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		<title>Gilles Dauv&#233;/Karl Nesic - Kommunisierung: ein &#8222;Aufruf&#8220; und eine &#8222;Einladung&#8220; (2004)</title>
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		<dc:date>2026-09-19T11:15:53Z</dc:date>
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		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>


		<dc:subject>Bericht/Analyse</dc:subject>
		<dc:subject>Gilles Dauv&#233;</dc:subject>
		<dc:subject>Appellismus</dc:subject>
		<dc:subject>Meeting</dc:subject>
		<dc:subject>Karl Nesic</dc:subject>

		<description>
&lt;p&gt;Der Lauf der Dinge hat daf&#252;r gesorgt, dass es im Fr&#252;hling 2004 zu zwei Versuchen &#8222;kommunisierender&#8220; Bekr&#228;ftigung kam. Einerseits ein Treffen zur Vorbereitung einer Zeitschrift, Meeting, mit dem Ziel, verschiedene, sich auf die Str&#246;mung der Kommunisierung berufende Leute zusammenzubringen, obwohl sie in diesem Fall vor allem Th&#233;orie communiste nahestehen. Parallel dazu, ohne sichtliche Verbindung zu diesem Zeitschriftenprojekt, die Ver&#246;ffentlichung eines kleinen B&#252;chleins, Aufruf, ohne Autor, (&#8230;)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="http://www.kommunisierung.net/Artikel" rel="directory"&gt;Artikel&lt;/a&gt;

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&lt;a href="http://www.kommunisierung.net/Bericht-Analyse" rel="tag"&gt;Bericht/Analyse&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://www.kommunisierung.net/Gilles-Dauve" rel="tag"&gt;Gilles Dauv&#233;&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://www.kommunisierung.net/Appellismus" rel="tag"&gt;Appellismus&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://www.kommunisierung.net/Meeting" rel="tag"&gt;Meeting&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://www.kommunisierung.net/Karl-Nesic" rel="tag"&gt;Karl Nesic&lt;/a&gt;

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 <content:encoded>&lt;img src='http://www.kommunisierung.net/IMG/logo/aufrufmeeting.jpg?1789815230' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='32' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Der Lauf der Dinge hat daf&#252;r gesorgt, dass es im Fr&#252;hling 2004 zu zwei Versuchen &#8222;kommunisierender&#8220; Bekr&#228;ftigung kam. Einerseits ein Treffen zur Vorbereitung einer Zeitschrift, &lt;i&gt;Meeting&lt;/i&gt;, mit dem Ziel, verschiedene, sich auf die Str&#246;mung der Kommunisierung berufende Leute zusammenzubringen, obwohl sie in diesem Fall vor allem Th&#233;orie communiste nahestehen. Parallel dazu, ohne sichtliche Verbindung zu diesem Zeitschriftenprojekt, die Ver&#246;ffentlichung eines kleinen B&#252;chleins, &lt;i&gt;Aufruf&lt;/i&gt;, ohne Autor, Adresse oder Ort der Ver&#246;ffentlichung, ein Beitrag zu Aktivit&#228;ten, die ebenfalls zur Kommunisierung hin tendieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Von Kommunisierung zu sprechen, ist gleichbedeutend mit der Bekr&#228;ftigung, dass eine k&#252;nftige Revolution nur einen emanzipatorischen Zweck und Erfolgschancen haben kann, wenn sie von Anfang an auf allen Ebenen eine kommunistische Transformation einleitet, bez&#252;glich der Lebensmittelproduktion als auch der Art und Weise, wie sie verspeist werden, aber auch, wie wir von einem Ort zum anderen kommen, uns unterbringen, lernen, reisen, lesen, nichts tun, lieben, nicht lieben, debattieren und &#252;ber unsere Zukunft entscheiden usw. Ein solcher Prozess ersetzt die (notwendigerweise gewaltt&#228;tige) Zerst&#246;rung des Staates und der die Ware und die Lohnarbeit st&#252;tzenden Institutionen nicht, sondern begleitet und verst&#228;rkt sie. Diese weltweite Transformation w&#252;rde sich wahrscheinlich &#252;ber Generationen erstrecken, ohne jedoch vorher die Grundlagen einer Gesellschaft zu erschaffen, die erst danach entstehen sollte, nach einer mehr oder weniger langen &#8222;&#220;bergangsphase&#8220;. Diese Transformation w&#228;re nicht &lt;i&gt;zuerst&lt;/i&gt; eine Ergreifung (oder gar Zerst&#246;rung) der politischen Macht und &lt;i&gt;dann&lt;/i&gt; eine gesellschaftliche Umw&#228;lzung. Sie w&#228;re das Gegenteil dessen, was die Formel von 1921 des (damals bolschewistischen) Victor Serge auf den Punkt bringt: &#8222;Die Revolution ist ein Opfer, das der Zukunft gebracht wird.&#8220; Um es positiv auszudr&#252;cken, es geht nicht nur darum, die Revolution zu machen, sondern sie zu &lt;i&gt;sein&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn das, was man die &#8222;Str&#246;mung der Kommunisierung&#8220; nennt, all jene bezeichnet, welche sich in dieser Perspektive verorten, dann sind wir Teil davon und betrachten jede dahingehende kollektive Bestrebung als positiv. Wir haben jedoch die Einladung ans Vorbereitungstreffen f&#252;r die geplante Zeitschrift im Mai abgelehnt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Meeting&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Einvernehmen bez&#252;glich der Kommunisierung ist eine unerl&#228;ssliche Bedingung f&#252;r einen Zusammenschluss, doch es gen&#252;gt nicht. Die f&#252;r das Treffen ausgew&#228;hlten Texte enthielten einen langen Auszug Karl Nesics (&lt;a href=&#034;https://www.troploin.fr/node/18&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;L'appel du vide&#8220;&lt;/a&gt;, 2004), der insbesondere unsere Meinungsverschiedenheiten mit Th&#233;orie communiste darlegt, diese sind tief genug, um eine theoretische Zusammenarbeit weitgehend unm&#246;glich zu machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn wir (wie TC glaubt) in den idealistischen Humanismus abgleiten oder TC (wie wir glauben) in einen deterministischen Strukturalismus abgleitet, dann verunm&#246;glicht das jegliche gemeinsame theoretische Bestrebung und erschwert gar jegliche Diskussion. Man kann nur diskutieren, wenn man sich im Wesentlichen einig ist, wenn man sich einig ist &#252;ber die zu stellenden Fragen und darauf einfach verschieden antwortet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unserer Meinung nach ist die Revolution seit einigen Jahren nicht m&#246;glicher (und noch weniger unvermeidlicher) geworden, als dass sie zuvor logisch unm&#246;glich gewesen w&#228;re. Sie ist nur eine M&#246;glichkeit, offensichtlich zusammenh&#228;ngend mit dem Stadium und den Formen der kapitalistischen Entwicklung zu einem historischen Zeitpunkt, aber nicht abh&#228;ngig von diesem Stadium. Keine Schwelle macht sie unm&#246;glich und auch nicht m&#246;glich oder gar unumg&#228;nglich. Die Revolution war Mitte des 19. Jahrhunderts m&#246;glich, genau wie sie es zu Beginn des 21. Jahrhunderts bleibt. Sollte sie stattfinden, wird sie allen voran ein Resultat der Aktivit&#228;t der Proletarier sein. Sie wird Bruch und Selbstemanzipation sein. Das Scheitern der vergangenen Versuche muss nicht im Entwicklungsstadium des Kapitals, sondern in der Aktivit&#228;t des Proletariats selbst gesucht werden. Das Wesentliche ist nicht, was die Gesellschaft aus uns macht, sondern was wir aus dem machen, was sie aus uns gemacht hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Kapital ist nicht eine Entit&#228;t, bestimmt von Gesetzen, die letztendlich die unumg&#228;ngliche proletarische Erhebung ausl&#246;sen, sondern ein prozessierender gesellschaftlicher Widerspruch. Es existiert keine Krise &lt;i&gt;des&lt;/i&gt; Kapitals, nur seiner Akteure. Wir haben M&#252;he, zu verstehen, dass jene, welche so stark, und zurecht, auf der &#8222;gegenseitigen Verstrickung&#8220; von Kapital und Arbeit bestehen, zugleich die Geschichte als ein Verh&#228;ltnis zwischen Ursache und Wirkung mit dem Proletariat in der Rolle der Wirkung und dem Kommunismus als einem programmierbaren Ende analysieren. Wie h&#228;ufig hat man doch in der Vergangenheit die Endkrise und die Revolution als ihre logische Folge prognostiziert&#8230; Alles, was wir anbieten k&#246;nnen, sind Hypothesen &#252;ber die Entwicklung des Widerspruchs Kapital/Proletariat, Hypothesen, deren eventuelle Widerlegung durch die Tatsachen nicht unsere Perspektive in ihrer Gesamtheit infrage stellen, denn sie gr&#252;ndet nicht auf irgendeiner Vorhersage, da der Klassenkampf weitgehend unvorhersehbar bleibt. Wenn das Kapital ein prozessierender gesellschaftlicher Widerspruch ist, impliziert das n&#228;mlich eine dialektische Beziehung zwischen den Wesen und gesellschaftlichen Gruppen: Die Individuen, Klassenfraktionen und Klassen determinieren sich selbstverst&#228;ndlich nicht gem&#228;ss einem freien Willen, sondern jeder historische Scheideweg zwingt sie, innerhalb eines gewissen Spektrums an M&#246;glichkeiten eine Entscheidung zu treffen. Die Geschichte ist kein grosses Buch, das schon vorweg geschrieben ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die revolution&#228;re Theorie und ihre &#8222;konkreten Analysen konkreter Situationen&#8220; gr&#252;nden selbstverst&#228;ndlich auf theoretischen Vorannahmen, aber sie erheben nicht den Anspruch, die gesamte Vergangenheit und Gegenwart dieser Welt zu erfassen. Obwohl sie den Anspruch haben sollte, so rigoros wie m&#246;glich zu sein, ist die kommunistische Theorie nicht &lt;i&gt;wissenschaftlich&lt;/i&gt;: Sie erhebt nicht den Anspruch, einen Forschungsgegenstand zu konstruieren, der von jenem unabh&#228;ngig w&#228;re, welcher ihn studiert, ausgehend von einer privilegierten Stellung, aufgrund welcher der Gelehrte glaubt, er beherrsche die Totalit&#228;t des Ph&#228;nomens und k&#246;nne davon Gesetze ableiten. Die kommunistische Theorie ist auch nicht prophetisch. Jede Prophezeiung ist unwiderlegbar und kann von den Tatsachen nicht dementiert werden, denn sie ist auf einer &#252;berhistorischen Ebene verortet, zu der die banale Materialit&#228;t von Natur aus keinen Zugang hat. Die immer wiederkehrende Debatte in der kommunistischen Bewegung &#252;ber die Unvermeidbarkeit der Revolution ist zweck- und gegenstandslos. Wir sind widerlegbar&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;...besonders, wenn wir bekr&#228;ftigen, dass die gegenw&#228;rtige gesellschaftliche Realit&#228;t verhindert, dass der Kommunismus auf der Tagesordnung steht, dass die Revolution, so wie sie die Str&#246;mung der Kommunisierung versteht, heutzutage ein Thema ist, das nur von einer Handvoll Individuen und Gruppen debattiert wird, und dass diese Situation sich nicht grundlegend von jener vor 10 oder 20 Jahren unterscheidet. Es ist weiterhin die Bourgeoisie am Dr&#252;cker und die einzige &#8222;wirkliche&#8220; Kritik dieser Welt ist jene des radikalen Reformismus, die ausserdem bis anhin weder einen wahrhaften Inhalt noch eine gesellschaftliche Wirkung hat. Unsere Epoche ist weiterhin von der Ohnmacht der Proletarier im Allgemeinen und der Kommunisten im Besonderen gepr&#228;gt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist heute noch zweckloser als gestern, zu glauben, die Theorie k&#246;nne durch ihre eigene Aktivit&#228;t die Unstimmigkeit mit sich selbst und der Gesellschaft regeln, sie k&#246;nne &lt;i&gt;jetzt schon&lt;/i&gt; nicht mehr partiell, fragmentarisch und parteiisch sein. Wenn man kaum &#252;ber die &#8222;Waffen der Kritik&#8220; verf&#252;gt, ist man weit von der Kritik der Waffen entfernt. Die Geschwindigkeit des Informationsaustausches und der unmittelbare Zugang zu Tausenden von Texten f&#228;llt mit einer relativ armseligen Konfrontation damit zusammen. Man kann vermuten, dass das virtuelle Zeitalter diese Schw&#228;che nicht schlimmer macht, sie merzt sie jedoch auch nicht aus. Die Geschwindigkeit der Ideenzirkulation scheint umgekehrt proportional zur Intensit&#228;t der dadurch ausgel&#246;sten Debatten. Der Besitz einer ausufernden Bibliothek war noch nie der Garant f&#252;r die Qualit&#228;t der &#220;berlegungen. Man erspare uns das L&#228;cheln &#252;ber unsere &#8222;Technophobie&#8220;. Obwohl wir es f&#252;r n&#252;tzlich halten, eine Website zu haben, stellen wir fest, dass viele Revolution&#228;re die Illusionen der informatischen Revolution teilen. Die Kritik des Fleisches ist verbreiteter als jene des Computers und jene der Autobahnen f&#252;r Fahrzeuge als jene der &#8222;Informationsautobahnen&#8220;. Die extreme Rarit&#228;t oder gar die schiere Unauffindbarkeit der Texte von Bakunin, Pannekoek oder sogar Marx verhinderte jedoch 1967 das Aufkommen eines an sie ankn&#252;pfenden Protests nicht. Einige Jahre zuvor wurden 50 bis 500 Exemplare von &lt;i&gt;Potlatch&lt;/i&gt; verteilt. Die scheinbar unmittelbare Verf&#252;gbarkeit von allem hindert die Gesellschaftskritik 30 Jahre sp&#228;ter nicht daran, sich auf einem viel tieferen Niveau abzuspielen. Zehnmal so viele Treffen oder tausendmal so viele virtuelle Verbindungen werden daran nichts &#228;ndern. Die revolution&#228;re Bewegung ist nicht eine Frage der &lt;i&gt;Zirkulation&lt;/i&gt; und die &#220;berwindung unserer Befangenheiten keine der gekn&#252;pften Beziehungen. Nur die Entwicklung der gesellschaftlichen Realit&#228;t, zu welcher die kommunistischen Minderheiten beitragen werden, aber kaum mehr als die anderen Proletarier, ist determinierend und wird es weiterhin sein, sie best&#228;tigt oder entkr&#228;ftet alle (Hypo)Thesen oder einen Teil davon und tr&#228;gt zur Totalisierung bei.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im gegenw&#228;rtigen Zustand wird ein Zusammenschluss wie jener, der rund um &lt;i&gt;Meeting&lt;/i&gt; in Erw&#228;gung gezogen wird, es sei denn, er &#228;hnle einer erweiterten Version von &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;, im besten Falle ein internes Nachrichtenblatt der Kommunisierer hervorbringen. Aber eine Aneinanderreihung ist kein Dialog und jeder Dialog nicht zwingend eine Kl&#228;rung. Die vorbereitenden Dokumente zeugten von sehr verschiedenen, manchmal schwierig miteinander zu vereinbarenden Ans&#228;tzen. Entscheidend ist der Inhalt, den man den Worten &lt;i&gt;Kommunisierung&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Klasse&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Klassenkampf&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;Abschaffung der Klassen&lt;/i&gt; gibt. Viele Genossen, und nicht nur &#8222;Kommunisierer&#8220;, &#252;bernehmen die Idee einer Klasse, die, w&#228;hrend sie existiert und als Klasse k&#228;mpft, letztendlich alle Klassen vernichten wird, doch sie interpretieren die Formel sehr verschiedenartig und h&#228;ufig widersprechen diese Interpretationen einander. Es ist schwer ersichtlich, wie eine solche Zeitschrift qualitativ bessere Aktivit&#228;ten als bis anhin beg&#252;nstigen soll. Nach 1945 teilten Bordiga und Pannekoek, gem&#228;ss Kriterien, die sich stark von der Kommunisierung unterscheiden, aber nicht minder stichhaltig sind, einen &lt;i&gt;Kern&lt;/i&gt;, der sie zum Beispiel klar von den Trotzkisten, den Anarchisten usw. unterschied: Niemand h&#228;tte sich jedoch vorstellen k&#246;nnen, dass sie zusammen in einer gemeinsamen Organisation sein k&#246;nnten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die kommunistische Theorie gr&#252;ndet auf einer noch nicht best&#228;tigten Vorannahme, was zwingend zu einer Fragmentierung f&#252;hrt, die in jeder Periode einer schwachen Intensit&#228;t des Klassenkampfes unvermeidlich verst&#228;rkt wird. Marx und Engels, die weit weniger isoliert waren als wir, r&#228;umten ein, dass sie sich ihr &#8222;Mandat&#8220; als revolution&#228;re Theoretiker selbst gegeben und es nicht von einer sie anerkennenden breiten Bewegung erhalten hatten. Nachdem der Kapitalismus 150 Jahre sp&#228;ter zehnmal auf seinem Totenbett geschildert worden ist, ist er immer noch quicklebendig und die tats&#228;chliche &#220;berpr&#252;fung der Theorie (durch eine kommunistische Revolution) l&#228;sst auf sich warten. Man kann alles und das Gegenteil davon theoretisieren: die Gewissheit der Revolution aufgrund des Fortbestehens der proletarischen Bewegung &lt;strong&gt;oder&lt;/strong&gt; ihre Unauffindbarkeit aufgrund der nachhaltig &lt;i&gt;nicht&lt;/i&gt; kommunistischen Praxis ebendieser Proletarier. Diese beiden gegenteiligen Standpunkte k&#246;nnten mit der gleichen demonstrativen Strenge basierend auf nachgewiesenen historischen Tatsachen und &#228;hnlichen Konzepten aufgezeigt werden und sich nicht allzu missbr&#228;uchlich auf unsere Klassiker berufen. Obwohl sie einander diametral entgegengesetzt sind, haben diese beiden Positionen eine gemeinsame intellektuelle Vorgehensweise. Die eine wie die andere glauben, die Koh&#228;renz und die Stichhaltigkeit eines Konzepts aufgrund dessen, was es von sich selbst sagt, beurteilen zu k&#246;nnen. Nur ist der Klassenkampf diesbez&#252;glich der einzige Friedensrichter und wird es immer sein. Einzig das proletarische Hereinplatzen auf die historische B&#252;hne &#8222;beweist&#8220; die G&#252;ltigkeit der Theorie des Proletariats und endg&#252;ltig wird sie nur eine kommunistische Revolution &#8222;beweisen&#8220;. Zwischen jeder gesellschaftlichen Welle und bis zur letzten, die endlich &#8222;die richtige&#8220; sein werde, vermitteln jegliche revolution&#228;re &#220;berlegung und Aktivit&#228;t den Eindruck, in einem luftleeren Raum zu schweben. In einem solchen Fall entsteht eine nat&#252;rliche Tendenz, diese Leere so gut es geht zu f&#252;llen. Aber die Verwandlung von Niederlagen in Siege ist nur auf dem Papier m&#246;glich. Man anerkennt besser, dass man provisorisch besiegt ist, wenn man es nicht bleiben will.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Aufgabe der Stunde ist weder die Organisation eines gemeinsamen Ausdrucks noch jene aneinander vorbeigehender Diskussionen, sondern die Vertiefung unserer besonderen Vorannahmen unter dem Eingest&#228;ndnis und der Integration ihrer Unfertigkeit und ihre Konfrontation mit den analysierten Tatsachen. Wenn das einmal getan ist und so unerl&#228;sslich diese Aktivit&#228;t auch sein mag, wird sie jedoch nicht zu einer kritischen Synthese f&#252;hren, eine solche ist gegenw&#228;rtig nicht erreichbar. Um die Situationistische Internationale zu paraphrasieren, was heute wichtig ist, ist nicht die Einheit, sondern die eingestandene Spaltung: Eine gegebene Situation, vor allem eine der Schw&#228;che und Isolation, kann nur &#252;berwunden werden, wenn man sich ihrer annimmt, nicht wenn man so tut, als ob sie nicht existierte und vor allem vom (guten) Willen der Kommunisierer abhinge&#8230;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8230; oder von &#8222;konzessionslosen&#8220; Polemiken. Die Polemik ist gleichbedeutend mit Personalisierung, mit der Betrachtung des Anderen als Eigent&#252;mer von Ideen, wovon er nur Verwahrer ist, und somit von vornherein ein falscher Weg. Die Polemik hat die Zerst&#246;rung der gegnerischen Partei zum Ziel, diese wird im schlimmsten Fall als Feind behandelt, im besten als Instrument zur Selbstdarstellung. Wir ziehen es vor, das zu kritisieren, was uns interessant scheint und es verdient, dekonstruiert zu werden, um es in ein anderes Ganzes zu reintegrieren und ihm einen neuen Sinn zu geben. Wir kritisieren nicht das, was wir als absurd oder dumm (und noch weniger &#8222;gef&#228;hrlich&#8220;!) betrachten, sondern das, was wir lesen und wovon wir m&#246;chten, dass es gelesen wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aus diesem Grund zitieren wir im Allgemeinen kaum aus uns kritikw&#252;rdig scheinenden Texten. Der Polemiker auf der Suche nach einem leichten Ziel w&#228;hlt beim Gegner jenen Satz, welcher in seinen Augen der schw&#228;chste ist. Wir ziehen es vor, unsere Position darzulegen, und &#252;berlassen es dem Leser, sie mit der Logik der anderen Position zu konfrontieren. Wozu sollte man 30 S&#228;tze zitieren, die den Determinismus von TC beweisen? Ein Widersacher k&#246;nnte 30 andere finden, die das Gegenteil beweisen. Es ist die gesamte Bewegung einer Vorgehensweise, die einer deterministischen Linie folgt oder nicht folgt. Ein Leser, der sich mit Zitaten begn&#252;gen w&#252;rde, um sich mit uns einverstanden zu erkl&#228;ren, h&#228;tte unsere Methode &#252;berhaupt nicht verstanden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kaum Polemiken also, und gewiss keine Neugr&#252;ndung. Das ist es wom&#246;glich, was die an &lt;i&gt;Meeting&lt;/i&gt; interessierten Leute miteinander gemeinsam haben, und gewiss der Kern dessen, was uns von einem solchen Projekt entfernt. Trotz ihrer Meinungsverschiedenheiten teilen Th&#233;orie communiste und die anderen Teilnehmer (die Zeitschrift und Website &lt;i&gt;La Mat&#233;rielle&lt;/i&gt; zum Beispiel) die Einsch&#228;tzung, dass ein theoretischer Wiederaufbau notwendig ist, freilich basierend auf grundlegenden Konzepten (Klasse, Produktionsverh&#228;ltnisse, Kapital, Staat, Kommunismus&#8230;), aber im Dienste der Produktion einer Theorie der Revolution f&#252;r unsere Zeit stehend, einer Theorie, welche die damalige Unm&#246;glichkeit des Kommunismus (die Periode 1960-1980 l&#228;uft auch unter damals) und seine gegenw&#228;rtige M&#246;glichkeit-Notwendigkeit aufzeigen w&#252;rde. Einer Theorie also, welche die vergangenen Misserfolge und die m&#246;glichen-wahrscheinlichen k&#252;nftigen Erfolge erkl&#228;ren w&#252;rde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unserer Meinung nach und ohne auf Invarianz machen zu wollen, ist eine solche Neugr&#252;ndung gegenstandslos. Unter der Gefahr, in den Augen einiger als Bordigisten durchzugehen, sagen wir, dass die wesentlichen Grundlagen der revolution&#228;ren Theorie in den 1840er Jahren gelegt worden sind. (Unter der zus&#228;tzlichen Gefahr, andere auch noch zu &#252;berraschen, w&#252;rden wir hinzuf&#252;gen, dass die Situationistische Internationale nicht weit davon entfernt war, das auch so zu sehen.) Welche wesentlichen Grundlagen? Die Definition des Proletariats als neue historische Kraft im Vergleich zu Sklaven, Leibeigenen, Armen, Ausgebeuteten und Entrechteten vor dem Kapitalismus (vor der Renaissance und vor allem vor der Industrialisierung).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und dies nicht aus Liebe zur Industrie oder den Produktivkr&#228;ften (obwohl die Ambivalenz bei Marx und anderen diesbez&#252;glich unbestreitbar ist, doch wir sind hier mit der St&#228;rke der Sichtweise verbunden, nicht mit ihren Schw&#228;chen). Sondern weil der Kapitalismus das erste Ausbeutungssystem ist, das man als universell bezeichnen kann, und weil er auf einem Proletariat gr&#252;ndet, das aufgrund seiner Existenz &lt;i&gt;im&lt;/i&gt; Kapital, seiner Verflechtung damit, eben genau seiner &#8222;gegenseitigen Verstrickung&#8220; potenziell revolution&#228;r ist und deswegen die Kapazit&#228;t erlangt, als Subjekt einer radikalen gesellschaftlichen Ver&#228;nderung zu handeln, die Kapazit&#228;t, eine menschliche Gemeinschaft zu erschaffen. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts war die Perspektive des Inhalts des Kommunismus gegeben: Abschaffung des Privateigentums, des Kapitals, des Geldes, &lt;i&gt;der Arbeit&lt;/i&gt;, des Staates. Diesbez&#252;glich trennt kein grundlegender Unterschied den englischen Minenarbeiter oder den proletarisierten Pariser Handwerker von 1850 vom Angestellten eines Call Centers in Indien oder einem kalifornischen Lastwagenfahrer 2004. Alles, was man als das analysieren kann, was 1850 eine kommunistische Handlung des Minenarbeiters oder des proletarisierten Handwerkers verhindert, als &#8222;objektive&#8220; Grenzen (d.h. nicht von ihnen abh&#228;ngig, sondern auferlegt durch die Lage, in welche sie gebracht worden sind), wird man auch beim Angestellten des Call Centers oder dem Lastwagenchauffeur 2004 wiederfinden. Was sie alle vier gemeinsam haben (hinsichtlich der historischen M&#246;glichkeit &lt;i&gt;wie auch&lt;/i&gt; der gesellschaftlichen Hindernisse und Tr&#228;gheit), ist weit bedeutender als das, was sie voneinander unterscheidet. Das ist der wesentliche Punkt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Theoretisierung mag vielleicht falsch sein. Wir haben im Grunde genommen keine andere. Keine neue Theorie ist f&#228;hig, sie zu beweisen oder zu entkr&#228;ften. Nur die Geschichte (die noch ungeschehene, also die Zukunft) wird es k&#246;nnen. Und nichts garantiert heute, dass die Proletarier von 2015 oder 2030 mehr oder besser als Revolution&#228;re handeln werden als jene von 1848, 1919 oder 1969 und niemand kann es aufzeigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die wesentlichen Grundlagen enthalten nicht alles. Die Zerst&#246;rung des Staates, die Kritik der Arbeiterbewegung, aller Vermittlungen, der Nation, des allt&#228;glichen Lebens, das Verst&#228;ndnis der Revolution als Kommunisierung, all diese unerl&#228;sslichen Beitr&#228;ge sind erst nach 1848 hinzugekommen und konnten erst dann hinzukommen. Und die Kommunisten von 1920 oder 1970 waren sogar h&#228;ufig, indem sie diese verschiedenen Punkte hervorhoben, &lt;i&gt;im Widerspruch&lt;/i&gt; zu den Positionen von Marx und Engels. Trotzdem haben diese Beitr&#228;ge nur integriert in die wesentliche Definition Sinn ergeben und tun dies immer noch, sonst verschwindet die gesamte kommunistische Perspektive.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es braucht keine Postarbeitertheorie der Revolution, denn jene, welche wir haben, jene von Marx, Pannekoek, Bordiga oder Debord war &lt;i&gt;keine&lt;/i&gt; &#8222;Arbeitertheorie&#8220;. Gewiss fetischisierte und ideologisierte der Kommunismus die Arbeiterschaft. Aber zutiefst in seinem offensiven Kern suchte er den &lt;i&gt;Proletarier&lt;/i&gt; im Arbeiter, nicht den produzierenden Fabrikanten, der mit als in sich selbst als befreiend vorausgesetzten Werkzeugen und Maschinen hantierte. Die Arbeiterideologie war nicht das Programm des Proletariats, sondern der Konterrevolution. Es mangelt hier an Platz, um aufzuzeigen, dass das sogar in Bezug auf die &#8222;arbeiterideologischste&#8220; der kommunistischen Str&#246;mungen zutrifft, die deutsche Linke: Die wahre Partei &lt;i&gt;des Arbeiters&lt;/i&gt; war die USPD, nicht die KAPD.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ausser man begibt sich, freiwillig oder nicht, kontrolliert oder nicht, auf eine Irrfahrt, was bei &lt;i&gt;Meeting&lt;/i&gt; gewiss nicht der Fall ist, kann eine neue Ausarbeitung der Theorie nur bedeuten, dass man einen besonders g&#252;nstigen Beobachtungspunkt sucht, von wo aus sich einem die gesamte Geschichte der Menschheit entfaltet, wenn man den richtigen Schl&#252;ssel besitzt. Wir haben es hier mit einem neuen Beispiel des (verst&#228;ndlichen, aber illusorischen) Glaubens an die Allmacht des menschlichen Geistes zu tun.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;At the end of the day&lt;/i&gt; scheint es, dass die Teilnehmer am Projekt &lt;i&gt;Meeting&lt;/i&gt; der Kommunisierung einen ganz anderen Inhalt geben, als jener, welcher am Anfang des Texts skizziert worden ist. Sie beschreibt f&#252;r sie weniger den konkreten Prozess der kommunistischen Transformation der gesellschaftlichen Beziehungen, als dass sie eine g&#228;nzlich neue Epoche definiert, jene der endlich m&#246;glichen-notwendigen Revolution. Es ist schwierig, darin nicht einen R&#252;ckschritt gegen&#252;ber dem zu sehen, was von &#8222;Eine Welt ohne Geld&#8220;, &lt;i&gt;La Banquise&lt;/i&gt; oder gar in j&#252;ngerer Vergangenheit &lt;i&gt;Hic Salta&lt;/i&gt; jeweils auf ihre eigene Art und Weise versucht worden ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Aufruf&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zwar auf ganz andere Art und Weise illustriert der &lt;i&gt;Aufruf&lt;/i&gt; auch eine Krisensituation, die er sich bem&#252;ht, auf seine Art und Weise zu &#252;berwinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine Reaktion auf den &lt;i&gt;Aufruf&lt;/i&gt; durch das Hervorholen unserer theoretischen Waage, um das Pro und Kontra abzuw&#228;gen, w&#228;re absolut sinnlos oder w&#252;rde von einer traurigen Gleichg&#252;ltigkeit gegen&#252;ber einer entstehenden, handelnden, sich suchenden und formalisierenden gesellschaftlichen Subversion zeugen. Was auch immer die durch es ausgel&#246;sten Vorbehalte sein m&#246;gen, dr&#252;ckt dieses Buch eine &lt;i&gt;Existenz&lt;/i&gt;, eine Erfahrung aus, besonders in den Aktionen der letzten Jahre gegen die Globalisierung und zieht auf seine Weise Bilanz aus der Epoche. Ausgedr&#252;ckt in einer zur Lekt&#252;re einladenden Sprache, enth&#228;lt die theoretische Errungenschaft wesentliche Elemente des Verst&#228;ndnisses, &#252;bernommen namentlich von Marx, der kommunistischen Linken, der Situationistischen Internationale, der Anarchie, ohne dass irgendeine Abstammung beansprucht w&#252;rde und ohne irgendwelche Klassiker zu zitieren: Die in den Text integrierten Zitate werden h&#228;ufig &#8222;einem Freund&#8220; oder &#8222;einem alten Freund&#8220; zugeschrieben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Wenn wir uns unter dem Feind immer wieder ein Subjekt vorstellen, das uns die Stirn bietet - anstatt ihn als ein Verh&#228;ltnis zu empfinden, das uns h&#228;lt &#8211; f&#252;hrt das dazu, dass man sich im Kampf gegen das Einsperren einschlie&#223;t.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Praxis des Kommunismus, so wie wir sie leben, nennen wir 'die Partei'. Wenn wir gemeinsam ein Hindernis &#252;berwinden oder einen h&#246;heren Zustand des Teilens erreichen, dann sprechen wir davon, dass 'wir die Partei aufbauen'. Sicherlich bauen andere, die wir noch nicht kennen, die Partei anderswo auf. Dieser Aufruf wendet sich an sie.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;[D]er Aufbau der Partei in seinem sichtbarsten Aspekt [besteht] f&#252;r uns darin, zu teilen oder zu kommunisieren, was uns zur Verf&#252;gung steht. Einen Ort zu kommunisieren bedeutet: seine freie Nutzung zu erm&#246;glichen und auf der Grundlage dieser Befreiung mit verfeinerten, intensivierten und komplexeren Beziehungen zu experimentieren.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Es gibt Umst&#228;nde, wie die eines Krawalls, in welchen die F&#228;higkeit, sich unter Genossen zu pflegen, unsere F&#228;higkeit zu zerst&#246;ren betr&#228;chtlich steigert. Wer kann sagen, dass sich zu bewaffnen nicht Teil der materiellen Konstitution einer Kollektivit&#228;t ist?&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Kommunisierung wird hier als antagonistisch zu dieser Welt definiert, in einem unvers&#246;hnlichen und gewaltt&#228;tigen Konflikt mit ihr (bis hin zur Illegalit&#228;t). Sie unterscheidet sich also von der Alternative, die (h&#228;ufig mit Erfolg) am Rande nach Akzeptanz und einer nachhaltigen Koexistenz mit dem Staat und der Lohnarbeit strebt, in der Hoffnung, dass das Kr&#228;fteverh&#228;ltnis sich eines Tages von allein umkehrt und dass die &#8222;befreiten&#8220; Gebiete und Aktivit&#228;ten die &#220;berhand gewinnen und letztendlich alles mit sich reissen, ohne Revolution dank der nat&#252;rlichen &#220;berlegenheit der menschlichen und br&#252;derlichen Beziehungen &#252;ber die Handels- und Herrschaftsverh&#228;ltnisse. Diese Sichtweise wird vom &lt;i&gt;Aufruf&lt;/i&gt; nicht nur nicht geteilt, sondern auch bek&#228;mpft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nur, wie soll man &#8222;die Situation der Ausnahme bewohnbar [&#8230;] machen&#8220;, z.B. ausserhalb der Arbeit leben, ohne eine breite Bewegung, die mit der herrschenden Ordnung gebrochen hat?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der &lt;i&gt;Aufruf&lt;/i&gt; geht davon aus, dass jene, an welche er sich richtet, schon organisiert (oder daran arbeiten) und relativ zahlreich sind. Man darf bezweifeln, dass das der Fall ist. Das Buch r&#228;umt ein, dass die Erfahrung der Schwarzen Bl&#246;cke an die Grenzen des gesellschaftlichen Widerstands gestossen ist: Wenn es schwierig ist, sich zu verteidigen, wie soll man in die Offensive gehen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn man sich die Frage nicht stellt, l&#228;uft man Gefahr, eine Kommunisierung zu theoretisieren, die auf &lt;i&gt;einen Schritt zur Seite&lt;/i&gt; beschr&#228;nkt ist, der ist f&#252;r eine Revolution sicher notwendig, aber er reicht nicht. Kommunisieren bedeutet, mit anderen Beziehungen, anderen Lebensarten zu experimentieren, in jeglicher Hinsicht. Doch es ist zwingend auch mehr und &lt;strong&gt;etwas anderes&lt;/strong&gt; als die maximale Ausweitung der von dieser Gesellschaft einger&#228;umten autonomen R&#228;nder. Wir erkennen uns wieder in der Definition des Kommunismus als Teilen, Zusammensein und Zusammenarbeit, Prozess und Konflikt. Aber wie soll man jetzt, in der 2004 vorherrschenden gesellschaftlichen Realit&#228;t, Verbindungen, Orte und Sezessionen praktizieren, die, obwohl sie gewiss gewaltt&#228;tiger und st&#228;rker unterdr&#252;ckt, da h&#228;ufig ausserhalb des Gesetzes stehend, doch auch integriert in die Funktionsweise des modernen Kapitalismus sind, nicht nur radikalere Alternativen als andere darstellen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mittlerweile hat jede Stadt Europas und Nordamerikas (und Asiens bald auch immer mehr) ihre radikale &#214;kogruppe, ihre anarchistische Gemeinschaft, ihr besetztes Haus. Das Leben ausserhalb der Lohnarbeit ist m&#246;glich (oder zwingend) f&#252;r Millionen von Europ&#228;ern. Der zeitgen&#246;ssische Hedonismus kehrt die am Anfang dieses Essays zitierte Formel Victor Serges um: Sie regt uns dazu an, die Gegenwart &lt;i&gt;nicht&lt;/i&gt; der Zukunft &lt;i&gt;zu opfern&lt;/i&gt;, intensiv Situationen zu entwerfen, im Hier und Jetzt andere gesellschaftliche Verh&#228;ltnisse zu leben. Dieser Hedonismus &#252;berschneidet sich mit dem Altermondialismus in einer gleichen Verweigerung der Gesamtheit und jeglicher Zerst&#246;rung der zentralen politischen Macht: Es sei m&#246;glich, die Macht &#252;ber sich und lokal zu ergreifen und eine k&#252;nftige soziale Revolution durch Millionen von pers&#246;nlichen und mikrokollektiven Revolutionen zu ersetzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der &lt;i&gt;Aufruf&lt;/i&gt; beschreibt einen urspr&#252;nglich subversiven Antimondialismus, der daraufhin von verschiedenen B&#252;rokratien absorbiert worden ist, ohne die Wirklichkeit einer solchen Bewegung, ihre Entstehung etwa 15 Jahre nach der Niederschlagung der revolution&#228;ren Angriffe der 1960er-1970er Jahre, deren Verst&#228;ndnis f&#252;r jenes unserer Zeit unerl&#228;sslich ist, gen&#252;gend zu hinterfragen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn es, wie es das Buch behauptet, stimmen w&#252;rde, dass die radikalen Globalisierungsgegner die mondialistische Linke auf der Strasse besiegt und sie gezwungen h&#228;tte, sich in ihre Sozialforen zur&#252;ckzuziehen, h&#228;tten &lt;i&gt;wir&lt;/i&gt; (die Autoren des &lt;i&gt;Aufrufs&lt;/i&gt;, wir selbst und viele andere) eine Existenz und w&#252;rden regelm&#228;ssig auf der Strasse in Erscheinung treten, was, das m&#252;ssen wir einr&#228;umen, selten der Fall ist. Es mangelt diesem &lt;i&gt;Aufruf&lt;/i&gt; an einer Analyse der gegenw&#228;rtigen sozialen Bewegung, der K&#228;mpfe, der R&#252;ckschl&#228;ge und Widerst&#228;nde in der Arbeitswelt, der Streiks, ihres Auftauchens, ihrer h&#228;ufigen Niederlagen, ihres gelegentlichen Ausbleibens, in einem Wort, einer Analyse all dessen, was der Altermondialismus abdeckt und wovon er die Grenzen ausdr&#252;ckt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotz der &#8222;Verw&#252;stung&#8220; der menschlichen Beziehungen liegt die alte Welt nicht im Sterben und hat auch durch die Krise Bestand, in ihr ersch&#246;pft sich alles, um fortzubestehen, Bourgeois und Proletarier.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein &#8222;Aufruf&#8220; kann nicht widerlegt werden. Entweder man h&#246;rt oder ignoriert ihn. Der Leser wird unsere Entscheidung verstanden haben. Der &lt;i&gt;Aufruf&lt;/i&gt; widerspiegelt die Dilemmas unserer Epoche und ihre Ambitionen. Falls eine Ambivalenz besteht, wird diese nur durch die Praxis jener aufgel&#246;st, welche einen solchen Aufruf lanciert haben, aber vor allem durch all jene, welche er betrifft. Ein Zeichen einer positiven Entwicklung hin zu gesellschaftlicher Reife w&#228;re z.B. eine Verbindung zwischen den Teilnehmern an &lt;i&gt;Meeting&lt;/i&gt; und den Initiatoren des &lt;i&gt;Aufrufs&lt;/i&gt;, eine F&#228;higkeit, zu verstehen, was diese beiden Wege gemeinsam haben und was sie trennt, um unter Umst&#228;nden zum Schluss zu kommen, dass sie nicht miteinander kompatibel sind. Wenn die Situation so ist, wie sie jene, welche &lt;i&gt;Meeting&lt;/i&gt; vorbereiten, und jene, welche den &lt;i&gt;Aufruf&lt;/i&gt; ver&#246;ffentlicht haben, beschreiben, dann sollte das schlichte Nebeneinander der Projekte zumindest ein gegenseitiges Interesse bei ihren jeweiligen Initianten ausl&#246;sen. Soweit wir wissen, ist das nicht der Fall.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Pr&#228;zisierungen (2004-2014)&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Zusammenschluss von &lt;i&gt;Meeting&lt;/i&gt; ist seinem Lauf gefolgt, danach kam etwas sp&#228;ter &lt;i&gt;SIC&lt;/i&gt;. Siehe die jeweils so lautenden Websites, so wie jene von &lt;i&gt;Th&#233;orie communiste&lt;/i&gt;. Man kann nicht sagen, dass diese Entwicklungen unsere Einsch&#228;tzung vor zehn Jahren entkr&#228;ftet haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Zitat von Victor Serge stammt aus &#8222;Die Anarchisten und die Erfahrungen der russischen Revolution&#8220; (1921), enthalten in &lt;i&gt;Marxismus und Anarchismus&lt;/i&gt;, Manifest Verlag, 2021.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was die Polemik betrifft, wird man vielleicht dagegen einwenden, dass das Beispiel Marx gegen Proudhon (&lt;i&gt;Das Elend der Philosophie&lt;/i&gt;, 1847) durch die Konfrontation viel zur Sch&#228;rfung und Ausarbeitung der kommunistischen Theorie beigetragen hat. Das stimmt wahrscheinlich. Aber zwei Jahre zuvor war Marx in seiner Polemik gegen &lt;i&gt;Der Einzige und das Eigentum&lt;/i&gt;, eben gerade, weil sie sich nur damit befasst, Falschaussagen, um nicht zu sagen Absurdit&#228;ten, zu widerlegen, blind f&#252;r das, was f&#252;r Marx selbst in Stirners Perspektive trotz Stirner wichtig sein konnte (siehe Daniel Joubert, &lt;i&gt;Marx versus Stirner&lt;/i&gt;, L'Insomniaque). Hinsichtlich Marxens Angriff gegen Bakunin anerkannten so wenig anarchistische Historiker wie Franz Mehring vor langem dessen Unaufrichtigkeit und Verzerrung der Tatsachen. Die Demolierung tats&#228;chlich sehr kritikw&#252;rdiger Schriften und Praktiken Bakunins tragen dazu bei, dass Marx die Tragweite der gerechtfertigten Kritiken des Anarchismus gegen&#252;ber den Gewerkschaften und den entstehenden sozialdemokratischen Partien nicht erkennt (siehe Madeleine Grawitz, &lt;i&gt;Bakunin. Ein Leben f&#252;r die Freiheit&lt;/i&gt;, Nautilus, 1999). Ein gutes Gegenbeispiel der Verdienste der Polemik.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Eine-Welt-ohne-Geld-Kommunismus-1975-1976&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;&lt;/a&gt;&lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/Eine-Welt-ohne-Geld-Kommunismus-1975-1976&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Eine Welt ohne Geld&#8220;&lt;/a&gt;: eine Brosch&#252;re in drei Teilen, herausgegeben von der Organisation des jeunes travailleurs r&#233;volutionnaires Mitte der 1970er Jahre.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;&lt;a href=&#034;http://lamaterielle.chez-alice.fr/hicsalta.htm&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Hic Salta&lt;/a&gt;&lt;/i&gt;: eine Zeitschrift, herausgegeben von Leuten, die sich fr&#252;her im n&#228;heren Umfeld von TC bewegten oder Mitglied waren, einer davon hat &lt;i&gt;&lt;a href=&#034;http://lamaterielle.chez-alice.fr/indexfr.html&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;La Mat&#233;rielle&lt;/a&gt;&lt;/i&gt; herausgegeben, der andere, Bruno Astarian, ist Autor von wichtigen Texten zur Kommunisierung (siehe das Literaturverzeichnis von &lt;a href=&#034;https://www.troploin.fr/node/22&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;&#8222;Communisation&#8220;&lt;/a&gt;), siehe seine Website &lt;a href=&#034;https://www.hicsalta-communisation.com/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Hic Salta&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unter dem kollektiven Namen Unsichtbares Komitee waren die Redakteure des Aufrufs an der Niederschrift des weltweit bekannten Werks &lt;i&gt;Der kommende Aufstand&lt;/i&gt; beteiligt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://www.troploin.fr/node/23&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
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