;mme pl&#246;tzlich auf ihre Rechte verzichtet haben und von nun an stillschweigend die &#8218;Einmischung&#8216; der Regierung akzeptieren. &#8218;Doch sie wissen nun, woher der Wind bl&#228;st&#8216;, sagt ein Funktion&#228;r in den Stammesgebieten. &#8218;Die meisten Stammesf&#252;hrer stehen den Taliban nicht unbedingt nahe und sind deshalb nicht immer bereit, den &lt;i&gt;maleks&lt;/i&gt;, die Stammesf&#252;hrer, die monatlich von der Regierung bezahlt werden: das Geld.&#8216;&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Le Monde.&#034; id=&#034;nh5-22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Saudi-Arabien hatte aus seiner Politik der Unterst&#252;tzung des Islamismus ein Werkzeug im Kampf gegen die Welle des arabischen Nationalismus gemacht. Die fundamentalistischen Bewegungen haben sich allerdings seit dem Golfkrieg gegen die saudische Politik gewendet. Der Golfkrieg und das Ende des Kalten Krieges sind gleichbedeutend mit einem Bruch im Islamismus. Eine neue Art des Islamismus ist w&#228;hrend dem Kampf gegen die UdSSR in Afghanistan entstanden. Ein erdloser Islamismus, wovon der Terrorismus die angemessene Aktionsform wird. Der Terrorismus der am Ende des antisowjetischen Krieges in Afghanistan gegr&#252;ndeten Al-Qaida ist fast nur gegen die amerikanischen Interessen gerichtet, er ist in seiner Form der Rekrutierung und seiner Identit&#228;t transnational, er handelt im Namen &#8222;der Umma&#8220;, die auf den f&#252;nf Kontinenten verteilte muslimische Nation, die Anh&#228;nger werden in den Mittelklassen rekrutiert, sie sind h&#228;ufig gebildet in westlicher Kultur. Dieses nebul&#246;se Netzwerk wird von keinem Staat instrumentalisiert, es hat keine strukturierte popul&#228;re Basis&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe ebd., November 2001.&#034; id=&#034;nh5-23&#034;&gt;23&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Ein globaler Terrorismus in seiner Organisation sowohl hinsichtlich seiner Perspektive als auch seiner Ziele. Und er hat keine pr&#228;zisen Forderungen. Al-Qaida ist eine Organisation, die perfekt zum &#8222;Zeitalter der Globalisierung&#8220; passt, sie brauchte nur eine leere H&#252;lle, einen leeren Staat, und &lt;i&gt;die Aufl&#246;sung der Staatsform kann man in weiten Teilen der Welt antreffen&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die mangelnde Unterst&#252;tzung durch die &#8222;Strasse&#8220; in den arabischen L&#228;ndern f&#252;r die von Bin Laden lancierte &#8222;Herausforderung&#8220; gegen&#252;ber den USA ist problematisch. Es gab keine grossen Demonstrationen (ausser in den n&#246;rdlichen St&#228;dten Pakistans, wo viele afghanische Fl&#252;chtlinge leben), doch die stillschweigende Unterst&#252;tzung ist massiv, auch wenn sie keine politische Form annehmen kann. Dieser Widerspruch kann (jenseits der Effizienz der Repression in den arabischen L&#228;ndern und Pakistan) durch die Tatsache erkl&#228;rt werden, dass diese Unterst&#252;tzung nicht in Form des Nationalismus wie jene f&#252;r Saddam und den Irak ausgedr&#252;ckt und/oder vereinnahmt werden kann; sie kann auch nicht in den Begriffen eines sozialen Kampfes ausgedr&#252;ckt werden. Bin Laden ist weder ein Nationalist, noch ein politischer Islamist (im Sinne der Bewegungen wie dem FIS in Algerien, der Muslimbruderschaft in Syrien, in &#196;gypten und in Jordanien, der Hamas in Pal&#228;stina, der Refah in der T&#252;rkei oder der Gamma Islamijah in &#196;gypten), er versucht nicht, in einem bestimmten Land (nicht einmal Saudi-Arabien) die Macht zu ergreifen. Er l&#228;sst sich in einem Land ohne Staat nieder (Afghanistan der Taliban) oder baut in einem solchen (Somalia) Lager auf. Seine Opposition gegen die kapitalistische Globalisierung unter amerikanischer F&#252;hrung ist nicht minder diffus und &#8222;deterritorialisiert&#8220; als sie selbst. Die territoriale Verankerung seines Handelns ist nie abgesteckt (endlich), er definiert sie nicht: Afghanistan, Saudi-Arabien, die muslimischen L&#228;nder des Roten Meeres von Indonesien bis zum S&#252;den der Philippinen, aber auch die ehemaligen sowjetischen Republiken Zentralasiens, die chinesische Region Xinjiang, das Horn von Afrika, die europ&#228;ischen oder amerikanischen muslimischen Gemeinschaften&#8230; Das Ziel der Sezession ist eine weltweite Sezession, sie ist nur mangels Alternativen territorialisiert. Sie situiert sich innerhalb der kapitalistischen Globalisierung und ist nur ihre Kehrseite.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die nationalen politischen islamistischen Bewegungen &#8222;erf&#252;llen die Erwartungen einer entweder durch das Exil, das Studium im Ausland oder der Auswanderung &#8218;deterritorialisierten&#8216; und internationalisierten Jugend nicht, sie erkennt sich in keiner nationalen Sache wieder. [&#8230;] Verschiedene Formen von Religiosit&#228;t k&#246;nnen eine Antwort auf die Bed&#252;rfnisse einer globalisierten muslimischen Bev&#246;lkerung sein, doch der Neofundamentalismus eignet sich besonders daf&#252;r, da er das, was als Kulturverlust erlebt wird, in einen Diskurs der Neugr&#252;ndung eines von Br&#228;uchen und Traditionen gereinigten universellen Islams verwandelt, der somit auf alle Gesellschaften anwendbar ist. Er definiert die globale Welt als eine virtuelle Umma, welche nur darauf wartet, durch die Anstrengung aller Muslime verwirklicht zu werden. Er richtet sich nicht an wirkliche Gemeinschaften, sondern an isolierte Individuen, die zu ihrem Glauben und ihrer Identit&#228;t zur&#252;ckkehren. Die Neofundamentalisten sind jene, welche es geschafft haben, die Globalisierung zu islamisieren, indem sie in ihr die Voraussetzungen f&#252;r einen Wiederaufbau der universellen muslimischen Gemeinschaft gesehen haben, selbstverst&#228;ndlich unter der Bedingung, die herrschende Kultur zu st&#252;rzen: die Verwestlichung in ihrer amerikanischen Form. Doch indem sie das tun, bauen sie nur ein Universelles auf, das als Spiegel von Amerika dient, sie tr&#228;umen eher von einem McDonalds der halal ist als von einer R&#252;ckkehr der K&#252;che der wirklichen damaligen Kalifen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-24&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Olivier Roy, &#8222;L&#8216;islam au pied de la lettre&#8220; in Le Monde diplomatique, (...)&#034; id=&#034;nh5-24&#034;&gt;24&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ein Ereignis&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die USA sind nur der Feind, weil sie die Universalit&#228;t darstellen und &#8222;korrupte&#8220; Regime auf der ganzen Welt unterst&#252;tzen. Der Angriff auf das World Trade Center und das Pentagon hatte unm&#246;glich eine Schw&#228;chung der USA selbst zum Ziel, es ging eher darum, zu zeigen, dass sie nicht unverletzlich sind. Die Zerst&#246;rung einer Faszination. Die Einf&#252;hrung einer Sezession, die nicht territorial ist (nur mangels Alternativen wird sie es), sondern allen voran in den Verhaltensweisen, den Haltungen, den Mentalit&#228;ten. Diesbez&#252;glich erkennt man die spezifisch terroristische Dimension dieser Aktion, ihre Singularit&#228;t.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Von diesem Standpunkt aus betrachtet, ist der am 3. November in &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; erschienene Text von Baudrillard besonders aufschlussreich. Nat&#252;rlich muss man seine ganze psychoanalytische Problematik vergessen, die aus &#8222;der Allergie&#8220; gegen eine universelle Herrschaft etwas nicht minder Universelles macht, das einem invariablen und inh&#228;renten Trieb jedes Individuums entstammt. Der grundlegende Punkt dieses Textes liegt im Thema &#8222;der mit sich selber ringenden Globalisierung&#8220;. Dort, wo Baudrillard in die Psychoanalyse versinkt, vermischt und identifiziert er die terroristische Form mit ihren Ursachen. Die terroristische Form kommt von dem, was er sagt, &#8222;der mit sich selber ringenden Globalisierung&#8220;; doch die Ursache ist nicht in einer konzeptuellen Bewegung zwischen dem &#8222;Globalen&#8220; und dem &#8222;Einzelnen&#8220; zu finden. Hier sind wir mitten in der Tautologie. Baudrillard arbeitet sehr wohl die terroristische Besonderheit dieser Aktion heraus: Sie &#252;bersteigt die gew&#246;hnliche Problematik des Kr&#228;fteverh&#228;ltnisses, sie ist der &#8222;Heimfall&#8220; der Erscheinungen der Globalisierung und der amerikanischen Macht gegen sie selbst, sie ist ihr &#8222;getragener Schatten&#8220;; sie ist &#8222;spektakul&#228;r&#8220; in jenem Sinne, als dass die Realit&#228;t nicht die Fiktion &#252;bersteigt, sondern zu ihrem h&#246;chstem Stadium wird (die diesem Ereignis gewidmete Antwort der Marvel-Gruppe und ihrer Superhelden in ihrer Sondernummer &#8222;A Moment of Silence&#8220; ist diesbez&#252;glich sehr aussagekr&#228;ftig). Doch Baudrillard schafft es nur mithilfe hohler Formeln, das zu definieren, was er einen &#8222;Selbstmord der Globalisierung&#8220; nennt: &#8222;Es ist die Welt selbst, die gegen die Globalisierung Widerstand leistet&#8220;; &#8222;heutzutage ist sie [die einheitliche Weltordnung] virtuell an ihr Ende gekommen, ringt mit den &#252;berall im Kern des Globalen selbst diffusen antagonistischen Kr&#228;ften, in all ihren gegenw&#228;rtigen Kr&#228;mpfen. Fraktaler Krieg aller Zellen, &lt;i&gt;aller Singularit&#228;ten&lt;/i&gt; [von uns unterstrichen], die in Form von Antik&#246;rpern revoltieren&#8220;; &#8222;dieser Antagonismus ist &#252;berall, er ist innerhalb uns aller&#8220;. Die von der Globalisierung ausgel&#246;sten Br&#252;che und Antagonismen werden also zu einem &#8222;Selbstmord&#8220; der Globalisierung, was sinnlos ist. Als ob ich von der Tatsache, dass das Kapital ein prozessierender Widerspruch ist, auf einen &#8222;Selbstmord des Kapitals&#8220; schliessen w&#252;rde. Was in dieser Art von R&#228;sonnement verschwindet, ist die besondere Realit&#228;t der Pole eines Widerspruchs, die Totalit&#228;t hat alles subsumiert und zerteilt sich unendlich in jedes ihrer Elemente, sie legt sich nicht mehr besonders in widerspr&#252;chlichen Polen dar, sondern l&#246;st sich in einem reinen &#8222;Heimfall&#8220; gegen sich selbst auf. Baudrillard sieht die Singularit&#228;t der terroristischen Aktion nur, indem er ihr jeglichen &#8222;Sinn&#8220; verweigert, jegliche m&#246;gliche &#8222;Interpretation&#8220;. Ein solcher Ansatz kann uns die Singularit&#228;t der Aktion vom 11. September liefern: Eine Aktion, welche die Globalisierung nicht verl&#228;sst, sondern nur ihre Kehrseite ist, und weil sie nur ihre Kehrseite ist, hat sie ihr gegen&#252;ber keine reale Macht. Der Terrorismus ist also die Existenz dieses Machtvakuums. Er ist, das stimmt, der &#8222;Heimfall&#8220; der Globalisierung, doch er ist somit &lt;i&gt;nur das&lt;/i&gt; und genau deswegen ist er nur Terrorismus: Wille, die Regel des Spiels innerhalb des Spiels selbst zu &#228;ndern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Baudrillard glaubt an das, was er schreibt. Die Wirklichkeit ist nur noch das Prinzip der Wirklichkeit und das Prinzip ist verloren gegangen. Wie Anselm Jappe in seinem Buch &#252;ber Debord ist Baudrillard ein radikaler Anh&#228;nger der Theorie des Spektakels. Er nimmt also die Aktion des 11. Septembers als Grund f&#252;r den Beginn der Rezession in den USA f&#252;r bare M&#252;nze: &#8222;Das System verinnerlicht gewissermassen seine eigene Niederlage.&#8220; Sogar insofern, als dass die St&#228;rkung der Polizeikontrollen als Niederlage des politischen Liberalismus verstanden wird. Jeglicher amerikanischer Unternehmensf&#252;hrer oder jegliche politische Beraterin von Tony Blair sehen darin, weit pragmatischer, nur eine sich er&#246;ffnende Gelegenheit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der terroristischen Aktion verschwinden die besonderen Wirklichkeiten der Pole des Widerspruches der kapitalistischen Produktion sehr wohl, denn, wie Baudrillard schreibt: &#8222;Das &#252;bersteigt bei weitem den Hass auf die Weltmacht unter den Enterbten und den Ausgebeuteten, unter jenen, welche auf die falsche Seite der Weltordnung gefallen sind.&#8220; Dieser sehr wohl &lt;i&gt;reale&lt;/i&gt; Hass und die sehr wohl reale Opposition werden als &#8222;innerer Bruch der Globalisierung&#8220; zusammengefasst, d.h. als diesen &#252;berall seienden Antagonismus (&#8222;in jedem von uns&#8220;) zwischen der Universalit&#228;t der Globalisierung und der Singularit&#228;t jedes einzelnen und der Welt. Man k&#246;nnte sich damit begn&#252;gen, zu sagen, dass Baudrillard in den Begriffen einer Globalisierung r&#228;soniert, als ob diese in sich selbst eine gesellschaftliche Realit&#228;t sein k&#246;nnte, ohne sie als Form der Entwicklung der kapitalistischen Akkumulation zu charakterisieren. Diese Nichtbeachtung des spezifischen Objekts der terroristischen Aktion f&#252;hrt dazu, dass das Ereignis in der Analyse verschwindet. Der Terrorismus ist eben genau das Resultat der m&#246;glichen Existenz einer Kritik der Globalisierung, die sie nicht als kapitalistische Produktionsweise versteht, und die m&#246;gliche Existenz dieser Kritik ist ein Resultat der gegenw&#228;rtigen Modalit&#228;ten der Opposition gegen diese Produktionsweise, die innerhalb der Akzeptierung dieses un&#252;berwindbaren Horizonts verortet ist. Man findet hier in und durch die selbstverst&#228;ndliche Akzeptierung der kapitalistischen Produktionsweise den &#8222;Heimfall&#8220; von Baudrillard. Dieser &#8222;Heimfall&#8220; geniesst ein prosaisches Dasein im radikalen Demokratismus, ein heroisches im Terrorismus. Im einen wie dem anderen Fall wird die Globalisierung f&#252;r sich selbst gesetzt (d.h. als ihre eigene Vermittlung), als Ding an sich, Verh&#228;ltnis zwischen dem &#8222;Globalen&#8220; und dem &#8222;Einzelnen&#8220;. Es sind sehr wohl der Hass und die Opposition der Ausgebeuteten, die damit &#252;berwunden werden, denn dieser Hass und diese Opposition k&#246;nnen in der vorherrschenden Reproduktion der kapitalistischen Produktionsweise nur innerhalb derselben existieren, insofern als dass der Angriff gegen diese Welt f&#252;r jene die sie angreifen nicht ihre Infragestellung, ihre Selbsttransformation ist. Somit geht die &#8222;Unterst&#252;tzung der Strasse&#8220; nicht weiter als eine stillschweigende Unterst&#252;tzung, denn sie ist, durch das Wesen dessen selbst, was unterst&#252;tzt wird, getrennt von den wirklichen Ausbeutungssituationen. Wir kommen immer wieder zur&#252;ck auf die Dynamik und die Grenzen dieses Kampfzyklus. Der Terrorismus ist in diesem Fall die von der Globalisierung konstruierte Grenze des Hasses und der Opposition &#8222;jener, welche auf die falsche Seite gefallen sind&#8220;. Die Tatsache, dass er als &#8222;Staatsterrorismus&#8220; existiert, als Resultat einer kapitalistischen Erpressung zwischen &#8222;Staaten&#8220;, ist einer der ach so normalen Figuren des &#220;bergangs, die er annehmen kann, ohne dass er sie aussch&#246;pft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Restrukturierung/Abtrennung/Polizei&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Umgekehrt und symmetrisch dazu sind die amerikanischen Interventionen als Aktivit&#228;ten Teil der Restrukturierung als Konterrevolution im Verh&#228;ltnis zum fr&#252;heren Kampfzyklus, nicht dass Al-Qaida oder die FARC in Kolumbien revolution&#228;re Organisationen w&#228;ren, sondern als Zerst&#246;rung des gesellschaftlichen Existenzrahmens des fr&#252;heren Zyklus. Es handelt sich im wesentlichen um den nationalen Rahmen, d.h. um die Verbindung zwischen Kapitalakkumulation und Reproduktion der Arbeitskraft, welche diesen Rahmen definiert und dieser im Gegenzug nachhaltig sicherte. Die Intervention in Afghanistan hat also f&#252;r die USA keinen lokalen Sinn, man interveniert nicht aus &#8222;afghanischen&#8220;, sondern aus allgemeinen, globalen Gr&#252;nden in Afghanistan. Die Intervention in Afghanistan kann also nur als erste Etappe einer Intervention gerechtfertigt werden, welche andere Staaten (Sudan, Somalia, Jemen, Philippinen, Indonesien, Erpressungsversuche gegen&#252;ber Saudi-Arabien usw.) oder sogar einfache bewaffnete oder unbewaffnete Organisationen, welche f&#252;r den kapitalistischen freien Warenverkehr ein Risiko darstellen k&#246;nnen (IRA, FARC, Abu Sayyaf&#8230;) betreffen oder bedrohen wird. Im gegenw&#228;rtigen Rahmen der kapitalistischen Produktionsweise (hinzu kommt die Bedeutung der Region im Falle des Mittleren Ostens: die ber&#252;hmten Erd&#246;lfragen, von denen trotz allem gesprochen werden muss) kann keine Sezession toleriert werden, sie hat &#252;berhaupt keinen Sinn mehr, was nur eine andere Art und Weise zu sagen ist, dass sie nicht toleriert werden kann. Das kann nirgends toleriert werden und noch weniger in so wichtigen Regionen wie im Mittleren Osten oder in S&#252;dostasien, drittwichtigster Handelspartner der USA (2000 waren dort die amerikanischen Investitionen sechs Mal h&#246;her als in China).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Interventionsformen sind jene der Disziplin. Obwohl das Hauptresultat des Kapitals die Reproduktion der Entgegensetzung von Proletariat und Kapital ist, ist es nicht selbstverst&#228;ndlich, dass sich aus dieser Entgegensetzung ipso facto das erste Tauschmoment zwischen Kapital und Arbeit (Kauf/Verkauf der Arbeitskraft) ergibt. Vom Roten Meer bis nach Indonesien ist das Problem nicht ein vermeintliches Chagrinleder der kapitalistischen Entwicklung, sondern im Gegenteil die enorme, spezifisch kapitalistische Entwicklung, die dort in den letzten 25 Jahren stattgefunden hat. Die Situation der Arbeitskraft ist dort grundlegend die selbe wie in weiter entwickelten Gebieten: Die Arbeitskraft existiert gegen&#252;ber dem Kapital als globale gesellschaftliche Arbeitskraft. Doch w&#228;hrend sie in den entwickelten Gebieten &lt;i&gt;global&lt;/i&gt; vom Kapital gekauft und &lt;i&gt;individuell&lt;/i&gt; benutzt wird, gibt es in den neuen Peripherien keinen globalen Kauf, deshalb ist die Disziplinierung der Arbeitskraft bedeutend&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-25&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe &#8222;L&#8216;oppression comme moment de l&#8216;exploitation&#8220; in Roland Simon, (...)&#034; id=&#034;nh5-25&#034;&gt;25&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Disziplin &#8222;verwaltet&#8220; die Br&#252;che auf der Ebene des dritten Moments der Ausbeutung, sie ist in Anbetracht eines in einen &#8222;Armen&#8220; verwandelten Proletariers, in Anbetracht einer einfachen Forderung nach Reichtum, Begehrens f&#252;r oder Hass auf die USA notwendig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Aussenpolitik der USA ist von einem &#8222;neuen unilateralen hegemonischen Kurs&#8220; gepr&#228;gt, weil mit dem Afghanistan-Krieg der Kalte Krieg wirklich geendet hat. Die USA bereiten nach dem 11. September eine planetarische Antwort vor, f&#252;r welche es nur noch &lt;i&gt;inneres Chaos&lt;/i&gt; gibt. Der Golfkrieg war noch ein von zwischenstaatlichen Verh&#228;ltnissen gepr&#228;gter Krieg. Die USA verk&#252;nden nun offen, dass &#252;berall auf der Welt zur Erreichung ihrer Ziele Gewaltanwendung notwendig und legitim ist, es geht nat&#252;rlich nicht darum, sich dar&#252;ber zu emp&#246;ren, sondern zu verstehen, was neu ist an diesem Diskurs, d.h. die von ihm abgedeckte neue Realit&#228;t, die dazu f&#252;hrt, dass die amerikanische Armee nun in Kandahar oder Mogadischu &lt;i&gt;wie in Los Angeles&lt;/i&gt; interveniert. Eine neue Realit&#228;t, die dazu f&#252;hrt, dass sich die Amerikaner trotz der russischen Opposition in den Republiken Zentralasiens niederlassen, trotz den chinesischen Bef&#252;rchtungen in der muslimischen Provinz Xinjiang, die nahe amerikanische Pr&#228;senz ersch&#252;ttert die &#8222;Gruppe von Schanghai&#8220; (Russland, China, Usbekistan, Kasachstan, Kirgisien, Tadschikistan), welche zum Ziel hatte, der amerikanischen Pr&#228;senz in Zentralasien etwas entgegenzusetzen. Die amerikanische Pr&#228;senz in Kirgisien wird offen so pr&#228;sentiert, dass sie darauf ausgelegt ist, &#8222;lange Jahre&#8220; zu dauern, der St&#252;tzpunkt von Manas ist ein &#8222;Angelpunkt der Observation in Zentralasien&#8220;. Gleichzeitig wird die amerikanische Pr&#228;senz in Somalia und den St&#252;tzpunkten Omans und Bahrains gest&#228;rkt. In den Philippinen ist die Aufmerksamkeit v.a. auf die Gruppe Abu Sayyaf gerichtet, aber auch auf die kommunistische &#8222;Neue Volksarmee&#8220; (NPA) mit ihren st&#228;dtischen Kommandos, die Bedrohung Singapurs verpflichten die USA zu einer massiveren Pr&#228;senz in S&#252;dostasien, trotz dem offensichtlichen Z&#246;gern in Anbetracht einer direkten Intervention in Indonesien (das schwache Glied des &#8222;anti-terroristischen Kampfes&#8220; in der Region).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Niederschlagung der Sezession ist gleichbedeutend mit der Vereinnahmung der Kontrolle und gesellschaftlichen Reproduktion des Islamismus. Nicht nur seines Aspektes des &#8222;Wohlfahrtsstaates&#8220;, sondern auch seiner F&#228;higkeit, die kleine Warenproduktion und ihre Netzwerke zu kontrollieren, zu besteuern und ihre Produkte zu verteilen. Vom Kaspischen Meer bis nach Wladiwostok wuchert die obsz&#246;ne Lebendigkeit des Werts durch alle Produktionen und allen Handel, legal oder nicht. Um die Kosten des Krieges und der Unterst&#252;tzung f&#252;r die Mudjahedin zu tragen, haben der ISI (pakistanischer Geheimdienst) und die CIA Hunderte von Laboratorien zur Verarbeitung von Heroin installiert, die Mudjahedin hatten ihrerseits eine &#8222;Revolutionssteuer&#8220; durchgesetzt und den Bauern die Anweisung gegeben, Opium anzupflanzen. Zwar hat das Regime der Taliban den Opiumanbau ausgemerzt (vier Jahre nach ihrer Machtergreifung und wom&#246;glich, um zu wichtig gewordene Vorr&#228;te loszuwerden), doch sie begn&#252;gten sich damit, den (auf 50 Millionen Dollar pro Jahr gesch&#228;tzten&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-26&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Le Monde vom 4. November 2001.&#034; id=&#034;nh5-26&#034;&gt;26&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) Opiumhandel zu besteuern, genau wie alle anderen Sektoren illegalen Handels (Waffen, wertvolle Edelsteine &#8211; etwa 75 Millionen Dollar&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-27&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe ebd.&#034; id=&#034;nh5-27&#034;&gt;27&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) und waren nicht in den h&#246;heren Schichten des Handels vertreten. In Tadschikistan sind die in die Regierung aufgenommenen islamistischen Anf&#252;hrer des B&#252;rgerkrieges zu Drogenbaronen geworden. &#8222;Die als einzige Unterst&#252;tzung des Regimes stets pr&#228;sente russische Armee spielt mit ihren Flugzeugen eine Schl&#252;sselrolle im Heroinhandel.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-28&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Le Monde vom 16. September 2001.&#034; id=&#034;nh5-28&#034;&gt;28&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die gesellschaftliche &#8222;Vereinnahmung&#8220; des Islamismus kann allerdings problematisch sein (Bildung, Frauen&#8230;). Nach der Einstellung der Unterst&#252;tzung f&#252;r die Taliban und der Disziplinierung der radikalen islamistischen Tendenzen wischt Musharraf (Pr&#228;sident Pakistans) die seit 1977 von Zia-ul-Haq ins Werk gesetzte politische Islamisierung in seiner am 12. Januar 2002 gehaltenen Rede vom Tisch (die Niederlage der Taliban ist zu diesem Zeitpunkt offensichtlich) und definiert Pakistan als &#8222;einen islamischen, fortschrittlichen und dynamischen Wohlfahrtsstaat&#8220; und, w&#228;hrend er gleichzeitig jene Gruppen angreift, &#8222;welche einen Staat im Staate geschaffen und die Macht der Regierung herausgefordert haben&#8220;, bedankt er sich bei den Madrassas f&#252;r ihre &#8222;exzellenten Massnahmen ohne staatliche Unterst&#252;tzung zum Wohle der Enterbten&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-29&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Le Monde vom 15. Januar 2002.&#034; id=&#034;nh5-29&#034;&gt;29&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Pakistan ist seit dem Beginn der 1980er Jahre ein wichtiger Lieferant der multinationalen Firmen f&#252;r billige Produkte: Textilien, medizinisches Material, Lederwaren, Teppiche f&#252;r Ikea, Konfektion f&#252;r Wal-Mart, Heimtextilien aus Baumwolle f&#252;r die Galeries Lafayette, Carrefour, Auchan, Leder f&#252;r die Schuhe von Eram, Fussb&#228;lle f&#252;r Adidas, Nike, Puma.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Terrorismus von Bin Laden ist in Wirklichkeit mit einer bedeutenden wirtschaftlichen Frage verbunden, jener der gegenw&#228;rtigen Akkumulationsweise des Kapitalismus: extensive oder intensive Phase. Die Unterscheidung dieser beiden Akkumulationsweisen ist nur teilweise mit den beiden Extraktionsweisen des Mehrwerts verbunden. Obwohl die Extraktion des Mehrwerts in ihrer relativen Weise weitgehend vorherrschend ist, ist sie nie ausschliesslich und zudem kann sie sich selbst entweder als Selbstzentrierung auf die schon am weitesten entwickelten Gebiete oder als Ausbreitung modellieren. Die enorme Pl&#252;nderung (&#8222;Planet der Slums&#8220;) ist paradoxerweise gleichbedeutend mit einer sich realisierenden Ausbreitung der intensiven Akkumulation. Die Theorie der kapitalistischen Akkumulation und der auf dem Kapital als &#8222;Chagrinleder&#8220; gegr&#252;ndeten Reproduktion der Produktionsverh&#228;ltnisse kann der Kritik nicht widerstehen. In dieser Theorie wird die Dualit&#228;t der kapitalistischen Welt (entwickelt/unterentwickelt, um es extrem zu vereinfachen) nicht als systematisch betrachtet, obwohl das Entwickelte fast immer als das &#8222;Nicht-Entwickelte&#8220; erschaffende und manchmal sogar als das es reproduzierende verstanden wird, wird es nie als es notwendigerweise f&#252;r sich selbst reproduzierend verstanden; ausserdem betrachtet diese &#8222;Theorie des Chagrinleders&#8220; das, was widerspr&#252;chlich ist in der kapitalistischen Akkumulation, als Zeichen ihres Scheiterns, und nicht gleichzeitig als Zeichen ihrer Dynamik; zu guter Letzt ist es nur eine objektivistische Theorie &#252;ber Verh&#228;ltnisse zwischen Kapitalfraktionen. Die Globalisierung ist nicht ein &#214;lfleck auf einem &lt;i&gt;gegebenen&lt;/i&gt; Raum, sondern eine Akkumulationsstruktur, eine &lt;i&gt;Konstruktion&lt;/i&gt; des Raumes wie die Geographen sagen w&#252;rden. Eben genau weil die &#8222;Pl&#252;nderung&#8220; gleichbedeutend mit einer Ausbreitung der intensiven Akkumulation ist, gibt es keine Dritte-Welt-Ideologie mehr, welche nur die Frustration eines selbstzentrierten Kapitals war, deshalb ist der Terrorismus auch deterritorialisiert, trotz des (absolut notwendigen und absolut irrealen) sezessionistischen Zieles, &lt;i&gt;er verortet sich auf der gleichen Ebene wie sein Gegner&lt;/i&gt;. Die Globalisierung bringt ihren Gegner auf der gleichen Ebene der abstrakten Universalit&#228;t hervor: das Kapital/die Religion. Der polizeiliche Aspekt des amerikanischen Interventionismus besonders und des westlichen allgemein ist kein Anzeichen der zunehmenden Zur&#252;ckgezogenheit des &#8222;Nordens&#8220; auf sich selbst. In diesem Interventionismus ist eine Beschleunigung der Globalisierung am Werk, eine Disziplinierung im Rahmen eines doppelten Abgleitens der globalen Reproduktion des kapitalistischen Produktionsverh&#228;ltnisses, von der wir zu Beginn dieses Textes sprachen: Abtrennung zwischen einem Abgleiten der Reproduktion der Verwertung und der Akkumulationsbedingungen nach &#8222;oben&#8220; und der Reproduktion der Arbeitskraft und der Bedingungen ihrer Verf&#252;gbarkeit und ihrer Mobilisierung nach &#8222;unten&#8220;. Obwohl dieser Prozess uns den Schl&#252;ssel f&#252;r die staatliche Aufl&#246;sung liefert, kann er dennoch nicht ohne eine &lt;i&gt;teilweise&lt;/i&gt; Wiederverstaatlichung gewisser Regionen weitergehen, welche seit 25 Jahren kapitalistische Entwicklung erduldet haben. Diesbez&#252;glich ist die Frage des &#8222;Chagrinleders&#8220; eines der wenigen Themen des Textes &#8222;Septembre gris&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5-30&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Gilles Dauv&#233;, Karl Nesic und J-P Carrasso, &#8222;Grey September&#8220;, 2001.&#034; id=&#034;nh5-30&#034;&gt;30&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, wor&#252;ber man diskutieren kann, ein Thema, das schon im Text &#252;ber Serbien pr&#228;sent war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir sind in eine merkw&#252;rdige kapitalistische Welt eingetreten, in welcher die Produktionsweise, je mehr die Reproduktionsweisen der Arbeitskraft sich von den &#8222;theoretischen Regeln&#8220; der reellen Subsumtion zu entfernen scheinen, umso mehr total und &#252;berall spezifisch kapitalistisch wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;, Nr. 18, Februar 2003.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb5-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Crise du golfe: les changements strat&#233;giques&#8220;, Fondation pour les &#233;tudes de d&#233;fense nationale, 1990, S. 62.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Alain Joxe, &lt;i&gt;Le Cycle de la dissuasion. 1945-1990&lt;/i&gt;, Paris, La D&#233;couverte, 1990.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 284 und S. 287-290.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; vom 5. Dezember 2001.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Habib Haider, &#8222;Afghanistan, agriculture d&#8216;abord&#8220; in &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Olivier Roy in &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; vom 3. April 2001.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Pierre Centlivres, &#8222;Exil, relations interethniques et identit&#233; dans la crise afghane&#8220; &lt;i&gt;in&lt;/i&gt; Olivier Roy (Hg.), &lt;i&gt;Revue du monde musulman et de la M&#233;diterran&#233;e&lt;/i&gt;, Nr. 59-60: &lt;i&gt;Des ethnies aux nations en Asie centrale&lt;/i&gt;, 1991.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Bruno Philip in &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; vom 11./12. M&#228;rz 2001.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; vom 22. Oktober 2001.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Erkl&#228;rung von Bin Laden &lt;i&gt;in&lt;/i&gt; Peter Bergen, &lt;i&gt;Holy War Inc.&lt;/i&gt;, New York, Free Press, zitiert in &lt;i&gt;Le Monde diplomatique&lt;/i&gt; vom Oktober 2001.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;, Nr. 11, Dezember 2002.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Ben Laden, la v&#233;rit&#233; interdite&#8220;, Zusammenfassung und Ausz&#252;ge in &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; vom 13. November 2001.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Gilles Kepel in &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; vom 11. Januar 1991.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., Januar 2002.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-23&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-23&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;23&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe ebd., November 2001.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-24&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-24&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-24&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;24&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Olivier Roy, &#8222;L&#8216;islam au pied de la lettre&#8220; in &lt;i&gt;Le Monde diplomatique&lt;/i&gt;, April 2002.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-25&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-25&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-25&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;25&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &#8222;L&#8216;oppression comme moment de l&#8216;exploitation&#8220; &lt;i&gt;in&lt;/i&gt; Roland Simon, &lt;i&gt;Fondements critiques d&#8216;une th&#233;orie de la r&#233;volution&lt;/i&gt;, Paris, Senonevero, 2001, S. 653 f.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-26&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-26&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-26&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;26&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; vom 4. November 2001.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-27&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-27&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-27&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;27&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-28&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-28&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-28&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;28&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; vom 16. September 2001.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-29&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-29&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-29&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;29&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; vom 15. Januar 2002.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5-30&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5-30&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5-30&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;30&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Gilles Dauv&#233;, Karl Nesic und J-P Carrasso, &lt;a href=&#034;https://libcom.org/article/grey-september-gilles-dauve-karl-nesic-and-j-p-carasso&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Grey September&#8220;&lt;/a&gt;, 2001.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Th&#233;orie communiste - Anmerkung zur Bewegung der Gelbwesten</title>
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		<dc:subject>Th&#233;orie communiste</dc:subject>
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		<dc:subject>Gelbwesten</dc:subject>

		<description>
&lt;p&gt;Jenes Frankreich, welches Kippen dreht und Diesel raucht &lt;br class='autobr' /&gt;
(Es grillt auch Merguez und sch&#228;tzt &#8222;das Gelbe&#8220;, nicht nur als Weste) &lt;br class='autobr' /&gt;
Es ist nicht so, dass die sogenannte Bewegung der &#8222;Gelbwesten&#8220; nichts Neues bringt, doch wenn man &#8222;Eine besondere Sequenz&#8220; (TC 25) noch einmal liest, war fast das ganze m&#246;gliche Analyseraster der sogenannten Bewegung der &#8222;Gelbwesten&#8220; schon da: der &#220;bergang der Krise vom Lohnverh&#228;ltnis zur Lohngesellschaft; die Delegitimierung des f&#252;r die Ungerechtigkeit (...)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

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&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Theorie-communiste" rel="tag"&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Bericht-Analyse" rel="tag"&gt;Bericht/Analyse&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="https://www.kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
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 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/arton1801.jpg?1689347375' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='84' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jenes Frankreich, welches Kippen dreht und Diesel raucht&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;(Es grillt auch Merguez und sch&#228;tzt &#8222;das Gelbe&#8220;, nicht nur als Weste)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist nicht so, dass die sogenannte Bewegung der &#8222;Gelbwesten&#8220; nichts Neues bringt, doch wenn man &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Eine-besondere-Sequenz&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Eine besondere Sequenz&#8220;&lt;/a&gt; (TC 25) noch einmal liest, war fast das ganze m&#246;gliche Analyseraster der sogenannten Bewegung der &#8222;Gelbwesten&#8220; schon da: der &#220;bergang der Krise vom Lohnverh&#228;ltnis zur Lohngesellschaft; die Delegitimierung des f&#252;r die Ungerechtigkeit verantwortlichen Staates (der an der Steuerschraube dreht); das Volk und der Populismus&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Der erneut definiert werden m&#252;sste, siehe den Text &#8222;M. Le Pen et la (...)&#034; id=&#034;nh6-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;; das Lokale, die Eliten, die Reichen und die Armen, das Volk mit seiner Kultur und seiner &#8222;Sittlichkeit&#8220;. Einige Abs&#228;tze dieses Textes sind gar schon fast &#8222;voraussagend&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Le territoire et le local&#8220; in Th&#233;orie communiste, Nr. 25, S. 42-43 und (...)&#034; id=&#034;nh6-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Nat&#252;rlich m&#252;ssten wir vom Wesen der Krise selbst ausgehen: Identit&#228;t von Unterakkumulations- und Unterkonsumtionskrise, Lohnverh&#228;ltnis&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Th&#233;orie communiste, Nr. 25, S. 38 und anderswo.&#034; id=&#034;nh6-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Interklassismus ergibt sich selbstverst&#228;ndlich aus diesen Pr&#228;missen (&#220;bergang des Lohns als Produktionsverh&#228;ltnis hin zum Lohn als Distributionsverh&#228;ltnis; gesellschaftliche Ungerechtigkeit &#252;ber die Steuer, wof&#252;r der Staat verantwortlich ist), doch wir m&#252;ssen beachten, dass unser gewohnter Ansatz der sogenannt &#8222;neuen&#8220; Mittelklassen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ich w&#252;rde den Singular bevorzugen, siehe den Text in Th&#233;orie communiste, (...)&#034; id=&#034;nh6-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; die gegenw&#228;rtige Bewegung, in welcher man eher Handelstreibende, Handwerker, Fernfahrer, Mitglieder der &#8222;niederen&#8220; liberalen Berufe sieht, nicht wirklich treffend darstellt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Arbeitgeberschaft kleiner Unternehmen repr&#228;sentiert auf &lt;i&gt;ideale Art und Weise&lt;/i&gt; diese Vers&#246;hnung der &lt;i&gt;respektablen&lt;/i&gt; Arbeit mit dem &lt;i&gt;verdienten&lt;/i&gt; Kapital, welche beide im Rahmen der sozialen und familienfreundlichen Nation aufbl&#252;hen. Ungl&#252;cklicherweise ist es nicht nur ein Ideal, sondern auch eine Realit&#228;t. Die H&#228;lfte der Arbeiter arbeiten im Rahmen eines kleinen oder gar sehr kleinen Unternehmens, man k&#246;nnte sagen, dass nicht die Anzahl entscheidend ist, sondern die Stellung in der Klassenzusammensetzung der Arbeiterklasse im Verh&#228;ltnis zu den andauernden kapitalistischen Dynamiken, von diesem Standpunkt aus muss man jedoch feststellen, dass diese Zersplitterung nicht archaisch ist. Wie ihr Chef sind diese Arbeiter h&#228;ufig direktem Druck der Kundschaft ausgesetzt, mag sie privat oder von wichtigeren Unternehmen sein, die Verschlimmerung der Arbeitsbedingungen und die Stagnation der L&#246;hne kann also sowohl mit dem Chef als auch mit dem gebieterischen Kunden assoziiert werden. In vielerlei Hinsicht bildet der &#8222;Arbeiterstandpunkt&#8220; mit jenem des Chefs eine Einheit: Sie denunzieren gemeinsam die Delokalisierungen, die Globalisierung der Konkurrenz, den rapiden Anstieg &#8222;ungerechtfertigter&#8220; Einkommen des Finanzkapitals, den Druck der Banken und schliesslich das Gewicht der Sozialabgaben und der Reglementierungen. Der Chef des kleinen Unternehmens formalisiert nicht nur die populistische Bewegung, sondern die Chefs kleiner Unternehmen werden auch spezifisch in Bewegung gesetzt als gesellschaftliche Kategorie, deren wirtschaftliche und politische Macht angegriffen wird. Die gegenw&#228;rtigen Bedingungen der Krise bearbeiten die Tradition der extremen Rechten neu (Arbeit, Familie, Heimat, Rassismus), um die Themen des Populismus hervorzubringen: wirtschaftliche Gerechtigkeit, nationale Gemeinschaft, Respektabilit&#228;t der Arbeit, Republik und &lt;i&gt;wieder erlangte Volkssouver&#228;nit&#228;t&lt;/i&gt;. Der Populismus der respektablen Arbeit und des verdienten Kapitals muss sich als aktionale Repr&#228;sentation der &#8222;Volksgemeinschaft&#8220; beweisen und das, indem er das Volk gegen das &#8222;Unvolkst&#252;mliche&#8220;, den &#8222;Nicht-B&#252;rger&#8220; hervorbringt: gegen die Finanz, die politischen Eliten der &lt;i&gt;repr&#228;sentativen&lt;/i&gt; Demokratie, die Yuppies der Stadtzentren und Grossindustrielle einerseits, den &#8222;Profiteuren der Wohlfahrt&#8220;, den &#8222;Sozialschmarotzern&#8220; andererseits, wobei die Einwanderer und ihre Nachkommen davon umso mehr das Paradigma darstellen, als sie als verbunden mit der Globalisierung erscheinen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Vergleich mit dem Poujadismus der 1950er Jahre hinkt jedoch. Der Poujadismus ist klar rund um diese Berufe organisiert, das ist heute nicht der Fall, ihr gesellschaftliches Gewicht damals ist mit dem heute nicht vergleichbar. Der ganze gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Kontext war anders. Der Verweis auf den Poujadismus dient nur dazu, jegliche st&#246;rende Frage zum Interklassismus zu vermeiden und ein apriorisches Urteil zu rechtfertigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um jeglichen Normativismus zu vermeiden, sollte man davon absehen, die Bewegung in Bezug auf das zu beurteilen, was sie nicht oder &#8222;schlecht&#8220; tut. Man beurteilt sie und positioniert sich, indem man die Dynamiken am Werk freilegt und zeigt, was uns die Bewegung von dort aus sagt, wo wir uns in der Krise befinden, nicht ausgehend von einer immer schon gegebenen Idee der Revolution und des guten Klassenkampfes. &#8222;Denn mit welchem Gericht ihr richtet, mit dem werdet ihr gerichtet werden [...]&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Mat. 7 : 2.&#034; id=&#034;nh6-5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist eine Bewegung, die sich auf die &lt;i&gt;Arbeit&lt;/i&gt; beruft, die wahre, jene, welche in Anbetracht der den Staat lenkenden Eierk&#246;pfe und anderer Parasiten die W&#252;rde wahrt. Die Bewegung versucht nicht, die &#8222;Arbeit zu blockieren&#8220;, auch nicht die Wirtschaft, und wenn es trotzdem geschieht, entschuldigen sich die Gelbwesten. Es ist nicht ihr Ziel, nur ein Mittel, die Wirtschaft ist nicht ihr Feind. Man kann den Gelbwesten nicht vorwerfen, das nicht zu tun (oder im Gegenteil ihnen gratulieren, es zu tun), was sie nicht tun wollen (so k&#246;nnten die paar zirkulierenden Texte und Anmerkungen zusammengefasst werden). Die grossen Einkaufszentren, Transportunternehmen und strategischen Kreisel sind hingegen sehr wohl ernsthaft beeintr&#228;chtigt (die Versuche rund um die Raffinerien und &#214;ldepots scheinen entschluss- und erfolglos).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Kritik des Interklassismus ist h&#228;ufig mit dem Problem konfrontiert, dass sie glaubt, dass die anwesenden Klassen schlichtweg eine Summe formen, dass sie sich addieren, wobei sie sauber definierte und auf sich selbst beschr&#228;nkte diskrete Elemente bleiben, dass der Interklassismus sie letztendlich nicht tangiert, dass die Aktion nicht existiert. Jede Komponente findet sich sehr wohl ausgehend von ihren eigenen Interessen in der Bewegung wieder, doch der Interklassismus ist dann f&#252;r jedes auf innere Art und Weise der Verlauf seines eigenen Handelns. Der Interklassismus ist nicht die Addition sondern die Folge dieser eigenen Interessen, innerlich tangiert durch ihre Koexistenz und in einer gemeinsamen Forderung verschmelzend. Es reicht nicht, Interklassismus festzustellen und ihn unwiderruflich zu verurteilen, die Bedingungen seiner Existenz m&#252;ssen jedes Mal spezifisch erkl&#228;rt werden, nicht nur als intellektueller Anspruch, sondern v.a. um sich in seiner Bef&#252;rchtung zu positionieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im gegenw&#228;rtigen Fall betrifft die Forderung den Lebensstandard und pr&#228;ziser, innerhalb dessen, was ihn tangiert, die Gesamtheit der erzwungenen Ausgaben und unter ihnen jene, welche alle als &#8222;den Tropfen&#8220; beschreiben, &#8222;der das Fass zum &#220;berlaufen gebracht hat&#8220;: die Erh&#246;hung des Benzinpreises (haupts&#228;chlich Diesel). Die Frage ist jene des Lebensstandards, der Einkommen. Doch diese Frage bleibt nicht eine wirtschaftliche Frage, sie wird unmittelbar politisch. Die Abgaben, die Steuern, das ist der Staat. In dieser unmittelbaren Verwandlung der Wirtschaft in Politik findet der Interklassismus seine Form, die ihn definiert und st&#228;rkt. Die Folge ist nie gesellschaftlich neutral, sondern besiegelt im Interklassismus eine seiner Komponenten: die Handwerker und Chefs kleiner Unternehmen, die das &#8222;Volk&#8220; vereinigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um den Marx des Artikels &#8222;Kritische Randglossen zu dem Artikel &#187;Der K&#246;nig von Preu&#223;en und die Sozialreform. Von einem Preu&#223;en&#171;&#8220; zu plagiieren: Es ist &#8222;eine wirtschaftliche Revolte mit einer politischen Seele&#8220;. Und man findet hier die Frage der Legitimit&#228;t des Staates wieder. Die &#8222;politische Seele&#8220; einer wirtschaftlichen Revolte liegt in der Tendenz der Klassen ohne politischen Einfluss, ihre Isolierung vom Staat und der Macht zu beenden. Die Beendigung dieser Isolierung ist gleichbedeutend mit der Bef&#246;rderung des Volkes und der Proklamation desselben als unmittelbar Staat seiend. Der Populismus ist von einigen Ausnahmen abgesehen nichts anderes&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe den &#8222;Aufruf von St-Nazaire&#8220;.&#034; id=&#034;nh6-6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl es um Lebensstandard und Einkommen geht&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe &#8222;Eine besondere Sequenz&#8220; (TC 25), die Vorherrschaft der (...)&#034; id=&#034;nh6-7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, sind an den Kreiseln nicht die &#196;rmsten. Die politische Seele der Bewegung, das, was die interklassistische Fusion konstituiert, schliesst sie davon aus. Die Verwandlung der wirtschaftlichen Forderung in eine &#8222;Isolierung&#8220; vom Staat (der entnationalisierte Staat musste schon in der Form von Macron zu seiner eigenen Karikatur werden, man sollte die Auswirkung der kleinen Bemerkungen Macrons und seiner Komplizen nicht untersch&#228;tzen) geht von jenen aus, welche sie durch diese Isolierung als in ihrem gesellschaftlichen Werdegang benachteiligt einsch&#228;tzen und sich als imstande betrachten, dieser Sache abzuhelfen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl es stimmt, dass die Bewegung bis jetzt v.a. vom sogenannten &#8222;peripheren Frankreich&#8220; (Christophe Guilluy) repr&#228;sentiert wird, darf dieses &#8222;Frankreich&#8220;, entgegen Guilluys Thesen, nicht mit dem armen Frankreich verwechselt werden (wenn Zemmour Guilluys Thesen &#252;bernimmt, achtet er darauf, sich in diesem Punkt von ihm zu unterscheiden, um aus dieser &#8222;Revolte&#8220; allen voran ein identit&#228;res Ph&#228;nomen zu machen, was auch bei Guilluy existiert, aber &#8222;sekund&#228;r&#8220;). Dieses &#8222;periphere Frankreich&#8220; steht nicht ganz und gar abseits der Warenfl&#252;sse und M&#246;glichkeiten der Globalisierung. Das &#8222;periphere Frankreich&#8220; ist allen voran eine &lt;i&gt;performative Formel&lt;/i&gt;, welche dem, was sie beschreiben soll, eine Existenz verschafft: d.h. eine Bev&#246;lkerung (Arbeiter sowie Chefs kleiner Unternehmen und Handwerker), welche den T&#228;tigkeiten der bedeutenden Metropolen untergeordnet ist &lt;i&gt;und sich von den Vorst&#228;dten unterscheidet&lt;/i&gt;. Vom Arbeiter bis zum Chef des kleinen Unternehmens ist die Zugeh&#246;rigkeit zu diesen Warenfl&#252;ssen, Anstellungen und M&#246;glichkeiten zuf&#228;llig und kann konstant in Frage gestellt werden. In Anbetracht dieser Prekarit&#228;t der Zugeh&#246;rigkeit sind die Transporte und die vom Auto abh&#228;ngige Mobilit&#228;t wesentlich. In Anbetracht der Metropolen der yuppisierten Eliten und den Vorst&#228;dten der Einwanderer wird dieses &#8222;Frankreich&#8220; zum Wahrzeichen der wahren Arbeit und des Kampfes um seine Erhaltung, es macht aus ihr einen Wert des Volkes und der Nation. Indem es sich als &#8222;peripher&#8220; bezeichnet, wird das Volk &#8222;authentisch&#8220;. Man darf die territoriale Dimension und die &#220;berdeterminierung der Klassenpraktiken und -b&#252;ndnisse, welche davon ausgel&#246;st werden k&#246;nnen (nicht immer, indem die Arbeiterklasse untergeordnet wird, siehe z.B. die Ardennen Ende der 1970er Jahre), nicht vernachl&#228;ssigen. Diese Dimension ist f&#252;r die Bewegung der Gelbwesten konstitutiv, doch man muss sie als das betrachten, was sie ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn die Mobilit&#228;t und somit die Territorialit&#228;t in den K&#228;mpfen eine Rolle spielen, ist das sie strukturierende und die Streitgegenst&#228;nde definierende gesellschaftliche Verh&#228;ltnis nicht das Kapital oder die Lohnarbeit, sondern das die Raumordnung bestimmende &lt;i&gt;Grundeigentum&lt;/i&gt;. Der Interklassismus ist das Symptom dieses gesellschaftlichen Produktionsverh&#228;ltnisses. Denn da es das Grundeigentum ist, welches sie strukturiert und sich selbst als ihr Streitgegenstand setzt, betreffen die Klassenk&#228;mpfe zur Stadtplanung oder der Raumordnung ein &#8222;sekund&#228;res&#8220; Produktionsverh&#228;ltnis: Die Grundrente ist nur ein Teil des im Verh&#228;ltnis zwischen Kapital und Arbeit ausgepressten Mehrwerts. Dieser &#8222;sekund&#228;re&#8220; Charakter manifestiert sein eigentliches Wesen, indem er K&#228;mpfe rund um das Einkommen und den Konsum organisiert. Es ist die Grundrente, welche auf einem Territorium die Funktionen der gesellschaftlichen Arbeitsteilung, die Orte der Einquartierung und der Zirkulation der verschiedenen gesellschaftlichen Klassen, ihre Handlungs- und Anwesenheitsm&#246;glichkeit in den Metropolen verteilt, es ist sie, welche konkrete Stellungen zuweist, die Materialit&#228;t der gesellschaftlichen Beziehungen und der Nachbarschaften determiniert. Durch sie werden Lohn- und Einkommensklassen, die verschiedenen autonomisierten Funktionen des Kapitals zu lokalisierten Realit&#228;ten. Wenn ich hier wohne, weil ich ein Arbeiter, da, weil ich ein Trader, und dort, weil ich ein schwarzer Arbeiter bin, so h&#228;ngt das von meinem Lohn oder meinen Einkommensquellen ab, doch es ist so, weil die Grundrente existiert, es ist nicht eine &lt;i&gt;direkte&lt;/i&gt; Auswirkung meines Lohns; es ist eine Auswirkung, welche erst durch die Grundrente vermittelt effektiv wird. Die Zuordnung gem&#228;ss dem Einkommen scheint so offensichtlich, dass man die sie bestimmende innere Mechanik vergisst. Alle gesellschaftlichen Produktionsverh&#228;ltnisse des Kapitalismus sind &#8222;am Boden gefesselt&#8220;, genau wie die Klassen und ihre Unterscheidung. Niemand ist an die Scholle gebunden, doch der Proletarier wird sein Viertel, seine Barackensiedlung oder sein Einfamilienhaus nur verlassen, um in ein anderes Arbeiterquartier zu gehen. Das Kapital macht aus uns &lt;i&gt;auf allgemeine Art und Weise&lt;/i&gt; Proletarier, die Grundrente sorgt daf&#252;r, dass man &lt;i&gt;immer&lt;/i&gt; &#8211; provisorisch &#8211; &lt;i&gt;von irgendwo ist&lt;/i&gt; (&#8222;von irgendwo sein&#8220; betrifft hier nur die Beziehung zu den Territorien, die &#8222;kulturellen&#8220; Fragen werden hier beiseitegelassen). Doch genau wie die Grundrente einem Ort oder Zirkulationen zwischen verschiedenen Orten eine Funktion oder eine Klasse zuweist, so schreibt sie umgekehrt diese Orte einer Klasse oder einem Klassenfragment zu, sie designiert sie &lt;i&gt;als die ihrigen&lt;/i&gt;. W&#228;hrend sie die Stadt strukturiert, f&#252;hrt die globale Ordnung, woran die Grundrente aktiv beteiligt ist, zu &lt;i&gt;immer von ihr determinierten&lt;/i&gt; Aneignungsformen, die jedoch f&#252;r sie immer insofern auch eine Bedrohung sind, als dass diese Determinierungen von den beherrschten Klassen als immer territorialisierte eigene Lebensweisen verinnerlicht und &lt;i&gt;rekonstruiert&lt;/i&gt; werden. Die Territorialisierung wird zu einer Form des Selbstbewusstseins.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der &#8222;vogelfreie&#8220; Proletarier, gem&#228;ss Engels der Archetyp der revolution&#228;ren Klasse, ist nicht eine unmittelbare Wirklichkeit wie es Engels in &lt;i&gt;Zur Wohnungsfrage&lt;/i&gt; behauptet, er ist auch kein Mythos, sondern eine legitime Abstraktion, d.h. ein Konzept, das es erlaubt, seinen &#8222;Hausarrest&#8220; zu verstehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend er den deutschen Proudhonianer kritisiert, welcher ihm als Punchingball dient und der bedauert, dass der Proletarier keinen Ort zum Wohnen hat und somit &#8222;hinter die Wilden&#8220; zur&#252;ckf&#228;llt, schreibt Engels: &#8222;Um die moderne revolution&#228;re Klasse des Proletariats zu schaffen, war es absolut notwendig, da&#223; die Nabelschnur [AdA: Ah! Dieses h&#228;ufige Bild der Nabelschnur f&#252;r die Beziehung der menschlichen Art mit der Natur.] durchgeschnitten wurde, die den Arbeiter der Vergangenheit noch an den Grund und Boden kn&#252;pfte. Der Handweber, der sein H&#228;uschen, G&#228;rtchen und Feldchen neben seinem Webstuhl hatte, war bei aller Misere und bei allem politischen Druck ein stiller, zufriedener Mann &#8218;in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit&#8216;, zog den Hut vor den Reichen, Pfaffen und Staatsbeamten und war innerlich durch und durch ein Sklave. Gerade die moderne gro&#223;e Industrie, die aus dem an den Boden gefesselten Arbeiter einen vollst&#228;ndig besitzlosen, aller &#252;berkommenen Ketten los und ledigen &lt;i&gt;vogelfreien&lt;/i&gt; Proletarier gemacht, gerade diese &#246;konomische Revolution ist es, die die Bedingungen geschaffen hat, unter denen allein die Ausbeutung der arbeitenden Klasse in ihrer letzten Form, in der kapitalistischen Produktion, umgest&#252;rzt werden kann. Und jetzt kommt dieser tr&#228;nenreiche Proudhonist und jammert, wie &#252;ber einen gro&#223;en R&#252;ckschritt, &#252;ber die Austreibung der Arbeiter von Haus und Herd, die gerade die allererste Bedingung ihrer geistigen Emanzipation war. [&#8230;] Der englische Proletarier von 1872 steht unendlich h&#246;her als der l&#228;ndliche Weber mit &#8218;Haus und Herd&#8216; von 1772. Und wird der Troglodyte mit seiner H&#246;hle, der Australier mit seiner Lehmh&#252;tte, der Indianer mit seinem eignen Herd jemals einen Juniaufstand und eine Pariser Kommune auff&#252;hren?&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Friedrich Engels, Zur Wohnungsfrage in MEW, Bd. 18, Berlin, Dietz, 1973, (...)&#034; id=&#034;nh6-8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Ohne auf den Sturm auf die Bastille oder die Rue du Faubourg de Saint-Antoine zur&#252;ckzukommen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Jean-Paul Sartre, Kritik der dialektischen Vernunft.&#034; id=&#034;nh6-9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, sind der Juniaufstand 1848 oder die Pariser Kommune keine aussagekr&#228;ftige Beispiele der revolution&#228;ren Aktion des Proletariers, welcher, obwohl ohne Eigentum, &#8222;vogelfrei&#8220; sei und &#8222;weder Haus noch Herd&#8220; habe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl das Grundeigentum ein gesellschaftliches Produktionsverh&#228;ltnis ist, ist es das nicht auf die gleiche Art und Weise wie das Kapital oder die Lohnarbeit. Man kann es als &#8222;sekund&#228;res&#8220; gesellschaftliches Verh&#228;ltnis bezeichnen. Denn: &#8222;Wenn das Kapital in der einzigen Beziehung gefa&#223;t wird, worin es Mehrwert produziert, n&#228;mlich in seinem Verh&#228;ltnis zum Arbeiter, worin es Mehrarbeit erpre&#223;t durch den Zwang, den es auf die Arbeitskraft, d.h. auf den Lohnarbeiter aus&#252;bt, so umfa&#223;t dieser Mehrwert au&#223;er Profit (Unternehmergewinn plus Zins) auch die Rente [...]&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Karl Marx, Das Kapital, Bd. III in MEW, Bd. 25, Berlin, Dietz, 1983, S. 831.&#034; id=&#034;nh6-10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Absolute oder Differentialrente: &#8222; [&#8230;] f&#228;ngt der durch seinen Titel auf einen Teil des Erdballs zum Eigent&#252;mer dieser Naturgegenst&#228;nde Gestempelte diesen Surplusprofit dem fungierenden Kapital in der Form der Rente ab. Was Land zu Bauzwecken betrifft, so hat A. Smith auseinandergesetzt, wie die Grundlage seiner Rente, wie die aller nicht agrikolen L&#228;ndereien, durch die eigentliche Ackerbaurente geregelt ist.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 781.&#034; id=&#034;nh6-11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Sei es als &#8222;Exploitation der Erde zum Zweck der Reproduktion oder Extraktion&#8220; oder als &#8222;Raum, der als ein Element aller Produktion und alles menschlichen Wirkens erheischt ist. Und nach beiden Seiten hin verlangt das Grundeigentum seinen Tribut.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 782.&#034; id=&#034;nh6-12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Es handelt sich sehr wohl um ein Tribut, d.h. um einen Teil des vom Kapital dem Arbeiter ausgepressten Mehrwerts, der in die Tasche des Grundeigent&#252;mers wandert, in dessen Schuld auch der Handwerker oder der Chef des kleinen Unternehmens stehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Engels hatte 1872 drei Artikel zur Wohnungsfrage f&#252;r das Zentralorgan der deutschen sozialdemokratischen Partei geschrieben, sie erschienen 1887 zusammen als Brosch&#252;re: &lt;i&gt;Zur Wohnungsfrage&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Der Arbeiter tritt dem Kr&#228;mer gegen&#252;ber als K&#228;ufer auf, d.h. als Besitzer von Geld oder Kredit, und daher keineswegs in seiner Eigenschaft als Arbeiter, d.h. als Verk&#228;ufer von Arbeitskraft. Die Prellerei mag ihn, wie &#252;berhaupt die &#228;rmere Klasse, h&#228;rter treffen als die reicheren Gesellschaftsklassen, aber sie ist nicht ein &#220;bel, das ihn ausschlie&#223;lich trifft, das seiner Klasse eigent&#252;mlich ist. Geradeso ist es mit der Wohnungsnot. Die Ausdehnung der modernen gro&#223;en St&#228;dte gibt in gewissen, besonders in den zentral gelegenen Strichen derselben dem Grund und Boden einen k&#252;nstlichen, oft kolossal steigenden Wert [AdA: Im Kapitel &#8222;Die absolute Grundrente&#8220; erkl&#228;rt Marx diesen &#8222;k&#252;nstlichen Wert&#8220; als eine Variante der Differentialrente, die er dort &#8222;Monopolpreis&#8220; nennt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd., S. 771.&#034; id=&#034;nh6-13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.]; die darauf errichteten Geb&#228;ude, statt diesen Wert zu erh&#246;hn, dr&#252;cken ihn vielmehr herab, weil sie den ver&#228;nderten Verh&#228;ltnissen nicht mehr entsprechen; man rei&#223;t sie nieder und ersetzt sie durch andre. Dies geschieht vor allem mit zentral gelegenen Arbeiterwohnungen, deren Miete, selbst bei der gr&#246;&#223;ten &#220;berf&#252;llung, nie oder doch nur &#228;u&#223;erst langsam &#252;ber ein gewisses Maximum hinausgehn kann. Man rei&#223;t sie nieder und baut L&#228;den, Warenlager, &#246;ffentliche Geb&#228;ude an ihrer Stelle [AdA: Engels konnte die von offiziellen oder parallelen kulturellen Einrichtungen oder einer nicht immer sehr reichen Bev&#246;lkerung, die aber mit viel kulturellem Kapital ausgestattet ist, gespielte Rolle als Br&#252;ckenkopf mit ihren Vereinen und Demonstrationen zur &#8222;Verteidigung des Quartiers&#8220; in diesem Prozess der &#8222;Stadtaufwertung&#8220; nicht vorhersehen.] [&#8230;] Das Resultat ist, da&#223; die Arbeiter vom Mittelpunkt der St&#228;dte an den Umkreis gedr&#228;ngt, da&#223; Arbeiter- und &#252;berhaupt kleinere Wohnungen selten und teuer werden und oft gar nicht zu haben sind, denn unter diesen Verh&#228;ltnissen wird die Bauindustrie, der teurere Wohnungen ein weit besseres Spekulationsfeld bieten, immer nur ausnahmsweise Arbeiterwohnungen bauen. Diese Mietsnot trifft den Arbeiter also sicher h&#228;rter als jede wohlhabendere Klasse; &lt;i&gt;aber sie bildet, ebensowenig wie die Prellerei des Kr&#228;mers, einen ausschlie&#223;lich auf die Arbeiterklasse dr&#252;ckenden &#220;belstand&lt;/i&gt; [vom Autor unterstrichen] und mu&#223;, soweit sie die Arbeiterklasse betrifft, bei gewissem H&#246;hegrad und gewisser Dauer, ebenfalls eine gewisse &#246;konomische Ausgleichung finden. [AdA: Engels erkl&#228;rt sp&#228;ter, dass das zu einer Lohnerh&#246;hung f&#252;hren m&#252;sse.] Es sind vorzugsweise diese der Arbeiterklasse mit andern Klassen, namentlich dem Kleinb&#252;rgertum, gemeinsamen Leiden, mit denen sich der kleinb&#252;rgerliche Sozialismus, zu dem auch Proudhon geh&#246;rt, mit Vorliebe besch&#228;ftigt. Und so ist es durchaus nicht zuf&#228;llig, da&#223; unser deutscher Proudhonist sich vor allem der Wohnungsfrage, die, wie wir gesehn haben, keineswegs eine ausschlie&#223;liche Arbeiterfrage ist, bem&#228;chtigt und da&#223; er sie, im Gegenteil, f&#252;r eine wahre, ausschlie&#223;liche Arbeiterfrage erkl&#228;rt. &#8218;Was der &lt;i&gt;Lohnarbeiter&lt;/i&gt; gegen&#252;ber dem &lt;i&gt;Kapitalisten&lt;/i&gt;, das ist der &lt;i&gt;Mieter&lt;/i&gt; gegen&#252;ber &lt;i&gt;Hausbesitzer&lt;/i&gt;.&#8216; Dies ist total falsch. Bei der Wohnungsfrage haben wir zwei Parteien einander gegen&#252;ber, den Mieter und den Vermieter oder Hauseigent&#252;mer. Der erstere will vom letztern den zeitweiligen Gebrauch einer Wohnung kaufen; er hat Geld oder Kredit [&#8230;] Es ist ein einfacher Warenverkauf; es ist nicht ein Gesch&#228;ft zwischen Proletarier und Bourgeois, zwischen Arbeiter und Kapitalisten; der Mieter - selbst wenn er Arbeiter ist - tritt als &lt;i&gt;verm&#246;gender Mann&lt;/i&gt; auf, er mu&#223; seine ihm eigent&#252;mliche Ware, die Arbeitskraft, schon verkauft haben, um mit ihrem Erl&#246;s als K&#228;ufer des Nie&#223;brauchs einer Wohnung auftreten zu k&#246;nnen, oder er mu&#223; Garantien f&#252;r den bevorstehenden Verkauf dieser Arbeitskraft geben k&#246;nnen. Die eigent&#252;mlichen Resultate, die der Verkauf der Arbeitskraft an den Kapitalisten hat, fehlen hier g&#228;nzlich. [&#8230;] Hier [AdA: Im Verh&#228;ltnis des Arbeiters zum Kapitalisten.] wird also ein &#252;bersch&#252;ssiger Wert erzeugt, die Gesamtsumme des vorhandenen Werts wird vermehrt. Ganz anders beim Mietgesch&#228;ft. Um wieviel auch der Vermieter den Mieter &#252;bervorteilen mag, es ist immer nur ein &#220;bertragen bereits &lt;i&gt;vorhandenen&lt;/i&gt;, vorher &lt;i&gt;erzeugten&lt;/i&gt; Werts, und die Gesamtsumme der von Mieter und Vermieter &lt;i&gt;zusammen&lt;/i&gt; besessenen Werte bleibt nach wie vor dieselbe. [&#8230;] Es ist also eine totale Verdrehung des Verh&#228;ltnisses zwischen Mieter und Vermieter, es mit dem zwischen Arbeiter und Kapitalisten gleichstellen zu wollen. Im Gegenteil, wir haben es mit einem ganz gew&#246;hnlichen Warengesch&#228;ft zwischen zwei B&#252;rgern zu tun, und dies Gesch&#228;ft wickelt sich ab nach den &#246;konomischen Gesetzen, die den Warenverkauf &#252;berhaupt regeln, und speziell den Verkauf der Ware: Grundbesitz.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Friedrich Engels, Zur Wohnungsfrage, op. cit., S. 214-216.&#034; id=&#034;nh6-14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Was Engels vom Mieter und Vermieter schreibt, k&#246;nnen wir auf das Verh&#228;ltnis des Steuerzahlers zum Staat bez&#252;glich des &#246;ffentlichen Dienstes ausdehnen.&lt;/i&gt; Es ist offensichtlich, dass der aus dem Stadtzentrum vertriebene oder in einer von den Netzwerken abgeschnittenen Favela lebende Proletarier mehr leiden wird als der Bourgeois, der sich private Dienste leisten kann oder die pers&#246;nlichen Mittel hat, um den Mangel oder den Verfall der &#246;ffentlichen Dienste zu ersetzen, doch in jener territorialen Farbe, welche dann seine Revolte annimmt, ist er nicht Teil eines gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisses des Arbeiters zum Kapitalisten, sondern des Steuerzahlers zum Staat, des Konsumenten zu den &#246;ffentlichen Diensten. Es handelt sich, wie Engels schreibt, um ein &#8222;ganz gew&#246;hnliche[s] Warengesch&#228;ft&#8220;, obwohl der Proletarier v&#246;llig zurecht den Eindruck hat, dass er geprellt wird. Die Territorialisierung der Revolte ist notwendigerweise interklassistisch (wie es Engels unterstreicht, indem er von &#8222;Warengesch&#228;ften&#8220; spricht), doch der Interklassismus ist nicht an sich definitionsgem&#228;ss ein &#8222;Makel&#8220; des Klassenkampfes, er kann sehr wohl eine Spannung hin zu seiner &#220;berwindung sein, alles h&#228;ngt von der ihn formalisierenden Instanz ab, welche wiederum von den wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und historischen Bedingungen des Ausbruchs der Klassenwiderspr&#252;che abh&#228;ngt, d.h. von ihrer wirklichen Existenz.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das den Kampf strukturierende und die Streitgegenst&#228;nde definierende gesellschaftliche Verh&#228;ltnis ist nicht das Kapital oder die Lohnarbeit, sondern das die Raumordnung bestimmende &lt;i&gt;Grundeigentum&lt;/i&gt;. Der Interklassismus ist das Symptom dieses gesellschaftlichen Produktionsverh&#228;ltnisses, er unterscheidet sich darin von dem, was er als Entwicklung der gesellschaftlichen Produktionsverh&#228;ltnisse Kapital und Lohnarbeit ist, f&#252;r welche er sowohl sein als auch nicht sein kann. Hier, mit dem Grundeigentum, ist er notwendig. Da sie vom Grundeigentum strukturiert werden und dieses sich selbst als Streitgegenstand setzt, betreffen die Klassenk&#228;mpfe als von der Raumordnung ausgel&#246;ste K&#228;mpfe ein &#8222;sekund&#228;res&#8220; Produktionsverh&#228;ltnis. Dieser &#8222;sekund&#228;re&#8220; Charakter zeigt sein eigentliches Wesen in der Organisation von K&#228;mpfen rund um das Einkommen und die Tauschverh&#228;ltnisse. F&#252;r die Arbeiterklasse ist dieser Kampf ein Kampf um die Reproduktionsbedingungen: Es ist wahr, dass &#8222;die ungeheure Macht, die dies Grundeigentum gibt, wenn es mit dem industriellen Kapital in derselben Hand vereinigt, dieses bef&#228;higt, die Arbeiter im Kampf um den Arbeitslohn praktisch von der Erde als ihrem Wohnsitz auszuschlie&#223;en. Ein Teil der Gesellschaft verlangt hier von den andern einen Tribut f&#252;r das Recht, die Erde bewohnen zu d&#252;rfen [...]&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Karl Marx, Das Kapital, Bd. III, op. cit., S. 781-782.&#034; id=&#034;nh6-15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Und somit &lt;i&gt;ein Tribut, um auf der Erde zirkulieren zu d&#252;rfen&lt;/i&gt;. Doch der Status des den Kampf (durch die eigentlichen Ziele und Forderungen dieses Kampfes) strukturierenden Grundeigentums selbst f&#252;hrt dazu, dass diese Reproduktion der Arbeitskraft von der Wertsch&#246;pfung desartikuliert (autonomisiert) ist, der Kampf ist erstarrt auf der Ebene der Einkommen und den den &#8222;ganz gew&#246;hnlichen&#8220; Warentauschen inh&#228;renten Verh&#228;ltnissen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine wirtschaftliche Forderung also, wo der Lohn nur ein (selbstverst&#228;ndlich ungerechtes) Distributionsverh&#228;ltnis ist und als Konsequenz davon wird die Produktionsweise verschleiert, reduziert auf die Unterschlagung der Arbeit des Volkes (das nichts anderes ist als die Summe der Individuen, so wie ihre jeweilige T&#228;tigkeit ein Einkommen generiert, jeder hat seine eigene Quelle, jeder tr&#228;gt zum allgemeinen Reichtum durch den Gebrauchswert seiner T&#228;tigkeit oder seines Produkts bei, die Grenznutzenschule ist die politische &#214;konomie des Volkes) durch die Finanz und die grossen Unternehmen, oder besser gesagt ihre Chefs&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe den &#8222;Aufruf von St-Nazaire&#8220;.&#034; id=&#034;nh6-16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Soweit kann es folgendermassen zusammengefasst werden: eine wirtschaftliche Forderung mit einer &#8222;politischen Seele&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#8222;Eine besondere Sequenz&#8220; (TC 25) erkl&#228;rt das Ph&#228;nomen.&#034; id=&#034;nh6-17&#034;&gt;17&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch genau da werden die Dinge kompliziert. Es gibt jene, welche es einfach nur &#8222;widerlich&#8220; finden, und jene, welche &#8222;dabei sind&#8220;, sofern &#8222;blockiert wird&#8220;, wie sie auch am 6. Februar 1934 &#8220;dabei gewesen w&#228;ren&#8220;, sofern die Abgeordnetenkammer angegriffen wird. Da es sich nur um Einkommen handelt, f&#252;hren die Distributionsverh&#228;ltnisse, der Lohn als Einkommen, dazu, dass die Lohnabh&#228;ngigen sich vermischt mit anderen, einen identischen Mangel hinnehmen m&#252;ssenden Einkommensquellen wiederfinden (Handwerker, Chefs kleiner Unternehmen) und dazu gebracht werden, sie zu frequentieren, obwohl deren Mangel hinsichtlich der quantitativen und qualitativen Art und Weise verschieden ist (Kauf von Subsistenzg&#252;tern oder Erneuerung oder Erweiterung der &#8222;Arbeitswerkzeuge&#8220; genannten Produktionsg&#252;tern). Im Kapitel &#8222;Die trinitarische Formel&#8220; unterstreicht Marx, nachdem er an die jeglicher Warenproduktion inh&#228;rente Mystifizierung erinnert hat&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Karl Marx, Das Kapital, Bd. III, op. cit., S. 835.&#034; id=&#034;nh6-18&#034;&gt;18&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, dass &#8222; sich diese verzauberte und verkehrte Welt&#8220; in der kapitalistischen Produktionsweise &#8222;noch viel weiter [entwickelt]&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh6-19&#034;&gt;19&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. &lt;i&gt;Er f&#252;gt jedoch sofort eine Beschr&#228;nkung bei&lt;/i&gt;: &#8222;Betrachtet man das Kapital zun&#228;chst im unmittelbaren Produktionsproze&#223; - als Auspumper von Mehrarbeit, so ist dies Verh&#228;ltnis noch sehr einfach, und der wirkliche Zusammenhang dr&#228;ngt sich den Tr&#228;gern dieses Prozesses, den Kapitalisten selbst auf und ist noch in ihrem Bewu&#223;tsein. Der heftige Kampf um die Grenzen des Arbeitstags beweist dies schlagend.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh6-20&#034;&gt;20&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Es ist erw&#228;hnenswert, dass Marx hier den Arbeitstag als Beispiel nimmt und nicht die Lohnk&#228;mpfe, gegen&#252;ber welchen er stets eine sehr kritische Position hat. Nicht dass er dagegen w&#228;re&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe die Polemik mit Proudhon in Das Elend der Philosophie.&#034; id=&#034;nh6-21&#034;&gt;21&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, einfach &#8222;kritisch&#8220; in jenem Sinne, dass er den Charakter des ewigen Neubeginns unterstreicht, da sie vom Wertgesetz der Arbeitskraft erzwungen werden und ihm letztendlich Respekt zollen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe die Konferenzen im Rahmen der IAA: Lohn, Preis und Profit, 1865.&#034; id=&#034;nh6-22&#034;&gt;22&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kommen wir auf die &#8222;komplizierten Dinge&#8220; zur&#252;ck: Die Distributionsverh&#228;ltnisse sind nur &#8222;die Kehrseite der Produktionsverh&#228;ltnisse&#8220;, die beiden &#8222;Ebenen&#8220; sind nicht in einer Situation (Beziehung) eines gegenseitigen Ausschlusses, sondern in einer, die man &#8222;dialektisches Spiel&#8220; nennen kann: Die einen reflektieren sich in den anderen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe &#8222;Se positionner : rapports de production et rapports de (...)&#034; id=&#034;nh6-23&#034;&gt;23&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf den Distributionsverh&#228;ltnissen basierend wird eine Unterscheidung zwischen Armen und Reichen konstruiert, eine Unterscheidung, welche den Ursprung und die Substanz des Reichtums nicht in Frage stellt: Wert und Mehrwert. Zwischen Reichen und Armen (jenen, welche im Privatjet reisen, und jenen, welche es sich nicht leisten k&#246;nnen, das Auto vollzutanken) ist die Frage der Verteilung unabh&#228;ngig von jener der Substanz des Reichtums selbst. Die Distributionsverh&#228;ltnisse sind gleichbedeutend mit dem fetischisierten Verh&#228;ltnis der Einkommen zu ihrer Quelle. Die Arbeit ist nur noch mit einem gewissen Teil des produzierten Werts verbunden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Bewegungen wie jener der Gelbwesten muss man sich der &#8222;Scheidelinie&#8220; ann&#228;hern, welche einerseits abgrenzt, inwiefern die Distributionsverh&#228;ltnisse als Kehrseite der Produktionsverh&#228;ltnisse designiert werden, und andererseits inwiefern sie den Absolutheitsanspruch als Totalit&#228;t der gesellschaftlichen Wirklichkeit haben. Diese Verabsolutierung und ihre politischen und kulturellen Implikationen sind nicht selbstverst&#228;ndlich, die Kehrseite ist stets pr&#228;sent.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist weder verr&#252;ckter Optimismus noch eine Neigung zum Aktivismus, wenn man ins Auge fasst, dass die urspr&#252;ngliche &#8222;Scheidelinie&#8220; der Gelbwesten zwischen einer gesellschaftlichen und politischen Arbeit einerseits verl&#228;uft, welche die Tatsache nicht nur &lt;i&gt;anerkennt&lt;/i&gt;, sondern die Distributionsverh&#228;ltnisse als &lt;i&gt;absoluten Pol errichtet&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;proklamiert&lt;/i&gt;, und zwischen K&#228;mpfen und Praktiken andererseits, welche die Distributionsverh&#228;ltnisse eben genau als &#8222;Kehrseite der Produktionsverh&#228;ltnisse&#8220; designieren, d.h. sie verorten sich in der &lt;i&gt;Reflexivit&#228;t&lt;/i&gt;. Man darf jedoch nicht vergessen, dass es diverse intermedi&#228;re Situationen geben kann. Die Unterscheidung kann eine gleiche Praxis und/oder eine gleiche gesellschaftliche Gruppe (Untergliederungen der Klassen) durchdringen. In einem Kampf kann sie synchronisch oder diachronisch sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ausser online und hinter einem Pseudonym versteckt, wer wird dem pensionierten Stahlarbeiter und seiner beim Staat angestellten Frau, welche finanziell nicht &#252;ber die Runden kommen und ein bisschen ihre arbeitslosen Kinder unterst&#252;tzen, sagen, sie seien &#8222;widerlich&#8220;? Man muss zwischen dem, was individuell zur bedeutenden Pr&#228;senz von Arbeitern, Pensionierten, Angestellten f&#252;hrt (proportional, denn in absoluten Zahlen sind die Kundgebungen und Demonstrationen bescheiden), und der sich konstruierenden Gesamtkonfiguration im gegenw&#228;rtigen Kontext und innerhalb ihrer Mobilisierung unterscheiden. Man muss zwischen den Motiven f&#252;r diese Pr&#228;senz und dem daraus resultierenden &lt;i&gt;politischen&lt;/i&gt; Diskurs unterscheiden. Ihre Unterscheidung erlaubt es eben genau, die Notwendigkeit dieses Diskurses ausgehend von diesen Motiven zu verstehen. Die politische Umwandlung und alles, was dazu geh&#246;rt, setzt sich unabh&#228;ngig vom individuellen Willen jedes Teilnehmers durch, es handelt sich um die von ihnen unabh&#228;ngige Gemeinschaft, welche durch ihre Pr&#228;senz und ihre Motive selbst existiert. Es muss noch pr&#228;zisiert werden, dass in einer disparaten Bewegung wie dieser, diese &#8222;Unabh&#228;ngigkeit&#8220; (die Anf&#252;hrungs- und Schlusszeichen sind hier beabsichtigt) in einer Fraktion der Bewegung ihre Repr&#228;sentanten und ihren Inbegriff findet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Genau wegen dieser &#8222;Unabh&#228;ngigkeit&#8220; impliziert die Verabsolutierung die Deklination aller aus den Distributionsverh&#228;ltnissen resultierenden ideologischen Rekonstruktionen, deren wesentliche Manifestationen werden im Text &#8222;Eine besondere Sequenz&#8220; gut beschrieben und artikuliert. Wir werden nicht weiter darauf eingehen. Im zweiten Fall designiert die Forderung gegen Ungerechtigkeit, Armut, den entnationalisierten Staat die Produktionsverh&#228;ltnisse &lt;i&gt;innerhalb der Art und Weise selbst, wie die Distributionsverh&#228;ltnisse angegriffen werden&lt;/i&gt;. Und man kann unm&#246;glich sagen, die Sache sei in den Mobilisierungen der Gelbwesten nicht pr&#228;sent.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist exakt, dass es immer noch die Distributionsverh&#228;ltnisse sind, welche im Vordergrund stehen, denn die Individuen gehen immer von ihrer eigenen Existenz aus. Es ist wahr, die Individuen gehen von ihrem allt&#228;glichen Leben, ihren Einkommen, d.h. von den Distributionsverh&#228;ltnissen, dem als &#8222;Schicksal&#8220; erlebten Fetischismus aus. Aber sind die Produktionsverh&#228;ltnisse zwingend sehr weit davon entfernt? Es existiert immer ein Spiel, keine Dichotomie, zwischen Produktions- und Distributionsverh&#228;ltnissen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit den Gelbwesten hat sich der Kampf gegen die Ungerechtigkeit der Distribution mit den Produktionsverh&#228;ltnissen artikuliert. Als Selbstverst&#228;ndnis und Verst&#228;ndnis dieser Ungerechtigkeit, bewusst oder nicht, in der Praxis, in den Formen seines kaum kontrollierten Modus Operandi. In Chalen&#231;on im Departement Vaucluse hat sich der Sprecher, selber Chef einer kleinen Schmiede mit zwei Angestellten, ab Sonntagabend (18. November) von der Weiterf&#252;hrung der Blockaden unter der Woche entsolidarisiert &#8211; nur um seine Meinung am n&#228;chsten Tag wieder zu &#228;ndern. Dieser Kampf gegen die Ungerechtigkeit der &#8222;Warendistribution&#8220; hat sich mit den Produktionsverh&#228;ltnissen verbunden, indem die &#8222;Distribution der Produktionselemente&#8220; in den Vordergrund gestellt wurden: das Ausbleiben von Eigentum und Produktionsmitteln, die Abh&#228;ngigkeit gegen&#252;ber einer von der Mobilit&#228;t abh&#228;ngigen Anstellung, die Armut und die territoriale Zuweisung (der Kredit des Hauses oder der Wohnung, die aufgrund der Schliessung oder Delokalisierung des die Zone strukturierenden Unternehmens unverk&#228;uflich geworden sind).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Dem einzelnen Individuum gegen&#252;ber erscheint nat&#252;rlich die Distribution [AdA: Es handelt sich sowohl um die Warendistribution als auch um die Distribution der Produktionswerkzeuge, die Marx soeben als voneinander abh&#228;ngig definiert hat.] als ein gesellschaftliches Gesetz, das seine Stellung innerhalb der Produktion bedingt [AdA: Hier sind wir also!], innerhalb deren es produziert, die also der Produktion vorausgeht. [AdA: Obacht: &#8222;dem einzelnen Individuum gegen&#252;ber erscheint&#8220; es so, aber eben genau ausgehend von den Distributionsverh&#228;ltnissen und ihrer Ungerechtigkeit, das ist der Ausgangspunkt.] Das Individuum hat von Haus aus kein Kapital, kein Grundeigentum. Es ist von Geburt auf die Lohnarbeit angewiesen durch die gesellschaftliche Distribution.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6-24&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Karl Marx, &#8222;Einleitung von 1857&#8220; in MEW, Bd. 13, Berlin, Dietz, 1971, S. 627.&#034; id=&#034;nh6-24&#034;&gt;24&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Das Spiel zwischen Produktions- und Distributionsverh&#228;ltnissen kann wesentlich ausgehend von einer Revolte gegen die Ungerechtigkeit, mittels dieser Form der Distribution (der Produktionswerkzeuge) verbunden mit der Warendistribution (Einkommen) auf dynamische Art und Weise abh&#228;ngig von historischen und lokalen Umst&#228;nden beeinflusst werden. Ein Protest gegen den Gebrauch des &#246;ffentlichen Geldes, gegen den Investitionsmangel in einem Quartier oder &#8222;Territorium&#8220;, kann eine dynamische Beziehung im Spiel zwischen Distributions- und Produktionsverh&#228;ltnissen herstellen, schliesslich steht das Verh&#228;ltnis zwischen notwendiger und Mehrarbeit auf dem Spiel&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6-25&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Karl Marx, Das Kapital, Bd. III, op. cit., S. 369.&#034; id=&#034;nh6-25&#034;&gt;25&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Verschiedene Tendenzen k&#246;nnen sich in einer gleichen Bewegung begegnen, bek&#228;mpfen oder gegenseitig ignorieren. In diesem Spiel sind alle Arten von Umst&#228;nden denkbar, doch was definiert werden muss, ist, f&#252;r welche Materie sie den Rahmen bilden. Es ist nicht nur n&#246;tig, dass diese Materie daf&#252;r geeignet ist, &#8222;dynamisiert&#8220; zu werden, sondern auch, dass diese Materie, welche die gegenw&#228;rtige Besonderheit dieser Krise determiniert, jene Klassenbeziehungen determiniert, welche sie &#8222;dynamisieren&#8220; oder im Gegenteil &#8222;verabsolutieren&#8220;. Zwischen der Verabsolutierung und der Reflexivit&#228;t gibt es immer eine Tendenz, welche die Oberhand gewinnt und das ab der Entstehung einer Bewegung durch das, was ihre zentrale Eigenschaft darstellt. F&#252;r die Gelbwesten war es die politische Umwandlung der wirtschaftlichen Forderung, welche den Sieg der Verabsolutierung garantiert hat, eine Umwandlung, welche dann alle im Text &#8222;Eine besondere Sequenz&#8220; aufgez&#228;hlten Determinierungen enth&#228;lt: von der Arbeit als Wert bis zur Authentizit&#228;t des Volkes. Die Reflexivit&#228;t wurde unmittelbar als Moment des Absoluten der Distributionsverh&#228;ltnisse mit ihrer politischen Formalisierung absorbiert. Die ganz kleine Bourgeoisie (nicht die &#8222;Mittelklassen&#8220;) konnte also in dieser Bewegung im Namen des Volkes und allem, was es impliziert, &lt;i&gt;hegemonisch&lt;/i&gt; sein, d.h. den allgemeinen Rahmen der Forderung und der m&#246;glicherweise innerhalb der Bewegung auftretenden Konflikte (und ihrer Begriffe) festlegen. Indem man Hegel parodiert, kann man schreiben, dass sie zur &#8222;gebildete[n] Intelligenz und [zum] rechtliche[n] Bewu&#223;tsein der Masse eines Volkes&#8220; wurde&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6-26&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Grundlinien der Philosophie des Rechts, &#167; 297.&#034; id=&#034;nh6-26&#034;&gt;26&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist paradoxerweise gerade dort, wo die Bewegung, wenn sie den Staat angreift, am &#8222;radikalsten&#8220; erscheint, wo sie sie sich als Volk definiert und als solches begrenzt. Es w&#252;rde also nur noch darum gehen, den Staat dem Volk zur&#252;ckzugeben&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6-27&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe diesbez&#252;glich Karl Marx, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie.&#034; id=&#034;nh6-27&#034;&gt;27&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Indem das getan wird, werden die Ursachen der &#8222;Ungerechtigkeit&#8220; nicht in den gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen vorgebracht, welche dazu f&#252;hren, dass es einen Staat gibt, sondern in einer determinierten politischen Form (die schlechte Repr&#228;sentativit&#228;t, die Eliten, die Enarchie usw.), die es durch eine andere zu ersetzen gilt. Gegen&#252;ber dem direkt zum Staat gewordenen Volk ist die demokratische Kritik des Populismus keine einfache Sache. Pierre Rosanvallon machte schon vor ein paar Jahren darauf aufmerksam: &#8222;Wir m&#252;ssen eine demokratische Kritik des Populismus philosophisch vorbringen. Um was es in einer populistischen Perspektive geht, ist kurz zusammengefasst eine extrem armselige Vorstellung der Demokratie, eine Urvorstellung des Gemeinwillens. Der Populismus betrachtet die gesellschaftliche Energie als permanent abgew&#252;rgt durch die Eliten, die Apparate, die Parteien und die Institutionen. Es ist eine sehr fragw&#252;rdige Vorstellung der Demokratie. Die Demokratie besteht nicht nur aus der passiven Erfassung der Willens&#228;usserungen, sondern auch aus dem Aufbau des Zusammenlebens. Der gemeinsame Wille ist anfangs nicht gegeben. Er wird in der Debatte und in der Beratung aufgebaut. Auf dieser Grundlage kann man eine methodische und philosophische Kritik des Populismus vorbringen. Der Gemeinwille und die gesellschaftliche Energie sind nicht &#8218;schon seiend&#8216; [&#8230;] Wenn man eine dezisionistische Vorstellung der Demokratie hat, kann man nicht zwischen Populismus und Demokratie unterscheiden.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6-28&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Pierre Rosanvallon, Le Monde vom 14.12.93.&#034; id=&#034;nh6-28&#034;&gt;28&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Die Demokratie hat ein Problem mit dem Populismus. Sagen wir einfach, dass der &#8222;Gemeinwille&#8220; eine Wirklichkeit ist, es handelt sich immer um die Interessen der herrschenden Klasse, welche als allgemeine Interessen geltend gemacht werden, die Demokratie ist in der kapitalistischen Produktionsweise der angemessenste Prozess dieser &#8222;Geltendmachung&#8220; und das eben genau aus den von Rosanvallon angef&#252;hrten Gr&#252;nden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die als &#8222;Gemeinwille&#8220; befriedete &lt;i&gt;Repr&#228;sentation&lt;/i&gt; einer als notwendigerweise konfliktreich anerkannten Gesellschaft (hier liegt die ganze St&#228;rke der Demokratie) stellt eine Arbeitst&#228;tigkeit dar, nicht einen Widerschein. D.h. dass die Verdinglichung und der Fetischismus in der demokratischen Funktionsweise des Staates &lt;i&gt;T&#228;tigkeiten&lt;/i&gt; sind, es ist die Politik in Form von Parteien, Debatten, Beratungen, Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse in der besonderen Sph&#228;re der Zivilgesellschaft, Entscheidungen. Die Demokratie scheint unabwendbar populistisch zu werden, da die Repr&#228;sentationsarbeit in Krise ist. &#220;berall destabilisiert das Verschwinden der Arbeiterbewegung und dadurch ihrer sozialdemokratischen und/oder kommunistischen Repr&#228;sentation die politische Grundlage des demokratischen Staates. Dieser stellt die Befriedung einer gesellschaftlichen Spaltung dar, welche die Demokratie in dem Sinne als wirklich anerkennt, als dass sie die Repr&#228;sentation davon in Form einer Auseinandersetzung von B&#252;rgern ist. Im Gegensatz zum Populismus stellt die Demokratie die Anerkennung des unvermeidlich konfliktreichen Charakters der &#8222;nationalen Gemeinschaft&#8220; dar, von diesem Standpunkt aus war die Anerkennung der Arbeiterklasse historisch der Kern des Aufbaus der Demokratie, sie war gar ihr Motor und ihr Kriterium. Die gegenw&#228;rtigen politischen Formen des Krisenverlaufs lassen eine Krise &lt;i&gt;der Hegemonie&lt;/i&gt; der kapitalistischen Klassen erkennen. Herrschaft und Hegemonie sind nicht identisch, es kann durchaus Herrschaft ohne Hegemonie geben (Gramsci). Die Hegemonie besteht darin, den unausweichlichen Rahmen der Debatten und Oppositionen hervorzubringen und dadurch dem anderen die Begriffe seiner Opposition selbst aufzuzwingen. Der Prozess zur Erlangung der Hegemonie dauerte f&#252;r die Bourgeoisie in Frankreich sehr lange, man kann sagen, dass er erst mit der Dritten Republik abgeschlossen war, er ist nun dabei zusammenzubrechen. Was nicht im entferntesten gleichbedeutend mit der Emergenz eines seine eigene Sprache sprechenden revolution&#228;ren Diskurses ist, es handelt sich eher um ein Puzzle, eine Ansammlung von Bruchst&#252;cken anstelle der Hegemonie, welche das Volk subsumieren und kr&#246;nen kommt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit den Gelbwesten haben sich die Distributionsverh&#228;ltnisse und ihr ideologischer Tross in der Politik und der Kritik des gegenw&#228;rtigen Staates verabsolutiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Dialektik zwischen Produktions- und Distributionsverh&#228;ltnissen pfl&#252;gt letztendlich immer noch &#252;ber die Frage des &#8222;Glasbodens&#8220;. Im Verlauf der Bewegung kam es in Carpentras und Monteux zu Streiks von Angestellten an zwei Standorten von McCormick (Ducros und Vahin&#233;). Auf einem in der &lt;i&gt;Provence&lt;/i&gt; ver&#246;ffentlichten Foto (20.11.18) tragen etliche Streikende unter dem Transparent &#8222;Fabriken im Streik&#8220; eine Gelbweste. Ohne &#8222;Fabrikk&#228;mpfe&#8220; &#252;berbewerten zu wollen, so ist doch die gegenw&#228;rtige Vorherrschaft der Distributionsverh&#228;ltnisse nicht nur wie immer gleichbedeutend mit der Tatsache, dass es sich &#8222;um die notwendige Illusion&#8220; handelt, &#8222;in welcher wir leben&#8220;, sondern sie h&#228;ngt von den Bedingungen der Krise und dem Verlauf, zumindest im Westen, der &#8222;grossen sozialen Bewegungen&#8220; der letzten Jahre und dem mit ihnen verbundenen &#8222;Glasboden&#8220; (die Unf&#228;higkeit des Eindringens in die Produktionsst&#228;tten) ab. Genau wie die Bewegung der Gelbwesten aufgrund ihres Wesens nicht in die Produktionsst&#228;tten eindringen konnte, konnte auch ihre Unterst&#252;tzung durch die Arbeiter nur symbolisch sein (ein fordernder Kampf kann sich als solcher in Frage stellen, wenn er auf der Ebene der &lt;i&gt;Reproduktion&lt;/i&gt; stattfindet). Symbolisch, aber existent. Nur die Berufsrevolution&#228;re st&#252;rzen mit gesenktem Kopf auf jedwede Blockade zu, da sie in allem, was sich bewegt, die revolution&#228;re Dynamik am Werk sehen, oder umgekehrt, da sie wissen, was die kommunistische Revolution von Anfang bis Ende ist, halten sich die Nase zu, wenn nicht &#252;berall in ihrer Kreuztabelle ein H&#228;kchen gesetzt ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Durchschnittstyp (u.a. Redakteur und/oder Leser von &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;) weiss, dass die Monatsenden schwierig sind, die L&#246;hne sich nicht bewegen, der Steuerdruck steigt, die Defizite bewusst seit dreissig Jahren vergr&#246;ssert worden sind, sich alles mit der 2008 stattfindenden Explosion der Staatsschulden zur Rettung des Finanzsystems beschleunigt hat und nun aufgeputzt werden muss. Der Durchschnittstyp weiss es und wendet sich also je nach Umst&#228;nden gegen seinen Chef (McCormick hat seinen Angestellten von Monteux und Carpentras ein Lohnerh&#246;hung von mindestens 80 Euros zugestanden) und/oder den Staat, da er immer weniger der Meinung ist, die Bezahlung von Steuern sei eine &#8222;B&#252;rgerpflicht&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6-29&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Umfrage von Le Monde vom 23.11.18.&#034; id=&#034;nh6-29&#034;&gt;29&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Und wenn, wie es sich nun herausstellt, alle sich in Paris (am Freitag 23.11) verabredenden departementalen Koordinatoren wie Chefs kleiner Unternehmen aussehen und sich so verhalten, wird das dem Durchschnittstyp auffallen, da er schliesslich kein Idiot ist &#8211; oder auch nicht. &#8222;Oder auch nicht&#8220;? Das ist die Frage. Der objektive Druck, welcher alle in Fragen des Einkommens, des Volkes, der Legitimit&#228;t des Staates verwickelt, besteht nicht aus &#8222;Man&#246;vern&#8220;, er ist im Moment stark und resultiert aus dem Wesen der Krise selbst seit 2008. Was auch immer ihre gesellschaftliche Zusammensetzung sein mag, die Bewegung der Gelbwesten kann sich dessen nicht entziehen, umso mehr weil sie sich darin wiedererkennt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Christophe Chalen&#231;on, Sprecher der Gelbwesten im (besonders aktiven) Departement Vaucluse, verk&#252;ndete in einem auf einer Blockade gedrehten Video am Sonntag 18.11: &#8222;Wir haben eine weltweite Bewegung gestartet&#8220;. Er scheint etwas zu &#252;bertreiben, der Aufruf von St. Nazaire beruft sich &#8222;lediglich&#8220; auf eine &#8222;europ&#228;ische Welle&#8220; des Erwachens der V&#246;lker, man erkennt hier sehr wohl den Diskurs von Marine Le Pen, Viktor Orban, der Demonstranten von Chemnitz usw.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Krise so wie sie sich &lt;i&gt;im Moment&lt;/i&gt; als Krise der Globalisierung entwickelt (siehe Trump), ist diese Krise der Globalisierung eine Krise dessen, was ihr Kern war: die doppelte Entkopplung&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6-30&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe &#8222;Revendiquer pour le salaire&#8220; in Th&#233;orie communiste, Nr. 22, S. 135 (...)&#034; id=&#034;nh6-30&#034;&gt;30&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Die Konturen einer m&#246;glichen Restrukturierung (welche wie immer &lt;i&gt;wirklich&lt;/i&gt; in der Konfrontation zwischen der kapitalistischen Klasse und dem Proletariat &#252;ber die Modalit&#228;ten der Ausbeutung, der Auspressung von Mehrarbeit bewerkstelligt wird) sind bis anhin vom Konflikt mit mehr oder weniger nationalistischen Volksbewegungen bez&#252;glich den Themen der Einkommensverteilung, der Familie, der Werte, des B&#252;rgersinns gepr&#228;gt (f&#252;r einmal, sollte sich die Geschichte immer zweimal wiederholen, wird die Farce der Trag&#246;die vorangegangen sein). Die doppelte Entkopplung liegt im Kern des gegenw&#228;rtigen Zeitpunkts der Krise der Globalisierung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Genau das manifestiert sich in Bewegungen wie den Gelbwesten, doch solange sich die Krise der Globalisierung auf diese Art und Weise abspielen wird, ist nur die konfliktreiche Dynamik der Restrukturierung (oder zumindest ihre Konturen) am Werk. Nichts anderes. Obwohl derartige Oppositionen nicht untersch&#228;tzt werden d&#252;rfen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6-31&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Tsipras und Br&#252;ssel: Das Kapitel &#8222;Syriza et les institutions un (...)&#034; id=&#034;nh6-31&#034;&gt;31&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, &lt;i&gt;ist das Kapital auf beiden Seiten pr&#228;sent&lt;/i&gt; und bleibt die Zukunft der Welt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://sites.google.com/site/theoriecommuniste/home&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;23. November 2018&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;http://web.archive.org/web/20210117155127/http://blogtc.communisation.net/?p=243&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb6-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Der erneut definiert werden m&#252;sste, siehe den Text &#8222;M. Le Pen et la disparition de l&#8216;identiti&#233; ouvri&#232;re&#8220; in &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;, Nr. 18, 2003 und Th&#233;o Cosme, &lt;i&gt;De la politique en Iran&lt;/i&gt;, Marseille, Senonevero, 2010.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Le territoire et le local&#8220; in &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;, Nr. 25, S. 42-43 und die Synthese S. 50.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;, Nr. 25, S. 38 und anderswo.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ich w&#252;rde den Singular bevorzugen, siehe den Text in &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;, Nr. 25, S. 84.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6-5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6-5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Mat. 7 : 2.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6-6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6-6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe den &#8222;Aufruf von St-Nazaire&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6-7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6-7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &#8222;Eine besondere Sequenz&#8220; (TC 25), die Vorherrschaft der Distributionsverh&#228;ltnisse aufgrund des Wesens der Krise selbst, es muss immer davon ausgegangen werden.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6-8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6-8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Friedrich Engels, &lt;i&gt;Zur Wohnungsfrage&lt;/i&gt; in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 18, Berlin, Dietz, 1973, S. 219-220.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6-9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6-9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Jean-Paul Sartre, &lt;i&gt;Kritik der dialektischen Vernunft&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6-10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6-10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Karl Marx, &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Bd. III in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 25, Berlin, Dietz, 1983, S. 831.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6-11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6-11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6-11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 781.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6-12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6-12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6-12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 782.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6-13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6-13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6-13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd., S. 771.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6-14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6-14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6-14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Friedrich Engels, &lt;i&gt;Zur Wohnungsfrage&lt;/i&gt;, op. cit., S. 214-216.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6-15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6-15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6-15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Karl Marx, &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Bd. III, &lt;i&gt;op. cit&lt;/i&gt;., S. 781-782.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6-16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6-16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6-16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe den &#8222;Aufruf von St-Nazaire&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6-17&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6-17&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6-17&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;17&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#8222;Eine besondere Sequenz&#8220; (TC 25) erkl&#228;rt das Ph&#228;nomen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6-18&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6-18&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6-18&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;18&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Karl Marx, &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Bd. III, op. cit., S. 835.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6-19&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6-19&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6-19&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;19&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6-20&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6-20&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6-20&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;20&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6-21&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6-21&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6-21&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;21&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe die Polemik mit Proudhon in &lt;i&gt;Das Elend der Philosophie&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6-22&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6-22&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6-22&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;22&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe die Konferenzen im Rahmen der IAA: &lt;i&gt;Lohn, Preis und Profit&lt;/i&gt;, 1865.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6-23&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6-23&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6-23&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;23&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &#8222;Se positionner : rapports de production et rapports de distribution&#8220; in &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;, Nr. 25, S. 59.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6-24&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6-24&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6-24&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;24&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Karl Marx, &#8222;Einleitung von 1857&#8220; in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 13, Berlin, Dietz, 1971, S. 627.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6-25&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6-25&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6-25&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;25&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Karl Marx, &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Bd. III, op. cit., S. 369.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6-26&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6-26&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6-26&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;26&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Grundlinien der Philosophie des Rechts&lt;/i&gt;, &#167; 297.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6-27&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6-27&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6-27&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;27&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe diesbez&#252;glich Karl Marx, &lt;i&gt;Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung&lt;/i&gt; in &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt;, Bd. 1, Berlin, Dietz, 1976, S. 388.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6-28&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6-28&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6-28&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;28&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Pierre Rosanvallon, &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; vom 14.12.93.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6-29&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6-29&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6-29&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;29&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Umfrage von &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt; vom 23.11.18.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6-30&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6-30&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6-30&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;30&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe &#8222;Revendiquer pour le salaire&#8220; in &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;, Nr. 22, S. 135 und das Kapitel zur Globalisierung im Text &#8222;La restructuration telle qu&#8216;en elle-m&#234;me&#8220; in &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;, Nr. 22.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6-31&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6-31&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6-31&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;31&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Tsipras und Br&#252;ssel: Das Kapitel &#8222;Syriza et les institutions un affrontement non feint&#8220;, S. 67 und besonders S. 70 in Th&#233;o Cosme, &lt;i&gt;La Cigarette sans cravate&lt;/i&gt;, Marseille, Senonevero, 2016, das gleiche Thema betreffend k&#246;nnen wir auch die Fortsetzung der Konfrontation zwischen der EU und Italien abwarten.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Roland Simon - Zu Charlie: der B&#252;rger, der Andere und der Staat</title>
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&lt;p&gt;Es gab Reiser und seinen Prolo, Baguette unter dem Arm, Baskenm&#252;tze auf dem Kopf und Kippe im Mundwinkel, der ganz traurig ist, weil er von Georges Marchais erf&#228;hrt, dass er nie Diktator sein wird; einmal mehr Reiser mit seinem Vietnamesen auf seinem Fahrrad, der sagt &#8222;Am Sonntag die Waffenruhe, am Montag in die Fabrik&#8220;; es gab auch den &#8222;tragischen Ball&#8220; und &#8222;Georges der Killer&#8220;. F&#252;r Leute wie mich, von meiner Generation, sticht es etwas im Herz, wenn man vom Massaker der Zeichner von (...)&lt;/p&gt;


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 <content:encoded>&lt;img src='https://www.kommunisierung.net/IMG/logo/10000201000000f00000012cea13942328bae177-57a05.png?1689506850' class='spip_logo spip_logo_right' width='120' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Es gab Reiser und seinen Prolo, Baguette unter dem Arm, Baskenm&#252;tze auf dem Kopf und Kippe im Mundwinkel, der ganz traurig ist, weil er von Georges Marchais erf&#228;hrt, dass er nie Diktator sein wird; einmal mehr Reiser mit seinem Vietnamesen auf seinem Fahrrad, der sagt &#8222;Am Sonntag die Waffenruhe, am Montag in die Fabrik&#8220;; es gab auch den &#8222;tragischen Ball&#8220; und &#8222;Georges der Killer&#8220;. F&#252;r Leute wie mich, von meiner Generation, sticht es etwas im Herz, wenn man vom Massaker der Zeichner von &lt;i&gt;Charlie Hebdo&lt;/i&gt; erf&#228;hrt, nat&#252;rlich war &lt;i&gt;Charlie&lt;/i&gt; schon lange nicht mehr so, doch sie waren immerhin die Zeichner von &lt;i&gt;L'Enrag&#233;&lt;/i&gt; 1968&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_146 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_left spip_document_left'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='https://www.kommunisierung.net/local/cache-vignettes/L225xH282/10000201000000f00000012cea13942328bae177-03686.png?1689597943' width='225' height='282' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div class='spip_document_147 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_left spip_document_left'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='https://www.kommunisierung.net/local/cache-vignettes/L210xH283/10000201000000df0000012cb31b2e42828560cc-fd159.png?1689597943' width='210' height='283' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div class='spip_document_148 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='https://www.kommunisierung.net/local/cache-vignettes/L230xH284/10000201000000f40000012ca0a119feec34f2be-06f8b.png?1689597943' width='230' height='284' alt='' /&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Es sind nicht vier Millionen &#8222;n&#252;tzliche Idioten&#8220;, welche in Frankreich am Sonntag 11. Januar auf die Strasse gegangen sind. Sie forderten keine &#8222;innere Milit&#228;roperation&#8220;, welche 10000 Soldaten auf dem ganzen &#8222;nationalen Territorium&#8220; mobilisiert (Regierungserkl&#228;rung vom Montag den 12.). Vom Nachmittag und Abend des Mittwochs den 7. (der Tag des Gemetzels in der Redaktion von &lt;i&gt;Charlie&lt;/i&gt;) an waren die ersten Kundgebungen und die ersten &lt;i&gt;B&#252;rger&lt;/i&gt;demonstrationen f&#252;r die &#8222;Werte der Republik&#8220; und der &#8222;Meinungs&#228;usserungsfreiheit&#8220;, gegen die &#8222;Barbarei&#8220; &lt;i&gt;spontan&lt;/i&gt; organisiert, und die Parole &#8222;Ich bin Charlie&#8220; kam dort auf. Die &#8222;Ermahnung des Staates&#8220; und die Ingangsetzung der darauf folgenden erdr&#252;ckenden Propagandamaschine war nicht n&#246;tig. &lt;i&gt;Der Staat ist auf den fahrenden Zug aufgesprungen&lt;/i&gt;, nicht ohne einige Ungeschicklichkeiten am Anfang, wie jene der Organisation der Demonstrationen unter der &#196;gide eines Kartells der politischen Organisationen. Am 11. Januar war das politische Personal eher diskret in Anbetracht eines teilweisen Danaergeschenks f&#252;r das aktuelle Wesen des Staates, den man nicht mehr einfach als national bezeichnen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nat&#252;rlich werden sie davon profitieren, um jegliche Form der Opposition und der Revolte zu kriminalisieren, die Kontrollen und die Repression zu verst&#228;rken und zu legitimieren, gest&#228;rkt sein in den externen Kriegen, die nun intern zu &#8222;gerechten&#8220; Kriegen geworden sind. Doch die grossen Tiraden auf dem Podium &#252;ber &#8222;die nationale Einheit&#8220; und Jaur&#232;s oder die (nicht so einfache) &#8222;inter-nationale Einheit&#8220; des Westens gegen&#252;ber der &#8222;postkolonialen&#8220; Welt sind nicht nur von der radikalen Rhetorik abgesehen absolut unangemessen und beschr&#228;nken sich auf eine Abfolge von langweiligen und anklagenden Aussagen, die nichts analysieren, weil es nicht ihr Ziel ist, sondern sie reduzieren auch die Analyse auf einige ewige Kanons der revolution&#228;ren Norm. Die enorme Mobilisierung am Sonntag 11. Januar auf eine Aff&#228;re der Manipulation, der Propaganda, der Einreihung zu reduzieren ist etwas einfach und vielleicht sogar tr&#246;stend. Wenn es auch noch so gewesen w&#228;re, m&#252;sste man noch erkl&#228;ren, wieso es funktioniert hat. Es ist nicht so einfach und vielleicht noch schlimmer. Diese pl&#246;tzliche Mobilisierung am Sonntag 11. Januar 2015 war &#228;usserst aktuell&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r eine vollst&#228;ndigere Analyse dieser aktuellen Situation, in wessen (...)&#034; id=&#034;nh7-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Ereignis ist nicht pl&#246;tzlich eingetreten wie ein Donner in einem klaren Himmel. In allen europ&#228;ischen L&#228;ndern, sei es verbunden mit linken Thematiken (Front de Gauche, Podemos, Syriza...) oder rechten (die Aufz&#228;hlung k&#246;nnen wir uns sparen), ist die nationale &lt;i&gt;Staatsb&#252;rgerschaft&lt;/i&gt; zu jener Ideologie geworden, welche als Antwort auf die Krise fungiert, eine Krise, welche auf die &#8222;Ungerechtigkeit der Verteilung der Reicht&#252;mer&#8220; reduziert wird. Diese &#8222;nationale Staatsb&#252;rgerschaft&#8220; bildet die Grundlage f&#252;r einen Diskurs, welcher die Legitimit&#228;t des zu einem &lt;i&gt;entnationalisierten&lt;/i&gt; Apparat gewordenen Staates in Frage stellt und ihn f&#252;r die Ungerechtigkeit verantwortlich macht. Wenn die Demonstranten bei der Durchfahrt der Busse der CRS applaudieren, erweisen sie der ertr&#228;umten Ordnung des sch&#252;tzenden Staates &#8222;vor der liberalen Globalisierung&#8220; die Ehre und glauben, sie wiedergefunden zu haben. Dies, &lt;i&gt;augenblicklich&lt;/i&gt;, unabh&#228;ngig von der Vielf&#228;ltigkeit der wirklichen oder vermeintlichen Unsicherheiten, Gefahren, welche ihr Leben bedrohen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es sind diese Gefahren, diese Unsicherheiten, welche sich, von der Republik bis zur Nation, fl&#252;chtig im Mythos der Staatsb&#252;rgerschaft als Schutz kristallisiert haben. Jene, welche ein wahrer Nationalstaat und eine nicht nur identit&#228;re, sondern identit&#228;re da sch&#252;tzende nationale Staatsb&#252;rgerschaft bietet, jene, welche sich seit den 1970er Jahren aus dem Staub gemacht hat. Doch die nationale Staatsb&#252;rgerschaft ist nicht unschuldig, weder in ihrer Geburt, noch in ihren Auswirkungen. Sie wird angesichts &#8222;des Anderen&#8220; konstruiert, welcher sie bedroht und sie impliziert die Beseitigung der Bedrohung. Heute der Islamismus, morgen oder gleichzeitig der Klassen- oder Frauenkampf. Vier Millionen versammeln sich und das frappierende daran ist die Leere des Diskurses: Es gibt nichts zu sagen, nichts zu tun, ausser zu sagen, &#8222;Ich bin Republikaner&#8220;, nichts zu verstehen, ausser, &#8222;was eine Nation ist&#8220;, nichts anderes als eine immense Repr&#228;sentation der von anonymen schwarzen Raben bedrohten Republik spazieren zu f&#252;hren, schwarze Raben, welche jeder m&#252;helos erkennen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Nation wird nur zu einem Thema der Mobilisierung und des Kampfes, wenn sie als bedroht konstruiert wird, und die Bedrohungen k&#246;nnen dann nur in jenen Begriffen formuliert werden, welche die Nation vorgibt, jene der Werte und ihrer Authentizit&#228;t. Der B&#252;rger ist eine Abstraktion bez&#252;glich seines Verh&#228;ltnisses zum konkreten Individuum, welches durch die Produktions-, Klassen- und Genderverh&#228;ltnisse definiert wird, doch es ist nicht eine Abstraktion ohne Bestimmungen. Die Gleichheit und Gleichwertigkeit der B&#252;rger untereinander, welche ihre Abstraktion ausmachen, setzt ein Teilen gemeinsamer historischen und kulturellen Eigenschaften voraus. Es gibt keine Staatsb&#252;rgerschaft ohne Identit&#228;t, ohne die M&#246;glichkeit, &#8222;wir&#8220; und &#8222;sie&#8220; sagen zu k&#246;nnen. &#8222;Wir&#8220; uns &#8222;sie&#8220; zu sagen ist nicht das Privileg des Front National, der Schweinefleischesser und Rotweintrinker. Das kann mit dem laizistischen L&#228;cheln der &#8222;Meinungs&#228;usserungsfreiheit&#8220; und der Verteidigung des &#8222;Frauenrechts&#8220; gesagt werden. Doch es wird immer in der Sprache des Staates gesagt. &#8222;Die Fragen der Einwanderung und des Islams sind klar gestellt, wir k&#246;nnen nicht so weitermachen mit der Einwanderung, welche, wenn sie nicht mit dem Terrorismus verbunden ist, die Dinge erschwert, indem sie Integrationsprobleme und Kommunitarismus erzeugt.&#8220; (Sarkozy) Vom wohlmeinenden laizistischen L&#228;cheln zur Aussage Sarkozys ist der Weg nicht weit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein guter, ein wahrer B&#252;rger muss umso diskreter sein, als dass seine Universalit&#228;t suspekt ist. &#8222;Ziehen Sie diesen Schleier aus&#8220; sagt der linke B&#252;rger, welcher f&#252;r die Emanzipation der Frauen k&#228;mpft, womit er aus der Herrschaft &#252;ber die Frauen das Privileg einiger archaischer Kulturen und eine bei uns aussterbende Sache macht. Denn dieser B&#252;rger ist &lt;i&gt;einheimisch&lt;/i&gt;. Und weil er &lt;i&gt;einheimisch&lt;/i&gt; ist, ist er &lt;i&gt;universell&lt;/i&gt;. Die Juden in der Demonstration ihrerseits haben Recht, sich zu fragen: &#8222;H&#228;tte es nur die Geiselnahme im koscheren Supermarkt am Freitag gegeben, und kein Attentat gegen &lt;i&gt;Charlie Hebdo&lt;/i&gt; am Mittwoch, h&#228;tte man die gleiche republikanische Aufwallung beobachten k&#246;nnen?&#8220; Selbstverst&#228;ndlich nicht (siehe Toulouse): Die nationale Staatsb&#252;rgerschaft, das Universelle, ist nicht bedroht, wenn ein Partikularer einen anderen Partikularen angreift, auch wenn nicht alle Partikularen identisch unter dem Universellen subsumiert sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es kommt vor, dass ein Partikularer aus historischen Gr&#252;nden in der langen Zeitlichkeit und/oder wegen aktuellen gesellschaftlichen oder politischen Umst&#228;nden eine Positivit&#228;t hat, durch welche er, w&#228;hrend er gleichzeitig als Partikularer designiert wird, zur gleichen universellen Sph&#228;re geh&#246;rt&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe Hegel, Philosophische Prop&#228;deutik, Kapitel &#034;Begriffslehre&#034;, Abs&#228;tze (...)&#034; id=&#034;nh7-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;: &#8222;Ohne die Juden w&#228;re Frankreich nicht Frankreich&#8220; (Manuel Valls). Hier existiert die Partikularit&#228;t weiterhin, sie ist nicht, wie es die Pflicht w&#228;re, im Universellen beseitigt, doch sie geh&#246;rt zu seiner Sph&#228;re; die Partikularit&#228;t ist eine Bestimmung des Universellen, obwohl sie nicht in ihm beseitigt wird. Das letzte Mal als ein Pr&#228;sident auf der Strasse demonstrierte war es Mitterand nach der Sch&#228;ndung des j&#252;dischen Friedhofes von Carpentras, es geschah nie nach einem Angriff auf eine Moschee oder den muslimischen Teil eines Friedhofes, auch nicht eines milit&#228;rischen Friedhofes. Aus diversen Gr&#252;nden, gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen, kulturellen, geschichtlichen, sind nicht alle Partikularit&#228;ten gleichwertig und das Verh&#228;ltnis des Universellen zu ihnen reicht vom Einschluss (welcher sie nicht beseitigt) bis zum Misstrauen oder gar der Feindschaft. Zu gewissen Zeitpunkten werden Partikularit&#228;ten vom Universellen als sch&#228;dlich konstruiert, die Juden konnten das auf tragische Art und Weise erfahren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was auch immer die gehaltenen Diskurse sein m&#246;gen, bedeutet die schlichte Existenz der Demonstrationen, wovon wir sprechen, und welche ihn dazu einladen, &#8222;sich in der Republik zu emanzipieren&#8220;, dass das gleiche &#252;berhaupt nicht f&#252;r unsere &#8222;muslimischen Mitb&#252;rger&#8220; (die Formel sagt alles) gilt. Das Partikulare wird nicht im gleichen Verh&#228;ltnis zum Universellen zum Ausdruck gebracht. Hier wird es auf negative Art und Weise zum Ausdruck gebracht, es bestimmt sich nur an sich und f&#252;r sich selbst, es geh&#246;rt zum Verschiedenen. Seien wir prosaischer, wenn sie sich auch nicht darauf beschr&#228;nken, sind die Demonstrationen am Donnerstag dem 8. und am Sonntag dem 11. ohne das in Frankreich durch die besorgte und feindliche Konstruktion des Islams (und der &#8222;Araber&#8220;) als schlicht und einfach fremdartig und ausl&#228;ndisch erzeugte Klima in ihrer Massivit&#228;t unbegreiflich&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;F&#252;r die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gr&#252;nde dieser (...)&#034; id=&#034;nh7-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. &#8222;H&#246;ren wir auf mit dem Gutmenschentum&#8220;, sagen immer h&#228;ufiger die sehr republikanischen Geister, &#8222;diese Terroristen kommen sehr wohl aus eurer Gemeinschaft, macht ein bisschen Ordnung&#8220;. Nach den Angriffen am Mittwoch dem 7. und Freitag dem 9. haben sich die &#220;bergriffe gegen Araber und/oder Muslime gemehrt, doch betrachten wir eher die andere Seite der gleichen Medaille, die offene und humanistische Haltung (was uns die Einfachheit der humanistischen Verurteilung des Rassismus und &#8222;der Islamophobie&#8220; erspart).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die humanistische Anordnung, &#8222;den Anderen&#8220; zu akzeptieren, setzt die Existenz &#8222;des Anderen&#8220; voraus, seine Konstruktion als solcher und somit die Hierarchie gegen&#252;ber &#8222;dem Einen&#8220;, welcher die Macht hat, zu sagen, wer &#8222;der Andere&#8220; ist. Zwischen &#8222;Uns&#8220; und &#8222;den Anderen&#8220; steht eine Organisation der Gesellschaft, welche sich den Individuen aufzwingt und schon vor jedem von ihnen existiert. Jene, welche dazu aufgerufen werden, &#8222;den Anderen zu akzeptieren&#8220;, konstituieren die normale, legitime Gesellschaft. Der Ursprung der Einen und der Anderen ist die schlichte und nackte Macht. Der Eine ist jener, welcher die Macht hat, zu unterscheiden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Unterscheidung ist die wirkliche, empirische, allt&#228;gliche Umsetzung des &lt;i&gt;Universalismus&lt;/i&gt; des B&#252;rgers. Sofern wir das Phantom eines &#8222;wahren Universalismus&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Der Kommunismus wird die Interaktion von einzigartigen Individuen sein, (...)&#034; id=&#034;nh7-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; hinter uns lassen, kann der Westen berechtigterweise das Monopol der universellen Werte beanspruchen, falls n&#246;tig mit F16 und Rafalen. Der Universalismus ist eine ideologische Produktion, welche mit der kapitalistischen Produktionsweise, der Abstraktion der Arbeit, dem Wert und dem B&#252;rger verbunden ist. Diese Produktionsweise ist die einzige universelle mit universellen ideologischen Praktiken, unter der Bedingung, dass die Individuen den Kriterien der Unversalit&#228;t entsprechen, d.h. dass sie keine Frauen sind oder kommunitaristische, ethnische, rassische, famili&#228;re, religi&#246;se Verbindungen unterhalten, welche mit dem Nationalstaat konkurrieren. Ein Staat, d.h. ein Nationalstaat, da er ein kapitalistischer Staat ist, kennt keine intermedi&#228;ren Gemeinschaften, keine in seiner Mitte anerkannte vielf&#228;ltige Identit&#228;ten, und grenzt alles, was seinem Kriterium der universellen Homogenit&#228;t schadet oder damit interferiert, als Fremdk&#246;rper, partikulare, und somit sch&#228;dliche Gemeinschaften ab. Jegliche Vermittlung zwischen der Macht und dem Individuum hat aufgeh&#246;rt, zu existieren. Wir m&#252;ssen auf diesem Mittelweg des Nationalstaats in seiner politischen Struktur bestehen, ein Mittelweg, ohne welchen man die Erkl&#228;rung der Homogenisierung nur plump auf die Entwicklung des Werts und des Kapitals verweist, wovon ausgehend man alles und jedes in einer indifferenzierten Totalit&#228;t erkl&#228;ren kann. Insofern als dass nur der Staat das von seinen Bestimmungen abstrahierte Individuum repr&#228;sentieren soll, welches der B&#252;rger ist, das &#8222;emanzipierte Individuum&#8220;, ist die einzige Garantie seiner &#8222;Emanzipation&#8220; die Zugeh&#246;rigkeit zur vom Staat repr&#228;sentierten nationalen Identit&#228;t und die Integration in die selbe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was die Religion betrifft, ist sie eine &lt;i&gt;prim&#228;re&lt;/i&gt;, instabile und unvollendete Form des Universalismus des Staates, der Ideologie, unter welcher politische Praxis erfolgt. Prim&#228;r und instabil deshalb, weil in jenem Moment, wo die Religion sich als herrschende Ideologie konstituiert, indem sie die Ideologien in sich vereint, unter welchen sich die Praktiken der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse und der Produktion entfalten, sie die Tatsache entbl&#246;sst und beansprucht, dass &lt;i&gt;die abstrakte Universalit&#228;t des Staates nicht im Staate selbst liegt&lt;/i&gt;, dass er nicht selbst &#8222;die ausgef&#252;hrte Religion&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Marx, Zur Judenfrage.&#034; id=&#034;nh7-5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Der vollendete politische Staat ist seinem Wesen nach das Gattungsleben des Menschen im Gegensatz zu seinem materiellen Leben. Alle Voraussetzungen dieses egoistischen Lebens bleiben au&#223;erhalb der Staatssph&#228;re in der b&#252;rgerlichen Gesellschaft bestehen, aber als Eigenschaften der b&#252;rgerlichen Gesellschaft. Wo der politische Staat seine wahre Ausbildung erreicht hat, f&#252;hrt der Mensch nicht nur im Gedanken, im Bewu&#223;tsein, sondern in der Wirklichkeit, im Leben ein doppeltes, ein himmlisches und ein irdisches Leben, das Leben im politischen Gemeinwesen, worin er sich als Gemeinwesen gilt, und das Leben in der b&#252;rgerlichen Gesellschaft, worin er als Privatmensch t&#228;tig ist, die andern Menschen als Mittel betrachtet, sich selbst zum Mittel herabw&#252;rdigt und zum Spielball fremder M&#228;chte wird. Der politische Staat verh&#228;lt sich ebenso spiritualistisch zur b&#252;rgerlichen Gesellschaft wie der Himmel zur Erde. (&#8230;) Der demokratische Staat, der wirkliche Staat, bedarf nicht der Religion zu seiner politischen Vervollst&#228;ndigung. Er kann vielmehr von der Religion abstrahieren, weil in ihm &lt;i&gt;die menschliche Grundlage der Religion auf weltliche Weise ausgef&#252;hrt ist&lt;/i&gt;.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Ebd.&#034; id=&#034;nh7-6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Das ganze hatte etwas Sakrales&#8220; (Nathalie Kosciusko-Morizet); &#8222;Das Volk Frankreichs ging zur Kommunion&#8220; (Rama Yade).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vier Millionen Franzosen auf der Strasse und 97% in den Umfragen haben ihren Treueeid zum &#8222;wahren Staat&#8220; erneuert und &#8222;den Anderen&#8220; freundlich gebeten, das selbe zu tun, falls er es nicht schon getan hatte. Sie baten ihn mit Mitleid und Mitgef&#252;hl darum, sich zu emanzipieren. Historisch geh&#246;rt diese Emanzipation im Namen der Universalit&#228;t in Frankreich zum alten politischen Repertoire der Linken. Da die M&#228;rtyrer von &lt;i&gt;Charlie&lt;/i&gt; auch den Ruf hatten, links zu sein, war alles zum Besten in der sch&#246;nen neuen Welt der zu verteidigenden universellen Werte. Man musste die &#8222;Muslime Frankreichs&#8220; dazu auffordern, ihren Protest &#8222;gegen die Barbarei&#8220; lauthals zu beteuern, zu sagen, dass &#8222;das nicht der wahre Islam ist&#8220; und &#8222;zur Demonstration zu gehen&#8220;. Sie, M&#228;nner und &lt;i&gt;Frauen&lt;/i&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Scheinbar ist die &#8222;nette Araberin&#8220;, Medienfigur des vergangenen (...)&#034; id=&#034;nh7-7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, sind nicht gekommen, doch der Imam in der Fernsehsendung, jener, den man eingeladen hat, stimmt zu, macht alles h&#246;flich wie es sich geh&#246;rt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch was ist mit der allt&#228;glichen Erniedrigung, den Absagen an Bewerbungsgespr&#228;chen, der urbanen Relegation, den argw&#246;hnischen Blicken in den Bars? Es ist weder der Islamische Staat oder Al Qaida, noch ihre fernen Urspr&#252;nge, welche die Koauchibr&#252;der und Amedy Coulibaly hervorgebracht haben, es ist die franz&#246;sische Gesellschaft. &#8222;Die T&#228;ter dieses abscheulichen Attentats sind in Wirklichkeit franz&#246;sische B&#252;rger, welche eine republikanische und laizistische Schule besucht haben, jene von Jules Ferry. Frankreich muss zeigen, dass es kein &#8222;Brutkasten&#8220; von Terroristen ist, es sind nicht die Muslime, die Christen, die Juden, die Morgenl&#228;nder, welche zeigen m&#252;ssen, dass sie anders sind.&#8220; (Leserbrief in &lt;i&gt;Le Monde&lt;/i&gt;); &#8222;Diese Jihadisten sind in unseren St&#228;dten aufgewachsen, haben das Scheitern in unseren Schulen gelernt, den Hass in unseren Gef&#228;ngnissen&#8220;, f&#252;gt ein anderer Leser hinzu. Schon seit langem f&#252;hren die Massenarbeitslosigkeit, die Segmentierung des Arbeitsmarktes bis hin zu seiner Rassialisierung, die polizeiliche Behandlung der Banlieues dazu, dass die herrschende Klasse weiss, dass es nichts zu verteilen gibt, nichts anzubieten, ausser vielleicht eine Betreuung durch &#8222;den republikanischen Islam Frankreichs&#8220; dieser &#8222;muslimischen franz&#246;sischen Jugend&#8220;, wie es ein ehemaliger Aussenminister formuliert. Es braucht einen Cohn-Bendit, um zu verk&#252;nden, dass &#8222;in die Banlieues investiert werden muss&#8220;, und &#8222;eine nationale Sportstiftung&#8220; vorzuschlagen, &#8222;welche Sportlehrer unterst&#252;tzen w&#252;rde&#8220;. Malek Boutih ist direkter: &#8222;Wenn ein Gefahrenpotenzial besteht, m&#252;ssen Territorien gereinigt werden&#8220;, er schl&#228;gt vor, dass gewisse Banlieuegemeinden &#8222;tempor&#228;r vom Staat entm&#252;ndigt werden&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Insofern als dass heute, wie es Gilles Kepel formuliert, &#8222;ein jihadistischer Anziehungspunkt existiert, welcher dem republikanischen Pakt feindlich gesinnt ist&#8220; und dieser genau weiss, wo er zuschlagen muss, damit es weh tut, braucht man nicht im Geringsten in die Sahelzone, in den Jemen oder in den Irak zu gehen, um zu verstehen, woher er kommt. Diese &#8222;Gottesverr&#252;ckten&#8220; sind unsere Feinde, nicht weil sie &#8222;barbarischer&#8220; w&#228;ren als andere (die Dronen unserer Demokratien k&#246;nnen durchaus mit ihnen mithalten), sondern weil es ihr Ziel ist, die Br&#252;che in der ausgebeuteten und beherrschten Klasse, welche schon ohne sie ausreichend existieren, zu vertiefen und zu verh&#228;rten. Auch wenn es nicht darum geht, auf eine Einheit des Proletariats zu hoffen (die Segmentierung ist der Lohnarbeit inh&#228;rent und die Einheit des Proletariats kann nur gleichbedeutend mit seiner Aufhebung sein), so geht es auch nicht darum, diese Br&#252;che im kulturellen und religi&#246;sen Bereich zu versteifen, indem man sie essentialisiert. Die &#8222;jungen Proletarier der Banlieues&#8220; sind nicht immuner als andere gegen den allgemeinen ideologischen Wandel von Klassenkonflikten (und Konflikten zwischen Segmenten der ausgebeuteten Klasse) in kulturelle Konflikte. Umso mehr, weil die Tatsache, sich als &#8222;Muslim&#8220; zu bezeichnen, im internationalen Kontext ein &lt;i&gt;Bild&lt;/i&gt; der absoluten Konfrontation liefert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;berlassen wir die Schlussfolgerungen den Historikern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Tag war ein einzigartiges Ph&#228;nomen, weil: &#8222;Unsere grossen nationalen Tage waren fast immer Tage des Kampfes&#8220; (Jean-No&#235;l Jeanneney).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Der erste Tag des demokratischen Internationalismus&#8220; (Michel Winock).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r Pascal Ory war diese Demonstration der Einheit, wo die parteiischen, gewerkschaftlichen oder kommunitaristischen&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die &#8222;Zweitrangigkeit&#8220; der &#8222;kommunitaristischen Gemeinschaften&#8220; ist falsch (...)&#034; id=&#034;nh7-8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Zugeh&#246;rigkeiten zweitrangig geworden sind, vielsagend bez&#252;glich des Zustandes unserer Gesellschaft: &#8222;Die Tatsache, nicht geschlossen hinter einer Organisation zu marschieren, 1001 verschiedene Parolen br&#252;llen, wie wir es am Sonntag gesehen haben, ist das Zeichen eines sehr fortgeschrittenen Individualismus, welcher unsere westlichen Gesellschaften charakterisiert. Was wir gesehen haben, ist gewiss eine Massenkundgebung, doch eine Kundgebung, welche mehrheitlich individualistische Leute vereint.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man k&#246;nnte sagen, dass Pascal Ory in j&#252;ngster Vergangenheit nicht viele Demonstrationen gesehen hat, denn w&#228;hrend diesen ist es immer seltener, &#8222;geschlossen hinter einer Organisation zu marschieren&#8220;, doch sehen wir dar&#252;ber hinweg, denn Pascal Ory hat n&#228;mlich Recht. Es war eine Masse von isolierten Individuen, d.h. eine Masse von B&#252;rgern, welche nur zuschauen konnte, wie ihnen gegen&#252;ber ihre Gemeinschaft in der Form von ungef&#228;hr 50 Staatschefs vor&#252;berzog. Was auch immer diese Individuen selber im Besonderen denken m&#246;gen und was auch immer das Misstrauen sein mag, welches diese nationale Staatsb&#252;rgerschaft gegen&#252;ber dem aktuell reell existierenden Staat unterhalten mag, war es &lt;i&gt;unsere abstrakte Universalit&#228;t&lt;/i&gt;, welche vorbeizog (auch wenn sie nicht beritten war, wie zu Zeiten Hegels), und gegen&#252;ber welcher sie, als B&#252;rger, ihre Ehrbekundung erneuert haben&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Diese Entsprechung des B&#252;rgers (sogar als solcher) und des Staates ist (...)&#034; id=&#034;nh7-9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Es war m&#246;glich, es nicht zu tun.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;In der Geschichte ist die Euphorie h&#228;ufig kurzlebig und auf die grossen Momente des Enthusiasmus folgt selten eine paradiesische Zukunft&#8220; (Michel Winock). Paradiesisch oder nicht, die aktuelle Konjunktur der Klassenk&#228;mpfe (Vorherrschaft der Distributionsverh&#228;ltnisse &#252;ber die Produktionsverh&#228;ltnisse, Ungerechtigkeit der Distribution und ihr Verantwortlicher, der entnationalisierte Staat, rassialisierte Segmentierung des Proletariats, Authentizit&#228;t des Volkes gegen&#252;ber den Eliten, interklassistische K&#228;mpfe) f&#252;hrt dazu, dass, &#252;ber ein Ereignis hinausgehend, das schnell abschwellen wird, die Zukunft im unvermeidlichen widerspr&#252;chlichen Spiel zwischen dem konkreten, in den gesellschaftlichen Produktionsverh&#228;ltnissen engagierten Individuum und dem B&#252;rger, &lt;i&gt;seiner notwendigen Abstraktion&lt;/i&gt;, ausgemacht wird&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Wir sind hier auf der Ebene der Ideologie, unter welcher sich das (...)&#034; id=&#034;nh7-10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;R.S&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=13979&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb7-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r eine vollst&#228;ndigere Analyse dieser aktuellen Situation, in wessen Kontext sich diese Mobilisierung abspielt, siehe den Text von &lt;i&gt;Th&#233;orie Communiste&lt;/i&gt;, &lt;a href=&#034;https://www.kommunisierung.net/Eine-besondere-Sequenz&#034;&gt;&#034;Eine besondere Sequenz. Wo befinden wir uns in der Krise?&#034;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe Hegel, &lt;i&gt;Philosophische Prop&#228;deutik&lt;/i&gt;, Kapitel &#034;Begriffslehre&#034;, Abs&#228;tze 2 bis 10.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;F&#252;r die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gr&#252;nde dieser Konstruktion, siehe den Text &#034;M. Le Pen et la fin de l'identit&#233; ouvri&#232;re&#034;, &lt;i&gt;Th&#233;orie Communiste&lt;/i&gt; Nr. 18. Seit der Niederschrift dieses Textes 2002 sind wir von einer Zustimmung &#8222;in negativer Form&#8220; (das Verschwinden der Arbeiteridentit&#228;t) zu einer positiven Zustimmung im Rahmen der Bestimmungen und gesellschaftlichen Erscheinungsformen der Krise &#252;bergegangen (siehe hier ebenfalls &#034;Eine besondere Sequenz&#034;, obwohl dieser Text kritikw&#252;rdig ist: v.a. bez&#252;glich der starren Gegen&#252;berstellung von Produktions- und Distributionsverh&#228;ltnissen, worauf er gr&#246;sstenteils basiert).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Der Kommunismus wird die Interaktion von einzigartigen Individuen sein, welche von keiner Gemeinschaft subsumiert sind, deshalb ist die Bezeichnung &#8222;Kommunismus&#8220; als gesellschaftlicher Zustand problematisch.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7-5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7-5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Marx, &lt;i&gt;Zur Judenfrage&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7-6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7-6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7-6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Ebd.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7-7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7-7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7-7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Scheinbar ist die &#8222;nette Araberin&#8220;, Medienfigur des vergangenen Jahrzehnts, verschwunden.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7-8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7-8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7-8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die &#8222;Zweitrangigkeit&#8220; der &#8222;kommunitaristischen Gemeinschaften&#8220; ist falsch in Anbetracht der massiven Abwesenheit (wenn man das so sagen kann) der &#8222;muslimischen Gemeinschaft&#8220;. Was in diesem Zusammenhang nicht als nebens&#228;chlich betrachtet werden kann.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7-9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7-9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7-9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Diese Entsprechung des B&#252;rgers (sogar als solcher) und des Staates ist aktuell ziemlich instabil, entweder untergr&#228;bt das konkrete Individuum den B&#252;rger, oder der Staat existiert nicht mehr als logische Folge des B&#252;rgers und der Zivilgesellschaft.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7-10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7-10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7-10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Wir sind hier auf der Ebene der Ideologie, unter welcher sich das Versteckspiel zwischen Produktions- und Distributionsverh&#228;ltnissen abspielt (siehe, trotz seiner Grenzen, &#034;Eine besondere Sequenz&#034;).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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