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		<title>Robert Ferro - Eine Kritik von &#8222;An unsere Freunde&#8220;</title>
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&lt;p&gt;Im folgenden Text befassen wir uns mit einer Kritik von An unsere Freunde vom Unsichtbaren Komitee. Wir m&#246;chten den Leser warnen, dass diese Kritik nicht vollst&#228;ndig sein wird, denn der Text w&#252;rde eine noch ausf&#252;hrlichere Entschl&#252;sselung verdienen als jene, welche wir hier auf einigen Seiten unternehmen; wir beschr&#228;nken uns also darauf, einige grundlegende Postulate zu untersuchen, von welchen uns scheint, dass sie seinen theoretischen Kern strukturieren. An unsere Freunde stellt ein gutes (...)&lt;/p&gt;


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		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Im folgenden Text befassen wir uns mit einer Kritik von &lt;i&gt;An unsere Freunde&lt;/i&gt; vom Unsichtbaren Komitee. Wir m&#246;chten den Leser warnen, dass diese Kritik nicht vollst&#228;ndig sein wird, denn der Text w&#252;rde eine noch ausf&#252;hrlichere Entschl&#252;sselung verdienen als jene, welche wir hier auf einigen Seiten unternehmen; wir beschr&#228;nken uns also darauf, einige grundlegende Postulate zu untersuchen, von welchen uns scheint, dass sie seinen theoretischen Kern strukturieren. &lt;i&gt;An unsere Freunde&lt;/i&gt; stellt ein gutes Beispiel der Art und Weise dar, wie eine &lt;i&gt;konservative&lt;/i&gt; Konzeptbastelei als revolution&#228;r verkleidet sein kann und es ist umso schwieriger, eine Kritik davon zu erstellen, als dass das Werk auf den ersten Blick dicht, oder gar &#252;berladen ist. Nach einer aufmerksamen Lekt&#252;re bemerkt man jedoch, dass sich sein Herzst&#252;ck auf einige schwache Vorschl&#228;ge beschr&#228;nkt, welche im &lt;i&gt;Brei&lt;/i&gt;, in welchem sie schwimmen, leicht &#252;bersehen werden k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Westen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Westen ist die Obsession des Unsichtbaren Komitees: Er verk&#246;rpert in seinen Augen alle Schrecken der Zivilisation. Er ist somit gleichzeitig Synonym f&#252;r Kapitalismus, Imperialismus, Kolonialismus, Zerst&#246;rung der Natur, Wille zur Herrschaft &#252;ber andere usw. Doch der Gebrauch dieses Konzepts scheint uns verd&#228;chtig, denn dieser starre Gegensatz zwischen dem &lt;i&gt;Westen&lt;/i&gt; und dem &lt;i&gt;Rest&lt;/i&gt; stellt nur den imperialistischen oder konservativen Standpunkt auf den Kopf, welcher aus diesem Westen etwas Absolutes macht. Alles in allem ist das Unsichtbare Komitee ein im Handstand gehender Spengler (oder Alain de Benoist, wenn man m&#246;chte). Die tats&#228;chlich westliche, de facto unwiderlegbare Entstehung der kapitalistischen Produktionsweise verwandelt sich in eine metaphysische Schuld. Umgekehrt wird alles Nicht-Westliche ontologisch aufgewertet. Die westliche Zivilisation ist das absolute B&#246;se, doch man fragt sich, was es mit den 20000 Jahren Klassengesellschaft und Ausbeutung des Menschen durch den Menschen auf sich hat: Ist der Westen von einem anderen Planeten gekommen? Das Komitee, welches die &#8222;Genealogien&#8220; des Linksnietzscheanismus gewiss ganz toll findet, sollte das eigentlich wissen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Der Begriff des Westens [&lt;i&gt;l'occident&lt;/i&gt;] selbst, als Gegensatz zum Orient, wurde erschaffen, um diesen Bruch [zwischen der r&#246;mischen Kirche des Westens und des Orients, AdA] innerhalb der gleichen Zivilisation und der gleichen Religion zu bezeichnen.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Georges Corm, Histoire du Moyen-Orient. De l'Antiquit&#233; &#224; nos jours, La (...)&#034; id=&#034;nh1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch nachdem der Westen &#8211; vom historisch kolonialistischen Frankreich bis zum von England v&#246;llig kolonialisierten Irland &#8211; und der Nicht-Westen als zwei &lt;i&gt;Essenzen&lt;/i&gt; gesetzt sind, was lehrt uns das Komitee bez&#252;glich ersterem?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Produktion und Zirkulation&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was die Analyse der Funktionsweise des Kapitals betrifft, stellt folgende Ungeheuerlichkeit die grundlegende These dar:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Der Wertsch&#246;pfungsprozess einer Ware [&#8230;] f&#228;llt mit dem Prozess der Zirkulation zusammen, der wiederum mit dem Prozess der Produktion zusammenf&#228;llt, der in Echtzeit im &#220;brigen den Schlussfluktuationen des Marktes entspricht [Ad&#220;: es m&#252;sste heissen: &lt;i&gt;von&lt;/i&gt; den Schlussfluktuationen des Marktes &lt;i&gt;abh&#228;ngt&lt;/i&gt;].&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Unsichtbares Komitee, An unsere Freunde, Nautilus, 2015, S. 88.&#034; id=&#034;nh2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seien wir brutal: Diese Textstelle hat &#252;berhaupt keinen Sinn. Erstens ist es das &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt; oder der &lt;i&gt;Wert&lt;/i&gt;, welches oder welcher sich verwertet: Die Ware macht selbst nichts, sie ist ein Tr&#228;ger, ein notwendiges Moment im Kreislauf, durch welchen das Kapital sich verwerten kann; aber wenn die Ware als solche auf dem Markt erscheint, ist der Mehrwert bereits produziert worden, er muss nur noch durch den Verkauf verwirklicht werden. Zweitens ist das Zusammenfallen von Produktions- und Zirkulationsprozess eine logische Unm&#246;glichkeit: Die Zirkulationssph&#228;re f&#252;gt dem schon produzierten Wert keinen neuen Wert hinzu; zudem ist sie zeitlich und r&#228;umlich stets von der Produktionssph&#228;re getrennt, ausser man nimmt &#8211; durch wer weiss welche Allgegenwart &#8211; an, dass der gleiche Arbeiter gleichzeitig Arbeiter bei Goodyear und Kassierer bei Franprix sein kann. Die Gleichsetzung von Produktion und Zirkulation ist immer gleichbedeutend mit der Verwechslung von produktiver mit unproduktiver Arbeit, von Arbeit, welche gegen Kapital, und Arbeit, welche gegen Einkommen getauscht wird, und somit bleibt man ein Gefangener des Fetischs der Distribution, welcher die Besonderheit der Mehrwert produzierenden Arbeit in der Totalit&#228;t der Lohneinkommen aufl&#246;st. Was allerdings noch wesentlicher ist f&#252;r die Entschl&#252;sselung des Texts, welcher uns besch&#228;ftigt, ist die Tatsache, dass man ausgehend von den Distributionsverh&#228;ltnissen, d.h. von der Gleichsetzung von produktiver und unproduktiver Arbeit, alles kritisieren kann: die Ware, das Geld, die Ungleichheiten, sogar den Staat &#8211; alles, &lt;i&gt;ausser das Kapital&lt;/i&gt;, denn &lt;i&gt;nur die produktive Arbeit bringt es hervor&lt;/i&gt;. Es geht nicht darum, die produktive Arbeit als irgendeine mythische Figur zu essentialisieren, umso mehr, weil der Mehrwert nicht (wie es die Anti-Marxisten annehmen) auf die Industrie im strikten Sinne beschr&#228;nkt ist; der produktive oder unproduktive Charakter der Arbeit wird auf der Ebene des gesellschaftlichen und kombinierten Arbeiters festgelegt und Marx betont das &#252;brigens wiederholt im &lt;i&gt;Kapital&lt;/i&gt;, wie auch in den &lt;i&gt;Grundrisse&lt;/i&gt; und in den &lt;i&gt;Theorien &#252;ber den Mehrwert&lt;/i&gt;. Es ist jedoch wichtig, diesbez&#252;glich klare Gedanken zu haben, um das &lt;i&gt;Strukturierende&lt;/i&gt; vom &lt;i&gt;Strukturierten&lt;/i&gt; zu unterscheiden, &lt;i&gt;ohne jedoch das Strukturierte auf eine wirklichkeitslose Begleiterscheinung zu reduzieren&lt;/i&gt; (das ist ein grundlegender Punkt).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Mindeste, was man von den &#8222;gekommenen Aufst&#228;nden&#8220; sagen kann, ist, dass sie das geheime Labor der Produktion mit der Inschrift &lt;i&gt;No admittance except on business&lt;/i&gt; kaum (auf jeden Fall nicht gen&#252;gend) ber&#252;hrt haben. Das Unsichtbare Komitee glaubt, diese Schwierigkeit, diese Grenze auf rein intellektuelle Art und Weise umschiffen zu k&#246;nnen, indem es zu verstehen gibt, dass die Mehrwertproduktion viel diffuser sei als in der Vergangenheit. Das ist allerdings schlicht und einfach falsch &lt;i&gt;oder es war immer so&lt;/i&gt;. Wie h&#228;tte Marx folgende Zeilen schreiben k&#246;nnen, wenn dem nicht so w&#228;re?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Z.B. Milton, who did the paradise lost, war ein unproduktiver Arbeiter. Der Schriftsteller dagegen, der Fabrikarbeit f&#252;r seinen Buchh&#228;ndler liefert, ist ein produktiver Arbeiter. Milton produzierte das Paradise lost, wie ein Seidenwurm Seide produziert, als Bet&#228;tigung &lt;i&gt;seiner&lt;/i&gt; Natur. Er verkaufte sp&#228;ter das Produkt f&#252;r 5 l. und wurde insofern Warenh&#228;ndler. Aber der Leipziger Literaturproletarier, der auf Kommando seines Buchhandlers B&#252;cher, z. B. Kompendien &#252;ber Politische Oekonomie produziert, ist ann&#228;hernd ein produktiver Arbeiter, soweit seine Produktion unter das Kapital subsumiert ist und nur zu dessen Verwertung stattfindet. [&#8230;] Ein Schulmeister, der andre unterrichtet, ist kein produktiver Arbeiter. Aber ein Schulmeister, der als Lohnarbeiter in einem Institut mit andern engagiert ist, um durch seine Arbeit das Geld des Entrepreneurs der knowledge mongering institution zu verwerten, ist ein produktiver Arbeiter.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Karl Marx, Resultate des unmittelbaren Produktionsprozesses, Archiv (...)&#034; id=&#034;nh3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Mehrwertproduktion war jedoch nie diffus und so stark in der Gesellschaft zerstreut, dass sie mit der Zirkulationssph&#228;re zusammenfiel, und wird es auch nie sein. Nat&#252;rlich muss der hervorgebrachte Mehrwert durch den Verkauf auf dem Markt verwirklicht werden und in diesem Sinn ist der Zirkulationsprozess wesentlich f&#252;r die Reproduktion des Kapitals; doch er repr&#228;sentiert nur Entwertungszeit f&#252;r den schon hervorgebrachten Wert. Die vom Komitee gepriesene Parole &#8222;Blockieren wir alles!&#8220; entspricht der Idee, dass es m&#246;glich w&#228;re, an jedem Punkt der Oberfl&#228;che der Gesellschaft die Mehrwertproduktion zu unterbrechen. Als Beispiel zur Legitimation dieser Idee wird die franz&#246;sische Bewegung gegen die Rentenreform 2010 erw&#228;hnt, besonders ihr Verh&#228;ltnis mit dem Sektor der Raffinerien. Es wird uns gesagt, dass diese von irgendjemandem blockiert worden sein konnten, was der absoluten Verblendung und Mystifikation gleichkommt: Die Streiks wurden nicht von &#8222;irgendjemandem&#8220; ausgel&#246;st, die Blockaden ausserhalb der Industrieanlagen waren und blieben eine &#228;ussere Unterst&#252;tzung derselben und die Grenze zwischen &#8222;Drinnen&#8220; und &#8222;Draussen&#8220; verschwand zu keinem Zeitpunkt. Das zeigt uns schlicht und einfach, dass die Bewegung die Trennungen und separaten Identit&#228;ten nicht zum Platzen bringen konnte. Doch diese Erz&#228;hlung voller &#220;bertreibungen und die Bezugnahme auf gewisse besondere Sektoren, welche durch eine alles andere als unerkl&#228;rbare, sehr bedeutende organische Zusammensetzung des Kapitals charakterisiert sind, dienen dem Komitee dazu, sich als Propheten der Blockade hervorzutun, sowie dazu, seinen Beitrag zum postmodernen Konsens &#252;ber das Verschwinden der Arbeiterklasse zu leisten &#8211; welcher, man weiss es, jenes Terrain ist, wo alle sich vers&#246;hnen, auch das Unsichtbare Komitee mit Toni Negri und den &lt;i&gt;commoners&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Totalit&#228;t&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was den strikt philosophischen Standpunkt betrifft, gibt sich das Unsichtbare Komitee als foucaldianisch, w&#252;nschend und fluxistisch und damit &#8211; selbstverst&#228;ndlich &#8211; anti-marxistisch, anti-dialektisch und anti-hegelianisch; doch so leicht kommt man Hegel nicht davon. &lt;i&gt;Was das Unsichtbare Komitee &#8222;die Epoche&#8220; nennt&lt;/i&gt; (d.h. die gegenw&#228;rtige Periode), &lt;i&gt;ist nichts anderes als die Hegelsche konkrete Totalit&#228;t&lt;/i&gt;: Nicht hierarchisiert, ohne Zentrum dr&#252;ckt sie in jedem ihrer Teile das gleiche einfache Prinzip aus (jeder ihrer Teile ist &lt;i&gt;pars totalis&lt;/i&gt;); ihr einfaches Prinzip ist eine Art &lt;i&gt;Weltgeist&lt;/i&gt; ohne jegliche weltliche Inkarnation (im Gegensatz zu Hegel mit seinen &#8222;kosmisch-historischen&#8220; Individuen: Alexander der Grosse, Julius C&#228;sar usw.), welcher sie g&#228;nzlich durchdringt, ein bisschen wie die Politik bei den Griechen oder die Religion im Mittelalter. Das Mittelalter konnte jedoch genauso wenig vom Katholizismus leben wie Athen oder Rom von der Politik: Die wirtschaftlichen Verh&#228;ltnisse damals erkl&#228;ren hingegen, &#8222;warum dort die Politik, hier der Katholizismus die Hauptrolle spielte&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Karl Marx, Das Kapital, Band 1, MEW 23, S. 96.&#034; id=&#034;nh4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Unsichtbare Komitee hingegen bekr&#228;ftigt stets die Zentralit&#228;t der Ethik und ihrer Wahrheiten: Die &lt;i&gt;Ethik&lt;/i&gt; (ohne Witz) sei eben genau der Faktor, welcher den Aufstieg des Islamismus in der arabischen Welt, die politische Kapitalisierung des &lt;i&gt;Fr&#252;hlings&lt;/i&gt; durch denselben, sowie die Verbrechen von Daech erkl&#228;ren k&#246;nne. Trotz diesem &#8222;Fasching der fetischisierten Innerlichkeit&#8220; (Luk&#225;cs) vergisst unser Komitee nicht, auf den Boden der Tatsachen zur&#252;ckzukehren und sich ein bisschen materialistischer zu geben, wenn es darum geht, seine geniale Strategie, welche es f&#252;r andere kommende &#8222;Aufst&#228;nde&#8220; vorschl&#228;gt, genauer zu beschreiben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Strategie&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Solange das &#8222;Gespenst des Mangels&#8220; in den &#8222;Volkserhebungen&#8220; (S. 92) umgeht, wird der Staat immer f&#228;hig sein, die Kontrolle &#252;ber die Situation zur&#252;ckzugewinnen. Was tun also? F&#252;r das Komitee liegt die Antwort nicht im gesellschaftlichen Bereich, sondern sie ist technisch, oder gar technokratisch; sie liegt nicht in einem Bruch, in einer (Selbst-)Aufhebung, durch welche die Putzfrau genau wie der M&#252;llarbeiter alles selbst in die Hand nehmen k&#246;nnen, was heute &#8222;von oben&#8220; kontrolliert wird, sondern im B&#252;ndnis mit den Luxusangestellten, welche schon die richtigen Kompetenzen haben:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Wir m&#252;ssen in allen Sektoren, in allen Gegenden, die wir bewohnen, auf diejenigen zugehen, die &#252;ber strategisches technisches Wissen verf&#252;gen. [&#8230;] Dieser Prozess der Wissensakkumulation, der Herstellung von Komplizenschaft in allen Bereichen ist Bedingung f&#252;r ein ernsthaftes, massenweises Wiederaufkommen der revolution&#228;ren Frage.&#8220; (S. 92)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was hier hinweggefegt wird, ist schlicht und einfach der Zwang, welcher auf die radikale Trennung zwischen Subsistenz- und Produktionsmitteln zur&#252;ckgeht &#8211; in einem Wort: &lt;i&gt;das Proletariat&lt;/i&gt;. Vor noch f&#252;nfzig Jahren ging es &#8211; f&#252;r die linken Intellektuellen &#8211; darum, &lt;i&gt;sich&lt;/i&gt; in der Arbeiterklasse zu &lt;i&gt;etablieren&lt;/i&gt;. Heutzutage bezieht sich die Mittelklasse nur noch auf sich selbst, sie wiegt sich in Selbstgen&#252;gsamkeit: Der in Humanwissenschaften Diplomierte trifft sich mit dem Ingenieur. Das erlaubt es dem Komitee, komplett auf eine ernsthafte und detaillierte Studie der in den Ausschreitungen und Erhebungen (heben wir uns das Wort &#8222;Aufstand&#8220; f&#252;r andere Gelegenheiten auf) aktiven gesellschaftlichen Segmente sowie der ihnen unterliegenden sozio-&#246;konomischen Dynamiken zu verzichten, obwohl es konstant davon spricht; das Komitee weiss nichts davon und will es auch nicht wissen, &lt;i&gt;was zu seinem Vorteil ist&lt;/i&gt;, denn die Niederlagen der Bewegungen k&#246;nnen viel h&#228;ufiger mit der (h&#228;ufig marginalen) Stellung oder (h&#228;ufig schwachen) Praxis der Arbeiter in ihnen erkl&#228;rt werden als mit der Abwesenheit von geschickten Kadern, welche das Komitee verf&#252;hren m&#246;chte. Es ist wahr, dass es sich im Ausdruck seiner Verachtung f&#252;r die &#8222;Kleinbourgeoisie&#8220; und ihre &#8222;historische Unschl&#252;ssigkeit&#8220; nicht zur&#252;ckh&#228;lt (S. 215). Aber von wem spricht man genau? Von den Kleinbauern? Den Notaren? Wird der Ausgang der kommunistischen Revolution von der politischen Orientierung der Apotheker abh&#228;ngen? &#8222;Kleinbourgeoisie&#8220; ist allenfalls gleichbedeutend mit &#8222;kleinem Kapital&#8220;, vielleicht sogar sehr kleinem, mit dem Besitz also von Produktionsmitteln (oder der Miete von Gesch&#228;ftsr&#228;umen) &#8211; egal wie l&#228;cherlich sie sind, sei es, um nur ein oder zwei Leute anzustellen und/oder sich selbst auszubeuten. Dass eine moderne, entl&#246;hnte, &lt;i&gt;spezifisch kapitalistische&lt;/i&gt; Mittelklasse existieren kann, das wurde von Marx vor 150 Jahren, von Pannekoek vor 100 Jahren, von Bordiga vor 50 Jahren bekr&#228;ftigt, doch es scheint f&#252;r unser ach so kommunistisches Komitee keine Rolle zu spielen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das bevorzugte Unterfangen des Unsichtbaren Komitees ist &#252;brigens die Kritik der Frage selbst, was eine alte Tradition der kommunistischen Theorie ist: &#8222;Nicht nur in ihren Antworten, schon in den Fragen selbst lag eine Mystifikation.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Karl Marx, Friedrich Engels, Die deutsche Ideologie, MEW 3, S. 19.&#034; id=&#034;nh5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Doch die Spezialit&#228;t des Unsichtbaren Komitees ist es, diese Methode auf absolut alles anzuwenden, schlicht und einfach, &lt;i&gt;um zu verhindern, dass Fragen gestellt werden&lt;/i&gt;. Wie k&#246;nnte in der Zentralit&#228;t der Mehrwertproduktion irgendeine Frage liegen, wenn jegliche Grenze zwischen Wertproduktion und -zirkulation &#8211; so sagt es uns das Komitee &#8211; aufgel&#246;st ist? Wie k&#246;nnte man es wagen, &#252;ber die M&#246;glichkeit eines gr&#246;sseren milit&#228;rischen Konflikts zwischen imperialistischen M&#228;chten (die wahre L&#246;sung der Krise vom Standpunkt des Kapitals aus) in der Zukunft nachzudenken, wenn jegliche Grenze zwischen Krieg und Frieden &#8211; so sagt es uns das Komitee &#8211; mittlerweile &#252;berholt ist? Und so geht es fleissig weiter, jegliche Polarit&#228;t wird verwischt &#8211; Zentrum und Peripherie, politische Macht und materielle &#8222;Infrastrukturen&#8220;, Mittelschichten und Proletariat &#8211;, um endlich verk&#252;nden zu k&#246;nnen: &lt;i&gt;Es herrscht grosse Unordnung unter dem Himmel, die Lage ist ausgezeichnet!&lt;/i&gt; Zu dieser Unordnung kommt die Verwirrung des Komitees hinzu, welches innerhalb der Verwirrung (&#8222;der Epoche&#8220; wahrscheinlich) Ordnung schaffen wollte und nicht &#252;ber die Bekr&#228;ftigung der totalen Undeutlichkeit hinauskommt: &lt;i&gt;panta rhei&lt;/i&gt;, alles fliesst im Fluss.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Einige Versprecher&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach allem, was gesagt worden ist, seien wir in Bezug auf einen Punkt klar: &lt;i&gt;An unsere Freunde&lt;/i&gt; enth&#228;lt mehrere stichhaltige Textstellen: z.B. die Kritik des linken Humanismus (S. 31), der Ideologie der Demokratie/Versammlung (S. 54-57), des Pazifismus und der radikalen Haltung (S. 140-142). Doch diese kritischen Versatzst&#252;cke greifen nur Ideen an: Sie verbleiben die meiste Zeit in der Tonlage der erbaulichen und bequemen Demystifikation, welche schlichtweg das Wahre dem Falschen entgegensetzt &#8211; was absolut logisch ist, denn, wenn die Wirtschaft als Objektivit&#228;t, die Produktionsverh&#228;ltnisse, die ihren Agenten zugewiesenen Stellungen, die differenzierte Struktur der Produktionsweise usw. &lt;i&gt;nicht&lt;/i&gt; (oder nicht mehr) &lt;i&gt;existieren&lt;/i&gt;, dann k&#246;nnen jegliche Sackgasse und jegliche Grenze nur rein subjektiv sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zudem w&#228;re die Kritik des &lt;i&gt;radikalen Milieus&lt;/i&gt; auf den Seiten 140-143 sehr zutreffend, wenn sie auch nur mehr oder weniger auf &lt;i&gt;selbst&lt;/i&gt;kritische Art und Weise formuliert w&#228;re, sei es nur, weil &lt;i&gt;alle&lt;/i&gt; erw&#228;hnten Punkte &#8211; gestikulierender Aktivismus, Leistungskult, identit&#228;re Fixierung usw. &#8211; in der Vergangenheit von nah oder fern vom Unsichtbaren Komitee selbst gef&#246;rdert und unterhalten worden sind, wir wissen jedoch, dass die Bescheidenheit nicht seine Haupteigenschaft ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie wir also gesehen haben, sind jene Textstellen, welche unser Interesse geweckt haben, ungl&#252;cklicherweise in einem unbezwinglichen Geschw&#228;tz voller Vorschl&#228;ge, Verk&#252;ndigungen, &#220;berlegungen, expliziten oder impliziten Anspielungen, Zitate usw. verscharrt &#8211; &lt;i&gt;alle&lt;/i&gt; sind mehr oder weniger diskutabel und durch einen gefr&#228;ssigen Hypereklektizismus miteinander verbunden, denn es ist unf&#228;hig &lt;i&gt;sein&lt;/i&gt; Zentrum zu finden, genauso wenig wie das Zentrum der Welt, um dessen Kritik es sich bem&#252;ht. Das Unsichtbare Komitee springt m&#252;helos vom &#8222;Revolution&#228;r-Werden&#8220; von Deleuze (S. 42) zum &#8222;Ekel&#8220; von Sartre (S. 28), von &#8222;Die H&#246;lle sind die anderen&#8220;, ebenfalls von Sartre (ebd.), zur &#8222;sch&#246;pferischen Zerst&#246;rung&#8220; von Schumpeter (S. 21), von der &#8222;Krise der Pr&#228;senz&#8220; von Ernesto de Martino (S. 28) zum &#8222;Heiligen Krieg&#8220; von Ren&#233; Daumal (S. 134), ohne Michel Foucault, Marshall Sahlins, Gregory Bateson, Giorgio Cesarano, den anarchistischen Mystiker Gustav Landauer, sowie den guten alten Stalinisten Gramsci und Gott weiss wie viele andere zu vergessen, damit mehr oder weniger alle auf ihre Kosten kommen &#8211; &lt;i&gt;unter der Bedingung, dass man nicht an der Oberfl&#228;che kratzt&lt;/i&gt;. Wir kamen gar in den Genuss der &#8222;Partei im grossen historischen Sinne&#8220; aus dem Brief von Marx an Freiligrath, aber nur, damit man sich zwei Zeilen weiter unten &#252;ber Marx und die &#8222;Marxisten&#8220; (welche?) lustig machen kann. All das geschieht in einem kleinen Buch mit 200 Seiten im Format A5, welches formell gut geschrieben und in welchem die Beherrschung des energischen Stils &lt;i&gt;&#224; la&lt;/i&gt; Debord &#8211; selbstverst&#228;ndlich &#8211; einwandfrei ist. Unsere Autoren, das muss man zugeben, kennen das Dossier so gut, dass sie als Ghostwriter bei Herrn Agamben angestellt werden k&#246;nnten. Doch Obacht, Computerprogramme k&#246;nnen das auch schon &#8211; was viel aussagt &#252;ber den Formalismus, welcher diese Art von Texten charakterisiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Anstelle einer Schlussfolgerung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man nehme einen halbwegs talentierten Schriftsteller, bitte ihn, die Pose eines verfluchten Autors einzunehmen, und zwinge ihn, einen Vortrag &#252;ber die j&#252;ngsten Trends in der Philosophie, der Anthropologie und der Soziologie zu halten, setze ihn danach zwei Tage vor einen Computer mit einer Pistole am Kopf und gebe ihm die Aufgabe, ein &#8222;gef&#228;hrliches&#8220; sozialkritisches Buch zu schreiben, welches jedoch in den sch&#246;nen Quartieren von Paris verkauft werden kann: Was dabei herauskommt, ist &lt;i&gt;An unsere Freunde&lt;/i&gt;. Einige werden es sch&#228;tzen: Jedem sein Dope.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch f&#252;r jene, welche auf der Suche nach einer Klarstellung &#252;ber die gegenw&#228;rtige Periode oder einer Hochrechnung &#252;ber den m&#246;glichen (nicht wirklich auf der Tagesordnung stehenden) revolution&#228;ren Ausgang sind, kann der Rat nur lauten: &lt;i&gt;Schaut euch woanders um&lt;/i&gt;. Trotz der Mobilisierung eines wortreichen Werkzeuges mit radikalen Anspr&#252;chen bleibt das Komitee nicht nur in einer vernebelten Sichtweise &#252;ber das gefangen, was diese Welt antreibt, sondern &#8211; dar&#252;ber hinaus &#8211; in einem Verst&#228;ndnis der Artikulation zwischen unmittelbaren K&#228;mpfen und der Revolution, welches auf der Akkumulation von Bedingungen oder Erfahrungen basiert. &lt;i&gt;Exit&lt;/i&gt; die klassischen und klassistischen Schemata des Proletariats, welches zur herrschenden Klasse wird, die Akkumulation von Macht und Erfahrungen, die revolution&#228;re (Selbst-)P&#228;dagogik durch die Metabolisierung der &#8222;Lektionen der Vergangenheit&#8220; usw., welche Teil des Horizonts der Arbeiterbewegung des 19. und 20. Jahrhunderts waren, sie verwandeln sich &#8211; im Diskurs des Komitees &#8211; in eine Akkumulation von Wissen und K&#246;nnen. Das Problem dieser Schlussfolgerung ist u.a., dass sie im leeren Raum geschieht und von einem total selbstbezogenen Subjekt gezogen wird: &lt;i&gt;Wir, die Revolution&#228;re&lt;/i&gt;. W&#228;hrend die interessantesten Verfechter der kommunistischen Theorie seit den 1970er Jahren versucht haben, sich definitiv von den von der 2. und 3. Internationalen geerbten evolutionistischen und gradualistischen Konzeptionen zu emanzipieren&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Zu diesem Punkt sollte man den Text &#8222;La r&#233;volution sera communiste ou ne (...)&#034; id=&#034;nh6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;, sind diese &#8211; nun von ihren traditionellen Inkarnationen verwaisten &#8211; Konzeptionen in einer neuen, diffusen und v.a. &lt;i&gt;aklassistischen&lt;/i&gt; Form zur&#252;ckgekehrt: Alternativismus, B&#252;rgerpraktiken, Globalisierungsgegnerschaft, d&#233;croissance, Negrismus, &#8222;Wertkritik&#8220;, Anti-Industrialismus... Die Unterschiede dieser Str&#246;mungen lassen sich nicht von der Hand weisen, die von ihnen geteilte &lt;i&gt;famili&#228;re Atmosph&#228;re&lt;/i&gt; auch nicht &#8211; trotz manchmal heftiger Polemiken. Nat&#252;rlich ist das Unsichtbare Komitee in der radikalen Linken dieses Nebels zu verorten, doch aus dem gleichen Grund kann es ihn nicht verlassen, &lt;i&gt;zumindest nicht aus eigener Kraft&lt;/i&gt;. Davon ausgehend ist die Frage weniger, was das Unsichtbare Komitee mit der kommunistischen Revolution, sondern eher, was die kommunistische Revolution mit dem Unsichtbaren Komitee anstellen k&#246;nnen wird. Nicht viel, so bef&#252;rchten wir &#8211; doch wir w&#252;nschen ihm eine m&#246;glichst herzliche Behandlung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;An unsere Freunde&lt;/i&gt; und seine Autoren werden v.a. in Erinnerung bleiben als Zeichen, als Symptom der historischen Diskrepanz, mit welcher &#8222;unsere Zeit&#8220; ringt, zwischen einem Proletariat einerseits, welches nicht mehr als Tr&#228;ger eines reformistischen oder revolution&#228;ren Projekts gegen&#252;ber dem Kapitalismus erscheint (doch welches sich, aus dem gleichen Grund, auf umso brutalere Art und Weise manifestiert, wenn es k&#228;mpft), und eben diesen reformistischen oder revolution&#228;ren Projekten, welche zwar vom &lt;i&gt;Menschen&lt;/i&gt;, von der &lt;i&gt;Multitude&lt;/i&gt;, vom &lt;i&gt;Volk&lt;/i&gt;, vom &lt;i&gt;B&#252;rger&lt;/i&gt;, vom &lt;i&gt;Individuum&lt;/i&gt; sprechen m&#246;gen, deren Ausgang jedoch vom Charakter der gegenw&#228;rtigen und zuk&#252;nftigen Handlungen des Proletariats in der Krise des Kapitals abh&#228;ngt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu guter Letzt muss definiert werden, was der Grund f&#252;r den zwar relativen, jedoch internationalen Erfolg der B&#252;cher des Unsichtbaren Komitees ist; abgesehen von den &#8222;kulturellen Modeerscheinungen&#8220; und der medialen Pr&#228;senz aufgrund der Tarnac-Aff&#228;re (ob gewisse Angeklagte von Tarnac f&#252;r die Brosch&#252;re &lt;i&gt;Der kommende Aufstand&lt;/i&gt; verantwortlich sind oder nicht, hat nicht die geringste Bedeutung), ist es tats&#228;chlich unleugbar, dass die Konzeptionen des Komitees, genau wie sein Stil, ziemlich gut den Erlebnissen eines besonderen Typs des zeitgen&#246;ssischen Aktivisten entsprechen, ein Aktivist, welcher sein Engagement als existentiell konzipiert, als Gegensatz zwischen dem Individuum und der Welt, jenseits von jeglicher spezifischer Bestimmung: Kapital und Lohnarbeit, die Klassen, Hochkonjunktur und Krise usw. Doch &#8211; man muss diesbez&#252;glich klar sein &#8211; wenn man so etwas sagt, spricht man vom unausweichlichen &lt;i&gt;Fortbestehen der Konterrevolution&lt;/i&gt;. Vergessen wir nicht, wie stark sogar die am besten &#8222;ausger&#252;steten&#8220; und vision&#228;rsten Genossen (Programme communiste, Socialisme ou Barbarie, die Situationistische Internationale, Classe operaia) bis hinein in die 1950er und 1960er Jahre auf unterschiedliche Art und Weise Gefangene der Situation waren (die &#8222;russische Frage&#8220; und die &lt;i&gt;Glorreichen Dreissig&lt;/i&gt;, kurz zusammengefasst). Als eine neue Phase begann, sind sie zerfallen. Ein eventueller revolution&#228;rer Aufschwung, welcher schmerzhaft auf sich warten l&#228;sst und welcher von keiner Gruppe, keinem Gr&#252;ppchen, keiner Zeitschrift oder keiner anderen Struktur ausgel&#246;st werden kann, wird zwangsl&#228;ufig das theoretisch-ideologische Arsenal ins Jenseits bef&#246;rdern &#8211; und uns auch, zumindest als Kritiker der Konterrevolution &lt;i&gt;innerhalb derselben&lt;/i&gt;. Eine Prise &lt;i&gt;Realit&#228;tsprinzip&lt;/i&gt; (sogar im Freudschen Sinne des Wortes) zu diesem Thema ist immer heilsam. Wenn der Klassenwiderspruch gleichzeitig der Motor dessen ist, was ist, &lt;i&gt;als auch Tr&#228;ger von etwas anderem als das, was ist&lt;/i&gt; (und von etwas anderem, als der k&#246;rperlichen Ersch&#246;pfung seiner &#8222;Unterlagen&#8220;: der menschlichen Spezies und der Umwelt), dann ist der einzige Vorteil, welchen wir im Verh&#228;ltnis zu anderen haben, dass wir wissen, was uns zum Sprechen bringt, die Quelle, wo die Gegens&#228;tze entstehen, immer im Auge behalten und die m&#246;glichen Punkte des Bruches erkennen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Das jetzige Geschlecht gleicht den Juden, die Moses durch die W&#252;ste f&#252;hrt. Es hat nicht nur eine neue Welt zu erobern, es mu&#223; untergehen, um den Menschen Platz zu machen, die einer neuen Welt gewachsen sind.&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Karl Marx, Die Klassenk&#228;mpfe in Frankreich; im Jahr 1852, es hat &#8211; falls (...)&#034; id=&#034;nh7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;R.F., September 2015&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://www.kommunisierung.net&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=14409&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Georges Corm, &lt;i&gt;Histoire du Moyen-Orient. De l'Antiquit&#233; &#224; nos jours&lt;/i&gt;, La D&#233;couverte, 2007.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Unsichtbares Komitee, &lt;i&gt;An unsere Freunde&lt;/i&gt;, Nautilus, 2015, S. 88.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Karl Marx, &lt;i&gt;Resultate des unmittelbaren Produktionsprozesses&lt;/i&gt;, Archiv sozialistischer Literatur 17, Neue Kritik, Frankfurt a.M. 1968, S. 70.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Karl Marx, &lt;i&gt;Das Kapital&lt;/i&gt;, Band 1, MEW 23, S. 96.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Karl Marx, Friedrich Engels, &lt;i&gt;Die deutsche Ideologie&lt;/i&gt;, MEW 3, S. 19.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Zu diesem Punkt sollte man den Text &#8222;La r&#233;volution sera communiste ou ne sera pas&#8220; von 1975 in der Anthologie Rupture dans la th&#233;orie de la r&#233;volution. Textes 1965-1975, Senonevero, 2003 lesen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Karl Marx, &lt;i&gt;Die Klassenk&#228;mpfe in Frankreich&lt;/i&gt;; im Jahr 1852, es hat &#8211; falls das gesagt werden muss &#8211; nichts mit Auschwitz zu tun [AdA].&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Robert Ferro - Vom Anarchismus zur Kommunisierung</title>
		<link>http://www.kommunisierung.net/Vom-Anarchismus-zur-Kommunisierung</link>
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&lt;p&gt;Dieser im Sommer 2010 geschriebene Text zirkulierte in den darauf folgenden Monaten und dr&#252;ckt einen Bruch aus mit der insurrektionalistischen &#8222;anarchistischen&#8220; Str&#246;mung. Bei weitem nicht fehlerlos versucht dieser Brief, einer Szene von Aktivisten einige grundlegende Fragen zu stellen, ohne den Anspruch zu erheben, diese klar zu formulieren. Die Vorhersagen zum Verlauf des Kapitalismus und zum Schicksal des radikalen Demokratismus haben sich unter anderem als falsch erwiesen, das beweist (...)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="http://www.kommunisierung.net/Ubersetzungen" rel="tag"&gt;&#220;bersetzungen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://www.kommunisierung.net/Theorie" rel="tag"&gt;Theorie&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://www.kommunisierung.net/Anarchismus" rel="tag"&gt;Anarchismus&lt;/a&gt;, 
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 <content:encoded>&lt;img src='http://www.kommunisierung.net/IMG/logo/anarchy-symbol.svg.png?1689551295' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Dieser im Sommer 2010 geschriebene Text zirkulierte in den darauf folgenden Monaten und dr&#252;ckt einen Bruch aus mit der insurrektionalistischen &#8222;anarchistischen&#8220; Str&#246;mung. Bei weitem nicht fehlerlos versucht dieser Brief, einer Szene von Aktivisten einige grundlegende Fragen zu stellen, ohne den Anspruch zu erheben, diese klar zu formulieren. Die Vorhersagen zum Verlauf des Kapitalismus und zum Schicksal des radikalen Demokratismus haben sich unter anderem als falsch erwiesen, das beweist die Vertiefung der Krise und die globale Verbreitung der Bewegung der &#8222;Emp&#246;rten&#8220;. Andere Punkte &#8211; die Wichtigkeit des Bruchs der 70er Jahre, die Kritik der aktivistischen T&#228;tigkeit usw. &#8211; bleiben abzukl&#228;ren. Trotz dieser M&#228;ngel besch&#228;ftigte sich der Autor dieses Briefes mit dem Verst&#228;ndnis des revolution&#228;ren Prozesses als Kommunisierung: In diesem Sinne hat er seine N&#252;tzlichkeit. (Januar 2010)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Von der Bescheidenheit, die einen sozialen K&#228;mpfer ausmacht&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Liebe Genossen, ich schreibe euch diesen Brief, weil ich den Drang versp&#252;re, einige meiner Zweifel klar auszudr&#252;cken bez&#252;glich der T&#228;tigkeit, welche ihr im Moment hervorhebt, gr&#246;sstenteils ohne meine Beteiligung. Ich habe mich w&#228;hrend diversen Gelegenheiten seit ich letzten Winter nach Bologna zur&#252;ckgekommen bin etwas distanziert, diese Distanz wird immer gr&#246;sser. Seither versuche ich das f&#252;r mich zu kl&#228;ren. Ich bin heute zu einigen provisorischen Gewissheiten gekommen, die ich in den folgenden Zeilen offen lege.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich versichere euch, dass es nicht meine Absicht ist, euch zu meiner &#8222;Schule&#8220; zu konvertieren und auch nicht, euch von irgendwas zu &#252;berzeugen: Der sokratische Dialog, durch welchen die Beteiligten auf der Suche nach der Wahrheit zusammenarbeiten, ist nichts mehr als ein rationalistischer Mythos. Die allt&#228;gliche Erfahrung zeigt uns hingegen, wie der Dialog, die Argumentationen, die Weisheit und der sogenannte &#8222;gesunde Menschenverstand&#8220; unwirksam sind, sobald man sich nicht zum Vornhinein in gewissen Punkten einig ist. Ich habe also &#252;berhaupt nicht den Drang, euch &#8222;das neue Wort&#8220; zu verk&#252;nden. Ich suche nach jenen, welche wie ich denken (zumindest in gewissem Masse), um gewisse Wege gemeinsam zu gehen. Andererseits ist es nicht mein Ziel, ein esoterisches Wissen f&#252;r mich zu behalten, und deshalb teile ich diese kritischen Reflexionen; doch da deren Ausarbeitung f&#252;r mich keinen anderen Nutzen hat als zu klareren Positionen zu kommen, kann ihre Zirkulation keinen anderen Zweck haben als Verh&#228;ltnisse auf der Grundlage konvergenter Orientierungen zu kreieren oder jene abzubrechen, welche durch eine tiefe Meinungsverschiedenheit gepr&#228;gt sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Niemand wird bezweifeln, dass der gr&#246;sste Teil der Aktivit&#228;ten, welche wir zusammen in den letzten Jahren an den Tag legten stark durch den Willen charakterisiert waren (und es immer noch sind), &#8222;auf der Strasse&#8220; zu sein: Besetzungen, Flugbl&#228;tter, Demonstrationen usw. Was bezweckte diese organisierte Pr&#228;senz? Was erhofft man sich zum Beispiel vom Schreiben und vom Verteilen eines Flugblatts an die &#8222;Leute&#8220;? Ich denke, dass ihr mir antworten werdet, dass jede &#8222;kommunikative&#8220; &#246;ffentliche Pr&#228;senz bezweckt, eine Perspektive des Kampfes zu verteidigen, auszuweiten und zu verst&#228;rken, in einem Wort die &#8222;Leute&#8220; zu &#252;berzeugen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich glaube auch nicht, dass mein Vorgehen dies bezwecken kann oder muss: Um zur Sache zu kommen, das bedeutet, aus der Propaganda &#8211; dem Wort oder der exemplarischen Aktion &#8211; den Motor der sozialen Ver&#228;nderung zu machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dem ganzen liegt eine Konzeption zu Grunde, gem&#228;ss welcher &#8211; ich w&#252;rde nicht mal sagen &#8222;den Proletariern&#8220;, denn dorthin m&#252;ssten wir erst noch kommen &#8211; doch den &#8222;Leuten&#8220; etwas fehlen w&#252;rde und diese fehlende Sache k&#246;nnte und m&#252;sste ihnen vom Revolution&#228;r gegeben werden (das Bewusstsein, die Konterinformation usw.).Es ist eine Art Vermittlung zwischen den &#8222;Leuten&#8220; &#8211; die sp&#228;ter die Proletarier sein werden &#8211; und der Revolution, zwischen dem Sein und dem Bewusstsein, da zwischen ihnen eine totale Z&#228;sur existiert, ein Graben. Die angeblichen &#8222;Revolution&#228;re&#8220; wollen eine Br&#252;cke &#252;ber diesen Graben sein. Daher die Sisyphusarbeit der Gruppen und Gr&#252;ppchen, die sich wirklich an der &#8222;Peripherie&#8220; des Seins (also der Klasse) befinden und ihr Wille, sich als Zauberer und Vermittler dieser Schnittstelle mit dem Bewusstsein zu zeigen. Einerseits verlangt die Abwesenheit dieser unmittelbaren Schnittstelle die kontinuierliche Rechtfertigung: &#8222;Wir sind die einzigen, die...&#8220;, &#8222;Wir sind anders als die anderen...&#8220; usw.; andererseits muss dieses &#228;ussere Bewusstsein &#252;bermittelbar sein, um den Sein der Klasse eingeimpft zu werden, was eine Verst&#252;mmelung der Theorie bedingt, falls diese ihre Best&#228;tigung nicht findet: &#8222;Die Leute verstehen die komplizierten Diskurse nicht, usw.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich denke nicht, dass dieser Gedankengang haltbar ist, noch weniger vom Standpunkt der praktischen Effizienz. Und auch wegen der widerlichen P&#228;dagogik, mit der er getr&#228;nkt ist. Ich sprach von einer Diskontinuit&#228;t zwischen dem Sein und dem Bewusstsein, die eine Vermittlung erfordert; doch wie ist es m&#246;glich, dass eine derartige Z&#228;sur f&#252;r die anderen gilt, aber nicht f&#252;r sich selbst? Entweder existiert ein solcher Bruch, un&#252;berwindbar f&#252;r alle und das Bewusstsein ist also unm&#246;glich oder der Bruch hat nicht a priori radikale Ursachen und gilt nicht mehr f&#252;r die anderen als f&#252;r mich selbst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die materialistische Lehre, dass die Menschen Produkte der Umst&#228;nde und der Erziehung, ver&#228;nderte Menschen also Produkte anderer Umst&#228;nde und ge&#228;nderter Erziehung sind, vergisst, dass die Umst&#228;nde eben von den Menschen ver&#228;ndert werden und dass der Erzieher selbst erzogen werden muss. Sie kommt daher mit Notwendigkeit dahin, die Gesellschaft in zwei Teile zu sondern, von denen der eine &#252;ber der Gesellschaft erhaben ist. (Z.B. bei Robert Owen.)&#8220; Marx, Thesen &#252;ber Feuerbach, 1845.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieser Diskurs, g&#252;ltig f&#252;r alle vergeblichen Versuche, ein Bewusstsein &#8222;einzuf&#252;hren&#8220;, gilt auch f&#252;r die sogenannte Konterinformation. Man kommuniziert wirklich in Hinblick auf das, was man gemeinsam hat. Ausserhalb einer effektiv erfassten gemeinsamen Lage, einer schon bestehenden Kampfgemeinschaft ist jegliche Verbreitung (&#8222;Dieser oder jener Kampf da und dort&#8220;, &#8222;Sie haben diesen oder jenen aus irgendeinem Grund festgenommen&#8220; usw.) komplett nutzlos: Es wird nur ein zus&#228;tzliches Ereignis sein in der unbezwinglichen und &#252;berfl&#252;ssigen Flut, die uns jeden Tag &#252;berschwemmt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Begriffe selbst der &#8222;Intervention&#8220; oder der &#8222;&#246;ffentlichen Pr&#228;senz&#8220; t&#228;uschen die Wahrnehmung, indem sie eine &#196;usserlichkeit suggerieren zum Raum und zur Zeit, wo sich der Klassenwiderspruch entwickelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wollen wir andere zwingen, etwas zu tun, das sie nicht tun? Doch das ist genau die Essenz der Politik. Ungeachtet der Absichtsbekundungen jagt man zur T&#252;r hinaus, was man zum Fenster hineinkommen lassen will. Sich um das, was wir die &#8222;Politik&#8220; nennen, zu k&#252;mmern, ist nicht etwas, wovon man sich m&#252;helos befreit, einfach eine subjektive Wahlm&#246;glichkeit, eine Denkgewohnheit, gegen welche es reichen w&#252;rde, sie moralisch zu verwerfen: Es ist eine Form, in welcher die gesamte menschliche T&#228;tigkeit historisch gespalten ist. Die Politik als Beruf wird geboren und wuchert ab einem gewissen Grad der gesellschaftlichen Arbeitsteilung: Das Gewerbe, das daraus besteht, die Menschen zu sammeln zum Zweck bestimmter Ziele kann nur dort gedeihen, wo sie in ihren aufgesplitterten T&#228;tigkeiten getrennt und dazu gezwungen sind. Daraus ergibt sich das politische Denken, entweder die (aktive) Neigung, die anderen zu organisieren, oder die (passive) Neigung, sich organisieren zu lassen. Man kann eine Analogie machen mit dem, was wir &#8222;Religion&#8220; nennen: Ph&#228;nomene wie New Age oder andere aktuelle Synkretismen, anf&#228;llig f&#252;r etliche individuelle Deklinationen (die sogenannten Individualreligionen), zeigen, dass der Wunsch, Zugang zum &#220;bersinnlichen zu haben, Formen annehmen kann, die sich stark von den grossen historischen Glaubensformen wie dem Christentum, dem Islam usw. unterscheiden k&#246;nnen. Doch was ist die Grundstruktur, die sie zusammenh&#228;lt? Immer der Bezug auf eine notwendigerweise vorherbestimmte Ordnung des Seins, an welche man sich anpassen muss: alles in allem ein &#8222;Sein-M&#252;ssen&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich stelle mir nun folgende Fragen: Wie kann man eine individuelle oder kollektive Ethik begr&#252;nden, ohne eine Transzendenz einzuf&#252;hren? Und wie oft, ohne dass man sich dessen bewusst w&#228;re, wurde an eine solche von der Geschichte losgel&#246;ste Ethik appelliert? Die Revolution l&#246;st die Frage des &#8222;Sollens&#8220; und des &#8222;K&#246;nnens&#8220;, denn sie tritt den Ursachen entgegen. Der Kommunismus bedeutet eine Welt jenseits von Gut und B&#246;se. Eine Welt, in welcher die menschliche T&#228;tigkeit nicht mehr getrennt ist, da alle Bedingungen, welche diese Trennung determinieren, nicht mehr wirken; es ist nicht die Realisierung guter Gef&#252;hle, der Kommunismus tr&#228;gt ein strukturell anderes gesellschaftliches Verh&#228;ltnis in sich als der Kapitalismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Marx kritisierte die Religion, die Politik und die Philosophie in ein und derselben Bewegung, nicht von Fall zu Fall. In seinen Texten setzt er sich h&#228;ufig mit der Wissenschafts- und Fortschrittsgl&#228;ubigkeit auseinander; trotzdem war seine Polemik gegen die &#8222;utopischen Sozialisten&#8220; seiner Zeit angetrieben von zutiefst richtigen Motiven: Sich unter diesen Umst&#228;nden auf die Wissenschaft zu berufen, bedeutet, den Kommunismus nicht als eine in den K&#246;pfen isolierter Denker geborene &#8222;sch&#246;ne Idee&#8220; zu begreifen, sondern als eine materielle Kraft, die die Realit&#228;t durchdringt. Doch er war auch f&#228;hig, die g&#252;ltigen Beitr&#228;ge dieser Denker zu integrieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Der Kommunismus ist f&#252;r uns nicht ein &lt;i&gt;Zustand&lt;/i&gt;, der hergestellt werden soll, ein &lt;i&gt;Ideal&lt;/i&gt;, wonach die Wirklichkeit sich zu richten haben [wird]. Wir nennen Kommunismus die &lt;i&gt;wirkliche&lt;/i&gt; Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt.&#8220; (K. Marx, Die deutsche Ideologie, 1846).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Theorie als normativen Diskurs &#252;ber die Realit&#228;t zu verstehen (was man tun und nicht tun sollte, was die anderen tun sollten), ist die schlimmste Vorgehensweise: Es ist wieder der Anspruch eines &#8222;Sein-M&#252;ssens&#8220;. Es ist nicht die Funktion der Theorie, ein Rezeptbuch zu sein: Sie ist immer das Produkt von etwas, das schon im Gange ist und die selbst-reflexive Bewegung eines Wandels im Gange.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nun, wie verh&#228;lt sich der politische Aktivist? Welches Verh&#228;ltnis unterh&#228;lt er zum Beispiel mit der Theorie? Er erwartet von ihr, dass sie ihm sagt, was zu tun ist und wenn er glaubt, verstanden zu haben, beginnt er damit, die Seele der anderen zu zerreissen, damit sie ihn imitieren. In alledem handelt er immer mittels einer Sichtweise, die ausserhalb von ihm bleibt und die sich in seinem Leben kaum ver&#228;ndert; er glaubt, mit einer Bewegung verbunden zu sein, im Zentrum der gesellschaftlichen Realit&#228;t zu stehen, doch in Wirklichkeit trennt er sich von ihr.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch eine Aktion, sagen wir eine Aktion des &#8222;Angriffs&#8220;, bar jeglicher symbolischen Funktion, nur durch wirtschaftliche Probleme motiviert, bleibt eine aktivistische Aktion, wenn derjenige, welcher daran teilnimmt, als Verteidiger der ungl&#252;cklichen Anderen handelt, historisch betrachtet hat diese Art von Verhaltensweise eher die Passivit&#228;t der prinzipiell Betroffenen verst&#228;rkt, als dass sie sie dazu gebracht h&#228;tte, selbst zu handeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Solange die Sekten berechtigt sind (historisch), ist die Arbeiterklasse noch unreif zu einer selbst&#228;ndigen geschichtlichen Bewegung. Sobald sie zu dieser Reife gelangt, sind alle Sekten wesentlich reaktion&#228;r.&#8220; (Karl Marx, Brief an Bolte, 29.11.1871)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Andererseits scheint es mir widerspr&#252;chlich, die Relevanz und die Notwendigkeit der Rolle der Revolution&#228;re f&#252;r das Aufkommen eines ad&#228;quaten Bewusstseins durch die Zirkulation gewisser Informationen und die Ausf&#252;hrung exemplarischer Aktionen zu beteuern und sich gleichzeitig nicht an einen gewissen gesellschaftlichen Sektor zu richten. Das Proletariat erziehen zu wollen ist gerade noch so akzeptabel (ja, echt...), doch diese interklassistische Scheisse namens &#8222;die Leute&#8220; erziehen zu wollen, geht mir doch etwas zu weit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die unter euch am meisten verbreitete Position, so scheint mir, &#8211; wie ich sie heute verstehe &#8211; kann in zwei Postulaten zusammengefasst werden:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;1) Die Revolution bleibt m&#246;glich, doch sie wird das Werk von Gattungsindividuen sein, die Klassenunterschiede sind (zumindest teilweise) &#252;berwunden durch die Entwicklung des Kapitals;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;2) es gibt M&#246;glichkeiten und Wege, um diese Gattungsindividuen zu subversiven Aktionen zu veranlassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich bin vom Gegenteil &#252;berzeugt: Einerseits existiert weiterhin eine Teilung der Gesellschaft in Klassen und der Widerspruch zwischen ihnen ist der Motor jeder zuk&#252;nftigen Revolution. Aufgrund der Verwertung des Wertes &#8211; und somit die Erpressung des Mehrwerts &#8211; ist die grundlegende T&#228;tigkeit, welche diese Welt vorw&#228;rts treibt immer noch und stets die Arbeit &#8211; die produktive Arbeit nicht weniger als in der Vergangenheit &#8211; die zwangsl&#228;ufige Vermittlung, durch welche sich die Verwertung man&#246;vrieren muss, erzeugt weiterhin den grundlegenden Widerspruch, der dieser Gesellschaft zugrunde liegt. Das Proletariat bleibt also aufgrund seiner internen Position in der Reproduktion des Kapitalismus &#8211; da es sie m&#246;glich macht und sie aus dem gleichen Grund zerst&#246;ren kann &#8211; das historische Subjekt der Revolution und des Klassenkampfes und die einzige wirkliche und m&#246;gliche Dynamik desselben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Andererseits glaube ich nicht mehr an irgendeine &#228;ussere Vermittlung zwischen Proletariat und Revolution: &#8222;Es gibt keine autonomen Organisationen des Proletariats, welche nicht gleichzeitig T&#228;tigkeit des Proletariats sind, die die Welt und, mit der Welt, es selbst kommunisiert. Folglich existiert die Frage nicht, ob die Revolution&#228;re gegen&#252;ber dem Proletariat inner- oder ausserhalb stehen.&#8220; (La Banquise, Le roman de nos origines, 1983)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Letztendlich erscheinen alle Probleme in Verbindung zum Verh&#228;ltnis mit den &#8222;Massen&#8220; sobald man eine Position ausserhalb sucht. Die Unterscheidung zwischen &#8222;Arbeiterbewegung&#8220; und &#8222;sozialistischem Bewusstsein&#8220;, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts aufkam und seitdem von fast allen reformistischen und revolution&#228;ren Str&#246;mungen im kommenden Jahrhundert verst&#228;rkt wurde, materialisierte sich in der historischen Trennung zwischen wirtschaftlichem Kampf (die Gewerkschaft, die Taktik usw.) und politischem Kampf (die Partei, die F&#246;deration, die Strategie usw.) mit dem Ziel, ein Programm zu verwirklichen; diese Unterscheidung wurde, nicht in der Welt der Ideen, sondern in der Praxis von der radikalen Minderheit der 1970er Jahre &#252;berwunden. Sie schloss aus dieser Erfahrung &#8222;die historisch noch nie da gewesene Gewissheit: die M&#246;glichkeit eines Kommunismus, der ohne '&#220;bergangsphase' verwirklicht werden kann&#8220; (Giorgio Cesarano, Piero Coppo, Joe Fallisi, Cronaca di un ballo mascherato, 1974), &#8222;der Aufbau einer neuen Ordnung durch die Zerst&#246;rung der alten&#8220; (&#171; Ludd. Bollettino d'informazione &#187;, Nr. 1, Oktober 1969). Vergessen wir nicht, dass sich aus der Frage der &#8222;&#220;bergangsphase&#8220; (die auch im offiziellen Anarchismus fr&#252;her wie auch heute durchaus pr&#228;sent ist) Problematiken ergeben wie die Machtergreifung, das B&#252;ndnis mit anderen gesellschaftlichen Klassen usw.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;In den etwa 15 Jahren, welche das Datum &#8222;68&#8220; symbolisiert, taucht eine andere Perspektive auf, die mit diesen drei Str&#246;mungen verbunden ist und sie gleichzeitig &#252;berwindet: die Verweigerung gewerkschaftlicher und parteilicher Organisation; die Ablehnung jeglicher &#220;bergangsphase, um die Grundlagen des Kommunismus aufzubauen, obwohl sie schon existieren; die Forderung einer Ver&#228;nderung des allt&#228;glichen Lebens, unserer Art zu essen, zu wohnen, zu reisen, zu lieben...; die Verweigerung der Trennung zwischen &#8222;politischer&#8220; und &#8222;sozialer&#8220; oder &#8222;wirtschaftlicher&#8220; Revolution und jener zwischen der Zerst&#246;rung des Staates und der Erschaffung neuer T&#228;tigkeiten, welche andere gesellschaftliche Verh&#228;ltnisse in sich tragen; die &#220;berzeugung, dass jeglicher Widerstand gegen die alte Welt, der sie nicht entscheidend angreift, indem er zum Unumkehrbaren tendiert, sie letztendlich reproduzieren wird. All das kann mit einem unbefriedigenden Begriff, den wir trotzdem provisorisch &#252;bernehmen, zusammengefasst werden: die Revolution als Kommunisierung.&#8220; (Karl Nesic, L'appel du vide, 2003)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Meine theoretische Hypothese &#8211; die wie alle anderen das Risiko eingeht, dass ihr die Tatsachen widersprechen &#8211; ist, dass diese Perspektive der Kommunisierung, die ausgehend von einer Minderheit in den 1970er Jahren in den Europa und den USA aufgekommen ist, erheblich aufgegriffen und ausgebreitet werden wird, wenn das Proletariat in der Lage sein wird, sich gegen&#252;ber dem Kapital offensiv zu positionieren (was im Moment nicht wirklich auf der Tagesordnung steht).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich glaube nicht, dass darin die sogenannten &#8222;Revolution&#228;re&#8220; eine dermassen andere Position und dermassen andere &#8222;Aufgaben&#8220; haben k&#246;nnen als die anderen Proletarier, Angestellten oder Arbeitslosen. Ich denke nicht, dass man pr&#228;zise sagen kann, was sie tun &#8222;m&#252;ssen&#8220;. Der einzige Wink, den ich geben kann, ist, dass sie sich ausgehend von einem nicht-aktivistischen und durch und durch antipolitischen Ansatz und ihren eigenen individuellen und gesellschaftlichen Bed&#252;rfnissen selbst organisieren k&#246;nnen wie alle anderen Proletarier.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Heutzutage geht es der sozialen Kritik schlecht. Kann man sagen, dass sie an einer mangelnden Verbreitung leidet? Man k&#246;nnte auch behaupten, dass sie an &#220;berbelichtung leidet: Sie ist zu einem Gemeinplatz geworden, der glaubt, alles auswendig zu kennen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Annahme zum Beispiel, dass &#8222;der Kapitalismus seine eigenen Totengr&#228;ber erzeugt&#8220; wird vielen als archaisches marxistisches Dogma erscheinen, ohne dass das Verst&#228;ndnis dar&#252;ber hinaus ginge. Doch im Licht der Tatsachen kann nur der Widerspruch zwischen Kapital und Proletariat seine &#220;berwindung produzieren: Abschaffung des Werts, des Eigentums, des Staates usw. Das kapitalistische gesellschaftliche Verh&#228;ltnis als etwas homogenes und steriles zu konzipieren f&#252;hrt dazu, dass man ausserhalb davon dessen Opposition sucht, in gewisser Weise etwas, das vorher schon da gewesen w&#228;re oder daneben existierte. Doch die Opposition ist innerhalb des gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisses als solches: Sie befindet sich innerhalb des gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisses, solange das &#220;berleben des Kapitals von der T&#228;tigkeit des Proletariats abh&#228;ngt. Es ist dieser widerspr&#252;chliche Charakter des gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisses, der eine M&#246;glichkeit zum Ausstieg bietet. Die Individuen sind weder vom gesellschaftlichen Verh&#228;ltnis &#8222;beeinflusst&#8220;, noch &#8222;korrompiert&#8220;. Die L&#246;sung befindet sich in ihnen insofern, dass sie dieses gesellschaftliche Verh&#228;ltnis sind und den Widerspruch, der sie strukturiert, leben. Sonst, ich wiederhole es, muss man suchen und herausfinden gehen, was dem Widerspruch vorausgeht: Etwas notwendiges wie &#8222;wiederentdecken&#8220;, &#8222;wiedererlangen&#8220;; es ist so oder so eine willk&#252;rliche Spekulation, egal welche Z&#252;ge diese nach und nach annimmt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die K&#228;mpfe, welche sich seit den 1960er Jahren am Rande der Lohnarbeit (gegen die Verschmutzung, die Psychiatrie, die Gef&#228;ngnisse) entwickelt haben, bezogen ihre Kraft von der Tatsache, dass sie den Klassenkampf als unmittelbares Substrat hatten: Asbest, die Psychiatrie, die Schinderei der Gef&#228;ngnisse wurden als Waffen der Bosse wahrgenommen. Das hatte eine doppelte Bedeutung: Einerseits war die proletarische Bewegung von damals, oder zumindest ein Teil davon, auch f&#252;r jene, welche von der Lohnarbeit ausgeschlossen waren (von den Studenten bis zu den Kleinkriminellen und Gefangenen), zum zentralen Bezugspunkt geworden; andererseits wurde diese Minderheit nun zur Tr&#228;gerin einer totalen Kritik des Systems. Was geschieht, wenn der Klassenkampf an Intensit&#228;t verliert, gar fast vollst&#228;ndig verschwindet, wie in allen Perioden der Konterrevolution? Entfernt von ihrem Bezugspunkt tendieren diese K&#228;mpfe dazu, sich einzurollen. Ohne eine Wiederaufnahme des Klassenkampfes ist es unm&#246;glich, dass sie, insofern sie wirklich existieren (wie seit Jahren im Val Susa gegen den TAV zum Beispiel), es schaffen, den gesellschaftlichen Kontext zu dynamisieren, die Situation zu &#8222;deblockieren&#8220;; fr&#252;her oder sp&#228;ter kommen sie in eine Sackgasse. Es soll gesagt sein, dass das Niveau der Konfrontation mit dem Staat und seinen Ordnungskr&#228;ften nie ein verl&#228;sslicher Gradmesser f&#252;r die Reife eines Kampfes sein und auch nicht aufdecken kann, wovon er der Tr&#228;ger ist: Sozialdemokraten und Konservative aller Art befanden sich auch schon einige Male in Konfrontation mit dem Staat und seiner Polizei, ohne dass ihre Gewalt irgendeinen revolution&#228;ren Gehalt gehabt h&#228;tte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt kein revolution&#228;res Erbe, das f&#252;r sich die Reinheit in Anspruch nehmen kann und es erlaubt, alles ganz einfach und unbeschwert zu verstehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Verschiedene Str&#246;mungen, welche zumindest mit einer praktischen Kritik, die nicht immer m&#246;glich ist, in Kontakt waren, haben einige tiefsinnige Wahrheiten ausgedr&#252;ckt. Es reicht, an die heute verkannte italienische kommunistische Linke (&#8222;Bordigisten&#8220;) zu denken, welche, wenn auch im Rahmen eines rigiden Marxismus, h&#228;ufig sehr respektable Positionen verteidigt hat: gegen die antifaschistischen Volksfronten, gegen den P&#228;dagogismus, gegen den Mythos der Wissenschaft und der Technik. Dann die deutsche Linke (&#8222;R&#228;tekommunisten&#8220;), die situationistische Internationale und nat&#252;rlich sowohl der kollektivistische als auch der individualistische Anarchismus sowie noch andere. Diese Str&#246;mungen waren und bleiben alle gleich einseitig. Man kann von ihnen nur Elemente zur&#252;ckbehalten, die eine m&#246;gliche Synthese erlauben, welche ausserdem immer wieder neu erstellt werden muss.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Anarchisten haben ein Ideal zu verwirklichen. Der Anarchismus ist die noch ideologische Negation des Staates und der Klassen, d.h. der gesellschaftlichen Bedingungen selbst der abgesonderten Ideologie. Er ist die Ideologie der reinen Freiheit, die alles gleichmacht und jede Idee des geschichtlichen &#220;bels beseitigt. Dieser Gesichtspunkt der Fusion aller Teilforderungen hat dem Anarchismus das Verdienst eingebracht, die Ablehnung aller bestehenden Verh&#228;ltnisse f&#252;r die Gesamtheit des Lebens zu repr&#228;sentieren und nicht hinsichtlich einer privilegierten kritischen Spezialisierung, aber da diese Fusion im Absoluten, nach der individuellen Laune, vor ihrer tats&#228;chlichen Verwirklichung, betrachtet wird, hat sie den Anarchismus auch zu einer allzu leicht merklichen Zusammenhangslosigkeit verdammt. Der Anarchismus hat nur in jedem Kampf seine gleiche einfache totale Schlu&#223;folgerung zu wiederholen und wieder aufs Spiel zu setzen, denn diese erste Schlu&#223;folgerung war von Anfang an mit der vollst&#228;ndigen Vollendung der Bewegung gleichgesetzt worden. [&#8230;] Ohne Zweifel beh&#228;lt diese Auffassung vom geschichtlichen Denken des Proletariats diese Gewi&#223;heit, da&#223; die Ideen praktisch werden m&#252;ssen, aber sie verl&#228;&#223;t den geschichtlichen Boden, wenn sie voraussetzt, da&#223; die ad&#228;quaten Formen f&#252;r diesen &#220;bergang zur Praxis schon gefunden sind und nicht mehr ver&#228;ndert werden. [&#8230;] Die im echten Anarchismus mehr oder weniger ausdr&#252;cklich unterhaltene Illusion ist das st&#228;ndige nahe Bevorstehen einer Revolution, die der Ideologie und der aus ihr abgeleiteten praktischen Organisationsform durch ihre augenblickliche Vollendung Recht geben soll.&#8220; Guy Debord, Die Gesellschaft des Spektakels, 1967.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Kritik des Anarchismus bleibt auch nach vierzig Jahren sowohl erbarmungslos als auch wahrheitsgetreu und ausgeglichen. Man sollte &#8222;Unmittelbarkeit des Kommunismus&#8220; nicht mit &#8222;Augenblicklichkeit&#8220; verwechseln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die anarchistische Theorie und Praxis, wie sie heutzutage in Erscheinung tritt, tendiert dazu, die Grenzen der K&#228;mpfe als etwas &#228;usseres, auferlegtes zu sehen. Daher die vergebliche Praxis des &#8222;Stossens&#8220; w&#228;hrend Demonstrationen: Man glaubt, etwas &#8222;befreien&#8220; zu k&#246;nnen, das existiert, jedoch blockiert bleibt (von den B&#252;rokratien der Bewegung, den sogenannten &#8222;Feuerwehrm&#228;nnern&#8220; usw.). In Wirklichkeit sind diese Grenzen ausnahmslos innere Grenzen und das Produkt der K&#228;mpfe selbst. Schauen wir noch einmal die Vergangenheit an, die Geschichte der alten Arbeiterbewegung. Die Gewerkschaftsb&#252;rokratien und die Parteien sind nicht vom Himmel gefallen, sie wurden schlichtweg nicht &#8222;auferlegt&#8220;. Sie sind das Produkt der T&#228;tigkeit des Proletariats, der Probleme, mit welchen es auf dem Weg seiner Organisation konfrontiert war, da es zu einem gewissen Moment seiner Geschichte Probleme nur l&#246;sen konnte, indem es F&#252;hrungsfunktionen an eine spezifische Kategorie von Anf&#252;hrern delegierte. Was geschah in Russland nach 1917? Wie schaffte es die bolschewistische Partei, die Sowjets zu &#8222;monopolisieren&#8220;, ihnen jegliche Funktion zu entziehen und sie danach verschwinden zu lassen? In Wirklichkeit waren die Mitglieder der Partei Lenins die einzigen, welche konkrete Vorschl&#228;ge machten und es waren Vorschl&#228;ge, die &#8222;passten&#8220;. Alles andere war nur folgenloses Geschw&#228;tz.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Andererseits sind alle Versuche gescheitert, die Basis eines Dispositivs gegen die Anf&#252;hrer zu legen. Heute noch hat die (zunehmend l&#228;cherliche) Basis des radikalen Demokratismus, das was &#252;brig bleibt zwischen &lt;a href=&#034;https://de.wikipedia.org/wiki/Nichi_Vendola&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Nichi Vendola&lt;/a&gt; und den Resten der Autonomie, die Anf&#252;hrer, die sie verdient.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt keinen Willen, der sich behauptet. Wenn der Wille zum h&#246;chsten Wert wird, l&#228;sst sich der Wahn blicken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bedingungen der Unterordnung unter die Schicksale des radikalen Demokratismus, welche die Bewegung der direkten Aktion erdulden musste, versetzt sie in die gleiche Position wie der alte Linkskommunismus (Lotta Continua, Potere Opera&#239;o usw.) im Verh&#228;ltnis zum PCI: Es ist der Versuch, den &#8222;wahren&#8220; Antikapitalismus, den &#8222;wahren&#8220; Antifaschismus zu verk&#246;rpern, um die &#8222;Massenbasis&#8220; des Reformismus zu gewinnen. Doch ohne einen Raum autonomer Mobilit&#228;t lohnt sich das Spiel nicht: Als der PCI sich aufl&#246;st, existiert Lotta Continua bereits nicht mehr. Im Wettbewerb mit dem PCI werden sich einige vom besten Willen getriebene Pers&#246;nlichkeiten in eine Bande von Gangstern, in Schutzgelderpresser verwandeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jeder, der behauptet zu intervenieren mit dem Ziel, die aktuellen K&#228;mpfe von ihren eigenen Grenzen zu befreien, kann nur ebendiese Grenzen reproduzieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Der radikale Demokratismus ist jene T&#228;tigkeit, welche die Grenzen des Klassenkampfes dieses Zyklus als un&#252;berwindbaren Horizont formalisiert; die Bewegung der direkten Aktion sieht sich selber als Formalisierung der Dynamik dieses abstrakten Zyklus des unmittelbaren Ganges des Klassenkampfes, er verwandelt den Klassenkampf in einen Kampf zwischen zwei abstrakten individuellen Situationen: die Subversion und die Unterwerfung. F&#252;r die Bewegung der direkten Aktion und den radikalen Demokratismus geht es nur noch um einen Kampf um die Vergesellschaftung freier Individuen: die gute, subversive und freie gegen die schlechte, zwingende und entfremdete.&#8220; (Th&#233;orie Communiste Nr. 17, S. 73)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn man sagt: &#8222;Die Normalit&#228;t unterbrechen&#8220;, &#8222;Momente des Bruches erschaffen&#8220;, spricht man nur von den Modalit&#228;ten des Kampfes innerhalb eines Klassenkampfes (und sogar die Revolte ist eine dieser Modalit&#228;ten): Es geht um ein anderes gesellschaftliches Verh&#228;ltnis als jenes des Kapitalismus, das sich augenblicklich in solchen Momenten zeigte. Es w&#228;re nicht mehr ein Kampf innerhalb eines widerspr&#252;chlichen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisses, sondern zweier verschiedener Verh&#228;ltnisse, die sich in direkter Konfrontation gegen&#252;ber stehen. Man verliert damit den Sinn f&#252;r den totalen Bruch, wenn das neue gesellschaftliche Verh&#228;ltnis faktisch schon im individuellen Lebensstil (von der Ern&#228;hrung bis zu den musikalischen Vorlieben) sowie in der kollektiven Bewegung (die ber&#252;hmte nie bezeugte &#8222;Art des Zusammenlebens&#8220;) pr&#228;sent ist, wird es reichen, dass all das sich ausbreitet. Ich sage das, um zu zeigen, in welcher Hinsicht der radikale Demokratismus und die Bewegung der direkten Aktion einige Sachen gemein haben, einige mehr als sie denken; sie praktizieren auf &#228;hnliche Art und Weise ihre respektiven T&#228;tigkeiten auf einer materiellen Grundlage, von welcher sie sich autonomisieren: der Klassenkampf.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mittlerweile ist der radikale Demokratismus auf dem absteigenden Ast. Sein moralischer Reformismus hat keine Perspektive, die &#252;ber &#246;ko-solidarischen Handel hinausgeht und war unf&#228;hig, sich gesellschaftlich durchzusetzen. Er k&#246;nnte in den n&#228;chsten Jahren die letzten Bastionen verlieren, die ihm bleiben. Und was wird mit der &#8222;Bewegung der direkten Aktion&#8220; geschehen? Es zeigen sich umgekehrte Tendenzen. Ein Teil davon wird gewiss zum Klassenkampf &#252;bergehen. Dieser Beitrag ist ein Zeugnis dieser Tendenz.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Versteht nach all dem, dass ich nicht das geringste Interesse habe, den bis anhin gegangenen Weg weiterzugehen, ohne ihn jedoch a posteriori in Abrede zu stellen oder herabzuw&#252;rdigen, was wirklich absurd w&#228;re. Ihr bleibt selbstverst&#228;ndlich (beinahe) die einzigen, mit welchen es Sinn macht, ein politisches Verh&#228;ltnis zu haben, die problematischen Punkte, die ich etwas zusammenfassend angegangen bin, hindern mich jedoch heute, an einer Aktion mit euch teilzunehmen: Es w&#228;re Selbstverst&#252;mmelung und ausserdem eine ziemlich unehrliche Haltung euren K&#228;mpfen gegen&#252;ber.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch keine Angst, ihr werdet mich noch lange antreffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;la vanit&#224; tua e mia&lt;br class='autobr' /&gt;
all'espressione timida&lt;br class='autobr' /&gt;
d'un timido confronto,&lt;br class='autobr' /&gt;
lo stesso andremo fieri:&lt;br class='autobr' /&gt;
come l'amore dico.&lt;br class='autobr' /&gt;
Come l'amore non sappiamo dove e perch&#233;&lt;br class='autobr' /&gt;
come l'amore non possiamo forzare o sfuggire&lt;br class='autobr' /&gt;
come l'amore spesso noi piangiamo&lt;br class='autobr' /&gt;
come l'amore raramente rispettiamo&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;(Wystan Hugh Auden, Un'altro tempo, 1940)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Robert Ferro,&lt;br class='autobr' /&gt;
Passo Principe sul Catinaccio, Juli 2010&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#220;bersetzt aus dem Franz&#246;sischen von &lt;a href=&#034;https://kommunisierung.net/&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Kommunisierung.net&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://dndf.org/?p=12118&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Quelle&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
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